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Ausgabe | 06
13. Februar 2015
Deutsche
MittelstandsNachrichten
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Dienstleistungen
Roboter wechseln aus der Fabrik an den Schreibtisch
Roboter werden zu Dienstleistern und verändern dort Arbeitsplätze von Rechtsanwaltsgehilfen und Steuerfachkräften
D
er Wandel des terschritt hat aus historischer
tiären Sektors hat
Perspektive stets genauso
begonnen. Aufgrund der
viele neue Arbeitsplätvoranschreitenden
Auze geschaffen, wie er alte
tomatisierung und der
zerstört hat. Waren und
rasanten Entwicklung imDienstleistungen werden
mer intelligenter werdenbilliger, der Wohlstand
der Maschinen erhalten
soll entsprechend steigen.
Roboter in den kommenMartin Ford, Autor des bald
den Jahren verstärkt Einerscheinenden Buches „The
zug in DienstleistungsRise oft he Robots“, sieht
bereiche. Zahlreiche Jobs
das etwas skeptischer. Für
werden wegfallen, die Die Firma Rethink Robotics sucht mit dem Roboter Baxter neue Anwendungsfelder ihn ist es offensichtlich,
strukturelle Arbeitslosig- für Roboter.
dass die Arbeitskraft der
Foto: Rethink Robotics
keit könnte so stark und
Menschen im Vergleich zu
so plötzlich steigen wie zu Zeiten der Au- Behandlungsplan vor. Auch Anwaltskanz- der von Maschinen immer weniger wert
tomatisierung in der Industrie.
leien nutzten intelligente Software, um sein wird. Ford bezieht sich auf eine StuEin neuer Service-Computer von Gesetzestexte nach Anhaltspunkten für die des Pew Centres, die besagt, dass der
IPSoft mit dem Namen Amelia hilft Öl- die Entlastung der Klienten zu durchsu- technologische Wandel bis 2025 mehr
firmen wie Shell und Baker Hughes da- chen – das sei vorher die Hauptaufgabe Stellen vernichten als erschaffen werde.
Denn die Roboter bedrohen nicht
bei, neue Mitarbeiter einzuarbeiten und von Rechtsanwaltsgehilfen gewesen, beAufträge zu erteilen. Ärzte arbeiten in richtet die britische Tageszeitung The Gu- länger nur die Jobs von Fabrikarbeitern.
Der Wandel betrifft Ford zufolge „jeden
Pilotprojekten mit Watson zusammen, ardian.
einem Supercomputer von IBM. Watson
Dieser Strukturwandel der Dienst- Menschen, der an einem Schreibtisch vor
assistiert den Ärzten bei der Diagnose der leister bedeutet nicht, dass es weniger einem Computer sitzt und Informationen
Patienten und schlägt selbstständig einen Arbeit geben wird. Technologischer Fort- jeglicher Art bearbeitet“, das treffe ganz
Analyse
Index für Welthandel: Größter Einbruch seit fast 30 Jahren
Der wichtigste Seehandels-Indikator
Baltic-Dry-Index (BDI) ist am 5. Februar gegenüber dem Niveau vom 29. Januar um
102 Punkte auf 564 Punkte gefallen. Das entspricht einem prozentualen Rückgang von
rund 18,1 Prozent. Damit liegt der BDI nur
10 Punkte über dem Allzeit-Rekordtief von
554 Punkten im Juli 1986. Ende Januar 2014
hatte der BDI noch bei 666 Punkten gelegen.
„Hinzu kommen fallende Ölpreise, die
die Frachtraten drücken und das Wachstum
in China verlangsamen. Damit haben wir die
perfekte Mischung für stürmische Zeiten
bei den Massengut-Frachtern. Ich glaube,
dass es eine Weile dauern wird, bis wir da herauskommen“, zitiert das Wall Street Journal
einen Frachtberater für singapurische und
griechische Reedereien.
Der BDI wird von der Baltic Exchange
in London veröffentlicht. Er ist ein wichtiger
Preisindex für das weltweite Verschiffen von
Hauptfrachtgütern (hauptsächlich Kohle,
Eisenerz und Getreide) auf Standardrouten.
In diesem Zusammenhang werden insgesamt 23 Schifffahrtslinien berücksichtigt.
Der Weltwirtschaft droht nach Einschätzung der Industriestaaten-Organisation OECD eine anhaltende Stagnation. Nur
mit ehrgeizigen Strukturreformen ließen
sich die Konjunktur ankurbeln und die
wachsende soziale Ungleichheit in vielen
Ländern bekämpfen, machte OECD-Gene-
ralsekretär Angel Gurria am Montag kurz
vor einem G20-Finanzministertreffen in Istanbul deutlich. „Es besteht die Gefahr, dass
wir in eine langandauernde Phase geringen
Wachstums geraten”, warnte er. Reformmüdigkeit gebe es hauptsächlich in den Industrieländern und hier vor allem in Japan und
der Euro-Zone.
Für Deutschland kritisiert die OECD die
niedrige Frauenquote bei Vollzeitstellen. Außerdem reichen die angestellten Bemühungen im Bildungssektor nicht aus: Höhere
Bildung ist immer noch stark abhängig vom
sozio-ökonomischen Hintergrund, stellt die
OECD in ihrem Länderbericht zu Deutschland fest.
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besonders dann zu, wenn die Arbeit auf
Routine und Skripten basiere.
Besonders deutlich bzw. erschreckend
ist dieses Szenario mithilfe einer Software
des New Yorker Start-ups Work Fusion
vorstellbar. Die Software kann Arbeitsprozesse jeglicher Art analysieren und in
kleinste Prozesse aufsplitten. Diese werden so weit wie möglich automatisiert.
Für den Rest der Arbeit werden Freelancer
eingestellt, die Aufgaben erledigen, für
die man tatsächlich nachdenken muss.
Das Besondere dabei: Die Software lernt
von den Freelancern. Mit der Zeit trainierten die Selbstständigen das Programm
dazu, immer mehr Prozesse auslagern zu
können und immer mehr Freelancer zu
ersetzen, so Ford.
Für Freelancer entstehen aber auch
neue Möglichkeiten, Geschäftsmodelle zu
entwickeln, die auf dem Prinzip der Wirtschaft auf Abruf (Economy on Demand)
basieren. Denn das Ziel des Automatisierungsprozesses ist nicht, Arbeitsplätze
abzuschaffen, sondern die Arbeiter von
Routineprozessen zu befreien, damit sie
neuen, kreativeren Arbeiten nachgehen
können.
Ford argumentiert, dass künftig nicht
mehr massenhaft Jobs über Nacht überflüssig würden und eine große Welle der
strukturellen Arbeitslosigkeit ausgelöst
werde. Die Jobs würden eher in Zeiten der
wirtschaftlichen Rezession wegfallen. In
Zeiten des Aufschwungs fänden Unternehmen dann Möglichkeiten, Menschen
durch Maschinen zu ersetzen. Dieser Prozess würde mehrere Jahre anhalten.
Eine weitere technikskeptische Perspektive liefern Erik Brynjolfsson und
Andrew McAfee in ihrem Buch „The Second Machine Age“. Sie sagen, dass es kein
politisch oder wirtschaftlich gültiges Gesetz gebe, dass besage, dass technologischer Fortschritt Arbeitsplätze schaffen
und Wohlstand herbeiführen müsse. Aus
dieser Hypothese leiten sie ab, dass der
technologische Wandel mit einem politischen, wenn nötig radikalen Wandel der
Regulierung einhergehen müsse. Die Aufgabe des Staates sei es, Unternehmern die
Möglichkeiten zu geben, neue Technologien auf den Markt zu bringen und Industrien zu verändern. Gleichzeitig warnen
Wissenschaftler wie Stephen Hawking vor
den großen Unbekannten der künstlichen
Intelligenz, sie fordern Unternehmer auf,
sich selbst moralische Leitlinien zu geben.
„Computer können bereits jetzt besser Schach spielen, bessere Rechtsarbeit
leisten und medizinische Diagnosen
stellen“, so Brynjolfsson. „Dieser Prozess
wird sich beschleunigen.“ Dabei handele
es sich um einen Prozess, der bereits seit
den 70er Jahren laufe. Die Auswirkungen
seien nur erst jetzt sichtbar.
Einer Studie der Universität Oxford
zufolge sind allein in Großbritannien in
den nächsten zehn bis zwanzig Jahren 35
Prozent aller Jobs gefährdet.
Das ist ein Umstand, der bereits in
dem rasant wachsenden Niedriglohnsektor in ganz Europa abzulesen ist. Aktuellstes Beispiel ist die Deutsche Post, die
sich durch eine neue Struktur im Versand
– ähnlich wie Amazon – ihren eigenen
Niedriglohnsektor schafft.
Bürojobs, Tätigkeiten in der Verwal-
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fährdet sind, sind die von Hotel-Managern, Ärzten, Lehrern, Krankenschwestern, Architekten, Anwälten, Beratern im
Management, IT-Fachkräften, Erziehern,
Künstlern und Journalisten. Roboter
können zwar bereits Finanz- und Sportnachrichten automatisch schreiben, doch
der Beruf wird deshalb aufgrund seiner
hohen Anforderungen nicht wegfallen.
Deutschland braucht zudem zahlreiche
neue Pflegekräfte. Doch die Interaktion von Robotern und pflegebedürftigen
Menschen ist noch undenkbar.
Die Robotik kommt nicht um ein
grundlegendes Problem herum: das gezielte Greifen und Ausführen von präzisen Handbewegungen. „Während ein
Mensch problemlos in eine Dose voller
unterschiedlicher Einzelteile fassen und
das richtige herausholen kann, ist dieser
einfache Prozess für einen Roboter noch
unmöglich“, erläutert Rodney Brooks,
Gründer von Rethink Robotics, die mit ih-
C-3PO aus den Star-Wars-Filmen ist der wohl bekannteste Roboter-Dolmetscher.
Foto: Flickr/Gordon Tapley/CC BY 2.0
tung, im Vertrieb, bei Dienstleistern jeglicher Art, im Transportwesen und am
Bau sowie im Handwerk sind gleichermaßen gefährdet. Jobs in der Buchhaltung, in der Bank, Jobs von Steuerexperten, Verkäufern und sogar Kellnern sind
betroffen.
Arbeitsplätze, die am wenigsten ge-
rem Roboter Baxter neues Terrain erkundet haben.
Vor der Schaffung neuer Stellen steht
jedoch immer zunächst die Vernichtung
von Arbeitsplätzen. Erst nach dieser (kreativen) Zerstörung können dann neue interessantere, kognitiv anspruchsvollere
und besser bezahlte Jobs entstehen.
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Konjunktur
Werkzeug-Maschinenbauer erwarten stärkeres Wachstum in 2015
Der tiefe Ölpreis und der schwache Kurs des Euro sollen Werkzeug-Maschinenbauern wieder zu mehr Wachstum verhelfen
D
ie deutschen Werkzeugmaschinenbauer erwarten nach einem
Dämpfer 2014 im laufenden Jahr wieder
anziehende Geschäfte. Die Produktion
solle um drei Prozent zulegen, teilte der
Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) am Mittwoch mit. „Der
niedrige Ölpreis und die Abwertung
Martin Kapp. 2014 war die Produktion
um ein Prozent auf 14,4 Milliarden Euro
zurückgegangen. Zuwächse erwartet der
Verband durch die wieder wachsende Bedeutung der Industrie in den USA. Auch
in Europa und Asien sei eine Erholung zu
erwarten.
Sorge bereitet den Unternehmen
Die Herstellung von Werkzeugmaschinen steht am Anfang weiterer Investitionen.
Foto: Dietmar Meinert/Pixelio.de
des Euro beleben die Investitionen und
stärken damit auch die Nachfrage nach
Werkzeugmaschinen”, sagte VDW-Chef
das Russland-Geschäft, das unter den
Sanktionen des Westens wegen der Ukraine-Krise und dem schwachen Rubel lei-
det. „Das größte, derzeit absehbare Risiko
für unsere Branche birgt das Russlandgeschäft”, sagte VDW-Chef Kapp. 2014 seien
die Bestellungen aus dem Land um über
die Hälfte eingebrochen.
Die Branche mit knapp 73.000 Beschäftigten gilt als ein Frühindikator
für die Konjunkturentwicklung, da die
Herstellung von Werkzeugmaschinen
oft am Anfang weiterer Investitionen
steht. Wichtige Kunden sind andere Maschinenbauer und die Automobilindustrie, die zusammen allein 70 Prozent
der Werkzeugmaschinen abnehmen. Die
deutschen Hersteller sind im weltweiten
Produktions-Ranking auf Platz Drei hinter China und Japan. Zu den großen Firmen gehören DMG Mori Seiki, Trumpf,
Schuler und Hermle.
Mit ihrer Prognose für 2015 liegen
die Werkzeugmaschinenbauer über den
Erwartungen des gesamten deutschen
Maschinenbaus. Der Verband Deutscher
Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)
peilt in diesem Jahr eine Steigerung der
Produktion um zwei Prozent an. Rückenwind bekommen die Werkzeugmaschinenfabriken von den Auftragseingängen
im Schlussquartal 2014, die vor allem
dank der Nachfrage aus dem Ausland gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 15
Prozent zulegten.
Innovation
Fahrdienst Uber führt Panik-Funktion ein
Uber macht seinen Mitfahrservice sicherer. Mit einem neuen Panic-Button können Nutzer die Polizei verständigen
N
utzer des Fahrdienstes Uber können
mit der aktuellsten Version der Software einen Notruf absetzen. Das soll die
Dienstleistung in Indien sicherer machen.
Außerdem können sie ihren Aufenthaltsort
mit bis zu fünf Menschen teilen. Die beiden
Funktionen wurden eingeführt, nachdem
eine Mitfahrerin öffentlich gemacht hatte,
dass sie im Dezember in Neu Delhi von einem Fahrer vergewaltigt worden sei.
Uber nennt die Notruffunktion „PanicButton“ und die Weitergabe des Standortes
das „Safety-Net“. Zusätzlich zu den Funktionen baut das Unternehmen ein Team
von Mitarbeitern auf, das auf die Notrufe
reagiert.
Die neuen Funktionen sollen ab Mittwoch für Nutzer in Indien verfügbar sein.
Uber sagte nicht, ob die Funktionen auch
in anderen Ländern verfügbar sein sollen,
kündigte aber weitere Updates in den kommenden Monaten an.
Uber wird mit 40 Milliarden US-Dollar
bewertet und ist eines der erfolgreichsten
und umstrittensten Unternehmen der vergangenen Jahre. Durch den Fahrdienst geraten Taxi-Industrien in zahlreichen Ländern
der Welt unter Preis- und Anpassungsdruck.
In Neu-Delhi ist Uber derzeit verboten.
Die Mehrheit der Deutschen im Alter
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zwischen 18 und 35 Jahren wünscht sich
ein größeres Angebot an Mitfahr-Services
(Ridesharing) wie Uber in Deutschland,
um ihre persönlichen Fortbewegungsmöglichkeiten zu erweitern. 70 Prozent der Befragten wollen entsprechende Dienste in
Anspruch nehmen oder haben dies bereits
getan, so eine Studie der PR-Firma Penn
Schoen & Berland. Gleichzeitig sieht rund
die Hälfte der Befragten die Regierung in
der Pflicht, innovative Optionen dieser Art
zu fördern. In der Umfrage wurden mehr
als 1.000 Deutsche im Alter zwischen 18
und 35 Jahren befragt.
Junge Deutsche stehen Wettbewerb,
Innovationen und neuen Transportmöglichkeiten sehr positiv gegenüber. Drei von
fünf Befragten sprechen sich generell für
die aktive Förderung von Wettbewerb und
innovativen Konzepten durch die Politik
aus und wünschen sich explizit mehr Auswahlmöglichkeiten bei der Personenbeförderung in ihrer Region.
Bislang nutzen nur fünf Prozent der
Deutschen zwischen 18 und 35 Jahren regelmäßig Ridesharing-Dienste. Die Mehrheit
von rund 65 Prozent sieht aber in genau
diesem Angebot eine ernstzunehmende
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Bald können Uber-Nutzer auf der ganzen Welt ihren Standort mit Freunden teilen.
Foto: Flickr/ bfishadow/CC BY 2.0
Option, die sie zukünftig nutzen wollen.
Vor allem in ländlichen Gegenden fehlt es
ihnen an ausreichend öffentlichen Transportmöglichkeiten.
In Deutschland bietet Uber seine Dienste bereits in Berlin, Hamburg, München,
Frankfurt und Düsseldorf an. Weltweit ist
Uber in 205 Städten und 45 Ländern aktiv.
Versicherungen
Zu teuer: Versicherungen verweigern Schutz bei Cyber-Attacken
Versicherer bezeichnen das finanzielle Risiko bei globalen Cyber-Attacken als unbezahlbar. Die Steuerzahler sollen haften
D
as Risiko für Cyber-Attacken ist inzwischen so hoch, dass Versicherungen diese nicht mehr abdecken wollen.
Stattdessen fordern sie von den Regierungen, für die Risiken zu haften. Dies sagte
Versicherern ist das Risiko beim Datenklau zu hoch.
Foto: I-vista / pixelio.de
der Chef der Versicherung Catlin, dem
größten Versicherer auf dem Londoner
Versicherungsmarkt Lloyds of London.
Tags zuvor hatte der US-Gesundheitsversicherer Anthem bekannt gemacht,
dass Hacker sein System geknackt und in
einem „sehr ausgefeilten Angriff“ Sozialversicherungsnummern und Einkommensdetails der Kunden und Mitarbeiter
gestohlen hätten. Stephen Catlin, Gründer
der Catlin-Versicherung, nannte CyberSicherheit das „größte Systemrisiko“, das
ihm in seiner 42-jährigen Versicherungskarriere begegnet sei, so ein Bericht der
Financial Times.
„Unsere Bilanzen sind nicht groß genug, um dafür zu bezahlen“, so der Gründer
von Catlin. Solche großen Verbindlichkeiten zu managen, sei demnach Aufgabe von
Regierungen, nicht von Versicherungen.
Viele Versicherer hegen ähnliche
Vorbehalte, wenn es darum geht, CyberSecurity-Risiken zu beziffern. Einige Versicherungs-Chefs sprechen jedoch auch von
einer wachsenden Zahl elektronischer Einfälle für Produkte, die Möglichkeiten für die
Branche bergen, um mehr Versicherungen
zu verkaufen.
Mehrere Versicherer bieten CyberVersicherungspolicen an, die Unternehmen dabei helfen sollen, die Kosten bei der
Erstellung forensischer Untersuchungen
gegen Cyber-Attacken oder bei der Verteidigung in Gerichtsverfahren zu tragen. Allerdings sind die Deckungssummen stark
beschränkt und die Versicherungsprämien
tendenziell enorm hoch.
Die Cyber-Risiken seien schwer einzuschätzen, da sie schwer in ein berechenbares Modell zu bringen und zudem von
ungewöhnlich systemischer Natur seien.
Eine Schwachstelle in einer weit verbreiteten Software könne weltweit ganze Systeme zum Einsturz bringen. Das mache
die Sparte anfällig für weltweit zeitgleiche
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Multimilliarden-Dollar-Forderungen. „Es ist
möglich, den gleichen Ausfall auf der ganzen Welt zu haben“, so Catlin. Traditionelle
Risiken wie etwa Naturkatastrophen seien
zumindest räumlich begrenzt.
Regierungen hatten bereits für AntiTerror-Versicherungen einspringen müssen, weil die Versicherer sich weigerten, die
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Risiken von Terror-Angriffen zu übernehmen. Cyber Security berge allerdings im
Vergleich mit Terrorismus noch weitaus
größere Risiken, so Catlin.
Mittelstand
Anteil der Akademiker unter den Firmengründern steigt
Die Zahl der Gründer in Deutschland sinkt, der Anteil der Akademiker steigt. Sie sind meist in freien Berufen tätig
D
ie Zahl der Gründer in Deutschland
sinkt stetig. 2001 waren es 2,9 Prozent der Bevölkerung, die ein Unternehmen gegründet haben. Im Jahr 2013 ist
dieser Anteil auf 1,7 Prozent abgesunken.
Der Anteil der Hochschulabsolventen unter den Gründern steigt indes stetig. Die
meisten machen sich als Ärzte, Anwälte
oder Architekten selbstständig.
Der demografische Wandel werde
die Zahlen der Gründer auch in Zukunft
sinken lassen. Die Wirtschaft brauche deshalb Gründer mit hoher Innovationskraft,
denn das sei für die Volkswirtschaft am
besten, heißt es in einem Forschungsbericht der Kreditanstalt für Wiederaufbau
(KfW).
„Die Zahl der Absolventen, die eine
Hochschule mit einem ersten Abschluss
verlassen, hat sich seit 2001 nahezu verdoppelt und lag 2012 bei fast 310.000“,
schreibt die KfW. Das liegt daran, dass auch
die Nachfrage nach Berufseinsteigern mit
einem abgeschlossenen Hochschulstudium zwischen 2007 und 2013 von 14 auf 20
Prozent deutlich gestiegen ist.
Mit der Qualifikation steigt auch die
Gründungsneigung. 2013 haben 2,4 Prozent
aller Hochschulabsolventen ein Unternehmen gegründet. Gemessen an allen Gründern beträgt der Anteil der Hochschulabsolventen 29 Prozent. Im Jahr 2013 gab es bei
den Akademikern 14 Prozent mehr Gründer
als vor dem Jahr 2007. Auch die Finanzkrise
hat diesen Trend nicht negativ beeinflusst.
Die KfW geht davon aus, dass Akademiker
durch ihr Gründerverhalten dem demografischen Wandel entgegenwirken.
Gemessen an der Marktneuheit der
Produkte sind Akademiker nicht innovativer als andere Gründer. Aus den Fachbereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT-Fächer) kommen
zahlreiche Innovationen. Absolventen von
MINT-Studiengängen starten dementspre-
chend häufiger mit einer Marktneuheit als
Rechts- oder Wirtschaftswissenschaftler.
In Bezug auf die Gesamtgründerzahl sind
MINT-Gründer unterrepräsentiert, da sie
nur ein Viertel aller Hochschulgründer ausmachen.
„Nur etwa 5 Prozent aller Gründer mit
Hochschulabschluss starten ihr Projekt aus
einer Tätigkeit als Professor, wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Angestellter einer
Hochschule oder eines Forschungsinstitutes heraus“, schreibt die KfW. Doch diese
Gruppe hat das höchste Innovationspotenzial. Jedes zweite Produkt ist eine Weltoder Deutschlandneuheit. Dabei gibt es bei
dieser Gründergruppe kaum eine konkrete
Gründungsidee. Vielmehr entwickeln sich
Anteil der Akademikergründer.
die meisten Ideen aus der Berufspraxis.
Mehr als die Hälfte aller Hochschulgründer (53 %) entwickelt eine Idee, die
ihrer persönlichen oder beruflichen Erfahrung entspricht. Sie erkennen eine Nachfrage, die nicht bedient wird (57 %). Nur 12
Prozent haben eine eigene Erfindung, die
die Gründung eines Unternehmens nach
sich zieht.
Die Brachenverteilung ist eindeutig:
Acht von zehn Akademikergründern werden Dienstleister, bei denen ohne Hochschulabschluss liegt der Anteil bei nur 61
Prozent. Die Studien bereiten auf Berufe
wie Ärzte, Anwälte, Physiotherapeuten oder
Lehrer vor.
Ansonsten gibt es kaum Unterschiede
zwischen Akademikern und Nicht-Akademikern, wenn man mal auf die Spezialausbildung durch die Universität absieht. Innovationskraft und Frauenanteil sind sich sehr
ähnlich, genauso wie der Anteil der Teamgründer, die Anzahl der Mitarbeiter und der
Umsatz der beiden Gründergruppen.
Quelle: KfW-Gründungsmonitor
Akademiker brauchen selten nur
5.000, meistens bis zu 10.000 Euro, um ihr
Unternehmen zu starten. Sie decken ihren
Finanzbedarf überwiegend aus ihren eigenen Reserven. Die größten Sorgen sehen
sie in bürokratischen Hürden, in der Akquise von Aufträgen sowie in der Herstellung
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von Kundenkontakten. Durch ihr Studium
haben Akademiker zwar Fachkompetenzen,
unternehmerisches Wissen steht jedoch
nicht im Vordergrund.
Hochschulabsolventen fällt es schwer,
ihre berufliche Tätigkeit für die Gründung
eines Unternehmens aufzugeben. Sie verdienen meist überdurchschnittlich und
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fürchten eine zu hohe Belastung für ihre
Familie oder die Partnerschaft.
Im internationalen Vergleich sind deutsche Akademiker nicht besonders gründungs-
Märkte
Verkäufe von Googles Betriebssystem Android sinken
Apple hat es mit seinem iPhone 6 geschafft, Android Marktanteile wegzuschnappen
D
ie Verkäufe von mobilen Geräten mit
dem Google-Betriebssystem Android sind zum ersten Mal seit der Existenz
von Android gesunken. Konkurrent Apple
ist es zudem gelungen, Android Marktanteile zu stehlen. „Das ist eine erstaunliche Niederlage für ein Produkt, das kostenlos an die Hersteller abgegeben wird“,
schreibt Jim Edwards für den Business
Insider. Er sieht darin nicht nur eine kleine Veränderung im Marktanteil, sondern
eine nachhaltige Entwicklung, die Google
Sorgen bereiten sollte.
Android befinde sich an einem „existenziellen Scheideweg“, schreibt Edwards.
Die Entwickler von Android könnten mit
einem kostenlosen Produkt nicht gegen ein
Produkt ankommen, das von der Qualität
her ebenbürtig ist und für das Menschen
auf der ganzen Welt bereits sind, bis zu 750
US-Dollar zu bezahlen.
Noch ist von diesem Niedergang nicht
viel zu spüren. Apple hat im vergangenen
Jahr 75 Millionen Geräte mit dem iOs verkauft, bei Android waren es 206 Millionen.
Doch bei Android gab es vorher noch nie einen Rückgang bei den Verkaufszahlen.
Das Produktprofil von Android ist dem
von Apples iPhone entgegengesetzt. Das
iPhone hatte einmal das Image des Smartphones der Reichen – Android ist für die
breite Masse gedacht. Das Android 1 wurde
in Indien zum Preis von umgerechnet 100
Dollar angeboten. Auch in China wurden
zur Markteinführung Geräte angeboten, die
zu einem Bruchteil des iPhones über den
Ladentisch gingen, optisch und funktionell
aber ebenbürtig waren.
In der Bedienung unterscheiden sich beide Produkte deutlich voneinander. Android
ist flexibler, Nutzer können es auf viele verschiedene Arten bedienen, bei iOs gibt es nur
eine Möglichkeit, durch Apps zu navigieren.
gen. Stattdessen ist an den oben genannten Zahlen genau das Gegenteil abzulesen.
Das bedeutet, dass auch Konsumenten mit
niedrigem Einkommen damit beginnen, ihr
Einkommen zu sparen und sich ein iPhone
zuzulegen. „Es gibt noch zwei weitere Pro-
Seitdem Apple das iPhone mit großem Display verkauft, sinken die Verkaufszahlen von Samsung. Foto: Flickr/ Kārlis Dambrāns/CC BY 2.0
Trotzdem ist es Apple mit dem Verkauf
des iPhone 6 gelungen, Android signifikant
Marktanteile wegzunehmen. Gemessen an
den absoluten Verkaufszahlen der Geräte
mit entweder Android oder Apple, ist der
Marktanteil von Apple von 17,6 Prozent im 4.
Quartal 2013 auf 19,6 Prozent im 4. Quartal
2014 gestiegen. Im gleichen Zeitraum ist der
Marktanteil von Android von 78,3 Prozent
auf 76,7 Prozent gesunken.
In einem Markt mit zwei Produkten,
indem das eine günstiger ist, sollte sich
der Marktanteil dieses Produktes verfesti-
dukte, bei denen das der Fall ist: Autos und
Hochzeiten“, schreibt Edwards.
Samsung hat in den vergangenen Jahren erfolgreiche Produkte mit Android
verkauft und profitierte davon, dass Apple
nur iPhones mit kleinen Bildschirmen verkaufte. Das ist nun vorbei. Und die neuen Samsung-Geräte sind vollgepackt mit
Software, die niemand braucht. Die Verkaufszahlen sind rückläufig. Anhand dieser
Entwicklungen genügt es für Android nicht
mehr, stets nur die billige und adäquate Alternative zu Apple zu sein.
Impressum Geschäftsführer: Christoph Hermann, Karmo Kaas-Lutsberg. Herausgeber: Dr. Michael Maier (V.i.S.d. §§ 55 II RStV). Chefredakteurin: Jennifer Bendele. Redaktion: Thomas Gollmann, Anika Schwalbe, Gloria Veeser. Sales Director: Philipp Schmidt. Layout: Elke Baumann. Copyright: Blogform
Social Media GmbH, Kurfürstendamm 206, D-10719 Berlin. HR B 105467 B. Telefon: +49 (0) 30 / 81016030, Fax +49 (0) 30 / 81016033. Email: info@blogformgroup.com. Erscheinungsweise wöchentliches Summary: 52 Mal pro Jahr. Bezug: abo@blogformgroup.com. Mediadaten: media@blogformgroup.com.
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