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Pressemitteilung
28. Oktober 2014
Bundesweiter Wettbewerb der Wüstenrot Stiftung
Baukultur in Deutschland
Von der Architekturqualität im Alltag zu den Ikonen der Baukunst
Baukultur ist ein zentrales Merkmal unserer gebauten Umwelt. Sie ist eine
Visitenkarte für Städte, Unternehmen, Institutionen und örtliche Gemeinschaften.
Hohe Baukultur wird als Standortfaktor wirksam und trägt maßgeblich zur
Identifikation mit einem Gebäude, einem Ort oder einer Region bei.
Der Gestaltungspreis Baukultur in Deutschland der Wüstenrot Stiftung zielt
darauf, anhand besonders gelungener Beispiele einen Beitrag zur Klärung der
wichtigsten Kriterien und Merkmale von Baukultur zu leisten. Insgesamt 615
Einsendungen aus dem gesamten Bundesgebiet schaffen einen aktuellen und
breiten Überblick, aus dem sich vielfältige Anregungen für eine breite Erörterung
des Verständnisses von Baukultur gewinnen lassen.
Der Gestaltungspreis Baukultur in Deutschland verdeutlicht mit seinen Ergebnissen, dass Baukultur aus vielen und unterschiedlichen privaten, gewerblichen und
öffentlichen Bauaufgaben entsteht. Die Bandbreite reicht dabei von der Architekturqualität im Alltag bis zu besonderen Ikonen der Baukunst.
Aus den 615 Einsendungen hat die Jury unter Vorsitz von Prof. Volker Staab in
mehreren Sitzungen, zwischen denen die Gebäude in der engeren Wahl vor Ort
besichtigt wurden, über die Vergabe der Prämierungen und der Preisgelder in
Höhe von insgesamt 53 000 Euro entschieden.
Der mit 15 000 Euro dotierte Gestaltungspreis geht an die Architekten Lederer
Ragnarsdóttir Oei (Stuttgart) für den Neubau des Hospitalhofes in Stuttgart.
Damit würdigt die Jury ein vorbildhaftes Bauen im städtebaulichen Bestand,
einen gelungenen Beitrag zur Stadtreparatur und einen Glücksfall für die
Baukultur.
Charakteristisch für den Neubau sind seine hohe funktionale Qualität, der bemerkenswerte Respekt gegenüber der Geschichte des Grundstückes und den noch
vorhandenen Rudimenten vorhergehender Bebauung sowie der dadurch
geschaffene beispielhafte Beitrag für eine neue, lebendige, kommunikative und
soziale Mitte eines innerstädtischen Quartiers. Die Fassaden spielen mit
verschiedenen architektonischen Ausdrucksformen; der Innenhof heißt
willkommen und verbindet den Eingang mit zahlreichen Aufenthaltsangeboten,
und auch Ökonomie und Ökologie sind stimmig in einem aus Neu und Alt
2
entstandenen Ensemble von
städtebaulicher Aussagekraft.
hoher
architektonischer
Qualität
und
Die zweite Preiskategorie bilden vier Auszeichnungen mit je 5 000 Euro:
-
Bayer & Strobel Architekten (Kaiserslautern) für die neue Aussegnungshalle
in Ingelheim. Es ist eine Bauaufgabe, die in der Regel nur wenig öffentliche
Aufmerksamkeit erhält: Die Erweiterung eines bestehenden Friedhofs in
Verbindung mit dem Neubau einer zentralen Aussegnungshalle als Ort des
Abschieds und der gemeinsamen Trauer. In Ingelheim hat die Kommune ein
bemerkenswertes Bekenntnis zu dieser Bauaufgabe in Auftrag gegeben. Entstanden ist ein Ensemble mit hoher architektonischer Qualität, das es Menschen konfessionsübergreifend ermöglicht, gemeinsam Abschied zu nehmen.
Materialwahl, Raumkonzeption, Belichtung und Sichtbeziehungen wurden mit
großer Sensibilität so gestaltet, dass sie ein hohes Maß an Geborgenheit,
Würde und Offenheit ausstrahlen.
-
Max Dudler (Berlin) für den Restaurantneubau auf dem Hambacher Schloss
in Verbindung mit verschiedenen Maßnahmen zur Erneuerung der
Infrastruktur und der Außenanlagen des Hambacher Schlosses. Behutsam
wird auf der historischen Anlage unter Einbindung des Entreegebäudes, des
Restaurants und eines erweiterten Schlossplatzes eine Ringerschließung
entwickelt, die durch Öffnen und Verdichten der Räume den Aufgang zur
Schlossruine für den Besucher neu inszeniert. Das Restaurant fügt sich
hervorragend in die vorgefundene Bausubstanz ein und schafft zugleich ein
neues, spannendes Raumkontinuum. Ein bedeutsamer Ort der deutschen
Geschichte wird durch das gelungene Zusammenspiel der einzelnen
Maßnahmen in vorbildlicher Weise für die Öffentlichkeit erlebbar gemacht.
-
Thomas Kröger (Berlin) für Erweiterung und Umbau des Werkhaus Schütze
in Gerswalde. Das Gebäude wurde ursprünglich in den 1980er Jahren als
Schlosserei und Schmiede mit Verwaltungsbereich einer landwirtschaftlichen
Produktionsgenossenschaft in der Uckermark errichtet und nun zu einer
Tischler-Werkstatt mit Wohn- und Wirtschaftsteil umgebaut. Durch eine neue
Außenhaut fügt sich das Haus in die flache Hügellandschaft der Umgebung
ein. Die gelungene Interpretation des Um- und Weiterbauens eines
alltäglichen Gebäudes, der spannungsreiche Bezug zwischen neu
geschaffenen Innenräumen und der Landschaft sowie die sparsame und
gestalterisch gelungene Verwendung der eingesetzten Materialien machen
das Werkhaus zu einem wichtigen Beitrag für die Baukultur im ländlichen
Raum.
-
schneider + schumacher Planungsgesellschaft mbH (Frankfurt a. M.) mit
Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH für den Neubau der Ölhafenbrücke
in Raunheim. Die Ölhafenbrücke löst hohe funktionale und technische Anforderungen in Form einer großzügigen Spiralskulptur mit großer Eleganz und
hoher symbolischer Strahlkraft. Das von Architekten und Ingenieuren gemeinsam entwickelte Entwurfs- und Gestaltungskonzept steht beispielhaft für den
interdisziplinären Ansatz der Baukultur. Im Ergebnis wird nicht nur ein
verkehrlicher Brückenschlag, sondern ein gesellschaftlicher Mehrwert für
3
Identität und Nutzen des Ortes geschaffen. Bemerkenswert auf der Ebene
des Planungsprozesses ist die interkommunale Kooperation zwischen drei
Nachbargemeinden.
Neun Anerkennungen (3. Preiskategorie) zu je 2 000 Euro erhielten:
-
Bembé Dellinger Architekten und Stadtplaner GmbH (Greifenberg) für die
neue Ortsmitte Wettstetten. Das Ensemble beeindruckt durch die gelungene
Erfüllung städtebaulicher, funktionaler und sozialer Ansprüche an die neue
Ortsmitte einer etwa 5.000 Einwohner zählenden Gemeinde.
-
Heinrich Böll (Essen) für den Umbau des Pumpenhaus Bochum zu einem Besucherzentrum mit Gastronomie. Geschickt werden neue Nutzungen eingefügt, wobei im Inneren durch die unverkleideten Konstruktionen die Spuren
der Industriekultur und die historische Eigenart des Gebäudes sichtbar
bleiben.
-
Winfried Brenne Architekten (Berlin) für die denkmalgerechte Sanierung der
Akademie der Künste Berlin am Hanseatenweg. Vom Brandschutz über energetische Ertüchtigung bis zur Modernisierung der Haustechnik wurde eine
grundlegende Erneuerung erreicht, ohne die einmalige Atmosphäre des Hauses und sein Erscheinungsbild zu beeinträchtigen.
-
Glass Kramer Löbbert – Gesellschaft von Architekten mbH mit Prof. U. Graff
(Berlin) für den Neubau envihab – Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin in
Köln-Porz. Das Gebäude demonstriert beispielhaft, wie komplexe technische
und funktionale Anforderungen in ein überzeugendes konstruktives und
räumliches Konzept überführt werden können.
-
ifau und Jesko Fezer | Heide & von Beckerath (Berlin) für das
Baugruppenprojekt R50 in Berlin. Das Projekt liefert eine überzeugende
Antwort für das gemeinschaftliche Wohnen in der Stadt an einem Standort,
an dem die Auseinandersetzung mit dem Ort, den Nachbarschaften sowie
dem Straßen- und Freiraum nur aus dem Dialog mit den Eigennutzern heraus
lösbar war.
-
Kissler + Effgen Architekten (Wiesbaden) für die Umgestaltung der Kirche
Sankt Bartholomäus in ein Kolumbarium in Köln. Der Innenraum wird durch
eine mit einem transparenten Metallnetz abgegrenzte Kapelle neu gegliedert;
es entsteht ein spannungsreicher Kontrast zwischen bestehendem Kirchenraum und sensibel gewählten Materialien der neuen Einbauten.
-
J. Mayer H. und Partner (Berlin) für die Schaustelle in München. Das Projekt
zeigt beispielhaft, dass auch temporäre Bauaufgaben mit ihrer Wirksamkeit
im städtischen Raum und ihrer Gestaltqualität einen Beitrag zur Baukultur
leisten können.
-
Molestina Architekten Gesellschaft für Architektur mbH (Köln) für den Umbau
der Zollhalle 12 im Rheinauhafen Köln. Die neue Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes beinhaltet Gewerbeflächen im Erdgeschoss und eine
Vielfalt an Wohnungstypen in den Obergeschossen, die den Anforderungen
zeitgenössischen urbanen Wohnens gerecht werden.
4
-
schneider + schumacher Planungsgesellschaft mbH (Frankfurt a. M.) für die
Erweiterung des Städel Museums in Frankfurt (a.M.). Eine weiträumig und
vielfältig bespielbare Ausstellungshalle als unterirdische Erweiterung schenkt
dem Museum einen alle anderen Räume kontrastierenden, besonderen Ort.
Durch die leicht gewölbte Decke wird oberirdisch ein großzügiger Freiraum
erhalten, der zum Verweilen einlädt.
Kriterien
Bewertet wurden in diesem Wettbewerb in erster Linie:
•
•
•
•
Die Signifikanz der Baumaßnahme als Beitrag zur Baukultur
Die Qualität der architektonischen Gestaltung und des Städtebaus
Die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit
Gegebenenfalls: Der vorbildhafte Umgang mit historischer Bausubstanz.
Aufgrund der außerordentlich hohen Zahl an bemerkenswerten Einsendungen
und gelungenen Beiträgen zur Baukultur in Deutschland wurden die Zahl der
Prämierungen und die Preissumme des Wettbewerbes erhöht. Die Wüstenrot
Stiftung dankt gemeinsam mit den Mitgliedern des Preisgerichtes allen
Teilnehmern für ihr Engagement zur Wahrung und Fortführung einer hohen
Baukultur in Deutschland.
Der alle zwei Jahre bundesweit ausgeschriebene Gestaltungspreis der gemeinnützig tätigen Wüstenrot Stiftung gehört nach der Anzahl der Einsendungen und
nach der Höhe der Preissumme zu den bedeutenden Architekturwettbewerben in
Deutschland.
Mit den regelmäßigen Preisverleihungen zu wechselnden Themen versucht die
Wüstenrot Stiftung, wirksame Impulse für die Gestaltung der gebauten Umwelt
und die Bewahrung vorhandener Baukultur zu geben und die Politik und
Öffentlichkeit auf beispielhafte Problemlösungen aufmerksam zu machen.
Preisgericht
Prof. Volker Staab, Architekt, Berlin (Vorsitzender)
Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Durth, Architekt, Darmstadt
Barbara Ettinger-Brinckmann, Architektin, Kassel
Präsidentin der Bundesarchitektenkammer
Prof. Françoise-Hélène Jourda, Architektin, Paris
Philip Kurz, Architekt, Ludwigsburg
Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung
Reiner Nagel, Architekt und Stadtplaner, Berlin
Vorsitzender der Bundesstiftung Baukultur
Prof. Florian Nagler, Architekt, München
Kontakt
Dr. Stefan Krämer, Wüstenrot Stiftung, 71630 Ludwigsburg
5
0 71 41 – 16 75 65 00, info@wuestenrot-stiftung.de
6
Hospitalhof Stuttgart @ Wüstenrot Stiftung
Hospitalhof Stuttgart @ Wüstenrot Stiftung
7
Aussegnungshalle Ingelheim @ Wüstenrot Stiftung
Hambacher Schloss @ Wüstenrot Stiftung
8
Werkhaus Schüzte, Gerswalde @ Wüstenrot Stiftung
Ölhafenbrücke Raunheim @ Wüstenrot Stiftung
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