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Ein kaiserlicher Abschied

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LOKALES
DIETFURT
DK Nr. 35, Donnerstag, 12. Februar 2015
Ein kaiserlicher Abschied
Fritz Koller blickt auf seine Amtszeit als Ko-Houang-Di zurück – Heute letzte Audienz
Von Katrin Hradetzky
Dietfurt (DK) Der heutige Unsinnige Donnerstag ist sein letzter als Kaiser von Bayrisch-China. Im Gespräch mit unserer
Zeitung verrät Ko-Houang-Di alias Fritz Koller so einiges über
sein zweites Leben als Kaiser.
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge trete er
in den verdienten kaiserlichen
Ruhestand, gesteht der 62-Jährige. Die Gesundheit habe ihn
dazu gezwungen. In seiner
Rückschau auf 15 Jahre Amtszeit fallen ihm sehr viele Höhepunkte ein. Er nennt die verrücktesten Jahresthemen wie
Brautschau und Zirkus, diverse Audienzen, die Eröffnung der
chinesischen Woche in Ansbach, repräsentative Messeauftritte,
Fernsehinterviews
und der TV-Auftritt bei Sabine
Sauer „Wir in Bayern“.
Unvergessen ist die Einladung der evangelischen Pfarrerin Dagmar Knecht, eine Predigt in der Faschingszeit zu halten. Seine Rede wurde zum
Programm. Humor solle die
Menschen vereinen, gleich
welcher Herkunft und Religion: „in guter Gesonnenheit“,
lautete seine Botschaft. Das
Thema sei derzeit aktueller
denn je. „Ich will keinen Menschen beleidigen, Fasching hat
auch mit Respekt zu tun. Humor, Frohsinn und Lustiges zu
transportieren, das ist meine
Aufgabe“, bringt es Ko-Houang-Di auf den Punkt.
Die originelle Namensgebung leitet sich zunächst aus
seinem Nachnamen ab. Ko steht
für Koller. Huang – die Schreibweise wurde leicht geändert –
war der erste Kaiser von China und Di steht für Dietfurt.
Di bedeute im Chinesischen allerdings auch Kaiser.
Auf die Frage, wie er zu diesem Amt gekommen sei, führt
seine kaiserliche Hoheit aus, das
habe viel mit seinen drei „Heimaten“ zu tun: seinem Elternhaus, der Nachbarschaft
mit Rosa Geyer, geborene
Bachhuber und spätere Ehefrau von Kaiser Bo-Da-Washy,
sowie der Drogerie Zerull. In
seinem Elternhaus standen
Fröhlichkeit und Musik ganz
oben an, erzählt er mit Blick
auf das Erbstück seines Großvaters, einer Diatonischen, die
auf dem Kachelofen steht. Bei
den Nachbarn wurde bereits ab
November fleißig geschneidert. Ab dem Hirtenjahrtag fanden sich dort jeden Sonntag die
Maschkerer ein. Die Nähstuben der Bachhubers waren zur
Faschingszeit das zweite Zuhause des kleinen Fritzl. „Als
Kind faszinierten mich die
bunten Kostüme und die lustige Art der Maschkerer“, er-
Zum letzten Mal trägt Fritz Koller in diesem Fasching das Prunkgewand des Kaisers von Bayrisch-China.
An wen er nach der letzten Audienz die Krone weiterreichen wird, steht noch nicht fest.
Foto: Hradetzky
Das ganze Jahr Programm
Dietfurt (khr) Jahrelang hat
Kaiser Ko-Houang-Di mit seinem treuen Hofstaat zusammengearbeitet. Ihm gehören
als kaiserlicher Zeremonienmeister Kai-Ze-Mai Erwin
Skarke an, außerdem als kaiserliche Hofgeistliche (KaiHo-Gei) Reinhard Koller und
Hermann Schmid, die Hofräte
Manfred Koller und Robert
Leopold sowie die Hofdamen.
Das sind seine Ehefrau und
die drei Töchter sowie Stefanie Käufl, Barbara Schmid,
Sabine Sippl und Zenta Skarke. Fest zum Team gehört
auch Bühnentechniker Reinhold Hermann. Diesen hoch
qualifizierten Hofstaat könne
Ko-Houang-Di
wärmstens
weiterempfehlen, sagt er. Die
Chemie habe über all die Jahre gestimmt. „Ich lass’ mir was
einfallen für die Leute, die mir
15 Jahre lang geholfen haben“, kündigt der Kaiser an.
Welche Eigenschaften sollte
sein Nachfolger nun mitbringen? Humor muss er haben
und die Geselligkeit lieben.
Das sei unabdingbar für die
Rolle als Kaiser über BayrischChina, sagt Koller. Der Neue
sollte aus der Großgemeinde
kommen, die Leute um ihn
herum begeistern und aus
Überzeugung für die Tradition agieren. „Kaiser von Bayrisch-China zu sein, bedeutet
weit mehr als nur am Unsinnigen zu repräsentieren.
Mittlerweile steckt dahinter
eine Marketingstrategie mit
Ganzjahresprogramm“,
erläutert Koller. Er selbst sei nie
nur ein „Winke-Winke-Kaiser“ gewesen. Die vergangenen 15 Jahre waren „die interessanteste, attraktivste und
humorvollste Zeit“ seines Lebens, fasst er zusammen.
Was er am Unsinnigen
Donnerstag 2016 tun wird?
„Kaiser werde ich mit Sicherheit nicht mehr sein“, versichert Fritz Koller. „Irgendwas
wird schon kommen, irgendwer wird mich schon brauchen können. Und wenn
nicht, dann steh’ ich beim
Umzug am Straßenrand, mache vielleicht Musik und
schunkele mit den Zuschauern. Es wird auf alle Fälle lustig.“ Da ist er sich ganz sicher.
innert sich Koller. Die dritte
Heimat war die Drogerie Zerull, wo in der fünften Jahreszeit Spaßutensilien wie
Konfetti und Luftschlangen gehortet wurden. Als Inhaber
Gustav Zerull zum Kaiser GuZerull wurde, durfte der sechsjährige Fritzl als Clown auf dem
Kaiserwagen mitfahren. Als der
spätere Kaiser Bo-Da-Washy,
als junger Mann seiner späteren Angetrauten Rosa den Hof
machte, kam Koller auch mit
diesem überaus „passionierten, fröhlichen Maschkerer, der
einen überdimensionalen Kleiderfundus hatte“ in Kontakt.
Während seiner Zeit als Weckrufmitglied ließ er sich vornehmlich vom Bo-Da-Washy
schminken.
Jahrelang spielte Koller leidenschaftlich Theater. Er liebte das alljährliche Marschieren
mit den Weckrufern und überhaupt das Maschkererlaufen.
Viele Jahre sang er bei den Moritatern mit. All diese Erlebnisse ließen den Verwaltungsangestellten mehr und
mehr in die Faschingstradition Dietfurts hineinwachsen. So
war es auch nicht verwunderlich, als er nach dem Tod
von Bo-da-Washy gefragt wurde, ob er sich vorstellen könne, in dessen große Fußstapfen zu treten. „Wenn ich was
mache, dann mache ich es
g’scheit“, erwog er damals. Und
er hat diesen Vorsatz immer gehalten.
Bereits im September begann es all die Jahre in seinem Kopf zu rauchen; er sprühte nur so vor Ideen, was man
am Unsinnigen wieder alles auf
die Beine stellen könnte. Die
kaiserlichen Reden hat er im
stillen Kämmerlein ausgetüftelt und in Reimform gebracht. Die Kostüme entwickelt er gemeinsam mit seiner
Frau, Tochter Kathrin entwirft
das Design. Die fertigen Entwürfe gehen an die kaiserliche
Haus- und Hofschneiderin,
Christa Brucks in Aschbuch.
Witzig sei stets die Reaktion
„echter“ Chinesen auf sein Erscheinungsbild gewesen. Als
„sehr ideenreich und schön,
aber sehr europäisches“ Gewand wurde es wahrgenommen. Die ausgesprochen aufwendigen und fantasievollen
Hüte stellt er im Übrigen selbst
her. Große Unterstützung bekam Fritz Koller in seinen „Kaiserjahren“ stets von Frau Lisbeth, die ihm in ihrem Hang
zur Faschingsnarretei in nichts
nachsteht. Liebevoll dekoriert
sie das Haus chinesisch und
greift ihm bei der Verwirklichung all seiner Ideen tatkräftig unter die Arme. Und
auch die Töchter Ramona, Astrid und Kathrin waren immer
zuverlässig an seiner Seite.
Kleine Jubiläen im Schatten des Unsinnigen
Chinesenhymne erklang in der aktuellen Version vor 40 Jahren zum ersten Mal
Dietfurt (grb) Mehrere Faschingsjubiläen fallen auf diesen Unsinnigen Donnerstag,
der ganz im Zeichen des Abschieds von Kaiser Ko-HouangDi steht. Auch wenn es sein
letzter Auftritt ist, so kann er zugleich heute das kristallene
Thronjubiläum feiern. Ebenso
lange ist Alfred Haselbauer als
Präsident des Diplomatischen
Corps im Amt. Doch auch die
Chinesenhymne hat heuer Geburtstag. Sie wurde vor 40 Jahren zum ersten Mal gesungen.
Ohne sie ist der Chinesenfasching längst nicht mehr vorstellbar.
1954 wurde Egid Prock zum
ersten Kaiser von BayrischChina gekrönt. Auch die Ordensfrauen des Klosters Maria
Stern, die seinerzeit die Mädchenschule und den Kindergarten leiteten, leisteten ihren
Beitrag zum ersten Faschingszug. Oberin war Schwester Maria Valeria Beckenbauer. Sie
stammte aus dem nahen
Hirschberg und war mit Diet-
furt so eng verbunden, dass sie
zur Kaiserkrönung auf die Melodie „Alle Vögel sind schon da“
ein Kaiserlied schrieb. Der Text
kam so gut an, dass er auch an
Die Mutter der ersten Chinesenhymne ist Schwester Valeria Beckenbauer.
Foto: abh
den Unsinnigen der folgenden
Jahre gerne gesungen wurde.
1975 wurde bei einer Sitzung
im damaligen Gasthaus Zacherl zur Vorbereitung des
Großereignisses eine Hymne
mit schwungvollerer Melodie
gefordert. Anton Bachhuber,
der damalige Kaiser Wang-Ton,
und Hans Heß griffen die Anregung auf. Beide verließen die
Besprechung, gingen zu Heß
nach Hause und versuchten ein
Lied zu schreiben. Nach gut einer Stunde hatten sie den Text,
passend zum damals aktuellen
Schlager „Es war einmal ein Jäger“ von Katja Ebstein. Heß und
Bachhuber waren überzeugt,
den richtigen Geschmack getroffen zu haben und besuchten zu vorgerückter Stunde
nochmals die Faschingsbesprechung. Als sie dort das Lied
vorstellten, wurde dieses von
den Anwesenden lapidar mit
dem Satz „So ein Krampf“ abgekanzelt. Die Autoren waren
arg enttäuscht.
Daraufhin bat der Kaiser
Schwester Eleonore Kaiser vom
Frauenkloster, sie möge den
Text mit einem Matrizendrucker einige hundert Mal vervielfältigen. Ihr gefiel das neue
Lied. Sie druckte gleich 2000
Exemplare, die in der Schule
und im Kindergarten verteilt
wurden. Musiklehrer Max Bauer studierte mit den Schülern
die neue Hymne ein und konnte Silvia Schmid (verheiratete
Waffler) dazu bewegen, am Unsinnigen als Katja Ebstein aufzutreten und die Hymne zu singen. Einige Tag später, am Unsinnigen, erlebte Bayrisch-China nach dem Faschingszug die
Uraufführung der neuen Hymne. Damit auch die Zuschauer
mitsingen konnten, wurden
auch an sie Texte verteilt. Die
Zuschauer waren so begeistert,
dass die Hymne gleich mehrmals gesungen wurde. Kurzum:
Der Erfolg war riesengroß. Ein
Riesenchor auf dem Stadtplatz
sang aus zahlreichen Kehlen
lauthals die Chinesenhymne.
Die Kaisersänger unter der Lei-
tung von Max Bauer hatten vor
Beginn des Festzuges mit der
wartenden
Menschenmenge
das Lied schon einstudiert.
Auch nach dem offiziellen Teil,
ja die ganze Nacht, wurde auf
der Straße und in den Lokalen
immer wieder die Hymne angestimmt.
Vor allem in den Herzen der
Kinder blieb die Hymne. So
sagte nach zwei Monaten die
Kindergartenleiterin, Schwester
Gisela zu Anton Bachhuber: „Da
habt ihr was angefangen, unsere Kinder im Kindergarten
haben noch in der Karwoche
die Chinesenhymne angestimmt.“ Dies ist laut Kindergartenleiterin Claudia Lindl bis
heute so. Damit zeigt sich, dass
die Chinesenhymne Jung und
Alt längst verinnerlicht haben.
Ein Außenstehender, aber dennoch guter Beobachter der
Dietfurter
Faschingsszene,
meinte vor Kurzem: „Was Stille
Nacht für Weihnachten bedeutet, das ist die Chinesenhymne für Bayrisch-China.“
23
Lustiges
Treiben
in Töging
Töging (rfs) Mit einem farbenprächtigen und großen Faschingszug können die Gäste
am Sonntag in Töging rechnen.
Nach einem rechtzeitigen Aufruf der Töginger Faschingsfreunde um Organisator Christian Weigl haben sich bereits
31 Gruppen angemeldet. Wie
Manfred Hummel, Christine
Jacksch, Konrad Leidl und
Christian Weigl bei der letzten
Faschingssitzung
mitteilten,
steht der Kasamandl-Zug unter
dem Motto: „TÜV geprüft und
aufpoliert, der Töginger Gaudiwurm sich präsentiert.“ Seinen ausdrücklichen Dank richtete Weigl bei der Sitzung an
die vielen Helferinnen und Helfer, die zur Vorbereitung und
dann zur Bewirtung der Gäste
notwendig sind. Wie alle Jahre
wird wieder an die Gäste als
Einlasspräsent ein Käsestück
verteilt, die Feuerwehr wird die
Absperrung übernehmen und
der Weckruf wird dafür sorgen,
dass kein Töginger den Faschingssonntag verschläft.
Die bunt gemischten Gruppen werden angeführt vom
Kindergarten und weiteren originellen Fußgruppen. Weigl
freute sich über die sehr zahlreiche Teilnahme aus der Chinesenstadt Dietfurt, den Zwiebeltretern aus Beilngries und
Gruppen aus Meihern. Drei
Musikkapellen werden den Zug
begleiten. Als noch streng geheim stuften die Verantwortlichen noch die Podiumsgaudi
vor dem Schloss ein. Eines ist
sicher, es wird der Kasa-Orden
verliehen und die offizielle Veranstaltung wird mit dem KasaLied enden. Im Anschluss ist
fröhliches Faschingstreiben in
den Wirtschaften, im Schloss
und im Sportheim angesagt.
Sitzung der
Kasamandl
Töging (kda) Zu den Faschingshöhepunkten in Töging
zählt die Kasamandl-Sitzung
Das wird morgen so sein. Am
Rußigen Freitag treffen sich ab
20 Uhr dunkel gekleidete Herren mit Fliege und Zylinder im
Café Arzberg-Stüberl. Nach der
Ansprache des Präsidenten
Wolfgang Weigl kann jedes Kasamandl seinen Gedanken über
die örtliche und Weltpolitik und
sonstigen Begebenheiten freien
Lauf lassen. Zwischendurch
werden zünftige Faschingslieder und Anekdoten unters Volk
gebracht. Nachdem die Dechinger ja mit dem Spitznamen
„Kasdiebn“ gehänselt werden
.gibt es die obligatorischen Käsebrote in vielen Variationen.
Die Beiträge und die Leitung
liegen in den Händen von Zeremonienmeister
„Kasaral“
Georg Paulus. Die Kasamandlsitzung ist vor knapp 20
Jahren aus einer Laune heraus
entstanden Nachdem die Frauen immer einen Weiberball abgehalten haben, beschlossen
einige Männer eine Art Gegenveranstaltung zu planen.
Störungen
im Geläut
Dietfurt (DK) Das Pfarramt
Dietfurt informiert die Bürger
der Siebentälerstadt, dass es am
Aschermittwoch und am 19.
Februar zu Störungen im Geläut der Stadtpfarrkirche kommen kann. Grund dafür sind einige Arbeiten an der Läutsteuerung. An den beiden Tagen
werden daher des Öfteren das
Schlagwerk und läutende Glocken zu hören sein.
IN KÜRZE
Die Altmühlkegler Dietfurt
veranstalten am Samstag um 19
Uhr eine Faschingsfeier im
Gasthaus Lukas in Dietfurt. Alle
Kegler mit Familienangehörigen und Freunden sind willkommen.
DK
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