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Postvertriebsstück | Entgelt bezahlt
Erscheinungsweise monatlich
ISSN 1615-7699 | 14. Jahrgang
thjnk definiert keine Überfüllungen. Diese sind vom entsprechenden Dienstleister anzulegen und zu überprüfen.
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MAGENTA
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Kunde: Commerzbank
Produkt: Geschäftskunden
Datum: 03.09.14
Angelique Wagner
Geschäftskundenberaterin
DU-Termin: 05.09.2014
Medium: IHK-Zeitschriften eG – Nationalkombi
Profil:
39L
Das Brandenburger Wirtschaftsmagazin
Organ der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostbrandenburg
10 | 2014
Mobilität
aus der
Steckdose
EDiToriaL
Neben- oder
Vollerwerb?
Die meisten fangen klein an. Bis spät in die
Nacht brennen die Lampen derer, die sich neben einem Angestelltenverhältnis zuhause an
den Schreibtisch setzen und an ihren eigenen
Ideen tüfteln.
Das Thema „Existenzgründung im Nebenerwerb" wird auch vielen FORUM-Lesern
bekannt vorkommen. Mit 59 Prozent ist
„Der Unternehmer/die Unternehmerin
testet die Selbstständigkeit,
sie die häufigste Art der Existenzgrünohne die Sicherheit eines festen
dung in Deutschland. Dabei bietet sie
Arbeitsplatzes aufzugeben.“
anfangs Vorteile gegenüber dem VollDr. Ulrich Müller
erwerb: Der Unternehmer/die Unternehmerin testet die Selbstständigkeit,
ohne die Sicherheit eines festen Arbeitsplatzes aufzugeben; man braucht gewöhnlich nur wenig Startkapital und kommt meist
ohne Angestellte aus. Auch Studenten erleben
durch Nebenerwerbsgründungen spannende unternehmerische Herausforderungen außerhalb des Hörsaals – oft als Alternative zu
den zuweilen tristen Aushilfsjobs ihrer Kommilitonen.
Insgesamt haben fast eine Million Menschen
im vergangenen Jahr in Deutschland über den
Nebenerwerb den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Etwa ein Drittel davon will diese
künftig zum Vollerwerb ausbauen.
Die meisten fangen klein an, weil der große
Schritt gut überlegt sein muss. Über die Vorund Nachteile informieren zwei IHK-Veranstaltungen in Schwedt und Eberswalde. Dabei werden auch Themen wie „Finanzierung“,
„Buchführung“ oder „Versicherungen“ betrachtet.
Dr. Ulrich Müller
Präsident der IHK Ostbrandenburg
Mehr zum Thema „Existenzgründung im Nebenerwerb" auf
den Seiten 8 und 9
ForuM – DaS BraNDENBurgEr WirTSchaFTSMagaziN Nr. 10 | 2014
3
iNhaLT
12
20
Duktil Guss Fürstenwalde: ausgezeichnet in Sachen Umwelt.
Alle Beteiligten profitieren: Das Digitale Schwarze Brett hängt
nun an 28 Gymnasien in Ostbrandenburg.
Lesen Sie
dieses Magazin
auch mobil!
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ForuM MagaziN aPP.
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FokuS rEgioN
6 Prüferin aus Leidenschaft
8 Mit Monstern zum Geschäftserfolg
10 Investor steht im Regen
11 Expertentipp
12 Ausgezeichnet in Sachen Umwelt
13 Terminkalender
14 Wirtschaftsmarkt Russland
15 Meinungen
ForuM EXkLuSiV
18 Arbeiten als Sachverständiger
19 Tipps Unternehmensnachfolge
21 Vitamin-Stoß für Prenzlauer Kitas
22 Tourismus als Wirtschaftsfaktor
29 Transport & Logistik, Flotte und
Fuhrpark
38 Jahresausklang 2014, Feste, Feiern,
Präsente
24 Jubiläums-Konferenz Polen
25 Weiterbildung lohnt sich
26 Münzschatz der Uckermark
TiTELThEMa
40 Mobil ganz ohne Abgas
4
ForuM – DaS BraNDENBurgEr WirTSchaFTSMagaziN Nr. 10 | 2014
iNhaLT
40
Elektromobilität ist ein Beitrag zum Umweltschutz. Viele Felder - vom Fahrrad bis
zum Auto - beschäftigen sich mit der praktischen Umsetzung. Seit fünf Jahren fördert
das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) den Ausbau
und die Marktvorbereitung der Elektromobilität. So werden im BMVBS-Förderschwerpunkt „Elektromobilität in Modellregionen" ausgewählte Projekte im Schaufenster
Berlin-Brandenburg gefördert.
LaND BraNDENBurg
raTgEBEr Für DEN MiTTELSTaND
46 Dr. Florian Langenscheidt über das
56 Honorarfinanzanlagenberater
Glück des Gründens und erolgreiches
Unternehmertum
48 Drei Brandenburger Sieger:
oder Finanzanlagenvermittler
58 Fair Play
Großer Preis des Mittelstandes
50 Gratwanderung Sicherheit:
IHK-Technologieforum in Cottbus
MagaziN
60 Grenzenlose Freiheit
auS BErLiN uND BrüSSEL
52 Reform des Small Business Act
54 EEG-Novelle:
das Schlimmste verhindert
55 Akademisierung
um jeden Preis stoppen
für Ross und Reiter
63 Autotest: Skoda Oktavia RS
64 Markt
65 Cartoon
66 Impressum
5
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29.04.14 12:06
ForuM – DaS BraNDENBurgEr
WirTSchaFTSMagaziN Nr. 101| 2014
FokuS rEgioN
Ingrid Bostelmann ist Personalentwicklerin bei EDEKA und ehrenamtlich für die IHK Ostbrandenburg als Prüferin im Einsatz. FOtO: LS
Prüferin aus Leidenschaft
„Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag, das ist mein Motto“, sagt Personalentwicklerin Ingrid
Bostelmann. Rund 1200 Prüflinge hat die ehrenamtliche IHK-Prüferin in fast 20 Jahren ins Berufsleben entlassen. Ihre Bilanz: „Es macht Spaß Prüferin zu sein, ich würde es jedem empfehlen.“
Wenn Nudeln an Bäumen wachsen und es
das Sauerkraut als Saat in der Tüte zu kaufen
gibt, dann lernt auch Ingrid Bostelmann noch
etwas dazu. „Das sind einzigartige Erlebnisse. In solchen Situationen versuchen wir, unsere Prüflinge wieder in die richtige Richtung
zu lenken. Schmunzeln müssen wir trotzdem“,
sagt Ingrid Bostelmann. Seit zehn Jahren ist
die fröhliche Frau als ehrenamtliche Prüferin für die Industrie- und Handelskammer
Ostbrandenburg im Einsatz. Zweimal im Jahr
an insgesamt acht Tagen prüft sie angehende
Verkäuferinnen und Verkäufer sowie Kaufleute im Einzelhandel. „Ich lerne immer wieder
neue Menschen kennen. Ein Prüfungstag ist
nie wie der andere. Es ist von einem Prüfling
zum nächsten zum Glück so wahnsinnig unterschiedlich. Das reizt mich.“
Seit 29 Jahren bei der EDEKA
Ingrid Bostelmann ist in der Personalentwicklung bei der EDEKA Minden-Hannover Stiftung und Co. KG tätig. Fast täglich ist sie in der
Geschäftsregion Minden-Hannover zwischen
der polnischen und der niederländlichen
Grenze unterwegs und schult Mitarbeiter und
Nachwuchsführungskräfte. Insgesamt arbeitet sie seit 25 Jahren für EDEKA. Gelernt hat
sie bei einem privaten EDEKA-Kaufmann, erst
Verkäuferin und danach Kauffrau im Lebensmitteleinzelhandel. Nach verschieden Fort-
6
bildungen arbeitete sie sich zur stellvertretenden Filialleiterin hoch. „Mit 21 Jahren und
mit einer Ausnahmegenehmigung der IHK habe ich meinen Ausbildereignungsschein gemacht. Mein Markt wollte einen Azubi einstellen, aber keiner hatte die Prüfung. Eigentlich
konnte man das damals erst mit 25. Dadurch
bin ich so früh wieder mit der IHK in Berührung gekommen. Bei der IHK Hannover-Hildesheim wurden Prüfer per Aufruf gesucht. Da
habe ich mich dann gemeldet.“ Das war 1994.
Der Ausbildereignungsschein kam Ingrid Bostelmann damals zu Gute. Er war und ist neben
einer abgeschlossenen Berufsausbildung vorteilhaft um bei der IHK Prüfer zu werden.
Theorie und Praxis verbinden
Seit Ingrid Bostelmann in der Personalentwicklung arbeitet, hat sie mit Auszubildenden zu tun. Mittlerweile schult sie jedoch öfter Nachwuchskräfte und Mitarbeiter. Deshalb liegt ihr das Ehrenamt besonders am
Herzen. „Man sollte ehrenamtlicher Prüfer bei
der IHK sein, um zu zeigen, dass man als Mitarbeiter oder Unternehmen hinter der Ausbildung steht. Es ist wichtig zu sehen, wie sich
junge Leute entwickeln. Wir können als Unternehmen nicht nur fordern und Auszubildende einstellen, sondern wir müssen auch den
Abschluss im Auge behalten. Und da müssen
Leute aus der Praxis dabei sein. Eine mündli-
ForuM – DaS BraNDENBurgEr WirTSchaFTSMagaziN Nr. 10 | 2014
che Prüfung ist nicht mehr stupides Abfragen
von Wissen, sondern ein ‚allbezogenes Fachgespräch‘, wie es richtig heißt. Wir wollen nicht
wissen wie viel Gramm Zucker in einem Apfel ist. Das interessiert auch den Kunden nicht.
Wichtig ist vielmehr, wie das Produkt verwendet werden kann.“
Weiterbildung für die Prüfer
Zweimal im Jahr finden IHK-Prüfungen statt.
Alle Prüfer bekommen eine Aufwandsentschädigung und die Fahrtkosten erstattet.
Ob sie für die Prüfungen freigestellt werden
oder ob sie dafür Urlaub nehmen müssen,
hängt vom Arbeitgeber ab. „Der Zeitaufwand
hält sich in Grenzen“, sagt Ingrid Bostelmann.
„Zumal die IHK darauf achtet, dass ich möglichst in der Nähe meines Wohnortes prüfe.“
Wichtig sei die eigene Vorbereitung, gerade
wenn Themen geprüft werden, die die Auszubildenden seltener als Schwerpunkt wählen. „Das sehe ich als Weiterbildung für mich
selbst.“ Im Schnitt nehmen die Prüfer zusammen mit zwei Kollegen pro Tag acht bis zehn
Abschlussprüfungen ab. Jede Prüfung dauert rund 45 Minuten. „Die IHK bietet immer
wieder Schulungen für Prüfer an. Dort werden rechtliche Grundlagen vermittelt. Fragen
können gestellt werden und es gibt eine kleine Sozialschulung.“
LS
ich lerne hier gerne
Jedes Jahr beginnen zahlreiche Jugendliche eine Berufsausbildung in Ostbrandenburger Unternehmen. In einer Serie
stellt FORUM einige von ihnen vor. Diesen Monat ist es die
20-jährige Julia Rösel. Im Marktkauf in Eisenhüttenstadt absolviert sie eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel.
Eine ältere Dame wendet sich aufgeregt an
Julia Rösel, die gerade dutzende Käsepackungen in riesige Kühlschränke stapelt. Sie brauche Hilfe bei der Auswahl einer Fahrradlampe, sagt die Kundin. Freundlich schickt Julia Rösel die Dame in die richtige Abteilung.
„Hilfe kommt gleich“, gibt sie ihr mit auf den
Weg. Per Telefon sagt Julia Rösel dem zuständigen Kollegen Bescheid. „Genau das gefällt
mir an meinem Beruf“, erklärt die junge Auszubildende. „Der Kontakt mit den Menschen
ist toll.“ Für Julia Rösel hat gerade das dritte Ausbildungsjahr begonnen. Sie hat schon
fast alle Abteilungen durchlaufen. Am liebsten berät sie die Kunden zu Kaffee, Tee und
Kakao. „Ich konnte schnell Verantwortung
übernehmen und selbstständig arbeiten.
Hier ist es gut!“, sagt Julia Rösel. Besonders
freut sich die junge Frau auf die Azubi-Woche. „Für eine Woche wird der Markt nur von
uns Azubis geführt. Wir müssen dann ganz
alleine die Bestellungen aufgeben, Statistiken führen, Dienstpläne erstellen und das
Personal richtig einsetzen. Nur im Notfall
werden unsere zwei Betreuer eingreifen.“
LS
Julia Rösel an ihrem Arbeitsplatz: Das Ein- und Aussortieren der Waren gehört zu ihren Aufgaben.
FOtO: LS
ForuM – DaS BraNDENBurgEr WirTSchaFTSMagaziN Nr. 10 | 2014
7
FokuS rEgioN
Simone Mareth und Kati Paech wollen mit ihren allergieNos Kinder vor den Folgen von Allergien schützen.
FOtO: W. DöLL
Mit Monstern zum geschäftserfolg
Frauenteam schützt Kinder vor den Folgen von Allergien
Erst kam der Notarzt und dann die Idee. „Meine Tochter hat in der Kita zwei oder drei Erdnussflips genascht und dann ging alles sehr
schnell“, erinnert sich Kati Paech. „Sie bekam
einen anaphylaktischen Schock und landete
in der Notaufnahme eines Krankenhauses.“
Die Mutter war von den Folgen der Erdnussallergie ihrer Tochter total überrascht. „Da sagte ich mir, das darf mir und anderen Müttern
nie wieder passieren“, blickt Kati Paech zurück. „Wenn Kinder eine Allergie haben, muss
das Umfeld das auch klar durch optisch auffällige Symbole erkennen können.“
Über diese Idee sprach sie dann mit einer
Freundin und Kollegin. Die beiden Frauen sind
seit Jahren erfolgreich als Freiberufler in der
Werbebranche tätig. „Ich fand den Ansatz gut
und so gründeten wir zusammen eine GbR“, erzählt Simone Mareth. „Wir wollten mit unseren
Entwürfen bei den Kindern ankommen, weil
sie ja die Dinge tragen müssen und wir wollten, dass auch die Eltern, Omas oder Betreuer der Kinder die Botschaften klar und deutlich erkennen.“ Also entwickelten sie Monster, die jeweils für eine Allergie stehen. Mit den
von den Frauen genannten allergieNos gestalten sie T-Shirts, Anstecker, Aufkleber, Magnethalter und Gutscheinkarten. Wenn Kinder da-
t-Shirts und Sticker mit allergieNos.
8
ForuM – DaS BraNDENBurgEr WirTSchaFTSMagaziN Nr. 10 | 2014
FOtO: W. DöLL.
mit beispielsweise zu einer Geburtstagsfete gehen, erkennen die gastgebenden Eltern sofort,
was das Kind nicht essen sollte.
Vertriebsweg Internet
Nach der praktischen Umsetzung der Idee
suchten die beiden Frauen nach einem Vertriebsweg für ihre Produkte. „Wir wollten uns
aber nicht auf Märkte stellen oder irgendwelche Läden abklappern“, sagt Kati Paech.
„Also blieb für uns nur das Internet als Verkaufslösung“, ergänzt Simone Mareth. In vielen abendlichen Sitzungen entwickelten sie
dann am Computer ihren Shop. Im April 2011
stellten sie ihn schließlich unter www.allergieno.de ins Netz und waren vom Anfangserfolg überrascht. „Wir kamen mit unseren Nieschenprodukten sofort gut an.“
Der Erfolg war aber kein Zufall. „Wir sind
ja beide in der Werbebrache tätig, wissen also,
wie Dienstleister arbeiten müssen, wenn sie
beim Kunden ankommen wollen“, erklärt Kati
Paech. Also wurde der Internetshop so gestaltet, dass er bei einer Googlesuche gut platziert angezeigt wird. Auch bei den verkauften
FokuS rEgioN
Waren legen sie hohe Qualitätsstandards
an. „Wir achten auf Nachhaltigkeit und setzen deshalb Fairtrade-Produkte ein und befolgen hohe ökologische Standards.“ Die TShirts werden aus Afrika bezogen und in
Berlin bedruckt.
Mit Hobby Geld verdienen
Seit drei Jahren läuft inzwischen das Geschäft der beiden Frauen. „Wir betreiben es
als Nebenerwerb, könnten allein davon aber
noch nicht leben“, sagt Kati Paech. „Es ist
wie eine Art Hobby, für das wir Geld bekommen“, meint Simone Mareth. Trotzdem sind
die Geschäftspartnerinnen sehr zufrieden
mit dem Erreichten. „Wir waren noch nie
im Minus mit unserem Unternehmen“, betont Kati Paech stolz. „Allerdings haben wir
auch fast alles selbst gemacht“, fügt Simone
Mareth an. Allein die Anfertigung der Grafiken sowie der Aufbau und die Programmierung der Internetseite durch Fremdfirmen
hätten viel Geld gekostet. Auch den Vertrieb
der Produkte organisieren die beiden Frauen von einem Keller in Wandlitz (Barnim)
aus allein. „Wir haben bislang eine vierstellige Summe in unsere kleine Firma inves-
tiert und haben dafür auch keine Bank benötigt.“
Bislang lief bei www.allergieno.de alles
erstaunlich glatt. „Wir sind auch mit unseren
Kunden sehr zufrieden, sie zahlen pünktlich
und loben unsere Ideen sehr oft per Mail“,
freut sich Simone Mareth. Momentan werden die Produkte im deutschsprachigen
Raum angeboten. Andere Länder wären für
den Vertrieb auch reizvoll, aber die rechtlichen Bedingungen für den Internethandel
sind von Land zu Land ganz unterschiedlich.
„Interessant wären die USA, denn die Leute
dort achten extrem auf Allergien und da kämen wir mit unseren Produkten sicher auch
gut an“, glaubt Kati Paech. „Ein solcher Vertrieb ließe sich aber nur mit einem Partner
vor Ort aufziehen“, betont Simone Mareth.
Als mögliche Vision für die Zukunft haben
die beiden Geschäftsfrauen eine Markterweiterung aber durchaus im Blick.
Die Unternehmerinnen haben bisher all
ihre Vorstellungen umsetzen können. Nur
ein Ziel haben sie noch nicht erreicht. „Wir
wollten unsere allergieNos als Marke registrieren lassen“, erzählt Simone Mareth. „Das
aber wurde uns bislang verwehrt.“ Wilko Döll
Existenzgründung
im Nebenerwerb
Wer seine Ideen im eigenen Unternehmen
verwirklichen, aber die Sicherheit eines Angestelltenverhältnisses nicht aufgeben will,
kann nebenerwerblich gründen. Auch für
Studierende oder Arbeitslose ist diese Form
der Existenzgründung geeignet. Die IHK Ostbrandenburg informiert auf zwei kostenfreien Veranstaltungen zu diesem Thema. Es
werden unter anderem die Vor- und Nachteile der Existenzgründung im Nebenerwerb
diskutiert, sowie mögliche Förderungen und
rechtliche Fragen besprochen. Die Veranstaltungen finden statt zwischen 18 und 20 Uhr,
am 6. November in der IHK-Geschäftsstelle
Eberswalde, Heegermühler Straße 64 und
am 13. November im Haus der Bildung und
Technologie in Schwedt, Berliner Straße 52
e. Anmeldungen unter 03334 25370 oder per
E-Mail an gsebw@ihk-ostbrandenburg.de.
ihr ansprechpartner
der ihk ostbrandenburg
Steffen Bartz
Tel. 03334 2537-26
bartz@ihk-ostbrandenburg.de
investor steht mitten
in der idylle im regen
Reinhard Tänzer sieht sich durch eine Klage gegen die Baugenehmigung
für Ferienwohnungen am Wurlsee bei Lychen ausgebremst
Die Lage ist idyllisch: Auf einer 30 000 Quadratmeter großen Halbinsel im Wurlsee am
Rande der Flößerstadt Lychen (Uckermark)
steht ein privat geführtes Landhotel, das „Seehotel Lindenhof“. 100 Jahre alte Kopflinden
haben dem Haus seinen Namen gegeben. Die
Schönheit dieser von Wasser und Wald geprägten Gegend im Naturpark „Uckermärkische Seenlandschaft“ bietet den Gästen einen
besonderen Luxus: Ruhe und Erholung in einzigartiger Umgebung.
Idylle ist getrübt
Und dennoch ist die Idylle derzeit getrübt: Die
Besitzer des Seehotels, Reinhard und Ulla Tänzer, möchten weiter investieren. Aber sie können nicht. „Wir stehen so richtig im Regen und
werden von einer Klage gegen unsere Baupläne ausgebremst“, erklärte Reinhard Tänzer und
versteht die Welt nicht mehr: „Dabei passen unsere Pläne doch so richtig in das Brandenburger und Lychener Tourismuskonzept. ‚Urlaub
am und auf dem Wasser‘ wird beispielsweise im
Landestourismuskonzept für die Jahre 2011 bis
2015 Investoren ausdrücklich empfohlen.“ Deshalb sei ihm unverständlich, dass eine Privatperson gegen seine Pläne „öffentlich zu Felde
zieht und einen der anerkannten Naturschutzverbände motivieren konnte, gegen unsere im
Februar 2013 erteilte Baugenehmigung und
den Landkreis Uckermark zu klagen“. Daraufhin sei vom Verwaltungsgericht Potsdam ein
Baustopp verhängt worden. Gegen diesen hät-
10
ten der Landkreis und er als Investor und Beigeladener Einspruch eingelegt, der aber vom
Oberverwaltungsgericht abgewiesen wurde“,
erläuterte Reinhard Tänzer den Sachstand. „Wir
hoffen nun, dass die Hauptverhandlung schnell
stattfindet und dass uns nicht auf längere Zeit
die Hände gebunden sind. Immerhin wird hier
eine Investition in Höhe von rund einer halben
Million Euro blockiert“, fügte er hinzu. Er verstehe nicht, dass in diesem Fall keine Ausgewogenheit zwischen Naturschutz und berechtigten Interessen für Anbieter touristischer Leistungen
in Schutzgebieten gefunden werden kann. Immerhin würden die Tänzers in Lychen in zwei
gastronomischen bzw. Beherbergungseinrichtungen 20 bis 30 Arbeitsplätze sichern.
Unternehmer sind ratlos
Geplant hat Reinhard Tänzer die Erweiterung
der Bettenkapazität von derzeit 25 Betten in
Zwei-Raum Appartements „durch den Bau
von zwei Ferienhäusern am Seeufer sowie eine kleinteilige Bebauung des Grundstücks mit
weiteren kleinen Ferienhäusern, die den natürlichen Gegebenheiten angepasst sein sollen, also flach und in Holzbauweise“. „Der Markt
ist da für solche Objekte im gehobenen mittleren Preissegment“, ist er sich sicher. Und er sei
doch der Letzte, der sich über Belange des Naturschutzes hinwegsetzen wolle, fügte er hinzu. „Davon kann sich jeder gern selbst bei uns
vor Ort ein Bild machen. Wir laden dazu herzlich ein.“
ForuM – DaS BraNDENBurgEr WirTSchaFTSMagaziN Nr. 10 | 2014
FOtO: UWE WERNER
FokuS rEgioN
Der gebürtige Neustrelitzer hat lange Jahre
im Westen Deutschlands sowie im Ausland gelebt und gearbeitet. Seit 1995 ist er nun wieder
in der alten Heimat und hatte das Grundstück
des „Seehotels Lindenhof“ nach zwei Jahren
Verhandlungen gekauft. „Meine Frau und ich
haben hier neben viel Herzblut auch rund drei
Millionen Euro in die Sanierung und den Neubau des Haupthauses im alten Stil gesteckt. Auf
eigene Rechnung haben wir zudem einen Vorhaben- und Erschließungsplan angefangen sowie rund ein Kilometer lange Gas-, Strom- und
Abwasserleitungen gebaut“, erzählte Reinhard
Tänzer. Nun sei es an der Zeit, mit 64 Jahren
ans Alter und die Zukunft der Kinder zu denken. Deshalb die neuerlichen Investitionspläne,
denn ein solcher Betrieb müsse sich am Ende
schließlich auch wirtschaftlich rechnen.
Derzeit sind die Tänzers allerdings sauer
und ein wenig ratlos: „Falls uns auch weiterhin
derartige Steine in den Weg gelegt werden und
in unausgewogener Weise gegen geplante Investitionen mobil gemacht wird, müssten wir unsere Aktivitäten in Lychen neu einordnen. Denn
ohne die geplante Erweiterung der Bettenkapazität sehe ich nachhaltig keine wirtschaftliche Zukunft für die Anlage“, sagte Reinhard
Tänzer. „Aber wir glauben an Lychen und hoffen, dass sich die Sachargumente für eine sanfte
Entwicklung und einen Naturschutz mit Augenmaß durchsetzen. Auf jeden Fall werden wir daran mit aller Kraft weiterarbeiten“, blieb er optiUwe Werner
mistisch.
FokuS rEgioN
Experten
TIPP
centern, auf Bildungsmessen und mit einer
ansprechenden Homepage präsentieren.
Eine Webseite mit direktem Link zur Karriere-Seite zieht nicht nur Interessenten und
Bewerber an, sondern ist gleichzeitig eine
positive Werbung.“
Marco teschner ist Coach und Organisationsberater. Er berät unter anderem Unternehmen, Existenzgründer und Einzelpersonen in Konfliktsituationen oder bei Optimierungs- und Veränderungsprozessen.
FOtO: M. HAUPtMANN
Wie kann ein unternehmer
Mitarbeiter gewinnen und halten?
„Das Wichtigste ist die Identifizierung des Mitarbeiters mit dem Unternehmen. Das heißt,
dass die Unternehmensphilosophie echt gelebt
wird. Slogans wie „Wir sind eine Familie“ oder
„Wir halten gut zueinander“ müssen auch in der
Praxis gelten. Ein gutes Betriebsklima, das auf
Vertrauen und gegenseitiger Achtung fußt, ist
mindestens genauso wichtig wie die angemessene Entlohnung. Ein Unternehmer muss darüber hinaus bereit sein, in gute Mitarbeiter zu
investieren. Wer Vollzeit arbeitet und dann noch
Hartz IV beantragen muss, wird sich bei nächst-
Was macht einen guten Chef aus?
bester Gelegenheit etwas anderes suchen, wo
mehr gezahlt wird.“
Wie finden Unternehmer geeigneten
Nachwuchs?
„Wer Schüler für eine Ausbildung in seinem Betrieb motivieren möchte, sollte ihnen in einem
Praktikum die Arbeit zeigen, die sie später erwartet. Wenn sie nur Hilfs- und Nebenarbeiten
ausüben, können sie sich kein richtiges Bild
machen. Unternehmen sollten sich außerdem
bei Arbeitsvermittlern, Arbeitsagenturen, Job-
Ein guter Chef muss hinter seinen Mitarbeitern stehen. Achtung und Wertschätzung auf beiden Seiten bieten eine sehr
fruchtbare Grundlage für motiviertes und
vor allem engagiertes Mitwirken der Arbeitnehmer am Unternehmenserfolg. Ein
guter Chef muss nicht laut werden, er bleibt
ruhig und besonnen, muss aber auch fähig
sein, Kritik zu üben. Genauso muss er selbst
in der Lage sein, Kritik anzunehmen. Einen
richtig guten Chef erkennt man daran, dass
sich die Mitarbeiter, wenn es hart auf hart
kommt, wie eine Mauer vor ihren eigenen
Chef stellen und zu ihm halten.“
Luise Schroedter
BraNDENBurgEr WirTSchaFT Nr. 10 | 2014
11
FokuS rEgioN
Aktuell stellen 230 Mitarbeiter für etwa 200 Kunden
tausende verschiedene teile her.
Auch heutzutage ist noch viel Handarbeit nötig. Die
Produktion läuft im Drei-Schicht-Betrieb.
Im Anschluss an die Urkunden-Übergabe führte
Gießereileiter Andreas Dietrich (Mitte) durch die Produktionshallen.
Duktil guss Fürstenwalde:
ausgezeichnet in Sachen umwelt
Umweltschutz kann mühsam sein, aber natürlich lohnt er sich: Als erstem Unternehmen
wurde der Duktil Guss Fürstenwalde GmbH die EMAS-Ehrenurkunde der IHK Ostbrandenburg
überreicht.
Mithilfe des europäischen Umweltmanagements EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) verbessert die Gießerei seit 15 Jahren nachweislich ihre Umweltleistung. Seit 1999 passt das Unternehmen jedes
Jahr seine Betriebsabläufe den gestiegenen Umweltanforderungen an
und praktiziert ein nachhaltiges Umweltmanagement. Und das in sämtlichen Bereichen, vom Strom- und Rohstoffverbrauch bis hin zur Verpackung. Geschäftsführerin Marianne Gerwin: „EMAS ist wichtig für die
Kunden, vor allem aber für die eigenen Mitarbeiter, um ein Bewusstsein etwa zum Stromsparen zu entwickeln“.
Dr. Ulrich Müller, Präsident der IHK Ostbrandenburg, überreichte die Urkunde und zeigte sich beeindruckt: „EMAS ist das anspruchsvollste Zertifikat weltweit“. Zur Verleihung gekommen waren auch
Anita Tack, Ministerin für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz
des Landes Brandenburg, sowie der Bürgermeister von Fürstenwalde,
Hans-Ulrich Hengst. Beide zollten dem Team ebenfalls großen Respekt
vor den Bemühungen um Nachhaltigkeit.
Sigrid Rautenberg
„EMAS ist
das anspruchsvollste
Zertifikat weltweit.“
Dr. Ulrich Müller
Fast 1500 Grad heiß: In der Gießerei wird
hochwertiger Rohguss hergestellt.
Bei der Überreichung der EMAS-Urkunde:
Dr. Ulrich Müller, Marianne Gerwin, Anita tack,
Hans-Ulrich Hengst (v. l. n. r.)
12
FOtOS: SIGRID RAUtENBERG
ForuM – DaS BraNDENBurgEr WirTSchaFTSMagaziN Nr. 10 | 2014
FokuS rEgioN
Aug
17
Termin
KALENDER
Umweltrechtliche Anforderungen
an kleine und mittlere Unternehmen am
17.10.2014 von 9 bis 13 Uhr,
Ort: IHK Ostbrandenburg
Kontakt: Burghard Seibold
Tel. 0335 5621-1303
seibold@ihk-ostbrandenburg.de
Aug
22
IHK-Sprechtag in Prenzlau:
Informationen für Unternehmer und
Existenzgründer am 22.10.2014
von 10 bis 16 Uhr,
Ort: Haus der Wirtschaft in Prenzlau
Kontakt: Dr. Günther Gerloff
Tel. 03334 2537-25
gerloff@ihk-ostbrandenburg.de
Aug
7
Workshopreihe "Erfolgreich
ausbilden": Aus der Praxis für die Praxis
am 07.10.2014 von 14 bis 18 Uhr,
Ort: IHK Ostbrandenburg
Kontakt: Rita Klein,
Tel. 033638 8970-22,
klein@ihk-ostbrandenburg.de
Aug
7
5. Hauptstadtkonferenz der
Kammerunion Elbe/Oder am
07./08.10.2014
Ort: IHK Berlin
Kontakt: Robert Radzimanowski,
Tel. 0335 5621-1305,
radzimanowski@ihk-ostbrandenburg.de
Aug
8 IHK-Sprechtag in Prenzlau:
Informationen für Unternehmer und
Existenzgründer am 08.10.2014
von 10 bis 16 Uhr,
Ort: Haus der Wirtschaft in Prenzlau
Kontakt: Dr. Günther Gerloff
Tel. 03334 2537-25
gerloff@ihk-ostbrandenburg.de
Aug
8
Wirtschaft trifft Verwaltung:
Treffen der Gewerbeämter am
08.10.2014,
Ort: IHK Ostbrandenburg
Kontakt: Sylvia Lehmann
Tel. 0335 5621-1414
s.lehmann@ihk-ostbrandenburg.de
Aug
Aug
9
Workshopreihe "Erfolgreich
ausbilden": Aus der Praxis für die Praxis
am 09.10.2014 von 14 bis 18 Uhr,
Ort: IHK Ostbrandenburg/Geschäftsstelle
Eberswalde
Kontakt: Rita Klein
Tel. 033638 8970-22
klein@ihk-ostbrandenburg.de
IHK-Sprechtag in Schwedt/Oder:
Informationen für Unternehmer und
Existenzgründer am 23.10.2014
von 10 bis 16 Uhr,
Ort: ICU Investor Center Uckermark GmbH
Kontakt: Dr. Günther Gerloff
Tel. 03334 2537-25
gerloff@ihk-ostbrandenburg.de
Aug
Aug
10
Tag der Sachverständigen
Berlin-Brandenburg am 10.10.2014
von 10 bis 14 Uhr,
Ort: Handwerkskammer Berlin
Kontakt: Stefan Heiden
Tel. 0335 5621-1420
heiden@ihk-ostbrandenburg.de
Aug
10
Prüfer bei der IHK Ostbrandenburg:
Festveranstaltung am 10.10.2014 von
15 bis 19.30 Uhr,
Ort: Kleistforum Frankfurt (Oder)
Kontakt: Heike Pursche
Tel. 0335 5621-1501
pursche@ihk-ostbrandenburg.de
Aug
15
23
IHK-Sprechtag in Prenzlau:
Informationen für Unternehmer und
Existenzgründer am 15.10.2014
von 10 bis 16 Uhr,
Ort: Haus der Wirtschaft in Prenzlau
Kontakt: Dr. Günther Gerloff
Tel. 03334 2537-25
gerloff@ihk-ostbrandenburg.de
29
IHK-Sprechtag in Prenzlau:
Informationen für Unternehmer und
Existenzgründer am 29.10.2014
von 10 bis 16 Uhr,
Ort: Haus der Wirtschaft in Prenzlau
Kontakt: Dr. Günther Gerloff
Tel.: 03334 2537-25
gerloff@ihk-ostbrandenburg.de
Aug
5
Come together! in Frankfurt (Oder):
Begrüßungsabend für Mitglieder am
05.11.2014 von 18 bis 20 Uhr,
Ort: IHK Ostbrandenburg
Kontakt: Team Servicezentrum
Tel. 0335 5621-1111
info@ihk-ostbrandenburg.de
Aug
5 IHK-Sprechtag in Prenzlau: Informationen für Unternehmer und Existenzgründer
am 05.11.2014 von 10 bis 16 Uhr,
Ort: Haus der Wirtschaft in Prenzlau
Kontakt: Dr. Günther Gerloff
Tel. 03334 2537-25
gerloff@ihk-ostbrandenburg.de
ForuM – DaS BraNDENBurgEr WirTSchaFTSMagaziN Nr. 10 | 2014
13
FokuS rEgioN
Business Meeting
Am 29. Oktober findet zwischen 10 und 16
Uhr ein Business Meeting Russland in der
IHK Ostbrandenburg statt. Eine Delegation
russischer Unternehmer möchte sich über
die regionale Wirtschaft informieren und
Kooperationsgespräche mit Ostbrandenburger Unternehmern führen. Interesse von
russischer Seite besteht in den Bereichen
Landtechnik, Anlagen zur trocknung, Apparatebau, Reinigung und Sortierung von
Getreide, Fahrzeuge, Biogasanlagen, Saatgut, Futterkonzentrate und Fischzucht. Informationen und Anmeldung bei Annetta
Poethke, 0335 5621-1442 oder poethke@
ihk-ostbrandenburg.de
raus aus der abwärtsspirale
„Russland ist ein großer Markt mit einem enormen Nachholbedarf", sagt Prof. Dr. Rainer Lindner im
IHK-Interview. Er ist der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. Seit über
50 Jahren vertritt der Ausschuss wirtschaftliche Interessen im östlichen Europa.
FORUM: Welche Bedeutung hat Russland als
Wirtschaftsmarkt für deutsche Firmen? Warum
sind Investitionen in Russland attraktiv?
Die deutschen Exporte nach Russland haben
sich in den vergangenen 15 Jahren verfünffacht. Etwa 350 000 Arbeitsplätze in Deutschland hängen vom Export nach Russland ab.
Rund 6 000 Unternehmen mit deutschem Kapital sind mittlerweile in Russland aktiv. Russland ist mit über 140 Millionen Einwohnern
ein großer Markt mit einem enormen Nachholbedarf. Durch den Rohstoffreichtum sind
auch entsprechende Finanzmittel für Modernisierungsprojekte vorhanden. Leider gerät
die deutsch-russische Erfolgsgeschichte der
letzten Jahrzehnte jetzt unter dem Eindruck
der Ukraine-Krise in Gefahr. Russland hat an
der negativen Entwicklung einen großen Anteil, aber auch die EU hat Fehler gemacht. Im
ersten Halbjahr mussten wir einen Einbruch
der deutschen Exporte um über 15 Prozent
verzeichnen.
FORUM: Wie bewerten Sie die Wirtschaftssanktionen gegen Russland? Sind die Sanktionen
das richtige Mittel, um den Konflikt zu lösen?
Der Ost-Ausschuss hat immer gesagt, dass wir
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eine diplomatische Lösung dieser Krise brauchen und dass Wirtschaftssanktionen nur das
allerletzte Mittel der Wahl vor einer militärischen Eskalation sein können. Dieser Ansicht
ist nach einer Umfrage, die wir im Sommer
durchgeführt hatten, auch eine knappe Mehrheit unter den in Russland engagierten deutschen Unternehmen. 56 Prozent sprachen
sich damals für Wirtschaftssanktionen als
letztes mögliches Mittel aus, 44 Prozent lehnten Wirtschaftssanktionen völlig ab. Wir haben immer betont, dass das Primat der Politik gilt und uns hinter die Bundesregierung
gestellt. Nach der Einführung erster Sanktionen müssen wir nun aber nüchtern analysieren, was diese wirklich gebracht haben. Es
gibt eine Menge von ganz praktischen Problemen in der Umsetzung der Sanktionen, vor
allem bei Gütern, die zivil und militärisch genutzt werden könnten. Der Stau bei den Ausfuhrgenehmigungen nimmt immer weiter zu.
Die Verunsicherung unter Exporteuren und
Investoren ist groß. Wirtschaftsbeziehungen
werden immer zum beiderseitigen Vorteil unterhalten. Werden sie beendet, wird daraus
ein beiderseitiger Nachteil. Es gibt hier nur
Verlierer.
ForuM – DaS BraNDENBurgEr WirTSchaFTSMagaziN Nr. 10 | 2014
FORUM: Welche Konsequenzen müssen deutsche Unternehmen fürchten, falls noch mehr
Sanktionen beschlossen werden?
Darüber kann man nur spekulieren. Bislang erstrecken sich die russischen Sanktionen auf ein deutsches Liefervolumen im
Agrarbereich von etwa 580 Millionen Euro. Umgekehrt sind von den EU-Sanktionen ebenfalls
Lieferungen im dreistelligen Millionen-Bereich
betroffen, wenn man etwa an Exporte von Rüstungsgütern oder Technik für die Rohstoffförderung denkt. Schlimmer aber noch sind die
negativen Zukunftserwartungen: Aus Angst
vor noch mehr Sanktionen wird nicht mehr investiert. Die russischen Kunden ordern nichts
mehr, weil sie wegen der Finanzsanktionen
schwerer an Kredite herankommen, oder sie
weichen auf Lieferanten aus China oder Lateinamerika aus. Was sie von diesen erhalten, ist
qualitativ weniger hochwertig oder teurer, aber
sie können eben sichergehen, dass sie auch in
Zukunft zuverlässig mit Ersatzteilen beliefert
werden. Insgesamt belastet die Situation zunehmend die Konjunktur in der EU und Russland. Es liegt daher im Interesse beider Seiten,
dass wir aus dieser Abwärtsspirale schnell wieLuise Schroedter
der herauskommen.
FokuS rEgioN
PRO
+ CONTRA
Sanktionen sind wichtig und richtig in der europäischen Politik gegenüber Russland, aber - und das möchte ich gleich am Anfang klar
machen - sie sind nur ein teil einer erfolgreichen Politik für eine stabile und demokratische zukunft der Ukraine. Die Europäische Union
muss nämlich nicht nur den Druck auf den russischen Präsidenten
Putin aufrechterhalten. Sie muss vor allem die politischen und wirtschaftlichen Reformen in der Ukraine unterstützen um damit die Destabilisierungsstrategie, die Vladimir Putin in der Ukraine verfolgt, zu
durchkreuzen.
Gezielte Sanktionen gegenüber Russland sind die andere Seite dieser Medaille. Schon Ende Februar, nachdem die ukrainische Halbinsel Krim von Russland besetzt und dann annektiert wurde, hatte
die EU wirtschaftliche Sanktionen beschlossen und sie seitdem in
mehreren Schritten ausgeweitet.
Das war und ist richtig. Denn auf
den erschreckenden Verstoß gegen
die europäische Friedensordnung
durch Russland darf die EU nach wie
vor nicht mit militärischen Mitteln
reagieren. Diplomatie und Sanktionen sind der einzige Weg aus dem
Konflikt. Ohne Druck wird sich Putin nicht dazu bewegen lassen, die
Unterstützung der pro-russischen Separatisten einzustellen, seine
truppen zurück zu ziehen und die Souveränität der Ukraine auch auf
der Krim wieder voll anzuerkennen. Immer wieder hat er zwar beteuert, sich für Frieden in der Region einzusetzen, aber gleichzeitig zur
Verschärfung des Konflikts beigetragen. Dieses doppelte Spiel darf
die Europäische Union nicht akzeptieren. Nur schmerzhafte wirtschaftliche und finanzielle Kosten können dazu führen, dass Putin
sein Kosten-Nutzenkalkül neu berechnet. Es geht hier nicht nur um
inakzeptable Gewalt in der Ukraine, sondern um Stabilität auf dem
ganzen europäischen Kontinent und auch darum, Russland dazu zu
bringen wieder internationale und gemeinsam vereinbarte Regeln
zu respektieren.
Wen wollen die Europäische Union und die Vereinigten Staaten eigentlich mit Sanktionen strafen? Wollen sie Putin strafen? Das ist
das alte Denken aus dem letzten Jahrhundert. Man meint, man straft
Einen und das Volk wählt ihn dann ab. Es wird nicht eine Person bestraft, sondern dem Volk wird Liquidität entzogen, der Wirtschaft
geht es schlecht, die Arbeitsplätze sind gefährdet, der Handel ist
eingeschränkt.
▲▼
Das Grundproblem von Sanktionen ist, dass sie sich fortsetzen. Die
Gegensanktionen Russlands waren intelligent. Denn niemand hat
damit gerechnet, dass für Lebensmittel Einfuhrverbote erlassen
werden. Und gerade dies ist das unkalkulierbare Risiko der Sanktionen. Sie treffen nun viele kleine Export-Unternehmen, die nicht
lange durchhalten. Hinter diesen Unternehmen sind die Mitarbeiter
und ihre Familien. Wie heißt es denn
immer so schön: Das Rückgrat der
deutschen Wirtschaft ist der Mittelstand, die kleinen Unternehmen.
Existenzen stehen nun auf dem
Spiel. Im schlimmsten Falle sterben
diese Kleinen, und wie sieht dann
der Neuanfang nach dem Ende der
Sanktionen aus? Bisher haben die Sanktionen der Ukraine jedenfalls
nicht geholfen, sondern sind ins Leere gelaufen.
Sind Sanktionen
gegen russland sinnvoll?
Mindestens genauso wichtig wie das Verhängen der Sanktionen, ist
die europäische Geschlossenheit. Die EU hat nicht nur ein Assoziierungsabkommen unterschrieben. Wir haben uns verpflichtet, für
das Selbstbestimmungsrecht und die territoriale Integrität der Ukraine einzustehen. Nicht nur in der Ukraine, auch in Polen und den
baltischen Staaten wird sehr genau verfolgt, ob dieses Versprechen
- gerade auch von deutscher
Seite - gilt. Unser Scheitern
wäre am schlimmsten für die
Ukraine. Es würde aber auch
die EU selbst vor eine zerreißprobe stellen.
(text gekürzt)
Rebecca Harms
Rebecca Harms ist die Fraktionsvorsitzende der Grünen im
Europäischen Parlament.
FOtO: JÜRGEN OLCzyK
Eine schnelle Hilfe für die betroffenen deutschen Unternehmen
durch die Bundesregierung ist nicht zu erwarten. Kommt eine zusage, dann schlägt doch wieder die deutsche Bürokratie zu. Die Unternehmer sind auf sich allein gestellt. In dieser Dekade gab und gibt
es so viele Krisen, dass ein kleines oder mittelständisches exportorientiertes Unternehmen mit den Krisen nicht mehr zurechtkommen
kann. Für Kleinbetriebe wird es immer schwieriger bzw. unmöglich,
sich in diesem Umfeld auf dem globalen Markt durchzusetzen.
Unsere Politiker müssen in der heutigen zeit so intelligent sein, dass
sie solche Krisen auf anderem Wege lösen können. Konflikt-Management ist gefragt. In einem vernetzten Europa, im dem wir leben, täglich arbeiten und kommunizieren, sollte mit Gesprächen doch einiges
zu bewegen sein. Diese Gespräche sind dringend nötig. Was in der
Ukraine passiert, darf nicht akzeptiert werden. Es spielt keine Rolle, ob die Krim schon immer geschichtlich zu Russland gehört hat.
Gemäß dem Völkerrecht und verschiedenen Vereinbarungen ist die
Krim Bestandteil der Ukraine. Russland kann nicht einfach „einmarschieren“ und das geltende
Recht brechen. Das etwas
getan werden muss, steht
außer Frage. Sanktionen aber
sind hier falsch und vor allem
schaden sie den Falschen.
Bruno Barth
Bruno Barth (r.) ist Geschäftsführer der Villa Deco GmbH. Für
das Unternehmen aus der Nähe
von Eisenhüttenstadt haben die
Märkte im Osten eine zentrale
Bedeutung. Das Bild zeigt ihn
mit einem Kunden bei einem
Besuch in tadschikistan.
FOtO: PRIVAt
ForuM – DaS BraNDENBurgEr WirTSchaFTSMagaziN Nr. 10 | 2014
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FokuS rEgioN
innovationstag
an der hNE Eberswalde
immobilien ins internet
Beim Innovationstag am 16. Oktober an
der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH) kommen Akteure aus
der regionalen Wirtschaft miteinander sowie mit Studierenden und Vertretern aus
Wissenschaft, Kommunen, Wirtschaftsförderung, Verbänden und Politik ins Gespräch. Zu den Partnern der Veranstaltung
gehört auch die IHK Ostbrandenburg.
Der „1. Tag der Immobilienwirtschaft Ostbrandenburg“ bei der IHK war ein Erfolg: Zur
Erstauflage dieses Branchentreffens kamen
mehr als 100 Immobilienmakler, Hausverwalter und Unternehmer aus der Wohnungswirtschaft - trotz Verkehrschaos auf allen Zufahrtsstraßen. Schlussreferent war Thomas Brunner
von der Immonet-Akademie. Getreu dem Motto „Homepage goes Google" und die Unternehmer müssen „googlisch" denken, wurden Internetseiten der Branche auf Suchmaschinenoptimierung analysiert. Anhand der Homepages
zweier Teilnehmer zeigte Brunner wie mit geringem Aufwand mehr Aufmerksamkeit im
Netz erreicht werden kann. Die Gäste wünschen, dass der Tag der Immobilienwirtschaft
IHK/NG
als Veranstaltung etabliert wird.
FOTUM/TK
◉ Ausführliche Programminformationen unter
www.hnee.de
Klaus Hummel, Stellvertretender Vorsitzender des
Immobilienverbandes Deutschland, begrüßt die Gäste
des 1. Immobilientages Ostbrandenburg.
FOtO: NG
Der Veranstaltungsort in Eberswalde, Waldcampus
FOtO: HNEE
Frankfurter Vorbildunternehmen für
Energieeffizienz gesucht
„come together!" –
nicht nur für Neumitglieder
Im Rahmen einer
Frankfurter Kampagne werden Unternehmen gesucht, die bereits erfolgreich Energieeffizienzmaßnahmen in ihrem Betrieb
FOtO: BRIANAJACKSON/ umgesetzt haben und
IStOCK/tHINKStOCK
gern daüber berichten
und somit für sich werben wollen.
Hierzu zählen z. B. energiesparende Maßnahmen an der Heizungsanlage, der Warmwasserbereitung, der Gebäudehülle, der Beleuchtung, Information/Motivation der Mitarbeiter, der Einsatz Erneuerbarer Energien,
Abwärmenutzung/Wärmerückgewinnung,
Druckluftnutzung, Prozesswärme, Lüftung/
Klimatisierung, Logistik, usw.
FORUM/TK
ihr ansprechpartner
der ihk ostbrandenburg
Burghard Seibold
Tel. 0335 5621-1303
seibold@ihk-ostbrandenburg.de
16
Beratungsgespräch auf einem der letzten Begrüssungsabende.
FOtO: LUISE SCHROEDtER
ForuM – DaS BraNDENBurgEr WirTSchaFTSMagaziN Nr. 10 | 2014
Was tut die IHK für mich als Unternehmer? Wie kann ich das Serviceangebot der
IHK umfassend nutzen? Wie kann ich mich
ehrenamtlich bei der IHK engagieren? Antworten auf diese und weitere Fragen bekommen Unternehmer beim Begrüßungsabend der IHK am 5. November in Frankfurt (Oder).
Die Teilnehmer können ihre individuellen Fragen den IHK-Ansprechpartnern
stellen. Bei einem kleinen Imbiss haben
sie die Möglichkeit, Kontakte mit anderen
Unternehmern zu knüpfen und Visitenkarten auszutauschen. Es sind auch interessierte Mitglieder herzlich willkommen,
deren Gründungsdatum etwas länger zurückliegt und die mehr über die IHK erfahren wollen.
Interessierte Unternehmer werden gebeten, sich unter info@ihk-ostbrandenburg.de anzumelden. Die Veranstaltung findet am Mitwoch, den 5. November 2014, ab
18 Uhr im Saal Uckermark der IHK, Puschkinstr. 12 b in Frankfurt (Oder) statt.
IHK/TK
FokuS rEgioN
arbeit als Sachverständiger
ist eine Erfahrungswissenschaft
Manfred Tuve wurde von der IHK Ostbrandenburg erneut als öffentlich bestellter und vereidigter
Sachverständiger für Brand- und Havarieursachen sowie für Werkzeug- und Formspuren bestätigt.
FORUM traf den diplomierten Kriminalisten und Diplomingenieur (FH) aus Biesenthal (Barnim) am
Landgericht in Frankfurt (Oder).
FOtO: FOtOEDU/IStOCK/tHINKStOCK
FORUM: Wie oft müssen sie Gerichte aufsuchen?
Gut 25 mal im Jahr, also durchschnittlich etwa
zweimal im Monat.
FORUM: Wer beauftragt sie und nimmt ihre
Dienste in Anspruch?
Die meisten Aufträge erhalte ich von Gerichten und Versicherungen, einige Anfragen gibt
es auch von Privatpersonen und vereinzelt
bitten mich auch Polizei und Staatsanwaltschaft um Hilfe.
FORUM: In welchen Fällen erstellen sie Gutachten?
Bei Bränden und Havarien geht es darum, die
Ursache festzustellen, ist es eine menschliche
Handlung oder eine technische Zündquelle.
Ich soll unter anderem begutachten, ob die Havarie durch eine fehlerhaft hergestellte oder
installierte Anlage oder ein fehlerhaftes Produkt ausgelöst wurde und ob der Besitzer seine Geräte auch wirklich fachgerecht eingesetzt
hat. Ganz einfach gesagt, bei einem Toaster
helfen auch die besten technischen Sicherungen nicht, wenn eine Gardine in Kontakt mit
dem heißen Gerät kommt. Ich muss also herausfinden, ob einerseits alle technischen Vorschriften bei der Produktion, dem Transport
und der Installation von Anlagen und Geräten eingehalten wurden und ob sie auch sachund fachgerecht bedient wurden.
FORUM: Wann werden sie als Gutachter für
Werkzeug- und Formspuren gerufen?
Zumeist nach Einbruchsdiebstählen. Eigentümer und Versicherungen haben ein großes
Interesse daran, nicht nur den Dieb zu überführen, sondern auch daran, warum er zum
Beispiel in ein abgeschlossenes Haus einbrechen konnte. Also überprüfe ich, ob die Fenster fachgerecht hergestellt und eingebaut
wurden, ob sie wirklich geschlossen oder nur
angekippt waren. So lässt sich feststellen, mit
18
welchen Werkzeugen und Hilfsmitteln der
Einbrecher sich Einlass verschaffte und ob
es ihm vielleicht zu leicht
gemacht wurde. Auch Versicherungsbetrüger lassen
sich mit einer gründlichen
Untersuchung des Ereignisortes überführen.
FORUM: Welche Arbeiten
müssen sie vor der Abgabe
des Gutachtens erledigen?
Nach der Beauftragung suche ich das Gespräch mit den
Beteiligten. Bei einem Haus- Manfred tuve
einbruch beispielsweise sind
die Besitzer ja über ihre Versicherung zu einer
Mitwirkung bei der Aufklärung verpflichtet. Ich
rede also mit ihnen und schaue mir dann den
Ereignisort sehr genau an. Ich prüfe alle Hauseingänge, Terrassen und Balkone und auch das
Dach. Oft suche ich auch Handwerks- und Baubetriebe auf und erkundige mich dort, ob zum
Beispiel in das eingebrochene Haus auch wirklich die laut Liefervertrag vorgesehen Türen
und Fenster eingebaut wurden. Habe ich alle Details zusammen, ziehe ich daraus meine
Schlussfolgerungen, fertige das Gutachten an
und gebe das meinen Auftraggebern.
FORUM: Wie wurden sie Gutachter?
Ich habe den Beruf des Zahntechnikers gelernt, später am Kriminalistischen Institut der
DDR eine Sachverständigenausbildung absolviert und an der Humboldt-Universität Kriminalistik studiert. Nach der Wende bin ich aus
der Polizei ausgestiegen und habe mich als
Gutachter selbstständig gemacht.
FORUM: Was reizt sie an dieser Tätigkeit?
Es ist die Vielfalt der Möglichkeiten. Kein Fall
gleicht dem anderen. Ich muss mich ständig
qualifizieren, um mit den Herausforderungen
ForuM – DaS BraNDENBurgEr WirTSchaFTSMagaziN Nr. 10 | 2014
Schritt zu halten. Außerdem ist die Arbeit nie
langweilig, denn ich sehe viele interessante
Erscheinungen, die das menschliche Leben mit sich bringt.
FORUM: Was waren ihre interessantesten Fälle bislang?
Ich möchte da keinen Herausheben. In meiner Tätigkeit habe
ich die drei großen negativen Eigenschaften der Menschen beobachtet – die Gier, den Neid und
den Hass. Einige lassen sich davon treiben und werden dann zu
Brandstiftern oder VersicherungsFOtO: W. DöLL
betrügern. Sie vergessen dabei
aber das Wissen und die Erfahrung der Gutachter. In der Asche eines abgebrannten Hauses lässt sich beispielsweise nachweisen, ob in
der Wohnung billige Möbel oder teure Designerstücke mit auffälligen Beschlägen standen.
Stürzt ein Haus zusammen, verbrennt nur das,
was oben liegt. In den unteren Schichten bleiben Dinge erhalten. Von der Gier und den Neid
getriebene Betrüger machen Fehler und die
finden wir.
FORUM: Die meisten Gutachter befinden sich
im reifen Alter. Auch sie sind schon 68 Jahre alt
und noch immer tätig. Warum hat ihr Berufsstand Nachwuchssorgen?
Die Arbeit als Sachverständiger ist eine Erfahrungswissenschaft. Die Anfangsphase ist mit
sehr vielen Entbehrungen verbunden. Man
muss ein Grundlagenstudium erfolgreich beenden und auch danach noch viele Qualifizierungen absolvieren. Das kostet Zeit und Geld
und geht deshalb meist nur in einem angestellten Beschäftigungsverhältnis oder wenn
man einen starken Familienbetrieb hinter sich
hat. Einzelkämpfer haben kaum eine Chance,
weil die Kosten für die Aus- und Weiterbildung
Es fragte: Wilko Döll.
einfach zu hoch sind.
FokuS rEgioN
konkurrent als Nachfolger?
„Wenn Unternehmensnachfolgen nicht erfolgreich laufen,
gehen Werte verloren“, sagt Dr. Stephan Knabe im IHK-Interview.
Er führt die Steuerkanzlei Dr. Knabe und berät regelmäßig
Mandanten zur Unternehmensnachfolge.
FORUM: Warum sollten sich Unternehmer mit
dem Thema Unternehmensnachfolge auseinandersetzen?
„Die Unternehmensnachfolge ist abgesehen
von der Gründung der wesentliche Punkt im
Leben eines Unternehmers. Da geht es um die
Früchte seines Lebenswerkes. Das hat nicht nur
einen monetären Aspekt, sondern auch einen
psychologischen. Jeder Unternehmer möchte,
dass sein Lebenswerk fortgeführt wird. Unter
dem Aspekt der Arbeitsplatzsicherung und einer funktionierenden Wirtschaft ist es außerdem extrem wichtig, dass die etablierten Unternehmen bestehen bleiben und die Unternehmensnachfolgen erfolgreich laufen.“
Wann sollte sich ein Unternehmer um
einen Nachfolger bemühen?
„Das ist ein fließender Prozess. Die meisten
fangen an, sich mit dem Thema zu beschäftigen, wenn es in Richtung Rentenalter geht. Also um die 60. Untrennbar von der Unternehmensnachfolge ist aber auch das Thema der
Notfallvorsorge. Die Wahrscheinlichkeit von
gesundheitlichen Ausfällen steigt mit zunehmendem Alter. Dann ist es gut, wenn ein UnFORUM:
ternehmer vorgesorgt hat, die Firma weiterläuft und es die Chance auf eine ordentliche
Nachfolge gibt. Spätestens ab dem fünfzigsten
Lebensjahr sollte jeder darüber nachdenken.“
FORUM: Wie findet man einen geeigneten Nachfolger, wenn kein Familienangehöriger das
Unternehmen übernehmen will?
„Naheliegend ist es, sich unter den eigenen
Mitarbeitern umzuschauen. Ein langjähriger
Mitarbeiter kennt sich im Unternehmen aus
und kann in Ruhe an die neue Aufgabe herangeführt werden. Es ist auch durchaus interessant, auf Wettbewerber zuzugehen. Dieser
ist in der gleichen Region angesiedelt, hat die
gleichen Kunden und möchte möglicherweise sein Unternehmen vergrößern. Außerdem
gibt es kostenlose Unternehmensbörsen wie
nexxt-change oder private Unternehmensmakler, die bei der Suche nach einem Nachfolger helfen.“
FORUM: Was ist bei der Unternehmensnachfolge unbedingt zu beachten?
„Wichtig ist es, sich rechtzeitig fachlich beraten zu lassen. Unternehmensw-
unternehmensnachfolgebörse
Chiffre 20144FF423
Chiffre 2014FF418
Mehrheits-Anteile an It-Beratung im Bereich
Massendaten-Management und Datenanalyse an Investor mit guter Vernetzung in der
telekommunikations- und Energie-Branche
abzugeben
Gut etabliertes Einzelhandelsgeschäft für
Lotto, Presse, tabakwaren in zentraler Lage
am Markt der Gemeinde Wandlitz/Basdorf
zum Jahresende 2014 abzugeben.
Chiffre 2014FF417
Chiffre 2014FF419
zu verkaufen: Fachgeschäft für für hochwertige Unterhaltungselektronik und Antennentechnik mit hohem Bekanntheitsgrad in der
Region
Einzelhandelsgeschäft in zentraler Innenstadtlage mit 120 m² Verkaufsfläche aus
Altersgründen innerhalb von zwei Jahren an
Nachfolger/in abzugeben.
ihr ansprechpartner
der ihk ostbrandenburg
Annett Schubert
Existenzgründung
Tel. 0335 5621-1415
schubert@ihk-ostbrandenburg.de
Dr. Stephan Knabe
FOtO: PRIVAt
nachfolge ist ein so komplexes Thema - steuerlich, wirtschaftlich, und rechtlich. Viele unsinnige Sachen und Gerüchte geistern dazu
durch die Welt. Ich rege regelrecht an, dass
der Unternehmer und sein Nachfolger jeder
einen eigenen erfahrenen Berater haben. Nur
so kommt man weiter. Außerdem sollte man
sich einen Stichtag für die Übergabe des UnLuise Schroedter
ternehmens setzen.“
Früh für einen
Nachfolger sorgen
Am 3. November informiert die Industrieund Handelskammer Ostbrandenburg zwischen 15 und 18:30 Uhr zur Unternehmensnachfolge. Eingeladen sind Unternehmer, die
sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen. Zusammen mit dem erfahrenen Unternehmensnachfolgeberater Dr. Stephan Knabe werden die wichtigsten Fakten für eine erfolgreiche Unternehmensübergabe erörtert.
Die Teilnehmer erfahren unter anderem, was
hinsichtlich der Wertermittlung und des Kaufpreises für den Betrieb zu beachten ist und
welche Wege es gibt, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Die kostenfreie Veranstaltung findet statt in der IHK Ostbrandenburg,
Puschkinstraße 12 b in Frankfurt (Oder). Anmeldungen sind bis zum 27. Oktober möglich
unter: http://ihk-ost.de/24j.
LS
ForuM – DaS BraNDENBurgEr WirTSchaFTSMagaziN Nr. 10 | 2014
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FokuS rEgioN
„alle Beteiligten profitieren"
Was verlangt
das umweltrecht?
Das Digitale Schwarze Brett hängt nun an 28 Gymnasien
in Ostbrandenburg
Anforderungen an kleine
und mittlere Unternehmen
Jedes Unternehmen beeinflusst die Umwelt – etwa mit Emissionen, Geräuschen,
Verpackungen und Abfällen. Gerade in kleinen und mittleren Unternehmen wird oftmals unterschätzt,
welche umweltrechtlichen Anforderungen sich daraus ergeben. Deshalb bietet die
IHK Ostbrandenburg am 17. Oktober von 9 bis 13
Uhr eine Veranstaltung an. Sie
richtet sich vor allem an UnternehFOtO: ALExMAx/IStOCK/tHINKStOCK
men, die nicht im
klassischen Sinn
als umweltrelevant gelten. Referent ist der
auf Umweltrecht spezialisierte Rechtsanwalt Ludolf C. Ernst. Nähere Informationen
zum Programm stehen im Internet unter
www.ihk-ostbrandenburg.de
Um Anmeldungen bis spätestens 10.
IHK/TK
Oktober wird gebeten.
ihr ansprechpartner
der ihk ostbrandenburg
Burghard Seibold
Tel. 0335 5621-1303
seibold@ihk-ostbrandenburg.de
unterstützung bei krisen
Stets griffbereit – das Digitale Schwarze Brett ist auch als App auf tablets und Smartphones im Einsatz. Der BarFOtO: StEFFEN BARtz
nimer Landrat Bodo Ihrke (Mitte) mit Schülern des Paulus-Praetorius-Gymnasiums Bernau.
Papier im Glaskasten – das war früher, jetzt
gibt es das digitale schwarze Brett, und zwar
an insgesamt 28 Gymnasien in allen Landkreisen in Ostbrandenburg sowie in der kreisfreien Stadt Frankfurt (Oder). Zuletzt kamen
das Christa-und-Peter-Scherpf-Gymnasium in
Prenzlau und das Paulus-Praetorius-Gymnasium Bernau hinzu. „Wir haben nun alle Schulen, die es gewünscht haben, mit Bildschirmen
versorgt“, sagt Pedro Braun, Referent SchuleWirtschaft bei der IHK.
Damit ist das Projekt erfolgreich angelaufen,
mit dem die IHK neue Wege in der Berufso-
rientierung geht. Der Kontakt zwischen Unternehmen und Schüler wird nun digital erleichtert. Die Schüler werden per Monitor und
Smartphone-App mit Vertretungsplänen, Ausbildungs-, Praktika- und Studienplätzen sowie
News versorgt. Dafür investiert die Wirtschaft
rund 100 000 Euro. " Smartphones sind aus dem
Alltag nicht mehr wegzudenken. Dass dies sowohl die Schulen als auch die Unternehmen in
der Region aufgreifen, ist ein innovativer Vorstoß, von dem alle Beteiligten profitieren", sagt
der Barnimer Landrat Bodo Ihrke.
Steffen Bartz/TK
„Turn Around Beratung“ hilft
Unternehmern bei wirtschaftlichen
Schwierigkeiten
Unternehmen in einer wirtschaftlich
angespannten Situation, finden in der
IHK Ostbrandenburg Hilfe. In einer „Turn
Around Beratung“ werden wirtschaftliche,
finanzielle und organisatorische Fragen
besprochen. Ziel ist es, die Wettbewerbsund Leistungsfähigkeit des Unternehmens
wiederherzustellen. Diese selbstverständlich vertrauliche Beratung kann durch die
Kreditbank für Wiederaufbau (KfW) gefördert werden. Informationen bei IHK-Referent Christian Wolf, 0335 5621 1413 oder
unter wolf@ihk-ostbrandenburg.de
FORUM TV
In der Oktober-Ausgabe zu sehen:
Sportsponsoring von Unternehmen
Schaumosterei in Letschin
Einbruchschutz mit Interview
und viele weitere spannende Themen.
IHK/LS
20
ForuM – DaS BraNDENBurgEr WirTSchaFTSMagaziN Nr. 10 | 2014
◉ http://wm-bb.de/forumtv
FokuS rEgioN
Vitamin-Stoß für Prenzlauer kitas
Die Uckermarkkreisstadt lässt nun die von ihr betriebenen
Kindereinrichtungen täglich kostenlos mit Obst und Gemüse
versorgen
Das ist doch mal eine Bombe! Und noch dazu eine wahre Vitaminbombe: Seit 1. September 2014 wird die Kreisstadt Prenzlau
die von ihr betriebenen Kindereinrichtungen täglich kostenlos mit frischem Obst und Gemüse versorgen lassen. Darüber informierte der zuständige Amtsleiter Dr. Eckhard Blohm.
Und verwies dabei darauf, dass
man den Schritt ganz bewusst
gehe, obwohl gegenwärtig noch
nicht klar ist, ob sich das Land
Brandenburg künftig finanziell
daran beteiligt, dass in den Kitas zwischen Potsdam und Prignitz Äpfel, Möhren und Gurken zusätzlich auf den Tisch Eckhard Blohm.
kommen. „Wir wollen dennoch
mit gutem Beispiel voran gehen und damit
die bundesweite Kampagne ‚5 am Tag‘ unterstützen, die Kinder dazu anregen möchte,
mindestens fünf Obst- und Gemüseportionen
über den Tag verteilt zu essen“, begründete
Blohm die Entscheidung. „Und wir wissen
doch alle, dass in Äpfeln, Möhren, Blattsalaten, Tomaten und all den anderen frischen
Produkten wertvolle Mineralien, Spurenelemente und Vitamine stecken, die gerade für
Kinder wichtig sind und zur gesunden Lebensweise einfach dazu gehören.“
Prenzlaus Pressesprecherin Alexandra Martinot: „Bislang sorgten der jeweilige Essenan-
bieter und die Eltern dafür, dass die Steppkes mit Obst und Gemüse versorgt wurden.“
Allerdings habe es auch immer wieder Kritik dahingehend gegeben, dass es immer die
gleichen Eltern sind, die etwas
mitgebracht haben.
Deshalb soll es nach Auskunft
von Dr. Eckhard Blohm ab 1.
September neben dem Angebot
des Essenanbieters Sodexo diese zusätzliche Aktion der Stadt
geben, die sie sich jährlich rund
8 000 Euro kosten lässt. „Unterstützt werden wir von Heiko Sabrowsky, den Prenzlauer
Niederlassungsleiter der GEKO Uckermärkische FrischhanFOtO: UWE WERNER
delsgesellschaft mbH, der die
Kitas berät und auch die Versorgung übernimmt. So ist abgesichert, dass
allen Kindern in unseren Einrichtungen, und
das kostenfrei, täglich saisonales Obst und
Gemüse zur Verfügung steht“, sagte Blohm
abschließend.
Die Verantwortlichen im Land Brandenburg
prüfen derweil noch, ob man das so genannte
„Schulobstprogramm“ der Europäischen Union in Anspruch nehmen und Fördermittel
beantragen soll. Diese müssten allerdings in
gleicher Höhe aus dem Landeshaushalt aufgestockt werden. Vielleicht hilft ein „Vitaminstoß“ beim Nachdenken und Entscheiden?
Uwe Werner
Die Stadt Prenzlau versorgt ab 1. September im Rahmen der bundesweiten Kampagne „5 am tag“ die städtischen Kindereinrichtungen kostenlos mit saisonalem Obst und Gemüse.
FOtO: UWE WERNER
ForuM – DaS BraNDENBurgEr WirTSchaFTSMagaziN Nr. 10 | 2014
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FokuS rEgioN
Tourismus als Wirtschaftsfaktor
Zwischen dem Nationalpark Unteres Odertal und dem Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin
liegt die Stadt Angermünde. Stadtverwaltung, Händler, Hoteliers und Gastronomen nutzen das
Potenzial der Natur und investieren in den Tourismus – mit Erfolg.
alle Geschäfte vermietet. Sicher auch, weil die
meisten Gebäude aufwendig saniert wurden.
Die rund 14 000 Einwohner können hier fast
alles für den täglichen Bedarf einkaufen. Eine
Vielfalt, die oft nur noch in den großen Einkaufscentern zu finden ist. Dass in Angermünde alles etwas anders ist, liegt nicht zuletzt an
einem durchdachten touristischen Konzept.
Kein Massentourismus
Bereits morgens um neun Uhr herrscht in
Angermünde buntes Treiben. In dem kleinen
Laden von Heidrun und Manfred Zobel in der
Rosenstraße kauft eine Kundin Tomaten aus
dem Garten der Eheleute. Man kennt sich.
Manfred Zobel ist 66 Jahre alt, seine Frau 71.
Ihren Laden in der Altstadt führen sie schon
ewig. Über fremden Besuch freuen sich die
beiden. Manfred Zobel erzählt von seinen Erfolgen bei den Kürbiswiegemeisterschaften
und zeigt stolz Fotos vom Gewinnerkürbis.
„Ich gärtnere nach dem Mond“, erklärt er. Dann
würde das schon klappen mit der Ernte.
„Die besondere Lage Angermündes ist ein
Grund dafür, dass die Stadt sich touristisch
ausrichtet und der Tourismus hier als wichtiger Wirtschaftszweig angesehen wird“, erklärt
Christian Radloff, Fachbereichsleiter Wirtschaft und Ordnung von der Stadtverwaltung
Angermünde. „Ein Teil des Biosphärenreservates ist der Buchenwald Grumsin. Im letzten Jahr sind 4000 Besucher dort zu Fuß oder
auf dem Fahrrad unterwegs gewesen.“ Die
Rad- und Wanderwege rund um den Grumsin
hat die Stadt Angermünde mit Hilfe von Fördermitteln extra angelegt. Sie verbinden das
UNESCO-Weltnaturerbe über Angermünde
mit anderen, auch überregionalen Rad- und
Wanderwegen. Zum Beispiel durchquert der
Radfernweg Berlin-Usedom die Stadt.
Einkaufen in der Altstadt
Die Saison verlängern
Läden wie der von den Zobels sind selten geworden. Und auch den Optiker neben dem Gemüseladen und die Buchhandlung schräg gegenüber gibt es vielerorts nicht mehr. In der
Altstadt von Angermünde aber sind beinahe
Radler und Wanderer bleiben zunehmend
länger in Angermünde, weiß die Geschäftsführerin des Tourismusverein Angermünde
e.V., Johanna Henschel. „Viele bleiben mehrere Nächte und starten ihre Touren jeden Tag
In der Angermünder Rosenstraße hat auch Karla Schmook (kleines Foto) ihr Geschäft.
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ForuM – DaS BraNDENBurgEr WirTSchaFTSMagaziN Nr. 10 | 2014
immer in eine andere Richtung. Das kommt
den Gastronomen und Hoteliers in der Stadt
zu Gute. Im Sommer sind Ferienwohnungen
und Hotels komplett ausgebucht“. Zukünftig
sei es für die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen wichtig, die Saison zu verlängern, erklärt
Johanna Henschel. Die Idee von Stadtverwaltung und Tourismusverein ist es, das Wandern
mit Gesundheitsdienstleistungen zu koppeln.
„Wir prüfen gerade unter fachlicher Begleitung, wie wir die Fachklinik Wolletzsee, das
Angermünder Krankenhaus und freie Gesundheitsdienstleister diesbezüglich vernetzen können“, sagt Johanna Henschel. Der erste Schritt in diese Richtung ist bereits getan:
Angermünde ist seit 2010 staatlich anerkannter Erholungsort. Erholungsorte müssen unter
anderem bestimmte Kriterien hinsichtlich der
Luftqualität, der Umgebung und der klimatische Verhältnisse aufweisen.
Hand in Hand von Tourismus und Handel
Einer, der von den Touristen profitiert, ist Gastronom Mike Küst. Gerade erst hat er mit seinem Bruder und Geschäftspartner in ein neues Restaurant investiert. „In den letzten Jahren hat der Radtourismus stark zugenommen“,
sagt Mike Küst. „Wir haben uns angepasst und
erweitert.“ Im „Grambauers Kalit“ gibt es mehr
Plätze im Restaurant, einen Biergarten und
fünf Gästezimmer. Mike Küst lobt die Gemeinschaft. „Die Zusammenarbeit in Angermünde funktioniert. Hier ist keiner dem anderen
Feind.“ Gemeinsam organisierte Veranstal-
FOtOS: LS
FokuS rEgioN
Heidrun und Manfred zobel in verkaufen
Obst und Gemüse aus dem eigenen
Garten und der Region.
FOtO: LS
tungen wie die Angermünder Einkaufsnacht
gibt es deshalb öfter. Daran beteiligt sich auch
Karla Schmook. Die von ihr geführte Verlagsbuchhandlung Ehm Welk ist mittlerweile eine Institution in Angermünde. Im Herbst gibt
es zum 65-jährigen Jubiläum ein großes Fest.
Obwohl mit den Touristen auch die Kunden
kommen, reiche das nicht aus, um mit einem Geschäft zu überleben. Karla Schmook
hat sich breiter, zukunfts- und kundenorientiert aufgestellt. Neben der Buchhandlung betreibt sie einen Onlineversand und einen Verlag, der von ihrer Tochter Stephanie Schmook
geleitet wird. „Auch hinsichtlich der drastischen Sparmaßnahmen in Potsdam mussten wir umdenken“, sagt die Unternehmerin.
„Durch einen Beschluss der Landesregierung
wurden und werden öffentliche Aufträge wie zum Beispiel Bestellungen von Fachliteratur - zunehmend in der Landeshauptstadt
realisiert. Diese Sparmaßnahmen sind gut für
Potsdam, aber dafür blutet die ländliche Region aus.“ Wie sich das mit dem politischen Ge-
danken zur Förderung der ländlichen Region
vereinbart, ist Karla Schmook nicht klar.
Investitionen lohnen
Doch diesen Herausforderungen werde die
Region standhalten und sich mittel- und
langfristig aus ihren Qualitäten heraus entwickeln, da ist sich Karla Schmook sicher. Sie und
viele andere Unternehmer aus Angermünde
wünschen sich einen Regionalmanager. „Für
Wirtschaft, Handel und Tourismus brauchen
wir jemanden, der die Initiativen in der Stadt
koordiniert und die guten Voraussetzungen
unterstützt.“ Auch Christian Radloff hat gute Neuigkeiten. Im vergangenen Jahr sind
50 Menschen mehr nach Angermünde gezogen, als die Stadt verlassen haben. „Das ist sicher auch der guten Infrastruktur Angermündes zu verdanken“, vermutet der Wirtschaftsförderer. Zum Hafen in Schwedt sind es nur
30 Kilometer, drei Bundestraßen verbinden
Angermünde mit den Autobahnen A11 und
A20. Und auch die Bahnanbindung ist ideal
für Pendler und Besucher. „Jedes der 948 Unternehmen ist wichtig für Angermünde. Alle leisten ihren Beitrag und geben Beschäftigung“, sagt Christian Radloff. „Unser Gewerbegebiet hat noch große freie zusammenhängende Flächen. Bis Mitte nächsten Jahres wird
auch der Breitband-Ausbau im Gewerbegebiet
abgeschlossen sein.“
Eines aber fehlt in Angermünde noch, da
sind sich alle einig: Ein Laden, in dem es Kinderschuhe gibt. Und Manfred Zobel sucht einen Nachfolger für den Gemüseladen. Er
möchte sich bald ganz und gar seinem GarLS
ten und den Bienen widmen.
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FokuS rEgioN
35 neue Jobs bei
automotive-unternehmen
Schmidt
Der Automotive-Zulieferer Schmidt Maschinenbau erweitert seinen Standort im
Landkreis Barnim. Mit gleich zwei Investitionen, die die ILB mit knapp drei Millionen Euro fördert, sind 35 neue Arbeitsplätze und ein Investitionsvolumen von über
zwölf Millionen Euro verbunden. „Wir fühlen uns am Standort Eberswalde ausgesprochen wohl. Die Bedingungen sind exzellent.
Am meisten freue ich mich, dass ich
hier die motivierten und qualifizierten
Fachkräfte einstellen konnte, die für die
weitere Entwicklung des Unternehmens
gebraucht werden“, erklärte Unternehmensinhaber Herbert Schmidt.
ILB/TK
zehn Jahre umetec
gmbh & co. kg
Die Umetec GmbH & Co. KG hat jetzt ihr
zehnjähriges Bestehen gefeiert. Das Eberswalder Unternehmen startete im Jahr 2004
mit drei Mitarbeitern und beschäftigt heute dreißig Fachkräfte in Entwicklung, Verwaltung, Produktion und Vertrieb. Als Komplettanbieter für Metallerzeugnisse plant,
fertigt und montiert umetec individuelle
Produkte für die Automobil- und Fahrzeugbranche, Mobilitäts- und Logistikunternehmen sowie Windkraft- und Solarindustrie.
„Wir werden an dem bisherigen Erfolg anknüpfen, neue Unternehmensbereiche
aufbauen und das Unternehmen nachhaltig erweitern“, versicherte Geschäftsführer
Mark Walter den ca. geladenen 300 Gästen.
Umtec/TK
Geschäftsführer Mark Walter
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FOtO: UMtEC
Der Unternehmensgründer Magnus
Hoffmann und seine Ruheliege.
FOtOS: StEFANIE NEUMANN, PUREWORKz
Möbel aus Luft
Windsurf-Faszination führte zu ungewöhnlich leichten
Wohnaccessoires
„Wer unsere Produkte in der Hand hat, ist
erstaunt über die Leichtigkeit“, sagt Magnus
Hoffmann aus Eberswalde. Kein Wunder, sie
bestehen ja auch zu 98 Prozent aus Luft, ist
von dem innovativen Gründer der Firma Pureworkz zu erfahren. Seit 2013 werden so Liegen und Stehleuchten in einer neuen, umweltschonenden Sandwichbauweise und vor allem
aus Hartschaum produziert, der diesen ungewöhnlich hohen Luftanteil aufweist. „Absolut
wetterbeständig und schlagfest“, sagt Hoffmann. Gute Zukunftsaussichten sehe er deshalb im Wellness- und Outdoorbereich. Ver-
kleidet sind die Möbel mit einem Holz- oder
Steinfurnier.
Die Idee zu den besonderen Wohnaccessoires
kam dem Gründer beim Windsurfen. Er wollte Windsurfboards aus Holz in der im Wassersport üblichen Leichtbauweise fertigen.
Während seines Studiums an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde forschte Magnus Hoffmann so lange, bis
er das erste Board in den Händen hielt. Nach
weiteren fünf Jahren wird die Technik nun
auch in anderen Bereichen eingesetzt.
Suppen aus dem glas
„Wünsch-Dir-Mahl“ schreibt Erfolgsgeschichte
Bei André Riediger und Moritz
Timm herrscht Hochbetrieb. Mit ihren
veganen Suppen im Glas hat sich ihre Firma „Wünsch-Dir-Mahl" aus Müncheberg im Biofachhandel regional
etabliert, inzwischen ist sie im Berliner Naturkostfachhandel nach eigenen Angaben Marktführer im Fertiggerichtesegment. Als FORUM vor wenigen Tagen nachfragte, wurde gerade umgebaut und investiert, drei neue
Arbeitsplätze sollten entstehen. „Die
Suppensaion startet jetzt", sagte AndLS/TK
ré Riediger.
Die Gründer beim Kochen
FOtO: ROBERt KNESCHKE
ForuM – DaS BraNDENBurgEr WirTSchaFTSMagaziN Nr. 10 | 2014
LS/TK
FokuS rEgioN
Weiterbildung lohnt sich
Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages
(DIHK) spricht klar für lebenslanges Lernen
Wer sich weiterbildet, kann danach auf eine
höhere Position oder einen größeren Verantwortungs- und Aufgabenbereich im Unternehmen hoffen. Das bestätigen immerhin zwei
Drittel der 44 befragten Absolventen, die an einer Aufstiegsfortbildung bei der IHK Ostbrandenburg teilgenommen haben. „Die berufliche Aus- und Weiterbildung bietet sehr gute
Perspektiven, die mit denen von Hochschulabsolventen durchaus Schritt halten können.
Wer hier am Ball bleibt, hat gute Chancen, auf
der Karriereleiter kontinuierlich nach oben zu
klettern und bleibt aus Sicht der Unternehmen eine attraktive und nachgefragte Fachkraft“, sagt DIHK-Präsident Eric Schweitzer.
Die Gründe für eine Weiterbildung sind unterschiedlich: Beruflicher Aufstieg und bes-
sere Einkommensmöglichkeiten waren für
die Befragten aus Ostbrandenburg entscheidend. Aber auch den Arbeitsplatz zu sichern,
Fachkenntnisse zu vertiefen und den persönlichen Horizont zu erweitern, motivierten zu
einer Weiterbildung. 61, 4 Prozent der Befragten aus Ostbrandenburg gaben an, dass sich
die Weiterbildung vorteilhaft auf ihre berufliche Entwicklung ausgewirkt habe. Gut zwei
Drittel der Befragten konnten sich nach ihrer
Weiterbildung im gleichen Unternehmen beruflich verbessern. Für rund ein Drittel war
ein Firmenwechsel notwendig.
An der Umfrage des DIHK hatten sich rund
10.000 Absolventen einer Weiterbildung aller
deutschen Industrie- und Handelskammern
LS
beteiligt.
Neuer Vizepräsident beim
WirtschaftsForum
Dr. Ulrich Müller, Präsident der IHK Ostbrandenburg, ist seit September 2014 Vizepräsident des WirtschaftsForum Brandenburg e. V. Zu den Veranstaltungen des im
Jahr 1992 gegründeten Netzwerkes kommen
Unternehmer, Minister, Geschäftsführer, Juristen, Wissenschaftler und Künstler. „Oft
bietet der Blickwinkel des anderen neue
Perspektiven und Einblicke", heißt es auf
der Homepage. www.wf-brandenburg.de.
TK
Vorteile einer IHK-Weiterbildung
höhere Position oder größerer
Verantwortungs- und Aufgabenbereich
77,8 %
55,6 %
finanzielle Verbesserung
22,2 %
größere Sicherheit des Arbeitsplatzes
bei gleicher Position bessere
Bewältigung der gestellten Aufgaben
3,7 %
18,5 %
habe einen Arbeitsplatz gefunden
0
10
20
30
40
50
60
70
80 %
GRAFIK: JANA GERLACH
Dr. Ulrich Müller
FOtO: IHK
FokuS rEgioN
IHK-Hauptgeschäftsführer Gundolf
Schülke begrüßt Danuta DominiakWozniak. Die polnische Handelsrätin war Gast auf der Jubiläumskonferenz zum zehnjährigen Beitritt
Polens in die EU. Noch bis 17 Uhr
geht es in der IHK um Erfahrungen,
Förderinstrumente, Arbeitnehmerfreizügigkeit und das zusammenleben entlang der Grenze.
FOtO: NG
„alles steht und fällt
mit den Leuten“
Jubiläums - Konferenz zum 10-jährigen
Beitritt Polens in die Europäische Union
„Wir sind immer offen gegenüber gemeinsamen Projekten, mit denen die deutsch-polnischen Beziehungen verbessert werden können“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Gundolf
Schülke zu Beginn der „Jubiläums-Konferenz
zum zehnjährigen Beitritt Polens in die EU“
im September. Zwei Dinge liegen ihm besonders am Herzen. „Wir würden uns wünschen,
für beide Seiten Vorteile zu schaffen, indem
mehr Ausbildungsverträge mit polnischen
Auszubildenden abgeschlossen werden.“ Auch
in Zukunft werde sich die IHK mit Kampagnen,
und Veranstaltungen dafür einsetzen, dass
der grenzüberschreitende Verkehr auf Schiene, Straße und Wasser verbessert werde.
„Alles steht und fällt mit den Leuten“, ist
die Erfahrung von Dr. Markus Reichelt. „Nur so
funktioniert Integration.“ Er ist Geschäftsführer der DEBERIS GmbH. Gemeinsam mit zehn
Mitarbeitern berät er Unternehmen und organisiert deren Investitionsprojekte, vor allem
in Osteuropa. Zum Beispiel begleiteten sie die
Privatisierung der Danziger Stadtwerke durch
ein Leipziger Unternehmen. Allerdings scheine ihm auch, umso näher man einer Grenze
ist, desto mehr sind manche Leute mental von
ihr entfernt.
Grenzüberschreitungen sind für Regina
Gebhardt-Hille Alltag. Sie ist EURES-Beraterin bei der Agentur für Arbeit. Sie und ihre
Kollegen beraten dies- und jenseits der Grenze Arbeitnehmer wie auch Arbeitgeber zum
Arbeiten im Nachbarland. Das Angebot reicht
von individuellen Gesprächen bis zu Rekrutierungsmessen in der Grenzregion. So arbeiten etwa 3000 polnische Arbeitnehmer in Ostbrandenburg, versicherungspflichtig oder im
Minijob. Seit dem Jahr 2011 hat sich die Zahl
Diedersdorfer Öl
mit „Suchtpotential“
Blühende Rapsfelder
bei Diedersdorf und
Produkte der ölmühle
FOtOS: JöRG BERNDt
Startup vertreibt regionale Spezialität
„Wer's einmal gekostet hat, kauft's immer
wieder", schwärmt Jörg Berndt von seinen
Ölen. Der besondere Geschmack liege an der
Kaltpressung bei unter 40 Grad Celsius. „Da
bleiben alle Geschmacksstoffe erhalten", sagt
der Produktionschef der Diedersdorfer Ölmühle. Erst im März 2013 begann das Startup
mit dem Verkauf; inzwischen wird die regiona-
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verdreifacht. Zur Zeit absolvieren zirka 50 polnische Jugendliche eine Berufsausbildung im
dualen System in der Grenzregion. Vor fünf
Jahren gab es das gar nicht. Regina GebhardtHille resümiert: „Polnische Fachkräfte haben
wenige Chancen in der Grenzregion, weil es
ihnen an Sprachkenntnissen mangelt. Auch
fehlende Berufsanerkennungen, vor allem in
der Pflege, sind ein Problem.“ Fehlende Busund Bahnverbindungen zum Nachbarn, unterschiedliche Verwaltungsvorschriften in den
Nachbarländern und nach wie vor bestehende Vorurteile in der Bevölkerung auf beiden
Seiten der Oder und der Neiße erschweren ein
noch engeres Zusammenwachsen der Region.
Der Gesprächsbedarf der mehr als 100
Teilnehmer war enorm. Noch Stunden nach
der offiziellen Tagungszeit wurde intensiv in
NG
kleinen Gruppen diskutiert.
le Spezialität in umliegenden Edeka-Märkten,
Fleischereien, Hofläden und auf Märkten vertrieben. Im Angebot sind Leinen-, Raps- und
Sonnenblumenöle. Zweimal wöchentlich wird
auch im Hofladen in Diedersdorf verkauft, Besichtigungen der Mühle nur nach Anmeldung.
TK
◉
www.diedersdorfer-oelmuehle.de
ForuM – DaS BraNDENBurgEr WirTSchaFTSMagaziN Nr. 10 | 2014
FokuS rEgioN
geprüfter industriemeister Metall (ihk)
Für Kurzentschlossene gibt es Lehrgang
letztmalig zum günstigeren Preis
Das Thema Fachkräftesicherung ist für alle Betriebe im Metallbereich von enormer Bedeutung. Genauso wichtig ist es für viele Unternehmen, gut ausgebildete Fachkräfte in der Region zu halten. Dazu gehört es, den Facharbeitern Entwicklungschancen zu bieten.
Eine Möglichkeit stellt die Aufstiegsfortbildung zum „Industriemeister Metall (IHK)“ dar. Ein Industriemeister Metall ist am besten dafür geeignet, technische und organisatorische Problematiken sowie
Führungs- und Personalaufgaben im industriellen Produktionsbereich (Fertigungstechnik, Montagetechnik, Betriebstechnik) zu übernehmen. Die Industriemeisterposition wird somit zur wichtigen Koordinierungsstelle zwischen Produktion und angrenzenden sowie
übergeordneten Bereichen.
Für alle Kurzentschlossenen bietet das IHK-Bildungszentrum
den dreijährigen Lehrgang mit Beginn am 08.12.2014 letztmalig
zum Preis von 3 840 Euro an (im Gegensatz zu 5 000 Euro ab 2015).
Unabhängig vom Einkommen und Vermögen kann die Fortbildung
für die Teilnehmer über das Meister-BAföG und die KfW-Bank bis zu
ca. 50 Prozent gefördert werden.
Das IHK-Bildungszentrum empfiehlt auch den Vorbereitungskurs Mathe, Physik, Chemie für 500 Euro ab September 2014. Notwendig für alle zukünftigen Meister ist ebenso die Absolvierung der
IHK Projektgesellschaft/TK
Ausbildereignungsprüfung.
Foto: monkeybusinessimages/Istock/
thinkstock
ihre ansprechpartnerin
im ihk-Bildungszentrum Eberswalde
Birgit Delph
Tel. 03334 2537-36
E-Mail: delph@ihk-projekt.de
ForuM – DaS BraNDENBurgEr WirTSchaFTSMagaziN Nr. 10 | 2014
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FokuS rEgioN
anderen inspirationen
geben
Neue Kunstausstellung im BIC in
Frankfurt (Oder)
Die Betrachter stehen vor dem Acrylbild
und rätseln. Führt ein Weg durch Bäume in
die Bildmitte, ist es ein See, eine Eisfläche
oder vielleicht doch Nebel? Jeder Zuschauer kommt zu einem etwas anderen Schluss.
„Genau das will ich erreichen, die Betrachter sollen zu meinen Bildern eine eigene Interpretation finden, ich möchte ihnen eine
Inspiration geben“, sagt Evelyn Pohle. Von
der Künstlerin sind seit Anfang September
Aquarelle und Acrylbilder im Frankfurter
Business and Innovation Center (BIC) ausgestellt.
Die Malerin selbst holt sich ihre Anregungen in der Natur. „Ich bin begeistert von den Farben, der Vielfältigkeit
und den Lichtverhältnissen in der Landschaft“, sagt Evelyn Pohle. Kehrt sie von ih-
Evelyn Pohle vor zwei von ihr gemalten Aquarellen
FOtO: W. DöLL
ren Wanderungen oder Fahrradausflügen
zurück, malt sie ein Motiv immer wieder,
bis das Bild ihren Ansprüchen genügt. Ihre
schönsten Arbeiten aus den vergangenen
drei Jahren sind nun im BIC zu sehen. Die
Kunst ist Evelyn Pohles Ausgleich zur Arbeit als Flugleiterin auf dem Verkehrslandeplatz in Eisenhüttenstadt.
Die Ausstellung „Inspiration in Farbe“
wird bis zum 9. November im BIC gezeigt.
Etwa fünf Kunstausstellungen sind dort jedes Jahr auf der Empore des Foyers zu sehen. „Wir möchten damit Künstler aus der
Region und auch internationale Künstler
unterstützen, ihnen eine kostenfreie Ausstellungsmöglichkeit bieten und ihnen somit ein neues Publikum erschließen“, erklärt BIC-Geschäftsführerin Heike Gensing.
Wilko Döll
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Das war mal
ein schöner Batzen geld!
Museum für Stadtgeschichte in Templin präsentiert bis
Dezember den größten Münzschatz der Uckermark
Die Kleinmünzen des „templiner Schatzes“ stammen
aus so ziemlich „aller Herren Länder“. FOtO: UWE WERNER
Das war eine kleine Sensation, als Archäologen 1997 bei Bauarbeiten in der Kantstraße
auf einen wahren Schatz stießen. In der Nähe
der Maria-Magdalenen-Kirche hatte ein offenbar wohlhabender Templiner um 1634 seine
Barschaft an einer Hauswand in einer Grube
deponiert. Ausgeben konnte er das Geld wohl
nicht mehr, sonst hätte man es fast 370 Jahre
später nicht gefunden.
„Beim größten Münzschatz der Uckermark
handelt es sich um genau 1358 Geldstücke. Geprägt wurden sie zwischen 1389 und 1634. Der
Schatz besteht aus vier Gold-, 27 hochwertigen und 1327 kleinen Silbermünzen“, berichtete die Templiner Museumsleiterin Sabine Hertrich. Der Gesamtwert lag einmal bei 55 Talern,
15 Groschen und vier Pfennigen. Ein schöner
Batzen Geld, wenn man weiß, dass dies in etwa dem doppelten Jahresgehalt des Templiner
Stadtschreibers zu jener Zeit entsprach!
Mit viel Ausdauer und einiger Überzeugungsarbeit ist es Sabine Hertrich gelungen,
den schönsten Teil des Fundes nun bis zum 14.
Dezember 2014 in einer Sonderausstellung im
Museum für Stadtgeschichte Templin präsentieren zu können: „Wir zeigen insgesamt 541
Münzen aus dem Schatz, darunter die 31 wertvollsten Gold- und Silbermünzen. Die meisten
der Geldstücke stammen aus Ländern der Kurfürsten von Brandenburg und Sachsen sowie
des Erzbischofs von Salzburg“, erklärte Sabine
Hertrich. Die höherwertigen Münzen wurden
vor allem in den Niederlanden, in Hamburg
sowie Habsburg geprägt. Einzelstücke unter
den Kleinmünzen haben ihren Ursprung in
Dänemark, Holstein, Münster, Lüneburg, Hessen, Mecklenburg, Polen, Bayern und Nürnberg.
ForuM – DaS BraNDENBurgEr WirTSchaFTSMagaziN Nr. 10 | 2014
Aber die Sonderausstellung zeigt nicht
nur die Geldstücke, sondern informiert den
Besucher auch über die Ausgrabungen, bei
denen sie in der Templiner Altstadt zutage gefördert wurden und über das Leben in Templin in den schweren Zeiten um den 30-jährigen Krieg. „Bei der Aufarbeitung der Quellen
haben uns dankenswerter Weise der ehemalige Templiner Stadtarchivar Eitel Knitter, Dr.
Lutz Libert, Dr. Mathias Schulz und der Prenzlauer Hobbyhistoriker Jürgen Theil geholfen.
Und der Numismatiker (Münzkundler) Burkhard Schauer hat akribisch den Wert und die
Herkunft jeder Münze ermittelt“, freute sich
Sabine Hertrich.
Besuchen kann man die Sonderausstellung „Der größte Münzschatz der Uckermark“
zu den Öffnungszeiten des Museums für Stadtgeschichte Templin (im Prenzlauer Tor) bis
September dienstags bis freitags von 10 bis
17 Uhr sowie sonnabends und sonntags von
13 bis 17 Uhr. Von Oktober bis Dezember ist
dienstags bis freitags von 10 bis 16 Uhr sowie
sonnabends und sonntags von 13 bis 15 Uhr
geöffnet.
Uwe Werner
Sabine Hertrich mit einem taler der Stadt Frankfurt
am Main aus massivem Silber, der im Jahr 1626 geprägt wurde.
FOtO: UWE WERNER
TITELTHEMA
XX%
… aller Unternehmennachfolgen
sind bis ein Jahr für der Übergabe nicht geklärt.
40
XX%
…aller Unternehmensnachfolgen scheitern aufgrund mangelnder Bewerber.
FORUM - DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn 10 | 2014
TITELTHEMA
Mobil –
ganz
ohne
Abgase
Seit 60 Jahren ist bekannt: Alternativen
zur Energieerzeugung auch in der Fahrzeugtechnik sind gefragt – denn die fossilen
Energieträger sind nur endlich verfügbar.
Nun braucht man für Verkehrsmittel dringend neue Antriebssysteme, ohne Verbrennungsmotoren – und ohne Abgase.
Seit fünf Jahren fördert das Bundesministerium für Verkehr Bau und Stadtentwicklung
(BMVBS) den Ausbau und die Marktvorbereitung der Elektromobilität. So werden im
BMVBS-Förderschwerpunkt „Elektromobilität
in Modellregionen“ ausgewählte Projekte im
Schaufenster Berlin-Brandenburg gefördert.
Die FORUM-Redaktion hat sich umgeschaut und Beispiele gefunden.
Stephanie Panne arbeitet seit Januar 2012 im Hauptsitz der Firma BBF BIKE in
Dahlewitz-Hoppegarten und ist verantwortlich für Marketing & Kommunikation.
Hier zeigt sie den neuen Bosch-Bike-Motor. Der leistungsfähige Akku ist zugleich Teil des Gepäckträgers.
FoTo: WInFrIED GUTzEIT
IconS: EcEloP/lKESKInEn/ISTocK/THInKSTocK
FORUM – DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn nr. 10 | 2014
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TITELTHEMA
Tipp: Energiemanagement
Die Einführung eines systematischen Energiemanagementsystems ist eine bewährte Maßnahme zur Energieverbrauchs- und Kostensenkung. Damit kann ständig steigenden Energie- und
rohstoffpreisen durch rationellen Energieeinsatz begegnet werden. Die brandenburgischen
IHKs laden gemeinsam mit der KfW und der Energieallianz Brandenburg zu einer Veranstaltung
zum Thema „Energiemanagementsysteme“ ein.
In dieser Veranstaltung werden die Schritte zu einem erfolgreichen Energiemanagementsystem erläutert: Was ist grundsätzlich bei der Einführung zu beachten? Wie erfolgt die Integration in die Unternehmensprozesse? Welche Anforderungen ergeben sich aus der novellierung
des EEG? Anwendungsbeispiele aus Unternehmen werden zeigen, dass die Einführung von
Energiemanagementsystemen ein lohnenswerter Schritt zur Beherrschung der Energiekosten
und der langfristigen Effizienzsteigerung in den Unternehmen ist.
Die Veranstaltung findet am 19. November 2014 ab 10 Uhr in der TH Wildau
statt. Weitere Informationen, Anmeldung und Ansprechpartner im Internet,
www.cottbus.ihk.de, Veranstaltungsnummer 13469349.
IHK Cottbus, SW
Elektro-zapfsäulen sind eine wesentliche Voraussetzung für eine nutzung von E-Fahrzeugen – in der Stadt und auf
dem land.
FoTo: roBErT cHUrcHIll/ISTocKTHInKSTocK
IconS: EcEloP/lKESKInEn/ISTocK/THInKSTocK
Effektiv, leise, sauber
Brandenburg ist bereits heute führend in der nachhaltigen Energieproduktion und übertrifft
die Zielsetzungen der Bundesregierung deutlich. In Zukunft wird von hier immer mehr „grüner“
Strom kommen. Die Elektromobilität ist somit auch für die Energiewende ein wichtiger Baustein.
In Berlin und Brandenburg sind rund um das
Thema Elektromobilität mehr als 150 Projekte in der Umsetzung. Dazu gehören vor allem
Flottenprojekte, aber auch das dynamische La„Fahrzeuge mit Elektromotoren
den und Speichern. In der deutschen Hauptkönnen eine nachhaltige Entwicklung
stadt sind heute rund 1 000 Elektrofahrzeuder Mobilität in Gang bringen.
Sie arbeiten dreimal so effektiv wie
ge unterwegs. 2012 startete hier das bunBenzinmotoren, dazu abgasfrei. Die
desweit erste rein elektrische CarshaZulassungszahlen der Elektrofahrzeuge
ring-Angebot – alles im Rahmen des vom
haben sich verdoppelt und die großen
Bundesverkehrsministerium geförderAutohersteller der Welt sind mit dabei.“
ten Projektes „Modellregion Elektromobilität
Jan-Hendrik Aust, E-Mobil-Experte, IHK Potsdam
Schaufenster Berlin Brandenburg“ (siehe webHinweis). Mit über 200 Lademöglichkeiten hat
Berlin zudem die größte öffentlich zugängliche
Lade- Infrastruktur in Deutschland. Ein Ausbau
auf 1600 Ladepunkte bis 2015 ist durch eine EUweite Ausschreibung des Landes Berlin angestoßen. Das Thema „Vernetzung“ wird im Rahmen des Schaufensters Berlin-Brandenburg ei-
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FORUM - DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn 10 | 2014
ne zentrale Rolle spielen. Verkehrsangebote wie
ÖPNV oder Carsharing sollen optimal aufeinander abgestimmt und mit einem intelligenten Stromnetz verbunden werden, das vor allem aus Brandenburger Windkraftanlagen versorgt wird. Elektrofahrzeuge werden im Lieferverkehr und bei der Müllentsorgung eingesetzt.
Pendler zwischen Brandenburg und Berlin sollen mit einem Pedelec-Korridor zum Umstieg
motiviert werden. Eine batterieelektrisch betriebene Buslinie wird durch die Berliner City fahren und an den Endhaltestellen induktiv
aufgeladen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)
setzen seit Januar 2014 elektrisch angetriebene
Personenschiffe ein.
E-mobil unterwegs auf dem Lande
Brandenburg hat in den peripheren Regionen eine geringe Bevölkerungsdichte, die
TITELTHEMA
„Das e-SolCar-Projekt bringt uns näher an die
Elektromobilität der Zukunft und die Nutzung
von Elektrofahrzeugen als Energiespeicher.“
Prof. Harald Schwarz, Direktor CEBra an der BTU Cottbus
Nutzung von Elektrofahrzeugen ist auf dem
Lande ein schwieriges Terrain. Daher ist der
Einsatz von E-Fahrzeugen ein wichtiger Faktor bei der Entwicklung einer künftigen nachhaltigen und umweltfreundlichen Mobilität.
Neben Erdgastankstellen müssen flächendeckend auch Stromzapfstellen stehen. Einige Landkreise und auch die Stadtwerke Potsdam haben bereits kleinere Flotten an E-Fahrzeugen angeschafft, für den Tourismus bietet
sich mit „Baden und Laden“ – mit Ladestationen an den Ausflugszielen – ein Projekt für Tagesausflügler an, berichtet Jan-Hendrik Aust,
E-Mobil-Experte bei der IHK Potsdam. Im April 2012 wurde die Modellregion Elektromobilität Berlin/Potsdam weitergeführt, gestartet auf dem Innovationsgipfel 2009 und beschrieben im FORUM-Heft April 2010. Akteure
aus Wissenschaft, Industrie und den beteiligten Kommunen arbeiten bei diesen Modellprojekten eng zusammen, um den Aufbau einer Infrastruktur und die Verankerung der
Elektromobilität im öffentlichen Raum voranzubringen.
Innovatives Berlin Brandenburg
Die Modellregion Elektromobilität
Berlin Brandenburg steht auf drei
Säulen: öffentlicher Verkehr und
Tourismus, Wohnen und Mobilitätsdienstleistungen und City-Lo-gistik. Ziel ist der Betrieb einer öffentlichen Elektrofahrzeugflotte als Bestandteil
des öffentlichen Verkehrs. Alle Arbeitspakete
des Projektes gruppieren sich um diesen Kernbereich herum. Im Stadtgebiet Berlins sowie
im Brandenburger Verflechtungsraum werden
Flottenbetrieb sowie die Ladeinfrastrukturen
und IT-Schnittstellen hinsichtlich Anwenderfreundlichkeit getestet. Im Rahmen von „Integration öffentlicher Verkehr und Tourismus“
sollen an mehreren Standorten im Ballungsraum Stationen für die neuen Pedelecs als gutes Angebot für Touristen eingerichtet werden.
FORUM/W. Gutzeit
▶
◉ www.bmvi.de/DE/VerkehrUndMobilitaet/DigitalUndMobil/
Elektromobilitaet elektromobilitaet_node.html
ABBIlDUnG: JAn-WIllEM KUnnEn/ISTocK/THInKSTocK
FORUM - DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn 10 | 2014
43
TITELTHEMA
▶
Elektro-Bikes aus Brandenburg
In Berlin-Kreuzberg war es ihm zu eng geworden. Dort hatte Hagen Stamm 1985 die
Leitung des Familienunternehmens „Fahrrad-Mietzner Berlin“ übernommen und nach
der Jahreswende 1989/90 sofort die Chance erkannt: eine Zusammenführung von Mietzner
Berlin West mit der Fahrradsparte des ehemaligen VEB IFA in Dahlwitz-Hoppegarten. „Das
war für uns gelebte deutsche Einheit", sagt er.
1992 in den alten Hallen vom IFA-Vertrieb als
BBF-Bike GmbH gegründet, entwickelte sich
das Unternehmen bald zum regionalen Marktführer und zur Nr. 3 der deutschen Fahrradgroßhändler. „Bei uns arbeiten heute 200 Mitarbeiter, davon die Hälfte hier im Stammsitz“,
sagt Stephanie Panne, im Unternehmen für
Marketing und Kommunikation zuständig. Die
BBF Bike GmbH hatte sich kontinuierlich vergrößert und betreibt heute 13 weitere Standorte in ganz Deutschland, darunter in Ronneburg bei Gera und in Rostock, aber auch einige zwischen Lübeck und München.
Nach der zaghaften Einführung der Pedelecs (Pedal Electric Cycle) vor etwa zehn Jahren
44
gelang der BBF Bike GmbH vor vier Jahren der
Einstieg in den Pedelec/E-Bike Markt – gleich
mit eigenen Modellen. Im Stammwerk Hoppegarten werden seitdem die Elektro-Fahrräder
selbst entwickelt, zusammengebaut und an die
Händler geliefert. „Unser Absatz hat sich jetzt
verdoppelt“, sagt Stephanie Panne. Das E-Bike
der Marke BBF wird zielgerichtet aus einem
modernen Fahrrad entwickelt, Rahmen und
Gabel sind verstärkt und aus Sicherheitsgründen bekommen die E-Bikes Scheibenbremsen. „Vor vier Jahren hat auch Bosch mit der
Entwicklung von elektrischen Fahrrad-Motoren begonnen“, sagt sie. Übrigens: Beim Prinzip Pedelec wird der Fahrer von einem Elektroantrieb unterstützt, wenn er selbst in die Pedale tritt. „Das soll kein Ersatz für die eigene
Muskelkraft sein", sagt sie. Entsprechend liege die Reichweite der Batterieladung zwischen
50 und 100 Kilometern. Mit Bosch zusammen
arbeiten sie jetzt an einer eleganten Antriebs-
FORUM - DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn 10 | 2014
lösung: Der E-Motor liegt genau neben dem
Kettenblatt und das Gehäuse umspannt dieses Antriebsaggregat. Die Fahrradkette läuft
dann eingehaust zum Hinterrad.
Ob als E-Bike oder als klassisches Mountainbike, man kann bei BBF sein Rad auch
ganz individuell bestellen. „Sie nennen uns
Ihre Wünsche und in kurzer Zeit liefern wir
Ihnen das passende Fahrrad, mit oder ohne
Motor, nach Haus“, sagt Stephanie Panne. Und
fährt sie selbst auch E-Bike? „Nein, ich bevorzuge noch ein einfaches Rennrad. Das E-Bike
ist gut in hügligem Gelände, wie in Ronneburg oder München. In Potsdam, wo die Landesregierung über den gesamten Stadtbereich
verteilt ist und sich meist die Fahrt mit dem
Dienstwagen nicht lohnt, sollten die Ministerien über Pedelecs als Dienstfahrräder nachBBF/W. Gutzeit
denken“, sagt sie.
◉ Weitere Informationen unter www.bbf-bike.de
TITELTHEMA
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esolcar als stromspeicher fürs netz
Während alle noch auf Elektrofahrzeuge
warten, bietet ein kleines Unternehmen aus
Falkenberg/Elster die Lösung an: Das vorhandene Auto wird zu einem Elektrofahrzeug umgebaut. Das probierte Sven Richter, Inhaber
der Firma RiPower, bereits vor Jahren aus.
„Fast jedes Auto kann umgebaut werden und
es gibt für fast jedes Auto die passenden Komponenten bei uns“, bietet er an. Durch speziell
entwickelte Elektroauto-Umbausätze ist das
Unternehmen in der Lage, fast jeden Wagen
zum Elektroauto umzubauen. Ob Kleinwagen
oder Limousine, ob Motorrad oder Quad. „In
unserer Werkstatt bekommt jedes Fahrzeug
sein eigenes, passendes elektrisches AntriebsRiPower/W. Gutzeit
system“, so Sven Richter.
◉ www.ripower.de
Forscher der BTU Cottbus-Senftenberg testen gemeinsam mit Siemens, Vattenfall und
German E-Cars R&D die Nutzung von Fahrzeugbatterien als Speicher im Stromnetz.
Im Rahmen des Projektes e-SolCar gelang
es erstmals, den Ladevorgang von Elektrofahrzeugen sowie die Energierückspeisung
aus der Fahrzeugbatterie ins Netz von einer
Leitstelle aus zu steuern. Das ist ein wichtiger Schritt hin zum „rollenden Energiespeicher“. Prof. Harald Schwarz, Direktor vom
Centrum für Energietechnologie Brandenburg (CEBra) und Leiter des e-SolCar-Projektes, hebt die Bedeutung für die BTU CottbusSenftenberg hervor: „Diese Ergebnisse sind
für die BTU und für Berlin-Brandenburg ein
wichtiger Erfolg.“ Mit einem Versuchsfahrzeug werde demonstriert, wie Energie aus
der Fahrzeugbatterie zurück in das Stromnetz gespeist wird und das Fahrzeug somit als Energiespeicher fürs Netz zur Verfügung steht. Dabei spielt die gemeinsam entwickelte Kommunikation zwischen Leitsystem, Ladeinfrastruktur und Elektrofahrzeug
eine wesentliche Rolle. Damit hat das e-SolCar-Team eine der großen Herausforderungen in der Elektromobilitätsforschung gemeistert und einen innovativen Ansatz zur
bedarfsgerechten Speicherung von regenerativ erzeugten Energien in Elektrofahrzeugen praxisnah demonstriert. Die Ziele von
e-SolCar werden im Rahmen des „SMART
Capital Region“ Projektes weiterverfolgt.
Dabei wird ein Strom- und Wärmeversorgungskonzept für die Hauptstadtregion mit
einem möglichst hohen Anteil an regenerativen Energien und Elektrofahrzeugen entwickelt. Bis zum Projektabschluss wird das
e-SolCar-Team weiter an integrierten Lösungen für intelligente Stromnetze forschen
und die Entwicklung von ElektromobilitätsTechnologien vorantreiben. b-tu/W. Gutzeit
◉ www.b-tu.de
IconS: EcEloP/lKESKInEn/ISTocK/THInKSTocK
FORUM - DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn 10 | 2014
45
LAnD BRAnDEnBURg
FoTo: DEGUT
46
FORUM – DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn nr. 10 | 2014
LAnD BRAnDEnBURg
„Trampolin bauen,
damit jemand springen
und etwas entwickeln kann“
Im Programm der deGUT: Dr. Florian Langenscheidt über das Glück des Gründens
und wichtige Faktoren für erfolgreiches Unternehmertum
Dr. Florian Langenscheidt ist Bestsellerautor, Verleger, Gründer und Wagniskapitalgeber.
Nachdem er für ein paar Jahre mit seinem Vater
und seinem Bruder gemeinsam die Geschäftsführung des 1856 gegründeten Langenscheidt
Verlages, einem der weltweit renommiertesten und umsatzstärksten Unternehmen im Bereich Sprachenlernen, übernommen hatte, ist er
seit 1997 insbesondere als Business-Angel aktiv.
Seine erste Gründung war ein Institut für angewandte Glücksforschung – seitdem steht das
Thema im Mittelpunkt seiner Bücher und Vorträge. „Es macht mich unglaublich glücklich, anderen zu helfen, groß zu werden und ihre Vision
zu verwirklichen – also ein Trampolin zu bauen,
damit jemand springen und etwas entwickeln
kann“, erklärt Langenscheidt sein Engagement
für die deutsche Gründerszene.
„Inhaberbonus ausspielen“
„Die Initialzündung erfolgte, als Amazon Mitte der Neunziger nach Deutschland kam und
eine kleine Gruppe – und ich war einer von
denen – sagte, das können wir auch. Da haben wir buecher.de gegründet und haben gemerkt, die Amerikaner sind zwar weit voraus,
wenn es ums Internet geht, aber wir können
auch viel bewegen.“ Er ist der Meinung, dass
Deutschland jeden einzelnen Gründer, jede
einzelne Gründerin braucht, denn für ihn sind
sie „Helden, die sich auf den Weg machen, um
unser Leben menschlicher, schneller, sicherer,
preiswerter und bunter zu machen!“
„Es macht mich unglaublich
glücklich, anderen zu helfen,
groß zu werden und ihre Vision
zu verwirklichen.“
Dr. Florian Langenscheidt
Dr. Florian langenscheidt
FoTo: SonJA TrABAnDT
Seinen Namen hat er dabei nie als Last
empfunden, sondern eher als Vorteil: „Ich sehe
es nur positiv, einen solchen Namen tragen zu
dürfen, der schließlich eine Art ‚Qualitätsstempel‘ darstellt – eine Bürde war er eigentlich nie.“
Es sei zwar eine gewisse Verpflichtung, die man
dadurch mitbekomme, aber man erhalte auch
viel zurück. Er ermutigt daher jeden Unternehmer, diesen „Inhaberbonus“ auszuspielen.
Gründerinnen und Gründern rät er, nicht auf
Leute zu hören, die einem immer mal wieder
reinreden wollen: „Mein Tipp: Nicht auf die hören, sondern geradlinig den Weg gehen, die Vision verfolgen, die man hat – gepaart natürlich
Kostenfreie Fahrt für gründer und Unternehmer
Mit Unterstützung der IHK Potsdam und der Bürgschaftsbank Brandenburg starten in Wittenberge
sowie in Bad Belzig am 17. Oktober 2014 Bus-Shuttles, die die Gründer und Unternehmer aus
Brandenburg kostenlos zur Messe hin- und zurückbringen; die Messetickets sind inklusive. Interessierte können sich bis zum 10. oktober 2014 unter Angabe des gewünschten Abfahrt- bzw.
zusteigeortes anmelden. Eine Mitnahme kann nur nach vorheriger Anmeldung erfolgen.
mit der Flexibilität, die es braucht, um sich auf
wechselnde Märkte und Trends einzustellen.“
Es sei zudem wichtig, dass man sich wohlmeinende, erfahrene Menschen als Angel-Investoren oder Ratgeber an die Seite hole, die einem
in schwierigen Momenten Auswege zeigen und
Methoden vermitteln könnten, auf die man
selbst nie käme.
„Glück des Gründens“
Weitere Tipps verrät Dr. Florian Langenscheidt bei seinem Vortrag „Glück des Gründens“ am 17.10.2014 um 16.30 Uhr auf den
Deutschen Gründer- und Unternehmertagen (deGUT) im Hangar 2/Flughafen Tempelhof in Berlin. Am gleichen Tag findet auch
das von den Industrie- und Handelskammern (IHK) Ostbrandenburg und Potsdam organisierte Forum Unternehmensnachfolge
„Werde Nachfolger/in!“ um 13.30 Uhr im
Seminarbereich der deGUT statt. FORUM/KK/DG
Informationen zur Messe und Anmeldungen für
deGUT-Shuttle: IHK Potsdam, Annelie Heim,
Tel. 0331 2786-170, E-Mail: annelie.heim@potsdam.ihk.de;
im Internet: www.degut.de.de
◉
FORUM – DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn nr. 10 | 2014
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LAnD BRAnDEnBURg
Große Freude bei den diesjährigen Preisträgern Thomas und Matthias Huch (linkes Bild), Geschäftsführer der Huch GmbH Behälterbau in Werder bei neuruppin und bei Petra Kröger-Schumann (rechts im Bild), Geschäftsführende Gesellschafterin Medizintechnik & Sanitätshaus Harald Kröger GmbH aus Massen.
FoToS: BorIS löFFErT
Drei Brandenburger sieger
Großer Preis des Mittelstandes im 20. Wettbewerb mit neuem Teilnahmerekord
sowie mit Siegern und Finalisten aus Brandenburg und Berlin
Großer Preis des Mittelstandes 2014: Die Sieger aus Brandenburg
und Berlin im 20. Wettbewerb erhielten am 6. September 2014 in Dresden ihre Auszeichnungen und die begehrte Preisträgerstatue.
› Huch GmbH Behälterbau, Werder bei Neuruppin,
› Medizintechnik & Sanitätshaus Harald Kröger GmbH, Massen,
› Bäckerei Exner, Beelitz,
› FLEXIM GmbH, Berlin.
An sechs Unternehmen der Hauptstadtregion überreichten die Vorstände der Oskar-Patzelt-Stiftung, Dr.
Helfried Schmidt und Petra Tröger, die Auszeichnung als
„Finalist“: Beucke Flexodruck GmbH, Brandenburg an der
Havel; Kronoply GmbH, Heiligengrabe; VEINLAND GmbH,
Seddiner See/OT Neuseddin; Maschinenbau Dahme
GmbH, Dahme/Mark; SENTECH Instruments GmbH,
Berlin; CCVOSSEL GmbH, Berlin. Alle Ausgezeichneten hatten sich zuletzt gegen 63 Mitbewerber durchgesetzt, die die „Juryliste“ erreicht hatten. Die Stadt
Senftenberg (Lausitz) wurde als wirtschaftsfreundlichste Kommune der Region gewürdigt.
Bundesweit hatten für das Wettbewerbsjahr 2014
mehr als 1 400 Institutionen in den 16 Bundesländern insgesamt 4 555 (Berlin/Brandenburg 361) kleine und mittlere Unternehmen sowie Banken und Kommunen für den Ju-
48
4555
biläums-Wettbewerb nominiert, was
als neuer Rekord in der 20-jährigen
Geschichte des Wettbe... nominierte aus 16 Bundesländern
werbs gilt.
– vorgeschlagen von mehr als
1 400 Institutionen
Dr. Dietmar Woidke,
Ministerpräsident von
Brandenburg und einer der Schirmherren
sagte: „Es ist notwendig, die Leistungen des Mittelstandes, seine Innovationsbereitschaft und
sein Engagement immer wieder in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu rücken. Denn man hat sich an die Wettbewerbsfähigkeit und den Erfolg der mittelständischen Wirtschaft in unserem Lande gewöhnt und nimmt als selbstverständlich, was nicht selbstverständlich ist!“ Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers wies darauf hin, dass in den vergangenen
25 Jahren mit dem Aufbau des Mittelstandes eine Grundlage für
Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit geschaffen
wurde.
Berlin erlebt am 25. Oktober den Höhepunkt und Abschluss des
Wettbewerbs 2014, wenn die bundesweiten „Sonderpreise“ für dieses Jahr vergeben werden.
Nur wenige Tage danach, am 1. November 2014, beginnt mit der
Veröffentlichung der Ausschreibung für das Jahr 2015 der 21. WettbeFORUM/BS/DG
werb um den „Großen Preis des Mittelstandes“.
FORUM – DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn nr. 10 | 2014
◉ Weitere Informationen unter www.mittelstandspreis.com
LAnD BRAnDEnBURg
gratwanderung
sicherheit
Das novellierte EEg –
Auswirkungen auf die Energiewende
Unternehmersicherheit hat viele Facetten:
IT-Sicherheit, Objektsicherheit, Schutz von
geistigem Eigentum. Um all dies geht es beim
IHK-Technologieforum am 6. November 2014.
Das diesjährige Motto beim
IHK-Technologieforum lautet
„Sicherheit im Unternehmen –
Gratwanderung zwischen Notwendigkeit und Übermaß“.
Auf dem Forum werden Sicherheitslösungen von Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen in der Region Berlin-Brandenburg vorgestellt. Für Unternehmen ist im
E-Mobilität: Beispiele in der Kraftfahrzeugtechnik sind immer gut umlagert. Hier
informierte sich Wirtschaftsminister ralf christoffers zu den Einzelheiten der
Exponate.
FoTo: ETI
Die Teilnehmer des 16. Brandenburger Energietages beschäftigten sich intensiv mit den
Auswirkungen der geänderten
EEG-Regelungen: Brandenburgs
Wirtschaftsminister Ralf Christoffers eröffnete die Veranstaltung der Brandenburger Energiewirtschaft mit seinem Referat, in
dem er nachdrücklich ein bundesweit abgestimmtes und verbindliches Gesamt-Konzept für die
Energiewende forderte. Die Zuverlässigkeit und Bezahlbarkeit
in der Energieversorgung werde
maßgeblich den Weg bestimmen,
Gespräche und Kontakte am Stand der
Brandenburger IHKs
FoTo: SUSAnnE WUTTGE
50
den die Erneuerbaren Energien
in Brandenburg gehen werden,
hieß es. Dabei betonte Christoffers
ebenfalls die weiterhin wichtige
Rolle der heimischen Braunkohle zur Versorgungssicherheit. Eine weitere wichtige Frage sei, eine
bundesweit gerechte Umlage der
Netzentgelte zu erreichen. Brandenburg setzt sich seit langem dafür ein, denn bis heute werden die
Kosten für den Bau neuer Stromtrassen dort umgelegt, wo sie errichtet werden. Dies führt in den
neuen Bundesländern zu deutlich
erhöhten Netznutzungsentgelten
und ist so ein Wettbewerbsnachteil für unsere Unternehmen.
In den Fachforen wurden die Themen Nachhaltige Mobilität, Energieeffizienz, Energiespeicherung
von den zahlreichen Fachbesuchern diskutiert.
Die Brandenburger Industrieund Handelskammern waren mit
einem Informationsstand in der
Ausstellung vertreten. Organisiert wurde der Brandenburger
Energietag von der Energietechnologieinitiative Brandenburg
(ETI) und der IHK Potsdam.
FORUM/IHK
◉
Informationen: www.eti-brandenburg.de
FORUM – DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn nr. 10 | 2014
6 IHK-Technologieforum:
„sicherheit im Unternehmen –
gratwanderung zwischen notwendigkeit und Übermaß“ am
6. November 2014 von 9.30 bis
17.30 Uhr, Ort: Messe cottbus
NOV
Zeitalter durchgängiger digitalisierter Wertschöpfungsketten
die Absicherung der Daten und
Prozesse von existenzieller Bedeutung.
Mehr als die Hälfte aller Cyber-Angriffe weltweit richtet
sich mittlerweile gegen kleine und mittelständische Unternehmen. Daneben darf die klassische Objektsicherheit nicht
vernachlässigt werden. Doch
wo liegen die wirklich sensiblen
Bereiche und wie können diese
effizient geschützt werden? Ein
weiteres Problem ist die Produktpiraterie – nicht nur aus
dem Ausland. Untersuchungen
zeigen, dass Wirtschaftsspionage und Plagiate aus Deutschland
heraus ebenso Schäden in Milliardenhöhe verursachten.
Das Forum wird von den
IHKs in Berlin und Brandenburg
ausgerichtet. Kooperationspartner sind der Arbeitskreis für
Unternehmenssicherheit Brandenburg (AKUS), der eBusinessLotse Südbrandenburg und der
SIBB region.
Das IHK-Technologieforum
ist Teil der zweitägigen Fachmesse die „zukunftstechnologie tage“ in der Energieregion
Lausitz. Die Aussteller präsentieren Produkte in den Bereichen Energie, Fachkräfte, Innovation und Sicherheit. Zudem
findet am Vortag, 5. November
2014, ein Begleitkongress über
technologischen Lösungen zur
Bewältigung der Energiewende
FORUM/IHK
statt.
Information & Ameldung:
IHK cottbus, Yvonne Hennig,
Tel. 0355 365-1504,
E-Mail: hennig@cottbus.ihk.de;
im Internet:
www.ihk-technologieforum.de;
www.zukunftstechnologietage.de
◉
FoTo: Koo_MIKKo/ISTocK/THInKSTocK
LAnD BRAnDEnBURg
Ball der Wirtschaft Land Brandenburg: 14. Februar 2015
Der 15. Ball der Wirtschaft land Brandenburg findet am
Sonnabend, 14. Februar 2015, in Potsdam im Dorint-Hotel
statt. Höhepunkte der hochkarätigen Sponsorveranstaltung
werden sein der Auftakt mit Debütantenpaaren (Foto aus
dem Vorjahr), Tanz zu verschiedenen Musikgenres in alle
Sälen, die große Tombola für einen guten zweck, ein nochmals erweiterter Flanierbereich sowie die aktuell produzierte Ballzeitung, die zu später Stunde verteilt werden soll.
Industrie 4.0
wird hoch bewertet
Die Ticketpreise stehen bereits fest: Ballsaal Kategorie 1:
EUr 295; Ballsaal Kategorie 2: EUr 245 sowie die beliebten
Flanierkarten für 130 Euro. Unternehmen aus der region
werden wiederum als Sponsoren und Kooperationspartner
auftreten. Die Erlöse des 14. Balls kamen der landesstiftung „Hilfe für Familien in not“ zu Gute.
FoTo: KlAEr
Berliner und Brandenburger ITUnternehmen bewerten das Potenzial von Industrie 4.0 für den
IT-Sektor in der Hauptstadtregion als sehr hoch. Das ergab eine
aktuell vorgelegte Potenzialanalyse des SIBB e. V. zum Thema Industrie 4.0. Knapp 80 Prozent der
befragten Firmen sehen hier wesentliche Zukunftschancen. Die
Ergebnisse zeigen auch, dass sich
mehr als 50 Prozent aktiv mit dem
Thema beschäftigen, rund 22 Prozent der Unternehmen verzeichnen inzwischen Kundenanfragen
bzw. Ansätze in Kundenprojekten zum Thema Industrie 4.0. Industrie 4.0 ist ein Zukunftsprojekt
der deutschen Bundesregierung,
mit dem die Informatisierung der
klassischen Industrien vorangeSIBB/FORUM
trieben werden soll.
Tickets und Informationen unter
www.ballderwirtschaft.brandenburg.de
◉ Informationen unter www.sibb.de
◉
AUs BERLIn UnD BRÜssEL
Reform des small
Business Act
Neuer Schwung für die europäische Mittelstandspolitik: Seit 2008 ist der Small Business Act (SBA) die
Grundlage der europäischen Mittelstandspolitik. Mit
rund 100 Maßnahmenvorschlägen in verschiedenen
Politikbereichen – vom Unternehmertum über KMUfreundliche Verwaltung, Innovationen und Finanzierung bis hin zu internationalen Geschäftsaktivitäten
– will der SBA das Prinzip „Vorfahrt für KMU!“ auf
EU- und auf Mitgliedstaaten-Ebene zur Leitmaxime
politischen Handelns machen.
Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der 23
Millionen europäischen KMU zu stärken, denn
sie sind die treibende Kraft für mehr Innovationen, Wachstum und Beschäftigung in Europa.
Im Zeichen der Finanz- und Wirtschaftskrise setzte die EU-Kommission mit den Reformen im Jahr 2011 klare Prioritäten in den Bereichen KMU-Finanzierung, Zugang zu neuen
Märkten, bessere Rechtsetzung und Unternehmertum. Gleichwohl zeigt die Umsetzung des
SBA sowohl Licht als auch Schatten: In einigen
Bereichen, z. B. bei der KMU-freundlichen Verwaltung und bei der Stärkung der unternehmerischen Initiative, haben Kommission und
Mitgliedstaaten zahlreiche Maßnahmen auf
den Weg gebracht; in anderen Bereichen, wie
bei der Finanzierung oder der Zweiten Chance
für gescheiterte Unternehmen, sind die Fortschritte insgesamt eher verhalten. Daher sind
jetzt dringend neue Impulse für die europäi-
52
unserer Wirtschaft und Gesellsche Mittelstandspolitik gefragt.
schaft. Denn wir brauchen atFür vordringlich halte ich es,
traktive und passgenaue Ausinsbesondere Innovationen vorbildungsmöglichkeiten, um
anzutreiben, bürokratische Hinder hohen Jugendarbeitslosigdernisse abzubauen, Finanziekeit und dem drohenden Fachrungsengpässe zu beheben, den
kräftemangel in Europa gleiGründergeist zu stärken und die
chermaßen zu begegnen.
Erschließung neuer Märkte zu begleiten. Ebenso zentral ist es, den
Unbürokratisch fördern
KMU die hierfür notwendigen RahMittelstandspolitische Initiatimenbedingungen zu schaffen, also
ven der EU sollten daher natioffene Märkte, freien Handel und
onale Maßnahmen nicht dopfairen Wettbewerb zu fördern so- Dr. Sabine Hepperle, Abteipeln, sondern einen spürbaren
wie das Prinzip guter Regierungs- lungsleiterin Mittelstandspolitik im Bundesministerium
europäischen Mehrwert schafführung (good governance) fest zu für Wirtschaft und Energie
fen. Konkret sollte die EU-Komverankern. Gemeinsam mit dem und KMU-Botschafterin für
Deutschland
FoTo: BMWI
mission Bürokratie möglichst
österreichischen KMU-Botschafter
haben wir uns erfolgreich dafür eingesetzt, schon ex ante vermeiden statt ex post redudass die Fachkräftesicherung als weitere Säule zieren, Fördermittel unbürokratisch vergeben
in den neuen SBA aufgenommen wird. Sie ist und bei der Fachkräftesicherung auf mehr Moein Schlüsselthema für die Zukunftsfähigkeit bilität und Ausbildungsqualität statt auf kurz-
FORUM – DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn nr. 10 | 2014
AUs BERLIn UnD BRÜssEL
Digitale Agenda
noch unzureichend
FoTo: EVEryTHInGPoSSIBlE/ISTocK/THInKSTocK
fristige Beschäftigungsprogramme setzen.
Darüber hinaus sollte das Netzwerk der KMUBotschafter in der EU weiter gestärkt werden.
Es hat sich zu einem sichtbaren Fürsprecher
für die Interessen der europäischen KMU entwickelt. Als KMU-Botschafterin für Deutschland unterstütze ich es sehr, dass wir im Rahmen des EU-KMU-Botschafternetzwerks in
Zukunft jährlich dem WettbewerbsfähigkeitsRat zur Umsetzung des SBA berichten werden
und so eine stärkere Verzahnung entwickeln
können. Wichtig wäre es außerdem, den Dialog mit anderen Generaldirektionen der
Kommission zu intensivieren, um dem Prinzip „Vorfahrt für KMU!“ auch dort die gebotene Geltung zu verschaffen.
der kleinen und mittleren Unternehmen.
Deshalb sollten Sie Ihre Möglichkeiten zur
Gestaltung künftiger KMU-Strategien engagiert nutzen – auf nationaler wie auf europäischer Ebene. Die öffentlichen Konsultationen der EU-Kommission zur Zukunft des SBA
bieten hierzu eine gute Gelegenheit. Ebenso
gilt dies für unsere nationale Strategie einer
zukunftsorientierten Mittelstandspolitik, bei
der wir den gemeinsamen Austausch mit der
Wirtschaft suchen. Denn das Wissen um gute Beispiele und die Kommunikation erfolgreicher KMU-Initiativen dient einer gemeinsamen und erfolgreichen Mittelstandspolitik
in Europa – und damit dem Wohle aller europäischen KMU.
KMU sollen mitgestalten
Das Netzwerk wie auch die gesamte Mittelstandspolitik lebt von den Beiträgen und
Anregungen der Interessenvertretungen
Dr. Sabine Hepperle, Abteilungsleiterin
Mittelstandspolitik im Bundesministerium für Wirtschaft
und Energie und KMU-Botschafterin für Deutschland
Berlin. Das Konzept der Bundesregierung
für ein bundesweites HochgeschwindigkeitsInternet ist laut DIHK-Präsident Eric Schweitzer verbesserungswürdig. „Der Breitbandausbau muss schneller und umfassender erfolgen“, sagte Schweitzer. Der DIHK unterstützt
aber ausdrücklich das Ziel der Bundesregierung, Deutschland zum digitalen Wachstumsland Nummer eins in Europa zu machen. Allerdings wird der geplante Breitbandausbau
laut Bundesregierung bis 2018 geschoben –
und schon heute ist erkennbar, dass die Netzleistungen für Industrie 4.0 und Big-Data-Anwendungen nicht ausreichen werden. Zudem
FoTo: rIEDJAl/ISTocK/
THInKSTocK
FoTo: XXXX
hält der DIHK ein flächendeckendes Angebot
moderner staatlicher Verwaltungsdienstleistungen für notwendig. Auch gelte es, digitale
Kompetenzen in Schule, beruflicher Bildung
und berufsbegleitender Weiterbildung weiter zu verbessern. Schweitzer betonte: "Hierfür müssen auch die Bundesländer an Bord
DIHK
geholt werden."
FORUM – DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn nr. 10 | 2014
53
AUs BERLIn UnD BRÜssEL
Mehr Freihandel,
mehr zusammenarbeit
Berlin. DIHK-Präsident Eric Schweitzer
sprach sich auf der diesjährigen Botschafterkonferenz in Berlin für mehr Freihandel und ein stärker gemeinsames Auftreten der deutschen Institutionen beim Thema Außenwirtschaft und Handel aus. Eine
enge Zusammenarbeit sei wichtig für die
Wirtschaft, um gegenüber der Politik Probleme anzusprechen und schließlich zu lösen, so Schweitzer. Die Botschafterkonferenz stand unter dem Motto „Außenwirtschaft im Gegenwind“ – und in der Tat
nehmen die Handelshemmnisse weltweit
zu. Eine Entwicklung, die der deutschen Industrie mit ihrem hohen Exportanteil von
rund 50 Prozent Sorge bereitet – auch weil
fast jeder dritte Arbeitsplatz hierzulande
vom Export abhängt.
DIHK
schweitzer wirbt für wirtschaftsfreundliche Politik
FoTo: ArTUr MArcInIEc/ISTocK/THInKSTocK
Berlin. „Unser Land steht vor enormen
Herausforderungen, das muss sich im Regierungshandeln widerspiegeln“, mahnte
DIHK-Präsident Eric Schweitzer jüngst vor
Mitgliedern des SPD-Präsidiums. Das Ziel
,mehr Investitionen in Deutschland‘ müsse im Zentrum der Regierungsarbeit stehen. Denn investieren heiße, die Zukunft
gestalten. Schweitzer verwies konkret darauf, dass dringend bessere Straßen und
Schulen gebraucht werden. Die Steuereinnehmen müssten daher zum einen in die
öffentliche Infrastruktur fließen, zum anderen werde mehr Spielraum für Investitionen der Unternehmen in neue Maschinen
und Anlagen benötigt. Ein entsprechendes
Politikpaket müsste z. B. bestehen aus einer
Unternehmen sichernden Erbschaftsteuer,
der Wiedereinführung der degressiven Abschreibung auf Investitionen sowie einer
schnelleren Bearbeitung von SteuerunterDIHK
lagen durch die Finanzämter.
54
FoTo: MA-KE/ISTocK/THInKSTocK
EEg-novelle:
Das schlimmste verhindert
Unternehmen bis zu einem Stromverbrauch von 5 GWh
müssen kein Energiemanagementsystem einführen
Berlin. Trotz aller Kritik am novellierten Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG): Einige
wichtige Verbesserungen für die Unternehmen konnten – nicht zuletzt auf Druck des
DIHK – erreicht werden. So wird die Besondere
Ausgleichsregel im Kern fortgeführt und fußt
nun auf den Energie- und Umweltbeihilfeleitlinien der EU. Das schafft Rechtssicherheit.
Zudem müssen Unternehmen bis zu einem
Stromverbrauch von 5 GWh kein Energiemanagementsystem einführen, sondern können
auch alternative Systeme nach der Spitzenausgleicheffizienzsystemverordnung wählen
– eine wesentliche Erleichterung für den Mittelstand. Die ursprünglich vorgesehene Belastung der Eigenerzeugung für Erneuerbare-
Energien- und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen konnte von 70 auf 40 Prozent der Umlage
gesenkt werden. Kleine Anlagen bleiben von
der Umlagepflicht befreit. Die Einführung der
verpflichtenden Direktvermarktung für erneuerbaren Strom wurde vorgezogen. Neue
Anlagen ab 500 kW (ab 2016: 100 kW) müssen
sich ab sofort selbst um die Vermarktung ihres Stroms kümmern – ein richtiger Schritt für
mehr Marktverantwortung. Zudem wurde auf
Betreiben des DIHK eine Verordnungsermächtigung für alternative Grünstromvermarktung aufgenommen. Dadurch können z. B. Direktversorgungskonzepte mit Solarstrom erleichtert werden.
DIHK
Markenfälscher nutzen zunehmend Postweg
Brüssel. Obwohl die Menge der aufgefundenen Fälschungen laut aktueller EU-Zollstatistik vom Juli 2014 rückläufig ist, gibt es keine
Entwarnung. Denn Markenpiraten nutzen immer häufiger den Postweg: Knapp drei Viertel
der gefälschten Ware wurde – oft nach Internetbestellung – per Post versandt. Diese kleinen, aber massenhaft verschickten Päckchen
sind aber weitaus schwieriger aufzufinden als
große Mengen. Der DIHK fordert eine personel-
FORUM – DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn nr. 10 | 2014
le und technische
Verstärkung von
Zoll und Polizei.
Er appelliert aber
auch an die Verbraucher, gefälschte Ware nicht zu
kaufen: Produktpi- FoTo: AllAnSWArT/ISTocK/THInKSTocK
raten schädigen Unternehmen, Verbraucher,
DIHK
den Staat und die Gesellschaft.
AUs BERLIn UnD BRÜssEL
„Akademisierung um
jeden Preis“ stoppen
TTIP-Dialog in Brüssel
faktenbasierter führen!
80 000 unbesetzte Ausbildungsplätze 2013: DIHK-Chef Schweitzer fordert bessere Berufsberatung in Gymnasien
Berlin. Die Berufliche Bildung in Deutsch- mer mehr Betriebe händeringend nach Ausland muss gestärkt und der anhaltende Trend bildungsbewerbern suchen. Allein im IHKzur „Akademisierung um jeden Preis“ ge- Bereich blieben im vergangenen Jahr rund
stoppt werden. Dafür wirbt DIHK-Präsident 80 000 Ausbildungsplätze unbesetzt. BesonEric Schweitzer: „Nur eine gesunde Balance ders in Gymnasien, so Schweitzer, müsse deshalb mehr Berufsberatung anzwischen dual Ausgebildeten und Akademikern sichert
geboten werden, die die VielWachstum und Wohlstand
falt der Karrierewege auch ohne Studium aufzeige. Zudem
in Deutschland.“ Inzwischen
gelte es mit dem Vorurteil
gibt es schon fast so viele
Studienanfänger wie Ausbilaufzuräumen, dass sich mit
dungsanfänger. Von 2001 bis
einem Studium generell mehr
verdienen lasse als mit einer
2011 stieg der Akademikeranberuflichen Aus- und Weiterteil unter den Erwerbstätigen
bildung. Der höhere Gehaltsum fünf Prozentpunkte auf 19
durchschnitt bei AkademiProzent. 2012 schlossen rund
413 000 Studierende ihre akakern entsteht vor allem durch
Ärzte und Ingenieure, andere
demische Ausbildung ab – ein
Berufe rangieren aber deutneuer Rekord. Allerdings brelich darunter.
chen auch viele überfordert
DIHK
ihr Studium ab, während im- DIHK-chef Eric Schweitzer FoTo: DIHK
Brüssel. „Die öffentliche Diskussion zum
TTIP sollte faktenbasierter geführt werden“, forderte DIHK-Außenwirtschaftschef
Volker Treier jetzt bei einem „Europapolitischen Frühstück“ auf Einladung des DIHK
in Brüssel. Das Freihandelsabkommen zwischen EU und USA biete für Deutschland
und Europa großes Potenzial, die Handelsbeziehungen auszubauen. Europa und die
USA könnten dabei gemeinsame, wegweisende Standards definieren. Knapp 40 Teilnehmer, Vertreter der deutschen Wirtschaft
und Politik sowie der EU-Institutionen, darunter der Europa-Abgeordnete David McAllister, diskutierten anschließend über Verhandlungen und Berichterstattung zum
DIHK
TTIP.
FoTo: WAVEBrEAKMEDIA lTD/ISTocK/THInKSTocK
FoTo: XXXX
Rechte und Pflichten
bei der Ausbildung
Berlin. Wer Rechte hat, hat bekanntlich auch Pflichten. Das gilt nicht nur für
Auszubildende, sondern auch für Ausbilder im Rahmen der Berufsausbildung. In
der DIHK-Publikation „Tipps für Ausbilder“ können sich beide, Auszubildende
wie auch Ausbilder, darüber informieren,
welche Voraussetzungen für eine Ausbildung notwendig sind, was vor Abschluss
des Ausbildungsvertrages zu beachten ist
und wie es dann weitergehen sollte. Die
kompakte Publikation (DIN-Lang, 20 Seiten) erörter beispielsweise in knapper
Form, wie lange die Probezeit dauern darf
und was dabei zu beachten ist oder was in
einem Ausbildungsvertrag auf jeden Fall
stehen sollte. Zukünftige Ausbilder finden
auf den ersten Seiten der Broschüre eine
umfangreiche Checkliste, anhand der sie
überprüfen können, ob sie alle Voraussetzungen zur Ausbildung erfüllen.
FoTo: MonKEyBUSInESSIMAGES/ISTocK/THInKSTocK
FoTo: XXXX
DIHK/TK
◉ www.dihk-verlag.de
FORUM – DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn nr. 10 | 2014
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RATgEBER FÜR DEn MITTELsTAnD
zahlungssysteme im
Handel - Das smartphone
revolutioniert das Bezahlen
Der schnell wachsende Online-Handel
und die rasant zunehmende Verbreitung
und Nutzung von internetfähigen mobilen Endgeräten wird die Zahlungsgewohnheiten der Verbraucher stark verändern.
Während im stationären Einzelhandel Bargeld vorerst das beliebteste Zahlungsmittel bleibt, ist im Online-Handel eine enorme Dynamik bei den Bezahlverfahren zu
erwarten. Das geht aus dem jetzt vom Verlag BBE media vorgelegten Branchenreport Zahlungssysteme hervor, der in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsunternehmen Innofact auf der Basis einer
repräsentativen Verbraucherbefragung erstellt worden ist.
Internet-Zahlungssysteme wie Sofortüberweisung und PayPal gewinnen deutlich Marktanteile hinzu. So hat die Sofortüberweisung im Online-Handel inzwischen einen Marktanteil von rund 7
Prozent. Ein Mix an verschiedenen Bezahlvarianten sorgt beim Online-Shopping inzwischen für deutlich wachsende Kaufabschlussraten bzw. zu weniger Transaktionsabbrüchen.
Die stark zunehmende Verbreitung von
Smartphones führt zu einer Veränderung
der Zahlungswege. 10 Prozent aller Befragten haben angegeben, dass sie ihr Handy
bzw. Smartphone schon für Zahlungen genutzt haben. Deutliche Unterschiede zeigen sich hier bei den verschiedenen Altersgruppen: Während jeder Fünfte der bis
30-Jährigen schon per Handy bzw. Smartphone bezahlt hat, sind es bei den 50- bis
65-Jährigen nur 3 Prozent. Männer zeigen
gegenüber Frauen im Übrigen mit 14 Prozent eine fast dreimal höhere Affinität zur
Zahlung via Smartphone.
Im Rahmen der Konsumentenstudie
wurden auch nach der Einschätzung der
künftigen Entwicklung der Zahlungssysteme bzw. des Online-Handels gefragt. Hiernach wird das Bezahlen mit dem Handy
von 20 Prozent der befragten Verbraucher
als attraktiv eingestuft. Speziell das SelfScanning und die damit verbundene Möglichkeit des Bezahlens ohne Kassierer halten 35 Prozent der Befragten für zukunftweisend.
BBE media GmbH & Co. KG
Studiendetails: BBE Branchenreport zAHLUngssYsTEME, Jahrgang 2014, Umfang: 485 seiten im
Format DIn A4 mit über 380 Tabellen und Übersichten,
Lieferformat: digital, Preis: 950 Euro (zzgl. Mwst.)
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FoTo: lUMInASTocK/ISTocK/THInKSTocK
Honorarfinanzanlagenberater
oder Finanzanlagenvermittler ?
Mit der Einführung des § 34 h GewO zum 01.08.2014 wurde
der neue Berufszweig des Honorar-Finanzanlagenberaters
geschaffen, der keine Zuwendungen, wie z. B. Provisionen von
Produktgebern oder sonstigen Dritten, annehmen darf.
Im Unterschied zum Versicherungsberater nach § 34 e GewO darf der Honorarberater nicht nur beraten, sondern auch Produkte
verkaufen. Die für den Verkauf des Produktes
geflossene Provision muss dann an den Kunden weitergeleitet werden.
Honorar-Finanzanlagenberater (§ 34 h
GewO) dürfen allerdings kein Gewerbe als Finanzanlagenvermittler (§ 34 f GewO) ausüben.
Eine parallele Ausübung provisions- und honorarbasierter Tätigkeit unter einer der beiden Gewerbeerlaubnisse ist vom Gesetzgeber
ausdrücklich nicht gestattet. Mit der Erteilung
einer Erlaubnis nach § 34 h GewO erlischt automatisch eine bereits vorhandene Erlaubnis
nach § 34 f GewO.
Übergangsfrist läuft aus
Wer bisher nur eine befristete Erlaubnis nach
§§ 34f bzw. 34h GewO aufgrund noch nicht
FORUM – DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn nr. 10 | 2014
nachgewiesener Sachkunde erhalten hat,
muss sich sputen. Ohne den Nachweis der gesetzlich geforderten fachlichen Eignung gegenüber dem Gewerbeamt bis zum Jahresende erlischt die erteilte Erlaubnis automatisch
zum 1. Januar 2015. Damit erfolgt auch die Löschung aus dem öffentlichen Vermittlerregister. Wer dann noch Finanzanlagen vermittelt
oder zu Finanzanlagen berät, handelt ordnungswidrig.
Die Sachkunde kann in der Regel nur noch
durch die IHK-Prüfung nachgewiesen werden.
Dafür gibt es noch zwei Termine im Oktober
und November. Alle Erlaubnisinhaber müssen
zudem jährlich Prüfberichte ihrer Vermittlertätigkeit durch geeignete Prüfer anfertigen
lassen und der Erlaubnisbehörde einreichen.
IHK Cottbus
RATGEBER FÜR DEN MITTELSTAND
Entspannt reisen dank App
Geschwindigkeitsgrenzen, Kindersitz,
Helmpflicht: Neue App zu Verkehrsvorschriften
in EU-Ländern
Ob Urlaub, Geschäftsreise oder
Kurztrip: Wer mit dem Auto,
Fahrrad oder Motorrad im Ausland unterwegs ist, muss sich auf
die landesspezifischen Verkehrsvorschriften einstellen. „Der Urlaub ist die Zeit, in der auf Europas Straßen das Meiste los ist. Es
ist sehr einfach, mit dem Auto in
den Urlaub zu fahren, aber viele
Menschen wissen nicht, dass es
in der Europäischen Union (EU)
unterschiedliche Verkehrsregeln
und Verkehrszeichen gibt”, wird
EU-Verkehrskommissar Siim Kallas in einer Pressemeldung der
Europäischen Kommision zitiert.
Kostenlose App als Info
Um Missverständnissen, hohen
Strafen und im schlimmsten Falle sogar Unfällen vorzubeugen,
stellt die Europäische Kommission eine kostenlose App zur Verfügung.
Alle Informationen zur Verkehrssicherheit in den 28 EU-Mitgliedstaaten sind über die App sofort
Sicherheit im Straßenverkehr: Die App „Going Abroad" hilft auch im Ausland auf der
Straße alles richtig zu machen.
FOTO: LS
und von unterwegs abrufbar. Urlauber können sich dann zum
Beispiel sicher sein, wie schnell
auf Frankreichs Autobahnen gefahren werden darf oder ob in
Schweden alle Radfahrer einen
Helm tragen müssen. Die App
kann unter: http://ihk-ost.de/abroad heruntergeladen werden.
Europäische Kommission/LS
FAIR PLAY: Ansprechpartner in der IHK
IHK Potsdam
Christian Gerstädt
Tel. 0331 2786-214
gerstaedt@potsdam.ihk.de
IHK Ostbrandenburg
Stefan Heiden
Tel. 0355 5621-1420 Fax -1197
heiden@ihk-ostbrandenburg.de
IHK Cottbus
Barbara Fichte
Tel. 0355 365-1600 Fax -26220
fichte@cottbus.ihk.de
Keine Altersdiskriminierung bei Ausschreibung
Sucht ein Arbeitgeber in einer Stellenausschreibung einen „Junior
Consultant“, liegt darin weder direkt noch
indirekt ein Altersbezug, der zu einem
Entschädigungsanspruch wegen Altersdiskriminierung führt.
Das hat das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz im Fall eines Diplom-Betriebswirts entschieden, der
sich erfolglos auf eine
Ausschreibung eines internationalen Personalberatungsunternehmens bewarb. In der
Ausschreibung wurde ein „Junior Consultant“ gesucht, im
Weiteren war ausgeführt, dass im Unternehmen ein profes-
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sionelles Umfeld mit einem
jungen dynamischen Team
bestehe. Der 42-jährige abgelehnte Bewerber forderte
16 000 Euro Entschädigung
wegen Altersdiskriminierung. In seiner Begrün-
dung weist das Gericht darauf hin, dass
eine unmittelbare Benachteiligung vorliege,
wenn jemand wegen seines Alters eine ungünstigere Behandlung erfahre
als eine andere Person in
FOTO: ROBERT CHURCHILL/ISTOCK/
THINKSTOCK
FORUM – DAS BRANDENBURGER WIRTSCHAFTSMAGAZIN Nr. 10 | 2014
einer vergleichbaren Situation. Anknüpfungspunkt
für die Vermutung einer
Benachteiligung könne
der Text einer Stellenausschreibung sein. Vorliegend gebe es aber keine Indizien, die eine
unzulässige Benachteiligung wegen des Alters vermuten ließen.
Mit dem Begriff „Junior“
im Zusammenhang mit
der Funktionsbezeichnung „Consultant“ werde erkennbar
auf fehlende
Berufserfahrung abgestellt,
die im Gegensatz zum „Senior Consultant“ stehe. Dieses Kriterium könne auch
erfüllen, wer als Quereinsteiger in vorgerücktem
Alter eine entsprechende
Ausbildung absolviert habe. Bei
dem Hinweis auf ein professionelles Umfeld mit einem jungen dynamischen Team sei lediglich der
Istzustand beschrieben, nicht jedoch die Erwartung ausgedrückt,
dass nur junge Mitarbeiter von
Interesse seien.
(Urteil des Landesarbeitsgerichts – LAG – RheinlandPfalz vom 10. Februar 2014;
Az.: 3 Sa 27/13)
Praxistipp: Die Beweislastverteilung zur Ermittlung der Kausalität zwischen einem Nachteil und
dem verbotenen Merkmal sieht
vor, dass der Bewerber Indizien
vortragen muss, die eine Benachteiligung wegen eines verbotenen
Merkmals vermuten lassen. Liegt
eine solche Vermutung für die Benachteiligung vor, muss der Arbeitgeber beweisen, dass kein
Verstoß vorgelegen hat.
Bs
RATgEBER FÜR DEn MITTELsTAnD
Arbeitsmittel nach Ende des Arbeitsverhältnisses übergeben
Nach der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses ist der Arbeitnehmer verpflichtet, dem Arbeitgeber die zur Durchführung
der Arbeit zur Verfügung gestellten Arbeitsmittel herauszugeben.
Verletzt er diese Pflicht, ist er zum
Schadensersatz verpflichtet. Das
das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz im Fall eines Monteurs
in einem Unternehmen für Heizung-Sanitär-Industrieauto-mation entschieden, der nach
Beendigung des Arbeitsverhältnisses zwei ihm für seine Tätigkeit überlassene Akkuschrauber und eine Zeilenkamera nicht zurückgegeben
hatte. Der ehemalige Arbeitge-ber forderte daher Schadens-ersatz. In seiner Begründung
weist das Gericht darauf hin,
dass ein Arbeitnehmer nach
Beendigung seines Arbeitsverhältnisses verpflichtet sei, al-les herauszugeben, was er vom
Arbeitgeber zur Ausführung der
übertragenen Arbeit erhalten habe. Dafür gelten die allgemeinen
Grundsätze auftragsrechtlicher
Regelungen. Vorliegend habe der
Arbeitgeber nicht substantiiert
dargetan, dass der Arbeitnehmer
hinsichtlich der Zeilenkamera alleinigen Zugriff gehabt habe. Eine schuldhafte Verletzung der Herausgabepflicht sei daher nicht
bewiesen. Bezüglich der nicht
herausgegebenen Akkuschrau-
ber bestehe demgegenüber ein
Schadensersatzanspruch in Höhe von 358 Euro. Der Arbeitnehmer habe seine nachwirkende
Pflicht zur sorgsamen Behandlung der im Eigentum des Arbeitgebers stehenden Akkuschrauber schuldhaft verletzt. Denn er
habe nach eigener Aussage diese
ohne ausdrückliche Anordnung
des Arbeitgebers verschrottet.
Landesarbeits
(Urteil des LandesarbeitsRhein
gerichts – LAG – Rheinland-Pfalz vom 25. März
2014; Az.: 46 Sa 514/13)
Praxistipp: Arbeitsgeräte, die
Arbeits
dem Arbeitnehmer zur Arbeitsdurchführung überlassen sind,
hat er sorgsam zu behandeln und
Arbeitsver
nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses zurückzugeben. Um
Beweisprobleme zu vermeiden,
empfiehlt es sich diese Pflicht
im Arbeitsvertrag schriftlich festzuhalten und die
Übergabe der Gerätschafdo
ten und Arbeitsmittel zu doBs
kumentieren.
FoTo:BElcHonocK/ISTocK/THInKSTocK
Fristlose Kündigung nach grober Beleidigung
Beleidigt ein Arbeitnehmer einen Kollegen grob und stellt bewusst wahrheitswidrige Behauptungen über ihn auf, kann dieses
Verhalten eine fristlose Kündigung auch ohne vorherige Abmahnung rechtfertigen. Das hat
das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz im Fall einer Fachverkäuferin in einem Modegeschäft
entschieden.
Die Verkäuferin hatte einer Kollegin die Entnahme von
20 Euro aus der Ladenkasse unterstellt, sie als „blöde Kuh“ bezeichnet und zudem wahrheitswidrig gegenüber ihrem eigenen Ehemann behauptet, von
der Kollegin ins Gesicht geschlagen worden zu sein. Der Arbeitgeber kündigte darauf außerordentlich, wogegen die Arbeitnehmerin sich zur Wehr setzte.
In seiner Begründung verweist
das Gericht darauf, dass grobe
Beleidigungen von Arbeitskollegen, die eine erhebliche Ehrverletzung für den Betroffenen bedeuten, einen erheblichen Verstoß gegen die arbeitsrechtlichen Pflichten darstellten und
eine fristlose Kündigung rechtfertigen könnten. Gleiches gelte für wahrheitswidrige Behauptungen, die den Tatbestand einer
üblen Nachrede erfüllen. Derartige Verhaltensweisen seien nicht
durch das Grundrecht der Meinungsfreiheit gedeckt.
Auch einmalige Ehrverletzungen seien kündigungsrelevant
und wögen umso schwerer, je unverhältnismäßiger und überlegter sie erfolgten. Vorliegend seien die Pflichtverletzungen so
schwerwiegend, dass eine vorhe-
rige Abmahnung entbehrlich gewesen sei. Sie seien auch geeignet
den Betriebsfrieden zu zerstören,
der Arbeitgeber könne ein derartiges Verhalten nicht dulden.
(Urteil des Landesarbeitsgerichts – LAG – Rheinland-Pfalz
vom 19. Februar 2014; Az.: 4 Sa
245/13)
Praxistipp: Grundsätzlich ist bei
steuerbarem Verhalten vor Ausspruch einer außerordentlichen
Kündigung eine Abmahnung erforderlich. Bei schweren Pflichtverletzungen gilt das aber nur,
wenn der Arbeitnehmer annehmen durfte, dass sein Verhalten
nicht vertragswidrig oder jedenfalls nicht als bestandsgefährdend für das Arbeitsverhältnis
BS
anzusehen ist.
Kündigung
wegen häufiger
Kurzerkrankungen
Will ein Arbeitgeber einem ordentlich unkündbaren Arbeitnehmer wegen häufiger
Kurzerkrankungen außerordentlich kündigen, müssen die
verschiedenen Krankheiten auf
eine dauerhafte Krankheitsanfälligkeit schließen lassen und
damit eine negative Gesundheitsprognose rechtfertigen.
Das hat das Bundesarbeitsgericht im Fall einer Hilfsgärtnerin entschieden, deren Arbeitgeber aufgrund wiederholter
Arbeitsunfähigkeit eine außerordentliche Kündigung mit sozialer Auslauffrist von sechs
Monaten aussprach. In seiner
Begründung weist das Gericht
darauf hin, dass Voraussetzung
für die außerordentliche Kündigung sei, dass eine ordentliche
Kündigung ausgeschlossen sei,
die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses für den Arbeitgeber
erhebliche Entgeltfortzahlungen erfordere, ohne dass nennenswerte Arbeitsleistungen
erbracht würden. Es müsse ein
gravierendes Missverhältnis
zwischen Leistung und Gegenleistung bestehen, das Arbeitsverhältnis dadurch „sinnentleert“ sein. Davon könne bei einer prognostizierten Arbeitsunfähigkeit von gut einem Drittel
der Jahresarbeitszeit allerdings
nicht ausgegangen werden. Die
Weiterbeschäftigung sei dem
Arbeitgeber vorliegend nicht
unzumutbar.
(Urteil des Bundesarbeitsgerichts – BAG – vom 23. Januar 2014; Az.: 2 AZR 582/13)
Praxistipp: Häufige Kurzerkrankungen können einen
Dauertatbestand darstellen. Für
die Fristwahrung einer außerordentlichen Kündigung (vgl. §
626 Abs. 2 BGB) reicht es dann
aus, dass der Umstand, auf den
der Arbeitgeber die Kündigung
stützt, auch noch bis mindestens zwei Wochen vor dem Zugang der Kündigung vorlag. Bs
FORUM – DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn nr. 10 | 2014
59
MAgAzIn
MAgA
grenzenlose Freiheit
für Ross und Reiter
Montana, North Dakota, Kansas – drei Staaten der USA, deren
weites Land sich gut eignet für jene, die gern auch mal allein
unterwegs sind und die Stille lieben. Reiterfreunde finden schnell
Anschluss. Denn wer hier lebt, hat fast immer auch ein Pferd.
„Badlands“ – kaum ein Name für eine Landschaft in den USA, der so in die Irre führt.
Manch einer hat sich schon abschrecken las
lassen durch die Vorstellung von elender Einöde,
von dürrer Wüste oder von hässlicher Natur.
Nichts davon trifft zu. Fast schon idyllisch ku
kuscheln sich die felsigen Hügel ins Land, die
Einschnitte dazwischen mit frischem Grün be
bestanden, ab und zu unterbrochen von weitem
Farmland, gelegentlich einem Wäldchen. Wo
Woher also der merkwürdige Name?
Ringsum „weites Land"
Die ersten Weißen, die diesen Landstrich in den
beiden – später so genannten – Dakotas durch
durchritten, verzweifelten mitunter an der Gleichför
Gleichförmigkeit der ungezählten Felshügel. Einer glich
dem anderen, eine Orientierung wahr sehr
mühsam, sehr oft verloren sie ihren Weg oder
die Richtung, mancher, der allein unterwegs
Gleich
war, verirrte sich im Niemandsland. Gleichzeitig waren sie den dort ansässigen India
Indianern hilflos ausgeliefert, die das Land kann
kannten wie ihre Westentasche. Kein Wunder,
dass bald das Wort vom „schlechten Land“
die Runde machte.
Heute sieht das alles ganz anders aus.
Zie
Weitab von den großen touristischen ZieGe
len der USA schätzen Reisende eine GeGe
gend wie North Dakota für die Ruhe und Gelassenheit, die einem dort begegnet. Zugleich
eröffnet sich von den Anhöhen in den Badlands
ein weiter Blick über das Land, der genau jenes
Gefühl der Freiheit vermittelt, das viele am
Ri
Westernreiten so schätzen. Badlands Trail Rides in Killdeer ist eine gute Adresse für alle, die
in professioneller Begleitung ihre Erkundung
Mis
der Region starten wollen. Mitten im Little Mis-
Auf dem Trail, das land ganz für sich: Western-reiter
genießen die einsamen Weiten von north Dakota.
FoTo: norTH DAKoTA ToUrISM
60
FORUM – DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn nr. 10 | 2014
souri State Park gelegen, ziehen sich von dort
aus zahlreiche Pfade durchs Land, die für mehrstündige Ausritte geeignet sind. Im Stall stehen
ausreichend erfahrene Pferde für Anfänger genauso wie für erfahrene Reiter. Draußen im
Land stehen auch fünf „Cabins“ zur Verfügung,
die man für eine oder zwei Nächte mieten kann,
um Natur und Tiere hautnah zu erleben.
Eine zweite Gelegenheit für weite Ausritte bietet sich in den „Rolling Plains“, von Karl
May dereinst als „rollende Prairie“ bezeichnet.
Seit 1882 ist dort die „Black Leg Ranch“ angesiedelt, aber noch länger ist die Geschichte
der Doan-Familie, die sie ihr Zuhause nennt.
Deren Vorfahren im 18. Jahrhundert waren
wahrlich wilde Kerle, verstanden sich als eine
Art Robin Hood und galten der Staatsmacht
als Bedrohung. Ihre Nachfahren heute dagegen sind gastfreundliche, herzliche Menschen,
die gleichwohl stolz auf die Familientradition
sind und Dutzende unglaublicher Geschichten
erzählen können, wie das damals war, als der
Westen anfing wild zu werden …
Leben wie ein Cowboy
Wer dort zu Gast ist, kann ganz unkompliziert
in die Rolle eines Cowboys schlüpfen und am
täglichen Leben auf der Ranch teilnehmen. Da
wird kein eigenes Programm aufgesetzt, da ergibt sich das meiste wie von selbst. Sind die
Ranches in den USA sowieso schon recht locker strukturiert, ist es hier oben in North Dakota noch ein gutes Stück entspannter. Hauptsache, du kannst reiten, der Rest ergibt sich
dann schon. Wenn man dann schon in der Gegend ist, sollte auf jeden Fall auch ein Ausflug
nach Medora auf dem Programm stehen. Dort
gibt es in der North Dakota Cowboy Hall of Fame nicht nur viel Historisches und Überraschendes zum Leben auf Farm und Prairie zu
sehen. Das Museum gewährt auch umfassendes Wissen zu den hier ansässigen Stämmen
und Völkern der Indianer sowie die lange Tra-
MAgAzIn
Bei den „Indian Days“ in Browning, Montana, wird unverfälschte indianische (reit)Kultur sichtbar.
FoToS (3): VISIT MonTAnA
dition des Rodeo-Sports. Es gibt wenige Orte
im Westen, an denen man so viel und so gut
erzählt die Ursprünge des Westernreitens kennenlernen kann.
Die nächste Cowtown ist nie weit
Ein gutes Stück weiter im Süden liegt ein Bundesstaat, der traditionell Rinder-, Cowboyund Reiterland ist: Kansas. In einem dünn besiedelten, weitläufigen Staat wie diesem, der
nicht so sehr im Mittelpunkt steht wie andere, gibt es jede Menge Byways. So nennt man
in den Staaten Routen, auf denen man eingetretene Pfade verlässt. Viele von ihnen führen zu Zielen und durch Orte, an denen es sich
auch lohnt, das Pferd aus dem Trailer zu holen. Denn meistens sind der nächste Cowboy,
der nächste Cattledrive und die nächste Cowtown nicht weit. Deren Ruf ist geprägt von der
Geschichte und den Geschichten der berüchtigten Viehtriebe von Texas herauf, bei denen
es ziemlich wild zuging.
Ein guter Platz, um noch heute Cowboys
bei der Arbeit zu beobachten, einer Arbeit, die
sich in den vergangenen 150 Jahren kaum verändert hat, ist die offene Prairie der Flint Hills.
An zwei Orten besteht sogar die Möglichkeit,
sich an einem ganz realen Viehtrieb zu beteiligen: auf der Moore Ranch in Bucklin und auf
der Flying W Ranch. Andernorts vermitteln
„Bed & Breakfast“ auf aktiven Ranches und
Farmen einen authentischen Eindruck vom
„Urlaub auf dem Bauernhof – American Style“.
Wer seinen Freizeitspaß darin sieht, dort mitzuarbeiten, sei gewarnt: Auf so einem Bauernhof gibt es reichlich zu tun …
Die Stadt, in der sich der Geist der amerikanischen Cowboys am besten erhalten hat, ist
sicherlich Dodge City. Schon die Einkaufsmöglichkeiten bei „Rusty Nail Boot & Saddle“ lassen das Herz jedes Westernreiters höher schlagen. Im Boothill Museum, dem Nachbau einer
historischen Stadt, die Goldgräbern, Glückrittern, Bahnarbeitern, Banditen und Jägern Unterkunft bot, genauso wie der Saloon den Durst
der durchreitenden Cowboys stillte.
Die Tradition lebt fort
Das Schöne an einem so normal gebliebenen Staat wie Kansas ist die Unkompliziertheit und Schlichtheit, mit denen man im Leben von heute der Tradition begegnet. Rodeos
aller Art, von der High School bis zu den Profis, machen Reitkunst in Vollendung sichtbar
– und schärfen das Bewusstsein, was es heißt
Cowboy zu sein. Besonders empfehlenswert:
Das Flint Hills Rodeo in Strong City, das ältes-
Echter als in jedem Film ...
... spannender als in jedem Stadion ...
te im Staat, sowie das Dodge City Rodeo, das zu
den Top-Events im Lande zählt.
Indianische Reitkultur erleben
▶
Noch einmal Ortswechsel, um einen ganz anderen Aspekt des Western-Reitens kennenzulernen, die indianische Reitkultur. Sie gehört
nicht nur in die Winnetou-Filme, sondern hat
auch das zivile Leben Nordamerikas geprägt.
So gibt es aus der Geschichte viele Beispiele
dafür, dass sich auch die amerikanischen Ureinwohner auf Ranches verdingten und ihren
Pferdeverstand und ihre Reitkunst anboten.
Ein schönes Beispiel davon ist in Montana zu
sehen. Die North American Indian Days in
... und mindestens so lecker wie bei Muttern.
FoTo: TrAVEl KAnSAS
FORUM – DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn nr. 10 | 2014
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MAgAzIn
Als wär's ein Bild von gestern: reiterspaß im cowboystyle.
FoTo: nD ToUrISM
Browning im Land der Blackfeet Nation sind,
von den Zahlen wie vom Umfang der Veranstaltungen her, eine der größten Versammlungen von Stämmen, Völkern und Clans auf
dem Kontinent. Bei dem Event jedes Jahr im
Juli sind traditionelle Wettbewerbe, Trommel-Vorführungen, eine Parade und ein Pow
Wow zu sehen. Gerade beim letztgenannten,
einer traditionellen Präsentation der einzelnen Kulturen, sind nicht nur farbenprächtige
und aufwendig hergestellt Gewänder und Federschmücke zu sehen. Gerade die Tänze und
spirituellen Zeremonien öffnen den Blick für
Bräuche und Kultur der Indianer. Einer der
Höhepunkte der „Indian Days“ ist ein Rodeo,
zu dem auch ein Turnier mit „Indian Relays“
gehört – ein Staffelrennen, verbunden mit oft
spektakulären Szenen. Die Teams reiten dabei
ohne Sattel auf dem Rücken der Pferde und
wechseln nach einer jeden Runde in wilden
Sprüngen von einem Pferd zum nächsten.
Auch außerhalb dieser großen Veranstaltungen bietet „Big Sky Country“, wie Montana
auch genannt wird, eine gute Gelegenheit, in-
62
FORUM – DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn nr. 10 | 2014
dianischer Kultur und Geschichte auf die Spur
zu kommen. Ihr Glauben und ihre Denkweisen sind das Fundament für den ganzen Staat,
dessen Territorium bei den Ureinwohnern als
„heiliger Platz“ gilt. Ihr Zugang zur Natur und
ihr Umgang damit sind hier besser sichtbar
als an vielen anderen, dichter besiedelten Orten. Bemerkenswerte Kunstwerke und kulturelle Ereignisse, ebenso wie eine erstaunliche
Vielfalt an Siedlungsformen, Lebensweisen
und Bräuchen erlauben tiefe und lang nachwirkende Einblicke, die weit über das hinausgehen, was uns Filme und Bücher vermitteln.
Ulrich Pfaffenberger
◉ Weitere Informationen:
North Dakota
www.badlandstrailrides.com
www.blacklegranch.com
www.northdakotacowboy.com
www.ndtourism.com/western-culture
Montana
www.browningmontana.com/naid.html
www.indiannations.visitmt.com
www.visitmt.com/experiences/outdoor_activities/ranches_
riding/index.html
Kansas
www.travelks.com/things-to-do/sports-and-rec/equestrian/
www.dodgecitydays.com
www.moorelonghornranch.com
www.flinthillsflyingw.com
MAgAzIn
Unter dem faltbaren ladeboden gibt es ein „zwischendeck“.
Freigelegt vergrößert es die Höhe des Gepäckraums. Vier Verzurrösen bieten hilfreiche Befestigungen an. FoTo: nEWS2Do.coM/Sr
länger ist der neue octavia rS geworden und auch breiter.
FoTo: nEWS2Do.coM/Sr
Rasanter Reisekombi
Mit der dritten RS-Generation macht Skoda ein höchst verführerisches Angebot, das
Wettbewerbern nicht gefallen dürfte. Auftritt, Komfort, Leistung und Verarbeitungsqualität
bringen ihre Besitzer sportlich und großräumig in Fahrt.
Mit dem Octavia RS Combi ist nicht nur der schnellste Serien-Skoda an den Start gegangen. Obendrein präsentiert sich das praktische,
geräumige Auto mit Sicherheits- und Assistenzsystemen komfortabel
ausgestattet, die man schon nach wenigen Tagen Bekanntschaft mit
diesem Auto nicht mehr missen möchte. Die beheizbaren Leder-Sportsitze zum Beispiel: Man sitzt bequem und wie „angegossen".
Den Sportcharakter unterstreichen Schaltwippen am zweifach einstellbaren Multifunktionslederlenkrad, Alu-Einstiegsleisten mit RS-Logo
und die Pedalerie in Aluminiumoptik. Die Klimaautomatik lässt sich
getrennt für Fahrer und Beifahrer regeln. Geschwindigkeitsregelanlage, Reifendrucküberwachung, Berganfahrassistent, Regensensor, Fahrlichtassistent und Parksensoren geben Hilfestellung.
Großzügiger Innenraum mit vielen Ideen
Optional ausgestattet war der Testwagen auch mit dem adaptiven Abstandsassistenten (ACC), der in Verbindung mit der Geschwindigkeitsregelanlage sicheren Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug hält.
Der Frontradarassistent hat eine Notbremsfunktion. Und dem Parklenkassistenten kann man sogar das Ein- und Ausparken – quer und in
Längsrichtung – anvertrauen. Optional war der Testwagen zudem mit
dem Spurhalteassistenten ausgestattet, der bei sich andeutendem Verlassen der Fahrspur sanft, aber spürbar „zurücklenkt".
Der Octavia RS Combi präsentiert sich als ein Auto, das weder im Hinblick auf die Insassen, noch mit Blick auf mitzunehmendes Gepäck
Platzsorgen aufkommen lassen dürfte. Auch Großgewachsene empfinden auf keinem Sitz Enge zur Seite und nach oben. Es wäre kein Skoda, wenn es an Bord nicht jene kleinen „Simply-Clever"-Ideen gäbe: etwa den Eiskratzer in der Tankklappe, den Warnwestenhalter unterm
Fahrersitz, den mobilen Abfallbehälter in der Türablage oder die griffgünstig positionierte Aufnahme für ein Mobiltelefon oder iPod und
dergleichen mehr.
Den neuen Skoda Octavia RS gibt es wahlweise mit Benzin- oder Dieselmotor. Unseren Testwagen trieb der leistungsstärkste 2,0-TSI-Benziner mit 162 kW/220 PS (20 PS mehr als beim Vorgängermodell) und 350
Newtonmeter Drehmoment (plus 70 Nm) samt 6-gängigem DSG-Doppelkupplungsgetriebe voran (Start-Stopp-Automatik und Bremsenergierückgewinnung). In nur 6,8 Sekunden erreicht der RS Tempo 100.
Bei 244 km/h beendet der RS Combi seinen Geschwindigkeitsrausch.
Der Kraftstoffverbrauch des TSI bewegte sich während des zweiwöchigen Testeinsatzes laut Bordcomputer zwischen 7,3 und – bei hohem Autobahnanteil und frei wählbaren Geschwindigkeiten – 11,4 l/100 km.
Der ruhige Motorlauf ist an der komfortabel-kultivierten Atmosphäre
im Auto maßgeblich beteiligt.
Das sportlich-straffe Fahrwerk kommt dynamischem Fahrstil entgegen. In Kurven auftretende Fliehkräfte führen nur andeutungsweise
zu einer seitlichen Neigung der Karosserie. Dank des stattlichen RSPakets aus Leistung und Drehmoment, das souveräne Beschleunigung
zulässt, und der wirksamen Scheibenbremsen (vorn innenbelüftet, 340
mm Durchmesser) wird jederzeit beeindruckend sichere Automobilität
vermittelt. Reichlich Komfort gibt's dazu.
news2do.com/Wolfram Riedel
skoda Octavia Rs
Ausstattung Elegance, Combi, Mittelklasse
Länge/Breite/Höhe (m): 4,68/1,81/1,48
Leergewicht/zul. Gesamtgewicht (kg): 1 467/1 958
Gepäckraumvolumen: 610 liter,
bei umgeklappten rücksitzen bis 1 740 liter
Tankinhalt: 50 liter
Motor: 2,0-liter-Vierzylinder-Direkteinspritzer, Abgasturbolader (TSI)
Max. Leistung: 162 kW/220 PS bei 4 500 bis 6 2 00 U/min
Max. Drehmoment: 350 nm bei 1 500 bis 4 400 U/min
Kraftstoffverbrauch (kombiniert): 6,4 /100 km
CO2-Emission: 149 g/km
Beschleunigung von null auf 100 km/h: 7,1 s
Höchstgeschwindigkeit: 242 km/h
6-Gang-DSG-Getriebe (Tiptronic), Frontantrieb
Grundpreis DSG, Elegance: 32 050 Euro
Einstiegspreis Octavia RS: 29 590 Euro
FORUM – DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn nr. 10 | 2014
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RÄTsEL
2
6
5
Gewinner des
ralf Fischer, Potsdam,
lorett Bilinski, Felixsee,
Hans-Hermann Schneider,
Kolwitz
Herzlichen Glückwunsch!
Auflösung aus ForUM 9 /2014
September-rätsels sind:
4
1
3
Lösungswort
Bitte schicken Sie das Lösungswort auf einer Postkarte mit Absender bis zum 20. des Monats
(Poststempel) an: IHK Potsdam, FORUM-Redaktion, Breite Straße 2 a - c, 14467 Potsdam oder per
E-Mail: raetsel@potsdam.ihk.de, Kennwort: „FORUM-Rätsel“.
Oktober-Rätsel: Erfolgreich verhandeln in den UsA
Liebe Leserinnen und Leser, in diesem Monat wird ein
Exemplar des Buches „Erfolgreich verhandeln in
den USA" von Autor Makram Haluani verlost. Eine der
wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreich geschäftliche Verhandlungen in den USA ist der korrekte Gebrauch der englischen bzw. amerikanischen Sprache.
Das allein jedoch ist noch keine Garantie für eine effiziente Kommunikation im Geschäftsleben. Hier spie-
len auch Nuancen und Spitzfindigkeiten, Redewendungen und nonverbales Verhalten eine nicht zu unterschätzende Rolle. Zu guter Letzt sind es Verhandlungsstrategien und Fachtermini, die zu erkennen
und anzuwenden einen erfolgreichen Geschäftsabschluss erst möglich machen. Viel Spaß beim Knobeln!
Die Verlosung erfolgt unter Ausschluss des Rechtsweges.
FORUM – DAs BRAnDEnBURgER WIRTscHAFTsMAgAzIn nr. 10 | 2014
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Herausgeber:
Landesarbeitsgemeinschaft (LAG)
der Industrie- und Handelskammern (IHK) Land
Brandenburg – Cottbus, Ostbrandenburg, Potsdam
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Redaktionen:
IHK Cottbus – Nils Ohl (NO); Goethestraße 1,
03046 Cottbus, Tel. 0355 365-2400,
Fax 0355 365-262400; E-Mail: ohl@cottbus.ihk.de
IHK Ostbrandenburg – Thilo Kunze (T. K.);
Puschkinstraße 12 b, 15236 Frankfurt (Oder);
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IHK Potsdam – Detlef Gottschling (DG),
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Fax 0331 2842990;
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Geschäftsführer: Dipl.-Kfm. Andres Santiago,
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vmm wirtschaftsverlag gmbh & co. kg,
Zum Jagenstein 3, 14478 Potsdam;
Tel. 0331 27522-0, Fax 0331 27522-10
Renate Dempfle
Mediaberatung:
Caridad Nyari, Tel. 0331 27522-22;
(verantwortlich für den Anzeigenteil)
Gudrun Stark
Layout: Ramona Eimler, Daniela Tober,
Jana Gerlach, Nanett Reinhardt, Kirsten Leithe
Titelfoto: Jan-Willem Kunnen/iStock/Thinkstock
Druck/Vertrieb: Möller Druck und Verlag GmbH,
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ISSN: Ausgabe Cottbus: 2192-3485
Ausgabe Potsdam: 2192-3477
Ausgabe Ostbrandenburg: 2192-3493
Verbreitete Auflage:
Potsdam 20.661,
Cottbus 12.929,
Frankfurt (Oder) 13.931 Exempl.
(2. Quartal 2014)
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Seele and Geist
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