close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Betriebswirtschaftliche Situation der Milchviehbetriebe in

EinbettenHerunterladen
PRAXIS – Tierische Erzeugung
Betriebswirtschaftliche Situation der Milchviehbetriebe
in Bayern
Rechnet sich die Umstellung einer Milchviehhaltung auf ökologische Wirtschaftsweise? Diskussionen gibt es vor allem dann, wenn
die konventionellen Rahmenbedingungen phasenweise diesen Schritt in Frage stellen oder Zweifel an der Richtigkeit einer Umstellung gesät werden. Medienberichte über vermeintlich „vermehrte Rückumstellungen“ hatten vor einiger Zeit zum Teil dieses Bild
vermittelt – völlig zu Unrecht. Denn eine Rückumstellungswelle hat es, zumindest in den verbandsgebundenen Betrieben, so nie
gegeben. Aus gutem Grund: Langfristig zahlt sich, wenn die Voraussetzungen passen, die Umstellung für den Großteil der Betriebe
ökonomisch aus, wie in der Folge belegt wird.
Bayerische Untersuchungsergebnisse der
LfL geben Umstellern recht – trotz auch
„magerer“ Jahre
Eine langjährige Betrachtung der LfL kam
im Herbst 2014 zu dem Ergebnis, dass im
Fünfjahreszeitraum von 2007-2012 die
Buch führenden Öko-Betriebe in Bayern im
Jahresschnitt und über alle Größenklassen
hinweg (siehe Abb.) zwischen 6.000 und
11.000 Euro höhere Gewinne verbucht
haben, obwohl sie circa 800 -1.000 Liter
Milch je Kuh weniger gemolken haben. Der
Öko-Zuschlag schwankte in dieser Zeit zwischen 6 und 11,5 Cent netto. Es waren aus
heutiger Sicht Phasen mit sehr hohem ÖkoZuschlag dabei, aber auch solche mit „zu
niedrigem“. Im Mittel lag der Öko-Zuschlag
bei akzeptablen 8,54 Cent.
Quelle: LfL Institut für Agrarökonomie, Gerhard Dorfner 2013
In einer detaillierteren Betrachtung wurden
Grünlandbetriebe mit über 75 Prozent
Grünlandanteil in der Gruppe 30-50 Kühe
verglichen. Auch hier fiel das Ergebnis mit
11.000 Euro (ebenfalls im Fünfjahresschnitt)
äußerst positiv für die Öko-Betriebe aus,
obwohl „der Öko-Vorsprung in guten Milchjahren schmilzt“, wie der Autor feststellt.
Bezüglich der Erfolgsfaktoren Rentabilität,
Stabilität (Eigenkapitalbildung) und Liquidität schneiden die Öko-Betriebe im Durchschnitt immer besser ab als ihre konventionellen Kollegen. Insbesondere in den Jahren
2007-2009 lagen die Zuschläge, die in erster
Linie den höheren Arbeitsaufwand und die
erbrachten Umwelt- und Tierwohlleistungen
honorieren, sehr hoch – obwohl auch diese
marktbedingten Schwankungen unterliegen.
Betrachtet man die letzten zweieinhalb Jahre der Untersuchung muss man aber auch
feststellen, dass es in diesen Jahren keinen
positiven Trend für die Öko-Milch gab. Im
Schnitt und vor allem unter Hinzunahme
der jüngeren Entwicklungen (siehe unten)
können sich die aus den Buchführungen bayerischer Betriebe abgeleiteten Ergebnisse
aber in allen Betriebsgrößen sehen lassen
und sprechen bei entsprechend gegebenen
Voraussetzungen (Flächenausstattung,
Richtlinienkonformität in der Tierhaltung)
eindeutig für eine Umstellung.
Quelle: LfL Institut für Agrarökonomie - Gerhard Dorfner - 2013
Quelle: eigene Darstellung nach Schmidlein LfL Buchführungsergebnisse Bayern
Trendumkehrung ab 2012 vor allem für
kleinere Öko-Betriebe
Aus den neueren Buchführungsergebnissen der Jahre 2012/13 und 2013/14 (offizielle Zahlen lagen zum Redaktionsschluss
noch nicht vor) lässt sich herauslesen, dass
der Trend sich wieder deutlicher Richtung „Öko“ entwickelt hat, auch wenn die
Ergebnisse stark differenziert betrachtet
werden müssen.
Die Buchführungsergebnisse aus Bayern ergaben für das vorletzte Wirtschaftsjahr über
alle drei aufgeführten Vergleichsgruppen
(20-40, 40-60 und 60-80 Kühe) Zuschläge
zwischen 7,3 und 8,5 Cent und damit circa
zwei Cent mehr als 2011/12. Die Öko-Zuschläge waren also bereits seit 2012 wieder
deutlich im Aufwärtstrend. Die Gewinnsituation in den zwei wichtigsten Größenklassen
war in den Jahren 2010-2013 wie folgt.
weiter nächste Seite >
Naturland Nachrichten 01 / Februar 2015
53
PRAXIS – Tierische Erzeugung
In dem hier aufgeführten Vergleich wurden
die Öko-Betriebe mit den konventionellen
Kollegen verglichen, die mehr als 66 Prozent
Grünland bewirtschaften und (ebenso
wie die Öko-Milchviehbetriebe) fast reine
Futterbaubetriebe sind. Die Kuhzahlen
sind nahezu identisch. Die Öko-Betriebe
bewirtschaften circa 20 Prozent mehr Fläche
und hatten im letzten Betrachtungszeitraum
in beiden Gruppen eine um 900 l geringere
Milchleistung. Der Vorteil beim zeitraumechten Betriebsgewinn hat sich aber gegenüber
dem Vorjahr von 8.000 beziehungsweise
6.000 Euro auf 12.000 beziehungsweise
13.500 Euro je Betrieb erhöht und damit
teilweise mehr als verdoppelt. Für die kleineren Öko-Betriebe mit bis 40 Kühen bleibt
festzuhalten, dass sie auch in dem insgesamt
schlechten Milchjahr 2012/13 ihren Gewinn
halten konnten, während alle anderen Gruppen deutliche Abschläge gegenüber den
Vorjahren machen mussten.
Auch auf Basis anderer Auswertungen lässt
sich diese Aussage erhärten: Im Vergleich
innerhalb der Öko-Betriebe schneiden
die kleinsten Betriebe vor allem in den
„schlechten“ Milchjahren relativ am besten
ab, obwohl sie deutlich weniger Flächen haben. Hier macht sich vermutlich der Effekt
bemerkbar, dass die Milch in diesen Betrieben mit weniger Kraftfutter und niedrigeren
tier-bezogenen Kosten erzeugt wird. Die
kleineren Betriebe sind also deutlich stabiler und gegen Ausschläge negativer Art
besser gewappnet.
In der folgenden Darstellung werden die
bayerischen Öko-Betriebe mit 10-30 Hektar
mit ihren konventionellen Kollegen verglichen. Auch hier zeigt sich ein ähnliches
Bild wie oben. Lediglich 2010-2011 liegen
die beiden Wirtschaftsweisen fast gleichauf.
In den Jahren danach war der Gewinnvorteil
für die kleinsten in der Statistik erfassten
Öko-Betriebe mit bis zu 13.000 Euro sehr
hoch. Im Dreijahresschnitt waren es gute
8.000 Euro – eine beträchtliche Summe bei
lediglich 24 Kühen Bestandsdurchschnitt
und 5.700 kg Herdenleistung.
Der Aufschwung begann mit gestiegenen
Öko-Zuschlägen
Für 2013 errechnete die Agrarmarkt
Informations-Gesellschaft mbH (AMI) ÖkoZuschläge zwischen acht und elf Cent. Die
Naturland Milchpreiserhebung ergab für
2013 einen Durchschnittspreis der süddeutschen, meist bayerischen Molkereien
von 44,76 Cent netto. Der Spitzenzahler
2013 war Domspitz mit 47,65 Cent. Die
vorläufigen Zahlen für 2014 besagen für
Süddeutschland beziehungsweise Bayern
einen Durchschnittspreis von 48,83 Cent,
was einem durchschnittlichen Öko-Zuschlag
von knapp 10 Cent entspricht. Im Septem-
54
Naturland Nachrichten 01 / Februar 2015
Quelle: eigene Darstellung nach Schmidlein LfL Buchführungsergebnisse Bayern
Ø Öko-Milchpreise Deutschland , Ct./kg netto, 4,2% Fett, 3,4% Eiweiß, inklusive S-Klasse, ohne NZ,
mengengewichtet. Quelle: Tomas Sonntag, Naturland Marktgesellschaft
ber 2014 lagen bereits sechs Molkereien im
Jahresschnitt über 50 Cent ohne Nachzahlungen. Der konventionelle Preisverfall zum
Jahresende hat im Öko-Landbau nur sehr
abgeschwächt stattgefunden. Die Nachfrage
nach Öko-Milchprodukten ist in Deutschland nach wie vor leicht steigend und die
deutschen Öko-Molkereien können die
inländische Nachfrage nach wie vor nicht
abdecken. Insofern dürfte sich der positive
Trend auch 2015 fortsetzen. Für 2014 wird
ein durchschnittlicher Mehrpreis von vier
Cent gegenüber 2013 erwartet. Die beiden
wichtigsten süddeutschen Öko-Molkereien
und Naturland Partner hatten zuletzt eine
relativ stabile Preissituation. Die Milchwerke
Berchtesgadener Land haben angekündigt,
dass sie Ihren aktuellen Preis von 49,5 Cent
über den Winter halten wollen. Die Molkerei
Scheitz Andechs zahlte 2014 immer über 48
Cent an die Bauern aus.
Zusätzlicher Anreiz aus dem KuLaP ab 2015
Mit der oben aufgezeigten Öko-Milchpreisentwicklung und durch die neuen Fördersätze und Kombinationsmaßnahmen ab 2015
im bayerischen KuLaP steigt der Anreiz zur
Umstellung vor allem für Milchviehbetriebe
wieder deutlich an. 350 Euro/ha für die
beiden Umstellungsjahre und eine Beibehaltungsprämie von 273 Euro/ha sind bundesweit Spitze. Dazu kommen zahlreiche
Kombinationsmöglichkeiten wie Weidegang
(50 Euro/GV), Steilhangmahd (450 bzw.
650 Euro/ha) und Schnittzeitpunkt nach
Vertragsnaturschutz (230-350 Euro/ha).
Dadurch wird die Umstellung für extensive
und Bergbauernbetriebe wieder hochinteressant, aber auch größere Betriebe haben
durch die Abschaffung der Deckelung und
den angehobenen Flächensätzen neue Umstellungsanreize bekommen.
Erforderliche Rahmenbedingungen
Günstige Rahmenbedingungen für eine
erfolgreiche Umstellung auf Öko-Wirtschaftsweise für Milchviehhalter sind
insbesondere:
• Gute Flächenausstattung und idealerweise Sommerweidegang
• Ausreichende Stallmaße beziehungsweise unkomplizierte Umbaumöglichkeiten
• Durchschnittliche Milchleistung bei
moderatem Kraftfuttereinsatz
PRAXIS – Tierische Erzeugung
ANZEIGE
Gute Aussichten aber auch für die anderen deutschen
Regionen
Deutschlandweit beziehungsweise aus anderen Bundesländern
liegen leider derartige regionale Zahlen aus Betriebsvergleichen so
nicht vor. Vom Thünen Institut in Göttingen gab es aus den Jahren
2005-2010 eine bundesweite Untersuchung zur Wirtschaftlichkeit
des Öko-Landbaus. Auch in dieser Untersuchung kam etwa die
Hälfte aller 350 untersuchten Betriebe aus Bayern. Die Betriebsgewinne der im Schnitt 40 Kuhbetriebe lagen über den Fünfjahreszeitraum zwischen 25.000 und 37.000 Euro. Insgesamt war die
Situation der Milchviehbetriebe im Vergleich zur konventionellen
Vergleichsgruppe über alle Jahre deutlich die beste unter allen ÖkoBetriebstypen. Die Mehrheit (68-75 Prozent) der Öko-Milchviehbetriebe erwirtschaftete in allen Jahren ein höheres Einkommen als
die konventionellen Berufskollegen. Im letzten Untersuchungsjahr
2009/2010 waren es mehr als die Hälfte der Betriebe die mehr
als 50 Prozent Gewinnabstand erreichen. Im schlechtesten Jahr
2005/2006 waren es immerhin ein Drittel. Die Untersuchung kam
damals zu dem Ergebnis, dass sich ohne Förderung die Situation
bei den meisten Betrieben deutlich verändern würde. Damit kommt
der Förderung neben dem Öko-Milchzuschlag die größte Bedeutung zu.
Zum aktuellen Zeitpunkt – also drei Jahre nach Erscheinen der
Thünen Studie – kann man festhalten, dass sich die Situation der
Betriebe spätestens ab 2015 wieder deutlich besser darstellen
dürfte. Zum einen sind die Fördersätze in fast allen Bundesländern
angestiegen (siehe Übersicht AUM auf Seite 4). Zum anderen
haben sich die Öko-Zuschläge, wie die obige Abbildung zeigt,
seit Mitte 2014 eindeutig positiv entwickelt und der Trend sollte
tendenziell anhalten, weil die negative bzw. volatile Preisentwicklung im konventionellen Milchmarkt nicht in gleichem Ausmaß
im Öko-Milchmarkt stattfinden wird. Das hat den Grund, dass die
Öko-Milchmengen Richtlinien bedingt (Flächenbindung, Tierhaltung) nicht unbegrenzt steigen und die Nachfrage nach Öko-Milch
in Deutschland immer noch über der Inlandsproduktion liegt. Aus
den beiden Öko-Milch importierenden Nachbarländern Dänemark
und Österreich gibt es Signale des Rückzugs. In Dänemark gibt es
seit zwei Jahren eine leicht negative Entwicklung bei den Betriebszahlen – in Österreich scheint vorerst die Grenze der Öko-Milchproduktion erreicht. Die Zahl der Öko-Milchviehbetriebe stagniert im
Betrachtungszeitraum der letzten drei Jahre. Die Milchmengen sind
dabei nur geringfügig gestiegen.
Fazit
Öko-Milchviehbetriebe haben in den letzten fünf bis zehn Jahren bessere – zum Teil deutlich bessere – betriebswirtschaftliche
Ergebnisse erzielt als ihre konventionellen Berufskollegen und es
gab wenig Gründe zur Rückumstellung (auch wenn einige Medien ein anderes Bild vermittelten). Gleichwohl war der Einstieg
neuer Betriebe in den Öko-Landbau aus verschiedenen Gründen in
den letzten Jahren eher verhalten. Mit den gegenwärtig deutlich
verbesserten Rahmenbedingungen in Deutschland (Anhebung der
Fördersätze, gestiegene Öko-Milchzuschläge) sind die Chancen in
der Öko-Milchviehhaltung wieder deutlich gestiegen. Das hat auch
damit zu tun, dass der Öko-Milchmarkt in Deutschland bei nicht
gesättigtem Selbstversorgungsgrad und stagnierenden Importen
weiter wächst. Diese, aus individueller Sicht des Einzelbetriebes
positiven Signale, erzeugen ganz nebenbei auch eine gesamtgesellschaftliche -„win -win“ - Situation. Denn jeder Hektar Öko-Fläche
bringt der Umwelt zusätzlichen Nutzen und verbessert das Tierwohl. Dies wünscht sich unsere Gesellschaft, die hierfür in weiten
Teilen auch höhere Ausgleichszahlungen akzeptiert.
Ihr Saatgut für
erfolgreichen Futterbau!
COUNTRY Öko
Für die besonderen Ansprüche des
ökologischen Landbaus bietet das DSV
Programm COUNTRY Öko leistungsstarke
Mischungen, deren Ampferfreiheit durch
offizielle Atteste geprüft und bestätigt
wurde.
• Leistungsstarke Sorten
• Höchste Saatgutqualität
• Geprüfte Ampferfreiheit
• Leguminosen mit Rhizobien geimpft
Ihr DSV Berater vor Ort berät Sie gerne.
www.dsv-saaten.de
Stephan Scholz, Naturland Fachberatung
Naturland Nachrichten 01 / Februar 2015
DSV_Anz_COUNTRYOeko_88s254_130115_HiRes.indd 1
55
15.01.15 14:34
Autor
Document
Kategorie
Uncategorized
Seitenansichten
2
Dateigröße
440 KB
Tags
1/--Seiten
melden