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LEBEN
MIT
AUSCHWITZ
– DANACH
T H E M E N TAG E 6. – 15. F E B 2 0 15
EDITORIAL
Der Holocaust bildet heute ex negativo einen Prüfstein für gesellschaftliche und politische
Entwicklungen. Er wirft seinen Schatten auf unser kulturelles Geschehen. Die Sorge, dass
sich die humane Katastrophe in anderer Form wiederholen könnte, prägt den Gesellschaftsdiskurs. Auschwitz hat das Wertesystem erschüttert und den Nachgeborenen die Verwundbarkeit der Zivilisation vor Augen geführt. Die Nazis haben die Definitionen von Recht und
Unrecht innerhalb weniger Jahre sukzessive verschoben, so dass ein humanes Selbstverständnis und Kriterien der Zugehörigkeit ihre Gültigkeit verloren.
Sind die Parameter unseres Wertesystems heute zuverlässig und unverrückbar? Wie schnell
sind wir bereit, Überzeugungen zugunsten persönlicher Privilegien aufzugeben? Hat Robert
Musil recht, wenn er schreibt, »als gut gilt heute, was uns die Illusion gibt, dass es uns zu
etwas bringen werde«? Und wo liegen im Jahr 2015 Anfangspunkte der Gewalt?
Das Schauspiel Frankfurt widmet die Spielzeit 2014/15 dem Thema »ÜBER LEBEN« und
geht mit eigenen Theaterproduktionen, internationalen Gastspielen, Diskussionen und Gesprächen den Ursachen und Folgen des Zivilisationsbruches auf den Grund. Im Zentrum der
Beschäftigung mit Auschwitz stehen die Thementage »Leben mit Auschwitz – danach«.
Bedeutende Künstler, Denker, Wissenschaftler und Überlebende des Holocausts diskutieren, welche Schlussfolgerungen wir aus der Vergangenheit ziehen sollten. Sie beleuchten
Schuldgefühle, Ängste und Rituale des Erinnerns und hinterfragen, wie heute Vorurteile,
rechte Ideologien und Genozide entstehen.
VORTRÄGE
IN
02
Die Kunst vermag subjektive Erfahrungen zu übermitteln und deren gesellschaftliche Bedeutung im Kontext der Gegenwart zu bespiegeln. Doch welche ästhetischen Formen ermöglichen einen neuen Blick auf die Shoah und welche bestätigen lediglich moralische Plattitüden und Beruhigungsstrategien? Die Gastspiele »Political Mother« der Hofesh Shechter
Company, London, und »Die letzten Zeugen« vom Burgtheater Wien suchen nach ganz eigenen Antworten auf diese Fragen. Produktionen des Schauspiel Frankfurt wie »Liquidation«,
»Die Blechtrommel«, »Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui« und »Anne« reflektieren die
NS-Zeit und den Holocaust auf vielfältige Weise.
DISKUSSIONEN
SZENIERUNGEN
03
LEBEN
Freitag 06. Februar
19.30 Uhr
Schauspielhaus
Samstag 07. Februar
11.00 Uhr
Chagallsaal
12.00 Uhr
Chagallsaal
AUSCHWITZ
P ROGR A MM 6. BIS
– DANACH 15. F E BRU A R 2 0 15
14.00 – 16.00 Uhr
Chagallsaal
14.00 – 14.30 Uhr
Eröffnungsdiskussion mit Daniel Cohn-Bendit, Harald Welzer, Jutta Limbach und
Christiane Woopen Moderation Michel Friedman
Vortrag
Stefan Krankenhagen
Diskussion
HOL OC AU S T K UNS T – ÄS T HE T ISC HE P O SI T IONE N
Z W ISC HE N P ROVOK AT ION, IRONIE UND DOK UME N TAT ION
E SK A L AT ION DE R GE WA LT – HE U T E
Mit Wilhelm Heitmeyer, Bernhard Pörksen und Mihran Dabag Moderation Jan Tussing
ME NSC HE NF E INDL IC HK E I T UND GE WA LT
BIL DE R DE S BÖ SE N
SIND GE NO Z IDE V E RGL E IC HBA R ?
Mihran Dabag
16.30 – 17.30 Uhr
Chagallsaal
18.00 – 19.30 Uhr
Chagallsaal
WA RUM H A BE IC H ÜBE RL E B T ?
Trude Simonsohn
Diskussion
E RBE N DE R SHOA H – GE NE R AT IONE NDISK UR S Z W ISC HE N
N AC HKOMME N DE R OP F E R UND TÄT E R
Podiumsdiskussion mit Niklas Frank, Katrin Himmler, Michel Friedman und
Channah Trzebiner Moderation Peter Lückemeier
Inszenierung/Gastspiel Burgtheater Wien
Publikumsdiskussion
Vortrag 20.00 Uhr
Schauspielhaus
Im Anschluss
Sonntag 08. Februar
13.00 Uhr
Chagallsaal
DIE L E T Z T E N Z E UGE N
Ein Projekt von Doron Rabinovici und Matthias Hartmann
Publikumsgespräch
Vortrag
18.00 – 21.00 Uhr
Probebühne
Mittwoch 11. Februar
19.30 Uhr
Schauspielhaus
Im Anschluss
Freitag 13. Februar
19.30 Uhr
Panorama Bar
20.00 Uhr
Kammerspiele
19.30 Uhr
Samstag 14. Februar
19.30 Uhr
Schauspielhaus
20.00 Uhr
Kammerspiele
19.30 Uhr
Sonntag 15. Februar
18.00 Uhr
Schauspielhaus
18.00 Uhr
Kammerspiele
17.00 Uhr
DIE L E T Z T E N Z E UGE N
Ein Projekt von Doron Rabinovici und Matthias Hartmann
Publikumsgespräch
Inszenierung
DE R AUF H A LT SA ME AUF S T IE G DE S A R T URO UI
Bertolt Brecht Regie Samuel Weiss
Einführung
Diskussion
E RINNE RN F ÜR DIE Z UK UNF T – M A R T IN WA L SE R UND
MIC HE L F RIE DM A N IM GE SP R ÄC H
Moderation Gert Scobel
L E BE N OHNE L IE BE – DIE Z E I T DA N AC H
Inge Deutschkron
Dienstag 10. Februar
19.30 Uhr
Schauspielhaus
Donnerstag 12. Februar
19.30 Uhr
Schauspielhaus
19.00 Uhr
20.00 Uhr
Kammerspiele
19.00 Uhr
Im Anschluss
Im Anschluss
20.00 Uhr
Kammerspiele
19.30 Uhr
L E BE N MI T AU SC H W I T Z – DA N AC H
Bernhard Pörksen
15.00 – 15.30 Uhr
DIE K UNS T, AU SC H W I T Z DA R Z U S T E L L E N
Inszenierung/Gastspiel Burgtheater Wien
18.00 Uhr
Schauspielhaus
Im Anschluss
Diskussion Wilhelm Heitmeyer
14.30 – 15.00 Uhr
MIT
Podiumsdiskussion mit Dani Levy, Volker März, Oliver Reese und Robert Schindel
Moderation Gert Scobel
Impulsvorträge und Diskussion
Der Vorverkauf beginnt am 10. Dezember.
Für die Veranstaltungen mit freiem Eintritt sind am Eingang Tickets erhältlich. Die Platzanzahl ist begrenzt.
T HE AT E R -W E RKS TAT T Z U »A NNE « F ÜR JUGE NDL IC HE
Inszenierung
DIE BL E C H T ROMME L
Günter Grass Regie Oliver Reese
Publikumsgespräch
Inszenierung
DIE BL E C H T ROMME L
Günter Grass Regie Oliver Reese
Einführung
Inszenierung Junges Schauspiel
A NNE
Projekt zu Anne Frank von Martina Droste Regie Martina Droste
Einführung
Publikumsgespräch
Lesung Jüdische Lyrikerinnen und Klezmer
A M F RE I TAG A BE ND BRE NN T DAS L IC H T...… Mit Verena Bukal und Ella Schwarzkopf Klarinette Roman Kupferschmidt
Inszenierung
L IQUIDAT ION Imre Kertész Regie Stephanie Mohr
Einführung
Inszenierung/Tanzgastspiel Hofesh Shechter Company, London
P OL I T IC A L MO T HE R
Choreografie/Musik Hofesh Shechter
Inszenierung
L IQUIDAT ION Imre Kertész Regie Stephanie Mohr
Einführung
Inszenierung/Tanzgastspiel Hofesh Shechter Company, London
P OL I T IC A L MO T HE R
Choreografie/Musik Hofesh Shechter
Inszenierung
DE R AUF H A LT SA ME AUF S T IE G DE S A R T URO UI
Bertolt Brecht Regie Samuel Weiss
Einführungsvortrag von Jan Knopf
DISK USSION
Freitag, 06.02.2015
19.30 Uhr
Schauspielhaus
Preis 8/6 €
Mit
Daniel Cohn-Bendit
Jutta Limbach
Harald Welzer
Christiane Woopen
Moderation
Michel Friedman,
Publizist und Philosoph
LEBEN
Volker März Arendt, Eichmann, Heidegger und Benjamin in Berlin 2006
MIT
AUSCHWITZ
ERÖFFNUNGSDISKUSSION MIT DANIEL COHN-BENDIT, JUT TA LIMBACH,
H A R ALD W EL ZER, CHRISTIANE WOOPEN
MODER ATION: MICHEL FRIEDM AN
A⁄
uschwitz ist zum Synonym für die Katastrophe geworden. Die Nazis haben die Todesmaschinerie mit bürokratischen Mitteln betrieben und den Massenmord hoch effizient
und diszipliniert durchgeführt. Die Eskalationsstufen der Stigmatisierung, Demütigung,
Quälerei bis hin zur Vergasung und Verwertung körperlicher Überreste offenbaren in ihrer
Obszönität und Grausamkeit menschliche Abgründe, die auch die Nachgeborenen nicht
wieder zu schließen vermögen. Die Folgen des Zivilisationsbruches wirken tief hinein in unser kollektives Gedächtnis und beeinflussen den Tenor gesellschaftlicher und politischer
Debatten.
06
Welche Funktion hat das gemeinsame Erinnern für die nationale Identität, für eine historische
Verantwortung und unsere ethischen Prämissen? Was unterscheidet das individuelle vom
kollektiven Gedächtnis? Welche Tabus, Vorurteile und Schuldgefühle prägen die öffentliche
Debatte? Ist die Angst vor dem Fremden ein allgemein menschliches Problem? Was können
wir aus Auschwitz lernen?
DANACH
Daniel Cohn-Bendit ist Politiker und Publizist. Seine jüdischen Eltern flohen vor den Nationalsozialisten nach Paris.
1968 wurde Cohn-Bendit prominenter Sprecher der Pariser Studentenbewegung. Nach seiner Ausweisung aus
Frankreich gehörte er in Deutschland bald zu den wichtigsten Vertretern des Realo-Flügels der Grünen. 1989
wurde er Dezernent für multikulturelle Angelegenheiten in
Frankfurt am Main. Von 1994 bis 2014 war er Mitglied des
Europäischen Parlaments. Als überzeugter Demokrat engagierte er sich für Freiheitsrechte und ein starkes Europa.
Jutta Limbach ist Rechtswissenschaftlerin. Sie war Professorin an der Freien Universität Berlin, Präsidentin des
Bundesverfassungsgerichts und Präsidentin des GoetheInstituts. Seit 2003 ist sie Vorsitzende der Limbach-Kommission, die sich als staatliche Institution mit Raubkunst und
deren Rückgabe an die Erben befasst. Das mit Auschwitz
verbundene Verantwortungsgefühl gehört für sie zur
Staatsraison der Bundesrepublik Deutschland.
Harald Welzer ist Soziologe und Sozialpsychologe. Er ist
Mitbegründer und Direktor der gemeinnützigen Stiftung
»Futurzwei« und Professor für Transformationsdesign an
der Universität Flensburg. Die Schwerpunkte seiner Forschung sind Erinnerung, Gruppengewalt und kulturwissenschaftliche Klimafolgenforschung. In seinen Büchern »Opa
war kein Nazi« und »Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden« setzt er sich mit der NSZeit aus sozialpsychologischer Sicht auseinander.
Christiane Woopen ist Medizinethikerin und Philosophin.
Sie ist Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, einem
Dialogforum und Beratungsgremium der Bundesregierung,
das sich mit ethischen Fragestellungen und gesellschaftlichen Entwicklungen auseinandersetzt. Gerade in der
Diskussion um Beschneidung, Sterbehilfe und Präimplantationsdiagnostik spielen historische Erfahrungen eine
bedeutende Rolle, lassen sie uns doch Fragen nach der
Toleranz sowie »wertem« und »unwertem« Leben unter anderen Vorzeichen beurteilen.
VORTR AG
DISK USSION
Samstag, 07.02.2015
11.00 Uhr
Samstag, 07.02.2015
12.00 Uhr
Chagallsaal
Eintritt frei
Chagallsaal
Eintritt frei
Von
Stefan Krankenhagen
Mit
Dani Levy
Volker März
Oliver Reese
Robert Schindel
KUNST,
AUSCHWITZ DARZUSTELLEN
DIE
HOLOCAUST
KUNST
ÄS T HE T ISCHE POSIT IONEN
Z W ISCHEN PROVOK AT ION,
IRONIE UND DOKUMENTAT ION
Moderation
Gert Scobel,
Autor, Journalist und
Redaktionsleiter der
Sendung »scobel«
DISKUSSION MIT DA NI LE V Y, VOLK ER M Ä RZ, OLI V ER REESE, ROBER T SCHINDEL
MODER AT ION: GER T SCOBEL
H⁄
VOR T R AG VON S T EFA N K R A NK ENH AGEN
M⁄
it seinem vielzitierten Satz »nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch«
hat Theodor W. Adorno eine Zäsur in der Auseinandersetzung mit dem Holocaust erwirkt, die zu gleichen Teilen auf die ästhetische und die gesellschaftliche Entwicklung
der Nachkriegszeit in Deutschland zielte. Seitdem ist es tatsächlich eine Kunst, Auschwitz
darzustellen. Mit Adorno wurde das Scheitern an der Repräsentationsaufgabe selbst zur
Form und das Motiv der Undarstellbarkeit wurde zum Leitfaden einer Kunst nach Auschwitz.
Dieser negativen Ästhetik sind die Darstellungen des Holocausts lange gefolgt. Sie finden
ihren immanenten Ausdruck in den sinnlosen Ritualen der Beckettschen Figuren, den »leeren« Bildern in Claude Lanzmanns Film »Shoah« und in der Architektur des Berliner Holocaust-Mahnmals. Erst Steven Spielberg und die musealen Inszenierungen des Holocaust
Memorial Museum in Washington entzogen sich Anfang der 90er Jahre jenem dominanten
»Kanon der Verbote« und behaupteten eine ungebrochene, gleichsam authentische Darstellung von Auschwitz. Flankiert durch die politischen Umwälzungen in Europa und Deutschland hat sich die Kunst, Auschwitz darzustellen seit dieser Zeit diversifiziert, popularisiert
und vor allem: sie ist um ein Vielfaches mehr geworden. Es war (und ist) vor allem die Quantität der Darstellungen des Holocausts, die ein allgemeines Unbehagen hervorrief und auch
in Deutschland für eine breite Debatte sorgte, in deren Kontext von einer »Instrumentalisierung des Leidens« die Rede war, über »Moralkeulen« und »die Holocaustindustrie« geklagt
wurde. Doch auch jene Debatten sind nun schon über ein Jahrzehnt her und die Frage ist, ob
»Auschwitz« noch eine Frage oder sogar eine Forderung an die Kunst stellt?
08
Stefan Krankenhagen, Professor für Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim,
deutet die massenmediale Vermittlung der Shoah als »zeitbedingten Ausdruck dafür, dass
Auschwitz vergessen wird«. In seinem Vortrag zeichnet er die 50jährige künstlerische Auseinandersetzung nach und fragt, welchen ästhetischen Anforderungen die Darstellungen des
Holocausts heute genügen müssen.
olocaust-Literatur wird häufig wie eine spannende Story konsumiert. Und in Spielfilmen wird der Zuschauer mit der immer gleichen moralischen Haltung konfrontiert.
Doch wie können Literatur, Theater, Film und bildende Kunst an den altbewährten Beruhigungs- und Wahrnehmungsstrategien rühren und eine wahrhaftige Auseinandersetzung
sowie ein emotionales Erleben bewirken? Wie viel Provokation und Ironie ist im künstlerischen Umgang mit den schwersten Verbrechen gegen die Menschlichkeit erlaubt? Und welche ästhetischen Formen werden der gesellschaftlichen und kulturellen Situation nach
Auschwitz gerecht?
Dani Levy ist ein Schweizer Drehbuchautor, Schauspieler und Regisseur. In seinen Filmen
»Mein Führer«, »Alles auf Zucker« und »Meschugge« setzt er sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und dem jüdischen Leben in Deutschland nach 1945 auseinander.
Levy stört mit seinem irritierenden Humor den allgemeinen Konsens, zeigt Gegenpositionen
und Reibungen auf und schreibt ihm damit eine gesellschaftsverändernde Kraft zu.
Volker März ist ein bildender Künstler, der den moralischen Spielraum im Umgang mit dem
Holocaust immer wieder neu auslotet. An Passanten teilt er Auschwitzpillen aus und stimmt
dazu Songs an, mit riesigen Radiergummis reist er durch Deutschland, um das Vergessen
auszuradieren und mit dem Schriftzug »Auschwitz ist menschlich« provoziert er Skandale.
Dabei hinterfragt er die Größenverhältnisse zwischen der besitzergreifenden Vergangenheit
und unserer Gegenwart.
Oliver Reese ist Intendant und Regisseur. In seinen Stücken »Emmy Göring an der Seite ihres Mannes« und »Goebbels« verwendet er autobiografisches und historisches Material und
entlarvt mittels der Montage und Collage eine Mentalität, die bis zuletzt auf Lüge baut. Am
Theater Basel inszenierte er Peter Weiss’ »Meine Ortschaft« als imaginierten Weg durch das
verlassene, verfallende Lager Auschwitz.
Robert Schindel ist Schriftsteller und eine der interessantesten Figuren der österreichischen
Nachkriegsliteratur. Sein Vater wurde in Dachau ermordet, seine Mutter überlebte
Auschwitz. Die Shoah und die unaufgearbeitete Vergangenheit spielen in Schindels Werk
eine zentrale Rolle. In seinen Romanen »Gebürtig« und »Der Kalte« beschreibt er die Befangenheit, die wie eine gläserne Wand Juden und Nichtjuden, Überlebende und Nachgeborene trennt.
09
VORTR AG
UND
DISK USSION
Samstag, 07.02.2015
14.00 – 16.00 Uhr
Chagallsaal
Eintritt frei
Mit
Wilhelm Heitmeyer
Bernhard Pörksen
Mihran Dabag
Moderation
Jan Tussing,
ARD-Korrespondent
und Kulturredakteur bei
hr-iNFO
ESK AL ATION
DER GE WALT – HEUTE
IMPULSVOR T R ÄGE VON W ILHELM HEIT ME Y ER, BERNH A RD PÖRKSEN,
MIHR A N DA BAG / IM A NSCHLUSS PUBLIKUMSDISKUSSION
MODER AT ION: JA N T USSING
14.00 – 14.30 Uhr
Menschenfeindlichkeit und Gewalt
Mit Wilhelm Heitmeyer
In unserer Gesellschaft ist die Vorstellung von der Gleichwertigkeit der Menschen und der
körperlichen Unversehrtheit offenbar keine Selbstverständlichkeit mehr. Schon gar nicht in
Zeiten ökonomischer Krisen, mit denen Ängste vor Desintegration und sozialem Abstieg
einhergehen. Abwertungen und Diskriminierungen vollziehen sich deshalb auch in der Mitte
der Gesellschaft – also unter »uns« Etablierten. Sie liefern rechten Gruppierungen gefährliche Legitimationen, dienen der Mobilisierung gegen schwächere Gruppen und schließlich
der Rechtfertigung von Gewalt.
Wilhelm Heitmeyer, Sozialwissenschaftler und ehemaliger Direktor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld, hat u.a. über zehn Jahre mit
seiner Forschungsgruppe die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen Veränderungen
und der Entwicklung von Abwertungen und Ausgrenzungen – der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit – untersucht und in den zehn Bänden »Deutsche Zustände« (Suhrkamp)
veröffentlicht.
14.30 – 15.00 Uhr
Bilder des Bösen
Mit Bernhard Pörksen
Wie wird aus dem anderen Menschen ein Gegner? Wie werden Ideologien und Feindbilder
konstruiert? Bernhard Pörksen hat zahlreiche Pamphlete, Zeitschriften und Flugblätter neonazistischer Gruppierungen analysiert. In seinem Vortrag zeigt er auf, wie durch die Verwendung bestimmter Metaphern und Analogien ein fremdenfeindliches und identitätsstiftendes
Weltbild entsteht. Dabei sensibilisiert Pörksen auch das Gehör. Haben doch viele Bilder
längst Eingang in unseren normalen Sprachgebrauch gefunden, ob von »Asylantenflut« oder
dem »parasitären Verhalten« der Leistungsempfänger die Rede ist.
Bernhard Pörksen ist Direktor des Instituts für Medienwissenschaften an der Universität
Tübingen. Er analysiert Inszenierungsstile in Politik und Medien und ist ein viel gefragter
Interviewpartner in Funk und Fernsehen.
15.00 – 15.30 Uhr
Sind Genozide vergleichbar?
Mit Mihran Dabag
Ob Ruanda, Srebrenica oder Tikrit: Völkermord, Vertreibung, ethnische Gewalt und Massaker sind weiterhin Teil der täglichen Nachrichten. Versagt die heutige Gesellschaft also bei
der Aufgabe, die der Nationalsozialismus uns hinterlassen hat, nämlich bei der Verpflichtung
an das »Nie wieder«? So unterschiedlich Genozide auch jeweils verlaufen, sie werden doch
stets über Stufen der Ausgrenzung, Stigmatisierung und Entrechtung realisiert. Die ersten
Gefahrenzeichen werden von der Staatengemeinschaft dabei häufig verkannt oder ignoriert.
Doch gibt es überhaupt universelle Strukturen, die genozidale Gewalt vorhersehbar machen? Und ändern diese sich in einer vernetzten und globalisierten Welt?
010
Mihran Dabag ist Direktor des Instituts für Diaspora- und Genozidforschung der Ruhr-Universität Bochum. Er hat zahlreiche Bücher über Gewalt, Genozid, Erinnerungskultur und
Gedächtnis veröffentlicht und ist Herausgeber der »Zeitschrift für Genozidforschung«.
Jehuda Bacon Feder in Tusche laviert auf Papier, 27 x 20,5 cm
0 11
AUSSTELLUNG
06. – 15.02.2015
Chagallsaal
Eintritt frei
Von
Jehuda Bacon
J⁄
VORTR AG
ehuda Bacon wird 1929 in Ostrau/Ostrava im heutigen Tschechien geboren. Mit 13
Jahren wird er nach Theresienstadt deportiert. Er überlebt Auschwitz, Mauthausen
und zwei Todesmärsche. 1946 wandert er nach Palästina aus. Im Malen, Zeichnen und
Skizzieren findet er das richtige Medium, um sich mit seiner traumatischen Biografie auseinanderzusetzen. Seine Bilder und Aussagen werden im Eichmann-Prozess, dem Frankfurter
Auschwitz-Prozess und dem Verfahren gegen den Holocaustleugner David Irving als Beweismaterial herangezogen. 1959 erhält Jehuda Bacon einen Ruf als Professor für Grafik
und Zeichnen an die Bezalel-Kunstakademie, an der er bis zu seiner Emeritierung 1994
lehrt. Internationale Ausstellungen führen ihn nach Washington, New York, Prag, Berlin und
London.
Jehuda Bacons Bilder werden während der Thementage im Chagallsaal ausgestellt.
»Jehuda Bacons Kunst vereint zweierlei: zum einen die zeitgenössische künstlerische Ästhetik mit ihrer Vielgestaltigkeit und stilistischen Variation; zum anderen die dramatischen Ereignisse der jüngsten jüdischen Geschichte. […] Letztlich ist Jehuda Bacons Kunst die Bestätigung, Bejahung einer umfassenden spirituellen Realität in der Sprache der zeitgenössischen
Kunst.« Prof. M.L. Mendelsohn
Samstag, 07.02.2015
16.30 – 17.30 Uhr
Chagallsaal
Eintritt frei
Mit
Trude Simonsohn
JEHUDA BACON
AUSSTELLUNG
Jehuda Bacon Feder in Tusche auf Papier, 13,5 x 21,5 cm
WARUM
HABE
ICH
ÜBERLEBT?
VOR T R AG VON T RUDE SIMONSOHN
T⁄
rude Simonsohn, 1921 in Olmutz/Mahren in der Tschechoslowakei geboren, erlebte
bereits als Schülerin rassistische Anfeindungen. Nach dem Einmarsch der Deutschen
wurde ihr schließlich die Berufsausbildung verwehrt. Ihr Vater wurde im September
1939 festgenommen, nach Buchenwald verschleppt und später in Dachau ermordet. Im Zuge des Attentats auf Reinhard Heydrich wurde auch Trude Simonsohn im Mai 1942 verhaftet
und ins Gefängnis gebracht. »Ich dachte: Das ist die Endstation. Ich weiß nicht, wie lange ich
mit dem Gesicht zur Wand stehen musste. Man verliert das Zeitgefühl, wenn man ganz sicher annimmt, erschossen zu werden.« Nach einigen Monaten qualvoller Einzelhaft wurde sie
nach Theresienstadt deportiert. Dort traf sie ihre Mutter wieder und lernte ihren Mann, den
Sozialpädagogen und Juristen Berthold Simonsohn kennen. Sowohl Trude Simonsohn
selbst als auch ihre Mutter und ihr Mann wurden 1944 nach Auschwitz verschleppt. Simonsohn trat den Todesmarsch nach Westen an, floh, wurde entdeckt und in das Außenlager
Gros-Rosen gebracht. Das Ehepaar Simonsohn überlebte den Holocaust, verlor aber fast
alle Angehörigen. Nach dem Krieg engagierte sich Simonsohn für die Schweizer Flüchtlingshilfe und kümmerte sich um traumatisierte Waisenkinder. 1950 zog sie nach Hamburg und
1955 nach Frankfurt am Main. Sie wurde Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde und
arbeitete als Sozialarbeiterin und Erziehungsberaterin. Über ihre Erlebnisse hat sie zusammen mit Elisabeth Abendroth ein Buch geschrieben. »Als Zeitzeugin werde ich oft gefragt,
was man jungen Menschen raten soll. Dann sage ich immer: Lernt, nein zu sagen. Das ist
nicht immer einfach, aber es geht nur in der Demokratie. In der Diktatur geht es dann nicht
mehr.«
012
Jehuda Bacon Feder in Tusche laviert auf Papier, 27,5 x 21,5 cm
013
ERBEN
DER
SHOAH
GENER AT IONENDISKURS
Z W ISCHEN N ACHKOMMEN
DER OPFER UND TÄT ER
DISK USSION
Samstag, 07.02.2015
18.00 – 19.30 Uhr
Chagallsaal
Eintritt frei
Mit
Niklas Frank
Michel Friedman
Katrin Himmler
Channah Trzebiner
Moderation
Peter Lückemeier,
Ressortleiter bei der FAZ
DISKUSSION MIT NIKL AS FRANK, MICHEL FRIEDMAN, K ATRIN HIMMLER,
CHANNAH TRZEBINER
MODERATION: PE TER LÜCKEMEIER
»⁄
Wer der Folter erlag, kann nicht wieder heimisch werden in der Welt. Die Schmach der
Vernichtung lässt sich nicht austilgen« schreibt der Auschwitz-Überlebende und Philosoph Jean Améry. Selbst die Kinder und Enkel der Überlebenden vermögen die Gedächtnisspuren nicht zu löschen. Der Verlust, die Entwürdigung und das zerbrochene Weltvertrauen tradieren Reaktionen und Verhaltensmuster, die häufig innerhalb der Familie
weitergegeben werden.
Ein schweres Erbe lastet auch auf den Kindern und Enkeln der Täter. Der Bruch mit den Eltern mag entschulden; das Dilemma, sich zwischen Liebe und Verachtung gegenüber dem
Vater bzw. Mörder emotional verorten zu müssen, löst er dabei nicht. Doch vielen Kindern
und Enkeln der zweiten und dritten Generation gelingt es inzwischen, selbstbestimmt zu leben. Sie sprechen offen über ihr Trauma, verarbeiten es in autobiografischen Aufzeichnungen oder erforschen die Familiengeschichte als Historiker und Soziologen.
Niklas Frank ist Journalist und Buchautor. Sein Vater Hans Frank war während des Zweiten
Weltkriegs Generalgouverneur von Polen und wesentlich verantwortlich für die Vernichtung
der Juden in den besetzten Gebieten. Niklas Frank schrieb eine Trilogie über die deutsche
Täterfamilie. 1987 veröffentlichte er »Der Vater: eine Abrechnung«. 2005 folgte das Buch
»Meine deutsche Mutter« und 2013 »Bruder Norman!«.
Jehuda Bacon Feder in Tusche laviert auf Papier, 27 x 20,5 cm
Michel Friedman ist Anwalt, Fernsehmoderator, Publizist und Philosoph. Seine Eltern wurden
von Oskar Schindler gerettet. Als kritische Instanz und Mahner treibt Friedman den NSAufarbeitungsprozess seit vielen Jahren aktiv voran. Sein autobiografischer Roman »Kaddisch vor Morgengrauen« handelt vom Schicksal einer Familie, die der Shoah, aber nicht ihren Alpträumen entkam.
Katrin Himmler ist Politikwissenschaftlerin und Autorin. Ihr Großvater war Ernst Himmler, der
Bruder des SS-Reichsführers Heinrich Himmler. Katrin Himmler veröffentlichte 2005 das
Buch »Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte« und 2014 »Himmler privat:
Briefe eines Massenmörders«. Sie ist mit einem israelischen Juden verheiratet, dessen Eltern
den Holocaust überlebten.
014
Channah Trzebiner ist Juristin und Autorin. Ihre Großeltern haben Auschwitz überlebt. In ihrem Buch »Die Enkelin« setzt sie sich intensiv mit den Erfahrungen der jüdischen Enkelgeneration auseinander. Das Gefühl, für die in Auschwitz umgekommenen Verwandten eine Leerstelle ausfüllen zu müssen, begleitet sie bis heute. Mit »Die Enkelin« hat sie das Schweigen
in der Familie gebrochen.
015
INSZENIERUNG
Gastspiel
Burgtheater Wien
Samstag, 07.02.2015
20.00 Uhr
Im Anschluss
Publikumsgespräch
DIE
Schauspielhaus
Preise 58/52/45/37/25 €
Schüler/Studenten 10 €
Das Gastspiel wird
ermöglicht mit freundlicher
Unterstützung von
ermöglicht durch
und
kulturfonds
frankfurtrheinmain
Marek und Ingrid Lieberberg
LETZTEN
ZEUGEN
Sonntag, 08.02.2015
18.00 Uhr
Im Anschluss
Publikumsgespräch
75 JAHRE NACH DEM NOVEMBERPOGROM 1938
EIN PROJEKT VON DORON RABINOVICI UND MAT THIAS HARTMANN
S⁄
echs Überlebende der Shoah sitzen schweigend hinter einem durchsichtigen Vorhang
auf der Bühne, ihre nur scheinbar regungslosen Gesichter werden auf die Leinwand
projiziert, während vier jüngere Schauspieler deren Lebens- und Leidensgeschichten
vorlesen. Die Frauen und Männer sind zwischen 80 und 100 Jahre alt. Wenn ihre Geschichte erzählt ist, treten sie nach vorne und sprechen eine sehr persönliche Botschaft. Nicht
gegen Vergangenes wenden sich die Zeitzeugen, sondern gegen das Fortwirken dessen,
was einst schon nach Auschwitz führte. Wer die Nachrichten verfolgt, weiß: Der Genozid ist
keineswegs Geschichte. Der Massenmord bleibt der Zerrspiegel unserer Zeit. Nichts anderes ist es, was die Überlebenden uns sagen, und sie bemühen sich, ihre Erfahrungen über
den eigenen Tod hinaus am Leben zu erhalten. Im zweiten Teil des Abends kann das Publikum in drei Räumen an jeweils zwei Zeitzeugen Fragen richten und mit ihnen in ein Gespräch
kommen.
Suzanne-Lucienne Rabinovici
»Die letzten Zeugen« ist ein eindringliches, aber auch fragiles (Theater-)Dokument. Es wurde
am 20. Oktober 2013 zum ersten Mal am Wiener Burgtheater gezeigt – 75 Jahre nach den
Novemberpogromen im Jahre 1938. Das Jahr 1938 bildet eine Zäsur, steht für eine neue
Dimension der Gewalt gegen Juden. Niemals zuvor oder danach wurde das staatliche Gewaltmonopol vor den Augen der ganzen Welt in die Hände einer antisemitischen, aufgehetzten Bevölkerung gelegt. »Die letzten Zeugen« wurden 2014 zum Theatertreffen nach Berlin
eingeladen.
Doron Rabinovici wurde 1961 in Tel Aviv geboren, lebt seit 1964 in Wien und ist mehrfach
ausgezeichneter Schriftsteller, Essayist und Historiker. Zeit seines Lebens setzt sich Rabinovici mit seiner vom Holocaust geprägten Vergangenheit auseinander – seine Eltern mussten
vor den Nationalsozialisten fliehen. Die Idee, Zeitzeugen auf die Bühne zu bringen, wurde von
Regisseur Matthias Hartmann an Rabinovici herangetragen, der daraufhin die Zeitzeugen
suchte.
Einrichtung Matthias Hartmann Bühne Volker Hintermeier Kostüme Lejla Ganic Video Moritz
Grewenig, Anna Bertsch, Florian Gruber, Markus Lubej Dramaturgie Andreas Erdmann Mit
den Zeitzeugen Lucia Heilmann, Vilma Neuwirth, Suzanne-Lucienne Rabinovici, Marko
Feingold, Rudolf Gelbhard, Ari Rath und den Schauspielern Mavie Hörbiger, Dörte
Lyssewski, Peter Knaack, Daniel Sträßer
Suzanne-Lucienne Rabinovici, Ari Rath, Vilma Neuwirth, Rudolf Gelbard, Lucia Heilman, Marko Feingold
Pressestimmen
»Ein kluger, großer, unverzichtbarer Abend.« der Standard.at
016
»Aller Respekt und Dank – Standing Ovations vom Publikum – gilt den Zeitzeugen, die einen
wertvollen Beweis von Gegenwart liefern.« Nachtkritik
0 17
I⁄
VORTR AG
Sonntag, 08.02.2015
13.00 Uhr
Chagallsaal
Eintritt frei
Von
Inge Deutschkron
LEBEN
OHNE
LIEBE
– DIE ZEIT DANACH
n den Straßen von Chicago herrschen Angst, Geldnot und Perspektivlosigkeit. Die Geschäfte des Karfiol-Trusts gehen schlecht. Den Gemüsehändlern ist darum jedes Mittel
recht, um die stagnierenden Umsätze wieder anzukurbeln. Gerade in Zeiten der Krise ist
Moral ein Luxus, den sich kein Geschäftsmann leisten kann und will. Für den angeschlagenen Karfiol-Trust scheint darum der Gangsterchef Arturo Ui genau die richtige Adresse zu
sein, um den Handel mit dessen Unterweltmethoden wieder zu beleben. Doch schnell wird
klar, dass sich der hilfsbereite Ui an keine Abmachung halten will und nur bereit ist, nach
seinen eigenen Regeln zu spielen. Mit Einschüchterung, Erpressung und Gewalt bringt er
zunächst den Trust und schließlich sogar die ganze Stadt in seine Gewalt. Doch mit der
»Machtergreifung« in Chicago ist Ui noch lange nicht am Ende seines Wegs, seine Pläne
sind weitaus größer.
Mit seiner Historienfarce zeichnet Brecht modellhaft den Aufstieg Adolf Hitlers zum Reichskanzler nach, den er eng verknüpft mit der Profitgier kapitalistischer Interessensvertreter.
Regie Samuel Weiss Bühne Ralph Zeger Kostüme Janina Brinkmann Musik Jan Christof
Scheibe Dramaturgie Michael Billenkamp Mit Linda Pöppel; Roland Bayer, Jan Breustedt,
Hanna Binder/Timo Fakhravar, Vincent Glander, Hanns Jörg Krumpholz, Max Mayer,
Christian Bo Salle, Meinolf Steiner
INSZENIERUNG
Sonntag, 08.02.2015
20.00 Uhr
19.30 Uhr Einführung
Sonntag, 15.02.2015
18.00 Uhr
17.00 Uhr Einführungsvortrag von Jan Knopf
Jan Knopf ist Autor und
Herausgeber der
wichtigsten Publikationen
zu Bertolt Brecht und gilt
als einer der führenden
Experten zum Leben und
Werk des Autors.
Kammerspiele
Preise 35/27/19 €
Schüler/Studenten 8 €
Pressestimme
»Große Schauspielerleistungen.« Frankfurter Neue Presse
BERTOLT BRECHT
VOR T R AG VON INGE DEU T SCHK RON
I⁄
nge Deutschkron wächst im Berlin der 20er Jahre auf. Wenige Tage, nachdem die
NSDAP an die Macht kommt, verkündet ihr die Mutter »Mein Kind. Du bist Jüdin«.
Deutschkron erlebt bald die Gängelungen einer immer grausamer werdenden Verfolgung. Während dem Vater kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs die Flucht nach England gelingt, müssen Inge Deutschkron und ihre Mutter als illegale Flüchtlinge von Versteck
zu Versteck fliehen. Zwischen 1941 und 1943 arbeitet Deutschkron in der Blindenwerkstatt
Otto Weidts. Dem Kleinfabrikanten gelingt es mit viel Mut und persönlichem Engagement,
seine jüdischen Arbeiterinnen und Arbeiter vor Verfolgung und Deportation zu schützen.
Nach dem Krieg studiert Deutschkron in England Fremdsprachen, sie arbeitet zunächst als
Sekretärin bei der Sozialistischen Internationalen und später in Bonn als Journalistin für die
israelische Zeitung MAARIW. Zwischen 1972 und 1987 lebt sie in Tel Aviv als Korrespondentin. Ihre Autobiografie »Ich trug den gelben Stern« wird 1988 dramatisiert und unter dem
Titel »Ab heute heißt du Sarah« uraufgeführt. Im Zuge der Inszenierungsvorbereitungen zieht
sie wieder nach Berlin. Dort gründet sie 2006 die Inge Deutschkron Stiftung, mit der sie
jungen Menschen die Geschichte des Nationalsozialismus im Dialog lebendig vermitteln und
über rechte Gefahren aufklären möchte. Als Vorsitzende des von ihr initiierten Förderkreises
»Blindes Vertrauen e.V.« versucht sie, die Erinnerungen an Otto Weidt und andere »Stille
Helden« wach zu halten. In Frankfurt wird Inge Deutschkron aus ihrem bewegten, bewegenden und von der Wahrheit besessenen Leben erzählen.
018
»Ich war wie besessen von der Idee, dass Vergleichbares nie wieder geschehen dürfe. Dass
andere Menschen das Recht auf Leben streitig machen könnten – ganz gleich welcher Hautfarbe, welcher Religion, welcher politischen Einstellungen, nicht hier und nicht anderswo.
Und um dieses Zieles wegen gilt es, die Wahrheit zu wissen, die ganze Wahrheit. Denn solange die Frage Rätsel aufgibt, wie konnte das Fürchterliche geschehen, ist die Gefahr nicht
gebannt, dass Verbrechen ähnlicher Art die Menschheit erneut heimsuchen.«
Inge Deutschkron
Max Mayer Arturo Ui
019
DISK USSION
Dienstag, 10.02.2015
19.30 Uhr
Schauspielhaus
Preise 16/8 €
Mit
Martin Walser
Michel Friedman
ERINNERN
» DAS HABE
SAGT MEIN
ICH
GETHAN « ,
FÜR DIE
GEDÄCHTNIS
»DAS K ANN ICH NICHT GETHAN HABEN«,
SAGT MEIN STOL Z UND BLEIBT UNERBITTLICH.
ENDLICH – GIBT DAS GEDÄCHTNIS NACH.
FRIEDRICH NIETZSCHE
ZUKUNFT
Moderation
Gert Scobel,
Autor, Journalist und
Redaktionsleiter der
Sendung »scobel«
M A R T IN WA LSER UND MICHEL FRIEDM A N IM GESPR ÄCH
MODER AT ION: GER T SCOBEL
D⁄
ie Aufarbeitung der NS-Vergangenheit war von Anbeginn ein dialektischer Prozess.
Während Täter und Mitläufer im Schweigen und Vergessen eine Chance zur Rehabilitierung und Läuterung sahen, brandmarkten Opfer die Verdrängung als Beginn der
»Zweiten Schuld«. Erst die Nachgeborenen vermochten einen offenen Diskurs über das Geschehene zu führen. Doch auch dieser war von unterschiedlichen Interessen und Gegensätzen geprägt, nämlich vom Widerspruch zwischen nationalem Gedächtnis und persönlicher
Erinnerung, von der Ambivalenz gesellschaftlicher Verantwortung und privater Gefühle.
Die Erinnerung spiegelt immer die Gegenwart wider. Sie kann identitätsstiftend und versöhnlich wirken. Sie kann aber auch zur Sublimierung von Schuldgefühlen führen sowie
Hass und Ressentiments schüren. Der Dialog, die dialektische Suche nach der richtigen
Form des Gedenkens, wirkt dabei läuternd und klärend. Der Streit um legitime moralische
Positionen ist indes Teil des demokratischen Selbstverständnisses. Martin Walser und
Michel Friedman sind zwei prominente Vertreter der beiden konträren Haltungen: Während
der Schriftsteller ein persönliches, »tendenzloses Bekenntnis« abgeben und niemanden
»überzeugen und belehren« möchte, geht es dem Moderator und ehemaligen Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden darum, die öffentliche Rolle Deutschlands und die Verantwortung jedes Einzelnen zu hinterfragen und einzufordern.
020
Beide haben sich in die Debatten um die NS-Verbrechen eingemischt, sie kommentiert und
vorangetrieben. Und manchmal sind sie dabei mit ihrer unterschiedlichen Sichtweise heftig
aneinander geraten. Im Jahr 2015 suchen sie in Frankfurt nun das Gespräch. Gilt es doch
herauszufinden, wie man zukünftig gedenken soll, wenn es bald keine Zeitzeugen mehr gibt
und persönliche Erinnerungen versiegen. Denn darin sind sich die beiden streitbaren Denker
einig: Der Holocaust darf niemals vergessen werden. Das Wissen um die Verbrechen soll
auch künftige Generationen mahnen und sie vor der Wiederholung von Auschwitz bewahren.
021
INSZENIERUNG
Mittwoch, 11.02.2015
19.30 Uhr
Im Anschluss
Publikumsgespräch
Donnerstag, 12.02.2015
19.30 Uhr
19.00 Uhr Einführung
Schauspielhaus
Preise 43/36/30/21/14 €
Schüler/Studenten 8 €
GÜNTER GRASS
M⁄
it Oskar Matzerath schuf Günter Grass eine Kunstfigur, die bereits bei ihrer Geburt
im Jahre 1924 – nach eigenen Angaben geistig vollends ausgereift – die Welt als
universales Desaster erkennt und ablehnt. Einzig die von Oskars Mutter versprochene Blechtrommel, die er zu seinem dritten Geburtstag erhalten soll, eröffnet ihm eine akzeptable Überlebensperspektive: die Existenzform als Trommler mit – wie sich später herausstellt – der Fähigkeit, Glas zu zersingen, ein Künstlerdasein mit durchaus ambivalenten
Motivationen und Wirkungen. So beschließt Oskar im Jahre 1927, nicht mehr zu wachsen,
sondern eigensinnig in der Position eines dreimalklugen Kindes zu verharren, zu trommeln
und zu schreien – und zu beobachten. Aus der Froschperspektive schildert er das Aufziehen
des faschistischen Denkens und Handelns, berichtet von Ehebruch und Pogromnacht, verknüpft Privatgeschichte mit Zeitgeschichte. Er ist Zeuge, zugleich Außenseiter wie Beteiligter einer Welt, in welcher ein Zivilisationsbruch wie der Holocaust möglich ist.
Nicht schuldig, aber verantwortlich für das Grauen, das in deutschem Namen begangen
wurde, hat Günter Grass sich zeitlebens gefühlt. »Die Blechtrommel« ist auch ein Versuch,
die Mechanismen der eigenen Verführung durchsichtig zu machen und im Bewusstsein zu
halten.
Regisseur Oliver Reese konzentriert sich in seiner auf einen Schauspieler zugeschnittenen
Fassung ganz auf die Perspektive dieser widersprüchlichen Figur Oskar Matzerath: Verführer und Verführter, Mahner und Mitläufer, Drückeberger und Rebell.
022
Regie Oliver Reese Bühne Daniel Wollenzin Kostüme Laura Krack Soundscape Parviz
Mir-Ali Dramaturgie Sibylle Baschung Mit Nico Holonics
023
Projekt zu Anne Frank von Martina Droste nach Motiven aus dem Stück »Anne« von Leon de
Winter und Jessica Durlacher und Tagebuchtexten von Anne Frank.
»Die Sonne scheint, der Himmel ist tiefblau, es weht ein herrlicher Wind,
und ich sehne mich so, sehne mich so nach allem...«
In der Gefangenschaft, dem Versteck, erkämpft sich eine kluge, sensible Jugendliche ein
Stück Freiheit, indem sie schreibt. 70 Jahre nach dem grausamen Tod von Anne Frank im
Konzentrationslager Bergen-Belsen setzen sich neun Jugendliche aus Frankfurt szenisch mit
dem Tagebuch der gebürtigen Frankfurterin auseinander.
Was entdecken Jugendliche heute in Anne Franks lebendiger und differenzierter Schilderung, in ihren Beobachtungen der kleinen sozialen Zwangsgemeinschaft? Verändern die
feinfühligen und scharfsinnigen Reflexionen der 13- bis 15-Jährigen über das Erwachsenwerden unter den Bedingungen des menschenverachtenden nationalsozialistischen Systems die eigenen Entwürfe von Würde und Glück? Und welche Konsequenzen ergeben sich
daraus für uns selbst?
INSZENIERUNG
Donnerstag, 12.02.2015
20.00 Uhr
Kammerspiele
Preise 16/8 €
In Kooperation mit der
Regie Martina Droste Bühne Daniel Wollenzin Kostüme Janina Baldhuber, Raphaela Rose
Musik Chris Weinheimer Choreografie Ajda Tomazin Dramaturgie Meike Heitrich Mit Nina
Mohs, Jana Nieruch, Naomi Simeunovic, Mahalia Slisch; Peter Breidenich, Amir Homola,
Marius Huth, Valentin Teufel, Jakob Zeisberger
ANNE
JUNGES SCHAUSPIEL
Rahmenprogramm THE ATER-W ERKSTAT T FÜR JUGENDLICHE
In einer Theater-Werkstatt zu »Anne« können sich Jugendliche spielpraktisch gemeinsam mit
den jugendlichen Ensemblemitgliedern intensiver mit dem Thema auseinandersetzen.
Anmeldung unter theaterpaedagogik@schauspielfrankfurt.de
ALLES GESCHICHTE ?
Das Tagebuch der Anne Frank bietet Jugendlichen bis heute einen ersten Zugang zur Zeit des
Nationalsozialismus. Es war Grundlage für eine Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus und Antisemitismus innerhalb des jungen Ensembles. Während der Thementage werden
vor der Vorstellung von »Anne« Deborah Krieg, stellvertretende Direktorin der Bildungsstätte
Anne Frank, und Regisseurin Martina Droste die Aktualität der Texte von Anne Frank, den
Arbeitsprozess der Jugendlichen und die Entstehung der Inszenierung beschreiben.
Dienstag, 10.02.2015
18.00 – 21.00 Uhr
Donnerstag, 12.02.2015
19.00 Uhr
Im Anschluss an die Vorstellung lädt ein Inszenierungsgespräch mit den Experten der
Bildungsstätte Anne Frank und dem Jugendensemble zum Austausch mit dem Publikum ein.
024
In Kooperation mit der Bildungsstätte Anne Frank
025
INSZENIERUNG
Tanzgastspiel
Hofesh Shechter Company,
London
Samstag, 14.02.2015
19.30 Uhr
POLITICAL
Sonntag 15.02.2015
18.00 Uhr
MOTHER
Schauspielhaus
Preise 49/45/37/29/18 €
Schüler/Studenten 10 €
HOFESH SHECHTER COMPANY, LONDON
Tänzer der Hofesh Shechter Company, London
W
enn Worte im Umgang mit Themen wie Repression und Gewalt an die Grenzen des
Vermittelbaren kommen, welche Ausdrucksmöglichkeiten finden Körper, Bewegung
und Musik? Zum Abschluss der Thementage ist in Frankfurt erstmalig das atmosphärisch dichte und explosive Tanzstück von Hofesh Shechter in Gänze zu sehen: Ein Abend für
elf Tänzer und acht Musiker, ein verwirrendes Puzzle aus traurigen, amüsanten und schockierenden Szenen, eine surreale Bilder-Kette von zwischenmenschlichen Begegnungen.
026
»Political Mother« erzählt von Menschen, ihren Gefühlen und Erfahrungen im Umgang mit
Unterdrückungsmechanismen und Zwangssituationen. Repression und Freiheit, Agonie und
Ekstase, Totalitarismus und Geborgenheit gehen dabei unvermittelt ineinander über. Dies
alles nur als eine scharfe Kritik an totalitären Systemen und ihren subtilen Methoden der
Repression zu interpretieren, wäre allerdings zu kurz gedacht. Hofesh Shechter geht es viel
allgemeiner um die Mittel, mit denen Staat und Gesellschaft, ganz gleich in welchem
politischen System, operieren. Von den Zwängen des modernen Lebens spricht er, nicht
speziell von solchen in einer Diktatur. Nicht nur durch Gewalt und totalitäre Gesetze, auch
durch Werbung, Politik und ganz gewöhnliche staatliche Reglementierung werden Menschen indoktriniert und zu funktionierenden Mitgliedern eines Systems gemacht.
Der israelisch-britische Choreograf und Komponist Hofesh
Shechter ist gelernter Schlagzeuger und Tänzer. Mit »Uprising/In your rooms« gelingt ihm 2006 der internationale
Durchbruch. In seinen Produktionen lässt er hochenergetischen Tanz auf kraftvolle Live-Musik treffen. Das Ergebnis
sind Gesamtkunstwerke, die durch eine geradezu magische Intensität, präzise Gruppenchoreografien, überbordenden Sound und raumgreifende Bilder bestechen.
Choreografie/Musik Hofesh Shechter Musikalische Mitarbeit Nell Catchpole, Yaron Engler Arrangements Perkussion Hofesh Shechter, Yaron Engler Zusätzliche Musik von
J.S. Bach, Cliff Martinez, Joni Mitchell, Giuseppe Verdi
Lichtdesign Lee Curran Kostüme Merle Hensel Tanz und
Live-Musik Hofesh Shechter Company
Pressestimme
»Mit Political Mother kehrt Shechter zu seinem bezeichnendsten Thema zurück und rätselt über die Mechanismen
von Staat und Gesellschaft. Sein Fokus liegt hierbei jedoch
auf den Möglichkeiten, wie die Ideale von Kameradschaft,
Pflicht und Dienst von einer unterdrückenden Macht angeeignet und brutalisiert werden können. […] Shechter hat ein
Werk von aufschreckender, herausfordernder Kraft geschaffen.« The Guardian
INSZENIERUNG
Freitag, 13.02.2015
20.00 Uhr
19.30 Uhr Einführung
LIQUIDATION
LESUNG
IMRE KERTÉSZ
Freitag, 13.02.2015
19.30 Uhr
Panorama Bar
Eintritt frei
Samstag, 14.02.2015
20.00 Uhr
19.30 Uhr Einführung
Mit
Verena Bukal
Ella Schwarzkopf
Kammerspiele
Preise 30/22/16 €
Schüler/Studenten 8 €
AM
FREITAG ABEND
Klarinette
Roman Kupferschmidt
BRENNT
DAS
LICHT...
Liquidation Wolfgang Michael, Till Weinheimer
D⁄
er ungarische Schriftsteller B. wurde 1944 in Auschwitz geboren und als »einmalige
Betriebspanne« hatte er zunächst das Grauen des Nationalsozialismus, danach die
Verfolgung des Stalinismus überlebt. Erst die Wende 1990 ließ Bé. endgültig vor dem
eigenen Leben kapitulieren. Seinem Freund und Lektor Keseru˝ hinterlässt er jedoch ein Theaterstück, das Szene für Szene die Wirklichkeit nach Bés Freitod vorwegnimmt. Fasziniert und
erschrocken zugleich lebt Keseru˝ das Leben nach, das ihm sein Freund vorgezeichnet hat.
Keseru˝ identifiziert sich so sehr mit seinem theatralen Ich, dass er glaubt, mit Ende des Theaterstücks sei auch seine eigene Geschichte zu Ende. Keseru˝ fühlt sich schuldig, weil er
noch am Leben ist, sein Freund Bé aber Selbstmord begangen hat. Ihn quält die Frage, ob
er überhaupt weiterleben darf, nachdem der Vorhang seiner eigenen Geschichte bereits
gefallen ist.
Imre Kertész’ »Liquidation« ist ein Roman über das Leben nach dem Überleben, ein Roman
über Auschwitz ohne Auschwitz zu thematisieren, der in seiner Klarheit und Brillanz eine Art
Summe seines Werks darstellt.
Literaturnobelpreisträger Imre Kertész wurde am 9. November 1929 in Budapest geboren.
Als 14jähriger wurde er zunächst nach Auschwitz, später nach Buchenwald deportiert. 1975
veröffentlicht er mit »Roman eines Schicksallosen« einen »Jahrhundertroman« (Die Zeit), worin er seinen Aufenthalt in den Lagern aus der Perspektive eines staunenden Kindes schildert. Der Roman bildet den Beginn seiner »Tetralogie der Schicksallosigkeit«, die er mit »Fiasko« (1988) und »Kaddisch für ein nicht geborenes Kind« (1990) fortsetzte und 2003 mit
»Liquidation« abschloss.
028
Regie Stephanie Mohr Bühne Miriam Busch Kostüme Nini von Selzam Musik Wolfgang
Schlögl Dramaturgie Michael Billenkamp Mit Sabine Waibel; Wolfgang Michael, Till
Weinheimer
JÜDISCHE LYRIKERINNEN UND KLE ZMER
D⁄
ie Schauspielerinnen Verena Bukal und Elena Schwarzkopf stellen Leben und Werk
bekannter und weniger bekannter Lyrikerinnen vor: darunter das von Rose Ausländer,
Selma Meerbaum-Eisinger, Hilde Domin, Nelly Sachs und Else-Lasker Schüler. Außer
der Schriftstellerin Selma Meerbaum-Eisinger haben alle die Shoah überlebt. In ihren
Gedichten beschäftigen sie sich mit Verfolgung und Flucht, mit dem Leben und Überleben,
das nicht selten zum Fluch wurde. Der Tod, der millionenfache Mord, war ihnen stets gegenwärtig.
Mit der Klarinette entführt Roman Kupferschmidt den Zuhörer in die jüdisch-europäische
Klangwelt, die voller Wärme, Melancholie, Zartheit und Lebensfreude ist.
Verena Bukal studierte Schauspiel an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in
Graz. Vor ihrem aktuellen Engagement am Schauspiel Frankfurt war sie am Theater Oberhausen, am Theater Bonn und am Staatstheater Mainz tätig.
Ella Schwarzkopf besuchte 1980 eine Schauspielakademie in Moskau. Nach einer Weiterbildung in Ulm und München folgte 1990 die Übersiedlung in die BRD. Seit 1998 arbeitet sie
am Staatstheater Mainz.
Roman Kuperschmidt studierte Klarinette am Russischen Staatskonservatorium sowie in
Karlsruhe bei Prof. Wolfgang Meyer und später bei Prof. Peter Löffler-Asal an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main. Er konzertiert als Solo-Klarinettist in
ganz Europa, den USA, Israel und dem Libanon.
029
IMPRESSUM
Die Thementage »Leben mit Auschwitz – danach«
werden ermöglicht durch
Herausgeber
Schauspiel Frankfurt
Intendant
Oliver Reese
Kuratorin
der Vorträge und
Diskussionsveranstaltungen
Veronika Breuning
Marek und Ingrid Lieberberg
ermöglicht durch
Redaktion
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Dramaturgie,
Künstlerisches
Betriebsbüro,
Marketing und Vertrieb
Das Gastspiel »Die letzten Zeugen« wird
ermöglicht mit freundlicher Unterstützung von
und
Konzept und Design
Double Standards Berlin
Gestaltung
Mirjam Kremer
Fotos
Birgit Hupfeld
(S. 19/23/24/28),
Till Janz & Hendrik
Schneider (Titel/S. 2),
Reinhard Maximilian
Werner (S. 17),
Gabriele Zucca (S. 26/27)
Werkabbildungen
Volker März, Jehuda Bacon
Druck
Druckerei Hassmüller
Graphische Betriebe
Schauspiel Frankfurt
Neue Mainzer Straße 17
60311 Frankfurt am Main
Schauspiel Frankfurt ist eine
Sparte der Städtische Bühnen
Frankfurt am Main GmbH
Geschäftsführer: Bernd Fülle,
Bernd Loebe, Oliver Reese
Aufsichtsratsvorsitzender:
Prof. Dr. Felix Semmelroth
HRB-Nr. 52240 beim
Amtsgericht Frankfurt am Main,
Steuernummer: 047 250 38165.
030
kulturfonds
frankfurtrheinmain
Redaktionsleitung
Veronika Breuning
»WER IN DER HÖLLE
DASS ES ZUM
GUTEN
WAR,
WEISS,
KEINE
ALTERNATIVE GIBT.«
JEHUDA BACON
W W W. S C H AU S P IE L F R A NK F U R T.DE
K A R TENTELEFON 069.2 12.49.49.4
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