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Chancen und Risiken von MiFID II im Wertpapiergeschäft

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14
Ausgabe 01/2015
Finanzmarktregulierung
Chancen und Risiken von MiFID II
im Wertpapiergeschäft
Wertpapierfirmen droht ein böses Erwachen, wenn die Vorgaben der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID II) im ersten Quartal 2017 in Kraft treten. Denn die neue Finanzmarktrichtlinie modifiziert Marktstrukturen und bringt wesentliche Veränderungen für das Wertpapiergeschäft der Kreditinstitute mit sich.
Gründe dafür sind unter anderem die Anforderungen im Bereich der Markttransparenz sowie an das Risikomanagement beim Produktvertrieb.
Banken und Sparkassen derzeit beschäftigen. Danach befragt, welche Konsequenzen MiFID II hat, sehen die Verantwortlichen in erster Linie den Aufwand zur Anpassung der Systeme (98 Prozent) und die
Erhöhung der laufenden Kosten (96 Prozent). Dies zeigt: MiFID II erscheint in
erster Linie als Pflicht, die es zu erfüllen
gilt.
Beispiel im Bereich der Kundenkategorisierung oder im außerbörslichen Handel.
Zwei Jahre vor dem Inkrafttreten der
neuen Vorschriften herrscht bei den Verantwortlichen deshalb scheinbar eine Art
routinierte Sorglosigkeit. Dies zeigt die
Studie „MiFID II Readiness“ des Softwareund Beratungshauses PPI AG, für die 50
MiFID-II-Verantwortliche in deutschen
Kreditinstituten zum Stand der Umsetzung der neuen Finanzmarktrichtlinie befragt wurden. Demnach hat erst jedes vierte Institut mit der Umsetzung von MiFID
II begonnen. Ein Grund für diese Zurückhaltung dürfte eine gewisse Regulierungsmüdigkeit sein angesichts der vielen Gesetzgebungen und Verordnungen, die
Kontinuierliche Risikoüberprüfung
Diese Sorglosigkeit ist gefährlich. Denn
wer genau hinsieht, erkennt, dass die Auswirkungen von MiFID II deutlich umfangreicher sind als zuvor. Die neuen regulatorischen Vorgaben greifen viel stärker in die
Einfluss von MiFID auf Prozesse, Operations und IT
Handelsplätze
OTC-Handel
Organisierte Handelssysteme (OTF)
Systematische Internalisierer
Multilaterale Handelssysteme (MTF)
Geregelte Märkte
Kundenberatung
Zentrale
Regulierungsinhalte
G
erade einmal sieben Jahre ist es her,
als mit MiFID die erste Richtlinie
über Märkte für Finanzinstrumente (RL
2004/39/EG) in Kraft getreten ist. Nun
sind die zweite Auflage der Richtlinie (RL
2014/65/EU) sowie eine neue Verordnung
„Markets in Financial Instruments Regulation“ (MiFIR) veröffentlicht worden –
zusammenfassend im Folgenden als MiFID II bezeichnet. Die Neufassung der
MiFID beinhaltet Anpassungen des Marktstrukturrahmens, eine bessere Corporate
Governance, erweiterte organisatorische
Anforderungen und Anlegerschutzregelungen. Um die Transparenz zu erhöhen
und die Funktionsweise der Märkte für
Finanzinstrumente im europäischen Binnenmarkt zu verbessern, wird das neue
Rahmenwerk für die Transparenz von
Transaktionen in Finanzinstrumenten innerhalb der Verordnung (MiFIR) geregelt.
Dies gewährleistet europaweit einheitliche
Regeln.
Beide Titel sollen ab dem 3. Januar 2017
Geltung entfalten, sofern aufgrund von
Übergangsbestimmungen nicht ein späteres Datum ausdrücklich vorgesehen ist
oder zum Beispiel im Fall der in Artikel 55
MiFIR genannten Bestimmungen (überwiegend Ermächtigungsgrundlagen für
ESMA zur Vorbereitung technischer Regulierungs- und Durchführungsstandards)
ein früheres Datum festgelegt wurde. Die
MiFIR ist als Verordnung in allen Teilen
verbindlich und wird als solche unmittelbar in jedem Mitgliedstaat gelten, ohne
weiteren Umsetzungsakt durch die Mitgliedstaaten.
Die Ziele haben sich gegenüber der ersten Fassung der Finanzmarktrichtlinie
nicht geändert: Die Finanzmärkte sollen
gezähmt und die Anleger geschützt werden. Entsprechend gering fallen auf den
ersten Blick die Unterschiede aus, zum
Best Execution
Pre-Trade-Transparenz
Post-Trade-Transparenz
Client Order Handling
Internalisierung
Meldewesen
neue MiFID-Anforderung
bestehende MiFID-Anforderung
*
Schuldverschreibungen, Exchange Traded Funds,
Zertifikate von Unternehmen
** Bonds und strukturierte Produkte mit Prospekt
Finanzinstrumente
t Abb. 01
15
Geschäftspraktiken der Institute ein, als
dies bisher der Fall gewesen ist. Eine allzu
leichtfertige und buchstabengetreue Umsetzung der Richtlinie könnte daher die
Wettbewerbsfähigkeit der Geldhäuser
nachhaltig beeinträchtigen (t Abb. 01).
Ein Beispiel dafür sind die Vorgaben bei
der Einführung neuer Produkte und
Dienstleistungen im Wertpapiergeschäft.
Die Finanzmarktrichtlinie umfasste diesbezüglich bisher ausschließlich Vorschriften für den Vertrieb von Produkten in
Form von Wohlverhaltensregeln. Kunden
sind beispielsweise in verständlicher Form
angemessene Informationen über Finanzinstrumente und vorgeschlagene Anlagestrategien zur Verfügung zu stellen, sodass
diese die Art und die Risiken der Wertpapierdienstleistungen verstehen und somit
auf informierter Grundlage Anlageentscheidungen treffen können.
Die überarbeitete Richtlinie geht nun
deutlich weiter und wendet sich vorrangig
an die Produzenten und Emittenten von
Finanzinstrumenten. Diese dürfen ihre
Produkte im Wertpapiergeschäft künftig
nur für eine bestimmte Kundengruppe
entwickeln und vertreiben, wie in Art. 16
Abs. 3 RL 2014/65/EU festgelegt ist:
„Eine Wertpapierfirma, die Finanzinstrumente zum Verkauf an Kunden konzipiert, hat ein Verfahren für die Genehmigung jedes einzelnen Finanzinstruments
und jeder wesentlichen Anpassung bestehender Finanzinstrumente zu unterhalten,
zu betreiben und zu überprüfen, bevor es
an Kunden vermarktet oder vertrieben
wird. In dem Produktgenehmigungsverfahren wird ein bestimmter Zielmarkt für
Endkunden innerhalb der jeweiligen Kundengattung für jedes Finanzinstrument
festgelegt und sichergestellt, dass alle einschlägigen Risiken für diesen bestimmten
Zielmarkt bewertet werden und dass die
beabsichtigte Vertriebsstrategie dem bestimmten Zielmarkt entspricht.“
Das gilt im Übrigen nicht nur für die
Produzenten von Finanzinstrumenten.
Auch Wertpapierfirmen, die Produkte Dritter anbieten oder empfehlen, müssen gemäß des oben genannten Absatzes Vorkehrungen treffen, „die Merkmale und den
bestimmten Zielmarkt jedes Finanzinstruments zu verstehen.“ Nach welchen Kriterien Zielmärkte definiert werden, erarbeitet derzeit die Europäische Wertpapier- und
Aufsichtsbehörde (ESMA). Auf Basis der
aktuellen Diskussions- und Konsultationspapiere soll die Festlegung des Zielmarkts
im Hinblick darauf erfolgen, ob sich das
Produkt mit den Bedürfnissen, Eigenschaften und Anlagezielen des Zielmarkts
vereinbaren lässt (Kompatibilitätstest). Der
Zielmarkt soll nicht nur bei der Erstkonzeption eines Produkts, sondern auch
dann definiert werden, wenn Produkte erheblich verändert werden. Auch nach der
Markteinführung stehen die Wertpapierfirmen gemäß Art. 16 Abs. 3 RL 2014/65/
EU in der Pflicht (Postsale Obligations):
„Eine Wertpapierfirma hat außerdem
von ihr angebotene oder vermarktete Finanzinstrumente regelmäßig zu überprüfen und dabei alle Ereignisse zu berücksichtigen, die wesentlichen Einfluss auf
das potentielle Risiko für den bestimmten
Zielmarkt haben könnten. Außerdem
muss sie zumindest beurteilen, ob das Finanzinstrument weiterhin den Bedürfnissen des bestimmten Zielmarkts entspricht
und ob die beabsichtigte Vertriebsstrategie
immer noch geeignet ist.“
Sie müssen also regelmäßig prüfen, ob
das Produkt weiterhin den Bedürfnissen
der Zielgruppe entspricht, ob die Vertriebsstrategie immer noch geeignet ist und ob
es Ereignisse gibt, die Einfluss auf das
Risikopotenzial haben oder die Renditeerwartungen beeinflussen. Mögliche Ereignisse sind unter anderem:
t Insolvenz eines Emittenten
t Überschreiten bestimmter Schwellenwerte
t starke Veränderungen des Marktumfelds, die den Bedingungen bei Auflage
des Produkts widersprechen
Bei Eintritt der zuvor genannten Ereignisse sind angemessene Maßnahmen zu
ergreifen. In Betracht kommen Informationen an Kunden und Distributoren über
das Ereignis oder Anpassungen im Product Approval Process. Im Extremfall müssen sie ihre Produkt- und Vertriebsstrategie anpassen.
Wenn sich zum Beispiel die Risiken eines Produkts durch ein verändertes Marktumfeld wesentlich erhöhen, könnten Geldhäuser verpflichtet sein, den Verkauf des
Produkts an eine bestimmte Zielgruppe
einzustellen. Eine weitere Möglichkeit
wäre, den Produktvertrieb auf bestimmte
Vertriebswege (zum Beispiel Anlageberatung) zu beschränken. Das bedeutet, Verfahren zu etablieren, um bei der Entwicklung und dem Vertrieb sämtliche Risiken
und Kundenbedürfnisse erfassen und effektiv bewerten zu können. Wertpapierdienstleistungsunternehmen, welche Fi-
nanzprodukte vertreiben und/oder Wertpapierdienstleistungen anbieten, müssen
zukünftig über einen angemessenen Produkt-Governance-Prozess verfügen, um
sicherzustellen, dass sich die angebotenen
Produkte mit den Bedürfnissen, Eigenschaften und Anlagezielen des Zielmarkts
vereinbaren lassen. Die damit einhergehenden prozessualen und systemseitigen
Anpassungen verursachen erheblichen
Mehraufwand.
Anpassungen der ProduktGovernance und Implikationen
Noch schwerer dürfte die zuvor beschriebene Tatsache wiegen, dass Finanzprodukte künftig nur noch an definierte Kundengruppen vertrieben werden dürfen. Darüber hinaus muss bestimmt werden, an
welche Kunden die Produkte nicht vertrieben werden. Die möglichen Zielgruppen
und die Absatzmöglichkeiten fallen damit
deutlich geringer aus. Das wirft strategische Fragen bei der Vertriebs- und Geschäftsplanung auf. So muss zum Beispiel
überprüft werden, ob sich der Vertrieb von
Produkten lohnt, deren Entwicklung besonders aufwändig und teuer ist. Denn bei
diesen zumeist komplexen Produkten fällt
nicht nur der potenzielle Erlös wegen der
Einschränkung möglicher Zielgruppen
deutlich niedriger aus als bisher, sondern
sie verlangen auch eine umfangreiche
Produkt-Governance durch die ständige
Risikoüberprüfung und -bewertung. Damit geraten die Margen sowohl von der
Kosten- als auch der Ertragsseite unter
Druck.
Viele Studienteilnehmer haben diese
Herausforderungen offenbar noch nicht
erkannt. Wie der „MiFID II Readiness Index“ zeigt, schätzen 62 Prozent der Verantwortlichen den finanziellen Aufwand, der
durch neue Auflagen bei der Entwicklung
von Produkten und Dienstleistungen entsteht, als gering ein. Die Kosten durch die
Anforderung zur laufenden Überprüfung
der Eignung von empfohlenen Finanzprodukten sind nach Ansicht von fast der Hälfte der Befragten ebenfalls überschaubar.
Bei kleineren Häusern mit einer Bilanzsumme von weniger als einer Milliarde ¤
sind es sogar 59 Prozent (t Abb. 02).
Auch auf der Erlösseite erwarten die
Häuser keine gravierenden Auswirkungen
durch die Vorgaben bei der Entwicklung
und dem Vertrieb ihrer Produkte oder eines Produktpakets. Gerade einmal acht
16
Ausgabe 01/2015
t Abb. 02
Folgekosten durch MiFID II
neue Regeln in Bezug auf
Beratungs- und Telefonprotokolle
20%
Verpflichtung zur laufenden Überprüfung
der Eignung von empfohlenen Finanzprodukten
12%
Verpflichtung zur regelmäßigen Erstellung
von finanzmarkt- und anlegerspezifischen
Performance Reports
10%
Verpflichtung zur Begründung
von Anlageempfehlungen
36%
44%
30%
44%
4%
34%
Auflagen bei der Einführung neuer
Produkte und Dienstleistungen 6%
30%
Verpflichtung zur Einstufung von Kunden
und Finanzprodukten in vorgegebene Kategorien 6%
30%
24%
Sehr hoch
28%
42%
14%
12% 2%
14%
4%
18%
2%
56%
6% 2%
58%
Eher hoch
Eher gering
12%
Sehr gering
Weiß nicht/keine Angabe
Prozent rechnen damit, dass es zu Einschränkungen bei den Vertriebsmöglichkeiten kommt. Dagegen erwarten 82 Prozent nicht, dass sich durch MiFID II in
ihrem Institut Veränderungen beim Cross
Selling ergeben. Dabei regelt beispielsweise Art. 25 Abs. 2 RL 2014/65/EU, dass
Paketverkäufe, bei denen mehrere Dienstleistungen oder Produkte empfohlen werden, die gemäß Art. 24 Abs. 11 RL
2014/65/EU gebündelt sind, neuen Anforderungen unterliegen. In den Level-IITexten, mit denen die Richtlinie und Verordnung konkretisiert werden, soll geregelt werden, dass in dem Fall, das gesamte
gebündelte Paket für den Kunden geeignet
sein muss.
Zudem erschwert die neue Finanzmarktrichtlinie gerade den Vertrieb komplexer und riskanter Produkte, die meist
höhere Renditen versprechen. Denn aufgrund der strengeren Anforderungen im
Anlegerschutz dürfen diese künftig nicht
mehr im bisherigen Maße an Kleinanleger
vertrieben werden. Allerdings glauben nur
16 Prozent der Banken, dass der Verkauf
solch komplexer Produkte an Kleinanleger
nach Inkrafttreten von MiFID II schwieriger wird.
Marktstrukturen ändern sich
Die oben skizzierten Anforderungen zielen vor allem auf die kunden- und produkt-
bezogenen Vorschriften von MiFID II.
Vielleicht noch grundlegender fallen allerdings die markt- und transaktionsbezogenen Auswirkungen aus. Denn davon sind
alle Akteure betroffen, die in irgendeiner
Form mit Finanzinstrumenten handeln.
Banken, Versicherungen, Asset Manager,
Börsen – sogar Energie- und Industrieunternehmen müssen sich mit den neuen
Vorgaben auseinandersetzen, sofern sie
Finanzprodukte in ihren Bilanzen haben
(t Abb. 03).
Schon MiFID hat zu einer Umwälzung
bestehender Marktstrukturen geführt. Die
überarbeitete Finanzmarktrichtlinie geht
jedoch deutlich weiter. Die Regelungen
betreffen nicht mehr nur Aktien, sondern
das gesamte Geschäft mit Wertpapieren
und Finanzinstrumenten. Weitere Neuerungen beziehen sich auf ein erweitertes
Transparenzregime, das auch Bestrebungen zur Konsolidierung der Nachhandelsdaten umfasst. Hinzu kommen Einschränkungen der bisherigen Transparenzausnahmen, eine Handelsverpflichtung für
Aktien und Derivate, eine Clearingverpflichtung für börsengehandelte Derivate
sowie neue Regelungen für den algorithmischen Handel beziehungsweise Hochfrequenzhandel.
Besonders gravierend fallen die Auswirkungen durch die erweiterten Transparenzpflichten aus. Während MiFID zunächst nur für Aktien eine Vor- und Nach-
handelstransparenz vorsah, gilt die neue
Finanzmarktrichtlinie nun für fast alle
Instrumentengruppen, insbesondere für
Anleihen, strukturierte Produkte und Derivate. Ziel ist es, auch den Handel mit
komplexeren Finanzinstrumenten transparenter zu machen. Vorhandelstransparenz bedeutet die Veröffentlichung von
Geld- und Briefkursen und die Tiefe der
Handelspositionen zu diesen Kursen,
während die Nachhandelstransparenz
ausgeführte Transaktionen zum Gegenstand hat.
Darüber hinaus sieht MiFID II vor, die
Ausnahmen von der Vorhandelstransparenz in Form von Waivern zu reduzieren.
So wurde beispielsweise das Volumen des
Referenzpreis-Waivers, der zur Preisfeststellung auf die aktuellen Preise an einem
anderen Handelsplatz verweist, signifikant
begrenzt.
Mehr Transparenz
Grundsätzlich sind sich die in der Studie
Befragten der Auswirkungen dieser Änderungen bewusst. Wie der MiFID-II-Readiness-Index belegt, stufen 64 Prozent den
Aufwand für Neuerungen zur Einhaltung
der Transparenzvorschriften als hoch oder
sehr hoch ein. Damit zieht dieser Bereich
nach Ansicht der befragten Umsetzungsverantwortlichen die größten Auswirkungen durch MiFID II nach sich. Allerdings
17
t Abb. 03
Auswirkungen von MiFID II auf Kapitalmarktteilnehmer
Asset Mgmt. (Buy Side)
Banken (Sell Side)
Handelsplätze
Aufsicht
Internalisierung
Veröffentlichung
verbindlicher Quotes
Wertpapierhandel
Regulierter
Markt
AssetManager
! !
"!!
! "!
!
BaFin
"
MTF
Anleger
Broker/
Privatkundenhändler
Kundenorders
OTF
Anlageberatung
(Wohlverhaltensregeln, „Nachsorge“)
Telefonaufzeichnung
verbesserte Überprüfung / Kommunikation zur Best Execution Policy
Veröffentlichung Pre- und
Post-Trade-Daten
Meldepflichten
organisatorische Pflichten (Besetzung von Vorstand und Aufsichtsrat; Management von
Interessenkonflikten, Marktmissbrauch, Marktmanipulation, Risiken)
sehen die Studienteilnehmer vor allem den
finanziellen Aufwand, der auf sie zukommt. Danach befragt, welche Folgen die
Transparenzrichtlinie für das eigene Haus
hat, geben 90 Prozent die kostenintensive
Umstellung von Prozessen und Systemen
an. Dies zeigt: Die meisten sehen die
Transparenzvorgaben als regulatorische
Notwendigkeit.
Nur 30 Prozent sind der Ansicht, dass
durch die Transparenzregeln die Leistungsmessung im Handel mit Wertpapieren einfacher wird. Das ist riskant. Denn
die zunehmende Transparenz wird den
Wettbewerb erheblich verschärfen und
Spreads reduzieren. Das sorgt dafür, dass
die Margen niedriger ausfallen als bisher.
Erste Geldhäuser haben bereits Konsequenzen daraus gezogen und sich wegen
der strengen MiFID-II-Transparenzvorgaben aus einzelnen Handelsbereichen wie
dem Sales Trading für Bonds zurückgezogen. Die Verantwortlichen sahen kein
tragfähiges Geschäftsmodell für die Zukunft, wenn auf der einen Seite durch die
Anpassung der Systeme Kosten steigen
und auf der anderen Seite durch die zunehmend geforderte Transparenz des
Handels zu erzielende Erlöse immer weiter sinken.
Neue Geschäftsfelder
Die neue Finanzmarktrichtlinie bietet aber
auch Chancen. Allerdings sind sich nur
wenige – zumeist größere – Häuser dieser
Möglichkeiten bewusst. So sind gerade
einmal 28 Prozent davon überzeugt, dass
sich durch die Erbringung von Dienstleistungen für andere Finanzunternehmen
neue Ertragsquellen erschließen lassen.
Dies wäre zum Beispiel in der Handelsabwicklung oder im Meldewesen möglich.
Ein interessantes Geschäftsfeld eröffnet
sich auch durch die Schaffung von Organisierten Handelssystemen (OTF), mit denen
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18
Ausgabe 01/2015
t Abb. 04
Wettbewerbspotenziale durch MiFID II
neue Services und Preismodelle für Privatkunden, wie unabhängige
Beratung, Honorarberatung oder erfolgsabhängige Beratung!
38%
Erbringung von Dienstleistungen für andere Finanzunternehmen,
etwa in der Handelsabwicklung oder im Meldewesen!
28%
neue Services für institutionelle Kunden
22%
Weiterleitung von Kundenordern an OTFs
22%
Handel oder Erbringung von Wertpapierdienstleistungen
an Handelssystemen für Derivate
14%
Handel oder Erbringung von Wertpapierdienstleistungen
an KMU-Märkten
14%
Aufbau eines Markts für Wertpapiere von
kleinen und mittleren Unternehmen (KMU-Märkte)
12%
Aufbau von Organised Trading Facilities (OTFs)
12%
Vermarktung oder Konsolidierung
von Post-Trade-Daten
8%
Handel oder Erbringung von Wertpapierdienstleistungen
an Handelsplätzen für Rohstoffderivate
8%
Nichts davon
der außerbörsliche Handel (OTC-Handel)
reguliert werden soll. Ein OTF ist definiert
als ein multilaterales System, das weder ein
geregelter Markt noch ein multilaterales
Handelssystem (MTF) ist und die Interessen einer Vielzahl Dritter am Kauf und
Verkauf von Schuldverschreibungen,
strukturierten Finanzprodukten, Emissionszertifikaten oder Derivaten zusammenführt. Da zusätzlich das Regime für Systematische Internalisierer (SI) inhaltlich
ausgeweitet wurde – also für Wertpapierdienstleistungsunternehmen, die Kundenaufträge regelmäßig und systematisch gegen das eigene Buch ausführen –, sollen
unter MiFID II nur noch recht wenige
Bereiche zum klassischen OTC-Geschäft
zählen (t Abb. 04). Das eröffnet Chancen.
So sollen ausreichend liquide Derivatkontrakte, etwa zur Absicherung von Zins-,
Währungs- und Rohstoffpreisrisiken, zukünftig nicht mehr außerbörslich gehandelt, sondern über eine zentrale Clearingstelle abgewickelt werden. Die Festlegung
der von der Handelspflicht erfassten
Derivate(klassen) obliegt dabei der Europäischen Kommission mittels technischer
Regulierungsstandards auf Basis entsprechender ESMA-Vorschläge. Ferner soll die
ESMA kontinuierlich die Aktivitäten in Derivaten überwachen, die nicht der Handels-
pflicht an organisierten Märkten unterliegen. Hierdurch sollen Derivateklassen
identifiziert werden, die systemische Risiken verursachen. Insgesamt sehen jedoch
nur zwölf Prozent die Möglichkeit, durch
den Aufbau von OTFs neue Geschäftsfelder
zu erschließen. Eng mit den sogenannten
OTFs verbunden ist auch die oben skizzierte Möglichkeit, künftig als Systematischer
Internalisierer (SI) aufzutreten und sich
dadurch zusätzliche Einnahmequellen zu
erschließen. Bei Aktien ist dieses Modell
– außerhalb von Deutschland – bereits etabliert. Künftig lässt sich dieses Angebot
jedoch auf viele andere Finanzprodukte
übertragen. Allerdings regelt Art. 20
Abs. 1-4 RL 2014/65/EU, dass das Betreiben eines OTF und eines Systematischen
Internalisierers innerhalb desselben Unternehmens unzulässig ist. Eine strategische
Entscheidung ist daher notwendig.
q
Fazit
Die hier skizzierten Fälle sind nur einige
Beispiele dafür, wie tiefgreifend die Auswirkungen von MiFID II auf den Finanzmarkt
sind. Der Name täuscht also: MiFID II ist
weit mehr als die Überarbeitung der bestehenden Finanzmarktrichtlinie. Die neuen
Vorgaben werden den europäischen Finanz-
30%
markt deutlich stärker verändern, als dies
bei der ersten Fassung der Fall war. Einige
geraten dadurch unter Druck und müssen
sich beispielsweise fragen, ob der Vertrieb
komplexer Produkte an Privatkunden aufgrund der steigenden Anforderungen weiterhin sinnvoll ist.
Andererseits bietet das neue Regelwerk
auch Chancen. Große Häuser etwa können
sich als Anbieter Organisierter Handelssysteme (OTF) oder als Systematischer Internalisierer (SI) zusätzliche Einnahmequellen
sichern. Kleinere Häuser haben die Möglichkeit, die erweiterten Reporting-Pflichten
zu nutzen, um mit zusätzlichen Informationen das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen und so die Kundenkontaktfrequenz zu erhöhen.
Gewinner werden diejenigen sein, die sich
rechtzeitig auf die veränderten Rahmenbedingungen einstellen. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit den MiFID-II-Anforderungen macht es möglich, neue Geschäftsfelder zu erschließen und Wettbewerbspotenziale auszuschöpfen. Wer MiFID II
frühzeitig für strategische Richtungsentscheidungen nutzt, sichert sich damit eine
vielversprechende Ausgangsposition.
Autor:
Christian Appel, Partner, PPI AG
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