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NR. 52, 17. OKTOBER 2014
DEUTSCHE AUSGABE
Fédération Internationale de Football Association – Seit 1904
RASSISMUS
EINE GLOBALE
CHARTA
ITALIEN
INTER MAILAND
AM SCHEIDEWEG
MOYA DODD
EIN LEBEN FÜR DEN
FRAUENFUSSBALL
Österreich
Reif für mehr
W W W.FIFA.COM/ THEWEEKLY
D I E WO C H E I M W E LT F U S S B A L L
6
Nord- und Mittelamerika
35 Mitglieder
www.concacaf.com
Grosser Hunger
Über ein Jahrzehnt steckte die österreichische
Nationalmannschaft in einem Tief. Nun macht
es den Anschein, als ob sich das Ensemble von
Marcel Koller für ein grosses Turnier qualifizieren könnte. Andreas Jaros schreibt über die
Euphorie rund um die laufende EM-Qualifikation
und wirft einen Blick in die 1930er-Jahre, als
Österreich mit einem “Wunderteam” Sieg um
Sieg einfuhr.
18
Moya Dodd
Die Vizepräsidentin der Asian Football Confederation spricht im Interview über ihren Weg in
den Frauenfussball, die Chancengleichheit der
Geschlechter – und den Liverpool FC.
23
S epp Blatter
FIFA TV erhält zwei internationale Auszeichnungen. FIFA-Präsident Blatter gratuliert den
Verantwortlichen und sagt: “Mit den herausragenden Fernsehübertragungen an der WM in
Brasilien wurden neue Massstäbe gesetzt.”
35
Günter Netzer
“Professionelle Torhüter benötigen einen
besonderen Charakter”, sagt unser Kolumnist.
“Sonst können sie auf ihrer Position gar nicht
bestehen.”
Südamerika
10 Mitglieder
www.conmebol.com
37
Winfried
Schäfer
Der Deutsche
erzählt von seinem
traurigsten Moment
als ­Fussballtrainer.
15
USA
Galaxys Idol Landon Donovan
ist in der Major League Soccer
auf Abschiedstour.
Reif für mehr
Das Bild auf der Titelseite zeigt
­Österreichs David Alaba beim
Spiel gegen Schweden
am 8. September 2014.
The-FIFA-Weekly-App
The FIFA Weekly, das Magazin der FIFA,
erscheint jeden Freitag in vier Sprachen
und ist auch auf Ihrem Tablet verfügbar.
2
T H E F I FA W E E K LY
Getty Images (3), imago
REUTERS/Leonhard Foeger
D I E WO C H E I M W E LT F U S S B A L L
Europa
54 Mitglieder
www.uefa.com
Afrika
54 Mitglieder
www.cafonline.com
Asien
46 Mitglieder
www.the-afc.com
Ozeanien
11 Mitglieder
www.oceaniafootball.com
16
Italien
Inter Mailand verliert den
Anschluss an die Spitze
– kann sich Trainer Walter
Mazzarri halten?
24
Gipfeltreffen
Tokyo Sexwale, ein Weggefährte von Nelson Mandela,
über das Zusammenkommen der Sportwelt im
Kampf gegen Rassismus.
FIFA
Klub-Weltmeisterschaft
10. bis 20. Dezember 2014, Marokko
FIFA
U20-Weltmeisterschaft
30. Mai bis 20. Juni 2015, Neuseeland
FIFA
Frauen-Weltmeisterschaft
6. Juni bis 5. Juli 2015, Kanada
T H E F I FA W E E K LY
3
UNCOVERED
Neue Ambitionen
Vor dem Spiel Ein österreichischer Fan streift sich sein neues Nationaltrikot über.
L
ange verband man das Begriffspaar Fussball und Österreich mit dem “Wunderteam” aus den 1930er-Jahren, der WM-Elf von 1954 und der Generation
um Hans Krankl und Herbert Prohaska in den späten 1970er-Jahren – und
eben mit einer unerfüllten Erwartung, was die Zeit dazwischen anbelangt.
Nun aber schickt sich eine neue Generation von Spielern an, den einst exzellenten Ruf des österreichischen Fussballs wiederherzustellen. Unser Autor
Andreas Jaros – ein Österreicher – klärt uns ab Seite 6 darüber auf.
A
Paul Kranzler
m 20. und 21. November wird die jüngst ins Leben gerufene Initiative
­“Global Watch” eine Charta sowie ein Barometer zur Bekämpfung des Rassismus in allen Sportarten lancieren. Tokyo Sexwale, ein Weggefährte
Nelson Mandelas, lädt die Sportwelt dazu nach Johannesburg. Das Interview
mit dem Südafrikaner ab Seite 24.
I
n seiner wöchentlichen Kolumne auf Seite 23 freut sich FIFA-Präsident Sepp
Blatter über zwei der grössten Auszeichnungen im weltweiten Fernseh-­
Business, die FIFA TV zuteil wurden: “International Honour for Excellence”
und “Judges’ Prize”. Å
Perikles Monioudis
T H E F I FA W E E K LY
5
© Wien Museum
ÖSTERREICH
Für die Ewigkeit Österreichs “Wunderteam”
auf dem Gemälde von Paul Meissner (1948).
6
T H E F I FA W E E K LY
GROSSER HUNGER
ÖSTERREICH
Österreich hatte
einmal ein “Wunderteam” – und noch
öfter ein Team zum
Wundern. Aber nun
keimt Hoffnung
auf ein Comeback.
Andreas Jaros (Text) und
Paul Kanzler (Fotos), Wien
T H E F I FA W E E K LY
7
ÖSTERREICH
Wegweisender Sonntag Ein österreichischer Fan beobachtet das Geschehen im Ernst-Happel-Stadion aus der Ferne.
E
s brodelte im Happel-Stadion, wie eigentlich immer in den
letzten Heimspielen: der Radetzky-Marsch als musikalischer Einheizer. Ein flirrendes Fahnenmeer in Rot-WeissRot. Dazu 44 200 Fans in fiebriger Erwartung. Der 12. Oktober 2014 strebte unüberhör- und unübersehbar seinem
Höhepunkt zu – bis dahin war es ein erstaunlich milder,
warmer Sonntag gewesen, der so manchen Wiener sogar
noch einmal in die Neue Donau hatte hechten lassen. Würde Österreichs Nationalteam im Qualifikationsmatch der
Europameisterschaft gegen das Team aus Montenegro, das
sich nach einer Nullnummer in Liechtenstein unter Zugzwang befand, nun ebenfalls baden gehen?
Ganz im Gegenteil. Es waren die Gäste, die ins Schwimmen gerieten. Drei dicke Chancen des ÖFB-Teams schon in der ersten Viertelstunde. Am Ende mussten es Möglichkeiten im zweistelligen Bereich
gewesen sein. Aber nur Rubin Okotie vom deutschen Zweitligisten 1860
München, Ersatzstürmer für den gesperrten Australien-Legionär Marc
Janko, traf auch ins Tor. Kurz vor Schluss war das 1:0 nach einem
verdeckten Schuss von Montenegro-Kapitän Mirko Vucinic sogar noch
in Gefahr.
Um die EM-Endrunde 2016 in Frankreich zu erreichen, hat sich
Österreich nicht für die leichte Tour entschieden. Doch nach dem Zitter-Finish war kein Platz für übertriebene Selbstzweifel. Der heiss
herbeigesehnte Schlusspfiff ging in einem Jubelorkan unter. Als dann
auch noch der Endstand von Russland - Moldawien (1:1) und die Tabellenführung von Österreich in der Gruppe G mit sieben Punkten
durchgesagt wurde, gab es kein Halten mehr. Die Spieler, die sich
total verausgabt hatten, schleppten sich auf die verdiente Ehrenrunde. Als Schlussakkord erklang die inoffizielle Bundeshymne, “I am
from Austria”.
8
T H E F I FA W E E K LY
Wunderteam der 1930er-Jahre
Man muss den patriotischen Überschwang verstehen nach den Zittersiegen
gegen Montenegro und Moldawien. “Früher hätten wir dieses Auswärtsspiel gegen Moldawien nicht gewonnen”, war sich Zlatko Junuzovic,
Österreichs “Marathonläufer” mit der Nummer 10, nach dem 2:1-Gemurkse
drei Abende vor dem Montenegro-Match sicher. Jeder Fortschritt hat in
der Alpenrepublik das Zeug zum Stimmungsaufheller. Verständlich, wenn
die letzte Qualifikation für ein grosses Turnier vor 17 Jahren gelang – als
Andreas Herzog mit einem Traumtor im Happel-Stadion Österreich zur
WM 1998 schoss. Der damalige Gegner – Schweden – ist auch heute wieder der Kontrahent auf dem Weg nach Frankreich.
In der jüngeren Vergangenheit hatte es nicht allzu viel zu feiern gegeben, weder auf Team- noch auf Klubebene. Öde Durchhalteparolen und
schier endlose Durststrecken wurden zur Normalität. Umso grösser ist
jetzt der Hunger. Die Welt hatte schon vergessen, dass Österreich einmal
eine grosse Nummer war, fast eine Fussball-Supermacht. “Wiener Schule” und “Scheiberlspiel” – Adelsprädikate in den 1930er-Jahren und eine
Art Dino-Variante des schnellen Kurzpassspiels à la FC Barcelona oder
Bayern München.
Niemand verkörperte die technische Brillanz, gepaart mit Spielintelligenz, besser als die Spieler des “Wunderteams”: Synonym für eine Nationalelf, die bei aller Eleganz und Raffinesse nicht nur Ästheten begeisterte. Sie konnte auch gnadenlos auf den Endzweck bedacht sein und
gewaltige Torlawinen lostreten. Und es war völlig egal, ob die Österreicher daheim oder auswärts ihre Schussstiefel schnürten: In Berlin wurde Deutschland mit 6:0 zerzaust, in Wien kam der heutige Weltmeister
mit einem 0:5 nur geringfügig besser davon. Die erfolgsverwöhnten
Schotten kassierten ebenfalls fünf “Bummerl”, die Schweiz (1:8) genauso
acht wie das Team Ungarns (2:8), das in den Fünfzigern seinerseits mit
einer goldenen Generation für Furore sorgen sollte.
ÖSTERREICH
Gruppenerster Das Nationalteam um David Alaba (vorn) lässt sich nach dem 1:0 gegen das Team aus Montenegro feiern.
Nach der zweiten Erfolgsära
war das schwache Abschneiden
bei der WM 1958 ein
Vorgeschmack auf magere Jahre.
Herbert Pfarrhofer / Keystone
Lustigerweise hatte die Geburt des Wunderteams im Jahr 1931
mehrere Väter. Nach einem 1:2 gegen Italien und einem torlosen Remis gegen Ungarn hatten die Vertreter der Wiener Sportpresse genug, zeigten Muskeln und forderten vehement Umstellungen. Die
wichtigste: das Mittelstürmer-Comeback des genialen Matthias Sindelar, wegen seiner filigranen Statur “der Papierene” genannt. Tatsächlich gab Verbandskapitän Hugo Meisl nach – mit dem berühmten Zugeständnis in einem Kaffeehaus am Stubenring: “Da habt’s
euer Schmieranski-Team!” (Ein Schmieranski ist ein Journalist.)
Sportwissenschaft verschlafen
Zwölf Spiele in Folge blieb das “Wunderteam” ungeschlagen. Nach
dem Zweiten Weltkrieg gab es aber noch eine zweite Erfolgsära –
dritter Platz bei der WM 1954 durch ein 3:1 gegen den zweimaligen
Weltmeister Uruguay, bis heute die beste Platzierung eines österreichischen Teams an einer WM. Noch mehr eingebrannt hat sich
freilich bei diesem Turnier die Hitzeschlacht von Lausanne im
­ iertelfinale gegen die Schweiz: Torhüter Schmied hatte beim turbulV
enten 7:5 nach 0:3-Rückstand recht früh einen Sonnenstich erlitten,
ein Austausch war aber nicht gestattet. Nach der Pause wurde der
­w ankende Keeper vom Masseur hinter dem Tor dirigiert: “Kurtl, jetzt
kommen’s auf der rechten ...”
Bald sollte Österreich kollektiv die Orientierung verlieren: Das
schwache Abschneiden bei der WM 1958 war ein erster Vorgeschmack
auf magere Jahre. Es sollten 20 Jahre bis zur nächsten WM-Teilnahme vergehen. Man erging sich in “Wunderteam”-Nostalgie, verliess
sich auf das rein fussballerische Können und ignorierte die Entwicklungen im Trainersektor – professionelle, moderne, innovative Zugänge mit den Schwerpunkten Taktik, Athletik, Kondition. Zeitzeuge
Wolfgang ­
Winheim, Fussballinsider der Tageszeitung “Kurier”:
“Während die Handballer und Leichtathleten längst über den Tellerrand schauten, hat die Fussballszene die Sportwissenschaft verschlafen. Erst der Slowake Leopold Stastny hat eine richtungsweisende
Trainerausbildung eingeführt.”
Der am längsten dienende ÖFB-Teamchef gründete auch die landesweite Schülerliga und legte den Grundstein für die legendäre
78er-Mannschaft mit Bruno Pezzey, Herbert Prohaska und Hans
Krankl. Ihr erster Sieg gegen Deutschland nach 47 Jahren, das 3:2 in
Córdoba bei der Argentinien-WM, wurde auch noch Jahrzehnte danach medial rauf- und runtergeorgelt. Dennoch war das Team, das
die Qualifikation zur WM 1982 schaffte, das bessere – doch es scheiterte an Grüppchenbildungen, grossen Egos und den Nachwirkungen
der “Schande von Gijón”, als ein Waffenstillstand mit den Deutschen
bei 0:1 den zwei Nachbarn zum Weiterkommen an der WM reichte,
Algerien aber aus dem Turnier kegelte. Dafür war bei den Endrunden
1990 und 1998 für Österreich schon nach der Vorrunde Schluss – trotz
neuer Stars wie Andreas Herzog und Toni Polster.
T H E F I FA W E E K LY
9
ÖSTERREICH
Potenzial Das Heimspiel gegen Montenegro war fast ausverkauft – das war bei wichtigen Partien des österreichischen Nationalteams nicht immer so.
Heikle Schlussszenen Ein Fan will noch nicht an den Sieg gegen Montenegro glauben.
10
T H E F I FA W E E K LY
ÖSTERREICH
Schau mal! Ein junger Fan sucht sein Idol David Alaba.
Liga-Format soll sich ändern
Auf Klubebene zog Rot-Weiss-Rot in den 1990ern immerhin in zwei Europacup-Endspiele ein. Austria Salzburg entfachte mit seiner “Boy­group”
(Otto Konrad stieg zum ersten Popstar mit Tormannhandschuhen auf)
eine landesweite Euphorie und erkämpfte in der Champions League einige Achtungserfolge – was dem Nachfolgeverein Red Bull Salzburg in
der Königsklasse trotz Millioneninvestitionen bisher versagt blieb: bei
sieben Versuchen kein einziges Mal in die Gruppenphase eingezogen.
Das Scheiberlspiel
Symbolisch für das Spiel der österreichischen Nationalmannschaft Anfang der
1930er-Jahre war ihr Scheiberlspiel. Das Spiel mit dem flachen Ball stammt aus
Wien und fiel durch Eleganz und Leichtigkeit auf. Oft kam es vor, dass die Spieler einen Angriff mit vielen Kurzpässen bis in den gegnerischen Strafraum vortrugen, sich dann abwandten, um das Ganze noch einmal zu wiederholen.
Österreichs beste WM-Platzierungen
1934 (Platz 4), 1954 (Platz 3), 1978 (Platz 7), 1982 (Platz 8)
Österreichs beste EM-Platzierung
1960 (Viertelfinale)
Nationalcoach
Marcel Koller (Schweiz)
FIFA-Ranking
Platz 39
EM-Qualifikation, Gruppe G
1. Österreich 3 Spiele/7 Punkte. 2. Russland 3/5. 3. Schweden 3/5.
4. Montenegro 3/4. 5. Moldawien 3/1. 6. Liechtenstein 3/1. (Stand 12.10.14)
Leichter tut sich der “Dosen-Klub” mit Erfolgen in der heimischen
Liga, auch wenn derzeit gerade mit Wolfsberg (siehe Seite 12) ein Dorfklub die Schlagzeilen beansprucht. Der erste Leader aus dem Bundesland
Kärnten beschämt mit seinem Budget von fünf Millionen Euro nicht nur
Krösus Red Bull, sondern auch die Wiener Grossklubs, die auf viermal
so hohe Finanzmittel bauen können.
Aktuell wird in Österreich wieder einmal über das Liga-Format diskutiert. Die Spielergewerkschaft VdF fordert ab der Saison 2017/18 eine
einzige Profiliga statt der zwei Zehnerligen (Oberhaus und zweite Leistungsstufe). VdF-Vorstand Gernot Zirngast: “Ob dann mit 10, 12, 14 oder
16 Klubs gespielt wird, hängt davon ab, wie viele Vereine die erforderlichen Kriterien überhaupt erfüllen können und wollen. Das Pseudo-Profitum in der zweiten Liga ist aufgrund der dortigen geringen Verdienstmöglichkeiten nicht mehr vertretbar”.
Teamchef Marcel Koller, der als beliebtester Schweizer in Österreich
für eine neue Aufbruchstimmung rund um die Nationalmannschaft
gesorgt hat, rekrutiert bis auf ein paar Salzburger ohnehin nur Legionäre – und interessanterweise ist es dabei völlig egal, ob die aus Australien (Janko) einpendeln müssen, aus der zweiten deutschen Liga (Okotie)
kommen oder, wie Tormann Robert Almer (Hannover 96), ewiger Ersatz
in Deutschland sind.
Alaba steht für ein Qualitätsmerkmal
Mit seinem phantastischen Reflex gegen Montenegro in der 87. Minute,
mit dem er die drei Punkte festhielt, hat Almer das Vertrauen Kollers
erneut bestätigt, auch Janko (wichtiges Tor gegen Moldawien) liefert
immer wieder Argumente dafür, um 16 000 Kilometer aus Sydney anzureisen. Selbst Marko Arnautovic, zuletzt nur noch Reservist bei Stoke
City, rief endlich sein Potenzial ab – noch nie gab es einen solch donnernden Abgangsapplaus für ihn wie am 12. Oktober.
T H E F I FA W E E K LY
11
ÖSTERREICH
Der Stolz von Kärnten
Das kleine Wolfsberg ist nach einem Drittel der Meisterschaft Tabellenführer:
Vermögen Red Bull Salzburg, Rapid und Austria bald zu reagieren?
I
m breitesten Wiener Dialekt formuliert ein älterer Austria-Wien-Fan vor
einem Buffet der Südtri­büne der Generali-Arena seine Siegessicherheit:
“Soizburg (Titelverteidiger Red Bull Salzburg) hamma eineg’haut (haben
wir bezwungen), jetzt kumman (kommen) die nächsten dran!”
Die violett gekleideten Männer an seiner Seite prusten und prosten ihm
ebenfalls zu – auch für sie ist klar: RZ Pellets WAC, das Sensationsteam,
ist heute fällig. “Unser Roman Kienast macht allein drei Tore!”, sagt einer aus
der “Expertenrunde”. Auch auf der Pressetribüne ist die violette Brille en
vogue: “Es ist alles angerichtet für den Dreipunkter der Austria!”, ist sich ein
juveniler Radiomoderator sicher.
Keine zwei Stunden später beissen sich im Lager des Meisters von 2012/13
alle auf die Zunge, ist der Optimismus Ernüchterung gewichen: Die “Wölfe”
aus Wolfsberg haben verdient 2:0 gewonnen, ihren märchenhaften Erfolgslauf fortgesetzt und die Tabellenführung nach einem knappen Drittel der
Meisterschaft gefestigt. Und das nicht mit Glück oder Hauruck-Fussball, sondern mit schönen Kontern: Peter Zulj in der 28. Minute nach der ersten wirklich starken Aktion des Spiels, Manuel Weber in den letzten Sekunden (93.).
Kühbauer kann Feuer entfachen
Wie ist es möglich, dass tief im Oktober der kleine WAC aus dem Lavanttal
im östlichsten Zipfel des südlichen Bundeslandes Kärnten den wohlhabenden
Klub aus Salzburg und – noch viel dramatischer – die Wiener Grossklubs
Rapid und Austria auf Distanz hält? Ganz einfach: Mit Ordnung, personeller
Kontinuität, “Einer für alle, alle für einen”-Mentalität, einem idealen Mix aus
Jugend und Routiniers und einem Star als Trainer: Didi Kühbauer, 43. Der
55-fache Ex-Internationale war schon als Spieler einer vom Typus Aggressiv-
leader. Auch wenn sich der ehemalige Legionär des VW-Klubs VfL Wolfsburg
und von Real Sociedad im Baskenland heute schon besser im Griff hat als
früher, gönnt er sich in der Coaching-Zone noch immer Geplänkel mit gegnerischen Spielern und Trainerkollegen.
Aber der Heisssporn kann auch intern Feuer entfachen – schon bei der
Admira hat er es bewiesen, indem er die “graue Maus” bis in die Europa
­L eague führte. Wolfsberg übernahm er vor etwas mehr als einem Jahr als
Schlusslicht. WAC-Kapitän Michael Sollbauer: “Der Trainer verlangt keine
Wunderdinge von uns – nur dass wir mit Überzeugung in jedes Spiel reingehen, kompakt stehen und schnell umschalten!”
Existieren Meisterprämien?
Angesichts des Konkurses von Austria Kärnten und des kaum genutzten Klagenfurter Wörthersee Stadions – ein trauriges Souvenir aus Euro-2008-­Tagen – ist
Wolfsberg längst der ganze Stolz von Kärnten. Dabei waren die Wölfe vor zehn
Jahren sogar aus der Kärntner Liga abgestiegen. Eine Fusion mit dem Regionalligisten St. Andrä wurde 2007 zur Rettung, 2010 war man wie in den 1970er- und
1980er-Jahren wieder zweitklassig. 2012 gelang unter dem kroatischen Coach
Nenad Bjelica der Aufstieg ins Oberhaus, wo man bisher auf den Plätzen 5 und
7 nichts mit dem Abstieg zu tun hatte.
Durch den aktuellen Höhenflug schlägt das Pendel sogar schon in die andere Richtung aus: WAC-Langzeitmäzen und -präsident Dietmar Riegler muss
sich mit Fragen herumschlagen, ob in den Spielerverträgen Meisterprämien
verankert sind.
Andreas Jaros
imago
Geschlagen
Ein jubelnder Manuel
Weber von Wolfsberg.
Vorn Austrias James
Holland.
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T H E F I FA W E E K LY
ÖSTERREICH
“E S BR AUC H T EINE MODERNE INFR A S T RUK T UR”
Herr Reichel, wie sehen Sie aus der Distanz die
Lage der ­Fussballnation?
Peter-Michael
Reichel Ehemaliger
Präsident LASK Linz.
Peter-Michael Reichel: Ein Beweis, dass in
­ sterreich Potenzial vorhanden ist, zeigt das
Ö
Freundschaftsspiel gegen Brasilien vom 18. November: Das Spiel war binnen 28 Stunden ausverkauft. Wenn das Nationalteam weiter siegt, würde
so ein Druck entstehen, dass die Politik endlich
einmal in die Infrastruktur investieren müsste.
Die Welle würde die Nachwuchsarbeit erfassen.
Wenn der Bund investiert, folgen die Länder, die
Kommunen.
Sie sprechen die Versäumnisse nach der Heim-EM 2008 an.
Es war der schwerste Fehler, dass bei uns kein Nationalstadion
entstanden ist, das internationalen Ansprüchen genügt. Bei Co-Ausrichter Schweiz ist es nach der Europameisterschaft aufwärts gegangen, bei uns abwärts. Auch ich ärgere mich noch immer, dass es mir in
meinen 14 Jahren beim LASK nicht gelungen ist, die Infrastruktur zu
modernisieren.
Rekordmeister Rapid Wien baut sich eine neue Heimstätte, weil das
alte Hanappi-Stadion aus der Zeit gefallen ist.
Die Rechnung wird aufgehen – ich glaube, dass der Verein einen
Schnitt von 20 000 Zuschauern pro Heimspiel realisieren kann.
Was halten Sie von der Idee einer einzigen ­Profiliga?
Endlich auf Kurs Sichtlich zufriedene Matchbesucher nach dem Schlusspfiff.
Alaba wusste immer schon,
­w elche Opfer zu bringen sind,
um ein Winnertyp zu werden.
Das freut besonders seinen Freund David Alaba, Österreichs Liebkind mit nigerianisch-philippinischen Wurzeln. Der wusste immer
schon, was er wollte und welche Opfer zu bringen sind, um als Profi ein
Winnertyp zu werden und nicht Konjunktiv-Star. Für diese Einstellung ist der 22-Jährige reichlich belohnt worden: Zum Fixstern bei den
überragenden Bayern in München aufgestiegen, Triple aus Champions
­League, Meisterschaft und DFB-Pokal gewonnen und nicht mehr wegzudenken als Dreh- und Angelpunkt im ÖFB-Team, in dem er auch
schon früh und unbekümmert Verantwortung übernahm. Zwei verwandelte Elfer – das 1:0 beim 1:1-Heimremis gegen Schweden und das
1:0 beim 2:1 in Chisinau – stehen bisher auf seinem Qualifikationstorkonto für die Europameisterschaft.
Genauso steht Alaba für ein Qualitätsmerkmal, das das gesamte
Team gegen Montenegro auszeichnete: Pressing bis zur letzten Sekunde,
Leidenschaft und kreative Aktionen. Wenn dazu erneut das goldene
Händchen von Marcel Koller (“Ich protze nicht damit”) greift, kann
­Österreich auch im längst ausverkauften Heimspiel gegen Russland am
15. November seine Schnitzeljagd erfolgreich fortsetzen. Dem Publikum
wird ein sagenhafter Appetit auf weitere Hymnen aus den Stadionboxen
nachgesagt. Å
Lesen Sie das Interview mit Österreichs Trainer Marcel Koller auf FIFA.com
Da bin ich ganz auf Seiten der Spielergewerkschaft. Das war auch
immer mein Modell. Unter einer reinen Profiliga würde ich eine halbprofessionelle Meisterschaft mit Gehaltsobergrenze installieren.
” I N W I E N KÖ N N E N W I R J E D E N S C H L A G E N ”
Herr Konsel, wie gross sind Österreichs Chancen
auf eine Teilnahme an der EM-Endrunde 2016?
Michael Konsel
Österreichs
WM-Torhüter 1998.
Konsel: Ich habe schon nach der Auslosung
gesagt, dass die Qualifikation realisierbar ist.
Wir sind auf Augenhöhe mit unseren Gegnern.
Aber natürlich kommen die heiklen Auswärtsspiele gegen Schweden und Russland erst.
Was imponiert Ihnen am Team besonders?
Wir haben eine enorme Heimstärke und
können in Wien jeden schlagen. Die Burschen
spielen mit so viel Herz und der richtigen Aggressivität, dass der Funke überspringt. Man versucht, man probiert, ist kampfbereit. Jeder rennt für den anderen, das ist eine
echte Mannschaft. Was auch hilft: Dass uns viele unterschätzen,
weil wir jahrelang nirgends waren. Und mit der Aufstockung der
Endrunde auf 24 Mannschaften muss man es eigentlich schaffen.
In welchen Bereichen bedarf es einer Nach­justierung?
So viele Tor-Möglichkeiten wie gegen Montenegro sollte das
Team nicht vergeben.
Sehen Sie Parallelen zur Qualifikation für die WM 1998?
Das war eine andere Zeit, da möchte ich keine grossen Vergleiche ziehen. Eine Ähnlichkeit kann ich allerdings erkennen: Wir
hatten damals auch viele Legionäre in unseren Reihen – ich zum
Beispiel stand bei der AS Roma im Tor.
T H E F I FA W E E K LY
13
Fußball verbindet.
Fußball ist Frieden.
© 2014 Visa. All rights reserved.
Oscar Arias
Friedensnobelpreisträger
BLICK IN DIE LIGEN
I
N
Major League Soccer USA
Au f der Z ielger aden
Jordi Punti ist Romanautor und
Verfasser zahlreicher FussballFeatures in den spanischen Medien.
Shaun Clark / Corbis
Die Major League Soccer
(MLS) ist erwachsen geworden. Sie befindet sich mittlerweile in ihrer
19. Saison und steuert mit Riesenschritten auf
die Playoffs im November zu. In der regulären
Saison stehen nur noch zwei Spieltage auf dem
Programm, und alles ist offen. Die Zeit wird
knapp, und es ist sehr wahrscheinlich, dass
über den “Supporters’ Shield” (die Auszeichnung für das beste Team der regulären Saison)
im direkten Duell zwischen Los Angeles
Galaxy und den Seattle Sounders entschieden
wird. Die beiden führenden Teams der Western Conference werden nämlich zweimal in
Folge aufeinandertreffen. Beide Mannschaften
sind bereits für die Playoffs qualifiziert, so
dass es zunächst einmal darum geht, wer die
New York Red Bulls, den Meister der regulären
Saison 2013, ablösen wird.
Dass sich die MLS langsam etabliert, lässt
sich nicht nur daran ablesen, dass sie in der
Gunst der Fans gestiegen ist, sondern auch
daran, dass sie mittlerweile selbst Geschichte
schreibt. Beim Fussball dreht sich alles um
den Blick in die Vergangenheit und um
Wünsche für die Zukunft, um Erinnerungen
an die besten Partien und Spieler in Kombination mit der Hoffnung auf Siege. In diesem
Zusammenhang können inzwischen auch die
amerikanischen Fans auf einige legendäre
Spieler verweisen. Da wäre beispielsweise
Landon Donovan, vielleicht der beste nordamerikanische Spieler bis jetzt. Im August
dieses Jahres erklärte Donovan nun, dass er
die Fussballschuhe am Ende dieser Saison an
den Nagel hängen würde. Zuvor war er von
Jürgen Klinsmann nicht für den WM-Kader
nominiert worden – eine Entscheidung, über
die viel diskutiert wurde. Der 32-jährige
Akteur von LA Galaxy schrieb auf Facebook:
“Ich bin traurig darüber, dass ich diesen Beruf
aufgebe, der mir so viel Freude gebracht hat.”
Dann dankte er all seinen Teamkameraden,
Trainern und Freunden, die ihn im Laufe der
Jahre unterstützt hatten und fügte hinzu:
“Mein besonderer Dank geht an die Fans. Ihr
seid die Seele dieser Sportart, und ohne euch
wäre niemand in der glücklichen Position,
sich Profifussballer in der MLS nennen zu
dürfen.”
S
I
In der vergangenen Woche begann Donovan,
sich aus dem aktiven Fussball zu verabschieden, als er beim Freundschaftsspiel gegen
Ecuador zum letzten Mal für die US-amerikanische Nationalmannschaft auflief. Donovan
stand 40 Minuten lang auf dem Platz und
hätte fast noch einen Treffer erzielt. Der Ball
prallte an den ­P fosten. Als er dann ausgewechselt wurde, bedachte ihn das Publikum in
East Hartford (Connecticut) über eine Minute
lang mit stehenden Ovationen und sang:
“Thank you, Landon!” Am Ende der Partie, die
mit einem 1:1 endete, wurde auf den Videowänden ein Film mit wichtigen Stationen
seiner Karriere gezeigt – und der Spieler brach
in Tränen aus. Die Nummer zehn von LA
Galaxy kann auf eine beeindruckende Bilanz
zurückblicken. Über 240 Treffer hat er erzielt
(57 im Nationaltrikot) und fünfmal den MLS
Cup gewonnen. Nun bleibt abzuwarten, was in
den diesjährigen Playoffs passiert.
Man sollte die nächsten Partien von Donovan mit besonderer Aufmerksamkeit
­verfolgen. Schliesslich kommt der Rückzug
Donovans mit 32 Jahren etwas überra-
D
E
schend, wenn man bedenkt, dass die MLS
ihre positive Entwicklung auch einer grossen
Anzahl von Stars zu verdanken hat, die hier
ihren zweiten Fussballfrühling erleben. Am
letzten Spieltag erzielte beispielsweise der
Italiener Marco di Vaio (38 Jahre) zwei
Treffer für Montreal Impact und sicherte
seinem Team damit ein Unentschieden gegen
New England Revolution (2:2). Thierry Henry
(37 Jahre) lieferte erneut eine fast perfekte
Partie für die New York Red Bulls ab. In
dieser Saison hat Henry bereits zehn Treffer
und 14 Vorlagen auf dem Konto, von denen
die meisten durch Bradley Wright-Phillips in
Tore umgemünzt werden konnten. Dieser
führt die Torjägerliste der MLS mit grossem
Vorsprung an (25 Treffer) und traf auch am
Samstag gegen den FC Toronto wieder ins
Schwarze. Die Red Bulls haben eine Positivserie von zehn Heimspielen ohne Niederlage
hingelegt und sich damit für die Playoffs
qualifiziert. Zwar haben sie dieses Jahr keine
Chance mehr auf den Supporters’ Shield,
zählen jedoch nach wie vor zu den ernsthaften Anwärtern auf den Gesamtsieg des
Turniers. Å
Landon Donovan
Seine letzte Saison.
T H E F I FA W E E K LY
15
Trainer Walter Mazzarri
Wenig Rückhalt bei Inter Mailand.
We g we i s e n d e
Na c ht i m S a n Si r o
Stadion steht auch nicht mehr hinter dem
Trainer und hat ihn demonstrativ ausgepfiffen. Dies verschärft jedoch die Situation
zusätzlich, denn die Mannschaft spürt diese
Ablehnung und reagiert darauf mit einer
ängstlichen ­Spielweise.
Luigi Garlando ist Redakteur der
Kennen Sie die Redewendung
“Neapel sehen und sterben”?
Sie bringt das Schicksal von Inter Mailands
Trainer Walter Mazzarri auf den Punkt, der
zuletzt zwei Niederlagen in Serie (gegen
­Cagliari und Florenz) mit insgesamt sieben
Gegentoren hinnehmen musste. Nach nur
sechs Spieltagen haben die Nerazzurri bereits
zehn Punkte Rückstand auf Tabellenführer
Juventus Turin.
Abgesehen von den Ergebnissen werden Mazzarri vor allem mangelnder taktischer Mut und
sein Festhalten am scheinbar unabänderlichen
3-5-2-System vorgeworfen, das auf blossem
Abwarten und dem Lauern auf Konterchancen
basiert. Dies war ihm bereits von seinem
ehemaligen Präsidenten, Aurelio De Laurentiis,
vorgeworfen worden, der Rafa Benítez nach
Neapel holte, weil dieser eine offensivere und
attraktivere Spielweise bevorzugt. Es ist eine
Ironie des Schicksals, dass Mazzarri nun
ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub um seinen
Job spielen muss. Neapel sehen und …
Vereinspräsident Erick Thohir hat sich mit
seinem Vorgänger Massimo Moratti beraten
und klargestellt, dass der gemeinsame Weg
von Trainer Mazzarri und Inter im Fall einer
weiteren Pleite gegen die SSC Neapel schon
bald wieder zu Ende sein könnte, obwohl der
Vertrag erst kürzlich bis 2016 verlängert
worden war. Das Publikum im San-Siro-­
In diesem Spiel kommt es auch zum Duell
zwischen Gonzalo Higuaín und Rodrigo
Palacio, die dem früheren Nationaltrainer
Argentieniens, Alejandro Sabella, vermutlich
noch heute schlaflose Nächte bereiten. Ihre
vergebenen Chancen hatten immerhin zur
Niederlage im WM-Finale gegen Deutschland
beigetragen.
“Gazzetta dello Sport” und Autor
zahlreicher Kinderbücher.
16
T H E F I FA W E E K LY
An der Tabellenspitze kommt es hingegen zu
einer Fortsetzung des Fernduells zwischen
Juventus und der AS Roma, nachdem die
Bianconeri am vorangegangenen Spieltag
gegen den Titelrivalen in einer aufregenden
Partie mit zwei Platzverweisen, Rangeleien
auf dem Spielfeld und umstrittenen
Entscheidun­gen 3:2 die Oberhand behalten
hatten. Vor allem Totti ortete Fehlentscheidungen des Schiedsrichters und stellte offen
die Rechtmässigkeit der Meisterschaft in
Frage. Dies war unnötig, denn die Luft im
italienischen Fussball ist ohnehin dick
genug, nachdem in der vergangenen Saison
ein Fan erschossen worden war.
Juventus gegen Roma, ein Spiel auf mässigem Niveau, war ein Abbild der Hysterie
im italienischen Fussball. Und dabei sind
gerade mal sechs Spieltage absolviert.
Doch zum Glück gibt es auch Hoffnungsschimmer. Am Tag nach dem Spiel Juve
gegen Roma distanzierte sich Roma-­
Präsident James Pallotta von Tottis Verdachtsäusserungen und appellierte: “Atmen wir tief durch und beruhigen wir
uns ... Wir müssen lernen, Niederlagen zu
akzeptieren.” Å
Pier Marco Tacca / Getty Images
Serie A Italien
S.League Singapur
Endspu r t w ird
doch spa n nend
Jan Griffiths schreibt über
eine Formkrise. Unlängst gab es in der Liga
zwei Heimniederlagen sowie das HalbfinalAus im Singapore Cup.
DPMM hat nach wie vor alles selbst in der
Hand. Drei Siege aus den verbleibenden
drei Spielen, und die Meisterschaft ist ihr
nicht mehr zu nehmen. Die anstehenden
Partien gegen Balestier Khalsa (25. Oktober) und Albirex Niigata (28. Oktober)
sollten zu gewinnen sein, ehe es drei Tage
später zur Nagelprobe im Saisonfinale
gegen die wiedererstarkten Tampines
Rovers kommt. Å
Fussball und lebt in Kuala
­Lumpur.
Als Hafiz Rahim in der
62. Minute einen Freistoss
zum entscheidenden 3:2-Auswärtssieg des
Warriors FC gegen Brunei DPMM verwandelte, sorgte der Stürmer damit erneut für eine
Wende im ohnehin schon faszinierend spannenden Titelrennen in Singapurs S.League.
Durch das Ergebnis von Bandar Seri Begawan lagen die Warriors plötzlich nur noch
zwei Punkte hinter Tabellenführer DPMM –
alles andere als ein komfortabler Vorsprung
für das Team aus Brunei, zumal dessen
ambitionierte Saisonziele auch noch durch
die Tampines Rovers gefährdet sind, die nur
einen Punkt weniger auf dem Konto haben.
Kurz gesagt: Angesichts von nur noch drei
ausstehenden Spieltagen steht der Inselrepublik ein nervenaufreibender Saison-Endspurt
ins Haus.
Md Asdeny Yakub / Brunei Times
Knappe Siege sind in Singapur nichts Ungewöhnliches. Die diesjährige Titeljagd samt
anschliessenden Ehrungen in der Löwenstadt jedoch steht ganz im Zeichen einer
neuen Herausforderung für die etablierten
Fussball-Grössen, mischt DPMM doch weiter
die Liga kräftig auf. Nach dem Erstliga-Aufstieg 2009 konnte die Mannschaft bereits
dreimal den Ligapokal gewinnen (2009, 2012
und 2014). 2012 wurde sie zudem Zweiter in
der S.League. In dem Klub, der früher sowohl
in der Premier League als auch der Super
League Malaysias aktiv war, dürfte den
traditionellen Titelanwärtern Warriors,
Tampines und Home United auf Sicht ein
ernstzunehmender Konkurrent erwachsen.
Unter der geschickten Führung von Trainer
Steve Kean (früher Blackburn Rovers) spielte
DPMM bislang erfrischenden Offensivfussball. Der Brasilianer Rodrigo Tosi schoss die
Tore, die ihm bevorzugt der 29-jährige irische
Mittelfeldspieler Roy O’Donovan auflegte.
Zugleich hielt Torhüter Wardun Yusof hinten
seine Abwehr zusammen und seinen Kasten
sauber. Alles war gut, der Abstand zwischen
der Mannschaft aus Brunei und den Verfolgern war gross. Dann jedoch ereilte DPMM
Big Point
Verfolger Warriors FC (in Weiss)
besiegte Brunei DPMM 3:2.
T H E F I FA W E E K LY
17
Name
Geburtsdatum, Geburtsort
30. April 1965, Adelaide (Australien)
Wohnort
Sydney
Fussball
Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees
Vizepräsidentin der AFC
18
T H E F I FA W E E K LY
Nic Walker / Fairfax Syndication
Moya Dodd
DAS INTERVIEW
“Ich würde alles noch
einmal so machen”
Moya Dodd, die Vizepräsidentin der Asian Football Confederation, über ihren Weg in
den Frauenfussball, die Chancengleichheit der Geschlechter – und den Liverpool FC.
Moya Dodd, können Sie sich an Ihre ersten
Schritte im Fussball erinnern?
Wie hat sich der Frauenfussball in Australien
entwickelt?
Moya Dodd: Ich kickte in Adelaide, der
Stadt, in der ich aufgewachsen bin, einen
ovalen Ball des Australian Football herum. In
der Schule bedeutete Fussball eigentlich
immer Australian Football, aber als ich etwa
zehn Jahre alt war, kam ein Kind auf die
Schule, das mehr am Assoziations-Fussball
interessiert war, und so begannen wir, mit
einem platten Basketball zu spielen. Ich wusste immer noch nicht, worin eigentlich die
Faszination bestand, bis meine Familie einen
Farbfernseher anschaffte und man in der
Woche eine Stunde Fussball schauen konnte.
Das wurde für mich bald die beste Stunde der
Woche. Ich schaute sehr aufmerksam zu. Die
erste Erfahrung mit der Live-Übertragung
eines Spiels machte ich 1977, als Liverpool im
Finale des englischen FA Cups gegen Manchester United antrat. Ich bettelte meine
Eltern regelrecht an, dass ich wach bleiben
und das Spiel anschauen durfte. Liverpool
verlor zwar, spielte aber den besseren Fussball. In diesem Moment wurde ich Liverpool-Fan und bin es noch heute.
Er wächst unglaublich. Als ich für das
Nationalteam spielte, gab es etwa 10 000
Spielerinnen. Jetzt sind es mehr als 100 000.
Wir haben eine nationale Liga, die Westfield
W-League, in der acht Mannschaften antreten. Wir legen grossen Wert auf die Synergien durch eine enge Bindung an die A-League
der Männer. In die A-League wurde in Bezug
auf Marken viel Geld investiert, und als die
W-League startete, waren die meisten Klubs
in denselben Städten wie die A-League
angesiedelt. Das ist wichtig für die Sichtbarkeit des Frauenfussballs, weil man an einem
Wochenende das Männerteam spielen sehen
kann und am nächsten die Frauenmannschaft. Offenkundig klafft noch eine Lücke
zwischen Männern und Frauen, aber das ist
praktisch überall auf der Welt so.
Wie kam es dazu, dass Sie eine Spielerinnen­
karriere einschlugen?
Ich hatte mich in das Spiel verliebt und
begann zu verstehen, warum mein Schulfreund so begeistert davon war. In Adelaide
war es in den 1970er-Jahren gar nicht so
einfach, einen Klub zu finden, aber einer
davon, Port Adelaide, war für mich mit dem
Fahrrad erreichbar. So habe ich angefangen.
Wie ging es weiter?
Ich begann ein Jurastudium an der
Universität Adelaide und trat der Fussballmannschaft der Uni bei. Dann schaffte ich
mit 19 den Sprung in die Auswahl des Bundesstaates South Australia und gab mit 20
mein Debüt in der Nationalmannschaft. Ich
spielte bis zum Alter von 29 für die “Matildas”, dann zog ich mir in den USA einen
Kreuzbandriss zu. Damals habe ich leider
zum letzten Mal gespielt und die WM-Endrunde 1995 verpasst. Wenn ich könnte, wäre
ich gerne 30 Jahre jünger und würde alles
noch einmal so machen.
Ist Australien eine Messlatte dafür, wie man
Fussballerinnen in der asiatischen Fussball­
konföderation fördern sollte?
Lassen Sie es mich so sagen: In Australien
ist es kulturell üblich, Mädchen zum Sport zu
animieren. Wir haben in dieser Hinsicht sehr
viel Glück. Wenn ich sehe, dass Frauen in
einigen AFC-Ländern nicht dieselben Möglichkeiten haben, macht mich das nur noch
entschlossener. Aber das Problem geht viel
tiefer und betrifft nicht nur den Sport. In
einigen Kulturen der Welt werden Söhne
gegenüber Töchtern stark bevorzugt. Beim
Essen, bei der Bildung und der Freizeit sind
sie vor ihren Schwestern an der Reihe. Das ist
eine Riesenhürde, vor der Mädchen stehen,
die Fussball spielen möchten. Ich kenne ein
Fussballprogramm in einem bestimmten
asiatischen Land, aus dem ein Mädchen
aussteigen musste, weil sie von ihrer Familie
in die Sklaverei verkauft wurde, um die
Bildung ihres Bruders zu finanzieren.
Was waren die grössten Erfolge der Förderung
des Frauenfussballs in der Region?
Auf jeden Fall hat die Änderung der
Kopftuchregel für Spielerinnen zur Beseitigung von Barrieren beigetragen. Wichtig ist
es, Erfolge in den Ländern zu erzielen, in
denen es am schwierigsten ist. Dort zeigt sich,
welche Kraft der Fussball hat, wenn es darum,
geht, Frauen und Mädchen das Ausschöpfen
ihres Leistungspotenzials zu ermöglichen.
Sie sind eine Frau in einer Männerwelt. Wie
gehen Sie damit um, dass die Welt der Fuss­
ballfunktionäre eine Männerdomäne ist?
Ehrlich gesagt verschwende ich nicht
viele Gedanken daran. Ich habe viele Jahre
im Rechtsbereich und in der Wirtschaft
gearbeitet. Daher ist es für mich nicht aussergewöhnlich, mich als einzige Frau bei einem
Treffen wiederzufinden. Davon lasse ich mich
nicht abschrecken. Ich habe im Lauf der
Jahre mit vielen Männern über viele Fussballthemen gesprochen!
Wie bringen Sie Ihre Aufgaben bei der FIFA
und der asiatischen Fussballkonföderation
AFC mit Ihrer Rolle als Mutter zweier kleiner
Kinder in Einklang?
Die schlimmsten Tage sind die, an denen
ich von Sydney abfliege, und die besten Tage
sind die, an denen ich nach Hause komme.
Die Kinder lieben Fussball und interessieren
sich für das, was ich tue. Sie reisen auch gern
und kommen manchmal mit.
Welches sind die grössten Herausforderungen
für den Fussball und welche Veränderungen
würden Sie gern sehen?
Ich würde gern erleben, dass es für
Frauen und Mädchen zur Normalität wird, in
den Fussball involviert zu sein, und zwar auf
jedem Niveau. Fussball ist das am häufigsten
gespielte, am meisten angeschaute und
beliebteste Spiel der Welt. Geographisch
betrachtet ist mittlerweile jeder Winkel der
Welt davon durchdrungen. Demographisch
betrachtet ist es jedoch nur ein Spiel für die
halbe Welt. Ich würde gern erleben, dass es
für die ganze Welt da ist. Um das zu erreichen, gilt es, Möglichkeiten zu eröffnen und
den Zugang zu gewährleisten. Dabei geht es
nicht nur um Fairness und die Beseitigung
traditioneller Ungleichheiten, sondern auch
um Wachstums- und Geschäftschancen. Es
stört mich, dass Frauen in einigen Ländern
keinen Zugang zum Fussball haben.
Mit Moya Dodd sprach Andrew Warshaw
T H E F I FA W E E K LY
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First Love
Ort: Seoul, Republik Korea
Dat u m : 9. Ju n i 2 0 1 4
Zeit: 11.15 Uhr
Ed Jones / AFP
T H E F I FA W E E K LY
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Den Fussball überall und
für alle entwickeln
Mitreissende Turniere
organisieren
Der Gesellschaft und der
Umwelt Sorge tragen
Für das Spiel. Für die Welt.
Die FIFA will den Fussball zum Wohl aller entwickeln. Unsere Mission lautet:
Das Spiel entwickeln
Oberstes Ziel der FIFA ist, den Fussball für ihre 209 Mitgliedsverbände zu entwickeln. Dank den Einnahmen aus der FIFA
Fussball-Weltmeisterschaft™ können wir täglich USD 550 000
in die weltweite Fussballförderung investieren.
Die Welt berühren
Die FIFA will die Menschen weltweit mit ihren internationalen
Fussballturnieren und -veranstaltungen bewegen, zusammenführen und begeistern.
FIFA.com
Eine bessere Zukunft gestalten
Der Fussball ist viel mehr als ein Spiel. Mit seiner weltweiten
Ausstrahlung und Reichweite besitzt er eine einzigartige Kraft,
die sorgsam einzusetzen ist. Die FIFA fühlt sich der Gesellschaft
weit über den Fussball hinaus verpflichtet.
FIFA T V
PRESIDENTIAL NOTE
Mit viel
Innovation
FIFA TV ist für die Produktion von spielbezogenen
und sonstigen Inhalten sowie für deren Distribution
an Sendeanstalten und Fans auf der
ganzen Welt zuständig.
I
m Rahmen einer glanzvollen Zeremonie in
Amsterdam pries die IBC (International
­Broadcasting Convention) das nachhaltige
Engagement von FIFA TV bei der Distribution
und Bereitstellung des bestmöglichen WMFernseherlebnisses für Fans auf der ganzen
Welt.
Peter Owen, Vorsitzender des IBC-Gremiums, das die Auszeichnung “International Honour for Excellence” verleiht, dazu: “FIFA TV
ist weiterhin innovativ und geht auf seinen
riesigen globalen Zuschauerkreis ein. Das Unternehmen bringt die neuesten Technologien
und führende Anbieter zusammen, um konkurrenzlosen Zuschauerkreisen unübertroffene Inhalte zur Verfügung zu stellen.”
FIFA TV, der Fernsehzweig der FIFA, wurde
als Anerkennung für eine breite Palette an
Sendeinnovationen im Rahmen der Fussball-WM 2014 ausserdem mit dem begehrten
IBC “Judges’ Prize” ausgezeichnet. Die Innovationen umfassen unter anderem topaktuelle
Multimedia-Inhalte und -Produktionen sowie
die Spielberichterstattung in Ultra-HD.
Kontinuierliches Engagement
Mit der Verleihung dieses Preises würdigte die
IBC das kontinuierliche Engagement von FIFA
TV sowohl für den Einsatz neuer Technologien
als auch für die Zusammenführung einer Vielzahl branchenführender Unternehmen im
Rahmen von innovativen Projekten bei der
Fussball-WM.
Die Fussball-WM 2014 wurde in alle Regionen des Planeten übertragen und brach in zahl-
reichen Schlüsselmärkten, einschliesslich der
USA und Deutschland, Rekorde beim Online-Streaming und bei den Fernseh-Einschaltquoten.
Fussball-WM als globales Ereignis
Der Verkauf der Medienrechte für die Fussball-Weltmeisterschaft spielt eine tragende
Rolle bei der Sicherung der finanziellen Ressourcen, die die FIFA für ihre Investitionen in
die Fussballförderung, vom Breitenfussball bis
hin zu internationalen Wettbewerben auf der
ganzen Welt, benötigt. Die Abkommen mit
Sendeanstalten, einschliesslich zahlreicher
Vereinbarungen über frei empfangbare Ausstrahlungen, stellen ausserdem sicher, dass die
Fussball-WM ein wirklich globales Ereignis ist,
an dem sich Fans in allen Teilen der Welt erfreuen können.
Als weitere Anerkennung erhielt FIFA TV
für die Arbeit während der Fussball-WM 2014
von der Sports Video Group die Auszeichnung
“Production Achievement Award”. Der Preis
wurde im Rahmen der jährlichen Preisverleihung für Sportproduktionen und technische
Errungenschaften auf der IBC-Konferenz verliehen. Å
Ein “Oscar”
für die FIFA
B
ilder sagen mehr als tausend Worte. Das
zeigte sich auch an der WM in Brasilien. Mit
den herausragenden Fernsehübertragungen
von der 20. Endrunde wurden neue Massstäbe
gesetzt. Dafür erhielt FIFA TV zwei der grössten Auszeichnungen der globalen Sendebranche – den “International Honour for ­Excellence”
sowie den “Judges’ Prize”.
Diese Preise sind eine Anerkennung für
unser nachhaltiges Engagement in den Bemühungen, den Fussballfans in allen Teilen der
Welt das bestmögliche Fernseherlebnis zu bieten. Der Fussball ist Teil der Unterhaltungsbranche und des Showgeschäfts – und so soll er
sich auch präsentieren.
Mit dem Erhalt dieser Auszeichnungen
steht FIFA TV nun in einer Reihe mit hochdekorierten Personen und Organisationen der
Unterhaltungsbranche wie den Oscar-Gewinnern und Hollywood-Regisseuren James Cameron (“Titanic”) und Peter Jackson (“Der Herr
der Ringe”), dem preisgekrönten Produzenten
von Naturdokumentationen David Attenborough, dem innovativen Forschungslabor des japanischen Senders NHK und dem Audio-Pionier Ray Dolby. Dazu möchte ich insbesondere
dem FIFA-Direktor TV, Niclas Ericson, aufrichtig und herzlich gratulieren.
Direkt und indirekt tragen die TV-Übertragungen auch zu den Entwicklungsprogrammen
und der Förderung des Fussballs bei. Denn der
Verkauf der Medienrechte spielt eine essenzielle Rolle in unserem Engagement in sozialen
Bereichen. Auch deshalb sind diese Preise für
uns so bedeutend.
Ihr Sepp Blatter
T H E F I FA W E E K LY
23
“GLOBAL WAT CH”
Global Watch
Tokyo Sexwale (links) führt
das Vermächtnis von
Nelson Mandela fort.
“Der Rassismus
ist ein Monster”
Stellung beziehen, Nein sagen zum Rassismus,
ganz im Sinne von Nelson Mandela:
Tokyo Sexwale, ein Freiheitskämpfer, der Seite
an Seite mit Mandela kämpfte, hat das erste
globale Gipfeltreffen der Sportwelt gegen
Rassismus und Diskriminierung anberaumt.
Am 20. und 21. November wird in Johannesburg
die jüngst ins Leben gerufene Initiative Global
Watch eine globale Charta sowie ein Barometer
zur Bekämpfung des Rassismus in allen
Sportarten lancieren.
Herr Sexwale, wie viel Nelson Mandela steckt in Global Watch?
Tokyo Sexwale: Wir betrachten diese Initiative weitgehend als
Vermächtnis Nelson Mandelas im Kampf um eine friedliche und
prosperierende Welt ohne Rassendiskriminierung. Natürlich lassen
wir uns von seinem berühmten Zitat zu diesem Thema inspirieren:
“Der Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern. Er hat die Kraft, zu
inspirieren. Er hat die Kraft, Menschen zu vereinen, wie das sonst nur
wenige Dinge können. Er spricht die Jugend in einer Sprache an, die sie
versteht. Der Sport kann Hoffnung wecken, wo zuvor Verzweiflung
war. Er ist mächtiger als Regierungen, wenn es darum geht, Rassenschranken niederzureissen. Er lacht jeglicher Art von Diskriminierung
ins Gesicht!”
War Mandela begeistert von dieser Initiative?
Wir haben Madiba, wie wir ihn nennen, lange vor seinem Hinscheiden in Kenntnis gesetzt, denn er wusste über die FIFA-Kampagne aus
dem Jahr 2006 zur Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung
Bescheid. Gemeinsam haben wir die Entscheidung getroffen, gegen den
Rassismus zu kämpfen – nicht nur im Sport, sondern überall auf der
24
T H E F I FA W E E K LY
Welt. Wenn wir uns nur auf den Fussball konzentrieren, entsteht der
Eindruck, Rassismus sei ein FIFA-Problem. Das ist falsch. Auch in
Motorsport, Rugby, Cricket, Basketball, Volleyball, Tennis und in anderen Sportarten fallen Menschen diesem Übel zum Opfer. Das Problem
ist viel weitreichender. Der Rassismus ist ein gesellschaftliches Problem.
Er ist wie ein Monster, das versucht, den Sport zu unterwandern. Der
Rassismus ist nicht aus dem Sport hervorgegangen, aber er kann ihm
auf jeden Fall grossen Schaden zufügen. Wenn wir nicht aufstehen,
sondern zulassen, dass Rassismus den Sport überwältigt, dann werden
wir zu einem Leben in einer feindseligen Welt verdammt sein.
Da sind zahlreiche Initiativen und Institutionen, die sich deutlich gegen
Rassismus positionieren. Worin unterscheidet sich Global Watch davon?
Sie alle finden unseren Beifall. Das Europaparlament, die Vereinten
Nationen, die FIFA, das IOC und andere haben allesamt Erklärungen zur
Bekämpfung des Rassismus im Sport und im Fussball abgegeben, die
wir uns angeschaut haben. Mit dem Internationalen Tag zur Beseitigung
der Rassendiskriminierung am 21. März hat die Fussballgemeinde noch
einmal untermauert, wie wichtig es ist, den Rassismus auszuradieren.
“GLOBAL WAT CH”
Bislang gibt es keine globale, zentralisierte und abgestimmte Führung in
diesem Kampf, der den gesamten Sport betrifft. Das ist es, was fehlt und
was Global Watch bieten wird. Das ist der Unterschied.
tensregeln verabschiedet werden können. Darüber hinaus werden wir
eine globale Charta und ein globales Barometer lancieren.
Was verstehen Sie darunter?
Denzil Maregele / Getty Image
Aber Sie fangen nicht bei Null an, nicht wahr?
Nein, ganz sicher nicht. Wir werden auf der guten Arbeit und dem
langjährigen Engagement vieler grosser und kleiner Organisationen
und Einzelpersonen auf der ganzen Welt aufbauen. Global Watch selbst
ist aus der Kampagne “Sag Nein zum Rassismus” im Fussball hervorgegangen, die während der WM 2006 in Berlin von der FIFA lanciert
wurde. Schon damals war ich der Ansicht, dass ein Dreh- und Angelpunkt, eine Dachorganisation, eine singuläre Plattform zur Bekämpfung des Rassismus erforderlich ist. Es wurde vorgeschlagen, dass die
Südafrikaner bei dieser Initiative die Führung übernehmen sollten. Das
erste Gipfeltreffen von Global Watch im November in Johannesburg
zielt nun darauf ab, basierend auf einer Reihe von Grundprinzipien,
einen Leitplan zur Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung
im Sport ins Leben zu rufen. Ausserdem wollen wir nationale Gipfeltreffen anregen, an denen für die einzelnen Länder nationale Verhal-
Bei der globalen Charta, die den Vereinten Nationen zur Verabschiedung vorgelegt werden soll, handelt es sich um ein kurzes Dokument
mit allen Verhaltensregeln für den gesamten Sportbereich. Diese Charta
wird mit Hilfe eines Barometers überwacht. Es gibt zahlreiche Barometer zu Armut, Gesundheit, Wohlstand, Korruption und diversen anderen Dingen. Es gibt jedoch noch kein Barometer zu Rassismus im Sport.
Beim Barometer von Global Watch handelt es sich um einen Index, an
dem sich ablesen lässt, welchen Ländern die Ausmerzung des Rassismus in den einzelnen Sportbereichen ein ernstes Anliegen ist. Damit
wird die Einhaltung der Charta Land für Land überwacht und die
höchstmögliche Transparenz und Glaubwürdigkeit des Verfahrens
sichergestellt. Dieser Index soll von einem international anerkannten
und unabhängigen Gremium in Form eines jährlich veröffentlichten
Berichts erstellt werden. Unter anderem wird die Mandela Foundation
das Barometer für Global Watch verwalten.
T H E F I FA W E E K LY
25
“GLOBAL WAT CH”
Bananen sind zum Essen da Barça-Star Dani Alves am 27. April 2014.
Ein klares Nein zum Rassismus FIFA-Präsident Sepp Blatter an der Seite von Tokyo Sexwale,
Sie haben die Ernennung von Carlo Tavecchio zum neuen Präsidenten
des italienischen Fussballverbands kritisiert. In Tavecchios Rede über
den grossen Zustrom ausländischer Spieler nach Italien sagte er wörtlich: “Hier bekommen wir Opti Poba, der zuvor Bananen gegessen hat
und dann plötzlich in der ersten Mannschaft von Lazio spielt.” Wo wird
Italien auf dem Barometer von Global Watch landen?
Diese jungen Männer haben ihre moralische Haltung mit Stärke
und Mut zum Ausdruck gebracht. Aber wir müssen ihnen dennoch
weiterhelfen. Wie ich bereits sagte, ist das Verlassen des Spielfelds ein
Akt der Verzweiflung. Es muss ein Organ geben, das für diese Menschen einsteht. Und an dieser Stelle kommt Global Watch ins Spiel – um
Sportfunktionäre und Administratoren von Aufgaben zu entbinden,
die nicht zu ihrem Kerngeschäft gehören und sie von ihrem eigenen
Fachgebiet wegführen. Wir sind da, um aufzuklären, vorzubeugen, zu
überwachen, zu sensibilisieren, und wenn es nötig ist, können Bestrafungen eingefordert werden.
In Italien gab es in jüngster Zeit eine Reihe rassistischer Zwischenfälle,
die in der Öffentlichkeit viel Aufmerksamkeit erregt haben. Kevin-Prince
Boateng, ehemaliger Spieler der AC Milan, verliess während eines
Freundschaftsspiels aus Protest über rassistische Beschimpfungen den
Platz. Mario Balotelli ist noch immer Opfer rassistischer Gesänge. Ist
das Verlassen des Platzes eine angemessene Reaktion?
Wir erinnern uns daran, was Balotelli passiert ist und dass seine Geste
viele Fragen aufgeworfen hat. Das Verlassen des Platzes ist zwar verständlich, sollte jedoch nicht gefördert werden, da es den Menschen in die
Hände spielen könnte, die den Sport zerstören wollen. Rassisten werden
feiern, während echte Fans die Leidtragenden sind. Gleichzeitig bin ich
aber auch nicht immer mit Regeln und Richtlinien einverstanden, die
besagen, dass ein Spieler, der unter solchen Umständen das Spielfeld
verlässt, mit einer Geldbusse belegt oder gesperrt werden kann. Die
Verbände und zuständigen Organisationen müssen auch die Umstände in
Betracht ziehen. Ich kann verstehen, dass solch ein Spieler den Platz
verlassen möchte. Rassistische Beschimpfungen verletzen die Seele und
nehmen die Lust am Spiel.
Das U21-Team von Manchester City hat in der Partie gegen HNK Rijeka
in Novigrad das Spielfeld verlassen. Im Anschluss veröffentlichte Global
Watch eine Stellungnahme, in der der Mut der Nachwuchsspieler gelobt
wurde.
26
T H E F I FA W E E K LY
“Wir sind uns alle einig über
eine Null-Tolerenz-Strategie
gegen den Rassismus”
Balotellis Teamkamerad Ciro Immobile sagte, 2014 sollten wir eigentlich
nicht mehr über Rassismus reden müssen.
Ich wünschte, das wäre der Fall. Die Ausmerzung dieses Übels ist
ein langer Weg. Unser Ziel ist es, den Rassismus im 21. Jahrhundert zu
beseitigen. Es gibt noch viel zu tun. Ich erinnere noch einmal an Boatengs Worte vor den Vereinten Nationen. Er sagte: “Rassismus geht
nicht weg wie Kopfschmerzen. Er ist eher mit Malaria zu vergleichen.
Er ist ansteckend und breitet sich aus.” Global Watch wird dieses Übel
auf dem Spielfeld und in der Gesellschaft als Ganzes bekämpfen. Wir
müssen gegen die Ursachen vorgehen. Wir müssen geeignete wirkungsvolle Massnahmen ergreifen, gewissermassen eine Medizin verabreichen, ohne dabei den gesamten Körper zu zerstören.
FIFA-Präsident Sepp Blatter sagte, Fussballverbände sollten verstärkt
von ihrem Recht Gebrauch machen, Klubs zu sperren und Punktabzüge
vorzunehmen, anstatt Geldstrafen zu verhängen.
Blatter hat vollkommen recht. Die FIFA hat eine Resolution verabschiedet, und wir haben uns beim FIFA-Kongress auf Mauritius auf
Sanktionen geeinigt. Mit Sanktionen allein werden wir den Rassismus
allerdings nicht besiegen. Dazu ist mehr erforderlich. Rassisten müssen
den Druck zu spüren bekommen. Wir müssen sie mit allen erdenklichen
Mitteln unter Druck setzen, sonst wird nichts passieren. Derzeit hat
Alexander Hassenstein / Getty Images
Lassen Sie mich vorwegnehmen, dass sich Global Watch – ganz im
Sinne von Mandela – entschieden der Versuchung widersetzen wird,
die Charta oder das Barometer für Rachezwecke zu missbrauchen. Wir
werden immer sehr, sehr vorsichtig und einfühlsam sein, denn unangebrachte Beschuldigungen können Leben zerstören. Allerdings wurde
durch die Kommentare dieses Gentleman, falls sie so stimmen, Öl ins
Feuer gegossen – insbesondere weil sie jungen und unschuldigen
Menschen galten. Da wird ein vollkommen falsches Signal ausgesendet. Menschen wie Nelson Mandela, Sepp Blatter, Beckenbauer, Pelé
und viele andere sind sich darin einig, dass im Kampf gegen den
Rassismus eine Null-Toleranz-Strategie gefahren werden muss. Der
italienische Fussball hat sich mit der Wahl dieses Herren daher in eine
Situation gebracht, die intensive Überprüfungen erfordert.
“GLOBAL WAT CH”
Franz Beckenbauer und weiteren Funktionären vor dem Start der WM 2006 in Berlin.
Blatter weltweit die Führung übernommen und dem Rassismus die Rote
Karte gezeigt. Viele andere müssen sich ebenfalls deutlicher positionieren. Leere Stadien stellen nicht unbedingt die geeignetste Strafe dar.
Damit bestraft man möglicherweise 20 000 bis 80 000 Menschen oder
sogar noch mehr. Sollen Tausende leiden, weil ein Dummkopf eine Banane geworfen oder eine kleine Gruppe sich die Gesichter angemalt und
Affengesänge angestimmt hat? Man sollte den Bananenwerfer ausfindig
machen und aus dem Stadion verbannen, aber sicher nicht alle Zuschauer. Zwangsabstieg ist ebenfalls heikel. Und was ist, wenn die Person, die
die Banane auf den Platz wirft, dafür bezahlt wurde?
Der FC Bayern München wurde kürzlich wegen eines homophoben
Banners im Viertelfinale der Champions League gegen Manchester
United mit einem Teilausschluss der Fans bestraft.
Soviel ich weiss, hat man dem Rassismus in Deutschland die Rote
Karte gezeigt und ganz eindeutig Stellung gegen Diskriminierung
bezogen. Ich finde, Deutschland ist heute viel intoleranter, was Rassismus angeht. Meiner Ansicht nach hat Franz Beckenbauer als LOKVorsitzender bei der WM eine ganz besondere Rolle dabei gespielt.
Deutschland hat die Welt 2006 mit einer hervorragenden Botschaft zu
sich eingeladen: “Die Welt zu Gast bei Freunden”. Ich erinnere mich
noch daran, wie wir in Berlin gemeinsam im Stadion standen und die
Kampagne “Sag Nein zum Rassismus” lanciert haben. Ist das nicht
paradox? Da standen wir nun, 70 Jahre später, in demselben Stadion,
in dem Hitler bei den Olympischen Spielen von 1936 der Welt seine
schreckliche Theorie von der Herrenrasse beweisen wollte – aber
dieses Mal hatten wir uns dort im Kampf für das Gute vereint!
Martial Trezzini / Keystone
Sind wir im Sport immer noch zu zurückhaltend beim Ergreifen geeigneter Massnahmen?
Schauen Sie, was mit Donald Sterling, dem Besitzer des Basketballteams der Los Angeles Clippers, passiert ist. Nachdem Aufzeichnungen
rassistischer Aussagen Sterlings aufgetaucht waren, hat der NBAVerantwortliche Adam Silver ihn lebenslang gesperrt. Er wurde
gezwungen, seine Anteile am Team zu verkaufen. Sterling ist Milliardär,
ein sehr mächtiger Mann, nicht nur ein Bananenwerfer. Dennoch wurde
sehr strikt mit ihm umgegangen. Wir bewundern die ausgesprochen
schnelle, gerechte und entschiedene Vorgehensweise der NBA.
So etwas würden wir gern häufiger sehen – selbstverständlich nach
einer ordnungsgemässen und eingehenden Untersuchung.
Barcelonas brasilianischer Verteidiger Daniel Alves wurde dafür gelobt,
dass er auf einen Bananenwurf durch einen rassistischen Fan bei
Kampf für die Menschenrechte Kevin-Prince Boateng vor den Vereinten Nationen in Genf.
Barcelonas 3:2-Auswärtssieg gegen Villarreal am 27. April reagierte,
indem er die Banane einfach ass. Später trat er dafür ein, dass der
Bananenwerfer, der ein weltweites Aufbegehren gegen Rassismus
ausgelöst hatte, seinen Job wiederbekommen sollte, den er Berichten
zufolge aufgrund des Zwischenfalls verloren hatte.
Das Beispiel von Dani Alves zeugt von Reife. So sollte die Welt
reagieren. Diese Art der Reaktion ist ganz im Sinne Nelson Mandelas.
Alves ist ein Opfer, das Mitgefühl für andere empfindet. Ich habe
immer betont, dass wir im Kampf gegen Rassismus Führungspersönlichkeiten, Kämpfer, starke Menschen brauchen. Sie müssen mit gutem
Beispiel vorangehen, und Alves hat bewiesen, dass er zu diesen Menschen gehört. “Wenn Alves ein Affe ist, dann sind wir alle Affen.” Das
hat Neymar damals gesagt. Hervorragende Haltung von Barcelona,
sich dahinter zu stellen! Wir haben ihnen allen gesagt: “Gut gemacht,
Gentlemen!” Ihr Aufruf zum Handeln ist Bestandteil der Aufklärung,
die wir leisten wollen. Ich betone noch einmal, dass es Global Watch
nicht darum geht, Rache zu üben. Es geht nicht darum, Menschen zu
zerstören. Wir möchten die Menschen aufklären. Wir möchten eine
bessere Gesellschaft schaffen.
Gibt es denn Sanktionen, die richtig sind?
Darüber werden wir auf diesem Gipfel sprechen. Die FIFA hat
beispielsweise schwere Sanktionen verhängt, als Südafrika aufgrund
des rassistischen und diskriminierenden Apartheid-Systems 1964
gesperrt und 1976 ausgeschlossen wurde. Unsere Hauptziele sind
Aufklärung und Sensibilisierung sowie Überwachung und Prävention.
Sanktionen und Strafen sollten nur das letzte Mittel sein. Å
Mit Tokyo Sexwale sprach Bernd Fisa
IM SINNE VON NELSON MANDELA
Der Gipfel von Global Watch findet am 20. und 21. November in Johannesburg
statt. Global Watch ist ein Vermächtnis von Nelson Mandela. Mandela starb am
5. Dezember letzten Jahres im Alter von 95 Jahren. “Der Sport hat die Kraft, die
Welt zu verändern.” So lautet die Botschaft, die zu seinem Vermächtnis geworden
ist. Die Initiative Global Watch ist ein Gemeinschaftsprojekt der Mandela-, Doha
Goals- und Sexwale-Stiftungen.
Mehr unter:
www.nelsonmandela.org, www.globalwatch-racism.org
T H E F I FA W E E K LY
27
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S
o ein Bananenwurf ist mit das Infamste,
was sich im Fussballstadion denken lässt.
Im Schutze der Anonymität in der Menschenmenge wirft jemand eine Banane aufs
Feld und will damit einen Spieler aufgrund
dessen Herkunft verunglimpfen. So geschehen vor ein paar Tagen auch in Rumänien. Der
Brasilianer Wellington in Diensten des Erstligisten Concordia Chiajna musste einen Bananenwurf gewärtigen und geriet darob ausser sich. Die TV-Aufnahmen Wellingtons aus
dem Kabinengang liefen im rumänischen
Fernsehen immer wieder – bis sich der fehlhafte Fan Rapid Bukarests bei Wellington
meldete und sich entschuldigte. Wellington
nahm die Entschuldigung an. Å
Perikles Monioudis
Concordia Chiajna
I
n der letzten Ausgabe beschäftigte sich The FIFA Weekly mit langen
und bemerkenswerten Karrieren. Vor genau solch einer könnte Martin
­Odegaard stehen. Der Norweger kam im EM-Qualifikationsspiel gegen
Bulgarien (2:1) zum Einsatz und avancierte dabei mit 15 Jahren und
300 Tagen zum jüngsten Spieler seit je in diesem Wettbewerb. ­Odegaard
wurde in der 63. Minute eingewechselt und überbot die 31 Jahre alte
Bestmarke des Isländers Sigurdur Jönsson (16 Jahre und 251 Tage) deutlich. Auch auf nationaler Ebene hat der offensive Mittelfeldspieler bereits
für Furore gesorgt. Seit seinem viel beachteten Profidebüt für Stromsgodset IF im April gelangen ihm in 19 Partien der norwegischen Tippeligaen drei Tore und sechs Vorlagen. Der jüngste Nationalspieler, Erstligaspieler und -torschütze in der Geschichte seines Landes ist plötzlich
eines der begehrtesten Talente der Fussballwelt, die Liste der interessierten Spitzenklubs ist lang. Nicht wenige vergleichen den technisch versierten Teenager bereits mit Lionel Messi, den Odegaard übrigens seinen
Lieblingsspieler nennt, und der vor zehn Jahren in der ersten Mannschaft des FC Barcelona debütierte – im Alter von 17 Jahren. Der Rummel
um seine Person scheint Norwegens Ausnahmetalent jedenfalls nicht zu
beeindrucken. “Es ist cool, jetzt diesen Rekord zu haben. Es ist schwer
in Worte zu fassen, was ich in diesem Jahr alles erleben durfte. Ich versuche einfach, das alles zu geniessen”, gab er nach seinem denkwürdigen
Auftritt zu Protokoll. Å
Tim Pfeifer
W
as für ein Start in die Qualifikation zur Europameisterschaft! Da
stehen sie, die neun Tabellen am Seitenrand der Zeitung, Gruppe A
bis Gruppe I. Manch ein Fan wird zur Schere greifen und sich daheim den Schnipsel an den Spiegel kleben. Das dürfte in Wales, Island,
Österreich, Dänemark, Nordirland, Polen und in der Slowakei der Fall
sein. So heissen sieben der neun Tabellenführer. Keines dieser Teams
nahm im Sommer an der Weltmeisterschaft teil. Auf der anderen Seite
der WM-Kater: Portugal verlor zu Hause gegen Albanien, die Schweiz
unterlag in Slowenien, die Niederlande verloren auf Island, Spanien bezog eine Niederlage in der Slowakei, Bosnien verlor zu Hause gegen Zypern, Russland spielte in Moskau Unentschieden gegen Moldau und
Weltmeister Deutschland musste sich in Polen geschlagen geben. Den
leidenschaftlichsten Punkt aber holte sich vielleicht Irland, das auf Platz
2 der Gruppe D steht. Eher aussichtslos rannten die Iren über weite Strecken dem 0:1 in Deutschland hinterher, bis sie aus purer Verzweiflung
die Flucht nach vorne ergriffen und Sekunden vor Schluss zum Ausgleich
trafen. Die 3000 mitgereisten Fans sangen im Ruhrpott die ganze Nacht
irische Volkslieder. Und Torschütze John O’Shea dachte schon an Grosses, als er hinsichtlich des nächsten Spiels in Schottland sagte: “Hoffentlich sind wir nach diesem Spiel noch nahe an der Tabellenspitze. Vielleicht sind wir dann sogar Tabellenführer.” Å
Alan Schweingruber
T H E F I FA W E E K LY
29
© 2014 adidas AG. adidas, the 3-Bars logo and the 3-Stripes mark are registered trademarks of the adidas Group.
instinct
takes over
#predatorinstinct
adidas.com/predator
F I F A ’ S 11
FREE KICK
Spiele mit den meisten
Toren an Klub­
weltmeisterschaften
Fussball zu Hause
Ronald Düker
F
ür einen Fussballfreund wie mich hielt der
kleine Ort, in dem ich geboren und zur
Schule gegangen bin, von vornherein einige Nachteile bereit. Zwar gab es dort neben
einem Tennis- und Tischtennisverein auch
einen Fussballklub, doch dümpelte der immer nur in tiefen Spielklassen, und das sogenannte Stadion sah aus wie anderswo das
Trainingsgelände einer Jugendmannschaft.
Beglückende Fussballmomente waren also
stets auf das Fernsehen angewiesen, und
wirkliche Festtage gab es dann, wenn die
Spiele auch live übertragen wurden, zum Beispiel während der Weltmeisterschaften, die
ich seit 1982 bei vollem Bewusstsein verfolge.
Obwohl das alles nun schon schrecklich
lange her ist – und sich im Leben überhaupt
so dies und das ereignete, die Besuche einiger Erstligaspiele inklusive – hat sich aber
daran im Grunde nichts geändert. Die letzte
Weltmeisterschaft fand in Brasilien statt,
und ich war in Berlin, so flimmerten auch die
berauschenden Auftritte der deutschen
Mannschaft auch diesmal nur am Bildschirm
vorbei. Wie also das Erlebnis beschreiben,
das die Rückkehr der Nationalelf in die deutsche Hauptstadt darstellte?
Nichts hatte mich auf diesen Anblick vorbereitet. Nicht der Wecker. Auch nicht der
erste Blick auf die Nachrichten im Internet,
die von der bevorstehenden Ankunft des
“Siegerfliegers” kündeten, denn auf diesen
Namen hatte die Lufthansa jene Boeing 747
getauft, in der die deutschen Fussballer von
Brasilien nach Berlin flogen. Schon eher gab
mir die Webseite flightradar24.com einen
Hinweis – auf der sich auf einer Landkarte
und in Echtzeit der Weg eines jeden
Flugzeugs rund um den Globus verfolgen
­
lässt. Der Siegerflieger? Um neun Uhr noch
über Paris. Wenig später über Strassburg.
Dann Ruhrgebiet, Leipzig, Magdeburg. Als
das blinkende Flugzeugsymbol auf dem Bildschirm langsam die Aussenbezirke von Berlin erreicht, springe ich auf: Vom Schreibtisch zum Fenster, und nein, tatsächlich:
genau in der eigentlichen Flugverbotszone –
direkt über der Stadt – taucht, so niedrig
fliegend, dass der Aufdruck “Siegerflieger” zu
lesen ist, die Maschine auf und schwebt direkt über das Haus, in dem ich wohne.
Hätte mich jetzt irgendwer gesehen, in
diesem Moment vollkommen kindlicher
Begeisterung – ich wäre wohl vor Scham
gestorben. Jedenfalls habe ich sofort die
Fernsehübertragung eingeschaltet, in der die
Maschine ihre Schleife über der Stadt drehte
und dann am Flughafen Tegel landete. Und
doch: Ganz real und ganz direkt war in diesem einzigen kurzen Moment zuvor, und
mehr als bei jedem Stadionbesuch, an den ich
mich erinnere, der Fussball zu mir gekommen. Zu mir nach Hause. Å
Die wöchentliche Kolumne aus der
The-FIFA-Weekly-Redaktion
1
8 Tore
Gamba Osaka - Manchester United
Resultat: 3:5
Datum: 18.12.2008
2
7 Tore
Raja Casablanca - Al Nassr
Resultat: 3:4
Datum: 7.01.2000
3
6 Tore
Boca Juniors - AC Milan
Resultat: 2:4
Datum: 16.12.2007
6 Tore
Al-Ahly - Pachuca
Resultat: 2:4
Datum: 13.12.2008
6 Tore
SC Internacional - Seongnam
Resultat: 4:2
Datum: 18.12.2010
6 Tore
Al-Ahly - Monterrey
Resultat: 1:5
Datum: 18.12.2013
7
5 Tore
Real Madrid - Raja Casablanca
Resultat: 3:2
Datum: 10.01.2000
5 Tore
Al-Ittihad - Sao Paulo
Resultat: 2:3
Datum: 14.12.2005
5 Tore
Al-Ittihad - Deportivo Saprissa
Resultat: 2:3
Datum: 18.12.2005
5 Tore
Mazembe - Auckland City
Resultat: 2:3
Datum: 16.12.2009
5 Tore
Al-Wahda - Seongnam
Resultat: 1:4
Datum: 11.12.2010
Quelle: FIFA (FIFA World Cup, Milestones &
Superlatives, Statistical Kit, 13.10.2014)
T H E F I FA W E E K LY
31
ZEITSPIEGEL
T
H
E
N
Liverpool, England
1980
Bob Thomas / Getty Images
Fotoshooting mit Bubbles:
Kenny Dalglish (l.; Liverpool) und Bob Latchford (Everton) vor dem Stadtderby.
32
T H E F I FA W E E K LY
ZEITSPIEGEL
N
O
W
Tokio, Japan
2014
The Asahi Shimbun via Getty Images
Bubble-Fussball mit Sondereinlagen:
Japaner bei der Trendsportart aus Skandinavien.
T H E F I FA W E E K LY
33
DAS FIFA-R ANKING
Rang Team
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
29
31
32
33
34
34
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
48
48
48
52
53
54
55
56
57
58
59
60
61
62
63
64
65
66
67
68
69
70
71
72
73
73
75
76
76
34
→ http://de.fifa.com/worldranking/index.html
Rang­veränderung Punkte
Deutschland
Argentinien
Kolumbien
Niederlande
Belgien
Brasilien
Uruguay
Spanien
Frankreich
Schweiz
0
0
1
-1
0
1
-1
-1
1
-1
1765
1631
1488
1456
1444
1291
1243
1228
1202
1175
Portugal
Chile
Italien
Griechenland
Costa Rica
Mexiko
USA
England
Kroatien
Algerien
Ecuador
Elfenbeinküste
Russland
Ukraine
Bosnien und Herzegowina
Rumänien
Dänemark
Tschechische Republik
Schottland
Wales
Tunesien
Schweden
Ghana
Serbien
Island
Senegal
Nigeria
Türkei
Österreich
Slowakei
Kap Verde
Kamerun
Montenegro
Iran
Albanien
Bulgarien
Peru
Guinea
Japan
Burkina Faso
Kongo
Armenien
Slowenien
Ungarn
Panama
Honduras
Guatemala
Usbekistan
Mali
Paraguay
Ägypten
Republik Irland
Republik Korea
Israel
Finnland
Venezuela
Südafrika
Libyen
Jordanien
Polen
Nordirland
El Salvador
DR Kongo
Vereinigte Arabische Emirate
Sierra Leone
Oman
Norwegen
0
0
1
-1
0
1
1
2
-3
4
0
3
0
-2
-6
1
-1
7
-1
12
11
-3
3
-3
12
23
-4
-6
1
5
33
12
6
4
25
26
5
16
-4
10
30
-16
-14
-20
8
-13
77
-7
1
-13
-23
4
-6
4
-10
-37
2
-6
-13
-9
24
55
20
-8
-25
-9
-23
1150
1100
1068
1052
988
963
936
935
928
926
889
879
875
855
851
837
833
812
714
714
701
662
661
646
646
645
642
637
622
616
604
601
591
572
571
570
563
557
557
557
557
556
555
548
540
535
534
530
526
514
513
506
501
498
491
476
458
455
450
436
435
431
430
430
424
421
421
T H E F I FA W E E K LY
Rang
04 / 2014
05 / 2014
06 / 2014
07 / 2014
08 / 2014
09 / 2014
1
-41
-83
-125
-167
-209
78
79
80
81
82
83
84
85
86
87
88
89
90
91
92
93
94
95
96
97
98
99
100
101
102
103
104
105
106
107
107
109
110
111
112
113
114
115
115
117
118
119
120
121
122
123
124
125
126
127
127
129
130
130
132
133
134
135
136
137
137
137
140
141
142
143
144
Platz 1 Aufsteiger des Monats Benin
Uganda
Antigua und Barbuda
Estland
Saudiarabien
Gabun
Australien
Zypern
Trinidad und Tobago
Marokko
Sambia
Belarus
Irak
Botsuana
Simbabwe
Ruanda
Bolivien
Aserbaidschan
Katar
VR China
Malawi
Lettland
Jamaika
Angola
Palästina
Litauen
Bahrain
Moldawien
St. Vincent und die Grenadinen
Dominikanische Republik
Niger
Mosambik
Georgien
Kenia
EJR Mazedonien
Namibia
Äquatorial-Guinea
Tansania
Lesotho
St. Kitts und Nevis
Neuseeland
Haiti
Kanada
Libanon
Kuba
St. Lucia
Kuwait
Togo
Liberia
Luxemburg
Kasachstan
Aruba
Guinea-Bissau
Burundi
Äthiopien
Sudan
Philippinen
Afghanistan
Tadschikistan
Grenada
Neukaledonien
Zentralafrikanische Republik
Mauretanien
Turkmenistan
Vietnam
Myanmar
Tschad
-1
2
69
12
1
19
-5
55
-6
-6
-4
-1
1
-5
-2
8
-23
-22
-4
0
8
1
-15
-26
-14
0
3
-6
28
19
11
-2
-15
-7
-36
1
-1
-5
-10
42
-20
-2
2
-6
2
15
-13
-38
-7
-18
4
-5
-7
-1
-20
-18
-6
-6
-16
5
-1
-17
-7
-4
-3
17
-4
Absteiger des Monats
420
418
411
403
402
392
390
388
374
371
365
364
357
356
353
349
346
344
342
341
340
333
321
312
311
309
305
302
301
295
295
294
290
288
286
284
280
277
277
276
274
266
265
264
257
256
250
245
241
239
239
233
226
226
222
221
218
214
213
209
209
209
198
197
194
193
185
145
146
147
148
149
150
151
152
153
154
155
156
157
158
158
160
161
162
163
164
164
166
167
168
169
170
170
172
172
174
175
176
177
178
179
180
181
182
183
184
185
186
187
188
189
190
191
192
193
193
193
193
193
198
199
199
199
202
203
204
205
205
207
208
208
Malediven
Madagaskar
Suriname
Curaçao
Singapur
DVR Korea
Kirgisistan
Syrien
Guyana
Malaysia
Malta
Indonesien
Puerto Rico
Indien
Thailand
Swasiland
Barbados
Tahiti
Belize
Guam
Hongkong
Gambia
Dominica
Montserrat
Laos
Bermuda
Nicaragua
Liechtenstein
Seychellen
Komoren
Pakistan
Sri Lanka
São Tomé und Príncipe
Chinese Taipei
Färöer
Turks- und Caicos-Inseln
Bangladesch
Salomon-Inseln
Nepal
Jemen
Südsudan
Macau
Samoa
Vanuatu
Mauritius
Fidschi
Mongolei
Amerikanische Jungferninseln
Bahamas
Brunei Darussalam
Osttimor
Amerikanisch-Samoa
Tonga
Cayman-Inseln
Kambodscha
Britische Jungferninseln
Papua-Neuguinea
Eritrea
Andorra
Somalia
Dschibuti
Cook-Inseln
Anguilla
Bhutan
San Marino
0
-3
-16
34
3
-4
-7
-5
0
1
-5
-3
-2
-8
-1
-2
8
9
-1
-1
-3
-18
1
-3
3
3
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-5
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-11
2
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4
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183
180
175
164
163
160
158
154
148
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133
130
126
116
116
114
112
106
103
102
102
101
89
86
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83
83
81
81
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77
76
72
70
67
66
65
64
62
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43
41
37
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26
26
26
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13
11
9
8
6
6
1
0
0
NET ZER WEISS ES!
DAS OBJEK T
Haben Torhüter einen
speziellen Charakter?
Frage von Florence Pasquier, Paris
Perikles Monioudis
D
Erst mal Schuhe aus Nationalspieler Günter Netzer 1970.
Sven Simon / imago
A
ufgrund seiner Funktion in der Mannschaft
muss der Torhüter tatsächlich einen besonderen Charakter mitbringen. Das ist sozusagen eine Grundvoraussetzung, um auf dieser
Position überhaupt bestehen zu können.
Unterläuft einem Mittelfeldspieler ein Fehler, bestehen Zeit und Gelegenheit, diesen auszumerzen. Macht der Torwart einen Fehler,
sind die Folgen oft fatal. Selbstverständlich
gewinnt und verliert man als Team. Das ändert
aber nichts an der Tatsache, dass der Torhüter
die ­Szene um den offensichtlich verschuldeten
­Treffer erst mal verarbeiten muss. Letztlich
sind solche Erlebnisse – ganz subjektiv betrachtet – immer auch persönliche Niederlagen.
Auf der psychologischen Ebene entwickelt
sich ein Torhüter früh, meistens schon in der
Jugend. Schafft er den Sprung in die e
­rste
Mannschaft und wird zum Profi, dürfte ihn so
schnell nichts aus der Ruhe bringen. Ein Torwart muss mit der Tatsache umgehen können,
dass er als letzter Spieler immer einen Teil der
Verantwortung trägt. Es gibt denkbar einfachere Aufgaben. Ähnlich wie beim Schiedsrichter
spricht man meistens über den Torwart, wenn
seine Leistungen nicht stimmen. ­Lobeshymnen
sind eher die Ausnahme.
Ein weiterer Aspekt kommt dazu. Während
sich ein Linksaussen mal mehr, mal weniger ins
Spiel einbringen kann, steht der Torwart dauerhaft im Zentrum des Geschehens. Er muss
das Tor hüten und gleichzeitig die Verteidigung
zusammenhalten. Das erfordert Leaderqualitäten und einen starken Charakter. Gerade dann,
wenn die Resultate nicht stimmen. Ich schätze
die Rolle des Torhüters sehr. Å
er Fussball ist ein überbordernder Quell der
Situationskomik – insofern ein Tummelfeld
der Karikaturisten und Cartoonisten. Diese
Kunst hat zwar nicht gerade Konjunktur, aber
als solche noch immer ihren Platz, auch und
vor allem in den Medien.
Diese sind allerdings längst nicht mehr auf
Zeichnungen angewiesen, wenn es um die
prägnante Darstellung eines Sachverhalts
geht. Die technischen Hilfsmittel und Darstellungsmöglichkeiten gerade im Internet sind
phantastisch – und ein Bild sagt noch immer
mehr als tausend Worte.
Und doch sagt auch eine Karikatur oftmals
mehr als tausend Bilder. Die oben abgebildete
(aus der FIFA-Sammlung) ist mit JAK gezeichnet und schildert einen klassischen Fall von
“wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.”
Freund und Feind haben nach dem Kampf um
den Ball die Waffen strecken müssen, wie im
Rugby liegen die Spieler übereinander, und da,
ganz am Rand der Pfütze, ist der Ball zum Stillstand gekommen, leichte Beute geworden dieses einen Spielers, der sich nicht am Getümmel
beteiligt hat – und nun in der Lage ist, nach
dem Ball zu treten.
Ist er ein Spieler der verteidigenden Mannschaft, oder kann er vielmehr im nächsten Augenblick für sein Team treffen? Vermutlich
letzteres – ganz nach den Regeln der Karikatur.
Raymond Allen Jackson alias JAK war ein
bekannter britischer Karikaturist. Er starb im
Sommer 1997 im Alter von 70 Jahren. Å
Was wollten Sie schon immer über
Fussball wissen? Fragen Sie Günter
Netzer: feedback-theweekly@fifa.org
T H E F I FA W E E K LY
35
EVERY GASP
EVERY SCREAM
EVERY ROAR
EVERY DIVE
EVERY BALL
E V E RY PAS S
EVERY CHANCE
EVERY STRIKE
E V E R Y B E AU T I F U L D E TA I L
SHALL BE SEEN
SHALL BE HEARD
S H A L L B E FE LT
Feel the Beauty
BE MOVED
THE NEW 4K LED TV
“SONY” and “make.believe” are trademarks of Sony Corporation.
TURNING POINT
“Alle
brachen
in Tränen
aus”
Der Tod von Marc-Vivien Foé
­überschattete den Konföderationen-Cup 2003. Und er
veränderte das Leben von
Kameruns damaligem
Coach Winfried Schäfer.
imago
D
er Confed-Cup von 2003. Ich bin Trainer
von Kamerun, wir spielen am 26. Juni
um 18 Uhr im Halbfinale gegen Kolumbien. Wir führen schon nach neun Minuten 1:0, dank einem Tor von N’Diefi. Da
ahne ich noch nicht, welch grausames
Schicksal der Tag bringen wird. In Lyon ist es
furchtbar heiss, 37 Grad. Marc-Vivien Foé hat
gerade eine Magen-Darm-Erkrankung überstanden. Fürs Spiel ist er wieder fit, die Ärzte
haben grünes Licht gegeben, und er hat die
letzten zwei Tage mittrainiert.
In der Halbzeit fragen wir vom Trainerteam bei allen Spielern nach, ob sie weitermachen wollen. Alle bejahen. Nach 60 Minuten
möchten der Doktor und ich von Foé noch
einmal wissen, wie er sich fühlt. Ich spreche
noch kein Französisch, deshalb bitte ich meinen Co-Trainer, sich nach Marcs Befinden zu
erkundigen. Der streckt den Daumen nach
oben und sagt: “No problem, coach”, also lasse
ich ihn drin.
Elf Minuten später sackt Marco, so nenne
ich ihn, im Mittelkreis zusammen. Ich rechne
zunächst nicht mit etwas Schlimmem, nutze
den Unterbruch, um taktische Anweisungen zu
erteilen. Die Sanitäter tragen Marco vom Spielfeld, einer rutscht auf dem Rasen beinahe aus.
Ich eile kurz zur Trage und realisiere: Marco
bewegt sich nicht. Sein Blick ist verzerrt, man
sieht fast nur Augenweiss, ein Arm hängt leblos
runter. Ich denke: Mein Gott, was ist da los?
Von da an kann ich mich nicht mehr auf die
Partie konzentrieren. Die Mannschaft feiert
den Finaleinzug zunächst, es wird getanzt,
aber ich sage noch: “Lasst uns erst mal warten,
bis Marco zurück ist.”
Name
Winfried Schäfer
Geburtsdatum, Geburtsort
10. Januar 1950,
Mayen (Deutschland)
Position als Spieler
Mittelfeld
Stationen als Spieler
1968–1970,
1977–1985 ­Mönchengladbach
1970–1975 Kickers Offenbach
1975–1977 Karlsruher SC
Stationen als Trainer (Auswahl)
1986–1998 Karlsruher SC
1999–2000 TB Berlin
2001–2004 Kamerun ­
2005–2007 Al-Ahli
2007–2009 Al-Ain
2011–2013 Thailand
seit 2013 Jamaika
Irgendwann schreit Rigobert Song: “Marc
ist tot!” Wir brechen alle in Tränen aus, mich
erfasst eine unfassbare Trauer. Wir fahren zurück ins Teamhotel. Ich weiss: Ich müsste jetzt
für die Spieler da sein, ihnen helfen. Aber ich
schaffe es nicht, ich brauche selber Hilfe.
Es macht mich bis heute fassungslos, was
mit Marco passiert ist. Es klingt banal und wird
ihm nicht gerecht, aber manchmal trifft es wohl
einfach die Besten. Er war ein grossartiger Spieler und ein wunderbarer, feiner Mensch. Er hatte eine exzellente Karriere. Hätte er für eine
grosse Nation gespielt – Deutschland, Frankreich, Italien oder dergleichen –, wäre aus ihm
ein Weltstar geworden. Aber mit Kamerun war
nicht viel möglich. Das Confed-Cup-Endspiel
wäre sein grosses Länderspiel gewesen. Er erlebte es nicht mehr. Ich wünschte, wir hätten
das Finale gegen Frankreich für ihn gewinnen
können. Wir verloren 0:1, aber wen interessierte
das damals schon? Alles verkam zur Nebensache, ich brauchte lange, bis ich den Fussball
wieder in den Vordergrund rücken konnte.
Mein Freund Marco fehlt mir. Å
Aufgezeichnet von Nicola Berger
Persönlichkeiten des Fussballs erzählen
von einem wegweisenden Moment in
ihrem Leben.
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Wir bringen alle
Fans zusammen
Finden Sie neue Freunde und teilen Sie Ihre Begeisterung
in der Bord-Lounge der Emirates A380.
#AllTimeGreats
youtube.com/emirates
Hello Tomorrow
The FIFA Weekly
Eine Wochenpublikation der
Fédération Internationale de Football
Association (FIFA)
Internet:
www.fifa.com/theweekly
Herausgeberin:
FIFA, FIFA-Strasse 20,
Postfach, CH-8044 Zürich
Tel. +41-(0)43-222 7777
Fax +41-(0)43-222 7878
FIFA - R ÄT SEL - CUP
Eine Schönheitskönigin, ein neuer Weltmeister und
“someone special” – raten Sie mit!
1
Die erste WM 1930 spielte in drei Stadien, alle in Montevideo.
Welche WM kam mit nur vier Stadien aus?
Präsident:
Joseph S. Blatter
Generalsekretär:
Jérôme Valcke
O
I
S
A
Direktor Kommunikation
und Öffentlichkeitsarbeit:
Walter De Gregorio
Schweiz 1954
Mexiko 1970
Chile 1962
Argentinien 1978
Chefredakteur:
Perikles Monioudis
Redaktion:
Alan Schweingruber,
Sarah Steiner, Tim Pfeifer
2
Art Direction:
Catharina Clajus
Der portugiesische Star-Trainer arbeitete für Porto, Chelsea, Inter Mailand –
teils sogar mehrfach. Welchen Verein trainiert er 2014?
Bildredaktion:
Peggy Knotz
Produktion:
Hans-Peter Frei
Layout:
Richie Krönert (Leitung),
Tobias Benz, Marianne Bolliger-Crittin,
Susanne Egli, Alissa Rosskopf
Korrektorat:
Nena Morf, Kristina Rotach
C
3
Ständige Mitarbeitende:
Sérgio Xavier Filho, Luigi Garlando,
Sven Goldmann, Hanspeter Kuenzler,
Jordi Punti, Thomas Renggli,
David Winner, Roland Zorn
Projektmanagement:
Bernd Fisa, Christian Schaub
Übersetzung:
Sportstranslations Limited
www.sportstranslations.com
Druck:
Zofinger Tagblatt AG
www.ztonline.ch
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FIWC-Finale 2014 in Rio de Janeiro: Ein Ex-Weltmeister überreicht den Sieger-Pokal an ...
AAprile
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OAugust
Mitarbeit an dieser Ausgabe:
Nicola Berger, Ronald Düker,
Jan Griffiths, Andreas Jaros,
Andrew Warshaw, Andreas Wilhelm
Redaktionssekretariat:
Honey Thaljieh
H
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Das vielleicht grösste Fussballturnier der Welt – samt Schönheitsköniginnen.
In welcher Gegend spielt es?
ESalvador
KManila
S São Paulo
TManaus
Kontakt:
feedback-theweekly@fifa.org
Der Nachdruck von Fotos und
Artikeln aus The FIFA Weekly,
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Ansichten, die in The FIFA Weekly
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Das Lösungswort des Rätsel-Cups aus der Vorwoche lautet: CUPS
Ausführliche Erklärungen auf www.fifa.com/theweekly
Inspiration und Umsetzung: cus
Bitte senden Sie das Lösungswort bis Mittwoch, 22. Oktober 2014, an die E-Mail-Adresse feedback-theweekly@fifa.org
Die korrekten Lösungen für alle seit dem 13. Juni 2014 erschienenen Rätsel nehmen im Januar 2015 an der Verlosung
einer Reise für zwei Personen zum FIFA Ballon d’Or am 12. Januar 2015 teil.
Vor Einsendung der Antworten müssen die Teilnehmenden die Teilnahmebedingungen des Gewinnspiels sowie die Regeln zur
Kenntnis nehmen und akzeptieren, die unter folgendem Link zu finden sind:
http://de.fifa.com/mm/document/af-magazine/fifaweekly/02/20/51/99/de_rules_20140613_german_german.pdf
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ERGEBNIS DER LETZTEN WOCHE
Welcher der folgenden südamerikanischen
Torhüter, die in Europa spielen, hat Sie
bislang am meisten beeindruckt?
73+13+86
8%
UMFR AGE DER WOCHE
Welcher Angreifer hat
Sie in den jüngsten Freundschaftsspielen am
meisten beeindruckt?
6%
13%
73%
≠ ≠ ≠ ≠ Claudio Bravo (Chi/Barcelona)
Fernando Muslera (Uru/Galatasaray)
Diego Alves (Bra/Valencia)
Rafael (Bra/Neapel)
Zur Auswahl stehen:
· Abderrazak Hamdallah (Mar)
· Carlos Bacca (Col)
· Karim Benzema (Fra)
· Joao Plata (Ecu)
· Eduardo Vargas (Chi)
· Diego Tardelli (Bra)
Stimmen Sie ab unter:
Fifa.com/newscentre
“Hätte ich die Wahl zwischen Messi, Ronaldo und Robben, dann würde
ich Robben wählen. Er ist der kompletteste Spieler. Das wird aber oft
nicht so gesehen, weil sich alle nur auf die Tore konzentrieren.”
Bert van Marwijk, niederländischer Fussballtrainer
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um Marco van Bastens Rekord des
5,6
schnellsten Hattricks nach Anpfiff
Erfolgsquote bei den Torschüssen
eines UEFA EURO-Qualifika-
der DFB-Auswahl in den bislang
tions- oder Endrundenspiels
absolvierten drei Qualifikations-
obgleich er erst 58 Partien für
zu brechen. Gleichzeitig zog
spielen für die UEFA EURO 2016.
sein Land bestritten hat. Damit ist
er an Hakan Sukur
Auf dem Weg zum Titelgewinn bei
er an Bebeto vorbeigezogen und liegt
vorbei und ist mit
der Fussball-Weltmeisterschaft
auf Platz 5 der brasilianischen Allzeit-
nunmehr 21
2014, hatte das deutsche Team mit
wertung hinter den Legenden Pelé (77),
Treffern der
18,4 Prozent seiner Torschüsse
Ronaldo (62), Romario (55) und Zico
erfolgreichste
Erfolg. Doch obgleich es die DFB-Aus-
(48). Neymar erzielte beim 4:0-Sieg
Torjäger aller
wahl in den bisherigen Qualifikations-
gegen Japan alle vier Treffer für sein
Zeiten in der
spielen auf rekordverdächtige 77
Team und ist damit der sechste Brasilia-
Geschichte der
Torschüsse brachte, landete der Ball nur
ner, der in einem Länderspiel einen
EM-Qualifikation.
dreimal im Netz.
Viererpack schnürte.
17
Minuten benötigte Robbie Keane lediglich,
Prozent beträgt die unbefriedigende
Länderspieltore für Brasilien
hat Neymar auf dem Konto,
imago (2), Getty Images, Keystone
Z AHLEN DER WOCHE
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Seele and Geist
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