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Infobrief VFmU Februar 2015 - Verein zur Förderung musikalischer

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BILDUNG
l i n d a
l e i n e c k e r
Wer sind wir? - Dem Z auf der Spur
Für alle, die es noch nicht wussten: Ich bin die Zukunft Deutschlands.
1996 auf die Welt gekommen, zähle ich zur „Generation Z“, ebenso wie
alle Kinder und Jugendlichen, die nach 1995 das Licht der Welt erblickt
haben. Wir werden „iPod-“ und „Highspeed-Generation“ genannt. Doch
wer sind wir? Was macht uns aus? Und was bedeutet das Z? Z wie zielstrebig und zuverlässig? Oder doch z wie zürnen und zweifeln?
Aufgewachsen in einer Umgebung, in welcher der
tägliche Umgang mit digitalen Geräten längst als
normal betrachtet wird, erscheint mir ein Leben
ohne mein Smartphone undenkbar. Durch mobiles Internet bin ich jederzeit und überall erreichbar. So muss ich mich nicht mehr dazu animieren,
mich persönlich mit meinen Freunden zu treffen
und anstrengende Gespräche mit ihnen zu führen, die länger als sechs SMS-Zeilen wären. Wozu
braucht man den Real-Life-Dialog noch, wenn
trägt, der gerne individuell sein möchte. Fertig ist
die junge Erwachsene der ersten Generation aus
dem 21. Jahrhundert.
Das ist meine Generation, wie ich sie sehe. Zugegebenermaßen etwas überspitzt dargestellt, aber
im Großen und Ganzen so, wie ich die Mehrheit
der Gleichaltrigen wahrnehme. Ich bin ja selbst so
ähnlich. Sollte sich also mein Weltbild über meine
Generation auf Klischees gründen, dann zumindest auf Klischees, die auf mich oder andere, die
BLIX-Praktikantin Linda Leinecker beim multimedialen Posing. Foto: Kirsch; Montage: Hinderberger
man in Facebook oder WhatsApp über alles informiert wird und informieren kann? Egal ob beim
Sex, Sitzen auf der Toilette oder Atmen - stets
lasse ich meine Freunde rund um die Uhr wissen,
was ich so tue. Es ist selbstverständlich, dass mein
Kind, falls ich je eines haben werde, zuallererst
lernen wird, wie man Apps installiert und Selfies
macht, anstatt lesen und schreiben. Außerdem bin
ich in puncto verbaler Kommunikation ehrlich gesagt weniger bewandert. Sowohl in der Kenntnis
der deutscher Sprache als auch in deren Grammatik mangelt es mir, weswegen ich im realen Umgang mit Gleichaltrigen ganz nach dem Motto „in
der Kürze liegt die Würze“ lieber auf schmissige
Begriffe wie „FOMO“ und „YOLO“ zurückgreife
oder von Anfang an ganze Buchstaben weglasse: „Gönn dir!“ Dazu noch eine stylische Mütze,
verziert mit einem englischen Statement, dessen
Bedeutung ich sowieso nicht kenne, sich aber cool
anhört, und eine Lederjacke, wie sie jeder andere
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ich kenne, größtenteils zutreffen und meiner Definition von Realität demnach entsprechen.
Und wenn eine Angehörige der Generation Z
solch eine Ansicht über andere Gleichaltrige hat,
was sagen dann die Generationen vor uns? Zusammen mit meiner Mutter, die als Elternteil eines 18-jährigen Exemplars der „iPod-Generation“
natürlich direkt betroffen ist, besuchte ich das
Forum der Biberacher Wirtschaftsjunioren, um
herauszufinden „Welche Chancen hat die Jugend?“. Die „Junioren“ aus der Wirtschaft, die
sich im Ummendorfer Schloss versammelt hatten,
aber waren lauter „X-“ und „Y-ler“. Diese werden
in der soziologischen Charakterisierung unter
anderem schlagwortartig als ,,Lost Generation“,
„Matures“, und „Null-Bock-Generation“ tituliert.
Wenig schmeichelhafte Namen zum Teil, doch
bezeichnen sie jeweils signifikante Merkmale der
Jahrgänge. Die „Generation Y“, die vor meiner
kommt, meint alle ab 1980 Geborenen und erhielt
ihren Namen zum einen, da sie als Nachfolgegeneration der „Generation X“ angesehen wird, und
zum anderen durch das ausgeprägte Hinterfragen
der „Yler“. Y wird im Englischen wie „why“ ausgesprochen: „warum“. Ihr werden Optimismus und
Leistungsbereitschaft zugeschrieben, während
die Mitglieder der Generation X, ab 1965 geboren,
als skeptisch und ohne Perspektiven gelten. Meine
Mutter, im Jahr 1956 auf die Welt gekommen, ist
ein sogenannter „Baby Boomer“: Sie gehört damit
zu den geburtenreichen Jahrgängen (ehe der Pillenknick kam), welchen das Streben nach Idealismus und Selbsterfüllung beigemessen wird.
Nun war ich gespannt, was es bei der Diskussion
zu meiner Generation zu sagen gibt. Im Innern
war ich felsenfest davon überzeugt, dass ich nicht
viel Positives zu hören bekomme. Name: Generation Z. Besondere Merkmale: Sucht nach narzisstischer Selbstdarstellung und Apple-Produkten.
Gott sei dank wurde ich eines Besseren belehrt.
Auf dem Podium saßen der Geschäftsführer der
Vollmer Werke, Dr. Stefan Brand, die geschäftsführende Schulleiterin der beruflichen Schulen im
Landkreis Biberach, Renate Granacher-Buroh, und
nicht zuletzt Moritz Freiherr Knigge, Unternehmer
und Mitbegründer des „Deutschen Knigge-Rats“.
Alle drei hatten einen überraschend positiven
Blick auf meine Generation, auch das Publikum
zeigte sich überwiegend angetan. So bezeichnete
man uns Jugendliche als sehr wissbegierig, offen
und klug. Der Tatsache, dass wir den lieben langen Tag oft nur mit unseren Handys rummachen,
wurde mit erstaunlichem Verständnis begegnet.
Entgegen der von mir oben genannten Klischees,
erfuhr ich an dem Abend, dass wir als lebensfroh,
trendbewusst und kreativ eingeschätzt werden.
Freizeit und Familie würden bei uns einen sehr
hohen Stellenwert genießen, steife Hierarchien
dagegen lobenswerter Weise nicht. In Ausbildung
und Beruf würden wir gerne gefordert, Augenhöhe sei uns sehr wichtig. Wir würden viel Wert
darauf legen, individuell zu sein, und was die jugendliche Kommunikation anbelange, sei die verbale Kommunikation der digitalen gegenüber nun
mal zweitrangig. Leise Kritik äußerte die Schulleiterin, dass das Verfassen längerer Texte den Z-lern
Probleme bereite – was ich gerade versuche zu
widerlegen.
Man endete damit, dass man der Überzeugung
war, dass die Generation Z ihren Weg gehen würde. Brand, der Manager, zeigte sich als Vater
zweier Z-ler zuversichtlich, er habe keine Angst
um die Jugend und schon gar nicht um seine
Jungs. So lernte ich an dem Abend drei Dinge:
Erstens, meine Generation unterscheidet sich gar
nicht so sehr von den vorhergehenden. Zweitens
können wir Jungen viel von den Alten lernen, was
Akzeptanz und Offenheit angeht. Drittens, das
Z steht für die Zukunft, in die wir Jungen ohne
Ängste vor Zurückweisung oder Widerstand gehen können. Denn den Segen der Alten, den haben wir ganz offensichtlich.
BILDUNG
ANDREA
RECK
„Das war eine gute Entscheidung“
Das Interesse an Privatschulen hält an. Sind staatliche Schulen so schlecht geworden, die Schüler
schwieriger oder steigen die Ansprüche der Eltern?
Eine Mutter blickt zurück und in die Statistik.
„Haben Sie schon einmal drüber nachgedacht, Ihren Sohn in ein Internat
zu geben?“ Das saß. Sollte ich mir eingestehen müssen, dass ich mit der
Erziehung meines Kindes überfordert bin? Doch die nun viele Jahre zurück
liegende Frage des Direktors eines Münchner Gymnasiums brachte einiges
in Bewegung. Nach der Trennung der Eltern war der Bub ziemlich aus der
Bahn geworfen, spielte den Klassenkasper und schrieb nur noch schlechte
Noten. Der Wechsel in eine kirchliche Privatschule brachte keine Ruhe,
und so fiel – unter Gewissensbissen - nach einem weiteren qualvollen Jahr
die Entscheidung für ein Internat mit reformpädagogischem Konzept. Was
für ein Stein fiel mir vom Herzen, als der Sohn nach dem Abitur meinte:
„Das war eine gute Entscheidung, die hättet ihr schon früher treffen sollen.“
Die Gründe für den Besuch einer Privatschule sind vielfältig. Eltern wünschen sich für ihr Kind kleinere Klassen, innovative pädagogische Konzepte, eine verlässliche Nachmittagsbetreuung oder eine gezieltere Förderung
von musischen oder sportlichen Talenten. Was Privatschulen sind, legen die
jeweiligen Schulgesetze der Länder fest. In der Regel können Privatschulen
von natürlichen sowie juristischen Personen des öffentlichen Rechts (wie
etwa Kirchen) errichtet und betrieben werden. Aufgrund bürokratischer
und finanzieller Hürden ist es schwer, eine Schule in freier Trägerschaft zu
gründen. Daher hinkt das Angebot der Nachfrage hinterher.
es in der Zusammensetzung der Schülerschaft starke Unterschiede. Der
Anteil der Privatschüler aus bildungsnahen Elternhäusern (mindestens
ein Elternteil mit Abitur) nahm zwischen 1997 und 2007 um 77 Prozent
zu, der Anteil bei Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern hingegen
nur zwölf Prozent.
Die Bildungsreform der 1960er Jahre hatte zu einem enormen staatlichen
Ausbau des (höheren) Bildungswesens geführt, damals sank vorerst der
Bedarf an privaten Initiativen. Der in den neunziger Jahren einsetzende
Wachstumsschub hält allerdings bis heute an. So ist laut Statistischem
Bundesamt zwischen den Schuljahren 1992/93 und 2010/11 ein Zuwachs
um 67 Prozent auf 5411 allgemeinbildende und berufliche Privatschulen
zu verzeichnen).
Privatschüler stellen in Deutschland einen geringen Anteil am gesamten
Schulwesen dar, und vor allem gibt es viel weniger Eliteprivatschulen
wie etwa in Amerika, Frankreich oder England. Bildungsexperten gehen
allerdings davon aus, dass deren Zahl steigt. So vielfältig wie die Interessen und Talente ihrer Schüler sind auch die akademischen wie außerschulischen Angebote vor allem der Internate. Neben der akademischen
Bildung bieten sie besondere Förderungsprogramme in den Bereichen
Sport, Kunst oder Musik an. Zudem legen viele Schulen Wert auf die
Stärkung der Sozialkompetenz und fordern von ihren Schülern soziales
Engagement.
Über die Hälfte der Mütter und Väter mit Kindern unter 18 Jahren würden laut einer bundesweiten Studie ihre Kinder lieber in einer Privatschule sehen, wenn sie es sich leisten könnten. Was nicht gerade für ein
wachsendes Vertrauen in das staatliche Bildungssystem spricht.
Lernen mit Hand und Hirn wird in vielen Privatschulen mit reformpädagogischem Anspruch besonders gefördert. Foto: Andrea Reck
In Deutschland besuchte laut Statistischem Bundesamt 2011 jedes
zwölfte Kind eine Privatschule. Es handelt sich dabei allerdings nicht um
ein bundesweit homogenes Phänomen. So kam es in den neuen Bundesländern in den vergangenen 20 Jahren zu einer Verfünffachung, in
den alten zu einem Zuwachs von 31 Prozent. Auch die demographisch
bedingte Schließung von Schulen in den neuen Bundesländern erzeugte
mehr Nachfrage an standortnahen Privatschulen. Erwartungsgemäß gibt
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BILDUNG
k o l p i n g - b i l d u n gsz e n t r um
jub i l äum
Der Weg zum Erfolg
Hochschule ist „glänzendes Beispiel“
RAVENSBURG. Es ist (fast) nie zu spät, doch
noch das Abitur zu machen. Dabei muss man
nicht unbedingt den klassischen Weg über
ein allgemeinbildendes Gymnasium gehen.
BIBERACH. Die Hochschule Biberach hat 50 Jahre voll und feierte dieses Jubiläum mit verschiedenen Veranstaltungen und Gästen. Den Auftakt machte der offizielle Festakt, zu dem
auch Wissenschaftsministerin Theresia Bauer MdL nach Biberach kam.
Am Kolping-Kolleg haben Erwachsene die
Möglichkeit das Abitur im Tagesunterricht nachzuholen. Die Schüler werden durch elternunabhängiges, nicht rückzahlbares Bafög gefördert.
Die Berufsoberschule für Sozialwesen führt ebenfalls zum Abitur. Am Abendgymnasium wird der
Unterricht in Rücksichtnahme auf Berufstätige
sowie für Menschen in der Familienphase immer am
Abend durchgeführt. Aufnahmevoraussetzungen
sind ein Mindestalter von 18 Jahren sowie die
mittlere Reife und der Nachweis einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder einer mindestens zweijährigen Berufstätigkeit.
Weitere Infos: Kolping-Bildungszentrum
Ravensburg, Tel.: 0751 560 159-20
 www.kolping-bildungszentrum-rv.de
14
In
ihrer
Ansprache
würdigte
die
Wissenschaftsministerin die Hochschule
Biberach: „Baden-Württemberg ist führend
in Forschung und Innovation“, so Bauer. Die
Hochschulen für angewandte Wissenschaften
würden mit ihren engen Kontakten zu kleineren und mittleren Unternehmen entscheidend
dazu beitragen und durch Anwendungsnähe
und Praxisbezug die Forschung auf gesellschaftlich relevanten Feldern wie Energie,
Mobilität, Umwelt oder Gesundheit substantiell mit voran bringen. „Hier ist die Hochschule
Biberach mit dem neuen Bachelorstudiengang
‚Energie-Ingenieurwesen‘ ein glänzendes
Beispiel“, so Ministerin Bauer. Aber auch
mit dem Studiengang ‚Pharmazeutische
Biotechnologie‘ samt Bachelorstudiengang,
Masterstudiengang und kooperativem
Promotionskolleg sei die Hochschule in einem
zukunftsträchtigen Feld bestens aufgestellt.
Glückwünsche überbrachten auch Landrat Dr.
Heiko Schmid sowie
Oberbürgermeister
Norbert
Zeidler
und Vertreter des
Hochschulrates,
des Fördervereins
sowie der Akademie
der
Hochschule
Biberach.
Rektor Professor Dr.
Thomas Vogel skizzierte den historischen Verlauf der ehemaligen Staatlichen
Hochschule
zur
Fachhochschule und
heutigen Hochschule
für
angewandte
Wissenschaft. Er zeigte auf, unter welchen
Rahmenbedingungen
die HBC wurde,
was
sie
heute
ist – und machte deutlich, welche
Rahmenbedingung
eine
Hochschule
benötigt, damit Lehre
und Forschung sich
entfalten können.
„Verlässlichkeit und
Vertrauen“ nannte
Vogel als zentrale
Voraussetzungen.
Thematisch begab
sich die Hochschule
Biber ach
mit
dem Festakt auf
Spurensuchen und
ging der Frage nach,
ob die HBC – ganz im Goetheschen Sinne –
eine Pädagogische Provinz, als eine ideale
Bildungsstätte, darstellt. Unter diesem Titel
hat die Hochschule anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens auch eine Festschrift herausgebracht, die innerhalb des Festaktes vorgestellt wurde. Über 30 Autoren – Professoren,
Mitarbeiter wie Studierenden – haben dafür
Beiträge geschrieben und ihre Wünsche an eine
Hochschule formuliert. Weniger im Rückblick
auf Gewordenes als vielmehr mit Blick auf die
Zukunft und auf die in Bewegung geratene
Bildungs-landschaft als Versuch, die eigene
Position, im Sinne einer konkreten Utopie,
zu bestimmen. Diese Positionsbestimmung
nahm auch Michael Sommer, freier Autor
und Regisseur aus Ulm, in seiner dreiteiligen
Lecture Performance „Provinzgenies“ auf.
Unterhaltsam und gleichermaßen lehrreich
brachte er den rund 250 Gästen Shakespeare
& Wieland, Hamlet und Falstaff näher.
BILDUNG
ho r st
h a c k e r
Abgeschoben - Problem verschoben
KEMPTEN. Am 18. Oktober war die Überraschung perfekt. In der
Samstagsausgabe der Allgäuer Zeitung war zu lesen: In einer „Nacht
und Nebel-Aktion“ hat die freistaatliche bayerische Staatsmacht im
Alleingang zugeschlagen und den 22-jährigen Salafisten Erhan A. in
die Türkei abgeschoben. Am frühen Freitagmorgen sei der Allgäuer mit
türkischem Pass aus der Abschiebehaft in ein Flugzeug gesetzt und
von München nach Ankara verfrachtet worden. Was halten Schüler in
Kempten davon? Unser Autor Horst Hacker fragte seine Schüler.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann
rechtfertigte die Aktion damit, dass Erhan A.
mit seinem aggressiv-kämpferischen Auftreten
die freiheitlich-demokratische Grundordnung
(FDGO) gefährde. Deutschland dürfe weder
als Rückzugs- noch als Rekrutierungsraum für
den internationalen Terrorismus missbraucht
werden. Herrmann wörtlich: Wer „in aller Öffentlichkeit die Gräueltaten der Terrormiliz
„Islamischer Staat“ gutheißt, das Köpfen von
Journalisten rechtfertigt und nicht davor zurückschreckt, seine eigene Familie zu töten,
wenn sie sich nicht an die islamischen Gesetze
hält, hat bei uns nichts verloren“. Deshalb sei
die Abschiebung in das Heimatland der einzig
richtige Weg.
Weil es keine Hinweise auf konkrete Straftaten
oder Anschlagpläne gegeben hat, war und ist
diese Abschiebung umstritten. Kritiker hatten
zuletzt erklärt, mit einer Abschiebung würde
auch die Verantwortung abgegeben. Empört
reagierten die Grünen im Deutschen Bundestag. Ihre Sprecherin für innere Sicherheit,
Irene Mihalic, sagte: Die Praxis, Dschihadisten zur Ausreise zu ermutigen, käme einem
Terror-Export gleich. Das deckt sich mit einer
erst wenige Wochen alten UN-Resolution, dass
die Staaten alles in ihrer Macht Stehende tun
müssten, um die Ausreise von Terroristen zu
verhindern. Denn durch massenhaften Zulauf
aus westlichen Ländern würde der „Islamische
Staat“ gestärkt.
Ähnlich ablehnend zu einer Abschiebung des
Abiturienten, der vor Ort an der Fachhochschule ein Studium der Wirtschaftsinformatik betrieben hatte, äußerte sich tags zuvor
die Mehrzahl meiner 17jährigen Schüler im
Sozialkunde-Kurs der Q11 eines Kemptener
Gymnasiums. So befürchtet Melanie, dass eine
Abschiebung einen solchen Gotteskrieger ja in
die Hände des IS treibt und damit den (selbst
ernannten) „Islamischen Staat“ stärkt. Auch
für Ufuk, der Erhan A. von früher her kennt, ist
„Abschiebung nicht sinnvoll“. Abgeschobene
würden sich nämlich wieder auf den Weg nach
Syrien oder in den Irak machen, um dort für
den Dschihad zu kämpfen. Eine solche deutsche Politik mache keinen Sinn, weil in der
Folge weitere unschuldige Menschen sterben
müssten. Bei den Steinzeit-Islamisten radikali-
siert und verroht, im Umgang mit Waffen und
Sprengstoff bestens geschult, würden sie, wenn
sie nach Deutschland zurückkehren, eine noch
größere Gefahr bedeuten. Mit einem rechtsstaatlich fairen Verfahren aber, so ein anderer
meiner Schüler, könne Deutschland Beispiel für
andere Länder geben, wie Terror konsequent,
aber fair zu bekämpfen ist.
Vor gut einem Dreivierteljahr stand der 22-jährige Abgeschobene schon einmal in der Türkei
vor der syrischen Grenze an einem Busbahnhof. Seine Kontakte beim IS hatten ihm gesagt,
in welchen Bus er steigen muss, um sich dem
Kalifat anzuschließen. Auf den letzten Drücker
aber habe Erhan A. damals doch noch sein Vorhaben abgebrochen und ist ins Allgäu zurück
gereist. Als zweijähriges Kleinkind mit seinen
Eltern aus der Türkei gekommen, ist Erhan in
Kempten aufgewachsen.
In einem spektakulären Interview, das der junge Salafist vor wenigen Wochen dem Magazin
der Süddeutschen Zeitung beim Spaziergang
an der Iller gegeben hatte, löste er mit schier
unglaublichen Äußerungen schockartige Reaktionen aus. So äußerte er tatsächlich, dass
er sogar seine Familie töten würde, „wenn sie
sich gegen den islamischen Staat stellt“. Das
will meinen Schülern partout nicht in den Kopf
gehen. Merlin schrieb dazu: „Wer selbst seine
Familie töten würde, dem würde es gar nicht
schwerfallen, Wildfremde mit einer Bombe in
die Luft zu jagen“. Während Erhan A. wie seine Eltern früher einen „Euro-Fake-Islam“ (Fake
bedeutet Fälschung) gelebt und sogar Schweinefleisch gegessen habe, sei er schon vor Jahren „konvertiert“. Weil er mehr wollte, begann
er den Koran zu lesen, ging in die Moschee, betete fünfmal täglich, ging gar mit Turban in die
Schule. Heute gilt für ihn nur eines: „Ich mache
genau das, was im Koran steht, und nur das ist
richtig. Punkt.“ Die Frage, warum IS-Kämpfer
ihren Gegnern die Köpfe abschneiden, beantwortete er ganz wörtlich so: „Ich glaub, das
steht irgendwo im Koran“.
Verschiedene meiner Schüler plädieren mit
ganz anderen Argumenten für eine Haftstrafe
in Deutschland. So müsse weggesperrt werden,
wer so „eklatant Menschenwürde ignoriert,
Menschen schlachtet und Köpfe abschlägt“.
Wo auch immer solche Unmenschen ihr Unwesen treiben, stellen sie eine „latente Bedrohung für andere Menschen“ dar. Eine Schülerin
äußerte, dass sie sehr bedrückt darüber sei,
was im Irak und in Syrien tagtäglich passiert.
Deshalb sei sie „immer erleichtert über jeden
Erfolg, der gegen IS erzielt wird“. Ein anderer
Schüler fordert Verstärkung der Angriffe auf
den IS, da dessen Ideologie in keinster Weise
akzeptabel sei. Sie erinnere ihn an das Dritte
Reich und daran, wie intolerant Hitler gegen
 Fortsetzung S. 18
Der islamische Fanatiker Erhan A. lebte und
studierte bis zu seiner Abschiebung in die Türkei in Kempten.
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BILDUNG
H o c hs c hu l e A l bst a d t - S i gm a r i n g e n
Bewerber gesucht
SIGMARINGEN. Studenten und Absolventen, aufgepasst! Am 12. November findet die 13. Karrierebörse
der Hochschule Albstadt-Sigmaringen statt. Mehr
als 60 renommierte Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen wollen in Sigmaringen potenzielle
Nachwuchskräfte kennenlernen.
Interessierte können von 9.30 Uhr bis 15 Uhr an den Messeständen
der Aussteller Gespräche mit Personalverantwortlichen führen und
wichtige Kontakte knüpfen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist
nicht erforderlich. Studenten und Absolventen aller Hochschulen sind
eingeladen, aber auch ältere Akademiker auf Stellensuche.
Auf der Karrierebörse kann man in lockerer Atmosphäre mit Personalverantwortlichen und Mitarbeitern interessanter Unternehmen sprechen.
Es lohnt sich, vor dem Besuch der Jobmesse online zu recherchieren. Auf der Veranstaltungshomepage  www.karriereboerse-albsig.
de sind ausführliche Ausstellerprofile verfügbar. Darin stehen grundlegende Informationen zu den Unternehmen und deren Produkten
oder Dienstleistungen. Außerdem erfährt man, welche Qualifikationen
Bewerber mitbringen sollten, welche Studiengänge passen und ob
Praxissemester, Stellen für Abschlussarbeiten oder Jobs angeboten werden.
Gut informierte Besucher hinterlassen bei den Personalverantwortlichen
einen positiven Eindruck. Wer konkrete Fragen stellt, zeigt echtes Interesse. Außerdem ist es empfehlenswert, Unterlagen wie
ein Kurzprofil mit den wichtigsten Daten, einen Lebenslauf oder
eine komplette Bewerbung parat zu haben. Um 12 Uhr beginnt ein
Vortragsprogramm mit zehn Unternehmenspräsentationen. Falls eines
der favorisierten Unternehmen dabei ist, sollte dieser Termin im
Zeitplan nicht fehlen.
Weitere Infos:  www.karriereboerse-albsig.de
KARRIEREBÖRSE
Am Mittwoch, 12. November 2014, von 9.30 Uhr bis 15 Uhr.
Hochschule Albstadt-Sigmaringen, Anton-Günther-Str. 51, Sigmaringen.
16
BILDUNG
Dhbw
R a v e n sbu r g
Ein Tag am Campus
RAVENSBURG/FRIEDRICHSHAFEN. In ganz Baden-Württemberg tummeln sich die angehenden Abiturienten am Mittwoch, 19. November,
an den Hochschulen des Landes. Auch die DHBW Ravensburg lädt zu
diesem Studieninformationstag auf ihre Campus in Ravensburg (Fakultät
Wirtschaft) und in Friedrichshafen (Fakultät Technik) ein, um über das
Studienangebot zu informieren. Unternehmen, die gemeinsam mit der
DHBW ausbilden, sind ebenfalls vor Ort.
Wer die Vorteile eines akademischen Studiums
mit vielen praktischen Einblicken und Erfahrungen verknüpfen möchte, ist an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Ravensburg genau
richtig. Ein Student der DHBW schließt für die
Dauer des Studiums einen dreijährigen Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen ab und
belegt parallel dazu einen Studiengang an der
Dualen Hochschule. Theorie- und Praxisphasen
wechseln sich ab. Ein Vorteil: Der Student steht
während der gesamten Praxisphase auf der Gehaltsliste des Partnerunternehmens.
Über Studienkonzept und -angebot gibt der
Studieninformationstag am Mittwoch, 19. November, einen Überblick. Die Schüler haben die
Gelegenheit, mit Professoren und Studenten ins
Gespräch zu kommen. Partnerunternehmen der
DHBW geben zudem einen Einblick in ihr Studienplatzangebot.
Campus Ravensburg (Fakultät Wirtschaft):
Start ist um 9.30 Uhr im Schwörsaal im Waaghaus mit der Begrüßung durch Rektor Prof. Dr.Ing. Herbert Dreher. Anschließend stellen sich in
den Räumen der DHBW bis 15 Uhr die einzelnen
vorwiegend betriebswirtschaftlichen Studiengänge vor – ob Mediendesign, Bank, Handel oder
Tourismus. In der Schulturnhalle am Klösterle
präsentieren sich rund 20 Partnerunternehmen.
So können die Schüler erste Kontakte knüpfen
und Einblicke in den Arbeitsalltag bekommen.
Campus Friedrichshafen (Fakultät Technik): Am
Campus Friedrichshafen im Fallenbrunnen werden die Schüler um 10 Uhr begrüßt. Campusleiter Prof. Dr. Martin Freitag gibt einen Überblick
über das Studienangebot am Technikcampus.
Bis 13.30 Uhr stellen sich die technischen Studiengänge vor, ein Rundgang durch die Labore
vermittelt einen Eindruck über den Technikcam-
Beim Studieninformationstag haben die Schüler
die Möglichkeit, direkt mit Studenten und Unternehmen in Kontakt zu treten.
pus. Auch in Friedrichshafen sind Vertreter von
Unternehmen vor Ort, die gemeinsam mit der
DHBW ausbilden. Zudem stellen Studenten auch
die verschiedenen Projekte am Campus vor.
Eine Anmeldung zum Studieninformationstag ist
nicht erforderlich.
Nähere Informationen, das Programm und die
teilnehmenden Partnerunternehmen finden Sie
unter:  www.dhbw-ravensburg.de
17
BILDUNG
die Juden vorgegangen sei und den Holocaust ideologisch gerechtfertigt hat. Laurent schrieb als Maximalforderung: „Extremisten, die derart
ausarten, müssen von der Staatengemeinschaft mit Waffengewalt eliminiert werden. Auch Deutschland muss seinen Beitrag leisten, notfalls
auch mit Bodentruppen da unten mal richtig aufräumen“.
Was Erhan Aziz persönlich betrifft, wünscht sich Julia, dass ihm psychische Hilfe gewährt wird. Nur so könnte ihm sein falsches und abartiges
Bewusstsein wirklich bewusst gemacht werden. Die Art seiner Abwege
stößt besonders deshalb auf größtes Unverständnis, weil er ja im Gegensatz zu anderen, noch viel jüngeren Dummköpfen, die der IS-Propaganda
auf den Leim gehen, schließlich mit Abitur und Hochschulerfahrung ein
gebildeter Mensch sei. So müssten ihm nach Verbüßung einer Haftstrafe
in Deutschland Programme zur Entradikalisierung und Resozialisierung
zuteil werden. Und damit sich in Zukunft junge Leute gar nicht erst verführen lassen, wurde für deutsche Hochburgen von Salafisten und Islamisten schon in der Schule viel mehr Aufklärung gefordert, Aufklärung
über die Absurdität einer solchen steinzeitlichen Weltanschauung.
Stefanie Heckel kommentierte in der Allgäuer Zeitung das „Lehrstück
Erhan A.“ so: „Mit der Abschiebung hat Bayern ihm wohl einen Wunsch
erfüllt. Zynisch.“
M o n t e sso r i - S c hu l e
I l l e r ta l
Ein neues Zuhause
ILLERTAL. Nach fast einem halben Jahrhundert öffnet die Alte Schule Tannheim wieder ihre
Pforten! Die Klassen sieben bis zehn der Montessorischule Illertal bekommen ein neues Zuhause.
Am 1. Advent, 30. November, lädt die Schule von 13 bis 17 Uhr zum Tag der offenen Tür ein.
Nach mehrmonatigen größeren Renovierungsarbeiten wird die „Alte Schule“ Tannheim am
3. November wieder eröffnet. Im historischen
Gebäude von 1908 lief der Schulbetrieb bis in
die Sechzigerjahre hinein. Parallel dazu war die
Pavillonschule nach dem Krieg erbaut worden
und bot den damaligen Schülern einen Ort des
Lernens. Doch in den Siebzigerjahren wurde
das Ende der beiden Schulen eingeläutet. Erst
2008 wurde die Pavillonschule neu hergerichtet und für die ersten zwölf SchülerInnen
der Montessori-Schule Illertal bereit gestellt.
Mittlerweile sind fünf Schuljahre vergan-
gen und es befinden sich bereits 55 Schüler
hier, die mehr Platz benötigen. So wird die
„Alte Schule“ für die oberen Klassen ein Platz
zum Lernen und Erforschen sein. Die siebte
bis zehnte Klasse – auch Tertia genannt –
bekommt dort vier neue Unterrichtsräume.
Einen großen Dank sei dem Schulleiter und
Organisator Markus Herpich und allen treuen
Helfershelfern hier an dieser Stelle gesagt.
 www.montessori-illertal.de
Damals und heute: Die Alte Schule Tannheim
öffnet wieder ihre Pforten.
B i s c hof S p r o l l B i l d u n gsz e n t r um
Mit dem Blick aufs Ganze
BIBERACH. Am Bischof-Sproll-Bildungszentrum Biberach-Rißegg sind
Grundschule, Werkrealschule, Realschule und mittlerweile seit 10 Jahren
auch ein Gymnasium an einem Ort vertreten. Ergänzt wird das schulische
Angebot mit einem Hort an der Schule und einem Ganztagesangebot.
Mit den Strukturelementen des „Morgenkreises“, der die Schulwoche
eröffnet, der „Freien Stillarbeit“ und den „Freien Studien“, dem „Vernetzten
Unterricht“, der über enge Fachgrenzen hinweg „das Ganze“ in den
Blick nimmt, damit man die Welt besser verstehen kann und mit dem
Fachunterricht wird am BSBZ, wie das Bildungszentrum abgekürzt heißt,
nach dem so genannten „Marchtaler Plan“ unterrichtet. Dieser hat als
innovativer pädagogischer Ansatz mittlerweile weit über die Grenzen der
Katholischen Privatschulen hinaus hohe Anerkennung erfahren.
Nähere Informationen gibt es auf der Homepage des Bischof-Sprollwww.bsbz.de) oder beim Besuch an den
Bildungszentrums (
Informationsnachmittagen (Grundschule am 16. Januar 2015;
Weiterführende Schulen ab Klasse am 27. Februar 2015).
Den Schülern vom BSBZ werden auch Werte wie Freiheit, Rücksichtnahme,
Verantwortung und Wertschätzung vermittelt.
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Seele and Geist
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