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Booklet auf C6 - Vitaltransformer

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Pierroz
Finissage
ich, ja. menschenaffe. bin mitte der sechzigerjahre in eine dieser welten
gestossen worden. mittelstand, hochkonjunktur, bürgerliche spiessigkeit,
agglomeration. eingesuppt in den kalten krieg, eine dieser mauern fiel
dann, zu spät, die andern mauern blieben stehen, die in den köpfen.
nirgends eine zukunft.
instrumental- und jazzunterricht hatte ich, trotz jazzverbot. viel
kraftraubender protest meinerseits, für eine individuelle freiheit.
die ernte war eine lehre, wehrpflicht, dann hundert jobs in zehn jahren
und immer noch kein leben und keine freude in sichtweite. dafür pleite,
suchtkrank, einsam, faule zähne und schon fast am ende des tonraums.
zeitgleich bands, produktionen, touren. je besser die gagen, um so
schlechter die musik, bis ich dann die kommerzielle art in die mulde
schmiss, wo sie eigentlich von anfang an hingehört hätte.
seither gehts bergauf, eine gewisse leichtigkeit stellt sich ein. satire
und groteske geben mir einen spielerischen puls und eine sprache, um mir
die welt soweit als möglich vom leib zu halten, und sind auch der versuch
eines brückenschlags zu den mitmenschen und mittel zur selbsterkenntnis.
die grossbaustelle von klang und rhythmus hält mich eh in ihren starken
armen, bis zum letzten funken leben, dem geschenkten.
Pierroz
Finissage
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
Finissage
Lüüt
Schprach
De Schütz
Aperitif
Züriblues
Chopfweh
Anschelina
Grüess Gott
He Knirps
Immer allei
Am Schluss
Produktion und Technik der CD "Finissage"
Das Decken der Mutterschweine erfolgte, nach intensiver Stimulierung, durch
den erfahrenen Besamungstechniker Rolf "Sprüzi" Springer. Während der
Tragezeit wurde ausschliesslich Fleischsuppe verfüttert, die gemäss Artikel 20
der Verordnung über die Entsorgung tierischer Nebenprodukte (VTNP)
hergestellt wurde.
Nach 115 Tagen (das ergibt cirka 9,5 Tage pro Lied) ferkelten die Schweine ab.
Jede der insgesamt zehn Muttersauen hatte 15-18 CDs pro Wurf, die Anzahl der
Totgeburten blieb mit total 8 CDs erfreulicherweise sehr tief. Da eine Säugezeit
bei dem Plastikzeug sich erübrigt, wurde die ganze Serie nach der üblichen
Schlachtkörperbeurteilung und Bewertung sowie Bestätigung der
Seuchenfreiheit und des Medikamenteneinsatzes uns ausgehändigt. (grunz)
Musik, Lyrics, Instrumente & Voices, Mix --- Pierroz (vitaltransformer.ch)
Liner Notes (+mm) --- Mike Merlot (mikemerlot.ch)
Weitere Texte (Das Ausklinkprogramm, Lustlos geistert...) --- R. Güntensperger
Fotos --- Pierroz, Mike Merlot, Armin Andres
Illustrationen --- Pierroz
Gestaltung --- werkraum-b.ch
Kontakt --- Pierroz, info@vitaltransformer.ch
Vielen Dank und herzliche Grüsse an meine Freundinnen, Freunde und Gönner
Pierroz, Januar 2015
Finissage
(So oder so)
wenn du jetzt gasch
denn gasch für immer
du weisch es
und ich weiss es au
ich bliib mal no da
aber du muesch jetzt wiiter
und irgendwenn
chum ich dir denn na
Pierroz sprengt gleich einmal alle
... und schon nimmt das Schicksal seinen Lauf.
übernimmt die Regie, es wird
Erwartungen an sein Album in die Luft, die Tücke
h.
ziemlich komisc
ltung zum festen Repertoire der
Nun gehört die Dekonstruktion der Erwartungsha
mp. Aber darf man das ungestraft
Moderne, spätestens seit dem Pissoir von Ducha
und lassen den Jux auch ins
auch im Alternative Rock tun? Nun, wir sind gnädig
gewesen, vielleicht
schön
sehr
ngs
allerdi
wäre
Haus. Der Song vom Anfang
Webseite (vitaltransformer.ch)? +mm
gestattet ihm der Künstler ja Zugang zu seiner
Lüüt
ich glaub dä lüüt
ich glaub ne nüüt
dene lüüt
ich glaub'ne nüüt
Schwer wummert der
Groove, dämonisch leiert
das Örgeli, zornig feuert
das Sax. Klar ist der Song
ein Angriff auf die Immermehr-Mentalität der Leute.
Aber vor allem höre ich die
Trauer über den Verlust der
Glaubwürdigkeit und der
Ernsthaftigkeit im Leben der
anderen. Worüber will man
sich auch mit jemandem unterhalten, der im Porsche Cayenne
mit Speziallackierung vorfährt?
denn sie zelled und zelled
verzelled und verzelled
was sie alles wänd
s'het grad platz
i ihrne eigete händ
für en foifliber
vorne druff da glänzt de tell
verzelled und verzelled ja ja
ja sie zelled
doch hinde
di ganzi ziit
de schwiizer a siim chrüüz
ihres gäld
und wievill meh
wie'ne gschlachteti sau
dass'no wänd
hanget er det
Die Zivilisation ist ein wildes
und därm lampet bluetig use Rasen nach immer mehr Komfort
vill meh
es isch gruusig zum luege
und Fun, während die Vitalität verno vill meh
kümmert. Und alle Krisen werden
und no meh
drum ich glaub dene lüüt
zugekleistert, mit Papiergeld, mit
Pharmaprodukten, mit Sprachregeich glaub'ne nüüt
lungen, einfach mit allem, was den
aber es gaat nie uuf
gar nüüt
chaftsingenieuren zur VerfüGesells
nur de schnuuf
gar nüüt
gung steht. Wer dem misstraut, macht
de gaat'ne uus
sich verdächtig, deshalb erst recht «ich
sie langet a ihres härz
glaub ne nüüt» – gut, vielleicht hab ich
aber det
den Künstler jetzt etwas extrapoliert.
isch nur es loch
Aber die Liner Notes mach ig. +mm
Schprach
schprach schtaat uf miim zäddel
guet det schtaat no meh
vill, ehner zvill,
aber ich bin rächt guat im ränne
mundart, ojee mundart,
ja da muasch zäch sii
guet das bin i
ja aber sicher scho, moll moll
scho immer gsi oder immer wider
au wenn de wii won'i da trunke han
mich e chli schlapp macht
aber das hätt sich bald, das gaat verbii
defür han i mal kei chalti füess
alles isch warm, schön warm
ich bin parat, ich schliich mich a
ich gang uf d'jagd, han fieber
gang ide huuri, gang gäg de wind
äscht verchratzed mer d'händ und de grind
liechtfätze tanzed uf em bode wie wild
irrlichter zoiklet mi immer tüfer in wald
ich schmöcke schweiss
schweiss und bluet
bluet wo tropfet
wo bruuni bletter rötet
wo schwarz im moos chläbt
die schpur
die chasch nöd verlüüre
die findsch immer widder
ich lauf und lauf
ide bei fangts a riisse und en heisse blitz lauf hin und häär
fahrt mir de rugge deruuf
ich gseh die tölgge da
d'auge bränned und's flimmered
ich lauf im chreis
farbe lüüchtet i schtreife dur s'bild
miner eigete bluetschpur na
mir wird immer trümmliger
ich schtolpere, s'haut mi uf de latz
aber ich chum nomal ue
ich glaub ich schaff no en satz
ich schnuuf und schnuuf
mis härz chlopft wie verruckt
und denn, denn chan'i nümm
ich tauch wägg, schla irgendwo uuf
s'wird schwarz vo de ränder her
im chopf isch es leer, nur no schrilli tön
wo schtiiged und denn falled
die riisset mi immer tüüfer, tüüfer durab
durab ines bodeloses grab
is nüüt
s'einzig wo bliibt, wo no isch
das isch die schtimm,
die schtimm formt wort für wort
sie hört nöd uf
nei, si chnätet immer wiiter
und immer wiiter und wiiter und für immer
für immer und ewig
das isch d'schprach
«Schprach» lohnt sich schon wegen dem
Sax, purer Jazz von der Premiumsorte. Die
Licks und rhythmischen Figuren sind unverbrauchter, dichter Groove. Das Stück selbst
ist ein lyrisch-panischer Lauf ins Dunkle auf
einem irrlichterndem Perkussivteppich.
«Mundart, ojee mundart, ja da muasch
zäch sii» – klar, aber wie sich die für so
eine rauschhafte Hetzjagd eignet!
Ich weiss, wie sich der Autor in sein Tun
zurückziehen kann. Dann geht er völlig
ein in seine Welt aus kleinstem Komfort,
grosser Literatur, Musik (auf fast allen
Instrumenten), Situationskomik, Waldhütte und zähem Willen. Und eben in die
Texte, die er wie ein Bluthund durchs
Unterholz jagt. Immer weiter und
weiter, die Augen brennen, «ich glaub
ich schaff no en Satz».
Und dann haut es ihn prompt auf den
Latz, und er sinkt wieder mal ins Grab,
wenn auch diesmal wohl nur ein
symbolisches, das der kreativen
Erschöpfung. Pierroz besingt seine
Todesahnungen wie andere Dichter
ihre Liebesnächte. Muss ich mir
Sorgen machen? Nein, ich denke
nicht, der Kerl ist zu vital und rennt
noch lange durch den Sprachwald.
+mm
De Schütz
de boge isch gschpannt
de pfiil glänzt vergiftet
doch
wo isch de jäger
und wo isch sis wild
und wer rännt da
jetzt grad i sis bild
bisch es du? oder du
oder du, oder du?
lueg wie d'sehne zittered
und d' luft luschtig glitzered
de boge isch gschpannt
de pfiil glänzt vergiftet
doch
wo isch de jäger
und wo isch sis wild
und wer rännt jetzt da
grad i das bild
din pfiil flügt und flügt
ja du, veränderisch nüüt
bisch es du?
doch merk dir das
ja du bisch de jäger
es isch wichtig
bisch es du?
natur, sie macht alles richtig und au s'wild
du bisch s bild
doch du bisch nöd de schütz
du bisch de pfiil
du bisch de pfiil
und du rännsch und rännsch
dich findt dis ziil
i dis ziil
lueg wie d'sehne zittered
und d' luft luschtig glitzered
und Refrain, klingt nach
«De Schütz», von eher traditioneller Struktur mit Strophe, Bridge
war. Harmonisch ist das
er
Songwrit
ter
talentier
ein
schon
dem früheren Pierroz, der immer
Sprünge in der Mitte!
zugleich stimmig und interessant. Ich liebe diese chromatischen
Du bist nicht Jäger und auch
Aber Pierroz hat weniger den Jazz im Kopf als die Erkenntnis:
Das Leben ist Bewegung
finden.
schon
dich
wird
Ziel
das
und
Pfeil,
der
bist
nicht das Wild, du
alles in einem –
auch
wir
sind
nachdem
je
Und
lustig.
und Schicksal, aber es glitzert auch
er Rundumschlag.
Jäger, Wild, Pfeil, Ziel, das ganze Bild. Ein grossartiger poetisch
Reise, das glaube ich nicht.
Allerdings, lieber Pierroz: Ob wir gar nichts verändern auf unserer
(Das Seminar zur
Hmm...
richtig?
alles
immer
Natur
die
macht
Und
alles.
Alles reagiert auf
Hauswart.) +mm
Der
statt.
Stock
2.
im
heute
finden
Bolli
praktischen Philosophie bei Prof.
Aperitif
ich mein ja nur
s' chönt ja sii
ich han's eso gseh
aber gäll
jedem fahrt's andersch ii
so isch es
guet es git scho gränzene
du weisch es
und ich
ich han au so mini erfahrige
han en schueh voll usezoge,
wie mer so schön sait
ja grins du nur
s'isch nöd würkli luschtig gsi
türene ohni falle,
gschlossni abteilig
guet, tablette chasch
under zunge näh
und schpöter useschpoize
jögellichaschte und pingpong
aber de da
grad vorher
de isch glaub ziemli fertig
de gseht nöd guet us
ich säg der's
de het sich schön i öppis drigritte
das chunt nöd vom blüemli güüsse
bi de grossmuetter
da het er es paar jöhrli
dra gwärchet
glaub mer's
han's scho gseh
ui ui ui
ich mein ja nur...
de het sich irgendwo
müesse vergässe
de het sich irgendwenn
nüme möge mitschleike
dur de ganz
schlamassel da
aber gäll
s'isch ja scho no härt
wenn als einzig normale
tagtäglich vo sottig wahnsinnige
umzinglet bisch
wo nur s'chrüple, d'chole
und irgendwelche
unnütze plunder zämezraffe
i irer weiche bire händ
und dir immer schön dure gänd
du söllsch au so wärde
und alles anderi seg abartig
ja da gsehsch di schnäll ämal
als de letscht mohikaner
da chasch denn es füürli mache
i diner blockwohnig
und rauchzeiche schtiige laa zum balkon us
villicht gseht's öpper
ja das s'gseht denn sicher eine
und denn, denn het’s di scho
die chömet s'zweite oder z'dritte
go grüezi säge
bisch iglade zumene aperitif
"mir chönd ihne hälfe,
es isch besser für sie"
und wenn ums verecke
kein durscht wilsch ha
drucket’s der halt e schprütze in arsch
praktikantin will ja
au mal öppis z'tue ha
und vo dem punkt aa
häsch denn so ziemlich s'zwei am rugge
ab id schpinnwinde, wie mer so schön seit
ich mein ja nur
s' chönt ja sii
ich han's eso gseh
aber gäll
jedem fahrt’s andersch ii
so isch es
du weisch es
Die stärkste Subversion ist derz
eit, neben
dem Übertritt zum Islam, die
Absage an
Arbeitswelt und Konsum. Ja da
chasch denn
es Füür mache i dinere Blockwo
hnig und
luege was passiert, warnt Pierr
oz. Allerdings
demonstriert er mit seiner Exist
enz ja gerade,
dass der Austritt zu managen
ist, wenn man
sich diszipliniert. Nur, so stren
g mit sich können oder wollen die wenigste
n sein. Auf
Bestätigung durch Arbeit und
Familie und
Statuskrempel will kaum eine
r verzichten.
Da sind wir aber schon mitten
im Minenfeld
der Zivilisationskritik und müs
sten gerechterweise auch neue Phänomene
wie etwa die
Tausch- und Teilkultur ansprech
en. Zudem ist
Konsum ja irgendwie auch eine
Freiheitsgeste
– früher konnte nur die Obrigkei
t sich was
leisten. Aber was soll's, Pierroz'
ritalinsattes
Irrenhäusler-Lamento geht eben
so lakonisch
wie furios ab. Und ich kann beru
higen: Der
Künstler ist klinisch voll zurechnu
ngsfähig
und sehr nett im direkten Gesp
räch. Sie
sollten allerdings keine Küchenm
esser oder
Nagelfeilen herumliegen lasse
n. Nur so zur
Sicherheit. Und ich muss jetzt
noch schnell
zum Mediamarkt wegen diesem
geilen neuen
Teil. Ich bin ja nicht blöd! +mm
Züriblues
ich wache uf
s'isch no z'früeh
ich ha kei rueh
mach keis aug me zue
ich hock i'd chuchi
s'brot isch härt und nöd frisch
was d'häsch das bisch
er schtinkt wie schimmel
vo züri de himmel
ich werd nöd schlau
isch er grau oder blau
en farblose dräck
us grosse wiisse säck
gib mer droge
gib mer bluet
e dunkli brülle und en huet
ich ha kei halt
ich gseh kei sinn
mir wird ganz chalt
ich glaub ich schpring
s'liecht gaht us, ich ghör de blues
schpring, mach gschwind
decki gheit mir uf de grind
aber angscht han'i kei
angscht han i kei
was immer jetzt au chunt
das schaffi au allei
dihei han i es gsicht gmalt a d'wand
mit schöne auge
und eme verschteckte lache am rand
wen'i wott schwige laat sie mi in rueh
wenn i muess verzelle lost sie mer zue
wer bei het muess laufe
cha nöd wurzle schlaa, muess wiiter gaa
ich lauf am blues voruus
weg vo de schpur
ab i'd natur
ränne umenand, biisse in wiserand
ich ligg am bode, chratz mi am hode
lueg in immel ue
mach d'auge zue
mach si wider uf
s'isch nöd wahr
ich bin wider dihei
s'isch nöd wahr
ich bin wider dihei
jetzt gsehn ich's klar
ich bin vill zvill allei
drum han i es gsicht gmalt a d'wand
mit schöne auge
und eme verschteckte lache am rand
wen'i wott schwige laat sie mi in rueh
wenn i muess verzelle lost sie mer zue
cht, aber
t es zwar ni
Ein Blues is
ntatonik,
Pe
sige Blue
scharfkant
. Der
mächtig ab
und es geht
s Bild der
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Alleinsein is
So ist das
der Bringer.
keine
bt
gi
Es
Leben:
bt nur
gi
es
,
Lösungen
m
+m
Probleme.
Chopfweh
geschter han i en aafall gha
uf em bode im zimmer mit em bad
bin i wider hei cho
zrugg zu mir
blaui fläcke
überall
en zungebiss
und bluet
min neue pulli
alles es gschmier
bi grad is bett
ligge lang, ganz lang
tüüfe, traumlose schlaf
, stattdessen eine
Erbauliches gibt es auch hier nicht
Realismus aus der
weitere Packung schonungslosen
schen. Kranksein
prekären Welt der Einzimmermen
sind nicht gerade
t
igkei
eglos
Ausw
lle
und existentie
bach-Kari in SchwarzDälle
wie
eher
Hitparadenthemen,
lten Studiokino
weiss, und dann aus dem hartbestuh
ht.
nnac
Rege
kalte
die
in
us
hina
langsam schlecht
Wenn es Ihnen ob dem Elend auch
langsam im Mund
wird: flach hinlegen und Eiswürfel
sich im hypnotischen
zergehen lassen. Oder Sie lassen
ch mal auf die
einfa
oz
Pierr
von
gio
Gitarrenarpeg
beklemmende Situation ein. +mm
hüt morge bin i wider uuf
mit allne chnoche
chnoche, wo'ni gschpüür
oder wer isch das
da i dere wohnig
hockt da ganz allei
und weiss nöd ii, nöd ii no uus
und immer
immer wirds schlimmer
de chopf so schwär
d'wort chläbät im muul
so chrumm und so läär
nei, hüt chan i nöd
nöd go schaffe
aber villicht morn
will i wider gaa
ich lüüt jetzt eifach aa
aber säge chan i nüüt
sicher nöd
ich säg es segi eifach chopfweh
eifach chopfweh
«Anschelina» ist eine Schauerballade fast
wie von C.F. Meyer. In dieser Gedichtform
geht es oft um bezaubernde Frauen, die
den Mann um den Verstand bringen und ins
Verderben stürzen. Das Verderben bleibt
hier für einmal aus, Pierroz lässt der feierlich deklamierten Alpenorgie im fahlen
Mondlicht ihren wilden Gang. Ein wenig wie
ein geiler Schöppelimunggi, der es mit der
flugtüchtigen Melanie Winiger treibt.
(Die Anschelina Scholie wird es ja wohl
nicht sein, oder?) +mm
Anschelina
lang, lang säget d' lüüt
seg's scho dunkel gsi
doch e schmali schtrass
fahrt mit mir am mond verbii
durs tannegschtrüpp
dur de tüüfi schnee
det han i sie gsee
schtiegt sie durab
sie will de bescht
sie will zu mir
mir wachsed hörner
ich wärd zum schtier
mir zwei wärdet schöner und schöner
i üsre wilde gier
wie sie als dunkle schtärn am himmel lacht
zmitz i dere hungrige nacht
mich mit schwarz uufgrissnem aug erchännt
s' isch d'anschelina, mini anschelina
da bin i no vill schneller grännt
verschlafni sänne uf dere alp
sie verwachet, sie ruefet halt
d'anschelina und ich, mir lachet
mir zwei mir flüüget mit tüüfelskräft
und trinket bächer für bächer
üsi füürige liebessäft
vor freud laufed mer d'träne glühend heiss
sie chunt däher wie e jungi geiss
über wipfel und äscht
lang, lang segis dunkel gsi i säber nacht
und d'lüüt munklet
de schwarzi maa heg sini rundi gmacht
im dorf simmer go umefrögle
händ üs esoo känne glernt
ringelreihe gschobe und zoge am boge
uf en huufe lässig uusgschüttlet
immer parat für es chäferfäscht
– aber bliibet aaschtändig, zum griiffe nöch!
ja de bappe!
Grüess
Gott
grüess gott
und vile dank
für so en schöne uuftrag
als wärter z' hilf cho
d'leine dörfe zie
grad gäbig i'd wält nee
chömed, chömed chindä, chömed au
das git arbet
aber äbe, s'isch en undankbars volch
d' sach aagaffe, uuslehne, mitlaufe laa
da hämmer halt aazeig gmacht
gäg de hag, i'd höchi und dur d'täler
aber s'isch schön iigrichtet jetzt
mir sind aasässig worde
im schärme vo de schüür
chunsch denn au no go tanze?
weiss nöd, mal luege
ja villicht schpöter
grad jetzt hü und hott
all händ voll ztue gha
schiiter biiget, zrächt gleit
all zäme hend gröölet
s'isch nur en witz gsi, scho gmerkt
husch husch, jetzt aber ab is näscht
gli emal d'cherze usblaset
under de decki kuschlig is ohr gflüschteret
wo all ander gschlaafet händ
verrutscht ischs denn erscht viel schpöter,
ich ha mi verluäget
vom immer wider gseh sind mir üs znöch cho
i jedere verfassig hämmer salamitänz ghaa
nach em wirtshuus im mondschii
schtiieremischt usebrüelet
so än chabis!
diner läbtig sötsch di schäme
und no anderscht häts ide ohre glögglet
dihei bi de muetter
chunsch denn au no go tanze?
weiss nöd, mal luege
ja villicht schpöter
Diese Musik wäre auch als
Hintergrund für einen rabenschwarzen Film denkbar, der
ohne Blinzeln die Dorfgeschichte
vom lustigen Anfang bis zum
grausigen Ende erzählt.
Ob es diese schweizerische
Verklemmtheit immer noch gibt,
weiss ich jetzt nicht, aber der QuasiRefrain gibt sie perfekt wieder:
"Chunsch denn au no go tanze?
Weiss nöd, mal luege. Ja villicht
schpöter". Und das Verhängnis nimmt
seinen Lauf von Gelegenheit, Scham
und Ächtung bis Strick. Der
Protagonist schildert uns natürlich
sein klägliches Ende selbst, sonst wäre
es ja nur ein halbes Pierroz-Stück. Eine
Song-Perle für die Auserwählten. +mm
da han i halt grüezi gseit
mit mim guete leumund
bin blöd mit em fähnli usegschtande
de schtumpe han i furtgrüert
wo's niemert gseh het
schpaat und müed bin i in wald usetschiänget
han de schtrick um en schtamm zwitschered
am graat znöch, aber d'leine gnueg höch
und bin denn gli ohnmächtig dur de wind
läbet wohl, gönd, gönd gschwind,
gönd,
gönd grad jetzt, wo's gar nüüt z'gaffe git
chunsch denn au no go tanze?
weiss nöd, mal luege
ja villicht schpöter
He Knirps
ich lauf, ich lauf uf de schtrass
s'het autos, s'schtinkt nach abgas
da vorne vor em lade
da hockt en knirps i sim schtuel
de chli zeigt uf mi
plapperet uf mi i
aber ich chan nüüt verschtaa
muess nöcher gaa
müesst nöcher gaa
he knirps, ich kapier keis wort
nimm de nuggi zum muul us
wenn öppis säge wotsch
nur s'glänze vo dine auge
chan i verschtah
ich lauf, ich lauf uf de schtrass
s'het autos, s'schtinkt nach abgas
da vorne vor em lade
da hockt en knirps i sim schtuel
da am schatte isch's e chli chüel
de chli zeigt uf mi
plapperet uf mi i
aber ich chan nüüt verschtaa
müesst nöcher gaa
müesst nöcher gaa
he knirps, ich kapier keis wort
nimm de nuggi zum muul us
wenn öppis säge wotsch
denn chum i villicht drus
denn chum i villicht drus
was grad so schpannend isch
was frisch dur dis jung hirni flügt
und mich villicht zum lache bringt
nur s'glänze vo dine auge
chan i verschtah
Die Begegnung mit dem kleinen Lällekönig scheint
der perfekte Anlass für gutgelaunten Rumpelgroove mit höllischen Sax-Einlagen. Es klingt nicht
wirklich kindgerecht, aber Pierroz ist ein Schelm
und gar nicht so ein Düsterling, wie es gelegentlich
scheint, eigentlich mag er die Menschen. Denke ich
mal. In diesem behutsamen Zusammentreffen
blitzt zudem auch der gewiefte Pädagoge auf...
nein, ich mache natürlich Witze auf Kosten
des Künstlers, der sich hier für einmal nicht so
knochenhart zeigt. Was uns richtig gut tut und
Pierroz zum Lachen bringt (siehe Bild). +mm
Immer Allei
immer allei
mir zwei
sind immer allei
wenn du hei chunsch
isches dunkel
wenn du hei chunsch
bin i müed
wenn du hei chunsch
ligg i scho lang im bett
und i mine träum
bin i
wiit ewäg
wiit ewäg vo dir
wenn du uufschtasch
isch's no dunkel
wenn du uufschtasch
bin ich no so müed
wenn du denn furt muesch
bliib ich no lang im bett
und i mine träum
bisch du
so wiit
so wiit ewäg vo mir
mir gsehnd üs nie
nei
nie
aber gar nie
und dänn
dänn isches dunkel
wie det ide bar
wo mir üs troffe hend
schpat ide nacht
scho bsoffe
sind mer hei
und denn is näscht
s'isch eigentlich en seich gsi
aber glich
denn sind mir halt
zäme blibe
und so gaat das scho jahrelang
bis hüt
s'isch e schiisgschicht
Also diese Beziehung dürfte nicht mehr lange
halten, das hofft man jedenfalls, und das ist
auch dem ungeduldigen Beat zu entnehmen.
du hesch en job
du bisch di ganz ziit underwägs
ich han kei ahnig was du machsch
kai ahnig wer du bisch
du bisch ganz imene andere film
mir känned üs nöd
isch au glich
s'isch ja schiisseglich
wie alles andere au
nur i mine träum
mängisch i mine träum
bisch du bi mir
ganz nöch
und doch wenn ich wider ufwach
isch's näscht immer läär
immer läär
Es hat ja schon was – wir kommen oft per
Zufall zusammen und bleiben dann aus
Bequemlichkeit, auch wenn man sich gar
nie sieht und der Sex fad ist. Ironie des Schicksals: Das passiert vielleicht gerade denen, die
sich noch selbst in die Bar aufraffen und nicht
nur passgenau online auf der Datingplattform
balzen. Wobei, so genau weiss ich das jetzt
auch nicht. Gibt es hier Wortmeldungen dazu?
Die Träume und die Sehnsucht allerdings
bleiben uns immer. Um die alte Schachtel
Marika Rökk zu zitieren:
In der Nacht ist der Mensch nicht gerne alleine
denn die Liebe im hellen Mondenscheine
ist das schönste, Sie wissen was ich meine
einerseits und and'rerseits und ausserdem...
+mm
Am Schluss
am schluss
bliibt nöd vill
fasch nüüt
nur es änd
grad so
wies di denn
halt braicht
s'isch gliich
bliib frei bliib dich
und tob di ruhig us
mir rumed de grümpel
denn scho uf
und bhaltet es schtuck
vo dir
als erinnerig
aber gäll
simmer mal ehrlich
s'isch scho sit längerem
es knorz gsi
s'meischt
nur no so lauwarms züüg
es wird schtiller
und d'luft um dich
immer dünner
blibe sind es paar träum
wo aber au eine um de ander
s'loch ab isch
und neui
sind keini na choo
Das Leben vom Ende her gedacht ist leider
immer etwas fatal, aber das ist
regelmässig Anlass für grosse Sounds.
In diesem Song bekommt der Beat
etwas Extraterrestrisches wie in jenem
Jodie-Foster-Film, gemischt mit
Herzschlag und einer rätselhaften Mitte
lwellen-Sirene. Dazu singt Pierroz
mit ehrlichem Bedauern vom Ende der
Träume und dem nüchternen Rest
unserer Existenz. Ja der Tod ist ein Skand
al, aber unsere Lebensäusserungen
und Rituale sind auch banal, und die Revol
ten waren ohne Bedeutung.
Es wird kaum erstaunen, dass Pierroz
Depro-Rock wie Portishead,
Radiohead oder Cat Power schätzt. Der
Unterschied liegt in der meist sehr
vitalen, sich nicht der Tristesse beugenden
Musik, die den Lyrics unterliegt,
eine Art Jazz-Blues-Punk. Sogar in diese
m Song lässt der Sound den Kopf
nicht wirklich hängen. Innere Widersprüc
he sind ja auch interessanter als
hermetische Fassaden. +mm
Die Liner Notes zu «Finissage» von Pierroz habe ich mit ebensoviel
Vergnügen wie Respekt verfasst. Nicht nur weil die Songs gut und
authentisch sind, sondern auch weil ich als Musiker weiss, was
Pierroz da macht mit etwas Logic-Software und einer Unzahl von
Instrumenten – darunter Saxofone aller Art, Trompeten und Flöten,
ein Kontrabass, eine alte schwarze Hammond und ganze Arsenale
von Gitarren. Aufgenommen und gemixt hat er die zwölf Hörstücke
in Rekordzeit in seiner Dachkammer und in einem Zürcher Keller.
Die Texte sind ebenso stark wie die Musik, Pierroz würde damit
wohl auch an irgendwelchen Literaturtagen bestehen. Zwar ist der
Grundton sehr düster, aber Pop ohne analogpubertären EnergieÜberschuss, sei es im Schwärmerischen, im Politischen oder in der
Ablehnung, ist sowieso wenig sinnvoll.
Wer ihm etwas auf seine witzigdunkle Weltskepsis antworten
möchte, oder wer ihm einfach einen Gruess id’ Chuchi schicken will,
erreicht Pierroz auf www.vitaltransformer.ch oder auf
facebook.com/pierroz.vitaltransformer. Dort gibt es auch Infos
zu seinen musischen Ideen und Produktionen, dazu eine Menge
anmutiger Gedanken.
Vielen Dank fürs Mitlesen
Mike Merlot
vitaltransformer.ch
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