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Süddeutsche Zeitung
GELD
Dienstag, 4. November 2014
München Seite 25
Eine Branche entdeckt das Internet
Ohne teure Altverträge und Makler will ein Lebensversicherer den Markt aufmischen
Köln – Von der grünen Wiese, mit niedrigen Kosten und keinerlei Altlasten in Gestalt von hohen Ladenmieten und anderen
Fixkosten hat der Versandhändler Amazon
vor wenigen Jahren den Buchhandel aufgemischt. Vergleichbare Trends gibt es in anderen Branchen, auch bei den Versicherern. Ab Dezember tritt ein neuer Lebensversicherer an, der mit großem Online-Angebot, zunächst nur zehn Mitarbeitern
und entsprechend geringen Kosten und
vor allem ohne jede Altlast angreifen will.
Community Life heißt das Unternehmen und sitzt in Kelkheim bei Frankfurt.
Es gehört den Versicherungsexperten Claudia Lang, 54, und ihrem Ehemann Stefan
Keck, 53. Lang hat früher bei Prudential
und Canada Life gearbeitet. Gelingt ihnen
das Experiment, könnte das die ganze Versicherungsbranche aufmischen.
Der eigentliche Trick: Das Versicherungsrisiko trägt Community Life nicht
selbst. Dafür haben die Gründer Swiss Re
gewonnen, weltweit die Nummer zwei der
Rückversicherer. Swiss Re hat extra einen
Lebensversicherer in Luxemburg namens
Iptiq gegründet. Community Life organisiert den Verkauf, berät Kunden online
und telefonisch, schreibt die Policen aus
und arrangiert die Schadenbearbeitung ist aber selbst kein Versicherer und hat
dementsprechend viel weniger Ärger mit
der Versicherungsaufsicht. Den hat im
Zweifelsfall Swiss Re.
Der Rückversicherer ist an Community
Life nicht beteiligt, fungiert aber als Darlehensgeber für die Vorfinanzierung der Betriebskosten. Die Firma will zunächst nur
Risikolebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen anbieten. „Wir verkaufen ausschließlich online“, erklärt Lang. „Besuche
von Maklern und Vertretern gibt es bei uns
nicht und wird es auch nicht geben.“
Community Life verzichtet auf Abschlussprovisionen und beschränkt sich
auf laufende Provisionen. Die sind allerdings happig. „Weil wir nicht nur Policen
vermitteln, sondern auch verwalten, nehmen wir 5,5 Prozent des Beitrags, von denen wir 0,5 Prozent gemeinnützigen Zwecken spenden“, sagt Lang. Zudem erhält
Community Life noch eine Beteiligung an
den Risikogewinnen.
Der Online-Abschluss wird in der Versicherungsbranche immer wichtiger. Viele
Gesellschaften hinken hier ihrer Kundschaft meilenweit hinterher, die es gewohnt ist von Pizza bis zum Pullover vieles
im Internet zu bestellen. Der Online-Verkauf von Kfz-Policen funktioniert inzwischen zwar recht gut, bei komplizierteren
Produkten wie Berufsunfähigkeitsversicherungen stößt die Branche nur allzu oft
an ihre digitalen Grenzen. Was nach OnlineAbschluss aussieht, ist dann nur ein Formular, um den Kontakt zu einem Vertreter
anzubahnen.
„Bei uns kann man tatsächlich online abschließen“, sagt Lang. Sie verspricht größtmögliche Transparenz. Auf der Homepage
sollen Kunden ihr Logbuch einsehen können, in dem jeder Vorgang gespeichert
wird, sei es eine Kopie der Bedarfsanalyse
oder ein Mitschnitt des Telefongesprächs
mit einem Mitarbeiter.
Ein anderer Vorteil für das junge Unternehmen: Die Lebensversicherer haben große Altbestände mit hohen Zinsgarantien,
hohe Kosten und viele andere Altlasten –
Community Life nicht.
Bis über Community Life in nennenswertem Umfang Geschäft hereinkommt, wird
es aber dauern – wenn das Unternehmen
überhaupt ein Erfolg wird. Auch vor dem
Mega-Aufstieg Amazons gab es zahlreiche
Online-Händler, die gescheitert sind. Dennoch weist die Gründung von Community
Life die Richtung: Weil die etablierten Anbieter sich nur schwer bewegen, kommt
der Druck von Newcomern.
Die nötige Bekanntheit will Lang vor allem über Aktivitäten im Social-Media-Bereich bewerkstelligen, aber auch durch die
Präsenz bei Online-Vergleichsportalen
und Google-Anzeigen. Sie erwartet nicht,
dass ihre Firma sofort schwarze Zahlen
schreibt. „Das wird nicht in zwei Jahren
passieren, vielleicht erst in fünf Jahren.“
Die Arbeitsteilung zwischen dem eigentlichen Risikoträger und einer Gesellschaft
wie Community Life sieht sie als Zukunftsmodell. „Ganz generell sind Versicherer inzwischen zu 90 Prozent mit aufsichtsrechtlichen Dingen beschäftigt“, erklärt sie. Da
komme der Kunde oft zu kurz.
Langfristig will das Unternehmen auch
noch andere Risikoträger gewinnen.
„Neue Partner müssen sich aber auf unsere Anforderungen an Transparenz einlassen“, sagt Lang. Dazu zählen stark vereinfachte Versicherungsbedingungen. Ein
Satz darf nicht mehr als 15 Wörter enthalten. „Wir weisen zudem alle Kosten aus
und legen auch offen, wie wir unser Geld
verdienen.“
h.fromme, f. krieger
Investor und Risikoträger: Blick aus der Swiss-Re-Zentrale in London.
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