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aktuell Nr. 5 vom 09.02.2015 ( PDF , 6,7 MB)

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D 8512
51. Jahrgang
N
nr. 5
montag, 9. Februar 2015
„Führung aus
der Mitte“
Foto: MSC
Münchner Sicherheitskonferenz in Krisenzeiten.
Ansage: Deutschland ist bereit, international eine sicherheitspolitische Führungsrolle zu übernehmen. Dies betont Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zum Auftakt der 51. Münchner Sicherheitskonferenz.
von Jan Marberg
Die Bundeswehr im Internet
www.bundeswehr.de
www.wirdienendeutschland.de
münchen. Deutschland ist
bereit, international eine sicherheitspolitische Führungsrolle
zu übernehmen. Das bekräftigte ­Verteidigungsministerin
Ursula von der Leyen am vergangenen Freitag auf der
51. Münchner Sicherheitskonferenz. Es sei „unsere moralische
Verpflichtung, mit aller Kraft
für die Verteidigung der universellen Menschenrechte einzustehen“, sagte die Ministerin in
ihrer Eröffnungsrede in der bayerischen Landeshauptstadt.
Handlungsmaxime sei dabei
die „Führung aus der Mitte“.
Das bedeute, „selbst das Beste an
Ressourcen und Fähigkeiten in
Partnerschaften und Bündnisse
einzubringen“. Führen aus der
Mitte heiße überdies, andere zu
ertüchtigen, in ihrer Region selbst
für Sicherheit zu sorgen, und
Entscheidungen gemeinsam zu
treffen.
In diesem Zusammenhang
erinnerte von der Leyen an das
deutsche Engagement in den
zurückliegenden Monaten. So sei
der Beitrag der Bundeswehr bei
der Umsetzung der Beschlüsse
des NATO-Gipfels von Wales
ebensowenig wegzudenken,
wie das „unermüdliche Engagement der Bundesregierung, die
Rolle der OSZE zu stärken und
für eine geschlossene Haltung
der EU gegenüber Russlands zu
sorgen“. Mit der Lieferung von
Waffen an kurdische Peschmerga-Milizen und dem Beschluss,
Ausbilder der Bundeswehr in den
Irak zu entsenden, habe Deutschland Tabus aufgelöst. In der Ebola-Krise habe die Luftwaffe mit
einer Luftbrücke in 150 Flügen
560 Tonnen Hilfsgüter transportiert. Die Verteidigungsministerin versicherte, es werde „mit
Hochdruck“ daran gearbeit, Rüstung und Material der Bundeswehr in einen Zustand zu bringen,
„der uns nachhaltig partner- und
bündnisfähig hält“.
Als Zukunftsfragen der Sicherheitspolitik bezeichnete von der
Leyen das Phänomen der hybri-
den Kriegsführung und ihre digitale Dimension. Dabei warnte
sie nachdrücklich vor Waffenlieferungen an die Ukraine:
„Eine Konzentration auf Waffen
allein könnte ein Brandbeschleuniger sein und uns von einer
gewünschten Lösung eher weiter
entfernen.“
Schwerpunkte der 51. Münchner Sicherheitskonferenz waren
der Zerfall der internationalen
Ordnung und die Zukunft der
europäischen Sicherheitsarchitektur. Unter den Teilnehmern
waren auch Bundeskanzlerin
Angela Merkel und US-Vizepräsident Joe Biden.
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www.bmvg.de
www.youtube.com/bundeswehr
Deutliches Zeichen an Russland
NATO-Verteidigungsminister beschließen Speerspitze der Allianz – Deutschland beteiligt sich.
von Andrea Zückert
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augustinfotos
www.instagram.com/bundeswehr
Verteidigungsministerin
Ursula von der Leyen sprach
von einem „starken Signal“.
Die Allianz werde damit „flexibler, schneller und reaktionskräftiger“ und zeige, dass sie eine
„Rückversicherung“ insbesondere auch für die neueren Mitglieder im Osten sei.
Die Speerspitze setzt gegenüber Russland ein deutliches
Zeichen: Eine schnelle NATO-
Brüssel. Für die Bundeswehr
ist es wohl der bedeutendste
Auftrag seit dem Ende des
„Kalten Krieges“: Deutschland wird sich künftig am Aufbau der NATO-Speerspitze
beteiligen. Das beschlossen die
28 NATO-Verteidigungsminister am vergangenen Donnerstag
in Brüssel. Die NATO-Speer-
spitze mit 5000 bis 7000 NATOSoldaten soll künftig vor allem
die Länder an der Ostflanke der
Allianz schützen.
Hinweis Neue E-mail-Adresse: aktuell@bundeswehr.org +++ Truppe wird ihre Mitgliedsnationen im Krisenfall gemeinsam
verteidigen – und zwar innerhalb
von 48 Stunden.
Es ist ein Warnsignal für Russland vor einem neuen „Kalten
Krieg“, wie er als Folge russischer Einmischung in der Ukraine
drohen könnte.
Mehr auf Seite 3
Weiter mehr auf www.bmvg.de
+++ Hinweis
2
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Bundesministerium der Verteidigung
Presse- und Informationsstab
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aktuell als E-Paper und im pdf-Format:
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und Dienstleistungen der Bundeswehr,
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Wöchentlich montags
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Verteilung innerhalb der Bundeswehr:
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ISSN: 1618-9086
Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Filme,
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Verfassers wieder. Sie entsprechen nicht unbedingt
der Auffassung der Redaktion oder des BMVg.
Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion.
Leserbriefe per E-Mail werden nur mit wirklichem
Namen und Adresse berücksichtigt, außerdem behält
sich die Redaktion das Recht auf Kürzung vor.
Intern
9. Februar 2015
Zitat
Editorial
„Das ist eine gute Entwicklung, dass wir uns in
Deutschland vergewissern, was unsere Aufgaben und Interessen sind.“
Die Münchner Sicherheitskonferenz ist das bedeutende transatlantische Forum, bei dem sich
alljährlich zum Jahresauftakt
die sicherheitspolitische Elite
trifft. Einmal mehr stehen die
Brennpunkte dieser Erde auf
der Tagesordnung. Der Kampf
gegen den Terror, der an Grausamkeit kaum noch zu überbieten ist, der uns erschüttert angesichts der Geschehnisse in Paris
und in Anbetracht der wütenden
IS-Miliz. Aber natürlich auch die
Ukraine-Krise, die es dringend
zu entschärfen gilt. Die Welt ist
in Unordnung geraten – deshalb
steht München auch in diesem
Jahr im Zeichen der intensiven
Suche nach sicherheitspolitischen Lösungsansätzen. Von
diesem hochkarätigen Treffen
berichtet die Redaktion der Bundeswehr crossmedial (S.1).
Ein weiterer Schwerpunkt dieser aktuell-Ausgabe ist für einen
herausragenden Staatsmann
bestimmt, der sich neben seiner
politischen Weitsicht und intellektuellen Brillanz immer Warmherzigkeit für die Bürger bewahrt
hat: Alt-Bundespräsident Richard
von Weizsäcker ist im Alter von
94 Jahren verstorben. Er war der
Bundeswehr stets eng verbunden,
weil er um die Bedeutung der
Soldaten für diese Gesellschaft,
Wolfgang Ischinger, Chef der Münchner Sicherheitskonferenz,
zum wachsenden Bewusstsein für Deutschlands Rolle in der Welt.
Kalenderblatt
Vor 15 Jahren: Am 13. Februar 2000 erscheint der letzte „Peanuts“-Comic. Der Grund: Am Tag zuvor war Charles M. Schulz,
der Zeichner der sympathischen kleinen Figuren um Charlie Brown
und Snoopy, gestorben.
Vor 25 Jahren: Am 10. Februar 1990 gewährt der G
­ eneralsekretär
der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU), Michail
Gorbatschow, Deutschland eine nationalstaatliche Zukunft in Selbstbestimmung.
Vor 30 Jahren: Am 13. Februar 1985 wird die Semperoper in
Dresden wiedereröffnet. Das berühmte Opernhaus war 1945 Bombenangriffen der Alliierten zum Opfer gefallen. Bis zu ihrer Fertigstellung wurde die Semperoper acht Jahre lang originalgetreu restauriert.
Vor 35 Jahren: Am 13. Februar 1980 werden im US-amerikanischen Lake Placid die XIII. Olympischen Winterspiele eröffnet.­­
Herausragender Athlet war der 21 Jahre alte US-Eisschnellläufer Eric
Heiden, von 1977 bis 1979 Weltmeister in seiner Disziplin.
Vor 95 Jahren: Am 10. Februar 1920 schließt sich Nordschleswig
Dänemark an. Bei einer Volksabstimmung der nationalen Minderheiten in den deutschen Grenzgebieten, die die Alliierten gemäß dem
Versailler Friedensvertrag nach dem Ersten Weltkrieg angeordnet
hatten, sprach sich die Mehrheit der Einwohner Nordschleswigs für
den Anschluss an Dänemark aus.
(eb)
für dieses
Land wusste.
Unvergessen
bleibt etwa
die Leistung
der „Weizsäcker-Kommission“ um
die strukturelle Weiterentwicklung der
Bundeswehr (S.4).
Enorm entwickelt haben sich
die Streitkräfte ganz gewiss,
etwa bei der Besetzung w
­ ichtiger
Positionen mit Frauen. Mit
Ursula von der Leyen steht unserer Bundeswehr eine Ministerin vor. Aber auch andere spannende Stellen in der Bundeswehr
sind mittlerweile mit weiblichen
Soldaten besetzt, so im Kampfjet-Cockpit. Dort inzwischen
sogar auf der Fluglehrerposition.
Deshalb stellen wir mit Ulrike
Flender die erste Fluglehrerin der
Luftwaffe vor (S. 8).
An eine mutige Frau erinnert
aktuell mit einem Bericht über
eine Ausstellung. Das Museum
Pfalzgalerie in Kaiserslautern
zeigt das Werk der Kriegsfotografin Anja Niedringhaus, die in
Ausübung ihrer Arbeit ihr Leben
gelassen hat (S. 11).
Jörg Fleischer
Redakteur Politik
Foto: Wilhelm/RedBw
Bild der Woche
Herkulesaufgabe gelöst: Die bislang größte logistische Operation der Bundeswehr ist erfolgreich abgeschlossen. Am vergangenen Mittwoch machte das letzte Schiff mit
Material aus dem beendeten ISAF-Einsatz in Afghanistan im Hafen von Emden fest.
Ministerium / Hintergrund Zeichen der Geschlossenheit
Neues
Gefahrenpotential
Schon am Abend zuvor, auf
dem Hinflug nach Brüssel, hatte
die Ministerin dazu ihre wachsende Sorge formuliert. Im
Video-Interview mit der „Redaktion der Bundeswehr“ erläuterte sie eine neue, gefährliche
Form der sogenannten „hybriden
Kriegsführung“ Russlands im
Ukraine-Konflikt. Wörtlich sagte
sie: „Dazu gehört das Schüren
lokaler Unruhen, das Desavouieren legitimer Regierungen, das
Einsickern von Soldaten ohne
Hoheitsabzeichen, von Waffen
und schwerem Gerät, um einen
Konflikt voran zu treiben und um
Abspaltungstendenzen zu unterstützen. Und dazu kommt eine
sehr ausgefeilte, aggressive Kommunikation, die Beeinflussung
der öffentlichen Medien und der
sozialen Medien.“
Mittags auf der Konferenz
in Brüssel: Die NATO-Minister suchen Antworten auf diese
schwer greifbare Form intensiver
Aggression. Verteidigungsministerin von der Leyen bekräftigt
gemeinsam mit ihren Amtskolleginnen aus Norwegen und den
Niederlanden: „Die NATO ist ein
Garant für Sicherheit. Sie muss
Hinweis Foto (2): dpa/pa
von Andrea Zückert
Konstruktiver Dialog: Die NATO-Verteidigungsminister beraten über die neue Speerspitze der Allianz.
flexibel sein, sie muss reaktionsschnell sein. Deshalb führen wir
die sogenannte Speerspitze ein.“
Konkret heißt das: Deutschland wird sich am Aufbau der
NATO-Speerspitze beteiligen,
einer schnellen Eingreiftruppe,
die in wenigen Tagen einsatzbereit ist, wenn die östlichen
NATO-Partner Hilfe brauchen.
Die Speerspitze soll Brigadestärke haben, circa 5000 bis
7000 Soldaten. Erste Truppenteile sollen bereits nach 48 Stunden verteidigungsbereit sein. So
der Plan.
Jetzt muss die NATO zeigen,
wie das möglich ist. Deutschland übernimmt einen wichtigen
Part, gemeinsam mit Norwegen
und den Niederlanden. Mit bis
zu 2700 Soldaten, also fast der
Hälfte, wird sich die Bundeswehr
beteiligen. Wie schnell die Truppen verlegt werden können, soll
schon in Kürze in ersten Manövern geübt werden.
Die Zusage der Ministerin
zum Aufbau NATO-Speerspitze
bedeutet für die Bundeswehr eine
große Herausforderung und Aufwertung zugleich. Denn sie übernimmt in der NATO eine Schlüsselrolle. Diese Rolle wird noch
verstärkt durch die Position der
Bundeswehr im multinationalen
Korps im polnischen Stettin. Dort
werden künftig mehr als 400 Soldaten aus 19 Ländern stationiert
sein, um die NATO-Speerspitze
zu führen. Deutschland stellt
dabei ein Drittel der Soldaten.
Und: In sechs osteuropäischen
Ländern werden sogenannte
logistische Stützpunkte errichtet. Ihre Aufgabe: Sie sollen vor
Ort die mögliche Ankunft von
Einheiten der NATO-Speerspitze
+++ vorbereiten und unterstützen.
Deutschland wird sich daran mit
25 Soldaten beteiligen, der Aufbau dieser Stabsstellen beginnt
noch in diesem Jahr.
Bei Pressestatements zusammen mit ihren Amtskolleginnen
aus Norwegen und den Niederlanden unterstreicht die Ministerin mehrfach die Entschlossenheit und Geschlossenheit
der NATO – als unverzichtbaren Bestandteil zum Erhalt des
Friedens.
Bei den NATO-Partnern wird
die neue Rolle Deutschlands als
positives Signal gewertet. Die
Allianz hatte bisher viel Verständnis gezeigt für die politische
Zurückhaltung Deutschlands
bei militärischen Konflikten, als
Folge der historischen Vergangenheit und der heutigen Verfassungslage. Die neue Rolle
Deutschlands und damit auch
die wachsende Bedeutung der
Bundeswehr findet große Zustimmung bei den Ministerkollegen.
Hinter verschlossenen Türen soll
es sogar spontane Gratulationen
gegeben haben, heißt es aus Teilnehmerkreisen.
3
Rüstungsboard
diskutiert offen
NATO-Verteidigungsministertreffen: Bundeswehr führt den Aufbau der neuen NATO-Speerspitze.
Brüssel. Brüssel, NATO-Hauptquartier, Donnerstag früh. Im Eingang stehen Reporter und Kamerateams in langer Reihe, draußen
fahren schwarze Limousinen vor.
Es ist kurz vor neun. Verteidigungsministerin Ursula von der
Leyen kommt pünktlich zum
sogenannten Doorstep. Sie hat
ein Statement vorbereitet: Es ist
ihr wichtig, klarzumachen, welche Rolle die Bundeswehr künftig in der NATO spielen wird.
„Deutschland“, sagt sie zu den
wartenden Journalisten, „wird
sich sehr angemessen beteiligen“.
Dahinter steckt ihre Sorge
um die Sicherheitslage, die sich
seit der Einmischung Russlands
in den Ukraine-Konflikt zugespitzt hat. Die NATO plant deshalb eine deutliche Verstärkung
ihrer schnellen Eingreiftruppe
für weltweite Einsätze. Die aus
Land-, Luft-, See- und Spezialkräften bestehende Truppe soll
rund 30 000 Soldaten umfassen.
So hatte es NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg gleich
zu Beginn des NATO-Treffens
formuliert und einen Beschluss
der Verteidigungsminister angekündigt.
aktuell Während ihres Pressestatements am Mittag in Brüssel macht
von der Leyen eines klar: Waffenlieferungen an die Ukraine wird
es nicht geben. Die Linie ist deutlich abgestimmt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, die zeitgleich auf dem Weg nach Kiew
und nach Moskau ist; gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Francois Hollande, um
mit Putin neue Lösungswege aus
der Ukraine-Krise zu diskutieren.
Berlin. Unter der Leitung von
Rüstungsstaatssekretärin ­Katrin
Suder ist kürzlich der Vorbereitungskreis Rüstungsboard zusammengekommen. Gegenstand des
zweiten Treffens waren das neu
entwickelte Risikoberichtswesen und die sogenannten „TOP
9-Rüstungsprojekte“ der Bundeswehr. Dazu zählen der Schützenpanzer „Puma“, das Kampfflugzeug „Eurofighter“ sowie das
Transportflugzeug A400M. In
einer offenen Diskussion mit
den jeweils zuständigen Projektleitern des Bundesamts für
Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) wurden die
Probleme und Risiken b­ ewertet
und Maßnahmen zur Adressierung der Risiken getroffen.
Grundlage der Gespräche war
das vom Beauftragten Strategische Steuerung Rüstung, Gundbert Scherf, entwickelte neue
Risikoberichtswesen. Es basiert
auf den Empfehlungen des Rüstungsgutachtens und sieht erstmals einen direkten Berichtsweg
vom zuständigen Projektleiter
an die Staatssekretärin bzw. den
Beauftragten Strategische Steuerung Rüstung vor.
(eb)
Parlamentsdebatte
zu EUTM Mali
Sichtlich zufrieden
mit den Beschlüssen
Am Abend nach den Verhandlungen zeigt sich Ursula von der
Leyen mit den Beschlüssen in
Brüssel sichtlich zufrieden. Sie
hat die neue Rolle Deutschlands klar definiert – ein verlässlicher, starker Partner in der
NATO zu sein. Auf dem Rückflug sitzt neben ihr NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg
in der Maschine. Sie sind auf
dem Weg zu einem gemeinsamen Fernsehauftritt in Berlin.
Auch das: Ein öffentliches Zeichen der Geschlossenheit.
Schulterschluss: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen mit
NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Abend im TV.
Neue E-mail-Adresse: aktuell@bundeswehr.org Foto: dpa/pa
9. Februar 2015 Berlin. Der Deutsche Bundestag
hat am vergangenen Donnerstag
in erster Lesung die weitere Teilnahme der Bundeswehr an der
EU-geführten Ausbildungsmission EUTM Mali beraten. Der
Parlamentarische Staatssekretär
Ralf Brauksiepe erläuterte im
Parlament die neuen Rahmenbedingungen des Mandats. Er
erklärte, Mali sei ein Schwerpunkt des deutschen sicherheitspolitischen Engagements
in Afrika. Der Antrag der Bundesregierung sieht vor, dass die
Personalobergrenze von 250 auf
350 Soldaten angehoben wird.
Deutschland übernimmt ab
August in Mali die Führungsrolle und stellt den Missionskommandeur. Der Auslandseinsatz soll um 15 Monate bis zum
31. Mai 2016 verlängert werden.
Der Deutsche Bundestag muss
dem Antrag der Bundesregierung
noch zustimmen.
(flo)
+++ Hinweis
aktuell Politik / Hintergrund
Staatsmann ersten Ranges
Hinrichtungen nach
IS-Mord an Piloten
Amman. Nach der Tötung einer
jordanischen Geisel durch die
Terrormiliz Islamischer Staat
(IS) hat Jordanien seine angekündigte Reaktion wahrgemacht
und zwei Dschihadisten hingerichtet. Die Irakerin Sadschida
al-Rischawi, die der IS freipressen wollte, sowie das Al-Kaida-Mitglied Siad Karbuli wurden
am vergangenen Mittwoch exekutiert, wie die Regierung mitteilte. IS hatte zuvor ihre jordanische Geisel bei lebendigem Leib
verbrannt. Dabei handelte es sich
um einen F-16-Kampfjet-Piloten, der nach einem Absturz im
Dezember in IS-Gefangenschaft
geraten war.
(cfm)
Der verstorbene Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker war der Truppe eng verbunden.
Berlin. Der im Alter von 94 Jahren verstorbene Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker
war der Bundeswehr stets eng
verbunden. Er brachte seine
ganze Erfahrung und Kompetenz für die Streitkräfte ein. So
etwa in der Weizsäcker-Kommission, welche die Bundesregierung unter dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder
berufen hatte. Unter von Weizsäckers Leitung arbeitete das Gremium von 1999 bis 2000 richtungsweisende Vorschläge zur
künftigen Struktur der Bundeswehr aus.
Obama gibt mehr
für Verteidigung aus
Herausragende
Persönlichkeit
Washington. US-Präsident
Barack Obama geht mit einem
Budgetentwurf im Umfang von
fast vier Billionen Dollar (gut
3,5 Billionen Euro) in die Verhandlungen um den Haushalt
2016. Das Budget des US-Verteidigungsministeriums, das seit
2013 von Einschnitten betroffen war, steigt nach dem Willen
Obamas nun erstmals wieder um
vier Prozent auf 585 Milliarden
Dollar. Die Kosten der Streitkräfte für die Mission „Inherent
Resolve“ gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS)
im Irak und Syrien beziffert das
Weiße Haus auf 5,3 Milliarden
Dollar. Weitere 3,5 Milliarden
Dollar forderte das Außenministerium für den Kampf gegen die
IS-Miliz an.
(uvs)
Richard von Weizsäcker war
nicht nur ein Staatsmann ersten Ranges, eine herausragende
Persönlichkeit, ein wunderbarer Mensch: Derartige Würdigungen nach seinem Tod zeigen noch einmal, welch hohes
Ansehen er über die Parteigrenzen hinweg stets genoss. Nur
wenige Persönlichkeiten werden
so respektiert, ganz besonders
auch von den militärischen und
zivilen Angehörigen der Bundeswehr. Der einstige Bundespräsident mischte sich noch im
hohen Alter mit ebenso unbequemen wie feinsinnigen Anmerkungen in aktuelle gesellschaftliche
Debatten ein. Am Samstag vor
einer Woche starb von Weizsäcker in Berlin.
Der am 15. April 1920 geborene von Weizsäcker zählt zu
der Generation, die durch die
NS-Zeit, den Zweiten Weltkrieg und seine schrecklichen Folgen geprägt wurde.
Damit ist auch seine wichtigste
Rede verknüpft: 1985 hielt er
40 Jahre nach Kriegsende
im Deutschen Bundestag die
Haager Gerichtshof
entlastet Serbien
Den Haag. Serbien hat sich
nach Auffassung des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag
während des Krieges Anfang der
90er Jahre nicht des Völkermordes an Kroaten schuldig gemacht.
Das Urteil gab am vergangenen
Dienstag der Vorsitzende Richter des höchsten UN-Tribunals,
Tomka, bekannt. Kroatien hatte
1999 Klage erhoben und von Serbien Entschädigungszahlungen
gefordert. Während des Balkankrieges nach dem Zerfall Jugoslawiens hatten sich kroatische
Streitkräfte und die von Belgrad
unterstützten serbischen Verbände in Kroatien bekämpft.
Allein in diesem Konflikt s­ tarben
zwischen 1991 und 1995 rund
20 000 Menschen. Zahlreiche
Kroaten wurden im Zuge „ethnischer Säuberungen“ getötet
oder vertrieben.
(ju)
Hinweis 9. Februar 2015
Foto: dpa/pa
4
Im Kreise der Soldaten: Der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker bei seinem ersten
Truppenbesuch bei den Streitkräften. Hier in Storkow nahe Berlin beim Bundeswehrkommando Ost
mit dem damaligen Befehlshaber Jörg Schönbohm (M.) im Gespräch mit Pionieren.
Ansprache, mit der er sich in
die Geschichtsbücher einschrieb.
„Der 8. Mai war ein Tag der
Befreiung“, rief er auch den
Deutschen zu, die damit zuvor
eher Niederlage und Kapitulation verbunden hatten. „Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom
30. Januar 1933 trennen“, sagte
er mit Blick auf die Auswirkungen der Nazi-Herrschaft.
Der in Stuttgart geborene Diplomatensohn von Weizsäcker hatte
selbst eine sehr schmerzliche
Verbindung zur NS-Zeit. 1938
zum Reichsarbeitsdienst eingezogen, nahm er später als Soldat
an den Feldzügen gegen Polen
und die Sowjetunion teil, wobei
er mehrfach verwundet wurde.
Nach Kriegsende studierte von
Weizsäcker Rechtswissenschaften und Geschichte und half in
den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen bei der Verteidigung seines Vaters, der zu mehrjähriger Haft verurteilt worden
war.
Der „liberale Großbürger“
von Weizsäcker, wie ihn einer
seiner engsten Mitarbeiter einmal charakterisierte, trat 1954
in die CDU ein. Nach Stationen
bei Mannesmann, bei einem
Bankhaus und der Chemiefirma
Boehringer übernahm er 1964
das Präsidentenamt des evangelischen Kirchentages. Auf Vor-
Die „Weizsäcker-Kommission“
Berlin. Die „Weizsäcker-Kommission“, die offiziell als Kommission „Gemeinsame Sicherheit
und Zukunft der Bundeswehr“ bezeichnet wurde,
war eine vom damaligen Bundeskanzler Gerhard
Schröder eingesetzte Kommission. Sie war von
Mai 1999 bis Mai 2000 aktiv. Das Gremium erarbeitete richtungsweisende Vorschläge zur künftigen Struktur der Bundeswehr.
Es galt, die sicherheitspolitischen Risiken und
Interessen Deutschlands vor dem Hintergrund der
sich wandelnden weltpolitischen Lage einzuordnen und Empfehlungen zu geben, wie die Bundeswehr künftig ihre Aufgaben innerhalb einer
umfassenden Sicherheits- und Verteidigungspolitik wahrnehmen könnte.
+++ Zu diesem Zweck arbeitete die Kommission
Vorschläge für die Grundstrukturen der Streitkräfte
aus. Analysen zur Wehrform, Personal, Führung,
Organisation, Ausrüstung, Ausbildung und Finanzen wurden erstellt. Der Auftrag der Kommission
war es, festzustellen, welche militärischen Fähigkeiten Deutschland für seine Außen- und Sicherheitspolitik brauchte.
Als Vorsitzender der Kommission hatte der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping den
Alt-Bundespräsidenten Richard von W
­ eizsäcker
berufen. Neben Weizsäcker gehörten der Kommission 19 weitere Mitglieder aus verschiedenen
Gesellschaftsbereichen an. Die Kommission legte
ihren Bericht am 23. Mai 2000 vor.
(eb)
Neue E-mail-Adresse: aktuell@bundeswehr.org schlag von Helmut Kohl, der sich
Jahre später allerdings von Weizsäcker distanzierte, kam er 1966
in den CDU-Bundesvorstand. In
den Bundestag zog von Weizsäcker 1969 ein, wo er zum stellvertretenden Unionsfraktionschef aufstieg. Zu dem Zeitpunkt
war er schon Vater von vier Kindern, 1953 hatte er Marianne von
Kretschmann geheiratet.
Tragik der
deutschen Teilung
Die Tragik der deutschen Teilung erlebte von Weizsäcker
nicht zuletzt als Regierender
Bürgermeister von Berlin in den
Jahren von 1981 bis 1984 hautnah. Und so setzte er sich auch
als Bundespräsident ab 1984 für
die Aussöhnung mit dem Ostblock und Gespräche mit der
DDR ein, wenngleich er in seiner zweiten Amtszeit für eine
behutsame Wiedervereinigung
warb: „Sich zu vereinen, heißt
teilen lernen“, mahnte er 1990.
Seine letzte Rede als Staatsoberhaupt nutzte er 1994, um Ausländerhass und Rechtsextremismus
anzuprangern.
Die moralische Instanz von
Weizsäcker zog sich auch danach
nicht aufs Altenteil zurück: In
Arbeitsgruppen und diversen
Gremien blieb er weiterhin politisch aktiv. (cne/eb)
+++ Hinweis
9. Februar 2015 Einsatz / Bundeswehr aktuell 5
Für ein Jahr vor Libanons Küste
Neues Einsatz-, Ausbildungs- und Personalkonzept startet mit der UNIFIL-Mission der Korvette „Erfurt“.
tor zur Vorbereitung der libanesischen Kräfte auf die praktischen Aufgaben an Bord zur
­Verfügung. Dieser wurde mit
deutscher Hilfe eingerichtet.
Außerdem wurde entlang der Küstenlinie eine Küstenradarorganisation mit einer zentralen Leitstelle
aufgebaut. Diese betreiben die
libanesischen Streitkräfte heute
selbst.
Mit Partnern im
UNIFIL-Einsatz
Foto: Bundeswehr
Limassol. Die Korvette „Erfurt“
hat seit Anfang Februar für ein
Jahr Aufgaben der Seeraumüberwachung vor der Küste L
­ ibanons
übernommen. Gleichzeitig wurde
sie der UN-Mission UNIFIL
unterstellt. Die Einsatz-Crew
der Korvette wechselt dabei alle
vier Monate.
Rund ein Jahr dauerte die Vorbereitung auf den UNIFIL-Einsatz für die Besatzung der Korvette „Erfurt“. Dabei wurde sie
nicht nur in Deutschland, sondern
auch im südenglischen Plymouth
von der britischen Marine beim
„German Operational Sea Training“ zertifiziert. Der Kommandant, Korvettenkapitän Marco
Köster, führt seine Besatzung in
den kommenden vier Monaten
durch den Einsatz. Dann steht
der erste Wechsel an. Eine zweite
Besatzung wird ins Einsatzgebiet
fliegen und die Korvette „Erfurt“
übernehmen.
„Dieses Konzept bedeutet mehr
Wirtschaftlichkeit, insbesondere
aber eine bessere Planbarkeit für
die Frauen und Männer an Bord“,
so der Kommandeur des 1. Kor-
Angetreten: Die Besatzung der Korvette „Braunschweig“ begrüßt die einlaufende Korvette „Erfurt“.
vettengeschwaders, Fregattenkapitän Nicolas Liche. „Darüber
hinaus werden die Abwesenheiten der Besatzungen reduziert, da
der Transit ins Einsatzgebiet und
zurück wegfällt“, fügt er hinzu.
Denn die Korvetten müssen von
Warnemünde aus eine Strecke
von 7800 Kilometern bis in den
Libanon zurücklegen. Für diese
Strecke brauchen sie je nach Wetterbedingungen durchschnittlich
10 bis 14 Tage.
Schwerpunkt des ­deutschen
Engagements im Libanon
ist die Ausbildung der libanesischen Marine. Zusammen mit den libanesischen
Partnern wurden diverse Ausbildungseinheiten entwickelt, zum
Beispiel in Bereichen der Nautik, der Navigation oder der taktischen Zusammenarbeit von Seestreitkräften. Ein Abschnitt der
Ausbildung findet an der libanesischen Marineschule statt.
Es steht dort sogar ein Simula-
Neustart im Irak
Die Deutsche Marine ist seit
2006 im Libanon in der UNIFIL-Mission im Einsatz. Seit
September 2014 nehmen ihre
Korvetten dauerhaft die Überwachungsoperationen der Mission wahr. Schiffe und Boote
aus Bangladesch, Brasilien,
Griechenland, Indonesien,
der Türkei und Deutschland
bilden die „Maritime Task
Force UNIFIL“. Ein brasilianischer Admiral führt derzeit
den multinationalen Verband
als Seebefehlshaber von Bord
seines Flaggschiffs aus.
(eb)
Aus Einweisung
wird Ausbildung
Am 29. Januar hat der Deutsche Bundestag das Mandat für
den Bundeswehreinsatz im Irak
beschlossen. Welchen Aufgaben müssen Sie sich hier jetzt
mit Ihrem Stab stellen?
Deutschland hat entschieden,
mit bis zu 100 Soldaten die irakischen Sicherheitskräfte u n d
die Kräfte in der Nordregion auszubilden. Im Kern kommt es jetzt
darauf an, die bisherigen internationalen Ausbildungs- und Einweisungsanstrengungen besser
zu koordinieren und weiter auszubauen. Dazu hat die Allianz
mehrere Ausbildungseinrichtungen im Irak errichtet. Wir konzentrieren uns hier auf die Ausbildung der Soldaten im Nordirak.
Unser Stab besteht derzeit aus
Soldaten aus fünf Nationen, das
wird auf etwa zehn Nationen aufwachsen. Ziel ist es, die Soldaten der Region besser in die Lage
zu versetzen, ihr Land zu verteidigen.
Türkei
Mosul
Erbil
Syrien
Jord
anie
n
Bagdad
IRAK
Wie sieht Ihre Aufgabe als
Kommandeur konkret
aus?
Ich trage die Verantwortung für den
Aufbau des StaIran
bes und das
Zusammenführen der
Grafik: Pfaender
Basra
Saudiarabien
Hinweis Kuwait
+++ PERSISCHER
GOLF
Erster Kommandeur: Oberst
Jochen Schneider.
multinationalen Partner. Außerdem bin ich der Ansprechpartner
für das zuständige Ministerium.
Wie schafft es diese Trainingsmission, die irakischen Kräfte
auf ein einheitliches Niveau zu
bringen?
Alle Ausbildungspartner h­ alten
sich an gemeinsame Standards,
zum Beispiel auch die der NATO.
Wir haben ein ähnliches Verständnis, wie wir ausbilden und
synchronisieren nun die Feinheiten in diesem Koordinierungsund Trainingszentrum.
Dabei berücksichtigen wir vor
allem auch den konkreten Bedarf,
der uns vor Ort mitgeteilt wurde
und richten unsere Ausbildung
darauf aus.
Die Einweisungen haben in den
vergangenen Monaten schon
stattgefunden. Nun gibt es ein
deutsches Mandat für den Einsatz. Ab wann soll es konkret
losgehen?
Schnellstmöglich, das war der
Auftrag. Das deutsche Mandat
gilt seit dem 1. Februar. Wir sind
ab sofort bereit, auf die Anforderungen aus dem PeschmergaMinisterium hinsichtlich des konkreten Ausbildungsbedarfes ihrer
Soldaten zu reagieren.
Sie sind selbst noch nicht
lange hier. Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie
bis jetzt gemacht von Land,
Leuten und den Kameraden
vor Ort?
Es stimmt, ich bin zwar erst
wenige Tage da, aber es kommt
mir so vor, dass ich schon
Wochen hier wäre. Ich durfte
2013 den deutschen Einsatz in
Kunduz als letzter Kommandeur
beenden und nun darf ich als erster deutscher Kommandeur diese
multinationale Trainingseinheit
aufbauen. Das freut mich sehr
und macht mich auch stolz.
Die Fragen stellte Robert H.
Neue E-mail-Adresse: aktuell@bundeswehr.org Foto: Bundeswehr
Erbil. Oberst Jochen Schneider
ist der erste Kommandeur der
internationalen Ausbildungs- und
Koordinierungsmission im Nordirak. Der einsatzerfahrene Offizier berichtet vom Start der Ausbildungsunterstützung, für die es
seit dem 29. Januar ein Mandat
des Deutschen Bundestags gibt.
Foto: Bundeswehr
Interview: Der erste Kommandeur der multinationalen Mission im Nordirak über seine Aufgaben.
Erbil. Die Einweisungen der
Peschmerga durch deutsche
Fallschirmjäger im nordirakischen Erbil sind beendet. Seit
September vergangenen Jahres
wurden die kurdischen Soldaten
an verschiedenen Waffensystemen geschult. Künftig sollen in
einer verkürzten Grundausbildung die Schwerpunkte der vom
Deutschen Bundestag mandatierten Ausbildungsunterstützung auf
die Beseitigung von Sprengfallen
gelegt werden, auf Führung und
Taktik sowie auf Fähigkeiten im
Sanitätsdienst. Rückblickend auf
den Beginn der Einweisung der
kurdischen Soldaten zieht Leutnant M. als Leiter des zweiten
deutschen Teams ein positives
Fazit: „Die täglichen Fortschritte
und die Leistungsbereitschaft der
Kurden waren für uns zusätzliche
Motivation, das nötige Wissen im
sicheren Umgang mit den gelieferten Waffen und der Munition
zu vermitteln.“
(eb)
+++ Hinweis
6
aktuell Bundeswehr
aktuell 7
„Die Gefahr lauert an jedem Hügel“
von Heiderose Häsler
Pokhara. Sich Kindheitsträume
erfüllen zu können, das ist nicht
jedem vergönnt. Oberstleutnant
René Heise, eingesetzt beim
Zentrum Luftoperation der Luftwaffe, hat genau das geschafft:
Er träumte davon, im Himalaya
die Achttausender von oben zu
genießen und in einem Motorsegler das höchste Gebirge der
Welt zu befliegen. Für den Jungen aus der ehemaligen DDR
zunächst unerreichbar.
Zur Zeit der ersten Mondlandung 1969 ist Heise gerade
einmal vier Jahre alt und will
Astronaut werden, danach Jagdflieger. Mit 14 sitzt er zum
ersten Mal im Segelflugzeug.
Doch obwohl
er später alle
flugmedizi-
nischen Tests zum Jagdflieger
besteht, wird Heise in der damaligen DDR für die Ausbildung
aufgrund seiner West-Verwandtschaft nicht zugelassen. So studiert er an der Humboldt-Universität in Ostberlin Physik und
Meteorologie, entwickelt nach
dem zivilen Studium als Offizier
flugmeteorologische Vorhersageverfahren und ist beim Jagdfliegergeschwader JG-1 der NVA
in Holzdorf eingesetzt.
Fliegerisch wird Heise 1989
wieder aktiv und hat bereits nach
einem Jahr seine Pilotenlizenz.
In internationalen Wettbewerben stellt sich der 49-Jährige den
Herausforderungen – als Pilot
und als Meteorologe.
Der akademische
Anspruch an flugmeteorologische
und taktisch
geprägte
Vorhersagen verliert nach der
Wiedervereinigung allerdings
an Bedeutung. Heise will aber
das Wissen bewahren. Einen
Partner findet er in der OSTIV,
der internationalen und wissenschaftlichen Organisation für den
Segelflug. Und hier beginnt 1997
die Geschichte, die im vergangenen Jahr im Himalaya ihre Krönung findet.
Eine Weltmeisterschaft mit Folgen
Bei den Segelflug-Weltmeisterschaften in Frankreich, wo
Heise die Deutsche Nationalmannschaft wiederholt taktisch
erfolgreich berät, lernt er den
Vollblut-Segelflieger und ehemaligen Sportsoldaten Klaus
Ohlmann kennen. Dieser hat sein
Hobby zum Beruf gemacht und
betreibt im Südosten Frankreichs
eine Segelflugschule.
Schnell werden sie sich einig,
ein äußerst anspruchsvolles Ziel
unter die Flügel zu nehmen:
den OSTIV Küttner-Preis
zu gewinnen. Der
Luftfahrt-
Startklar: Weltrekordpilot Klaus Ohlmann (l.) und René Heise (r.).
pionier Joachim Küttner hatte
in den 30er Jahren erstmalig
sogenannte Mountain Waves
wissenschaftlich beschrieben –
wellenartige Luftströmungen im
Windschatten von Gebirgen, die
sich bis weit ins Land hinein ziehen können. In dem Wellenaufwind steigen Segelflugzeuge wie
im Fahrstuhl nach oben und surfen entlang von Wellen große
Distanzen. 2000 Kilometer – eine
Entfernung von Süddeutschland
nach Marokko in einem Ritt an
einem Tag – und der Preis wäre
gewonnen.
Nun wollen es Heise und der
gebirgsflugerfahrene Ohlmann
gemeinsam angehen. Sie gründen unter dem Dach der OSTIV
das non-profit MountainWave-Project (MWP). Es
soll Turbulenzforschung
und sportliche Strecken- und
Höhenrekorde verbinden und
die gewonnenen Erkenntnisse
sofort fliegerisch umsetzen.
Nicht zuletzt wollen sie damit zu
mehr Flugsicherheit beitragen.
Über die Anden bis
nach Feuerland
Gleich bei der ersten MWP-Expedition 1999 in Argentinien
fliegt Ohlmann von San Martin
de los Andes bis hinunter nach
Feuerland, 1550 Kilometer an
einem Stück. Nach weiteren
Versuchen gelingt der Rekord:
Am 23. November 2003 fliegt
­Ohlmann 2120 Kilometer von El
Calafate bis San Juan in Argentinien. Der Preis ist gewonnen –
und der wissenschaftliche Ehrgeiz geweckt. Denn unter den
wellenartigen Luftgebilden
wirbeln in den Tälern gefährliche Rotoren. Würden diese genauer
lokalisiert, könnten Piloten
ihnen und den unberechenbaren Abwinden ausweichen. Nicht
selten sind Turbulenz-Unfälle
tödlich ausgegangen.
Längst sind die MWP-Forschungsergebnisse auch bei
der Bundeswehr eingeflossen.
­Globale Vektordatensätze des
Systems Rotor-Welle in Geografischen Informationssystemen (GIS) stehen zur Verfügung.
Turbulenzvorhersagen werden
entwickelt, auf Grundlage der
neuen Generation hochauflösender Wettervorhersagemodelle. In
den Auslandseinsätzen in Afghanistan und am Horn von Afrika
kann Heise als „Additional Crew
Member“ fliegende Besatzungen dafür sensibilisieren. Seine
Vorträge an der Offizierschule
der Luftwaffe, Fortbildungsseminare bei der Flugbereitschaft des
Bundesministeriums der Verteidigung und beim Geoinformationsdienst der Bundeswehr schärfen den Blick von Besatzungen
und Flugmeteorologen für die
gefährliche Wettererscheinung.
Auf dem Weg zum
Mount Everest
Nur mit großen fliegerischen
Erfahrungen und dem flugmeteorologischen Wissen kann
sich das Expeditionsteam an
den Himalaya wagen. Denn
während für viele Gebiete der
Welt inzwischen „Rotorenkarten“ existieren und die Windströmungssysteme
der
Gebirge bekannt sind, ist das
Dach der Welt noch ein weißer
Fleck. Die imposanten Berggipfel des Himalaya ragen oft bis in
den Jetstream – eine Starkwindwand in höheren Luftschichten.
Hier gibt es die turbulenten Aufund Abwinde ab 6000 Metern
Höhe, die für Luftfahrt und Rettungseinsätze gefährlich werden
können. Daher gibt es nicht viele
Piloten, die sich in diese extreme
Welt wagen. „In diesen Höhen
hat der Motor kaum noch Leistung und man fliegt richtig mit
dem Wind“, erklärt Heise.
Im Oktober 2013 ist es soweit,
die Forschungsexpedition zum
höchsten Gebirge der Welt kann
starten. Mit an Bord ist das Deutsche Zentrum für Luft- und
Raumfahrt (DLR), das in Berlin-Adlershof spezielle Luftbildkameras für extreme Umweltbedingungen des Hochgebirges
entwickelt hat. Aus den hochaufgelösten Bildern sollen dann
3D-Modelle von Bergmassiven,
Gletschern und Tälern entwickelt
werden. Für Gletscherforscher
künftig ein Datenschatz, etwa
für genauere Aussagen zum Klimawandel.
Das Zentrum für Luft- und
Raumfahrtmedizin der Luftwaffe möchte herausfinden, ob
die Messungen zur Sauerstoffsättigung mit speziellen Pulsoximetern präzise genug ist. Das
sollen Inflightmessungen der
Sauerstoffsättigung des Blu-
tes an verschiedenen Körperstellen
der Piloten zeigen. Andere Wissenschaftler wollen die Luftverschmutzung über Nepal messen,
die zunehmend zum Problem wird.
Vom Flugplatz Strausberg bei
Berlin bis nach Kathmandu sind
es zehntausend Kilometer. Mindestens zehn ­Zwischenlandungen
wird es geben.
Mehrmals muss die Flugplanung wegen aufkommender
politischer Unruhen in Nordafrika geändert werden. Expeditionsleiter Heise plottet die lange
Überführung über mehrere Klimazonen mit. Mehr als 900 Kilometer führen über den Golf von
Oman – kaum Zeitreserven für
die Reichweite des Flugzeugs.
Anfang November landen
beide Motorsegler „Stemme S10
VT“ in Kathmandu. Wochenlang
werden sie auf dem Flugplatz
der nepalesischen Hauptstadt
stehen, weil die Fluggenehmigung fehlt. Parlamentswahlen
stehen vor der Tür, Mitprüfungen von Ministerien verzögern
sich. Piloten und Wissenschaftler müssen sich gedulden. Als die
offizielle Fluggenehmigung von
der nepalesischen Luftfahrtbehörde Anfang Dezember kommt,
sind alle schon wieder zurück in
Deutschland.
Wenige Wochen später reist
das Expeditionsteam wieder
nach Nepal. Nach anfänglichen
Problemen geht es für die Segelflieger in die Luft.
Über den Himalaya zu fliegen ist nicht
Foto (4):Mountain Wave Project
Mit seinem Team überfliegt Oberstleutnant René Heise im Forschungssegler den Himalaya und liefert wissenschaftliche Erkenntnisse. Eine außergewöhnliche Geoforschungsmission über dem Dach der Welt.
3D-Modell: Hochauflösende Kameras machen es möglich.
Pioniere: Das Team wurde vom Fernsehsender RBB begleitet.
ohne. Der Flug ist eine echte Herausforderung. „Im ersten Moment
sieht alles sehr ruhig aus, aber
ganz ungefährlich ist das nicht.
Die Gefahr lauert an jedem
Hügel“, weiß Heise. Sie müssen
sich an die Windstrukturen herantasten, das Wetter verstehen.
Hinter jeder Erhebung müssen
die Piloten die Winde erahnen.
Das Team hat die großen logistischen Schwierigkeiten und die
jahrelange Vorbereitung in Kauf
genommen und gemeistert, um
über den höchsten Gipfeln der
Welt emporzusegeln.
Zurück in Berlin und Strausberg werten die Forscher die
gesammelten Daten aus. 3DModelle entstehen vom Mount
Everest und anderen ­HimalayaRegionen. Der Hunger nach
weiteren wissenschaftlichen
Erkenntnissen ist für Heise und
sein Team noch lange nicht
gestillt. Demnächst steht eine
Rückkehr in die argentinischen
Anden auf dem (Flug-)Plan und
später auch die Antarktis.
Den Beitrag „Von
Strausberg zum Mount
Everest“ finden Sie unter
www.rbb-online.de/
mediathek
8
aktuell bundeswehr
9. Februar 2015
Den Sternen ein Stück näher
Minenjagdboot in
Kiel ausgelaufen
Foto: Strauch/Bundeswehr
Leistungstest beim
Skitourenwettkampf
Bad Reichenhall. Am vergangenen Mittwoch eröffnete der
Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, Oberst ­Alexander
Sollfrank, mit einem Antreten die Leistungsüberprüfung
der Gebirgsjägerbrigade 23 bei
Bischofswiesen. In den Disziplinen Skitourenwettkampf
und Riesenslalom stellten rund
500 Soldaten ihr Können unter
Beweis. Bei der jährlichen Leistungsüberprüfung trainieren die
Soldaten ihre Skibeweglichkeit
im Gebirge. Dies dient der Vorbereitung auf die bevorstehende
Brigadegefechtsübung Edelweiss
im März dieses Jahres in Österreich. Bei der zweiwöchigen
Übung wird das Leistungsspektrum der Gebirgstruppe im extremen Gelände bei winterlichen
Bedingungen abgefordert. (eb)
Schwedische Piloten
ausgezeichnet
Bückeburg. Zwölf schwedischen Lehrgangsteilnehmer wurde
an der Heeresfliegerwaffenschule
das Tätigkeitsabzeichen für Luftfahrzeugführer der Bundeswehr
in Bronze verliehen. Zuvor hatten die Soldaten die 17-monatige Ausbildung durchlaufen.
Dazu absolvierten sie mehr als
100 Flugstunden in den hochmodernen Flugsimulatoren und rund
110 Flugstunden mit den Hubschraubern EC-135 und BO-105
bei Tag und Nacht.
(km)
Hinweis Laage. Auf dem Fliegerhorst des
Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 „Steinhoff“ in Mecklenburg-Vorpommern werden alle
„Eurofighter“-Piloten der Luftwaffe ausgebildet. 14 Einsitzer
Maschinen, so genannte „German-Single“ und zehn Zweisitzer, „German-Trainer“ werden
von 32 Piloten geflogen. Mehr als
die Hälfte davon sind Fluglehrer.
Der „Eurofighter“-Basis-Kurs
dauert etwa acht Monate. Bereits
ausgebildete Jetpiloten benötigen für eine Umschulung, zum
Beispiel vom „Tornado“ auf
den „Eurofighter“, lediglich
vier Monate. Hauptmann Ulrike
Flender hat hier im April 2013
eine dieser Umschulungen abgeschlossen und im Anschluss auch
den Kurs zum Fluglehrer für den
„Eurofighter“ bestanden.
Seit vergangenem N
­ ovember ist
sie eine der 17 Fluglehrer in Laage.
Die 32-jährige bildet junge Piloten
aus, die gerade aus ihrer Jet-Ausbildung in Sheppard, Texas, kommen und auf den „Eurofighter“
geschult werden. Die Tatsache,
dass sie die erste Ausbilderin ist,
spielt dabei weder für sie noch für
ihre Flugschüler eine Rolle. „Das
Foto (2): Susanne Hähnel
Kiel. Das Minenjagdboot „Bad
Bevensen“ nimmt ab diesen Freitag unter dem Kommando von
Korvettenkapitän Axel Hänisch
als deutscher Beitrag am Ständigen Minenabwehrverband der
NATO teil. Bis Mitte Juni wird
sich das Boot mit der 41-köpfigen Besatzung unter italienischer
Führung an Minenabwehrmanövern auf dem Atlantik und im
Mittelmeer beteiligen. (eb)
von Marcel Muth
Vor dem Start: Hauptmann Flender und ihr Flugschüler bei den Startvorbereitungen.
ist völlig normal, darüber denkt
man überhaupt nicht nach.“, sagt
Oberleutnant Groß, einer ihrer
Flugschüler. „Bereits in Sheppard, wo wir im NATO-Rahmen
die fliegerische Grundausbildung
absolvierten, waren wir von einigen Frauen umgeben, auch von
Fluglehrerinnen.“ Im Kurs von
Ulrike Flender ist ebenfalls eine
Frau, mit der sie in Lechfeld
bereits gemeinsam „Tornado“
geflogen ist. Frauen in Kampfjets sind keine Seltenheit mehr.
„Ich trage jetzt viel mehr
Verantwortung, für junge Pilo-
Unterricht: Ulrike Flender bei der theoretischen Ausbildung.
ten, die noch wenig Erfahrung
haben und noch nicht auf dem
„Eurofighter“ ausgebildet sind.“,
erklärt sie. „Es liegt an mir, auch
kleinste Fehler, die meine Flugschüler machen, zu erkennen und
abzustellen. Dabei darf ich nichts
übersehen. Jedes noch so kleine
Detail muss vermittelt werden.“
Am meisten Spaß macht ihr
das Fliegen. Es ist und bleibt ihr
„absolutes Highlight“, wenn das
Wetter passt und sie fast täglich
fliegen kann. An solch einem
Tag gibt es morgens das Wetter- und Einsatzbriefing für alle
Piloten. Anschließend, etwa zwei
Stunden vor dem Flug, erhält ihr
Schüler das Briefing für seinen
Ausbildungsflug. Danach geht
es etwa eine halbe Stunde vor
dem Start zur Maschine und
kurze Zeit später in die Luft.
Wie lange so ein Flug dauert,
hängt auch von der Mission ab.
Werden Luftkämpfe geflogen, ist
der Sprit ziemlich schnell alle,
da oft der Nachbrenner genutzt
wird. Ein Flug dauert dann etwa
45-50 Minuten. Bei Missionen
mit Luftbetankung kann es auch
mal länger dauern.
Flender hat sich ihren Traum
vom Fliegen erfüllt und sich auf
dem Weg dahin nicht beirren lassen. „Dass ich immer die erste
Frau war, dazu hat der Zufall beigetragen, das war nicht gerade
mein Verdienst“, sagt sie. „Wer
wirklich fliegen möchte, der
sollte seinen Weg gehen, sich
durchsetzen, es probieren und
nicht auf irgendwelche Leute
hören, die sagen, man schafft
es nicht.“, so Flender. Ihren
Kindheitstraum, Astronautin zu
werden, hat sie sich noch nicht
erfüllt. Mit ihrem Kampfjet ist
sie den Sternen aber schon ein
ganzes Stück näher gekommen.
Der Beitrag „Erste
weibliche Ausbilderin
für Kampfjet-Piloten“
unter www.youtube.
com/bundeswehr.
Hilfe für Kinderklinik
In Siegen unterstützt die Bundeswehr nach einer Havarie.
Siegen. Nach einem umfangreichen Wasserschaden vergangenen November im Operationsbereich einer Kinderklinik
in Siegen wurde die Bundeswehr um Unterstützung gebeten. Nun bereitet das Lazarettregiment 21 aus Rennerod
ein mobiles O
­ perationszentrum mit den entsprechenden
Geräten vor.
Die Klinik ist eine Einrichtung des Deutschen Roten
Kreuzes und hat für die Kinderund Jugendmedizin regionale
und überregionale Bedeutung.
Andere Krankenhäuser konnten
die ausgefallenen Operations-
+++ Foto: Tautz/Bundeswehr
Foto: Bundeswehr
In Laage bildet erstmals eine Fluglehrerin zukünftige „Eurofighter“-Piloten aus.
Aufbau: OP-Container werden Ende Februar in Siegen stehen.
kapazitäten bisher nur zum Teil
auffangen. Eine Ersatzlösung
für die Siegener Klinik ­konnten
weder der Zivil- und Katastrophenschutz noch die Privatwirtschaft bereitstellen.
Da der Sanitätsdienst der Bundeswehr mit den mobilen Sanitätseinrichtungen über flexibel einsetzbare Systeme verfügt, bot sich
diese „erste Hilfe“ geradezu an.
Bereits in der vergangenen
Neue E-mail-Adresse: aktuell@bundeswehr.org Woche hatten Stabsärzte des
Regiments eine Erkundung
durchgeführt, um einen geeigneten Ort für den Aufbau zu finden.
Die Container sollen auf dem derzeitigen Parkplatz der Klinik aufgestellt werden.
Nach dem Aufbau und der
Abnahme durch das zuständige
Gesundheitsamt wird der Klinikbetrieb bis zur Wiederherstellung
des Operationstrakts im Sommer
2015 die Versorgung der Patienten gewährleisten. Spätestens
Ende Februar werden nach derzeitiger Planung die ersten chirurgischen Behandlungen in den
Containern stattfinden. (akw)
+++ Hinweis
9. Februar 2015 innere Führung / Militärgeschichte aktuell 9
Dresdens Inferno 1945
Vor 70 Jahren fliegen britische und amerikanische Bomber verheerende Angriffe auf die Stadt an der Elbe.
Masse Brandbomben abgeworfen worden, deren Zerstörungskraft fünfmal höher war als die
der bis dahin bevorzugt verwendeten Sprengbomben. Großbritannien war der erste Staat in
der Militärgeschichte, der Ziel
einer langwährenden Luftoffensive war. Sie hatte den Tod von
rund 43 000 Menschen zur Folge.
von Gorch Pieken, Militärhistorisches Museum der Bundeswehr.
Grauenhafte Folgen
des Krieges
Bis zu dieser Nacht war Dresden von den schweren Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges verschont geblieben. Viele Dresdner
hatten geglaubt, dass sie mit
zunehmender Dauer des Krieges
dem Frieden näher wären als den
Kampfhandlungen. Das Gegenteil war der Fall. Wehrmacht und
Volkssturm bekämpften mit allen
Mitteln den Friedensschluss in
einem Krieg, den sie schon lange
verloren hatten. Je länger sie das
Kritische Debatte in
Großbritannien
Foto: dpa/pa
Geschichte. In der Nacht vom
13. auf den 14. Februar 1945
zerstörten im Abstand von drei
Stunden zwei Wellen von 244
beziehungsweise 529 schweren
britischen Lancaster-Bombern
die Innenstadt von Dresden. Sie
entfachten einen Flächenbrand,
der noch in 80 Kilometern Entfernung zu sehen war.
Aus der Hitze entwickelte
sich ein orkanartiger Feuersturm, der den Asphalt schmelzen ließ, Bäume entwurzelte
und Mauern emporschleuderte.
In den haushohen Flammen verbrannten viele Menschen, andere
erstickten in den Kellern, weil
das Feuer der Luft den Sauerstoff entzog. 15 Quadratkilometer Stadtfläche brannten aus,
25 000 Frauen, Männer und Kinder starben. Unter den Überlebenden sind viele an Körper und
Seele Schwerverletzte.
Kein Stein auf dem anderen: Weite Teile der Bausubstanz wurden
durch die Bombenangriffe vollständig zerstört.
Kriegsende hinauszögerten, desto
totaler wurde die Niederlage. Mit
jeder weiteren Woche und jedem
zusätzlichen Tag vergrößerten
die alliierten Bomberflotten die
Ruinenflächen deutscher Städte.
Dresdens Inferno war nur eine
weitere Kulisse im Untergangsszenario des „Dritten Reichs“. Im
Moment des Niedergangs sprach
Adolf Hitler dem eigenen Volk
das Lebensrecht ab.
Zur Stabilisierung der bereits
Anfang 1945 durch das Deutsche
Reich verlaufenden Fronten wurden die in Dresden stationierten
Flugabwehrgeschütze und fast
alle Jagdflugzeuge abgezogen.
Damit war die Stadt den Bombenangriffen schutzlos ausgeliefert, paradoxerweise nur wenige
Wochen nachdem der Generalstabschef des Heeres Dresden zur
Festung erklärt hatte. Eine für
September 1944 geplante große
Evakuierungsaktion Dresdner
Kinder war ersatzlos gestrichen
worden, obwohl die Zivilbevölkerung im Fadenkreuz des Militärs war. Denn in einem „totalen Krieg“ wie dem Zweiten
Weltkrieg standen sich nicht
nur Armeen gegenüber, sondern
ganze Gesellschaften und Volkswirtschaften mit ihren Fabriken,
Universitäten, Krankenhäusern,
Kirchen und Schulen.
Die Bereitschaft zur Tötung
von Zivilisten war eine Voraussetzung für die Flächenbombardierung von Wohngebieten. Großen Einfluss auf die Strategie des
britischen Bomber Commands
hatte der deutsche Luftangriff
auf London am 29. Dezember
1940. In dieser Nacht waren in
Wenn auch die Bombardierungen deutscher Städte durch die
Royal Air Force aus militärischer
Sicht sinnvoll waren, weil sie die
Kampffähigkeit des Deutschen
Reiches beeinträchtigten, führte
die Zerstörung Dresdens zu einer
kritischen Debatte in der britischen Öffentlichkeit. Das Ausmaß der Verheerungen schien für
viele Briten nicht mehr mit dem
totalen Krieg begründbar zu sein,
den Deutschland Großbritannien
aufgezwungen hatte. Wie weit
darf eine Demokratie im Kampf
gegen einen Feind gehen, der
weder Moral noch Menschenrechte achtet? Darf sie in diesem
Fall das Völkerrecht brechen?
Im Gegensatz zur Diktatur
muss sich die Regierung in einer
offenen Gesellschaft der Kritik
stellen, die Teil ihrer Fähigkeit
ist, „brutale Verstöße gegen die
eigenen Werte“ selbst zu korrigieren“ (Heinrich August Winkler). Als Folge ging die Politik
in Großbritannien auf Distanz
zum eigenen Militär. Am 6. April
1945 wurde der Royal Air Force
befohlen, die Flächenangriffe
auf Wohngebiete einzustellen
und nur noch Militär- und Wirtschaftsziele zu bombardieren.
Derweil war in Dresden mit
den Räumarbeiten begonnen worden. Auch amerikanische Kriegsgefangene wurden zur Bergung
der Toten eingesetzt. Einer von
ihnen war Kurt V
­ onnegut. „Jeden
Tag gingen wir in die Stadt und
gruben uns in Keller und Schutzräume, um die Leichen hinauszuschaffen, als hygienische Maßnahme. Wenn wir reingingen,
sah ein typischer Schutzraum,
ein einfacher Keller meist, immer
so aus wie ein Straßenbahnwagen, in dem alle Leute gleichzeitig einen Herzinfarkt erlitten
hatten. Einfach nur Leute, die in
ihren Stühlen saßen, alle tot. […]
Nach ein paar Tagen begann die
Stadt trotzdem zu stinken, und
eine neue Strategie wurde entwickelt. […] Die Soldaten kamen
dann mit einem Flammenwerfer,
und vom Türrahmen aus äscherten sie dann die Leute drinnen
ein.“
Kurt Vonnegut war ein von den
Erfahrungen in Dresden traumatisierter Mann. In seinem Roman
„Schlachthof 5“ verarbeitete er
das Gesehene. Das Buch machte
Dresden in der englischsprachigen Welt berühmt und zum Symbol für die Zerstörungsmacht
moderner Kriege. „Schlachthof
5“ heißt auch die Sonderausstellung des Militärhistorischen
Museums der Bundeswehr, die
zum 70. Jahrestag an die Zerstörung Dresdens erinnert. Die
Ausstellung ist vom 6. Februar
bis zum 12. Mai 2015 geöffnet.
Rundumblick auf ein Ruinenmeer
Dresden. Der Blick schweift
über die zerbombte Frauenkirche, den Altmarkt und die Ruinen
auf der Prager Straße. Im Spiel
des Lichts scheinen die Flammen
auf den riesigen Panoramawänden noch zu lodern. Der Betrachter hat einen Rundblick über das
in der Nacht vom 13. auf den 14.
Februar 1945 zerstörte Dresden.
Das 3000 Quadratmeter große
Rundbild des Künstlers Yadegar
Asisi zeigt die Stadt an der Elbe
unmittelbar nach Ende der alliierten Bombardements.
70 Jahre danach können die
Dresdner und ihre Gäste nun im
Panometer die Ruinen besichtigen. Asisis Kunstwerk entstand
in Kooperation mit dem Militär-
Hinweis historischen Museum der Bundeswehr.
„Dresden ‘45 ist in der nationalen und internationalen Wahrnehmung ein Benchmark für kriegszerstörte Städte“, erklärt Gorch
Pieken, wissenschaftlicher Leiter des Museums. „Dabei starben
in Hamburg die meisten Menschen bei einem Bombenangriff
auf eine europäische Stadt, Pforzheim verzeichnete die meisten
Toten in Relation zur Bevölkerung und Würzburg ist die prozentual gesehen am meisten zerstörte Stadt Deutschlands. Unsere
Aufgabe war es, darauf zu achten, dass sich keine Fehler und
Legenden in die Darstellung einschleichen.“
+++ Foto: Riedel/Bundeswehr
Das neue 360 Grad-Panorama im Panometer Dresden zeigt die zerstörte Stadt nach der Bombardierung durch die Alliierten.
„Auseinandersetzung fördern“: Gorch Pieken im Panometer.
Begonnen hatte die Zusammenarbeit mit dem Künstler,
der unter anderem Panoramen
der Völkerschlacht bei Leipzig
und des geteilten Berlins gestal-
tet hat, bereits im Jahr 2014.
„Unser gemeinsames Bestreben ist es, einem großen Publikum Geschichte nahe zu bringen und die Auseinandersetzung
Neue E-mail-Adresse: aktuell@bundeswehr.org zu fördern. Um das zu erreichen, verlässt das Militärhistorische Museum auch ausgetretene
Trampelpfade und beteiligt sich
gern an ungewöhnlichen Projekten“, erklärt Pieken.
Für Yadegar Asisi ist das Panorama vor allem ein Mittel, emotional an den Krieg heranzuführen.
„Als Künstler möchte ich berühren. Denn wenn ich mich über
Gefühle einem Thema annähere,
bewege ich mich. Und wir sollten
nicht vergessen, dass jede Bewegung zu etwas führen könnte, das
wir hier sehen“, so Asisi weiter.
Das Panoramabild ist noch bis
31. Mai auf der Gasanstaltstraße
8b zu sehen.
(cori)
+++ Hinweis
10 aktuell sport
9. Februar 2015
Selbstvertrauen vor der WM
Fußballerinnen
gesucht
La Plagne. Für den deutschen
Bobsport gerieten die Olympischen Winterspiele in Sotschi vor
einem Jahr zum Desaster. Erstmals seit 50 Jahren fuhren die
Piloten keine einzige Medaille
ein – und das, obwohl der Kufensport hierzulande über Jahrzehnte
ein Garant für Edelmetall war. Die
Europameisterschaften, die Ende
Januar im französischen La Plagne
stattfanden, boten daher als erstes
Großereignis nach Sotschi Gelegenheit zur Wiedergutmachung.
Und diese ist den deutschen
Bobfahrern mit Bravour gelungen. Besonders die Frauen
überzeugten in der anspruchsvollen Eisrinne und sorgten
nach 2013 wieder für ein rein
deutsches Podest im Doppelsitzer. Anja Schneiderheinze
holte dabei mit ihrer Anschieberin, Stabsunteroffizier (FA)
Franziska Bertels, ihren ersten
Europameistertitel. Das Duo
landete vor Cathleen Martini
mit ihrer Copilotin Stephanie
Schneider und Stefanie S
­ zczurek,
die mit Obergefreiter Erline Nolte
an den Start ging.
Erfolgreich im
Becken
Schwimmen. Die Schwimmer
der Bundeswehr haben dem „Golden Tour“ Meeting in Nizza Ende
Januar ihren Stempel aufgedrückt.
Mit Siegen über die 100 und 200
Meter Rücken und dem zweiten Platz in der Sprintdisziplin
fischte Hauptgefreiter Christian
Diener die meisten M
­ edaillen
aus dem Becken. Auch in die
Siegerlisten eintragen konnte sich
Obermaat (BA) Hendrik Feldwehr. Der 28-jährige Bremerhavener entschied die 50 Meter
Brust vor dem Franzosen Giacomo Perez Dortona für sich.(sr)
Fechter scheitern
nur im Finale
„Wir sind happy, wir sind
Europameister. Das war eine
harte Woche“, sagte Schneiderheinze nach ihrem Triumph. In
den Jahren 2011 und 2013 hatte
es für die 36-jährige Erfurterin
jeweils nur für die Silbermedaille
gereicht. Und mit Blick auf die
in drei Wochen stattfindende
Heim-Weltmeisterschaft in Winterberg fügte die Siegerin hinzu:
„Wir sind auf dem ­richtigen Weg
und müssen in den kommenden
Wochen hart arbeiten. Ziel ist
es, auch bei der WM oben zu
stehen.“
Friedrich verpasst
den Double-Coup
Auch die Männer sind in La
Plagne wieder auf die Erfolgsspur zurückgekehrt. Für die
zweite deutsche Goldmedaille
bei den Wettkämpfen sorgte
dabei ausgerechnet Francesco
Friedrich. Zusammen mit seinem
Anschieber Martin Grothkopp
setzte sich Friedrich vor Oskars
Melbardis aus Lettland und dem
Schweizer Rico Peter durch.
Für den amtierenden Weltmeister war es nach dem ersten Platz
Hart am Wind
Lasersegler Philipp Buhl lässt beim Weltcupauftakt in Miami die Konkurrenz hinter sich.
Miami. Besser hätte das Weltcupjahr im Segeln für Obermaat (BA)
Philipp Buhl nicht beginnen können. Der 25-jährige Sportsoldat
von der Sportfördergruppe Appen
hat kürzlich den Weltcupauftakt
der Lasersegler in Miami gewonnen. Nach einer taktischen Meisterleistung und einer grandiosen
Aufholjagd am letzten von insgesamt sechs Renntagen setzte er
sich vor seinem britischen Konkurrenten Nick Thompson durch.
Mathew Wearn aus Australien
wurde Dritter.
„Der Sieg ist überraschend,
weil ich mich langsam herantasten
wollte. Deshalb ist es mega cool,
direkt gewonnen zu haben“, sagte
der Deutsche Segler der Jahre 2013
und 2014. „Den Motivationsschub
nehme ich jetzt mit in die nächsten
Regatten. Ich werde weiter nach
Plan arbeiten. Für die Olympiaqualifikation muss ich dann bei
EM und WM abliefern“, nimmt
sich Buhl vor.
Mit gekonnten Wendemanövern, einem guten Riecher für
den Windvorteil und der nötigen
Portion Glück schaffte es Buhl
sogar, einen zwischenzeitlichen
Rückstand von 80 Metern auf
Thompson wieder aufzuholen. Am
Ende kam er 50 Meter vor dem britischen Weltklasse-Segler ins Ziel.
Foto: dpa/pa
Fechten. Die deutschen Säbelfechter haben beim Weltcup im
italienischen Padua kürzlich die
Silbermedaille gewonnen. Das
Quartett in der Besetzung Unteroffizier (FA) Benedikt Wagner,
Hauptgefreiter Matyas Szabo,
Hauptgefreiter Richard Hübers
und Max Hartung unterlag
Russland im Finale mit 25:45.
Deutschland übernahm durch
den zweiten Platz die Führung
in der Weltrangliste von Südkorea.
(sid)
Hinweis
Frauenpower: Die deutschen Bobfahrerinnen sorgen bei der EM
in La Plagne für ein schwarz-rot-goldenes Podest.
beim Weltcup Auftakt in Lake
­Placid erst der zweite Saisonsieg.
Pünktlich vor dem Saisonhöhepunkt hat der Sachse nun offenbar die Kurve gekriegt. „Das ist
doch perfektes Timing, es sind
nur noch drei Wochen bis zur
WM“, sagte Friedrich lächelnd
auf dem Podium.
Dass dem 24-jährigen gebürtigem Pirnaer das Gold-­Double
nicht gelang, dafür sorgte ein
kapitaler Fehler seiner Crew
beim Einsteigen im ersten Lauf
in der Königsklasse, dem Viererbob. Die Mannschaft, der Feldwebel Candy Bauer, M
­ artin
­Grothkopp und Thorsten M
­ argis
angehören, lieferte im zweiten
Durchgang jedoch noch einmal
eine Traumperformance ab und
fuhr vom fünften auf den dritten
Rang vor. Europameister wurde
Oskars Melbardis vor dem Russen Alexander Kasjanow.
Mit zwei Gold-, einer Silberund drei Bronzemedaillen sicherten sich die deutschen Kufenflitzer damit klar den ersten Rang
im Medaillenspiegel und können nun selbstbewusst auf die
kommende Weltmeisterschaft
blicken.
+++ Foto: privat
Fußball. Die CISM-Auswahl
der Bundeswehr-FrauenfußballNationalmannschaft um die Trainerin Hauptfeldwebel Kerstin
Stegemann sucht Talente. Dazu
findet vom 2. bis 6. März ein Sichtungslehrgang an der Sportschule
der Bundeswehr in Warendorf
statt. Interessierte Sportlerinnen
sollten mindestens Landesliga
spielen und eine gute Grundfitness mitbringen. Die CISM
World Games finden im September und Oktober in S
­ üdkorea
statt. Das Vorbereitungstraining
beginnt im April. Das Team ist
seit vielen Jahren erfolgreich
und konnte bereits zweimal den
Militärweltmeistertitel gewinnen.
Sowohl für den Sichtungslehrgang als auch für das Training
können die Spielerinnen vom
Dienst freigestellt werden. Interessenten schicken einfach eine
formlose Bewerbung per E-Mail
an: KerstinStegemann@bundeswehr.org oder janberndwuebker@bundeswehr.org.(mag)
von Stefan Rentzsch
Foto: imago
Foto: Bundeswehr
Bei der EM in La Plagne finden die deutschen Bobpiloten in die Erfolgsspur zurück.
Emotionen pur: Philipp Buhl nach seinem Saison-Auftaktsieg.
Auch Buhls Trainer Thomas
Piesker war der Stolz auf seinen
Schützling anzumerken: „Mir
fehlen fast die Worte. Diesen
Sieg hat sich Philipp mehr als
verdient. Das war ein sehr gelungener Start in die vorolympische
Saison.“
(sr)
Die Fußballwelt trauert um einen ihrer Größten: Mit acht deutschen
Meistertiteln war Udo Lattek der erfolgreichste deutsche Vereinstrainer und eine
Trainerlegende. Anfang der 70er-Jahre legte der gebürtige Ostpreuße den Grundstein für
die ­jahrzehntelange Dominanz des Rekordmeisters FC Bayern München. Danach krönte er das ­starke Jahrzehnt von Borussia Mönchengladbach mit dem Gewinn des UEFAPokals. International machte er als Cheftrainer beim FC Barcelona auf sich aufmerksam.
Unvergessen ist auch sein Engagement bei Borussia Dortmund. Im Jahr 2000 ­rettete
er den Verein im Alter von 65 Jahren noch vor dem Abstieg. Auch im ­hohen Alter blieb Lattek dem Fußball treu. Als Kolumnist und Experte festigte er ­seinen
Ruf als markiger Sprücheklopfer, der um keine Meinung verlegen war. Anfang
Februar verstarb Udo Lattek kurz nach seinem 80. Geburtstag in Köln. 2013 gab
seine Frau Hildegard bekannt, dass Lattek an der Parkinson-Krankheit litt. (sr)
Neue E-mail-Adresse: aktuell@bundeswehr.org +++ Hinweis
9. Februar 2015 Vermischtes aktuell 11
Bilder vom Krieg
Kaiserslautern. „Sie blieb
ruhig, während um sie herum
das Chaos herrschte.“ So hat
Kathleen Caroll, Chefredakteurin der Nachrichtenagentur The
Associated Press (AP), Anja Niedringhaus einmal beschrieben.
Afghanistan, Libyen, der Irak,
Israel (Gaza) und Bosnien waren
Kriegs- und Krisengebiete, aus
denen sie berichtete und Fotos
mitbrachte.
Professionalität, Risikobereitschaft und ein unparteiischer
Blick zeichnen ihre Aufnahmen aus. In ihrer Arbeit suchte
Niedringhaus Herausforderung
und Grenzerfahrung. Jenseits von
spektakulären Situationen erzählen
ihre Aufnahmen G
­ eschichten von
Menschen. Unvoreingenommen
spiegeln sie Gefühle wie Trauer,
Angst, Enttäuschung, Zuneigung
und Begeisterung, daneben Leid,
Gewalt, Zerstörung und Tod, denen
die Betroffenen permanent ausgeliefert sind. So fotografierte sie
einen italienischen Soldaten, der
2003 im Irak einsam und erschüttert auf dem Gelände einer Kaserne
Fotos (2): dpa/pa
Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern zeigt das Werk der Kriegsfotografin Anja Niedringhaus.
Trügerische Ruhe: Albanischer Panzer während einer Waffenpause im Juni 1999.
stand, auf dem sechzehn seiner
Kameraden und acht irakische
Zivilisten durch ein Selbstmordattentat starben. Die Aufnahme
strahlt eine große Ruhe aus. Das
eigentliche Drama, die brutale
Zerstörung, erscheint im Hintergrund, als Subtext. Unsicher
und sorgenvoll sind die Gesichter der Soldaten, die sich in
Falludscha vor einer Schlacht zum
Gebet aufstellten. In Reihen ste-
Anja Niedringhaus
Foto: reuters
Sie galt als eine der renommiertesten Fotojournalistinnen weltweit. Anja Niedringhaus wurde
1965 in Höxter geboren und studierte an der
Universität Göttingen. Zunächst konzentrierte
sie sich auf Sport- und Gesellschaftsfotografie, später hielt sie die
Geschichten der Menschen in den Kriegs- und Krisengebieten auf
ihren Bildern fest. Die Pulitzerpreisträgerin wurde mehrfach bei
der Ausübung ihrer Tätigkeit verletzt. Ihr Motto als Berichterstatterin war: „Wenn ich es nicht fotografiere, wird es nicht bekannt.“
Niedringhaus kam am 4. April 2014 in Afghanistan ums Leben.(sr)
hend wird in der Aufnahme doch
klar, dass ein jeder von ihnen schon
in diesem Moment die existenzielle Einsamkeit spürte, der er
im Gefecht ausgeliefert sein würde.
Andere Aufnahmen zeigen
auch Kinder: So beispielsweise
eine Gruppe Karussell fahrender palästinensischer Mädchen
in einem Freizeitpark außerhalb von Gaza-Stadt. Sie wirken, als gäbe es keine Gefahr um
sie herum. Wieder andere Bilder
belegen auf erschütternde Weise,
wie der Krieg in den Alltag eingreift. Unmittelbarkeit und Nähe
stehen dabei im Zentrum. Das
Kriegsgeschehen bleibt im Hintergrund und ist angesichts verletzter Humanität und der darin
begründeten Tragödie umso
vehementer präsent. Die Fotografin hält das Bewusstsein für
die Auswirkungen der Kriegsund Krisenregionen unserer Welt
wach. Es ist ihr immer wieder
gelungen, die Unmenschlichkeit
der Kämpfe zu dokumentieren,
ohne dabei die Würde des Individuums zu verletzen.
Anja Niedringhaus Aufnahmen haben zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter 2005
den Pulitzerpreis für Fotografie. Sie wurden von allen Printmedien genutzt, im Fernsehen
ausgestrahlt und sind im Internet zur tagespolitischen Illustration der Kriegsereignisse zu
sehen. Durch die european press
agency (epa), die Niedringhaus
im Alter von nur 24 Jahren als
erster Frau eine Festanstellung
geboten hat, und die US-amerikanische Nachrichtenagentur
AP, für die sie bis zuletzt gearbeitet hat, sind ihre Bilder nahezu
jedem von uns geläufig. Auch
wenn wir in der Regel nicht wissen, dass Niedringhaus ihre Urheberin war. Sie wurde am 4. April
2014 in Afghanistan erschossen, als sie mit einem Konvoi
der Wahlbehörde in Banda Khel
in der Provinz Khost unterwegs
war, um die Wahl des Staatspräsidenten zu dokumentieren.
Die Ausstellung „At War“ ist
im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern bis zum 26. April zu
sehen.
(mpk/eb)
Alle weiteren Informationen zur Ausstellung
„At War“ unter www.
mpk.de/aktuell.html
Gemeinsame Trauer: Ein US-Marine beweint gefallene Kameraden.
Musikalisches Ereignis der Spitzenklasse
DVD/BluRay. Das StraussJahr 2014 brachte einige musikalische Höhepunkte hervor,
und dieses Konzert gehört
zweifellos dazu.
Die Staatskapelle Dresden
verbindet mit dem Komponisten Richard Strauss (18641949) eine über 60-jährige
Freundschaft. Neun seiner fünfzehn Opern wurden hier uraufgeführt. Im
Juni 2014 gab das Orchester unter der
Leitung von Christian Thielemann ein
Strauss-Konzert der Spitzenklasse. Den
Auftakt bildete eine moderne Komposition
von Wolfgang Rihm, der „Ernste Gesang“.
Rihm war damals Capell-Compositeur
– sicherlich ein gewichtiger Grund, das
eher farblose, 14-minütige Werk ins Programm zu nehmen. Im Anschluss wurde
es jedoch hochkarätiger.
Hinweis +++ Unter der Überschrift „Letzte
Lieder“ wurden Strauss „Vier
letzte Lieder“ gegeben, ergänzt
um das Lied „Malven“. Die
gefühlsschweren Orchesterkompositionen aus dem Jahr
1948 beschäftigen sich mit dem
Thema Abschied. Die innigen
Stücke sind wie geschaffen für
Anja Harteros und den strahlenden Purpur ihrer Stimme. Die Sopranistin brilliert mit diesen Liedern, eingebettet von einer zurückhaltenden, aber
virtuos spielenden Staatskapelle.
Diesem intimen folgt nun das kraftvolle
Extrem: die Tondichtung „Eine Alpensinfonie“ von 1915. Das Werk zeichnet
eine Bergwanderung nach, mitsamt Kuhglocken, Regen und gewaltig aufbrausendem Sturm. Strauss zeigt sich hier als
unangefochtener Meister der Lautmale-
rei. Dafür findet sich die große Orchesterbesetzung ein, inklusive 16 Hörnern
(zwölf hinter der Bühne), zwei Harfen,
Orgel und Windmaschine.
Souverän führt Thielemann diesen
gigantischen Apparat durch die komponierten Naturbilder. Dabei entsteht eine
außergewöhnliche Sogwirkung. Die Musiker spielen wie entfesselt. Selten wird
dem Musikfreund eine solche Naturgewalt
geboten, die trotz aller Kraft nie aus dem
Ruder gerät. Die Alpensinfonie rundet ein
einzigartiges Konzertereignis ab, das im
recht kurzlebigen Klassikbetrieb durch seinen Referenzcharakter noch lange nachhallen wird.
(am)
Wolfgang Rihm: „Ernster Gesang“ &
Richard Strauss: „Vier letzte Lieder“,
„Malven“, „Eine Alpensinfonie“, C
Major, DVD/Blu-Ray, 22,99/30,99 Euro.
Neue Email-Adresse: aktuell@bundeswehr.org aktuell verlost eine DVD und drei BluRays des Konzerts. Einfach eine Mail mit
Adresse und Betreff „Strauss“ bis zum
15. Februar senden an: aktuell@bundeswehr.org.
Gewinnauslosung
aktuell 3/2015:
Die CD „Udo Jürgens und seine Gäste,
„Mitten im Leben - Das Tribute Album“
gewinnen Petra Moses, Margret Port,
Manuela Bossmann, Olaf Brockmann,
Norbert Korfmacher, Thomas Jankowsky, Edmund Trump, Georg Twardon und
Andreas Weber.
Herzlichen Glückwunsch!
+++ Hinweis
aktuell Ausgewählte
­Medienbeiträge
10. Februar, 20:20 Uhr, arte:
„IS – Die Wirtschaftsmacht der
Gotteskrieger“
Laut westlichen Geheimdiensten
ist der Islamische Staat (IS) die
reichste Terrororganisation der
Welt. Ihr Einkommen lässt sich
mit dem Bruttonationaleinkommen eines Staates wie Liberia
vergleichen. Wie ist diese Organisation entstanden, wie finanziert sie sich? Die Eroberung
des Nordirak und seiner Erdölvorräte stärkte den IS. Wie kann
ein Gebilde bekämpft werden,
das nicht von Fremdfinanzierung
abhängig ist? Die Autoren haben
einen Monat im Irak verbracht,
um den Wurzeln dieser Terrororganisation nachzuspüren.
YouTube-Video der Woche:
In Belgien steigt die Redaktion
der Bundeswehr an Bord der
Britannia Seaways und begleitet Fregattenkapitän Andreas
Hasenknopf in den letzten
24 Stunden seiner Reise auf
Schritt und Tritt. Als Super
Cargo ist er verantwortlich für
den sicheren Transport der letzten Fracht aus Trabzon im Rahmen der ISAF-Rückführung. (eb)
Der Beitrag „Super
Cargo - Der Ladungsexperte auf hoher See“
unter www.youtube.
com/bundeswehr.
vermischtes
9. Februar 2015
Ohne Pathos und Spektakel
Britta Buhlmann zeigt eine Ausstellung zum Werk der Fotografin Anja Niedringhaus.
Kaiserslautern. „Anja Niedringhaus‘ Fotografien fragen nach
den Menschen. Nach denen, die
von Kriegen, Krisen und Zerstörung betroffen sind, nach denen,
die leiden, trauern und aus ihrer
Heimat flüchten müssen. Sie fragt
nach den Verletzten und Toten,
nach Kindern und den Soldaten, gleich auf welcher Seite.“
So beschreibt Britta Buhlmann
die Wirkung, die von den mehrfach ausgezeichneten Arbeiten
der in Afghanistan ermordeten
Fotojournalistin Anja Niedringhaus ausgeht.
Die Direktorin des Museums
Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk)
zeigt derzeit eine Ausstellung aus
Teilen des Oeuvres von Niedringhaus (Seite 11). Die Idee,
Arbeiten von Niedringhaus in der
Pfalzgalerie auszustellen, kam
von Buhlmann selbst. „Ich kannte
die Bilder durch die Publikation
eines bekannten Verlages von
2011 und war begeistert von den
Aufnahmen“, sagt Buhlmann, die
das Kunstmuseum in der Pfalz
seit über 20 Jahren leitet. Erste
Gespräche über die Ausstellung
hat es dann im Herbst 2013 gegeben. „Die Künstlerin war mit der
Präsentation in unserem Museum
einverstanden und hat sich sehr
darauf gefreut“, erinnert sich
Buhlmann.
Was ist Ihr höchstes Gut?
Freiheit.
Wie können Sie am besten entspannen?
Beim Ausritt mit meinem Pferd oder beim Laufen am Strand.
Was können Sie besonders gut kochen?
Salate, Suppen und Pasta.
Wozu können Sie nicht „Nein“ sagen?
Trüffel.
Foto: privat
12 Aus ihrer Sicht überzeugen die
Werke einerseits durch ihre hervorragende künstlerische Qualität. „Daneben aber bestechen sie
durch den besonderen Blick Anja
Niedringhaus‘ auf Menschen und
Situationen“, meint die 58-jährige Musik- und Theaterliebhaberin, die vor ihrer Tätigkeit in der
mpk sechs Jahre lang die Städtische Galerie Würzburg geleitet
hat und Lehrbeauftragte an mehreren Universitäten war.
„Die Aufnahmen sind unparteiisch, mitfühlend und von einer
ebenso subtilen wie komplexen
Bildsprache. Sie informieren
sachlich und zeigen ohne Pathos
und Spektakel, wie unsinnig und
unverständlich der gewalttätige
Umgang von Menschen miteinander grundsätzlich ist. (afl/sr)
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Mehrere Sprachen zu beherrschen.
Was treibt Sie an?
Mit Hilfe der Kunst zu einem Dialog beizutragen, der Menschen ein
wenig nachdenklicher und toleranter macht.
Welche Eigenschaften schätzen Sie an Anderen am meisten?
Klarheit, Aufrichtigkeit, Zuverlässigkeit und Liebenswürdigkeit.
Welches Lied singen oder hören Sie gern?
Rolando Villazon: „Solamente una vez“.
Was mögen Sie an sich selbst nicht?
Meine Ungeduld, wenn ich unter starkem Druck stehe.
Was wäre für Sie das größte Unglück?
Gesundheitlich so eingeschränkt zu sein, dass autonomes Leben nicht
mehr möglich ist.
Was war Ihr größter Fehler in der Vergangenheit?
Nicht alle Dinge im Leben rechtzeitig angepackt zu haben.
Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Wenn Du Dinge verändern möchtest, arbeite an Dir selbst.
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