close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

aktueller monat - Kino Im Schafstall

EinbettenHerunterladen
Kurzfilme
Telekommando
5.2. – 13.2.
Eigentlich sollte es eine
Berichterstattung aus der Reihe
„Menschen unserer Stadt“ werden.
Kandidat der Woche war dieses Mal
Volker Henk, der als städtischer
Automations-Telekommandeur
gewisse Abläufe in der Stadt regelt,
von denen man als normaler Bürger
ja oft gar keine Ahnung hat. Doch
als das Arbeitsgerät von Henk, die
FB-2000, illegal entwendet wird,
droht plötzlich Chaos.
Deutschland 2014; Regie: Erik Schmitt; Länge:
4'50 Min.
Devil May Care
19.2. – 27.2.
Die USA sind schnell bei der Hand,
wenn es um militärische
Interventionen geht. Aber wenn die
eigene Bevölkerung durch immer
häufiger auftretende
Wetterkatastrophen bedroht ist,
werden keine Konsequenzen
gezogen. Das Anheizen der
globalen Erwärmung geht
ungebremst weiter. Dies wird mit
den Mitteln eines ironischen MusicClips auf den Punkt gebracht.
Deutschland 2014; Regie: Volker Heymann;
Länge: 2'08 Min.
Impressum
Club alpha 60
ist ein gemeinnütziger Verein, der das
Kino im Schafstall und andere
Einrichtungen durch die
verantwortlichen Arbeitskreise in
ehrenamtlicher Tätigkeit betreibt.
Der Veranstaltungsraum Löwenkeller
befindet sich in der Stuttgarter Straße
7, das clubeigene Büro- und
Sitzungsgebäude in der Pfarrgasse 3
(0791/6665), und das Kino im Schafstall
Im Lindach 9 (0791/71937, nur bei
Vorstellungen).
Kino im Schafstall
ist eine nichtgewerbliche Einrichtung
der kommunalen Kinoarbeit und wird
getragen vom Arbeitskreis Film des
Club Alpha 60.
Finanzielle Unterstützung gewährt die
Stadt Schwäbisch Hall.
Ehrenamtliche MitarbeiterInnen
Klaus Bader, Volker Balle, Lea Bauer,
Michael Belz, Pablo Blessing, Farhad
Bolandin, Anne Hübner, Udo Klieber,
Volker Körner, Daniela Krake, Mira Lenk,
Frank Lübke, Katrin Ludwig, Kathrin
Müller, Guido Neumann, Matthew
Owen, Elke Schöppler, Susanne
Sommerschuh, Felix Stang, Friedemann
Stang, Reinhard Stehle, Katarina Thoma
Layout: Klaus Bader und
Susanne Sommerschuh
Nächster Sitzungstermin:
Montag, 9. Februar um 20 Uhr in der
Pfarrgasse 3
Titelbild: Wie ich lernte die Farben zu
lieben
Redaktions- und Anzeigenschluss
für die März-Ausgabe
10. Februar 2015
Kontakt
info@kinoimschafstall.de
Anzeigen
anzeigen@kinoimschafstall.de
www.kinoimschafstall.de
Drama
TIMBUKTU
ab Donnerstag, 5. Februar, 20:00 Uhr
Gewiss kein gefälliges Thema - gleichwohl ein überwältigender Film!
Fanatische Fundamentalisten, Gräueltaten selbsternannter „Gotteskrieger“ in
Afrika - da hatten viele bei
der Premiere in Cannes obligatorisches Pflichtprogramm erwartet. Dann die große
Überraschung: Dieses Drama um eine bescheidene Hirten-Familie in den Fängen der religiösen Eiferer eroberte die Herzen im Sturm. Die grandios poetische
Bildsprache, die anrührenden Figuren sowie eine wunderbar unprätentiöse, märchenhafte Erzählweise offenbaren regelrechte Klassiker-Qualitäten. Ein Meisterwerk
über Würde, Widerstand und Toleranz.
M
usik ist verboten! Frauen
müssen ab sofort Kniestrümpfe und Handschuhe tragen! “ per Megaphondurchsagen
diktieren die neuen Machthaber
die neue Ordnung. Die Gruppe
bewaffneter Dschihadisten will
mit Gewalt und Einschüchterung
einen fundamentalistischen Gottesstaat installieren. Dabei lebt
die Bevölkerung längst nach den
Regeln des Islam - eines weisen
und toleranten Islam, wie es der
lokale Imam einfordert. Gegen
die klugen Worte diese Geistlichen haben die einfältigen Eiferer keine Chance und müssen
kleinlaut mit ihren Waffen aus
der Moschee wieder abziehen.
Im Alltag demonstrieren die
selbsternannten Sittenwächter
mit der MG im Anschlag umso
krasser ihre Macht. „Unkeusche“
Liebende werden öffentlich gesteinigt, derweil die bigotten
Vollstrecker unverholen verheirateten Frauen nachstellen oder
junge Mädchen als Prämie mit
„verdienten“ Kämpfern zwangsverheiraten - zur großen Empörung des besorgten Imam.
In diesem Schreckensszenario
entwickelt sich eine ganz private
Tragödie. Der Hirte Kidane führt
mit Frau und Tochter ein friedliches Leben vor den Toren der
Stadt. Als eine seiner Kühe von
einem Nachbarn getötet wird,
weil sie dessen Fischernetze zertrampelt, will Kidane den Mann
zur Rede stellen. Dabei löst sich
versehentlich ein tödlicher
Schuss, der verzweifelte Hirte
wird von den Milizen verhaftet
und vor ein Schnellgericht gestellt. Vierzig Kühe soll er als
Wiedergutmachung übergeben die der arme Mann natürlich
nicht besitzt. Im Angesicht des
Todesurteils will Kidane noch
einmal seine Tochter sehen, doch
die neuen Richter kennen keine
Gnade.
Sissako gibt den Fanatikern
durchaus menschliche Züge, mit
bisweilen grotesken Effekten. Die
Milizionäre, die den Jungs das
Ballspiel verbieten, unterhalten
sich eifrig über die Qualitäten
von Zidane und Messi.
Neben der souverän erzählten,
bewegenden Geschichte überzeugt das Drama durch seine visuelle Poesie. Sei es, in den
ausdrucksstarken Gesichtern
seiner würdevollen, resoluten
Helden. Oder in jenen Panoramabildern der Wüste: Ob im beschaulichen Nomadenzelt oder
jenem Fluss, an dessen Ufer der
Hirte den verhängnisvollen
Schuss abgibt: Kameramann Sofian El Fani findet, wie schon in
„Blau ist eine warme Farbe“, eindrucksvolle Bilder von erlesener
Schönheit.
M auretanien, Frankreich 2014;
Regie: Abderrahmane Sissako;
Darsteller: Ibrahim Ahmed, Toulou
Kiki, Abel Jafri, Fatoumata Diawara, Hichem Yacoubi, Kettly N oel;
Filmlänge: 96 M inuten; FSK: 12
Dokumentarfilm
WIE ICH LERNTE, DIE ZAHLEN ZU
LIEBEN
Familienkino
FINN UND DIE MAGIE DER MUSIK
ab Sonntag, 8. Februar, 16:00 Uhr
ab Freitag, 6. Februar, 20:00 Uhr
Eigentlich wollen Oliver und
Max einen Dokumentarfilm
über New Yorks
Künstlerszene drehen, doch
der vierwöchige Trip wird
mehr und mehr von Olivers
Zwangserkrankung
überschattet. Der 37-Järige
hat ein manisches Verhältnis zu Zahlen. Er nimmt sie
immer und überall wahr, ob er will oder nicht.
Z
ahlen bohren sich in Olivers
Kopf und gruppieren sich
dort zu Kombinationen. Das geht
so weit, dass negative Zahlenkombinationen wie zum Beispiel
58 und 6 durch positive numerische Konstellationen "neutralisiert" werden müssen. Dazu
kommt, dass für ihn auch Formen und Farben ein unkontrollierbares Eigenleben entwickeln.
Max ist zunehmend genervt
von den nicht ohne Witz und Lakonik vorgebrachten Leidenszuständen seines Filmpartners.
Auch die Begegnungen mit den
Künstlern - Tom Tykwer, Ira
Sachs, Claudia Steinberg aus Rosa von Praunheims Film 'Überleben in New York' (1989) - bleiben
davon nicht unberührt. Künstlertreffen werden zu spontanen
Therapiesitzungen, bis schließlich Andy Warhol-Superstar Ultra
Violet dem deutschen Gast tatsächlich eine neue Tür öffnen
kann.
"Die Umsetzung des ersten eigenständigen Dokumentarfilms
stellte mich ständig vor neue
und zahlreiche Herausforderungen. War es doch oftmals
schwierig, die schwankende
Stimmung zwischen Oliver und
mir bildlich festzuhalten und mit
Details der bildgewaltigen Stadt
New York passend zu untermalen. Der ständig wechselnde und
spürbar ungewisse Verlauf dieses
Projekts brachte mich immer
wieder an meine Grenzen. Dabei
wurde die Kamera oft zum stillen
Beobachter und machte Oliver
und mich unweigerlich von Regisseuren zu Protagonisten".
(Max Taubert)
"Ich habe lange gebraucht, die
Genesung meiner Psyche nicht
nur allein an einem medizinischen Erfolg festzumachen, sondern auch an der Akzeptanz
dessen, was sich nicht mehr ändern lässt. Die Begegnungen mit
unseren Protagonisten haben mir
geholfen, in meiner Verzweiflung, in meinen Ängsten und in
meinem Leiden als Zwangserkrankter eine konstruktive Kraft
und einen Wert zu erkennen.
Film(en) kann Therapie sein."
(Oliver Sechting)
Deutschland 2013; Regie: Oliver
Sechting, M ax Taubert; Länge: 88
M inuten; dt. , engl. mit UT
geht hier vor?
F
inn spielt Fußball – nicht weil
er es mag, sondern weil sein
Vater Frank es so will und weil
alle Jungs in dem kleinen holländischen Dorf Fußball spielen.
Doch leider zeigt Finn ebenso
wenig Begabung wie Begeisterung für den Sport. Als er eines
Tages einen alten Mann Geige
spielen hört, fühlt er sich von der
Musik so angezogen, dass er seinen Vater darum bittet, Violine
zu lernen. Bei den Klängen der
Geige kommt es Finn so vor, als
wäre seine Mutter wieder zum
Leben erwacht, die bei seiner
Geburt gestorben ist. Aber
Frank, der den Tod seiner Frau
noch immer nicht verkraftet hat,
reagiert unerwartet ablehnend
auf Finns Wunsch. So kommt es,
dass Finn seinen Vater anlügt, er
Der neunjährige Finn
möchte, obwohl sein Vater
es ihm verbietet das Geigenspiel erlernen. Sein
Großvater hilft ihm dabei,
so glaubt Finn.
Ist er nur dem Zauber der
Musik erlegen oder was
wäre beim Fußballtraining, und
heimlich zum Geige üben geht.
Irgendwann wird das Lügengebäude einstürzen, und er wird
von dem großen Geheimnis erfahren, das sein Vater seit seiner
Geburt vor ihm bewahrt hat.
Die große Stärke des Films ist
sein Umgang mit der Welt der
Fantasie und ihrer Macht über
die Menschen: Finn verfügt über
eine offenbar sehr lebhafte Einbildungskraft, und Frans Weisz
macht aus Finn einen Helden,
der mit Fantasie erreicht, was in
der Realität nicht möglich wäre.
Regie: Frans Weisz; Darsteller:
M els van der Hoeven, Daan Schuurmans, Jan Decleir u. a. Länge:
90 M inuten; FSK ab 0, empfohlen
ab 8 Jahre
Schwäbisch Haller Filmgeschichte
FREIZEITRAUM, BAU 2
ab Sonntag, 8. Februar, 18:00 Uhr
R
olf Zelter schreibt zum Film:
FREIZEIRAUM, BAU 2 spielt
Ende der 1960er Jahre, als auch
in den Jugendstrafanstalten der
Bundesrepublik erste Reformen
gewagt werden. Einem Psychologiestudenten wurde erlaubt mit
schwierigen Gefangenen eine
Gesprächtherapie durchzuführen. Doch damit ist der Student
überfordert. Der schwächste der
Gruppe wird gnadenlos gedemütigt. Der Jugendliche verzieht
sich auf die Toilette des Gruppenraums und erhängt sich dort.
Ob er sich tatsächlich töten wollte oder er damit rechnete, man
werde ihn retten und er könne
durch diesen Akt den Respekt
der anderen gewinnen, bleibt offen.
Gezeigt werden Reaktionen
dieses Vorfalls: Betroffenheit,
Schuldbewusstsein (Durfte man
einen Unerfahrenen mit solch einer schwierigen Aufgabe betrauen?), aber auch klammheimliche
Freude derer, die gleich gewusst
hatten, dass derartige Reformen
nur böse enden können bis zum
hingeworfenen Ausruf: „Wieder
ein Spitzbub weniger! “ gezeigt
werden aber auch die bürokratischen Folgen eines solchen „Besonderen Vorkommnis“: die
Vernehmung durch den Staatsanwalt usw.
Der Vorfall sollte so realitätsnah wie möglich gezeigt werden.
Deshalb wurde auch nicht in Studios, sondern im Haller Jugendgefängnis gedreht, der sich in
seiner Hässlichkeit des Jahres
1970 präsentiert.
Viele bedienstete und Gefangene im Film sind „echt“, auch
sonst haben viele Haller Statisten mitgewirkt. Die Hauptrollen
jedoch hat der Regisseur
Diethart Klante mit namhaften
Schauspielern besetzt, deren Bekanntheit nach 44 Jahren verblasst ist. Von den
Schauspielschülern, die damals
für die Hauptrollen der Gefangenen engagiert wurden, haben
sich einige zu Stars gemausert
(Anm. d. Red.: wie Ochsenknecht
und Semmelrogge).
Einen Krimi etwa nach dem
Strickmuster des „Tatort“ darf
der Zuschauer nicht erwarten.
Das sollte dieser Film auch gar
nicht sein.
Deutschland 1972; Regie:
Diethard Klante; Drehbuch:
Diethard Klante und Rolf Zelter;
Darsteller: Friedhelm Ptok, Dinah
Hinz, Edith Heerdegen, M artin
Semmelrogge, Uwe Ochsenknecht, u. a. ; Länge: 85 M inuten
Wegen der positiven Resonanz
und vieler Nachfragen zu weiteren Vorstellungen im letzten
November, nehmen wir den
Film FREIZEITRAUM, BAU 2 von
Rolf Zelter, ehemaliger Leiter
der Jugendstrafanstalt Schwäbisch Hall (1968 – 1995) und
Autor des Films, noch mal im
Februar in unser Programm.
Der Film, eine Fernsehproduktion des ZDF aus dem Jahr 1972,
spielt Ende der 1960er Jahre
und hat die Reform der Jugendstrafanstalten in der damaligen
BRD zum Thema.
Der Spielfilm wurde im Haller
Jugendknast (heute Haus der
Bildung im Kocherquartier) gedreht. Neben vielen Statisten
(Gefangene der Vollzugsanstalt
und Haller Bürger) sind Martin
Semmelrogge und Uwe Ochsenknecht (damals noch auf
der Schauspielschule München)
zu sehen.
Drama
KAPTN OSKAR
ab Donnerstag, 12. Februar, 20:00 Uhr
Die turbulente Beziehung
von Oskar und Alex endet
in einem großen Feuer, das
Alex in Oskars Wohnung
legt. Mit der nächsten Frau
soll alles anders werden,
denkt sich Oskar und
schließt mit der lebenslustigen Masha ein Abkommen: zusammen schlafen, aber
nicht miteinander. Gemeinsam kämpfen Oskar und
Masha gegen die Einsamkeit und lassen sich durch Berlin und ihr Leben treiben, mal spielerisch, mal besessen. Denn auch Masha hat ihre Abgründe. Bei dem
Versuch, eine „normale“ Beziehung aufzubauen, geraten die beiden immer wieder an ihre Grenzen.
Z
unächst sind die Frischverliebten dennoch in der Lage,
eine unschuldige Intimität zu
entwickeln. Doch unfähig sich
voll und ganz füreinander zu
entscheiden, beginnen Oskar
und Masha auseinander zu driften. Was Masha und Oskar immer wieder zueinander treibt, ist
eine ungestillte Sehnsucht nach
Liebe und körperlicher Nähe. Allein diese Sehnsucht scheint
letztendlich nicht auszureichen,
eine neue Art von Beziehung
aufzubauen. Zwischen zärtlichen
Annäherungsversuchen und fast
autistischer Abstoßung bewegen
sich die beiden verletzten Beziehungsverstörten durch ein regelrechtes Gefühlschaos, dem sie
doch eigentlich zu entkommen
suchen. Beide vermögen einfach
nicht aus ihren eingeübten Verhaltensmustern auszubrechen.
Trotz relativ offenem Ende ein
wunderschöner und emotional
berührender Film.
Wie schon Papa Gold hat Tom
Lass auch Kaptn Oskar ohne
Drehbuch improvisatorisch realisiert. Vermutlich ist hier der
Grund dafür zu finden, dass die
Interaktionen zwischen Alex, Oskar und Masha eine immense
Authentizität entfalten. Selbst in
ihren exzentrischsten Momenten
wirkt Alex noch immer natürlich
und vor allem glaubwürdig. Tom
Lass fängt die Szenen verspielter
Intimität in wunderschönen Bildern ein und nimmt sein Publikum mit hinein in die Stimmung
des Frisch-Verliebt-Seins.
Ein vollkommen unabhängig
produziertes Filmprojekt mit improvisierten Dialogen. Den Film
zeichnet eine große Liebe zu seinen nicht ganz einfachen Protagonisten aus und zur Stadt
Berlin als spannungsgeladenem
Filmset.
Deutschland 2013; Regie: Tom
Lass; Darsteller: Amelie Kiefer,
Tom Lass, M artina Schöne-Radunski; FSK 12; Länge: 78 min.
Thriller
Dokumentarfilm
WIR WAREN KÖNIGE
IM KELLER
Richtige Männer braucht
das deutsche Kino. Und
mehr Echtheit. Heißt es
gerne mal. Regisseur Philipp Leinemann hat einen
Thriller gedreht, der vor
Testosteron nur so strotzt.
Es geht um Männerbünde,
Loyalität und Freundschaft, um Gewalt, Rache und
Skrupel. Nett war gestern.
Geweihsammler, Waffennarren und SM-Freunde:
Ulrich Seidl zeigt in seinem
Dokumentarfilm "Im Keller", was österreichische
Bürger im Tiefgeschoss ihrer Häuser so treiben - und
zählt darauf, dass wir uns
vor dem Andersartigen ekeln.
ab Donnerstag, 19. Februar, 20:00 Uhr
D
ie SEK-Einheit um Kevin und
Mendes ist eine eingeschworene Gemeinschaft:
man(n) vertraut sich blind und
steht füreinander ein. So richtig
rund läuft es allerdings nicht.
Bereits seit Längerem steht die
Einheit unter Beobachtung der
höheren Etagen der Polizeiführung und dann das: die Sondereinheit stürmt eine Wohnung, in
der Kriminelle ihr Hauptquartier
eingerichtet haben. Der Einsatz
gerät zum Desaster: zwei Kriminelle werden getötet, ein Dritter
entkommt, einer der Polizisten
wird lebensgefährlich verletzt.
Als auch noch zwei Beamte kaltblütig getötet werden, gerät die
Situation außer Kontrolle. Von
Rachegelüsten getrieben, hält
sich die Truppe nicht mehr an
den offiziellen Dienstweg, sondern versucht sich gleich an
Selbstjustiz. Grenzen werden
überschritten, Fehler werden gemacht und vertuscht. Doch der
Zusammenhalt wird brüchig; so
mancher bekommt Skrupel und
fragt sich, wo denn noch der Unterschied zwischen der Einheit
und den „Bösen“ liegt. Wie sich
zeigt, sind die Grenzen fließend:
die Eliteeinheit ähnelt in Verhalten und Gruppendynamik in hohem Maße der kleinkriminellen
Clique. Leinemann inszeniert
einen düsteren und rauen Genrefilm, wie es sie nur selten im
deutschen Kino gibt. Da sind sie
also, die harten Kerle: in der moralischen Grauzone.
Deutschland 2014; Regie: Philipp
Leinemann; Darsteller: Ronald
Zehrfeld, M isel M aticevic, Thomas
Thieme; Länge: 107 M in. ; FSK ab
16
ab Freitag, 20. Februar, 20:00 Uhr
E
in Keller muss häufig als Metapher für alles Mögliche
herhalten. Er verkörpere, heißt
es gerne, die Abgründe, die in
den Menschen stecken, er sei
ein Stauraum für geheime Obsessionen, ein Rückzugsort zur
unbeobachteten Triebabfuhr, ein
Versteck für anrüchiges Verhalten.
In dieser häuslichen Intimzone
sind die Bewohner den sozialen
Kontrollmechanismen ihrer Umgebung entzogen. Hier ist jeder
sein eigener Richter, hier kann
jeder unverfälscht sein wahres
Selbst entfalten, so lächerlich,
widerlich, kitschig oder pervers
es auch sein mag. Da tut man,
was man in der guten Stube nie
wagen würde, da sind die gelebten Fantasien gut aufgehoben.
Es hat den Anschein, im Keller
wohne die Wahrheit.
Angeregt durch zwei spektakuläre Kriminalfälle, bei denen
Menschen jahrzehntelang in Kellerverließen gefangen gehalten
worden waren, hatte Seidl vor
fünf Jahren mit einer filmischen
Begehung der unterirdischen Refugien des Landes begonnen.
Vielleicht in der Hoffnung, er
würde am Ende über ein Puzzle
der kollektiven Psyche verfügen.
Er hat aber dabei nichts Überraschendes gefunden, nichts, was
es nicht auch an der Oberfläche
gäbe – Nazi-Devotionalien, Waffennarren, Prolophilosophen,
Vereinsamte, arme Teufel oder
Sadomasochisten. Doch für das
Erwartbare fand er intensive,
zum Teil auch groteske und bizarre Bilder.
Immer wieder verschließen
sich Türen in Ulrich Seidl neuestem Blick mitten in die schamlosen Geheimnisse und Trophäen
der österreichischen Bevölkerung. Herren und Herrinnen sagen ihren Dienern: "Mach die Tür
zu! ". Aber wir werden nicht ausgeschlossen dadurch, das ist
klar. Im Keller bedeutet bei Seidl
nicht unbedingt, dass es um Verstecke geht. Man sieht sehr vieles, man sieht auch vieles, was
man nicht unbedingt sehen wollte. Im Keller findet sich aber
auch der Stolz von Menschen
und Familien, die schönen und
schlechten Erinnerungen, das
wahre Selbst, das man im täglichen Leben versteckt.
Mancher wird fast losbrüllen
müssen, ob der Offenheit des
menschlichen Grauens, die sich
da auf der Leinwand vollzieht,
andere werden angewidert wegsehen, sei es weil sie mit der
kompromisslosen Direktheit, der
schonungslosen Perversion oder
den untragbaren politischen Einstellungen der Protagonisten
nicht zurechtkommen. Im Keller
ist jedoch immer dann am besten, wenn man gar nicht weiß
wie man sich zu den unterschiedlichen Situationen und erzählten Anekdoten verhalten
soll.
Österreich 2014; Regie: Ulrich
Seidl; Länge: 85 M inuten; FSK: 16
Schafstall Late Night
Dokumentarfilm
AMERICAN MUSCLE
ab Samstag, 21. Februar, 22:00 Uhr
John Falcon saß zehn Jahre
im Gefängnis. Ausgerechnet sein verkommener
Bruder Sam und seine
Ehefrau, die auch noch eine Affäre miteinander hatten, waren die Rädelsführer
bei einem Komplott gegen
ihn. Jetzt kommt er frei, aber für ihn ist der Verrat noch
exakt so frisch wie am ersten Tag. Nach seiner Entlassung begibt er sich auf einen blutigen Rachefeldzug im
White Trash-Milieu. Du schuldest, du zahlst!
Falcon wird nach zehn
J ohn
Jahren aus dem Gefängnis
entlassen. Zwei Gedanken
haben ihn all die Zeit bei der
Stange gehalten: die Sehnsucht
nach seiner Ehefrau und der
Wunsch nach Rache an denen,
die dafür verantwortlich waren,
dass er in den Knast kam.
Damals lief ein Raubüberfall
schwer aus dem Ruder. Johns
skrupelloser Bruder Sam
erschoss bei der Aktion
unnötigerweise drei Menschen.
Als die Polizei zum Tatort kam,
waren alle Gangmitglieder weg –
bis auf John, den sie
angeschossen zurückließen und
der daher die ganze Zeche für
das Verbrechen zahlen musste.
Doch nun ist der große Tag der
Abrechnung gekommen. Mit
einer Pump-Gun bewaffnet fährt
John in seinem gelben Boliden
durch die Wüste und stattet
jedem einzelnen seiner
ehemaligen Gangmitglieder
einen Besuch ab. Am Ende
wartet eine finstere
Überraschung auf ihn.
Ravi Dhars gewalthaltiger,
schmissiger Retro-Exploiter
präsentiert einen einsilbigen OldSchool-Badass-Antihelden, wie
man ihn eigentlich nur aus 80erJahre-Actionfilmen kennt:
vollgepumpt mit Testosteron,
ohne Kompromisse, stets einen
zynischen One-Liner auf den
Lippen.
USA 2014; Regie: Ravi Dhar; Darsteller: N ick Principe, Robin Sydney, Todd Farmer u. a. ; FSK: ab 18;
Länge: 77 min.
WER RETTET WEN ?
am Freitag, 27. Februar, 20:00 Uhr
Der Film beginnt mit Eindrücken der Zerrissenheit
unserer Gesellschaft. Politiker jonglieren mit billionenschweren
Rettungsschirmen, während mitten in Europa
Menschen wieder für Hun-
gerlöhne arbeiten.
Es wird gerettet, nur keine Rettung ist in Sicht.
D
er Film geht zurück: 2008
ist der spürbare Beginn dieser Entwicklung. Da wird das
erste Mal mit vielen hundert Milliarden gerettet. In allen Ländern
der westlichen Welt gehen jenseits parlamentarischer Kontrolle
gewaltige Summen an marode
Banken. Demokratie wird außer
Kraft gesetzt. Hier fragt der Film
nach: Wie konnte es zu solch einer Katastrophe kommen? Wie
funktionierten die „Märkte“, deren Zusammenbrechen überall
die Schwächsten der Gesellschaft zu spüren bekommen?
Wir hören von Ökonomen,
dass eine Rettung der Banken
nicht nötig gewesen wäre. Dass
der Staat eine „Good-Bank“ hätte gründen können, indem er
den Banken die guten, für die
Realwirtschaft benötigten Papiere samt den Spareinlagen abkauft. Damit hätte die „Good
Bank“ reibungslos die Kernaufgaben des Bankensystems übernehmen können. Stattdessen hat
der Staat den Steuerzahlern
„Bad Banks“ mit riesigen Paketen wertloser Papiere aufgehalst.
Denn 2008 saßen die großen
Banken fast überall an den Kabinettstischen.
Die globale Rettung der Banken hat fatale Folgen. Überall
sind „systemrelevante“ Finanzriesen entstanden, die erhebliche Wettbewerbsvorteile haben
und größer und mächtiger sind
als zuvor. So mächtig, dass sie
2009 anfingen, gegen diejenigen
Staaten zu wetten, die sich
durch die Bankenrettung verschuldet hatten. Die Geretteten
gegen die Retter.
Dies eröffnet ein neues Kapitel. Die Zuschauer sind in Griechenland. Sie sehen, mit
welchen Tricks ein in den USA
ausgebildeter griechischer Zentralbankchef mit Hilfe der US-Investmentbank Goldman Sachs
die Hälfte der griechischen
Staatschulden verschwinden
lässt. Das war Griechenlands
Eintrittskarte in die EU. 12 Jahre
später wird derselbe Schwindler
als Retter des Landes eingesetzt.
Die milliardenschweren Hilfspakete retten aber nicht Griechenland, sondern wieder nur die
Banken.
Der Film führt nach Italien und
Spanien. Dort erfahren wir von
der Rolle der Ratingagenturen,
die augenscheinlich Regie führen
bei der Zuspitzung der Schuldenkrise. Erstaunlich dabei, dass
die Eigentümer der Agenturen
wie selbstverständlich von den
Ratings profitieren und dabei
einen Machtkomplex bilden, der
das Schicksal von Staaten bestimmt. Sie drängen angegriffene Staaten zum Sparen,
angeblich um die Schulden zu
reduzieren. In Wahrheit werden
diese Länder durch den Sparzwang wirtschaftlich in den Abgrund dirigiert. Und die Schulden
wachsen immer weiter – auch
weil große Konzerne und Reiche
kaum noch Steuern zahlen.
Am Ende des Films mahnen
Ökonomen den sofortigen Stopp
der Schutzschirm- und Bankenrettungspolitik an. Diese Strategie hat Deutschland schon jetzt
in das gigantische Risiko der
Haftung für über 1.000 Mrd. €
fauler Kredite und zur Gefährdung der Altersversorgung geführt. Der Film zeigt
ökonomische und politische Alternativen. Diese sind nicht nur
seriös gerechnet, sondern auch
schon einmal erfolgreich umgesetzt: US-Präsident Franklin D.
Roosevelt hat es 1932 geschafft,
den Finanzmarkt in enge Schranken zu weisen und damit fast 70
Jahre stabile wirtschaftliche Verhältnisse geschaffen.
Deutschland 2014; Regie: Leslie
Franke; Sprecherinnen und Sprecher: Rolf Becker, Wolfgang Kaven, Brita Subklew; Länge: 90
M inuten
Wir freuen uns am Freitag, den
27. Februar die Regisseurin Leslie Franke begrüßen zu können.
Das Kino im Schafstall zeigt den
Film zusammen mit umfairteilen
Schwäbisch Hall und Ver.di Ortsverein Schwäbisch Hall.
Autor
Document
Kategorie
Uncategorized
Seitenansichten
4
Dateigröße
1 163 KB
Tags
1/--Seiten
melden