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Die ZEIT Nr. 7/2015

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12. FEBRUAR 2015 No 7
Das zweite Leben
der Amber Valletta
Ein Modeheft
über die Schönheit
ZEITmagazin
Denn sie wissen schon, was ich will
Die neue digitale Macht: Wie Firmen und Behörden selbst unsere Wünsche vorhersehen
WIRTSCHAFT
BANGEN UM DIE UKRAINE
NEUE HILFE FÜR GRIECHENLAND?
Merkel, geh voran!
Über die Klippe
Dresdens
gekränkte Seele
Der Dichter Durs
Grünbein über
seine Heimatstadt
I
Im Dorf der
Helden – Besuch
in einem Ort, der
einst 1500 Juden
vor den Nazis
versteckte Dossier, Seite 13
In der Front gegen Putin dominieren nicht mehr die USA, sondern
die Europäer. Diese neue Aufgabe erfordert Mut VON BERND ULRICH
N
ur wer keinen Mumm hat, spricht
nicht über seine Ängste. Und
wenn es um die Ukraine geht,
spielen besonders viele Ängste
mit. Zunächst die um die Men‑
schen dort, um jene, die zwischen
den Fronten fliehen und sterben. Und um jene,
die ihr Leben riskiert haben, damit die Ukraine
ein freies Land werden kann, und die nun erleben
müssen, wie ihnen auf Geheiß aus Moskau diese
Hoffnung in Grund und Boden geschossen wird.
Eine zweite, gewissermaßen konkurrierende
Angst spielt in Europa gerade eine wachsende
Rolle: die Angst davor, in diesen Krieg mit hinein‑
gezogen zu werden. Und so mancher möchte we‑
gen dieses möglichen Krieges in Europa jenen real
marodierenden Krieg in der Ukraine verdrängen.
Man wendet sich ab, weil es einfach keine Lösung
zu geben scheint, weder durch Diplomatie noch
durch Sanktionen oder Waffenlieferungen.
Dahinter steckt eine dritte Angst: die vor
dem Neuen. Denn dieser Konflikt mit Russland
wird nicht – wie man das in den letzten sieben
Jahrzehnten gewohnt war – von den Amerika‑
nern geführt, sondern von Europäern und von
Angela Merkel. Und es stellt sich heraus: Europa
ist anders, macht es anders und fühlt sich etwas
unsicher dabei, denn die EU ist es keineswegs
gewohnt, die Führung zu übernehmen, sie hat
für ihre Methode weder eine an Beispielen reiche
Vorgeschichte noch eine öffentlich etablierte
außenpolitische Grammatik.
Die Ungeduld der USA richtet sich
weniger gegen Putin als gegen Merkel
Unübersehbar werden in diesen Schicksals­
wochen die fundamentalen strategischen Diffe‑
renzen zwischen den USA und Deutschland,
zurzeit machen sie sich fest am Thema Waffen‑
lieferungen. Die Amerikaner wollen die ukrai‑
nische Armee aufrüsten und entfalten einen
immensen Druck auf die Europäer.
Und hier ist es kein Trost, dass Obama sich
noch nicht festgelegt hat. Der Präsident ist ein‑
geklemmt zwischen den Falken aus der republi‑
kanischen Partei und den ebenso angriffslustigen
»humanitären Interventionistinnen« um Hillary
Clinton von den Demokraten. Wenn die Ver‑
handlungen mit Putin schiefgehen, dann dürfte
Obama sich ebenfalls für Waffenlieferungen aus‑
sprechen – und der Bruch mit Europa ist da.
Niemand sollte sich diesen transatlantischen
Konflikt als Arbeitsteilung schönreden. Sanktio‑
nen und Waffenlieferungen ergänzen einander
nicht. Wenn Amerika militärisch vorprescht, ist
die Einheit der EU bei den Sanktionen perdu,
dann kann Merkel die Front vom Baltikum bis
nach Portugal und von Ungarn bis Griechenland
nicht mehr halten. Es geht um den Kampf zwei‑
er Linien, nicht mehr und nicht weniger.
In dieser Diskussion zeigt sich exemplarisch
und überscharf, wie sehr die jahrzehntelange
Dominanz der Amerikaner über die europäi‑
sche Außenpolitik das hiesige Denken geprägt
hat. Das fängt schon an mit diesen fleißig ge‑
lernten Sinnsprüchen aus der Klippschule der
US-Geopolitik: »Speak softly and carry a big
stick«; und benutze stets »sticks and carrots«, also
Zuckerbrot und Peitsche. Schon die Sprache
verrät, dass hier der Welterzieher über die un‑
gezogenen Kleinen spricht, eine Perspektive, die
sich Europäer nicht länger leisten können. Und
wenn solche Sprüche heute überhaupt noch
Sinn haben, dann allenfalls für ein Land, das im
Militärischen stark ist. Die EU, auch Deutsch‑
land hat von solcher Denke nichts.
Stimmt diese Logik im Falle der Ukraine und
Russlands? Wird die sanktionsbewehrte Diplo‑
matie von Merkel und Hollande (»speak softly«)
durch die Drohung mit Waffenlieferungen (»carry
a big stick«) ergänzt, und erst wirklich realistisch?
Das Gegenteil ist der Fall. Putins offenkundiges
Hauptproblem ist, dass Russland aufgrund seiner
maroden Ökonomie seinen Weltmachtanspruch,
auch seine Augenhöhe mit den USA, nicht hal‑
ten kann – es sei denn, militärisch. Nur da ist
Putins Reich noch Weltspitze. Darum militari‑
siert Putin seine Außenpolitik so leidenschaftlich,
darum braucht er diesen Ukraine-Konflikt. Noch
nützlicher für seine Supermachtprojektion wäre
es, wenn er die USA aufs Schlachtfeld zerren
könnte, auf ein Terrain, auf dem er länger eska‑
lieren kann als jeder andere. Die »Drohung« mit
Waffenlieferungen ist also der verlockende Anreiz
für Putin, die Verhandlungen scheitern zu lassen
oder eine schale Vereinbarung alsbald durch
Taten zu konterkarieren.
Und die Sanktionen? Die wirken viel zu lang‑
sam, heißt es. Auch hier zeigt sich, wie Amerika‑
ner die europäische Außenpolitik dominieren
wollen. Macht hat, wer Herr über den Zeitpunkt
ist. Wann die Geduld am Ende sein muss, wann
Eskalation auf der Tagesordnung steht, das
bestimmen die USA, bisher. Sie schaffen dabei
jeweils eine Atmosphäre ultimativer Dringlich‑
keit – wie und wann es ihnen passt. In Syrien
haben sie sehr viel Geduld, da wird die rote Linie
munter verschoben, obwohl dort ungleich mehr
Menschen sterben. Aber wenn im Donbass die
Separatisten ein paar Quadratkilometer erobern,
muss sofort etwas Drastisches geschehen.
Die Ungeduld der USA richtet sich nicht ge‑
gen Putin, sondern gegen Merkel. Wer dem Sank‑
tionsregime der EU keine Zeit gibt, spielt dem
Kreml in die Hände. Wenn eskaliert werden muss,
dann bei den Sanktionen! Da hat Putin bisher nur
einen Hauch dessen erlebt, was möglich ist. Wel‑
che Weisheit soll darin liegen, Russland da zu be‑
kämpfen, wo es am stärksten ist, anstatt da, wo es
am schwächsten ist: bei der Ökonomie.
Natürlich darf sich der Westen trotz allem
nicht spalten lassen. Darum müssen sich die
USA diesmal der europäischen Führung beugen.
www.zeit.de/audio
Steigt Griechenland aus dem Euro aus, wird Europa als Idee und als
Ordnungsmacht bald Geschichte sein VON MARK SCHIERITZ
n dem Film ... denn sie wissen nicht, was nen mag. Denn indem sie nach außen austeilt,
sie tun gibt es eine Szene, in der James eröffnet sich die neue Regierung nach innen
Dean von seinem Rivalen zu einem ganz Handlungsspielräume. Tsipras will sein Land ra‑
besonderen Duell herausgefordert wird: dikal umbauen, dazu braucht er die maximale
Die beiden rasen mit ihren Autos auf einen Rückendeckung der Bevölkerung. Die bekommt
Abgrund zu. Wer zuerst bremst, hat ver‑ er nur, wenn er nicht wie alle seine Vorgänger
loren. In der Spieltheorie wird eine solche Kon‑ beim ersten Widerwort von Angela Merkel ein‑
stellation chicken game – Feiglingsspiel – genannt: knickt. Die Tiraden gegen die Troika – sie sind
Wer nachgibt, verliert, aber wenn niemand nach‑ immer auch politische Kommunikation.
An dieser Stelle könnte ein Kompromiss an‑
gibt, verlieren alle. Sie stürzen über die Klippe.
Der neue griechische Premierminister Alexis setzen: Die Griechen werden – zum Beispiel
Tsipras hat ganz Europa in ein solches Spiel ge‑ durch Finanzspritzen der Europäischen Zentral‑
zwungen. Tsipras will die Brüsseler Sparaufla‑ bank – finanziell für einige Monate über Wasser
gen abschütteln und hat mit seinem kompro‑ gehalten und können künftig etwas mehr Geld
misslosen Auftreten den Rest des Kontinents – ausgeben. Dazu müsste man die bestehenden
inklusive seiner Verbündeten in Rom und Paris Regeln etwas zurechtbiegen, aber das wäre ja
– gegen sich aufgebracht. Es kommt nicht gut nicht das erste Mal in dieser Krise. Im Gegenzug
an, wenn der griechische Finanzminister seinem bekommt Tsipras eine Frist gesetzt, innerhalb
italienischen Kollegen ausrichten lässt, dessen derer er ein Reformprogramm vorlegen muss,
das das Land wirklich voranbringt. Tut er das
Land sei in Wahrheit ebenfalls pleite.
Als Folge dieses diplomatischen Fiaskos hat nicht, werden alle Zahlungen gestoppt.
Für einen solchen Deal müssten sich beide
sich das Kräfteverhältnis in Europa verschoben:
Auf einmal ist nicht mehr Berlin isoliert, son‑ Seiten bewegen, was zumindest einen Versuch
wert wäre. Inzwischen
dern Athen – und die
räumt selbst der in sol‑
Lage erscheint so ver‑
chen Dingen nicht zim‑
fahren, dass nun eintre‑
perliche Internationale
ten könnte, was alle ver‑
Währungsfonds ein, dass
meiden wollen: der Aus‑
des griechischen Finanzministers
der harte Sparkurs für
tritt Griechenlands aus
Yanis Varoufakis und ein Interview
den wirtschaftlichen Nie­
dem Währungsraum.
mit seinem Doktorvater, S. 38 und 66
dergang Griechenlands
Schließlich droht den
mitverantwortlich ist.
Griechen ohne frisches
Und Tsipras will eben
Geld die Zahlungsunfä‑
higkeit – und dann sind sie möglicherweise dazu nicht nur die Renten erhöhen, sondern hat die
gezwungen, eine eigene Währung einzuführen, Industrieländerorganisation OECD eingeladen,
um ihre Rechnungen zu bezahlen. Dass die briti‑ ein Reformpaket auszuarbeiten – und die ist
sche Regierung ein solches Szenario schon ein‑ bislang wirklich nicht durch linksradikale Um‑
mal durchgespielt hat, zeigt, wie nahe der Ab‑ triebe aufgefallen.
Deshalb greift auch das Argument zu kurz,
grund ist – und verleiht dem EU-Gipfel an die‑
Zugeständnisse gegenüber den Griechen würden
sem Donnerstag eine besondere Dramatik.
Für Europa wäre der Grexit eine ökonomi‑ Begehrlichkeiten in Italien, Spanien oder Frank‑
sche und politische Katastrophe ersten Ranges. reich wecken und seien deshalb grundsätzlich
Griechenland muss bleiben, selbst wenn das nicht möglich. Denn welche Folgen ein Kom‑
Land in einem Jahr weniger erwirtschaftet, als promiss im Rest Europas hat, hängt wesentlich
Volkswagen Umsatz macht. Das liegt daran, dass davon ab, worin diese Zugeständnisse bestehen
es wie immer in dieser Krise auch ums Prinzipiel‑ und was sie in Griechenland auslösen. Nutzt das
le geht. Eine gemeinsame Währung muss auf Land seine Chance, dann wäre es kein Anlass zur
Ewigkeit angelegt sein, sonst besteht die Gefahr, Sorge, sondern zur Hoffnung, wenn sich andere
dass die Sparer in wirtschaftlich schwachen Staa‑ daran ein Beispiel nehmen.
Die Rechnung sieht also ungefähr so aus: Die
ten ihr Geld ins Ausland schaffen.
Mit einem Austritt Griechenlands wäre klar, Europäer müssen mit ein paar Milliarden ins
dass der Euro diese Voraussetzung nicht erfüllt. Risiko gehen, dafür schafft Griechenland mögli‑
Die Währungsunion wäre keine Währungsunion cherweise den Neuanfang, und Europa hätte
mehr – und ein Europa, das seine wichtigsten seine Handlungsfähigkeit bewiesen. Ohne einen
wirtschaftspolitischen Errungenschaften aufs Deal könnten die Griechen die Währungsunion
Spiel setzt und die Griechen den geopolitischen verlassen, ihre Schulden nie zurückzahlen, und
Wirren des südlichen Balkans aussetzt, würde der Euro wäre in seiner jetzigen Form vielleicht
auch als globale Ordnungsmacht an Glaubwür‑ bald Geschichte.
Man muss kein Spieltheoretiker sein, um zu
digkeit verlieren. Der Euro mit all seinen Ver‑
pflichtungen ist eben auch das: ein monetärer der richtigen Lösung zu gelangen: Griechenland
hat eine letzte Chance verdient.
Schutzwall gegen äußere Einflussnahme.
Der griechische Kollisionskurs ist zudem
www.zeit.de/audio
nicht ganz so irrational, wie es zunächst erschei‑
Die Schriften
Feuilleton, Seite 37
PROMINENT IGNORIERT
Göttliches Wesen
Madonna, auch schon 56, ist bei
der diesjährigen Grammy-Verlei‑
hung in einem matadorähnlichen
Kostüm mit so wenig Stoff er‑
schienen, dass nur wenige auf den
schicken Montera, den ToreroHut, geschaut haben dürften, den
sie dazu trug. Seit ihrem Auftritt in
Los Angeles weiß alle Welt: Gegen
die Gesetze irdischer Schwerkraft
kennen selbst göttliche Wesen nur
ein banales Hausfrauenrezept:
hochschnüren.
PED
Kleine Fotos (v.o.): Peter Lindbergh für ZM;
Isolde Ohlbaum/laif; Jordan Strauss/picturealliance
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CHF 7.30/I 5,50/GR 6,00/B 4,80/P 5,50/
L 4,80/HUF 1960,00
o
N 7
7 0. J A H RG A N G
C 7451 C
4 190745 104500
07
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