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Die Angst des Dominators - ePaper

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Meryl Streep
„Ein Wunder, dass ich
noch Kino mache“
S. 20
15. Februar 2015
Nr. 7
B
**
Was heißt hier dick?
Von kleinen Kanten und
krassen Kurven
Nazis in Nahost – die
unbekannte Armee Titelthema
Sieben Modetrends – so
geht der Sommer S. 51
S. 43
International Newspaper Of The Year | Gegründet 1948 | World’s Best-Designed Newspaper
Preis
D
€ 3,70
MOHAMMED-KARIKATUREN
Die Angst
des Dominators
Machtbesessen und zu jedem Risiko
bereit. Wladimir Putin fürchtet vor
allem eines: seine Entmachtung – und
Ermordung. Fünf Attentate sollen schon
vereitelt worden sein
Seiten 2 und 3
Bürger-Geld für Straßen
GRIECHENLAND-KRISE
GESUNDHEIT
Warnung vor Ende
der Euro-Zone
Krankschreiben
ohne Hausarzt
Der renommierte US-Ökonom Barry Eichengreen
warnt vor einem Euro-Ausstieg Griechenlands.
Die Folgen könnten verheerend sein: „Sie würden
auf andere Länder übergreifen“, sagte Eichengreen der „Welt am Sonntag“. Wenn portugiesische Familien oder spanische Firmen sähen, wie
aus Euro wieder Drachmen werden, würden sie
ihr Geld vom Konto holen. „Das könnte sich zu einem Ansturm auf die Banken ausweiten.“ Das
könne das ganze Euro-Projekt gefährden, sagte Eichengreen. Ein Austritt hätte auch Folgen für das
Militärbündnis Nato. „Der Westen wird kaum
wollen, dass sich Russland als Retter inszeniert
und der Kreml plötzlich in Europa mitmischt.“
Mediziner der Universität Magdeburg haben die
Politik aufgefordert, die Regeln für die Krankschreibung von Beschäftigten zu lockern. Nach einer noch unveröffentlichten Studie der Forscher
sind Krankschreibungen besonders häufig der
Grund für kurzfristige Besuche beim Hausarzt.
„Wir sollten in Deutschland darüber nachdenken,
die Regeln für Krankschreibungen zu lockern“,
sagte Wolfram Herrmann, Leiter des Forscherteams, der „Welt am Sonntag“. „Ziel kann es sein,
dass Beschäftigte sich für bis zu eine Woche selbst
krank melden können.“ Dies würde die Hausärzte
entlasten und zugleich die Eigenverantwortung
der Beschäftigten stärken. „Dass durch eine eigenständige Krankmeldung der Beschäftigten die Zahl
der Fehltage nicht nach oben schnellt, zeigen Erfahrungen aus Norwegen“, sagte Doktor Herrmann. In Norwegen gebe es schon Pläne für viel
längere Selbstkrankschreibungszeiträume.
Seiten 9 und 11
HAMBURG WÄHLT
Schafft es Scholz allein?
Rund 1,3 Millionen Bürger in Hamburg entscheiden heute über die Zukunft der einzigen SPD-Alleinregierung auf Landesebene. Falls Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) die absolute Mehrheit verpasst, will er mit den Grünen koalieren. Mit Spannung wird das Abschneiden von FDP und AfD erwartet. Beide lagen in den letzten Meinungsumfragen über fünf Prozent. Die SPD schwankte zwischen 42 und 47 Prozent. Der CDU droht ein historisches Tief von unter 20 Prozent, die Grünen
werden zwischen elf und 14 Prozent gehandelt.
Sollten FDP und AfD den Sprung in die Bürgerschaft schaffen, würde die SPD ihre absolute
Mehrheit verlieren. Erstmals dürfen auch 16- und
17-Jährige bei der Wahl ihre Stimme abgeben.
Gabriels Experten planen Teilprivatisierung der Infrastruktur
Seite 7
391,7
Milliarden Euro – das ist die Summe, auf die die
Unternehmensberatung Towers Watson die Pensionsverpflichtungen der 30 Dax-Konzerne beziffert.
Das entspricht einer Steigerung um 29 Prozent im
Jahresverlauf 2014. Das Pensionsvermögen dagegen ist im gleichen Zeitraum nur um acht Prozent
auf 213,5 Milliarden Euro gewachsen. Schuld an der
Entwicklung sind die niedrigen Zinsen.
Seite 37
undeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) holt zum großen wirtschaftspolitischen Schlag aus. Seine
Expertenkommission zur Stärkung
der Investitionen plant eine Teilprivatisierung der deutschen Infrastruktur. Künftig
könnten Privatanleger über einen „Bürgerfonds“
Straßen, Schulen und Brücken mitfinanzieren.
Dies geht aus internen Sitzungsprotokollen, Präsentationen sowie den ersten Kapiteln des Zwischenstandsberichts der Expertenkommission
hervor, die der „Welt am Sonntag“, dem Journalisten-Start-up „Follow the Money“ und dem Recherchebüro CORRECT!V vorliegen.
So plant die Kommission, Fonds aus öffentlichprivaten Partnerschaften (ÖPP) zu schaffen, in denen über Gemeindegrenzen hinweg kommunale
Bauprojekte gebündelt werden. An diesen Fonds
können sich Versicherungen, institutionelle Anleger, aber auch Bürger beteiligen. Die Kommission
will zudem eine Verkehrsinfrastrukturgesellschaft
vorschlagen, die privates Geld für den Bau von
Autobahnen einsammeln soll, heißt es in Kommissionskreisen. Dies deckt sich mit Plänen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU).
„Wir wollen eine staatliche Gesellschaft, die private Finanzierungen in Anspruch nehmen kann. Öffentlich-private Baupartnerschaften sind wirtschaftlicher“, sagte Dobrindt der „Welt am Sonntag“. „Dabei geht es um Projekte in der Größenordnung von 15 Milliarden Euro“, so der Minister.
Allerdings entzündet sich an den Plänen Kritik.
Während die Finanzindustrie auf solche ÖPP-Modelle drängt, halten die Gewerkschaften etwa von
der Idee, privates Kapital in einem „Bürgerfonds“
zu bündeln, ausweislich der Kommissionsproto-
B
kolle nicht viel: „Nutznießer wären Besitzer von
Lebensversicherungen, aber die Zinsen müssten
alle Steuerzahler tragen“, sagte ein Vertreter von
IG Metall. Auch die Opposition übt Kritik: „Das
ist nichts anderes als eine Subvention für die Lebensversicherer durch Umgehung der Schuldenbremse mit überteuerten Zinsen“, schimpft Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. „Da drohen
nun nach den Banken die Versicherer mit Steuergeld gerettet zu werden.“
Auch warnen Kommissionsmitglieder wie Lars
Feld, die Vorschläge nicht zu missbrauchen, um
die Schuldenbremse zu umgehen. „ÖPP dürfen
nicht darauf abzielen, sich an der Schuldenbremse
und an finanzpolitischen Prioritätensetzungen
vorbeizumogeln“, sagte Feld, der auch Mitglied im
Sachverständigenrat der Bundesregierung ist.
Grünen-Verkehrsexperte Hofreiter ist allerdings
skeptisch, ob Gabriel mit ÖPP überhaupt größere
Summen bewegen kann. „Also wenn man es wirklich ernst meint, dann muss man ein Vielfaches
dessen investieren, was die Bundesregierung vorgesehen hat.“ Die Bundesregierung hat kürzlich
ein zehn Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm aufgelegt.
Die Kommission stellt ihren Bericht am 21. April
vor. Gabriel hofft, mit den Vorschlägen private
und öffentliche Investitionen zugleich anzukurbeln. In ÖPP-Projekten will er private und staatliche Investitionen zusammenführen, um neue
Schulden zu vermeiden. Daneben will die Kommission Vorschläge für eine bessere Finanzausstattung der Kommunen und effizientere staatliche Investitionen in Energienetze und digitale Infrastruktur präsentieren. kam/mgr/mka/mp/ply/sal
Seiten 27, 28 und 29
ZIPPERTS WORT ZUM SONNTAG
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Nicht ohne meinen Teerkocher
as Ministerium für Verkehr hat
50.000 Tonnen Paketklebeband
aus China geordert. Die werden
dringend gebraucht, um Deutschlands
marode Infrastruktur wenigstens notdürftig instand zu halten. Für die Schiersteiner Brücke kommt jede Hilfe zu spät,
hier hätte man schon längst die Pfeiler mit Paketklebeband sichern müssen. Jetzt versucht man
verzweifelt, die Risse mit Silikon zu reparieren.
Ostdeutsche Autofahrer beschweren sich schon
seit Jahren über den schlechten Zustand der westdeutschen Straßen. Viele sind auch deshalb noch
nie im Westen gewesen, weil sie sich nicht ihr Auto ruinieren wollen. Sollte die Maut jemals eingeführt werden, wird es kaum noch Straßen geben,
vanlaack.com
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0800/951 5000; E-Mail: digital@welt.de
für die man Gebühren verlangen könnte.
Ab 2017 dürfen Lkw keine Brücken mehr
benutzen, Pkw nur an ungeraden Tagen.
Jeder Autofahrer ist verpflichtet, auf längeren Fahrten einen Teerkocher mitzunehmen, um größere Schlaglöcher unterwegs selbst ausbessern zu können. Nicht
nur Straßen und Brücken befinden sich in beklagenswertem Zustand, auch größere Bauprojekte
kommen nicht vom Fleck. In Stuttgart graben sie
seit Jahren und haben noch immer keinen Bahnhof gefunden. Und in Hamburg kann die Elbphilharmonie, die weltweit größte Recycling-Anlage
für Musicalschrott, nicht vor 2030 ihre Arbeit aufnehmen. Bis dahin ist die Bevölkerung an den Musicalemissionen längst zugrunde gegangen.
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© Alle Rechte vorbehalten - Axel Springer SE, Berlin - Jede Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.as-infopool.de/lizenzierung
ISSN 0949 – 7188
WELT AM SONNTAG BERLIN-2015-02-15-swonl-89 e4ec7ef196210fd863c497c1d41f76e3
MONTAGE TOM UECKER FÜR WELT AM SONNTAG; SASHA MORDOVETZ; GETTY IMAGES
Terroranschlag
in Kopenhagen
Ein Täter hat in Kopenhagen eine Veranstaltung über Kunst, Gotteslästerung
und Meinungsfreiheit angegriffen und
Schüsse auf das Kulturhaus abgefeuert.
Ein Mensch starb, mehrere Menschen
wurden verletzt. Zu den Rednern auf der
Veranstaltung gehörte der schwedische
Mohammed-Karikaturist Lars Vilks, 69,
dem laut Polizei der Anschlag gegolten
haben soll. Vilks blieb unverletzt. Dänemarks Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt sagte, alles deute darauf
hin, „dass die Schüsse eine politisch
motivierte Attacke waren und deswegen
ein Akt des Terrorismus sind“.
Seite 4
CHRISTIAN WULFF
Rückkehr auf Raten
Bundestagsvizepräsident Peter Hintze
(CDU) rechnet mit einer Rückkehr des
ehemaligen Bundespräsidenten Christian
Wulff. „Christian Wulff ist voller Lebenskraft und voller Tatendurst.“ Wulff habe
Deutschland bei der Trauerfeier für den
verstorbenen König Abdullah von SaudiArabien würdig vertreten. „Ich kann mir
gut vorstellen, dass man ihn in Zukunft
bei passender Gelegenheit wieder bitten
wird, ähnliche Aufgaben zu übernehmen.“
Seite 6
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Hamburg wählt.
Die Prognosen, die Hochrechnungen, die Analyse
Heute ab 17.55 Uhr
BUNDESLIGA
Debakel für den
HSV in München
Herrlich verrückte Bundesliga. Meister
Bayern feiert gegen einen wehrlosen
HSV ein Schützenfest. Dramatik in
Leverkusen: Wolfsburg gelingt drei
Sekunden vor dem Ende der 5:4-Siegtreffer. Bremen bleibt mit dem fünften
Sieg in Folge das Überraschungsteam
Seiten 22 bis 24
der Rückrunde.
Freitag
Dortmund – Mainz ................................ 4 : 2
Samstag
München – Hamburg ............................. 8 : 0
Leverkusen – Wolfsburg ........................ 4 : 5
Mönchengladbach – Köln ....................... 1 : 0
Hoffenheim – Stuttgart ...........................2 : 1
Bremen – Augsburg ............................... 3 : 2
Frankfurt – Schalke ................................. 1 : 0
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