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Merkblatt Österreich - IHK für München und Oberbayern

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MERKBLATT
International/Beschäftigung
Arbeiten in Österreich
Österreich – unser Nachbarland im Süden und Osten Bayerns ist nicht nur Urlaubsdestination mit Bergen zum Wandern und Skifahren, einer langen Tradition und Geschichte, sondern bietet zusätzliche Möglichkeiten, Geschäftspartner zu finden und
grenzüberschreitende Aufträge zu generieren.
Viele Unternehmen aus Oberbayern wagen in Österreich ihre ersten Schritte in den
Export, denn der Markt hat eine überschaubare Größe und man spricht die gleiche
Sprache. Österreich ist dennoch anders als man denkt, die Fallstricke und Besonderheiten des Marktes sind den wenigsten Unternehmen bekannt.
Im Folgenden haben wir die wichtigsten Punkte zusammengefasst, die bei einer Geschäftstätigkeit in Österreich zu beachten sind. Bei Nichteinhaltung muss im Falle
einer Kontrolle mit behördlicher Verfolgung und einem Bußgeld gerechnet werden.
Bitte beachten Sie, dass es sich um allgemeingültige Informationen handelt. Ob für
Ihre spezifische Tätigkeit in Österreich noch weitere Bestimmungen / Anforderungen
notwendig sind, muss individuell abgestimmt werden. Bitte wenden Sie sich in diesem Fall an die Experten der Außenwirtschaft.
https://www.muenchen.ihk.de/de/international/Laender-undMaerkte/Europa/Ansprechpartner-Europa
1. Meldung beim österreichischen Bundesministerium für Finanzen (ZKOMeldung)
Bei einer Arbeitnehmerentsendung von Deutschland nach Österreich / Erbringung
von Dienstleistungen hat der deutsche entsendende Unternehmer spätestens 1
Woche vor Arbeitsaufnahme bei der "Zentralen Koordinationsstelle für die Kontrolle
der illegalen Beschäftigung" eine Anzeige vorzunehmen.
https://www.bmf.gv.at/betrugsbekaempfung/entsendung-zentralekoordination/entsendemeldungen-zentrale-koordinationsstelle.html
Name des Verfassers:
Bearbeitet am: 06.02.2015
Natalie Tomlinson-Kurz
Tel. 08031 / 2308-130
E-Mail: natalie.tomlinson-kurz@muenchen.ihk.de
IHK-Service: Tel. 089 / 5116-0
Anschrift: Balanstraße 55-59,
81541 München
Philipp Axamit
Tel. 089 / 5116-1492
philipp.axamit@muenchen.ihk.de
Homepage: www.muenchen.ihk.de
Seite 2 von 4
Diese ZKO3 Meldung ist nunmehr ausschließlich elektronisch über folgenden Linkmöglich:
https://www3.formularservice.gv.at/formularserver/user/formular.aspx?pid=cc0245e9
6e3145f28adeacc34a476f8d&pn=B721d3a1bda1e4750953b05caa085a925
Wenn die Entsendung in Österreich falsch angezeigt wird, haftet der Arbeitgeber
für den entsendeten Arbeitnehmer. Die Nichteinhaltung und Nichtübermittlung von
Entsendungen kann in Österreich verwaltungsstrafrechtlich sanktioniert und mit Bußgeldern von bis zu 50 000 Euro geahndet werden (§7i Abs. 4 Ziffer 3 AVRAG).
Auch für ausländische Arbeitnehmer, die in Österreich tätig werden, muss der örtliche österreichische Mindestlohn eingehalten werden.
Für den Fall einer Prüfung durch die österreichischen Behörden muss der Arbeitgeber die entsprechenden Unterlagen zum Nachweis bereit- und vorhalten.
In folgenden Ausnahmefällen liegt keine Entsendung nach Österreich vor:
- bei einer geschäftlichen Besprechungen ohne Erbringung von weiteren
Dienstleistungen
- bei der Teilnahme an Seminaren ohne Erbringung von weiteren Dienstleistungen
- bei Messen und messeähnlichen Veranstaltungen; außer bei der Erbringung
von Vorbereitungs- und Abschlussarbeiten für die Veranstaltung (Auf- und Abbau der Ausstellungeinrichtungen und An- und Ablieferung des Messegutes)
- beim Besuch von und Teilnahme an Kongressen
- bei kulturellen Veranstaltungen, die im Rahmen einer Tournee stattfinden und
bei denen die zu erbringende Arbeitsleistung des Arbeitnehmers zumindest für
einen Großteil der Tournee erfolgt
- bei der Teilnahme und Abwicklung von internationalen Wettkampfveranstaltungen (Internationale Meisterschaften); außer bei der Erbringung von Vorbereitungs- und Abschlussarbeiten für die Veranstaltung (Auf- und Abbau der im
Zusammenhang mit der Veranstaltung stehenden Einrichtungen) sowie Verabreichung von Speisen und Ausschank von Getränken im Rahmen der Veranstaltung. (§7b Abs. 1a AVRAG)
2. Organisation der A1-Bescheinigung (Sozialversicherung)
Grundsätzlich ist eine A1-Bescheinigung für jede vorübergehende Entsendung (ab
dem 1. Tag) in einen Mitgliedsstaat der Europäischen Union, des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) und der Schweiz im Voraus zu beantragen und mitzuführen.
Mit der Bescheinigung A1 wird erklärt, dass während der Dauer der Entsendung des
Arbeitnehmers nach Österreich weiterhin dessen heimisches System der sozialen
Sicherheit anwendbar bleibt und damit österreichisches Sozialversicherungsrecht
wegen des Grundsatzes der Vermeidung von Doppelversicherung ausgeschlossen
ist.
Die A1-Bescheinigung wird auf Antrag des Arbeitnehmers / Selbständigen oder des
Arbeitgebers durch die Krankenkasse, den zuständigen Rentenversicherungsträger
oder der Abteilung Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland
(DVKA) ausgestellt und dem Antragsteller ausgehändigt.
https://www.dvka.de/oeffentlicheSeiten/ArbeitenAusland/Entsendung.htm
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3. Aufzeichnungspflichten von Arbeitgeber und Arbeitnehmer
Ausländische Arbeitgeber sind verpflichtet, die Lohnunterlagen, die zur Ermittlung
des nach österreichischen Rechtsvorschriften gebührenden Entgelts des Entsendeten erforderlich sind in deutscher Sprache bereit zu halten. In der Regel führen die
Mitarbeiter diese während des gesamten Zeitraums der Entsendung am Arbeitsbzw. Einsatzort in Österreich mit.
Als erforderliche Lohnunterlagen gelten neben dem Arbeitsvertrag oder Dienstzettel,
Lohnzettel, Lohnzahlungsnachweise oder Banküberweisungsbelege, Lohnaufzeichnungen, Arbeitszeitaufzeichnungen und Unterlagen, die die Lohneinstufung betreffen.
Jedoch sind die Aufzeichnungspflichten des Arbeitnehmers zum 01.01.2015 vereinfacht worden. Der entsendete Arbeitnehmer muss:
-
-
Bei fixen Arbeitszeiten nur noch die Abweichungen davon festhalten
Bei Mitarbeitern, die Arbeitszeit und –ort weitgehend selbst bestimmen können, reicht es aus, die Dauer der Arbeitszeit aufzuzeichnen (z.B. Montag: acht
Stunden)
Ruhepausen können auch durch Einzelvereinbarungen des Arbeitgebers mit
dem Arbeitnehmer vereinbart werden und dürfen auch länger als 30 Minuten
sein. (bis 31.12.2014 durften die Ruhepausen 30 Minuten nicht überschreiten)
4. Nachweis der Befähigung / reglementierte Gewerbe in Österreich
Die österreichische Gewerbeordnung kennt einerseits Tätigkeiten, für die Unternehmer einen Befähigungsnachweis erbringen müssen, und andererseits solche, für
deren Ausübung kein Befähigungsnachweis erforderlich ist. Befähigungsnachweispflichtige Gewerbe werden reglementierte Gewerbe genannt. Die Tätigkeiten, für deren Ausübung kein Befähigungsnachweis erforderlich ist, bezeichnet man als freie
Gewerbe.
Liste der reglementierten Gewerbe:
http://www.wien.gv.at/wirtschaft/gewerbe/gewerbeverfahren/reglementiert.html
Bei reglementiertem Gewerbe ist eine Anzeige über die Erbringung grenzüberschreitender Dienstleistungen beim Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend
erforderlich. Diese Anzeige ist einmal jährlich zu erneuern, wenn das Unternehmen
beabsichtigt, während des betreffenden Jahres in Österreich Dienstleistungen zu
erbringen. Die jährliche Erneuerung der Anzeige wird in das Dienstleisterregister eingetragen.
http://www.bmwfw.gv.at/Unternehmen/Gewerbe/Seiten/GewerbeausuebungdurchUnt
ernehmenausanderenEUEWR-Staaten.aspx
5. Bei Messen / Verkaufsveranstaltungen etc.: Verkauf von Produkten vor Ort
an Privatpersonen -> Fakturierung mit österreichischer MwSt
Wenn Waren oder Produkte auf österreichischen Messen, Ausstellungen, Märkten
etc. an österreichische Privatkunden verkauft werden, unterliegt dieser Verkauf
der österreichischen Umsatzsteuer. Diese muss an den österreichischen Fiskus
abgeführt werden. Diese Regelung gilt grundsätzlich nur bei Messen/Verkaufsveranstaltungen.
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Bei einem Versandhandel an Privatpersonen nach Österreich gelten andere Vorschriften, da Privatpersonen von der Erwerbsbesteuerung normalerweise ausgeschlossen sind. So gilt zum Beispiel, dass Versendungslieferungen im Ursprungsland, also in Deutschland, besteuert werden, so lange bestimmte Lieferschwellen
nicht überschritten werden.
https://www.muenchen.ihk.de/de/recht/Steuerrecht/Umsatzsteuer/Lieferungen-anPrivatpersonen-im-EU-Binnenmarkt
6. Baugewerbe
Im Baugewerbe sind in Österreich noch einige weitere Regularien zu beachten u.a.
das Urlaubskassenverfahren der Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse
(BUAK), die zwingende Mitführung der Lohnunterlagen, etc. Bitte beachten Sie,
dass im Baugewerbe eine Entsendung in der Regel bereits zum ersten Tag des Tätigkeitsbeginns vorliegt. Für detaillierte Informationen kontaktieren Sie bitte die Ansprechpartner der Handwerkskammer für München und Oberbayern.
http://www.hwk-muenchen.de/ansprechpartner/barbara-nestl74,0,dadetail.html?id=95
7. Messebau
Für den Messebau muss fallspezifisch geprüft werden, wie bei einem Einstieg in Österreich vorzugehen ist. Wenn ein Messestand aufgebaut wird, kommt es darauf an,
wieviel zusammen- bzw. aufgebaut werden muss d.h. ob es unter die Tätigkeit eines
Schreiners oder eines Elektrikers fällt. Beide Berufe fallen in Österreich unter das
reglementierte Gewerbe.
http://www.bmwfw.gv.at/Unternehmen/Gewerbe/Seiten/GewerbeausuebungdurchUnt
ernehmenausanderenEUEWR-Staaten.aspx
Ansprechpartner:
IHK für München und Oberbayern
Natalie Tomlinson-Kurz
https://www.muenchen.ihk.de/de/ihk_gremien/Rosenheim/Rosenheim/IHKGeschaeftsstelle-Rosenheim
IHK für München und Oberbayern
Philipp Axamit
https://www.muenchen.ihk.de/de/international/Anhaenge/Ansprechpartner-der-IHKAussenwirtschaft.pdf
Handwerkskammer für München und Oberbayern
Barbara Nestl
http://www.hwk-muenchen.de/ansprechpartner/barbara-nestl74,0,dadetail.html?id=95
Ansprechpartner in Österreich:
Deutsche Handelskammer in Österreich,
Beatrix Holzbauer
http://oesterreich.ahk.de/team/recht-und-steuern/
Hinweis: Die Auskünfte sind rechtlich unverbindlich und erheben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.
Eine Haftung wird ausgeschlossen.
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