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"Gewächshäuser, praktisch und schön" von Karla Krieger (Teil 1)

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Gewächshäuser – praktisch und schön
Karla Krieger (Teil 1 von 2)
(Erstveröffentlichung in der Gartenpraxis 10.2014)
Welches Gewächshaus für
welchen Zweck?
Gewächshäuser stellen unfraglich
eine Bereicherung des Gartens dar:
Der Anbau von wärmeliebendem
Gemüse im Sommer und das Überwintern von Kübelpflanzen sind
zwei typische Nutzungen eines
Gewächshauses.
Wenn es um „Glashäuser“ geht,
werden in Büchern und Zeitschriften gerne die historisch
anmutenden Gewächshäuser aus
England präsentiert. Ob der
visuellen Begeisterung treten bei
den Autoren häufig praktische
Erwägungen in den Hintergrund.
Wie heutige Anforderungen an die
Nutzung und Ästhetik verbunden
werden können, soll in dieser und
der nächsten „Gartenpraxis“Ausgabe aufgezeigt werden.
Der erste Teil des Artikels zum
Thema Gewächshaus informiert
über Aspekte der Planung wie
Größe, Standort, Baumaterial und
–form sowie Eindeckung.
Die genaue Kenntnis der
Materialeigenschaften und ihrer
Kennwerte hilft, Angebote richtig
zu beurteilen. In der nächstenAusgabe werden dann konkrete
Hinweise zur Innengestaltung,
Einrichtung und Bepflanzung
gegeben.
Aber auch Spezialkulturen ambitionierter Pflanzensammler finden
hier optimales Klima. Foliengewächshäuser eignen sich für Einsteiger, die erste Erfahrungen
sammeln möchten. Die Überwinterung erfordert in jedem Fall
ein gut gedämmtes Gewächshaus.
Achtet man auf hochwertige
Qualität, kann man sogar das ganze
Jahr hindurch Gemüse und Salat
ernten – und das mit recht
geringen Heizkosten.
Diverse Bauformen
In der Frühzeit des Gewächshausbaus gab es diverse Bauformen für
die Kultur von Wein, Ananas,
Feigen oder anderen Nutz- und
Zierpflanzen. Heute sind
Satteldachhäuser mit senkrechten
Stehwänden üblich. Auch wenn
sich dieser Typ durchgesetzt hat,
gibt es Alternativen dazu – oft aber
mit Einschränkungen bei der
Nutzbarkeit oder deutlich höheren
Baukosten.
~1~
Das Orchideengewächshaus in
meinem Elternhaus war ein
sogenanntes Erdhaus. Die zum Teil
in den Erdboden eingelassenen
Stehwände senken die Heizkosten,
denn Orchideen verlangen auch im
Winter 18-20 °C. Bei runden oder
mehreckigen Gewächshäusern ist
auf konstruktive Stolperfallen, zum
Beispiel bei der Dachlüftung, zu
achten. Modelle mit geneigten
Außenwänden schränken den
Nutzraum erheblich ein.
Ein Solarhaus ist asymmetrisch
konstruiert: Eine große, nach
Süden weisende Dachfläche bringt
hohen Lichteinfall. Die Rückwand
kann auch gemauert sein und dann
als Wärmespeicher dienen.
Ein Anlehngewächshaus, also ein
„halbes“ Gewächshaus, angebaut
an ein Gebäude, spart Energie- und
Anschaffungskosten und ist
durchaus eine überlegenswerte
Alternative.
Baumaterial und Konstruktion
Gewächshäuser werden durch
Wind, Regen, Sturm, Hagel,
Schneelast und UV-Strahlung
beansprucht. Möchte man dem
etwas entgegensetzen, kommt in
der Regel nur ein Material in Frage:
Aluminium. Es ist leicht, stabil,
korrosionsfest und sehr langlebig.
Stahl wird im Erwerbsgartenbau in
Häusern mit großen Spannweiten
verwendet, bietet im Hobbybereich aber Nachteile: Stahl ist
dreimal schwerer als Aluminium.
Die Nutzung der Profile zum
Anbringen von Hängeborden oder
Ähnlichem ist stark eingeschränkt,
da die Feuerverzinkung nicht
beschädigt werden darf.
Holzgewächshäuser sind etwas für
Liebhaber, die sich vor regelmäßigen Pflegearbeiten nicht
scheuen. Hersteller, die dieses
„historische“ Material für neue
Gewächshäuser anbieten,
verwenden heute vor allem die aus
Nordamerika stammende Thuja
plictata (Western Red Cedar). Das
relativ leichte, gut pilzresistente
und harzfreie Holz ist langjährig
witterungsstabil, sollte aber
trotzdem regelmäßig mit pigmentierten Lasuren behandelt werden.
Gewächshäuser müssen stabil sein.
Außer dem Eigengewicht wirken
weitere Lasten: Hängeborde
müssen Aussaatkisten oder
schwere Töpfe tragen. Auch die
Schneelast kann erheblich sein.
Stabilität zeigt sich in den unterschiedlichen Profilquerschnitten
und in Details der Verarbeitung.
Für die Dachneigung gilt: Bei einem
zu steilen Dach entweicht Wärme
ungenutzt durch den hohen First.
Ein zu flaches Dach leidet unter
Schneelast. Während außen der
Staub durch den Regen nicht mehr
abgewaschen wird, fließt Kondenswasser innen schlecht zu den
Seiten ab und tropft auf die
Pflanzen. Neigungen zwischen 15
Grad (Anlehnend) und 30 Grad
(Freistehend) haben sich daher am
besten bewährt.
Ist die Traufe als breite Dachrinne
ausgebildet, kann sie effektiv das
wertvolle Regenwasser auffangen.
Stabile Türen und Fenster gehören
zu einer guten Konstruktion.
Flügeltüren sind meist stabiler als
Schiebetüren und schließen
dichter. Eine Trübreite von
mindestens 80 cm erlaubt das
Befahren mit einer Schubkarre.
Eine Schwelle mit Türanschlag
verhindert undichte Fugen.
Wird ein höherer Sockel gebaut,
wird die Tür entsprechend
abgesenkt.
Über die Unterschiede in der
Ausführung von Gewächshäusern
informiert man sich am besten
immer durch persönlichen Augenschein, denn Katalogabbildungen
spiegeln nicht immer die tatsächliche Ausführungsqualität wider.
~2~
Be- und Entlüftung
Der Wert einer funktionierenden
Lüftung kann nicht hoch genug
eingeschätzt werden. Schon ab 40
°C sind Wachstums-Stockungen
und Schäden an den Pflanzen
möglich. Etwa 10% der
Außenfläche soll zu öffnen sein.
Die Berechnung erfolgt ohne Tür,
denn der Gewächshausbesitzer ist
nicht immer gleich zur Stelle, um
die Tür bei starker Wärmeentwicklung zu öffnen. Die Fenster
müssen auf das Dach und auf die
Seitenwände verteilt werden. Nur
durch den so entstehenden
Kamineffekt wird warme Luft abund frische Luft zugeführt.
Überprüfen Sie in einem Angebot
also die Anzahl, Größe und Lage
der Fenster. Vergleichen Sie die
Fensterfläche mit der Außenfläche.
Eine gute Hilfe sind automatische
Fensteröffner. Sie arbeiten ohne
Strom und öffnen und schließen
die Fenster je nach Temperatur.
Gute Modelle verfügen über eine
Sturmsicherung.
Eindeckung
Bereits die Römer sollen vor etwa
2000 Jahren „Frühbeete“ genutzt
haben, die sie mit dünn
geschliffenen Steinplatten
abdeckten. Im Mittelalter konnte
eine frühe Ernte zu einer Anklage
wegen Ketzerei führen, da man
gegen den göttlichen Zeitplan
verstieß. Das 19. Jahrhundert
beeindruckte dann mit den
prächtigen Wintergärten ganz aus
Glas.
Die Art der Eindeckung ist ein
entscheidendes Qualitätsmerkmal.
Sie beeinflusst das Pflanzenwohl,
die Nutzungsdauer und die
Energiebilanz. Hier darf also nicht
am falschen Ende gespart werden.
Zwei-Scheiben-Isolierglas (16mm)
wird in den Steh- und
Giebelwänden häufig eingesetzt,
wenn aus optischen Gründen Glas
mit einer völlig freien Durchsicht
gewünscht ist. Der Wärmedämmwert ist ähnlich gut wie bei
Stegdoppelplatten. Es besteht
jedoch keine UV-Durchlässigkeit
und auf Grund der fehlenden
Lichtstreuung eine erhöhte
Verbrennungsgefahr für die
Pflanzen.
Drei Aspekte sind von besonderer
Bedeutung: eine langjährig
garantierte Lichtdurchlässigkeit,
die Haltbarkeit und die Dämmfähigkeit. Diese Eigenschaften sind
abhängig vom Werkstoff und von
der Plattenstärke:
Das Polymethylmethacrylat
(„Acrylglas“ oder „Plexiglas“) weist
gegenüber dem Polycarbonat
(„Macrolon“) in der Pflanzenkultur
deutliche Vorteile auf insbesondere die UV-Durchlässigkeit. Bei
Plexiglas wird eine 30-jährige
Herstellergarantie für die Lichtdurchlässigkeit (rund 90 %)
gewährt. In den Ausführungen
„Alltop“ und „Resist“ sorgen breite
Stegabstände für große Transparenz. Bei „Alltop“ vermindert
eine spezielle Oberflächenausrüstung selbst in den Kammern
Kondenswasser- und Algenbildung.
Die UV-Durchlässigkeit vermeidet
Sonnenbrand nach dem Ausräumen der Pflanzen im Frühjahr,
Farb- und Aromastoffe bilden sich
besser aus und die gesundheitsschädliche Nitratanreicherung im
Gemüse ist geringer. Aus energetischen Gründen ist eine Stärke von
16mm zu empfehlen.
Wird in einem Angebot kein
Material angegeben, unbedingt
nachfragen! Polycarbonat in
Stärken von 6, 8 oder 10 mm lässt
das Gewächshaus preisgünstig
aussehen. Der Wärmeverlust ist
gegenüber den 16-mm-Platten
aber deutlich höher. Dazu kommt
die stärker nachlassende
Lichtdurchlässigkeit.
Stegdoppelplatten (SDP) sind noch
kein Qualitätsmerkmal für sich. Die
Platten sehen sich im Neuzustand
sehr ähnlich, unterscheiden sich
aber in Preis und Qualität je nach
Ausgangsmaterial ganz erheblich.
Qualität hat hier ihren Preis.
Werden die Kosten der PlexiglasStegdoppelplatten aber auf ihre
Nutzungsdauer umgerechnet,
lohnt sich die Entscheidung in
jedem Fall.
Langjährige Erfahrung bescheinigt
den wärmedämmenden 16mm
starken Stegdoppelplatten aus
Plexiglas die besten Eigenschaften.
Es gibt aber auch andere
Materialien.
Einscheibenglas (meist 4 oder
6mm) führt zu etwa dreimal
höheren Heizkosten als 16mm
Stegdoppelplatten. Oft muss eine
zusätzliche Schattierung
Verbrennungen und Überhitzung
verhindern. Das verbliebene Licht
reicht dann nicht mehr aus, um
Gemüse, Kräuter oder Salate
anzubauen. Die Bruchgefahr ist
erheblich, Sicherheitsglas – vor
allem im Dach – ist ein Muss.
~3~
Fundament/Sockel
Ein klassisches Streifenfundament
ist langfristig die beste Lösung.
Zusätzlich gedämmt, hält es die
Wärme im Boden und verhindert
das Eindringen von Wühlmäusen.
Ein Sockel von 10 bis 20cm Höhe
verhindert Spritzwasser und
Verschmutzungen am Fuß der
Verglasung. Auf jeden Fall sollte
dann die Tür abgesenkt werden.
Gestalterisch ansprechend ist auch
ein 50 bis 60cm hoher Sockel aus
schönen Natur- oder Ziegelsteinen.
Dimensionierung
Kleine und niedrige Gewächshäuser sind eng und überhitzen
leicht. Pflanze und Mensch fühlen
sich hier nicht wohl. Ein Gewächshaus sollte ausreichend Raum für
Pflanzbeete, Arbeits- und Abstellflächen und vielleicht noch für
einen kleinen Sitzplatz bieten.
Die Größe hängt natürlich vom
Platz im Garten, von der Nutzung
und vom Budget ab. 5 bis 6 m² sind
als Mindestgröße anzusetzen, 8 bis
12 m² bieten noch bessere
Bedingungen. Einige Anbieter
haben auch Erweiterungsmöglichkeiten im Angebot. Beim
Preisvergleich ist neben der Fläche
auch die Höhe zu berücksichtigen.
Man möchte ja Tomaten, Gurken,
Melonen nicht kappen und auf
Ernte verzichten.
Diese drei Elemente fehlen im
Gewächshaus und der Gärtner
muss sie berücksichtigen, um keine
unerklärlichen Misserfolge zu
erleiden. Er tritt gewissermaßen als
Wettergott auf, erhält aber
Unterstützung durch einige
einfache Hilfsmittel.
Standort
Wenn man das Gewächshaus
möglichst hell, nicht unterhalb von
Bäumen und mit einem gewissen
Abstand zu Hecken und Mauern
aufstellt, kann man nichts falsch
machen. Am Hang schaffen Fundament und Sockel den nötigen
Geländeausgleich. Kurze Wege
vom Wohnhaus erleichtern die
Pflege und Ernte.
Entscheidend ist auch die
Beachtung der Windverhältnisse.
Wind trägt erheblich zum
Energieverlust bei. Gibt es wenig
Platz im Garten, bieten sich unkonventionelle Lösungen an wie
ein Anbau unter einem Balkon,
eine Kombination aus Gewächsund Gerätehaus oder die Überbauung alter Schwimmbäder,
Misten oder des Garagendaches
an.
Technische Grundausstattung
Der Gärtner pflegt seine Pflanzen
im Gewächshaus genau wie im
Freiland. Er gräbt, pflanzt, gießt
und düngt. Doch über einige
Bedürfnisse der Pflanzen denkt der
Freilandgärtner kaum nach, da
diese von der Natur bedient
werden. Der Regen hilft beim
Gießen, der Wind verringert die
Gefahr von Pilzbefall und
ausreichend Sonnenschein ist
zumindest an offenen Plätzen auch
kein Problem.
Gießen: Der Wasserbedarf im
Gewächshaus ist höher. Regenfässer und ein Anschluss an die
Wasserleitung sollten vorhanden
sein. Helfer: ein Bewässerungssystem (ohne Strom).
Lüften: Die Fenster müssen
temperaturabhängig geöffnet und
geschlossen werden. Helfer:
automatische Fensteröffner.
Luftbewegung: Im Gewächshaus
fehlt der natürliche Wind. Befall
durch Pilze und Weiße Fliege sind
typisch. Helfer: ein Luftumwälzer.
Bei geringem Stromverbrauch
leistet er große Dienste in Sachen
Pflanzengesundheit. Die Leistung
wird nach dem Rauminhalt
berechnet. Fenster können das
Gerät nicht ersetzen, denn sie
bleiben ja bei Kälte geschlossen.
Den konkreten Wärmebedarf
erfährt man vom Hersteller. Daraus
ergibt sich der Anschlusswert der
Heizung. Spezielle GewächshausElektroheizungen sind für
Feuchträume geeignet, verfügen
über ein Thermostat und über ein
ausreichend starkes Gebläse, um
die Wärme zu verteilen. Ein
entsprechender Stromanschluss
sollte also immer eingeplant
werden.
Alternativ ist eine GewächshausGasheizung möglich, manchmal
auch der Anschluss an die
Hausheizung.
So finden Sie Ihr
Traumgewächshaus
Ein erster Streifzug durch das
Internet lässt den GewächshausInteressenten meist eher ratlos
zurück. Man sollte sich also Zeit
nehmen, sich ausführlich informieren und dann die favorisierten
Gewächshäuser auch in natura
anschauen. Ganz nebenbei lernt
man dann einiges über die
Besonderheiten des Gärtnerns
unter Glas. Vermeiden sollte man
halbherzige Kompromisse, die aus
Kostengründen resultieren. Dann
sollte man doch lieber noch ein
bisschen sparen und an seinem
Traumgewächshaus planen.
Geduld ist ja bekanntermaßen eine
der besonderen Tugenden eines
Gärtners.
Autoreninfo
Karla Krieger
Büro f. Denkmalpflege &
Gartenkultur,
Thb. der Kuno Krieger GmbH
www.kriegergmbh.de.
Beheizung
Früher säen und pflanzen, länger
ernten, Kübelpflanzen überwintern
– um die erforderliche Mindesttemperatur von 5 bis 8 °C zu
gewährleisten, geht es nicht ganz
ohne Heizung.
Link zur Erstveröffentlichung in der Zeitschrift Gartenpraxis
~4~
Copyright ©: Karla Krieger
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