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Leseprobe 1 - Kratzenberg Verlag

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Arten von Wildschäden
8.1.2.1 Warum verbeißt und schält ein Wildtier
Verbiss
Es gibt mehrere Ursachen, warum ein Wildtier verbeißt. Hauptauslöser ist immer die
Ernährung bzw. ein Ernährungsmangel, der durch verschiedene Sachverhalte hervorgerufen
werden kann. Im Einzelnen können dies sein:
1. Ernährungsbedingte Ursachen (Stoffwechselstörung, Nährstoffbedarf, Flüssigkeitsbedarf,
Nahrungsmangel/Hunger)
2. Störung/Beunruhigung des Wildes ( Jagddruck, Freizeitdruck, Forstwirtschaft)
3. Gestiegene Wilddichte (höhere Fortpflanzungsrate und Biotopkapazität, weniger Prädation,
falsche Bejagung)
4. Revierstrukturelle Ursachen (Neuanpflanzung, neuer Einstand, Lebensraumverlust)
5. Andere Ursachen (Düngung von Forstpflanzen, Witterungsextreme, Baumarten)
Die Ursachen können einzeln oder zusammen wirken. Das heißt, ein eingetretener
Lebensraumverlust wird zwangsläufig auch einen Verlust an Nahrungskapazität nach sich
ziehen. Somit wirken beide Ursachen nacheinander oder nebeneinander versetzt (Abbildung 2
Lebensraumverlust).
Abbildung 2: Zusammenhang zwischen Lebensraumverlust und Verlust an Nahrungskapazität aufgrund
einer Ursache (Lebensraumverlust) mit unterschiedlicher Ausprägung des Ausmaßes für das Wildtier.
(Jens Kratzenberg)
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Möglichkeiten der Wildschadensverhütung
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Möglichkeiten der Wildschadensverhütung
9.1
Grundüberlegungen auf Gefühlsebene
Es gibt unterschiedliche Grundüberlegungen und Ansätze zum Thema Wildschadensverhütung, doch alle haben eines gemeinsam: Sie verfolgen das Ziel, Wildschäden zu mindern bzw.
zu vermeiden. Bestimmte Mechanismen und Grundüberlegungen sind bei der Fragestellung
„Vermeidung Wildschäden“ als grundsätzlich richtig anzuerkennen und allgemein gültig. Am
Beispiel des Schwarzwildes möchte ich dies exemplarisch darstellen.
Ich habe einmal gelesen, dass Schwarzwild als Lebensphilosophie drei Dinge verfolgt. Erstens:
fressen, zweitens: fortpflanzen, drittens: dabei möglichst nicht erschossen zu werden. Dieser
Instinkt des Schwarzwildes hilft uns, auf die richtige Fährte bei der Wildschadensverhütung
zu kommen. Bei allen drei Punkten geht es um das Wohlergehen des Schwarzwildes. Somit
weiß auch ich, welche Faktoren beim Schwarzwild zum Wohlbefinden führen. Damit habe
ich schon eine Möglichkeit gefunden, um die Grundüberlegungen zur Wildschadensverhütung
voranzutreiben. Der Messgrad ist das Wohlergehen, und die Addition und Subtraktion sind
Annehmlichkeit und Unannehmlichkeit. Darauf kommt es an: Wie wird eine Sache/ein Zustand
vom Schwarzwild wahrgenommen – angenehm oder unangenehm?
Um die Lösungsansätze zu finden, muss ich mich in den Wildlebensraum, die Umwelt des
(Schwarz-)Wildes hineindenken. Der Wildlebensraum des Schwarzwildes besteht aus Feld,
Wald, Wiese, Wasser. Die Schäden entstehen vorrangig im Feld und auf der Wiese. Das bedeutet,
dass im Wald und im Wasser keine Schäden entstehen. Da ich weiß, dass das Wohlergehen der
Messgrad ist, ergibt sich folgender grundlegende Gedankengang:
 Wald/Wasser > kein Schaden > Wohlergehen fördern > Annehmlichkeiten schaffen
 Feld/Wiese > viele Schäden > Wohlergehen mindern > Unannehmlichkeiten schaffen
Nun lassen sich mithilfe hegerischer Überlegungen die Möglichkeiten herausfiltern, die
Einfluss auf das Wohlergehen haben: die Maßnahmen mit den größten Annehmlichkeiten
und die Möglichkeiten mit den größten Unannehmlichkeiten. Schlussendlich würden hieraus
die einzelnen Maßnahmen herausgefiltert werden, die den größten Wirkungsgrad (angenehm/
unangenehm) erzielen.
Praktisch bedeutet dies, dass wir Maßnahmen durchführen, die das Schwarzwild an den Wald
und das Wasser binden. Man könnte auch sagen, an den Wald und das Wasser anbinden, damit
ein Loskommen unmöglich wird. Das Schwarzwild muss seinen Lebensraum so sehr lieben
(Wohlergehen), dass es nicht mehr davon lassen kann, wie bei einer Sucht. Fressen, fortpflanzen
und dabei nicht erschossen werden – eine Lebensphilosophie, die im Wald und Wasser möglich
ist. Im Feld und auf der Wiese ist das nicht möglich, denn dort wird das Schwarzwild erlegt.
Daher bleibt es lieber im Wald und Wasser.
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Möglichkeiten der Wildschadensverhütung
Maßnahmen für das Wohlergehen – Annehmlichkeiten (Wald und Wasser)
 Jagdruhe im Wald während der Vegetationszeit (Wohnung)
 Anlage von Dickungen/Einständen (Schlafzimmer, Ruheraum)
 Anlage/Pflege von Suhlen mit Sommernutzung (Badezimmer, Wellnessoase)
 Anlage Wildäsungsflächen – Wildäcker, Wildwiesen (Esszimmer)
 Ablenkungsfütterungen und/oder Wühlacker
Maßnahmen gegen das Wohlergehen – Unannehmlichkeiten (Feld und Wiese)
 Konsequente und starke Bejagung
 Anlage von Elektrozäunen
 Einsatz von Verwitterungsmitteln
 Erzeugung von Lärm
 Einsatz von Scheuchen
 Allgemeine Beunruhigung verursachen (häufiges Pirschen)
Abbildung 3: Wohnung Schwarzwild. Darstellung der Wechselbeziehung zwischen Annehmlichkeit/
Unannehmlichkeit und dem Lebensraum des Schwarzwildes Wald/Feld; veranschaulicht die Auswirkung
auf die Sinneswahrnehmung des Schwarzwildes. (Jens Kratzenberg)
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