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Artikel lesen - Goldmund Quartett

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Vier junge Männer durchreisen die Geschichte
Das deutsche Streichquartett Goldmund interpretierte im Palast von Bibataubín sein ganz
besonderes Programm.
Von eleganter Klassik bis zur bedeutendsten zeitgenössischen Musik. Eine Reise durch drei
Jahrhunderte der Musikgeschichte, präsentiert von vier jungen Deutschen, die in einem
makellosen Schwarz gekleidet sind, was einen Kontrast zum reinen Weiß der Wände des
Bibataubín-Palastes bildet.
Mit einem ziemlich gewagten Programm mit Werken zentraleuropäischer Komponisten
beeindruckte das deutsche Goldmund-Quartett mit seiner Jugend und seiner gleichzeitigen
Reife abends das Publikum im kleinen Spielort des Palastes.
Das Publikum in den zehn gefüllten Reihen ist völlig überrascht von der Änderung der
Programmreihenfolge in letzter Minute. Statt der ursprünglich chronologischen Reihenfolge
- Haydn, Beethoven und dem deutschen zeitgenössischen Komponisten Rihm – schließt das
Konzert mit dem Quartett in C-Moll des deutschen Genies Beethoven. Es scheint, als habe
diese Entscheidung dem Publikum gefallen.
Das Konzert, welches in Kooperation mit dem Goethe-Institut initiiert wurde, fand in einer
sehr intimen Atmosphäre statt und entsprach in stilistischer Hinsicht einem typisch
deutschen Rahmen: klare Farben, viel Licht und ein großzügiger Raum. Die Mitglieder des
Goldmund-Quartetts - Florian Schötz (Violine), Pinchas Adt (Violine), Christoph Vandory
(Violine), und Raphael Paratore (Violoncello) - kennen sich aus der Hochschule in München
und dank ihrer Leidenschaft für Kammermusik gründeten sie 2009 dieses Quartett, welches,
u.a. den ersten Preis des renommierten Gasteig-Wettbewerbs in München gewonnen hat.
Das Konzert wurde mit den vier Sätzen des „Sonnenaufgangsquartetts“ von Franz Joseph
Haydn, einem der Väter des klassischen Streichquartetts, eröffnet. Es war ein eleganter
Wahl des deutschen Quartetts, das dieses klassische Werk auf geniale Art und Weise
umzusetzen wusste, so dass einige Zuhörer zu früh in Applaus ausbrachen und von anderen
mit Pfiffen wieder zur Ruhe angehalten werden mussten.
Mit dem Schluss im wohl klassischsten Akkord, den man in der Musikgeschichte kennt,
beginnt der überraschende Bruch des Programms: Das Quartett Nr. 4 des zeitgenössischen
Komponisten Wolfgang Rihm.
Die erste Geige (Florina Schotz) interpretiert mit exzellenter Technik verschiedenen Soli;
einzig begleitet durch Kopfbewegungen, um den Rhythmus dieser schrillen und
komplizierten Musik nicht zu verlieren.
Das Publikum fängt lediglich beim ersten Satz an zu verzweifeln: geneigte Köpfe, Blicke zur
Decke und zögernde Gesten. 17 Minuten, die das Publikum nutzt, um zu lesen und sich Luft
zuzufächeln. Diesmal gibt es keinen Applaus zwischen den Sätzen.
Und trotzdem erzielen die kontinuierlichen Überschwingungen, Pizzicati, Sforzati und das auf
der höchst möglichen Note gespielte Solo der ersten Geige, dass das Werk innerhalb seiner
Programmlogik so sehr im Sinne eines klassischen Ambiente glänzt, dass nur einige wenige
es vorzogen, frühzeitig den Saal zu verlassen.
Wir bewegen uns fast zwei Jahrhunderte zurück, um den klassischen Erben Haydns, Ludwig
van Beethoven, zu hören – ein Genie, das die klassische Schrift dieses Genres
revolutionierte.
Auch wenn das im Konzert gespielte Stück eines der klassischsten Werke Beethovens ist,
wurde es mit einer unglaublichen Leichtigkeit und großer Koordination von den vier
Musikern interpretiert. Es existiert ein wiederkehrendes Thema, das das Publikum erkennt,
sodass der ein oder andere Zuhörer beginnt, sich zur Musik zu bewegen.
Es entsteht ein Dialog ohne Unterbrechungen in der sehr speziellen Tonart C-Moll, die der
Musikwissenschaftler George Roves folgendermaßen beschreibt: „die Werke, in denen die
Tonart verwendet wird, zeichnen sich bis auf wenige Ausnahmen durch ihre Schönheit und
Bedeutung aus“.
Dieses Werk war nicht weniger eine Ausnahme, wie durch den Applaus im Renaissance-Hof
bestätigt wurde. Wahrscheinlich ist es dem plötzlichen Programmwechsel zu verdanken,
dass das Goldmund-Quartett in Granada einen starken Eindruck hinterlässt.
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