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Handwerk Magazin
03.02.15 11:18
Ausgabe 01/2015 | Sabine Hildebrandt-Woeckel
Finanzierung: Frisches Geld für kleine Betriebe
Weil die Nachfrage so groß ist, hat das Bundeswirtschafts- ministerium das Volumen des
Mezzaninefonds Deutschland jetzt ver​doppelt. Beste Chancen fürs Handwerk, im neuen
Jahr zu investieren.
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Bild: Andreas Simon
Die Finanzierung für die Selbständigkeit steht: 2015
kann die Potsdamer Friseurin Jacqueline Böttcher
starten.
Die Friseurin aus Potsdam, Jacqueline
Böttcher, ist begeistert. „Besser könnte
der Start mit einem eigenen Salon nicht
laufen“, findet die 37-Jährige. Um
Familie und Beruf vereinbaren zu können,
hatte sich die Mutter eines 13-jährigen
Sohnes schon seit ein paar Jahren mit
einem eigenen Stuhl in einem Salon
selbständig gemacht. Jetzt aber hört die
dortige Inhaberin auf – und Böttcher
möchte die Chance nutzen und einen
eigenen Laden eröffnen.
Die optimale Immobilie sucht sie noch –
die Finanzierung steht schon. Auf 13 000
Euro ist der Start in die Selbständigkeit kalkuliert, 10 000 Euro hat sie schon sicher. Sie
bekommt das Geld aus dem Mezzaninefonds Deutschland. Sobald ein Mietvertrag
unterschrieben ist, freut sich Böttcher, ist das Geld auf dem Konto.
Eigenkapital stärken
Für Milos Stefanovic, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank Brandenburg GmbH und somit
auf Finanzierungen im Handwerk spezialisiert, zeigt der Fall Böttcher deutlich, wie wichtig
die Einrichtung des 2013 eingeführten Fonds war. „Frau Böttcher ist ein Musterbeispiel.“
Etwa die Hälfte der deutschen Unternehmen, erläutert er, hat keinen hohen Kreditbedarf,
weder bei der Gründung noch bei späteren Investitionen, „und das ist im Handwerk oft der
Fall“. Dennoch, so Stefanovic, haben es gerade kleine Betriebe schwer, an Geld zu
kommen. Der Grund: Viele Betreibe haben nur eine geringe Eigenkaptalquote und nicht
genügend Sicherheiten.
Genau hier greift der Mikromezzaninefonds Deutschland (MMD). Aufgelegt wurde er vom
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Die Mittel stammen aus dem Europäischen
Sozialfonds ESF und dem ERP-Sondervermögen. Der MMD stellt zwischen 10 000 und 50 000
Euro zur Verfügung, nicht nur für Gründungen wie im Fall Böttcher, sondern auch für
spätere Investitionsvorhaben. Der Fonds gewährt das Geld nicht als Darlehen, sondern als
stille Beteiligung. Dadurch wird der Kredit zwar einerseits teurer als ein normales
Bankdarlehen, denn die Zinsen sind höher. Andererseits bringt Mezzaninekapital aber große
Vorteile. Denn das gewährte Geld muss nicht besichert werden und wird dem Eigenkapital
zugerechnet. Ein Pluspunkt, wenn weiterer Finanzierungsbedarf besteht. Denn je höher die
Eigenkapitalquote ist, umso besser sind die Kreditkonditionen.
Hohe Nachfrage stärkt den Fonds
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Friseurin Böttcher braucht kein weiteres Kapital, sie hat sich wegen der langen Laufzeit von
zehn Jahren und dem späten Rückzahlungsbeginn für Mezzaninekapital entschieden. Die
ersten sieben Jahre zahlt sie nur die Zinsen, vierteljährlich sind dies 210 Euro. Die
Rückzahlung beginnt erst im achten Jahr. „Und bis dahin“, ist sie sich sicher, „läuft der
Laden so gut, dass ich das stemmen kann.“
Dass der Fond gut ankommt, belegen die Zahlen: Gut ein Jahr nach dem Start haben über
700 Unternehmen darauf zugegriffen. Zusammen haben sie rund 30 Millionen Euro erhalten.
Das Wirtschaftsministerium hat deswegen im Herbst beschlossen, das Volumen von 35 auf
70 Millionen Euro zu verdoppeln. Ursprünglich hatte man kalkuliert, dass bis Ende 2015
etwa 1000 Unternehmen Fondsmittel einsetzen werden. Banker Stefanovic geht inzwischen
sogar davon aus, dass es Ende 2015 noch einmal eine Verdoppelung geben wird.
Keine Mitsprache für Kapitalgeber
Die Nachfrage kommt aus allen Wirtschaftszweigen – auch aus dem Handwerk, wie
Stefanovic betont. Zufrieden ist er noch nicht, denn der Bedarf dürfte im
kleinstrukturierten Handwerk größer sein. Das Problem: Viele Betriebsinhaber haben Angst,
durch eine Beteiligung an Einflussnahme zu verlieren. Eine überflüssige Scheu, denn bei
Mezzaninebeteiligungen bekommt der Kapitalgeber weder Stimmrechte, noch mischt er sich
ins Tagesgeschäft ein.
Wie genau der zukünftige Salon von Jacqueline Böttcher aussehen wird, entscheidet die
Jungunternehmerin alleine. Noch laufen für sie die Planungen auf Hochtouren.
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