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Die Meisterhand ist wieder anerkannt

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Mittwoch, 4. FEBRUAR 2015 • WWW.WIRTSCHAFTSBLATT.AT
orarlberg
ÖSTERREICHS ZEITUNG FÜR WIRTSCHAF T UND
FINANZEN - REGIONALAUSGABE
◆ Bürokratie Das Land will Kommission für Extremfälle einrichten. 2 ◆ Teppiche Tisca belebt alten Standort. 11
◆ Landwirtschaft Mehr Qualitätsfleisch gesucht. 12 ◆ Recht Was bei der Mitarbeiterkontrolle erlaubt ist. 28
Die Meisterhand ist wieder anerkannt
Bloomberg
Kunsthandwerk. Selbst Universitäten schreiben nun
vor, dass Diplomarbeiten wieder beim Buchbinder gebunden werden müssen. Die Handwerker freut es. Lukrative Aufträge kommen aus dem Ausland – China
braucht Orgeln, die Schweizer ordern Eheringe vom
Goldschmied. „Viele Leute wollen keine Dekoration
22-24
von der Stange“, sagen Branchenvertreter.
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Retouren an PF 100, 1350 Wien - GZ 13Z039580W - P.b.b. Redaktion: 1030 Wien, Hainburger Straße 33, Tel: 01 60117-0
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THEMA
wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
THEMA
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DEBATTE
Baustelle Bürokratie-Abbau koommt langsam in Bewegung
colourbox.de
Immer mehr Betriebe klagen über die ausufernde
Bürokratie. Die Regulierungen gleichen einem
Mühlstein um den Hals
der Unternehmer. Eine
neue Kommission soll
Erleichterungen bringen.
Vorschriften.
Verwaltung
kostet
Milliarden
VON MARTIN RÜMMELE
Das Wirtschaftsforschungsinstitut hat berechnet, dass sich
in der allgemeinen Hoheitsverwaltung in Österreich eine
theoretische Effizienzreserve
von rund 2,5 Milliarden € ergeben würde. Eine Verringerung der Komplexität von
Rechtsvorschriften und Verwaltungsprozessen brächte
eine weitere Einsparung bis zu
einer halben Milliarde €.
Im jüngsten Ranking des
Weltwirtschaftsforums zur
Wettbewerbsfähigkeit fiel Österreich von Platz 16 auf Platz
21 zurück. Kritisiert wurde Österreich wegen der hohen
Steuersätze und einer ineffizienten Bürokratie.
Gerade am Bau zeigt sich
die Regulierungswut der
Behörden besonders.
I
m Vorarlberger Tourismus
macht derzeit eine besonders skurrile Geschichte
über bürokratischen Wildwuchs die Runde: Ein Ferienhotel wurde nach 20
Jahren an die nächste Generation
übergeben, und damit wurde eine
neue Betriebsanlagengenehmigung nötig. Ein Sachverständiger
der Bezirkshauptmannschaft begutachtete das Haus und verfügte,
dass ein drei Meter vom Gebäude
entfernter Flüssiggastank zu nah
beim Haus sei und versetzt werden müsse. Es sei ein Abstand von
fünf Metern vorgeschrieben.
Also ließ der neue Eigentümer
den Tank umbauen. Bei einer
Nachkontrolle kam ein anderer
Sachverständiger und erklärte
dem verdutzten Hotellier, dass es
gar nicht nötig gewesen wäre, den
Tank zu versetzen; der Abstand
von drei Metern hätte gereicht.
Der Unternehmer forderte daraufhin die Investition von der BH
zurück und blitzte ab. Die Verordnung schreibt eine Entfernung
von „drei bis fünf Metern“ vor.
„Das kann so nicht sein“, ärgert
sich Wirtschaftskammer-Präsident Manfred Rein. Natürlich
brauche es Regelungen, und gerade dort, wo es um Leib und Leben
von Konsumenten oder Mitarbei-
Kritik von Prüfern
tern gehe, müsse das auch streng
gehandhabt werden; sonst aber
müsse man die Gesetze lockerer
auslegen.
Kostentreiber: Bürokratie
Auch Bau-Innungsmeister Franz
Drexel appellierte am Rand der
Vorarlberger Bautage an die Politik, mit einer Entbürokratisierung
ein positives Signal für Bauherren,
Konsumenten und Unternehmer
zu setzen. Die lähmende Bürokratie sei in ganz Österreich ein Problem. Überbordende Vorschriften
und bürokratische Vorschriften
würden sich als Kostentreiber auf
die Preise niederschlagen, kritisierte Drexel.
Auch das Unternehmen Loacker Recycling GmbH in Götzis
kann ein Lied davon singen, wie
Bürokratie bremst. Loacker Recycling will seinen Standort in Götzis zur Konzernzentrale ausbauen, beantragte ein neues Verwaltungsgebäude, eine Bahngleisverlängerung um 50 Meter, neue
Werkstätten, eine Kleinwarenabnahme und ein Palettenhochregallager. Volumen der gesamten Investition: 25 Millionen €.
In mittelbarer Bundesverwaltung erteilten der Landeshauptmann sowie die Abfallwirtschaftsabteilung im Amt der Vorarlberger Landesregierung die entsprechenden Genehmigungen. Sowohl
die Nachbargemeinde Altach als
auch eine Anrainerfamilie legten
Beschwerde gegen den Genehmigungsbescheid ein. Seitdem wurden Gutachten eines Lufthygienikers, Maschinenbau-, Gewässer-
ZAHL
110.000
Regelungen
n In Österreich gelten 110.000
nationale und europäische Regelungen. Beim Arbeitnehmerschutz
sind 1209 Bestimmungen zu beachten. Dazu kommt das Normenwesen: 25.000 Normen gelten derzeit, pro Jahr kommen rund 2000
dazu. Wer bauen will, muss 6000
Regelungen einhalten.
n Rund 1315 € pro Jahr kostet die
Bürokratie jeden Österreicher im
Durchschnitt. Der EU-Durchschnitt
liegt deutlich niedriger, bei 939 €
jährlich.
schutz- und abfalltechnischen
Sachverständigen eingeholt. Und
auch ein medizinisches Gutachten
wurde erstellt. Das alles dauert...
Neun mal geregelt
„Gerade in Bauangelegenheiten
wird versucht, alles bis ins Detail
zu regeln“, sagt Alexander Nußbaumer, Vorstand der Baugruppe
Zima Holding AG. Ihn ärgert, dass
vor allem in jedem Land, in dem
er tätig ist, eigene Baugesetze zu
beachten sind. „Es kann ja nicht
sein, dass etwa ein Bayer anders
wohnen will als ein Tiroler und
der wiederum anders als ein Vorarlberger oder ein Schweizer. Jede
Regionalregierung glaubt, dass sie
schlauer ist als die andere.“ Allein
in der Schweiz habe jeder Kanton
ein eigenes Baugesetz. Nußbau-
mer: „In den USA gibt es über alle Staaten hinweg ein Baugesetz
für 250 Millionen Menschen.“
Die Überregulierung koste die
Wirtschaft Unsummen, sagt der
Bauunternehmer. Wenn das so
weitergehe, sei Bauen bald nicht
mehr leistbar. „Natürlich ist das
komplex. Wie regelt man wichtige
Dinge und wie lässt man Innovationen zu? Am Ende braucht es
mehr Freiräume für die Wirtschaft.“
In Vorarlberg wünscht sich Innungsmeister Drexel, dass die
Baurechtsabteilung der Hochbauabteilung angegliedert wird.
Wenn Juristen und Praktiker aus
der Baubranche zuammenarbeiteten, könne aus einer Mischung
von Theorie und Praxis eine optimale Lösung erarbeitet werden.
Das Land Vorarlberg signalisiert
nun, dass man über die Sorgen der
Unternehmen reden und eine
Kommission einrichten will, die
sich mit Extremfällen wie jenem
des Flüssiggastankes im Hotel
oder bei Loacker beschäftigen
soll.
Wo es um Leib und
Leben geht, braucht
es Regelungen.
MANFRED REIN
PRÄSIDENT
WKV
Auch der Rechnungshof kritisiert laufend die überbordende Bürokratie. Durch eine unzureichende Kooperation, Koordination und Abstimmung
werden Aufgaben parallel von
mehreren Personen wahrgenommen. Es entstehen Ineffizienzen und vermeidbare Kosten, sagen die Prüfer. Eine fehlende Kultur der Kooperationsbereitschaft verhindere
eine aktive Nutzung von Synergie-Potenzialen.
Die Probleme haben auch
mit einem Auseinanderfallen
von Aufgaben-, Ausgabenund Finanzierungsverantwortung und ineffizienten Mischfinanzierungen zu tun, mit
überschneidenden Kompetenzen zwischen den Bundesministerien und Parallelstrukturen in den Landesregierungen,
so der Rechnungshof. [rüm]
vorarlberg@wirtschaftsblatt.at
4|
wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
THEMA
Bauinnung (2), Peroutka π, wikimedia/Böhringer Friedrich
Wir brauchen weniger gesetzliche
Regelungen, und wenn, dann so
aufgesetzt, dass sie einfach umzusetzen sind.
Es kann ja nicht sein, dass ein
Bayer anders wohnen will als ein
Tiroler und der anders als ein
Vorarlberger oder Schweizer.
Überbordende bürokratische
Vorschriften schlagen sich als
Kostentreiber auf die Preise
nieder.
UDO FILZMAIER
ALEXANDER NUSSBAUMER
FRANZ DREXEL
GESCHÄFTSFÜHRER SYSTEM INFORMATIONS ELEKTRONIK
VORSTAND ZIMA HOLDING AG
INNUNGSMEISTER VORARLBERGER BAUWIRTSCHAFT
Wie das genau auszusehen

hat, ist aber noch offen. Und: Regelungen sind auch nur im eigenen Einflussbereich möglich.
110.000 Vorschriften
In Österreich gelten derzeit rund
110.000 nationale und europäische
Vorschriften. Allein im Arbeitnehmerschutzgesetz sind 1209 Be-
stimmungen zu beachten. Eine davon, die längst hätte umgesetzt
werden sollen, ist die Arbeitzeitrichtlinie, die auch Spitalsärzte
betrifft. Die österreichweiten Proteste der Klinikmediziner sind
darauf zurückzuführen, dass die
EU Österreich eine Strafe angedroht hat, weil die Richtlinie über
zehn Jahre nicht umgesetzt worANZEIGE
den war. Ärzte arbeiteten in den
Spitälern weiterhin 72 Stunden in
der Woche statt 48. Für die Spitalsträger war das gut, weil günstiger. Und auch wenn länger gearbeitet worden ist, blickte die
Aufsichtsbehörde nicht selten
weg. Hier war das ein und dieselbe Person wie der Dienstgeber –
die meisten Spitalsgesellschaften
gehören den Ländern direkt. Und
die müssten den Ärzten nun die
Gehaltseinbussen ausgleichen,
die diesen durch weniger Nachtdienste entstehen.
Wettbewerb leidet
„Für Unternehmen sind die Rahmenbedingungen zu verändern,
Baugesetze und Normen gehören
entrümpelt“, sagt Udo Filzmaier,
Geschäftsführer der Elektronikschmiede System Imformations
Elektronik (SIE). Die Auflagen
würden jedes Jahr erhöht „und
machen unsere Wettbewerbsfähigkeit zunichte.“ SIE habe sechs
verschiedene Beauftragte im
Unternehmen, „vom Sicherheitsbeauftragten, Umweltexperten bis
hin zur neu eingeführten Person
zur psychologischen Belastung
am Arbeitsplatz - und den Betriebsarzt nicht zu vergessen.“
Alle diese Punkte seien wichtig
und gut, würden von den Unternehmen auch umgesetzt. Doch
stelle sich die Frage, ob ein Betrieb mit 90 Beschäftigten sich das
leisten kann und muss. Filzmaier:
„Arbeitzeitregelungen und die hohen Lohnnebenkosten haben in
den vergangenen fünf Jahren den
Österreichvorteil gegenüber
Deutschland nicht nur reduziert.
Deutschland ist bei den Lohnstückkosten gleichgezogen, wenn
nicht sogar besser als Österreich.“
Weniger Regelungen und Gesetze sind für Filzmaier ab und zu
mehr. Und das Mehr stehe hier bei
ihm für Arbeitsplätze, sagt der ITUnternehmer.
Den Autor des Artikels erreichen Sie
unter vorarlberg@wirtschaftsblatt.at
In der Landesregierung werden zusätzlich zu Bund und EU eigene
bürokratische Regelungen geschaffen, kritisiert die Wirtschaft.
wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
THEMA
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Auswege. Land und Wirtschaftskammer führen Gespräche
Peroutka π
In Vorarlberg soll bei der Landesregierung eine Kommission eingerichtet werden, die bei bürokratischen Hürden hilft und versucht, diese zu beseitigen. Details
sind noch offen. Leicht wird es
aber nicht, das zeigen schon bundesweite Bemühungen zum Bürokratieabbau. Dort arbeitet die
Deregulierungskommission seit
Anfang Juni. Peter Bußjäger, Leiter des Föderalismus-Instituts,
warnt: „Freilich will die Umsetzung kritisch begleitet sein, damit nicht unter dem Deckmantel
der Entbürokratisierung eine
Zentralisierung stattfindet.“
Eine Entrümpelung von Österreichs Bürokratie muss jedenfalls
das Ziel sein. Gut wäre es, würde
künftig für jede neue Regelung
eine alte abgeschafft, noch besser
wäre es freilich, wenn für jede
neue gleich zwei alte Regelungen
Bürokratie zunehmend Jobs.
Wirtschaftslandesrat Karlheinz
Rüdisser (ÖVP) hat die Initiative
der Unternehmerschaft begrüßt:
„Deregulierung und BürokratieAbbau stehen auch im Arbeitsübereinkommen der Landesregierung.“
gestrichen würden, argumentiert
man bei der Wirtschaftskammer.
Doch wirklich erfolgreich könne
eine solche Kommission nur sein,
wenn sie dem auf Bundesebene
maßlos aufgeblähten Beamtenapparat den Kampf ansagt. Ein
Vergleich über die Grenze zeigt
die Größe des Problems: In den
Schweizer Ministerien arbeiten
2300 Bedienstete, in Österreich
sind es 9000.
Gespräche laufen
Man werde sich intensiv damit
beschäftigen, und es werde eine
Einrichtung geben, bestätigt er.
„Wir brauchen den Input der
Wirtschaft, damit wir handeln
können.“ Auch mit der Tourismuswirtschaft habe man sich
schon geeinigt, dass man sich regelmäßige treffen willl, um unnötig komplizierte, unsinnige
und teure Regelungen aus der
Welt zu schaffen.
[rüm]
Lockerer Umgang
Wirtschaftskammer-/Präsident
Manfred Rein, selbst ehemaliger
Landespolitiker wünscht sich vor
allem eine lockerere Auslegung
der viele Regelungen. „Das Gesetz ist nie messerschaft. Es gibt
sehr wohl Möglichkeiten, Unternehmen hier entgegenzukommen, man muss das nur wollen.“
Gelinge das nicht, gefährde die
Wirtschaftslandesrat KarlHeinz Rüdisser will helfen.
Vorarlberg@wirtschaftsblatt.at
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INTERVIEW
A
m 24. und 25. Februar
gehen die Wirtschaftskammerwahlen in Vorarlberg über die Bühne;
mehr als 19.000 Unternehmer und
Unternehmerinnen sind wahlberechtigt. Wie beim letzten Mal
treten Wirtschaftsbund und Freiheitliche mit einer gemeinsamen
Liste an. Doch die Konkurrenz Grüne, SPÖ, Neos etc. – wächst,
sagt Wirtschaftskammer-Präsident Manfred Rein.
WirtschaftsBlatt: Noch nie traten
so viele Fraktionen bei einer Wirtschaftskammer-Wahl an. Was bedeutet das für die Kammer – zieht
mehr Demokratie oder mehr Parteipolitik ein?
Manfred Rein: Es ist erfreulich,
wenn sich viele Unternehmer in
der Interessensvertretung engagieren und die Vielfalt der Wirtschaft damit zum Ausdruck bringen. Bei der Wahl in die Fachgruppenausschüsse geht es ausschließlich um berufsbezogene Interessenswahrnehmung.
Eine „echte“ WirtschaftskammerWahl hat in Vorarlberg noch nicht
wirklich Tradition. Bis 2005 war
die Vorarlberger Wirtschaft stets
als Einheitsliste der ÖVP, FPÖ
und SPÖ nahestehenden Verbände aufgetreten. Jetzt tritt der ÖVP
Wirtschaftsbund noch gemeinsam mit den Freiheitlichen an,
warum?
Selbstverständlich hat auch in
Vorarlberg immer eine Urwahl
stattgefunden, mit dem Unterschied, dass sich nicht parteipolitische Interessensvertretungen,
sondern Berufskollegen der Wahl
in die Fachgruppenausschüsse
(Innungen, Gremien, Anm.) gestellt haben. Auch diesmal kandidiert die Wahlgemeinschaft „Vorarlberger Wirtschaft“, die ein
Wahlbündnis aus VWB und RFW
ist, aber auch für alle anderen
Unternehmer offen ist.
Wo liegen die Stärken und wo die
Schwächen der Vorarlberger Wirtschaft?
Die Stärken liegen in der Vielzahl der Familienbetriebe, die
durch Generationen unternehmerisches Wissen und innovative
Ideen zum Erfolg geführt haben
und dem Standort Vorarlberg
treu geblieben sind. Eine wesentliche Stärke ist auch die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter
und Mitarbeiterinnen. Die hohe
wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
Lisa Mathis
wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
INTERVIEW
„Brauchen
hier keine
Zockerbanken“
Manfred Rein. Noch nie traten so viele Fraktionen bei den Wirtschaftskammerwahlen an, sagt der Kammerpräsident. Er fordert von der Politik bessere Rahmenbedingungen und will in der Selbstständigenkasse SVA die Mindestbeiträge senken.
VON MARTIN RÜMMELE
Besondere Aufmerksamkeit ist dem
Thema Facharbeitermangel zu widmen.
Exportorientierung sowohl der
Global Players als auch des regionalen Handwerks ist eine weitere
Stärke der Vorarlberger Wirtschaft. Auch ist die geografische
Lage Vorarlbergs im Vierländereck von großem Vorteil; Wirtschaftsbeziehungen zu den benachbarten Regionen sind zum
Teil bereits über Jahrhunderte gewachsen und werden, auf dieser
geschichtlichen Entwicklung aufbauend, auch ständig weiterentwickelt. Schwäche gibt es keine.
Aber besondere Aufmerksamkeit
ist dem Thema Facharbeitermangel zu widmen. Auch aufgrund
der demografischen Entwicklung
wird es eine Herausforderung
sein, den hohen Bedarf an qualifizierten Arbeitnehmern im Land
zu decken. Aus diesem Grund
forcieren wir so stark das Thema
Bildung.
Was sind die Herausforderungen
für die Wirtschaft in den kommenden Jahren?
Wie gerade angesprochen, muss
eben dem Thema Facharbeitermangel große Aufmerksamkeit
gewidmet werden. Was sind weitere Herausforderungen? Die Binnennachfrage muss gestützt werden; erreichbar ist das durch eine
Steuerreform, welche die Bürger
wirklich entlastet. Zudem ist für
investitions- und risikobereite
Unternehmen das erforderliche
Kapital bereitzustellen, ist die
Internationalisierung der Kleinund Mittelbetriebe zu fördern –
man muss diese Unternehmen bei
der Erschließung neuer Märkte
entsprechend unterstützen. Und
generell gilt, dass Forschung und
Entwicklung sowohl im universitären, vor allem aber im unternehmerischen Bereich weiter forciert
werden müssen. Forschung und
Entwicklung sind Grundlage für
Innovationen und damit für erfolgreiches Wirtschaften.
Sie kritisieren auch die überbordende Bürokratie. Wie wollen Sie
der begegnen?
Indem sie abgebaut wird. Für jedermann erkennbare bürokratische Hürden sind ersatzlos zu
streichen. Und ich bin immer dafür eingetreten, dass für jedes
neue Gesetz zwei alte abgeschafft
werden. Gefordert sind alle Ebenen, neben dem Bund also auch
das Land. Zur Absicherung des
Wirtschaftsstandortes und zur
Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft ist es unerlässlich, unnötige
bürokratische Hemmnisse auf
Bundes- und auf Landesebene abzubauen und Regelungen konsequent auf ihre Wirtschaftsfreundlichkeit und Praxistauglichkeit,
speziell auch für die heimischen
Kleinunternehmen, zu hinterfragen. Insgesamt ist es absolut abzulehnen, dass der Bürger in so
vielfältiger Art und Weise bevormundet und damit letztlich entmündigt wird. Dem Menschen
wird keine Eigenverantwortung
mehr zugetraut. Doch wer den
Freiraum immer noch weiter einschränkt, schränkt auch die Innovationsfähigkeit und damit unternehmerisches Denken ein.
Wir wollen eine Zusammenlegung der
Sozialversicherungsträger auf Landesebene.
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Die europäische Wirtschaft befindet sich weiterhin in der Krise. Das
Umfeld für Unternehmen ist
schwierig. Was braucht es, um die
Wirtschaftsflaute abzufangen –
oder müssen wir uns an schwache
Jahre gewöhnen?
Auch in schwierigen Zeiten hat
sich unternehmerischer Optimismus immer wieder durchgesetzt.
Ich halte es auch deswegen für
fahrlässig, eine Wirtschaftsflaute
herbeizuschreiben oder herbeizureden. Gerade der Vorarlberger
Wirtschaft geht es gut, weil sie
eine Realwirtschaft und keine Kapitalwirtschaft ist. Blum produziert Beschläge, unsere Tischler
produzieren Möbel, heimische
und internationale Gäste nehmen
gerne unsere touristischen
Dienstleistungen in Anspruch –
das alles ist Realwirtschaft, nur
um Beispiele zu nennen.
Die Arbeitslosigkeit steigt. Vor allem schlechter qualifizierte Personen finden kaum noch Jobs. Umgekehrt fehlen Facharbeiter. Wie
kann man hier gegensteuern?
Bildung ist unser Schwerpunkt.
Die Wirtschaftskammer hat ein
umfangreiches Zukunftskonzept
zu Aus- und Weiterbildungsfragen
vorgelegt; dieses Bildungspaket
wurde dann von allen Landtagsparteien einstimmig beschlossen.
Wir erwarten uns von den verantwortlichen Politikern jetzt endlich Zukunftsentscheidungen im
Bildungsbereich. Es braucht den
Mut, einen Schritt weiterzugehen
und in Vorarlberg eine Modellregion zuzulassen. Eine solche Modellregion brächte endlich Wettbewerb in die erstarrte Bildungslandschaft, einen Wettbewerb,
von dem Gesellschaft und Wirtschaft profitieren. Ein neuer Weg
muss dringend eingeschlagen
werden – wenn offiziellen Erhebungen zufolge ein Fünftel der
Schulabgänger nicht sinnerfassend lesen kann und auch weitere
Kompetenzen für das spätere Leben nachweislich fehlen, zeigt das
den akuten Handlungsbedarf.
Viele Klein- und Mittelbetriebe
klagen vielleicht nicht direkt über
eine Kreditklemme, aber doch über
eine Zurückhaltung der Banken
gegenüber Unternehmen. Welche
Auswege sind hier denkbar?
Wir brauchen keine Zockerbanken, sondern verlässliche Partner
für unsere heimischen Betrie-
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MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
INTERVIEW
Lisa Mathis
Wirtschaftskammerpräsident Manfred Rein war 13 Jahre Wirtschaftslandesrat und steht seit 2008 an der Spitze der Kammer.
be. Und gerade die heimischen
Regionalbanken waren sich in den
vergangenen Jahren wieder stärker ihrer Verantwortung und Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft und der Wirtschaft bewusst. Das ist auch gut so. Durch
die Stärke unserer Regionalbanken kann man auch in Vorarlberg
keinesfalls von einer Kreditklemme sprechen – aber natürlich ist
auch für diese Banken durch viele
nationale und internationale Reglementierungen, beispielsweise
Basel III, der Spielraum für Risikofinanzierungen heute geringer.
In Zukunft wird man über neue
Finanzierungswege gemeinsam
mit den Banken sprechen müssen.
Stichworte sind hier Crowdfunding und Crowdinvesting – um gerade junge und innovative Unternehmen in ihrer Start-up-Phase zu
unterstützen.
Die Arbeitgeber sind auch in der
Selbstverwaltung der Sozialversicherung verankert. Aktuell flammt
die Debatte über die Zusammenlegung der Gebietskrankenkassen
neu auf. Wie ist Ihre Position?
Unsere Position ist eindeutig:
Wir wollen eine Zusammenlegung der Sozialversicherungsträger auf Landesebene und erwarten uns dadurch Bürokratieabbau,
Kostenersparnisse und damit
mehr Effizienz für die Wirtschaft
und die Versicherten. Was wir
nicht wollen, ist eine völlige Zentralisierung in Wien! Das kostet
erfahrungsgemäß mehr als man
einsparen kann.
Die Wirtschaftskammer steuert
auch die Selbstständigenkasse
SVA. Hier haben zuletzt vor allem
EPU und Kleinunternehmer Verbesserungen gefordert. Wie sehen
Sie das als Kammerpräsident?
Es hat im vergangenen Jahr wesentliche Verbesserungen für die
Klein- und Kleinstunternehmer
gegeben, aufrecht bleibt unsere
Forderung, die Mindestbeitragsgrundlage der SVA-Versicherten
an die Mindestbeitragsgrundlage
der ASVG-Versicherten anzupassen.
Wie sehen Sie die Zukunft der Sozialpartnerschaft?
Die Sozialpartnerschaft hat
sich vielfältig bewährt, und
Arbeitgeber wie Arbeitnehmer
sind gut beraten, auch in Zukunft
den Dialog zu suchen, um gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. Die Sozialpartnerschaft
funktioniert dann besonders gut,
wenn sie in der Öffentlichkeit
gar nicht wahrgenommen wird
– das bedeutet nämlich, dass Lösungen gemeinsam und im Dialog erarbeitet worden sind. Der
soziale Friede und die äußerst
geringen Streiktage in Österreich
stellen der Sozialpartnerschaft
ein gutes Zeugnis aus. Aber natürlich muss man auch hier, wie
in jedem anderen Lebensbereich,
immer wieder nach Verbesserungspotenzial suchen. Sozialpartnerschaftliche Lösungen
sollten aber nicht nur immer österreichweit oder landesweit einheitlich getroffen werden. Besonders wichtig werden in Zukunft die Stärkung und der weitere Ausbau von partnerschaftlichen Vereinbarungen im einzel-
nen Unternehmen sein. So können Arbeitgeber und Arbeitnehmer ihre Bedürfnisse noch besser an die jeweiligen Herausforderungen anpassen. Gerade die
letzte große Krise 2008/2009 hat
gezeigt, dass wir insbesondere
bei der Frage der Kurzarbeit
noch Flexibilisierungsbedarf haben – dieses an sich gute Modell
muss im Bedarfsfall rascher und
flexibler einsetzbar sein.
DIE WAHL
ZUR PERSON
■ Alle Mitglieder einer Fachgruppe wählen ihre Berufsvertreter
(den Fachgruppenausschuss). Aus
der Gesamtzahl der erreichten
Mandate aller Fachgruppen (in Vorarlberg 91 Fachgruppen bzw. Fachvertretungen) errechnet sich die
Anzahl der auf die jeweilige Wählergruppe entfallenden Mitglieder
der Spartenkonferenzen und des
Wirtschaftsparlaments. Das Wirtschaftsparlament wählt dann das
Präsidium und den Präsidenten.
■ Manfred Rein, 67, war von 1995
bis Ende 2008 Landesrat, zuständig für die Bereiche allgemeine
Wirtschaftsangelegenheiten, insbesondere Wirtschafts- und Verkehrspolitik, Wirtschaftsrecht,
insbesondere Gewerbe- und Wasserrecht, Raumplanung und Baurecht, Wohnbauförderung, Verkehrsrecht und Straßenbau. Seit
dem Jahr 2008 ist er Präsident
der Wirtschaftskammer Vorarlberg, seit 1995 Obmann des Wirtschaftsbundes Vorarlberg. Beruflich ist Manfred Rein als Unternehmer im Platten- und Fliesenlegergewerbe tätig. Manfred Rein
ist verheiratet und wohnt in Dornbirn.
■ Von den gesamt 91 Fachgruppen und Fachvertretungen in der
WKV wird in 57 Fachorganisationen mit mehr als einem Wahlvorschlag gewählt.
Den Autor des Artikels erreichen Sie
unter vorarlberg@wirtschaftsblatt.at
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MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
ÜBERBLICK
Vorarlberg
in Zahlen
+ 7,1 %
EXPORT
Vorarlbergs Exporte stiegen im
1. Halbjahr 2014 österreichweit
mit 7,1 Prozent am stärksten. Dahinter folgen Wien mit einem
Plus von 6,6 Prozent und Kärnten mit 4,3 Prozent, so eine Statistik Austria-Erhebung. Auch bei
den Importen liegt Vorarlberg
mit einem Plus von 7,9 Prozent
auf 4,4 Milliarden € an erster
Stelle.
72.700
BETTEN
In der Tourismussaison November 2013 bis Oktober 2014 gab
es in Vorarlberg 5400 Beherbergungsbetriebe und 72.700 Betten. Das entspricht einem leichten Plus von 1,3 Prozent. Die Bettenauslastung im Ländle war allerdings mit einem Rückgang
von zwei Prozent in der Wintersaison und 1,2 Prozent in der
Sommersaison negativ.
Vorarlberg verbuchte im 1. Halbjahr 2014 von allen
Bundesländern die höchsten Export-, aber auch
Importwerte. Das Bettenangebot im Ländle ist zwar
gestiegen, doch die Auslastung war rückläufig.
- 1,8 %
21 %
12.930
IMMO-PREISE
UMSATZSTEIGERUNG
PKW-ZULASSUNGEN
Die Remax-Immobilienprognose rechnet
heuer mit einem Rückgang der Immobiliennachfrage. Dagegen steigt das Angebot
leicht an. Die Immobilienpreise werden
daher um 1,8 Prozent sinken. Preise für
Gewerbeojekte werden nachgeben, Wohnimmobilien hingegen zulegen.
|9
In den drei ersten Quartalen des Vorjahes
lag das Vorarberger Gewerbe und Handwerk über dem österreichischen Durchschnitt, so eine Studie von KMU-Forschung
Austria. Im konsumnahen Bereich verbuchten 21 Prozent der Betriebe einen höheren Umsatz zur Vorjahresperiode.
Pkw-Neuzulassungen in Vorarlberg sind
rückläufig. 2014 wurden 12.930 Personenkraftwagen neu zugelassen. Das ist laut
Statistik-Austria ein Minus von 1,1 Prozent
im Vergleich zu 2013. Österreichweit wurden 303.318 Fahrzeuge angemeldet, das
ist ein Rückgang von 4,9 Prozent.
TRENDS
+5,4 %
Eröffnete Insolvenzen 2014
Veränderung in %
Österreich gesamt
3266
+0,3 %
3275
+13,9 %
+8,6 %
-5,7 %
+4,5 %
-7,6 %
+5,4 %
-16,0 %
'13
'14
+13,7 %
W
NÖ
B
OÖ
S
V
T
St
K
911
960
610 575
131
149
Geschätzte Passiva 2014
Lehrlinge nach Bundesländern 2014
Österreich gesamt
Österreich*
Angaben in Mio. €
184 194
79
90
186 202
526 486
237
199
6255
2899
402 420
W
NÖ
B
OÖ
S
3959 811
589 597
69
128
548 334
118
115
V
T
St
K
73
59
141 123
437 429
321 303
'13
Veränderung zum Vorjahr in %
'14
-4,7 %
7542
-4,1 %
-4,6 %
115.068
-4,9 %
11.490
24.644
-5,2 %
17406
17.693
-4,8 %
8908
*Davon haben 6.475 einen
Ausbildungsplatz in integrativer
Berufsausbildung; Quelle: Lehrlingsstatistik 2014, WKÖ
-4,5 %
-5,1 %
16.737
+1,5 %
2690
-5,2 %
7958
Grafik/Veis
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MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
UNTERNEHMEN
SPIELBERG
Wucher steuert die Formel 1 an
Huber Images
Wucher Helicopter wurde
auch heuer wieder von Red
Bull als Veranstalter des
Formel-1-Rennens in Spielberg mit der Koordination
der Hubschrauberflüge
während des Grand-PrixWochenendes beauftragt.
VON MARTIN RÜMMELE
LUDESCH. Der Auftrag ist prestigeträchtig: Sämtliche Hubschrauberflüge sowie das Groundhandling (Parkierung, Betankung)
werden von Wucher Helicopter
als „Generalunternehmer“ durchgeführt beziehungsweise abgewickelt. „Für uns ist dies ein weiterer Meilenstein in unserer Firmengeschichte“, betont Geschäftsführer Thomas Türtscher.
Bereits im Vorjahr hat Wucher
Spielberg als Helipartner betreut.
Neu werden heuer Personenshuttles sein, die sich jeder Formel 1-Gast kaufen kann. Türtscher: „Wir richten ein Park-andFly-System ein. Gäste können
zehn Kilometer vom Ring entfernt
von der Autobahn abfahren, dort
parken und werden dann zu
einem erschwinglichen Preis aufs
Gelände geflogen und nach dem
Rennen zurück.“ Für Formel
1-VIPs gibt es auch Flüge zu den
umliegenden Hotels sowie zu Ho-
JUNGUNTERNEHMER
PORTRÄT
Auf den
Fitness-Tee
gekommen
Im Sommer macht Wucher vor allem Versorgungsflüge in den Bergen und für Bauarbeiten.
tels nach Graz oder Velden. Wucher übernimmt zudem das
Groundhandling für Fremdhubschrauber.
Potenzial in der Wartung
Das Unternehmen hat 2014 mit 50
Mitarbeitern rund zehn Millionen
€ umgesetzt – „ein leichtes Plus“,
sagt Türtscher. Es verfügt über 13
eigene Hubschrauber und bietet
auch Fremdwartung an. „Wir haben hier Kapazitäten frei und ein
neues Geschäftsfeld entwickelt,
das sehr gut anläuft.“
Das Hauptgeschäft beginnt im
Frühjahr mit der Transportsaison
in den Bergen. Da werden Baustellen für Liftanlagen, Hütten oder
Lawinenverbauungen angeflogen
und Schutzhütten versorgt. „Der
Einsatz eines Hubschraubers ist
oft die idealste und einzige Alternative in Bezug auf Schnelligkeit,
Technik, Sicherheit, Umweltschutz und Kosten. Denn Hubschrauber sind sofort auch in unwegsamem Gelände rasch zur
Stelle“, sagt der Unternehmer. Im
Winter übernimmt Wucher seit
KLAUS. Kaffeetrinker war Marc Walser (27) noch nie, fitnessbegeistert sehrwohl. So wie sein Bruder Thomas (25),
der sich nach dem Wirtschaftsstudium selbstständig machen wollte. Im Oktober 2014 gründeten die beiden die
Firma Vimanos. Über die Website „Healthy
Fitness Nutrition“ bieten sie Fitness-RezepMark und Thote an. Außerdem entwickelte man mit
mas Walser mit
einem deutschen Tee-Großhändler den
ihrem Tee zur Fettverbrennung.
GymTea – eine Mischung von Oolong- und
grünem Tee als Hauptzutaten. Drei Tassen
vor Mahlzeiten und eine vor dem Sport sollen
laut Walser die Fettverbrennung unterstützen. 200 Kilo
Tee zu 19,90 € à 100 Gramm habe man im deutschsprachigen Raum in den letzten zwei Monaten verkauft.
[clp]
Jahren für den ORF Flüge zu Skiübertragungen. Zudem habe man
zwei Hubschrauber in Georgien
für Heli-Skiing im Einsatz.
Türtscher hat erst im Vorjahr
die Geschäftsleitung von Firmenchef Gerhard Huber übernommen. Dieser fungiert weiterhin als
Geschäftsführer der Holding
(Wucher & Huber GmbH), der
Immobilien GmbH und der Heli
Ambulance Team GmbH.
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gymtea
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TEXTIL
Tisca fasst mit Teppich wieder Fuß
Tisca (2)
Nach Umsatz-Einbrüchen
in den 90er-Jahren hat
Teppichhersteller Tisca
die Kehrtwende geschafft.
In die rumänische Produktion wurden vier Millionen
€ investiert, Baupläne gibt
es auch fürs Ländle.
VON CLAUDIA PEINTNER
THÜRINGEN. „Es gibt noch großes Wachstumspotenzial im
Wohnbereich. Ich bin überzeugt,
dass wir den jetzigen Umsatz in
den nächsten fünfzehn Jahren verdreifachen können“, sagt TiscaGeschäftsführer Walter Aigner
zuversichtlich. Der Optimismus
ist in die 1963 gegründete Teppichmanufaktur zurückgekehrt.
Noch in den 90er-Jahren erwirtschaftete der Betrieb mit heute 15
Mitarbeitern in Vorarlberg und
130 in Rumänien umgerechnet
neun Millionen €. In den vergangenen zwei Jahrzehnten habe man
zuerst mehr als 60 Prozent des
Umsatzes verloren, sagt der
Unternehmer. Schuld daran seien
die veränderten Marktstrukturen
gewesen. Die Teppiche wurden
aus China und Indien importiert.
Sortiments-Wechsel
In den vergangenen Jahren hat
Aigner den Betrieb mit Unterstützung der Schweizer Mehrheitseigentümer auf neue Beine gestellt: Es erfolgte ein KollektionsWechsel. Entwicklung, Einkauf
und Vertrieb gehen noch bei Bludenz über die Bühne. Die Spinnerei-Tätigkeiten aber hat Tisca 2012
komplett nach Siebenbürgen verlegt. Es entstehen Einzelanfertigungen von 50 bis 600 cm Breite,
die in Österreich an Kika/Leiner,
Lutz sowie an kleine Raumausstatter geliefert werden.
Rund vier Millionen € flossen
seit 1999 in das siebenbürgische
Werk. Eine weitere Gebäudeinvestition könnte anstehen, sollte
ein Plan aufgehen: „Wir wollen
verschiedene alte Handwebtechniken aus dem Alpenraum wiederbeleben.“ Tisca macht fünf
Weber produzieren im rumänischen Werk aus Schafschurwolle
handgefertigte Teppiche.
Geschäftsführer Walter Aigner
stellte Tisca auf neue Beine.
Millionen € Umsatz, drei Viertel
davon im Ausland. „Wir werden
uns auch in Zukunft auf Märkte
konzentrieren, die leicht erreichbar sind und unsere Produkte kennen“, sagt Aigner. Gemeint sind
Österreich, Deutschland, die Niederlande, die Schweiz, Italien und
Skandinavien.
Teppich als Sozialprojekt
Neben dem Hauptwerk in Heltau,
werden alte Garne auch in zwei
kleineren Webereien – angesiedelt in einem Bauerndorf bzw. in
einem Romadorf – in Handwebtechniken verarbeitet. „Wir beschäftigen dort Frauen, die zuvor
keine Chance hatten, einen Job zu
finden“, sagt Aigner und erwähnt
das Sozialprojekt Elijah von Ruth
Zenkert und Pater Georg Sporschill, mit dem kooperiert wird.
Einen sozialen Gedanken verfolgt man auch bei der geplanten
Revitalisierung des leerstehenden
alten Betriebsareals in seiner Heimatgemeinde. Für rund zwei Millionen € könnte das 2000 Quadratmeter große Gebäude demnächst für Büros, Veranstaltungsräume und Gesundheitseinrichtungen, speziell für Vereine oder
Senioren, umgebaut werden.
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INNOVATION
FLEISCH
Wenn Waren Wege
Rewe wünscht von
wie von selbst finden Bauern mehr Qualität
Rewe Austria
FELDKIRCH/DORNBIRN. Die
Schindler Aufzüge und Fahrtreppen GmbH hat einen neuen Auftrag im Landeskrankenhaus Feldkirch an Land gezogen, namentlich bei der Vorarlberger Spitalsgesellschaft KHBG. Dort erleichtert die Automatisierung von
Transporten den Alltag im Krankenhaus: Schindler sorgt mit nun
dafür, dass die Container nicht
nur horizontal, sondern auch vertikal transportiert werden.
Um Mahlzeiten oder Medikamente rasch zu verteilen,
Schwarzgeschirr abzutransportieren oder andere Waren zu befördern, versendet man Container
mithilfe eines akku-gespeisten
Wagens über die Aufzüge. Selbstfahrende sogenannte Lastaufnahmemittel nehmen Container „huckepack“ und transportieren diese
durchs Spital.
Potenzial bei Neubauten
Die Aufzüge können sowohl von
Personen als auch für FTS-Transporte genutzt werden. Um das rei-
Die Aufzugssteuerung erkennt, wenn
keine Personen im
Lift sind.
MANFRED KIECHL
REGIONLEITER SCHINDLER
bungsfrei zu ermöglichen, kommuniziert das FTS-Leitsystem mit
der Aufzugssteuerung über eigens
vom Steuerungshersteller programmierbare Schnittstellenmodule, über die der Datenaustausch
stattfindet. Die Aufzugssteuerung
erkennt, wenn sich keine Personen im Lift befinden, und gibt
dann der FTS-Leit-stelle die Freigabe zum Warentransport.
Insgesamt wurden sechs derartige Anlagen von Schindler installiert – eine Auftragssumme
gibt das Unternehmen ebenso wie
Umsatzzahlen nicht bekannt.
Das System komme bereits auch
in anderen Spitälern wie etwa in
Klagenfurt zum Einsatz, heißt es.
Potenzial sieht der Aufzugsbauer
vor allem bei Neubauten, da es
dort die Möglichkeit gebe, „die
Gänge mitzugestalten, sprich für
das automatische Zubringersystem breiter zu machen.“
Am 2. Februar ist das 53-köpfige Team der Vorarlberger Geschäftsstelle der Schindler Aufzüge und Fahrtreppen GmbH
nach Dornbirn umgezogen. Der
neue Standort ist aufgrund seiner zentralen Lage im Gewerbegebiet ideal für Kunden und Mitarbeiter, begründet Manfred
Kiechl, Schindler Field Operation Director West, den Wechsel.
Der Aufzughersteller war bisher
im alten Gebäude der Doppelmayr Aufzüge GmbH in Wolfurt
beheimatet.
[rüm]
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Beigestellt
Schindler baute Transportsystem für das LKH Feldkrich.
Geschäftsführer Michael Riedmann ortet Nachfrage nach Qualität.
HOHENEMS. Zweieinhalb Jahre
nach der Gründung der REWE
Austria Fleischwaren GmbH, in
der die drei BILLA Fleisch-Zerlegebetriebe und die beiden efefBetriebe der ADEG zusammengeführt wurden, entwickelt sich der
Angebotsmarkt in Vorarlberg bei
Schweinen rückläufig, bei Rindern und Kälbern stabil. Efef hat-
SCHWERPUNKT
LANDWIRTSCHAFT
te zwei Standorte in Hohenems
und Radstadt in der Steiermark.
Durch die ADEG-Übernahme gelangten auch diese zur REWE.
„Der Bedarf der REWE Austria
Fleischwaren GmbH an Schweinen kann nur zu etwa zehn Prozent aus dem Ländle abgedeckt
werden. Den Rest beziehen wir
vorwiegend aus Oberösterreich
und der Steiermark“, sagt Geschäftsführer Michael Riedmann.
„Bei Rindern unterscheiden wir
zwischen Jungstieren für den Verkauf in den Frischfleischabteilungen der Filialen und Märkte unserer Handelsunternehmen und Kühen für die Rohwurstproduktion.“
Hier liege der Ländle-Anteil bei
rund 75 Prozent. Das vom Unternehmen benötigte Kalbfleisch
stamme sogar zu 95 Prozent aus
Vorarlberg. Der Rest kommt aus
dem übrigen Österreich.
Die Nachfrage nach Fleisch entwickle sich seit einigen Jahren
ziemlich stabil, betont Riedmann.
„Bei den Abgabepreisen sind wir
börsenabhängig, sie schwanken je
nach Situation bei Angebot und
Nachfrage.“
Von den Landwirten wünscht er
sich vor allem in Punkto Fleischqualität beim Kalbfleisch noch Verbesserungen. Riedmann: „Die Vorarlberger Landwirtschaft ist sehr
stark auf die Milchproduktion fokussiert, und somit entsprechen die
angebotenen Kälber oft nicht optimal den Vorstellungen der Konsumenten. Konkret würden wir uns
hier mehr Gleichmäßigkeit bei Farbe und Struktur wünschen.“ Speziell in den Vorarlberger Grenzgebieten zur Schweiz werden hochwertige Produkte stark nachgefragt.
Teure Regelungen
Problematisch ist für Riedmann
die seit vergangenem Dezember
gültige „Lebensmittel-Informations-Verordnung“, die einen erheblichen Mehraufwand verursache. „Die Investition in Auszeichnungsgeräte und die Anschaffung
neuer Etiketten haben die Budgets
stark belastet.“ Dabei gehören die
fleischverarbeitenden Betriebe
schon jetzt zu den am schärfsten
kontrollierten Unternehmen. Die
REWE Austria Fleischwaren
GmbH efef in Hohenems beschäftigt derzeit 105 Mitarbeiter. Detailumsätze von Tochterunternehmen gibt der Mutterkonzern keine
bekannt.
[rüm]
vorarlberg@wirtschaftsblatt.at
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PORTRÄT
„Ich wollte keinen Finanzfonds“
Für Rudolf Öhlinger war
das Alter ein interessanter
Markt. Seine SenecuraPflegeheime sind ihm ein
Anliegen. Er setzt deshalb
auf Qualität und nun auf
einen strategischen Käufer aus Frankreich.
Draper
VON MARTIN RÜMMELE
AM RADAR
A
ls Rudolf Öhlinger vor
18 Jahren das Altenheim in Hohenems als
privater Betreiber
übernahm, betrat er Neuland.
Nicht nur für die Gemeinde, die
sich die Sanierung nicht leisten
konnte, und nicht nur für das
Land Vorarlberg, sondern auch
für sich. Es war das erste Projekt
seiner Pflegeheimgesellschaft Senecura. „Es gab keine Referenzen.
Wir hatten nichts herzuzeigen.“
Sein Partner, der Vorarlberger
Remo Schneider, kannte den damaligen Wirtschaftsstadtrat in
Hohenems. Das half.
Das erste Senecura-Heim von Rudolf Öhlinger wurde vor 18 Jahren
in Vorarlberg errichtet. 54 weitere Einrichtungen folgten.
Vor wenigen Tagen hat Öhlinger seine Senecura an die französische Pflegegruppe Orpea verkauft. Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen.
Denn die Senecura hat heute 55
Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen in Österreich und der
Tschechischen Republik mit 4200
Betten. Das Unternehmen ist damit die Nummer Eins im Pflegeheimbereich in Österreich. Der
neue Eigentümer wiederum hat
520 Pflegeeinrichtungen mit mehr
als 52.000 Betten in Frankreich,
Belgien, Deutschland, Spanien,
Italien und der Schweiz.
Öhlinger war vor der Gründung
der Senecura Geschäftsführer
eines französischen Dienstleistungsunternehmens in Osteuropa,
erzählt er. Als dieses weiter in den
Osten expandieren wollte, entschied sich Öhlinger auszuscheiden – auch aus familiären Gründen. „Dann habe ich überlegt, was
es für Märkte gibt, wo es sich
lohnt, etwas zu machen. Ich habe
an mir gemerkt, dass alle älter
werden und sich damit ein Markt
erschließt“, sagt der heute 64-Jährige, der den Deal mit Orpea vor
allem als Nachfolgeregelung sieht:
„Ich wollte keinen Finanzfonds,
der das nach ein paar Jahren weiterverkauft, sondern einen strategischen Partner, der ein Interesse
am Kerngeschäft hat.“
Interesse an einem Kerngeschäft hat Öhlinger gezeigt, als
sein Lieblingsrestaurant, das Bregenzer Deuringschlößle von Starkoch Heimo Huber, vor einigen
Wochen ins Schlingern geriet.
Huber teilt sich das Haus mit
zwei Immobilienspezialisten und
hält 20 Prozent. Doch für den Betrieb des Hauses fehlte es an Investitionen. Öhlinger willigte ein,
das Schlößle als Privatperson zu
kaufen. „Es wäre überschaubar gewesen, aber wenn ich drei solche
Häuser kaufe, muss man mich besachwaltern“, scherzt er.
Der Deal platzte, weil Hubers
Partner doch nicht verkaufen
wollten. Huber meldete daraufhin
Konkurs an. Wie die Sache weitergeht, ist nun offen.
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NEU IM GESCHÄFT
LG FELDKIRCH
Unternehmensberatung Schabus
Einzelunternehmen, Vogelgsang
17, 6713 Ludesch, FN 427373s.
Inh.: Friedrich Schabus.
Bartle Aberer Holding GesmbH,
Hubstraße 65 c, 6800 Feldkirch,
FN426995i. GF+GS: Bartle Aberer.
Blackworx Einzelunternehmen,
Negrellistraße 52d, 6830 Rankweil, FN 426393z. Inh.: Matthias
Scholze.
EVO Elektroheizung GmbH, Haggen 3 a, 6911 Lochau, FN 427109b.
GF: Werner Burgey. GS: Isabella
Burgey-Meinel.
Hefel Immobilien GesmbH, Wolfurter Straße 15, 6923 Lauterach,
FN 426791i. GF: DI Graziella Hefel,
Wilfried Hefel, Christian Hefel. GS:
Hefel Wohnbau AG.
SW Unternehmensberatung
GmbH, Forachstraße 28, 6850
Dornbirn, FN 427243z. GF+GS:
Mag. Birgit Sonnbichler, Mag. Monika Wohlmuth-Schweizer.
V-MET GmbH, Industriestraße 11,
6832 Sulz, FN 427284i. GF+GS:
Gebhard Lusser. GF: Mag. Pascal
Metzler. GS: Erich Metzler Beteiligungsgesellschaft m.b.H.
MIANREISO OG, Ammianusstr. 1,
6900 Bregenz, FN 426447d. GS:
Mario Alonso Lopez Cerrato, Monika Margarete Berlinger.
ÖSW Österreichische Seniorenwerbung GmbH, Mühletorplatz
4-6, 6800 Feldkirch, FN 426892h.
GF: Mohammadi Akhabach, DI BW
Thorsten Karau. GS: MOACON
Ventures GmbH, Deutsche Seniorenwerbung GmbH.
Arlberg Snowsports Fetz, Perl &
Strobl OG, Nr.80, 6767 Warth, FN
425592x. GS: Marcel Fetz, Michael
Perl, Josef Strobl.
B & S Raumausstattung OG, Lochauerstraße 2, 6912 Hörbranz,
FN 426652f. GS: Philipp Berkmann, Andreas Schlachter.
Bergbahn Lech-Oberlech Beteiligungs GmbH, 6764 Lech Nr. 201,
FN 427091a. GF: DI Michael Manhart, Mag Christoph Pfefferkorn.
GS: Rüfikopf-Seilbahn AG, Klaus
Hoch, Land Vorarlberg.
Winder Armin Einzelunternehmen, Almteilweg 1, 6706 Bürs, FN
427371m. Inh.: Armin Winder.
Hotel Walliserhof GmbH, Gufer
43, 6708 Brand, FN 426194g.
GF+GS: Raimund Meyer.
Musilek GmbH, Fluh 34, 6900
Bregenz, FN 425530f. GF+GS: Dragisa Musilek.
Hedrich & Mittendorfer Immobilien Verwaltung OG, Mittelfeldstr.
16 J, 6850 Dornbirn, FN426792k.
GS: Mag.(FH) Tino Hedrich, Mag.
(FH) Daniel Mittendorfer.
KFZ-Max Moosbrugger GmbH,
Rasis-Bündt 5a, 6890 Lustenau,
FN 426112k. GF: Michael Moosbrugger. GS: Max Moosbrugger.
Winter-Pool Montafon OG, Bergbahnstraße 22, 6780 Schruns, FN
420030t. GS: Silvretta Montafon
Bergbahnen AG, Muttersberg Seilbahn und Gastronomie GmbH &
Co KG, Illwerke Seilbahn-Betriebsgesellschaft mbH, Gargellner
Bergbahnen GmbH & Co KG, Montafoner Kristberg-Bahn Silbertal
Gesellschaft m.b.H.
Kaufmann Liegenschaftsprojekte GmbH, Hinterreuthe 202, 6870
Reuthe, FN 426677t. GF+GS:
Christian Kaufmann. GF: Johannes
Kaufmann. GS: Ing. Anton Kaufmann, Johannes Kaufmann GmbH.
LCS Pipelines GmbH, Industriestraße 8, 6832 Sulz, FN 425950y.
GF: Christoph Ludescher. GF: Mag.
(FH) Joachim Seyr, Kurt Huchler.
GS: LCS Holding GmbH.
einpac GmbH, Riedstraße 1, 6833
Klaus, FN 426579y. GF: Jochen
Schörgenhofer, Alexander Abbrederis. GS: WA Immobilien und Beteiligungs GmbH.
Moosbrugger Mode KG, Walserstr. 55, 6991 Riezlern, FN426472s.
GS: Frank Jochum. KOMM+Prok.:
Andrea Jochum.
Nagel Markus GesmbH, Wallstraße 33 a, 6971 Hard, FN 426581a.
GF+GS: Markus Nagel.
OMA Ost Machinery Austria
GmbH, Wiesenstraße 3a, 6812
Meiningen, FN 426676s. GF: Dietmar Strauss. GS: OML Ost Machinery Limited.
Rhetaca in Tosters Nägele OG,
Straßberg 13a, 6800 Feldkirch,
FN 426891g. GS: Magdalena Nägele, Daniel Nägele.
H4 Liegenschaftsvermietungs
GmbH, Marktplatz 7, 6800 Feldkirch, FN 426576v. GF: Mag. Gerhard Dreher, Martin Schneider.
GS: Salom Privatstiftung, „MONTFORT“-Liegenschaftsvermietungs
GmbH.
Optivac AG Zweigniederlassung
Austria, Dr. Vonbun-Strasse 9a,
6714 Nüziders, FN 426807h. Vors:
Rene Zünd, Liliane Zünd.
Star-Factory
Management
Ges.m.b.H. & Co. KG, Mehrerauerstraße 3, 6900 Bregenz, FN
425226h. GS: Fröstl Management
GmbH. KOMM: Walter Egle.
MobileSounds Lautsprechersysteme GmbH, Arlenweg 9, 6850
Dornbirn, FN 425951z. GF+GS: Michael Mätzler, Markus Höfle.
Alpenhotel Montafon Betriebs
GmbH, Silvrettastraße 175, 6780
Schruns, FN 425758s. GF: Rudolf
Bitschnau. GS: Alpenhotel Montafon GmbH & Co. KG.
IT Service OD Einzelunternehmen, Am Garnmarkt 4, 6840 Götzis, FN 425848y. Inh.: Deniz Özkan.
UNION Select Versicherungsmakler und Vermögensberatung
GmbH, Holzriedstraße 33, 6960
Wolfurt, FN 425593y. GF+GS: Stephan Müller. GS: Michael Miessgang, Josef Mager.
Devich Holzschuherzeugung
GmbH, Ellenbogen 186, 6870 Bezau, FN 425759t. GF: Daniel Devich. GS: Anton Devich.
graf bau.management Einzelunternehmen, Im Buch 6, 6840
Götzis, FN 425761w. Inh.: Hans Rudolf Graf.
W&S Immobilien Vermietungs
OG, Flurstraße 5/T3, 6973 Höchst,
FN 424256g. GS: Wolfgang Moosmann, Sarina Bachmair.
B & E Fashion Handel OG, KasparHagen-Straße 20, 6900 Bregenz,
FN 425178m. GS: Enya Siret,Burcu
Siret.
Lampert & Jussel OG, Neustadt 4,
6800 Feldkirch, FN 426023f. GS:
Christian Lampert, Marco Jussel.
Lonzo Baustoffhandel Einzelunternehmen, Waldstrasse 35,
6973 Höchst, FN 425179p. Inh.:
Dominik Newertal.
PJJ Einzelunternehmen, Gurtiserstrasse 10, 6820 Frastanz, FN
425374a. Inh.: Paul Jürgen Jürgens.
ZADRAtella Einzelunternehmen,
Finkenweg 15, 6850 Dornbirn, FN
425357a. Inh.: Suzana Zadravec.
ELTAG GmbH, Spinnerg. 1, 6850
Dornbirn, FN 425242g GF+GS:
Marc Weibel. GS: Daniela Weibel.
AC Trade Einzelunternehmen,
Mittriedstrasse 54, 6971 Hard, FN
425442a. Inh.: Adem Cetinkaya.
cunabo GmbH, Staudachstraße 2,
6858 Schwarzach, FN 425531g.
GF: Christoph Lenz. GS: 47Grad
Werbeagentur GmbH.
Hotel Walserstube Sabrina Bickel Einzelunternehmen, Haus
Nr.60, 6767 Warth, FN 425467m.
Inh.: Sabrina Bickel.
Nile Tex-Logistics GmbH, MarkusSittikus-Straße 20, 6845 Hohenems, FN 425241f. GF: Kevin Brian
Willi. GS: Nile Clothing AG.
OMICRON Privatstiftung, Oberes
Ried 1, 6833 Klaus, FN 425304y.
Vors: Hansjörg Stadelmann, Mag.
Daniel Aberer, Lukas Aberer.
Wer und Wo IT-Dienstleistungen
GmbH, Hermann-Prey-Straße 7,
6845 Hohenems, FN 424942s.
GF+GS: Josip Hrkac, Thomas Nicolussi.
Arxos Consulting Ges.m.b.H,
Landstraße 5, 6900 Bregenz, FN
425760v. GF+GS: Ing. Roman
Meusburger.
bergraum Vermietungs OG, Höfle 34, 6993 Mittelberg (Kleinwalsertal), FN 425407z. GS: DI Hans
Berktold, Kerstin Berktold.
InnsFüw1 KG, Hofer Straße 19a,
6911 Lochau, FN 425305z. GS: Peter Smoly. KOMM: Lenfort Strategy & Leadership GmbH.
MÖWA Consulting Einzelunternehmen, Schweizerstrasse 30a,
6812 Meiningen, FN 425843s.
Inh.: Walter Mörth.
CLLT Touristik GesmbH, Dielstraße 22, 6773 Vandans, FN 425406y.
GF: Rolf Petersen, Oliver Endlicher. GS: E&P Reisen und Events
GmbH.
s‘Tüble Bereuter KG, Ringstr. 1,
6830 Rankweil, FN 425670k.
KOMM: Rita Bereuter. GS: Helmut
Bereuter.
JANO Trading Einzelunternehmen, Bruderhof 3, 6833 Klaus, FN
425717f. Inh.: Norman Jammernegg.
ZORENSO OG, Im Kirchholz 3/13,
6845 Hohenems, FN 425932x. GS:
Ing. Christian Zortea-Soshko, Alena Zortea-Soshko.
abVentures Zweigniederlassung
Austria, Unterfeld 27, 6923 Lauterach, FN 425730z. Vors: Philip Oliver Bill, Bernd Aerni.
Haus Außerbach Vermietungs
OG, Montafonerstraße 132c, 6793
Gaschurn, FN 424689v. GS: Tamara Wachter, Steven Prehl.
Frank Emberger Einzelunternehmen, Schlossgasse 7, 6850 Dornbirn, FN 425058k. Inh.: DI FH)
Frank Emberger.
Mohren Produktions KG, Dr. Waibelstraße 2, 6850 Dornbirn, FN
423613k. GS: Heinz Huber, Mohrenbrauerei Huber GmbH. KOMM:
Mohrenbrauerei August Huber.
Mohrenbrauerei Vertriebs KG,
Dr.Waibelstraße 2, 6850 Dornbirn,
FN 423612i. GS: Heinz Huber,
Mohrenbrauerei Huber GmbH.
KOMM: Mohrenbrauerei August
Huber.
Gasthaus Sonne Hahn & Laner
OG, Jagdbergstraße 29, 6721 Thüringerberg, FN 424688t. GS: Daniel Hahn, Anna Maria Laner.
Mile‘s Diner OG, Inselstraße 5,
6900 Bregenz, FN 424941p. GS:
Sandra Mitterer, Patricia Mitterer,
Florian Lenhart.
Moosmann Immobilien Vermietungs OG, Bündtenstraße 41,
6973 Höchst, FN 423738w. GS:
Martin Anton Moosmann, Vera
Agathe Moosmann-Reiner.
E R Ö F F N E T E I N S O LV E N Z E N
LG FELDKIRCH
Bauleistungen Neumann GmbH,
Bahnhofstraße 9, 6824 Schlins,
FN401868h. MV: Dr. Stefan Müller, 6700 Bludenz.
(K)
Ludwig Vonier Imbissstube
gerstöbli“, Batloggstraße
6780 Schruns, Einzelfirma.
Mag. Bernd Widerin, 6700
denz.
„Jä95,
MV:
Blu(K)
Mustafa Zengin Kundenvermittlung zu Buchmachern und Wettbüros, Grafenwaldweg 3a, 6833
Klaus, Einzelfirma. MV: Dr. Gerhard Scheidbach, 6800 Feldkirch.
(K)
Amann Einrichtung - Handels
GmbH, Schweizerstraße 37, 6844
Altach, FN232565h. MV: Dr. Mai
Salzmann, 6850 Dornbirn. (SV)
Alexander Egger Gastwirt, Café
Restaurant „s‘Göggle“, Am Steinebach 7, 6850 Dornbirn, Einzelfirma. MV: Dr. Mai Salzmann,
6850 Dornbirn.
(K)
Gernot Lauterer Werkzeug- und
Maschinenbau, Radetzkystrasse
118, 6845 Hohenems, Einzelfirma.
MV: Dr. Mai Salzmann, 6850 Dornbirn.
(K)
Attila Dincer selbstständiger
Trainer und Coach, Kastenlangen
69, 6850 Dornbirn, Einzelfirma.
MV: Dr. Klaus Fischer, 6850 Dornbirn.
(K)
Tafelspitz Gastronomie Gesellschaft m.b.H., Göttschlig 21, 6752
Wald am Arlberg, FN265858v. MV:
Dr. Martin Sam, 6700 Bludenz. (K)
(K) = Konkurs, (SV) = Sanierungsverfahren, (SVE) = Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung. Forderungen können u.a. beim Kreditschutzverband, 1120 Wien, Wagenseilgasse 7, angemeldet werden.
Tel: 050 1870-1000, Fax: 050
1870-99 1000; www.ksv.at
wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
KONJUNKTUR
| 15
UMFRAGE
Die Zukunft bringt ...
Jeden Monat bitten wir Unternehmer und Manager um ihre Einschätzung der Wirtschaftslage. Dieses regionale
Konjunkturbarometer bietet einen unmittelbaren Einblick in die Entwicklung in Ihrem Bundesland.
HANNES
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GESCHÄFTSFÜHRER 1 ZU 1
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GESCHÄFTSFÜHRER
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GESCHÄFTSFÜHRERIN
GESUNDHOTEL
BAD REUTHE
Wie schätzen Sie die
Konjunkturentwicklung
in den nächsten drei
Monaten ein?
Wie wird sich das Geschäft
in Ihrem Unternehmen in
den nächsten drei
Monaten entwickeln?
Suchen Sie aktuell
Mitarbeiter? Wenn ja, für
welche Bereiche werden
sie gesucht?
s Ich gehe von einem leichten
Wachstum von circa ein bis
zwei Prozent aus.
s Wir erwarten eine positive
Geschäftsentwicklung von bis
zu zwei bis drei Prozent gegenüber den Vormonaten.
s Leiter der Arbeitsvorbereitung und Kalkulation, CNCFacharbeiter in Zerspanung
und Werkzeugbau.
s Trotz Reformstau in Österreich sehen wir, dank einem
starken Deutschland, eine
gute Wirtschaftsentwicklung.
s Bei uns sind die Bücher voll,
die Aussicht auf das Jahr
stimmt positiv. Ich rechne mit
einem starken ersten Halbjahr.
s Wir sind ständig auf der Suche nach Fachpersonal, vor allem im Bereich Bau- und Projektleitung. www.ir-gruppe.at
s Positiv, wir streben auch
2015 ein deutliches Wachstum
an.
s Im letzten Quartal konnten
wir Großaufträge abschließen,
die uns in den nächsten zwei
Jahren auslasten werden.
s Ja, wir planen eine
deutliche Erhöhung der
Mitarbeiterzahl. Info:
www.spectra-physics.com
l Prognosen sind derzeit
angesichts der Währungsund Finanzturbulenzen sehr
schwierig.
s Aufgrund eines guten
Weihnachtsgeschäfts gehen
wir von einer positiven
Entwicklung aus.
s Derzeit suchen wir Produktionsmitarbeiter am Standort
Lauterach. Mehr Infos auf
www.pfanner.com
l Durch die Währungsturbulenzen zeigen sich die Märkte
stark verunsichert und neigen
zur Zurückhaltung.
l Die guten Geschäftsbeziehungen in die Schweiz sind
durch die überraschende
Frankenwende getrübt.
s Für die Stiftungsprofessur
des BMVIT suchen wir Professoren-Kandidaten im Bereich
textile Verbundwerkstoffe.
▲ Der starke Franken hat
einige paralysiert. Nach einer
Aufwachphase wird die
Konjunktur wieder gut laufen.
s Wir vertreiben die Marke
Ford in einem fünfmal so großen Gebiet, daher rechne ich
mit substanziellen Zuwächsen.
s In den nächsten sechs
Monaten bauen wir mit der
neuen Marke Ford aus und
suchen Verkäufer.
l Ich denke, es geht weiter
seitwärts.
s Der Frankenkurs wird sich
positiv für uns auswirken. Die
Preise sind für die Gäste sehr
attraktiv.
s Wir besetzen die Leitung
unseres Kosmetiksalons neu
sowie eine Stelle für Physiotherapie und auch Massage.
Darko Todorovic, Gantner, Haberkorn, Lisa Mathis, Grabher Group, Jäger Bau, studio22.at/Marcel Hagen, beigestellt, Auto Gerster, Hotel Bad Reuthe, Beigestellt
16 |
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MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
FORUM
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Februar zu den
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6
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32 %
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seine Stimme ab. 62 Prozent gehen nicht wählen.
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Wer hat Angst vor dem
Schweizer Franken?
D
ie Schweizer haben also den Franken freigegeben und sich
von der Bindung an den Euro verabschiedet. Turbulenzen
an den Finanzmärkten waren die Folge. Und die Rüge von
Rating-Agenturen, dass gerade Österreich und hier vor allem Vorarlberg nun zu leiden hätten, weil die Zahl der Frankenkredite
enorm hoch sei.
Das mag durchaus stimmen, hat aber andere Gründe: Viele Vorarlberger arbeiten als Grenzgänger in der Schweiz und verdienen
Franken. Da fällt für sie das Währungsrisiko weg. Auch viele
Unternehmen haben Tochterfirmen in der Schweiz und profitieren
so von Frankenkrediten. Während man also in Vorarlberg von fast
jedem Punkt über die Grenze in die Schweiz blicken kann, tun sich
Analysten und Rating-Agenturen mit dem Blick von außen recht
schwer.
Was aber bedeutet die Entwicklung der Währungen wirklich?
Das beste Beispiel sind die zahlreichen Einkaufszentren und Möbelhäuser in Vorarlberg. Schon bisher gab es im Vorarlberger
Rheintal die höchste Dichte an Möbelhäusern in Österreich. Kauften noch vor 25 Jahren die Vorarlberger gerne in der Schweiz ein,
ist es seit einigen Jahren umgekehrt. Das wird in jedem Fall zunehmen, es sei denn, die schweizerische Wirtschaft rutscht tatsächlich
in eine Krise.
P
rofitieren wird allerdings in jedem Fall die zuletzt angeschlagene Spitzengastronomie. Fleisch etwa war schon in
den vergangenen Jahren in der Schweiz teuer und wird es
nun noch mehr. Da ist es umgekehrt recht günstig, über die Grenzen nach Vorarlberg zum Essen zu fahren. Ein Blick auf die Nummernschilder der Autos vor den Restaurants reicht, sich Gewissheit zu verschaffen. Und sollte die Schweizer Wirtschaft leiden
und Jobs abbauen – auch jene von Grenzgängern -, so dürfte das
der Vorarlberger Wirtschaft, die unter Facharbeitermangel leidet, auch nicht unbedingt ungelegen
kommen. Schauen wir also mal, was passiert – ohne
in Panik zu verfallen.
Regionale Ansprechpartner in Vorarlberg:
Redaktion: vorarlberg@wirtschaftsblatt.at
Verkauf: Claudia Montoya,
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| 17
ZITAT
Ohne die Neuinvestitionen in die Beschneiung hätten
wir dramatische Einbußen hinnehmen müssen.
Imago Säly
MANUEL BITSCHNAU
Geschäftsführer Montafon Tourismus
ANGESPITZT
Illustration: Michael Riedler
WIRTSCHAFTSBLATT REGIONAL IHR TEAM
Martin Rümmele [rüm]
Der gebürtige Vorarlberger
schreibt über wirtschaftliche
Ereignisse in der Region.
Martina Madner [mad]
Die Arbeitsmarktexpertin
schreibt über Bildung, Karriere
und Unternehmen.
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Der Redakteur leitet das Ressort
Business-Talk in allen WirtschaftsBlatt-Publikationen.
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WirtschaftsBlatt. Berichtet über
relevante Themen für Betriebe.
Melanie Manner [man]
Die Journalistin berichtet über
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Christoph Pridun [chp]
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Events und Unternehmensveranstaltungen in Ihrem Bundesland.
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wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
FAMILIENUNTERNEHMEN
EXPERTENTIPP
ÜBERGABE
Strukturierte
Planung sichert die
Betriebsnachfolge
Unternehmensübergaben, sei es
im Familienkreis oder auch an
Externe, stellen vielfältige Herausforderungen an alle Beteiligte. Dies erfordert eine sorgfältige
und rechtzeitige Nachfolgeplanung. Die in der politischen Diskussion vermehrt vernehmbare
Forderung auf Wiedereinführung der Erbschafts- und Schenkungssteuer verstärkt den zeitlichen Druck, sich mit diesen
Fragen zu befassen.
Ungeachtet dessen sollte am
Beginn eines jeden Übergabeprozesses die Durchführung
einer sorgfältigen Untersuchung
der bestehenden Unternehmenssituation in den Bereichen Finanzen, Steuern, Recht und Geschäftsmodell aus Sicht des
Übergebers stehen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse schaffen mitunter unerwartete und
neue Einblicke in Bestehendes
und schützen vor unliebsamen
Überraschungen.
Häufig ist die Sicherung des
Fortbestandes des Familienunternehmens – oft verbunden
mit dem Wunsch der Altersversorgung des Übergebers – das
vorrangige Ziel einer Unternehmensnachfolge. Stehen keine familieninternen Nachfolger zur
Verfügung, ist auch ein Verkauf
an einen Dritten in Erwägung zu
ziehen. In jedem Fall ist es unerlässlich, eine objektivierte Vorstellung vom Wert des Unternehmens zu bekommen: im Verkaufsfall für die Erzielung eines
angemessenen Preises, in der familiären Nachfolge für die Einordnung der Übergabe als unentgeltlich oder entgeltlich, weil
sich daran unterschiedliche
steuerliche Folgen knüpfen.
Auch für die Ermittlung der Abfindungsansprüche weichender
Erben ist eine Unternehmensbewertung in der Regel unerlässlich. Grundlage und damit unverzichtbarer Bestandteil jeder
Unternehmensbewertung ist die
Aufstellung und Plausibilisierung einer integrierten Unternehmensplanung. Erst die aus
einer sorgfältigen Unternehmensbewertung abgeleiteten Erkenntnisse können Ausgangspunkt für eine strukturierte und
steueroptimierte Nachfolgeplanung wie Rentenvereinbarungen, Kaufpreise, Vermögensaufteilung und Abfindungszahlungen sein. Auch der gewählten
Rechtsform ist große Bedeutung
beizumessen.
„Mein Rat ist,
wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
FAMILIENUNTERNEHMEN
| 19
rechtzeitig zu beginnen“
beigestellt (3)
Der Generationenwechsel
ist eine der größten Herausforderungen für ein
Familienunternehmen.
Beim Vorarlberger Logistiker Gebrüder Weiss lief
der Übergabeprozess über
sieben Jahre hinweg.
VON MARKUS STINGL
Nichts übereilen
Die Vereinbarung von Rentenansprüchen oder die Einräumung von Fruchtgenussrechten
können im Falle der Wiedereinführung einer Erbschaftssteuer
deren Bemessungsgrundlage reduzieren. Für alle mit der Unternehmensübernahme verbundenen Belastungen muss letztlich
der erwartbare Cash Flow nach
Investitionen eine ausreichende
Finanzierbarkeit gewährleisten
– und zusätzlich sollte auch noch
ausreichend Liquidität für die Finanzierung eines angemessenen
Lebensunterhaltes des Nachfolgers verbleiben.
Zu warnen ist jedenfalls vor
einer überhasteten Unternehmensübergabe im Lichte alter
und in Erwartung neuer Steuern.
Ist das Familienunternehmen
ohne sorgfältige Vorbereitung
einmal übertragen, können die
aus einer nachträglichen Änderung der Struktur oder aufgrund
familieninterner Spannungen resultierenden Kosten die ersparten Steuern um ein Vielfaches
übersteigen.
ULF
ZEHETNER
Tax Partner
KPMG
I
n den vergangenen Jahrhunderten war die Betriebsübergabe einfacher,
weil die Vorgänger früher
gestorben sind“, konstatiert Heidi Senger-Weiss
recht sachlich. Sie weiß, wovon
sie spricht: Fast 500 Jahre bevor
sie 1968 mit ihrem Gatten Paul die
Agenden des Vorarlberger Logistikunternehmens übernahm, starteten ihre Vorfahren ein Transportunternehmen: den Mailänder
Boten. 22 Generationen lang ist
die Familie Weiss bereits im Bereich Mobilität und Transport tätig, seit 1823 ausgeflaggt als Gebrüder Weiss.
Ende 2004, nach 36 Jahren in
der operativen Führung, hat sich
das Ehepaar in den Aufsichtsrat
zurückgezogen. „Unser Generationenwechsel war der erste geplante“, sagt Senger-Weiss. Man
habe die Zeichen der Zeit erkannt:
„Wir waren fast zwei Jahrzehnte
immer die Jüngsten in der Branche, plötzlich waren die Ansprechpartner immer öfter
Gleichaltrige. Und wenn sich immer mehr wesentlich Jüngere darunter mischen – dann ist es an
der Zeit!“ Es gehe auch darum, in
Ende 2004 übergab Heidi Sengereiner immer schnelllebigeren Zeit
modern zu bleiben.
Gemischtes Management
„Mein Rat ist, rechtzeitig zu beginnen.“ Bei Gebrüder Weiss hat
der Prozess sieben Jahre gedauert.
Initiiert wurde er 1997 mit einer
Novität: Erstmals in der Unternehmensgeschichte wurde externes Know-how in das Top-Management geholt, die Geschäftsführung von zwei auf vier Personen erweitert. „So konnte sich die
gesamte Organisation daran gewöhnen, dass auch jemand anderer als nur Familienmitglieder
‚dort oben‘ sitzt“, sagt SengerWeiss. „Ab einer gewissen Größe
eines Familienbetriebs finde ich
ein gemischtes Management erstrebenswert.“ Allerdings sollte
zumindest ein Familienmitglied
operativ tätig sein, „sonst ist es
kein echtes Familienunternehmen
mehr“.
Rund fünf Jahre vor dem „Tag
X“, wie ihn Senger-Weiss nennt,
wurden Gespräche mit „der Jugend“ geführt und Aufbau- und
Einarbeitungsprogramme festgelegt. Erfreulicherweise zeigten alle Kinder Interesse am Unterneh-
Weiss das Steuer bei Gebrüder Weiss an die nächste Generation (im Bild rechts mit Vorstandsvorsitzendem Wolfgang Niessner).
men – die finale Entscheidung
über die Nachfolge lag aber beim
Aufsichtsrat. An diesen Prozessen
hatten auch externe Begleiter, ein
Rechtsanwalt und ein Wirtschaftsprüfer, mitgewirkt, „beide Vertrauenspersonen für alle Beteiligten“.
So mancher wird verkaufen müssen, um die
Steuer zu bezahlen.
Nicht mehr aufschiebbar
Vier Jahre vor der Übergabe wurde das gesamte leitende Management darüber informiert. „Dies
hatte auch den Vorteil, dass man
selber nicht mehr nachträglich das
Datum aufschieben kann“, sagt
Senger-Weiss und schmunzelt. Ende 2004 rückten die beiden Söhne
Wolfram und Heinz in die Geschäftsführung. Fazit von SengerWeiss: „Heute, zehn Jahre danach,
können wir sagen, dass wir den
Übergabeprozess gut aufgesetzt
haben und sich das Unternehmen
sehr erfolgreich entwickelt.“
Eine aktuelle Entwicklung ist
ihr ein Dorn im Auge: die Diskussion um die Einführung der Erbschaftssteuer. „Es ist ja schon so
für Familienbetriebe schwierig
genug, geeignete Nachfolger zu
finden und zu motivieren“, ärgert
sie sich. Senger-Weiss fürchtet um
den Fortbestand von Traditions-
HEIDI SENGER-WEISS
AUFSICHTSRATCHEFIN
GEBRÜDER WEISS
Zwei Generationen an einem Tisch (v.l.): Aufsichtsräte Heidi und
Paul mit Vorständen Heinz und Wolfram Senger-Weiss.
unternehmen: „So mancher Nachfolger wird verkaufen müssen, um
die Steuer zu bezahlen. Dann wird
es wohl mehr internationale
Großkonzerne in Österreich geben – mit allen Unsicherheiten bezüglich der Arbeitsplätze.“
Den Autor des Artikels erreichen Sie
unter markus.stingl@wirtschaftsblatt.at
Die Serie „Familienunternehmen“
wird von der WirtschaftsBlatt-Redaktion in völliger Unabhängigkeit
inhaltlich gestaltet und erscheint in
Kooperation mit KPMG.
n
CHRONIK
■ 1330 Die Wizze (Weiss) werden
erstmals in einer Steuerliste des
Stiftes St. Gallen genannt.
■ 1474 wird der Mailänder Bote,
den die Familien Vis (Weiss) und
Spehler betreiben, zur regelmäßigen Einrichtung. 1788 nutzte auch
Dichter Wolfgang von Goethe die
Dienste des Unternehmens.
■ 1823 wird die Spedition Gebrüder Weiss offiziell gegründet.
■ 1969 übernehmen Heidi und
Paul Senger-Weiss die Führung des
Unternehmens. Die beiden sind damals erst 27 Jahre alt.
■ 1997 wird die Geschäftsleitung
erstmals um externe Manager erweitert. Ende 2004 ziehen sich
Heidi und Paul in den Aufsichtsrat
zurück, ihre Söhne Paul und Heinz
rücken in den Vorstand nach. 2011
setzte der Konzern erstmals mehr
als eine Milliarde € um.
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FOKUS
KO M M E R Z I E L L E R T H E M E N S C H W E R P U N K T
FOKUS
wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
FORSCHUNG &
ENTWICKLUNG
Colourbox
Österreichs Forschungsquote
unter den Top-fünf in der EU
Unternehmen tragen mit ihren Investitionen maßgeblich dazu bei, dass die heimische
F&E-Quote weiterhin erfreulich hoch bleibt.
VON CHRISTIAN LENOBLE
R
und 9,3 Mrd. € werden die österreichischen Bruttoinlandsausgaben für
Forschung und experimentelle Entwicklung (F&E)
nach der jüngsten Schätzung von
Statistik Austria im Jahr 2014 betragen. Gegenüber 2013 würden
die Gesamtausgaben somit um
2,7 Prozent höher ausfallen. Ein
positiver Befund, der sich auch
in der heimischen Forschungsquote niederschlägt. Mit 2,88
Prozent Anteil am Bruttoinlandsprodukt hält der Trend des starken Anstiegs in den letzten zwei
Jahrzehnten an. Im EU-Vergleich
liegt Österreich damit hinter
Finnland, Schweden, Dänemark
und Deutschland an fünfter Stelle, vor allen anderen EU-Staaten
und deutlich über dem Durchschnitt der EU-28 von 2,06 Prozent. „Je höher die Forschungsquote, desto höher sind das
Wachstum und die Krisenresis-
tenz“, bringt Wirtschaftsminister
Reinhold Mitterlehner die Bedeutung dieser zentralen Maßzahl für den F&E-Mitteleinsatz
auf den Punkt.
Um das Ziel der Bundesregierung zu erreichen, Österreich in
der Spitzengruppe der innovativsten Forschungsländer Euro-
wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
pas zu führen, bedarf es gemeinsamer Anstrengungen von öffentlichen und privaten Institutionen, Hochschulen und Unternehmen. Insbesondere letztere
leisten einen entscheidenden
Beitrag, um gerade in Krisenzeiten eine gesunde wirtschaftliche
Basis für die Zukunft zu legen.
Mit mehr als vier Mrd. € Forschungsausgaben (knapp 45 Prozent der gesamten Bruttoinlandsausgaben für F&E) ist der Unternehmenssektor nach wie vor der
quantitativ wichtigste volkswirtschaftliche Sektor für die Finanzierung der Forschung in Österreich. Unternehmen, die in Forschung investieren, sorgen für höhere Beschäftigung und machen
Umsatzeinbrüche schneller wett,
lautet unisono der Tenor von Experten. Gemäß dem Ergebnis
einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO), bei der
600 heimische Betriebe befragt
wurden, erhöhen Unternehmen,
die mehr als fünf Prozent ihres
Umsatzes für Forschung und Entwicklung ausgeben, die Zahl ihrer
Beschäftigten im Schnitt um mehr
als vier Prozent pro Jahr.
Besonders deutlich zeigt sich
die Beschäftigungswirkung bei
den Forschungs- und technologieorientierten Start-up-Unternehmen. Hier wird ein Wachstum der
Beschäftigungszahl verzeichnet,
das um jährlich 30 Prozent liegt.
Allgemein gilt für forschungsfreudige Firmen: Umsatzeinbrüche
werden schneller kompensiert
und neue Investitionschancen rascher gefunden, nicht zuletzt aufgrund eines höheren Exportanteils.
Wissenstransfer
Verschiedene Initativen in den
Bundesländeren verdeutlichen
diese Strategie: „Forschung und
Entwicklung ist nicht nur großen
Unternehmen und Forschungseinrichtungen vorbehalten.
Enormes Potenzial liegt vor allem auch in den innovativen klei-
KO M M E R Z I E L L E R T H E M E N S C H W E R P U N K T
nen und mittleren Betrieben“,
bemerkt dazu Sebastian Huber,
Leiter der Abteilung Wirtschaft,
Tourismus und Gemeinden im
Land Salzburg. Mit speziellen
Förderprogrammen des Landes
sowie des Bundes und mit Innovationsberatung durch das ITGInnovationsservice werden
Unternehmen bei der Umsetzung von betrieblichen Innovationsprojekten und beim Einstieg
in F&E-Aktivitäten unterstützt.
„Mit der Förderaktion Trans4Tec
wird beispielsweise den regionalen Betrieben der Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen
und neuesten wissenschaftlichen
Erkenntnissen ermöglicht. Forciert wird dabei der Wissenstransfer vor allem zwischen Salzburger Unternehmen, Forschungseinrichtungen wie Universitäten oder Fachhochschulen
sowie außeruniversitären Einrichtungen“, erläutert Huber.
Forschungsarbeit
Als Beispiel eines Protagonisten
des erfolgreichen Wissenstransfers kann etwa das unabhängige
Forschungsinstitut Salzburg Research dienen. „Wir unterstützen
Unternehmen bei der Entscheidungsfindung nach dem Stand der
Wissenschaft. Unsere Forschungsarbeit kommt jährlich in
rund 80 europäischen und österreichischen Forschungsaufträgen
und gemeinschaftlichen F&E-Projekten zum Einsatz“, so Salzburg
Research Geschäftsführer Siegfried Reich. Der Forschungsschwerpunkt liegt dabei im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT).
Zum Thema Industrial Internet
wird etwa der aktuelle Stand, der
Nutzen und die Möglichkeiten
der österreichischen Instandhaltungsbranche in Bezug auf den
großen Hype „Industrie 4.0“ hin
untersucht. Im Anfang 2015 gestarteten Forschungsvorhaben
„ZentrAAL“ geht es um den Aufbau eine Testregion für AAL-
Forschungspotenzial liegt auch bei innovativen KMU
SEBASTIAN HUBER
ABTEILUNGSLEITER
LAND SALZBURG
Land Salzburg
Technologien in Salzburg. Ziel ist
es, ein erweiterbares Softwaresystem zur Unterstützung des
selbstbestimmten Alterns über
einen längeren Zeitraum zu testen. Beim europäischen Forschungsvorhaben „Confidence“
wurde wiederum zuletzt ein digitales Assistenzsystem für Smartphones entwickelt, das älteren
Menschen mit Demenz dabei helfen soll, den Alltag möglichst
selbständig zu meistern. „Unsere
besonderen Stärken liegen in der
System- und Anwendungskompetenz, mit Fokus auf e-Health, eTourismus, e-Energy und Industrial Internet“, so Reich.
FOKUS
| 21
cklungs- und Prüfzentrum für den
Bau und Betrieb von Untertageanlagen. Zudem soll das Zentrum
als internationales Trainings- und
Seminarzentrum dienen. Seitens
des Bundes werden dafür sechs
Millionen Euro zur Verfügung gestellt. „Das Research@ZaB ist die
European Core Facility für Forschung und Entwicklung im
Untertagebau“, heißt es im Mission Statement der Montanuni
Leoben.
Ziel ist es, Erkenntnisse zu neuen Tunnelbaumethoden oder zur
Verwendung neuer Materialien
ebenso zu bekommen wie Erkenntnisse zu klassischen Infrastruktur-Themen wie Sicherheit
oder Umweltverträglichkeit. „In
einer traditionellen Industrie- und
Bergbau-Region wird HightechForschungsinfrastruktur geschaffen. Hier zeigt sich, dass Forschungspolitik auch Standortpolitik bedeutet“, meint dazu Technologieminister Alois Stöger. Denn
vom ZaB, das Österreichs Rolle als
weltweit führendes Land in Sachen Tunnelbau-Knowhow stärken soll, erhofft sich auch die
Steiermark eine wirtschaftliche
Stärkung. Insbesondere für die Region rund um den steirischen Erzberg sollten vom Zentrum am
Berg regionalpolitische Impulse
gesetzt werden.
Salzburg Research
Schnittstelle
Wie im Sinne der Spitzenforschung ein Schulterschluss zwischen Bund, Land und Universitäten aussehen kann, zeigt auch
das steirische Forschungsprojekt
„Zentrum am Berg“ (ZaB). Errichtet wird als Schnittstelle zwischen
Wissenschaft (Montanuniversität
Leoben) und Wirtschaft ein europäisches Forschungs-, Entwi-
Siegfried Reich, Geschäftsführer
Salzburg Research
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wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
BRANCHENREPORT
wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
BRANCHENREPORT
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beigestellt (2)
KUNSTHANDWERK
Das Individuelle
bekommt einen
höheren Stellenwert
Buchbinder, Goldschmiede, Musikinstrumentebauer üben in Vorarlberg Kunsthandwerk nach jahrhundertealter Tradition aus. Jeder setzt auf sein spezielles Steckenpferd. Die Nachfrage ist stabil – die Branche profitiert von Kunden aus aller Welt.
VON CLAUDIA PEINTNER
E
s ist ein Glücksfall für
Josef Konzett, dass
viele Universitäten
wieder vorschreiben,
Diplom- oder Doktorarbeiten beim Buchbinder binden zu lassen. „Die Bücher aus den Copy Shops lassen
sich schwer blättern“, erklärt der
Buchbinder aus Bludenz. Im
Schnitt bearbeitet er bis zu zehn
Arbeiten am Tag – Aufträge kommen per Internet sogar aus Australien oder Großbritannien.
„Unsere Stärke ist, dass wir sehr
schnell sind“, sagt Konzett, der
den Buchbinderbetrieb mit zwei
Mitarbeitern in dritter Generation
führt. Innerhalb von drei Tagen
wird die gebundene Abschlussarbeit per Paketdienst verschickt.
Das Diplomarbeiten-Geschäft
trägt 70 Prozent des Umsatzes
bei. Den Rest verdient sich der
Handwerker mit dem Binden von
„Kochbüchern aus Omas Zeiten“,
dem Restaurieren alter Bücher
oder anderen Auftragsarbeiten,
auch für Druckerein. Insgesamt
nehme das Geschäft wieder zu,
sagt Konzett. Die größte Herausforderung bleibe allerdings der
Preis. „Wenn wir billiger sein
könnten, hätten wir dreimal so
viel Arbeit.“
In Vorarlberg gibt es rund 207
Kunsthandwerksbetriebe, dazu
zählen laut Wirtschaftskammer
Vorarlberg 23 Gold- und Silberschmiede, 19 Modeschmuckerzeuger, 15 Uhrmacher, 18 Musikinstrumenteerzeuger, drei Buchbinder,
sechs Kartonagewaren- und
Papierwarenerzeuger sowie 124
Erzeuger sonstiger kunstgewerblicher Gegenstände.
Im allgemeinen seien die Firmen gut ausgelastet, sagt der Innungsmeister der Vorarlberger
Kunsthandwerksbetriebe Gerhard
Ritter. „Die Leute wollen keine
Dekoration von der Stange. Das
Individuelle ist wieder gefragt.“
Eheringe für Schweizer
Individuell angefertigten Goldschmuck bekommt man unter anderem beim Feldkircher Goldschmied Manfred Himmer. „Wir
versuchen wieder, mehr eigene
Stücke herzustellen, um uns von
anderen abzuheben“, sagt der
Unternehmer, der die Goldschmiedewerkstatt mit angeschlossenem Juweliersgeschäft in
sechster Generation leitet. Mit
„anderen“ meint er andere Juweliere, aber auch Bekleidungsgeschäfte, die immer häufiger Modeschmuck im Sortiment führen und
den traditionellen Schmuckherstellern Konkurrenz machen.
Das Handwerksgeschäft sei im
Vergleich zu vor zehn Jahren
schwieriger geworden, sagt Himmer. „Die Branche ist im Umbruch. Stahl- und Silberschmuck
sind mittlerweile stark verbreitet“, so der Goldschmied. Da könne man als Handwerker preislich
schwer mithalten.
Arbeit gibt es dennoch genug –
vor allem auch dank der Grenznähe. Beliebt bei Schweizern und
Liechtensteinern sind vor allem
Eheringe, die genauso wie die anderen Schmuckstücke nach jahrhundertealter Technik im Zweimann-Betrieb hergestellt werden.
Wo Himmer noch Potenzial
sieht: Statt dass Konsumenten ihr
angehäuftes Gold wegen Wertverlusts verkaufen, könnten sie es
beim Goldschmied relativ günstig
zu individuellem Schmuck verarbeiten lassen.
Zuverlässigkeit zählt
Zum Vorteil der Grenznähe sagt
Branchenobmann Ritter: Die
Nachbarn aus dem Ausland würden die „Qualität, Zuverlässsigkeit
und Freundlichkeit der Vorarlberger schätzen“. Als gute Verkaufsplattformen erweisen sich
Am Standort
Lauterach fertigt die Frima
Orgelbau Rieger kleine und
große Orgeln
nach traditioneller Handwerkskunst.
ZAHL
5846
Kunsthandwerksbetriebe
■ In ganz Österreich gibt es 5846
Kunsthandwerksbetriebe. In der
Bundesinnung der Kunsthandwerke sind fünf Berufszweige vereint.
Dazu zählen 720 Gold- und Silberschmiede, 453 Uhrmacher, 454
Musikinstrumentenerzeuger, 169
Buchbinder, Kartonagewaren-,
Etui- und Kassettenerzeuger. Eine
stark wachsende Berufsgruppe
stellen die Erzeuger kunstgewerblicher Gegenstände dar. Waren es
vor fünf Jahren noch 1609 Betriebe, so Ende des Vorjahres bereits
3123 Erzeuger.
Meisterprüfung. Mögliche Abschaffung erhitzt die Gemüter
Seit im Dezember 2012 die Fotografenbranche vom Verfassungsgerichtshof zum freien Gewerbe
erklärt wurde, geht bei österreichischen Branchevertretern die
Angst um: Welche Meisterprüfung fällt als Nächstes?
In Deutschland wurde 2004 in
53 von 94 Handwerksberufen die
Meisterprüfung abgeschafft,
unter anderem für Fliesenleger,
Schneider und Kosmetiker. In
Österreich sprechen sich die
Grüne Wirtschaft sowie die Neos
für die Öffnung einiger handwerklicher Gewerbe aus. Ihr Ansatz: Der Markt regle die Qualität
von selbst. Nach einer Erhebung
Recherchen des WirtschaftsBlatts Regional ergeben haben. In
der Wirtschaftskammer will man
von einer Abschaffung des Meisters nichts hören. „Wir sind der
Meinung, dass wir Qualität nur
mit den bestehenden Meisterprüfungen halten können“, sagt Bundesinnungsmeister Hans Joachim
Pinter. Man dürfe den Handwerksmeister nicht mit dem akademischen Titel Bachelor gleichsetzen, denn der Meister stehe
stärker für handwerkliche Qualität. Das sei längst ein wichtiges
Verkaufsargument. [tasp/drw]
im Vorjahr liegt Österreich mit
265 reglementierten Berufen EUweit auf Platz acht vor Deutschland mit 245. Die meisten Reglementierungen gibt es in Polen
(640), die wenigsten in Estland.
Qualität halten
Hinter vorgehaltener Hand ist
bereits davon die Rede, dass einige Meisterprüfungen bald
schon wegfallen könnten. Österreich müsse einer EU-Verordnung entsprechen, heißt es in Gesprächen. Auf EU-Ebene werden
die österreichische Gewerbeordnung und die Meisterprüfungen
derzeit aber nicht diskutiert, wie
Innungsmeister Hans Joachim
Pinter: „Müssen Qualität halten.“
teresa.spari@wirtschaftsblatt.at
24 |
wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
BRANCHENREPORT
beigestellt (2)
Kunsthandwerks- und Adventmärkte – besonders für jene, die
sich der Strickerei, Glasverarbeitungskunst oder Filzarbeit widmen. Die Anzahl der Hersteller
kunstgewerblicher Gegenstände
hat sich in den vergangenen fünf
Jahren auf 124 verdoppelt. Insgesamt arbeiten in der Vorarlberger
Kunsthandwerksbranche mehr als
330 Beschäftigte.
Orgeln höher als ein Haus
Während viele Betriebe kleinstrukturiert sind, gibt es in Vorarlberg auch eine Handvoll Große, wie Rieger Orgelbau. Das
Unternehmen, das seit 1845 besteht, hat heute 58 Mitarbeiter und
liefert seine Instrumente auf alle
Kontinente der Welt.
Am Standort Lauterach werden
in bis zu zwölf Meter hohen Montagehallen große Chororgeln für
den Wiener Stephansdom, den
Wiener Musikverein oder die Pariser Philharmonie handwerklich
gefertigt. Mit genausoviel Engagement werden aber auch kleinere
Instrumente für Dorfkirchen und
dergleichen gebaut, wie Geschäftsführer und Eigentümer
Wendelin Eberle betont.
Bis eine Orgel einsatzbereit ist,
können drei bis vier Jahre vergehen. Der Bau nimmt etwa ein Jahr
in Anspruch, die restliche Zeit
wird für die Planung benötigt. Es
gehe darum, dass ein Instrument
sich sowohl architektonisch als
auch klanglich in einen Raum einfügt, erklärt Eberle. Rieger Orgelbau erwirtschaftet einen Umsatz
zwischen 4,5 und fünf Millionen
€ im Jahr. 70 Prozent werden mit
dem Instrumenten-Neubau erwirtschaftet, 30 Prozent mit Restaurierung.
Aufholbedarf in China
Die Nachfrage ist laut dem gelernten Orgelbauer Eberle stabil, allerdings habe sich das Geschäft in
den vergangenen Jahren verlagert:
„Die kirchlichen Aufträge sind zurückgegangen, die Konzertsaalorgeln haben wieder angezogen“,
sagt der Unternehmer. Während
man in Europa einen gewissen
Sättigungsgrad spüre, sieht er gute Marktchancen in Russland oder
Asien. „In ganz China gibt es 40
Orgeln, etwa genauso viele wie in
Wien“, so Eberle.
Die Autorin des Artikels erreichen Sie
unter claudia.peintner@wirtschaftsblatt.at
Goldschmied Manfred Himmer: „Die Branche leidet darunter, dass Modegeschäfte Schmuck anbieten.“
Nachgefragt. „Für Profis gibt es eine
enorme Wertschätzung“
WirtschaftsBlatt: Sie haben sich
als Trendforscher mit der Zukunft
von Handwerksbetrieben beschäftigt. Wie schätzen Sie die Zukunft
des Kunsthandwerks ein, und was
müssen die Betriebe unternehmen, um erfolgreich zu bleiben?
Thomas Huber: Seit einigen Jahren erleben wir Entwicklungen,
die für das Handwerk sehr positiv
sein können. Der Do-it-yourselfAnsatz – also der Trend, dass die
Menschen immer mehr selbst
herstellen – wirkt auf den ersten
Blick wie neue Konkurrenz. Er
zeigt aber längerfristig, dass es ein
stärkeres Bedürfnis nach handwerklich produzierten Produkten
gibt. Also gibt es plötzlich nicht
nur neue Konkurrenten, sondern
vor allem neue Abnehmer.
Gleichzeitig gibt es eine starke Individualisierungsentwicklung.
Kunden gehen weg von der Massenware. Da kann man gut ansetzen, denn Individualisierung ist
das Wesen des Handwerks.
Dennoch sind viele Kunsthandwerker weniger optimistisch. Die
Zahl ist rückläufig, und die Umsätze stagnieren. Wie kann man
gegensteuern?
Man muss den Weg zum Kunden finden und darf nicht annehmen, dass die Kunden den Weg
finden. Dank Kommunikationsangeboten und Internetplattformen gibt es viele Chancen. Diese
Bei Schmuck handelt es sich um emotionale Produkte.
THOMAS HUBER
ZUKUNFTSFORSCHER
muss man nützen. Denn für Profis gibt es auch hier eine enorme
Wertschätzung. Betriebe müssen
sich deshalb überlegen, wie man
Einblick in die Werkstatt schafft.
Spielt auf Internetplattformen Regionalität eine Rolle?
Die regionale Komponente ist
nicht zu unterschätzen. Eine
größere Chance sehe ich aber in
der Meisterschaft. Diese gilt es
stärker hervorzuheben. Man
kann Kunden an der Entstehung
teilnehmen lassen, also dabei
sein lassen, wie etwa der Ehering
entsteht. Handwerker könnten
die Entstehung als Event inszenieren.
Sind Kunden dafür auch bereit,
mehr zu bezahlen?
Ich denke schon. Wenn Produkte mit Emotionalität aufgeladen sind, wird auch bereitwillig
bezahlt. Man sieht, die reine
Preisorientierung ist oft nicht
mehr das Thema. Gerade bei
Schmuck handelt es sich um
emotionale Produkte, das wirdvom Kunden geschätzt. [drw]
wolfgang.drucker@wirtschaftsblatt.at
wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
| 25
KARRIERE
LOHNKOSTEN
Gehälter belasten Baubranche
LOHNKOSTEN IM VERGLEICH (Angaben für unselbständig Erwerbstätige von ausgewählten Branchen)
Personen je Branche
Vlbg.
29.053
128.131
99.521
572.553
627.706
202.309
286.157
191.589
46.549
609.881
282.407
105.654
242.356
55.187
305.707
Bruttojahreseinkommen (Median in €/Jahr, brutto)
Österreichdurchschnitt
3.984.490
Gesamt
4.126.172
Insgesamt
Abweichung vom Österreichwert (in %)
V
W
B
K
NÖ OÖ
S
ST
T
Wien
Burgenland
Kärnten
Niederöster. Oberöster.
Salzburg
Steiermark
Tirol
6
-2
-2
5
-13
-5
(€/Jahr, brutto) Vorarlberg
53.328 Energieversorgung
56.332
42.777 Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
36.465
-15
20
2
41.114 Information und Kommunikation
37.077
-10
4
3
36.444 Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung
37.614
3
6
34.867 Herstellung von Waren
36.537
5
3
30.812 Verkehr und Lagerei
29.143
-5
-5
28.452 Bau
31.527
11
-12
7
6
0
-4
2
-10
-11
-9
-11
-7
11
-6
-6
-12
-11
0
8
0
-6
-1
-3
-3
-11
-6
0
3
-7
1
-4
11
0
10
-1
-2
0
-7
5
1
1
3
1
1
1
26.592 Freiberufliche u. techn. Dienstleistungen (z.B. Steuerberatung, F&E, Werbung...)
25.347
-5
5
2
-12
4
0
-5
-4
-12
22.400 Grundstücks- und Wohnungswesen
13.666
-39
14
4
-26
8
1
-8
-21
-20
22.029 Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen
21.416
-3
-3
-1
-5
7
3
6
-6
-5
21.260 Gesundheits- und Sozialwesen
19.447
-9
0
7
22
-7
-2
-1
-7
9
20.616 Erziehung und Unterricht
14.491
-30
15
24
-20
16
-11
-60
8
-30
15.944 Wirtschaftl. Dienstleistungen (z.B. Gebäudebetreuung, Arbeitskräfteüberlasser...) 12.279
-23
-11
20
3
15
10
0
1
-12
14.772 Kunst, Unterhaltung und Erholung
12.398
-16
17
-1
-17
21
-3
-16
-15
-23
10.561 Beherbergung und Gastronomie
11.083
5
-11
18
-3
-2
-1
8
-7
14
26.609
1
-6
6
-3
8
5
-7
-1
-10
✐ KURSE
DORNBIRN
Change Management, 10. – 12.03.2015,
Di – Do 09.00–17.00 Uhr, Kosten: 590 €,
Wifi, Bahnhofstr. 24, 6580 Dornbirn,
Tel.: 05572/38 94-461, mathis.barbara@vlbg.wifi.at, www.wifi.at/vlbg
Recht für den Einkauf, Fr, 13.03.2015,
09.00–17.00 Uhr, Kosten: 395 €, Wifi,
Bahnhofstr. 24, 6580 Dornbirn, Tel.:
05572/38 94-461, loacker.carmen@
vlbg.wifi.at, www.wifi.at/vlbg
Change mit Rapid Results, Di,
14.04.2015, 09.00–17.00 Uhr, Kosten:
828 €, IC, Mozartstr. 2, 6850 Dornbirn,
Tel.: 0316/71 89 40-25, eveline.fortin@
integratedconsulting.at, www.integratedconsulting.at
HOHENEMS
Lehrlingsausbildertraining, 02.03.–
01.04.2015, Fr u. Sa 08.00–17.00 Uhr,
Kosten: 480 €, Lernlabor, Graf-Maximilian-Str. 18, 6845 Hohenems, office@
lernlabor.at, www.lernlabor.at
Grundlagen der Kommunikation, 24.
u. 26.03.2015, Di u. Do 13.00–17.00 Uhr,
Kosten: 190 €, Lernlabor, Graf-Maximilian-Str. 18, 6845 Hohenems, office@
lernlabor.at, www.lernlabor.at
Sie haben auch einen Kurs anzukündigen? Senden Sie die Infos bitte
an regional@wirtschaftsblatt.at
26.395 Branchen-Durchschnitt
25.767 (inkl. Personen mit Nicht-Österr. Meldezettel)
Das Lohnniveau in Vorarlberg ist kaum höher als im
Österreich-Durchschnitt,
weil die Frauengehälter es
nach unten drücken. Die
Baubranche leidet unter
hohen Lohnkosten.
VON MARTINA MADNER
E
s hängt sicher mit der
Grenznähe zu Deutschland und der Schweiz zusammen, dass wir unseren
Mitarbeitern absolut höhere Löhne bezahlen müssen“, stellt Franz
Xaver Drexel fest. Drexel ist Baumeister und zugleich Landesinnungsmeister der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Für Vorarlberger sind nicht nur die heimischen Firmen, sondern auch deutsche und Schweizer Arbeitgeber
eine Alternative. Drexel bestätigt,
dass der Vorarlberger Arbeitsmarkt für die Baubranche ein angespannter ist.
Dazu kommt: „Wir können die
höheren Löhne nur zum Teil an
Kunden weitergeben, sonst unter-
Quelle: Statistik Austria, 2014. Lohnsteuer- und HV-Daten. Ohne Lehrlinge., WirtschaftsBlatt
bieten uns große Baufirmen aus
Ostösterreich oder der Schweiz.
Im Tiefbau am Arlberg können
wir wegen dieser scharfen Preissituation nicht mithalten.“
Tatsächlich beträgt das jährliche Medianeinkommen der Mitarbeiter auf dem Bau in Vorarlberg 31.527 €. Das sind um 11 Prozent mehr als im österreichweiten
Durchschnitt bezahlt wird.
Enorme Gehaltsschere
Ein Teil des höheren Lohnniveaus
ist den höheren Lebenserhaltungskosten in Vorarlberg geschuldet. Wobei das durchschnittliche Jahreseinkommen mit
26.609 € nur knapp über dem gesamtösterreichischen von 26.395
€ liegt. Burgenländer, Nieder- und
Oberösterreicher verdienen im
Durchschnitt mehr pro Person.
Das hat zwei Gründe: Die Streuung zwischen den höchsten und
niedrigsten Jahreseinkommen ist
in Vorarlberg – genauso wie in
Wien – höher als in allen anderen
Bundesländern. Hohen Einkommen stehen auch viele niedrige
gegenüber, das drückt den Durchschnitt.
Grafik/Cmund
Und: Vorarlberg ist das Bundesland mit der größten Einkommensschere zwischen Männern
und Frauen. Der männliche Vorarlberger in Vollzeit verdient mit
durchschnittlich 44.620 € das
höchste Jahreseinkommen österreichweit. Die Vollzeit arbeitende
Vorarlbergerin aber nur 32.242 €.
Die Einkommen klaffen im Ländle also um 28 Prozent auseinander. Mit den Teilzeitbeschäftigten
sind es sogar 51 Prozent Lohnunterschied.
Doch zurück zur Baubranche:
Hier zeigen die Prognosen für
2015 Wünschenswertes. Mit neuen Richtlinien für den sozialen
Wohnbau zieht dieser wieder an.
Auch jene zur Energieeffizienz
haben Umbauten zur Folge.
„Außerdem ist die Finanzierung
im Moment sehr günstig“, sagt
Drexel. Einen Wunsch hätte er
aber, und zwar an das Gegenüber
bei den Lohnverhandlungen, die
Mitte Februar beginnen, nämlich
„auf manche der Zuschläge zu
verzichten“.
Die Autorin des Artikels erreichen Sie
unter martina.madner@wirtschaftsblatt.at
26 |
FOKUS
KO M M E R Z I E L L E R T H E M E N S C H W E R P U N K T
FOKUS
wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
BAUEN
MIT HOLZ
CREE
Illwerke Zentrum Montafon
Innovationen machen den
Holzbau wieder attraktiv
Mit der Entwicklung von Brettsperrholz und der industriellen Vorfertigung wurde eine neue
Technologie geschaffen, die das Potenzial zum Exportschlager hat.
VON GERALD POHL
M
itte Jänner wurde im Wiener
Radiokulturhaus
der
Staatspreis für
Architektur und Nachhaltigkeit
verliehen. Ausgezeichnet wurden
Bauten, die es schaffen, Design
und Funktionalität mit Nachhal-
tigkeit zu verbinden. Einer der
Preisträger ist die Ende 2013 fertiggestellte Logistikhalle der Spedition Schachinger in Linz/Urfahr,
das größte Hochregallager Mitteleuropas, das in Holzbauweise errichtet wurde. Intention des Geschäftsführers Max Schachinger
war es, ein „ökologisches Leucht-
turmprojekt“ zu errichten, das im
Bereich Energieeffizienz neue
Maßstäbe in der Logistikbranche
setzen soll. Entstanden ist ein Gebäude, bei dem der nachhaltige,
CO2-neutrale Baustoff Holz eine
wesentliche Rolle spielt. Holz dominiert nicht nur die Tragkonstruktion und die Dach- und Wand-
aufbauten, sondern wurde obendrein als sichtbares Zeichen der
Projektphilosophie auch als Fassadenmaterial eingesetzt. Das Architekturbüro Poppe*Prehal aus
Steyr war für Planung und Ausführung der Lagerhalle verantwortlich. „Der Holzbau hat in Österreich in jedem Bundesland eine
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. Februar 2015
lange Geschichte“, erklärt Doris
Stiksl, Geschäftsführerin von Proholz Steiermark. „Der rohstoff
liegt vor der haustür und lässt
bauherrn aktiv gegen die Klimaproblematik vorgehen, weil im
holz co2 gebunden wird.“
Grazer Entwicklung
Für den holzbauboom verantwortlich ist auch die neue brettsperrholz-technologie, die an der
technischen universität Graz entwickelt wurde. erst dadurch können holzgebäude in der Größe
eines Fußballfeldes (wie das Schachinger hochregalleger) errichtet
werden. brettsperrholz, auch
Kreuzlagenholz genannt, ermöglicht Spannweiten, die bisher unvorstellbar waren. Stiksl: „ein großer Vorteil liegt im hohen Vorfertigungsgrad der einzelnen holzelemente, der kurzfristige aufbauzeiten garantiert. Diese technologie ist international gefragt, wodurch wir eine hohe exportquote
erzielen.“ So lieferte zum beispiel
der obersteirische brettsperrholzproduzent KLh kürzlich 3100
Quadratmeter brettsperrholzelemente nach London, wo damit in
nur zehn wochen bauzeit ein
Schulzentrum errichtet wurde.
Hochhäuser aus Holz
Dieselbe technologie kommt auch
beim bau von hochhäusern zum
einsatz: 2009 wurde in der britischen hauptstadt ein holzhaus mit
neun Geschossen realisiert. um
den gesetzlichen anforderungen
zu entsprechen, wurden dabei statische, technische und konstruktive
Maßnahmen gesetzt, damit der
entflammbare, brennbaren baustoff holz besser beherrscht wird.
in Dornbirn steht der achtgeschossige Life cycle tower (Lct),
der von cree, einem tochterunternehmen der rhombergGruppe, ursprünglich als Vorzeigeprojekt errichtet wurde und
jetzt als bürohaus dient. Das Neuartige daran ist, dass Kern, Decke,
Fassadenstützen industriell vorge-
Ko M M e r Z i e L L e r t h e M e N S c h w e r P u N K t
fertigt werden und modulartig
einsetzbar sind. anwendung fand
diese art des bauens auch beim
illwerke Zentrum Montafon in
Vandans (Vorarlberg). „aus holz
vorgefertigte bauteile sollen in
den häusern sichtbar sein“, erklärt cree Geschäftsführer hubert
rhomberg. „umso weniger etwas
verbaut ist, umso billiger wird die
errichtung, der betrieb und die
entsorgung am ende der Nutzung.“ Zukunftschancen werden
für das Lct-System im gewerblichen bau, zum beispiel bei büros,
hotels oder im wohnbau gesehen.
rhomberg: „interessant ist auch
der anwendungsbereich beim
aufstocken von altbauten in innerstädtischen bereich. und zwar
dort, wo aus statischen Gründen
übliches baumaterial wie beton
oder Ziegel nicht eingesetzt werden können.“ Zurzeit plant cree
ein 20-geschossiges Gebäude, das
– so hoffen die Voralberger – eines
tages in wien errichtet wird.
Doch damit nicht genug: Für den
kanadischen architekten Michael
Green ist „der himmel die Grenze
von holzbauwerken.“ Pläne für ein
30-geschossiges hochhaus, das im
Zentrum von Vancouver (british
columbia) errichtet werden soll,
sind bereits gezeichnet. Das ambitionierte Projekt soll das nachhaltigste hochhaus der welt werden.
Green: „warum baut man Gebäude
in holz nur ein paar Stockwerke
hoch, wenn die bäume in ihrem natürlichen umfeld bedeutend höher
sind?“
Nicht ganz so hoch hinaus geht
es bei dem appartmenthaus Gemse im Schweizer Feriendorf andermatt. Dort stehen 19 Ferienwohnungen mit Größen zwischen
35 und 265 Quadratmetern knapp
vor der Fertigstellung. Die tragkonstruktion wurde in holzrahmenbauweise mit Geschossdecken aus brettsperrholzelementen
errichtet. Vorgefertigt wurden die
wand-, Decken- und Dachelemente bei rubner holzbau in oberGrafendorf (Niederösterreich).
FOKUS
| 27
„Neue Technologien
für hochwertiges Holz“
Prof. roland Gnaiger, Juryvorsitzender des Staatspreises für
architektur und Nachhaltigkeit,
im FoKuS-Gespräch.
Herr Gnaiger, wie kamen Sie als
Architekt zum Baustoff Holz?
Roland Gnaiger: bereits in den
1970er Jahren gab es in Vorarlberg einzelne häuser, die aus
holz errichtet wurden und die
eine frische, heitere auffassung
von wohnen verkörperten. Das
war komplett anders als die
überall verbreiteten klobigen
wohnhäuser und es war obendrein leistbar. Plötzlich gab es
die Möglichkeit, diese häuser zu
betreten. Seit damals bin ich begeistert von holzhäusern.
Was war damals die landläufige
Meinung zu Holzhäusern?
holz war zu dieser Zeit als baumaterial sehr umstritten und
schlecht beleumundet. es war
das baumaterial für die sogenannten armen Leute, kam bestenfalls für drittklassige Gebäude
wie bauschuppen und baracken
zum einsatz. allmählich gelang
man zur Überzeugung, dass es
im inneren eines holzhauses
sehr schön, gemütlich und fein
ist. bis sich dies von unten nach
oben durchsprach, dauerte es geraume Zeit. Mittlerweile hat sich
diese einstellung längst in ganz
Österreich durchgesetzt.
Wie kam es zu dem Imagewandel
von Holz als Baumaterial?
holz ist heute ein trendiger baustoff, das ein neues Lebensgefühl
vermittelt. es ist ein hochwertiges Material, das für anspruchsvolle Verwendungszwecke zum
einsatz kommt. Dazu beigetragen hat der zunehmende Grad
der industrialisierung: techno-
Beigestellt
Roland Gnaiger, Universitätsprofessor in Linz
logien, die in Österreich entwickelt wurden, machen heute Vieles möglich.
Auch die Hotellerie setzt heute auf
Holzbau...
Ja, der heimische tourismus hat
den holzbau für seine Zwecke
entdeckt. Das zeigt sehr schön
den imagewandel: Speziell die
tourismuswirtschaft ist doch
immer sehr sensibel auf ihre
imagewerte. interessant ist, dass
heute auch Logistikunternehmen
beim bau einer Lagerhalle auf
holz setzen.
Was halten Sie von Hochhäusern
aus Holz?
Das ist meines erachtens ein
drittrangiges thema. es ist lediglich gut zur Verkörperung des
imagewandels, den der baustoff
holz durchgemacht hat. Natürlich war es ein wichtiger Schritt,
dass nun sechs- bis achtstöckige
häuser gebaut werden können.
Die hauptanwendung wird jedoch bei Gebäuden mit zwei- bis
vier Stockwerken liegen. wichtig
hinsichtlich der Nachhaltigkeit
mit der ökologischen Gesamtbilanz wird sein, dass sich holz
auch im Gewerbebau, wie zum
beispiel bei Lagerhallen durchsetzt.
28 |
RECHT & STEUERN
wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
RECHT & STEUERN
| 29
colourbox.de, beigestellt
ARBEITSRECHT
GASTKOMMENTAR
All-In-Verträge
stehen ab 2015
am Prüfstand
Mitarbeiter
im Auge
behalten
WIEN. Seit Jahresanfang gelten
strengere gesetzliche Bestimmungen bei Lohn- und Sozialdumping. Standen bisher vor
allem Branchen mit einem hohen Anteil an ausländischen
Arbeitnehmern oder Subunternehmen wie Tourismus oder
Bau im Visier der Behörden,
hat das Gesetz nun Auswirkungen auf nahezu alle Betriebe.
„Bisher wurde lediglich der
Grundlohn auf eine gesetzliche
oder kollektivvertragliche
Unterschreitung kontrolliert“,
erklärt die Wiener Rechtsanwältin Sylvia Unger. „Nun wird
die Kontrolle auf das gesamte
Entgelt, also auch auf Urlaubsund Weihnachtsgeld, Zulagen,
Überstundenzuschläge oder
Zahlungen aus Anlass der Beendigung des Dienstverhältnisses ausgeweitet.“ Unger sieht
dadurch vor allem All-In-Verträge auf dem Prüfstand.
Erhöhung der Strafen
Wenn die Krankenversicherungsträger oder das Kompetenzzentrum zur Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfung bei
der Prüfung feststellen, dass
die Zahl der Überstunden nicht
durch die im Vertrag festgelegte Überzahlung gedeckt ist,
werden Betriebe in Zukunft
wohl zur Kassa gebeten.
Der neue Strafrahmen beträgt pro Arbeitnehmer 1000
bis 10.000 €; im Wiederholungsfall 2000 bis 20.000 €. Bei
mehr als drei betroffenen
Arbeitnehmern sind zwischen
2000 und 20.000 € bzw. im
Wiederholungsfall 4000 bis
50.000 € zu zahlen.
Bisher galt eine Frist der Verfolgungsverjährung von einem
Jahr – innerhalb dieses Zeitraumes musste die Behörde ein
Ermittlungsverfahren einleiten, um die Verjährung zu hemmen. Seit Anfang 2015 beträgt
diese Frist drei Jahre, die Frist
für die Strafbarkeitsverjährung
fünf Jahre.
[clp]
claudia.peintner@wirtschaftsblatt.at
Die Möglichkeiten, Mitarbeiter zu überwachen, werden aufgrund der rasanten IT-Entwicklungen im digitalen Zeitalter immer vielfältiger und ausgereifter. Aber nicht alles,
was technisch möglich ist, ist auch erlaubt.
U
nbestritten ist zwar, dass
Arbeitgeber ihre Mitarbeiter
an sich kontrollieren dürfen,
zum Beispiel, um ihr Eigentum zu schützen („Inventurdifferenzen“ in Handelsbetrieben). Durch den Dienstvertrag unterwirft
sich der Mitarbeiter dem Kontrollrecht des
Dienstgebers. Der Arbeitnehmer behält aber
auch am Arbeitsplatz seine Persönlichkeitsrechte und genießt den Schutz seiner Privatsphäre. Überschießende Kontrollen sind daher nicht gestattet. Wo aber liegt die Grenze?
Zustimmung der Belegschaft. Nach dem
Arbeitsverfassungsgesetz sind Kontrollen, die
die Menschenwürde verletzen, absolut verboten. Kontrollmaßnahmen und technische Kontrollsysteme, welche die Menschenwürde bloß
berühren, sind zwar zulässig – in Unternehmen mit Betriebsrat aber nur mit dessen vorheriger Zustimmung (Betriebsvereinbarung),
in solchen ohne Betriebsrat nur mit Zustimmung jedes einzelnen Mitarbeiters. Aufgrund
seiner Fürsorgepflicht ist der Arbeitgeber ganz
allgemein zur Zurückhaltung aufgerufen: Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter dürfen nur auf die schonendste, noch
No-gos sind verplichtende
Alkomatentests oder das
Abhören von Telefonaten.
zum Ziel führende Art vorgenommen werden.
Selbstverständlich darf der Unternehmer aber
die Einhaltung zulässiger Vorgaben wie
Arbeitszeiten oder Arbeitsruhe überwachen.
Werden, was nicht selten vorkommt, im Zuge der Kontrolle personenbezogene Daten verwendet, ist zusätzlich das Datenschutzrecht
zu beachten. Zu den Daten mit Personenbezug
zählen auch Bild- und Tondokumente (Fotos,
Durch den Dienstvertrag unterwerfen
sich Mitarbeiter dem Kontrollrecht des
Chefs. Dieser darf etwa die Privatnutzung von Internet oder E-Mails am
Arbeitsplatz zu verbieten.
Videos, Mikro-Mitschnitte). Nach dem Datenschutzgesetz ist die Videoüberwachung zum
Zweck der Mitarbeiterkontrolle verboten. Für
die betriebliche Praxis ist einiges noch unklar.
Die eher spärliche Rechtsprechung der Gerichte hat zwar manches geklärt, vieles ist aber
noch in Diskussion bzw. liegt in einer rechtlichen Grauzone. Dazu zählen elektronische
Standortermittlungen durch Ortungsapplikationen am Firmen-Smartphone von Außendienstmitarbeitern, Anbringen von Chips in
Firmenfahrzeugen oder Dienstkleidung. Fragwürdig sind auch Whistleblowing-Hotlines im
Unternehmen, vor allem wenn sie verpflichtend vorgesehen und nicht bloß freiwillig sind.
Kontrolle bei Home-Office. Was die Kontrolle
von Mitarbeitern während dem Home-Office
betrifft, gibt es keine speziellen kontrollrechtlichen Spielregeln. Die Einhaltung der Arbeitszeit (zumeist wohl flexible Arbeitszeit) darf
man überwachen – denkbar wären Kontrollanrufe des Arbeitgebers am Festnetz des
Arbeitnehmers. Kritisch ist hingegen das
(ständige) Speichern von Log-in-Daten oder
Kontrolle mittels „GPS-Koordinaten“ des Firmenhandys, auch wenn sich diese Kontrollen
„nur“ auf die Arbeitszeit beziehen.
Der Arbeitgeber ist berechtigt, seine Betriebsmittel nur zu dienstlichen Zwecken zur
Verfügung zu stellen. Daher darf er die Privatnutzung von Internet und E-Mails am Arbeitsplatz auch gänzlich verbieten oder nur in eingeschränktem Ausmaß erlauben. Eine stichprobenartige Überwachung dieses Verbotes
ist gestattet. Es ist auch zulässig, einzelne Seiten (z.B. Facebook) zu sperren. Erkennbar pri-
Der Einsatz von
Überwachungssoftware am
Arbeitsplatz ist illegal.
vate E-Mails dürfen jedoch trotz Privatnutzungsverbotes nicht eingesehen werden. Illegal ist auch der Einsatz von Überwachungssoftware („Spyware“).
In der Regel unproblematisch sind bloße
Anwesenheitskontrollen und herkömmliche
Zeiterfassungsanlagen. Biometrische Zeiterfassungssysteme wie Fingerscanner und „intelligente“ Telefonregistrieranlagen hingegen
sind zustimmungspflichtig. Detektive dürfen
zur Abklärung konkreter Verdachtsmomente
eingeschaltet werden. Zu den rechtlichen NoGos gehören im Normalfall: Leibesvisitationen, verpflichtende Alkomatentests, das Abhören von Telefonaten, „verdecktes“ Filmen,
Videoüberwachung intimer Betriebsteile
(WC), Einwegglasscheiben und ähnliches.
Unzulässige Kontrollen können über Klage
(Betriebsrat, Mitarbeiter) gerichtlich unterbunden werden. Das kann Unternehmen teuer zu stehen kommen. Fazit: Dem „big boss is
watching“ sind zwar so gut wie keine technischen, sehr wohl aber rechtliche Grenzen gesetzt.
HERWIG FREI
Herwig Frei ist Partner der Rechtsanwaltskanzlei Greiter Pegger Kofler & Partner in
Innsbruck. Einer seiner Tätigkeitsschwerpunkte liegt im Arbeitsrecht.
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30 |
IMMOBILIEN
wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
IMMOBILIEN
| 31
Marcel Mayer, Beigestellt
✐ PROJEKTE
VORARLBERG
Land Vorarlberg, L 200, Bregenzerwaldstraße, Andelsbuch, Bühel, Nordumfahrung, Straße und Tunnel, Wasserversorgung BA 08 und Ortskanalisation
BA 07, Abgabe: 10.02.2015, 11:00 Uhr
Bundesbeschaffung GmbH, Reinigungsdienstleistungen West-Österreich
2015 - Losvergabe!, Abgabe: 20.03.2015,
10:00 Uhr
Wildbach- u Lawinenverbauung Bludenz, Stahlschneebrücken 2015, Abgabe: 05.03.2015, 09:45 Uhr
Walgauer Freizeit und Infrastruktur
GmbH, Sanierung Walgaubad Nenzing Fliesenlegerarbeiten,
Abgabe:
09.03.2015, 12:00 Uhr
Walgauer Freizeit und Infrastruktur
GmbH, Sanierung Walgaubad Nenzing Malerarbeiten, Abgabe: 09.03.2015,
12:00 Uhr
Land Vorarlberg, LKH Bregenz - Tischler Türen, Wandverkleidungen Gänge,
Abgabe: 19.02.2015, 09:00 Uhr
TIROL
Marktgemeinde Kundl, Kanalsanierungsarbeiten - Kundl Ost, Abgabe:
27.02.2015, 10:30 Uhr
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Mikro-Röntgenfluoreszenzanalysesystem, Abgabe: 16.02.2015, 10:00
Uhr
TIGAS-Erdgas Tirol GmbH, Wettbewerb
- Lieferung, Montage und IBS von Anlagenteilen inkl. Zubehör für den Kathodischen Korrosionsschutz, Abgabe:
03.03.2015, 12:00 Uhr
Einfach zu öffentlichen Aufträgen
w w w.ve r g a b e p o r t a l . a t
IMMO-TRENDS
GEWERBEIMMOBILIEN
VORARLBERG
Miete, Jänner 2015
AngebotsTendenz gg. Dez. '14 Nettopreis
Lokal
Geschäfts-
Büro
(in €/m²)
Alle Bezirke
7,6
Bludenz
7,2
Bregenz
7,6
Dornbirn
7,0
Alle Bezirke
9,4
Bregenz
7,5
WirtschaftsBlatt
Grafik/Cmund
Quelle: www.immobilien.net
WELLNESS
ches geplantt. In Grins soll das
Wasser in einem Badehaus seine
Kräfte entfalten. Flankiert wird
das ganze durch eine Mythenbildung und Atteste über die heilsame Wirkung. Studien im Wert von
mehreren hunderttausend € wurden dazu in Auftrsag gegeben.
Fleischhacker ist „kein Freund
der Thermalwasser-Bohrungen“.
Sie seien schwierig, langwierig
und teuer. Zwei Millionen € wan-
Heilwasser
und Hotel-Spa
statt Therme
In Sachen Wellnessangebote ist im Westen Österreichs der Sättigungsgrad
erreicht. Neue Thermen
entstehen daher nicht, dafür interessante Projekte
im niedrigen zweistelligen
Euro-Bereich.
VON MELANIE MANNER
W
er im Fünf Sterne
Superior Hotel Zürserhof am Arlberg
absteigt, legt für
zwei Personen zwischen 750 und
3140 € pro Nacht hin. Ein bisschen
Sauna zum Tagesausklang nach
dem Schifahren reicht den Gästen
da nicht. Eigentümerfamilie Skardarasy hat daher soeben für 6,5
Millionen € ihren Spa-Bereich
ausgebaut: Das Geld floss in einen
1700 Quadratmeter großen Wellnessbereich auf zwei Ebenen, davon entfallen 350 Quadratmeter
alleine auf die neun Sauna-Bereiche - eine Summe, die sich mit den
Ausbaukosten für mittelgroße
Thermen durchaus messen kann.
„In unserem Bereich erwarten
die Gäste fast andauernd etwas
Neues“, sagt Geschäftsführer
Hannes Skardarasy. Mit der Umsetzung beauftragt wurden der
Tiroler Hotel- und Wellnessanlagenplaner Karl Landauer und die
deutsche Spa-Beraterin Dagmar
Rizzato. Zwei Jahre dauerten die
Bauarbeiten. Seit Ende November kann der Zürserhof mit dem
„Aureus Spa“, dem größten Hotel-Wellnessbereich der Region,
werben.
Skardarasy glaubt bereits einen
Unterschied im Gästeverhalten
zu bemerken: „Vorher war der Spa
nur eine Alternative zum Schifah-
Dolomitenbad vor Ausbau
Ich bin kein Freund
der ThermalwasserBohrungen.
ERNST FLEISCHHACKER
GRÜNDER
FEN SUSTAIN SYSTEMS
Die Autorin des Artikels erreichen Sie
unter melanie.manner@wirtschaftsblatt.at
WUSSTEN SIE …
ren. Jetzt gibt es einige Gäste, die
extra deswegen kommen.“
Während Hotelthermen sich auch
in Tirol ständig erneuern, wird
das eigentliche Thermengeschäft
nach dem Ausbau des Aqua Dome
2012 nicht nennenswert vorangetrieben. Gerhard Föger, Leiter des
Tourismusbereichs des Landes
Tirol, sagt: „Von Seiten der Wellnessangebote ist der Sättigungsgrad erreicht. Es gibt eine Unzahl
von Wellness- und Spa-Angeboten in der Top Hotelerie, die auch
gut laufen.“
Dafür nähern sich einige Endlosprojekte dem Happy End. Zum
Beispiel wird das „Dolomitenbad“, das aus den Siebzigerjahren
stammende ehemalige Lienzer
Hallenbad, im kommenden Früh-
derten in die Bohrung in St. Jakobs, jeweils etwa eine Million in
Kramsach und Grins. Der Thermenhype habe dazu geführt, dass
jeder geglaubt habe, man müsse
nur anbohren und ein Projekt
würde sich finden. Jetzt gehe es
darum, zumindest für Umwegrentabilität zu sorgen.
6,5 Millionen € an
Investitionen sollen das
Hotel Zürserhof zur
Thermendestination
machen.
■ Über mehr Thermenbesuche
im Vorjahr kann sich Tirol freuen.
Das ergab eine Studie von Marktbeobachter Kreutzer Fischer &
Partner: 2014 gab es in Tirol 6,4
Prozent mehr Thermen-Eintritte
als im Vorjahr, nämlich 565.000.
Zurückzuführen ist das auf den
2012 erfolgten Ausbau des Aqua
Dome in Längenfeld durch Betreiber Vamed für 19,7 Millionen €, der
die Kapazitäten und Übernachtungsmöglichkeiten erweitert hat.
■ In Österreich gab es insgesamt
ein Plus von 3,3 Prozent auf 9316
Besuche – im Vorjahr, zum Teil
wetterbedingt, noch ein Minus.
■ „Hotel plus Therme aus einer
Hand“ lautet weiterhin der Trend.
„Die Thermenbetreiber haben verstanden, dass sie von Tagesgästen
alleine nicht leben können. Dazu
ist der Betrieb zu teuer,“ sagt Studienautor Andreas Kreutzer. „Daher der Kapazitätsausbau.“
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jahr ausgebaut: Die Revitalisierung wird rund zwölf Millionen €
kosten.
Ein wesentlicher Teil des von
Hans Peter Machné, dem Sohn
des ursprünglichen Architekten,
geplanten Baus ist eine Sauna-Anlage. Die Wellnessangebote werden ausgebaut und punkten soll
der Bau dann Ende 2016 mit dem
Ausblick auf die Lienzer Dolomiten. Mit dem Bau beauftragt wurde eine Bietergemeinschaft von
Porr und Elin.
Heilwasser statt Therme
Ein Happy End sollen auch die
drei Thermalwasserbohrungen in
Grins, Kramsach und St. Jakob bekommen. Zehn Jahre sind seit Beginn der Bohrungen vergangen.
Etliche Thermenprojektversuche
haben die Gemeinden hinter sich.
Nach dem Platzen der Thermalblase soll das sprudelnde Nass
jetzt als Heilwasser vermarktet
werden.
Zuständig dafür ist Ernst
Fleischhacker, Gründer von Wasser Tirol und seit Juli 2014 Chef
der FEN Sustain Systems. In St.
Jakob werden heuer ein Erlebniszentrum und eine Abfüllanlage eröffnet, von der örtliche Hotels das
Heilwasser beziehen und anbieten
können. In Kramsach ist Ähnli-
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BUSINESSTALK
wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2015
Redaktion Alexander Pfeffer
alexander.pfeffer@wirtschaftsblatt.at
EMPFANG
Dietmar Mathis
Auftakt der
Industrie
HOHNENEMS. Zu viel Systemversagen und Reformstau in der österreichischen Politik ortete Hubert
Bertsch, Präsident der Industriellenvereinigung Vorarlberg, in seiner Ansprache beim Neujahrsempfang
der Interessenvertretung. Mehr als 350 Gäste aus
Industrie, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft
konnte er in der Otten Gravour in Hohenems
begrüßen, darunter: Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser, Ölz-Geschäftsführer
Bernhard Ölz und Gebrüder-WeissAufsichtsrat Paul SengerWeiss.
Industriellenvereinigung-Vorarlberg-Geschäftsführer Mathias Burtscher und Präsident Hubert Bertsch sowie Arbeiterkammer-VorarlbergPräsident Hubert Hämmerle und Vizepräsident Bernhard Heinzle (v. l.) in der Otten Gravour.
VORTRAG
Abend rund
um Preisfragen
HOHENEMS. „Wie man gegen preisaggressive Wettbewerber gewinnt“: Unter diesem Titel hatten die Marketingclubs Vorarlberg und Rheintal in den Inhaus Bäderund Energiepark geladen. Als Experte war Ralph Krüger von der Agentur für Markenwachstum im Einsatz. Mit Fallbeispielen zeigte er auf, wie man
Nichtkäufer zu überzeugten Käufern machen
kann. Karlheinz Kindler, Präsident des Marketingclubs Vorarlberg, und Hausherr
Robert Küng freuten sich über
ein „volles Inhaus“.
MCV
Wolfgang Frick
und Dieter Heidegger (beide
Marketingclub
Vorarlberg), Referent Ralph Krüger, Inhaus-Marketingleiterin
Birgit Wohlgenannt und Geschäftsführer
Robert Küng
(v. l.) beim Vortragsabend.
Beigestellt
Von Marken
und Identitäten
BREGENZ. Nachhaltige
Identität, eindeutiges Markenprofil und die Fähigkeit
zur kontinuierlichen Anpassung waren Themen
des Vortrags des Markenexperten Oliver Heiss. Er
war Referent beim Unternehmerfrühstück, zu dem
Stadtmarketing-Chef Christoph Thoma geladen hatte.
Ihr Event ist unser Business
Ein rundes Jubiläum, das Ihr Unternehmen feiert, eine festliche
Präsentation, zu der Sie Business-Partner laden, oder ein Galaabend,
der mit hochkarätigen Gästen über die Bühne geht: Halten Sie uns auf
dem Laufenden, schicken Sie uns Informationen und mailen Sie uns!
regionaltalk@wirtschaftsblatt.at
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