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LEITBETRIEBE ÖKOLOGISCHER LANDBAU:
LEBENDMULCH-SYSTEM BEI FELDTAGEN
VORGESTELLT
2014 fanden zwei der Feldtage des Kompetenzzentrums ökologischer
Landbau Rheinland-Pfalz (KÖL) auf den Bio-Betrieben der Familie Meitzler
in Spiesheim (Landkreis Alzey-Worms) und Manfred Singhof (Hof Singhof)
in Nastätten (Rhein-Lahn-Kreis) statt. Es wurden acht verschiedene Zwischenfruchtgemenge und der Lebendmulch-Versuch vorgestellt. Insgesamt
nahmen rund 70 Teilnehmer aus Praxis und Beratung das Angebot wahr.
Familie Meitzler bewirtschaftet rund 140 ha mit Acker- und Weinbau – viehlos. Seit einigen Jahren wird pfluglos gewirtschaftet; Dünger gelangt in Form
von Champost und Bio-Hühnermist auf die Äcker. Die Fruchtfolge ist breit
gefächert: Neben Weizen und Gerste werden Triticale, Roggen, Erbsen,
Sonnenblumen, Luzerne und Soja angebaut.
Familie Singhof bewirtschaftet rund 160 ha Fläche; etwa die Hälfte davon ist
Grünland. Angebaut werden Klee- und Luzernegras, Silomais, Ackerbohnen, Weizen, Gerste, Dinkel und Hafer. Zwischenfrüchte sind seit vielen
Jahren fester Bestandteil in der Fruchtfolge. Auf dem Betrieb wird Milchvieh
mit eigener Nachzucht gehalten.
Lebendmulch- System – Welche Ideen stehen dahinter?
Der Lebendmulch- Versuch wurde 2014 erstmalig angelegt: Ein bestehendes Sommer-Zwischenfruchtgemenge wurde gewalzt und mittels Direktsaatmaschine wurde die Hauptfrucht (Wintergetreide) samt einer UntersaatKomponente in den liegenden Zwischenfruchtbestand gesät. Die Ideen dahinter:
1. Unkrautunterdrückende Wirkung und Nährstoffe des Zwischenfruchtgemenges nutzen.
2. Zahl der Arbeitsgänge minimieren: Walzen und Aussaat direkt in einem
Arbeitsgang durchführen.
3. Reduktion von unkrautregulierenden Maßnahmen während der Kulturzeit durch Mulchauflage und niedrig bzw. langsam wachsende Untersaaten (Bodenbedeckung).
4. Beitrag zur Verbesserung der Bodenqualität leisten.
Besonderes Augenmerk bei dem Versuch liegt neben der Bewertung der
Zwischenfrüchte und der Untersaaten auch auf der Entwicklung der Hauptkultur bzw. der Erträge. Eine wichtige Rolle spielen aber auch die Praxistauglichkeit und Ökonomie des Verfahrens. Hierzu werden in den folgenden
Jahren Daten ermittelt.
Die Erforschung und Entwicklung von Lebendmulch- Systemen ist ein vergleichsweise junges Forschungsgebiet. Auf EU-Ebene laufen zwar Projekte
(z.B. OSCAR- Projekt unter Federführung der Uni Kassel), aber es stehen
kaum Ergebnisse zur Umsetzung in die Anbaupraxis zur Verfügung.
Projekt Leitbetriebe Ökologischer Landbau Rheinland-Pfalz 01/2015
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Im Praxisversuch wurde die
Winterung mit
einer Untersaat
direkt in den
Zwischenfruchtbestand
gesät.
Zwischenfrüchte als Basis
Basis für den Mulch bildet ein Zwischenfruchtgemenge bestehend aus 82%
Sommer-Ackerbohne, 11% Buchweizen, 4% Phacelia und 3% Sonnenblumen. Die Gemengepartner erfüllen dabei unterschiedliche Aufgaben: Buchweizen keimt rasch und entwickelt sich schnell. Er unterdrückt so von Anfang an wirkungsvoll keimende Beikräuter. Die Ackerbohne ist als Leguminosen- Komponente Massebildner und Stickstoff- Fixierer zugleich. Durch
den hohen Gemengeanteil wirkt sie außerdem beschattend und trägt so zur
Unkrautunterdrückung bei. Für die weitere Bearbeitung der Zwischenfrucht
(Walzen und Saat) ist es zudem entscheidend, dass die Leguminosen keine
Ranken ausbilden und nicht ineinander verhaken. Phacelia trägt als sicherer
Gemengepartner ebenfalls zur Massebildung in der Mischung bei. Die Sonnenblumen dienen in erster Linie der Struktur der späteren Mulchdecke.
Die Zusammensetzung aus unterschiedlichen Komponenten erhöht die Anbausicherheit: Fällt eine Komponente aus, schließen andere die entstandene Lücke.
Saatgut des Zwischenfruchtgemenges
© DLR R-N-H/KÖL
Zwischenfruchtbestand 7 Wochen nach Aussaat; Standort Spiesheim
© DLR R-N-H/KÖL
Die Zwischenfrüchte haben den
Boden gut durchwurzelt.
© DLR R-N-H/KÖL
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Das Zwischenfruchtgemenge
aus Ackerbohne, Buchweizen, Phacelia
und Sonnenblume erfüllt
verschiedene
Aufgaben.
Deutlich zu erkennen war am Standort Spiesheim die unterschiedliche
Wuchshöhe des Zwischenfruchtgemenges: Die Teilfläche mit der Vorfrucht
Erbse war in Höhe und Masse deutlich besser entwickelt als die Teilfläche
mit der Vorfrucht Gerste. Insgesamt entwickelten sich die Zwischenfruchtgemenge auf beiden Standorten sehr gut.
Zwischenfruchtgemenge in Spiesheim: Die linke Hälfte des Bestandes ist höher und kräftiger
entwickelt (Vorfrucht Erbse) als die rechte Hälfte (Vorfrucht Gerste)
© DLR R-N-H/KÖL
Zwischenfruchtgemenge in Spiesheim: Gemenge 2 Wochen (links), 6 Wochen (mittig) und 10
Wochen (rechts) nach Aussaat
© DLR R-N-H/KÖL
Walzen der Zwischenfrüchte und Aussaat in einem Arbeitsgang - Rahmenbedingungen müssen stimmen
Es war vorgesehen, direkt bei den Feldtagen die Bestände zu walzen und
die Winterung samt Untersaat-Komponente in den Boden zu bringen. Auf
Grund der hohen Niederschläge war der Boden in Spiesheim jedoch nicht
befahrbar (und wurde es auch bis Ende 2014 nicht). Daher konnte der Praxisversuch dort nicht durchgeführt werden.
Am Standort Nastätten waren die Bodenverhältnisse für eine Aussaat geeignet. So wurde am 29.10.2014 die Winterung (Winterweizen, 230kg/ha)
zeitgleich mit der Untersaat (Inkarnatklee 10kg/ha + Weißklee 1 kg/ha) in
den Zwischenfruchtbestand eingesät. Im Frontanbau des Schleppers lief eine Messerwalze mit einem Abstand von rund 20cm zur Bodenoberfläche,
um die Zwischenfrucht flach auf den Boden zu legen und möglichst wenig zu
zerkleinern. Ziel war es, eine möglichst gleichmäßige Mulchauflage zu erzielen.
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Sofern die Zwischenfrucht
nicht angedüngt wird, hat
der noch vorhandene Nährstoffgehalt im
Boden deutlichen Einfluss
auf die Entwicklung des
Gemenges.
Walzenkombination zum Umlegen
der Zwischenfrucht
© DLR R-N-H/KÖL
Gleichmäßig in Bearbeitungsrichtung umgelegter Zwischenfruchtbestand
© DLR R-N-H/KÖL
Aussaat der Winterung mit der Väderstadt Rapid 300
© DLR R-N-H/KÖL
Gesät wurde im gleichen Arbeitsgang mit der angehängten Direktsaatmaschine (Väderstadt Rapid 300). Um in die Mulchauflage säen zu können,
wurden der Balken mit der Scheibenegge und die Zustreicher ausgehoben.
Die Aussaat mit Scheibenscharen hat grundsätzlich funktioniert. Als Nachteil
fiel allerdings auf, dass auf Grund des feuchten Bodens, der Mulchauflage
und der fehlenden Wirkung der Zustreicher die Säschlitze nur unzureichend
geschlossen wurden. Hier besteht noch Optimierungsbedarf.
Wie sich die Winterung und die Untersaat in Nastätten über den Winter
2014/15 hinweg entwickeln werden, bleibt abzuwarten. Für 2015 ist geplant,
den Praxisversuch an beiden Standorten zu wiederholen und nach Möglichkeiten auch verschiedene Säverfahren im Vergleich zu testen.
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Zu feuchter
Boden ist ein
deutlicher
Nachteil bei der
Saat.
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