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Effizienterer Sprit statt Reifendruck-Messungen

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MACHE R & MÄRK T E
Erneuerbare Energiegesetze
Energieeffizienz-Gesetz in Österreich
Effizienterer Sprit statt
Reifendruck-Messungen
Energie
G eset z
S trom
E
Effizienz
Öl
s war wie Warten auf Godot. Nur
wurde statt der Geduld der beiden
Landstreicher in Becketts Theaterstück jene der heimischen Tankstellenbetreiber auf die Probe gestellt, die als
Energielieferanten ihr Scherflein zur Er-
18
reichung der österreichischen Energieeinsparungsziele beitragen müssen (siehe
Zusatzinfo). Niemand konnte genau sagen, wann die notwendige Monitoringstelle ins Leben gerufen würde und welche
Maßnahmen als zulässig eingestuft wür-
den. Das Jahr 2014 neigte sich bereits dem
Ende zu, der Unmut und die Verunsicherung in der Branche waren groß. Von „wir
verbünden uns gegen die unfähigen Politiker“ bis zu „das Gesetz ist unser Ruin,
dann können wir gleich zusperren“ war
von den betroffenen Tankstellenbetreibern alles zu hören. Doch kurz vor Weihnachten bekam die ganze Causa eine
Wendung. Maßgeblich dafür verantwortlich war Jürgen Roth.
Roth ist Obmann des Fachverbandes
Energiehandel in der WKO und Vizepräsident der steirischen Wirtschaftskammer.
Er hat unzählige Stunden in Gesprächen
mit zuständigen Politikern verbracht und
sich schon vor Langem dafür eingesetzt,
dass die Sparte Verkehr aus dem Gesetz
herausgenommen wird, wie beispielsweise in Deutschland, jedoch ohne Erfolg.
Auch der Vorschlag, den Erstinverkehrbringern von Energie die Einsparungen abzuverlangen, stieß auf Widerstand. „Das wäre viel einfacher, weil nur
© WKO, Jürgen Roth
© freeimages.com
Mit dem Verkauf von höherwertigem Treibstoff könnten Tankstellenbetreiber
die ihnen vorgeschriebenen Energiesparziele erfüllen.
Setzt auf Additive: Jürgen Roth, Obmann des Fachverbands Energiehandel.
tankstellenWelt
2015 (1-2)
Erneuerbare Energiegesetze MACHER & MÄR K T E
BUNDES-ENERGIEEFFIZIENZGESETZ
Das Bundes-Energieeffizienz-Gesetz ist
zum 1. Januar in Kraft getreten. Es verpflichtet Energielieferanten, unter die in
Österreich auch Tankstellenbetreiber fallen, zur Einsparung von Energie in Höhe
von 0,6 Prozent der an Endkunden abgesetzten Energiemenge. Als Berechnungsgrundlage wird jeweils das Vorjahr herangezogen. Diese Regelung betrifft Eigenhändler; bei Pächtern ist die Mineralölgesellschaft verpflichtet, Energiesparmaßnahmen zu ergreifen. Wird Sprit über
Tankkarten verkauft, ist der Lieferant verpflichtet, in dessen Namen und auf dessen Rechnung der Energieträger abgesetzt wird.
Betroffen sind nur Eigenhändler, deren
Treibstoffabsatz über 25 Gigawattstunden (GWh, zirka 2,5 Millionen Liter) liegt.
Allerdings müssen auch Betreiber, die unter diesem Wert liegen, der Monitoringstelle bis zum 14. Februar 2015 melden,
wenige Unternehmen davon betroffen
wären. Jetzt haben wir das Modell, dass
der Letzte in der Kette betroffen ist – die
Tankstellen“, erläutert Roth. Der administrative Aufwand, um alle betroffenen
Eigenhändler zu betreuen und alle individuellen Energiesparmaßnahmen zu
überprüfen, wäre riesig. Roth: „ Die sechs
bis sieben zusätzlichen Mitarbeiter, von
denen im Zusammenhang mit der Monitoringstelle gerne gesprochen wird, würden das nie bewältigen können.“
© TÜV
EINE LÖSUNG FÜR ALLE
Unzufrieden mit dem Status quo, suchte
Roth nach einer massentauglichen Lösung, die für alle die gleichen Bedin-
Der richtige Reifendruck wird das
Energieproblem nicht lösen.
tankstellenWelt
2015 (1-2)
dass sie Energielieferanten sind und Firma, Firmensitz und Postadresse bekanntgeben. Liegt der Energieabsatz über
25 GWh, muss eine Meldung über die genaue Höhe der verkauften Energie erfolgen. Bei Redaktionsschluss stand noch
nicht fest, von wem die Monitoringstelle
betrieben wird, da die Vergabe an die
Österreichische Energieagentur und das
Umweltbundesamt Anfang Januar für
nichtig erklärt wurde. Bis zum 14. Februar
2016 muss erneut eine Meldung an die
Monitoringstelle erfolgen, wie viel Energie im Jahr 2015 abgesetzt wurde und,
falls eine Verpflichtung dazu bestand,
welche Energiesparmaßnahmen ergriffen
wurden. Wurden im Jahr 2014 Energiesparmaßnahmen getroffen und dokumentiert, können diese für 2015 angerechnet werden. Werden keine Maßnahmen ergriffen, sind Ausgleichszahlungen
in der Höhe von 20 Cent/kWh fällig.
gungen schaffen und gleichzeitig vernünftig administrierbar wäre. Schließlich
setzte er den Hebel beim Treibstoff an.
Ein verbessertes und damit effizienteres
Produkt müsse her, folgerte Roth. „Die
Lösung dafür sind Additive“, sagt Roth.
Ähnlich den bereits jetzt erhältlichen Premium-Produkten soll ein mit Additiven
versetzter Treibstoff bei gleicher Menge
um rund drei Prozent mehr Leistung bringen. Es folgten aufwändige Gespräche mit
dem Ministerium, zu denen auch das
Umweltbundesamt hinzugezogen wurde.
Nach langem Hin und Her einigte man
sich darauf, dass „die Beimischung von
Additiven in Treibstoff als massentaugliches Instrument in das Methodendokument aufgenommen wird“, erläutert Roth.
Das heißt, wenn ein Tankstellenbetreiber
den effizienteren Sprit verkauft, wird ihm
das als Energiesparmaßnahme angerechnet. Allerdings stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest, in welchem Umfang und ob damit die geforderten 0,6
Prozent Einsparung erzielt werden können. „Ich gehe jedoch davon aus, dass das
reichen wird“, bekräftigt Roth.
Sollte dem tatsächlich so sein, wäre die
Diskussion um Reifendruck-Messungen,
Energiesparlampen und Spritspartipps auf
Kassenbons obsolet. Branchenintern hatte man schon lange gewitzelt, dass man
millionenfach Reifendruck messen
müsste, um auf die geforderten Einsparziele zu kommen. „Das ist alles völlig
unrealistisch“, so Roth.
Was aber werden die Autofahrer sagen,
wenn sie plötzlich mehr fürs Tanken zahlen sollen? Denn dass der effizientere Sprit
um ein bis zwei Cent je Liter teurer sein
wird, davon ist auszugehen. „Die Autofahrer können sich darauf verlassen, dass
der neue Treibstoff seinen Preis wirklich
wert ist, weil er einfach mehr Leistung
bringt“, sagt Roth. Um die Fahrzeugbesitzer davon zu überzeugen, wird sicher
einiges an Aufklärungsarbeit nötig sein.
Denn auch schon jetzt gibt es mancherorten teureren Sprit, der mehr Effizienz
verspricht. Der Zugriff darauf war bislang
allerdings eher bescheiden. Der Grund
dafür dürfte vermutlich daran liegen, dass
der Preisunterschied zum herkömmlichen
Kraftstoff weit höher ist als ein, zwei Cent
und die meisten Autofahrer nicht bereit
sind, das zu berappen.
Roth prognostiziert aber ohnehin, dass
künftig nicht mehr alle Treibstoffarten zur
Auswahl stehen werden, sondern dass
Tankstellenbetreiber das höherwertige
Produkt nach einer gewissen Umstellungsphase statt des herkömmlichen
Sprits anbieten werden. „Das ist eine
Win-win-Situation für alle: Die Autofahrer bekommen ein besseres Produkt und
die Betreiber erfüllen ihre Energieeffizienz-Maßnahmen.“〱
Lisbeth Klein
MONITORINGSTELLE
Tankstellenbetreiber sind angehalten,
ihre Daten bis Mitte Februar an die
Monitoringstelle zu übermitteln. Doch
was, wenn es diese Monitoringstelle
gar nicht gibt? Bei Redaktionsschluss
stand lediglich fest, dass die Österreichische Energieagentur (AEA) und das
Umweltbundesamt (UBA) diese Aufgabe nicht übernehmen werden. Das Gericht hatte vor Weihnachten des Vorjahres dem Antrag eines unterlegenen
Mitbieters stattgegeben, die Vergabe
an AEA und UBA wurde gekippt. Für
das Gericht sei „nicht nachvollziehbar“,
warum die beiden Institutionen den
Zuschlag erhalten hatten. Anstoß
nahm man auch daran, dass sich die
Preise der vier Mitbieter so stark unterschieden. Die Monitoringstelle muss
jetzt neu ausgeschrieben werden.
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