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- Braunschweiger Zeitung

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Das Wirtschaftsmagazin für Braunschweig, Gifhorn, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel und Wolfsburg
Februar 2015 | Nr. 44
Auf „Augenhöhe“
Filmpremiere zur Zukunft
der Arbeitswelt
Auf ins Abenteuer
Steuerberater Kurt Fessel
im Dschungel
ivExklusiew
v
Inter
Achim Kolanoski
Vorstandsvorsitzender Deutsche BKK
Eine Fusion
zum Abschied
Die Zukunftsmacher
präsentiert die
Vortragsreihe Megatrends 2015
Standort38, das Wirtschaftsmagazin für die Region, lädt
Sie zu einer hochwertigen Vortragsreihe ins neue BZV
Medienhaus ein. Acht prominente Referenten und
Wirtschaftsexperten stellen Ihnen einige der wichtigsten
Megatrends der Zukunft vor. Werden Sie Teil von
Standort38 – lernen und diskutieren Sie mit!
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nur 299,– Euro
für acht Wissensabende
mit steuerfähiger Rechnung.
Demografischer Wandel & Alterssicherung | Werte & Gesellschaft | Digitalität & Datenflut | Führungswandel & Verantwortung
Wissensexplosion & Bildungswandel | Generation Y & Arbeitswelt | Zukunft & Perspektiven | Innovationen & Chancen
1
2 Sven Gábor Jánszky 3
Prof. Dr. B. Raffelhüschen
11.02.2015
Zur Nachhaltigkeit
der Alterssicherung
18.03.2015
Die Neuvermessung der Werte
Digitaltherapie
„Wer seine Werte für besonders wichtig hält,
muss sie als Erster für die neue Zeit übersetzen! Sonst tun es andere.“
„Ich heile E-Mail-Wahnsinn und FacebookInkontinenz für mehr Wertschöpfung!“
Wenn Führung auf Zukunft trifft!
Was war, was ist, was kommt?
Die besten Tipps für mehr Arbeitsspaß,
Erfolg und Lebenszeit. 4
24.06.2015
Peter Brandl
Hurricane Management
Führen in stürmischen Zeiten
„Menschen versagen nicht, sie funktionieren –
man sollte nur wissen wie!“
© CommonLense.de
„Das demographische Problem ist etwas was
schon war und – obwohlʼs noch kommt –
schon gewesen ist!“
15.04.2015
Anitra Eggler
5 Prof. Dr. Martin Korte 6
16.09.2015
14.10.2015
Monika Frech
Erkenntnisse aus der
Gehirnforschung
Keine Angst vor der Generation Y
„Der Mensch entscheidet viel emotionaler und
irrationaler als bisher angenommen.“
„Wenn wir wollen, dass Innovation mehr ist
als die tausendste neue App, müssen wir das
erneuern, was wirklich zählt: die Strukturen,
in denen wir arbeiten.“
Sind wir fit für die Zukunft?
Wie wir Jungen ticken, arbeiten und
Zukunft gestalten
7
11.11.2015
Dr. Pero Mićić
Wie Sie mehr von der Zukunft
sehen, verstehen und haben
Wie mächtige Trends und erstaunliche
Technologien Ihr Leben und Geschäft
verändern
09.12.2015
Das Neue und seine Feinde
Innovationen voranbringen
„Innovation heute ist wie Wollen, Wandel
morgen ist wie Müssen.“
„Die Zeit wird kommen, in der wir uns wundern werden, dass wir so Offenbares nicht
gesehen haben. (Seneca)“
Veranstaltungsort: BZV Medienhaus, Hintern Brüdern 23, 38100 Braunschweig
Einzelkarte
Der Vortrag findet jeweils mittwochs von 19.30 bis 21.00 Uhr statt. (Einlass ab 19.00 Uhr)
8er-Abo
Infos & Buchung:
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49,00 €*
349,00 €*
*Vorteilspreis für Inhaber
der PAYPER CARD
Sie erhalten eine steuerfähige Rechnung für Ihre
Weiterbildungsabende.
3
Inhalt
Liebe Leserinnen
und Leser,
Gehalt
Neue Wirtschaftsbücher
Das Wirtschaftsmagazin für Braunschweig, Gifhorn, Helmstedt,
Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel und Wolfsburg
Februar 2015 | Nr. 44
es gibt Dinge, deren eigentlicher Wert uns erst bewusst
Auf „Augenhöhe“
wird, wenn wir sie verloren
haben. Die Gesundheit gehört
Auf ins Abenteuer
dazu. Wir haben uns dem
Thema aus wirtschaftlicher
Perspektive genähert und über
den Dächern von Wolfsburg
Achim Kolanoski
mit Achim Kolanoski gesprochen. Der BKK-VorstandsvorEine Fusion
sitzende erklärt im Titelinterzum Abschied
view unter anderem, warum
sein Haus weiter auf Expansionskurs und wie der Zustand des Gesundheitssystems
ist. Reformen würden auch vielen Unternehmen gut tun,
meint Sven Franke. Am 25. Februar präsentieren wir seinen Film „Augenhöhe“ als regionale Premiere und haben
vorher mit dem Partizipationsexperten über freie Gehaltswahl und den Innovationstakt der globalen Wirtschaft
gesprochen. Wem soviel „New Work“ nicht reicht, der
sollte sich vielleicht eine Auszeit im Dschungel gönnen.
So wie Steuerberater und Golfclubpräsident Kurt-Werner
Fessel aus Salzgitter, der uns beim „Hausbesuch“ von seinen Abenteuern erzählt hat.
Filmpremiere zur Zukunft
der Arbeitswelt
Steuerberater Kurt Fessel
im Dschungel
ivExklusiEw
intErv
Vorstandsvorsitzender Deutsche BKK
Also … neues Jahr, neues Glück! Wir begleiten Sie 2015
übrigens mit elf Ausgaben und erscheinen zu Beginn des
Monats.
Titelfoto: Nina Stiller
4
Die Ergebnisse des StepStone Gehaltsreport 2015
Gelesen
Ihre Standort38 Redaktion
5
Unternehmen
7
Achim Kolanoski, Vorstandsvorsitzender Deutsche BKK, im Interview
Zahlen
aus dem Statistischen Jahrbuch
13
Meldungen I
14
Partizipation
16
Aktuelles aus der regionalen Wirtschaft
Sven Franke, Filmemacher, im Interview
Gesehen
19
Drei inspirierende Filme über die (Arbeits-)Welt
Hausbesuch
20
Kurt-Werner Fessel, Steuerberater, Golf-Club-Präsident und Abenteurer
Unternehmen
23
Radio38 sendet in Braunschweig und Wolfsburg
Mobilität
Claas Tatje, Buchautor, im Interview
Meldungen II
24
27
Aktuelles aus der regionalen Wirtschaft
Unternehmen
28
Unternehmen
29
75 Jahre WEVG in Salzgitter
Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz neuer Träger der Öffentlichen
Zukunft
30
Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen im Interview
Stiftungen
32
Braunschweigische Stiftung
Engagement
33
Einsatz für Bildung und Soziales
Rückblick
34
Persönlich
38
IHK-Neujahrsempfang, VW Financial Services Neujahrsempfang u. a.
Der Schreibtisch von … Michael P. Aust, Leiter des Inter. Filmfestival BS
Impressum
Herausgeber BZV Medienhaus GmbH | Verlag und Redaktion BZV Medienhaus GmbH, Hintern Brüdern 23, 38100 Braunschweig
Telefon (0531) 39 00 0 | Geschäftsführung Harald Wahls (Sprecher), Manfred Braun, Michael Wüller | Objektleitung Carsten Poll
Redaktionsleitung Christian Göttner (verantwortlich) | Redaktion Dennis Bartz, Dr. Holger Isermann, Christoph Matthies, Ralph-Herbert Meyer
Layout Chris Collet | Anzeigen Michael Heuchert (verantwortlich)
Koordination Anzeigen/Vertrieb Alisa Riechel | Telefon (0531) 39 00 193 | E-Mail standort@bzv.de
Druck Griebsch & Rochol Druck GmbH & Co. KG, Gabelsbergerstrasse 1, 59069 Hamm | Auflage 10.000 Exemplare
DAS MEDIENHAUS
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4
Gehalt
Raritäten mit Gehaltsplus
Die Ergebnisse des StepStone Gehaltsreport 2015
D
as Cliché der Engel in Weiss, schung – Arbeitnehmer aus der Hoteldie in gleichfarbigen Slippern branche und Gastronomie (34.175 €)
spätestens mit 40 ihren gleich- und dem Handwerk (34.970 €). Obwohl
farbigen Porsche besteigen, stammt diese Durchschnittszahlen aufgrund
aus dem vorigen Jahrhundert. In letz- unterschiedlicher Berufserfahrung
ter Zeit hat die Ärzteschaft eher durch sowie Weiterqualifizierungs- und PerKlagen über das magere Gehalt auf sonalverantwortungsgrade vorsichsich aufmerksam gemacht. Dabei sind tig zu interpretieren sind, spiegeln die
Ärzte auch nach dem vierten Gehalts- Ergebnisse durchaus die Auswirkunreport der Jobbörse
gen des FachkräfteStepStone wieder Fast jede zweite Fach- und
mangels. Gerade in
Deutschlands Spit- Führungskraft möchte 2015 Branchen, in denen
zenverdiener. Mit über einen Jobwechsel ein
gut ausgebildete
rund 63.500 Euro Gehaltsplus erreichen.
Arbeitskräfte rar
sind, werden diese
brutto (inklusive variabler Bezüge, wie Boni oder Weihnachts- finanziell umworben.
Föderalistisch ist in Deutschland
geld) liegen sie im Schnitt noch vor
den IT-Fachleuten (56.332 €), Juristen nicht nur das politische System, auch
(56.315 €) und Ingenieuren (55.908 €). die durchschnittlich gezahlten GehälBei den Branchen zahlen die Banken ter unterscheiden sich in den einzel(62.451 €) und die Pharmaindustrie nen Bundesländern deutlich. Wer Bay(59.991 €) am besten, gefolgt von der ern (54.590 €) und Baden-Württemberg
(54.456 €) vorne erwartet hätte, hat
Automobilindustrie (59.727 €).
Abgehängt sind – das ist keine Überra- seine Rechnung allerdings ohne die
Hessen (55.509 €) mit ihrer starken ITBranche und dem Finanzplatz Frankfurt
gemacht. Schlusslichter sind SachsenAnhalt (38.309 €) und MecklenburgVorpommern (39.377 €).
Grundsätzlich gilt: Besser fährt, wer
einen großen Arbeitgeber hat. Im
Schnitt fällt der Gehaltsscheck bei
Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern bis zu 10 Prozent höher aus.
Auch studieren lohnt sich. Akademiker
verdienen rund 35 Prozent mehr als ihre
Kollegen ohne Studienabschluss. Die
nächsthöchste Universitätsweihe, der
Doktortitel, bringt noch einmal etwa 16
Prozent Aufschlag.
Zufrieden mit ihrem Gehalt sind übrigens die wenigsten der rund 50.000 von
StepStone befragten Fach- und Führungskräfte – und das sollte Personaler
aufhorchen lassen: Fast jeder Zweite von
ihnen möchte 2015 über einen Jobwechsel ein Gehaltsplus erreichen.
Holger Isermann
Gehälter nach Branchen
Top-BranchenFlop-Branchen
Banken
1
Hotel & Gastronomie 34.175 €
59.991 €
Pharmaindustrie
2
Handwerk
59.727 €
Automotive
3
Bildung & Training
39.078 €
59.149 €
Telekommunikation
4
Freizeit & Touristik
39.458 €
59.087 €
Chemie
5
Agentur & Werbung
57.853 €
Maschinen- & Anlagenbau
6
Gesundheit & soziale Dienste 41.724 €
57.804 €
Medizintechnik
7
Personaldienstleistungen
57.727 €
Luft- & Raumfahrt
8
Land- & Forstwirtschaft
44.462 €
57.187 €
Versicherungen
9
Öffentlicher Dienst & Verbände
44.554 €
56.987 €
Energie
Groß- & Einzelhandel
45.181 €
62.451 €
10
34.970 €
40.680 €
42.757 €
Die Gehälter beziehen sich auf das durchschnittliche Bruttojahresgehalt inkl. variabler Anteile.
Grundlage dieser Grafik ist der StepStone-Gehaltsreport 2015. Die Online-Jobbörse hatte dafür rund 50.000 Fach- und Führungskräfte befragt.
5
Gelesen
Altes und neues Lernen
Neue Wirtschaftsbücher kritisch betrachtet
Neues Lernen
Benedict Carey
Rowohlt
I
ch war ein Streber“, gibt Autor
Benedict Carey
gleich zu Beginn
unumwunden zu.
Und legt gleich
nach: „Ein Musterknabe, ein notengeiler Ehrgeizling, ein
Arbeitstier – so ’ne Type“. Den Schulstoff hat der preisgekrönte Wissenschaftsjournalist dennoch längst vergessen. Was jedoch geblieben ist, ist
die Erinnerung an seine Angst. Angst
vor zu viel Stoff und zu wenig Zeit.
Dazu Zweifel und Furcht. Schlechter
zu sein als andere. Nicht perfekt genug
für diese (Arbeits-)Welt. Erst mit dem
Studium kam ein Bewusstseinswandel das Lernen lockerer angehen zu
lassen – und trotzdem durchzukommen. Careys neues Buch erklärt, wie
man mit wenig Aufwand viel erreichen
kann. Statt beim Lernen auf stumpfe
Automatismen, Effizienz und Wiederholung zu setzen, schwört er auf Ablenkung, Spontanität und die Potentiale
des Unbewussten. Er geht sogar so weit
Faulheit, Ignoranz und Zerstreuung als
durchaus nützlich zu proklamieren.C.G.
Probier’s doch
mal mit
Korruption!
Roland Spitzlinger, Julia
Draxler | Riemann Verlag
D
as Wiener oft
eine ganz besondere Form von
Humor pflegen, der
als „Schmäh“ auch
in die Standardsprache übergegangen
ist, beweisen der Wirtschaftsforscher
Roland Spitzlinger und die Kunst- und
Kulturvermittlerin Julia Draxler in
ihrem ganz besonderen „Korruptions“Buch. Frech fragt und erklärt das Wiener Autoren-Duo, wie man u. a. einen
Stundenlohn von 25.000 Euro einsackt,
Gratis-Luxusurlaube erleben kann,
wertvolle Kontakte knüpft, lästigen
Ermittlern entgeht und Schwarzgeld
schön weiß wäscht. Kein Enthüllungsbuch, sondern eine 300-seitige Realsatire (mit vielen Best-Practice-Beispielen und historischen Exkursen), für
die das Duo aber ernsthaft u. a. beim
EU-Parlament, der EU-Kommission
und beim deutschen Bundestag recherchiert hat. Insgesamt 1.032 Quellenangaben animieren zum Weiterlesen
– und einer ehrlichen Auseinandersetzung mit dem System Korruption.C.G.
Weltordnung
Henry Kissinger
C. Bertelsmann
B
ei der amerikanophoben Linken löst er Beißreflexe aus, während
rechte Verschwörungstheoretiker
in ihm das Böse in
Menschengestalt sehen. Er bekam den
Friedensnobelpreis und gilt doch vielen als Steigbügelhalter von Chiles Militärdiktator Pinochet. Henry Kissinger, 1923 im mittelfränkischen Fürth
geboren, war als Sicherheitsberater und
Außenminister viele Jahre lang Strippenzieher der US-Außenpolitik und
stets eine Figur, die polarisierte. Auf
fast 500 Seiten widmet er sich den
wichtigsten außenpolitischen Fragen
unserer Zeit. Die rätselhafte Rolle Russlands, die Bedrohung der Staatlichkeit
durch islamische Fundamentalisten, die
Einordnung Asiens, insbesondere Chinas, in eine neue Weltordnung. Dabei
stützt der 91-Jährige seine Beobachtungen, Analysen und Prognosen stets auf
Vergangenes, so dass sein Buch auch als
lehrreiches Geschichtswerk taugt, das
ordnungspolitische Ereignisse in den
Mittelpunkt stellt.C.M.
7
Unternehmen
„Sie merken erst, ob
eine Kasse etwas
drauf hat, wenn Sie
krank werden …“
Foto: Nina Stiller
Deutsche BKK-Vorstandsvorsitzender Achim Kolanoski über
den Zustand des Gesundheitssystems, den Expansionskurs
seines Hauses und die Macht der Lobbyisten.
8
Unternehmen
Die Deutsche BKK fusionierte zum
1. Januar mit der BKK Essanelle. Das ist
mittlerweile Ihre 13. Fusion. Ist Größe ein
Wettbewerbsvorteil?
Absolut. Wir haben zum Beispiel andere
Verhandlungspositionen bei Vertragspartnern und finden mehr Gehör in der
Politik. Nur zur Verdeutlichung: Wir
werden in diesem Jahr ein Haushaltsvolumen von 3,6 Milliarden Euro haben.
Das ist schon eine Menge Geld.
Hatten Sie keine Angst sich zu übernehmen? Immerhin kamen zu Ihren gut
750.000 Versicherten noch einmal rund
430.000 neue dazu …
Es sind und waren ja zwei funktionierende Einheiten. Beide Kassen sind
gestandene Persönlichkeiten und die
Fusion wurde mehrere Monate vorbereitet. Die Sorge hatte ich deshalb nicht.
Eine der größten Herausforderungen ist
eine technische: Wir müssen die beiden
EDV- und Software-Systeme zusammenbringen und daran hängen Prozesse, die
vereinheitlicht werden müssen. Es gibt
deshalb sicher einige Mitarbeiter, die
aktuell etwas ächzen und stöhnen. Aber
Berufsleben, das er im Jahr 1967 mit einer Ausbildung
zum Sozialversicherungsfachangestellten bei einer Industrie-BKK begann. Der 64-Jährige, der seit 1980 in Wolfenbüttel lebt, war in seiner Karriere für die BKK Post
und Deutsche BKK in ganz Deutschland tätig und gilt als
Experte des deutschen Gesundheitssystems. Standort38
traf ihn zu einem ausführlichen Interview in der Unternehmenszentrale am Nordkopf von Wolfsburg.
von nichts kommt nichts und seit Januar
diesen Jahres können wir alle sagen,
dass wir bei der größten BKK Deutschlands beschäftigt sind.
Im Jahr 1970 gab es noch 1.815 Krankenkassen in Deutschland – heute sind es nur
noch 124. War dieser Konzentrationsprozess notwendig?
Es verdichtet sich alles. Das hat auch den
Hintergrund, dass die Anforderungen an
Krankenkassen aus meiner Sicht erheblich gestiegen sind. Wenn ich mir heute
die Berufsgruppen anschaue, die bei
uns beschäftigt sind: Neben dem klassischen Sozialversicherungsfachangestellten gibt es Apotheker, Ärzte, Juristen,
Betriebswirte, Journalisten und viele
mehr. Nur so können wir die Vorgaben
des Gesetzgebers vernünftig erfüllen.
Kleinere Kassen haben weniger Möglichkeiten dieses Spektrum zu bedienen.
Haben wir in Deutschland immer noch zu
viele Krankenkassen?
Der Konzentrationsprozess ist ja schon
relativ weit fortgeschritten. Wir haben
im Land 2.000 Banken und knapp 60
Versierter Fachmann und aufmerksamer Zuhörer: Achim Kolanoski im Gespräch.
Privatversicherungen für 9 Millionen
Versicherte. Ob einem da knapp 130
gesetzliche Krankenkassen für rund 70
Millionen Versicherte zu viel sind, muss
jeder selbst entscheiden. Wichtig ist,
dass es weiterhin Alternativen gibt.
Die Krankenkassenbeiträge sind von 15,5
auf 14,6 Prozent gesunken. Können Kassen überhaupt auf einen Zusatzbeitrag
verzichten?
Das Thema ist eine Mogelpackung.
Wir hatten im vorigen Jahr 14,6 Prozent und 0,9 Prozent Sonderbeitrag.
Zum 1. Januar hat der Gesetzgeber den
Sonderbeitrag wegfallen lassen und
dem Gesundheitsfonds fehlen dieses
Jahr 11,2 Milliarden Euro. Die müssen
wieder eingespielt werden und es gibt
ganz wenige Kassen, die 2015 auf einen
Zusatzbeitrag verzichten. Längerfristig
hält das keine Kasse durch.
Sind die 15,5 Prozent denn zukunftsfähig
oder wird es weitere Erhöhungen geben?
Natürlich wird sich der Beitrag erhöhen,
das ist doch völlig normal. Jede Krankenschwester und jeder Arzt wird in
2016 wie wir alle eine Gehaltserhöhung
haben wollen, Produkte werden über
die Zeit teurer. Auch der Mindestlohn
wird eine Rolle spielen, zum Beispiel
bei Krankentransporten. Und natürlich
haben wir die Demographie. Die deutsche Bevölkerung wird immer älter,
auch das hat Auswirkungen auf die Kosten im Gesundheitssystem.
Die Leistungen der Kassen sind zu 95 Prozent identisch und seit Januar 2009 gibt es
praktisch einen Einheitsbeitrag. Brauchen
wir nicht mehr Wettbewerb im Gesundheitssystem?
Ich bin zwar ein Verfechter des Wettbewerbs, aber nicht eines Preiswettbewerbs, sondern eines Wettbewerbs um
gute Qualität. Wir haben ein Prinzip der
Solidarität. Das wird über den Preis aus-
Fotos: Nina Stiller
W
estfalen gelten als zuverlässig, ehrlich,
treu, fleißig und zurückhaltend. Diese Eigenschaften scheinen auf den gebürtigen Westfalen Achim Kolanoski, seit 2008 Vorstandsvorsitzender
der Deutschen BKK, perfekt zuzutreffen. Auf diesem Posten betreut er seit der Fusion am 1. Januar 2015 auch die
430.000 neuen Versicherten der ehemaligen BKK Essanelle – sein „Abschiedsgeschenk“ nach einem langen
9
Unternehmen
gehebelt. Natürlich gibt es Menschen,
die mit einer tollen Gesundheit gesegnet
sind, aber ich kenne auch einen Versicherten, der uns im letzten Jahr 1,2 Millionen Euro gekostet hat. Das Prinzip
ist „jung und gesund bezahlt für alt und
krank“. Solange das gelebt wird, funktioniert das System. Wenn eine Krankenkasse nur auf den Preis schaut, vernachlässigt sie außerdem Innovation – denn
wenn ich über die 95 Prozent Regelleistung hinaus etwas anbieten möchte, kostet das Geld.
Warum sollte ich 2015 zur Deutschen
BKK wechseln? Was können Sie besser
als andere Mitbewerber?
Das ist ein Stück weit Philosophie: Bin
ich auf Leistungsverweigerung aus oder
nehme ich den Versicherten ernst. Zum
Beispiel bei der Versorgung mit Hilfsmitteln. Manche Menschen können ja
nur mit einem Rollator oder Rollstuhl
am Leben teilnehmen. Da kann man
nicht tagelang rumeiern, bis man die
Leistung gewährt. So etwas muss schnell
gehen. Wir müssen die Problemlöser
sein. Das ist das Selbstverständnis, mit
dem ich immer den Beruf gelebt habe
und das ich auch versuche, unseren
Kundenbetreuern mitzugeben.
Sie würden den Versicherten also raten,
nicht zu sehr auf den Preis zu schauen?
Was nützt es, 100 Euro pro Jahr zu sparen, aber bei einer Krankenkasse versichert zu sein, die Verträge mit schlechten Kliniken abschließt? Sie merken erst,
ob eine Kasse etwas drauf hat, wenn Sie
krank werden. Das kann gerade bei jungen Menschen 30 Jahre dauern. Sie entscheiden sich deshalb meist preisbewusst.
Ist die Dualität aus gesetzlichen und privaten Kassen ein Zukunftsmodell? Der Vorwurf könnte ja lauten, dass sich die Jungen
und Vermögenden aus der Solidargemeinschaft verabschieden?
Ich lebe jetzt mein ganzes Berufsleben
mit diesem Modell und habe das nicht
als störend empfunden. Es muss allerdings klar sein, dass der Entschluss
für die Private Krankenversicherung
den Weg zurück ins Solidarsystem
verschließt. Für die Vollversicherung
ist dieses System mittlerweile schwer
durchzuhalten, was auch die starken
Prämienerhöhungen der vergangenen Jahre zeigen. Viele Privatversiche-
Steiler Aufstieg: Vom Sozialversicherungsfachangestellten zum Vorstandsvorsitzenden.
rer müssen kämpfen und ich kann mir
vorstellen, dass sich Privatversicherungen zukünftig vor allem auf Zusatzversicherungen konzentrieren, während die
gesetzlichen Kassen die Grundversorgung abdecken.
Die Medizin hat in den letzten Jahren
unglaubliche Fortschritte gemacht. Nicht
alles davon ist aber für jeden finanzierbar. Sind wir bereits in der medizinischen
Zweiklassengesellschaft angekommen?
Das hat man in früheren Jahren immer
mal wieder vorausgesagt, aber die Kostensteigerungen im Gesundheitswesen
haben sich weitestgehend parallel zum
Bruttoinlandsprodukt entwickelt. Die
heutigen Standards sind auf einem richtig guten Niveau. Wenn Ihnen heute
etwas passiert und Sie kommen ins
Krankenhaus, dann haben Sie schon
die volle Versorgung. Es ist schon etwas
ganz Besonderes, dass aufwendige Operationen, wie beispielsweise am Herzen,
unabhängig vom Alter jedem zu Gute
kommen.
Private Vorsorge in Form von Zusatzversicherungen ist also nicht notwendig?
Sie ist nicht zwingend notwendig. Ich
habe für mich zum Beispiel keine private Zusatzversicherung für ärztli-
10
che Behandlungen abgeschlossen. Was
manchmal ein Thema sein kann, sind
die Mehrbettzimmer im Krankenhaus.
Aber auch da sind die Menschen unterschiedlich gepolt.
Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard
Schröder hat bei seiner Regierungserklärung zur Agenda 2010 gesagt, dass er den
sozialen Status der Menschen nicht wieder
an den Zähnen ablesen können möchte. Ist
das nicht längst Realität?
Im Bereich zahnärztliche Versorgung
sehe ich in der Tat einen erheblichen
Mangel im Bereich Zahnersatz. Es gibt
eine Versorgung, die sich ausreichend
oder zweckmäßig nennt, aber für viele
ist ein herausnehmbarer Zahnersatz
unerträglich. Darüber kann man zwar
vieles regeln, die Medizin im Zahnbereich gibt heute aber viel mehr her und
mehr gesetzliche Versorgung wäre an
dieser Stelle wünschenswert.
Psychische Erkrankungen, wie Burnout
und Depressionen, haben längst eine ähn-
liche gesellschaftliche Bedeutung wie körperliche Beschwerden. Ist diese Tatsache
mittlerweile ausreichend anerkannt?
In der Gesellschaft findet heute eine
ehrlichere Diskussion statt. Über psychische Erkrankungen kann gesprochen werden. Vor 20 oder 30 Jahren hat
man solche Erkrankungen weggedrückt.
In der Vergangenheit wurde eine Alkoholabhängigkeit weniger verurteilt als
eine Erkrankung der Seele. Ich glaube
im Übrigen nicht, dass es eine so deutliche Zunahme von Burnout-Fällen gibt,
sondern, dass diese damals einfach nicht
so benannt wurden.
Haben sich nicht auch die Lebensbedingungen verändert?
Natürlich. Familienleben heute zu organisieren, wenn beide Eltern berufstätig
sind, ist eine viel größere Herausforderung als im traditionellen Familienmodell. Es gibt außerdem eine deutliche
Arbeitsverdichtung, die viele Menschen an ihre Grenzen bringt. Hier gibt
es übrigens eine Baustelle: Wer einen
Termin beim Psychotherapeuten benötigt, sollte nicht sechs Wochen oder
mehr warten müssen. Das muss schneller gehen.
Gibt es insgesamt einen Fachärztemangel?
Nein, sie sind nur falsch verteilt. Wir
haben eine hohe Dichte von Ärzten in
den Großstädten und in der Fläche eine
zu dünne Versorgung. Bei der Deutschen BKK haben wir eine Facharzttermin-Hotline und telefonieren im
Umfeld unserer Versicherten die Ärzte
ab. Da immer mal jemand einen Termin absagt, gibt es auch freie Zeiten –
diese muss man nur identifizieren und
gut vermitteln.
Ob Homöopathie oder Osteopathie. Alternative Behandlungsmethoden boomen.
Was halten Sie davon und müssten sich
die Krankenkassen in diesem Bereich nicht
viel weiter öffnen?
Wir bieten auch alternative Behandlungsmethoden an. Dazu gehört zum
Beispiel der Bereich Naturheilkunde,
Fotos: Nna Stiller
Unternehmen
Chefbüro mit imposantem Blick auf die vier Schornsteine des alten Kraftwerks in der Autostadt Wolfsburg. Die Hälfte der Woche ist Achim Kolanoski in Deutschland, u.a. als Lobbyist
11
soweit die Methoden in der Schulmedizin verdrahtet sind. Bei nicht anerkannten Heilmethoden wird es dann eng.
38 Milliarden sogenannte Tagesdosen an
Medikamenten werden in Deutschland
konsumiert. Das ist ein Zuwachs von etwa
50 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Werden wir immer kränker oder greifen wir zu schnell in den Pillenschrank?
Ich glaube, letzteres ist der Fall, andere
Lösungen strengen ja an. Viele Krankheitsbilder sind bedingt durch eine
ungesunde Ernährung oder Bewegungsmangel. Man könnte zwar versuchen,
das eigene Verhalten zu verändern,
aber das ist oft schwieriger als der Griff
zur Tablette. Das erlebt man oft, wenn
jemand zur Kur gefahren ist. Derjenige
kommt mit vielen Ideen und einem
guten Gefühl wieder nach Hause und
nach vier Wochen ist das verpufft. Ganz
ähnlich ist es bei den guten Vorsätzen
für das neue Jahr. Nachholbedarf gibt es
sicher bei der Abstimmung verschiedener Medikamente durch die Ärzte.
Unternehmen
Seit dem 1. Januar gilt die elektronische
Gesundheitskarte. Sind wir jetzt alle gläserne Patienten?
Ich bin ein Verfechter der elektronischen Gesundheitskarte, würde mir aber
wünschen, dass das Thema Datenschutz
intensiver diskutiert wird. Wir erleben
ja heute bereits, dass große Konzerne
Daten sammeln und Kundenverhalten
auswerten. Das darf es im Bereich der
Gesundheitsversorgung nicht geben.
Insofern müssen wir genau beleuchten,
welche Daten auf der Karte gespeichert
werden und was mit ihnen passiert. Das
würde auch die Akzeptanz bei den Menschen erhöhen.
In den USA müssen Versicherte schon
heute mit Aufschlägen rechnen, wenn sie
kein Social-Media-Profil besitzen, weil
sich Ihr Freizeitverhalten nicht auswerten
lässt. Ist so etwas auch in Deutschland
zukünftig denkbar?
Ich schließe so etwas nicht aus. Wir
erleben ja durchaus, dass Themen, die
sich in den USA etabliert haben, mit
einem gewissen Zeitversatz bei uns
ankommen. Eine ähnliche Diskussion
haben wir in Deutschland ja auch schon,
vor allem im Bereich der privaten Krankenkassen. Bei den gesetzlichen Kassen ist es bisher noch etwas antiquiert
– wir honorieren auf Antrag besonders
gesundheitsbewusstes Verhalten, speichern die Daten allerdings nicht.
Wäre es denn denkbar, dass sich das System umkehrt – von der Förderung hin zur
Bestrafung?
Das Thema ist nicht neu, aber ich halte
ein Malussystem für abwegig und zudem
für nicht erforderlich.
in Berlin, unterwegs.
Hat die Politik ihre Hausaufgaben im
Gesundheitsbereich gemacht?
Am Ende kommt es immer auf die
politische Perspektive an. Eine Sache,
die der Gesetzgeber sich noch einmal
anschauen müsste, wäre das Finanzierungsmodell. Von der paritätischen
Finanzierung durch Arbeitgeber und
Arbeitnehmer sind wir ja seit kurzem
weg. Mit dem Modell sind wir aber
lange gut unterwegs gewesen. Auf der
Leistungsseite muss sichergestellt sein,
dass der wissenschaftliche Fortschritt
Eingang in das Angebot der Kassen findet. Für den Bundeshaushalt 2015 ist
die schwarze Null geplant, deshalb sind
unsere Steuerzuschüsse nicht sicher.
Zum 1. Januar 2015 fusionierte die
Deutsche BKK, die 2003 aus dem
Zusammenschluss der Betriebskrankenkassen von der Deutschen Post, Deutschen Telekom und Volkswagen hervorgegangen ist, und die BKK Essanelle
zur ,neuen‘ Deutschen BKK. Ihren Sitz
hat diese in Wolfsburg am Willy-BrandtPlatz 8. Weitere Hauptstandorte des
Unternehmens sind Düsseldorf und
Stuttgart. Die Deutsche BKK betreut
künftig mit 2.200 Mitarbeitern rund 1,2
Millionen Versicherte und wird durch
die Verschmelzung zu einer der größten Betriebskrankenkassen Deutschlands – und ist damit zukunftsfähig
unter den 20 versichertenstärksten Kassen im Lande. Das Haushaltsvolumen
liegt bei 3,6 Milliarden Euro. Zu den Trägerunternehmen der Kasse gehören
zahlreiche namhafte Unternehmen wie
Bayer, die Deutsche Post DHL, Deutsche Telekom, HairGroup, Henkel, MAN
Postbank, Rheinmetall und der Volkswagen Konzern. Das Versorgungs- und
Leistungsangebot der Deutschen BKK
beinhaltet u. a. ein Gesundheitskonto
mit Zusatzleistungen wie Osteopathie,
sportmedizinische Untersuchungen und
Auflichtmikroskopie zur Hautkrebsfrüherkennung sowie ein umfassendes Bonussystem. Das solidarische Prinzip lautet: Passende Versorgung für alle
statt Finanzoptimierung für Einzelne.
12
Unternehmen
Hier fehlt es an Verlässlichkeit, zudem
gerade in einigen Krankenhäusern ein
massiver Investitionsstau herrscht. Da
kommt einiges auf uns zu.
Wären Sie gern Gesundheitsminister?
Das hängt stark von der Finanzsituation
ab (lacht). Wenn die ausgewogen gut
ist, haben Sie einen relativ stressfreien
Job, weil Sie die vielen Interessengruppen bedienen können. Aber in Zeiten
von knappen Kassen oder einer schwächelnden Konjunktur ist die Arbeit
nicht einfach. Der Lobbyismus ist wohl
in kaum einer Branche so ausgeprägt
wie im Gesundheitswesen. Es geht 2015
um rund 200 Milliarden Euro. Da reden
ziemlich viele mit, wie der Kuchen verteilt werden soll, und dann immer sachgerechte Politik zu machen, ist eine
große Herausforderung.
Sind Politik, Krankenkassen und die Pharmaindustrie denn ein Team mit den gleichen Interessen?
Das sicher nicht. Verhandlungen mit den
Arzneimittelherstellern sind schwierig.
Wir haben in den vergangenen Jahren
erlebt, dass die Ausgaben für Arzneimittel höher waren als für ärztliche Behandlungen. Da ist etwas verkehrt, eigentlich
müsste die ärztliche Behandlung im Vordergrund stehen.
Auch nach über 40 Jahren macht ihm der Job noch Spaß, dennoch will Kolanoski nächstes Jahr in Rente gehen.
Sie haben einst als Sachbearbeiter im
Kundenbereich angefangen: Warum sitzen Sie jetzt hier vor uns als Vorstandsvorsitzender?
Das hat sich so ergeben (lacht). Das
Besondere war eigentlich, dass ich
arbeitstechnisch immer dort hingegangen bin, wo ich gebraucht wurde: Stuttgart, Berlin, München, Münster, Hamburg. Ich glaube, gerade diese örtliche
Flexibilität war letztlich der Schlüssel
zum Erfolg. Dadurch bin ich im Unternehmen bekannt geworden und konnte
Loyalität und Leistungsbereitschaft zeigen. Außerdem hatte ich immer Chefs,
die mich gefördert haben.
War das nicht eine Herausforderung für
Sie und Ihre Familie?
Natürlich, aber ich habe irgendwann
mal Anfang der 90er Jahre für mich entschieden, dass es mich nicht erschreckt,
den Beschäftigungsort zu wechseln
und dass ich das für mich und meine
Familie organisieren kann. Von da an
ging es mir bei dem Thema gut. Als
ich 1967 bei einer BKK mit der Ausbildung angefangen habe, kamen gerade
die Arbeitnehmer aus Portugal, Spanien
und Griechenland in die Betriebe nach
Deutschland. Das hat mich in meinem
sozialen Verständnis sehr geprägt.
Wie geht es für Sie weiter?
Ich habe mich im Januar noch einmal für
das Amt des Vorsitzenden beworben,
dann bin ich 64 Jahre alt. Die Fusion ist
sozusagen das Abschiedsgeschenk an
die Beschäftigten. Irgendwann mit 65
Jahren höre ich dann auf, obwohl mir
der Beruf immer noch sehr großen Spaß
macht.
Sie kommen sehr viel rum, was bedeutet
Ihnen die Region?
Ich bin gebürtiger Westfale, wohne aber
seit 1980 in Wolfenbüttel und habe
einen starken Bezug zur Region – auch
zum Harz als Naherholungsgebiet. Viele,
die die Region nicht kennen, unterschätzen sie. Wenn ich in Stuttgart zum Beispiel sage, dass ich zurück nach Wolfsburg fahre, vermitteln mir viele Mitleid
(lacht). In solchen Situationen bin ich
dann auch ein Verfechter der Region!
Nicht abgehoben: Der Vorstandsvorsitzende sucht den Kontakt zu den Kunden.
Christian Göttner, Holger Isermann
Foto: Nina Stiller
Wie steht es denn um den Einfluss der
Pharmaindustrie. Ist der zu groß?
Die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen haben die Situation schon verbessert, aber der Druck durch die Pharmaindustrie ist sehr groß – gerade im
Hinblick auf angedrohte Arbeitsplatzverlagerungen ins Ausland.
13
Zahlen
Deutsche Datensammlung
Zahlen aus dem Statistischen Jahrbuch
693 Seiten
Der Wert deutscher Exportgüter lag
2013 bei insgesamt
dick, kürzlich zum 63. Mal erschienen
und eine wahre Fundgrube für Zahlenfetischisten: Das Statistische Jahrbuch
2014, herausgegeben vom Statistischen
Bundesamt in Wiesbaden. Ein Nachschlagewerk das zu fast jedem deutschen Thema die passenden Zahlen,
Daten und Fakten bietet. Eine Auswahl
haben wir hier versammelt.
1,094 Trillionen €
.
Die wichtigsten Außenhandelspartner
Deutschlands waren Frankreich mit
9 Prozent
8 Prozent
,
und die Vereinigten Staaten mit
7 von 10
deutschen Haushalten besitzen
einen Flachbildfernseher.
Die Fernsehzuschauer sitzen im Schnitt
3 Stunden und
41 Minuten
am Tag davor.
.
Die Vereinigten Staaten waren
mit einem Volumen von
88 Milliarden €
der größte Abnehmer deutscher
Exporte außerhalb der Eurozone.
Die meisten Sonnenstunden
gab es 2013 in Deutschland in
Arkona auf Rügen:
Die Lebenserwartung liegt
für Mädchen heute bei
1.950,2 Stunden
.
Die wenigsten auf dem Kahlen
Asten im Hochsauerlandkreis:
und für Jungen bei
1.197,3 Stunden
.
12.917 km
Autobahn ziehen sich quer durch
Deutschland. Knapp
44 Millionen
3.339
Autos sind bei uns zugelassen.
Durchschnittlich hatte im
Jahr 2012 jeder deutsche Haushalt
3.133 €
monatlich zur Verfügung.
83 Jahren
78 Jahren
Menschen starben 2013
im Straßenverkehr. Der beliebteste
Ausbildungsberuf für Männer:
Kfz-Mechatroniker.
.
In den letzten 100 Jahren ist die
Lebenserwartung um mehr als
30 Jahre gestiegen, das entspricht
einem ganzen Lebensabschnitt.
2012 waren
16,7 Millionen
Menschen im Rentenalter.
Der Anteil der 65-Jährigen
hat sich damit auf knapp
21 Prozent
verdoppelt.
14
Meldungen I
Olaf Glaeseker gilt als strategischer Kopf und
Strippenzieher hinter dem Aufstieg und Absturz des
ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff.
Hermann Stark, Geschäftsführer der VAF GmbH,
setzt in seinem Unternehmen auf Maßanfertigungen
und Kreativität.
Neuer Vorstand der
Welfenakademie
Leiter der Konzernkommunikation bei New Yorker
Kaum hatte Joachim Roth vor Jahresfrist seine Position als Wirtschaftsdezernent und -förderer der Stadt Braunschweig abgegeben, warteten schon
neue Aufgaben auf ihn – zum Beispiel
in der Bürgerstiftung. Seit Kurzem hat
der 62-Jährige nun einen weiteren Posten. Als Nachfolger von Manfred
Casper wurde er zum Vorstandsvorsitzenden der Welfenakademie gewählt,
zuvor war er dessen Stellvertreter. „Die
Einrichtung ist fachlich und wirtschaftlich auf gutem Kurs. Unsere Bilanzsumme beträgt 1,2 Millionen Euro, das
ist für eine kleine Akademie wie die
unsrige ein guter Wert“, erklärte Roth.
Olaf Glaeseker (53) wird zum 15.
Januar 2015 Leiter der Konzernkommunikation und des Bevollmächtigten
für Regierungsbeziehungen des Braunschweiger Bekleidungsunternehmens
New Yorker. Glaeseker ist Journalist
und diplomierter Sportwissenschaftler. Viele Jahre war er bundes- sowie
landespolitischer Korrespondent und
Redakteur in Bonn und Oldenburg. Als
langjähriger Sprecher der Niedersächsischen Landesregierung und für Bundespräsidenten Christian Wulff kam
er überregional in die Schlagzeilen. Er
berichtet direkt an New-Yorker-Alleininhaber Friedrich Knapp.
Gemeinsam mit Mentor Ranga
Yogeshwar ehrt Top 100, seit über
zwanzig Jahren das einzige Benchmarking für Innovationsmanagement in
Deutschland, die innovativsten Firmen
des deutschen Mittelstands. Bewertet
werden alle Stufen des Innovationsprozesses. Das Institut für Entrepreneurship und Innovation der Wirtschaftsuniversität Wien hat 2014 die
Bewerbungen von 247 Unternehmen
geprüft. Eine Auszeichnung als TopInnovator bezüglich Innovationsmanagement und -erfolg bekam die VAF
GmbH, die seit 30 Jahren in Bopfingen
und in Salzgitter Sondermaschinen für
die Automobilindustrie fertigt.
Spatenstich: Verantwortlche der WOB AG, NFF, Open
Hybrid LabFactory e.V. , TU und Stadt Wolfsburg.
Mehr als 836.000 Fahrzeuge wurden im vorigen Jahr
im Volkswagen Werk Wolfsburg produziert.
Prof. Dr. Karl-Heinz Spitzer, Ulrich Grethe, Burkhard
Dahmen und Bundespräsident Joachim Gauck.
Innovativer Mittelständler
Open Hybrid LabFactory
Bestes Produktionsergebnis
Zukunftspreis 2014
Für die Entwicklung und Fertigung
hybrider Leichtbaukomponenten entsteht in Wolfsburg mit der Open Hybrid LabFactory ein Kompetenz- und
Forschungszentrum. Betreiber der Forschungsfabrik sind der Open Hybrid LabFactory e.V. und die TU Braunschweig mit ihrem Niedersächsischen
Forschungszentrum für Fahrzeugtechnik (NFF). Die Wolfsburg AG investiert in die für Mitte 2016 geplante Baufertigstellung rund 30 Millionen Euro.
Förderer sind das Bundesministerium
für Bildung und Forschung, das Land
Niedersachsen, die Stadt Wolfsburg
sowie Industriepartner, die insgesamt
über 100 Millionen Euro bereitstellen.
Das Volkswagen Werk Wolfsburg hat
2014 das beste Produktionsergebnis
seit 24 Jahren erzielt. Mehr als 836.000
Fahrzeuge verließen im Vorjahr die
vier Montagelinien des Werks. Das
sind rund 29.000 Einheiten mehr als
2013. „Dieser Erfolg ist durch den hervorragenden Einsatz aller Mitarbeiter
möglich geworden. Sie haben an vielen Wochenenden und im Werkurlaub
gearbeitet und mehr als 100 Sonderschichten gefahren“, sagte Werkleiter
Jens Herrmann. Den größten Beitrag
zum Rekordergebnis leisteten der Golf 7 und der Tiguan. Vom Golf verließen
mehr als 409.000 Fahrzeuge die Hallen,
vom Tiguan mehr als 247.000.
Bundespräsident Joachim Gauck hat
den „Deutschen Zukunftspreis –
Preis des Bundespräsidenten für
Technik und Innovation“ in Berlin vergeben. Dabei wurde auch das
Gemeinschaftsprojekt „Horizontales
Bandgießen von Stahl – neue Hochleistungswerkstoffe ressourcenschonend
herstellen“ ausgezeichnet. Es gehört zu
drei Projekten, die für den Preis nominiert worden waren. Die Partner sind
Salzgitter Flachstahl GmbH, SMS Siemag AG und Technische Universität
Clausthal. In dieser Zusammenarbeit
wurde ein neues Stahl-Gießverfahren
entwickelt, das weitaus weniger Energie als bisher benötigt.
Fotos: Jürgen Eickmann, DPA, Alex Kohler, IC-L Ingenieur Consult, Volkswagen AG, Wirtschafts- und Innovationsförderung Salzgitter
Joachim Roth wird Nachfolger von Manfred Casper –
und will das Kuratorium der Welfen mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bereichern.
15
Michael Ernst begleitet die Enstehung und Entwicklung des Centers bereits seit dem Jahr 2007.
neuer Centermanager der
Designer Outlets WOB
Fotos: Designer Outlets Center Wolfsburg, Susanne Hübner, Andreas Tamme, Braunschweig Stadtmarketing GmbH/Peter Sierigk
Rund ein Jahr nach der Eröffnung des
zweiten Bauabschnitts mit zahlreichen neuen Marken wie Abercrombie &
Fitch, Michael Kors, Calvin Klein u. v. a.
gibt es für das Designer Outlets Center
Wolfsburg auch in personeller Hinsicht
Neuigkeiten. Die Position des Centermanagers übernimmt der bisherige
Senior Marketing Manager und stellvertretende Centermanager Michael
Ernst. Bereits seit März 2007 verantwortet dieser das Marketing und begleitete die Entwicklung des Centers. „Das
Center über die vergangenen Jahre
wachsen zu sehen und ein Teil davon
zu sein, freut mich sehr“, sagte Ernst.
Meldungen I
Oliver Syring (Allianz f. d. Region), Dr. Simone
Karrie, Prof. Dr. Reinhard Köster (Teach it forward).
IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert gibt
sich verhalten optimistisch für 2015.
4. Regionaler Bildungspreis
Wirtschaft nimmt Fahrt auf
Von Inklusionsprojekten für Jung und
Alt über Forschungslabore für Kinder und Jugendliche bis hin zu Social
Media-Angeboten: Das vielfältige Engagement regionaler Bildungsakteure
beeindruckte die Jury des 4. Regionalen Bildungspreises der Allianz für
die Region GmbH. Unter dem Motto
„Bildung hat viele Gesichter“ konkurrierten 120 Bildungsprojekte in den
Kategorien Kinder, Jugendliche und
Erwachsene um Preisgelder im Wert
von 30.000 Euro. Platz eins bei den
Erwachsenen: „Lernen durch Lehren:
Teach It Forward auf drei Wegen.“
Eine aktuelle Konjunkturumfrage der
Industrie- und Handelskammer (IHK)
Lüneburg-Wolfsburg, an der sich knapp
300 Betriebe beteiligten, zeigt: Es geht
wieder bergauf mit der regionalen
Wirtschaft. Die Unternehmen sind mit
der gegenwärtigen Lage zufrieden. Der
Index stieg nach einem Dämpfer im
dritten Quartal 2014 um neun auf 113
Punkte. „Die Rahmenbedingungen sind
wegen der sinkenden Energiepreise,
des exportfreundlicheren Euro-Kurses
und der hohen Kaufkraft der Bevölkerung sehr ordentlich“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert.
Gerold Leppa, Nina Bierwirth (Stadtmarketing) und
Stephan Lemke (Stadthalle BS GmbH).
Kongressbotschafter
Das Convention Bureau Braunschweig
(CBBS) will mit einer neuen Kongresskampagne auf die Tagungsmöglichkeiten in Braunschweig und der
Region aufmerksam machen. Ansässige
Unternehmer, Wissenschaftler und andere Multiplikatoren sollen selbst zum
Kongressbotschafter werden damit
diese Tagungen und Kongresse in der
Löwenstadt durchführen. Symbolfigur
der Kampagne ist eine gewisse Frau
Heinrich, die als Organisatorin auftritt.
Wirtschaftsdezernent Gerold Leppa:
„Die Kernaussage ist: Das Gute liegt
so nah! Tagen Sie vor der Haustür in
Braunschweig.“ Weitere Informationen: www.braunschweig-congress.de.
Sie suchen einen Sitzungsort?
Dann sind Sie hier genau richtig:
In der Brackstedter Mühle erwartet Sie herzliche Atmosphäre, hervorragende Küche
und viel Erfahrung in der professionellen Durchführung Ihrer
erfolgreichen Seminare und gelungenen Feierlichkeiten.
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Hotel & Restaurant Brackstedter Mühle
Zum Kühlen Grunde 2 | 38448 Wolfsburg, OT Brackstedt
Tel. (0 53 66) 90-0 | www.brackstedter-muehle.de
16
Partizipation
sächlich darum, dass sich die Menschen
wohler fühlen?
Das eine schließt das andere nicht aus.
Aktuell haben wir in vielen Unternehmen zum Beispiel die Herausforderung
Innovation. Wenn es gelingt, die Organisation um die Mitarbeiter herum zu
bauen und jeder seine Potenziale entfalten kann, ist Innovation kein Thema
mehr, sondern ein Selbstläufer.
Findet Innovation deshalb immer häufiger
in Startups statt?
Ja, Startups können die Potenziale ihrer
Mitarbeiter meist besser nutzen, weil
Aufgabenverteilungen sich in der Regel
nach den Kompetenzen richten. Wer
besonders gut reden kann und den Geist
der Kunden findet, übernimmt den Vertriebsjob, ein anderer dafür die Buchhaltung.
Sind Startups hierarchielos?
Nein, sie haben weiterhin Hierarchien,
die aber nicht von oben bestimmt, sondern von unten verliehen werden. Ich
folge dir, weil ich glaube, dass du uns
voran bringst. Das ist ein stark auf einzelne Projekte gerichteter demokratischer Gedanke.
Filmemacher Sven Franke möchte die Arbeitswelt
verändern – ein Gespräch über Demokratie in
Unternehmen, freie Gehaltswahl und den
Innovationstakt der globalen Wirtschaft
Sie setzen seit einigen Jahren Modelle
der Mitarbeiterbeteiligung um .
Warum jetzt „AUGENHÖHE“?
Ende 2013 wollten wir bei einer Open
Space-Veranstaltung ein Manifest zur
Frage schreiben, wie wir zukünftig
zusammen arbeiten wollen. In der zweiten Session kam die Idee auf, dass wir
den Spirit des 21. Jahrhundert zeigen
wollten, wenn es ihn gibt. Da war die
Filmidee geboren.
Ist „AUGENHÖHE“ ein Dokumentaroder ein Schulungsfilm für eine neue
Arbeitswelt?
Es ist ein Impulsfilm. Wir zeigen Szenen
der Zusammenarbeit, die ganz unterschiedlich und teilweise widersprüchlich sind. Diese sind aber nicht inszeniert.
Verstehen Sie Mitarbeiterbeteiligung als
Managementinstrument oder geht es tat-
Das heißt die Demokratisierung der Wirtschaft ist eigentlich alternativlos?
Wir sehen aktuell zwei Tendenzen. Auf
der einen Seite, dass Unternehmen noch
hierarchischer werden und noch mehr
Verantwortung nach oben übertragen
und die andere Seite, die sagt, dass die
Verantwortung dahin gehört, wo auch
die Entscheidungen getroffen werden
müssen. Wir gehen von einem positiven Menschenbild aus. Der Einzelne ist
motiviert und möchte etwas bewegen.
Die Mitarbeiter müssen lernen selbstständig Entscheidungen zu treffen und
die Organisation muss lernen mit diesen
Entscheidungen zu leben.
Fotos: Privat
„Wir wollen keine
schöne heile Welt“
Funktioniert so etwas auch in großen
Unternehmen?
Natürlich, die machen es sogar vor. Die
Telekom gründet aus und schafft kleinere Strukturen, in denen die Mitarbeiter selbstständiger agieren können. Das
wird das Konzept der Zukunft sein. Die
großen Konzerne werden sich immer
mehr ausgründen (müssen) und sich
somit in Holdings verwandeln und die
Unternehmensbereiche unter einem
Dach versammeln.
17
Partizipation
Filmpremiere
Standort38 zeigt den Film „Augenhöhe“ zusammen mit dem Hochschulmagazin studi38 in einer regionalen Premiere. Los geht es am 25. Februar um 19 Uhr im
Konferenzcenter des BZV Medienhauses (Hintern Brüdern 23). Der Eintritt ist frei.
Anschließend lädt Filmemacher Sven Franke die Besucher zu einem „Fish-Bowl“Dialog über die Arbeitswelt der Zukunft ein.
Anmeldungen unter magazine@bzv.de oder 0531 3900-193.
Was bedeutet das für die Fehlerkultur?
Wir zeigen Unternehmen, die zum Teil
Fehler feiern, weil sie sagen, dass die
Organisation daraus lernt. Da versteckt
sich wieder der Startup-Gedanke: Mach
was, überleg nicht lange. Wenn es falsch
ist, korrigier es! Wichtig ist, dass die
Unternehmen sich eingestehen, dass sie
auf einer Reise sind. Es gibt nicht mehr
den Zweijahresplan, den man ausrollen
kann und der Antworten auf alle Fragen
liefert.
Und in klassischen Unternehmen?
Dort betrachtet man die Organisation
als Maschine. Wenn ein Zahnrad kaputt
geht, suchen Personaler in der Regel am
Markt einen Ersatz, welches passt. Und
wenn es etwas hakt, dann dengelt man
das Zahnrad eben zurecht. So nutzt ein
Unternehmen aber nicht das Potenzial
eines neuen Mitarbeiters.
Wer spricht Sie an, damit Sie das Unternehmen beim Wandel unterstützen?
Vor allem Geschäftsführer und Personalabteilungen, die merken, dass traditionelle Seminare sie trotz riesiger Budgets nicht mehr weiterbringen. Das hat
viel mit der aktuellen Prozess- und Projektgeschwindigkeit zu tun. Oft ist es
gar nicht mehr möglich Entscheidungswege nach oben abzuklappern, weil
dann nämlich der Kunde, das Projekt
oder sogar der ganze Markt weg sind.
Schauen Sie sich das iPad an. Das erste
Modell kam am 3. April 2010 auf den
Markt. Mittlerweile sind Tablets nicht
mehr wegzudenken. Das zeigt die heutigen Innovationszyklen.
Die etablierten Organisationsstrukturen in
Unternehmen passen also nicht mehr zum
Innovationstakt der globalen Wirtschaft?
Das ist ein Aspekt. Dazu kommt der
Gesundheitsbereich. Wir brauchen
Lösungen für Burnout und Co. Es gibt
noch keine verlässliche Studie, aber wir
haben spannenderweise in einer psychosomatischen Klinik gedreht und
dort ist man absolut davon überzeugt,
dass der New-Work-Gedanke die Gefahr
von Burnout reduziert, weil jeder sein
eigenes Potenzial entfalten kann und die
Kollegen aufeinander achten.
Klingt nach schöner heiler Welt…
Unternehmen bleiben Wirtschaftsunternehmen. Wir wollen keine schöne heile,
sondern eine andere Welt. In der wird
es zum Beispiel weiterhin Kündigungen
bzw. Vertragsauflösungen geben.
Das heißt für die Personalverantwortung
und die Festlegung des Gehalts braucht es
weiterhin den guten alten Chef?
Wenn ich ein gemeinsames Bild habe,
dann gibt es auch eine Bindung zum
Unternehmen und die Themen Employer Brandung und Recruiting erledigen sich von alleine. Viele der Unternehmen, bei denen wir gedreht haben,
schalten keine Stellenanzeigen, weil das
gute Arbeitsklima sich herumspricht
und die Mitarbeiter selbst neue Kollegen werben.
18
Partizipation
Neue Arbeitsformen – neue Arbeitswelten: Hier das Hub Islington-Coworking Space in London.
Freie Gehaltswahl – das heißt konkret?
Bei V&S hat man alle Gehälter offen
gelegt und an eine Wand geschrieben.
Daneben hat jeder geschrieben, was er
zukünftig verdienen möchte. Die Mitarbeiter müssen sich dafür nicht rechtfertigen, sondern sich selbst lediglich
drei Fragen beantworten: Was leiste
ich für das Unternehmen? Was leiste
ich im Vergleich zu meinen Kollegen,
deren Gehälter ich ja auch kenne? Was
ist mein Marktwert? Mittels dieser drei
Fragen legen die Mitarbeiter ihr Gehalt
unter Konsultierung zweier Kollegen
fest. Die Entscheidung trifft am Ende
aber jeder Mitarbeiter selbst und der
Geschäftsführer unterschreibt praktisch
ungeprüft.
Was ist, wenn eine Null zuviel draufsteht?
Wenn ich weiß, was das Unternehmen
verdient und mein Einsatz finanziell
eingebracht hat, ist das eigentlich ausgeschlossen. V&S-Geschäftsführer Lars
Vollmer bekommt diese Frage übrigens
sehr oft gestellt. Die Antwort ist relativ
einfach: Das tut niemand. Insgesamt hat
es im ersten Schritt eine Erhöhung von
rund 6 Prozent gegeben.
In dem Moment, wo ich Menschen Verantwortung übertrage, versuchen sie nicht die
Lücken im System zu finden, sondern zahlen das Vertrauen durch Fairness zurück?
Genau. Ein gutes Beispiel ist das Thema
Reisekostenabrechnung. Es gibt Firmen,
die überprüfen nicht mehr, was Mitarbeiter einreichen, sondern erstatten
pauschal die angegebenen Beträge. Weil
Sie sagen, wir vertrauen dir als Mitarbeiter, dass du die Abrechnung korrekt
machst. Selbst, wenn ein kleiner Anteil
der Mitarbeiter das Vertrauen ausnutzt,
rechnet sich der Schritt durch die Einsparung in der Buchhaltung wieder.
Was ist mit den Handwerkern oder dem
Einzelhandel? Brauchen auch diese Branchen mehr Mitarbeiterbeteiligung?
Nehmen Sie die Drogeriekette DM. Dort
entscheiden die Mitarbeiter jeder Filiale über das Sortiment, weil sie die Kunden am besten kennen. Wo vornehmlich ältere Menschen wohnen, gibt es
also mehr Pflegeprodukte wie Haftcremes und in kinderreichen Gegenden
eben mehr Babynahrung. Insofern können alle Branchen von mehr Beteiligung
profitieren.
Es gibt ja immer wieder die These, dass
wir besonders hierarchieaffin wären …
Wir sind mit klaren Strukturen natürlich
sehr lange sehr erfolgreich gefahren.
Das, was Taylor 1910 formuliert hat,
war nicht falsch. Die Frage ist eher, ob
Annahmen jetzt noch gültig sein können,
die aus Zeiten stammen, in denen Menschen vor allem Maschinenersatz waren.
Der Volkswagen-Konzern ist zum Beispiel
relativ hierarchisch organisiert und trotzdem erfolgreich …
Wenn sich ein VW-Betriebsrat hinstellt und zum geplanten MilliardenSparprogramm entgegnet, dass er die
Summe einsparen kann ohne Mitarbeiter zu entlassen, sagt das doch einiges.
Ja, Volkswagen ist sehr erfolgreich, aber
könnte möglicherweise noch viel erfolgreicher und schneller sein. Nehmen Sie
Tesla in den USA. Die Geschwindigkeit
mit der man dort ein völlig neues System geschaffen hat, ist in der deutschen
Automobilindustrie nicht denkbar.
Unter anderem deshalb konnte Tesla
auch seine Patente verschenken …
… Sie meinen, weil man der Konkurrenz
voraus ist?
Ja, wir konnten in einigen Unternehmen selbst in strategischen Meetings
ohne Drehbeschränkung filmen. Einfach, weil man sich für so innovativ hält,
dass die aktuellen Themen bis zur Filmpremiere schon wieder Schnee von gestern sind. Holger Isermann
Foto: Melissa North
Aber wenigstens beim Geld hört die Freiheit auf, oder?
Nicht unbedingt. Das Beratungsunternehmen Vollmer & Scheffczyk (V&S)
aus Hannover hat beispielsweise vor
zweieinhalb Jahren die freie Gehaltswahl eingeführt, weil die Angestellten
häufiger vor der Frage standen, ob sie
sich für den langfristig geplanten eigenen Bonus oder bei den aktuellen Anfragen der Kunden engagieren. Die Frage
ist einfach, ob man als Unternehmen die
Mitarbeiter vor eine solche Entscheidung stellen möchte.
19
Gesehen
Bewegte Wirtschaft!
Drei inspirierende Filme über die (Arbeits-)Welt
Work hard play hard
Carmen Losmann | Film Kino Text | 2012
C
Fotos: Verleihe
armen Losmann zeichnet ein beunruhigendes Bild der gegenwärtigen Arbeitswelt und hat dafür unter
anderem bei Unilever, DHL und Kienbaum gedreht. Ihre Dokumentation
über Arbeitsorganisation und Personalmanagement kommt ohne Kommentar aus, denn die Akteure sprechen für
sich. So, wie ein junger Mann, der das
Unternehmenscredo seines Arbeitgebers vorliest: „Ein Mensch, der im Flow
ist, geht voll in seiner Tätigkeit auf. Er
vergisst, was um ihn herum geschieht.
Er weiß in dem Moment, was gut für
ihn ist, weil es gut für das Unternehmen ist …“ Oder die Unternehmensberaterin, deren Vision es ist „den kulturellen Wandel nachhaltig in die DNA
jedes einzelnen Mitarbeiters zu verpflanzen“. Es sind solche Momente, die
verdeutlichen, wie sehr der Mensch
bereits zum Humankapital geworden
ist und die Grenzen zwischen Arbeit
und Freizeit verschwinden.
Speed: Auf der Suche nach
der verlorenen Zeit
Florian Opitz | Camino Filmverleih | 2013
S
peed ist kein Film, der sich auf
die Arbeitswelt beschränkt, sondern gleich das gesamte Leben in den
Blick nimmt und den Optimierungsund Geschwindigkeitsrausch freilegt.
Eigentlich sparen wir ständig Zeit –
und trotzdem bleibt nichts davon übrig.
Und das trotz Internet, billigem Flugverkehr und durchgeplanten Tagesabläufen. Filmemacher Florian Opitz hat
sich deshalb auf die Suche nach der
verlorenen Zeit gemacht. Auf der Reise
begegnet er sowohl Menschen, deren
Geschäft die Beschleunigung ist, als
auch Aussteigern, die sich die Langsamkeit mehr oder weniger mühsam
zurückerobern. Kritiker bemängeln,
dass das Ergebnis an einigen Stellen
allzu holzschnittartig erscheint. Andererseits führt gerade diese plakative
Auswahl der Protagonisten zu pointierten Aussagen – Zeitverschwendung ist
Speed deshalb nicht!
Master of the Universe
Marc Bauder | Arsenal Filmverleih | 2013
Z
um ersten Mal packt ein Insider
des internationalen Finanzgewerbes aus: Investmentbanker Rainer Voss
hilft in „Master of the Universe“ der
Außenwelt zu verstehen, welche Mentalität hinter den gläsernen Wolkenkratzern von „Mainhattan“ herrscht.
Er erzählt von der Skrupellosigkeit
(„I don’t care how you do it“) wie dem
bedingungslosen Gehorsam in der
Branche („Sie müssen bereit sein, Ihr
Leben aufzugeben“) und widersteht
der Versuchung mit dem System abzurechnen. Während Voss redet, wandert
die Kamera mit ihm durch ein gespenstisch leeres Bankengebäude – fast
sakral und zugleich beunruhigend ist
die Frankfurter Skyline immer wieder
in Szene gesetzt. Dieses Gefühl bleibt
auch zurück, wenn der Aussteiger in
seinem weißen BMW aus der Tiefgarage und dem Bild fährt. Ob die Branche etwas gelernt hat? „Der Schock war
groß, aber … Let’s get on with it.“
H.I.
20
Hausbesuch
E
in imposanter Ausblick.
Gepflegte Grünflächen, beschnittene Sträucher und Bäume schmiegen sich in die weitläufige Wald- und
Hügellandschaft des Vorharzes. Der
18-Loch-Platz des Golf Club Salzgitter/Liebenburg e.V. liegt auf einem ca.
47 Hektar großen Gelände zwischen
dem Kurort Salzgitter-Bad und dem
Ort Liebenburg im Landkreis Goslar.
Zwei Biotope, mehrere Wassergräben,
schräge Spielbahnen usw. werden jeden
Tag von mehreren Greenkeepern in
Form gebracht. Dieses schöne Areal mit
angrenzendem Clubhaus ist das zweite
Wohnzimmer von Kurt-Werner Fessel,
Präsident des Golf Clubs und seit über
vierzig Jahren als Steuerberater tätig.
1948 geboren in Salzgitter-Bad, absolvierte er das Gymnasium, Abitur und
Bundeswehr, studierte danach Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft und Jura in
Göttingen.
Kanzleiinhaber von 1973 bis
2010 in Salzgitter-Bad
„Mich fasziniert
das Neue und
Ursprüngliche“
Steuerberater, Golf-Club-Präsident, Abenteurer –
„Hausbesuch“ bei Kurt-Werner Fessel, der
Salzgitter und entlegene Ecken der Erde liebt
m Jahr 1973 stieg er in die Steuerberatungskanzlei seines Vaters in Salzgitter-Bad ein. „Angefangen haben wir mit
sieben Mitarbeitern, nun sind wir dreißig. Ich habe das Unternehmen bis 2010
geführt und weiterentwickelt und dann
an meine beiden Nachfolger und Partner verkauft. Seit 2015 bin ich nur noch
an einem Tag in der Woche dort tätig“,
erzählt Fessel.
Einer der großen Schwerpunkte der
Kanzlei sind Ärzte und Apotheken,
der Einzugsbereich der Kunden liegt
von Berlin bis Sylt. Fessel hat über die
Jahrzehnte ein großes Netz an Verbundpartnern und -beratern aufgebaut, kann mit seinen Kollegen zwar
nicht alle Dienstleistungen aus eigener
Kraft, aber aus einer Hand anbieten.
„Man sagt ja immer die Steuerberatung
sei ein trockener Beruf, weil sie z. B.
nur mit Gesetzen arbeiten. Das stimmt
überhaupt nicht. Sie müssen mit Menschen leben und arbeiten, deren Unternehmen, Probleme und Ziele sehen und
gestalten. Ich habe die Steuerberatung
nie so betrieben, wie sie im herkömmlichen Sinne angesehen wird. Für mich
war sie nur ein Teil des Berufes. Die
anderen Teile waren Betriebswirtschaft,
Unternehmensnachfolge, gesellschaftsrechtliche Umstrukturierungen und
die Zusammenarbeit mit Banken. Wir
haben unsere Aufgabe früher ganz nüch-
Fotos: Holger Isermann, Kurt-Werner Fessel
I
21
Hausbesuch
Gut gelaunt: Der Präsident beim Interview im Vereinsheim des Golf Clubs Salzgitter/Liebenburg e.V.
tern unter dem Titel ,Von der Geburt
bis zum Tod eines Unternehmens‘
zusammengefasst. Man muss nicht die
Vergangenheit abarbeiten und verwalten, sondern die Zukunft des Unternehmens gestalten. Das machen viele Kollegen nicht“, sagt Fessel. Der 66-Jährige
ist verheiratet, hat drei Kinder und vier
Enkelkinder – und auch zukünftig noch
einiges vor. „Ich muss immer etwas zu
tun haben, aktiv sein. Ich brauche den
Umgang mit Menschen und ein Ziel,
dass ich erreichen kann. ,Ihr Erfolg ist
unser Ziel!‘, lautet der Slogan meiner
Kanzlei – und das gilt auch für mein Privatleben.“
so. Bei uns haben wir einen Monatsbeitrag von 99 Euro – das bezahlt man fast
schon in einem guten Fitnesstudio. Ich
sehe es als positiv an, dass sich Golfclubs
für die breite Masse öffnen. Viele noble
Golfclubs sind mittlerweile insolvent“,
berichtet Fessel.
Nichtsdestotrotz ist Golf ein sehr zeitintensiver Sport. Und Zeit wird ein
immer knapperes Gut in unserer hektischen digitalen Gesellschaft. Für ein
18-Loch-Spiel mit anschließenden
Präsident des Club Salzgitter
Liebenburg seit 2011
E
in wichtiger Teil davon ist sein ehrenamtliches Engagement im Golf Club
Salzgitter/Liebenburg, den er seit 2011
leitet. Zwei Tag in der Woche kümmert
er sich um alle wesentlichen Belange
und natürlich die 600 Mitglieder zwischen 5 und 93 Jahren, die innerhalb
eines Einzugsgebiets von 200 Kilometern leben. Der Golf Club steht dank
Fessel finanziell sehr gut da, in den letzten zwei Jahren konnte man circa 110
neue Mitglieder gewinnen, um die sich
in Sachen Platzreife, Golfetikette etc.
intensiv gekümmert wird. Die Zeiten, in
denen Golf ein Reichensport mit hohen
Aufnahmegebühren und Bürgen war,
sind auch in Salzgitter längst vorbei.
Auch wenn hier bis heute viele Unternehmenschefs und Ärzte ihre Schläger
schwingen. „Das Elitäre war früher vielleicht mal, ist heute jedoch nicht mehr
Naturspektakel mitten im tiefsten Dschungel.
Gesprächen und Zusammensein auf der
Clubterrasse muss man fünf bis sechs
Stunden einplanen. Die hat nicht jeder.
Fessel, der gleich in der Nähe des Platzes wohnt und viele Jahre auch Tennis
gespielt hat, nimmt sich diese. Er sieht
Golf als Ausgleich zum stressigen Alltag. Eine Betätigung, um in der Natur zu
sein. Ganzjährig. Ohne Voranmeldung
und Partner. Ein mentaler, gesunder
Sport mit hohem Anforderungspotenzial für Körper und Geist über eine längere Zeit. „All diese komischen Bewegungen, die man macht und dabei noch
versucht gut auszusehen nützen nichts,
wenn man im Kopf nicht frei ist. Ich
möchte Golf spielen und keinen GolfKrieg haben. Viele jagen hinter einem
Handicap her, das ist mir völlig egal.
Seit ich Präsident bin, verschlechtere
ich mich permanent“, erklärt er lachend.
Als Handicap gibt er ungefähr 18 an.
Erkunder und Entdecker seit
Anfang der 80er Jahre
E
s gibt nur eine Sache, bei der KurtWerner Fessel noch mehr entspannt:
Reisen. „Mich fasziniert das Neue. Das
Ursprüngliche. Die Menschen. Ich habe
Karl May komplett gelesen und vor 35
Jahren mit meinen Trips in die entlegensten Ecken der Erde begonnen, weil
22
Hausbesuch
ich dem Stress meiner Arbeit nicht entfliehen, nicht abschalten konnte. Die
ersten großen Reisen führten mich nach
Nordamerika, danach kam Mexiko dran,
da ich mich sehr für die Mayas, Inkas
und Azteken interessiere. Anschließend bin ich allein durch Peru auf alten
Inka-Pfaden gewandert. Ich habe z. B.
die im 15. Jahrhundert in 2.360 Metern
Höhe erbaute Ruinenstadt Machu Picchu besucht“, erzählt Fessel mit leuchtenden Augen.
Den Massen- und Wohlfühltourismus,
den wir heute kennen, gab es damals
jedoch noch nicht. Wollte man etwas
ganz besonderes entdecken, musste
man weit reisen, Mut haben und andere,
meist unbekannte Wege einschlagen.
Fessel tat und riskierte das gerne. Extreme Hitze, wilde Vegetation, exotische Tiere, seltsame Nahrung – alles
kein Problem für ihn. Back to the roots,
goodbye Zivilisation als Kontrastprogramm. „Irgendwann habe ich mein
Herz für den Amazonas entdeckt. Ich
bin nach Iquitos, der letzten mit einem
Schiff zu erreichenden Stadt im tropi-
schen Regenwald gefahren. Von da aus
ging es mit einem Eingeborenen, Rucksack und Machete quer durch den dichten Dschungel.“
Eines seiner liebsten Reiseziele ist
Papua-Neuguinea im Pazifik. Dort
kam er u. a. in einen Ort, in dem er der
erste Weiße war, den die Eingeborenen sahen. Hier gab es keinen Kontakt
zur Außenwelt. Kein Handy und Geld
waren nützlich. Die absolute Wildnis
regierte. Er lebte beim kämpferischen
Stamm der Huli, traf einen abgeschossenen australischen Piloten aus dem
zweiten Weltkrieg, der ihn nach Hitler
fragte und Ordensschwestern, die ihn
mitten im Dschungel mit seinem Namen
ansprachen. Fessel hatte ihre Schule mit
Spenden unterstützt. Wunderliches
und Wunderbares. Bedenken hatte er
bei seinen Urwald-Erkundigungen nur
wenig, kommuniziert wurde mit Händen, Füßen und Schul-Englisch. „Wenn
man sich normal verhält und auf die
Menschen zugeht, passiert einem meist
nichts. Nachts muss man sich mit Schuhen zum Schlafen legen, das essen, was
einem von den Eingeborenen angeboten wird.“
Fessel schildert seine Erlebnisse
in schillernden bunten Farben, reiht
Namen von Städten, Ländern, Flüssen
und Seen wie Muscheln an eine Kette.
Borneo, Sumatra, Burma, Laos und
Kambodscha, Bolivien, Indonesien,
Patagonien, Brasilien, Argentinien und
Vietnam, die Osterinsel und Galápagosinseln, der Titicacasee auf einer Höhe
von 3.810 Meter über dem Meeresspiegel – Fessel war da. Der humorvolle
Mann mit dem Schnauzbart ist in heftige Tropenregen und Taifune geraten,
hat Piranhas verspeist, sich im Urwald
verlaufen, wurde von einem Orang-Utan
angegriffen und von der peruanischen
Guerillabewegung Leuchtender Pfad
ausgeraubt – er hat alles überlebt. Mit
viel Ruhe und Gelassenheit. Ein wichtiger Ausgleich zum stressigen Berufsalltag der Vergangenheit. Im Sommer
will er den Rio Negro, einen Nebenfluss des Amazonas, mit einem Boot mit
Hängematte befahren. Seine Reise geht
weiter … Christian Göttner, Holger Isermann
Foto: Kurt-Werner Fessel
Keine Berührungsängste: Der Salzgitteraner trommelt mit aufwändig bemalten Bewohnern der Südseeinsel Papua-Neuguinea.
23
Verkehr und Blitzer oder beispielsweise
auch einen Parkhausservice. Mehr Information und mehr Musik, die es in dieser Form – im Kernverbreitungsgebiet
leben circa 700.000 Menschen – noch
nicht gibt. „Wir wollen möglichst viele
davon erreichen und werden daher eine
breite Zielgruppe ansprechen. Diese soll
sich schnell mit Radio38 identifizieren.
Eine Möglichkeit zum Feedback und zur
Interaktion bietet zudem unsere Website www.radio38.de“, sagt Friesinger.
Das Profil des Senders wird vor allem
durch einen hohen Informationsanteil
aus der Region geprägt sein: Ab 5 Uhr
morgens gibt es zweimal pro Stunde
News – einmal zur vollen Stunde und
einmal immer um „38 nach“, also acht
Manfred Friesinger, Geschäftsführer der Radio38 GmbH & Co. KG, im Studio.
Minuten nach halb. Dazu kommen Beiträge und Infos aus Sport, Wirtschaft,
Kultur und allen Themenbereichen, die
die Menschen hier bewegen. Das Programm wird auf zwei Frequenzen ausgestrahlt: die Frequenz 96,8 deckt den
Großraum Braunschweig/Wolfenbüttel bis weit nach Westen ab, auf der
Frequenz 93,8 werden vom Funkturm
in Wolfsburg Stadt und Umland versorgt. Die beiden Frequenzen können
technisch auseinandergeschaltet werden und einzelne unterschiedliche Proello, hello turn your radio die aus dem Westen, Norden oder Osten grammelemente ausstrahlen. Dies kann
on. Is there anybody out there?”, einstrahlen und im Programm fallweise redaktionell genutzt werden, aber vor
fragte das britische Pop-Duo regionale Beiträge einbauen. Radio38 allem haben Werbekunden so die MögShakespears Sister 1992 mit ihrem Song dagegen ist ein waschechtes Privatra- lichkeit zu entscheiden, ob ihr Spot in
“Hello (Turn Your Radio On)”.
dio, das nun nicht nur für, sondern auch der gesamten Region oder nur in einem
Hallo, auch Sie sollten das Radio aus der Region sendet. 24 Stunden am Teilgebiet gehört werden soll.
Auf die Frage, welche Daseinsberichmal wieder anschalten! Warum? Mit Tag. Ein Sender ,von hier‘. Die ModeRadio38 startete kürzlich ein neuer – ratoren und Redakteure kennen, leben tigung Radio als Medium in Zeiten von
und weiterer – Sender für die Region. und fühlen die Region.“ Insbesondere Handy und YouTube überhaupt noch
„Wir sprechen hier nicht von einem für die werbetreibende Wirtschaft bie- hat, antwortet Friesinger: „Radio war
‚weiteren Radiosender‘, sondern vom tet sich zum ersten Mal die Möglichkeit, und ist von den klassischen Medien das
ersten Privatradio für die Region Braun- in einem Programmumfeld zu werben, mobile Medium Nr. 1 und war und ist
schweig/Wolfsburg überhaupt“, erklärt das rund um die Uhr hier produziert durch die unmittelbaren ProduktionsManfred Friesinger, Geschäftsfüh- wird. Dies ist ein essentieller Unter- möglichkeiten auch schon immer ein
schnelles Medium:
rer der Radio38 GmbH & Co. KG und schied zum bisheriführt weiter aus: „Im Gegensatz zu den gen Privatradioange- „80 % aller Menschen hören im Radio können
Sie die Informameisten deutschen Bundesländern gab bot in Braunschweig täglich Radio, durchschnitttion unmittelbar auf
es bis vor kurzem in Niedersachsen und Wolfsburg.
lich ganze vier Stunden.“
gar nicht den medienrechtlichen RahSendung geben – es
Radio38 (gehört
men für ein Regionalradio, wie es zum zwölf Gesellschaftern der Region u. a. muss nicht erst ein ProduktionsproBeispiel im Süden der Republik oder der BZV Medienhaus GmbH, VMG Ver- zess durchlaufen werden wie bei andein den Stadtstaaten Berlin und Ham- lags- und Medien GmbH, Rolf Schnelle- ren Medien. Als Medium hat das Radio
burg seit weit über 25 Jahren etabliert cke sowie der SBK Beteiligungsgesell- daher von der Entwicklung bei den
und erfolgreich ist. Erst eine Novellie- schaft) will mehr Informationen aus ‚Mobile Devices‘ und im Online-Bereich
rung des Niedersächsischen Medienge- der Region bringen, ganz nah dran sein sogar profitiert. 80 % aller Menschen
setzes hat den Weg für die Zuweisung am Geschehen – an Geschichten und hören täglich Radio, und das durchvon neuen, regional ausgerichteten Pro- Themen, die die Menschen hier bewe- schnittlich ganze vier Stunden an einem
grammen erlaubt. Bisher ist die hiesige gen. Dazu kommen regelmäßige Servi- Werktag. Das sind Werte, die einzigartig
Christian Göttner
Radiolandschaft geprägt von Sendern, ces der circa 30 Mitarbeiter für Wetter, sind.“
„Die Region kennen,
leben und fühlen“
Radio38 sendet in Braunschweig und Wolfsburg
H
Foto: Holger Isermann
Unternehmen
24
Verkehr
„Die Belastung des Pendelns
wird schlichtweg totgeschwiegen“
Buchautor Claas Tatje über den Wahnsinn der Pendlerpauschale,
den Stress von Kampfpiloten und die Bedeutung des Flurfunks
Sie sind selbst seit einiger Zeit Pendler –
warum jetzt dieses Buch?
Es gibt bereits viele humorvolle Bücher
darüber, aber ich habe noch keines gelesen, das beschreibt, welche gesellschaftlichen oder sozialen Folgen und Kosten
das Pendeln hat. Als ich nach Antworten
gesucht habe, habe ich gemerkt, dass es
ziemlich spannend ist und beschlossen,
das Ganze aufzuschreiben.
Wo fängt Pendeln eigentlich an? Hat das
etwas mit der Länge zu tun?
Sobald man sein Leben in die Gewalt
von anderen gibt, ist man eigentlich
Pendler. Sprich, Pendeln beginnt mit
dem Gang aus der Haustür. Ich bin mal
in Brüssel fünf Kilometer mit dem Bus
zur Arbeit gefahren und das konnte bis
zu einer dreiviertel Stunde dauern. Da
hat man schon die klassischen Pendlersymptome. Man wird nervös und tippt
hektisch auf dem Handy rum. Irgendwann hab ich mir dann angewöhnt mit
dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren und
war viel entspannter. Insofern kann man
keine Kilometerangabe machen, sondern muss eher fragen, wann die Mobilität anstrengt.
Sie schreiben, Pendler sind dem gleichen
Stress ausgesetzt wie Kampfpiloten. Was
haben Pendler noch für Probleme, die
andere Leute nicht haben?
Sehr oft Rückenleiden und jegliche
Gesundheitsprobleme, die durch Bewegungsmangel zustande kommen. Pendler haben wahrscheinlich auch häufiger
Zahnschmerzen, weil sie dazu neigen
aus Zeitmangel Kontrolltermine nicht
wahrzunehmen. Dazu gibt es schon
einige Studien. Pendler haben durch das
Pendeln montags bis freitags eine ganz
andere Taktung.
… und treiben weniger Sport als Menschen, die am Wohnort arbeiten?
Ja, Pendler haben einfach weniger Zeit
für Sport. Das Tückische beim Pendeln ist, dass man die Belastung zu
Beginn gar nicht spürt. Anfangs nimmt
man sich noch vor, einmal die Woche
zum Schwimmen zu gehen, aber dann
hat man in der ersten Woche zu viel
zu tun. Und in der nächsten Woche ist
es genauso und wenn man dann zwei
Wochen nicht schwimmt, vermisst man
es auch gar nicht mehr.
Ihre These ist, dass Pendeln sich nicht
lohnt. Warum sind trotzdem rund 30 Millionen Deutsche unterwegs?
Viele reden sich das Pendeln schön,
sonst müssten sie sich ja eingestehen,
was für einen Irrsinn sie jeden Tag treiben. Das ist der eine Grund. Der andere
sind Zwänge: Ökonomische Zwänge,
Fotos: Holger Isermann
Z
eitredakteur Claas Tatje pendelte schon zwischen Brüssel und
Hannover. Aktuell fährt der Familienvater aus der Landeshauptstadt in
die Redaktion nach Hamburg. Seine Erlebnisse und die gesellschaftlichen
Folgen des Pendelns hat er in Buchform zusammengefasst – Titel: „Fahrtenbuch
des Wahnsinns“. Wir saßen mit ihm im Zug von Braunschweig nach Hannover …
25
Mobilität
weil man vielleicht nicht das Geld hat,
von zu Hause auszuziehen. Oder es ist
die Beziehung. Das sind die klassischen
Gründe: Familie und Geld.
Gibt es auch Überzeugungstäter?
Es gibt viele – insbesondere Autofahrer – die sagen, das ist morgens meine
Stunde, die ich für mich habe. Da höre
ich meine Musik oder ein Hörbuch. Das
ist bei vielen aber vorgeschoben, weil
sie eigentlich viel lieber zu Hause auf
der Terrasse Musik hören würden. Wo
ich es schon verstehen kann, ist bei Müttern oder Vätern, die viel Stress haben,
weil sie den Familienalltag meistern
müssen. Diese Leute können während
der Fahrt mal für sich sein und ihren
Gedanken nachgehen.
Eigentlich sollte man davon ausgehen,
dass das Internet die Mobilitätsanforderungen reduziert. Aber das Gegenteil ist
scheinbar der Fall. Ist das nicht absurd?
Im Arbeitsfeld ist es so, dass Videokonferenzen den Büroalltag ersetzen könnten. Aber man hat dann gespürt, dass
Heimarbeit schwierig ist, sobald man
viel kommunizieren muss. Der Flurfunk
wurde unterschätzt und welchen enormen Einfluss die kleinen Zirkel im Büro
auf den Berufsalltag haben können.
Wie meinen Sie das?
Wenn man seinem Chef zum Beispiel
etwas Wichtiges erzählen möchte, will
man einen guten Moment abpassen. Bei
einer Videokonferenz ist man jetzt auf
15 Uhr festgelegt und um 14.30 Uhr hat
der Chef jemanden rausgeschmissen
oder selbst einen Einlauf bekommen.
Wenn ich das im Büro spüre,
komme ich lieber später nochmal wieder. Diese Möglichkeit
hat der Kollege im Homeoffice
nicht.
so, dass man Straßen gebaut hat, um das
Verkehrschaos um Wolfsburg herum zu
beseitigen. Aber niemand hat darüber
nachgedacht, dass die Leute ja auch später anfangen könnten zu arbeiten. Das
ist einfach nicht Teil unserer Unternehmenskultur. Auch Präsenzpflichten
könnte man so abmildern, dass Pendler
einen Tag in der Woche im Homeoffice
verbringen. Das würde den Stress deutlich verringern. Aber zurzeit ist es so,
dass niemand den Eindruck erwecken
möchte, belastet zu sein. Die Belastung
des Pendelns wird schlichtweg totgeschwiegen.
Für die Unternehmen dürften Wochenendpendler attraktiv erscheinen, weil sie
in der Woche kaum soziale Kontakte zu
pflegen haben, oder?
Das ist so. Aber die Arbeitgeber unterschätzen die Kosten. Es entstehen zum
Beispiel mehr Fehltage, da Pendler häufiger krank werden und auch die Chancen für einen Burnout steigen. Die
Pendler, die ich in der Burnout-Klinik
gesprochen habe, führen es zum Beispiel
aufs Pendeln zurück.
Zurzeit sinken die Ölpreise. Was passiert,
wenn sich die Mobilitätsmöglichkeiten bei
steigenden Energiepreisen reduzieren?
Ich glaube, die nächsten 20 oder 30 Jahre
wird schon noch enorm viel gependelt.
Irgendwann werden die Menschen sich
mehr Gedanken machen müssen und
es wird mehr öffentlichen Nahverkehr
geben. Man wird das Pendeln vielleicht
noch mehr subventionieren, zum Beispiel durch die Erhöhung der Pendlerpauschale. Das würde ich allerdings für
Was können Unternehmen zu
weniger Verkehr beitragen?
Sie können für eine andere
Kultur im Unternehmen sorgen – beispielsweise dafür,
dass es nicht mehr wichtig ist,
als Erster morgens im Büro zu
sein, sondern einen guten Job
zu machen.
Ist das Bewusstsein vieler Vorgesetzter veraltet?
Ja. Bei VW war es zum Beispiel
vollkommenen Wahnsinn halten.
Warum?
Die Politik tut einiges dafür, das Pendeln
künstlich zu vergünstigen. Dadurch hat
es für viele Leute keinen Preis und das
ist für mich ein falsches Signal.
Was wäre die Alternative?
Zum Beispiel die 4,5 Milliarden Euro
der Pendlerpauschale für zehn Jahre in
das öffentliche Nahverkehrsnetz zu lenken. Wenn ich mir anschaue, dass sich
die Verkehrspolitik im letzten halben
Jahr fast ausschließlich mit der Maut
beschäftigt hat, merkt man, wie die Prioritäten gesetzt werden. Man hätte die
Zeit ja auch nutzen können, um sich zu
fragen, wie die Mobilität des 21. Jahrhunderts in Deutschland aussehen soll.
Wie soll diese denn aussehen?
So, dass man einfach in den Zug steigt
und wie selbstverständlich zwischen
den Verkehrsträgern hin- und herwechselt oder sich in Fahrgemeinschaften
organisiert. Die Digitalisierung eröffnet
viele Chancen zur Vernetzung, aber bisher ist gerade die Politik sehr zögerlich.
Ist die Automobillobby zu stark?
Natürlich. Die Autohersteller sorgen
dafür, dass Autofahren attraktiv bleibt
und – Stichwort Dienstwagen – es wird
auch einiges dafür getan, dass Autos
überhaupt noch verkauft werden.
Sie schreiben an einer Stelle sogar von
Pendlerarmut. Ist das nicht ein wenig
übertrieben?
Das ist die traurige Wahrheit. Laut
Gesetz sind bis zu zwei Stunden Fahrt bis zur Arbeit
zumutbar. Es ist mittlerweile
so, dass auch ärmere Bevölkerungsgruppen mehr pendeln,
bei denen die Mobilitätskosten dann überproportional viel
vom Gehalt auffressen.
Was war Ihr schlimmstes Pendlererlebnis?
Das schlimmste ist die Rückfahrt. Wenn ich einen Termin
bei der Arbeit verpasse, ist das
immer schlimm, aber nie tragisch. Bei Geburtstagen oder
wichtigen privaten Ereignissen ist es schon bitter.
Beim Pendeln übers Pendeln reden: Claas Tatje im Regionalexpress.
Holger Isermann, Judith Kebbe
26
Meldungen II
Prof. Dr. Stefan Küblböck, Dr. Jörg Munzel, Marlis
Duda und Jörg Burmeister engagieren sich.
Die Staatseinnahmen aus Datenankäufen betrugen
2014 in Niedersachsen rund 261 Millionen Euro.
Robbie Williams bei VW
Tourismusentwicklung
3.797 Steuerbetrüger
Im Rahmen einer im Fernsehen ausgestrahlten, sowie in zahlreichen OnlinePortalen und Social-Media-Kanälen,
gezeigten Pressekonferenz präsentierte
Volkswagen einen Superstar der internationalen Musikszene als neuen Marketingleiter: Robbie Williams. Er ist der
wichtigste Protagonist der Multi-Channel-Werbekampagne (entwickelt von
der Kreativagentur: Grabarz & Partner Hamburg) für die neuen „Club &
Lounge“-Sondermodelle, die der Sänger
als Weltpremiere vorstellte. Unter dem
Motto „Wie gut klingt das denn.“
(www.klingt-gut.de) bewirbt VW Sondermodelle vom up! über die GolfFamilie bis zum Beetle und Tiguan.
Rund 70 Touristiker, lokale Betriebe
und Fachleute aus Wissenschaft und
Wirtschaft erarbeiteten in den vergangenen Monaten mit der Allianz für die
Region GmbH, dem Landkreis Gifhorn
und der Südheide Gifhorn GmbH Vorschläge für Maßnahmen zur ganzheitlichen Tourismusentwicklung in der
Südheide Gifhorn. Im Fokus der Workshops, die von der Ostfalia Hochschule
wissenschaftlich begleitet wurden,
standen die jeweiligen Chancen und
Potenziale. Die Maßnahmenentwicklung baut auf den Erkenntnissen des
Mitte 2012 für die Gesamtregion verabschiedeten Masterplans „Erlebnis
Region 2020“ auf.
„Steuersünder in der Region bekommen kalte Füße“ schrieben wir in unserem Jahresrückblick in der Standort38Dezember-Ausgabe. Bis Oktober waren
es 3.251 Steuersünder, die Zahl ist bis
zum Jahresende jedoch noch einmal
angestiegen. Insgesamt 3.797 Selbstanzeigen sind 2014 laut Niedersächsischem Finanzministerium bei den
Finanzämtern in Niedersachsen eingegangen. „Seit diesem Jahr ist die
Abgabe einer Selbstanzeige deutlich
teurer und die Hürden liegen höher –
viele haben dies erkannt und den Weg
in die Steuerehrlichkeit rechtzeitig eingeschlagen“, erklärte Finanzminister
Peter-Jürgen Schneider.
Spatenstich: Ulrich Heller, Prof. Horst Kierdorf, Cornelia Rundt, Helmut Schüttig und Ulrich Markurth.
Herausforderung für die kommenden Jahre: Freie
Stellen mit qualifizierten Bewerbern zu besetzen.
Sven Gábor Jánszky beschreibt wie das Festhalten an
alten Werten mittelfristig zu Relevanzverlust führt.
Klinikum-Neubau
Weniger Arbeitslose
Trendforscher
Mit dem Bau eines neuen Bettenhauses am Standort Salzdahlumer Straße
beginnt die Umsetzung des zweiten
Bauabschnitts innerhalb des ZweiStandorte-Konzepts des Klinikums
Braunschweig. Das Konzept umfasst
ein Investitionsvolumen von mehr als
230 Millionen Euro. Oberbürgermeister Ulrich Markurth verwies auf die
Bedeutung des Bauprojekts für für die
Gesundheitsversorgung der Menschen
in der Region. „Wenn in einigen Jahren auch der Klinikum-Standort Holwedestraße aufgegeben werden kann,
wird es nur noch eine zentrale Anlaufstelle für alle Notfälle in der Salzdahlumer Straße geben.“
Positive Entwicklung auf dem regionalen Arbeitsmarkt im Jahr 2014: „Die
Arbeitslosigkeit belief sich im Jahresdurchschnitt auf 23.484 und ist somit
im Vorjahresvergleich um 283 gesunken“, kommentierte Harald Eitge,
Leiter der Agentur für Arbeit Braunschweig – Goslar, kürzlich die aktuellen Arbeitsmarktzahlen. Als einen weiteren Hinweis auf die unverändert gute
Arbeitsmarktlage wertete er auch die
aktuell starke Arbeitskräftenachfrage.
Im Dezember 2014 habe es so viele
freie Stellen gegeben wie selten zuvor.
Auch im Jahr 2015 wird es wohl einen
leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit
geben.
Er ist einer der bekanntesten Trendforscher und Direktor des 2b Ahead
ThinkTanks, der seit zwölf Jahren
CEOs der Wirtschaft versammelt: Sven
Gábor Jánszky (siehe auch Interview
Standort38 Mai 2014). Die Trendanalysen des 42-Jährigen zu den Lebens-,
Arbeits- und Konsumwelten der kommenden zehn Jahre und seine Strategieempfehlungen prägen die Zukunftsdiskussionen vieler Branchen. Am
18.3., 19.30 Uhr, ist er zu Gast im BZV
Medienhaus, Hintern Brüdern 23,
im Rahmen der Vortragsreihe „Die
Zukunftsmacher“. Sein Thema: „Die
Neuvermessung der Werte – Wenn
Führung auf Zukunft trifft!“
Fotos: Volkswagen AG, Sebastian Petersen, Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM)/pixelio.de, Jörg Scheibe, Bundesagentur für Arbeit, Sprecherhaus
Neuer prominenter Werbebotschafter mit Sinn für
Humor: Der britische Pop-Star Robbie Williams.
Neu in 2015!
© Coloures-pic - Fotolia.com
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Radio38 sendet
aus der Region für die Region.
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Wir informieren Sie gerne:
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28
Unternehmen
75 Jahre WEVG in Salzgitter
S
trom auf Knopfdruck. Wasser
im Handumdrehen. Erdgas und
Wärme – jederzeit. Wir können
heutzutage scheinbar endlos auf Energie und sauberes Trinkwasser zugreifen.
Doch das war nicht immer so: Unternehmen wie die WEVG Salzgitter GmbH &
Co. KG haben Pionierarbeit leisten müssen, um flächendeckend ein lückenloses
Versorgungsnetz aufzubauen.
Am 17. Februar feierte der Salzgitteraner Energieversorger 75-jähriges
Jubiläum. Standort38 wirft einen Blick
zurück und erinnert daran, was viele
Menschen aufgrund der komfortablen
Situation längst vergessen haben: Energie ist für uns längst selbstverständlich
geworden, eine Selbstverständlichkeit
ist sie jedoch nicht.
Um seine 60.000 Kunden in Salzgitter
jederzeit mit Strom, Erdgas, Wärme und
Wasser zu versorgen, beschäftigt die
WEVG 255 Mitarbeiter, betreibt einen
großen Fuhrpark, zu dem auch umweltfreundliche Erdgas-Fahrzeuge gehören und leistet Beratung und Service
an zwei Standorten: am Firmensitz in
Lebenstedt, Albert-Schweitzer-Straße,
und im Kundenzentrum in SalzgitterBad (Bohlweg). Als der Energieversorger am 17. Februar 1940 auf Initiative
der Reichswerke AG in Berlin gegründet
wurde, startete die WEVG mit nur vier
Ingenieuren, 16 Handwerkern und neun
Kaufleuten. Diese begannen zunächst
damit, die Versorgungsnetze für Kokereigas und Trinkwasser in Lebenstedt
und Gebhardshagen auszubauen. Firmensitz war ein ehemaliger Bauernhof
in Salzgitter-Watenstedt.
Anfang der 1940er-Jahre erhielten
nur rund 2.800 Haushalte Trinkwasser. In den Kriegsjahren ging der Ausbau nur schleppend voran: Arbeitskräfte
und Baumaterial waren Mangelware.
Bis 1948 verlegte die WEVG unter
schwersten Bedingungen 119 Kilometer Versorgungsleitung und 81 Kilometer Hausanschlussleitungen. Es war
ein Wettlauf gegen die Entwicklung der
Stadt: Die 1942 gegründete Stadt Salzgitter-Watenstedt wuchs rasant und zählte
1950 mehr als 100.000 Einwohner.
Der Wagenpark des Salzgitteraner Unternehmens im Jahr 1956.
Fotos: WEVG
Ein Energieversorger
im Wandel der Zeit
Im Jahr 1964 war das Netz bereits 455
Kilometer lang und mehr als 13.000
Wasserzähler waren verbaut. Die bis
dahin knapp über 116.000 Einwohner
der Stadt verbrauchten damals bereits
fünf Millionen Kubikmeter Trinkwasser – zum größten Teil aus den Wasserwerken der Hütte und den Eigengewinnungsanlagen in den Stadtteilen
Lobmachtersen, Osterlinde und Thiede.
Die WEVG wurde damals wie heute
vor eine besondere Herausforderung
gestellt: Salzgitter ist flächenmäßig eine
der größten Städte Deutschlands. Das
bedeutet für den Energieversorger: Die
Versorgungsleitungen sind besonders
lang und bedürfen eines überdurchschnittlich hohen Unterhaltungsaufwands. Rund 850 Kilometer Trinkwasser-Versorgungsleitungen sind heute
notwendig, um die Versorgung jeden
Bürgers sicherzustellen.
Im Jubiläumsjahr 2015 beginnt die
WEVG mit dem Bau eines Trinkwassertransportnetzes für Salzgitter. Es soll im
Laufe des nächsten Jahres an die Ortsverteilnetze angeschlossen werden. Das
22-Millionen-Euro-Projekt ist notwendig, weil der Energieversorger den Wassertransport übernimmt. Alle Kunden in
Salzgitter erhalten künftig das weiche
Wasser der Harzwasserwerke.
Das Unternehmen betreibt obendrein
zwei eigene Erdgastankstellen in Salzgitter und geht selbst als gutes Beispiel
voran: Beim eigenen Fuhrpark nutzt es
die Vorteile des günstigen und umweltschonenden Kraftstoffs. Außerdem ist
die WEVG Ansprechpartner rund um
das Thema Elektromobilität. Sie betreibt
drei Stromladesäulen in Salzgitter:
eine öffentliche auf dem Parkplatz des
WEVG-Kundenzentrums in Lebenstedt,
zwei auf dem Gelände der Ostfalia Hochschule in Calbecht. Kunden laden jeweils
reinen Ökostrom, womit jede Fahrt CO2neutral ist.
Dennis Bartz
29
Unternehmen
„Stabilität für die Region“
Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz stärkt als neuer Träger der
Öffentlichen Versicherung Braunschweig die regionale Verankerung
Foto: Öffentliche Versicherung Braunschweig
E
in kleiner Schritt für die Versicherung, ein großer für die Region:
Bislang verteilten sich die Trägerschaftsanteile der Öffentlichen zu 75
% auf die Nord/LB sowie auf den Sparkassenverband Niedersachsen und das
Land Niedersachsen zu jeweils 12,5 %.
Mitte Dezember verabschiedete der
Niedersächsische Landtag die Übertragung der Hälfte der Trägeranteile
des Landes Niedersachsen (6,25 %)
der Öffentlichen Versicherung Braunschweig auf die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz (SBK). Damit ist
die Öffentliche auch künftig institutionell in der Region verankert. „Alle
wichtigen Entscheidungen werden auch
in Zukunft unter Beteiligung regionaler Entscheidungsträger direkt vor Ort
getroffen. Dieser Schritt wird nachhal-
Hauptsitz der Öffentlichen.
tig für noch mehr Stabilität und Verlässlichkeit für die Region sorgen“, begrüßte
Michael Doering, Vorstandsvorsitzender der Öffentlichen (siehe Standort38Titelstory Juli 2014), die Entscheidung.
Doch nicht nur die Mitarbeiter des
Traditionsunternehmens, sondern
auch die Menschen vor Ort profitieren
von der Übertragung der Anteile: „Für
unsere Kunden wird sich nichts ändern,
aber auch sie werden vom regionalen
Einfluss enorm profitieren“, verspricht
Doering. Strukturen wie ein dichtes
Geschäftsstellennetz mit Beratung und
Service in unmittelbarer Nähe können
auch zukünftig erhalten bleiben.
Darüber hinaus sichert die regionale
Stärkung der Öffentlichen auch, dass
elementare Entscheidungen weiterhin unabhängig vor Ort getroffen werden können. Sie ist nicht nur ein starker
Auftraggeber für die regionale Wirtschaft (mit über 100 Millionen Euro in
den letzten zehn Jahren) sowie Immobilieninvestor, sondern in umfangreichem
Maße auch als Öko-, Sozial- und Kultursponsor hier tätig. Und davon profitieren letztendlich alle Menschen, die in
der Region38 leben.
Christian Göttner
Ein Grund zum Feiern
BKK ESSANELLE ist jetzt Deutsche BKK
Seit 1. Januar 2015 die besten Leistungen, Mehrwerte und
Services beider Kassen für Sie vereint, zum Beispiel:
Unser Bonus: jährlich 100 Euro Zuschuss zu
einer privaten Krankenzusatzversicherung
Gesundheitskonto mit 160 Euro Guthaben
Weltweiter Versicherungsschutz
und Reiseschutzimpfungen inklusive
Facharzttermin-Hotline
Gütesiegel: FOCUS-MONEY 49/2014
www.deutschebkk.de info@deutschebkk.de
30
Zukunft
„Die erste Zeitbombe platzt
bereits in etwa zehn Jahren“
Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, erster Redner der Vortragsreihe
„Die Zukunftsmacher“, über belastete Sozialsysteme und die Rente ab 69
Sie bezeichnen die Sozialkassen als
tickende Zeitbombe. Wann explodieren
diese?
Nochmals, meine Aussagen sind hypothetische Metaphern und keine
Prognosen. Wenn wir also
nichts unternehmen – was mit Sicherheit nicht der Fall sein wird – dann
platzt die erste Zeitbombe bereits in
den zwanziger Jahren also in etwa zehn
Jahren. Die Problematik dahinter haben
wir uns durch die Verbeamtungswelle
zwischen 1972 und 1982 selbst eingebrockt. Konkret gesprochen werden die
Bundesländer etwa ab 2025 nicht mehr
wie bislang knapp 10 Prozent ihrer Einnahmen für Pensionen ausgeben, sondern fast 20 Prozent. Wenn dann noch
ein normales Zinsumfeld dazu kommt,
haben außer Bayern und eventuell Sachsen, Hessen bzw. Baden Württemberg
alle anderen Bundesländer keine Chance
die Schuldenbremse tatsächlich zu erfüllen und werden quasi „griechenlandisiert“. Mitte der 30er Jahre wird
dann die Rentenversicherung einen Beitrag von
24-25 Prozent brauchen um ein Basisrentenniveau auszahlen zu können.
Das Niveau ist zwar
nicht gesetzeskonform – eigentlich darf
der Beitragssatz nicht
über 22 Prozent steigen – aber im Vergleich
zum Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung
eigentlich noch erträglich.
Die GKV müsste ohne
weitere Kostendämpfungsgesetze etwa 28
Prozent der Löhne
einsammeln um ihren
Verpflichtungen nachzukommen. Auch die
Pflege dürfte ihren
Beitrag bis dahin
fast verdoppelt
haben – was wiederum gegenüber dem
Jahr 2045 mode-
rat ausfällt, denn dann dürfte mehr als
jeder zweite Pflegefall stationär sein und
der Beitragssatz würde auf über 7 Prozent steigen müssen. Wohlgemerkt das
wird so nicht kommen, denn bevor das
kommt, bekommt die Generation der
geburtenstarken Jahrgänge von ihren
Kindern die rote Karte gezeigt. Das
machen die so schlicht nicht mit!
Sie gelten als Experte für Generationenbilanzierung. Was reizt Sie gerade an diesem
Thema? Wie funktioniert Ihre Methode?
Die Generationenbilanz ist ein inzwischen weltweit anerkanntes Instrument
zur Messung von fiskalischer Nachhaltigkeit. Mit ihrer Hilfe überprüfen wir,
ob die Haushalte von Bund, Ländern,
Gemeinden und Sozialversicherungen
mit dem heutigen Set an Steuer- und
Beitragssätzen ihren für die Zukunft eingegangenen Zahlungsverpflichtungen
nachkommen können. Wenn dies – wie
meist üblich – nicht der Fall ist, dann
berechnen wir den Fehlbetrag. Dieser
Fehlbetrag sind die Rückstellungen, die
die Politik eigentlich hätte bilden müssen, wäre sie gezwungen, für zukünftige Leistungsversprechen auch sofort
Rückstellungen zu bilden. Muss die
Politik allerdings nicht – sie lebt quasi
von der Hand in den Mund und macht
Haushaltsaufstellungen nur für dieses
und nächstes Jahr – alles andere liegt ja
weit weg! Der Staat bilanziert also gar
nicht so wie er dies von einem ehrbaren
Kaufmann per Gesetz erzwingt. Bilanziell sind die Staats- und Sozialversicherungshaushalte quasi auf dem Stand der
Buchführung einer Frittenbude.
Inwieweit ist Deutschland heute überhaupt noch ein Sozialstaat? Sollte man
dieses System abschaffen?
Deutschland ist seit Bismarck und auch
schon vorher ein Sozialstaat gewesen
und soll es auch bleiben. Allerdings
Foto: Sprecherhaus
Herr Dr. Raffelhüschen, Sie behaupten,
dass die Beiträge zur Sozialversicherung
in 30 Jahren knapp 2/3 unseres Einkommens beanspruchen. Was können und
müssen wir tun?
Nein, ich behaupte, dass dies der Fall
sein würde, wenn wir nichts dagegen unternehmen würden. Tatsächlich
glaube ich, dass die Politik natürlich
reagieren wird – ob rechtzeitig, also
bestenfalls „5 vor 12“, oder mit Verspätung, die dann vermeidbare Konflikte
zwischen den Generationen verursacht,
bleibt allerdings abzuwarten.
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haben wir schon heute den Bogen deutlich überspannt. Wo in den 70er Jahren
noch ein Fünftel unseres erwirtschafteten Einkommens für Soziales ausgegeben wurde sind wir bei einem Drittel angelangt – das alles mit steigender
Tendenz! Heute sind mehr Menschen in
der Wohlfahrt beschäftigt als irgendwo
sonst, wobei deren Einkommen natürlich von den anderen erwirtschaftet
werden muss. Die Politik hängt ebenfalls
am Gängelband des „wohlfahrtsindustriellen Komplexes“ – gegen paritätische
Wohlfahrtsverbände, Caritas, Diakonie,
AWO etc. kann sich kein Politiker stellen
– das wäre quasi Selbstmord.
Leben die Deutschen zu stark auf Kosten
zukünftiger Generationen?
Nicht die Deutschen sondern die Generation der geburtenstarken Jahrgänge
leben auf Kosten zukünftiger Steuerund Beitragszahler. Die heutigen Alten
sind nicht das Problem – sie haben
Deutschland aufgebaut und für genügend Nachwuchs gesorgt, der sie im
Alter versorgen kann. Dies gilt für die
heute 40-65-jährigen nicht. Sie haben
die demographische Bringschuld nicht
erbracht und müssen mit den Konsequenzen daraus leben – entweder freiwillig oder durch ihre eigenen Kinder
erzwungen.
©Alexey Afanasyev
Warum fordern Sie die Rente ab 69? Ist es
überhaupt realistisch dass man in diesem
Alter noch arbeitsfähig ist?
Wenn der Mensch immer länger lebt
Zukunft
Standort38 präsentiert
Die Zukunftsmacher
Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen ist Professor für Finanzwissenschaft an der AlbertLudwigs-Universität Freiburg. Seine Forschungsschwerpunkte: Der demographische
Wandel sowie die Systeme der sozialen Sicherung. Er wirbt für eine Ergänzung des
umlagefinanzierten Rentensystems durch eine kapitalbasierte Rente. Am 11.
Februar, 19.30 Uhr, ist er zum Auftakt der Vortragsreihe „Die Zukunftsmacher“
zu Gast im BZV Medienhaus, Hintern Brüdern 23. Sein Thema ist die „Nachhaltigkeit der Alterssicherung.“ Infos: www.sprecherhaus.de/zukunftsmacher-2015
– und wir sprechen hier von 5-7 Jahren wachsende Lebenserwartung von
Generation zu Generation – dann kann
er nicht erwarten, dass er jeden Tag,
den er länger lebt, in Rente verbringen
darf. Sagen wir 50:50, dann müssen wir
bis 2028 auf das bereits beschlossenen
gesetzliche Rentenzugangsalter von 67
und bis 2045 auf ein Alter von etwa 69
Jahren kommen. Und eines ist klar –
schon der heutige 67- oder 69-Jährige
ist deutlich gesünder und arbeitsfähiger
als der 65-Jährige der 60er Jahre.
Wie beurteilen Sie das viel diskutierte
Thema Altersarmut?
Statistisch. Und statistisch gesehen
haben wir nun einmal keine Altersgruppe, die weniger von Armut betroffen ist als die Alten. Entgegen dem, was
die Medien aufbauschen, wird das für
diejenigen, die im Leben hinreichend
lang gearbeitet haben, auch so bleiben.
Wir haben in Zukunft ein Problem der
Lebensstandardsicherung im Alter – mit
der Diskussion um die Altersarmut hat
das nichts zu tun.
Warum wehren sich die jüngeren Generationen nicht gegen die Rentenpolitik?
Das ist mir auch ein echtes Rätsel und ist
nur dadurch erklärbar, dass man in den
Schulen das Fach Wirtschaft wohl eher
stiefmütterlich behandelt und junge
Politiker nicht die Chuzpe haben aufzustehen, sondern lieber an ihrer individuellen Karriere basteln.
Welche Länder machen es besser als
Deutschland? Was können wir lernen?
Entgegen der Meinung des Volksmundes
schmecken die Kirschen in Nachbars
Garten nicht besser – im Gegenteil: Die
meisten unserer europäischen Nachbarn
haben noch größere Probleme als wir.
Sie sind jetzt 58 Jahre alt. Wie lange wollen Sie noch arbeiten?
Solange wie es meine Gesundheit zulässt
– gerne bis 70 oder länger. Christian Göttner
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Stiftungen
Schon immer
braunschweigisch
und Thedinghausen. Die Zusammensetzung der Gremien war weitestgehend identisch. Mit Richard Borek und
Julius von Ingelheim gehören jetzt zwei
weitere Mitglieder zum Vorstand der
Braunschweigischen Stiftung, die vorher bereits im Vorstand der Stiftung
Sport und Kultur für Braunschweig vertreten waren.
Der bisherige Stiftungszweck
mit der Förderung von Kunst und
Kultur, Wissenschaft, WissenStiftungen
schaftstransfer und Forschung,
Sport sowie bürgerschaftlichem
Engagement wird allerdings um die
„Die Braunschweigische Stiftung ist ein Selbstbestimmungsorgan Förderung von Bildung und Erziehung
des Braunschweigischen und vertritt sowie der Braunschweigischen Identidessen Interessen“, versicherte Glogow- tät ergänzt. Die Programmatik der Stifski. Sie werde als Wächter des Braun- tung wird hinsichtlich ihrer Projektschweigischen, Initiator von Projekten felder, Stiftungsziele und Instrumente
und Verwirklicher von Ideen auf dem nicht verändert. „Die Möglichkeit, nun
Gebiet des einstigen Herzogtums Braun- auch Förderungen im Bereich Bildung
schweig auftreten. Der frühere nieder- und Erziehung anbieten zu können,
sächsische Ministerpräsident erinnerte ist eine sehr sinnvolle Erweiterung“,
in diesem Zusammenhang daran, dass erklärte Michael Doering, Vorstandsdie Stiftung Nord/LB – Öffentliche auch mitglied der Stiftung. Damit werde die
als Abwehr gegen etwaige Ansinnen Grundidee der Stiftung, Verantwortung
eines Verkaufs der Öffentlichen Versi- zu übernehmen für die Region und das
cherung durch das Land Niedersachsen Gemeinwohl der Menschen vor Ort,
ins Leben gerufen worden sei.
perfekt abgerundet werden.
Die wesentlichen Strukturen der
Durch die Zulegung der Stiftung Sport
Stiftung bleiben unverändert: Das und Kultur für Braunschweig erhöht
Tätigkeitsgebiet ist nach wie vor das sich das Kapital der Braunschweigischen
Braunschweigische Land mit seinen Stiftung von gegenwärtig 39 Millionen
Teilregionen Braunschweig, Wolfen- Euro auf 50 Millionen Euro. Das Startkabüttel, Helmstedt, Salzgitter, Holzmin- pital der Stiftung Nord/LB – Öffentliche
den, Seesen/Bad Gandersheim, Harz betrug 1994 rund 45 Millionen D-Mark.
N
euer Name, bessere Fördermöglichkeiten und engerer
Schulterschluss: Stiftung Nord/
LB – Öffentliche wurde „Die Braunschweigische Stiftung“. „Es entsteht
damit keine neue Stiftung, aber eine
noch stärkere, weil wir Kräfte bündeln“,
erläuterte Braunschweigs Ehrenbürger
Gerhard Glogowski als Vorstandsvorsitzender der Stiftung.
Der Zeitpunkt für die schon seit Längerem gewünschte Zusammenlegung
mit der Schwester-Stiftung „Stiftung
Sport und Kultur für Braunschweig“
sei unter rechtlichen Gesichtspunkten
angesichts des Verkaufs der Volkswagen
Halle an die Stadt günstig gewesen. Mit
dem neuen Namen verändert sich auch
die Rechtsperson der Stiftung nicht.
„Braunschweigisch waren wir schon
immer – jetzt heißen wir auch so!“, so
lautet das Motto.
Serie:
Ralph-Herbert Meyer
Michael Doering (Vorsitzender des Vorstandes der Öffentlichen Versicherung Braunschweig), Vorsitzender des Vorstandes Gerhard Glogowski, Geschäftsführendes
Vorstandsmitglied Axel Richter, Stellvertretender Vorsitzender Christoph Schulz (Vorstandsmitglied der NORD/LB, Vorstandsvorsitzender der Braunschweigischen
Landessparkasse), Richard Borek (Geschäftsführender Gesellschafter der Richard Borek GmbH & Co. KG) und Julius von Ingelheim (Volkswagen AG).
Foto: Braunschweigische Stiftung
Stiftung Nord/LB – Öffentliche wurde
zu Braunschweigische Stiftung
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1.000 Euro gingen an den SSC Germania.
Ein Korb voll
guter Taten
Fotos: Braunschweigische Landessparkasse/Privat, Krumpholz Bürosysteme, Volksbank BraWo
der Landessparkasse
In diesem Jahr feiert die 1765 gegründete Braunschweigische Landessparkasse ihren 250. Geburtstag. Aus
diesem Anlass hat sie ein ganz besonderes Förderprogramm aufgelegt:
Das Unternehmen unterstützt insgesamt 250 gemeinnützige Projekte im
Geschäftsgebiet mit einer Gesamtfördersumme von 176.500 Euro. Genau
250 Tage vor dem eigentlichen Jubiläumsdatum gab Vorstandsvorsitzender Christoph Schulz den Startschuss
für diese außergewöhnliche Spendenaktivität: „Alle Bürgerinnen und Bürger im Braunschweiger Land können so
an unserem Geburtstag teilhaben!“ Die
Aktion läuft bis noch zum 9. März 2015
und steht unter dem Motto „Ein Korb
voll guter Taten. Wir unterstützen 250
Projekte, die anderen helfen“.
Bis zum Jahresende 2014 sind von
knapp 300 vorgeschlagenen Projekten
und förderungswürdigen Institutionen
bereits 130 mit einem Gesamtvolumen
in Höhe von 93.500 Euro bewilligt worden. In Braunschweig gab es zum Beispiel 93 Förderanfragen, davon konnte
38 Projekten eine Förderung zugesagt werden. Es ist weiterhin möglich
Fördermittel zu beantragen: Antragsformulare und alle weiteren Informationen gibt es in den Filialen der
Landessparkasse und im Landessparkassen-blog.
Auch der Harzklub Seesen e.V. wird unterstützt.
Engagement
Alexandra Honcza und Alfred Huge (Tafel e.V.).
6.500 Euro
Krumpholz Bürosysteme
GmbH spendet für Tafel
Einen Präsentkorb mit Lebensmitteln
und einen Scheck in Höhe von 6.500
Euro überreichte die Krumpholz Bürosysteme GmbH dem Verein Braunschweiger Tafel e.V. – passend zum 65.
Firmenjubiläum. „Die Braunschweiger
Tafel ist eine großartige Einrichtung,
von der jeden Monat mehr als 5.000
Menschen in Braunschweig und der
Region profitieren“, sagte Alexandra
Honcza, geschäftsführende Gesellschafterin der Krumpholz GmbH.
Dr. Ralf Tyras, Steffen Krollmann, Martin Greiwe
(Ratiodata), Jürgen Brinkmann (Volksbank BraWo).
5.000 Euro
Radiodata IT spendet für
United Kids Foundations
Die Ratiodata IT-Lösungen & Services GmbH, ein Unternehmen der GADGruppe, verzichtete auch 2014 auf
Weihnachtsgeschenke für Kunden und
Geschäftspartner. Stattdessen unterstützte man mit 5.000 Euro diesmal die
Volksbank BraWo Stiftung. Das Geld
kommt benachteiligten Kindern und
Jugendlichen zu Gute. „Mit dem Betrag
möchten wir die Stiftung bei ihrer wichtigen Arbeit unterstützen“, sagte Martin
Greiwe, Radiodata-Geschäftsführer.
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Rückblick
1.100 Gäste aus
der ganzen Region
IHK-Neujahrsempfang in der
SoccaFive Arena
Großer Auflauf in ungewöhnlicher Location. Die SoccaFive Arena an der Hamburger Straße in Braunschweig, bekannt und
beliebt als Freizeit- und Sporthalle, wurde
am Abend des 13. Januar von 1.100 Gästen aus Gesellschaft und Politik, Wirtschaft und Wissenschaft besucht. Statt
Fußball gab es beim IHK-Neujahrsempfang knackige Reden, anschließend u. a.
Mini-Burger und Nudeln.
IHK-Präsident Wolf-Michael Schmidt
startete munter los und forderte eine bessere Zusammenarbeit der Städte und
Kommunen. Auch bei Themen wie der
Verkehrsinfrastruktur in Niedersachsen, der nachhaltigen Fachkräftesicherung oder der freiwilligen Weiterarbeit
über die Regelaltersgrenze hinaus sieht
er dringenden Handlungsbedarf. Doch
nicht nur die Region, auch die Nation kam
in seiner vielschichtigen Rede vor: „Wir
brauchen keine Wut-Bürger, sondern
Mut-Bürger“, mahnte er mit Blick auf die
Pegida-Demonstrationen. Und auch das
schreckliche Attentat in Paris beschäftigte
ihn und Niedersachsens Ministerpräsident
Stephan Weil, der danach ans Rednerpult
trat. Weil plädierte für Zuwanderung, für
Weltoffenheit in Deutschland und Niedersachsen. Auch für eine Aufwertung der
dualen Ausbildung will er sich zukünftig
einsetzen, und dass es in Niedersachsen
eine bedarfsgerechte Infrastruktur auf der
Straße, Schiene und auf dem Wasser gibt.
Wichtig ist für den Ministerpräsidenten
zudem, in Zeiten der Digitalisierung das
Thema Breitband – und das auch im ländlichen Raum. Heraushalten wird sich Weil
dagegen bei der leidigen Regionsdebatte,
die sicher auch 2015 ein großes Thema ist:
„Aus Hannover wird es keinen Masterplan
zur kommunalen Zusammenarbeit geben.“
Als dritter Redner trat Jürgen Brinkmann,
Hausherr und Vorstandsvorsitzender der
Volksbank BraWo Stiftung (siehe auch
Standort38-Titelstory Dezember 2014)
an das Pult. Er stellte den 10-jährigen
Geburtstag des Kindernetzwerks Uniteted
Kids Foundations in den Vordergrund und
appelierte an die Anwesenden im Rahmen
der Jubiläums-Kampagne 1.000 × 1.000
zu spenden. Mehr dazu können Sie in der
Standort38-März-Ausgabe lesen.C.G.
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Rückblick
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Rückblick
„Wir sind zuversichtlich“
17. Neujahrsempfang von
Volkswagen Financial Services
„Finanzen &Fußball“ titelte Standort38 im April 2013 im Rahmen des Titel-Interviews mit Frank Witter. Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen Financial Services Braunschweig ließ
es sich auch bei der 17. Auflage des traditionellen Neujahrsempfangs nicht nehmen Eintracht Braunschweig in seiner Ansprache
– vor 450 Vertretern aus Kultur, Kirche, Politik, Sport und Wirtschaft – ins Spiel zu bringen. Darüber hinaus zog er ein zufriedenes Fazit des abgelaufenen Geschäftsjahres, das u. a. im Zeichen des erfolgreich bewältigten Stresstestes der Europäischen
Zentralbank sowie internationalen Wachstums stand, und freute
sich über die erneute Steigerung aller relevanten Kennzahlen.
„Für das Geschäftsjahr 2015 sind wir zuversichtlich, uns erneut
erfolgreich im Wettbewerb zu behaupten“, erklärte Witter. Als
Ehrengäste waren u. a. die Oberbürgermeister Ulrich Markurth,
Klaus Mohrs und Frank Klingebiel sowie die VW Konzernvorstände Hans Dieter Pötsch und Dr. Horst Neumann anwesend.
36
37
Rückblick
„Advent rund um die Welt“
Benefizkonzert des Lions-Club bei der
Öffentlichen Versicherung Braunschweig
Ende November lud das Lions-Hilfswerk Region Braunschweig in die Rotunde der Öffentlichen Versicherung
Braunschweig ein, um mit einem Benefizkonzert zwei soziale Projekte vor Ort zu unterstützen: Unter dem Motto
„Advent rund um die Welt“ sorgte Kammersänger Latchezar
Pravtchev von der Staatsoper Hannover mit einem Musiker-Ensemble für einen unterhaltsamen Konzertabend. Der
Reinerlös der Veranstaltung von rund 4.500 Euro kam der
Braunschweiger Tafel e. V. zugute, außerdem ermöglichten
die Gäste Weihnachtsgeschenke für behinderte Kinder und
Jugendliche über den „KöKi“-Verein zur Förderung körperbehinderter Kinder e. V.
„Salzgitter ahoi“
Fotos: Basil-Fotografie, Heiner Köther, Salzgitter Zeitung, Stadt Braunschweig/Daniela Nielsen
Neujahrsempfang der Salzgitter Zeitung
und Braunschweigischen Landessparkasse
Unter dem Motto „Alle in einem Boot“ wurden rund 150
Besucher aus Wirtschaft, Kunst, Kultur, Politik und Gesellschaft in eine maritime Atmosphäre entführt. „Der Salzgittersee soll zu einem zweiten Westerland werden“,
wünschten sich Alexandra Ritter, Redaktionsleiterin der
Salzgitter-Zeitung und Bankdirektorin Christiane Voss
(Braunschweigische Landessparkasse), stilgerecht in Kapitänsmontur, in ihrer Begrüßungsrede beim gemeinsamen
Neujahrsempfang. Akrobatikvorführungen im Matrosenanzug, der Shantychor der Marinekameradschaft Salzgitter
und maritime Cocktails machten Lust auf Meer.
Menschen und Hoffnungen
Neujahrsempfang der Stadt Braunschweig
„Städte bestehen nicht aus Häusern und Straßen, sondern
aus Menschen und ihren Hoffnungen.“ Diesen prägnanten Satz gab Braunschweigs Oberbürgermeister in seiner
nachdenklichen und dennoch hoffnungsvollen und optimistischen Rede im Rahmen des Neujahrsempfangs im
Städtischen Museum als Losung für das Jahr 2015 aus. Er
plädierte u. a. darüber hinaus für eine verstärkte Zusammenarbeit der Städte dieser Region, das man zukünftig
„gemeinsam investiert und profitiert“. Passend dazu hielt
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Klaus J. Beckmann einen Festvortrag
zum Thema „Zukunft der Städte – Herausforderungen und
Chancen einer integrierten Stadtentwicklung“, den man
auch auf www.braunschweig.de lesen und hören kann.C.G.
38
Persönlich
so stark auf den genialen Festivalleiter
ausrichten, der das Programm aus seinem Kopf aufs Papier gießt“. Ein Coup
ist dem selbsternannten Berufsjugendlichen schon im ersten Jahr mit Stargast Mads Mikkelsen gelungen. Der
dänische Schauspieler war nicht nur
James-Bond-Bösewicht, sondern überzeugte auch als Dr. Lecter in der TVSerie „Hannibal“ und internationalen Produktionen, wie „The Salvation“
und „Die Jagd“. Aust weiß, dass solche Namen Erwartungen für die nächsten Jahre wecken. „Kulturveranstaltungen bringen eben die Herausforderung
mit sich, dass man aus dem gleichen
Etat immer mehr herausholen muss.“
Dabei sieht er die eigenen Organisationsstrukturen längst am Limit. Wenn
jemand aus dem Team zum Arzt muss
oder ein Gast einen Flug verpasst und
Mehrkosten entstehen, sei das bereits
eine kleine Katastrophe. Aktuell machen
den Festivalorganisatoren zudem steigende Preise bei den Arthouse-Filmen
zu schaffen. Höhere Erwartungen und
Kosten, gleicher Etat – da schwingt
das Prinzip der Selbstausbeutung
als Ausweg immer mit. Natürlich
kennt auch Aust Kollegen mit
Burnout. Er selbst wirkt eher
beflügelt als getrieben, wenn er
von seiner Musikvideo-Ausstellung „The Art of Pop Video“ oder
einer Dokumentation über die Künstlerin Eva Hesse („Tracing the Rope“)
erzählt, die er gerade produziert.
Als Ausgleich joggt der Teilzeitbraunschweiger mit Wohnung im Magniviertel gerne um den Löwenwall,
wenn er in der Stadt ist.
Ihr attestiert er einen
keine Spur. Wieder so
wahnsinnigen Wohneine Cliché-Frage, die
wert und den BraunAust am liebsten von
schweigern einen
seinem aufgeräumstarken Bürgerten Schreibtisch
sinn. „Hier gibt
wischen würde.
es außerdem eine
„Viele Menschen
sehr viel positiglauben wir trefvere Energie als
fen uns zum
in Köln. Die junFilme schauen und
am Ende des Jahgen Menschen haben
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Perspektiven.“ Schade
res zeigen wir ein paar
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findet er, dass der Tellerdavon. Dabei müssen wir
rand zu oft an der Stadtgrenze
genauso organisiert arbeiten
wie eine Bank oder Versicherung.“ Aust endet: „Warum macht ihr in der Region
hat gerade erst eine neue Software ein- eigentlich nicht mehr zusammen?“ Gute
geführt und die Zuständigkeiten kla- Frage. Fehlt noch eine? „Ne!“ Er lacht
rer organisiert. Er möchte das Festival und verspricht: „Das nächste Festival
Holger Isermann
arbeitsteiliger vorbereiten „ … und nicht wird wieder toll.“
Serie
Der Schreibtisch von …
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Fotos: Holger Isermann
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Nu
ch
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er Michael P. Aust treffen
möchte, muss das Kino links
liegen lassen und dann einige
Treppen hinauf. Obwohl der nicht mehr
ganz neue Chef des Internationalen
Filmfest über dem Universum arbeitet,
wirkt er ziemlich geerdet. Kein Wunder bei Bankausbildung und BWL-Studium, möchte man dozieren. Der naheliegenden Idee des Ausbrechens aus der
biederen Geldmacherbranche widerspricht er energisch: „BWL und Kultur sind für mich kein Gegensatz.“
Das merkt sofort, wer das Büro des
umtriebigen Filmfestleiters betritt, der
außerdem seit vielen Jahren das Filmmusikfestival SoundTrack_Cologne und
die Produktionsfirma TelevisorTroika
GmbH leitet: Von kreativem Chaos
ro
Michael P. Aust, Leiter des
Internationalen Filmfestival Braunschweig
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