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Der Winter ist kein verlässlicher Partner

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Pressemitteilung / ISPO MUNICH 2015
Der Winter ist kein verlässlicher Partner
Statement zum Wintersportmarkt von Siegfried Paßreiter, Geschäftsführer der Fischer + Löffler
Deutschland GmbH und Vorstandsmitglied des BSI
(München, 5. Februar 2015) „Wenn ich Ihnen sage, dass wir bislang keinen Bilderbuchwinter hatten, ist das
für Sie bestimmt keine Überraschung. Entsprechend schwierig ist auch das Wintersportgeschäft bislang
gelaufen.“ So lautete der Einstieg in dieses Statement im vergangenen Jahr auf der Ispo Munich 2014. Und
die Sätze passen genau so auch auf die Situation heute.
Das Wintersportgeschäft ist wie kaum eine andere Branche abhängig vom Verlauf des Winters, vom
Zeitpunkt und der Menge des Schneefalls sowie von den Temperaturen. In dieser Saison kam der Schnee am
2. Weihnachtsfeiertag und damit mindestens zwei Wochen zu spät für die meisten Sportfachhändler. Denn
bis Weihnachten fehlte das weiße Gold nicht nur im Flachland, sondern auch in zahlreichen Skigebieten. Die
Folge: die Nachfrage nach Wintersportprodukten – egal, ob Hartware oder Bekleidung– verlief bis
Weihnachten schleppend bis katastrophal, der Sportfachhandel sah sich zu Preisreduzierungen gezwungen,
um die nötige Liquidität sicher zu stellen.
Mit dem Schneefall am 2. Weihnachtsfeiertag änderte sich die Situation schlagartig. Ski, Skischuhe, Rodel
und Wintersportbekleidung waren gefragt. Die Konsumenten freuten sich über eine große Auswahl und
satte Rotstiftpreise. Handel und Industrie sehen’s auf der einen Seite mit einem weinenden Auge angesichts
der minimalen in dieser Gemengelage noch zu erzielenden Margen. Auf der anderen Seite mit einem
lachenden Augen, weil dadurch entsprechende Mengen der aktuellen Ware noch rechtzeitig abgeflossen
sind und so für eine spürbare Lagerräumung gesorgt haben.
Insgesamt ist dieser Winter bislang von grünen Tälern und weißen Bergen gekennzeichnet. Das bedeutet,
engagierte Skifahrer finden in den Skigebieten in den Alpen und teilweise auch in den Mittelgebirgen gute
bis sehr gute Wintersport-Bedingungen. Auf der anderen Seite bedeuten schneefreie Städte und grünes
Flachland eine klare Kaufzurückhaltung für Alpin- und noch mehr für Langlauf-Ski sowie die dazugehörige
Ausrüstung und Bekleidung. Die so wichtige Emotion für Spontankäufe fehlt.
Doch eines zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte: So unsicher wie das
Winterwetter ist, so sicher bleibt jede Saison die Hoffnung auf die nächste schneereiche Saison. Und da ist
es für alle Marktbeteiligten wichtig, dass die Lager leer sind, um Platz und Geld für neue Ware und
innovative Produkte zu haben. Denn nur dann besteht Aussicht, bei einem guten Folgewinter auch wieder
gute Geschäfte zu machen.
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Für diese Saison wirkt es sich günstig aus, dass Ostern auf die erste Aprilwoche fällt. Ein Zeitpunkt, der noch
Potenzial für schöne Skitage bietet. Angesichts dieses Termins planen viele Ski-Fans und Familien ihre
Osterferien noch für einen Skiurlaub zu nutzen. Auch die Faschingswoche ist noch prädestiniert für schöne
Skitage. Wir hoffen also auf eine lange Saison im Winter 2014/15, um noch notwendige Umsätze
einzufahren und die aktuelle Ware an die Frau und den Mann zu bringen. Dies macht ebenso Hoffnung auf
einen noch versöhnlichen Saisonverlauf wie die Aussicht, dass wintersportliche Großereignisse für neue
Kaufanreize sorgen.
So lenkt die derzeit noch bis zum 15. Februar laufende alpine Ski-WM im US-amerikanischen Vail und Beaver
Creek das Interesse der Sport-Fans auf den Skisport, zumal einige unserer DSV-Asse durchaus Chancen auf
vordere Platzierungen und Medaillen haben. Die nordischen Skisportler stehen bei der WM im
schwedischen Falun im Medieninteresse, die vom 18. Februar bis 1. März fast nahtlos an die AlpinTitelkämpfe anschließt. Die deutschen Langläufer, Biathleten, Nordischen Kombinierer und Springer sind
rechtzeitig in Top-Form gekommen, um ganz vorne mit dabei zu sein, was hohe Einschaltquoten der
deutschen TV-Zuschauer garantiert und Lust machen sollte, sich selbst wieder sportlich im Schnee zu
betätigen.
Skimarkt schrumpft weiter
Ungeachtet der hohen Wintersport-Präsenz im Fernsehen während des gesamten Winters müssen wir
davon ausgehen, dass die Ski-Industrie auch in dieser Saison voraussichtlich im besten Fall mit
stagnierenden Verkaufszahlen in Deutschland rechnen kann. Noch besteht die Hoffnung, dass die Hersteller
knapp 300.000 Paar Alpinski an ihre deutschen Handelspartner ausliefern werden. Doch tendenziell wird
der Absatz weiter schrumpfen.
Das liegt zum einen am unsicheren Wetter. Dies ist nun schon der dritte Winter in Folge, der dem deutschen
Skimarkt nicht in die Hände spielt. Hinzu kommt die demografische Entwicklung, die die Zielgruppe
schrumpfen lässt. Trotz dem klar erkennbaren Trend zu mehr Touren- und Freeski wird der deutsche
Skifahrer im älter. Darüber hinaus wird die Skiindustrie speziell im deutschen Markt mit einer weiteren
Herausforderung konfrontiert: Der Trend zur Ski-Miete hält unverändert an. Immer mehr deutsche Skifahrer
mieten ihre Ausrüstung direkt in den alpenländischen Skigebieten. Davon profitieren in erster Linie die
Mietstationen in den Skiorten in Österreich, Südtirol und Frankreich, angesichts des starken Franken
weniger jene in der Schweiz.
In Österreich sind inzwischen rund 60 Prozent der von der Industrie dort verkauften Ski Rental- und RacingSki. Das heißt, deutsche Urlauber mieten ihre Ski nicht nur im Wintersportort, sondern kaufen dort auch ein.
Tourenski im Aufwind
Doch es gibt auch erfreuliche Entwicklungen. Touren-Skilauf bleibt weiter im Trend. Dieser Nischenmarkt ist
zwar relativ klein, entwickelt sich in den letzten Jahren aber kontinuierlich nach oben. Das Wachstum
könnte noch spürbar größer sein, wenn das Wetter mitspielen würde.
Die Vermeidung hoher Lift- und Reisekosten erklärt diesen Trend sicher nur zum Teil. Entscheidender für die
Dynamik dieses Marktes dürfte das Bedürfnis der Menschen sein, die Natur möglichst intensiv und hautnah
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zu erleben, sich körperlich zu fordern. Wir rechnen für diese Saison mit einem Marktvolumen von ca. 40.000
Paar klassischen Tourenski. Dazu kommen Allmountain- und Freeski-Modelle, die auch als Tourenski genutzt
werden. Die Übergänge sind mittlerweile fließend; wie beim Auto will man auch bei Ski „SUV`s“ .
Im Zusammenhang mit Touren-Ski hat sich eine sehr aktive Wettkampf-Szene etabliert, die nicht zuletzt
dafür verantwortlich ist, dass in der technischen Entwicklung des Materials kontinuierlich weitere
Fortschritte erzielt werden. Gleichzeitig betreiben viele Outdoor-Fans das Tourengehen als attraktive
Winter-Variante. Immer größer wird auch die Zahl derer, die nach Feierabend entlang der Skipisten mit
ihren Touren-Ski aufsteigen, quasi als Konditionstraining. Auch dieser Bereich ist fester Bestandteil der
Tourenski-Fan-Gemeinde.
Doch nicht nur der Verkauf der Touren-Ski selbst entwickelt sich sehr positiv. Ein sehr interessantes
Geschäft sind die Ausrüstung und das Zubehör im Umfeld dieser Natursport-Variante.
Lawinenverschütteten-Suchgeräte (LVS), Lawinen-Airbags, Stirnlampen, hochfunktionelle TourenBekleidung, Felle, Touren-Skistöcke, Touren-Skisitiefel, Touren-Bindungen, aber auch Lawinenkurse,
Kartenmaterial und Führer sind wichtige Umsatzbringer im Sportfachhandel, der hier seine
Beratungskompetenz ausspielen kann.
Schuh-Fitting bleibt gefragt
Im Vergleich zum Geschäft mit Alpin-Ski und -Bindungen bleibt das Skischuh-Geschäft ein Lichtblick für
Handel und Industrie. In dieser Saison erwarten die Hersteller wieder einen Gesamtmarkt von ca. 340 000
bis 350.000 Paar Skischuhen in Deutschland, mit leicht steigenden Durchschnittspreisen.
Die vergleichsweise höhere Nachfrage nach Skischuhen erklärt sich zu einem guten Teil dadurch, dass
immer mehr Bundesbürger zwar ihre Ski mieten, dabei aber lieber auf ihre eigenen Skischuhe zurück greife,
Die sollen schließlich perfekt passen. Der Hygieneaspekt aber auch der platzsparende Transport im Auto
spielen für viele Skifahrer ebenfalls eine Rolle.
Und dies erklärt wiederum die steigenden Durchschnittspreise. Denn immer mehr Kunden investieren in die
individuelle Anpassung ihrer Skischuhe. Diese Möglichkeit bieten höherpreisige Modelle durch eine
entsprechende Ausstattung der Innenschuhe mit besonderen verformbaren Memo-Schäumen und anderen
anpassbaren Materialien. Doch viele Kunden wünschen es noch individueller und setzen auf Boot-Fitting
oder Customizing, wie die spezielle Anpassung an den eignen Fuß auf Marketing-Deutsch heißt. Dieses
Bootfitting erfordert sehr hochwertige Skistiefel, verschiedene Hersteller bieten hier jeweils eigene Systeme
an. Einige wenige Anpass-Systemen können die Skischuhe millimetergenau von innen und außen anpassen –
also erweitern und verengen!
Lukratives Geschäft für den Handel
Das Boot-Fitting ist eine Entwicklung, die unseren Partnern aus dem Sportfachhandel in die Hände spielt –
und das gleich mehrfach. Zum einen bringen ihnen Customizing-Angebote viele Kunden ins Geschäft, die
diesen Service nur dort in Anspruch nehmen können. Das Internet kann da nicht mithalten, d.h. viele
Schuhe, die auf entsprechenden Servicemaschinen angepasst werden müssen, sind nicht onlinefähig.
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Zum anderen bietet Boot-Fitting den Händlern die Möglichkeit, ihre Kompetenz unter Beweis zu stellen und
damit höherpreisige Skischuhe mit besserem Deckungsbeitrag zu verkaufen und zusätzliche Umsätze mit
weiteren Produkten wie z.B. Sohlen und Kompressionssocken zu erzielen. Schließlich ist der Handel
verstärkt auf der Suche nach Möglichkeiten, sich vom Online-Handel abzugrenzen mit exklusiven
Angeboten, die dem Kunden einen Zusatznutzen bieten. Damit bedient das Angebot anpassfähiger
Skischuhe eine elementare Forderung des stationären Fachhandels.
Ski Nordisch
Kein Schnee in den Städten und im Flachland wirkt sich auf den Markt der Langlauf-Ski jeweils noch deutlich
direkter auf das Geschäft aus als bei Alpin-Ski. Entsprechend erwarten wir für den Langlauf-Skiabsatz für
diese Saison nochmals gravierende Veränderungen gegenüber dem Vorjahr. Diesen Winter werden wir in
Deutschland weit unter der früher prognostizierten 100.000-Paar-Marke bleiben. Dies trifft natürlich im
Gleichklang auch für LL-Schuhe zu. Um noch einen einigermaßen vernünftigen Abverkauf zu erzielen und die
Lager etwas zu bereinigen, wäre es wichtig, noch mindestens 10 bis 20 Tage mit Kälte und Schnee bis in die
Tallagen zu haben.
Pressekontakt:
Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie e.V. (BSI)
Nicole Espey
Geschäftsführerin
Adenauerallee 134
D-53113 Bonn
Tel.: +49 (0) 228 / 926593-0
Fax: +49 (0) 228 / 926593-29
info@bsi-sport.de
www.bsi-sport.de
BSI – Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie e.V. ist der 1910 gegründete Unternehmensverband der
deutschen Sportartikelhersteller, -importeure und -großhändler. Ihm gehören 150 führende meist mittelständisch
geprägte Firmen an. Unter ihnen internationale Marktführer wie Adidas, Puma, Asics, Fischer, Völkl, Marker, Lowa,
Vaude, Tatonka, Polar oder Kettler. Die deutsche Sportartikelindustrie ist direkt oder indirekt Arbeitgeber für 120 000
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die einen Jahresumsatz von 11,4 Milliarden Euro erwirtschaften.
Der BSI ist Mitglied des Verbandes der europäischen Sportartikelhersteller FESI mit Sitz in Brüssel und damit auch
Mitglied im Weltverband der Sportartikelindustrie WFSGI mit Sitz in Bern. Der BSI ist Mitgründer und ideeller Träger
der Köln-Messen spoga und spoga horse und ideeller Träger der Münchener ISPO, der Weltmesse des Sports.
Gleichzeitig ist er Förderer der FSB in Köln sowie der Golf Europe in Augsburg. Die im BSI organisierte Fachgruppe
Outdoor ist Gründerin der Friedrichshafener Messe OutDoor.
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