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DWV Jahresbericht 2014 - Deutscher Wasserstoff

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DWV Jahresbericht 2014
2014
Inhalt
1 2014 – das Wichtigste aus unserer Sicht.............................................................. 4 1.1 1.2 Die Trends 2014 ....................................................................................................................................4 Amtswechsel beim DWV .......................................................................................................................4 2 Politik ....................................................................................................................... 6 2.1 2.2 2.3 2.4 2.5 2.6 2.7 Parlamentarische Abende des DWV .....................................................................................................6 Initiativen ziehen an einem Strang ........................................................................................................8 Was ist Biokraftstoff? .............................................................................................................................8 Mit gutem Beispiel vorangehen .............................................................................................................9 Gehaltvolles Frühstück .........................................................................................................................9 Die Rolle von Power-to-Gas für die Chemieindustrie............................................................................9 Weltweite Normung .............................................................................................................................10 3 Mobile Anwendungen ........................................................................................... 11 3.1 Autos....................................................................................................................................................11 Busse ................................................................................................................................................................12 3.2 Andere Fahrzeuge ...............................................................................................................................12 4 Stationäre Anwendungen ..................................................................................... 15 4.1 4.2 4.3 4.4 4.5 4.6 4.7 4.8 Jubiläum beim VDMA ..........................................................................................................................15 Härtetest bestanden ............................................................................................................................15 Weltrekord in Südkorea .......................................................................................................................15 25 Funkstationen werden auf Brennstoffzelle umgerüstet ..................................................................16 CFC installiert 500. Anlage ..................................................................................................................16 100 KWK-Anlagen in Nordrhein-Westfalen .........................................................................................16 Nicht kaputt zu kriegen ........................................................................................................................16 Energie für alle Fälle............................................................................................................................17 5 Portable Systeme .................................................................................................. 18 5.1 5.2 Die Steckdose im Kofferraum ..............................................................................................................18 Autos zu Kraftwerken ..........................................................................................................................18 6 Mobile Infrastruktur .............................................................................................. 19 6.1 6.2 6.3 Großflughafen Berlin ist fertig! .............................................................................................................19 Noch eine Multi-Energie-Tankstelle in Berlin ......................................................................................19 Tankstellen vom Band .........................................................................................................................20 7 Power-to-Gas ........................................................................................................ 21 7.1 7.2 7.3 7.4 Windgas findet Abnehmer ...................................................................................................................21 Thüga-Anlage in Frankfurt offiziell gestartet .......................................................................................21 Grundsteinlegung in Mainz ..................................................................................................................21 Power-to-Gas kommt - was heißt das? ...............................................................................................22 8 Forschung und Bildung ....................................................................................... 23 8.1 8.2 8.3 Diesmal wieder drei Gewinner beim Innovationspreis ........................................................................23 Mehr Anti-Wasserstoff .........................................................................................................................23 Mehr Ertrag aus Biomasse ..................................................................................................................24 9 Veranstaltungen und Medien ............................................................................... 25 9.1 9.2 9.3 9.4 9.5 Europäische Wasserstoffenergie-Konferenz neu gestartet.................................................................25 Hannover 2014 ....................................................................................................................................25 20. WHEC in Südkorea abgehalten ....................................................................................................27 World of Energy Solutions in Stuttgart ................................................................................................27 Nachruf: Peter Hoffmann .....................................................................................................................28 10 Partnerorganisationen.......................................................................................... 30 10.1 10.2 Vereinbarung mit Argentinien ..............................................................................................................30 Wasserstoffgesellschaft Hamburg 25 Jahre alt ...................................................................................30 11 Ausblick auf 2015.................................................................................................. 32 Seite 4
1
1.1
DWV-Jahresbericht für 2014
2014 – das Wichtigste aus unserer Sicht
Die Trends 2014
Die großen Entwicklungslinien sowohl bei den mobilen als auch bei den stationären Anwendungen
wurden 2014 bruchlos fortgesetzt. Aber vieles, was
bisher nur angekündigt wurde, hat im vergangenen
Jahr deutlich konkretere Konturen gewonnen als
bisher.
Mobile Anwendungen: 2014 war in erster Linie das
Jahr vor 2015 – dem Jahr, in dem in Europa und
Nordamerika die ersten Brennstoffzellenautos an
private Kunden abgegeben werden sollen. In Japan hat Toyota schon Ende 2014 damit angefangen.
Dabei haben die verschiedenen Hersteller natürlich alle ihren eigenen Fahrplan. Die Japaner und
Koreaner (Toyota, Honda, Hyundai) führen das
Feld an, Daimler und Partner (Ford, Nissan) nennen 2017, VW und BMW haben sich zu Zeitpunkten bisher noch gar nicht geäußert. Alle wissen,
dass nicht der Start über das Rennen entscheidet.
Politik: Die Ankündigungen im Koalitionsvertrag
aus dem Dezember 2013 klangen gut, aber bisher
hat sich die Bundesregierung beim Ausreißen vor
allem der dickeren Bäume noch vornehm zurückgehalten. Das gilt besonders für den neuen Minister für Wirtschaft und Energie.
Auf der Fachebene dagegen gibt es sehr wohl
Fortschritte. Das NIP, das im kommenden Jahr in
seiner bisherigen Form auslaufen wird, erweist
sich als ausgesprochene Erfolgsgeschichte. Kein
Wunder, dass eine weitere Phase vereinbart worden ist. Für diese müssen in diesem Jahr die Fundamente gelegt werden, denn Vorhaben, für die
2016 Geld da sein soll, müssen im Bundeshaushalt stehen, der (voraussichtlich) Ende 2015 beschlossen werden wird. Näheres zu den Arbeiten
im Rahmen des NIP unter der Koordination der
NOW im Jahre 2014 finden Sie in diesem Bericht
in den jeweiligen Rubriken.
1.2
Infrastruktur: Damit steigt natürlich der Druck, die
notwendige Infrastruktur an Wasserstoff-Tankstellen bereitzustellen. In diese Richtung wirkt auch
die Richtlinie über alternative Kraftstoffe, die von
der Europäischen Kommission Ende 2014 veröffentlicht wurde. Im Rahmen des NIP ist das Projekt
CEP dabei, das 50-Tankstellen-Programm zu verwirklichen, so dass Ende dieses Jahres zumindest
ein Anfang mit der flächendeckenden Infrastruktur
gemacht sein kann. Ende 2014 wurden für Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg die
Pläne mit den Standorten offiziell bekanntgegeben.
Stationäre Anwendungen: Die Feldversuche mit
kleinen Brennstoffzellen im Heizungskeller von
Eigenheimen oder kleinen Betrieben haben 2014
zwar nicht für Schlagzeilen gesorgt, gehen aber
voran. Sowohl der Bund (CALLUX-Projekt) als
auch einzelne Länder wir Nordrhein-Westfalen und
Hessen haben Förderprogramme dafür. Die Erfahrungen, die man in Japan mit der Technik macht,
fließen unmittelbar in die Entwicklung ein.
Inzwischen haben auch die großen Energieversorger zum Wasserstoff gefunden, nämlich über das
Thema „Power-to-Gas“. Wasserstoff wird als bedeutender Teil der Speichertechnik gesehen, die
man unbedingt braucht, wenn man erneuerbare
Quellen noch stärker als bisher in den Energiemarkt bringen will.
Amtswechsel beim DWV
Wir erlauben uns, unter den wichtigen Ereignissen
des Jahres 2014 auch eines zu nennen, das in
erster Linie den DWV angeht und sich nicht in den
Schlagzeilen niedergeschlagen hat: bei der Mitgliederversammlung des DWV am 27. Mai in Krefeld gab es einen Wechsel an der Verbandsspitze.
Abb. 1: Der alte und der neue: Herr Diwald (l.) bedankt sich bei Herrn Töpler für elf Jahre mit viel
Arbeit
Johannes Töpler gab das Amt des Vorsitzenden
nach elf Jahren aus Altersgründen ab. Wie er erklärte, hätte er das am liebsten schon vor drei Jahren getan, aber es war nicht so einfach, einen
Nachfolger zu finden. In der Person von Herrn
Diwald ist es ihm dann aber gelungen. Ganz verlo-
DWV-Jahresbericht für 2014
ren geht er dem Verband jedoch nicht: er bleibt
zunächst als Stellvertreter des Vorsitzenden im
Vorstand.
Abb. 2: Werner Diwald
Seite 5
Werner Diwald ist der dritte Vorsitzende in der
Geschichte des DWV, die 1996 begann. Der erste,
Herr Rolf Ewald, kam aus der Gasebranche. Herr
Töpler war der zweite, sein beruflicher Hintergrund
war die Autoentwicklung. Herr Diwald schließlich
kommt aus dem Energiegeschäft, in dem er ja
auch nach wie vor tätig ist. Diese Entwicklung ist
zugleich ein Spiegelbild der Entwicklung, die das
Gebiet Wasserstoff und Brennstoffzellen seit 1996
genommen hat.
Auch in einem anderen Punkt unterscheidet sich
Herr Diwald von seinen Vorgängern: er ist weder
Wissenschaftler noch Ingenieur, sondern hat eine
kaufmännische Ausbildung und ist als selbstständiger Unternehmer tätig. Das kann kein Nachteil
sein, wenn man die bisher eher mittelmäßig erfolgreichen Bemühungen des Vorstandes betrachtet,
die Arbeit des DWV auf eine professionellere
Grundlage zu stellen, womit ja zwangsläufig eine
stärkere Bedeutung der kommerziellen Dinge verbunden ist. Wenn es um Wissenschaft und Technik geht, kann sich Herr Diwald natürlich auf die
Unterstützung des übrigen Vorstandes verlassen,
wann immer das nötig sein sollte.
Seite 6
2
2.1
DWV-Jahresbericht für 2014
Politik
Parlamentarische Abende des
DWV
Dass Wasserstoff und Brennstoffzellen nicht nur
ein deutsches, sondern ein globales Thema sind,
spiegelt sich in der letzten Zeit auch in der Wahl
der Partner, mit denen zusammen der DWV seine
regelmäßigen Parlamentarischen Abende veranstaltet. Nachdem 2013 die japanische Botschaft
Gastgeber war, waren es im vergangenen Jahr die
Vertretungen Frankreichs und der USA. Dabei ist
die erste Veranstaltung eigentlich dem Vorjahr zuzuordnen, hatte sich aber aus Termingründen auf
den Januar 2014 verschoben.
2.1.1
Partner Frankreich
Auf der Grundlage guter Kontakte zur französischen Botschaft klopfte der Vorstand des DWV
einfach mal am Pariser Platz an und stieß auf ein
positives Echo.
zelinteressen unabhängiges Konzept, das alle
Energiesektoren (Strom, Wärme und Mobilität)
umfasst und Wasserstoff und Brennstoffzelle
intelligent integriert. Die Potenziale von Wasserstoff und Brennstoffzelle sind zwar erkannt, bei der
Markteinführung von Power-to-Hydrogen gibt es
aber noch erheblichen Handlungsbedarf auf Seiten
der Politik“
Botschaftsrat Jean-Claude Perraudin, Leiter der
Abteilung für nukleare und alternative Energien in
der Botschaft (man beachte die interessante Kombination), verwies darauf, dass beide Länder dabei
seien, ihr Energiesystem umzugestalten. „Unsere
Ziele beim Energiemix sind zwar unterschiedlich,
jedoch sind die Technologien zum Energieübergang die gleichen und sollten genutzt werden.
Energieeffizienz und Speicherung spielen dabei
eine entscheidende Rolle. Zwei komplementäre
Technologien sind unumgänglich: Batterien und
Wasserstoff, wobei Wasserstoff aufgrund seiner
verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten (Mobilität, Stromspeicherung, Einspeisung in das Gasnetz) anerkannt und akzeptiert werden sollte“, so
Perraudin.
Abb. 4: Der große Hörsaal der Botschaft war gut
gefüllt
Abb. 3: Herr Töpler hatte bei der Eröffnung allen
Grund, zufrieden vom Podium zu blicken
Allem Anschein nach passte unser Anliegen gerade richtig in die französische politische Landschaft - und in die deutsche ebenfalls. Die Teilnehmerliste war schnellt gefüllt, einige Interessenten mussten leider auf ein anderes Mal vertröstet werden. Das lag sicher nicht nur an der
prestigeträchtigen Adresse, sondern auch am
Thema, das in der gerade begonnenen Wahlperiode des Bundestages noch wichtiger sein wird als in
der vergangenen. Der DWV-Vorstandsvorsitzende
Johannes Töpler sagte den Anwesenden zur
Eröffnung: „Voraussetzung für den Erfolg der
Energiewende ist ein ganzheitliches und von Ein-
Die Bundesregierung wurde von Katherina Reiche
vertreten, Parlamentarische Staatssekretärin im
Verkehrsministerium. Reiche: „Der Verkehrssektor
leistet einen wesentlichen Beitrag, um die nationalen Energie- und Klimaschutzziele zu erreichen.
Mit Blick auf die Versorgungssicherheit und auf
den Klimaschutz ist für jeden einsichtig, dass wir
Alternativen zu den herkömmlichen Kraftstoffen
entwickeln und markttauglich machen müssen.
Hierzu ist es notwendig, Forschung und Entwicklung sowie die Marktaktivierung alternativer Antriebe zu unterstützen und zu fördern. Für die Bundesregierung stehen die Förderung der batteriebetriebenen Elektromobilität und die Förderung der
Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie ganz
oben auf der Agenda“
DWV-Jahresbericht für 2014
Einige praktische Winke zur praktischen Verfahrensweise gab ihr Patrick Schnell, Sprecher der
Clean Energy Partnership (CEP), die der Partner
des DWV bei der Veranstaltung war. Er sagte ihr:
„Die intelligenteste Anwendung von Wasserstoff ist
seine Nutzung als Kraftstoff im Brennstoffzellensystem eines Fahrzeugs. Auf diese Art integrieren
Sie die erneuerbaren Energien in den Mobilitätsbereich und schaffen die Voraussetzungen, um die
CO2-Ziele der Bundesregierung und der EU zu
erreichen. Was wir dafür brauchen, ist ein Finanzierungsmodell für die Speicherung von Erneuerbaren Energien.“
Ums Geld ging es auch in der anschließenden
Podiumsdiskussion. So etwas ist oft eine Reihenfolge von vorbereiteten Erklärungen, die reihum
verlesen werden. Diesmal ging es aber recht lebhaft zu. Parlamentarier und Industrievertreter waren nicht auf den Mund gefallen, und Moderator
Moritz Döpler vom Berliner Tagesspiegel hatte
keine Mühe, die Diskussion Gang zu halten.
Seite 7
Serienfertigung kommen schneller, als es von
Marktexperten eingeschätzt wurde. Der Schwerpunkt liegt dabei in Kalifornien: Bundesstaatliche
Auflagen zum Absatz emissionsfreier Fahrzeuge
sind hier das maßgebliche Argument.
Botschafter John Emerson lobte pflichtgemäß die
Politik der Obama-Regierung auf diesem Gebiet
und verwies auf die „schon lange bestehenden
Beziehungen zwischen dem US-Energieministerium und der EU und ihren Mitgliedsländern, auch
Deutschland, in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit allgemein und bei der Energie besonders. ... Starke transatlantische wissenschaftliche
Zusammenarbeit ist der Schlüssel zur Entwicklung
grüner Energie, die uns auf kurze, mittlere und
lange Sicht allen nützen wird.“ Von dieser Zusammenarbeit würde es auch abhängen, wie schnell
wir Wasserstoffautos aus Massenproduktion auf
den Straßen der USA oder Deutschlands sehen
würden. Allerdings konnte er sich den dezenten
Hinweis nicht verkneifen, er sei Kalifornier.
(Siehe auch unsere Pressemitteilung 1/14 vom 17.
Januar 2014)
2.1.2
Partner USA
Von der französischen Botschaft in Deutschland
sind es nur ein paar Schritte zur Vertretung der
USA. Das war aber nicht der Hauptgrund dafür,
dass der DWV mit seinem nächsten Parlamentarischen Abend am 4. November Gast in der USBotschaft war.
Abb. 6: US-Botschafter John Emerson wies bei
seiner Rede in die Zukunft. Sie liegt dort vorne ...
wo sie ja eigentlich immer liegt
Abb. 5: Werner Diwald begrüßte die Anwesenden
im Namen des DWV
Gemeinsamkeiten und Unterschiede hinsichtlich
Klimaschutz und erneuerbarer Energien wurden
beim Parlamentarischen Abend deutlich. Die ersten Markteinführungen von Wasserstoffautos in
Die Situation in Deutschland stellte Klaus Bonhoff
von der NOW dar. Die Integration von Wasserstoff
und Brennstoffzellentechnologie in den Stromsektor sorge für mehr Versorgungssicherheit und
Wirtschaftlichkeit. Mit der Gewinnung von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien (Power-to-Gas)
und den technologischen Entwicklungen setze
Deutschland nach wie vor Akzente. „Dank unseres
Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoffund Brennstoffzellentechnologie (NIP) ist es gelungen, wesentliche Produkte technisch marktfähig
zu machen. Nun ist es an der Zeit die Markteinführung der erfolgreich im Demonstrationsbetrieb getesteten Produkte zu forcieren. Hierfür sprechen
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Politik und Industrie miteinander, nicht nur in
Deutschland, sondern weltweit, denn es gilt entscheidende Strukturen für die Märkte zu schaffen,
grenzüberschreitend.“
Was in den USA läuft, erläuterte Richard Farmer
vom DoE. Es ist eine ganze Menge, wobei auch
hier wie in Deutschland Initiativen auf Bundes- und
Staatsebene nebeneinander laufen und sich zum
Teil ergänzen.
DWV-Jahresbericht für 2014
2.2
Initiativen ziehen an einem Strang
Die Industrieinitiativen Clean Energy Partnership
(CEP), H2Mobility und Performing Energy (PE)
bekräftigen ihr Engagement für die Markteinführung der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie. Im Rahmen der Hannover Messe Industrie
unterzeichneten die Vorsitzenden der Initiativen,
die die Interessen von knapp 30 führenden Unternehmen, Instituten und Verbänden bündeln, eine
entsprechende Erklärung: In den nächsten 10
Jahren beabsichtigen 300 Unternehmen der
Automobil- und Zulieferindustrie, der Energieversorger, der Spezialchemie sowie der Maschinenund Gerätehersteller, Investitionen in Höhe von
mehr als 2 G€ für die Marktaktivierung einer nachhaltigen, sicheren und wirtschaftlichen Wasserstoffmobilität zu tätigen. Ab 2023 kann ein sich
selbst tragender Markt erreicht werden. Notwendig
ist dazu die Fortführung des NIP als Rahmen für
FuE, um die technologische Basis abzusichern,
und als Programm zur Gestaltung der Marktaktivierung zentraler Produkte. Das Konzept für die
Markteinführung von Wasserstoff und Brennstoffzelle als Schlüsseltechnologien für die Energiewende wurde von den Vertretern von Industrie und
Wissenschaft im NOW -Beirat erarbeitet.
Abb. 7: Aus Washington war Richard Farmer von
Bundesenergieministerium angereist
In der abschließenden Podiumsdiskussion waren
sich die Vertreter von Industrie und Politik einig,
dass ungeachtet der politischen Schwerpunkte und
Förderansätze beide Länder das Thema für wichtig
halten und dass trotz allen Wettbewerbs die
deutsch-amerikanische Kooperation auch weiterhin ein wichtiges Element des Fortschritts sein
wird.
Der DWV-Vorsitzende Werner Diwald resümierte
den Abend mit den Worten: „Der Abend ist aus
Sicht des DWV ein voller Erfolg. Vor allem wurde
deutlich, dass Deutschland mit Power-to-Gas und
der Wasserstoffmobilität keinen Alleingang plant,
sondern dass dieser Pfad global verfolgt wird.
Deutschland und die EU müssen vielmehr wachsam sein, um diesen Technologietrend nicht zu
verpassen. Power-to-Gas ist nämlich nicht nur der
Schlüssel zum Erreichen der Emissionsminderungsziele im Verkehr und der Ausbauziele für die
erneuerbaren Energien, sondern trägt ebenfalls
dazu bei, unsere Rohstoffimportabhängigkeit konsequent zu mindern. Gleichzeitig bietet das Konzept ein riesiges Potential an Arbeitsplätzen im
Maschinen- und Anlagenbau.“
Abb. 8: Katherina Reiche (M.) bei der Übergabe
des Papiers in Hannover. 2. v. l. Werner Diwald
für Performing Energy, 2. v. r. Werner Tillmetz
(ZSW) für den NOW-Beirat, r. Klaus Bonhoff
(NOW)
2.3
Was ist Biokraftstoff?
Der Straßenverkehr soll grüner werden. Es gibt
mehrere Richtlinien der EU in diese Richtung, die
umgesetzt werden müssen. So wird eine entsprechende Änderung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes vorbereitet. Der Referentenentwurf des
Umweltministeriums dreht sich jedoch in erster
Linie um die Förderung von Kraftstoffen auf biogener Basis. Wasserstoff, der durch Elektrolyse mit
grünem Strom hergestellt worden ist, ist mindes-
DWV-Jahresbericht für 2014
tens genau so umweltfreundlich, nur eben nicht
„bio“. Würde er jedoch bei der beabsichtigten
Gesetzesänderung durch die Roste fallen, bestünde die Gefahr, dass damit ein Hindernis für die
Einführung der Brennstoffzellenautos in den allgemeinen Verkehr aufgebaut wird. Eine erneute
Änderung des Gesetzes wäre erst wieder ein sehr
komplizierter und langwieriger Prozess.
Für eine positive Technologieentwicklung bedarf
es daher geeigneter rechtlicher Rahmenbedingungen, die über die aktuellen Vorschläge des BMUB
hinausgehen. Wichtig ist hierbei sowohl der Abbau bestehender Hemmnisse als auch die Schaffung von Marktanreizen. Besonders die Integration
der Mobilität bei der Bewältigung der Herausforderungen der Energiewende wird – im Gegensatz zu
einem rein stromorientierten Konzept – zu kostenoptimierten Lösungen führen.
Der DWV hat daher einer ausgewählten Gruppe
von Mitgliedern des Bundestages vorgeschlagen,
die Definition des Begriffs „Biokraftstoffe“ zu erweitern und darunter auch „durch Elektrolyse erzeugten Wasserstoff, wenn die aufgenommene
Energie nachweislich aus erneuerbaren Energiequellen … stammt oder es sich um Speichergas
… handelt“ zu verstehen. Der letztere Begriff
knüpft an das Konzept „Power-to-Gas“ an. Als
Begründung wird auf die Rechtslage auf der EUEbene verwiesen, wo derartiger Wasserstoff bereits berücksichtigt und sogar als „Advanced Biofuel“ geführt wird. Ein Konflikt zwischen europäischen und deutschen Definitionen muss vermieden werden, denn Richtlinien sind verbindlich.
Eine entsprechende Änderung wäre dann auch für
die Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung erforderlich, in der sich technische Einzelheiten zur
Durchführung dieser Bestimmungen finden.
2.4
Mit gutem Beispiel vorangehen
Die japanische Regierung unter Ministerpräsident
Abe hat angeordnet, dass alle Ministerien und anderen Behörden Brennstoffzellenautos als Dienstwagen anschaffen sollen. Zugleich denkt die Regierung über ein Förderprogramm für das grüne
Auto der nächsten Generation nach.
Toshimitsu Motegi, Minister für Wirtschaft, Handel
und Industrie, hatte sich kurz zuvor bei einem Besuch bei Toyota sehr positiv über die Technik geäußert und den Willen seines Hauses bekräftigt,
sie zu unterstützen.
Seite 9
2.5
Gehaltvolles Frühstück
Ein „Parlamentarisches Frühstück“ veranstaltete
der DWV erstmals am 17. Oktober 2014. Ort der
Handlung war das Gebäude der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft (ehemaliges Reichstagspräsidentenpalais) direkt gegenüber vom
Reichstag, und eingeladen waren Mitglieder der
Unionsfraktion. Zwischen 8 und 9 Uhr (Beginn der
Plenarsitzung) war nicht so viel Zeit, also musste
die Botschaft konzentriert übermittelt werden.
Abb. 9: Thomas Bareiß, flankiert von Herrn Diwald
und Herrn Töpler, bei der Begrüßung
Die Funktion des Gastgebers hatte an diesem
Morgen Thomas Bareiß übernommen, Beisitzer im
Vorstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sowie
deren Beauftragter für Energiepolitik, außerdem
Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie.
Er ist einer der häufigeren Gesprächspartner des
DWV.
Im Anschluss an die Erklärungen des DWV gab es
eine Diskussion, in der deutlich wurde, dass die
Anwesenden keineswegs nur wegen eines kostenlosen Frühstücks gekommen waren. Bei einigen konnten echte Wissenslücken gefüllt werden,
andere kannten sich mit der Sache schon ziemlich
gut aus. Auch als ein Teil der Abgeordneten in
Richtung Plenum verschwunden war, blieben einige noch eine ganze Weile.
2.6
Die Rolle von Power-to-Gas für die
Chemieindustrie
Am 28. November war der DWV vom nordrheinwestfälischen Landtag zu einer Anhörung der Enquete-Kommission II „Zukunft der chemischen Industrie in NRW“ eingeladen, um zum Thema
Power-to-Gas (PtG) vorzutragen. Als PtG-Experte
trug Dr. Bünger von der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik aus Ottobrunn in Düsseldorf vor. Dabei
Seite 10
ging er auf die potenziellen Beiträge von PtG für
die unterschiedlichen Energiesektoren (Strom,
Automobil, (Petro-) Chemie und Erdgas) sowie das
Interesse der Politik ein und schilderte die Anstrengungen, um das PtG-Konzept in die breite
Anwendung zu bringen. Insbesondere zeigte er auf
Basis von Analysen für das Verkehrsministerium
auf, dass die Mobilitätsanwendung die ersten lukrativen PtG-Einsatzfälle schaffen wird und der
Verkehrssektor daher als Wegbereiter für PtG und
hier insbesondere Power-to-Hydrogen (PtH2) zu
sehen ist. Jedoch werden auch andere Einsatzfelder dann entstehen können, wenn die richtigen
politischen Begleitmaßnahmen gesetzt werden
(Anrechenbarkeit von regenerativem Wasserstoff
in der Chemieindustrie; Raffinerien) und die Industrie sektorübergreifend und pro-aktiv gemeinsame
Geschäftsfelder erschließt (ökonomische Synergien aus gemeinsamer Wasserstoff-Infrastrukturnutzung als Kraftstoff für die Mobilität sowie Energiedienstleistungen für den Stromsektor). Hier
könnte die Politik die richtigen Weichen stellen,
nicht nur durch regulatorische Maßnahmen sondern auch durch Anregung multilateraler Gespräche zwischen Industrie und Politik. Bisher jedoch
scheint die Bedeutung der PtG-Technologie als
sektorübergreifendes Konzept selbst in der Politik
noch nicht richtig eingeordnet zu werden.
Die Darstellung der komplexen technisch-wirtschaftlich-regulatorischen Zusammenhänge mündete in einer angeregten Frage-und-AntwortRunde der Landtagsabgeordneten mit dem Vortragenden. Den abschließend konkreten Vorschlag
von Dr. Bünger, auch in seiner Heimat Ostwestfalen-Lippe entsprechende Gespräche und PtG-Demonstrationsprojekte anzuregen, z. B. in der Lebensmittelindustrie bei Rudolf-August-Oetker verbunden mit einer Wasserstoff-Tankstelle in der
Region Bielefeld/Herford, griff der Grüne Landtagsabgeordnete Markert auf mit den Worten: „Wir
sollten Ihr Plädoyer für ‚Power-to-Pudding‘ sehr
ernst nehmen.“
2.7
Weltweite Normung
Um die Anwendungen von Wasserstoff und
Brennstoffzellen weltweit einzuführen, braucht man
auch weltweit gültige Normen. Sie entstehen unter
dem Dach der Normungs-Weltorganisation ISO in
DWV-Jahresbericht für 2014
ihrem Technischen Komitee 197 „Hydrogen Technologies“. Dieses hielt seine Plenarsitzung für
2014 am 4. und 5. Dezember in Japan ab, zusammen mit einer ganzen Reihe von Sitzungen seiner
Arbeitsgruppen in den Tagen zuvor. Ort der Handlung war das HyTrec, das „Hydrogen Energy Test
and Research Center“. Es befindet sich auf der
südlichen Insel Kyushu, in der Nähe der Stadt Fukuoka.
Abb. 10: Empfangsgebäude des HyTrec
Wasserstofftankstellen und ihre einzelnen Komponenten stehen derzeit im Mittelpunkt der Arbeit des
TC 197. An den drei Tagen vor der Plenarsitzung
hatten verschiedene Arbeitsgruppen getagt, die in
diesem Zusammenhang unterschiedliche Einzelthemen (Zapfsäulen, Schläuche, Kompressoren,
Ventile, ...) bearbeiten. Die Zeit drängt, denn die
Europäische Kommission hat die Richtlinie über
die Infrastruktur für alternative Kraftstoffe veröffentlicht, und damit diese angewendet werden
kann, müssen europäische Normen existieren, auf
die Bezug genommen werden kann. Die europäische Normungsorganisation CEN wird diese nicht
selbst erstellen, sondern die ISO-Papiere übernehmen bzw. anpassen, sobald sie vorliegen, und
das muss bald sein. Die Arbeitsgruppen sind daher
mit Hochdruck tätig. Die Europäische Kommission,
vertreten durch das Joint Research Centre in Petten, ist jetzt auch offizieller Partner des TC und war
bei der Plenarsitzung durch einen Vertreter beteiligt.
Bereits abgeschlossen ist die inhaltliche Arbeit an
der Überarbeitung des grundlegenden Papiers
über die sichere Handhabung von Wasserstoff (TR
15196). Die betreffende Arbeitsgruppe wurde daher bei der Plenarsitzung aufgelöst; die offizielle
Publikation der Veröffentlichung wird für Anfang
2015 erwartet.
DWV-Jahresbericht für 2014
3
3.1
Seite 11
Mobile Anwendungen
Autos
3.1.1
Die „Zukunft“ ist auf der Straße
Das japanische Wort für „Zukunft“ lautet „Mirai“.
Passenderweise ist das der offizielle Markenname
für das Brennstoffzellenauto, das Toyota jetzt
schrittweise auf die Märkte bringt.
Die Limousine ist seit dem 15. Dezember 2014 in
Japan erhältlich. Im September 2015 folgt die
Markteinführung in Deutschland und anderen
europäischen Ländern. Die ersten Fahrzeuge werden in Europa ab dem September 2015 verleast
werden. Kalkulationsgrundlage dafür ist ein Verkaufspreis von 78.540,-€ incl. Mwst.
Nach Firmenangaben übertrifft das Interesse bei
Weitem die schon nicht geringen Erwartungen.
Aus Japan wurde gemeldet, dass Toyota weitere
20 G¥ (135 M€) investieren wird, um das Werk,
das den Mirai herstellt, um zwei Fertigungslinien
zu erweitern und damit die Produktionskapazität zu
verdreifachen.
Das Herzstück des Toyota Mirai bildet die mit 3,1
kW Leistung pro Liter Bauvolumen weltweit effizienteste Brennstoffzelle. Das jetzt zum Einsatz
kommende System aus Brennstoffzellen-Stacks,
Aufwärtswandler und Hochdruck-Wasserstofftanks
ist das Ergebnis jahrelanger Forschung und Entwicklung. Dank der langjährigen Erfahrung bei der
Hybridtechnologie konnten viele Komponenten
ohne größere Änderung in dem Fahrzeug Verwendung finden.
austreten, schicken Sensoren gleich eine Warnung
ins Cockpit und schalten automatisch den Wasserstoffzufluss ab. Ohnehin liegen alle Leitungen und
Tanks außerhalb der Fahrzeugkabine, sodass sich
austretender Wasserstoff direkt verflüchtigt. Die
unterflurige Montage der Brennstoffzellen-Stacks
und Wasserstoff-Tanks reduziert den Fahrzeugschwerpunkt.
3.1.2
Grenoble als französische Wasserstoff-Hauptstadt
Etwa 80 % der französischen Aktivitäten in Verbindung mit Wasserstoff und Brennstoffzellen spielen
sich in der Region Rhône-Alpes (Lyon / Grenoble)
ab. Demnächst startet dort ein Projekt namens
„HyWay“, in dem der Einsatz einer größeren Flotte
von Wasserstoffautos eine zentrale Rolle spielen
wird. Koordiniert wird es von dem Projektcluster
Tenerrdis, finanzielle Unterstützung kommt von der
Regionalregierung sowie von der französischen
nationalen Energiebehörde (ADEME) und der Behörde für Umwelt, Entwicklung und Wohnen
(DREAL).
Abb. 12: Pistenraupe mit Wasserstoffantrieb –
auch eine Tenerrdis-Aktivität
Abb. 11: So sieht er aus - der Toyota „Zukunft“
Die aus drei Schichten bestehenden Kunststofftanks speichern den Wasserstoff bei einem Druck
von 700 bar. Obwohl ihr Gewicht und ihre Größe
im Vergleich zum Toyota FCHV-adv verringert
wurden, stieg ihre Speicherkapazität um 20 %.
Die Hochdruck-Wasserstofftanks sind auf maximale Haltbarkeit ausgelegt und bieten größtmöglichen Schutz. Sollte dennoch einmal Wasserstoff
Die Fahrzeuge werden Elektrofahrzeuge von Renault vom Typ Kangoo sein. In einer ersten Phase
werden Range Extenders auf Brennstoffzellenbasis für die industrielle Produktion vorbereitet
werden und dann in die Fahrzeuge eingebaut werden. Sie werden ihnen eine Reichweite von 300
km verleihen.
Danach werden 50 solcher Fahrzeuge mindestens
18 Monate lang in der Region im Flottenbetrieb
verkehren. Zwei Tankstellen werden gebaut werden, eine in Grenoble und eine in Lyon.
Seite 12
DWV-Jahresbericht für 2014
Busse
3.1.3
Busverkehr von morgen auf der Hamburger „Innovationslinie“
Die Hamburger Hochbahn hat am 18. Dezember
2014 eine Art Freiluftlabor für den emissionsarmen
und -freien Busverkehr in Betrieb genommen. Auf
der Linie 109, ab jetzt „Innovationslinie“ genannt,
sollen im Wesentlichen nur noch Busse mit innovativen und umweltfreundlichen Antrieben verkehren. Der praktische Einsatz im direkten Vergleich
unter identischen Bedingungen soll Daten liefern,
die wissenschaftlich ausgewertet werden und helfen sollen, den zukünftigen Kurs abzustecken. Zu
diesen Daten gehören nicht nur technische, sondern auch Fahrer und Fahrgäste werden nach
ihren Eindrücken befragt.
Abb. 14: Ein Druck auf den Knopf genügt – schon
stehen alle Ampeln auf Grün. Wenn das mal sonst
auch so einfach wäre ...
3.2
Andere Fahrzeuge
3.2.1
Zu Lande …
Gabelstapler bei IKEA Frankreich tanken jetzt
Wasserstoff
Abb. 13: Die Ehrengäste in einer Reihe. V. l. n. r.:
Rainer Bomba (Bundesverkehrsministerium), Olaf
Scholz (1. Bürgermeister), Günter Elste (Hamburger Hochbahn), Frank Horch (Wirtschaftssenator),
Frank Schira (1. Vizepräsident der Bürgerschaft),
Ewold Seeba (Bundesumweltministerium)
Air Liquide hat im März 2014 den Betrieb der ersten Wasserstofftankstelle bei IKEA in Frankreich
aufgenommen. Sie versorgt zunächst 20 Gabelstapler, die auf Brennstoffzellen umgerüstet worden sind. Das System ist Teil des IKEA-Großlagers
in Saint-Quentin-Fallavier, nahe Lyon.
Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz sagte
zur Eröffnung: „Die Innovationslinie in Hamburg
wird uns wichtige Erkenntnisse bringen, um die
Entwicklung umweltfreundlicher und ressourcenschonender Busse zu beschleunigen. Das Ziel, ab
2020 nur noch emissionsfreie Busse anzuschaffen,
wird damit greifbar. Wir freuen uns über die gute
Kooperation zwischen der Industrie und der
HOCHBAHN, die auch in diesem Projekt zum
Ausdruck kommt. Damit ist Hamburg ein sehr gutes Entwicklungslabor für moderne Antriebstechnologien im Busbereich.“
Neben den Elektro-Hybridbussen von Volvo kommen die in Hamburg schon sehr bekannten Brennstoffzellenhybridbusse von Mercedes-Benz und
dieselelektrischen Hybridbusse zum Einsatz. Als
Referenzfahrzeuge für den wissenschaftlichen
Vergleich mit den eingesetzten innovativen Fahrzeugen werden auch gezielt konventionelle Dieselbusse auf der Linie verkehren. Die Flotte wird
weiter ausgebaut.
Abb. 15: Ein Gabelstapler nimmt einen Schluck an
der Tankstelle bei IKEA in St. Quentin-Fallavier
Die Tankstelle gibt Wasserstoffgas unter 350 bar
ab, was eine Tankfüllung in drei Minuten erlaubt.
Die mit Brennstoffzellen betriebenen Gabelstapler
bieten mehr Produktivität und Flexibilität, weil die
Zeit besser ausgenutzt wird.
DWV-Jahresbericht für 2014
Seite 13
Die Zellen stammen von HyPulsion, einem Gemeinschaftsunternehmen der Air-Liquide-Tochter
Axane (80 %) mit Plug Power (20 %). Air Liquide
kann damit in Europa ein integriertes System vom
Gas bis zur Tankstelle anbieten.
Minuten per Druckausgleich der Schiffstank mit
Wasserstoff füllen.
In den USA und Kanada laufen schon fast 5000
Gabelstapler mit Wasserstoff. Es handelt sich dabei um den am schnellsten expandierenden Markt
für Wasserstoffenergie.
Alsterwasser liegt auf dem Trockenen
3.2.2
… zu Wasser ...
Erste Wasserstofftankstelle am Bodensee
Umweltfreundlicher Schiffsverkehr ist am Bodensee ein großes Thema. Die Hochschule Konstanz
arbeitet seit geraumer Zeit an Wasserfahrzeugen
mit Elektroantrieb. Schon seit den 80er Jahren gibt
es ein Solarboot mit Photovoltaik. Ein Brennstoffzellenboot gibt es auch, und seit Ende Juni 2014
gibt es dafür auch eine Tankstelle.
Das brennstoffzellenbetriebene Fahrgastschiff
FCS Alsterwasser liegt seit geraumer Zeit still, weil
keine Betankungsmöglichkeit mehr besteht. Der
Betreiber, die ATG Alster-Touristik GmbH, ist zwar
germäß einer Meldung der Fachzeitschrift HZwei
durchaus noch an einem weiteren Betrieb interessiert, nicht jedoch das Gaseunternehmen Linde an
einem weiteren Betrieb seiner Tankstelle am Anleger Hellbrookstraße im Barmbeker Stichkanal. Wie
ein Unternehmenssprecher HZwei erklärte, wurde
die an der Außenalster gelegene Betankungsstation, die im Rahmen eines europäischen Fördervorhabens für die Erprobung technischer Komponenten errichtet worden war, im Frühjahr 2014
abgebaut.
Abb. 16: Die Solgenia (rechts) am Kai. Neben ihr
das PV-Boot Korona
In einem kleinen Festakt feierte die Hochschule
am 25. Juni 2014 die Inbetriebnahme der vollständigen Wasserstoff-Energiekette. Die Solgenia, ein
Boot, das sowohl per Batterien, gespeist aus
Photovoltaikzellen, wie auch per Brennstoffzellen
angetrieben werden kann, dient nun als schwimmendes Labor. Studierende und Wissenschaftler
können erforschen, welche Chancen der Wasserstoffantrieb und die Hybridtechnik im Schiffsverkehr bieten.
Das Energiemanagementsystems setzt die vorhandene Energie (Sonnenenergie gespeichert in
Batterien und Wasserstoff im 70-l-Drucktank) mit
der Geschwindigkeit bzw. mit dem zu erreichenden
Ziel in Relation und berechnet daraus Vorgaben an
den Skipper. Bis zu 60 km kann das Schiff alleine
mit der Wasserstoffreserve zurücklegen. Zurück
am für die Solgenia errichteten Schwimmsteg am
Seerhein lässt sich innerhalb von nur wenigen
Abb. 17: Ein Bild aus dem Jahr 2008 – die Tankstelle von der Landseite
Ob es eine neue Betankungsmöglichkeit für die
Alsterwasser geben wird, sei es von einem anderen Anbieter oder an anderer Stelle, ist derzeit
noch offen. Vielleicht klappt es dieses Jahr wieder.
Brennstoffzelle auf Tauchstation
Gemäß der japanischen Tageszeitung Yomiuri
Shimbun arbeiten das japanische Verteidigungsministerium und Partner aus den USA an der Ent-
Seite 14
wicklung eines etwa 10 m langen unbemannten UBoots mit Brennstoffzellenantrieb. Das unbewaffnete Fahrzeug soll in der Lage sein, eine vorgegebene Strecke abzufahren und eventuelle Bedrohungen aufzuspüren. Mit einer einzigen Tankfüllung sei ein voller Monat unabhängiger Tätigkeit
unter Wasser möglich. Das japanische Verteidigungsministerium sagte dazu, es gäbe im Moment
keine konkreten Arbeiten gemeinsam mit den USA
an so einem Projekt, das Projekt an sich existiere
aber.
DWV-Jahresbericht für 2014
ist für längere Flüge von mehreren Tagen Dauer in
großen Höhen (bis knapp 20 km) gedacht, um dort
zivile oder militärische Missionen zu erfüllen. Der
Erstflug fand am 1. Juni 2012 von der kalifornischen Edwards Air Base aus statt.
Weiter verlautete aus Regierungskreisen, ein Betrag von knapp 19 M€ sei eingeplant sowie eine
Entwicklungszeit von fünf Jahren. Die Entwicklung
eines Brennstoffzellensystems für solche Bedürfnisse sei anspruchsvoll, daher die lange Zeit.
Abb. 18: Start der Phantom Eye zum Erstflug
3.2.3
… und in der Luft
Boeings Phantomauge mit Flügeln
2010 stellte Boeing den Prototypen eines unbemanntes Flugzeugs namens „Phantom Eye“ vor,
das mit flüssigem Wasserstoff betrieben wird). Es
Mittlerweile hat bereits der sechste Testflug stattgefunden. Die Sicherheitskriterien der NASA werden erfüllt. Die Maschine gilt jetzt als Experimentalflugzeug, was bedeutet, dass sie nicht mehr nur
rund um die Edwards Air Base fliegen darf.
DWV-Jahresbericht für 2014
4
Stationäre Anwendungen
4.1
Jubiläum beim VDMA
Die Arbeitsgemeinschaft Brennstoffzellen im
VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V.) feierte das zehnjährige Bestehen auf
der Mitgliederversammlung am 6. Februar 2014
beim Fraunhofer Institut für Keramische Technologien in Dresden mit über 50 Herstellern von Systemen und Komponenten für Brennstoffzellen.
Seite 15
zeuge in Asien in diesem Jahr in Kleinserie auf die
Straße kommen, muss der im Koalitionsvertrag
angekündigte „Markthochlauf“ in Deutschland, also
der Verkauf größerer Stückzahlen, noch realisiert
werden“, erklärte Stefener.
4.2
Härtetest bestanden
Am 5. Dezember 2013 kam es auf der Marine- und
Luftwaffenbasis Pearl Harbour-Hickam (Hawaii,
USA) zu einem Stromausfall, der die gesamte Basis für etwa 12 Stunden lahm legte. Nun ja, fast die
gesamte Basis – eine von Hydrogenics gelieferte
Notstromversorgung mit Wasserstoff funktionierte
einwandfrei und versorgte die angeschlossenen
Systeme die ganze Zeit des Netzausfalls über mit
Energie, wie das Unternehmen jetzt mitteilte.
Abb. 19: Der neue Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Brennstoffzellen im VDMA, Manfred
Stefener (Mitte) und sein Vorgänger Guido Gummert (links)
Dr. Manfred Stefener, Geschäftsführer der Elcore
GmbH, wurde auf der Mitgliederversammlung zum
neuen Vorsitzenden gewählt. Er löste Guido
Gummert ab, der die baxi Innotech verlassen hat.
„Nach zehn Jahren erfolgreicher Vernetzung der
Industrie im VDMA starten Mitglieder die Kleinserienfertigung von Brennstoffzellen“, betonte
Stefener. Brennstoffzellen werden zur Energieversorgung von Häusern und Industrie, zur netzunabhängigen Stromversorgung, zur Bordstromversorgung oder zum Antrieb von Autos, Bussen, Schiffen und U-Booten eingesetzt. Die Brennstoffzellenindustrie setzte im Jahr 2013 in Deutschland
mit etwa 1.500 Beschäftigten gut 100 Millionen
Euro mit Heizgeräten und Stromversorgungsanlagen um. Als Folge der anlaufenden Serienproduktion erwarten die Unternehmen nach einer Industriebefragung der VDMA Arbeitsgemeinschaft
Brennstoffzellen für 2020 bis zu zwei Milliarden
Euro Umsatz und 6.000 Arbeitsplätze.
Das ist alles sehr schön, aber nicht gut genug.
„Während Brennstoffzellenheizgeräte in Japan
bereits zehntausendfach eingesetzt werden,
Brennstoffzellenkraftwerke in den USA und Korea
mit mehreren Hundert Megawatt installierter Leistung betrieben werden und Brennstoffzellenfahr-
Die Stromversorgung ist Teil eines Systems, zu
dem auch eine Tankstelle für Fahrzeuge mit Wasserstoff als Kraftstoff gehört. Die US-Luftwaffe
versucht, zumindest am Boden die Abhängigkeit
von fossilen Energieträgern abzubauen. Die Vorräte an Wasserstoff hätten für 10 Tage bzw.
10.000 Meilen gereicht.
4.3
Weltrekord in Südkorea
Unter Mitwirkung der amerikanischen Firma FuelCell Energy ist in Südkorea Anfang 2014 der
größte Brennstoffzellenpark der Welt in Betrieb
gegangen. Der Gyeonggi Green Energy Fuel Cell
Park in der Stadt Hwasung City besteht aus 21
Modulen vom Typ FuelCell Energy DFC3000 mit
einer Leistung von je 2,8 MW. Für die 59 MW erneuerbarer Elektrizität werden nur 2 ha Land benötigt. Der Strom geht ins Netz, die Wärme in ein
lokales Fernwärmenetz. Der Betreiber POSCO
Energy begann mit dem Bau im November 2012
und war nach nur 13 Monaten fertig. Das zeigt
nach Firmenangaben, dass Brennstoffzellenanlagen auch mit hoher Leistung schnell errichtet
werden können, um das Netz zu unterstützen.
Eine weitere Anlage dieser Art, aber mit nur sieben
Modulen und einer Gesamtleistung von 19,6 MW,
entsteht in der Hauptstadt Seoul. Sie wird in der
Nachbarschaft eines Depots der städtischen
Schnellbahn gebaut und soll dieses bei Netzausfällen mit Strom versorgen. Die Leistung der Anlage entspricht dem Verbrauch von 45 000 durchschnittlichen koreanischen Haushalten. Ende des
Jahres soll der Betrieb aufgenommen werden.
Seite 16
DWV-Jahresbericht für 2014
lässigkeit der Brennstoffzellensysteme von CFC
bestätigt.
4.4
25 Funkstationen werden auf
Brennstoffzelle umgerüstet
Das Land Brandenburg hat 25 Basisstationen im
Digitalfunk mit einer brennstoffzellenbasierten Notstromversorgung für längere Überbrückungszeiten
als Netzersatzanlage aufgerüstet, um DieselAggregate zu ersetzen. Der Auftrag ging an Heliocentris in Berlin. Er bedeutet für Heliocentris ein
Umsatzvolumen von knapp 1 M€.
Das BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) Digitalfunknetz unterliegt als
sogenannte kritische Infrastruktur besonderen Sicherheitsanforderungen. Es muss insbesondere
bei Katastrophenereignissen und größeren Schadensfällen für die Polizei und Feuerwehr zuverlässig funktionieren und ist daher auf eine absolut
sichere Stromversorgung für ein stabiles Funknetz
angewiesen.
Typischerweise werden Netzersatzanlagen für
längere Überbrückungszeiten mit Dieselgeneratoren betrieben. Durch die signifikante Kostenreduktion der letzten Jahre im Bereich der Brennstoffzellentechnologie und ihre niedrigeren Wartungskosten ist es gelungen, ein tragfähiges brennstoffzellenbasiertes Lösungskonzept anzubieten. Es
nimmt in vielerlei Hinsicht eine Vorreiterrolle ein:
Sowohl Brennstoffzelle als auch Wasserstoffeinheiten sind in einer Containerlösung integriert und
besonders wartungsarm, wodurch sich Serviceeinsätze reduzieren und damit die Kosten deutlich
senken lassen. Alle Komponenten sind so konzipiert, dass eine einfache Installation möglich ist,
was die anfänglichen Investitionskosten ebenfalls
begrenzt. Der Betreiber verfügt jederzeit über aktuelle Messwerte und Informationen und verschafft
sich so höchste Transparenz über den Betriebszustand der Anlage.
4.5
CFC installiert 500. Anlage
Ceramic Fuel Cells (CFC), Entwickler und Hersteller von Mikrokraftwerken auf Brennstoffzellenbasis, hat einen wichtigen technischen und kommerziellen Meilenstein erreicht. Mit der Inbetriebnahme eines Mikrokraftwerks der Marke BlueGEN
am 11. September 2014 durch Eneco, Servicepartner des Unternehmens in den Niederlanden,
wurde das nunmehr fünfhundertste Mikrokraftwerk
des Herstellers angefahren. Praktisch zugleich
wurde mit dem Erreichen von kumuliert 5 Millionen
Betriebsstunden der Geräteflotte die hohe Zuver-
Das fünfhundertste Gerät ist eines von 45 Mikrokraftwerken der Marke BlueGEN, die Teil eines
virtuellen Kraftwerks (VPP) auf der Insel Ameland
in den Niederlanden werden. Auf Ameland entsteht
so das gegenwärtig größte virtuelle Brennstoffzellenkraftwerk in Europa. Neben weiteren namhaften Projektpartnern ist auch das führende niederländische Gasunternehmen Gasterra daran
beteiligt.
4.6
100 KWK-Anlagen in NordrheinWestfalen
Rund zwei Jahre nach dem Start des NRW KraftWärme-Kopplung
(KWK)-Zuschussprogramms
„progres.nrw – Programmbereich KWK“ konnte die
Bezirksregierung Arnsberg im September 2014
den 100. Zuwendungsbescheid für eine brennstoffzellenbasierte Mikro-KWK-Anlage an einen
Antragsteller aus NRW zustellen. Als 100. Brennstoffzelle wird eine Anlage des Typs BLUEGEN
des Heinsberger Unternehmens Ceramic Fuel
Cells zum Einsatz kommen, die angeschlossen an
das Erdgasnetz eine elektrische Leistung von 1,5
kW sowie einen rekordverdächtigen elektrischen
Wirkungsgrad von 60 % aufweist. Der Gesamtwirkungsgrad beträgt 85 %, wodurch eine CO2-Einsparung von 50 % erzielt werden kann.
Nordrhein-Westfalen hatte als erstes Bundesland
ein Programm zur Investitionsförderung von
Brennstoffzellen-KWK aufgelegt, um die noch vorhandenen Mehrkosten von Brennstoffzellen für die
Anlagenbetreiber deutlich zu reduzieren und damit
einen wichtigen Schritt zur Markteinführung zu
vollziehen. Mehr als 1,25 M€ hat das Land NRW
mit einer EU Ko-Finanzierung seither für die
Brennstoffzellen investiert. Zukünftig ist beabsichtigt, Brennstoffzellen gestaffelt nach der Anlagengröße zu fördern und beispielsweise für das o. g.
System mit 1,5 kWel einen Zuschuss von 12.500 €
vorzusehen.
4.7
Nicht kaputt zu kriegen
Nicht unbedingt besonders aufregend, aber gerade
deswegen erfolgreich verlaufen die Versuche des
Forschungszentrums Jülich mit der Dauerstandsfestigkeit von Festoxid-Brennstoffzellen (SOFC).
Ein Stapel von planaren Festoxid-Brennstoffzellen
stellte dort jetzt einen neuen Weltrekord auf: Der
Stack läuft mittlerweile ununterbrochen über
61.000 Stunden, davon 60.000 Stunden mit
DWV-Jahresbericht für 2014
Stromproduktion. „Mit sieben Jahren Laufzeit beweisen wir, dass die verwendeten Werkstoffe aller
Einzelkomponenten wie Zelle, Dichtungswerkstoffe
und metallische Bipolarplatten in dieser Kombination langzeitstabil sind“, sagt Dr. Norbert H. Menzler vom Jülicher Institut für Energie- und Klimaforschung. Mit Blick auf einen stationären Einsatz von
SOFCs sei dies ein Durchbruch: Für sie gelte mittelfristig eine Laufzeit von 40.000, langfristig von
80.000 Stunden als Zielsetzung.
Der Jülicher Stack aus dem Jahr 2007 wird bei 700
°C mit Wasserstoff als Brenngas betrieben. Die
Degradation – gleichzusetzen mit einem Verlust an
Stackspannung und damit Leistung – liegt bei unter einem Prozent pro 1.000 Stunden Laufzeit. Ein
weiterentwickelter Stack aus dem Jahr 2010 hat
mittlerweile über 30.000 Betriebsstunden absolviert und altert noch langsamer, seine Degradation
liegt bei etwa 0,3 Prozent pro 1.000 Stunden.
4.8
Seite 17
Evakuierte eine Woche lang mit Strom und warmem Wasser zu versorgen.
In dem autonomen System stecken Solarzellen,
eine Speicherbatterie, ein Elektrolyseur, Tanks für
Wasser und Wasserstoff sowie Brennstoffzellen.
Der Strom von den PV-Modulen wird für die Erzeugung von Wasserstoff mit Hilfe des Elektrolyseurs verwendet. Da nur Wasser und Sonne erforderlich sind, kann die Anlage unabhängig arbeiten.
Man kann den Container auch auf der Straße in
Katastrophengebiete transportieren.
Energie für alle Fälle
Toshiba erprobt zusammen mit der Stadt Kawasaki (Region Tokio) ein unabhängiges Energieversorgungssystem, das sich erneuerbare Energiequellen und Wasserstofftechnologie zunutze
macht. Es wurde in einem Park in der Stadt aufgestellt und soll von April 2015 bis 2020 arbeiten. Der
Park ist ein Sammelpunkt für Katastrophenfälle.
Das System soll dann in der Lage sein, etwa 300
Abb. 20: Die Notfall-Anlage, installiert in einem
Park
So lange die Verhältnisse normal sind, wird die
Anlage dazu verwendet, Verbrauchsspitzen im
lokalen Stromnetz zu kappen oder zu verschieben.
Seite 18
5
Portable Systeme
5.1
Die Steckdose im Kofferraum
SFC Energy AG präsentierte zum Caravan Salon
Düsseldorf 2014 eine mobile Steckdose für Freizeit- und Outdoor-Aktivitäten – die EFOY GO! Offizieller Verkaufsstart für das kompakte Strompaket
zum Mitnehmen ist für Anfang 2015 geplant.
DWV-Jahresbericht für 2014
larmodul. Es liefert 100 bis 230 Ah Strom pro Tag.
Geräte werden wie an einer normalen Steckdose
einfach angeschlossen. Beim Aufladen hat der
Anwender große Flexibilität: die Batterie kann über
die Brennstoffzelle, das Solarmodul, den Zigarettenanzünder im Auto oder die Steckdose zu Hause
geladen werden.
5.2
Autos zu Kraftwerken
Honda ist eigentlich als Autohersteller bekannt. Im
November 2014 allerdings zeigte der Konzern
zusammen mit der neuen Studie FCV Concept
auch ein kleines Zusatzmodul namens Honda
Power Exporter Concept. Dieses Gerät liefert in
Verbindung mit dem Auto Wechselstrom mit einer
Leistung von bis zu 9 kW. Auf diese Weise kann
das Auto im Notfall in ein kleines Kraftwerk verwandelt werden, wenn z. B. die Stromversorgung
über das Netz ausfällt.
Abb. 21: Die Überall-Steckdose EFOY GO!
Die weniger als 6 kg leichte portable EFOY GO!
wurde für die komfortable Energieversorgung fern
vom Netz entwickelt. Ganz gleich, ob man mit dem
Rad, dem Zelt, dem Boot oder dem Reisemobil
unterwegs ist - das Gerät versorgt mitgenommene
Geräte wie Smartphones, Navigationsgeräte,
Lampen oder Kühlboxen mit Strom. Auch auf die
Berghüttenwanderung oder die Fotoexpedition
kann die EFOY GO! problemlos mitgenommen
werden.
Das Gerät enthält alles, was zur netzfernen Stromversorgung unterwegs benötigt wird: LithiumIonen-Batterien, eine Brennstoffzelle und ein So-
Abb. 22: Honda Power Exporter Concept
DWV-Jahresbericht für 2014
6
Mobile Infrastruktur
6.1
Großflughafen Berlin ist fertig!
Nun ja, zumindest im Wesentlichen.
Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesverkehrsminister, Katherina Reiche (MdB),
betankte am 23. Mai 2014 das erste Brennstoffzellen-Fahrzeug am „Hub für grünen Wasserstoff“
(H2BER) der TOTAL Multi-Energie-Tankstelle in
Berlin-Schönefeld. Aus Windkraft und Sonnenenergie hergestellter Wasserstoff erlaubt die systemübergreifende Vernetzung erneuerbarer Energie vom Strom-, Wärme- und Gasmarkt bis hin
zum Verkehrssektor.
Am H2BER nutzen mehrere üblicherweise voneinander getrennte Anwendungsbereiche CO2neutralen Wasserstoff als Energieträger. Damit
kommt erstmals aus Wind und Sonne erzeugte
Energie übergreifend im Strom-, Wärme- und Verkehrssektor zum Einsatz. Die Partner erzeugen
den „grünen“ Wasserstoff vor Ort über Elektrolyse.
Seite 19
gestellt, der von ENERTRAG betrieben wird. Mit
einer Kapazität von 500 kW kann die alkalische
Elektrolyse über 200 kg Wasserstoff am Tag produzieren. Das reicht für etwa 50 H2-Betankungen
von Brennstoffzellen-Fahrzeugen.
Linde ist verantwortlich für das gesamte Wasserstoff-Handling zwischen der Produktion im
Elektrolyseur und der Zapfsäulen-Betankung. Darüber hinaus beliefert der Gasespezialist Industriekunden mit einem Teil des vor Ort produzierten
Wasserstoffs.
TOTAL betreibt am Standort zwei H2-Zapfsäulen,
eine für Pkw und eine für Busse. Zu den Vorteilen
der H2-Mobilität gehören kurze Betankungszeiten,
hohe Reichweiten und eine emissionsfreie Nutzung. Autos mit Brennstoffzelle fahren elektrisch,
ohne Abgasentwicklung und erzeugen ausschließlich reinen Wasserdampf. Der Verkehrssektor, der
etwa 20 % der CO2-Emissionen in Deutschland
erzeugt, könnte mit Hilfe von regenerativ gewonnenem Wasserstoff dazu beitragen, diesen CO2Anteil zu reduzieren.
6.2
Noch eine Multi-Energie-Tankstelle in Berlin
Abb. 23: Staatssekretärin Katherina Reiche führt
vor, wie einfach das geht. Klaus Bonhoff (NOW),
Roland Käppner (McPhy), Werner Diwald (Encon
Europe) und Patrick Schnell (CEP, v. l. n. r.)
schauen ergriffen zu
Neben der Versorgung von emissionsfreien
Brennstoffzellen-Fahrzeugen ist der Betrieb eines
Blockheizkraftwerks mit regenerativ erzeugtem
Wasserstoff sowie dessen Einspeisung ins öffentliche Erdgasnetz vorgesehen. Das Projekt bietet
damit die Möglichkeit, die Energiewende als Gesamtsystem zu erforschen. Die H2BER-Partnerunternehmen investieren bis 2016 insgesamt mehr
als 10 M€. Davon werden 50 % über öffentliche
Mittel der Bundesregierung gefördert, die von der
Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) koordiniert werden.
Der CO2-neutrale Wasserstoff wird vor Ort in
einem 45-bar-Druckelektrolyseur von McPhy her-
Abb. 24: Der erste Kunde wartet schon an der
Zapfsäule, an der es ausschließlich Gas unter 700
bar gibt
Eine zweite, ähnliche Tankstelle wurde am 29.
September in der Nähe des Berliner Messegeländes (Ecke Jafféstraße) aufgemacht.
Seite 20
Es handelt sich bei der Wasserstoffanlage um
einen Teil einer Multi-Energie-Tankstelle, ähnlich
der am Flughafen Schönefeld.
TOTAL betreibt damit aktuell in Berlin und Umgebung vier Wasserstoff-Tankstellen sowie je eine in
Hamburg und München. Bis Ende 2015 wird es 15
Wasserstoff-Tankstellen von TOTAL geben. Den
Wasserstoff für die Tankstelle liefert Linde aus
Leuna, wo er aus Biomasse bei der Glycerinherstellung gewonnen wird.
Abb. 25: Tief Luft holen - werden die Damen es
schaffen, das Band zu zerschneiden? Die Spannung steigt ins Unermessliche
Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur,
Katherina Reiche, und die Berliner Senatorin für
Wirtschaft, Technologie und Forschung, Cornelia
Yzer, eröffneten die Tankstelle, die auch durch die
Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW), die Clean Energy
Partnership (CEP) sowie das internationale
Schaufenster Elektromobilität Berlin-Brandenburg
unterstützt wird.
Der Standort Jafféstraße ist Teil des Ausbauprogramms für Wasserstoff-Tankstellen, das Industrievertreter im Jahr 2012 mit dem Bundesverkehrsministerium vereinbart hatten. Diesen Plänen
zufolge sollen bis Ende nächsten Jahres 50 Tankstellen den Grundstock für ein bundesweites Netz
bilden und damit eine wichtige Voraussetzung für
die Markteinführung erster Automodelle in den
DWV-Jahresbericht für 2014
kommenden Jahren schaffen. Das Bundesverkehrsministerium fördert die Wasserstofftankstelle
in der Jafféstraße im Rahmen des NIP mit rund 1
M€.
6.3
Tankstellen vom Band
Der Technologiekonzern The Linde Group hat am
14. Juli 2014 im Beisein der österreichischen Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie und zahlreicher weiterer internationaler Gäste
in Wien die weltweit erste Kleinserienfertigung für
Wasserstofftankstellen gestartet. Das Anwendungstechnische Zentrum von Linde in Wien
wurde zu diesem Zweck umfassend erneuert und
erweitert.
„Eine ausreichende Verbreitung von Wasserstofftankstellen ist eine Grundvoraussetzung für den
Markterfolg
von
Brennstoffzellenfahrzeugen“,
sagte Professor Dr.-Ing. Aldo Belloni, Mitglied des
Vorstands der Linde AG. „Der Aufbau einer Kleinserienfertigung ist hierfür ein entscheidender
Schritt. Damit verschaffen wir uns die nötige Flexibiltät, um die wachsende Nachfrage in den unterschiedlichen Märkten zu bedienen. Der Rahmenvertrag mit Iwatani zeigt, dass wir gemeinsam mit
unseren Partnern auf dem richtigen Weg sind.
Anlässlich der Eröffnung der Serienfertigung gaben Linde und die japanische Firma Iwatani bekannt, dass die beiden Unternehmen eine Vereinbarung über die Lieferung von 28 Wasserstofftankstellen mit ionischen Verdichtern geschlossen
haben. Die erste dieser Anlagen nahm am selben
Tag im japanischen Amagasaki bei Osaka ihren
Betrieb auf.
Ein Merkmal der nun eröffneten Kleinserienfertigung ist der höhere Standardisierungsgrad der
Komponenten, die in einem kompakten 14-FußContainer verbaut sind und sich dadurch einfach
transportieren und in vorhandene Tankstellen integrieren lassen. Die Erweiterung der Produktionskapazität in Wien auf zunächst 50 Anlagen pro
Jahr geht Hand in Hand mit der Einführung der
ersten Brennstoffzellen-Serienfahrzeuge durch
führende Hersteller wie Hyundai, Toyota, Honda
und Daimler zwischen 2014 und 2017.
DWV-Jahresbericht für 2014
7
Power-to-Gas
7.1
Windgas findet Abnehmer
Seit Ende 2013 bietet E.ON seinen Gaskunden
„WindGas“ an, und die Kunden nehmen es offenbar. Es handelt sich um Erdgas mit einem Anteil
von 10 % Wasserstoff aus regenerativen Quellen.
Die Energie aus Windkraft wird in einer Pilotanlage
genutzt, um mittels Elektrolyse Wasserstoff herzustellen und dann in das regionale Ferngasnetz
einzuspeisen.
Seite 21
„Das war eine spannende Zeit für uns. Wir mussten die stabile Funktionsweise einer so noch nicht
existierenden Anlage nachweisen. Beispielsweise
musste das Zusammenspiel des Elektrolyseurs mit
der Gasdruckregelmess- und Mischanlage einwandfrei funktionieren“, so Michael Riechel, Mitglied des Vorstands der Thüga Aktiengesellschaft.
Der PEM-Elektrolyseur der Firma ITM Power ist
das Kernstück der Anlage. Die Gasdruckregelmess- und Mischanlage sorgt dafür, dass die Zumischung an Wasserstoff im Gasverteilnetz 2 Vol.% nicht überschreitet.
7.3
Abb. 26: Die Anlage in Falkenhagen, wo E.ON
den Wasserstoff aus Windstrom produziert
„Die hohe Nachfrage zeigt, dass es richtig ist, die
innovative Technik so entschieden voranzutreiben“, erläutert Dr. Uwe Kolks, Geschäftsführer von
E.ON Energie Deutschland. Stolz ist Kolks vor
allem darauf, als erster Energieversorger in
Deutschland die gesamte Produktionskette abbilden zu können. „Wir erzeugen nicht nur das regenerative Windgas in unserer Pilotanlage im brandenburgischen Falkenhagen“, erklärt er. „Wir binden auch die Kunden mit ein, indem wir ihnen das
Gas über das Produkt E.ON WindGas zur Verfügung stellen.“
7.2
Thüga-Anlage in Frankfurt offiziell gestartet
Die
Power-to-Gas-Demonstrationsanlage
der
Thüga auf dem Gelände der Frankfurter Mainova
AG ist am 7. Mai 2014 offiziell in Betrieb genommen worden. Ende 2013 hat die Anlage erstmalig
Wasserstoff in das Frankfurter Gasverteilnetz
eingespeist. Damit ist sie bundesweit die erste, die
in Wasserstoff umgewandelten Strom ins Gasverteilnetz einspeichert.
Mit der erfolgreichen technologischen Abnahme
der Anlage Ende März 2014 durch die Projektpartner war die Planungs- und Bauphase beendet.
Grundsteinlegung in Mainz
Der Bundesminister für Wirtschaft und Energie,
Sigmar Gabriel, gab am 16. Mai 2014 in Mainz
gemeinsam mit Vertretern der Stadtwerke Mainz
AG, der Siemens AG, der Linde Group und der
Hochschule RheinMain den Startschuss für den
Energiepark Mainz. Der vom Ministerium finanziell
geförderte Energiepark könne nach der Inbetriebnahme 2015 für das Gelingen der Energiewende in
Deutschland einen wichtigen Beitrag leisten, sagte
Gabriel bei der Grundsteinlegung in der rheinlandpfälzischen Landeshauptstadt.
Abb. 27: Grundsteinlegung für den Energie Park
Mainz; Bundesminister Sigmar Gabriel tut seine
Pflicht
In dem Pilotprojekt wird eine gemeinsam entwickelte Anlage vom kommenden Jahr an größere
Mengen Wasserstoff mithilfe von umweltfreundlich
erzeugtem Strom, unter anderem aus benachbarten Windkraftanlagen, herstellen. Der Wasserstoff
wird anschließend vor Ort gelagert, in Tankwagen
gefüllt oder zur späteren Strom- oder Wärmeerzeugung direkt ins Erdgasnetz eingespeist. Strom
aus erneuerbaren Energien kann auf diese Weise
Seite 22
DWV-Jahresbericht für 2014
über längere Zeit gespeichert werden. Mit Tankwagen kann vom Energiepark aus zudem das
wachsende Netz an Wasserstoff-Tankstellen beliefert werden, um dort emissionsfreie Brennstoffzellen-Fahrzeuge zu betanken.
Das Projekt umfasst Investitionen von etwa 17 M€
und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft
und Energie im Rahmen der „Förderinitiative Energiespeicher“ unterstützt.
Herzstück der Anlage in Mainz-Hechtsheim ist die
Elektrolysehalle mit einem von Siemens entwickelten Wasserstoff-Elektrolysesystem. Das Prinzip der Elektrolyse ist seit Jahrzehnten bewährt
und erprobt. Das Besondere an der Mainzer Anlage und der Unterschied zu anderen deutlich kleineren Pilotprojekten: Hier wird eine hochdynamische PEM-Druckelektrolyse installiert, die mit bis
zu 6 MW Stromaufnahme die weltweit größte
Elektrolyse dieser Bauart sein wird. Die Anlage in
Mainz hat damit eine für Engpässe im Stromnetz
und kleinere Windparks relevante Leistungsgröße.
7.4
Power-to-Gas
heißt das?
kommt
-
was
Das Stichwort „Power-to-Gas“ übt eine geradezu
magische Wirkung auf die Energieindustrie aus.
Bei der Bundesregierung verfolgt man die Entwicklung ebenfalls aufmerksam und überlegt, in
welche Richtung sie zu steuern sei. Das betrifft
besonders das Bundesministerium für Wirtschaft
und Energie.
Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
und die Bundesanstalt für Materialforschung und
-prüfung (BAM), zwei wissenschaftlich-technische
Behörden im Geschäftsbereich des Ministeriums,
richten sich darauf ein, dass in diesem Zusammenhang einige Arbeit auf sie zukommt. Bei der
PTB dürfte sich diese um das genaue Messen der
Gas- und Energiemengen drehen, denn der Kunde
will wissen, dass er wirklich die gelieferte Energie
bezahlt. Der Energieinhalt einer Erdgas/Wasserstoff-Mischung ist aber vom Wasserstoffgehalt abhängig. Bei der BAM stehen Sicherheitsfragen im
Vordergrund, sowohl bezüglich des Gases selbst
als auch der Behälter und Leitungen dafür und der
Werkstoffe.
Abb. 28: Die Herren Präsidenten hatten eingeladen: Ulrich Panne (BAM, links) und Joachim Ullrich (PTB)
Die Präsidenten der beiden Häuser (Joachim Ullrich, PTB, und Ulrich Panne, BAM) wiesen in ihren
einleitenden Bemerkungen darauf hin, dass man
sich möglichst früh ein Bild von dem machen wolle,
was möglicherweise von den Behörden verlangt
werden wird – sowohl von der Industrie als auch
von der Regierung. Das sollten ihnen Referenten
erklären, zu denen Annegret Agricola (dena), Michael Sterner (OTH Regensburg) und Gert MüllerSyring (DBI-GUT) gehörten.
DWV-Jahresbericht für 2014
8
8.1
Seite 23
Forschung und Bildung
Diesmal wieder drei Gewinner
beim Innovationspreis
Im Jahr 2014 kürte das DWV-Preisgericht wieder
drei Gewinner des Innovationspreises Wasserstoff
und Brennstoffzelle in den verschiedenen Klassen.
Jede der Arbeiten bedeutet einen weiteren Schritt
in Richtung auf die Markteinführung von Wasserstoff- und Brennstoffzellensystemen zu Preisen,
die der Verbraucher auch zahlen kann.
Abb. 29: Julian Büsselmann, Thorsten Derieth und
Ingo Franke (v. l. n. r.)
Die Dissertation wurde von Dr. Thorsten Derieth
am Zentrum für BrennstoffzellenTechnik ZBT in
Duisburg angefertigt. Es ging dabei um die Eigenschaften von mit Kohlenstoff gefüllten Polymeren,
aus denen man z. B. Bipolarplatten für Brennstoffzellen macht. Von diesen braucht man viele, und
daher schlägt jede Kostensenkung hier besonders
stark auf den Endpreis des Produkts durch.
Thorsten Derieth untersuchte in seiner Dissertation
die Herstellung und Verarbeitung von mit Kohlenstoff hochgefüllten Polymeren. Im Mittelpunkt
der Arbeit standen dabei extrem hoch gefüllte
Kunststoffe mit einem Kohlenstoffanteil über 80%.
Dabei fand er u. a. einen Zusammenhang, der es
erlaubt, den maximalen Füllgrad zu bestimmen.
Dieser hängt nur gering von der Beschaffenheit
des Grafits ab. Daher kann man ohne Verlust an
elektrischer Funktionalität für hochgefüllte Polymere Grafit-Sorten verwenden, die sich besser
verarbeiten lassen und darüber hinaus erheblich
kostengünstiger zu beziehen sind.
Um die praktische Seite des Einsatzes von Hydridtanks ging es in der Masterarbeit, die Ingo
Franke an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden anfertigte. Für die praktische Anwendung solcher Tanks besteht nämlich ein Problem darin,
dass für derartige Behälter derzeit kein anwendungsnahes Konzept für einen Füllstandssensor
bekannt ist.
Ingo Franke konstruierte einen Aufbau, der die
Bestimmung des gebundenen Wasserstoffanteils
durch eine Kombination aus Infrarotspektroskopie
und Abgeschwächter Totalreflektion (ATR) ermöglicht und dies den mit einer hochempfindlichen
Waage gemessenen Gewichtsverlusten gegenüberstellt. In den gemessenen Spektren konnte er
eindeutig den Wasserstoffdesorptionsprozess mit
seinen Phasenübergängen nachweisen und dem
optischen Signal einen Massenanteil zuordnen,
womit der angestrebte Sensoreffekt nicht nur gefunden, sondern auch skaliert worden war.
In der Bachelorarbeit von Julian Büsselmann,
angefertigt beim NEXT ENERGY Forschungszentrum in Oldenburg, ging es um das Betriebsverhalten eines Brennstoffzellenstacks in Abhängigkeit
von verschiedenen Parametern, nämlich Stöchiometrie, Druck, Gastemperatur und relativer
Feuchte. Dabei zeigte sich z. B., dass es möglich
war, die Stöchiometrie auf der Anodenseite herabzusetzen und 20% Wasserstoff einzusparen.
Durch die optimierten Parameter erhöht sich die
Spannung beim Nennstrom im Vergleich zur
Herstellerangabe um 13%. Durch die Ergebnisse
wurde die Gesamteffizienz des Prüflings gegenüber dem Einsatz mit den bisherigen Parametern
gesteigert, bei gleichzeitiger Einsparung von
Brennstoff.
8.2
Mehr Anti-Wasserstoff
Wasserstoff-Antiatome bestehen aus einem Positron und einem Antiproton. Beim CERN in Genf
werden seit 2014 Anti-Wasserstoffatome in einem
kontinuierlichen Strahl erzeugt. Die Forscher können mittlerweile einen Strahl erzeugen, der 2,7 m
weit reicht und aus rund zwei Dutzend Anti-Atomen pro Stunde besteht. Das ist nicht die Welt,
aber ein bedeutender Fortschritt zu ein oder zwei
Atomen pro Versuch.
Mit den merkwürdigen Atomen können fundamentale Fragen der Physik untersucht werden. Im
Prinzip müssten sich Antiatome und Atome genau
spiegelbildlich verhalten. Warum aber gibt es dann
zumindest in unserer Ecke des Universums deutlich mehr Materie als Antimaterie? Entweder ist
beim Urknall mehr Materie als Antimaterie entstanden, oder sie haben sich irgendwie getrennt.
Irgendwelche Unterschiede gibt es vielleicht ja
doch. Und was genau ist eigentlich die „Dunkle
Materie“, die es zu geben scheint, die aber noch
keiner je gesehen hat und die in die gängigen
Theorien der Kosmologie und der Teilchenforscher
nicht hineinpasst? Von Präzisionsmessungen an
Antimaterie erhoffen sich die Teilchenforscher
deshalb Hinweise auf eine neue Physik. Untersuchungen am Higgs-Boson haben bisher keine sen-
Seite 24
sationellen Neuigkeiten ergeben. Sollten die
Spektren der Anti-Wasserstoffatome auch nur geringfügig von denen des normalen Wasserstoffs
abweichen, wäre wohl der nächste Nobelpreis
nach Genf fällig.
8.3
Mehr Ertrag aus Biomasse
Das ZSW will grünen Wasserstoff einsetzen, um
Biomasse besser auszunutzen. Bei der Produktion
von Kraftstoff soll der Ertrag versechsfacht werden. Dahinter steht die Erwartung, dass bei allen
Fortschritten bei der Einführung elektrischer Antriebe in den Straßenverkehr Flugzeuge, Schiffe
und Lkw im Fernverkehr auch in Zukunft kohlenstoffhaltige Kraftstoffe benötigen werden. Diese
Transportmittel werden eine längere Zeit für die
Umrüstung benötigen. Die einzige erneuerbare
Energie, die Kohlenstoff enthält, ist Biomasse.
Daher kann sie entscheidend zum Gelingen der
Energiewende im Verkehr beitragen. Die Voraus-
DWV-Jahresbericht für 2014
setzung dafür ist Wasserstoff, der per Elektrolyse
aus erneuerbarem Strom gewonnen wird. Dieses
regenerative Gas lässt sich in verschiedene Biomasse-Verfahren einbringen. Durch die Kombination von Wasserstoff mit diesen Verfahren können
sowohl gasförmige Kraftstoffe wie Methan als auch
flüssige Kraftstoffe wie höhere Kohlenwasserstoffe
und Alkohole bzw. Ether erzeugt werden.
Der auf die benötigte Biomasse-Anbaufläche bezogene Energieertrag steigt mit diesen Nutzungspfaden beträchtlich. „Im Vergleich zu den heute
üblichen Bio-Kraftstoffen Biodiesel und Bioethanol
bietet etwa regenerativ erzeugtes Methan aus
Biomasse und Wasserstoff einen bis zu sechsfach
höheren Kraftstoffertrag“, sagt Dr. Michael Specht,
Leiter des ZSW-Fachgebiets Regenerative Energieträger und Verfahren. Dementsprechend verringert sich der Agrarflächenbedarf auf bis zu ein
Sechstel oder um gut 80 %. So wird auch die Konkurrenz zum Nahrungsmittelanbau deutlich reduziert. Biomasse würde zudem die schwankende
Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenenergie
hervorragend ergänzen.
DWV-Jahresbericht für 2014
9
9.1
Seite 25
Veranstaltungen und Medien
Europäische WasserstoffenergieKonferenz neu gestartet
Nach mehrjähriger Pause fand im März 2014 in
Sevilla wieder eine European Hydrogen Energy
Conference (EHEC) unter der Schirmherrschaft
der European Hydrogen Association (EHA) statt.
werk Nordrhein-Westfalen zu Wort. Den Norden
Spaniens vertrat Aragon. Naheliegend war es
auch, sich dem Mittelmeer zu widmen. Spanien,
Griechenland und Marokko haben hier vergleichbare Interessen.
9.2
Hannover 2014
Eines Tages im Jahre 1995 trafen sich im Rahmen
der Hannover Messe ein paar Verrückte - oder so
sahen es wohl viele Leute damals. Die redeten von
Wasserstoff und Brennstoffzelle und bildeten sich
ein, das könnten wichtige Elemente der Energietechnik von morgen sein. Zwölf Aussteller, alle aus
Deutschland, teilten sich knapp 150 m².
Abb. 30: Der Start ist gelungen – die Verantwortlichen genehmigen sich ein Gläschen Tinto; rechts
EHA-Vorsitzender Ian Williamson
Die EHA und der spanische Verband konnten an
den Erfolg der letzten Konferenz anknüpfen, die
ebenfalls in Spanien war, nämlich in Saragossa.
Mehr als 300 Teilnehmer waren gekommen. Zumeist waren es natürlich Europäer, besonders
Spanier, aber auch Gäste aus Amerika und Asien
waren zu sehen. Javier Brey, Vorsitzender des
Spanischen Wasserstoff-Verbandes und Vizepräsident der EHA, war offensichtlich zufrieden, eine
solche Zuhörerschaft begrüßen zu dürfen.
Sinn der Konferenz ist nicht nur die Vermittlung
aktueller Forschungsergebnisse, sondern auch der
Kontakt zwischen Firmen, Forschern und Behörden. Sie sollen ein umfassendes Bild der neuesten
Entwicklungen auch bei der Markteinführung der
Technologie bekommen. Dementsprechend ging
es auch gleich in der Plenarsitzung zur Eröffnung
um das Thema Infrastruktur für den Straßenverkehr.
Ein Teil des Programms war aber auch der politischen Ebene gewidmet. In Spanien ist die Region
Aragon führend auf dem Gebiet Wasserstoff und
Brennstoffzellen, aber auch Andalusien macht
Anstrengungen, die dargestellt wurden. Auch in
Spanien spielen erneuerbare Energien eine immer
größere Rolle auf dem Markt, so dass das Speicherproblem auch hier relevant wird. Auch anderswo spielen die Regionen neben den Staaten
eine wichtige Rolle. So kam in einer speziellen
Ländersitzung neben der NOW für Deutschland
auch das Brennstoffzellen- und Wasserstoffnetz-
Im April 2014 feierte der Gemeinschaftsstand
„Wasserstoff + Brennstoffzellen + Batterien“, wie er
jetzt heißt, sein 20. Jubiläum. Dieses Mal waren es
158 Aussteller aus 22 Ländern, die sich 5000 m²
Ausstellungsfläche teilten. In den beiden Foren
(Public Forum und Technical Forum) wurden 150
Interviews durchgeführt und Vorträge gehalten, die
man alle im Internet sehen kann. Prominente aller
Art machten auf dem Gemeinschaftsstand halt.
Gerne angesteuert wurde zum Beispiel der Stand
von NOW, wo es Informationen über das Programm der Bundesregierung gab. Auf dem NOWStand tauchte erstmals seit langen Jahren auch
wieder Airbus als Aussteller auf.
Abb. 31: Nein, hier hat sich niemand verflogen.
Airbus arbeitet an einer APU, einem Generator für
Flugzeuge, auf Basis einer Brennstoffzelle. Sie
soll das Triebwerk ersetzen, das gewöhnlich zu
diesem Zweck im Heck untergebracht ist.
Dazu kam noch die Beteiligung an einer vor der
Halle gelegenen 15.000 m² großen Freifahrfläche
für Elektroautos, unter denen natürlich auch
Brennstoffzellenautos vertreten waren. Linde
übernahm exklusiv die Wasserstoffversorgung der
von der Clean Energy Partnership (CEP) in Hannover eingesetzten Brennstoffzellen-Pkw. Die
Seite 26
emissionsfreien Fahrzeuge der CEP-Partner
Daimler, GM/Opel, Honda, Hyundai, Toyota und
VW/Audi standen den Messebesuchern zu einer
Probefahrt auf dem Freigelände zur Verfügung.
Mithilfe einer von Linde selbst entwickelten, mobilen Betankungseinheit werden die Fahrzeuge mit
grün produziertem Wasserstoff versorgt.
Immer noch einen gewissen Bezug zur Mobilität
hatte die fahrbare Kaffeemaschine, mit der Passagieren in Zügen der Schweizer Bundesbahn am
Platz frischer und heißer Kaffee zubereitet wird,
statt ihn aus der Thermoskanne einzugießen. Die
moderne Technik ist in der untersten Etage versteckt und erlaubt einen schnellen und einfachen
Wechsel des Wasserstoffbehälters, aus dem die
Brennstoffzelle versorgt wird. Darüber bleibt dann
noch genug Platz für original Schweizer Schokolade und was man sonst noch so alles erstehen
kann.
DWV-Jahresbericht für 2014
dem IBZ-Stand konnte sich der Besucher davon
überzeugen, wie ausgereift und wie groß das Angebot von Brennstoffzellengeräten ist. Mit Modellen waren folgende Hersteller vertreten: Baxi Innotech, Buderus, Ceramic Fuel Cells, Elcore, Hexis, Vaillant und Viessmann. In der IBZ engagieren
sich ferner: die Deutsche Energie-Agentur (dena),
EnBW, E.ON, EWE, MVV Energie, die Nationale
Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW), SWL und VNG.
Natürlich, auch die Verbände waren vertreten. Der
DWV ist ja mit dem Gemeinschaftsstand seit seiner Premiere verbunden. Auch die Kollegen aus
Brüssel waren wieder dabei und standen wie üblich gleich neben dem DWV. Über die EHA konnte
man dann auch gleich die verschiedenen nicht
direkt vertretenen Verbände aus Europa erreichen
– und auch HySafe, den globalen Verband für die
Wasserstoff-Sicherheit, der diesmal ein Unteraussteller bei der EHA war.
Ebenfalls mit einem Gemeinschaftsstand vertreten
war die Landesinitiative Hessen. Aber auch im
Ausland gibt es so etwas. Die Hälfte der Aussteller
aus den USA kam aus Connecticut, obwohl das
der nach Fläche drittkleinste Staat der USA ist.
Hier gibt es aber eine recht aktive Initiative, die von
der Staatsregierung gefördert wird, und das macht
offenbar auch in den USA eine Menge aus.
Abb. 32: Nicht fahrbar, aber nett anzusehen: das
Honda-Brennstoffzellenauto von außen wurde
erstmals in Deutschland gezeigt
Auch diesmal war wieder zu beobachten, dass
zahlreiche Aussteller gar nicht Wasserstoff oder
Brennstoffzellen selbst oder unmittelbare Anwendungen anbieten, sondern Waren und Dienstleistungen im Zusammenhang damit, also etwa
Rohstoffe und Chemikalien (Metalle, Polymere),
Pumpen und Ventile, Beschichtungen, Prüf- und
Messverfahren usw. Auf der anderen Seite spielte
auch dieses Jahr wieder die Elektrolyse eine gewichtige Rolle. Die britische ITM Power, die sich
auf Elektrolyse im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien spezialisiert hat, stellte ihre Produkte
auch diesmal auf einem großen Stand aus und
hatte auch eine Menge Interessenten – jedenfalls
war das der Eindruck, den man immer wieder im
Vorbeigehen hatte.
Ein Gemeinschaftsstand im Gemeinschaftsstand
war der der Initiative Brennstoffzelle (IBZ). Auf
Abb. 33: vergessen Sie den Rebholz-Korkenzie¬her, eine Brennstoffzelle kann das viel besser!
Obwohl die Messe keine wissenschaftliche Tagung
ist, kam auch die Forschung zu ihrem Recht. Das
Fraunhofer-IFAM demonstrierte den Einzug der
Brennstoffzelle in die Hausbar: der elektrochemische Korkenzieher ist wohl noch ein wenig klobig,
aber dahinter steckte natürlich eine ernst zu nehmende Anwendung, nämlich die Entwicklung eines
„künstlichen Muskels“ auf Brennstoffzellenbasis.
Zahlreiche Politiker und andere Prominente machen auf ihren Messerundgängen Halt beim Gemeinschaftsstand. Die EU-Kommissare Günther
Oettinger (Energie) und Janez Potočnik (Umwelt)
DWV-Jahresbericht für 2014
gehörten dazu, Katherina Reiche (Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium), Niedersachsens Ministerpräsident Stephan
Weil, Japans Botschafter Takeshi Nakane (dem es
offenbar 2013 gefallen hatte) sowie eine ganze
Reihe von Landesministern, Botschaftern und anderen Delegationen aus den verschiedensten
Teilen der Welt.
An der Spitze der Prominentenparade stand ohne
Zweifel Sigmar Gabriel, Bundesminister für Wirtschaft und Energie sowie Vizekanzler. Er interessierte sich besonders für Brennstoffzellen und besuchte den Stand der Initiative Brennstoffzelle
(IBZ). Zur wirtschaftlichen Seite der Sache sagte
man ihm dort: „Der Durchbruch der Brennstoffzelle
wird gelingen, wenn der Markthochlauf erfolgreich
ist. Hier wünschen wir uns eine Unterstützung
seitens der Bundesregierung“, so Andreas Ballhausen, Sprecher der IBZ.
9.3
20. WHEC in Südkorea abgehalten
Erstmals wurde eine World Hydrogen Energy
Conference in Südkorea abgehalten. Die 20. Konferenz dieser Serie fand vom 15. bis zum 19. Juni
2014 in Kwangju im Südwesten des Landes statt.
Abb. 34: Herzlich willkommen in Korea!
Das viertägige Programm umfasste wie gewohnt
alle Bereiche der Forschung und Entwicklung der
Wasserstoffenergie und auch der Brennstoffzellen.
Nicht nur Wissenschaft und Technik kamen zu
Wort, sondern auch die Politik. In einer der Plenarsitzungen referierten Vertreter aus Deutschland,
den USA, von der EU (FCH JU) und aus Südkorea
über die Entwicklungen in ihrem jeweiligen Bereich. Ähnliche Beiträge gab es in einem anderen
Teil des Programms aus Indien, Japan und China.
Ebenfalls diskutiert wurden die Einsatzmöglichkeiten für verschiedene Arten von Brennstoffzellen
in Verkehr, Telekommunikation und anderen An-
Seite 27
wendungen, die Verpackung von Wasserstoff in
chemische Verbindungen wie Ammoniak und flüssige Kohlenwasserstoffe sowie Elektrolyse und
andere Teilaspekte.
Abb. 35: An einem der Konferenztage waren zahlreiche Schülergruppen eingeladen
Teil des Programms war ein spezieller Tag für
Schüler und Studenten. Das merkte man zwar
nicht am Programm, aber in den Gängen des
Konferenzzentrums und in der Ausstellung waren
sehr viele junge Leute zu sehen, die sich bei den
Firmen Informationen holten und sie danach auswerteten.
Eine kleine Ausstellung gab es ebenfalls. Sie
wurde erwartungsgemäß von südkoreanischen
Firmen dominiert. Prunkstück und Blickfang war
der Stand von Hyundai, wo der aktuelle Stand der
Entwicklung unter dem Titel ix35 Tucson präsentiert wurde. Unter kommerziellen Bedingungen
produziert wird er ja schon seit kurzer Zeit, und
inzwischen gehen die Koreaner auch dazu über,
ihn kommerziell zu vermarkten. Einen sind sie
schon losgeworden – er ging an die Stadtverwaltung von Kwangju.
Die kanadischen und auch die deutschen Teilnehmer hatten sich zum größten Teil in ihren jeweiligen Gemeinschaftsständen organisiert. Der
deutsche Stand wurde wieder in bewährter Übung
von der Peter Sauber Agentur durchgeführt. Ausnahme bei den deutschen Ausstellern war Linde;
der Stand des Unternehmens war alleine etwa so
groß wie der Gemeinschaftsstand.
9.4
World of Energy Solutions in
Stuttgart
Vom 6. bis zum 8. Oktober 2014 fand in Stuttgart
wieder die Gemeinschaftsveranstaltung World of
Energy Solutions statt. Seit 2012 bündeln die
BATTERY+STORAGE, die e-mobil BW conference
und die f-cell in der WORLD OF ENERGY SOLUTIONS Potenziale und Netzwerke zum zentralen
internationalen Messe- und Konferenzereignis für
Seite 28
die Konvergenz von Energieerzeugung, Speichersystemen und Mobilitätslösungen. „Neue Speichertechnologien können für die zukünftige Versorgungssicherheit eine Schlüsselrolle einnehmen“, so der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller bei der Eröffnung.
Abb. 36: Umweltminister Untersteller bei der Eröffnung
DWV-Jahresbericht für 2014
9.5
Nachruf: Peter Hoffmann
Man fühlt sich ein wenig so, als wäre der Opa tot.
Am 18. April 2014 verstarb im Alter von 78 Jahren
Peter Hoffmann, Gründer und Hauptautor des
Hydrogen & Fuel Cell Letter. Der gebürtige Berliner arbeitete als Journalist in verschiedenen
Städten Europas (Mailand, Bonn) und kam während der „1. Ölkrise“ Anfang der 70er Jahre erstmals mit dem Thema der erneuerbaren Energien
und vor allem Wasserstoff in Berührung. Fortan
ließ es ihn offenbar nicht mehr los. 1986 produzierte er „mit Hilfe eines überhitzten IBM-Nadeldruckers“ erstmals ein vierseitiges Blättchen unter
dem Titel The Hydrogen Letter. Ob er damals wohl
damit rechnete, dass diese Publikation (ab 1995
unter erweitertem Namen) ihren 29. Jahrgang
erleben würde? Jedenfalls setzte er damit seinen
winzigen Wohnort Rhinecliff (New York, etwa 100
km nördlich der Stadt New York) auf die Landkarte
der Wasserstofftechnologie, und dazu trugen auch
noch die beiden Bücher bei, die er im Laufe der
Jahre zu dem Thema herausgab.
In allen Bereichen stehen Material-, Ressourcenund Energieeffizienz im Vordergrund. Als besondere Herausforderung gilt die stetige Senkung der
Kosten von Batterien und Brennstoffzellen. Vielfältige technologische Durchbrüche in der industriellen Produktion von Lithium-Ionen Batterien und
von Schlüsselkomponenten der Wasserstofftechnologie werden für die nächsten Jahre erwartet.
Neben der Effizienz steht die wachsende Vernetzung der traditionell getrennten Bereiche Mobilität,
Wohnen und Energie im Vordergrund. „Das Internet erobert das Auto. Das vernetzte Fahrzeug wird
in den kommenden Jahren Mobilitätsindustrie und
Fahrerlebnis neu prägen. Und Fahrzeuge mit hybrid-, batterie- und brennstoffzellen-elektrischen
Antrieben werden in die Energieinfrastruktur eingebunden werden“, erläuterte Franz Loogen, Geschäftsführer der Landesagentur für Elektromobilität und Brennstoffzellentechnologie Baden-Württemberg.
Zum klassischen Programm der Veranstaltung
gehört die Verleihung des f-cell award. In der Kategorie Classic ging der f-cell award 2014 an die
Daimler AG. Ausgezeichnet wurde ein Dauerlaufrekord der Mercedes-Benz B-Klasse F-Cell über
300.000 km. „Der Test ist ein Schritt in Richtung
serientaugliche Anwendung des Brennstoffzellenantriebsstranges“, heißt es in der Begründung der
Jury.
Abb. 37: Peter Hoffmann
Eine ganze Generation der heutigen Protagonisten
von Wasserstoff und Brennstoffzellen lernte aus
seinem Letter gewissermaßen das Lesen. Jede
neue Nummer wurde sehnsüchtig erwartet, denn
vor 25 Jahren oder so gab es kaum andere Informationsquellen dazu. Sein Engagement für das
Thema ließ fast 30 Jahre lang durch Höhen und
Tiefen nie nach (was ihm mehrere Auszeichnun-
DWV-Jahresbericht für 2014
gen eintrug). Die Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit muss man zu den Höhen rechnen;
nicht jedem ist es vergönnt, mit anzusehen, wie
aus einem kleinen Setzling, zu dessen Pflege man
mit viel Hingabe und Opferbereitschaft beigetragen
hat, eine stattliche Pflanze wird.
Im Laufe der Jahre hatte er ein enormes Hintergrundwissen angesammelt. Ihm einen blauen
Dunst vorzumachen ging einfach nicht. Aber auch
Seite 29
die Berliner Schnauze ging ihm nie ganz verloren,
auch nicht im Englischen. Obwohl sein Letter im
Laufe der Zeit sein Alleinstellungsmerkmal längst
verloren hatte, war er immer noch eine sehr geschätzte Informationsquelle bei Fachleuten in aller
Welt, vor allem für Nachrichten aus den USA. Aber
auch die Entwicklungen in der alten Heimat verfolgte er mit großer Aufmerksamkeit und arbeitete
dabei mit dem Hydrogeit-Verlag zusammen, in
dem u. a. die Fachzeitschrift HZwei herauskommt.
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DWV-Jahresbericht für 2014
Partnerorganisationen
10.1 Vereinbarung mit Argentinien
Der DWV und der argentinische Wasserstoffverband (AAH) haben am 8. Juli 2014 in Buenos Aires
eine Vereinbarung über Informationsaustausch
und gegenseitige Unterstützung abgeschlossen.
Es ist vorgesehen, Dokumente und sonstige Informationen auszutauschen, persönliche Begegnungen zu unterstützen und gemeinsame Veranstaltungen abzuhalten.
Michael Eggenschwiler, Chef des Hamburger
Flughafens und seit 2013 Vorsitzender der Gesellschaft, hatte in seiner Eröffnungsrede eine ganze
Reihe von Erfolgen aufzuzählen. Es begann mit
der Umstellung von fünf Transportern auf Wasserstoff und der Eröffnung der ersten WasserstoffTankstelle. Die Hamburger Hochbahn betreibt
Deutschlands größte Flotte an Wasserstoffbussen.
Und vom Flughafen startete 2009 das erste pilotengesteuerte Wasserstoffflugzeug der Welt. Mit
der hySOLUTIONS GmbH hat der Senat ein Instrument für die Förderung des Themas geschaffen.
Dass die Wasserstoffgesellschaft gut in der Politik
verankert ist, zeigte sich nicht nur an der Mitwirkung von Wirtschaftssenator Horch an der Veranstaltung, sondern auch am Auftritt von Günther
Oettinger, bis kurz vorher EU-Kommissar für Energie.
Abb. 38: Werner Diwald (l.) vom DWV und JuanCarlos Bolcich für die AAH nach der Unterzeichnung des Abkommens
Oettinger betonte die Notwendigkeit der Energiewende, wies aber auch auf die technischen und
wirtschaftlichen Randbedingungen hin. Mehrfach
betonte er, dass Wasserstoff und Brennstoffzellen
ein notwendiges Element dabei seien, diese Beschränkungen aufzuweichen und zu überwinden.
10.2 Wasserstoffgesellschaft Hamburg
25 Jahre alt
Am 15. September 2014 wurde in Hamburg der
25. Geburtstag der „Wasserstoffgesellschaft Hamburg“ gefeiert.
Abb. 40: Was wohl Herr Diwald noch schnell in
Herrn Oettingers Gehörgang träufelte?
Abb. 39: Sehr s-tilvoll traf man sich im Commerzsaal der Handelskammer. Und gab der Hoffnung
Ausdruck, diesen beim nächsten Jubiläum ganz
füllen zu können, nicht nur halb
Für die Zukunft versprach Eggenschwiler: „Die
größte Herausforderung der Wasserstofftechnologie ist dabei heute nicht mehr die technische
Machbarkeit, sondern deren wirtschaftliche Umsetzung. Und im Zuge der Energiewende kommt
aktuell dem Wasserstoff als Speicher für die volatilen Erneuerbaren Energien eine bedeutende
Rolle zu. Auch in Zukunft wird sich die Wasserstoff-Gesellschaft für nachhaltige Lösungen mit
Hilfe des Wasserstoffs einsetzen!“
DWV-Jahresbericht für 2014
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DWV-Jahresbericht für 2014
Ausblick auf 2015
Das also war 2014. Und was bringt 2015?
Genau wissen wir es erst am Ende des Jahres.
Aber schon jetzt kann man einiges aussagen.
Verkehr: In Japan kann man bereits Brennstoffzellenautos aus der Serienproduktion als normaler
Kunde kaufen. Dies wird 2015 auch in Europa und
den USA so weit sein. Die japanischen und koreanischen Hersteller preschen vor, und die anderen
werden ihnen sicherlich nicht gar zu viel Vorsprung
lassen.
Und dann müssen natürlich Tankstellen vorhanden
sein. Ende 2015 werden wir zumindest annähernd
50 öffentliche Tankstellen in Deutschland im Rahmen der CEP haben. Aber das kann nur der erste
Schritt sein.
Anlagen werden mehr und größer werden. Eher im
Stillen wird auch die Zahl kleiner Brennstoffzellen
in den privaten Heizungskellern wachsen.
Politik: Wir sehen den Taten, die man nach dem
Koalitionsvertrag erwarten darf, mit Interesse entgegen. Fest steht, dass 2015 mit dem Bundeshaushalt 2016 die Weichen für eine neue Phase
des NIP gestellt werden müssen.
Mit einem entschlossenen Vorgehen der Staatengemeinschaft gegen die Treibhausgasemissionen
rechnen wir leider nicht. Auch beim Gipfel in Paris
Ende dieses Jahres werden wir uns wohl gegen
Enttäuschungen wappnen müssen.
Stationär: Power-to-Gas wird auch 2015 wieder
eine öffentlichkeitswirksame Rolle spielen. Die
Die wichtigsten anstehenden Veranstaltungen zum Thema finden Sie regelmäßig in unserem WasserstoffSpiegel. Hier eine Auswahl:
25.-27.02.15, Tokio (Japan):
11. International Hydrogen and Fuel Cell Expo
Kontakt: Reed Exhibitions Japan Ltd., FC EXPO
Show Management, Hrn. Mitsuru Takazawa
Post: 18F Shinjuku-Nomura Bldg.,1-26-2
Nishishinjuku, Shinjuku-ku, Tokyo 163-0570
(Japan)
Tel.: (0081-3) 3349-8576
Fax: - 8535
URL: http://www.fcexpo.jp/en/
9.-11.03.15, Düsseldorf:
9. Internationale Konferenz zur Speicherung
Erneuerbarer Energien (IRES 2015)
Kontakt: Eurosolar e.V., Projektleitung IRES 2015,
Fr. Lina Hedwig
Post: Kaiser-Friedrich-Straße 11, 53113 Bonn
Tel.: (0228) 289 14 46
Fax: 361213
URL: http://www.energiespeicherkonferenz.de
19., 20.03.15, Nantes (Frankreich):
Hydrogen Expo
Kontakt: Bioénergie Evénements et Services
BEES, Hr. Adrian Jacob
Post: Greenopolis, Btm A02 - 29, rue Saint Simon,
69009 Lyon (Frankreich)
Tel.: (0033-3) 84 86 89 34
Fax: (0033-9) 74 76 05 59
URL: http://www.bees.biz
13.-17.04.15, Hannover:
21. Gemeinschaftsstand „Wasserstoff,
Brennstoffzellen + Batterien“ im Rahmen der
Hannover Messe
Kontakt: Tobias Renz FAIR
Post: Linienstr. 139-140, 10115 Berlin
Tel.: (030) 609 84-556
Fax: -558
URL: http://www.h2fc-fair.com/
03.-06.05.15, Oshawa (Ontario, Kanada):
6. International Conference on Hydrogen
Production (ICH2P-2015)
Kontakt: University of Ontario Institute of
Technology (UOIT), Faculty of Engineering and
Applied Science, Prof. Ibrahim Dincer
Post: 2000 Simcoe Street North Oshawa, Ontario
L1H 7K4 (Kanada)
URL: http:// http://www.ich2p.org/
30.06.-03.07.15, Luzern (Schweiz):
5th European PEFC & H2 Forum
Kontakt: European Fuel Cell Forum AG
Post: Obgardihalde 2, 6043 Luzern-Adligenswil
(Schweiz)
Tel.: (0041-44) 586 5644
Fax: (0041-43) 508 0622
URL: http:// http://www.efcf.com/
DWV-Jahresbericht für 2014
12.-14.10.15, Stuttgart:
World of Energy Solutions
Kontakt: Peter Sauber Agentur Messen und
Kongresse GmbH, Fr. Silke Frank
Post: Wankelstr. 1, 70563 Stuttgart
Tel.: (0711) 656960-55
Fax: -9055
URL: http://www.world-of-energy-solutions.de/
Seite 33
19.-21.10.15, Tokio:
6th International Conference on Hydrogen
Safety (ICHS 6)
URL: http://www.ichs2015.com
Und auf unserer Jahrespressekonferenz 2016 können Sie dann erfahren, wie es tatsächlich war. Eines steht
jetzt schon fest:
2016 feiern wir den 20. Geburtstag des DWV!
Seite 34
DWV-Jahresbericht für 2014
Impressum
Herausgeber: Deutscher Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband e. V. (DWV)
Verantwortlicher Redakteur: Dr. Ulrich Schmidtchen, Berlin
Moltkestr. 42, 12203 Berlin
Tel.: (030) 398 209 946-0, Fax: -9
URL: www.dwv-info.de, Mail: h2@dwv-info.de
Bildnachweis:
Abb. 4: amagi PR / Fahrig
Abb. 5 bis Abb. 7: amagi PR / Fahrig
Abb. 8: NOW
Abb. 11: Toyota
Abb. 12: Tenerrdis
Abb. 15: Air Liquide
Abb. 16: Hochschule Konstanz
Abb. 18: Boeing
Abb. 19: VDMA
Abb. 20: Toshiba
Abb. 21: SFC Energy
Abb. 22: Honda
Abb. 23: obs/TOTAL Deutschland GmbH/Pierre Adenis
Abb. 26: E.ON
Abb. 27: Alexander Heimann
Abb. 36: Peter Sauber Agentur / Busch
Alle anderen: DWV
Deutscher Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband e. V. (DWV)
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