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SÜDWESTTEXT
Zeitung für die Textil- und Bekleidungsindustrie
Herausgegeben von Südwesttextil
www.suedwesttextil.de
Januar 2015 | Nr. 88
Themen
Verband + Industrie
Branche mit zwei Gesichtern
Seite 5
Bildung + Soziales
Zähes Ringen
Seite 7
Messe
Recht + Steuern
Wichtige Neuregelungen im
Jahr 2015
Seite 8
Heimtextil 2015
Seite 3
Motor für textile Innovationen
Südwesttextil errichtet Stiftungsprofessur an der Hochschule Reutlingen
RRI – Lehr- und Forschungszentrum
Struktur
Südwesttextil will sich zum „Motor für textile Innovationen“ machen. Deshalb hat der Verbands-
vorstand bereits im letzten Jahr
beschlossen, an der Hochschule
Reutlingen eine Stiftungsprofessur
für Industrie- und Materialdesign
mit insgesamt 555 000 Euro zu
fördern. Jetzt wurde die Fördervereinbarung unterzeichnet und
die Professur ausgeschrieben.
Die W3-Professur ist wesentlicher Bestandteil des Lehr- und
Forschungszentrums (LFZ) für
Interaktive Materialien, das die
Hochschule am 25. März feierlich einweihen wird. Im LFZ
sollen Forschung und Lehre im
Master-Ausbildungskonzept bis
hin zur Promotionsmöglichkeit
miteinander verknüpft werden.
Hierzu wurde ein einzigartiger
Forschungsverbund mit dem ITV
Denkendorf und anderen Bildungseinrichtungen geschaffen.
Die Studieninhalte sollen aus den
an der Hochschule vorhandenen
Bereichen Chemie, Technik und
Informatik sowie aus allen Textilbereichen gespeist werden.
Fortsetzung Seite 2
Forschung, Image, Marktzugang
Der französische Textilunternehmer Serge Piolat ist auf seiner Agenda. Dabei ist ihm klar, dass besserer
neuer Präsident des europäischen Textil- und Beklei- Marktzugang nur dann Wirkung zeigt, wenn die überdungsverbandes Euratex. Der CEO des technischen durchschnittlich teuren Produkte der europäischen
Industrie qualitativ und
Garnherstellers Schappe ist
Nachfolger des Italieners
»Ich zähle auf die nationalen technologisch zur Weltspitze gehören. Daher setzt der
Alberto Paccanelli, der EuMitgliedsverbände und die
ratex vier Jahre lang vorneue Präsident auf Innovastand. In seiner Amtszeit
Europäischen Institutionen.« tionskraft und Knowhow
2015/16 will sich Piolat
kleiner und mittlerer HerSerge Piolat, Euratex-Präsident 2015/16
auf wenige, unbestreitbar
steller. Hier sieht er die Powichtige Prioritäten konlitik in der Pflicht, Firmen
zentrieren. Piolat ist überzeugt, dass höhere Exporte leichteren Zugang zu EU-Forschungsprogrammen zu
der entscheidende Faktor sind, um das Wachstum in verschaffen. Von den Programmen selbst erwartet er
Europa wieder anzukurbeln. Entsprechend stehen mehr Praxisnähe.
internationale Handelserleichterungen ganz oben Silvia Jungbauer
Aktuelle
Steuer-Nachrichten
Seite 9
Zahl des Monats
Das Lachen ist dem Menschen
angeboren. Babys können schon
kurz nach der Geburt ohne Anlass oder im Traum lachen. Später
kann man sie mit Singen, Trällern,
Grimassen und Geschräuschen
leicht zum Lachen bringen. Auch
Kinder brauchen zum Lachen keine
Witze. Sie haben Spaß am Toben
und Herumtollen und lachen bis
zu 400-mal am Tag. Mit zunehmendem Alter wird der Spaß dann
weniger – Erwachsene bringen es
nur noch auf 15 Lacher. Dabei ist
Lachen äußerst gesund. Wer mit
Büttenreden und Straßenkarneval
nichts am Hut hat, der sollte es vielleicht mal mit Lachyoga probieren.
15
Aktuell
Bitte Termin vormerken! Das Anfordern und Ausstellen von Lieferantenerklärungen bedeutet für viele
Unternehmen großen Aufwand.
Eine Spezialsoftware, gemeinsam
von dbh IT, Südwesttextil und Gesamtmasche für die Textilwirtschaft
entwickelt, soll Abhilfe schaffen. Am
12. März 2015 laden die Verbände
Interessenten zu einem Workshop
nach Stuttgart ein, bei dem das neue
Tool zum Management von Lieferantenerklärungen vorgestellt wird.
2 Verband + Industrie
SÜDWESTTEXT
Januar 2015 I Nr. 88
Fortsetzung von Seite 1
In Kürze
Motor für textile Innovationen
Seit Anfang des Jahres verstärkt
Tamara Braun die Rechtsabteilung von Südwesttextil. Im
Sekretariat des Referats erledigt
Die studentische Zielgruppe
sind Bachelor-Absolventen aus den
Studiengängen Textiltechnologie,
Design, Ingenieurwissenschaften,
Chemie- und Verfahrenstechnik sowie Informatik. Der zu erwerbende
Abschluss heißt „Interdisciplinary
Master of Material Science“.
In der Fakultät Textil & Design ist zum Wintersemester 2015 oder
später folgende Professur im Angestelltenverhältnis zu besetzen:
W 3 – Stiftungsprofessur
Südwesttextil hat für sein Engagement den Stifterverband für die
Deutsche Wissenschaft mit ins Boot
genommen. Der Stifterverband ist
eine Gemeinschaftsinitiative der
Wirtschaft und hat langjährige
Erfahrung bei der Errichtung von
Stiftungsprofessuren. Die Laufzeit
der Fördervereinbarung beträgt
zunächst fünf Jahre. Danach wird
Südwesttextil auf Basis einer Evaluation entscheiden, ob es den Stiftungslehrstuhl auch darüber hinaus
unterstützt.
Fragen an: Hauptgeschäfts­
führer Dr. Markus H. Ostrop
Tel.: +49 711 21050-11
dr.ostrop@suedwesttextil.de
Lehrgebiet:
Industrie – und Materialdesign
gefördert von Südwesttextil e.V.
über den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft
Idealerweise haben Sie auf dem Gebiet des Industrie – und Materialdesigns promoviert und kennen den Bereich der Produktgestaltung sowie
der Automobil- und Textilindustrie und verfügen über Kenntnisse im
Bereich HMI.
Ein wichtiger Aspekt Ihrer Tätigkeit wird neben der Lehre die Forschung
darstellen und in diesem Zusammenhang auch die Förderung des Lehrund Forschungsverbundes mit ITV Denkendorf sein, dabei wären internationale Erfahrungen wünschenswert.
Nähere Informationen hierzu finden Sie unter http://www.reutlingenuniversity.de/aktuelles/service/stellenangebote.html.
Ansprechpartner: Herr Prof. Michael Goretzky, 07121/271-8000,
E-Mail: Michael.Goretzky@Reutlingen-University.DE
Postanschrift: Hochschule Reutlingen, Personalabteilung,
Alteburgstraße 150, 72762 Reutlingen
Termin vormerken
Altersteilzeit und
Rentenübergang
4. März 2015,
Stuttgart Airport
Fachvereinigung Wirkerei-Strickerei
Jetzt anmelden unter www.suedwesttextil.de/veranstaltungen, dick@suedwesttextil.de oder +49 711 21050 - 11
Tamara Braun
sie die anfallenden Arbeiten und
entlastet die Rechtsanwälte von
organisatorischen Aufgaben. Die
gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte arbeitete zuletzt in einer
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
in Stuttgart.
Im Mitgliederbereich von www.
suedwesttextil.de sind nun die
aktualisierten Tarifverträge für
die Textil- und Bekleidungsindustrie
eingestellt. Insgesamt wurden
13 Tarifverträge aufgrund der im
November abgeschlossenen Tarifverhandlungen überarbeitet.
Die Broschüre „Wirtschaftsnahe
Forschung in Baden-Württemberg
– Innovation durch Wertarbeit“
wurde neu aufgelegt. Die Publikation
enthält Kurzporträts aller wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen.
Besonders für KMU ist sie eine Hilfe,
den geeigneten Kooperationspartner
für ihre Innovationsvorhaben zu
finden. Die Broschüre kann unter
https://mfw.baden-wuerttemberg.
de/ heruntergeladen werden.
Die Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung (DITF) in
Denkendorf erhalten vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft
Baden-Württemberg eine Förderung
in Höhe von 1,25 Millionen Euro.
850 000 Euro der Fördergelder
werden in dringend notwendige
Geräte zur Intensivierung der Forschungsaktivitäten im Bereich der
Hochleistungsfasern auf Carbonund Keramikbasis investiert. Mit
dem Restbetrag von 400 000 Euro
sollen anstehende bauliche Sanierungsarbeiten unterstützt werden.
SÜDWESTTEXT
Januar 2015 I Nr. 88
Verband + Industrie 3 Mehr als nur schön
Elegante Wohntextilien punkten mit neuen Funktionen
Unter dem Motto „Experience“
vom 14. bis 17. Januar konnte
die interessierte Fachwelt auf der
Heimtextil in Frankfurt die neuesten Trends der Wohnwelt erleben. Mit 2 759 Ausstellern aus 68
Ländern konnte die Leitmesse für
Wohn- und Objekttextilien mit
einem noch größeren Anbieterspektrum aufwarten als im Vorjahr und
zog über 68 000 Besucher aus aller
Welt an. „Das war die erfolgreichste Heimtextil seit Jahren“, fasst
Detlef Braun, Geschäftsführer der
Messe Frankfurt, zusammen. „Damit bauen wir unsere Position als
weltweit wichtigste Plattform für
Wohntextilien weiter aus. Das Plus
an kaufkräftigen Fachbesuchern
zeigt die hohe Attraktivität unserer
Aussteller.“
Auch die Mitglieder von Südwesttextil zeigten sich mit der Qualität und Frequenz der Fachbesucher
zufrieden. „Die Heimtextil ist nach
wie vor die herausragende Plattform, auf der wir unsere Marke in
all ihren Facetten optimal präsentieren können“, meint Donata ApeltIhling, Gesellschafterin der Alfred
Apelt GmbH aus Oberkirch, einem
Hersteller hochwertiger Dekostoffe
für feine Wohn- und Esskultur.
Doch sie fügt auch hinzu, was viele
umtreibt: „Die Umwälzungen im
Facheinzelhandel stellen uns vor
große Herausforderungen“. In der
Folge sind die Erwartungen vieler
Aussteller für das Geschäftsjahr
2015 eher verhalten. Die Veränderungen der Vertriebskanäle, EuroKrise und internationale Konflikte
drücken auf die Umsatzprognosen.
Dem eingetrübten Konjunkturhimmel zum Trotz sorgten hohe Qualität und überzeugendes Design der
Produkte für starke Frequenz auf
den Ständen.
Hoch im Kurs standen auf der
Messe neben dem frischen und
gleichzeitig emotionalen Design
neue oder optimierte Zusatzfunktionen. „Wir sind sehr zufrieden“,
bilanziert Andreas Buss, Supply
Chain Manager bei der EuroComfort Group, einem der größten Produzenten Europas auf dem Gebiet
der Bettausstattung, das erfreuliche
Messeergebnis.
Die Nutzung von Nanotechnologie kann die Textilqualität ohne
Veränderung von Optik, Griff oder
Gewicht entscheidend verbessern.
Besonders bei Badtextilien steht
Funktionalität ganz oben auf der
Prioritätenliste. Hier überzeugen
innovative Fasern und Stoffkonstruktionen mit bisher nicht gekannter Saugfähigkeit. Für die Dusche nach dem Fitnesstraining oder
beim Schwimmbad- und Saunabesuch sind schnell trocknende Materialien gefragt. Weil Baumwolle
nach wie vor ein Kundenliebling
ist, gibt es inzwischen Qualitäten
mit funktionellem Mikrofaserkern
unter einer Baumwollaußenschicht,
die für das gewohnte „natürliche“
Gefühl auf der Haut sorgt. Hinzu kommen Handtücher, die in
feinster Dosierung Lotion auf die
Haut aufbringen und ein Anwendungsfeld in Kosmetik, Pflege und
Medizin eröffnen. Silber wird im
Bereich der Heim- und Haustextilien schon seit längerem verwendet,
um eine antibakterielle Wirkung zu
erzielen. Die Hygienewunder für
Küche, Bett und Bad passen zum
zunehmenden Gesundheits- und
Umweltbewusstsein einer breiten
Verbraucherschicht und helfen, den
Einsatz von Chemie zu vermeiden.
Für die warme Jahreszeit sind inzwischen kühlende Bettwaren im
Angebot, die Feuchtigkeit von der
Haut wegleiten. Für kuschelige
Wärme wiederum sind keine heute
Kissenberge mehr notwendig: Decken, die gar nicht dick auftragen,
bieten absolutes Wohlfühlklima
auch bei frostigem Klima.
Das übergreifende Trendthema
„Experience“ fußt auf vier neuen
Design-Themen: Fühlen, Entdecken, Erinnern und Mischen sind
die Strömungen, die das Interior
Design 2015 und darüber hinaus
beeinflussen. Im Mittelpunkt stehen
dabei das Spiel mit Gegensätzen im
Material, ausgeprägte Strukturen
im Zuge neuer Techniken, die Besinnung auf Handwerk und Tradition sowie der Mix verschiedener
kultureller Einflüsse.
Der Gesamtverband textil+mode, Dr. Uwe Mazura und Dr. Hartmut Speisecke, zu Besuch bei Donata Apelt-Ihling. Auch Dr. Thomas Wagner ist tendenziell zufrieden mit
der Kundenfrequenz auf dem Pichler-Stand in Halle 11. Zum ersten Mal auf der Heimtextil war die Global Safety Textiles mit neuen Produkten zur textilen Lichtgestaltung
und für den Sonnenschutz. Silvia Jungbauer im Gespräch mit Andreas Buss (v. o. n. u.).
Auch Konrad Hornschuch überzeugte mit neuen Designs. (Titelbild)
Fragen an: Dipl.-Volkswirtin
Silvia Jungbauer
Tel.: +49 711 21050-13
jungbauer@suedwesttextil.de
4 Verband + Industrie
Außenwirtschaftstag
der deutschen Textilund Modeindustrie
3. März 2015 im Bundesministerium für
Wirtschaft und Energie in Berlin
SÜDWESTTEXT
Außenwirtschaftstag der deutschen
Textilund Modeindustrie
Außenwirtschaftstag
der
deutschen Textil- und
Modeindustrie
Käufer gesucht
Freizeitmodenhersteller im Nischenmarkt
Das Bundesministerium für Wirtschaft und
Energie (BMWi) und der Gesamtverband
textil+mode laden am 3. März 2015 zum
Außenwirtschaftstag der deutschen Textil- und
Modeindustrie nach Berlin ein.
Die exportorientierte deutsche Textil- und Modeindustrie
hat sich zu einem der größten europäischen Marken- und
Qualitätsanbieter von Bekleidung sowie Heim- und
Haustextilien entwickelt. Im Bereich der Technischen
Textilien ist sie Weltmarktführer und wichtiger Zulieferer
für zahlreiche andere Industriebranchen. Ob Verkehr und
Logistik, Luft- und Raumfahrt, Medizin- und Bautechnik,
Energie- und Umwelttechnik: Ohne moderne textile
Komponenten wären heute zahlreiche Produkte nicht
mehr vorstellbar.
Ziel des Außenwirtschaftstags der deutschen Textilund Modeindustrie ist es, Vertreter von Unternehmen,
Verbänden, Verwaltung und Politik miteinander ins
Gespräch zu bringen. Neben aktuellen Herausforderungen in grenzüberschreitenden Wertschöpfungsketten
werden unter anderem auch Chancen und Risiken in
internationalen Zielmärkten der Textil- und Modeindustrie thematisiert.
Ziel des Außenwirtschaftstages der deutschen
Textil- und Modeindustrie im Konferenzzentrum
des BMWi ist es, Vertreter von Unternehmen,
Verbänden, Verwaltung und Politik miteinander
ins Gespräch zu bringen. Neben aktuellen
Herausforderungen in grenzüberschreitenden
Wertschöpfungsketten werden unter anderem
auch Chancen und Risiken in internationalen
Zielmärkten der Textil- und Modeindustrie
thematisiert. In Foren und Praxisworkshops diskutieren Experten und
Praktiker über außenwirtschaftliche und handelspolitische Themen der
Branche. Insbesondere für Unternehmen der Textil- und Modeindustrie,
deren Zulieferer und Abnehmer sowie verwandte Branchen bietet sich
hierbei die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und wichtige Erkenntnisse
für die außenwirtschaftliche Praxis zu sammeln. Die Eröffnungsrede wird
der Bundesminister für Wirtschaft und Energie Sigmar Gabriel halten.
In Diskussionsforen und Praxisworkshops referieren
Experten und diskutieren Praktiker über außenwirtschaftliche und handelspolitische Themen der Branche
im globalen Wettbewerb sowie praxisorientierte Strategieansätze für die erfolgreiche Markterschließung im
Ausland. Insbesondere für Unternehmen der Textil- und
Modeindustrie, deren Zulieferer und Abnehmer sowie
verwandte Branchen bietet sich hierbei die Möglichkeit,
Kontakte zu Vertretern aus Politik und Wirtschaft zu
knüpfen.
Foto: © WoGi - Fotolia.com
Darüber hinaus lädt t+m am Montag, den 2. März 2015 um 19.30 Uhr zu
einem Vorabendempfang bei der Deutschen Bank ein. Dieser steht allen
Teilnehmern des Außenwirtschaftstages offen. Eine entsprechende Anfahrtsbeschreibung sowie Anmeldung zum Vorabendempfang finden sich wie
die Informationen zum Programm, den einzelnen Workshops und Foren
sowie den Rednern und Experten im Internet unter www.suedwesttextil.de
Entfall von Zollpräferenzen 2015
Januar 2015 I Nr. 88
Zum 1. Januar 2015 werden die Zollvorteile
für China, Ecuador, Malediven und Thailand
im Rahmen des Allgemeinen Präferenzsystems für Entwicklungsländer (APS) komplett
entfallen. Geregelt ist dies in der Verordnung
(EU) 1421/2013. Für die deutsche Textil- und Bekleidungsbranche relevant sind insbesondere die bisherigen Zollvorteile für Thailand. Der
chinesische Textil- und Bekleidungssektor ist aufgrund seiner Größe
bereits seit langem von den Präferenzen ausgenommen. Der Verlust der
Thailand-Präferenz ist auch bei der Regionalkumulierung zu beachten:
Für die Länder Kambodscha, Indonesien, Laos, Myanmar, Philippinen
und Vietnam kommt Thailand nicht mehr als Lieferant präferenzieller
Vormaterialien in Frage. Die EU hat bereits zum Jahresanfang 2014 das APS
deutlich umgestaltet. Für Länder, die nach der Weltbank-Klassifizierung
zur Gruppe der „high income“ oder „upper middle income countries“
zählen, werden sukzessive aus der Liste der begünstigten Länder gestrichen. Das betrifft beispielsweise Brasilien, Malaysia, Russland oder die
Golfstaaten. Zur neuen APS-Strategie der EU gehört es auch, politisches
Wohlverhalten mit Zollfreiheit zu belohnen. Wer die wirtschaftlichen
Kriterien erfüllt und sich nachweislich an verschiedene internationale
Konventionen hält, darf auf Antrag so genannte APS+ Präferenzen in
Anspruch nehmen. Davon profitieren momentan Armenien, Bolivien,
Ecuador, Georgien, Kap Verde, Mongolei, Peru, Pakistan und Paraguay.
Hinzukommen sollen 2015 die Philippinen.
Ein seit über 50 Jahren am Markt erfolgreiches Familienunternehmen
bestehend aus einer deutschen Vertriebs- und Produktions- Kapitalgesellschaft, einer ungarischen Produktions- Kapitalgesellschaft
und einer deutschen Besitz- und Beteiligungsgesellschaft sucht zur
Regelung der Nachfolgerschaft einen Käufer für sämtliche Geschäftsanteile der Gesellschaften sowie das vorhandene Betriebsvermögen.
Das Unternehmen besitzt alle wesentlichen für die Wertschöpfung
notwendigen Ressourcen und verfügt über ein langjährig gewachsenes
Zuliefernetzwerk. Die Standorte befinden sich in Süddeutschland
sowie Ungarn. Die Betriebsimmobilien sind im Besitz der Unternehmensgesellschafter.
Der Betriebsinhalt besteht aus Design, Produktion und Vertrieb von
Sport- und Freizeitmoden in anerkannter deutscher Markenqualität.
Das mit dieser Sport- und Freizeitmode abgedeckte Kundensegment
ist ein nachhaltiger Wachstumsmarkt. Der Vertrieb erfolgt im Wesentlichen über Modehausketten/Warenhäuser und renommierten
Versandhandel. Klare Potenziale bestehen neben dem deutschen
Markt auch auf dem europäischen Binnenmarkt.
Das Exposé kann bei Interesse bei
Südwesttextil angefordert werden
(dick@suedwesttextil.de).
Handbuch Wissensmanagement
Wissensmanagement ist, besonders in KMU, ein wichtiges
Instrument zur Steigerung der
Innovationskapazitäten. Traditionelle Wissensmanagementsysteme sind häufig sehr formell
und kompliziert und bedeuten
Wissens­
2.0
für KMU eine hohen Zeit- und
management
Handbuch
Kostenaufwand. Web 2.0-Löfür Unternehmen
sungen bieten dem jeweiligen
Unternehmen gesteigerte Innovationen, Produktivität, Flexibilität und Kostenersparnisse.
In vielen Unternehmen werden
bereits einige, auf diesem Ansatz
beruhende Technologien verwendet, und zu einer erfolgreichen
Das Handbuch gibt es zum Download unter
Wissensmanagmentstrategie
www.km20.eu
umstrukturiert werden. Die
Publikation ist im Rahmen eines
EU-Projektes entstanden. Das Ziel ist es, einen effektiven Rahmen für
Wissensmanagement für KMU zu liefern. Das Handbuch findet sich auf
der Internetseite www.km20.eu.
Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung
für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die
weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.
Verband + Industrie 5 SÜDWESTTEXT
Januar 2015 I Nr. 88
Branche mit zwei Gesichtern
Euler Hermes Studie Deutsche Textilindustrie: Onlinehandel und „Fast Fashion“ größte Risiken
Licht und Schatten sieht der weltweit größte Kreditversicherer Euler
Hermes in seiner jüngsten Studie
zur deutschen Textilindustrie. Die
Risiken, Finanzierungsmöglichkeiten und Aussichten variieren
dabei im Textileinzelhandel und der
Textilproduktion relativ stark. Der
Textileinzelhandel kämpft beispielsweise seit Jahren neben einer starken
Abhängigkeit von den Witterungsverhältnissen mit sehr geringen Gewinnmargen und einer zunehmend
starken Konkurrenz durch den Onlinehandel.
„Der Online-Handel ist massiv
im Kommen und dürfte nach unseren Einschätzungen bis 2017 um
etwa 50 Prozent zunehmen“, sagte
Ludovic Subran, Chefökonom der
Euler Hermes Gruppe. „Dies stellt
künftig vor allem den stationären
Handel vor große Herausforderungen und die Notwendigkeit, Einkaufserlebnisse und die Beratungs-
leistung zu verbessern – oder aber
seine Vertriebsmodelle anzupassen
und auf mehrere Absatzkanäle auszuweiten.“
Auch in der Textilproduktion
zeigen sich zwei Gesichter. Ein
Teil der Produzenten haben ihr Geschäftsmodell erfolgreich erneuert
und sich auf den Bereich der technischen Textilien spezialisiert, die
beispielsweise für Schutzanzüge,
Zelte oder auch in der Automobilproduktion Anwendung finden. Die
deutschen Textilhersteller gehören
dabei zu den Innovationsführern und
sind in diesem Segment Exportweltmeister. Allein zwischen 2009 und
2013 haben sich die Ausfuhren in
diesem Segment verdreifacht und
auch die Aussichten sind gut. Für
2015 rechnen die Euler Hermes
Ökonomen mit Exporten im Wert
von 7,1 Mrd. Euro.
Während sich die Hersteller
technischer Textilien bereits struktu-
rell auf die zunehmende Konkurrenz
aus Asien reagiert haben, tun sich die
Hersteller von anderen Textilien und
Bekleidung schwer, mit den Niedriglohnländern zu konkurrieren. Die
Produktion nahm in Deutschland in
diesem Segment in der letzten Dekade rapide ab, während die Einfuhren,
insbesondere aus China, in die Höhe
schnellten. Allein zwischen 2005
und 2011 haben sich Textil- und
Bekleidungsimporte aus China mehr
als verdoppelt. Lediglich Hersteller,
die sich in einem hochqualitativen
Segment positionieren, haben hier
eine Chance zu konkurrieren. Neben dem Preiskampf ist das schnelllebige Konsumverhalten die größte
Herausforderung für die Hersteller.
„Laut Branchenstatistiken
kauft eine Frau durchschnittlich
30 Kilogramm Kleidung pro Jahr
– knapp ein Drittel davon wird nie
getragen“, sagte Thomas Krings,
Risikovorstand bei Euler Hermes
Roland Koch
„Unsere Wirtschaft in 2015 –
auf Wachstumskurs trotz interna­
tionaler Krisen und Euroskepsis?!“
Jurist
Verband
Politik
Wirtschaft
Roland Koch, geboren am 24. März 1958 in Frankfurt am Main, wuchs
in Eschborn auf, wo er noch heute mit seiner Ehefrau Anke und den
beiden Söhnen Dirk und Peter lebt. Nach Abitur und Grundwehrdienst
studierte er Jura und ließ sich als selbständiger Rechtsanwalt, spezialisiert auf Wirtschafts- und Wettbewerbsrecht, nieder. In dieser Zeit
war er als Geschäftsführer des Spartenverbands auch zuständig für die
Tarifverhandlungen in der Miederindustrie.
Im April 1999 wurde er zum Ministerpräsident des Landes Hessen gewählt und regierte bis August 2010. Als Fach­mann für Wirtschafts- und
Finanzpolitik war er immer wieder im Gespräch für einen Posten im
Bundeskabinett. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik wechselte
er zum Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger SE und war von Juli
2011 bis August 2014 Vorstandsvorsitzender des Konzerns.
Jurist, Verband, Politik, Wirtschaft – Roland Koch hat alle Seiten
kennengelernt und erfolgreich ausgeübt. Er hat sich schon immer
für Sachthemen interessiert und mit Peer Steinbrück einen Plan zum
Abbau von Subventionen ausgearbeitet. Aus Bilfinger Berger hat er
einen einheitlichen Konzern mit einem einheitlichen Gesicht gemacht.
Ein Ausnahmemann, ein kluger Kopf so beschreiben ihn langjährige
Weggefährten.
Deutschland. „Die Händler müssen sich deshalb noch stärker auf
das Phänomen der ‚Fast Fashion‘
einstellen und regelmäßiger spannende Neuerungen anbieten, wenn
sie Kundinnen in ihre Geschäfte
locken wollen. Sonst wirkt sich dies
sehr schnell auf die Einnahmen
aus. Entsprechend groß ist auch der
Druck auf die Bekleidungshersteller,
die Zeit zwischen Design und Verkauf zu verkürzen und jedes Jahr
nicht mehr nur zwei, sondern sechs
bis 12 Kollektionen auf den Markt
zu bringen. Das ist vier- bis sechs
Mal so viel wie noch vor einigen
Jahren und mit erheblichen Kosten
sowie einem aufwändigen Supply
Chain Management verbunden, die
sich erst einmal rechnen müssen.“
Die vollständige Studie sowie
eine aktuelle Studie zur italienischen Textilbranche gibt es unter
www.suedwesttextil.de
Simone Diebold
Termin
vormerken!
22. April
Jahresversammlung
2015
Südwesttextil und Gesamtmasche
laden Sie herzlich im Rahmen der
Jahresversammlung 2015 am
22. April ins GAZi Business Center
der Mercedes-Benz Arena zu diesem
außergewöhnlichen Festvortrag ein.
6 Bildung + Soziales
SÜDWESTTEXT
Januar 2015 I Nr. 88
Virtuelle individuelle Beratung
Weiterbildungsplattform „Celo-online“
Die individuelle Beschäftigungsfähigkeit kann nur verbessert werden
durch beständiges Lernen und kontinuierliche Qualifikation – und das
ein Leben lang. Das gilt besonders
für Personengruppen, die in der
beruflichen Weiterbildung bislang
eher unterrepräsentiert sind, wie
an- und ungelernte Beschäftigte
oder Wiedereinsteiger.
Am Anfang stehen meist individuelle Hemmnisse wie unklare
Ziele und Inhalte für eine berufliche
Fortbildung oder die vergebliche
Suche nach passenden Maßnahmen. Hier setzt das Projekt „Celoonline“ der Bildungswerk-Gesellschaft Apontis an. Ziel des Projekts
ist es, Menschen unkompliziert zu
unterstützen, selbst Verantwortung
für die eigene Beschäftigungsfähigkeit, die berufliche Entwicklung und das lebenslange Lernen
zu übernehmen.
„Celo-online“ ist eine leicht
handhabbare Onlineplattform, die
Nutzern zeigt, welche Qualifizie-
Unter www.celo-online.de kann man sich unkompliziert anmelden.
rungsmaßnahmen für sie geeignet
sind und wie die Organisation des
lebenslangen Lernens funktionieren
kann.
Dabei werden unter anderem
individuelle Antworten auf Fragen
wie z. B. „wie kann ich gezielt auf
mein Wissen und meine Fähigkeiten aufbauen“ oder „welche
Weiterbildungsangebote passen zu
Wenn's etwas mehr sein darf
Ausbildung plus Fachhochschulreife
Das Bündnis zur Stärkung der
beruflichen Ausbildung und des
Fachkräftenachwuchses in Baden-Württemberg (Ausbildungsbündnis) will einen Beitrag zur
Attraktivitätssteigerung dualer
Ausbildung leisten. Viele Jugendliche mit der mittleren Reife sehen
die duale Ausbildung nicht mehr
als ihre erste Wahl. Dabei wird
die betriebliche Ausbildung und
der schulische Weg zur Fachhochschulreife oftmals – zu Unrecht –
als Gegensatz empfunden.
Mit der Kampagne „Ausbildung plus Fachhochschulreife“ zeigen die Partner des Ausbildungsbündnisses Unternehmen sowie
Absolventinnen und Absolventen
der mittleren Reife zwei Wege zur
ausbildungsbegleitenden Erlangung der Fachhochschulreife: zum
einen der ergänzende Berufsschulunterricht parallel zur beruflichen
Ausbildung, zum anderen das duale
3-jährige Berufskolleg integriert in
die Ausbildung. Am Ende steht ein
erfolgreicher Berufsabschluss und
die Möglichkeit zu einem Fachhochschulstudium.
Informationen zu den beiden
Varianten gibt eine Broschüre, die
auf der Internetseite von Südwesttextil zum Download bereit steht.
Beide Wege sind attraktive Erweiterungen der dualen Berufsausbildung, die aktiv von Unternehmen
im Rahmen des Ausbildungsmarketings genutzt werden sollten. Unter www.ausbildung-bw.de finden
sich Listen der Berufsschulen und
-kollegs, an denen ausbildungsbegleitend die Fachhochschulreife
erworben werden kann.
Für die Textilindustrie gibt es
diese Möglichkeit seit vielen Jahren
an der Berufschule in Schopfheim.
Fragen an: Dipl.-Ökonomin
Christine Schneider
Tel.: +49 711 21050-25
schneider@suedwesttextil.de
mir, um meine Ziele zu erreichen“,
geliefert.
Ohne sich in einem persönlichen Gespräch öffnen zu müssen,
definiert der Nutzer auf der Onlineplattform sein berufliches Ziel. Das
System gleicht das genannte Ziel
mit den selbstständig eingetragenen
Fakten zu Wissen und Können des
Nutzers ab. In der Folge werden
passende, aktuelle Qualifizierungsempfehlungen genannt. Dabei wird
auf über 20 000 Kursangebote von
über 1 200 Anbietern aus BadenWürttemberg zurückgegriffen.
Das Projekt wird im Rahmen
des Förderprogramms „Innovative
Konzepte der beruflichen Weiterbildung“ durch das Ministerium
für Wirtschaft und Finanzen BadenWürttemberg gefördert.
Für Unternehmen steht die
Onlineplattform „biwecon“ zur
Verfügung. Hier werden die Personalentwicklungsmaßnahmen des
Unternehmens genutzt. Außerdem
berücksichtigen die individuellen
Ziele die definierten Anforderungen des Arbeitsplatzes.
Bei weiteren Fragen zu den Onlineplattformen steht Dirk Schäfer
(schaefer.dirk@biwe-apontis.de)
als Ansprechpartner zur Verfügung.
Christine Schneider
Hugo Boss Fashion Award 2015
Dieses Jahr entwerfen die
jungen Kreativen der Staatlichen Modeschule Stuttgart
zum Thema „Luxury Resorts,
St. Moritz meets Aspen“ eine
Menswear-Kollektionen für
Hugo Boss. Die Idee kommt
aus dem Creative Management
des Modeunternehmens. Lifestyle und Architektur dienen
den 19 Absolventen dabei als
Inspiration für eine dezente
und luxuriöse Ready-to-wear-
Kollektion. Raffinierte Casualwear steht in
Verbindung mit Premium-Sportswear für
die Freizeit. Hugo Boss juriert und prämiert
die besten Kollektionen mit Preisgeldern
und Praktika. Die Arbeiten sind im Design
Center Stuttgart im Haus der Wirtschaft
vom 20. März bis zum 15. April zu sehen.
Die Preisverleihung und Vernissage ist am
19. März um 19 Uhr im Design Center
Stuttgart. Die Veranstaltung ist öffentlich,
der Eintritt ist frei.
Januar 2015 I Nr. 88
SÜDWESTTEXT
Bildung + Soziales 7 Zähes Ringen
Neue Ausbildungsberufe für die Bekleidungsindustrie kommen im Sommer
Das Neuordnungsverfahren zur
Modernisierung der Berufsbilder
der industriellen Bekleidungsberufe ist abgeschlossen. Die neuen
Ausbildungsberufe treten somit
zum 1. August 2015 in Kraft.
Im Ergebnis sind zwei innovative Berufe für die Bekleidungsindustrie entstanden: der Textil- und
Modenäher – früher Modenäher
– und der Textil- und Modeschneider – ehemals Modeschneider.
Eine Stufenausbildung wird es in
Zukunft nicht mehr geben. Mit
der Umsetzung der novellierten
Ausbildungsordnung werden ein
zweijähriger und ein dreijähriger
Ausbildungsberuf eingeführt. Die
Abschlussprüfung des zweijährigen
Textil- und Modenähers ist die
Zwischenprüfung des dreijährigen
Textil- und Modeschneiders, so
dass sich de facto für die Betriebe
keine allzu große Veränderungen
ergeben werden.
Insbesondere die Neuordnung
des zweijährigen Ausbildungsberufs führte beinahe zum Scheitern
der Verhandlungen. Die Sozialpartner konnten sich jedoch unter
Leitung des Bundeswirtschaftsministerium auf einen Kompromiss
einigen. Demzufolge ist der zweijährige Textil- und Modenäher nun
für fünf Jahre befristet, danach soll
eine Evaluierung des Berufsbildes
erfolgen.
Dabei soll untersucht werden, wie viele der Ausgebildeten
nach Abschluss der betrieblichen
Ausbildung zum Textil- und Modenäher die dreijährige Ausbildung fortsetzen oder innerhalb
von sechs Monaten nach dem
Abschluss einen Arbeitsplatz als
Textil- und Modenäher oder in
einem verwandten oder sonstigen
Beruf finden. Außerdem sollen alternative Anschlüsse berücksichtigt
werden. Die Betrachtung der vollzeitschulischen Ausbildung soll separat erfolgen. Die abschließende
Entscheidung, ob die Verordnung
über die Berufsausbildung zum
Textil- und Modenäher entfristet
wird, trifft das Bundeswirtschaftsministerium in Abstimmung mit
den Sozialpartnern.
Welche wesentlichen Neuerungen haben sich für die Ausbildungsberufe ergeben? Die nähtech-
nischen Kompetenzen werden nun
vornehmlich in den ersten zwei
Ausbildungsjahren vermittelt. Das
neue Berufsbild des Textil- und
typen nach Modellvorgaben gefertigt. Dabei werden die Verarbeitungstechniken sowie der Einsatz
und die Abfolge von Maschinen
Weitere Informationen gibt es im Mitgliederbereich unter www.suedwesttextil.de
Modenähers legt den Schwerpunkt
im ersten Jahr auf die Bereiche
Zuschneiden und Vorrichten von
Werk- und Hilfsstoffen mit insgesamt zehn Wochen und den Nähtechniken mit insgesamt zwölf
Wochen. Im zweiten Jahr kommt
das Anwenden von Schweiß- oder
Klebetechniken mit fünf Wochen
hinzu. Ein weiterer Schwerpunkt
im zweiten Jahr definiert das Fertigen von Bekleidungsartikeln oder
sonstigen textilen Artikeln mit insgesamt zwölf Wochen. Sechs Wochen sind für das Abwandeln von
Grundschnitten und das Erstellen
von Schnittlagebildern im zweiten
Jahr vorgesehen.
Die wesentlichen Änderungen
im Berufsbild des Textil- und Modeschneiders sind die Einführung
von Schwerpunkten. Diese sind je
nach betrieblichem Hintergrund zu
wählen. Es handelt sich dabei um
die drei Bereiche Prototypen- und
Serienfertigung, Arbeitsvorbereitung und Qualitätsprüfung und
Schnitttechnik. Sie wurden vor
dem Hintergrund ins Leben gerufen, dass die traditionellen Einsatzmöglichkeiten der Fachkräfte in
der Bekleidungsfertigung und den
Musterabteilungen weiter zurückgehen. Außerdem ist eine stärkere
Heterogenität der Ausbildungsbetriebe festzustellen.
Im Schwerpunkt „Prototypen
und Serienfertigung“ werden von
den Modeschneidern die Proto-
und Anlagen festgelegt. Es erfolgt
eine Modellprüfung und bei Bedarf
eine Optimierung bevor die Prototypen in die Einzel- und Serienfertigung gehen, um einen effizienten
Durchlauf zu erzielen.
Im Schwerpunkt „Arbeitsvorbereitung und Qualitätsprüfung“
werden auf der Grundlage der Prototypen die Modellbeschreibungen
und Fertigungsunterlagen für die
Produktion einschließlich der Ermittlung der Fertigungszeiten- und
kosten anhand von vorgegebenen
Datenbausteinen erstellt. Zusätzlich sind gängige Material- und
Warenprüfungen durchzuführen,
um exakte Textil- und Pflegekennzeichnungen vornehmen und Zertifizierungsvorgaben erreichen zu
können.
Im Bereich „Schnitttechnik“
werden von den Modeschneidern
Schnittbilder und Modellschnitte
erstellt und je nach Konfektionsgröße die notwendigen Modelländerungen für die Vervielfältigung
herausgearbeitet. Dies geschieht
mit anwenderbezogenen CAD-Programmen. Für die Produktion werden die Lege- und Zuschnitt- Anweisungen erstellt, die schnitt- und
modellrelevanten Daten aufbereitet.
Weitere Informationen zur
Neuordnung und Vereinbarung gibt
es zum Download im Mitgliederbereich unter www.suedwesttextil.de.
Christine Schneider
Girls' Day
Es ist wieder soweit – am Donnerstag, den 23. April 2015,
findet der bundesweite Girls' Day
statt, an dem sich Mädchen vor
Ort in den Unternehmen über
Berufsfelder und -perspektiven
informieren können. Mitmachen
lohnt sich für alle: Am Girls' Day
haben inzwischen mehr als 1,5
Millionen Mädchen teilgenommen und Berufe insbesondere
in Technik, IT, Handwerk und
Naturwissenschaften kennengelernt. Jedes dritte Mädchen
hat im Nachgang angegeben, in
dem kennengelernten Berufsfeld
ein Praktikum machen oder eine
Ausbildung beginnen zu wollen.
28 Prozent der Unternehmen,
die am Girls' Day aktiv waren,
haben mittlerweile Bewerbungen
von ihren ehemaligen Girls' DayTeilnehmerinnen erhalten. Infos
unter www.girls-day.de
Seminare
Bildungswerk
Seminarangebot der Akademie für Personal- und Organisationsentwicklung im Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft in
Kooperation mit Südwesttextil.
Moderation von Workshops
9. bis 10. März 2015,
Haus Reutlingen
Grundlagen der Entgeltabrechnung für Nachwuchskräfte
16. bis 18. März 2015,
Haus Bleibach
Teams mit Erfolg führen
19. bis 20. März 2015,
Haus Bleibach
www.biwe-akademie.de
8 Recht + Steuern
SÜDWESTTEXT
Januar 2015 I Nr. 88
Wichtige Neuregelungen im Jahr 2015
Änderungen bei Elternzeit, Pflegezeit und Familienpflegezeit
Zu Beginn des Jahres 2015 sind
umfangreiche Neuregelungen zur
Elternzeit, Pflegezeit und der Familienpflegezeit in Kraft getreten.
Diese haben weitreichende Auswirkungen für die Behandlung von
Anträgen und müssen zukünftig
berücksichtigt werden.
Zwar verbleibt zunächst der
Grundsatz, dass drei Jahre Elternzeit beantragt werden können und
eine Festlegung für die ersten zwei
Jahre getroffen werden muss. Allerdings entfällt die Regelung, dass
das dritte Jahr der Elternzeit nur mit
Zustimmung des Arbeitgebers auf
einen Zeitraum bis zum achten Lebensjahr übertragen werden kann.
Zukünftig kann ein Zeitraum von
bis zu 24 Monaten zwischen dem
dritten und dem vollendeten achten
Lebensjahr des Kindes genommen
werden. Auf eine Zustimmung des
Elternzeit kann künftig
auf drei Zeitabschnitte
verteilt werden
Arbeitgebers kommt es somit nicht
mehr an. Als einzigen Schutz des
Arbeitgebers wurde die Ankündigungsfrist von 7 Wochen innerhalb
der ersten drei Jahre auf 13 Wochen
zwischen dem dritten und dem achten Lebensjahr verlängert.
Erweitert wurde auch die Möglichkeit, die Elternzeit aufzuteilen.
Zukünftig kann die Elternzeit nicht
mehr nur auf zwei sondern auf drei
Zeitabschnitte verteilt werden. Lediglich bei einer Aufteilung auf drei
Zeitabschnitte besteht die Möglichkeit des Arbeitgebers, die Elternzeit
abzulehnen. Allerdings ist hierfür
ohne dass dem Arbeitgeber eine
Widerspruchsmöglichkeit eingeräumt wurde.
Für die Praxis besonders bedeutsam ist weiterhin die Änderung
des Anspruchs auf Teilzeittätigkeit
während der Elternzeit. Wird nun-
Bei der Pflegezeit wie bei der Elternzeit besteht die Möglichkeit, für jeden vollen genommenen Monat den Urlaubsanspruch des Beschäftigten anteilig zu kürzen.
Foto: © L.Klauser - Fotolia.com
erforderlich, dass dringende betriebliche Gründe entgegenstehen
und dass dieser dritte Zeitabschnitt
zwischen dem dritten und dem
vollendeten achten Lebensjahr des
Kindes genommen wird. Dies bedeutet also, dass innerhalb der ersten drei Jahre eine Verteilung auf
drei Zeitabschnitte erfolgen kann,
Recht kompakt
Arbeitsrecht – Internet
Frage: Muss der Betriebsrat der Einrichtung einer Facebook-Seite
im Unternehmen zustimmen ?
Antwort: Bei einer Facebook-Seite erhalten die Nutzer die Möglichkeit, Kommentare abzugeben. Diese Kommentare werden auf der virtuellen Pinnwand eingestellt und von den Facebook-Nutzern betrachtet und kommentiert. Diese Seite als solche ist jedoch keine technische
Einrichtung, die dazu bestimmt ist, das Verhalten oder die Leistung
der Mitarbeiter zu überwachen. Eine mitbestimmungspflichtige technische Einrichtung setze voraus, dass die Seite Aufzeichnungen über
die Mitarbeiter automatisiert erstellt. Dies ist nicht der Fall.
Die relevanten Gesetzestexte finden sich im Mitgliederbereich unter
www.suedwesttextil.de.
mehr ein konkreter Antrag gestellt,
dann beginnt mit der Antragsstellung eine Frist von vier Wochen
innerhalb der ersten drei Jahre und
eine von acht Wochen zwischen
dem dritten und dem vollendeten
achten Lebensjahr.
Innerhalb dieser Frist muss der
Arbeitgeber den Antrag mit schriftlicher Begründung ablehnen, selbst
wenn noch Verhandlungen über die
Teilzeittätigkeiten geführt werden.
Neu ist dabei, dass bei einem Versäumen dieser festgelegten Fristen
eine sogenannte Zustimmungsfiktion eintritt. Der Antrag gilt nach
dieser als genehmigt wie gestellt.
Die Begründung der Ablehnung muss umfassend erfolgen
und sämtliche Ablehnungsgründe
enthalten. Ansonsten besteht das
Risiko, dass Gründe, die in der
Ablehnung nicht genannt werden, im Falle eines gerichtlichen
Verfahrens nicht mehr verwendet
werden können. Somit sind hier
die Ablehnungsvoraussetzungen
noch höher als bei einem „normalen“ Teilzeitantrag, da dieser ohne
schriftliche Angabe von Gründen
abgelehnt werden kann. Aufgrund
der verlängerten Ankündigungsfrist
für die Elternzeit ab dem dritten Lebensjahr verlängert sich auch der
Kündigungsschutz auf maximal 14
Wochen vor Beginn der Elternzeit.
Glücklicherweise greifen diese
Neuregelungen nicht sofort, sondern gelten erst für Kinder, die nach
dem 1. Juli 2015 geboren werden.
Die Änderungen dieses Teilzeitanspruchs sind besonders
bedeutsam, da das Elterngeld zukünftig hälftig für den doppelten
Zeitraum ausgezahlt werden kann.
Dies macht Teilzeitbeschäftigungen
während der Elternzeit attraktiver.
Auch die Pflegezeitbestimmungen werden verändert. Zukünftig besteht nunmehr ein Sonderkündigungsschutz maximal 12 Wochen
vor Beginn der Pflegezeit. Des Weiteren besteht nun bei der Pflegezeit
wie bei der Elternzeit die Möglichkeit, für jeden vollen genommenen
Monat den Urlaubsanspruch des
Beschäftigten anteilig zu kürzen.
Außerdem kann der Arbeitnehmer
eine Vergütung während der Pflegezeit bei der Pflegekasse beziehen.
Somit wird die Anzahl der Anträge
wahrscheinlich ansteigen.
Auch bei der Familienpflegezeit
wurden Änderungen verabschiedet.
Neu ist der Anspruch des Arbeitnehmers auf Reduzierung der
Arbeitszeit für bis zu 24 Monate.
Diesen muss er spätestens acht Wochen vor Beginn der Reduzierung
geltend machen. Der Arbeitgeber
hat dann den Wünschen des Arbeitnehmers zu entsprechen, wenn
keine dringenden betrieblichen
Gründe entgegenstehen. Ebenfalls
neu ist, dass ein identischer Kündigungsschutz wie bei der Pflegezeit
besteht. Die Regelung zur Pflegezeit und Familienpflegezeit gelten
bereits ab dem 1. Januar 2015.
Aufgrund der umfangreichen
Neuregelungen bieten wir einen
Workshop zu der Thematik Teilzeit
im Juni dieses Jahres an.
Fragen an:
RA Nathan Binkowski
Tel.: +49 711 21050-21
binkowski@suedwesttextil.de
Recht + Steuern 9 SÜDWESTTEXT
Januar 2015 I Nr. 88
Befristung von Arbeitsverträgen
Arbeitnehmer darf nicht unangemessen benachteiligt werden
Der Gesetzgeber geht vom Grundsatz aus, dass unbefristete Verträge
der Normalfall und Befristungen
nur die Ausnahme sein sollen.
Dies führt zu den sehr strengen
Voraussetzungen an die Befristung
von Arbeitsverträgen. Solange es
sich nicht um eine Neueinstellung
handelt, ist für den Abschluss einer
solchen Befristung das Vorliegen
eines sachlichen Grundes nach
dem Teilzeit- und Befristungsgesetz
(TzBfG) notwendig.
Häufig wird übersehen, dass
auch die Befristung einzelner Arbeitsbedingungen in ansonsten unbefristeten Arbeitsverträgen nicht
einschränkungslos möglich ist.
Zwar gehen die Gerichte davon aus,
dass auf die Befristung einzelner
Arbeitsbedingungen, wie beispielsweise einer Arbeitszeiterhöhung,
die Regelungen des TzBfG nicht
anwendbar sind. Das Landesarbeitsgericht Köln (LAG) hat jedoch
in einer aktuellen Entscheidung die
Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) bestätigt, wonach
derartige Befristungen regelmäßig
einer AGB-rechtlichen Inhaltskontrolle unterliegen. Im Rahmen der
Prüfung wird darauf abgestellt, ob
die Befristung den Arbeitnehmer
unangemessen benachteiligt. Im
Rahmen der Angemessenheitskon-
ten Arbeitsvertrages nicht rechtfertigen würden.
Die aktuelle Entscheidung stellt
am Beispiel der Arbeitszeiterhöhung
dar, dass eine unangemessene Beteiligung im Regelfall jedenfalls dann
ausgeschlossen ist, wenn die Um-
Foto: © Calado - Fotolia.com
trolle sind die Interessen beider Parteien unter Berücksichtigung aller
Umstände des Einzelfalles abzuwägen. Grundsätzlich kann damit eine
Befristung einzelner Arbeitsbedingungen aus Gründen angemessen
sein, die eine Befristung des gesam-
stände auch eine Befristung eines
gesamten Arbeitsvertrages rechtfertigen würden. Die Gerichte gehen
jedoch davon aus, dass bei Arbeitszeiterhöhung in erheblichem Umfang, trotz Unanwendbarkeit des
TzBfG, auch für die Befristung von
Arbeitsbedingung das Vorliegen
eines sachlichen Grundes notwendig ist. Wo die Schwelle dieser erheblichen Beeinträchtigung beginnt, wird nicht konkret beziffert. Die
aktuelle Entscheidung stellt jedoch
fest, dass bei einer Verdopplung der
Arbeitszeit die Erheblichkeitsgrenze jedenfalls überschritten ist.
Für die Praxis ist deshalb zu
empfehlen, bereits beim Abschluss
befristeter Arbeitsbedingungen auf
die sachliche Begründung zu achten und diese zu dokumentieren.
Aus Gründen der Rechtssicherheit
sollte man sich trotz Unanwendbarkeit an den Regeln des TzBfG
orientieren. In Bezug auf Arbeitszeiterhöhungen kommt als Begründung vor allem die Vertretung von
verhinderten Kollegen in Betracht.
Fragen an:
RA Boris Behringer
Tel.: +49 711 21050-22
behringer@suedwesttextil.de
Haftung des Auftraggebers im Rahmen des Mindestlohngesetzes
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat in
einem nicht öffentlich zugänglichen
Frage-Antwort-Katalog weitere
Anhaltspunkte zur Auslegung des
Mindestlohngesetzes (MiLoG)
geliefert. Zwar stellt das BMAS
klar, dass es keine verbindlichen
Rechtauskünfte erteilt, die Angaben
dienen aber als wichtige Hinweise,
wie unter anderem der Zoll möglicherweise die Kontrollen durchführen wird.
Besonders relevant für alle
Unternehmen ist die Frage, bei
welchen Aufträgen im Rahmen
von Werk- oder Dienstleistungen
der Auftraggeber für die Zahlung
des Mindestlohns durch beauftragte
Unternehmer an deren Arbeitnehmer haftet. Im MiLoG wird hierzu
grds. auf die entsprechende Vorschrift des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes (AEntG) verwiesen. Es
ist jedoch unklar, ob die einschränkende Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) zu einer alten
Fassung des AEntG so noch für die
neue Fassung des AEntG und auch
für das MiLoG Geltung findet. Das
BMAS hat dies nun ebenfalls so befürwortet.
Hierzu wurde die Frage gestellt,
ob auch bei der Beauftragung eines
Sanitärbetriebs mit Reparaturen
an den Sanitäranlagen durch ein
Unternehmen des produzierenden
Gewerbes zu haften ist. Das BMAS
hat in diesen Fällen eine Haftung
abgelehnt, da keine eigene vertragliche Verpflichtung weitergegeben
wurde. Dies gilt erst Recht, wenn
das Sanitärunternehmen seinerseits
Unternehmen mit vollkommen anderen Leistungen beauftrage, bspw.
Steuerberater, ohnehin sei keine
Subunternehmerkette gegeben.
Als weitere Beispiele für nach
dieser Rechtsprechung von einer
Haftung nicht erfasste Konstellationen wurden explizit folgende
Beauftragungen genannt: den Bau
einer neuen Halle durch einen Automobilhersteller, die Reparatur der
Kaffeemaschine in einer Werkstattküche durch einen Werkstattmeister
oder den Postzustelldienst mit dem
Austragen von Rechnungen durch
einen Rechtsanwalt. Das BMAS
hat hiermit die für die Unternehmen sehr positive Übertragung der
einschränkenden Rechtsprechung
des BAG zu der Auftraggeberhaftung ebenfalls vertreten.
Zusammenfassend kann man
sagen, dass auch nach Ansicht des
BMAS das Haftungsrisiko nur
derjenige tragen soll, der eigene
vertragliche Verpflichtungen gegenüber anderen durch Dritte (mit)
abwickeln lässt.
Fragen an:
RAin Hannah Bussmann
Tel.: +49 711 21050-19
bussmann@suedwesttextil.de
Aktuelle Steuer-Nachrichten
Die erste Ausgabe der Steuernachrichten des Jahres geht nochmals ausführlich auf das vom Bundestag beschlossene Zollkodex-Anpassungsgesetzt
ein. Daneben findet das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom
17. Dezember letzten Jahres zur Erbschafts- und Schenkungssteuer seine
ausführliche Erläuterung. Gleichzeitig hat das Bundesverfassungsgericht
deren weitere Anwendung bis zu einer Neuregelung angeordnet und
den Gesetzgeber verpflichtet, eine Neuregelung spätestens bis zum
30. Juni 2016 zu treffen.
Im Mitgliederbereich von Südwesttextil kann die aktuelle Ausgabe der
Steuernachrichten als pdf-Datei heruntergeladen werden.
10 Technik + Umwelt
SÜDWESTTEXT
Auf Messers Schneide
Europas Textiler geraten bei der öl-,
wasser- und schmutzabstoßenden
Funktionalisierung von Textilien
zunehmend ins Hintertreffen. Die
aktuellen Entwicklungen im Bereich der EU-Stoffpolitik stellen
Europas Textiler vor große Schwierigkeiten. Selbst nach jahrelanger
Forschung und unzähliger Industrieversuche können im Bereich der
technischen Textilien die alternativ
zu C8-Fluorcarbonprodukten entwickelten C6-Fluorcarbonprodukte
häufig noch nicht überzeugen.
Die Herstellung und der Vertrieb von C8-Rohstoffen und Folgeprodukten sollte nach dem in
2006 beschlossenen Fahrplan des
US-amerikanischen Environmental
Protection (EPA) Agency-Stewardship-Programms in 2015 endgültig
eingestellt werden. Vor allem in
China und Taiwan wurde jedoch
im letzten Jahrzehnt die Produktion
von C8-Produkten bzw. -Rohstoffen
stark forciert.
Aufgrund der Effektmängel bei
den C6-Alternativprodukten und
der Reindustrialisierungsbemühungen der USA mehren sich die
Anzeichen, dass es auch dort nicht
zu einem völligen Ausstieg aus
der C8-Chemie kommt. Dies gilt
insbesondere für militärische genutzte Textilanwendungen. Die europäische Chemikalienpolitik setzt
hingegen den stringenten Kurs fort
und plant mit weitgehenden PFOARestriktionen einen völligen Ausstieg aus der C8-Chemie ab 2016.
Die Zukunft der im letzten Jahrzehnt alternativ entwickelten C6Chemie wird in dem vor Weihnachten veröffentlichten PFOA-Dossier
der ECHA durch einen Grenzwert
Termine
anzustreben. Zunächst sollte eine
sich am technischen Fortschritt
orientierte fortschreitende Produktumstellung auch in Europa möglich sein, die in ganz bestimmten
von 2 ppb der auf der Nachweis- Teilbereichen die Verwendung von
Stefan Thumm
Verband der Bayerischen
grenze eingestellt
gleich mit C8-Chemie weiter
ermöglicht,
soTechnik,
Umwelt & Innovation
Textil-ist
und Bekleidungsindustrie
in Frage gestellt. Eine solche Ent- lange keine wirklichen technischen
Mobil: +49 151 28109045
wicklung wird neben
der bereits Alternativen vorhanden
sind. Diese
s.thumm@vtb-bayern.de
Verband der Südwestumwelt@suedwesttextil.de
deutschen
Textilund
REACH-mitinduzierten Farbstoff- Möglichkeit besteht
bei REACH.
umwelt@gesamtmasche.de
Bekleidungsindustrie
krise und der CLP-Neueinstufung
Dies bedeutet Chancengleichvon Formaldehyd
etc. abermals
heit für Europas Textiler und beGesamtverband
der deut01/2015
schen Maschenindustrie
weitreichende Folgen
für die Textili- wirkt nicht nurRundschreiben
die Verlagerung
19.
Januar
2015
ndustrie in Europa mit sich bringen. von Produktion außerhalb Europas,
Da die C8-Produkte ab diesem sondern auch wirkliche VerbesseAuf des Messers Schneide
Zeitpunkt nicht mehr anwendbar rungen für die globale Umweltsiwären,
müsste
dieund
Veredelung
die- tuation.
Sehr
geehrte
Damen
Herren,
ser Textilien verlagert werden. Das
Europas Textiler geraten bei der öl-, wasser- und schmutzabstoßenden Funktionalisierung
kann nicht die Lösung für die glovon Textilien zunehmend ins Hintertreffen. Die spezifische Fragen
Umweltthematik
im Bereich der
an:
bale Umweltsituation
und die eurowasser-,
öl- und schmutzabstoßenden
Ausrüstung ist ein Dauerbrenner
der Textilindustrie.
Dipl.-Ing.(FH)inStefan
Thumm
päische Textilindustrie sein.
151 281
090 45dieser
Die aktuellen
Entwicklungen
Bereich der EU-Stoffpolitik Tel.:
und +49
besonders
bezüglich
Die Lösung
liegtimvielmehr
umwelt@suedwesttextil.de
Thematik stellen Europas Textiler vor große Schwierigkeiten.
Neben einer Verschlechterung
darin
ein
pragmatisches
Vorgehen
der globalen Gesamtumweltbilanz stehen in Europa tausende Jobs auf der Kippe. Deutschland wird seine globale Spitzenposition als Weltmarktführer bei den technischen Textilien so
wohl nicht mehr halten können.
Termin vormerken
Januar 2015 I Nr. 88
Technische Alternativen zur C8-Fluorcarbonchemie fehlen häufig
Auch nach jahrelanger Forschung und unzähliger Industrieversuche können im Bereich der
technischen Textilien die alternativ zu C8-Fluorcarbonprodukten entwickelten C6-Fluorcarbonprodukte häufig noch nicht überzeugen. C8-Produkte sind hier noch immer das Maß der
Dinge und an diesem Standard der Technik orientieren sich die Gesetzes- und Kundenanforderungen.
Umweltaussprache
Weltweit haben Textiler bei der Umstellung von der C8- auf die alternative C6-Chemie im
Bereich der technischen Textilien große Schwierigkeiten, die geforderten Standards zu erfüllen. Daher sind auf der C8-Chemie basierende Produkte in diesen Bereichen nach wie vor
weltweit im Einsatz.
19. März 2015,
Landgasthof Hotel Linde, Günzburg
Jetzt anmelden unter www.suedwesttextil.de/veranstaltungen, dick@suedwesttextil.de oder +49 711 21050 - 11
Gatex
Vom 9. bis 13. März findet das fünftägige Seminar „Textiles Grundwissen
für Kaufleute und Auszubildende“ in
der Gatex in Bad Säckingen statt. Der
Kurs richtet sich an die Mitarbeiter
der Textil- und Bekleidungsindustrie,
des Textilmaschinenbaus sowie an
die Zulieferindustrie. Die Teilnehmer
erhalten einen Überblick über die
Entstehung von Textilien und können
so deren Qualität besser bewerten
und bei Bedarf fachkundiger beraten. Anmeldung unter www.
suedwesttextil.de/veranstaltungen.
Anwenderforum Smart Textiles
Vom 11. bis 12. März 2015 veranstalten das Forschungskuratorium
Textil, das ITV Denkendorf und das
TITV Greiz das Anwenderforum
Smart Textiles. Gegenwärtig gibt
es eine Vielzahl an Forschungsprojekten, die zahlreiche Branchen
nutzen können. Die Veranstaltung
informiert die Industrie über diese
Entwicklungen und zeigt die parktische Umsetzung. Das interdisziplinäre Forum gibt Anregungen für
neue Produkte, Dienstleistungen
und Technologien. Am ersten Tag
steht ein Besuch bei der Festo AG
und Co. KG auf dem Programm.
Impulsvorträge, Ausstellung und
„Flugshows“ zum Thema Bionik
zeigen, wie Ideen und Visionen
Wirklichkeit werden. Weitere Infos
und Anmeldung unter www.itvdenkendorf.de/anwenderforum.
Save the Date
Am 25. März 2015 veranstalten
die Branchennetzwerke AFBW
und CCeV zusammen mit dem
ITV Denkendorf im Haus der Wirtschaft in Stuttgart die Fachtagung
„Composite Recycling“. Namhafte
Referenten stellen Lösungen für
das fachgerechte Recycling von
Composite Materialien vor und
nehmen dabei die in der Branche
viel diskutierten Themen Ökobilanzierung, Cradle-to-Cradle, Kosten
und Nachhaltigkeit in den Blick.
Eine begleitende Foyerausstellung
rundet das hochkarätige Fachprogramm ab und bietet die Möglichkeit
zur ergänzenden Information im
Gespräch mit Unternehmen und
Forschungseinrichtungen. Weitere
Informationen und Anmeldung
unter www.afbw.eu.
Technik + Umwelt 11 SÜDWESTTEXT
Januar 2015 I Nr. 88
BioGlizz: Gleitsportspaß auf „grünem Schnee“
Skifahren, Rodeln und Snowboarden machen
Spaß und halten fit. Diese Gleitsportarten werden üblicherweise auf Schnee ausgeübt – und
der ist häufig Mangelware. Wer in schneearmen Gebieten wohnt, muss in die Berge fahren
– und selbst da wird die weiße Pracht knapp.
Durch den Klimawandel werden
die natürlichen Schneegebiete
kleiner und sind jedes Jahr immer
kürzer nutzbar. Bisher sorgten
nur künstliche Alternativen wie
Kunstschnee, Skihallen und polyacrylbasierte Gleituntergründe
für Abhilfe. Doch ob in IndoorSchneehallen oder in den Alpen:
Schneekanonen, die künstlichen
Schnee herstellen, verbrauchen
viel Energie und Wasser, was die
Umwelt belastet.
Eine ökologisch verträgliche
Alternative sind die Algen. Der
Organismus, der im Wasser manchem lästig ist, könnte bald für
„grünen Skispaß“ sorgen. Dabei
bilden leicht nachwachsende Algen auf textilem Trägermaterial
die Gleitschicht für verschiedene
Sportarten.
Ob diese Idee technisch, organisatorisch und wirtschaftlich
der Technischen Universität Dresden und der BASF Polyurethanes
GmbH.
Die biologische Alternative zu
künstlich erzeugtem Schnee soll
verschiedene Arten von Gleitsport
an nahezu jedem Ort der Erde ermöglichen und dabei die Umwelt
erheblich weniger belasten als bis-
den Bewegungsmangel in der
Bevölkerung und den daraus resultierenden Erkrankungen entgegengewirkt wird, was wiederum
die öffentlichen Kassen entlastet.
Die bisherigen Untersuchungen an den algenbewachsenen
Textilien sind vielversprechend.
Mit Hilfe von Biotechnologie
könnte eine neuartige LifestyleAnwendung mit großem Marktpotenzial geschaffen werden.
ITV Denkendorf
Vision einer BioGlizz-Anlage
Foto: innovationsmanufaktur
machbar ist, prüft derzeit das Institut für Textil- und Verfahrenstechnik ITV Denkendorf gemeinsam
mit der Innovationsmanufaktur
GmbH, dem Institut für Lebensmittel- und Bioverfahrenstechnik
Nachhaltige Nano-Innovationen: Tipps für Unternehmen
Die Empa, das interdisziplinäre
Forschungsinstitut des ETH-Bereichs für Materialwissenschaften
und Technologieentwicklung aus
der Schweiz, hat im Rahmen
des EU-Projektes „LICARA“
zusammen mit der holländischen
Den Leitfaden gibt es zum Download
Forschungsinstitution TNO, dem
unter http://www.empa.ch/licara – und
Nano-Cluster-Bodensee und
den Link zum „LICARA nanoSCAN“.
sechs weiteren Partnern aus
der Industrie einen Leitfaden für
kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zum Thema Nanomaterialen
herausgegeben. Er liefert Antworten auf die Fragen:
• Wo und wie können Nanomaterialien nützlich sein?
• Was sind nanospezifische Risiken für Mensch und Umwelt?
• Welche gesetzlichen Grundlagen gibt es?
• Wie nachhaltig sind Nanoprodukte?
Ergänzend zum Leitfaden steht ein Excel-Tool, der „LICARA nanoSCAN“
zur Verfügung, um Nutzen-Risiko-Abwägungen mit Nanomaterialien
semi-quantitativ zu illustrieren.
her üblicher künstlicher Schnee.
BioGlizz soll kostengünstig und
leicht zugänglich sein, damit sie
nahezu alle Menschen nutzen
können. Dies hätte den positiven
Nebeneffekt, dass dem wachsen-
Algenschicht auf textilem Trägermaterial
Foto: ITV Denkendorf
Fiber Highlights 2014
FIBER hIghlIghts 2014
AFBW – MEHRWERt DURCH NEtZ WERK
Foto: AFBW
Zum dritten Mal hat die Allianz
Faserbasierter Werkstoffe BadenWürttemberg (AFBW) die Höhepunkte und Neuigkeiten aus einem
Kalenderjahr zusammen gefasst.
Die Fiber Highlights 2014 geben
einen kurzen Überblick über das
vielfältige Leistungsspektrum des
Clusters. Mit seinen Projekten und
Veranstaltungen ist es eine Anregung für 2015 durch das Netzwerk
in ein innovatives Geschäftsjahr
aufzubrechen.
Die Herausforderungen für die Textil- und Bekleidungsindustrie werden
durch den zunehmenden Wettbewerbsdruck weiter steigen. Innovatives
Querdenken und erfolgreiche Netzwerke helfen, in diesem Wettbewerb
zu bestehen. Unter diesem Gesichtspunkt bietet das landesweite Cluster
mit seinen technologischen Möglichkeiten einen Mehrwert.
Die Fiber Highlights 2014 können bei der AFBW unter ulrike.moeller@
afbw.eu angefordert werden.
12 Zu guter Letzt
SÜDWESTTEXT
Januar 2015 I Nr. 88
JETZT
ANMELDEN!
Seminarkalender 1. Halbjahr
2015
Textile Prüfungen
Termin
1. Modul
3. – 4. Februar 2015
Textiles Grundwissen für
Kaufleute und Auszubildende
Termin
9. – 13. März 2015
Textile Prüfungen
Textile Prüfungen
Termin
2. Modul
14. – 15. April 2015
Termin
3. Modul
5. – 6. Mai 2015
Verantwortung von Führungskräften –
Haftung für Personal und Produktion
Textile Prüfungen
Termin
4. Modul
9. – 10. Juni 2015
Termin
6. Mai 2015
Textiles Grundwissen für
Kaufleute und Auszubildende
iTex-Seminar
Auf Anfrage
Termin
7. – 11. September 2015
www.die-gatex.de
Infotag der Staatlichen Modeschule Stuttgart
Leidenschaft für Mode? Willkommen
zum Infotag in die Staatliche Modeschule
Stuttgart am 27. Februar von 10 bis 19 Uhr.
Präsentationen und Workshops laden
zum Experimentieren und Informieren
über Ausbildungsinhalte und Perspektiven
als Produktentwickler Mode ein. Interessenten können sich selbst vor Ort über
die Ausbildung, das tägliche Schaffen der Absolventen und die Karriere
des Produktentwicklers Mode informieren. Ein vielfältiges Programm,
bestehend aus Präsentationen aktueller
Arbeiten und Projekte, Workshops und
Vorträgen, erwartet den Besucher.
Spontane Rundgänge für Gruppen sind
auf Wunsch jederzeit möglich. Weitere
Inspirationen und Fakten gibt es unter
www.modeschule-stuttgart.de. Bewerbungen für das Wintersemester 2015
Fotos: frankundsteff.de
sind bis zum 13. April 2015 möglich.
Zitat
»Ich bin Europäer, für mich ist Trollinger ein
Edelmost, den man zum Frühstück trinkt.
Der Bordeaux kommt später.«
Günther H.Oettinger, EU-Kommissar für digitale Wirtschaft, am
12. Dezember 2014 beim 74. Schloßgarten-Gepräch in Stuttgart
Impressum
© Alle Rechte vorbehalten. Keine
Vervielfältigung ohne schriftliche
Genehmigung des Herausgebers.
Verband der Südwestdeutschen
Textil- und Bekleidungsindustrie
Südwesttextil e. V.
Kernerstraße 59
70182 Stuttgart
Präsident
Bodo Th. Bölzle
Gestaltung
www.die-wegmeister.com
Hauptgeschäftsführer
Dr. Markus H. Ostrop
Druck
Gress-Druck GmbH,
Fellbach
Postfach 10 50 22
70044 Stuttgart
Telefon +49 711 21050-0
Telefax +49 711 233718
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Inhalt und Layout
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