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Der Winter als Freund und Feind

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Der Winter als Freund und Feind
Der Winter im Gegensatz zu anderen Jahreszeiten.
Nach langer Zeit schwerer Arbeit und frischen Schaffens
bedeutet der Winter für den Landmann eine kurze Zeit der
Erholung und der Ruhe. Betrachten wir einmal des Winters
gute und schlechte Eigenschaften.
Hält der Winter wie in diesem Jahre seinen Einzug mit soviel
Eis und Schnee, bietet er den Menschen Gelegenheit zu
vielen Vergnügungen verschiedener Art. Welche Lust ist es,
auf glatter Schneebahn mit dem Schlitten dahinzusausen! Wie
hell klingt das Geläute, wenn der blanke Rappe die wunderlichsten Sprünge ausführt. Der Fußsack und der warme Pelz,
der fast nur das Näschen frei läßt, schützen die Insassen vor
der grimmigen Kälte.
Auf dem Tiebarg
Wie es die Erwachsenen mit dem Pferdeschlitten, so trieben
es die Kinder mit ihren kleinen Handschlitten. Von kleinen
Hügeln und Abhängen sausen sie wie der Blitz hinab ins Tal.
Ereignet sich dann ein Zusammenstoß zweier Schlitten, so
folgt der erregten Auseinandersetzung wohl eine heftige
Schneeballschlacht.
Auf der glatten Eisdecke des Teiches geht es nicht minder
lustig her. Der gewandte Schlittschuhläufer macht die
kühnsten Schwenkungen und Drehungen, während ein
weniger geschickter Läufer oft unliebsame Berührungen mit
dem Eise macht.
Der ehemalige Löschteich
Die älteren Leute sehen diesem Leben und Treiben von der
warmen Stube aus zu. Sie lächeln wohl auch über unsere
Mutter Erde, die jetzt, ganz der Modegewohnheit entgegen,
ein weißes Kleid trägt und darum so stattlich aussieht. Die
grünen Zweige der Tanne neigen sich tief unter ihrer
Schneelast und scheinen fast zu ersticken. Das Glitzern der
Eiszapfen, die vom Dache herabhängen, entlockt ihnen wohl
ein leises Frösteln.
Mitten in diese kalte Zeit fällt das schönste Fest des Jahres,
das Weihnachtsfest. Die Freude der Kinder hat keine
Grenzen,
wenn der
Christabend naht.
Auf
den
Weihnachtsmann mit seiner Rute fällt allerdings manch
banger, verstohlener Blick, aber nachdem man durch ein
andächtiges Gebet seine Freundschaft erworben hat und er
die vielen Geschenke unter den Tannen-baum, der in hellem
Licht erstrahlt, gelegt hat, herrscht lauter Freude in allen
Kinderherzen. Die Freude und das Glück der Kinder beglückt
die Eltern mit und ist ihnen Lohn genug für die vielen Arbeiten,
die das Fest verursachte. Dann erklingt wohl von den Lippen
aller das alte und doch ewig neue Lied von der stillen Nacht,
der heiligen Nacht durch den festlichen Raum.
Am Silvestertag und in der Karnevalszeit, die der Weihnacht
folgt, schießt dann wohl der Übermut manchen tollen
Purzelbaum. Waren diese Winterfreuden, diese Winterfeste
auf der guten Seite des Winters zu finden, so wollen wir jetzt
seine Schattenseiten betrachten.
Für manchen Menschen ist der Winter eine harte, an
Entbehrungen reiche Zeit. Stellen wir uns einmal einen
Familienvater vor, der durch den strengen Winter an der
Ausübung seines Berufes gehindert wird. Seine karge
Unterstützung reicht nicht aus, seiner Familie das Notwendige
zu beschaffen. Hungernd und infolge der mangelhaften
Kleidung vor Kälte zitternd, gehen die Kinder morgens in die
Schule. Wird denn noch ein Familienmitglied durch eine
tückische Krankheit aufs Krankenlager geworfen, dann gibt
der geschwächte Körper dem Tode nur wenig Widerstand,
dann wird die Not zum größten Elend. Ratlos steht dann der
Vater da. Er kann seinen Lieben keine warme
Stube bieten, er kann ihnen nicht den Weihnachtstisch
decken, ihm tritt der Winter in seiner wahrhaft schrecklichsten
Gestalt entgegen. Als solchen grausamen, schrecklichen
Gebieter über ihr Wohl und Wehe kennen ihn auch die Vögel
und das Wild. Unsere gefiederten Freunde suchen dann wohl
ihre Nahrung auf den Straßen und auf dem Hofe. Den
wohltätigen Menschen, die ihnen Futter streuen, danken sie
dann im Sommer durch ihren schönen Gesang. Die Not des
Winters sucht der Waidmann durch Anlegung von
Futterplätzen zu mildern. Das ist des Jägers Ehrenschild, daß
er hegt und pflegt sein Wild. Dem Fuchs und seinen
Spießgesellen stellt er in dieser Zeit allerdings eifrig nach. Des
Abends beim Jagdschmaus pflegt er dann sein geliebtes und
berüchtigtes Jägerlatein zu sprechen.
Der Winter dieses Jahres.
In diesem Jahre scheint der Winter seine Geißel sehr lange
auf Mensch und Tier schwingen zu wollen. Im Interesse vieler
Kreise unseres Volkes wäre allerdings zu wünschen, daß er
recht bald Abschied von uns nähme.
Beim Auental nahe der Waldburg
Anmerkungen:
Diese handschriftliche Aufzeichnung ist auf den 14.12.1925
datiert.
Der Verfasser ist unbekannt.
Es dürfte sich um einen Schulaufsatz handeln. Lehrer
Matthias Foderberg stellte gerne solche Aufsatzthemen.
Mit dem Teich ist der ehemalige Löschteich gemeint (jetzt
Haltepunkt für den Schulbus in der Schmalfelder Straße).
Die Fotos sind nachträglich hinzugefügt.
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Seele and Geist
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