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Lachepidemie in Tansania (30.01.1962)

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Manuskript
Das Kalenderblatt
Lachepidemie in Tansania (30.01.1962)
Sendedatum:
Freitag, 30. Januar 2015
Autorin:
Anja Mösing
Redaktion:
Julia Zöller
Sprecher:
Andreas Wimberger
Bayern 2-Hörerservice
Bayerischer Rundfunk, 80300 München
Service-Nr.: 01801/102033 (4 Cent/Min. aus
dem deutschen Festnetz/Mobilfunk max. 42
Cent pro Minute.)
Fax: 089/5900-3862
service@bayern2.de
www.bayern2.de
Dieses Manuskript wird ohne Endkorrektur versandt und darf nur zum
privaten Gebrauch verwendet werden.
Jede andere Verwendung oder Veröffentlichung ist nur in Absprache
mit dem Bayerischen Rundfunk möglich!
© Bayerischer Rundfunk 2015
Seite 1
Einzigartig? Naja, einzigartig sind wir bestimmt schon auch. Also alle. Jeder wenigstens
ein bisschen. Aber noch viel mehr ist der Mensch das Gegenteil:
Ein Nachmacher, ein Abgucker und ein echtes Gruppentier, das ist der Mensch!
Er tickt einfach gern gleich - wurscht wie besonders er sich dabei vorkommt.
Das konnten Forscher in hochkomplizierten Studien beweisen und nennen es dort
angenehm neutral Soziale Ansteckung.
Kichererbsen im Unterricht
Sollte zum Beispiel jemand gerade stolz drauf sein, zwei Kilo abgenommen zu haben,
dann wetten die Forscher, dass dieser Mensch in seiner Umgebung mindestens drei
weitere kennt, die vor Kurzem genau das Gleiche geschafft haben. Wer seine Vorliebe
fürs Stricken oder für Schach entdeckt hat, oder wer über das Gefühl der Einsamkeit
oder Überforderung klagt, der ist mit Sicherheit auch damit nicht allein in seinem
Freundes- und Bekanntenkreis. Er hat sich einfach irgendwo anstecken lassen.
Angeblich überträgt sich Soziale Ansteckung wie ein Virus: von Mensch zu Mensch.
Und wie beim echten Virus ist man sich selten bewusst über den Moment der
Übertragung. Dafür sorgt die soziale Ansteckung oft für Zusammenhalt.
Trotzdem war es seltsam als in einer Mädchenschule das große Lachen ausbrach. Das
war am 30. Januar 1962. Die Schule lag am Viktoriasee im heutigen Tansania, und die
ersten drei Kichererbsen wurden ganz einfach aus dem Unterricht geschickt. Seltsamer
Weise beruhigten sich die Mädchen aber nicht, ihre Lach-Anfälle kamen immer wieder.
Mal für ein paar Minuten, mal für Stunden. Und bald kichert sie nicht nur, sie weinten,
schrien, rangen um Luft und kämpften mit Angst und Ohmacht.
Trotzdem muss das Lachen dieser Mädchen unglaublich ansteckend gewesen sein.
Nach einigen Tagen waren schon knapp 100 Mitschülerinnen angesteckt. Der
Schulleitung wurde es zu bunt. Schließlich konnten die Lehrer die Mädchen ja nicht
wieder und wieder aus der Klasse schicken.
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Seite 2
Sie schlossen die Schule kurzerhand, und die Schülerinnen gingen heim. Immer wieder
von Lach-Anfällen gebeutelt kamen sie zu ihren Familien, in oft weit entfernt liegende
Dörfer. So verbreiteten die Mädchen die Lach-Epidemie im ganzen Land.
Vergangenheit weglachen
Mehr als 1000 Menschen waren bald von dieser merkwürdigen Krankheit befallen, die
den Erwachsenen einige Sorgen machte. Niemand konnte sagen, warum fast nur
Mädchen und junge Frauen betroffen waren, warum sich in ihrem Blut keine Erreger
fanden, und warum die Lachanfälle einfach nicht aufhören wollten. In einigen Regionen
hielt sie sich fast ein Jahr! Wilde Gerüchte kursierten, von Lebensmittelvergiftung bis
zum Einfluss der Atombombenabwürfe war alles dabei. Nichts war stichhaltig.
Inzwischen haben Soziologen, Psychologen, Mediziner und Politologen, das für sie
hochinteressante Phänomen der Lachepidemie erforscht und sie glauben, dass die
besondere Situation im Land ausschlaggebend war: Die Menschen in Tansania waren
ihre Kolonialmacht erst ein Jahr lang los, und es lag viel Aufbruch, viel Erwartung, viel
Unsicherheit kurz: viel Stress in der Luft. Sich einfach vom großen Lachen anstecken
zu lassen - auch wenn‘s auf die Dauer weh tat - muss unglaublich befreiend gewesen
sein. Versteht jeder, der einmal die Wirkung eines zündenden Witzes in betretener
Runde genossen hat.
Ein Hoch auf das Lach-Virus!
Musikakzent
Das war das Kalenderblatt, heute von Anja Mösing. Es sprach Andreas Wimberger.
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Seele and Geist
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