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„gesundheit!“
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Zuzahlungen und Belastungsgrenzen in der gesetzlichen Krankenversicherung
Stand Januar 2015
Mit der Gesundheitsreform von 2004 sind alte Zuzahlungen erhöht und neue in der gesetzlichen Krankenversicherung eingeführt worden. Eine individuelle Belastungsgrenze von zwei Prozent des zur Verfügung stehenden Bruttoeinkommens zum Lebensunterhalt sollte nicht
überschritten werden. Denn Versicherte sollen nicht
„über Gebühr belastet werden“.
Doch ganz so einfach ist es in der Realität nicht: Gesundheitskosten können durchaus die zwei Prozent (bei chronisch Kranken ein Prozent) überschreiten, denn „gezählt“
werden nur die Zuzahlungen, nicht die Eigenanteile.
Welche Zuzahlungen werden bei der Belastungsgrenze
angerechnet?
 Kosten bei Arznei- und Verbandmitteln,
 Zuzahlungen zu Heil- und Hilfsmitteln, wie etwa Hörhilfen, Rollstühlen oder Gehhilfen,
 Zuzahlungen bei Krankenhausaufenthalt, bei der
stationären Vorsorge oder Rehabilitation,
 bei einer Soziotherapie, bei Inanspruchnahme häuslicher Krankenpflege oder bei einer Haushaltshilfe.
Keine Anrechnung von „Eigenanteilen“
Alle sogenannten „Eigenanteile“, wie etwa beim Zahnersatz oder Arzneimitteln, werden bei der Belastungsgrenze allerdings nicht berücksichtigt. Kosten für Gesundheit, die gar nicht mehr im Leistungskatalog der Krankenversicherung zu finden sind, wie etwa eine neue Brille,
nicht verschreibungspflichtige Medikamente, wie Schnupfen- oder Grippemittel oder Verhütungsmittel für Frauen
werden auch nicht mitgezählt.
Preise vergleichen lohnt sich
In jedem Fall lohnt es sich, die Preise von Medikamenten zu vergleichen – egal ob rezeptpflichtig oder rezeptfrei. Schließlich hängt die Höhe der Zuzahlung vom
Preis des Medikaments ab. Zögern Sie also nicht, Ihren
Arzt oder Apotheker auch nach preiswerteren vergleichbaren Medikamenten zu fragen. Für viele Medikamente
gibt es zudem zuzahlungsfreie Alternativen.
Keine Zuzahlungen bei Kindern
 Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren fallen
keine Zuzahlungen an!
So berechnen Sie Ihre Belastungsgrenze
Maßgeblich sind die Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt aller in einem Haushalt lebenden Personen.
Dazu gehören unter anderem der Lohn oder die Rente,
Einnahmen aus Vermietung oder Verpachtung, Abfindungen, Betriebsrenten, Sozialhilfe und auch Unterhaltszahlungen (alle wiederkehrenden Bezüge und
geldwerten Zuwendungen). Davon können Kinderfreibeträge von 7.008 Euro pro Kind und der Freibetrag für
den Ehepartner oder Lebenspartner von 5.103 Euro
abgezogen werden.
Belege immer aufbewahren
Sammeln Sie alle Zuzahlungsbelege, die in der Familie
anfallen und gleichen Sie deren Summe mit Ihrer persönlichen Belastungsgrenze ab. Dabei lohnt es sich, die Frage
der Härtefallregelung zu prüfen und die Belastungsgrenze
mit möglichen Freibeträgen genau zu berechnen.
Beispiel 1: Familienhaushalt
Mit zwei Kindern, jährliche Bruttoeinnahmen aus einem
Erwerbseinkommen in Höhe von 40.000 Euro, keine
chronischen Erkrankungen.
Berechnung Belastungsgrenze:
40.000 Euro minus 19.119 Euro = 20.881Euro
(Abzug Freibetrag Ehepartner = 5.103 Euro, Freibeträge Kinder = 7.008 Euro x 2 = 14.016 Euro)
2 Prozent von 21.007 Euro = 417,62 Euro pro Jahr.
Beispiel 2: Singlehaushalt
Jährliche Bruttoeinnahmen in Höhe von 40.000 Euro.
Berechnung Belastungsgrenze: Zwei Prozent von
40.000 Euro = 800 Euro pro Jahr.
Das sollten Sie tun
Addieren Sie ihre gesammelten Zuzahlungsbelege zu
einem Gesamtbetrag und gleichen Sie diese mit ihrer persönlichen Belastungsgrenze ab. Bei der genauen Ermittlung Ihrer Belastungsgrenze hilft Ihnen Ihre Krankenkasse.
Für Versicherte, die Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II oder
Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung
beziehen, wird als Belastungsgrenze der Regelsatz des
Haushaltsvorstandes für die Berechnung berücksichtigt.
Dies entspricht 93,84 Euro pro Jahr (zwei Prozent).
„gesundheit!“
Achtung: Sie sollten darauf achten, dass Ihre Zuzahlungsbelege folgende Angaben enthalten:
 den Vor- und Zunamen des Versicherten,
 die Art der Leistung (z. B. Arzneimittel, Hilfsmittel),
 den Zuzahlungsbetrag,
 das Datum der Abgabe,
 die abgebende Stelle (z. B. Apotheke).
Haben Sie Ihre Belastungsgrenze erreicht oder bereits
überschritten, können Sie sich bei Ihrer Krankenkasse auf
Antrag von weiteren Zuzahlungen im laufenden Kalenderjahr befreien lassen.
Achtung: Ihre Krankenkasse informiert Sie nicht automatisch, wenn Sie Ihre Zuzahlungsgrenze erreicht haben! Ihre
Krankenkasse prüft den Antrag und stellt Ihnen einen Befreiungsbescheid aus. Wenn Sie diesen zum Beispiel beim
Arzt, in der Apotheke oder im Krankenhaus vorlegen,
müssen Sie keine weiteren Zuzahlungen mehr leisten.
Achtung: Der Bescheid gilt nur für das laufende Kalenderjahr!
Wenn die addierten Zuzahlungen bereits oberhalb Ihrer
Belastungsgrenze liegen, erstattet Ihnen die Krankenkasse
den zu viel gezahlten Betrag zurück.
Achtung: Einen Anspruch auf Rückerstattung können Sie
auch noch im Folgejahr geltend machen! Wer bereits zu
viel gezahlt hat, erhält den überschüssigen Betrag von seiner Krankenkasse zurück. Allerdings müssen Sie selbst
aktiv werden.
Über Bonusprogramme der gesetzlichen Krankenkassen
können Versicherte für gesundheitsbewusstes Verhalten
finanziell belohnt werden und Ermäßigungen bei den Zuzahlungen oder Beiträgen erhalten.
Sonderregelung: chronisch Kranke
Für „chronisch Kranke“ liegt die Belastungsgrenze lediglich bei einem Prozent der Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt. Doch wer als „chronisch krank“ gilt, muss
gleich mehrere Bedingungen erfüllen.
Als erstes Kriterium gilt, dass Sie mindestens ein Jahr lang
einen Arztbesuch pro Quartal wegen derselben Krankheit
nachweisen müssen.
Zudem müssen Sie zusätzlich eines der folgenden Kriterien
erfüllen:
 Entweder es liegt eine Pflegebedürftigkeit der Pflegestufe 2 oder 3 vor,
 oder es liegt ein Grad der Behinderung oder eine Erwerbsminderung von mindestens 60 Prozent vor,
 oder es ist eine kontinuierliche medizinische Versorgung notwendig, ohne die nach ärztlicher Einschätzung eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität zu erwarten ist.
Das Besondere ist in diesem Fall, dass die Belastungsgrenze dann auch für alle mitversicherten Familienmitglieder gilt, abzüglich der Freibeträge. Und sie gilt
ebenfalls, wenn diese bei einer anderen gesetzlichen
Krankenkasse versichert sind.
Weitere Informationen
 Fragen zur steuerlichen Anrechnung von Gesundheitskosten beantworten Ihnen unsere
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Steuerberatung der Arbeitnehmerkammer
in Bremen, Tel. 0421/36301-40,
in Bremen Nord, Tel. 0421/66950-0 und
in Bremerhaven, Tel. 0471/ 92235-0.
 Detaillierte Informationen zu den Zuzahlungsregelungen erhalten Sie unter
www.bmg.bund.de oder bei Ihrer Krankenkasse.
 Ihre Krankenkasse hilft Ihnen auch bei der genauen
Berechnung Ihrer Bruttoeinnahmen und der für Sie
gültigen Belastungsgrenze. Einen Zuzahlungsrechner zur Ermittlung Ihrer Belastungsgrenze bietet
zum Beispiel die Homepage des AOK Bundesverbandes unter www.aok.de an. Auch andere
Krankenkassen wie die Ersatz- und Betriebskrankenkassen bieten ihren Versicherten einen Zuzahlungsrechner an.
 Einzelfragen rund um das Thema Zuzahlungen beantwortet Ihnen das Bürgertelefon zur gesetzlichen
Krankenversicherung des Bundesministeriums für
Gesundheit unter 030 / 340 60 66 – 01
(Gebärdentelefon ISDN-Bildtelefon:
030 / 340 60 66 – 08)
 Eine detaillierte Aufstellung der Zuzahlungs- und
Finanzierungsregelungen in der gesetzlichen Krankenversicherung finden Sie in einem „Infoblatt zu
den Zuzahlungsregelungen der gesetzlichen Krankenversicherung“ des Bundesministeriums für Gesundheit. Als Download unter www.bmg.bund.de
erhältlich.
Unter Mitwirkung
von Miriam Craß
> Impressum
Arbeitnehmerkammer Bremen
Bürgerstr. 1, 28195 Bremen
Arbeitsschutz- und Gesundheitspolitik
Barbara Reuhl 0421 / 363 01-991
Carola Bury 0421 / 363 01-990
gesund@arbeitnehmerkammer.de
www.arbeitnehmerkammer.de
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