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Infoblatt vom 28.01.2015 - rbb Rundfunk Berlin

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rbb PRAXIS sucht Ihre Krankengeschichte!
Sie haben gesundheitliche Beschwerden? Sie sind schon bei verschiedenen Ärzten
gewesen und haben immer noch keine klare Diagnose? Sie wären bereit, sich einer LiveDiagnose im Studio zu unterziehen? Sie wohnen in Berlin oder Brandenburg? Wir
können Ihnen vielleicht helfen.
Dann bitten wir Sie, uns kurz Ihre Krankengeschichte zu schildern und Kopien Ihrer
Arztbefunde zu schicken. Wenn möglich, legen Sie bitte ein Foto von sich bei.
Wir arbeiten mit einer Reihe von Ärzten zusammen, die zur Live-Diagnose zu uns ins
Studio kommen. Vielleicht finden wir Ärzte, die Ihnen helfen könnten.
Schreiben Sie uns eine E-Mail und schicken Sie Arztbefunde als Anhang an:
praxis@rbb-online.de
oder schicken Sie uns alles per Post an:
Redaktion rbb PRAXIS
Masurenallee 8-14, 14057 Berlin
rbb Praxis – Das Gesundheitsmagazin
am 28.01.2015, 20.15 – 21.00 Uhr
Die Themen:
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Lebensgefahr: Darmdurchbruch
Kniegelenkarthrose – was tun, wenn der Knorpel schwindet?
Computerspiele auf Rezept - internetbasierte Behandlung bei Sehschwäche
Krankenhauserreger – wie schützen sich unsere Kliniken?
Lebensgefahr: Darmdurchbruch
Auch wenn die Schmerzen noch so groß sind: Viele Patienten versuchen möglichst
lange, den Weg ins Krankenhaus zu vermeiden. Doch das kann fatale Folgen haben:
Denn im Notfall entscheiden nur wenige Minuten zwischen Leben und Tod. Bei einem
Herzinfarkt etwa oder bei einem Schlaganfall. Doch auch starke Schmerzen im
Bauchraum können ein Anzeichen für akute Lebensgefahr sein.
Durchfall, Bauchgrummeln, ein zunehmend dicker Bauch: Beschwerden wie diese sind
lästig, meist aber harmlos. Doch mitunter steckt dahinter eine ernstzunehmende
Notfallsituation. Die Anzeichen können Vorboten eines lebensbedrohlichen
Darmverschlusses sein, der sofort im Krankenhaus behandelt werden muss.
Ein Darmverschluss ist ein Vorgang, bei dem die Darmpassage aus verschiedenen
Gründen unterbrochen ist. Einerseits kann eine funktionelle Störung vorliegen. Ursache
könnte dann beispielsweise eine fehlende Muskeltätigkeit im gelähmten Darm sein.
Experten sprechen von einem paralytischen Darmverschluss (paralytischer Ileus).
Andererseits kann der Darmverschluss aber auch mechanisch bedingt sein, so zum
Beispiel durch Verwachsungen nach einer Operation, durch einen Tumor
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(Kolonkarzinom) oder durch einen großen Gallenstein. Bei einem mechanischen Ileus
gibt es also ein Hindernis im Darm, das den Darminhalt am Fortkommen hindert. Ein
häufiger Grund für einen mechanischen Darmverschluss sind auch Ausstülpungen der
Darmwand. Diese sogenannten Divertikel bleiben oft jahrelang unbemerkt. Denn sie
verursachen weder Schmerzen noch sind sie, wie beispielsweise Polypen, Vorboten von
Krebs.
Am häufigsten entwickeln sich Divertikel als pilz-, birnen- oder sackförmige
Ausstülpungen in der Wand des Dickdarms. Sie deuten sich mitunter durch wiederholt
auftretende Verdauungsprobleme wie Verstopfung und Blähungen an. Meist bleiben
Divertikel aber völlig symptomlos. Sind mehrere Divertikel vorhanden, sprechen
Experten von Divertikulose. Wer prinzipiell abchecken lassen will, ob er Divertikel im
Darm hat, kann beim Internisten eine Darmspiegelung vornehmen lassen.
Wird eine beschwerdefreie Divertikulose diagnostiziert, raten Experten zunächst zu
einer Ernährungsumstellung: Statt Weißbrot und industriell hergestellten Lebensmitteln
empfehlen sie eine ausgewogene und ballaststoffreiche Kost, viel Flüssigkeit, manchmal
zusätzlich Abführmittel. Zudem sollten sich Menschen mit einer Divertikulose viel
bewegen. Da die Divertikel nie wieder von alleine verschwinden, sind eine
Ernährungsumstellung und viel Flüssigkeit wichtige Maßnahmen, um eine Entzündung zu
verhindern.
Bei etwa jedem fünften Betroffenen entwickelt sich aus einer Divertikulose jedoch
irgendwann eine Divertikulitis. Grund sind meist Stuhlreste, die sie sich in den
Ausstülpungen der Darmwand ansammeln und diese verschließen. Eine Divertikulitis
führt zu länger anhaltenden, hauptsächlich im linken Unterbauch angesiedelten
Bauchschmerzen, zu Verstopfung, Durchfällen und Fieber. In seltenen Fällen kommt es
so auch zum Darmverschluss mit nachfolgender Bauchfellentzündung. Typische
Beschwerden des Darmverschlusses sind weiterhin heftige Bauchschmerzen, Übelkeit,
Aufstoßen bis zum Erbrechen von Kot, Blähungen und Stuhlverhalt.
Wird der Betroffene nicht umgehend in der Rettungsstelle der Klinik behandelt, droht
ein Darmdurchbruch. Dabei treten Millionen von Bakterien durch die geplatzte Wand des
Hohlorgans in die freie Bauchhöhle. Der Bauch ist prall angeschwollen und schmerzt
stark. Der Allgemeinzustand des Patienten verschlechtert sich von Minute zu Minute. Es
entwickelt sich ein septisches, hoch infektiöses Krankheitsbild, es geht um Leben und
Tod.
Die Diagnose des Darmverschlusses stellen Notärzte oder Internisten mithilfe einer
ausführlichen Befragung, einer fundierten körperlichen Untersuchung und einer
Röntgen- oder CT-Aufnahme. Beim körperlichen Check suchen die Ärzte den Bauch auf
Narben und Bruchpforten als mögliche Verursacher des Darmverschlusses ab. Zudem
testen sie, ob die Bauchdecke die typische Abwehrspannung des Darmverschlusses
zeigt. Hört der Arzt den Bauchraum mithilfe des Stethoskops ab, kann er zwischen
einem mechanischen oder funktionellen Darmverschluss unterscheiden: Darmgeräusche
weisen eher auf einen mechanischen Darmverschluss hin. Stille im Bauchraum spricht
hingegen für eine Lähmung des Darmes, also für eine funktionelle Ursache. Die Röntgenoder eine CT-Untersuchung geben weiteren Aufschluss über den Zustand im
Darminnern: Sie zeigen typische geblähte Darmschlingen, in denen Flüssigkeit steht. Bei
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Verdacht auf einen Dickdarmverschluss wird zusätzlich ein Einlauf mit einem
Kontrastmittel durchgeführt.
Ist der Darmverschluss bei Diagnosestellung oder Einweisung auf die Intensivstation
bereits weit fortgeschritten, müssen die Operateure mitunter auch Teile des Darms
entfernen. Erfolgt das minimal-invasiv, bekommt der Patient keinen künstlichen
Darmausgang gelegt. Bei einer großen Bauchoperation jedoch legen die Ärzte nach dem
Eingriff oft einen sogenannten Anus praeter in die Bauchwand. Abhängig vom Zustand
des Patienten und der Ausprägung des Notfalls kann dieser künstliche Darmausgang
später wieder zurückverlegt werden. Zudem wird die vereiterte Bauchhöhle gesäubert
und die Patienten erhalten hoch dosiert Antibiotika, um alle Stuhlbakterien in der freien
Bauchhöhle und im Körper restlos abzutöten.
Experte im Studio:
Prof. Dr. Frank Kolligs
Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie am
HELIOS Klinikum Berlin-Buch
Schwanebecker Chaussee 50
13125 Berlin
Tel. 030 - 94 01 526 00
frank.kolligs@helios-kliniken.de
Experten im Beitrag:
Prof. Dr. med. Matthias Pross
Chefarzt der Klinik für Chirurgie
Dr. Martin Bschor
Facharzt für Allgemeine Chirurgie
DRK Kliniken Berlin Köpenick
Salvador- Allende- Straße 2-8
12559 Berlin
Tel. 030 - 3035 3000
Priv.-Doz. Dr. med. Hartmut Kern
Chefarzt
DRK Kliniken Berlin Köpenick
Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie
Salvador-Allende-Straße 2-8
12559 Berlin
Tel. 030 - 3035 3000
Kniegelenkarthrose – was tun, wenn der Knorpel schwindet?
Kerstin Paetsch hat eine Arthrose im Kniegelenk – das weiß sie seit einigen Monaten.
Eine sogenannte Orthese entlastet nun ihr Knie, doch dies ist keine Dauerlösung. Wie
soll es weitergehen? Kann die Arthrose gestoppt, der Knorpel wieder aufgebaut
werden? Oder braucht Kerstin Paetsch doch ein künstliches Kniegelenk? Die rbb Praxis
hilft live im Studio bei der Suche nach dem passenden Weg für ein schmerzfreies Knie.
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Im vergangenen Sommer humpelte Kerstin Paetsch stark und hatte heftige
Knieschmerzen. Viele ergebnislose Arztbesuche lagen hinter ihr. Die rbb-Praxis
vermittelte die 56-Jährige an eine Nuklearmedizinische Praxis. Hier begab man sich
mittels SPECT-CT auf Spurensuche nach einer Diagnose.
Die sogenannte Single-Photonen-Emissions-Computertomografie (SPECT-CT) kombiniert
eine Knochenszintigrafie mit einer Computertomografie. Diese Verbindung zweier
bildgebender Verfahren ermöglicht es, auch entzündliche Veränderungen nachzuweisen.
Eingesetzt wird das moderne Verfahren, wenn die Ursachen für Schmerzen in den
Knochen und Gelenken auf herkömmlichen Röntgenaufnahmen unauffällig bleiben oder
nicht hinreichend dargestellt werden können. Bei entsprechender Indikation wird die
Untersuchung von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt.
Vor der Untersuchung erhält der Patient einen sogenannten radiomarkierten Tracer in
die Armvene. Durch die radioaktive Spur im Körper lässt sich – wie bei Kerstin Patientin
Paetsch zusätzlich zu einem CT-Befund der chronischen Arthrose – eine
krankheitsbedingte Stoffwechselveränderung im Gelenk bildlich darstellen. Endlich
konnten die Experten mithilfe der SPECT-CT bei der Patientin eine klare Diagnose
stellen: Grund für ihre starken Kniebeschwerden war neben der Arthrose vor allem eine
akute Entzündung der Gelenkinnenhaut.
Die Arthrose plagt rund acht Millionen Menschen hierzulande. Kniegelenkarthrose
(Gonarthrose) ist die häufigste Erkrankungsform. Über Jahre reibt sich die schützende
Knorpelschicht im Gelenk ab, meist lange unbemerkt. Auch abgeriebene
Knorpelstückchen können als Fremdkörper im Gelenkinneren stören und zusätzlich
schmerzen. Unter dieser Belastung bilden sich an den Gelenkenden knöcherne Zacken,
sog. Anbauten, welche die Beweglichkeit zusätzlich einschränken. Irgendwann jedoch
macht sich der Schmerz bei jedem Schritt bemerkbar. Die Arthrose folgt oft auf
Überbelastung, Fehlstellungen, Bänder- oder Meniskusrisse oder Knochenbrüche.
Nachweisen kann man die klassischen Zeichen (wie eine Gelenkverschmälerung) im
Ultraschall oder mit bildgebenden Verfahren (Röntgen, Computertomographie,
Kernspintomographie). Bringt all das keine Gewissheit, ist die SPECT-CT ein nächster
möglicher Schritt.
Die Behandlung der chronischen Arthrose erfolgt individuell ganz unterschiedlich. Einige
Patienten erhalten Spritzen ins verschlissene Knie. Künstliche Gelenkschmiere wie
Hyaluronsäure oder entzündungshemmende Corticoide sollen direkt vor Ort Linderung
schaffen. Zudem wirken Schmerzmittel wie Diclofenac oder Ibuprofen offenbar besser
als Paracetamol gegen die Schmerzen. Studien zufolge kann auch die Akupunktur
Schmerzen der Gonarthrose lindern und die Gelenkfunktion verbessern. Die operative
Behandlung mittels einer Gelenkspiegelung wird, wenn möglich, lange herausgezögert.
Sinnvolle gelenkerhaltende Therapien sind unter anderem die Umlagerung der
Kniescheibe oder die Korrektur der Beinachse durch eine Umstellungsosteotomie. Bei
älteren Menschen, wenn der Knorpel mitunter schon komplett verschwunden ist, wird
das Gelenk häufig durch eine Prothese ersetzt.
Besteht zusätzlich eine akute Entzündung, wird neben einer gezielten Schmerztherapie
zunächst eine sogenannte Orthese angepasst. Diese Bandage aus Strickgewebe aus
elastischem Material komprimiert die Kniegelenkregion flächig und entlastet so die
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Innenseite des Knies. Die abgenutzten Gelenkstellen reiben damit weniger stark
aufeinander. Viele Patienten haben zudem das Gefühl, dass das Kniegelenk durch die
Orthese besser gehalten wird. Eingebrachte Silikonpads, Silikonringe oder ähnliche
Materialien verbessern die Führung der Kniescheibe.
Doch die Orthese gilt nur als eine erste und keinesfalls langfristige Maßnahme, um die
Entzündung zurückzudrängen. Eine weitere Therapiemöglichkeit, um die gereizte und
geschwollene Gelenkschleimhaut zu beruhigen, ist die sogenannte Radio-Synoviorthese
(RSO). Diese nuklearmedizinische Gelenktherapie wird seit über 20 Jahren erfolgreich
zur Schmerzbehandlung angewendet. Der Begriff Synoviorthese leitet sich ab von den
griechischen Wörtern „Synovia“ (Schleimhaut) und „Orthese“ (Wiederherstellung).
Gemeint ist eine weitgehende Wiederherstellung der ursprünglichen Gelenkinnenhaut
durch eine lokale Strahlenanwendung.
Bei der RSO erhält der Patient eine Injektion radioaktiver Substanzen in das
schmerzhaft geschwollene und bewegungseingeschränkte Gelenk. So wird die
entzündete Gelenkhaut sozusagen von innen bestrahlt, was eine deutliche
Schmerzreduktion mit sich bringt. Anschließend stellt eine Kontrollaufnahme sicher,
dass sich die radioaktive Substanz wie geplant am Ort des entzündlichen Geschehens im
Knie verteilt. Damit die Lösung sich auch tatsächlich dort sammelt, muss die Extremität
für einen Zeitraum von zwei Tagen mithilfe einer starren Schiene gestreckt gehalten
werden.
Es kann bis zu drei Monaten dauern, bis die Entzündung nach der RSO abgeklungen ist.
In der Zwischenzeit sollten Patienten mit Physiotherapie und auf dem Fahrradergometer
dafür sorgen, dass sie ihre Muskulatur rund um das Kniegelenk wieder stärken und
aufbauen. Bei vielen Patienten ist nach etwa drei Monaten kein Kniegelenkserguss mehr
als Zeichen der akuten Entzündung nachweisbar. Ist die Entzündung hingegen noch
nicht komplett abgeheilt, kann die radioaktive Injektionstherapie wiederholt werden.
Innovativ für die Behandlung der frühen Arthrose ist die sogenannte Kniefeder. Auf dem
Markt ist seit einiger Zeit das „KineSpring System“, eine Entlastungsfeder, die bis zu 13
kg Gewicht absorbiert. Sie wird auf der Innenseite des Knies innerhalb oder außerhalb
des Gelenkes implantiert und entlastet das Knie aktiv während der Standphase des
Gehzyklus. Der Hersteller verspricht, dass die Kniefeder komplett gelenkschonend ist.
Für die Implantation werden weder Knochen noch Bänder oder Knorpel entfernt. Wenn
die Kniefeder nicht hilft, kann sie auch wieder entfernt werden. Bisher haben etwa 1000
Patienten die Feder getestet, belastbare Langzeitdaten fehlen aber noch.
Experten im Studio:
Dr. Alexander Beier
Oberarzt
und Leiter Kniegelenkchirurgie
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Chirotherapie, Sportmedizin
Sana Kliniken Sommerfeld
Klinik für operative Orthopädie
Sana Kliniken Sommerfeld
Waldhausstraße 44
16766 Kremmen OT Sommerfeld
Tel. 033055 - 50
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Oxana Grinin
Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Orthopädische Rehabilitation
Sana Kliniken Sommerfeld
Waldhausstraße 44
16766 Kremmen OT Sommerfeld
Tel. 033055 - 50
Experte im Beitrag:
Dr. Christoph Eglau
Nuklearmediziner
Diagnostisch-Therapeutisches Zentrum (DTZ) am Frankfurter Tor
Nuklearmedizin - Strahlentherapie - Radiochemie
Kadiner Str. 33
10243 Berlin
Tel. 030 - 29 36 97 300
Weiterführende Links:
nuklearmedizin@berlin-dtz.de
https://www.berlin-dtz.de
Computerspiele auf Rezept - internetbasierte Behandlung bei Sehschwäche
Die elfjährige Emma hat wie fünf Prozent aller Kinder in Deutschland eine funktionelle
Sehschwäche auf einem Auge, eine sogenannte Amblyopie. Bisher wurde Kindern das
gesunde Auge zugeklebt, um so das geschwächte zu trainieren. Doch nun gibt es ein
Computerspiel, mit der diese Kinder ihre funktionelle Sehschwäche verbessern können –
und die Computerspiele werden sogar von einigen Krankenkassen bezahlt.
Früher trugen sie schwarze Augenklappen. Heute zieren die Augen oder Brillengläser
betroffener Kinder bunte Abdeckpflaster. Nun soll zusätzlich ein innovatives
Computerspiel gegen die kindliche Schwachsichtigkeit helfen. Die sogenannte Amblyopie
(griechisch für „stumpfes Auge“) tritt bei Kindern auf, wenn deren Gehirn ein Auge
bevorzugt, weil es schärfere Bilder als das andere liefert. Häufig liegt die Ursache darin,
dass die Kinder schielen und dadurch beide Augen unterschiedliche Informationen an
das Gehirn weitergeben. Um Doppelbilder zu vermeiden, blendet das Gehirn dann oft die
Bilder des schlechter sehenden Auges aus und nutzt nur ein Auge. Das zentrale
Nervensystem führt die differierenden Bilder also nicht zu einem Seheindruck
zusammen, sondern vernachlässigt das Auge mit den schlechteren Bildern. Das Sehen
entwickelt sich einseitig – nicht selten hat das vernachlässigte Auge irgendwann nur
noch eine Sehkraft von 50 Prozent. Ein anderer häufiger Grund für eine Amblyopie sind
unterschiedliche Brechungsfehler: Ist ein Auge also zum Beispiel kurzsichtig und das
andere weitsichtig, führt auch das oft zu einer Amblyopie.
Amblyopie ist eine häufige Sehschwäche im Kindesalter, geschätzt sind deutschlandweit
etwa vier bis sechs Prozent betroffen, meist sind die Kinder jünger als sieben oder acht
Jahre. Erkennbar wird die ungleiche Sehfunktion der Augen daran, dass die Betroffenen
Gegenstände nicht erkennen, sie sehr nahe vor die Augen halten oder den Kopf immer
zu einer Seite drehen. Nicht selten gesellt sich zu der Sehschwäche eine Leseschwäche.
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Die Behandlung richtet sich danach, wie schwer die Amblyopie ausgeprägt ist. Zur
Auswahl stehen Brillen, welche die Kurz- oder Weitsichtigkeit oder das verzerrte Sehen
korrigieren. Meist erhalten die Kinder aber zunächst oder zusätzlich ein Augenpflaster:
Bei dieser sogenannten Okklusionsbehandlung wird das besser sehende Auge für
mehrere Stunden am Tag mit einem speziellen Pflaster abgedeckt. Das schwächere
Auge muss die Sehleistung übernehmen. Trägt ein Kind eine Brille, wird das eine Glas
abgeklebt. Nicht selten lehnen die Kinder die Okklusionsbehandlung ab, weil sie mit dem
abgeklebten Auge in der Schule ausgelacht werden oder andere soziale
Benachteiligungen erfahren. Es gibt außerdem eine medikamentöse Therapie, welche
die Sicht des „guten“ Auges vorübergehend mit Augentropfen trübt.
Oft wird beim Augenarzt übersehen, dass Kinder bereits eine Einsichtigkeit entwickelt
haben. Um die Schwachsichtigkeit zukünftig früher zu erkennen und umgehend beheben
zu können, gibt es seit 2008 eine zusätzliche Früherkennungsuntersuchung für alle
gesetzlich krankenversicherten Kinder im Vorschulalter (U7a).
Die Barmer GEK rüstet nun zusätzlich auf: Seit April übernimmt die gesetzliche
Krankenkasse unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für eine Behandlung mit
einem Computerspiel, das auch eine App beinhaltet – und das auf Rezept. Die Therapie
besteht aus verschiedenen Computerspielen, die eine Berliner Firma eigens für die
Amblyopie entwickelt hat. Die Programme arbeiten mit bestimmten Lichtreizen, die das
geschwächte Auge effektiv trainieren und die Nervenreize wieder aktivieren sollen, die
bis dato vernachlässigt wurden. Folglich sollen sich der Informationsfluss im Gehirn und
damit das Sehen verbessern. Die täglich halbstündigen Sitzungen vor dem Computer
finden zu Hause statt. Die ärztlich verordnete Computer-Therapie dauert mindestens
drei Monate. In Einzelfällen zeigte sie bereits Erfolge mit einem Zuwachs an Sehkraft
von 50 auf 80 Prozent. An dem aktuell in Berlin und Brandenburg gestarteten Projekt
nehmen rund ein halbes Dutzend Augenärzte teil.
Expertinnen im Beitrag:
Dr. med. Ingrid Wagner
Fachärztin für Augenheilkunde
Mittelstraße 18
16515 Oranienburg
Tel: 0 33 01 - 57 96 19 0
www.augenarzt-oranienburg.de
Waldschule Oranienburg Grundschule
Lehrerin
Margitta Hirschfelder
Kölner Straße 21
16515 Oranienburg
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Krankenhauserreger – wie schützen sich unsere Kliniken?
Im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel sind zwölf Menschen gestorben, die
mit multiresistenten Keimen infiziert waren. Zwar waren alle schon vorher schwer krank,
aber bei drei von ihnen könnte das Bakterium Acinetobacter baumannii die
Todesursache gewesen sein. Vor allem in Südost-Asien, dem Nahen Osten, aber auch
rund ums Mittelmeer ist er in Kliniken gefürchtet und verbreitet. Müssen sich auch
Urlauber sorgen? Und wie schützen sich Kliniken vor eingeschleppten Erregern aus dem
Süden? Die rbb Praxis klärt auf.
Zu dieser Problematik können Sie über unsere Homepage www.rbb-praxis.de ein OnlineInterview mit dem Vorsitzenden des Berufsverbands Deutscher Hygieniker, Prof. KlausDieter Zastrow, aufrufen.
Experten im Beitrag:
Prof. Dr. Klaus-Dieter Zastrow
Vorsitzender Berufsverband Deutscher Hygieniker
Institut für Hygiene und Umweltmedizin
http://www.krankenhaushygiene.de
Dr. Andreas Knaust
Chefarzt Abt. Mikrobiologie und Krankenhaushygiene
Klinikum Ernst von Bergmann
Charlottenstraße 72
14467 Potsdam
Tel. 0331 – 241 0
Weiterführende Informationen auf der rbb Praxis-Online-Seite:
http://www.rbb-online.de/rbbpraxis/rbb_praxis_service/impfungen-underkrankungen/neuartiges-antibiotikum-ohne-resistenzbildung-entdeckt.html
RBB
„rbb Praxis“
Masurenallee 8 –14
14057 Berlin
www.rbb-praxis.de
Redaktion:
Redaktionsassistenz:
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Stand der Information:
Benjamin Kaiser
Susanne Christ
Raiko Thal
Beate Wagner
28.01.2015
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