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Pflichtblatt der Börsen Frankfurt
D ü s s e l d o r f · St utt g a rt · h a m b u r g · b e r l i n · M ü n c h e n
9
Seiten 32-3
pakt
fonds kom
№ 05 · Sonntag, 01. Februar 2015
Norbert Reithofer
BMW fährt voraus
Öl-Baisse und Euroschwäche fördern
Euphorie bei den DAX-Unternehmen
Lufthansa
Siemens
Belfort
Hellas
Sinkflug
dank Ölpreis
beendet?
Mit vollem
ICE-Tempo
in die Krise
„Wolf“
predigt
Geldgier
Extremisten
brüskieren
EU-Troika
AKTIEN & MÄRKTE UNTERNEHMEN
FONDS
ZERTIFIKATE
Rohstoffe
Lebensart
Schliekers Woche
Von der Schippe gesprungen
Sonntag, 01. Februar 2015
AKTIEN & MÄRKTE
Schliekers Woche. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
Tops und Flops-, Zahl der Woche,
Termine der Woche . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
Kopf der Woche: Jordan Belfort,
Aphorismus der Woche . . . . . . . . . . . . . . . 4
Pro & Contra: Schweiz. . . . . . . . . . . . . . . 5
Markt im Fokus: Griechenland. . . . . . . . . . 6
Märkte im Überblick:
S&P 500, DAX, EURO STOXX 50 . . . . . . 7
Aktie der Woche:
Lufthansa. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
UNTERNEHMEN
Unternehmen der Woche:
BMW. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
Siemens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .14
Amazon, Alibaba. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .18
Banco Santander . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .22
Wiki-Duell. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
News: Parlamentswahl, Infineon,
Börse München, Bouwfonds,
Tag der Aktie, BIGBANK . . . . . . . . . . . . 28
FONDS kompakt
Fonds der Woche:
ComStage MDAX-ETF. . . . . . . . . . . . . . . . . 32
DNCA Invest Europe Growth. . . . . . . . . . . 33
Spezial: Wie die Fondsbranche auf
die turbulenten Zeiten reagiert. . . . . . . . . . . . 34
Fonds-News . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
Interview: Hartwig Kos. . . . . . . . . . . . . . . 39
ZERTIFIKATE
Zertifikate-Idee: Index-Zertifikat auf
den Solactive Healthcare Facilities
Performance-Index. . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
Zertifikate-News. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
Rohstoffe
Rohstoffe der Woche:
Kakao. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
Rohstoffanalysen: Zucker, Silber,
Brent-Öl, Gold. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
Lebensart
Produkt der Woche:
Die teuerste Wohnung der Welt. . . . . . . . 44
Impressum/Disclaimer . . . . . . . . . . . . . . 47
Wenn die Deutsche
Bank Bilanz zieht,
halten viele den
Atem an. Nicht
nur des Aktienkurses wegen, der den
Dax schon mal
in die eine oder
andere Richtung
Reinhard Schlieker
treiben kann. Nein,
ZDF Wirtschafts­
die Deutsche ist
korrespondent
die einzige Bank
in einem der größten Industrieländer der Welt, die tatsächlich
rund um den Globus von Bedeutung ist.
Schon die Ankündigung, dieses Jahr statt
einer Bilanzpressekonferenz lediglich eine Telefonschalte zu veranstalten, ließ den Puls der
Finanzmarktteilnehmer Purzelbaum schlagen: Wollte man sich vor unbequemen Wahrheiten etwa lieber nicht persönlich aufstellen?
Am Donnerstag Erleichterung und Staunen
– mit Recht. Die Deutsche Bank hat Geld verdient! 2014! Millionen! Was vor Jahren eine
pure Selbstverständlichkeit am sogenannten
unteren Rand der Erwartungen gewesen wäre,
entzückt heute dergestalt, dass der Aktienkurs,
der allerdings auch nur ein Schatten einstigen
Glanzes ist, glatt abhebt.
Unter den derzeitigen Bedingungen einen
Aufschwung hinzulegen, wie er seit etwa
2012 zu beobachten ist, sollte etwas zählen.
Die Schubser der Regulierungsbehörden,
der ordentlichen Gerichte (ja, so heißen
die) und der Kläger jeder Couleur machen
das Geschäft seit Jahren zu einem teilweise
unkalkulierbaren Ritt. Nun also hat die
Deutsche weniger zurückstellen müssen für
Rechtsstreitigkeiten, hat mehr verdient beim
Investmentbanking und in der gut eine Billion schweren Vermögensverwaltung. Das
Privatkundengeschäft sähe besser aus, wäre
da nicht die Verpflichtung, auferlegt von
wahren Experten des Rechts und der Gerechtigkeit vom BGH in Karlsruhe, Kunden von 2005 bis 2013 Kreditgebühren zur
02
BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
Rückzahlung anzubieten. Bei aller Verbraucherfreundlichkeit: Auch eine Bank muss
sich ihre Leistungen bezahlen lassen. Wobei
die Branche sich insgesamt fragen lassen
sollte, ob es nicht etwas transparenter gegangen wäre, so dass ein Kreditnehmer vergleichen kann, ohne Mathematik studiert zu
haben, aber das ist eine andere Geschichte.
Wie dem auch sei – die Deutsche Bank ist
jeder Art von Bedrohung erst einmal von der
Schippe gesprungen. Was, nach dem Ende
der Jubelfeiern, die geplante Neuausrichtung wieder zum Thema werden lässt. Die
Strategie, die künftige, so sagten es auch Anshu Jain und Jürgen Fitschen kürzlich beim
Weltwirtschaftsforum in Davos, benötige
noch Schliff und Politur und den Schweiß
der Edlen, bis sie etwa im Mai reif zur Verkündigung sei. Man wolle sich nicht drängen lassen. Die Fragen allerdings bleiben
nicht aus – von der nach der Notwendigkeit
einer neuen Strategie überhaupt, wo es doch
offenbar prima läuft, bis hin zu jener nach
der Zukunft der Postbank. Vielleicht aber
befinden wir uns ja noch in jenen Zeiten, in
denen zwar nicht das Wünschen, wohl aber
das Denken noch geholfen hat: Da darf man
einen Aufsichtsratsvorsitzenden nicht als zaudernd beschreiben, wenn der gern mal etwas
grübelt, ehe er etwas sagt. Und dem Management zugestehen, nichts übers Knie zu
brechen. Denn wenn die Deutsche nun auch
noch aus der Hüfte schießt, könnte das unsere Industrienation die letzte nennenswerte
Finanzanstalt kosten, die global auch die Interessen der deutschen Wirtschaft im Auge
hat. Nicht zu unterschätzen, diese Gefahr.
Was denken Sie über
dieses Thema?
Schreiben Sie gerne direkt an den Autor
Reinhard Schlieker unter
schlieker@boerse-am-sonntag.de
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FONDS
ZERTIFIKATE
Rohstoffe
Lebensart
Tops und Flops der Woche
tops
HARMAN International Industries: Wohlklingende Ergebnisse
Der Audio-Spezialist, der unter anderem Lautsprecher für den Hausgebrauch und ganze
Infotainmentsysteme für Automobile entwickelt und produziert hat Bilanz für das zweite
Quartal des Geschäftsjahres 2014/15 (bis Ende Juni) gezogen. Die kräftig gestiegenen Ergebnisse trafen bei den Investoren auf offene Ohren. Gleiches gilt für die angehobene Gewinnprognose für das Gesamtjahr. Der S&P-500-Wert schnellte kräftig in die Höhe und
näherte sich damit dem im November 2004 markierten Allzeithoch von 131,74 US-Dollar.
United States Steel: Zahlen beflügeln
Seit dem Mehrjahreshoch im September 2014 standen die Papiere des gemessen am
Volumen größten Stahlherstellers in den USA massiv unter Druck. Der Aktienkurs
brach bis zum Korrekturtief am vergangenen Montag um beinahe 58 Prozent ein.
Dann formte sich jedoch eine Gegenbewegung. Am Mittwoch schnellte der Preis
sogar kräftig in die Höhe. Gefeiert wurden die am Dienstag nach Börsenschluss vorgelegten Geschäftszahlen. Für United States Steel (WKN: 529498) lief es im Schlussquartal 2014 wesentlich besser als erwartet.
LANXESS: Besser als befürchtet
Positive Überraschung vom Spezialchemiekonzern (WKN: 547040). Nachdem sich
die Geschäfte 2014 lange Zeit nicht gut entwickelten – LANXESS seine Aktionäre
zuletzt sogar auf rote Zahlen einstimmte – lief es zum Jahresende besser als angenommen. Der Vorstand verwies vor allem auf die positive Nachfrageentwicklung im
Dezember. Der DAX-Konzern geht daher für das vierte Quartal und damit für das
Gesamtjahr von einem höher als zuvor erwartetem bereinigtem Ergebnis vor Zinsen,
Steuern und Abschreibungen (EBITDA) aus.
18
Zahl der Woche
Milliarden US-Dollar
betrug der Gewinn von Apple im vierten
Quartal 2014 – kein Unternehmen der
Welt hat je soviel in diesem Zeitraum verdient. Kritiker argwöhnen, dass Zulieferer und Kunden dafür einen hohen Preis
zahlen, der aber nicht in US-Dollar ausgedrückt werden kann.
TERMINE der Woche
02.02.14:30 USAPrivate Einkommen & Ausgaben
Flops
Seagate Technology: Kann nicht überzeugen
Die Aktie des Spezialisten für Datenspeicherlösungen gab nach Vorlage der Zahlen
für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2014/15 (bis Ende Juni) kräftig nach.
Zwar konnte der Konzern Umsatz und Gewinne steigern. Bei den Profiten half jedoch ein einmaliger Sonderertrag. Ohne Einmaleffekte sanken Ergebnis vor Zinsen
und Steuern (EBIT) und Überschuss leicht. Wegen der geringeren Aktienzahl gab es
zwar dennoch einen kleinen Anstieg beim bereinigten Ergebnis je Aktie (EPS), das
reichte den Investoren jedoch offenbar nicht.
SMA Solar Technology: Anhaltend düstere Aussichten
Der Hersteller von Photovoltaik-Wechselrichtern (WKN: A0DJ6J) setzt weiterhin den
Rotstift an. Angesichts der düsteren Geschäftsaussichten werden weitere 1.000 Stellen
gestrichen. Damit sollen bis Mitte des Jahres insgesamt 1.600 der bislang 4.667 Jobs
wegfallen. „Nur so können wir bei geringeren Umsätzen die Gewinnschwelle erreichen“,
erläuterte der Vorstand den Schritt. 2015 dürfte der TecDAX-Wert jedoch erneut rote
Zahlen schreiben. Die Aktie setzte ihre Talfahrt fort und markierte neue Allzeittiefs.
Freeport McMoRan Copper & Gold: Dicke Verluste
Die kräftig gesunken Rohstoffpreise belasten weiterhin die Ergebnisse des Kupferunternehmens. Der Bergbaukonzern baut außerdem Gold, Molybdän sowie Kobalt ab.
Ferner ist er im Öl- und Gasgeschäft tätig. Hier wurden im Schlussquartal enorme
Wertberichtigungen nötig, was in der Berichtsperiode sowie im Gesamtjahr zu dicken
Verlusten führte. Freeport-McMoRan Copper & Gold (WKN: 896476) kündigte
nun an, das Investitionsbudget 2015 drastisch kürzen zu wollen. Die Aktie markierte
ein neues Mehrjahrestief.
03
BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
Dezember
02.02.16:00 USAISM-Index (verarbeitendes Gewerbe)
Januar
02.02.17:00 USABauausgaben
Dezember
04.02.16:00 USAISM Index (Dienstleistungsgewerbe)
Februar
05.02.08:00 DEAuftragseingangs­
index verarbeitendes
Gew. Dez.
06.02.08:00 DEProduktionsindex
produzierendes Gew.
Dezember
06.02.14:30 USAArbeitsmarktbericht
Januar
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FONDS
ZERTIFIKATE
Rohstoffe
Lebensart
Kopf der Woche
Zitat der Woche
Wir sind eine Regierung
der nationalen Rettung.
Jordan Belfort
Money is wonderful
99 Euro Eintritt kostet es,
Jordan Belfort,
die vielleicht
ideale Verkörperung der
maßlosen Gier
nach Spekulationsgewinnen,
einen Abend
Sein Gott heißt
lang live zu
Mammon:
erleben
– allerJordan Belfort
dings aus der
Ferne. Denn
sehr viele, die selbst nach Geld gieren, sind
als Zuhörer gekommen. Belfort ist niemand
anderes als der die menschliche Vorlage für
den von Martin Scorsese produzierten Hollywood-Streifen „The Wolf of Wall Street“
mit Leonardo di Caprio, und dieser Wolf
tourt durch Deutschland. Belfort, der Beschwörer des Ego, des maßlosen Gewinnstrebens, der Vergötterung des Geldes – er
schwört, alles sei so gewesen, wie es im Film
nachgespielt wurde: eine Orgie aus Geld,
Größenwahn, Betrug und Drogen. Wer
nach der rauschhaften Vortagsveranstaltung zu einem kleinen Empfang mit „Wolf“
– der sich übrigens diesen „Titel“ selbst gegeben hat – zugelassen werden möchte, muss
1.600 Euro hinblättern.
Belfort wurde 1962 in New York geboren.
Ein Studium als Zahnmediziner brach
er bald ab, weil in der Einführungsvorlesung verkündet worden war, man könne
als Zahnarzt nicht reich werden. Ab 1987
handelte er an der Wall Street – bevorzugt
mit höchst riskanten Penny Stocks. Zweimal war er verheiratet, zweimal wurde er
geschieden; aus der zweiten Ehe hat er zwei
Kinder. 1998 wurde er für Betrug und
Geldwäsche im großen Stil zu vier Jahren
Gefängnis verurteilt, wobei der größere
Teil der Strafe zur Bewährung ausgesetzt
wurde, weil er im Rahmen des Prozesses
systematisch alle Spießgesellen verraten
hatte.
Ja – alles wie im Film, so schwört Belfort.
Geschworen hat er indes schon manches.
Zum Beispiel, dass er Anlegern, die er in
größtem Maßstab über den Löffel balbiert
hatte, 110 Millionen US-Dollar ihres Geldes zurückzahlen wolle. Doch nur gut elf
Millionen kamen bei den Opfern an. Die
Gierigen stört’s heute nicht. Was zählt, ist
Geld, Geld und nochmals Geld. Bis zu
2.500 Menschen pro Abend wollen die
Motivationskünste des rechtskräftig verurteilten Betrügers erleben. 100 000 Dollar berechnet er pro Tag: „Und die zahlen
sie ständig“, grinst Belfort. Warum? „Weil
ich so gut bin.“ Der Börsenwolf mit seiner
maßlosen Attitüde – er passt in diese Zeit.
04
BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
Alexis Tsipras (Αλέξης Τσίπρας), 40,
neuer griechischer Ministerpräsident,
Vorsitzender der Partei Συνασπισμός
Ριζοσπαστικής Αριστεράς, kurz
ΣΥΡΙΖΑ, übersetzt „Koalition der
­Radikalen Linken“. Tsipras ist studierter
Bauingenieur, seine Spezialität waren bisher Stadtplanungen.
Aphorismus der Woche
Persönliche moralische
Verantwortung wird
nicht ausgeräumt durch
nationales Gesetz.
Albert Einstein, geb. 1879 im Ulm,
gest. 1955 in Princeton (USA),
Nobelpreisträger für Physik 1922
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ZERTIFIKATE
Rohstoffe
Lebensart
Pro & Contra
Weiter in Schweizer
Aktien investieren?
Zu viele Verlierer
Besser ein Ende mit Schrecken
Der harte Währungsschnitt hat die
Märkte kalt erwischt. Nachvollziehbar
war der Schritt aus Sicht der Schweizer Nationalbank (SNB) zwar allemal,
da diese ihre heimische Notenbankbilanz durch Eurokäufe gegen CHF
immer stärker aufgebläht hat.
Dennoch kam die Entkopplung
überraschend und hat die Währungsverhältnisse sowie Börsen weltweit
gehörig durcheinander gebracht. Die
Jan-Patrick Weuthen
Antwort der Märkte war eine zeitnahe
Portfoliomanager der B&K
Aufwertung des Schweizer Franken
Vermögen GmbH, Köln
(CHF) um über 25 Prozent. An dieser
Reaktion konnte auch die Bekanntgabe einer weiteren Absenkung der Negativzinsen auf 0,75 Prozent nichts ändern. Die Schweizer Börse reagierte mit bis zu 14
Prozent Kursabschlag.
Während die europäischen Anleger unterm Strich mit Gewinnen
davon kamen, verbuchten Schweizer Aktienanleger deutliche
Verluste. In Folge kamen Devisenhändler enorm unter Druck
genauso wie Euro-Gläubiger, die das günstige Zinsniveau aus der
Schweiz mit der Erwartung importierten, das stabile EUR/CHFWährungsverhältnis wäre von Dauer.
Für Euro-Gläubiger sind Darlehen schlagartig um über 20 Prozent teurer geworden und wird viele vor große Probleme stellen.
Dieses Thema betrifft nicht nur private, sondern vor allem institutionelle und öffentliche Einrichtungen. Und auch für die Schweizer Unternehmen, die im Inland produzieren und ihre Waren und
Dienstleistungen in den Euroraum exportieren, bedeutet das neue
Währungsgefüge eine Ergebnisbelastung von durchschnittlich bis
zu 20 Prozent. Dieser Nachteil an Wettbewerbsfähigkeit wird die
Schweiz im internationalen Vergleich deutlich zurück werfen.
Ob die Entscheidung der SNB auf mittlere wirtschaftliche Sicht
zu rechtfertigen ist, bleibt abzuwarten. Derzeit hat sich der Franken zum Euro in etwa bei Parität eingependelt. Ein Verhältnis
von 1,20 CHF zum Euro ist vorerst ebenso wenig wahrscheinlich,
wie eine dauerhafte Parität. Insofern ist es eine Frage der Zeit, bis
die SNB in Zugzwang kommt.
Viele Finanzakteure wurden von der
Entscheidung der Schweizer Nationalbank (SNB), die Franken-Euro-Bindung
aufzuheben, mehr als überrascht und
hatten sich schlichtweg verspekuliert.
Einen Tag vor der SNB-Entscheidung
hatte der europäische Gerichtshof den
Plan von EZB Chef Draghi abgezeichnet, für eine Billion Euro Anleihen aufzukaufen. Die Bombe war scharf. Ein
Oliver Höhn
Blick auf die Bilanz reichte SNB-PräsiVermögensverwalter der
dent Thomas Jordan und er wusste, dass
PMP Vermögensverwaltung
ein Ende mit Schrecken besser war als
GmbH, Düsseldorf
das, was auf die SNB zukommen würde.
Der in der Krise 2011 eingeführte Mindestkurs machte die „unabhängige“ Schweiz in den letzten Jahren
zu einem quasi Mitglied des Euroraums. Wir sind der Meinung,
dass die SNB die Aufgabe des Mindestkurses bereits hätte einleiten
müssen, nachdem die akute Euroschuldenkrise 2013 überwunden
war. Aber die Mindestkurspolitik wandelte sich zu einer staatlich
sanktionierten Exportförderung. Eine Art Schönwettergarantie für
einen wichtigen Zweig der Wirtschaft Aber auch die Illusion eines
kleinen Landes, stark genug zu sein, um im globalen Währungskrieg bestehen zu können. Wir sehen heute, dass es wohl ein Irrtum
war, der die Bilanz der Nationalbank aufblähte und sie zu einem
der größten Devisenspekulanten weltweit machte. Devisenreserven
von ca. 400 Mrd. Euro wurden angehäuft, die zuletzt 85 Prozent
der Schweizer Wirtschaftsleistung ausmachten und das Überleben
der Nationalbank an das Überleben des Euro ketteten.
Unabhängige Geldpolitik kann so nicht betrieben werden und
somit ist das Vorgehen der SNB richtig. Wir glauben, dass die
SNB-Flucht aus der Ehe mit der EZB zwar riskant ist, da sie auch
als Signal gewertet werden kann, wonach der Euro keine Zukunft
hat. Die Chancen überwiegen unseres Erachtens aber. Die Schweiz
war und ist traditionell ein Hartwährungsland. Auch wenn der
Schock für den Moment tief sitzt, so hat die Schweizer Wirtschaft
mit ihren vielen Unternehmen von Weltruf die notwendige Stärke,
Erfahrung und Innovationskraft, um auch diese Herausforderung
zu bestehen.
05
BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
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ZERTIFIKATE
Rohstoffe
Lebensart
Markt im Fokus
Griechenland:
Neue Regierung geht
auf Konfrontationskurs
Die griechische Bevölkerung war am 25. Januar aufgerufen, eine neue Regierung zu wählen. Wie erwartet
wurde das Linksbündnis Syriza stärkste Kraft. Die Folgen für die wirtschaftliche und politische Entwicklung
werden im Umrissen erkennbar: die EU-Troika erhielt in Athen eine brüske Abfuhr.
Während der Wahlausgang in Athen an den
europäischen Finanzplätzen relativ gelassen
aufgenommen wurde, gaben die griechischen
Aktienindizes kräftig nach. Zum Beispiel fiel
der FTSE Greece Index auf das niedrigste
Niveau seit Mitte 2012. Seit dem Zwischenhoch im März 2014 verlor er damit fast 65
Prozent. Und auch am Anleihemarkt zogen
die Renditen für griechische Staatsanleihen an. Darin scheint sich die Unsicherheit
FTSE Greece Index
Stand: 29.01.2015
Indizes
Index
Dow Jones
S&P 500
NASDAQ
DAX
MDAX
TecDAX
SDAX
EUROSTX 50
Nikkei 225
Hang Seng
Stand: Freitag nach Börsenschluss
30.01.2015 % Vorwoche
52weekHigh  % 52week
17164,95
-2,87%
18103,45
+8,31%
1994,99
-2,77%
2093,55
+11,19%
4635,24
-2,58%
4814,95+12,42%
10694,32
+0,42%
10810,57+14,09%
18594,14
-0,32%
18938,73+14,18%
1496,59
+1,16%
1506,18+22,70%
7652,23
+1,25%
7661,49+8,65%
3351,44
-0,92%
3417,46
+10,71%
17674,39
+0,93%
18030,83
+17,77%
24507,05
-1,38%
25362,98
+11,22%
06
BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
widerzuspiegeln, welchen Kurs Griechenland
nun in puncto Finanz- und Wirtschaftspolitik einschlägt. Denn die neue Regierung unter Führung von Alexis Tsipras scheint ihre
Wahlversprechen zu erfüllen. Zwar verfehlte
seine Syriza-Partei knapp die absolute Mehrheit im Parlament. Sie fand mit den „Unabhängigen Griechen“ jedoch einen Koalitionspartner, der zwar autoritär tickt, mit dem es
aber bezüglich der politischen Intentionen
viele Überschneidungen gibt.
Die beiden Partner, deren größte Gemeinsamkeit ein gewisser Extremismus ist, lehnen
die von den Gläubigern verordneten Sparprogramme strikt ab und fordern einen Schuldenerlass. Davon wollen die Kreditgeber
jedoch nichts wissen. Sie pochen stattdessen
auf die Einhaltung der Verpflichtungen. Die
neue Regierung lässt sich von den Drohungen jedoch nicht beeindrucken, wie die ersten
vorgelegten Pläne verdeutlichen. Sie will zum
Beispiel die Mindestlöhne erhöhen, Entlassungen im öffentlichen Dienst rückgängig
machen und Privatisierungen stoppen. Die
neue Führung setzt damit an Dingen an,
die einst im Gegenzug für die „Finanzhilfen“ gefordert wurden, sie geht ganz klar auf
Konfrontationskurs mit den Geldgebern.
Kündigen die nun ihre „Hilfen“ auf? Und
was dann? Droht dann der endgültige Kollaps? Oder haben die Hellenen noch ein Ass
im Ärmel? Ist es gar denkbar, dass sich das
Land von der EU abwendet und auf Hilfen
aus Russland setzt?
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ZERTIFIKATE
Rohstoffe
Lebensart
Märkte im Überblick
usa
Deutschland
Europa
Negative Bilanz
Neue Rekorde
Eisiger Ostwind
Nach den Gewinnen in der Vorwoche fiel
die Bilanz bei den US-Indizes diesmal wieder negativ aus. In der mit reichlich Gesprächsstoff gespickten Woche überwogen
offenbar die negativen Impulse. In der auf
Hochtouren laufenden Bilanzsaison gab es
in puncto Ergebnisse und Aussichten etliche weitere negative Überraschungen. Daneben tagte die US-Notenbank (Fed). Sie
bleibt auf Zinswendekurs. Sie hat es damit
zwar nach wie vor nicht eilig, strich jedoch
den Passus, dass die Zinsen noch für eine
beträchtliche Zeit unverändert bleiben. Zudem schätzte sie die konjunkturelle Lage
positiver ein als bislang. Die jüngst vorgelegten neuen Konjunkturdaten zeigten indes ein gemischtes Bild. Zum Beispiel war
das Verbrauchervertrauen auf das höchste
Niveau seit August 2007 geklettert. Zudem
sanken die wöchentlichen Erstanträge auf
Arbeitslosenhilfe auf ein 15-Jahrestief. Andere Daten nähren jedoch Zweifel an der
viel gepriesenen Stärke der US-Konjunktur. Im Dezember waren die Auftragseingänge für langlebige Güter abermals
rückläufig. Eine nachhaltig anspringende
Investitionstätigkeit in den USA bleibt
damit Fehlanzeige. Und auch das Wirtschaftswachstum verlor deutlich an Dynamik. Nachdem das BIP im zweiten und
dritten Quartal um annualisiert 4,6 respektive 5 Prozent expandierte, schwächte
sich die Rate zum Jahresende nach ersten
Berechnungen auf 2,6 Prozent ab.
Die Aufwärtsdynamik hat zwar merklich
nachgelassen und im Wochenverlauf lotete
der DAX auch immer mal wieder die Möglichkeiten auf der Unterseite aus, es reichte
jedoch erneut für eine positive Wochenbilanz. Er legte 0,4 Prozent zu. Und natürlich gab es auch diesmal neue Rekorde.
Der Leitindex lugte zwischenzeitlich erstmals über die Marke von 10.800 Punkten.
Neue Hochs gab es auch am Anleihemarkt.
Beispielhaft dafür steht die Entwicklung
des Euro-Bund-Futures. Er stieg erstmals
über die Marke von 159 Prozent. Während
also die Anlagepreise weiterhin anziehen,
wird anderenorts das Schreckgespenst der
Deflation an die Wand gemalt. Grund sind
die rückläufigen Teuerungsraten im Januar
in der Eurozone und in Deutschland.
Hierzulande sanken die Verbraucherpreise
nach vorläufigen Berechnungen um 0,3
Prozent im Jahresvergleich. Das war der
erste Rückgang seit September 2009. Zum
Vormonat ermittelten die Statistiker sogar
eine negative Teuerungsrate von 1 Prozent.
Ohne Berücksichtigung von Nahrungsmitteln und Energie lagen die Verbraucherpreise im Januar zwar um 1,1 Prozent
höher als vor einem Jahr, das störte viele
Medien jedoch nicht, vom Risiko einer
Deflationsspirale zu schwadronieren. Die
Gehirnwäsche von den Verfechtern und
Initiatoren des lockeren Geldes, wonach
Deflation Mist und Inflation gut sei, funktioniert scheinbar prächtig.
Die Freude über eine noch größere Geldschwemme durch die EZB ist erst einmal
abgeklungen. Nach der Rallye in den zwei
Wochen zuvor verschnaufte der EURO
STOXX 50 jüngst ein wenig. Am Ende
verbuchte er einen Verlust zur Vorwoche
von 0,9 Prozent. Weitaus größer waren die
Abschläge bei einigen anderen europäischen Aktienindizes. Zum Beispiel brachen
die griechischen Kursbarometer angesichts
der Unsicherheit über die weitere politische
Entwicklung deutlich ein (siehe Markt im
Fokus). Mächtig unter Druck standen zudem wieder einmal die Kurse russischer
Firmenpapiere. Wieder einmal drohen die
EU und die USA mit weiteren Sanktionen
gegen Russland. Druck gibt es zudem von
der US-Ratingagentur Standard & Poor's.
Sie senkte ihre Bonitätseinschätzung und
drohte zudem mit einer weiteren Herabstufung. Unterdessen stellt die russische
Regierung die Bevölkerung auf deutlich
schlimmere Krisenzeiten ein als bislang befürchtet. In den nächsten Tagen will sie eine
Prognose zur wirtschaftlichen Entwicklung
2015 abgeben. Aufgrund der Sanktionen
sowie den kräftig gesunkenen Rohstoffpreisen, zum Beispiel für Erdöl, droht eine tiefe
Rezession. Bremsend wirkt zudem das hohe
Leitzinsniveau, das nötig wurde, um den
Rubelverfall zu stoppen. Nun vollzog die
russische Zentralbank jedoch eine kleine
Kehrtwende. Sie senkte am Freitag den Leitzins von 17 auf 15 Prozent.
S&P 500
DAX
EURO STOXX 50
Stand: 30.01.2015
Stand: 30.01.2015
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BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
Stand: 30.01.2015
UNTERNEHMEN
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ZERTIFIKATE
Rohstoffe
Lebensart
Foto: lufthansagroup.com
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Lufthansa:
Hebt die Aktie jetzt ab?
Eine große Enttäuschung. Nichts anderes stellte die Lufthansa-Aktie für viele Anleger im vergangenen Jahr
dar. Eine nie zuvor dagewesene Streikwelle, geopolitische Krisen und die stärker werdende Konkurrenz durch
Billig-Airlines stutzten dem Kranich massiv die Flügel. Jetzt könnte allerdings vieles besser werden. Nicht
zuletzt dank des niedrigen Ölpreises setzt die Lufthansa derzeit zum Steilflug nach oben an.
Es ist nur ein Wort. Genauer gesagt ein Adjektiv. Aber es ist eins, das in einem positiven Zusammenhang verwendet, die Herzen
der Aktionäre höher schlagen lässt. „Signifikant“ lautet die Bezeichnung, die der Lufthansa-Vorstand gebraucht, fragt man diesen
nach den Erwartungen für den Anstieg des
operativen Gewinns 2015. Während der
Weltkonzern im Vorjahr, in dem nach ersten Schätzungen ein Überschuss von rund
einer Milliarde Euro erwirtschaftet wurde,
noch 6,7 Milliarden Euro an Kerosinkosten
08
zahlen musste, sollen sich 2015 selbige Kosten nach Absicherungsgeschäften gegen Ölpreisschwankungen (Hedging) auf „nur“ noch
5,8 Milliarden Euro belaufen. Dabei kalkuliert der Vorstand mit
einem Preis für das Fass der Nordseesorte Brent von 68 Dollar.
Kürzlich sackte der Brent-Preis unter die 50-Dollar-Marke ab, den
tiefsten Stand seit fast sechs Jahren. Damit ist der Ölpreis seit Juni
vergangenen Jahres um rund die Hälfte eingebrochen.
Dementsprechend herrscht bei den Analysten und Aktionären
derzeit Optimismus, der sich auch am Verlauf des Aktienkurses
ablesen lässt. Experten wie Thomas Bergmann, Redakteur beim
Anlegermagazin „Der Aktionär“, gehen davon aus, dass ein Fall
der 16-Euro-Marke unmittelbar bevorsteht und sich der Kurs bis
BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
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Aktie der Woche
zum Jahresende auf mindestens 20 Euro
steigern könnte. Ähnlich sieht es das japanische Analysehaus Nomura. Dieses
hat das Kursziel für Lufthansa von 19 auf
20 Euro angehoben und die Einstufung
auf "Buy" belassen. Der Kerosinpreis sei
in den vergangenen sechs Monaten um 48
Prozent gefallen - für Europas Fluggesellschaften ein bedeutsamer Kostenvorteil,
schrieb A na lyst
James Hollins in
Um die Marke Lufthansa nicht einer Branchenstuzu überdehnen, hat sich der die. Lediglich eine
Vorstand dazu entschlossen, milliardenschwere
eine zweite Marke namens Schadenersatzfor„Eurowings“ aufzubauen. derung der Deutsche-Bahn-Frachttochter Schenker
und anderer Unternehmen wegen des
Vorwurfs illegaler Preisabsprachen gegen
mehr als 30 Fluggesellschaften- darunter
auch gegen die Lufthansa Cargo AG- bereitet der Kranich-Airline Bauchschmerzen.
Bisher ist allerdings unklar, wie hoch der
Anteil der deutschen Fluggesellschaft an
den inzwischen geforderten, insgesamt fast
3 Milliarden Euro tatsächlich ist. Insidern
zufolge soll er jedoch geringer ausfallen als
die in früheren Presseberichten angenommenen 10 bis 20 Prozent. Analyst Johannes
Braun von der Commerzbank rät trotz dieser Schadensersatzansprüche zum Kauf des
Lufthansa-Papiers und belässt das Kursziel
bei 18 Euro.
Doch nicht nur die Analysten haben derzeit offenbar Flugzeuge im Bauch, wenn
sie an die Lufthansa denken. Auch die
Fluggäste bleiben dem Weltkonzern trotz
monatelangen Pilotenstreiks und günstigeren Konkurrenten mehr als nur gewogen. So konnte die 1953 neu gegründete
Fluggesellschaft im vergangen Jahr erneut
die Marke von 100 Millionen Passagieren übertreffen. 2014 flogen im Vergleich
zum Vorjahr 1,3 Prozent mehr Menschen
mit der Kranich-Airline, was die Anzahl
09
der Fluggäste auf 106 Millionen steigerte. Dabei stieg der Sitzladefaktor um 0,3 Prozentpunkte auf 80,1 Prozent, im Schnitt
waren also acht von zehn Sitzen besetzt. Weniger erfreulich lief
es allerdings für die Tochtergesellschaft Austrian Airlines. Diese
musste 2014 einen Rückgang von 1,1 Prozent auf 11,2 Millionen
Passagiere hinnehmen. Die schlechteren Geschäfte in den Krisenregionen Ukraine und Naher Osten haben zu dem Passagierrückgang geführt, hieß es von Seiten der Lufthansa Group. Auch das
Cargo-Geschäft startete nicht durch. Hier musste der Konzern
erneut rückläufige Zahlen vermelden. Insgesamt ging die Anzahl
der umgesetzten Fracht 2014 um 2,7 Prozentpunkte auf knapp 1,7
Millionen Tonnen zurück.
Auch in Zukunft soll die Lufthansa als Premiummarke am Markt
positioniert werden. Daher sollen weiterhin die mit Abstand meisten Gelder auch in die Lufthansa-Kernmarke fließen. Dennoch
sieht sich der Konzern durch den heterogener gewordenen Markt
auch dazu veranlasst, in den „Billigsektor“ zu investieren. Um die
Marke Lufthansa nicht zu überdehnen, hat sich der Vorstand dazu
entschlossen, eine zweite Marke namens „Eurowings“ aufzubauen.
Diese soll zwar auch für Qualität stehen. Allerdings in einem
anderen Segment. Die neue Fluggesellschaft fängt zunächst mit
sieben Flugzeugen an. Wenn das Produkt vom Markt angenommen wird und Profitabilität erreicht, kann sich Lufthansa-Chef
Carsten Spohr, der erst seit Frühling vergangenen Jahres im Amt
ist, durchaus vorstellen, das Wachstum von „Eurowings“ finanziell
voranzutreiben. Günstig soll nicht nur das Fliegen mit dieser Airline sein, die Aktie ist es momentan ebenfalls. Mit einem 2015er
KGV von 7 dürfte sie einige neue Anleger an Bord locken. WIM
Deutsche Lufthansa
BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
Stand: 30.01.2015
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Freude am Baren
Mit BMW-Aktien konnte man in den letzten Wochen, Monaten und Jahren bares Geld verdienen.
Der Aktienkurs bewegt sich momentan auf einem Rekordniveau. Geht die Aufwärtsfahrt munter
weiter oder legt der Kurs doch bald den Rückwärtsgang ein?
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BÖRSE am Sonntag · 05/1 4
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Bester Aktienkurs aller Zeiten, ein Rekordgeschäftsjahr 2014 und eine Auszeichnung zum besten Arbeitgeber der
Bundesrepublik. Die Augen der BMWStakeholder müssen momentan so glänzen
wie der frische Lack eines X6, der an einem sonnigen Tag das BMW-Werk in den
amerikanischen Südstaaten verlässt. 3.251
Autokilometer weiter westlich findet heute
der NFL Super Bowl statt. Erstmals seit
vier Jahren wirbt der deutsche Autobauer
beim prestigeträchtigen Footballevent
wieder mit einem amüsanten Spot für
das Elektroauto i3. Damit setzt BMW
gleich auf zwei Wachstumsfelder. Denn
der amerikanische Automobilmarkt ist in
den letzten Jahren wiedererstarkt. Nach
Prognosen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) sei der US-Automarkt
zusammen mit China im Jahr 2015 der
Wachstumstreiber schlechthin. Der EMobilitätsmarkt steckt zwar immer noch
in den Kinderschuhen, hat aber langfristig
recht gute Wachstumsaussichten. BMW
ist mit seinem i3 und i8 dabei gut aufgestellt. Trotzdem erleidet die E-Branche
immer wieder leichte Rückschläge. So
wurde kürzlich bekannt, dass die USA
ein wichtiges Ziel verfehlen werden. Bis
zum Ende des Jahres wollten sie eine
Million E-Autos auf die Straße bringen.
Dies werde nun wohl noch ein paar Jahre
dauern, räumte Energieminister Ernest
Moniz vergangene Woche ein. In Übersee
11
belegte der i3 den siebten Platz der meistverkauften Elektroautos,
in Deutschland liegt der kleine Stromer auf dem ersten Platz.
Premium-Zeit bei BMW
Aktien waren im Jahr 2015 bisher gold wert. Aber unter den
vielen guten Unternehmen, gibt es auch ein paar sehr gute: Die
Premium-Aktien sozusagen. Zum Beispiel BMW, die sich passend
vorgenommen haben bis zum Jahr 2020 weltweit zum „führenden Anbieter von Premium-Produkten und Premium-Dienstleistungen für individuelle Mobilität“ werden zu wollen. Im ersten
Monat diesen Jahres stiegen die BMW-Wertpapiere um rund 15
Prozent. Und damit weit stärker als im gesamten Vorjahr. Ein Allzeithoch jagt das nächste, die magische 100 Euro-Marke ist längst
überwunden. Wer vor etwas mehr als drei Jahren sein Geld in
BMW-Stammaktien angelegt hat, hat es verdoppelt. „In der nahen
Vergangenheit ging es fast nur vorwärts. Es wird mal wieder Zeit
für einen Rückwärtsgang“, spekuliert ein skeptischer Frankfurter
BMW
BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
Stand: 30.01.2015
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Händler. Tatsächlich sind die Meinungen Reithofer bleibe ja in der BMW-Familie und wechsle nur die
unter Analysten zweigeteilt. Eine Studie Tischseiten als Aufsichtsratsvorsitzender, heißt es aus BMW-Kreides Analysehauses S&P Capital IQ rät sen. Bei der Hauptversammlung im Mai wird Reithofer das CEOzum Kauf, da der Autohersteller ein glän- Lenkrad an den bisherigen Produktionsvorstand Harald Krüger
zendes Jahr hinter sich habe und nun vor übergeben. Der Freiburger gilt als ruhig und besonnen und ist
einem weiteren Wachstumsjahr stünde. bereits seit 1992 bei BMW beschäftigt: Kontinuität ist dem baye15 neue Fahrzeugmodelle würden dabei rischen Konzern wichtig und im Vorstand sitzen fast ausschließlich
helfen, schrieb Analyst William Howlett. Eigengewächse. Mit Krüger an der Spitze hat das Unternehmen
seinen Vorstandsvorsitzenden-Posten damit
Tatsächlich liegen die Münchauch um immerhin neun Jahre verjüngt.
ner da mit weit
Das Jahr 2014 war für den bayerischen
Nie zuvor konnte man
vor der deutschen
Automobilbauer hervorragend: Nie zuvor
in der BMW Group, also bei
Premium-Konkurkonnte man in der BMW Group, also bei
BMW, Mini und Rolls-Royce,
renz. Daimler wird
BMW, Mini und Rolls-Royce, so viele
so viele Autos verkaufen
voraussichtlich acht
Autos verkaufen wie im letzten Jahr. Dawie im letzten Jahr.
neue Modelle prämit stellt der Konzern zum vierten Mal in
sentieren, bei Audi
Folge einen Absatzrekord auf. 2,118 Millistehen 2015 neun neue Fahrzeugversionen onen Fahrzeuge verkaufte das Unternehmen im letzten Jahr. Akauf der Liste. Die Analysten von BNP Pa- tionäre werden auch 2015 aufgrund der guten Ergebnisse belohnt
ribas oder Goldman Sachs erwarten trotz- und dürfen sich über eine ordentliche Dividende freuen: Es wird
dem eine negative Aktienentwicklung bei eine Ausschüttung von 2,60 Euro pro Stammaktie und 2,62 Euro
BMW. So sei die positive Abwertung des pro Vorzugsaktie erwartet. Bei aktuellem Kurs entspräche dies für
Euro schon mehr als eingepreist im BMW- die Stammaktie einer Rendite von rund 2,5 Prozent und für die
Kurs, konstatierte Goldman Sachs-Analyst Vorzugsaktie sogar fast 3,5 Prozent.
Stefan Burgstaller in dieser Woche. Als
neues Kursziel gab er 92 Euro an. Bei den Fazit
Daimler-Aktien sähe er mehr Potential als BMW wirbt mit dem Slogan „Freude am Fahren“. Aber nicht nur
bei den Bayern.
Fahrer, sondern auch Aktionäre verspürten in jüngster Vergangenheit Freude beim Blick auf ihr Wertpapier-Portfolio. Die Resultate
des vergangenen Jahres waren gut, die Prognosen für das nächste
Unaufgeregter Führungswechsel
Im BMW-Turm am Olympiastadion in stimmen ebenfalls. Norbert Reithofer und sein Nachfolger Harald
München nimmt man solche Einschätzun- Krüger sehen sich in diesem Jahr hohen Erwartungen gegenüber.
gen gelassen hin. So wie man dort auch ge- Die wesentlichen Grundvoraussetzungen zu deren Erfüllung sind
lassen einen plötzlichen Führungswechsel gegeben. WCW
hinnimmt. Denn der Vorstandsvorsitzende
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BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
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Siemens:
mit vollem ICE-Tempo in die Krise
Joe Kaesers mäßig erfolgreiche Reformen und ein unglücklicher Zukauf werden für Siemens immer mehr zum Problem. Nun präsentierte der Vorstandsvorsitzende einige böse
Überraschungen für das erste Quartal 2015 – Anleger zeigten sich enttäuscht. Im Laufe der
Woche verlor die Siemens-Aktie rund zehn Prozent. Es herrscht Krisenstimmung.
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„Wir verwirklichen, worauf es ankommt“,
mit diesen Worten will Siemens in die
Zukunft, sprich gen 2020, schreiten. Den
Aktionären des Technologiekonzerns
kommt es aber wenig überraschend mehr
auf Zahlen an als auf schöne Worte. Und
diese Zahlen hat Siemens offenbar nicht
verwirklicht, das zeigen die Reaktionen bei
der Jahreshauptversammlung vom vergangenen Dienstag. Mit einem Umsatz von
17,4 Milliarden Euro im ersten Quartal
2015 (1. Oktober bis 31. Dezember 2014)
verbesserte sich das Unternehmen zwar
um fünf Prozent. Doch die Auftragszahlen gingen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um deutliche elf Prozent zurück.
CEO Joe Kaeser musste vor allem eines erklären: Den Gewinneinbruch auf nur noch
knapp 1,1 Milliarden Euro. 2014 hatte Siemens noch eine Summe von gut 1,4 Milliarden präsentiert – ein krasser Absturz um
25 Prozent.
Wie so häufig bei Siemens gibt es auch
in diesem ersten Quartal enorme Unterschiede zwischen den einzelnen Konzernsparten. Zahlreiche Umstrukturierungen
in den letzten Jahren haben dazu geführt,
dass heute neun sogenannte „Divisionen“
15
bestehen. Die umsatzstärkste unter ihnen war im abgelaufenen
Viertel Power and Gas mit knapp 2,9 Milliarden Euro. Doch genau diese Sparte ist auch das größte Sorgenkind: Aufgrund des
fallenden Ölpreises, hoher Kosten beim Zukauf Dresser Rand
(USA) sowie des großen Konkurrenzdrucks in der Branche. Besonders besorgniserregend ist im aktuellen Geschäftsbericht die
Entwicklung der Ergebnismarge. Diese sank im Vergleich zum
ersten Quartal des letzten Geschäftsjahres von gut 18 auf elf Prozent. Die Sparte ist unter anderem für die Herstellung von Gasund Dampfturbinen zuständig, litt aber laut Siemens auch unter
Produktionsüberkapazitäten.
Siemens
BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
Stand: 30.01.2015
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Aktionäre: Unzufrieden mit Kaeser
Sowohl Hermann Requardt aus der medizintechnischen Abteilung
Vom Umsatz her ist dies zwar auch die ein- als auch Roland Fischer von Siemens Power and Gas räumten ihre
zige Division, die ein Minus zu verzeich- Posten. Weiter Einschnitte sollen folgen. Letzterer erhielt von Joe
nen hat. Doch die gestiegenen Umsätze Kaeser bestenfalls ernüchternde Abschiedsworte: "Es gibt kein anin den anderen Bereichen können nicht deres Geschäft im Hause mit einem vergleichbar großen Handdarüber hinwegtäuschen, dass Konkurren- lungsbedarf - auch deshalb, weil die Zeichen der Zeit nicht ausreiten wie General Electric zuletzt deutlich chend erkannt wurden." Zusätzlich gibt es Spekulationen über die
bessere Zahlen präsentieren konnten. Joe Streichung von rund 1.200 Arbeitsstellen im Konzern.
Kaeser kündigte an, dass man wohl erst
2017 wieder mit den großen Rivalen mit- Verkaufsempfehlungen und viel Kritik
halten könne. Essentielle Voraussetzung Bei Siemens laufen offenbar nicht nur die Geschäfte aufgrund von
dafür sind natürlich Aufträge – und noch äußeren Faktoren stockend, auch interne Querelen und falsche Entmehr Aufträge. Doch auch diese lagen im scheidungen sorgen für ein insgesamt recht desaströses Bild. Ähnlich
abgelaufenen Quartal mit 13 Prozent im sahen es die Anleger an der Börse. Im Laufe der vergangenen Woche
Minus. Die ebenfalls sehr wichtige Sparte stürzte der Aktienkurs des Konzerns mit Sitz in München und BerHealthcare trug indes über 2,8 Milliarden lin rasant in die Tiefe und war sogar Schlusslicht im DAX. InsgeEuro zum Umsatz bei. Seit Anfang Okto- samt verlor das Papier bis zum Freitag fast zehn Prozent und musste
ber 2014 läuft diese
alles an zusätzlichem Börsenwert wieder abals eigenständiges
geben, was seit Anfang Januar hinzugekomGeschä f t innermen war. Die turbulente Woche schloss der
Technologischen Fortschritt und Kurs mit 93 Euro ab. Die Analysten zeigten
halb der Siemens
Innovation könnte Siemens
AG. Dennoch gibt
sich insgesamt von den verfehlten Prognodringend gebrauchen.
es auch dort Optisen enttäuscht. James Stettler von Barclays
mierungspotenzial,
Capital stufte die Siemens-Aktie auf ein
wie Kaeser auf der
Kursziel von 90 Euro herab und zweifelte an
Jahreshauptversammlung betonte. Der Be- der Fähigkeit des Konzerns, die eigene Vorhersage für 2015 erfüllen
reich müsse „seine Anstrengungen verstär- zu können. Das Bankhaus Metzler singt im gleichen Chor, mit der
ken, um schnell wieder an die bisherigen Stimme von Analyst Ulrich Tabert: Auch er errechnete ein Kursziel
herausragenden Leistungen anzuknüpfen“, von 90 Euro und riet klar zum Verkauf.
sagte der 57-Jährige am Dienstag.
Technologischen Fortschritt und Innovation könnte Siemens drinVon den erschienenen Aktionären musste gend gebrauchen. Zwar präsentiert sich der Konzern noch immer
er sich einiges an Kritik gefallen lassen. optimistisch und rechnet beispielweise mit einem steigenden ÖlFondsmanager Ingo Speich von Union preis. Doch langfristig muss die Konzernleitung aufpassen, dass
Investment etwa kritisierte, dass die Spar- sie das Vertrauen der Investoren mit überzeugenden und tatsächpläne und Umstrukturierungen bisher lich funktionierenden Konzepten behält. Auch Aufsichtsratschef
noch nicht zu einer deutlichen Verbesse- Gerhard Cromme hatte zuletzt einiges an Gegenwind zu spüren
rung beigetragen haben: "Wie viele Über- bekommen. Doch es ist natürlich leichter gesagt als getan. Einige
gangsjahre wollen Sie uns noch zumuten, effizienzsteigernde Maßnahmen wie die Umstrukturierung des
Herr Kaeser?“ Bereits im letzten Jahr hatte letzten Jahres könnten ihre Wirkung durchaus noch entfalten. An
Siemens mit rückläufigen Auftragszahlen der Börse hilft das erstmal nichts: Zum Fall vom Zwischenhoch
zu kämpfen. Für 2015 bezeichnet Siemens bei 102,90 Euro trug sicherlich auch die Dividende bei, welche Siesein Geschäftsumfeld aufgrund geopoliti- mens großzügig um 30 Cent auf 3,30 Euro erhöhte. Es ist wohl ein
scher Spannungen als „komplex“. Das Um- Stück Wiedergutmachung für die so geschundenen Aktionäre, die
satzniveau soll auf organischer Basis auf dem CEO vieles an Negativentwicklungen persönlich ankreiden.
dem Vorjahresniveau bleiben, die Prognose Vielleicht hat Kaeser den Leitspruch daher tiefer verinnerlicht, als
wurde bestätigt. Erste Konsequenzen aus man auf den ersten Blick glauben mag: „Wir verwirklichen, worauf
der Krise waren einige Personalrotationen. es ankommt.“ MM
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Mttttttttttt 2015
Anlegermessen von B2MS
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A
Das Duell der
Handelsgiganten
Während Jack Ma seine Alibaba an der Börse einbrechen sieht, schießt Jeff Bezos‘ Amazon nach oben.
Mit dem Comeback des US-Onlinehändlers hatte niemand gerechnet. Wer wird nun das Rennen machen?
Es ist der Kampf der Giganten: Jack Ma
gegen Jeff Bezos. Die erste Runde ging mit
einem phantastischen Börsengang mit immensen Kurssteigerungen im September
an Ma, den Börsenneuling und -liebling
aus China. Dagegen der Altmeister aus
Seattle, der am liebsten Geld verliert, um
irgendwann mal Geld zu gewinnen. Und
der weiß zu kämpfen. Amazon-Chef Jeff
Bezos holte völlig unerwartet gute Zahlen
aus dem Zauberhut. Die Weihnachtsrunde
geht an Amazon.
18
Das Gute vorweg: Amazon hat Geld verdient im abgelaufenen
Quartal. Das ist wahrlich nicht immer der Fall und die Börse ist
verwirrt. Immerhin 214 Millionen Dollar netto blieben hängen.
Im Vorjahresquartal waren es zwar noch 239 Millionen Dollar, es
geht also abwärts. Doch das ist nichts verglichen mit dem dritten
Quartal 2014, in dem Chef und Gründer Jeff Bezos seine Aktionäre mit einem Nettoverlust von 437 Millionen Dollar verschreckt
hatte. Zur gleichen Zeit spricht alle Welt nur noch über Alibaba:
den Börsengang des hochprofitablen Handelsgiganten aus China,
der den westlichen Cyberspace erobern will.
Jetzt lüftet Bezos im Gegenzug ein wenig den Vorhang und
zeigt, dass er auch anders kann, wenn er denn will. Er hält die
BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
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Investitionen etwas zurück und lässt Ruhe
an der Börse einkehren. Vorausgesagt
hatte er im Oktober zum Beispiel für das
Weihnachtsquartal ein operatives Ergebnis
zwischen Minus 570 Millionen und Plus
430 Millionen Dollar. Tatsächlich wies er
jetzt mit einem satten Plus von 590 Millionen Dollar ungewöhnlich viel mehr aus.
Am Ende stand dann ein Gewinn pro Aktie von 0,45 Cent. Wieder weniger als im
Vorjahr mit 51 Cent, aber deutlich mehr
als die traumatisierten Analysten mit 0,17
Cent erwartet hatten. Das scheint zumindest genau das zu sein, was die Aktionäre
sehen wollten. Es gibt scheinbar einen
„Gewinnschalter“, den Bezos nur umlegen
muss, damit das Geld sprudelt. Der Trick
zeigt Wirkung. Der Lohn: Die Aktie schoss
nachbörslich um über zehn Prozent in die
Höhe.
Da gefriert dem anderen Zauberer des Onlinehandels das Grinsen im Gesicht. Ma
legte für Alibaba am gleichen Tag ein Umsatzplus von 40 Prozent auf 4,2 Milliarden
Dollar vor. Pro Aktie quetscht er mit 81
Cent fast doppelt so viel Gewinn aus dem
Umsatz wie Bezos. Insgesamt netto 965
Millionen Dollar, allerdings, so wie bei
Amazon, weniger als im Vorjahr. Was hält
die Wall Street davon? Wenig, es ging krachend um neun Prozent abwärts auf 89,81
Dollar.
Bei Amazon störte dagegen noch nicht
einmal das unter den Erwartungen gebliebene Umsatzwachstum von 15 Prozent auf
29,33 Milliarden Dollar. Oder die Vorhersage eines möglichen erneuten operativen
Verlusts von bis zu 450 Millionen Dollar
im laufenden Quartal. Bezos schaltet wieder in den „Investitionsmodus“. Doch er
hat auch etwas vorzuweisen, was Ma fehlt:
Elektrisierend und ein potenzieller Garant
für langfristiges Gewinnwachstum ist das
Wachstum im Bereich der sogenannten
19
„Prime“-Kunden. Sie zahlen 99 Dollar für unbegrenzte kostenlose
Warenlieferungen, Online-Musik, eine Auswahl an eBüchern und
den Videodienst Amazon Prime Video. Die Zahl der zahlenden
Kunden sei im Quartal „um 53 Prozent gestiegen“, verkündete
Bezos. Um der Zahl mehr Gewicht zu verleihen, geheimnisste er
hinzu „auf einer Basis im zweistelligen Millionenbereich“. Mehr
gibt es nicht an Details.
Aber so oder so scheint die Zahl solide. Denn in 2014 setzte Bezos das Jahresabonnement im März von 79 auf 99 Dollar herauf.
Die Frachtkosten und Milliardeninvestitionen in Videoinhalte
wie eigene Serien liefen ihm davon. „Alleine in 2014 haben wir
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Alibaba seit IPO
Stand: 30.01.2015
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Fotos: Amazon, Alibaba
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Milliarden von Dollar für den Versand
ausgegeben und 1,3 Milliarden Dollar in
Inhalte investiert.“ Jetzt wird Amazon mit
Starregisseur Woody Allen eine neue Serie
für den Onlinedienst drehen und
Kinofilme produGerade mal 38 Prozent aller zieren. Jack Ma
Markenwaren auf den Portalen dagegen sieht sich
in China sind echt. ernsten Problemen
gegenüber: Gerade
mal 38 Prozent
aller Markenwaren auf den Portalen in
China sind echt, konstatierte am Mittwoch
das staatliche chinesische State Administration of Industry and Commerce. Der Rest
sind Fälschungen. Die Behörde geht soweit,
anzudeuten, Alibaba dulde oder erlaube
diese Verkäufe. Executive Vice Chairman
Joe Tsai zeigte sich im Analystengespräch
„sehr besorgt“ wegen der Anwürfe. Das
Unternehmen will gegen die Veröffentlichung vorgehen und gegebenenfalls eine
offizielle Beschwerde einlegen.
Am Ende könnte aber etwas anderes ausschlaggebend für die Zukunft werden:
Im Laufe des Jahres werde Amazon damit
20
beginnen, so Finanzchef Tom Szkutak, die Zahlen für Amazons
Cloudservice AWS zu veröffentlichen. Noch ist AWS, der Anbieter
von Dienstleistungen, Rechen- und Speicherkapazitäten für Unternehmen im Internet, verschämt unter „Sonstiges“ versteckt.
Das ist ein Mischmasch aus Kreditkarten-Arrangements und
kleinen Nebengeschäften. Aber der mit Abstand größte Teil, so
Analysten, ist der Webservice. Und der wächst ungebremst. Der
Bereich „Sonstiges“ in den USA, hier ist AWS verbucht, sprang
um 43 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar. Das am schnellsten
wachsende Segment innerhalb Amazons. Beim Cloud-Computing ist Amazon einsamer Marktführer. Wer das Rennen machen
wird, ist noch nicht ausgemacht, glaubt Lydia Leong, Analystin
bei Gartner Research. Aber es wird auch Verlierer geben: „Amazon hat so einen großen Vorsprung“, so Leong Anfang November gegenüber dem Handelsblatt, „dass sie auf absehbare Zeit
Marktführer bleiben werden. Microsoft wird erfolgreich sein,
aber viele Unternehmenskunden mit Hybrid-Clouds haben. Was
mit Google wird, muss abgewartet werden.“ Derzeit versucht der
Such-Riese sich vor allem mit Dumpingpreisen ins Geschäft zu
boxen. IBM oder Dell? „Denen gebe ich nur wenige Chancen“,
so Expertin Leong. Doch was für Bezos zählt, ist erst einmal
das langfristige Potenzial. AWS-Vize-Präsident Andy Jassy sieht
da noch einiges kommen. „Wir sind weiter der Meinung, dass
AWS der größte Teil von Amazon werden könnte“, versicherte er
gegenüber dem Handelsblatt im November auf der Haustagung
re:invent. Um das zu kontern, da muss Jack Ma noch lange suchen. Handelsblatt / Axel Postinett
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Foto: santander.de
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Trügerische Europhorie
für die Banco Santander
Die Aktie der spanischen Großbank Banco Santander befindet sich aktuell deutlich im Minus.
Vergangene Woche hatte die Ankündigung der EZB, im großen Stil Staatsanleihen zu kaufen, für
eine kurze Erholung gesorgt. Chefin Ana Botín fand dafür nur lobende Worte und kündigte neue
Kredite ihrer Bank an. Die Verschnaufpause war jedoch indes vorbei.
In Europa kämpfen viele Banken noch immer mit den Folgen der letzten Finanzkrise.
Staatliche Hilfen sind für manche Institute
überlebensnotwendig. Die spanische Großbank Banco Santander bestand hingegen
schon 2012 einen nationalen Stresstest,
genau wie BBVA und la Caixa. Auch die
22
EZB-Prüfung im letzten Jahr ging positiv aus. Im dritten Quartal
2014 überraschte sie Analysten und Anleger dann mit einer starken Steigerung des Ergebnisses. Der Gewinn lag bei über 1,6 Milliarden Euro, was das stärkste Resultat seit zehn Quartalen bedeutete. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum war der Profit sogar um
mehr als die Hälfte gestiegen. Das der Marktkapitalisierung nach
größte Geldhaus der Eurozone erwirtschaftete rund 39 Prozent des
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Gewinns in den ersten drei Monaten 2014
in Lateinamerika, worunter die Spanier
auch Brasilien verstehen. Weitere 20 Prozent
fielen auf Großbritannien, während Kontinentaleuropa 32 Prozent beitrug, davon vier
Prozent aus Deutschland.
Die internationale Aufstellung der spanischen Großbank schlägt sich deutlich
in der Unternehmensstruktur nieder. Vor
allem seit den Neunziger Jahren ist das
Kreditinstitut durch Übernahmen und
Fusionen gewachsen. Das Financial Stability Board zählt die Bank heute zu den
systemisch bedeutsamen Finanzinstituten,
was mit besonders strengen Regelungen
bezüglich des Eigenkapitals einhergeht.
Entsprechend beeindruckend lesen sich
die Kennzahlen der Banco Santander, die
häufig auch als Grupo Santander oder ganz
ohne Zusatz genannt wird. Tatsächlich
ist die „Banco Santander S.A.“ die Mutter der größten Bankengruppe (Grupo)
Spaniens. Mit über 183.000 Mitarbeitern
weltweit verfügt sie über ein breites Netzwerk an Verbindungen im Privat- wie um
Firmenkundengeschäft.
Dividendenkürzung schockiert
Investoren
Zu ihren Angeboten zählen nicht nur Kreditkarten und Darlehen, sondern zum Beispiel auch Cash Management und Vermögensverwaltung für Unternehmen. Etwa
15.000 Niederlassungen der Bankengruppe
sind über den Globus verteilt, die meisten
davon befinden sich in Europa und Lateinamerika. Daher wurden einige der ausländischen Töchter der Banco Santander auch
eigens an der Börse notiert, etwa jene aus
Chile oder Brasilien. Die Banco Santander
S.A. wiederum ist an fünf Börsen notiert:
LSE, NYSE, Euronext sowie an den Handelsplätzen in Madrid und São Paulo. Ihre
Aktien werden in Abgrenzung zu den regionalen Töchtern unter der Bezeichnung
„Banco Santander Central Hispano S.A.
(BSCH)“ gehandelt. Über 3,3 Millionen
23
Aktionäre sind an der Großbank beteiligt, laut Consorsbank liegen
knapp 74% der Aktien im Streubesitz.
Auf ihrer Website rühmt sich die Großbank unterdessen noch, im
fünften Jahr in Folge eine Dividende von 0,60 € an die Aktionäre
auszuzahlen. Doch seit Anfang Januar ist klar: Dieser Betrag wird
2015 um zwei Drittel auf nur noch 20 Cent gekürzt. Die Chefin
des Verwaltungsrates, Ana Botín, kündigte diesen Schritt sowie
eine große Kapitalerhöhung vor kurzem an. Investoren zeigten sich
darüber nicht gerade begeistert und verursachten einen ordentlichen Kurssturz von 6,65 Euro auf 5,91 Euro. Dabei war Analysten
zufolge mit dem Schritt zu rechnen gewesen. Wofür die 7,5 Milliarden an zusätzlichem Kapital genau verwendet werden sollen,
ist noch unklar. Laut Reuters erklärte Botín in einem internen
Dokument: "Die Kapitalerhöhung wird es uns ermöglichen, die
Zahl unserer Verbraucherkredite und den Marktanteil in unseren
Kerngebieten zu steigern." Generell wird die Bank dadurch im internationalen Konkurrenzkampf gestärkt.
Botín lobt in Davos die EZB
Ana Botín verfolgt also weiterhin den Kurs, den sie bei Amtsantritt
ausgegeben hatte. Nach dem Tod ihres Vaters Emilio, der die Bank
28 Jahre lang geleitet hatte, wurde sie Ende 2014 mit breiter Zustimmung zur Chefin der Banco Santander gewählt. Schon zuvor
galt sie als eine der einflussreichsten Managerinnen Europas. Ihre
Berufung an die Spitze der spanischen Universalbank stellte ein
Novum in der Branche dar und brachte ihr wohl unter anderem
die Einladung zur Podiumsdiskussion in Davos ein. Beim Weltwirtschaftsforum treffen Größen aus Politik und Wirtschaft aufeinander, um drängende Probleme wie etwa das schwache Wachstum in Europa zu diskutieren. Ana Botín nutzte die Gelegenheit,
Banco Santander
BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
Stand: 30.01.2015
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Unternehmen der Woche
um die jüngste geldpolitische Entschei- zudem die Wichtigkeit struktureller Reformen, wie sie zuletzt
dung der Europäischen Zentralbank zu etwa in Spanien umgesetzt wurden. Die spanische Automobilinloben und zu betonen, wie wichtig dieser dustrie sei nun produktiver als die deutsche, auch wurden in den
Schritt auch für das Engagement ihrer letzten 12 Monaten rund 300.000 neue Arbeitsplätze geschaffen.
Banco Santander sei.
Tatsächlich gehen die wirtschaftliche Erholung des südeuropäiEZB-Chef Mario Draghi hatte am 22. Ja- schen Krisenstaates und die Erfolge der Banco Santander Hand
nuar den massiven Kauf von Staatsanleihen in Hand. Für das Gesamtjahr 2014 erwartet die Bank einen Anangekündigt, die Vorhersagen jedoch in stieg des Gewinns um 30 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro. Ein
Umfang und Dauer des Programms noch Rückgang fauler Kredite sowie höhere Zinseinnahmen hätten für
übertroffen. Ab März 2015 will die EZB eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu 2013 gesorgt. Die
monatlich rund 60 Milliarden Euro in endgültigen Ergebnisse sollen Anfang Februar verkündet werden.
Staatsanleihen investieren. Das Programm Indes sind die Analysten mit ihren Einschätzungen der spanischen
soll bis September 2016 dauern und verhalf Großbank noch sehr zurückhaltend. Ignacio Sanz von der Schweieuropäischen Akzer Großbank UBS schrieb am Mittwoch,
tien noch am Tag
also noch vor der bedeutsamen EZB-Presder Ankündigung
sekonferenz, Santander könne zwar vom
Die
Kapitalerhöhung
wird
es
zu einem kräftigen
schwachen Euro profitieren. Doch der spauns ermöglichen, die Zahl
Anstieg. Der Deutnische Bankensektor sei insgesamt als eher
u
­
nserer
Verbraucherkredite
sche Aktienindex
schwach einzuschätzen. Das Kursziel bleibe
und den Marktanteil in unseren daher mit einer neutralen Bewertung bei 7
DA X e r r e ic ht e
Kerngebieten zu steigern.
am Freitag gar ein
Euro. Die Deutsche Bank beließ die Aktie
neues Allzeit-Rein einer Einschätzung von voriger Woche
kordhoch von weit
auf „Hold“ mit einem Kursziel von 5,80
über 10.600 Punkten. Für die Aktie der Euro. Analyst Raoul Leonard führte das Argument ins Feld, dass
Banco Santander bedeutete die Nachricht iberische Banken Schwierigkeiten bei der Ertragssteigerung bezwar keinen Aufstieg in schwindelerre- kommen würden. Womöglich haben beide Analysten nicht mit der
gende Höhen, doch die Erholung vom letz- Großzügigkeit der EZB gerechnet, deren Kauf von Staatsanleihen
ten Kursschock wurde zunächst fortgesetzt. im angekündigten Maße auch das Geschäft der Banco Santander
Mittlerweile liegt der Kurs wieder im Mi- wieder deutlich antreiben könnte. Der Aktienkurs reagierte am
nus. Ana Patricia Botín-Sanz de Santuola y Donnerstag und Freitag mit einem Plus von etwa einem Prozent
O'Shea, so der volle Name der 54-Jährigen und erreichte wieder einen Stand von über 6,20 Euro.
Spanierin, bezeichnete die EZB-Entschei- Diese kurzfristige Erholung war jedoch nicht von langer Dauer,
dung als lange erwartete Antwort auf eine da passen die Analystenmeinungen wieder deutlich besser ins
belastende Deflationsgefahr.
Bild. Während das Papier am Montag an der Madrider Börse
(SIBE) sogar noch 6,25 Euro erreichte, verzeichnete es anschlieSchwacher Euro und EZB-Pläne:
ßend fast kontinuierliche Verluste. Am Mittwoch schloss der
Chance vorerst verpasst
Kurs mit einem Minus von rund drei Prozent bei 5,96 Euro.
Ihrer Meinung nach sei der Euro lange Für die kommenden Monate ist es unwahrscheinlich, dass die
stark überbewertet gewesen, der aktuelle Aktie der Banco Santander zum absoluten Renner wird. DenStand zum US-Dollar von weniger als 1,15 noch: Sollten die Maßnahmen der EZB echte Wirkung zeigen,
Euro hingegen ein fairer Preis – eine be- könnte sie mittelfristig ein interessantes Investment sein. Anlesondere Form der „Europhorie“. Man sei ger sollten hier den Euro im Vergleich zum US-Dollar gut im
nach der jüngsten Kapitalerhöhung und Blick behalten, zudem könnten eventuell Konjunkturschübe in
den nunmehr positiven Aussichten für den Kernmärkten für Überraschungen sorgen. Am wichtigsten
Europa bereit, wieder mehr Kredite aus- dürfte aber die Entwicklung der Kreditgeschäfte werden. Bis dazugeben und damit das Quantitative Ea- hin bleibt 2015 erst einmal sehr enttäuschend für die Aktie der
sing (QE) zu unterstützen. Botín betonte Banco Santander. MM
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Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Teilnahmeschluss ist der 30. November 2014.
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Wiki-Duell
Das Börse-am-Sonntag
Wiki-Duell
Wer ist der bessere Trader – der clevere Student oder der erfahrene Marktteilnehmer? In dieser und der
nächsten Woche stellen wir die beiden Protagonisten für unser Wiki-Duell vor. In den folgenden Wochen
beobachten wir, wie die sich beiden Kontrahenten in der rauhen Börsenwirklichkeit bewähren. SilverWiki vs. Student-Wiki: in den nächsten Wochen erfahren Sie mehr darüber. Seien Sie gespannt!
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Die Bergtour geht weiter
Die beiden Wikifolio-Trader Javo und MarKowitz starten dieses Jahr mit Rückenwind durch.
Der Silver-Wiki baut seinen Vorsprung gegenüber dem Student-Wiki aus.
Javo liegt vor MarKowitz
Seit dem Start des Wiki-Duells im Oktober 2014 konnte Javos
Dividendenstrategie um stolze 29 Prozent zulegen. Sein Kontrahent, der Student-Wiki MarKowitz, hält mit seinem Wikifolio „Future Stable Growth“ (Symbol: WFMKOWITZ1, Zertifikat: ISIN: DE000LS9DYJ0) dagegen. Seit dem Duellstart
liegt sein Depot mit rund 7,5 Prozent im Plus. In den vergangenen Wochen steigerte sich der Depotwert um 4,5 Prozent.
Sein erfolgreichstes Investment ist: BB Biotech. Das gleiche Papier also, das auch Javo ein dickes Plus beschert hat. Bei MarKowitz zeigt die Position einen Zuwachs von rund 47 Prozent.
Sein schlechtester Kauf ist Stratasys. Das Papier des 3D-DruckKonzerns machte bislang einen Verlust von rund 25 Prozent.
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Wie es an der Börse und mit dem Wikifolios der beiden Trader weitergeht, erfahren Sie in den kommenden Ausgaben von „Börse am Sonntag“.
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BB Biotech als Top-Performer
Zu den Top-Performern seines Portfolios gehört zweifelsohne die
Aktie von BB Biotech. Die Schweizer Beteilungsgesellschaft investiert in börsennotierten Unternehmen, die neue Medikamente entwickeln und vermarkten und bei denen die Produktentwicklung
bereits ein reiferes Stadium erreicht hat. Die Holding ist hauptsächlich im nordamerikanischen und europäischen Markt tätig. In
den vergangenen vier Wochen steigerte die Aktie ihren Wert um
stolze 26 Prozent. Die Position ist in Javos Wikifoli, das bereits seit
Ende 2012 besteht, mit 15 Prozent gewichtet. Seit Auflegung der
Dividendenstrategie liegt BB Biotech bei Javo mit 95 Prozent im
Plus und ist damit bislang seine erfolgreichste Position.
In Javos Wikifolio läuft es eigentlich nur mit einem der
insgesamt zwölf Titel schlecht. Die Aktie des US-Kaffeemaschinenherstellers Keurig Green Mountain, ehemals
Green Mountain Coffee Roasters (GMCR) liegt mit
elf Prozent in den roten Zahlen. In den
vergangenen vier Wochen fiel der Kurs
der Aktie um knapp drei Prozent. Javos Kommentar: „GMCR hat
eine wichtige Kursschwelle unterschritten, die zu Vorsicht rät. Vor
dem Hintergrund, dass GMCR am 04.02. Q-Zahlen bringt und
ich von unangenehmen Nachrichten nicht überrascht werden will,
weil ich nächste Woche nicht da bin, habe ich eine Limit Order
platziert.“ Mit anderen Worten: Geht es mit dem Titel weiterhin
bergab, sollen die Aktien bei einer bestimmten Kursschwelle verkauft werden.
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Im ersten Monat des Jahres ging es an der Börse so richtig rund.
Zur Freude vieler Aktienanleger. Der DAX brachte es auf eine Performance von plus zehn Prozent und eilte von Rekord zu Rekord.
Ausgangspunkt waren nicht die fundamentalen Geschäftszahlen
der Unternehmen. Wieder einmal war es die Europäische Zentralbank (EZB), welche die Liquiditätsschleusen öffnete. Mehr als
eine Billion Euro will sie durch den Ankauf von Staatsanleihen in
die Märkte pumpen – deutlich mehr als erwartet.
Wie steht es mit unseren beiden Wikifolio-Tradern? Konnten
sie den Schwung in diesem Jahr mitnehmen? Silver-Trader Javo
ist mit seinem Wikifolio „Die Dividendenstrategie“ (Symbol:
WFDJ131154) im Rennen, in das Anleger auch per Zertifikat investieren können (ISIN: DE000LS9APT3). Die Performance des
vergangenen Monats liegt bei plus neun Prozent und damit knapp
hinter dem DAX.
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Parlamentswahl
Haben die Griechen den „Grexit gewählt?“
Mit dem Sieg der Linksallianz Syriza bei den griechischen Parlamentswahlen hat Griechenland „alle Vorbereitungen getroffen, um
sich selbst aus der Euro-Zone zurückzuziehen“, sagt der Finanzanalyst Antonio Sommese. Denn losgelöst davon, welche politische Partei das Sagen hat, sei das dringendste Problem des Landes
die katastrophale Finanzlage, stellt der Experte klar. Griechenland
muss im ersten Quartal bis zu 4,3 Milliarden Euro für Kredite zurückzahlen, davon allein 2,8 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF), zeigt Sommese die Faktenlage auf.
Diesen Verpflichtungen kann Griechenland laut Antonio Sommese nur nachkommen, wenn das zweite EU-Hilfsprogramm bis
28. Februar ordnungsgemäß abgeschlossen ist. Genau dies hält der
Finanz¬analyst für „äußerst fraglich im Angesicht der politischen Situation nach den Parlaments¬wahlen“. Dies wäre nämlich nur möglich, wenn die neue Regierung mit der in Athen sehr unbeliebten
Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), IWF und EU-Kommission eine Einigung zu den noch nicht umgesetzten Reformen,
etwa am Arbeitsmarkt oder bei der Mehrwertsteuer, erzielt. „Wenn
Griechenlands neuer Polit-Superstar Alexis Tsipras auch nur an der
Hälfte dessen, was er im Wahlkampf verkündet hat, festhält, scheint
ein Kompromiss mit der Troika ausgeschlossen“, meint Antonio Sommese. Vielmehr, so
prognostiziert der Finanzanalyst, wird die
neue griechische Regierung lauthals nach
einem Schuldenschnitt rufen – „und den
können die EU-Partner niemals gewähren,
weil sie damit einen Präzedenzfall auch für
andere Staaten schaffen würden“, analysiert Antonio Sommese. Die Beschaffung
neuer Mittel auf den Kapitalmärkten dürfte
Griechenland ebenfalls nicht gelingen, die
Wahlen haben die Zinsen für Anleihen des
Landes schon jetzt in die Höhe getrieben.
„Das sogenannte dreckige Ende steht zu
befürchten“, sagt Finanzexperte Antonio
Sommese, und verdeutlicht, was er damit
meint: „Staatsbankrott, Sturm auf die Banken, Zusammenbruch der Institute, Austritt
aus dem Euro und Wiedereinführung der
Drachme.“
Infineon
Glänzende Zahlen
Der schwache Euro sorgt beim Chipkonzern Infineon für gute
Laune. Die Bayern haben im vergangenen Quartal besser wegen
des verhältnismäßig starken Dollars und geringerer Kosten für ihre
Konzernzentrale besser abgeschnitten als vorausgesagt. Der Umsatz kletterte binnen Jahresfrist um 15 Prozent auf 1,13 Milliarden
Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Der Überschuss stieg um gut die Hälfte auf 136 Millionen Euro. Aber auch
operativ habe sich sein Haus gut geschlagen, erklärte Vorstandschef Reinhard Ploss. Die Betriebsrendite lag beim langfristigen
Unternehmenstermine
Datum
02.02.2015
03.02.2015
03.02.2015
04.02.2015
04.02.2015
04.02.2015
04.02.2015
04.02.2015
Uhrzeit
Name Ereignis
-Exxon Mobil Ergebnisbericht 2014
-
Chipotle Mexican Grill Ergebnisbericht 2014
-
United Parcel Service Ergebnisbericht 2014
-
General Motors Ergebnisbericht 2014
-
Heidelberger Druckmaschinen AG 9-Monatsbericht 2014/15
-
Keurig Green Mountain Ergebnisbericht 2014
-
Merck & Co Ergebnisbericht 2014
-
Sky Deutschland AG
Halbjahresbericht 2014/15
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Zielwert von 15 Prozent. Vor allem das
Geschäft mit Chips für die Automobilindustrie brummte. Insbesondere die deutschen Nobel-Anbieter hätten groß bei Infineon eingekauft. Aber auch der Absatz von
Steuerungschips für Netzgeräte von Smartphones und Tablets sei ungebrochen hoch.
„Wir sind gut in das neue Geschäftsjahr
gestartet“, sagte Ploss. „Infineon ist richtig
aufgestellt, um auch mit Unsicherheiten in
unseren Märkten umzugehen.“ Die Übernahme des US-Rivalen International Rectifier werde sein Haus weiter beflügeln. Für
das gesamte Geschäftsjahr sagte Ploss ohne
den Beitrag der Amerikaner ein Umsatzplus von zwölf Prozent bei einer operativen
Rendite von an die 15 Prozent voraus. Eine
Prognose mit den integrierten Zahlen von
International Rectifier will Infineon Anfang Mai vorlegen. Handelsblatt / rtr
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Börse München
Neues Handelssystem
Gettex, das neue Handelssystem der Börse München, läuft seit
rund zwei Wochen, und es scheint sich zu bewähren. Jochen Thiel,
Vorstand der Bayerischen Börse AG, ist zufrieden: „Mit der comdirect bank AG haben wir eine erste, starke Partnerin gewonnen,
die als Marktführerin im Online-Wertpapiergeschäft über 1,8
Millionen Privatkunden den Zugang zu Gettex ermöglicht“. Market Maker für mehr als 13.000 Wertpapiere ist die Baader Bank
AG, Marktführer unter den deutschen Maklern. Im Rahmen einer
Präsentation stellt der Vorstand der Bayerischen Börse AG heraus, dass Gettex ein in Deutschland einmaliges Produktspektrum
im Market Maker Modell bietet. Auf der Webseite www.gettex.
de finden Anleger kostenlose Realtime-Kurse. Dort sehen sie auf
einen Blick die Entwicklungen auf den wichtigsten Märkten und
bei allen Wertpapiergattungen – davon über 2.800 Aktien, mehr
als 6.000 Anleihen, darunter ein einzigartiges Angebot von über
2.500 Fremdwährungsanleihen, sowie Fonds, ETFs und ETCs.
Die Handelszeit beginnt um 8 Uhr und endet um 22 Uhr. Gettex
kennt alle gängigen sowie auch „intelligente Ordertypen“ wie zum
Beispiel Trailing Stops. Das Angebot richtet sich an aktive Anleger, die sich schnell und fokussiert informieren und unverzüglich
handeln wollen, ohne dafür Courtage oder andere Entgelte zahlen
zu wollen. Verlässliche Preise und eine sofortige Ausführung unter Aufsicht der öffentlich-rechtlichen Handelsüberwachung sind
Markenzeichen von Gettex. Der neue Börsenplatz Gettex wird auf
einem neuen System betrieben, das die Bayerische Börse AG mit
pdv Financial Service GmbH, Hamburg, entwickelt hat. „Durch
den Einsatz von etablierten Standardmodulen konnten wir die
Entwicklungszeit kurz halten“, so Thiel. Ziel ist es, die gesamte
Wertschöpfungskette im Wertpapierhandel für Marktteilnehmer
der Börse zu optimieren, Synergien zu schaffen und so für Anleger
Kosten zu sparen.
Bouwfonds
Startschuss für zweiten geschlossenen Publikumsfonds
Die BaFin hat den Vertrieb von Anteilen an dem geschlossenen
Publikums-AIF ‚Bouwfonds Private Dutch Parking Fund II‘ gestattet. Der Fonds, der sich vorrangig an private und semi-professionelle
Investoren richtet, hält ein Portfolio von sechs Parkhausimmobilien
in den Niederlanden. Fünf davon liegen in zentralen Innenstadtlagen in den Städten Amsterdam, Amersfoort, Breda, Eindhoven und
Zaandam. Das sechste Objekt befindet sich in Nieuwegein, einem
Krankenhausstandort in der Nähe von Utrecht. Bouwfonds IM
plant, Eigenkapital in Höhe von rund 55 Mio. Euro einzusammeln.
Das Gesamtinvestitionsvolumen, inklusive Fremdkapital, beläuft
sich auf rund 97 Mio. Euro. Das Amsterdamer Objekt ist an die
Gemeinde Amsterdam vermietet, die übrigen fünf Parkhäuser an das
Unternehmen Q-Park, einem der drei führenden Parkhausbetreiber
Europas. Die Mietverträge sind indexiert und haben eine Laufzeit
zwischen 15 und 45 Jahren. Die Mieteinnahmen bieten Anlegern
damit einen regelmäßigen Zahlungsfluss und langfristige Prognosesicherheit. Durch die vereinbarten Preisindexklauseln besteht zudem
durchaus Steigerungspotential und Inflationsausgleich. Der Markt
für niederländische Parkhäuser war historisch stabil und bietet nach
Einschätzung von Bouwfonds IM langfristig sehr gute Aussichten:
29
Die Anzahl der Haushalte, Fahrzeuge und Arbeitsplätze ist in den
Niederlanden seit 1987 kontinuierlich gestiegen und wird Prognosen
zufolge weiter steigen. Dagegen blieb das Parkplatzangebot nahezu
unverändert. Durch die zunehmende Verdichtung der Innenstädte
geht Bouwfonds IM davon aus, dass Straßenparkplätze weiter reduziert und Parkhäuser stärker nachgefragt werden. Dementsprechend
stiegen die Parkplatzgebühren und die Parkhaustarife seit 2008 sogar
in deutlich stärkerem Maß als die Inflation. Wir freuen uns, mit
dem ‚Bouwfonds Private Dutch Parking Fund II‘ Investoren wieder eine Investitionsmöglichkeit in die attraktive Assetklasse Parkhausimmobilien bieten zu können. Parkhäuser zählen nach unserer
Erfahrung zu den soliden Sachwertanlagen mit einer geringen Konjunkturanfälligkeit und sollen Anlegern stabile Erträge bieten“, sagt
Roman Menzel, Head of Sales Private Funds bei Bouwfonds IM
Deutschland. „Der Vorgängerfonds, der ebenfalls in niederländische
Parkhäuser investiert ist, stieß bereits auf eine breite Nachfrage bei
Privatanlegern und Stiftungen. Daher haben wir den neuen Fonds
so konzipiert, dass er sich auch für Stiftungen eignet. Wir gehen von
einer zügigen Platzierung aus“, so Menzel weiter. Bouwfonds IM beteiligt sich als Co-Investor ebenfalls am Fonds.
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Tag der Aktie
Vier Direktbanken rufen „Tag der Aktie“ am 16. März aus
Keine Gebühren und Entgelte beim Aktienkauf – das soll ein Anreiz
für zögerliche Anleger sein: sie sollten aktiver ins Börsengeschehen einzugreifen, wenn gute Renditen in Sichtweite sein sollen. Deshalb haben
die Direktbanken comdirect bank, Consorsbank, DAB Bank und INGDiBa mitgeteilt. Dazu besteht wohl guter Grund. Die Hälfte der Deutschen (51 Prozent) glaubt, Aktien seien nur etwas für Reiche. De facto
hat jedoch ein Drittel (34 Prozent) der deutschen Aktionäre lediglich
Beträge bis zu 2.000 Euro investiert. Darüber hinaus nutzen 15 Prozent
der Depotinhaber einen Sparplan und können so bereits mit geringen
monatlichen Raten ab 50 Euro in Aktien investieren. Eine Studie der
vier Banken belegt dies. Sie zeigt aber auch, die Deutschen nur wenig
über Finanzen wissen. Sie überschätzen die Renditen für klassische Zinsprodukte wie Festgeld, Tagesgeld und Sparbuch, während sie die DAXEntwicklung der letzten Jahre deutlich zu niedrig bewerten. Die Einstellungen zu Geldanlagen stehen einer besseren Aktienkultur im Weg. So
wollen mehr Deutsche (49 Prozent) heute lieber gut leben als für morgen vorzusorgen (41 Prozent). 43 Prozent der Deutschen empfinden die
persönliche Finanzplanung als notwendiges Übel. Die Bundesbürger
sind unzufrieden mit ihrer Anlagesituation: 40 Prozent glauben, dass sie
ihr Vermögen besser anlegen könnten. Nur 28 Prozent sind davon überzeugt, bereits das Bestmögliche aus ihrem Geld zu machen. Fast jeder
Zweite (46 Prozent) bezeichnet die Aktie als „reines Spekulationsobjekt“.
Die Studie belegt aber: Fast drei Viertel (74 Prozent) der Aktionäre sind
keine „Zocker“. Sie handeln höchstens zweimal pro Jahr und halten
Aktien, Aktien-ETFs sowie Aktienfonds eher langfristig. Auch beim
Stichwort Risiko klaffen Vorurteil und Realität auseinander: Während
sechs von zehn Befragten die Aktienanlage für die risikoreichste aller
Investitionen halten, legt die überwiegende Mehrheit der Privatanleger
(71 Prozent) im Jahr 2014 konservativ oder sicherheitsorientiert in Aktien an – und erzielte damit positive Renditen. Deutschlands größte
Direktbankenstudie ist im Rahmen der „Aktion pro Aktie“ entstanden
– eine Zusammenarbeit von vier führenden Direktbanken: comdirect,
Consorsbank, DAB Bank und ING-DiBa. Ziel der Aktion ist es, einen
Umdenkprozess anzustoßen, um einen vorurteilsfreien und aufgeklärten Umgang mit dem Thema „Aktie“ zu fördern. Auf der gemeinsamen
Website www.aktion-pro-aktie.de finden Anleger weitere Informationen, Links und Wissensangebote. Unterstützt wird die „Aktion pro
Aktie“ unter anderem durch die Gruppe Deutsche Börse, die am 16.
März 2015 den „Tag der Aktie" veranstaltet. An diesem Tag entfallen
beim Kauf aller DAX-30-Aktien und ausgewählter DAX-30-ETFs über
den Handelsplatz Börse Frankfurt die Ordergebühren sowie weitere zusätzliche eigene und fremde Entgelte (zum Beispiel Courtage/variable
Börsenspesen und börsenplatzabhängiges Entgelt) ab einem Mindestvolumen von 1.000 Euro. Die „Aktion pro Aktie“ wird von vier führenden
deutschen Direktbanken durchgeführt: Die comdirect bank, die Consorsbank, die DAB Bank und ING-DiBa machen sich mit der „Aktion
pro Aktie“ stark für eine bessere Aktienkultur in Deutschland. Studien,
Bildungsangebote, Veranstaltungen, gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit
sowie der „Tag der Aktie“ leisten einen Beitrag dazu, das Thema stärker
in den Köpfen der Deutschen zu verankern und einen vorurteilsfreien
und aufgeklärten Umgang mit dem Thema Aktie zu fördern. Über ein
Online-Panel wurden insgesamt 2009 Personen befragt.
BIGBANK
Festgeldangebot gewinnt Anlegerpreis
Gleich zweifach wurde die estnische BIGBANK zuletzt für ihr Festgeldangebot auf dem deutschen Markt ausgezeichnet. Von der Wirtschaftszeitung Handelsblatt erhielt sie das Qualitätssiegel „TOP Festgeld 2014“, der Nachrichtensender n-tv verlieh ihr den Preis „TOP
Sparbriefbank“. Beide Untersuchungen wurden von der FMH-Finanzberatung durchgeführt. „Wir sind sehr stolz darauf, erneut für
unsere Festgeldangebote ausgezeichnet zu werden“, sagt Kaido Saar,
Vorstandsvorsitzender der BIGBANK. „Insbesondere der Nachrichtensender n-tv hat uns bereits mehrfach für unser Festgeldangebot
gekürt. Natürlich werden wir auch weiterhin versuchen, unseren Kunden sehr gute Konditionen anzubieten.“ Bei der Erhebung „TOP Festgeld 2014“ im Auftrag des Handelsblatts wurden über einen Zeitraum
von 50 Wochen die wöchentlichen Platzierungen unter den besten
drei Anbietern erhoben. Dabei wurden die Angebote von 76 Banken verglichen. Untersucht wurden Angebote für einen Anlagebetrag
30
von 10.000 Euro mit einer Laufzeit von zwölf Monaten. Dabei wurde
zwischen Offerten für Neukunden- und Bestandskunden sowie nach
Einlagensicherung unterschieden. Unter den Anbietern mit gesetzlicher Einlagensicherung erzielte die BIGBANK über den gesamten
Erhebungszeitraum insgesamt sieben Top-3-Platzierungen, davon belegte sie zweimal den ersten Platz und einmal den zweiten Platz. Beim
n-tv-Ranking „TOP Sparbriefbank“ wurden im vergangenen Jahr
über 52 Wochen die Angebote für Festgeld mit Laufzeiten von zwei,
vier und fünf Jahren verglichen. Aus den wöchentlich gespeicherten
Zinskonditionen der Festgeldangebote wurden Mittelwerte gebildet,
die als Basis in die Bewertung eingingen. Unter den Kreditinstituten
mit gesetzlicher Einlagensicherung erzielte das Festgeldangebot mit
einer Laufzeit von vier Jahren den vierten Platz, bei einer fünfjährigen
Laufzeit sogar den zweiten Platz. Insgesamt wurden 88 Banken in den
Vergleich einbezogen.
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Es ist Zeit für
«denkzeit»
Lesen Sie jetzt
die aktuelle Ausgabe!
präsentiert
Die neue „denkzeit“
erscheint als PDF-Magazin
am 9. März 2015
m A g A Z i N
f ü R
P o l i t i k ,
W i R t s c h A f t
Vergessen Sie
die News!
Rolf Dobelli rät zur radikalen Newsdiät
«Zum Glück bin
ich ziemlich robust»
Josef Ackermann über Zweckoptimismus
und Adrenalinquellen
Die aktuelle „denkzeit“ können Sie sich
auf der Seite des WirtschaftsKuriers unter
http://www.wirtschaftskurier.de/denkzeit.html
herunterladen.
Zu viel Einheit
verdirbt
den Brei
Peter Sloterdijk und Kai Konrad
über Machthypnosen
in der EU
in der EU
über Machthypnosen
Peter Sloterdijk und Kai Konrad
den Brei
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Erste Klasse in der zweiten Reihen –
ComStage MDAX-ETF
Auch wenn in der Berichterstattung über das Börsengeschehen in Deutschland die 30 DAX-Werte meist im
­Vordergrund stehen, lohnt sich ein Blick in die zweite Reihe der deutschen Aktienlandschaft allemal. Der MDAX,
die Benchmark der deutschen Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung unterhalb des DAX, enthält viele
Titel aus dem Segment der „old economy“ wie z. B. ­Maschinenbau- und Elektrotechnik-Konzerne. Investoren
können den Index kostengünstig mit einem MDAX-ETF (WKN: ETF007) aus dem Hause ComStage abbilden.
MDAX-Innenleben
Die Wiederentdeckung deutscher Immobilienwerte wie Gagfah,
Deutsche Wohnen und Deutsche Annington, die von Anlegern
einige Zeit verschmäht wurden, hat in den vergangenen Monaten
zu einer guten Performance des MDAX beigetragen. Alle drei Titel gehören hinsichtlich der Marktkapitalisierung zu den Top 10
des Index. Ebenfalls im Index vertreten sind Unternehmen, die
durch ihr Know-How in speziellen Nischen Weltmarktführer sind.
Zu den über lange Sicht erfolgreichen Unternehmen des MDAX
gehört der in Mannheim beheimatete Schmierstoff-Konzern Fuchs
Petrolub, der zurzeit vom niedrigen Preis für Öl profitiert, das die
Basis für Schmierstoff-Produkte bildet. Der Konzern ist zudem
ein fleißiger Dividendenzahler. Der MDAX enthält eine Reihe
eigentümergeführter Unternehmen, wie z. B. den Modekonzern
Gerry Weber. Bei diesen Firmen liegt der Fokus auf der langfristigen Wertsteigerung des Unternehmens statt auf einer kurzfristigen
Optimierung der nächsten Quartalszahlen.
Indexgewichtung
Ein Blick auf die Gewichtung der einzelnen Branchen zeigt die
Sektorenschwerpunkte des Index. Knapp 40% des Index machen
Industrietitel aus. Die Aktie mit der höchsten Gewichtung ist der
Flugzeughersteller Airbus Group (ca. 10 Prozent), ehemals EADS.
Die Aktie, deren Kursentwicklung durch die starke Gewichtung
den Index überdurchschnittlich bewegt, konnte in den vergangenen
Monaten keine Höhenflüge verzeichnen. Auch die Nachrichtenlage
spricht zurzeit nicht für die Aktie. Verteidigungsministerin von der
Leyen fuhr schweres Geschütz auf und kritisierte die Verschiebung
der Lieferung des von der Airbus Group hergestellten BundeswehrTransportflugzeugs A400M. Der Leiter der Sparte Militärflugzeuge
im Unternehmen, Domingo Ureña-Raso, machte daraufhin den
32
Abflug und verließ das Unternehmen. Experten sehen allerdings
Chancen für steigende Kurse bei Airbus. Rückenwind bekommt
Airbus momentan, wie auch andere MDAX-Konzerne, durch den
schwachen Euro im Vergleich zum US-Dollar, der einen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Konkurrenten Boeing bietet.
Performance
Betrachtet man einen längeren Zeitraum von zehn Jahren, in denen Aktionäre etliche Hochs und Tiefs erlebt haben, fällt auf, dass
der MDAX gegenüber seinem größeren Bruder die bessere Performance aufs Börsenparkett gelegt hat. Aktuell notiert der Index mit
Aktien mittlerer Marktkapitalisierung bei 18.600 Punkten. In den
letzten zehn Jahren lag der Wertzuwachs bei 229 Prozent. Im Vergleich dazu: Der DAX schaffte im selben Zeitraum nur 151 Prozent. Da der MDAX in den letzten Wochen deutlich zugelegt hat,
sollten sich auf dem aktuellen Kursniveau nur Anleger engagieren,
die mittel- bis langfristig investiert bleiben wollen. Auch wenn die
Aussichten weiterhin gut sind, muss kurzfristig nach dem starken
Anstieg auch mit einer Seitwärtsbewegung oder einem Rücksetzer
gerechnet werden. Der ComStage-ETF kann gegenwärtig zu 18,55
Euro erworben werden und bildet damit ein Tausendstel des Index
ab. Die Preisstruktur ist mit einer Kostenquote von 0,30 Prozent
sehr attraktiv.
ComStage MDAX TR UCITS ETF
ISIN:LU1033693638
Fondsvolumen
22,8 Mio. Euro
FondswährungEuro
Auflegungsdatum:24.03.2014
Gesamtkostenquote (p.a.):
0,30%
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Fonds der Woche
Wachstumsperlen im Blick
DNCA Invest
Europe Growth
Die französische Investmentboutique DNCA Finance bietet bereits seit längerer Zeit in Deutschland einen erfolgreichen Value-Aktienfonds, den DNCA Invest Value Europe (ISIN: LU0284396016) an. Mit einem Anziehen der Konjunktur in Europa geraten Wachstumswerte dieser Region wieder verstärkt in den Blickwinkel der Anleger geraten.
Der DNCA Invest Europe Growth (ISIN: LU0870553020), der dieses Aktienspektrum abdeckt und bereits seit längerer Zeit in Frankreich erhältlich war, kann seit Jahresbeginn auch von deutschen Investoren gekauft werden.
Investmentansatz
Das Anlageuniversum des Fonds bezieht neben Aktien aus der Eurozone auch Titel aus den skandinavischen Ländern, aus Großbritannien und der Schweiz mit ein. Grundsätzlich kann in Firmen mit unterschiedlichster Marktkapitalisierung investiert werden, die Mehrheit
liegt beim Börsenwert allerdings über fünf Milliarden Euro. Tendenziell im Vergleich zu den vorhergehenden Jahren aktuell der Anteil an
Unternehmen mit geringen und mittleren Marktkapitalisierungen im
Fonds gestiegen. Fondsmanager Carl Auffret setzt im Growth-Fonds
auf ein konzentriertes Portfolio von ca. 40 Einzelpositionen. Zudem
steht er klar zu seinen Überzeugungen. Die Top Ten des Fonds, in die
er investiert, machen nämlich ca. 50 Prozent des Fondsvolumens aus.
Anleger können davon ausgehen, dass der Fonds in jeder Marktlage
mindestens zu 95 Prozent investiert ist, auf Derivate wird verzichtet. „Für Growth-Investoren waren die letzten beiden Jahre an den
europäischen Märkten nicht leicht. Aufgrund der Tatsache, dass die
europäische Wirtschaft 2015 ein wenig besser dastehen dürfte, passt
eine Growth-Strategie optimal zu unserem vermögensverwaltenden
Ansatz“, so der Fondsmanager.
Auswahlkriterien
Unternehmen, deren Aktien den Weg ins Portfolio finden, werden auf
Herz und Nieren geprüft. Zu den Kriterien, die erfüllt werden müssen, gehört beispielsweise ein organisches Umsatzwachstum von über
fünf Prozent. Hinzu kommen u.a. eine hohe Cashflow-Generierung,
eine angemessene Bewertung und eine gute finanzielle Ausstattung
des Unternehmens sowie eine hohe Qualität des Managements. Unter
den Top Ten-Titeln sticht das französische Unternehmen Ingenico,
einer der führenden Anbieter von Lösungen für elektronische Zahlungssysteme, durch ein hohes organisches Umsatzwachstum ins
Auge. Attraktive Wachstums-Unternehmen findet Auffret auch im
33
Gesundheitssektor. Hier zählen beispielsweise die deutschen Konzerne Fresenius und Bayer zu seinen Favoriten. Aus Großbritannien
ist das Unternehmen Whitbread im Fonds vertreten, das unter der
Marke Premier Inn eine niedrigpreisige Hotelkette betreibt. Auch die
Kaffeekette Costa gehört zum Unternehmen. Premier Inn, das etwa
75 Prozent zum Whitbread-Umsatz beiträgt, profitiert von steigenden Marktanteilen und von finanziellen Problemen bei seinem Konkurrenten Travelodge. Zudem verfügt Whitbread über einen großen
Immobilienbesitz mit einem aktuellen Wert von 4,5 Milliarden britischen Pfund.
Blick auf die Performance und Fazit
Im vergangenen Jahr konnte der Fonds den Vergleichsindex, den
STOXX Europe 600 TR, deutlich übertreffen. Der Fonds erzielte
über zwölf Prozent an Wertzuwachs, während der Index 7,2 Prozent zugelegt hat. Auch seit Auflegung im Dezember 2012 ist die
Wertentwicklung beachtlich. Der Fonds legte über 49 Prozent zu,
der STOXX Europe 600 TR hat knapp 40 Prozent gewonnen. Die
Experten von DNCA Finance zeichnen sich durch große Erfahrung
in der sorgfältigen Auswahl von Aktien aus. Vor diesem Hintergrund spricht vieles dafür, dass sich der Fonds mit einem erfreulich
aktiven Investmentansatz auch künftig deutlich besser entwickelt
als der breite Markt.
DNCA Invest Europe Growth
ISIN/WKN:
LU0870553020/k. A.
Fondsvolumen:
240,6 Mio. Euro
Fondswährung:Euro
Auflegungsdatum:28.12.2012
Gesamtkostenquote (p.a.):
2,28%
BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
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Spezial
Wie die Fondsbranche auf
die turbulenten Zeiten reagiert
Zwar ist das neue Jahr erst einen Monat alt. Trotzdem gab es bereits genügend aktuellen Gesprächsstoff
für Fondsmanager und Vermögensverwalter, die sich traditionsgemäß Ende Januar in Mannheim zum wohl
wichtigsten Investmentfonds-Kongress Deutschlands eingefunden haben. Einige Überraschungen hielt der
Januar nämlich schon bereit. So gab die Schweizer Nationalbank beispielsweise die Euro-Aufkäufe über­
raschend und ohne Vorwarnung auf.
In der vergangenen Woche fand der Fondskongress 2015 in Mannheim statt. Traditionell ist das der Aufgalopp für das neue Jahr, es
geht um Perspektiven, Erwartungen und neue Produkte. Diesmal
war jedoch der Zündstoff der Weltmärkte und Währungsturbulenzen auf den Vorträgen und in Gesprächsrunden quasi mit Händen
zu greifen. Experten diskutierten, welche Folgen die Staatsanleihekäufe der EZB haben und wie es nach den Wahlen mit Griechenland weitergeht. Letztendlich ging es aber in unterschiedlichen
Varianten um mögliche Antworten auf die Frage aller Fragen für
Fondsmanager: Wie können in diesen Zeiten die besten Erträge für
Anleger erwirtschaftet werden?
Alternativlose Aktie
Der Begriff „alternativlos“ wird in der Politik gerne über die
Maßen strapaziert. Beim Mannheimer Fondskongress zögerten
bekannte Fondsmanager wie Dr. Jens Ehrhardt von der DJE Kapital AG oder Dr. Christoph Bruns von der LOYS AG zu Recht
nicht mit der Feststellung, dass an der Aktie auch 2015 kein Weg
vorbei führt und diese Anlageklasse somit alternativlos ist. Die
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BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
Argumente dafür sind nicht neu, dafür
aber sehr stichhaltig. Die niedrigen Zinsen führen bei vergleichsweise sicheren
Zinsanlagen wie zum Beispiel deutschen
Bundesanleihen in den sicheren Verlust.
Dem Ruf nach mehr Aktieninvestments
schloss sich auch der deutsche DachfondsPionier Eckhard Sauren an, der vor den
unterschätzten Auswirkungen eines möglichen Zinsanstiegs warnte, die Anleger
auch über ihre Lebensversicherungen
treffen können.
Mahnende Worte der Volkswirte
Der frühere Chef-Ökonom der EZB, Jürgen Stark, lenkte den Blick auf die Haushaltspolitik in Europa. Zu der ultralockeren
Geldpolitik stellte er fest, dass die EZB zwar
Zeit gekauft hat, die Zeit aber nicht für
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Spezial
Reformen genutzt wurde. Ländern wie Italien und Spanien wird
durch Niedrigzinsen der Druck genommen, ihre Haushalte zu konsolidieren. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hält einen Austritt
Griechenlands aus dem Euro-Währungsverbund, „Grexit“ genannt,
durchaus für ein Szenario, das Investoren im Auge behalten sollten.
Als Stimulus für mehr wirtschaftliche Dynamik hat Bofinger allerdings nur die alten Rezepte höherer staatlicher Investitionen, ohne
dabei zu berücksichtigen, dass gerade das hemmungslose Schuldenmachen der europäischen Staaten zur Finanzkrise geführt hat.
Der Schutzpatron der Aktionäre
Weitgehende Einigkeit unter den Kongressteilnehmern bestand
darüber, dass Mario Draghi durch den beschlossenen Ankauf von
Staatsanleihen von zunächst sage und schreibe 1,14 Billionen Euro,
zum Schutzpatron der europäischen Aktienmärkte geworden ist.
Und das umso mehr als seine US-amerikanische Kollegin Janet Yellen in den USA heuer wohl damit beginnen wird, den Märkten diese
Liquidität allmählich zu entziehen. Während einige Fondsmanager
Draghis Vorhaben mehr oder weniger positive Aspekte abgewinnen
konnten, gibt es auch kritische Stimmen. Diese verweisen darauf,
dass der EZB-Chef die Märkte verzerrt und durch die niedrigen
Zinsen Anleger in riskantere Anlageklassen wie Aktien gedrängt
werden. Wenn die Blase an den Rentenmärkten, die durch das Vorgehen der EZB entsteht, platzt, wären die Reaktionen für die Kapitalmärkte umso heftiger. Der rasche Nutzen des billigen Geldes
wurde in Frage gestellt. Trotz des Ankaufs von Staatsanleihen in
Höhe von monatlich 60 Milliarden Euro durch die EZB rechnet die
Fondsgesellschaft Standard Life Investments erst 2018 mit einem
wirtschaftlichen Aufschwung in der Eurozone.
Multi Asset liegt im Trend
Anleger befinden sich im Dilemma. Einerseits sind sie auf Erträge angewiesen, die über Anleihen nicht mehr generiert werden
können, andererseits sind ihnen Aktien zu schwankungsintensiv.
Manche haben bereits während der Finanzkrise kapituliert und
Aktienfonds mit Verlusten verkauft. Ein späterer Einstieg war ihnen zu riskant und wurde durch entgangene Chancen bestraft.
Der Kongress hat gezeigt, dass für viele Anleger, die in Fonds investieren, Mischfonds oder Multi-Asset-Fonds, die in mehr als die
beiden traditionellen Anlageklassen Aktien und Renten allokieren können, die erste Wahl bleiben. Die Produkte sollen in unterschiedlichen Marktsituationen im Idealfall einen kontinuierlichen
Ertrag und möglichst geringe Schwankungen aufweisen. In der
Fondskategorie „Mischfonds global ausgewogen“ erhielt der Fonds
Invest Balanced Strategy (ISIN: DK0016262132) aus dem Haus
der dänischen Investmentboutique Jyske den von den Veranstaltern ausgelobten Preis „Fonds des Jahres 2015“. Das von Flemming
35
BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
Larsen betreute Produkt, das seit 15 Jahren
auf dem Markt ist, kann je nach Marktsituation zwischen 30 und 60 Prozent in Aktien investieren. In den vergangenen zehn
Jahren verdienten Anleger mit dem Fonds
79 Prozent.
Rentierliche Anleihen
Viele private und institutionelle Investoren
können oder wollen nicht auf Anleihen
verzichten, so dass sich Fondsmanager und
Investmentgesellschaften auch beim Kongress in Mannheim die Frage stellen, wo
noch attraktive festverzinsliche Erträge
erzielt werden können. Einige Fondsanbieter, wie die französische Fondsboutique
Comgest, rechnen mit einem Erstarken der
Schwellenländer, die in den vergangenen
Jahren in der Gunst der Investoren nicht
sehr weit oben standen. Dabei setzen Experten nicht nur auf Aktien aus den Emerging Markets sondern auch auf Anleihen.
Haben die Fondsmanager den richtigen
Riecher, können hier nicht nur Zinserträge, sondern über Lokalwährungsanleihen auch mögliche Währungsgewinne vereinnahmt werden. Anleger, die sich keinen
Währungsrisiken aussetzen wollen, haben
auch die Möglichkeit, in Hartwährungsanleihen der Schwellenländer zu investieren.
Die Qual der Wahl
Vermögensverwalter, Finanzberater oder
erfahrene Privatanleger haben die Qual
der Wahl aus der Vielfalt der Produkte und
mit der richtigen Anlagestrategie individuelle Fonds-Portfolien zu kreieren. Kein
ganz simples Unterfangen, denn ein gutes
Fondsportfolio ist mehr als die Summe seiner Teile. Der Kongress hat gezeigt, dass
nicht nur die großen Fondsgesellschaften
sondern auch kleinere Investmentboutiquen interessante Fondsprodukte im Angebot haben, die einen Blick wert sind. Oft
werden sie in der Branche, die durch starke
Marketing-Auftritte der Platzhirsche bestimmt ist, zu wenig wahrgenommen.
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News
SWISSCANTO
Grünes Licht für Aktien aus Europa und Japan
Die Schweizer Fondsgesellschaft Swisscanto
sieht in den ersten sechs Monaten des aktuellen Jahres überwiegend positive Einflussfaktoren für Aktien. "Die großzügige
Geldpolitik der wichtigen Notenbanken ist
dabei das Hauptargument für steigende Aktienkurse", so Chefvolkswirt Thomas Liebi.
Im weiteren Verlauf des Jahres könnte nach
einer Zinsanhebung in den USA die Volatilität an den Märkten zunehmen. Allerdings
erwartet Liebi noch keinen Trendwechsel
an den Aktienmärkten. Er verweist auf die
Erkenntnis der Vergangenheit, dass auch ein
halbes Jahr nach einer ersten Zinserhöhung
und darüber hinaus weitere Kursgewinne
an den Aktienmärkten möglich sind: „Auf
mittlere und lange Sicht ändert sich aber
nichts an der Attraktivität der Anlageklasse
Aktien, zumal der festverzinsliche Bereich
guter Bonitäten auch bei moderaten Zinserhöhungen nicht ernsthaft in RenditeKonkurrenz zu Aktien beziehungsweise zu
einer Dividendenstrategie treten kann", so
Liebi. Neben europäischen Aktien, die er
im Vergleich zu US-amerikanischen Titeln noch für vergleichsweise günstig hält,
favorisiert der Aktien-Stratege Unternehmen aus Japan: „Japanische Aktien haben
bereits vergangenes Jahr ordentliche Renditen erzielt und diese Entwicklung sollte sich
fortsetzen. Denn die Politik der Bank of Japan bedeutet enormen Rückenwind für die
heimischen Aktienmärkte. Sehr interessant
erscheinen die Nebenwerte, die besonders
vom Gewinnwachstum durch die konjunkturelle Erholung profitieren. Auch dürften
Dividendenerhöhungen und Aktienrückkäufe bei den Small und Mid Caps deren
Attraktivität erhöhen.“
FLOSSBACH VON STORCH
Profiteure der Notenbankpolitik
Bert Flossbach, Gründer der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch
und Fondsmanager des mittlerweile 6,4
Mrd. Euro schweren Fonds FvS Multiple
Opportunities (ISIN: LU0323578657),
geht davon aus, dass die Zinsen dauerhaft
niedrig bleiben werden. Aus seiner Sicht
besteht keine Alternative, da ansonsten
die immens hohen Staatsschulden nicht
finanziert werden können. Wenn sich das
aktuelle Niveau extrem niedriger Zinsen
in den Köpfen der Anleger verankert,
erwartet Flossbach deutlich steigende
Bewertungen bei den Aktien und damit
einhergehend Kursgewinne. Der Experte
stellt zwar zum jetzigen Zeitpunkt absolut
betrachtet schon einen deutlichen Anstieg
des Kurs-Gewinn-Verhältnisses bei den
Aktien fest. Unter einem relativen Blickwinkel, also verglichen mit den niedrigen
Zinsen, sieht er noch deutlichen Spielraum nach oben. „Unserer Ansicht nach
werden Aktionäre in zehn Jahren mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
deutlich wohlhabender sein als heute, Inhaber von Sparbüchern und Bundesanleihen dagegen nicht“, so Flossbach. Neben
Aktien gehört für ihn auch Gold zu den
Gewinnern der Niedrigzinspolitik der
Notenbanken.
GAM
Chancen an den europäischen Aktienmärkten
Der Fondsanbieter GAM sieht für das laufende Jahr im Vergleich mit den USA eine
bessere Entwicklung an den europäischen Aktienmärkten. „Die letzten Jahre waren für die
europäische Wirtschaft zweifellos schwierig,
doch es mehren sich die Anzeichen für eine
reale Verbesserung, auch wenn die Anleger
sie bislang kaum wahrgenommen haben. Die
positiven Entwicklungen sind aktuell nicht
eingepreist, und das niedrige Bewertungsniveau wird die Rendite europäischer Aktien
entscheidend mitbestimmen“, so Niall Gallagher, Fondsmanager des GAM Star European Equity (ISIN: IE0002987190). Der
Experte weist darauf hin, dass europäische
Aktien ausgehend von dem um zyklische
Effekte bereinigten Kurs-Gewinn-Verhältnis
(CAPE-Ratio) mit einem Rekordabschlag
36
BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
von 40 Prozent gegenüber US-amerikanischen Papieren gehandelt werden. Die Maßnahmen der Notenbanken, Geld zu extrem
niedrigen Zinsen zur Verfügung zu stellen,
haben nach Gallaghers Einschätzung positive
Auswirkungen auf die Aktienmärkte. Zudem
mehren sich nach Auffassung des Fondsmanagers die Anzeichen für eine positive Konjunkturentwicklung in Europa.
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News
COMETIS AG
„Mittelstand bräuchte mehr institutionelle Inverstoren“
Deutsche institutionelle Investoren wie
Publikums- oder Spezialfonds ziehen sich
tendentiell weiter aus dem börsennotierten
heimischen Mittelstand zurück. Dies ist
eines der Ergebnisse aus der Studie „Wem
gehört der börsennotierte Mittelstand?
Update 2015“, die gemeinsam von der
cometis AG und dem Datenbankanbieter
Ipreo Ltd. erstellt wurde. In der aktuellen
Studie wurde die Aktionärsstruktur der
in den drei Nebenwerte-Indizes MDAX,
SDAX und TecDAX notierten Unternehmen analysiert. Demnach lagen zum Ende
des dritten Quartals 2014 nur noch 17
Prozent des institutionell gehaltenen Streubesitzes aller MDAXUnternehmen bei deutschen Investoren. Im SDAX hielten Institutionen mit Sitz in Deutschland stabil 23 Proznt, während sie
sich aus TecDAX-Unternehmen signifikant zurückzogen und mit
einem Anteil von 26 nun hinter nordamerikanischen Investoren
(30 Prozent) liegen. Capital World Investors ist dabei vor dem
norwegischen Staat mit 2,9 Mrd. Euro knapp der größte Investor
im MDAX. Nimmt man MDAX, SDAX und TecDAX zusammen steht der norwegische Staat mit 3,9 Mrd. Euro investiertem
Kapital hier an der Spitze. Index-Fonds – die den drittwichtigsten
Investment Style darstellen – sind vor allem in MDAX (14) und
TecDAX (11 Prozent) stark vertreten. So könnte ein Ausscheiden
weiterer Investoren aus dem Index auch bei Small- und Midcaps
zu erheblichen Kursverwerfungen führen.
FIDELITY
Mit Deutschem Fondspreis ausgezeichnet
Der Fidelity FPS Moderate Growth Fund
(ISIN LU0251130554) ist mit dem Deutschen Fondspreis in der Kategorie „Mischfonds Global Ausgewogen“ ausgezeichnet
worden. Der Fonds hat die Bestnote erhalten und den zweiten Platz in seiner Kategorie belegt. Im November hat Fidelity
Worldwide Investment bereits den Feri Euro
Rating Award 2015 als „Bester Asset Manager – Multi Asset“ erhalten. Fidelity bietet
seit rund 20 Jahren Multi-Asset-Fonds an,
die mit ihrer Ausrichtung auf Wachstum
insbesondere langfristig eine überdurchschnittlich hohe Performance erzielen. Das
Multi-Asset-Team ist dabei zurzeit das am
37
schnellsten wachsende Investmentteam bei Fidelity. Im Niedrigzinsumfeld sind attraktive regelmäßige Erträge ein wesentliches Anlegerbedürfnis. Um ihm mit einem Multi-Asset-Angebot nachkommen
zu können, hat Fidelity im November 2014 den Fonds Fidelity Zins
& Dividende gestartet. „In Deutschland legen die Menschen zudem
großen Wert auf die Stabilität ihrer Geldanlage. Wir sind daher gerade dabei, Multi-Asset-Lösungen vorzubereiten, die den Fokus auf
Stabilität, geringe Schwankungen und ein soweit wie möglich reduziertes Verlustrisiko legen. Aus diesem Grund werden diese Fonds
gegen eine Cash Benchmark gemessen und nicht gegen einen volatilen Index. Die neuen Multi-Asset-Fonds starten in diesem Jahr“, sagt
Claude Hellers, Leiter Retail- und Wholesale-Vertrieb von Fidelity
Worldwide Investment in Deutschland. Das Magazin Fonds professionell vergibt jährlich gemeinsam mit dem Institut für Vermögensaufbau den Deutschen Fondspreis.
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Interview
Aktienzyklus noch
nicht am Ende
Börse am Sonntag: Herr Kos, bietet derzeit ein MultiAsset-Ansatz für Fonds Vorteile?
HARTWIG KOS: Wir glauben, dass mit einem Multi-Asset-Ansatz langfristige Renditen erzielt werden können, die einer Anlage
an den Aktienmärkten entsprechen, jedoch mit einem deutlich
geringeren Risiko. Von ausschlaggebender Bedeutung ist hierbei
eine dynamische Asset-Allokation und die Bereitschaft, zwischen
verschiedenen Vermögensklassen zu wechseln, die von Aktien über
Anleihen bis zu Immobilien reichen.
Börse am Sonntag: Wie verträgt sich Multi-Asset mit
der gegenwärtigen Marktphase?
HARTWIG KOS: Der Multi-Asset-Ansatz ist exakt auf ein sich
schnell änderndes Umfeld an den Finanzmärkten zugeschnitten.
Vor dem Hintergrund einer erhöhten Volatilität in allen Vermögensklassen erkennen immer mehr Investoren, dass mit einer
Multi-Asset-Strategie nicht nur die jeweils verfügbaren Renditen
generiert, sondern auch die Risiken reduziert werden können.
Börse am Sonntag: Es gibt verschiedene Multi-AssetStrategien am Markt. Was zeichnet Baring Asset
Management aus?
HARTWIG KOS: Baring Asset Management ist seit 2002 im
Multi-Asset-Bereich aktiv und verfügt daher über weitreichende
Erfahrung. Zudem gehören wir mit knapp acht Milliarden Euro
verwaltetem Vermögen in Multi-Asset-Strategien zu den größeren
Anbietern in diesem Segment. Wir verfolgen eine dynamische
Asset-Allokation und verzichten im Gegensatz zu vielen Kollegen
aus Überzeugung auf den Einsatz von Hebeln. Überdies ist unserer
Ansicht nach der Standort des Investors von Bedeutung, da die
Anlage je nach Basiswährung des Investors verschiedene Risikound Ertragsmerkmale aufweist. Insofern halten wir es nicht für
ausreichend, währungsgesicherte Anteilsklassen anzubieten, nicht
zuletzt weil sich die Hedgingkosten in verschiedenen Phasen des
Konjunkturzyklus potenziell auf die Performance auswirken.
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Hartwig Kos
Co-Investment Manager
der Baring Dynamic
Emerging Markets in
der Global Multi Asset
Group bei Baring Asset
Management.
Börse am Sonntag : Wie ist Ihr Euro-Fonds
ausgerichtet?
HARTWIG KOS: Der Baring Euro Dynamic Asset Allocation
Fund strebt als global anlegender und in Euro denominierter
Fonds durch eine aktive und flexible Vermögensaufteilung mittel- bis langfristig aktienähnliche Erträge an, bei deutlich reduziertem Risiko. Hierzu können wir neben den traditionellen
Assetklassen Aktien und Renten auch in alternative Anlagen
wie Immobilien, Rohstoffe oder Private Equity investieren. Die
Aktienquote darf bis zu 70 Prozent betragen, wir sind aber an
keine Mindestquoten gebunden. Da wir unser Risiko aktiv steuern, haben wir derzeit beispielsweise eine Aktienquote von etwa
55 Prozent. Im Bereich Immobilien sind wir derzeit mit knapp
sechs Prozent investiert, weil wir überzeugt sind, dass sich Inflationsrisiken am besten über Immobilieninvestments abfedern
lassen.
Börse am Sonntag : Wie ist Ihre gegenwärtige
Markteinschätzung?
HARTWIG KOS: Grundsätzlich glauben wir, dass wir uns noch
nicht am Ende des Aktienzyklus befinden. Auf regionaler Ebene
sind wir sehr zuversichtlich für Aktien aus den USA und Japan.
Darüber hinaus haben wir unsere Positionen in koreanischen und
taiwanischen Aktien liquidiert und die Erlöse in chinesische Aktien investiert. Des Weiteren haben wir eine geringfügige Position
in russischen Staatsanleihen in Lokalwährung aufgebaut, da wir
die negative Marktstimmung für übertrieben und die Anleihen
für attraktiv gepreist halten.
Börse am Sonntag : Wie hat sich Ihr Fonds seit
­Auflage entwickelt?
HARTWIG KOS: Seit der Auflage im März 2013 hat der Fonds
bis Ende 2014 eine Wertentwicklung von 10,2 Prozent erzielt. Im
Jahr 2014 konnte er um 7,7 Prozent zulegen. Das Fondsvolumen
ist auf 68 Millionen Euro angestiegen.
BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
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FONDS
Zertifikate-Idee
In den demographischen
Wandel investieren –
Index-Zertifikat auf den
Solactive Healthcare Facilities Performance-Index
Ein unumkehrbarer Trend in vielen Industrienationen ist der unaufhaltsame Anstieg des Anteils älterer Menschen in der Bevölkerung. Daraus resultieren besondere Bedürfnisse, die sich in unterschiedlichen wirtschaftlichen Segmenten niederschlagen. Vor allem die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen rund um
Medikamente und Medizintechnik wird steigen. Ein spezieller Sektor im Gesundheitssegment sind Krankenhäuser und Seniorenwohnheime. Anleger, die dieses momentan noch eher vernachlässigte Investmentthema
über unterschiedliche Aktientitel im Depot abbilden wollen, können das mit einem Open End-Zertifikat der
Bank Vontobel auf den Solactive Healthcare Facilities Performance-Index (ISIN: DE000VZ45HC4) umsetzen.
Alternde Gesellschaft
Die UN erwartet für 2050, dass jeder dritte Einwohner einer Industrienation über 60 Jahre sein wird. Das hat auch unter wirtschaftlichen Aspekten weitreichende Folgen. Private Krankenhäuser und
Pflegeeinrichtungen konnten bereits in den vergangenen Jahren ein
beträchtliches Wachstum verzeichnen. Medizinischer Fortschritt trägt
beträchtlich zu einer längeren Lebenserwartung bei. Die andere Seite
einer längeren Lebenserwartung sind alterstypische Krankheiten oder
entsprechender Pflegebedarf. Als Folge werden die Gesundheitskosten anteilig zum Bruttoinlandsprodukt weiter ansteigen. Die OECD
erwartet beispielsweise, dass sich bis 2060 in den OECD-Ländern
der Anteil der Gesundheitskosten am Bruttoinlandsprodukt auf ca.
14 Prozent verdoppeln wird.
Deutschland nicht sehr bekannt ist, zählt Tenet Healthcare zu den
großen Playern in den USA. Daneben sind Aktien aus Neuseeland,
Australien, Frankreich und mit Rhön-Klinikum ein deutsches Unternehmen im Index vertreten. Das Zertifikat ist nicht währungsgesichert, so dass Anleger von einem schwachen Euro gegenüber dem
US-Dollar, dem australischen und dem neuseeländischen Dollar
profitieren. Die insgesamt 15 Indexbestandteile werden nach ihrer
Liquidität und der Höhe ihrer Marktkapitalisierung ausgewählt und
im Index gleichgewichtet. Der Börsenwert der Unternehmen muss als
Voraussetzung zur Aufnahme in den Index bei mindestens einer Milliarde Euro liegen. Beim durchschnittlichen täglichen Handelsvolumen
liegt die Grenze bei einer Million Euro.
Schwerpunkt USA
Die Ausrichtung des Solactive Healthcare Facilities Performance-Index ist global. In das Aktienbarometer können Unternehmen aus den
Segmenten Krankenhaus, Spezialklinik und Seniorenheim aufgenommen werden. Einen Schwerpunkt bilden gegenwärtig Unternehmen
aus den USA wie beispielsweise Brookdale Senior Living, der größte
Betreiber von Seniorenwohnheimen in den Vereinigten Staaten oder
Tenet Healthcare. Obwohl das texanische Klinik-Unternehmen in
Gesunde Wertentwicklung
Das Zertifikat wurde im Juli 2014 emittiert, der Wertzuwachs lag
seitdem bei 24,6 Prozent. Erfreulicherweise ist der Basiswert als
Performance-Index konzipiert, so dass Investoren auch an den Dividenden der Aktien des Index partizipieren. Einmal jährlich wird
die Indexzusammensetzung überprüft und bei Bedarf angepasst. Als
Managementgebühr behält der Emittent jährlich ein Prozent des investierten Volumens ein.
Index-Zertifikat auf den Solactive Healthcare Facilities Performance-Index
ZertifikattypEmittentBasiswert
Index-Zertifikat Vontobel
Solactive Healthcare Facilities Performance-Index
40
BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
Fälligkeit WKN
open end
VZ45HC
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News
Vontobel
Tesla: Verbesserung bei den Margen
Die Zertifikate-Experten des Schweizer
Emittenten Vontobel verweisen darauf, dass
Analysten im laufenden Jahr mit einer Verbesserung der Margen beim Elektroautohersteller Tesla rechnen. Kostensenkungen bei
der Produktion und Effizienzsteigerungen
werden als Ursache genannt. Für 2017 stellt
Tesla die Produktion eines ElektroautoModells in Aussicht, das zwischen 30.000
und 40.000 US-Dollar kosten soll. 2020
könnte der Autohersteller mit der Steigerung
des Jahresabsatzes auf 500.000 Autos dann
die Gewinnschwelle erreichen. Aktuell hat
der Konzern allerdings mit Problemen zu
kämpfen. Sowohl in Deutschland als auch in
China konnten die für das vergangene Jahr
angestrebten Umsatzziele nicht erreicht werden. Im September 2014 hat die Tesla-Aktie
bei knapp 292 US-Dollar ihr bisheriges Allzeithoch erreicht. Aktuell notiert das Papier
bei ca. 205 US-Dollar. Für Anleger, die statt
eines Direktinvestments lieber über eine Aktienanleihe von dem Unternehmen profitieren wollen, hat der Schweizer Emittent eine
währungsgeschützte Protect Aktienanleihe
auf Tesla Motors auf den Markt gebracht
(ISIN: DE000VZ8MJJ3). Der Nennwert beträgt 1.000 Euro, der Zinssatz liegt bei zehn
Prozent p.a. Bewertungstag des Produkts ist
der 29. Januar 2016, der Basispreis der Aktienanleihe entspricht dem Schlusskurs des
Tesla Aktie am 30. Januar 2015 an der New
Yorker Technologiebörse Nasdaq.
BLB
Indexanleihe mit Zinskupon von drei Prozent p.a.
Die Bayerische Landesbank (BLB) bietet risikobewussten Investoren eine
neue BLB-3% Europa-Anleihe auf den
Euro STOX X 50-Index (ISIN: DE000BLB28H4) an. Das Produkt kann
noch bis 20. Februar in einer Stückelung
von 1.000 Euro gezeichnet werden, am
25. Februar 2021 ist der Fälligkeitstag.
Der Schlusskurs des Leitindex der Eurozone am 25. Februar 2015 bildet den
Startwert der Anleihe. Bei 53 Prozent dieses Startwertes wird eine Barriere fixiert.
Unabhängig von der Kursentwicklung
des Euro STOX X 50 erhalten Investoren jährlich eine Zinszahlung von drei
Prozent auf den Nominalwert von 1.000
Euro ausgezahlt. Am Laufzeitende wird
die Anleihe zum Nominalwert getilgt,
wenn der Index während der Laufzeit die
Barriere nie unterschritten hat. Für den
über dem aktuellen Marktzins liegenden
Zinskupon müssen Anleger allerdings ein
gewisses Risiko tragen. Wird die Kursbarriere während der Laufzeit unterschritten,
bekommen die Investoren die prozentuale
Kursentwicklung des Aktienindex ausgehend vom Startwert ausgezahlt, maximal
1.000 Euro. Verliert der Index beispielsweise 20 Prozent, erhalten Anleger als
Auszahlungsbetrag 800 Euro.
BNP PARIBAS
Bonus bei steigenden oder fallenden Kursen
Die BNP Paribas hat eine Tranche neuer
Capped-Reverse Bonus-Zertifikate auf
den deutschen Leitindex DAX emittiert.
Die Produkte eignen sich für Investoren,
die die Marktmeinung vertreten, dass die
Luft für den DAX nach oben dünner wird
und der Index sich in eine Seitwärtsbewegung begibt bzw. leicht fallen wird. Bei
Laufzeitende bekommt der Investor einen
Bonus ausgezahlt, wenn der Index eine
Barriere oberhalb des aktuellen Kurses
nicht berührt oder überschreitet. Daneben
hat die französische Bank herkömmliche
Capped-Bonus-Zertifikate emittiert, bei
denen die Anleger eine Bonus-Zahlung
erhalten, wenn eine Barriere unterhalb des
41
BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
aktuellen Kurses nicht berührt wird. Vom
Emittenten wurden u.a. aus dem DAX die
Aktien des Autoherstellers VW, des Stahlkonzerns ThyssenKrupp, des Softwarekonzerns SAP sowie von Siemens, aus dem
MDAX die Aktien des Duftstoffherstellers
Symrise, des Generikaherstellers STADA
und der Software AG genutzt.
rohstoffe Lebensart
  
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unternehmen
fonds
ZERTIFIKATE
Rohstoffe der Woche
Kakao:
Appetit lässt nach
Schokolade ist eine leckere Versuchung. Weltweit kommen immer mehr Menschen auf
den Geschmack. Das treibt die Nachfrage nach Kakao, dem für die Herstellung wichtigsten
Rohstoff. Ein Fakt, der sich 2013 und 2014 auch in steigenden Preisen niederschlug. Seit
dem Mehrjahreshoch im September 2014 zeigt die Tendenz jedoch abwärts.
Schokolade ist zwar lecker. Sie darf jedoch
nicht zu teuer sein, sonst lässt der Appetit nach. Mit dem durch die Hausse 2013
und 2014 erreichten Preisniveau für Kakao scheint solch ein nachfrage- und damit
kursdämpfender Punkt erreicht worden zu
sein, was im Schlussquartal 2014 zu einem
rückläufigen Bedarf geführt haben dürfte.
Das implizieren jedenfalls die sogenannten
Grindings-Daten. Sie geben Aufschluss darüber, wieviel Kakaobohnen in den Fabriken
vermahlen wurden, um daraus Schokolade
und Kakaopulver zu gewinnen. Die verarbeitende Menge gilt daher als Barometer für die
gesamte Kakaonachfrage.
Im Zeitraum Oktober bis Dezember gab es
dabei in den wichtigsten Nachfrageregionen
Europa, Asien und Nordamerika Rückgänge.
Am kräftigsten fiel das Minus zum Vorquartal in Nordamerika mit 11 Prozent auf
122.886 Tonnen aus. Damit wurde zudem
der niedrigste Wert seit dem Schlussquartal 2012 erreicht. Aber auch in Asien ging
es mit 6,8 Prozent auf 141,4 Mio. Tonnen
deutlich abwärts. Und nicht nur zum Vorquartal sank der Bedarf, sondern auch zur
Vorjahresperiode. Bei dieser Betrachtung gab es in Asien mit 17,2
Prozent den deutlichsten Einbruch. In Europa, dem größten Kakaoverbraucher, schrumpfte die verarbeitete Kakaomenge um 7,4 Prozent
auf 323.061 Tonnen.
Angesichts dieser zuletzt vorgelegten Daten, verwundert die fortgesetzte Talfahrt beim Kakaopreis nicht. Insbesondere in der Vorwoche
gab es einen kräftigen Einbruch. Der März-Future machte damit die
seit dem Novembertief bei 2.780 US-Dollar geformte Gegenbewegung komplett wieder zunichte. Jüngst ging es nun weiter abwärts,
wenn auch weniger dynamisch. Es scheint sich jedoch ein nachhaltiger Bruch der Unterstützung von 2.780 US-Dollar zu formen. Sollte
sich diese Annahme erhärten, ist mit weiteren Abgaben zu rechnen.
Kakao – März-Future (ICE)
Stand: 29.01.2015
Derivate auf Kakao (Basiswerte: Cocoa-Futures (ICE))
Typ
WKN
IndexzertifikatRCB8WW
Hebel-Zert. (long)
DZ8EJ6
Hebel-Zert. (short)
DG2G2Y
42
Basispreis/Knock-out
-
2.027,63/2.073,04 USD
3.370,12/3.327,68 USD
BÖRSE am Sonntag · 05/1 5
LaufzeitHebel
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3,96
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4,03
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ZERTIFIKATE
Rohstoffanalysen
Rohstoffe im Überblick
Zucker – März-Future (ICE)
Rohstoffe (Auswahl)
Beim Zuckerpreis gab es ein Fehlsignal. Der
zuletzt erfolgte Ausbruch über den 50-TageEMA hatte nicht lange Bestand. Der seit Anfang Januar auszumachende Anstieg scheint
somit einmal mehr nur eine temporäre Gegenbewegung im Abwärtstrend gewesen zu
sein. Damit könnte nun als nächstes das Tief
von 14,07 US-Cent angesteuert werden.
MarktKurs
Rohöl WTI Crude NYMEX ($/bbl)
% zur
Vorwoche
47,82
+5,59%
2,67
-9,88%
Heizöl NYMEX ($c/gal)
168,85
+4,46%
Gold NYMEX ($/Unze)
1283,50
-0,82%
17,25
-5,75%
772,05
-0,25%
Platin Spot ($/Unze)
1236,35
-2,53%
Aluminium Spot ($/t)
1837,50
+0,38%
Blei Spot ($/t)
1844,50
+0,66%
Kupfer Spot ($/t)
5541,00
-0,14%
Nickel Spot ($/t)
14785,00
+2,64%
Zinn Spot ($/t)
19250,00
-1,33%
Zink Spot ($/t)
2347,50
+3,68%
Baumwolle ICE ($c/lb)
59,270
+3,19%
Kaffee "C" ICE ($c/lb)
161,90
-0,12%
2682,00
-3,14%
Mais CBOT ($c/bu)
370,75
-4,08%
Orangensaft gefr. ICE ($c/lb)
140,30
-4,72%
Sojabohnen CBOT ($c/bu)
961,25
-1,16%
Weizen CBOT ($c/bu)
502,75
-5,14%
Zucker No.11 ICE ($c/lb)
14,79
-2,51%
Lebendrind CME ($c/lb)
152,10
+1,16%
Mastrind CME ($c/lb)
205,35
+1,75%
72,33
+4,37%
Gold – Spotpreis in US-Dollar
Rohstoff-Indizes (Auswahl)
Der dynamische Anstieg in den vorangegangenen drei Wochen führte den Goldpreis
in die Nähe der seit dem Zwischenhoch im
August 2013 gebildeten Abwärtstrendlinie.
Jüngst folgte nun ein Rücksetzer. Handelt
es sich nur um eine kurze Verschnaufpause?
Oder ist die Luft wieder raus? Dafür sprechen könnte ein Bruch des 200-Tage-EMA.
IndexKurs
% zur
Vorwoche
Erdgas NYMEX ($/MMBtU)
Silber Spot ($/Unze)
Palladium Spot ($/Unze)
Silber – Spotpreis in US-Dollar
Erneut war beim 200-Tage-EMA Schluss.
Auch die jüngste dynamische Gegenbewegung
beim Silberpreis endete an der Durchschnittslinie. In der Vorwoche knapp überschritten,
rutschte der Kurs jüngst wieder deutlich darunter. Kann sich der Preis nun im Bereich von
16 US-Dollar abermals stabilisieren? Oder wird
noch einmal das Dezembertief getestet?
Kakao ICE ($/t)
Brent-Öl – März-Future (ICE)
Seit dem Kontrakttief am 13. Januar bei
46,40 US-Dollar zeigt der Brent-Preis im
Bereich von etwa 48 bis 50 US-Dollar eine
Stabilisierung. Offen ist, ob es sich dabei um
eine Bodenbildung handelt? Oder ob dies
nur ein kurzes Innehalten ist, bevor sich die
Talfahrt fortsetzt? Kurzfristig bullisch wäre
ein Sprung über den 20-Tage-EMA.
Schwein mag. CME ($c/lb)
NYSE Arca Gold BUGS Index (HUI) 200,86 +2,29%
NYSE Arca Oil & Gas Index
1307,83
-0,85%
Reuters-Jeffries CRB Futures-Index 212,95
-2,01%
Rogers Int. Commodity Index (RICIX)2529,95 -2,45%
S&P GSCI Spot
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389,68 +2,62%
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New York City, 57th West, Nr. 157:
ganz oben in der Spitze dieses brandneuen Wolkenkratzers befindet sich
die Rekord-Wohnung
Die teuerste
Wohnung der Welt
Manhattan hat die 100-Millionen-Marke geknackt: Ein Penthouse an der Spitze des
Wolkenkratzers One57 mit 360-Grad-Panoramablick auf Central Park, Hudson und
East River fand für eine Rekordsumme einen neuen Besitzer.
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Atemberaubender
Ausblick - sowohl
vom Central Park
aus als auch über
ihn hinweg
Wer bereit war, 100.471.452 US-Dollar,
also rund 89.500.000 Euro, für das LuxusApartment im 89. und 90. Stock der 157
West 57th Street zu zahlen, blieb bislang
ein Geheimnis. Aus öffentlichen Quellen
geht nur hervor, dass der mysteriöse Käufer einen Tag vor Weihnachten zuschlug.
Etwa 40 Stockwerke tiefer sind noch Wohnungen zu haben. Für knapp 21 Millionen
Dollar gibt es fünf Zimmer mit vier Bädern auf gut 322 Quadratmetern. Auf derselben Etage bot der Makler bis vor kurzem
45
auch noch eine etwas kleinere Unterkunft zur Miete an, sie sollte
41.000 Dollar im Monat kosten. Als „Ultra-Luxus“ werden die
Apartments angepriesen, die Superreiche aus der Marmor-Badewanne mit Armaturen der deutschen Edelschmiede Dornbracht
auf die Skyline gucken lassen. Als Nische lässt sich dieses TopSegment des New Yorker Immobilienmarktes schon lange nicht
mehr bezeichnen. An allen möglichen angesagten Ecken schießen
Luxusgebäude aus dem Boden. Projektentwickler wie die Firma
Extell Development überziehen Manhattan mit Protz-Objekten,
deren Wohnungen sich kein Durchschnittsbürger leisten kann.
Dass die Preise seit Jahren viel stärker steigen als die Einkommen,
ist jedoch kein Problem.
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Auch die anderen Wohnungen bieten märchenhafte Aussichten und sie sind schon ab 20 Millionen US-Dollar zu haben!
Denn Superreiche aus der ganzen Welt
- egal ob Chinas neue Milliardäre oder
Russlands alte Oligarchen - reißen sich
um ihr Stück vom Big Apple. So hat sich
Roman Abramovich auf der Upper East
Side laut „New York Post“ gerade erst
drei der begehrten Townhouses aus der
Zeit der vorletzten Jahrhundertwende für
mindestens 50 Millionen Dollar zugelegt.
Im letzten Herbst wurden Parkplätze für
jeweils eine Million Dollar im Trendviertel SoHo zum Symbol des Wahns. Dabei
46
ist bei weitem nicht nur Manhattan Spielwiese von Spekulanten,
Projektentwicklern, Immobilien-Mogulen und Maklern. In vielen Gegenden von Brooklyn haben die Normalverdiener mittlerweile noch weniger zu bestellen, wenn es um Mieten, Kaufen
und Wohnen geht. Laut einer Studie des Analysehauses RealtyTrac driften die Preise für Immobilien und die Einkommen
nirgends in den USA stärker auseinander. In den vergangenen
zehn Jahren haben sich die Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen in Manhattan und Brooklyn in etwa verdoppelt, das
Transaktionsvolumen der gesamten Käufe hat sich beinahe verdreifacht. Von 2000 bis 2012 sind die Mieten in New York um
75 Prozent gestiegen. Handelsblatt
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