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Dorf-Blitz
01/2015
Brütten
23
«Hofacker»-Abbruch erfolgt; die neuen Grundeigentümer erstellen ein Pilotprojekt
Mehrfamilienhaus mit eigener Energieversorgung
Vor rund sechs Jahren wurde der «Hofacker» geschlossen; die Besitzerfamilie Postizzi verkaufte das ehemalige Brüttener Gasthaus an
die Firma W. Schmid & Co. (Opfikon-Glattbrugg). Hinter dem Namen
des Unternehmens steht Kompogas-Erfinder Walter Schmid, Umweltpionier und Initiant der Umwelt Arena. Der auf Nachhaltigkeit fokussierte Bauherr realisiert eine Weltneuheit: Im Eckareal Unterdorf-/
Strubikonerstrasse entsteht ein energieautarkes Mehrfamilienhaus.
von Susanne Reichling
Kurz vor den Feiertagen Ende Dezember 2014 hat der Rückbau der seit
2009 leer stehenden ehemaligen
Wirtschaft zum Hofacker begonnen;
zwischenzeitlich ist bereits der Aushub für den Nachfolgebau im Gange.
Dass die Bauherrschaft kein konventionelles Mehrfamilienhaus plant,
wird im Dorf schon seit Monaten diskutiert. Anlass dazu gab das im Vorfeld gesetzte zonenkonforme Baugespann. Das neue Gebäude wird rund
zehn Meter hoch und bietet auf 1009
Quadratmeter Nutzfläche Platz für
insgesamt neun Wohneinheiten. Geplant sind sechs Viereinhalbzimmerund zwei Dreieinhalbzimmer-Wohnungen sowie eine Zweieinhalbzimmer-Wohnung mit Flächen zwischen
80 bis 145 Quadratmetern.
Für umweltbewusste
Mieter
Der verantwortliche Architekt René
Schmid sagt auf Anfrage: «Wir erstellen kein Stockwerkeigentum, sondern ein dreistöckiges Mehrfamilienhaus mit Wohnungen für umweltbe-
wusste Mieter. Ziel der Bauherrschaft
ist, mit diesem Pilotprojekt zu beweisen, dass der Neubau mit Unterniveaugarage energieautark – also
selbstversorgend, gänzlich ohne
fremde Energiezufuhr – auskommt.
Es handelt sich hier um eine Weltneuheit: Anstatt Dachziegel und herkömmliche Fassadenelemente wird
die gesamte Gebäudeoberfläche mit
Fotovoltaik-Paneelen belegt. Durch
direkte Umwandlung von Licht wird
Solarenergie gewonnen. Diese reicht
das ganze Jahr über sowohl für den
Haushaltstrom als auch für die Wärmeversorgung der gesamten Liegenschaft». Schmid ist Inhaber der René
Schmid Architekten AG (Zürich), zuständig in der Gestaltung des weltweit ersten energieautarken Mehrfamilienhauses und Sohn des Umweltpioniers Walter Schmid. Das solarbetriebene Wohnprojekt in Brütten,
welches ohne Anschluss für extern
zugeführten Strom, Öl oder Erdgas
auskommt, ist das neuste Projekt der
Umwelt Arena Spreitenbach. Dort
sind unter Verwaltungsratspräsident
Walter Schmid fast vier Dutzend interaktive Ausstellungen zum Thema
Nachhaltigkeit in den Bereichen Na-
Umgeben von einem Baugespann war klar, dass der leer stehende «Hofacker»
einem Neubau weichen wird; der Rückbau erfolgte Mitte Dezember. (sr)
tur und Leben, Energie und Mobilität
sowie Bauen, Modernisieren und erneuerbare Energien vereint.
Wegbereiter für die
Zukunft
«Die Umwelt Arena übernimmt – als
Wegbereiter für die Zukunft – beim
Bauprojekt in Brütten mit gebäudeintegrierter Solartechnik, also ohne
thermische oder elektrische Versorgung von aussen, die Führung. Die
gesamte Energie wird von der Sonne
bezogen und dank unterschiedlichen
Speicherformen und mit ausgeklügelter Gebäudesteuerung über das gesamte Jahr verteilt nutzbar gemacht»,
ergänzt René Schmid seine Ausführungen. Für das Mehrfamilienhaus in
Brütten mit Projektbezeichnung
«Leuchtturm» hat die Bauherrschaft
für die künftigen Bewohner mehrere
Eckpunkte definiert: Inklusive Haushalt und Mobilität steht ganzjährig
nur so viel Energie zur Verfügung,
wie das Haus produzieren und speichern kann. Um den Stromverbrauch
möglichst niedrig zu halten, werden
die Wohnungen unter anderem ausschliesslich mit energieeffizienten
Haushaltgeräten der Klasse A+++
ausgestattet.
Haushaltabfälle für
Kompogasauto
Den Mietern werden zudem ein Elektro- und ein Biogas-Fahrzeug zur ge-
meinsamen Nutzung zur Verfügung
gestellt. «Der Strom für das Elektroauto wird mit der hauseigenen Fotovoltaik-Anlage produziert und für das
Bio-/Erdgasauto steht so viel Biogas
bereit, wie aus den biologischen Abfällen – im Kompogasverfahren – aller Bewohner gewonnen werden
kann. Somit können und sollen alle
Mieter durch ihr umweltbewusstes
Verhalten aktiv zum Gelingen des Pilotprojektes beitragen», ist weiter zu
erfahren. Gemäss Auskunft von Architekt René Schmid erhoffen sich
alle beteiligten Unternehmungen
eine Fertigstellung im Rohbau per
Ende des laufenden Jahres.
Mit dem Bezug der neuen Wohneinheiten auf dem gut besonnten Brüttener Hochplateau rechnet die Bauherrschaft mit Frühling 2016. Als revolutionär darf erwähnt werden, dass
der Neubau an der Adresse Unterdorfstrasse 1 über keinen Anschluss
an ein öffentliches Stromnetz verfügen wird und es werden keinerlei externe Energieträger zugeführt. Auch
Holz findet keine Verwendung; es werden keine Schwedenöfen oder Cheminées eingebaut. Und um LangzeitLüftungen der Räume zu verhindern,
werden in den Wohnungen keine
Kippfenster eingebaut. Vergangene
Woche, anlässlich der Grundsteinlegung, würdigten zahlreiche EnergieFachexperten – darunter der ehemalige Bundesrat Moritz Leuenberger –
◾
das Brüttener Pilotprojekt.
Anstelle von Dachziegeln und herkömmlichen Fassadenelementen wird die
gesamte Gebäudeoberfläche mit Fotovoltaik-Paneelen belegt. (zvg)
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