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Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage, Januar 2015

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Aktuelle Berichte
Einschätzung des IAB zur
wirtschaftlichen Lage
Die volkswirtschaftliche Entwicklung in Deutschland
Im Jahr 2014 ist die deutsche Realwirtschaft um
1,5 Prozent gewachsen, vor allem aufgrund eines
starken privaten Konsums. Aber auch Investi­
tionen, Exporte und der öffentliche Konsum
trugen zum Wachstum bei. Das Jahresergebnis
impliziert für das vierte Quartal 2014 eine et­
was bessere Entwicklung als in den besonders
schwachen Quartalen zuvor. Im Jahresverlauf
2015 dürfte die Wirtschaft an diese Verbesse­
rung anschließen; die Befragungs­indikatoren
steigen jedenfalls wieder. Bei dieser Konjunk­
turlage kommt die gute Grundverfassung des
Arbeitsmarkts wieder stärker zum Vorschein:
Zum vierten Mal in Folge sinkt die Zahl der Ar­
beitslosen, und die Arbeitsnachfrage bleibt
kräftig.
Im Jahr 2014 ist das reale Bruttoinlandsprodukt in
Deutschland um 1,5 Prozent gewachsen, deutlich
stärker als im Jahr zuvor mit 0,1 Prozent. Dieser
große Unterschied hängt wesentlich mit den Ausgangsbedingungen zum jeweiligen Jahresbeginn
zusammen. Die unterjährige Dynamik war 2014
nur etwas besser als 2013, besonders aufgrund
des guten ersten Quartals. Insgesamt war die
Konjunktur durchwachsen und stark von Sonderfaktoren geprägt. Aktuell verbessern sich die Konjunkturaussichten; darauf deuten die gestiegenen
Frühindikatoren hin.
Andererseits nehmen auch Unwägbarkeiten
wieder zu. Dazu gehören die erneut verschärften Auseinandersetzungen in der Ukraine und die
unverändert kritische Situation in Nahost. Der
Ölpreis ist rasant gefallen; dies wirkt sich günstig auf die Erzeugerpreise aus, reduziert aber die
Nachfrage aus den Öl fördernden Staaten nach
deutschen Exportgütern. Immerhin sind die Energiekosten der wesentliche Treiber für die schwache Preisentwicklung, sodass die wesentliche
Gefahr einer Deflation – Käufe und Investitionen
werden in Erwartung weiter fallender Preise zurückgehalten – in Deutschland gering sein dürfte.
Der Leitindex DAX klettert auf immer neue Rekordstände, weil die Liquidität infolge der außerordentlich expansiven Geldpolitik – nun noch zusätzlich verstärkt durch die Anleihekäufe seitens
der EZB – kaum in Investitionen fließt, sondern
in Aktien, die zurzeit eine höhere Rendite als andere Anlagen versprechen. Vor dem Hintergrund
der Anleihekäufe durch die EZB dürfte ein Austritt
Griechenlands aus der Eurozone trotz des Regierungswechsels unwahrscheinlich sein; das Land
gewänne zwar währungspolitischen Handlungsspielraum, würde aber ohne die Hilfen und die
Zusammenarbeit mit den EU-Ländern einer tiefen
und langen Anpassungskrise entgegensehen. Für
die deutsche Wirtschaft hätte der Austritt für
sich genommen keine gravierenden Auswirkungen.
Januar 2015
Spürbar wären die Folgen nur bei Ansteckungseffekten, die mittlerweile aber unwahrscheinlicher
geworden sind.
Die internationale Wirtschaft erholt sich
leicht, vor allem weil sich gute Entwicklungen in
den USA und in Großbritannien stabilisiert haben.
In China ist das Wachstum nach den Jahren mit
exportgetriebenen Spitzenwerten gesunken, hat
aber immer noch ein vergleichsweise hohes Niveau. In Europa sind die großen Volkswirtschaften
Frankreich und Italien noch auf einem wackeligen
Pfad, während Spanien, aber auch Portugal und
Griechenland seit einigen Quartalen mehr oder
weniger deutlich wachsen.
Aus der Verbesserung der Weltwirtschaft versprechen sich die deutschen Unternehmen wieder
bessere Exportchancen; ihre Erwartungen steigen
zum vierten Mal in Folge. Im Jahr 2014 hatten die
Exporte immerhin um 3,7 Prozent zugelegt. Der
gesunkene Wechselkurs begünstigt die Exportwirtschaft mit Zielländern außerhalb der Eurozone. Die gute Situation hierzulande führte allerdings auch zu einer ordentlichen Zunahme der
Importe, sodass insgesamt ein Wachstumsbeitrag
des Außenhandels von nur 0,4 Prozentpunkten
resultierte.
Auf die inländische Verwendung entfallen folglich 1,1 Prozentpunkte des gesamten Jahreswachstums, davon 0,3 Punkte auf die Investitionen.
Deren Anstieg geht vor allem auf einen hohen
statistischen Bonus zu Jahresbeginn und ein gutes
erstes Quartal 2014 zurück. Im Jahresverlauf dagegen stockte die Baukonjunktur und stellte sich
trotz außerordentlich günstiger Finanzierungsbedingungen kein nachhaltiger Aufschwung bei den
Ausrüstungen ein. Immerhin wurden die Kapazitäten zuletzt etwas stärker ausgelastet.
Die wichtigste Stütze der Konjunktur waren mit
einem Wachstumsbeitrag von 0,6 Prozentpunkten
die privaten Konsumausgaben. Die gute Arbeitsmarktsituation und die hohe Anschaffungsneigung bei niedrigen Preisen lassen weiterhin diese
stabilisierende Rolle durch die privaten Haushalte
erwarten. Das Konsumklima liegt aktuell so
hoch wie seit Ende 2006 nicht mehr. Auch die
Staatsausgaben wirkten expansiv.
Die wirtschaftliche Unsicherheit und das Abflachen der Wachstumstendenz im Jahresverlauf
2014 wirken sich kaum auf den Arbeitsmarkt
aus. Die Beschäftigung folgt weiter ihrem stabilen Aufwärtstrend, und auch die Zahl der offenen Stellen steigt weiter. Die Arbeitslosigkeit
sinkt im Januar den vierten Monat in Folge. Dem
IAB-Arbeitsmarktbarometer zufolge setzt sich
diese Entwicklung in den nächsten Monaten
fort. Nach einem weiteren Plus um 0,2 auf 101,8
Punkte signalisiert der Indikator einen leichten
Rückgang der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit
in den nächsten drei Monaten. Wesentliche Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns auf Beschäftigung und Arbeitslosigkeit sind gegenwärtig nicht wahrnehmbar.
Autoren
Aktuelle Berichte

Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage

Januar 2015
„„
Dr. Sabine Klinger
E-Mail: sabine.klinger@iab.de
„„
Prof. Dr. Enzo Weber
E-Mail: enzo.weber@iab.de
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Reisen
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