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Wilhelm Tell
Friedrich Schiller
Textfassung Tellspiele 2014 - Sven Allenbach
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
S ZE NE NÜBE R S ICH T TE L L S PIE L E 2014
SZENE
BESCHREIBUNG
SPRECHROLLEN
1. Akt,
ERSTE
SZENE(I)
Tells Begegnung
oldTell
1. Akt,
ERSTE
SZENE(II)
oldTell erscheint auf dem Platz –
erinnert sich an die Begegnung
im Schächental. Die Wege von
Gessler und Tell kreuzen sich
auf dem Felsensteig im
Schächental.
VOLK
Ohne Text
Tell
Gessler
Heile Welt/ Alpabzug
Ohne Text:
ALLE
Die Landleute diskutieren oder
gehen ihrem Tagwerk nach – in
jedem Ecken der Bühne wird
gewirkt.
Werni
Albrecht Gamma
Stauffacher
(Totengräber)
Gertrud
Sigrist
Helen
Walter Fürst
Rösselmann
Blesy
Melchtal
(Säufer)
(auf der Flucht)
Albrecht Gamma
Hedwig
(Totengräber)
Walter
Adelheid Gamma
Frau Totengräber
Willi
Jenni
Seppi
Ruodi
Kuoni
Kinder
(Kirche)
Jost von Weiler
(Dachdecker)
Eva&Hans
(Magd/Knecht
Kinder
(Stauffacher)
Kinder
(auf Platz)
Mergret
Lüsterne Weiber
(drei – Opfer drei
Reisige)
Mechthild
(Magd Fürsthaus)
Hans Senn
(Gast Fürsthaus)
Jacob Schmid
(Gast Fürsthaus)
Wasenmeister
Tratschweiber
Reisige (3)
Reiter (2)
24.01.2014 – Seite 2 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
1. Akt,
ERSTE
SZENE III
Sven Allenbach
Baumgartens Rettung
Ruodi
Reisige
Der flüchtige Baumgarten sucht
zusammen mit Elsa Hilfe – Tell
bringt ihn über den See und
rettet ihn. Die Reisige/ Reiter
gehen mit Gewalt gegen das
Volk vor, welches sich vor den
wütenden Feinden in Sicherheit
bringt. Konrad von der Flüe wird
vor den Augen seiner Frau
Armgard und den Kindern
abgeführt.
Helen
Reiterei
Kuoni
(4 Landenberger)
Werni
Volk
Seppi
(auf der Flucht)
Baumgarten
Elsa
Konrad von der
Flüe
oldTell
(Wildheuer)
Tell
Gesslerreiter
Harras
Armgard
(mit Kinder)
Ohne Text:
Jenni
1. Akt,
ZWEITE
SZENE
Stauffacher
Gertrud
Eva&Hans
Stauffacher beschliesst auf
Druck seiner Frau zu Handeln
und Walter Fürst aufzusuchen.
Stauffacher
(Magd/Knecht
Stauffacher)
Kinder
(Stauffacher)
1. Akt,
DRITTE
SZENE
Burgbau
Fronvogt
VOLK
Die Unterdrückung des Volkes
nimmt durch die jüngsten
Geschehnisse weiter zu – Alte
Leute sogar Frauen werden zur
Fronarbeit eingezogen. Die
Menschen sind traumatisiert.
Parricida betritt mit einer
Eskorte aus Gesslerreiter den
Platz und verkündet den Befehl
von Gessler.
Alter Mann
Reisige (Alle)
Kuoni
Ruodi
Heinrich von der
Halden
Stauffacher
Fanfaren
Tell
Elsbeth
oldTell
(Frau
Schieferdecker)
Parricida
Berta
Hildegard
Helen
Martha von
Gersau
Schieferdecker
(Leiche)
Gesslerreiter
Begleitdame
Kinder& Frauen
Ohne Text:
Rudenz
Harras
1. Akt,
VIERTE
SZENE
Drei Männer
Walter Fürst
Mechthild
Fürst, Stauffacher und Melchtal
beschliessen auf dem Rütli
zusammen zu kommen.
Melchtal
Hans Senn&
Stauffacher
Jacob Schmid
(mit Wagen)
2 Reiter
(Landenberger)
2. Akt,
ERSTE
SZENE
Frühtrunk
Rudenz
Gesinde
Attinghausen ist enttäuscht und
erzürnt zugleich, dass sich
Rudenz von seinem Volk
abwendet.
Attinghausen
Pferdeknecht
24.01.2014 – Seite 3 von 55
(aus Gesinde)
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
2. Akt,
ZWEITE
SZENE
Sven Allenbach
Tells Abschied
oldTell
Tell macht sich auf den Weg
zum Schwiegervater nach
Altdorf
Walter
Wilhelm
Hedwig
Tell
2. Akt,
DRITTE
SZENE
Rütli
Melchtal
Männer aus:
Die Männer aus Uri, Schwyz und
Unterwalden schleichen
zusammen auf dem Rütli – wo
der uralte Bund erneuert wird.
Meier von Sarnen
Unterwalden
Baumgarten
Schwyz
Stauffacher
Walter Fürst
(Jost von Weiler,
Jörg im Hofe u.a.)
Rösselmann
Uri
Sigrist
(Jacob Schmid,
Hans Senn und
andere)
Reding
oldTell
PAUSE
3. Akt,
ERSTE
SZENE I
Hutaufrichtung
Friesshart
ALLE
Hutaufrichtung in Altdorf –
Leuthold
Pferdeknecht
Hildegard
(Parricida)
Stüssi
6 Reisige
Trommler
Ohne Text:
Lüsterne Weiber
Parricida
Blesy
Walter Fürst
(Säufer)
Stauffacher
Kinder & Frauen
Berta& Rudenz
Berta
Begleitdamen(2)
Liebesszene im Wald – Berta
fordert Rudenz eindringlich auf,
für sein Volk zu kämpfen.
Rudenz
Langsamer Jagdzug
3. Akt,
ZWEITE
SZENE II
Schneller Jagdzug
3. Akt,
DRITTE
SZENE III
Hutwache
Friesshart
Friesshart und Leuthold halten
Wache vor dem Hut.
Leuthold
3. Akt,
VIERTE
SZENE I
Apfelschuss (A), Auftritt Tell
oldTell
ALLE
Der alte Tell erscheint vor dem
Tellhaus, und erinnert sich an
seine schwierigste Stunde: “Es
donnern die Höhen...“ – Tell und
Walter laufen den Burghügel
hinab, hinunter zum Platz wo
der Popanz auf der Stange
hängt.
Tell
Fanfaren
Walter
Reisige
Friesshart
Leuthold
Sigrist
Rösselmann
Walter Fürst
Melchtal
24.01.2014 – Seite 4 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
3. Akt,
FÜNFTE
SZENE II
Sven Allenbach
Apfelschuss (B), Auftritt
Gessler
Dazu:
Dazu:
Harras
Reiterei
Gessler mit Gefolge kommt
herbeigeritten – das Drama
nimmt seinen Lauf.
Gessler
Berta
Stauffacher
Rudenz
4. Akt,
ERSTE
SZENE
4. Akt,
ZWEITE
SZENE
Tells Rettung
oldTell
Vor dem Haus von Wilhelm Tell
erinnert sich der alte Tell – auf
dem Rütli sinkt der gerettete
Tell erschöpft nieder.
Jenni
Attinghausens Tod A
Walter Fürst
Gesinde
Der sterbende Attinghausen
nimmt noch einmal alle Kraft um
an die Einigkeit der drei Lande
zu appellieren.
Baumgarten
(Stuhlträger)
Hedwig
Pferdeknecht
Ruodi
Helen
Tell
Stauffacher
Walter
Melchtal
Attinghausen
Attinghausens Tod B
Walter Fürst
Stauffacher
Melchtal
Rudenz
Ohne Text:
Baumgarten
4. Akt,
DRITTE
SZENE
Der Tyrannenmord A
Tell
Die Hohle Gasse bei Küssnacht –
Der einzige Weg sich von der
Unterdrückung zu lösen ist die
Ermordung von Gessler
oldTell
Dazu:
Dazu:
Gessler
4 Wanderer
Friesshart
Pilgerer
Leuthold
(mit Esel)
Harras
Hochzeitszug
Armgard
Armgardkinder
Hildegard
2 Reisige
Aufruhr
Ruodi
VOLK
Die Feinde Flüchten in alle
Himmelsrichtungen, auf den
Bergen brennen die
Feuersignale.
Walter Fürst
Reisige
Melchtal
Reiterei
Tyrannenmord B (ab Auftritt
Stüssi)
Armgard legt sich Gessler mutig
in den Weg um die Freilassung
ihres Mannes zu erwirken. Es ist
die Gelegenheit für den
Todesschuss von Tell.
5. Akt,
ERSTE
SZENE
Berta wird von Rudenz und
Melchtal aus der Burg befreit,
bevor diese in Flammen aufgeht.
Rösselmann
Stauffacher
Heinrich von der
Halden
24.01.2014 – Seite 5 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
5. Akt,
ZWEITE
SZENE
Tells Heimkehr/ Parricida A
Hedwig
Die Familie erwartet die
Heimkehr des Vaters – Ein
Mönch (Parricida)sitzt am
Wegrand.
Walter
Tells Heimkehr/ Parricida B
(ab Auftritt Tell)
Parricida fleht um Hilfe – Tell
weist ihm den Weg nach St.
Peters Stadt
5. Akt,
DRITTE
SZENE
Sven Allenbach
Wilhelm
Parricida
Tell
Parricida
Schluss
oldTell
Es ist vollbracht – Das
unterdrückte Volk befreit, Tell
wird gefeiert.
Tell
Hedwig
Baumgarten
Melchtal
SCHLUSSAPPLAUS
Alle
24.01.2014 – Seite 6 von 55
ALLE
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
1. AKT, ERSTE SZENE (I)– Tells Begegnung
Wilhelm Tell (oldTell) schaut zurück auf ein erfülltes Leben – eines, das
ihn schwer geprüft hat. Der Blick ist zum Felsensteig gerichtet - Dort wo
er dem Mann zum ersten Mal begegnet ist, der sein Leben in den
Grundfesten erschüttert hat: Gessler. Er erinnert sich an die erste
Begegnung im Schächental – aber auch an das friedliche Land welches die
Heimat vor den Ereignissen war.
oldTell
Ich ging jagen, durch die wilden Gründe des Schächentals
auf menschenleerer Spur.
Über mir hing schroff die Felswand her, und unten
rauschte fürchterlich der Schächen.
Da kam der Landvogt gegen mich daher. Bloss Mensch zu
Mensch und neben uns der Abgrund. Ich sah es kommen,
dass er jetzt an die Felswand würde sinken. Da jammerte
mich sein. Ich trat zu ihm und sprach: „Ich bin’s Herr
Landvogt.“ Mit der Hand Winkt’ er mir schweigend,
meines Wegs zu gehn.
1. AKT, ERSTE SZENE (II)– „Heile Welt“/Alpabzug
Kaum sind die Worte von oldTell verklungen füllt sich die Bühne nach und
nach mit allen Akteuren. (Musik ertönt) Leute diskutieren miteinander
oder gehen ihrem Handwerk nach. Der Totengräber nimmt seine Arbeit
auf, der Dachdecker repariert die Schindeln auf dem Fürsthaus und beim
Brunnen vor dem Stauffacher Haus reinigen die Frauen ihre Wäsche –
währenddem Kinder vergnügt spielen. Der Fischer repariert die Netze. –
Unten beim Attinghaus macht jemand mit dem Besen den Platz sauber. Beim Tellhaus flickt Hedwig die Hosen der Kinder. Willi und Walter spielen
im Garten mit Pfeil und Bogen...Einzig der Melchtal erscheint in hektischer
Eile: Er bahnt sich seinen Weg und steuert zum Fürsthaus wo er auf
Walter Fürst trifft - mit ihm verschwindet er im Haus - - - Glockengeläut
ist zu vernehmen. Die Leute empfangen den Alpabzug – winken und rufen
den Heimkehrern zu – wenn die Herde vorbei ist gehen alle ab, bis auf
Kuoni, Ruodi, Werni, Seppi, Jenni.
24.01.2014 – Seite 7 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
1. AKT, ERSTE SZENE (III) – Baumgartens Rettung
Dumpfes Grollen ist aus der Ferne zu vernehmen – ein Gewitter naht.
Ruodi:
Mach hurtig Jenni. Zieh die Naue ein. Der Sturm wird da
sein eh wir’s denken. (Jenni geht ab)
Kuoni:
s’kommt Regen Fährmann
Werni:
Ein Gewitter ist im Anzug.
Kuoni:
Lug, Seppi ob das Vieh sich nicht verlaufen.
Seppi:
Die braune Lisel kenn ich am Geläut.
Kuoni:
So fehlt uns keine mehr, die geht am weitesten.
Ruodi:
Ihr habt ein schön Geläute, Meister Hirt.
Werni:
Und schmuckes Vieh! Ist’s Euer eignes Landsmann?
Kuoni:
Bin nicht so reich – s’ ist meines gnäd’gen Herrn des
Attinghäusers und mir zugezählt.
Elsa& Baumgarten:
Fährmann! Fahrmann!
Baumgarten:
Um Gottes Willen, Fährmann, Euren Kahn!
Elsa:
Bindet los! Setzt uns über!
Kuoni:
Baumgarten, was habt ihr?
Werni:
Wer verfolgt euch denn?
Baumgarten:
Des Landvogts Reiter, ich bin ein Mann des Tods, wenn
sie mich greifen.
Ruodi:
Warum verfolgen euch die Reisigen?
Helen:
Ihr seid mit Blut befleckt...!?
Baumgarten:
Des Kaisers Burgvogt, der auf Rossberg sass –
Werni:
Der Wolfenschiessen?
Baumgarten:
Der schadet nicht mehr, ich hab ihn erschlagen.
Alle:
Was?
24.01.2014 – Seite 8 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Baumgarten:
Mein gutes Hausrecht hab ich ausgeübt am Schänder
meiner Ehr’ und meines Weibes.
Elsa:
Der Burgvogt hat Ungebührliches von mir verlangt. (bricht
zusammen)
Helen:
Ihr tatet wohl, kein Mensch kann Euch drum schelten.
Werni:
Der Wüterich! Der hat nun seinen Lohn!
Baumgarten:
Mir wird nachgesetzt!
Kuoni:
Frisch Fährmann - schaff den Biedermann hinüber!
Ruodi:
Geht nicht. Ein schweres Ungewitter ist im Anzug. Ihr
müsst warten.
Baumgarten:
Heiliger Gott! ich kann nicht warten. Jeder Aufschub tötet!
Kuoni:
Dem Nächsten muss man helfen. Es kann uns allen
Gleiches begegnen!
Helen:
Der Föhn ist los, ihr seht wie hoch der See geht.
Ruodi:
Ich kann nicht steuern gegen Sturm und Wellen.
Werni:
Es geht ums Leben, sei barmherzig Fährmann.
Ruodi:
Ich hab auch ein Leben zu verlieren, Hab Weib und Kind,
wie er – Seht hin, Wie’s brandet, wie es wogt und Wirbel
zieht – es ist rein unmöglich! Ich wollte gern den
Biedermann erretten...
Helen:
Es ist rein unmöglich
Baumgarten:
So muss ich fallen in des Feindes Hand.
Tell:
Wer ist der Mann der hier um Hilfe fleht?
Kuoni:
Der Baumgarten aus Alzellen. Er hat sein Ehr verteidigt
und den Wolfenschiess erschlagen. Des Landvogts Reiter
sind ihm auf den Fersen.
Ruodi:
Das ist der Tell, er führt das Ruder auch, er soll mir’s
zeugen ob die Fahrt zu wagen.
(Heftige Donnerschläge, der See rauscht auf)
oldTell:
Wo’s Not tut, Fährmann, lässt sich alles wagen.
24.01.2014 – Seite 9 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Tell:
Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt. Vertrau auf
Gott und rette den Bedrängten.
Ruodi:
Ich soll mich in den Höllenrachen stürzen? Das täte
keiner, der bei Sinnen ist.
Tell:
Sprich, Fährmann, willst du fahren?
Ruodi:
Nein, nicht ich!
Tell:
In Gottes Namen denn! Gib her den Kahn, ich will’s
versuchen.
Baumgarten:
Mein Retter seid ihr, und mein Engel, Tell!
Tell:
Wohl aus des Vogts Gewalt errett ich euch, aus Sturmes
Nöten muss ein anderer helfen.
Helen:
Wohl bessre Männer tun’s dem Tell nicht nach, es gibt
nicht zwei, wie der ist, im Gebirge.
Harras:
Den Mörder gebt heraus, den ihr verborgen. Des Wegs
kam er, umsonst verhehlt ihr ihn.
Kuoni:
Wen meint ihr, Reiter?
Harras:
Was seh ich! Teufel!
Werni:
Ist’s der im Nachen den ihr sucht? – reitet zu! Wenn ihr
frisch beilegt, holt ihr ihn noch ein.
Erster Reiter:
Er ist entwischt! Ihr habt ihm fortgeholfen. Das sollt ihr
büssen – fallt in ihre Herde! Die Hütte reisset ein, brennt
und schlagt nieder!
Kuoni:
Oh meine Lämmer!
Werni:
Die Wütriche!
Neben der Kirche steigt Rauch auf. Kinder Frauen und alte Leute flüchten
Richtung Kirche und Richtung Platz, wo sie in die „Hexengasse“ getrieben
werden. Reisige führen Konrad von der Flühe ab. Armgard und die Kinder
versuchen die Reisige aufzuhalten - vergeblich. Eine weitere Gruppe Reiter
mit Fakeln prescht auf den Platz – Macht einen grossen Bogen auf dem
Platz und verschwindet Richtung See.
Armgard:
Gerchtigkeit des Himmels. Wann wird der Retter kommen
diesem Lande!
24.01.2014 – Seite 10 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
1. AKT, ZWEITE SZENE – Stauffacher
Werner Stauffacher ist ein Schatten seiner selbst. Gezeichnet von tiefer
Sorge um seine Familie und das Land, ist er unfähig zu handeln.
Versunken in Lethargie und Selbstmitleid. Regungslos sitzt auf dem
Balkon. Gertrud kommt heraus - erblickt ihren Mann, der seit Tagen nicht
mehr gesprochen hat.
Gertrud:
So ernst mein Freund, ich kenne dich nicht mehr. Schon
viele Tage seh ich schweigend an, wie finstrer Trübsinn
deine Stirne furcht. Was kann dein Herz beklemmen, sag
es mir. (Stauffacher reagiert nicht) Werner Stauffacher!
Da steht dein Haus, reich, wie ein Edelsitz - neu
gezimmert und ordentlich gefügt.
Stauffacher:
Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, Doch ach –
Es wankt der Grund auf dem den wir bauten. (Gertrud
schaut ihn fragend an und will nun alles wissen)
Gertrud:
Mein Werner sage, wie verstehst du das?
Stauffacher:
Vor dieser Linde sass ich jüngst, wie heut, das schön
Vollbrachte freudig überdenkend. Da kam daher von
Küssnacht, der Vogt mit seinen Reisigen geritten. Vor
diesem Haus hielt er wundernd an. „Wessen ist dies
Haus?“ Fragt’ er bösmeinend, denn er wusst es wohl.
„Dies Haus, Herr Vogt, ist meines Herrn des Kaisers und
Eures und mein Lehen“ – Da antwortete er: „Ich bin
Regent im Land an Kaisers Statt und will nicht, dass der
Bauer Häuser baue auf seine eigne Hand und also frei
hinleb’, als ob er Herr wär’ in dem Lande.
Gertrud:
Dir grollt der Landvogt. Denn du bist ihm ein Hindernis,
dass sich der Schwyzer nicht dem neuen Fürstenhaus will
unterwerfen. Ist’s nicht so, Werner? Sag es, wenn ich
lüge!
Stauffacher:
So ist’s.
Gertrud:
Er ist dir neidisch, weil du glücklich wohnst. Dir hat er
längst den Untergang geschworen - Willst Du erwarten,
bis er die böse Lust an dir gebüsst?
Stauffacher:
Was ist zu tun!
Gertrud:
Der kluge Mann baut vor. Du weißt, wie hier zu Schwyz
sich alle Redlichen beklagen ob dieses Landvogts Geiz und
Wüterei. So zweifle nicht, dass sie dort drüben auch in
24.01.2014 – Seite 11 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Unterwalden und im Urner Land des Dranges müd sind
und des harten Jochs – drum tät’ es gut, dass eurer
etliche, die’s redlich meinen, still zu Rate gingen, wie man
des Drucks sich möcht erledigen.
Stauffacher:
Frau, welchen Sturm gefährlicher Gedanken weckst du in
mir. Mein Innerstes kehrst Du ans Licht des Tages mir
entgegen , und was ich mir zu denken still verbot, du
sprichst’s mit leichter Zunge aus. Wir wagten es, ein
schwaches Volk der Hirten, in den Kampf zu gehen mit
dem Herrn der Welt?
Gertrud:
Ihr seid auch Männer, wisset eure Axt zu führen!
Stauffacher:
Ein furchtbar wütend Schrecknis ist der Krieg.
Gertrud:
Ertragen muss man, was der Himmel sendet.
Stauffacher:
Dies Haus erfreut dich, das wir neu erbauten. Der Krieg,
der ungeheure, brennt es nieder.
Gertrud:
Wüsst’ ich mein Herz an zeitlich Gut gefesselt, den Brand
wärf’ ich hinein mit eigner Hand.
Stauffacher:
Du glaubst an Menschlichkeit! Es schont der Krieg auch
nicht das zarte Kindlein in der Wiege.
Gertrud:
Die Unschuld hat im Himmel einen Freund! – sieh
vorwärts Werner und nicht hinter dich.
Stauffacher:
Wir Männer können tapfer fechtend sterben, welch
Schicksal aber wird das eure sein?
Gertrud.
Die letzte Wahl bleibt auch dem Schwächsten offen, ein
Sprung von einer dieser Brücke macht mich frei.
Stauffacher:
Nach Uri fahr ich gleich. (holt Mantel und Schwert) Dort
lebt ein Gastfreund mir, Herr Walter Fürst, der über diese
Zeiten denkt wie ich. Auch find ich dort den edeln
Bannerherrn von Attinghaus. Mit ihnen beiden pfleg ich
Rats, wie man der Landesfeinde mutig sich erwehrt – Leb
wohl. (geht ab)
24.01.2014 – Seite 12 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
1. AKT, DRITTE SZENE – Burgbau
Der Blinde Heinrich von der Halden, leicht bekleidet mit Stock und
Augenbinde kommt vom See her und läuft über den Platz – hinter ihm
folgen die Reisige welche das unterdrückte Volk zu Fronarbeit zwingen.
Die Unterdrückung des Volkes nimmt durch die jüngsten Geschehnisse
nimmt weiter zu - Parricida verkündet die von Gessler angeordnete
Grussregel in Altdorf.
Fronvogt:
(schwingt die Geisel) Nicht lange gefeiert, frisch! Die
Mauersteine herbei, den Kalk den Mörtel zugefahren!
Wenn der Herr Landvogt kommt, dass er das Werk
gewachsen sieht – Das schlendert wie die Schnecken.
Heisst das geladen? Gleich das Doppelte!
Hildegard:
Das ist doch hart, dass wir die Steine selbst zu unserem
Twing und Kerker sollen fahren!
Fronvogt:
Was murret ihr? Das ist ein schlechtes Volk, zu nichts
anstellig, als das Vieh zu melken und faul
herumzuschlendern auf den Bergen.
Alter Mann:
(bricht zusammen) Ich kann nicht mehr!
(Hildegard kümmert sich um ihn)
Fronvogt:
Frisch, Alter, an die Arbeit!
Hildegard:
Habt Ihr denn gar kein Eingeweid’?
Martha von Gersau:
s’ist himmelschreiend
Fronvogt:
Sorgt ihr für euch; ich tu, was meines Amts.
Kuoni:
Wie wird die Feste denn sich nennen, Die wir da baun?
Fronvogt:
Zwing Uri soll sie heissen, denn unter dieses Joch wird
man euch beugen.
Alle:
Zwing Uri, Zwing Uri!
Martha von Gersau:
Mit einem solchen Maulwurfshaufen wollt ihr Uri zwingen?
(Gelächter - Martha von Gersau wird abgeführt)
24.01.2014 – Seite 13 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Der Fronvogt schlägt wütig die Peitsche. Die Reisigen
schupfen die Leute zurück an die Arbeit – Tell und
Stauffacher erscheinen am Fusse des Burghügels.
Stauffacher:
O hätt’ ich nie gelebt, um das zu schauen!
Tell:
Hier ist nicht gut sein. Lasst uns weiter gehen.
Stauffacher:
Bin ich zu Uri, in der Freiheit Land?
Ruodi:
O Herr, wenn ihr die Keller erst gesehn unter den
Türmen! Ja, wer die bewohnt, der wird den Hahn nicht
mehr krähen hören.
Tell:
Was Hände bauten, können Hände stürzen. (geht weiter)
Stauffacher:
Wo wollt ihr hin?
Tell:
Mein Haus entbehrt des Vaters. Lebet wohl.
Stauffacher:
Mir ist das Herz so voll mit Euch zu reden.
Tell:
Das schwere Herz wird nicht durch Worte leicht
Stauffacher:
Doch können Worte uns zu Taten führen – Wir könnten
viel, wenn wir zusammen stünden.
Tell:
Der Starke ist am Mächtigsten allein!
Stauffacher:
So kann das Vaterland auf Euch nicht zählen, wenn es
verzweiflungsvoll zur Notwehr greift?
Tell:
Der Tell holt ein verlorenes Lamm vom Abgrund, und
sollte seinen Freunden sich entziehen?-
oldTell:
Bedürft ihr meiner zu bestimmter Tat, dann ruft den Tell,
es soll an mir nicht fehlen. (Stauffacher und Tell geben
sich die Hände und gehen zu verschiedenen Seiten ab)
Die schnellen Herrscher sind’s die kurz regieren. – Wenn
sich der Föhn erhebt aus seinen Schlünden, Löscht man
die Feuer aus, die Schiffe suchen eilends den Hafen, und
der macht’ge Geist geht ohne Schaden, spurlos, über die
Erde – Die Schlange sticht nicht ungereizt. (geht ab)
24.01.2014 – Seite 14 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Trommeln sind zu hören- Reisige und Reiter betreten die Szene.
Parricida:
In des Kaisers Namen! Höret! (Gemurmel) Höret! Ihr
sehet diesen Hut Männer von Uri! Aufrichten wird man ihn
auf hoher Säule, mitten in Altdorf. Und dies ist des
Landvogts Will’ und Meinung: Dem Hut soll gleiche Ehre
wie mir selbst geschehn, man soll ihn mit gebogenem
Knie und mit entblösstem Haupt verehren – Daran will der
König den Gehorsamen erkennen. Verfallen ist mit seinem
Leib und Gut, wer das Gebot verachtet. (Unverständnis
beim Volk - Reiter verlassen den Platz – danach auch die
Reisige mit Parricida und dem Trommler)
Hildegard:
Welch neues Unerhörtes hat der Vogt sich ausgesonnen!
Ruodi:
Wir einen Hut verehren?
Kuoni:
Den Hut von Österreich?! (Gelächter)
Fronvogt:
Los, an die Arbeit.
Kuoni:
Was gibt’s?
Erster Gesell:
(kommt aus der Burg heraus gestürzt) Der Schieferdecker
ist vom Dach gestürzt!
Berta:
Ist er zerschmettert? Rennet, rettet, helft – wenn Hilfe
möglich rettet, hier ist Gold.
Hildegard:
Mit eurem Golde – alles ist euch feil um Gold; wenn ihr
den Vater von den Kindern gerissen und den Mann von
seinem Weibe und Jammer habt gebracht über die Welt,
Denkt ihr’s mit Golde zu vergüten – Geht!
Helen:
Wir waren frohe Menschen ehe ihr kamt, mit euch ist die
Verzweiflung eingezogen.
Berta:
(zum Fronvogt) Lebt er? (Fronvogt schüttelt den Kopf)
O unglückseliges Schloss, mit Flüchen erbaut und Flüche
werden dich bewohnen.
Reitet mit Rudenz und Begleitdamen ab – Volk zieht sich ebenfalls zurück.
24.01.2014 – Seite 15 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
1. AKT, VIERTE SZENE – Drei Männer Szene
Vor dem Fürst Haus - Walter Fürst geht nervös umher – Mechthild bringt
ihm etwas zu Trinken heraus. Dann erscheint Melchtal auf dem Dach des
Fürsthauses – er will endlich eine Antwort, was mit seinem Vater passiert
ist.
Melchtal:
Herr Walter Fürst –
Walter Fürst:
Wenn man uns überraschte! Wir sind umringt von
Spähern.
Melchtal:
(Melchtal kommt zur Türe hinaus) Bringt ihr mir nichts
von Unterwalden? Nichts von meinem Vater? Nicht ertrag
ich’s länger als ein Gefangener müssig hier zu liegen.
Walter Fürst:
Ihr seid zu rasch. Der Bube war des Vogts, von eurer
Obrigkeit gesendet.
Melchtal:
Er hat die Ochsen, das trefflichste Gespann, vor meinen
Augen weg getrieben.
In die Seele schnitt mir’s, als der Bub die Ochsen, die
schönen Tiere, von dem Pflug spannte, Da übernahm
mich der gerechte Zorn und ich schlug den Boten!
(Schlägt auf den Tisch)
Walter Fürst:
O kaum bezwingen wir das eigne Herz, wie soll die rasche
Jugend sich bezähmen!
Melchtal:
Mich jammert nur der Vater -
Werde mit mir was will, ich muss hinüber.
Walter Fürst:
Fasst Euch in Geduld – (Pfiff) Geht hinein - Ich ruf euch
wieder wenn’s hier sicher ist. Geht! (Melchtal geht hinein
- Stauffacher tritt auf – kommt hinter der Tribüne
hervor.)
Was seh’ ich? Ihr Herr Werner! Nun, bei Gott ein werter,
teurer Gast – seid hoch willkommen. Setzt euch Herr
Werner. (Melchtal kommt auf den Balkon) Was führt euch
her? Was sucht ihr hier in Uri?
Stauffacher:
Die alten Zeiten und die alte Schweiz.
Walter Fürst:
Die bringt ihr mit euch!
Stauffacher:
Wohl ein erstaunlich neues Werk hab ich bereiten sehn,
das mich nicht erfreute. Ein solches ist in Uri nie gewesen
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
– Seit Menschendenken war kein Twinghof hier, und fest
war keine Wohnung als das Grab.
Walter Fürst:
Ein Grab der Freiheit ist’s. Ihr nennt’s mit Namen.
Stauffacher:
Herr Walter Fürst, mich drücken schwere Sorgen –
Drangsal hab ich zu Haus verlassen, Drangsal find ich hier
– Unleidlich ist’s was wir erdulden. Ein solches war im
Lande nie erlebt.
Walter Fürst:
Ja, es ist ohne Beispiel.
Stauffacher:
Auch drüben unterm Wald geht schweres vor, und blutig
wird’s gebüsst. – Der Wolfenschiessen des Kaisers Vogt,
der auf dem Rossberg hauste –mit der Axt erschlagen.
Walter Fürst:
Oh, die Gerichte Gottes sind gerecht!
Stauffacher:
Im Melchtal, wohnt ein gerechter Mann, sie nennen ihn
den Heinrich von der Halden.
Walter Fürst:
Wer kennt ihn nicht! Was ist mit ihm? Vollendet!
Stauffacher:
Der Landenberger büsste seinen Sohn um kleinen Fehlers
willen, liess die Ochsen, das beste Paar, ihm aus dem
Pfluge spannen...Da schlug der Knab den Knecht und
wurde flüchtig.
Walter Fürst:
Der Vater aber – Sagt, wie steht’s um den?
Stauffacher:
Den Vater lässt der Landenberger fordern, zur Stelle
schaffen soll er ihm den Sohn, und da der Alte Mann mit
Wahrheit schwört er habe von dem Flüchtling keine
Kunde...Da lässt der Vogt die Folterknechte kommen –
Walter Fürst:
(springt auf und will ihn abhalten mehr zu sagen) Nicht
mehr!
Stauffacher:
...Ist mir der Sohn entgangen, so hab ich dich!“ – Lässt
ihn zu Boden werfen, und den spitz’gen Stahl ihm in die
Augen bohren –
Walter Fürst:
Barmherz’ger Himmel!
Melchtal:
(stürzt hinaus) In die Augen sagt ihr?
Stauffacher:
Wer ist der Jüngling?
Melchtal:
In die Augen? Redet.
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Stauffacher:
(Walter Fürst gibt ihm ein Zeichen) Der Sohn ist’s?
Allgerechter Gott!
Melchtal:
In seine beiden Augen? Blind. Wirklich blind und ganz
geblendet?
Stauffacher:
Das Licht der Sonne schaut er niemals wieder.
Melchtal:
Niemals, niemals wieder! (Bricht schreiend zusammen. Er
drückt die Hände vor die Augen – weint und spricht mit
erstickter Stimme.) Um meiner Schuld! Nein!
Stauffacher:
Ich muss euren Jammer noch vergrössern, statt ihn zu
heilen – Denn alles hat der Landvogt ihm geraubt, nichts
hat er ihm gelassen als den Stab, um nackt und blind von
Tür zu Tür zu wandern.
Melchtal:
Nichts als den Stab dem augenlosen Greis! Alles geraubt,
und auch das Licht der Sonne - Jetzt rede mir keiner
mehr von Bleiben, von Verbergen! Auf nichts als blutige
Vergeltung will ich denken, Hinüber will ich – Keiner soll
mich halten! (will gehen – stürzt ins Haus)
Walter Fürst:
Was könnt ihr gegen ihn? Er sitzt zu Sarnen auf seiner
hohen Herrenburg...
Melchtal:
(fällt ihm ins Wort und kommt heraus) Und wohnt’ er
droben auf dem Eispalast des Schreckhorns – Ich mache
mir Bahn zu ihm; mit zwanzig Jünglingen, gesinnt wie ich,
zerbrech ich seine Veste.
Und wenn mir niemand folgt, und wenn ihr alle für eure
Hütten bangt und eure Herden, euch dem Tyrannenjoche
beugt – die Hirten will ich zusammenrufen im Gebirg, wo
der Sinn noch frisch ist und das Herz gesund – allen das
ungeheuer Grässliche erzählen.
Stauffacher:
(zu Walter Fürst) Wollen wir erwarten bis das Äusserste –
Melchtal:
(fällt ihm ins Wort) Welch Äusserstes ist noch zu fürchten,
wenn der Stern des Auges in seiner Höhle nicht mehr
sicher ist? – Sind wir den wehrlos? Wozu lernten wir die
Armbrust spannen und die schwere Wucht der Streitaxt
schwingen?
Walter Fürst:
Wenn die drei Lande dächten wie wir drei, so möchten wir
vielleicht etwas vermögen.
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Stauffacher:
Wenn Uri ruft, wenn Unterwalden hilft, der Schwyzer wird
die alten Bünde ehren – (zu Walter Fürst) Beschliesset
ihr, ich bin bereit zu folgen.
Walter Fürst:
Wir wollen hören, was die edeln Herren raten –
Melchtal:
Wo ist ein Name in dem Waldgebirg ehrwürdiger als Eurer
und der Eure? Was braucht’s des Edelmanns? Lasst’s uns
allein vollenden.
Stauffacher:
Die Edeln drängt nicht gleiche Not mit uns; Der Strom der
in den Niederungen wütet, bis jetzt hat er die Höhn noch
nicht erreicht. Ihre Hilfe wird uns nicht entstehn, wenn sie
das Land in Waffen erst erblicken.
Walter Fürst:
So muss Gott uns helfen durch unseren Arm – Erforschet
ihr die Männer von Schwyz, ich will in Uri Freunde
werben. Wen aber senden wir nach Unterwalden –
Melchtal:
Mich sendet hin.
Walter Fürst.
Ihr seid mein Gast, ich muss für eure Sicherheit
gewähren!
Melchtal:
lasst mich! Die Schliche kenn ich und die Felsensteige.
Gross ist in Unterwalden meine Freundschaft und jeder
wagt mit Freuden Leib und Blut.
Stauffacher:
Lasst ihn hinübergehn. Dort drüben ist kein Verräter.
Melchtal:
Wie bringen wir uns sichre Kunde zu? (Stauffacher und
Walter Fürst denken nach)
Stauffacher:
Wir könnten uns zu Brunnen oder Treib Versammeln, wo
die Kaufmannsschiffe landen.
Walter Fürst:
So offen dürfen wir das Werk nicht treiben - Hört meine
Meinung. (Begibt sich unter die Laube) Links am See,
wenn man nach Brunnen fährt, dem Mythenstein grad
über, liegt eine Matte heimlich im Gehölz, das Rütli heisst
sie bei dem Volk der Hirten. Dort ist’s wo unsere
Landmark und die eure (zu Melchtal) zusammengrenzen,
und in kurzer Fahrt (zu Stauffacher) Trägt trägt euch der
Kahn von Schwyz herüber. Dahin mag jeder zu Nachtzeit
zehn vertraute Männer mitbringen, die herzeinig sind mit
uns.
Stauffacher:
So sei’s. (Stauffacher reicht die Hand – Melchtal und Fürst
ziehen nach) Und so wie wir drei Männer jetzt die Hände
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Zusammenflechten, redlich, ohne Falsch, so wollen wir
drei Lande auch, zu Schutz und Trutz zusammenstehn –
Auf Tod und Leben.
Walter Fürst und Melchtal:
Auf Tod und Leben! (Halten die Hände zusammen und
schweigen- gehen danach auseinander)
2. AKT, ERSTE SZENE – Frühtrunk
Edelhof des Freiherrn von Attinghausen. Der Greis teilt sich mit seinem
Gesinde den Frühtrunk, bevor sich Mägde und Knechte zur Arbeit bereit
machen. Rudenz erscheint beim Freiherrn – er ist geblendet durch die
junge Berta, welche er mit seiner Abkehrung von der Heimat erobern will.
Rudenz:
(kommt mit Pferd vom Rütli her) Hier bin ich, Oheim –
Was ist Euer Wille?
Attinghausen:
Erlaubt, dass ich nach altem Hausgebrauch den Frühtrunk
erst mit meinem Gesinde teile. (Er trinkt aus einem
Becher, der dann in der Reihe herumgeht.)
Sonst war ich selber mit in Feld und Wald. Jetzt kann ich
nichts mehr als den Schaffner machen.
In enger stets und engerm Kreis, beweg ich mich dem
engsten und letzten, wo alles Leben stillsteht, langsam
zu, mein Schatte bin ich nur, bald nur mein Name.
(Rudenz schüttet den Becher aus) Geht Kinder!
Ich sehe dich gegürtet und gerüstet. Du willst nach Altdorf
in die Herrenburg?
Rudenz:
Ja, Oheim, und ich darf nicht länger säumen –
Attinghausen:
(setzt sich, mustert Rudenz) Hast du’s so eilig? Wie? Ist
deiner Jugend die Zeit so karg gemessen, dass du sie an
deinem alten Oheim musst ersparen?
Rudenz:
Ich sehe, dass ihr meiner nicht bedürft, ich bin ein
Fremdling nur in diesem Hause.
Attinghausen:
(schaut ihn an) Ja, leider bist du’s. Leider ist die Heimat
zur Fremde dir geworden! – Ueli! Ueli! Ich kenne dich
nicht mehr. Das ganze Land liegt unterm schweren Zorn
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
des Königs – Jedes Biedermanns Herz ist kummervoll ob
der tyrannischen Gewalt die wir erdulden - Dich allein
rührt nicht der allgemeine Schmerz – Dich sieht man
abtrünnig von den Deinen auf der Seite des Landesfeindes
stehen!
Rudenz:
Attinghausen:
Das Land ist schwer bedrängt – Warum mein Oheim? Wer
ist’s der es gestürzt in diese Not? Weh ihnen, die dem
Volk die Augen halten. Um eigenen Vorteils willen hindern
sie, dass die Waldstätte nicht zu Österreich schwören, wie
ringsum alle Länder doch getan.
(steht auf) Muss ich das hören und aus deinem Munde!
Rudenz:
Ihr habt mich aufgefordert, lasst mich enden –
(Attinghausen setzt sich wieder) Welche Person ist’s,
Oheim, die ihr selbst hier spielt? Habt ihr nicht höheren
Stolz, als hier Landammann oder Bannerherr zu sein und
neben diesen Hirten zu regieren?
Attinghausen:
Ach Ueli! Ueli! Ich erkenne sie, die Stimme der
Verführung – sie hat dein Herz vergiftet.
Rudenz:
Ja, ich verberg es nicht – in tiefer Seele schmerzt mich
der Spott der Fremdlinge, die uns den Bauernadel
schelten. Anderswo geschehen Taten. Nichts als der
Kuhreihn und der Herdeglocken einförmiges Geläut’
vernehm ich hier.
Attinghausen:
Verblendeter, vom eiteln Glanz verführt! Verachte dein
Geburtsland! Geh hin, verkaufe deine freie Seele, nimm
Land zu Lehen, werd ein Fürstenknecht, da du ein
Selbstherr sein kannst auf deinem eignen Erb’ und freien
Boden. (hält inne und muss sich beruhigen) Ach Ueli! Ueli!
Geh nicht nach Altdorf – Verlass sie nicht, die heil’ge
Sache deines Vaterlands!
Rudenz:
Vergebens widerstreben wir dem König, die Welt gehört
ihm - Nein Oheim! Wohltat ist’s und weise Vorsicht, in
diesen schweren Zeiten sich anzuschliessen an ein
mächtig Haupt.
Attinghausen:
Bist du so weise? Willst heller sehn als deine edeln Väter
– Sie werden kommen, unsre Schaf’ und Rinder zu
zählen, unsere Alpen abzumessen, ihren Schlagbaum an
unsre Tore setzen und mit unserm Blute ihre Kriege
zahlen – Nein –
24.01.2014 – Seite 21 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Rudenz:
Was können wir, ein Volk der Hirten, gegen Albrechts
Heere!
Attinghausen:
Lern dieses Volk der Hirten kennen, Knabe! Ich kenns, ich
hab es angeführt in Schlachten - lerne fühlen, welches
Stamms du bist! Wirf nicht für eiteln Glanz und
Flitterschein die echte Perle deines Wertes hin. Ans
Vaterland, ans treue, schliess dich an, das halte fest mit
deinem ganzen Herzen. Hier sind die starken Wurzeln
deiner Kraft! (hält Rudenz am Arm fest) Geh nicht nach
Altdorf –Hörst du? Heute nicht!
Rudenz:
Ich gab mein Wort – lasst mich – ich bin gebunden.
Attinghausen:
Du bist gebunden – ja Unglücklicher – Durch durch der
Liebe Seile! Das Fräulein ist’s, Berta von Bruneck, die zur
Herrenburg dich zieht, dich fesselt an des Kaisers Dienst.
- Betrüg dich nicht! Dich anzulocken zeigt man dir die
Braut...
Rudenz:
(fällt ihm ins Wort) Genug hab ich gehört. Gehabt euch
wohl. (reitet ab)
Attinghausen:
Wahnsinn’ger Jüngling, bleib! – Er geht dahin! Ich kann
ihn nicht erhalten, nicht erretten – Andere Zeiten
kommen, es lebt ein anders denkendes Geschlecht. Was
tu ich hier? Sie sind begraben alle, mit denen ich gewaltet
und gelebt. Unter der Erde schon liegt meine Zeit; Wohl
dem, der mit der neuen nicht mehr braucht zu leben!
(winkt Gesinde den Stuhl hinein zu nehmen geht danach
ab)
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
2. AKT, ZWEITE SZENE – Tells Abschied
Als erstes kommt der alte Tell auf den Balkon beim Tellhaus – Danach
erscheint die Familie auf der Bühne. Tell ist mit der Zimmeraxt, Hedwig
mit der häuslichen Arbeit beschäftigt. Walter und Willi spielen mit dem
Bogen.
oldTell:
(Kommt zur Türe heraus und singt) Mit dem Pfeil, dem
Bogen, durch Gebirg und Tal kommt der Schütz gezogen
früh am Morgenstrahl –
Walter& Willi:
Wie im Reich der Lüfte König ist der Weih – durch Gebirg
und Klüfte herrscht der Schütze frei – (Kinder summen
weiter zusammen mit Tell)
Walter:
Der Strang ist mir entzwei. Mach mir ihn Vater.
Tell:
Ich nicht. Ein rechter Schütze hilft sich selbst. (Knaben
entfernen sich sitzen auf die Treppe)
Hedwig:
Die Knaben fangen zeitig an zu schiessen.
Tell:
Früh übt sich, was ein Meister werden will.
Hedwig:
Ach wollte Gott, sie lernten’s nie! Es wird keiner seine
Ruh’ zu Hause finden.
Tell:
Ich kann’s auch nicht; Zum Hirten hat Natur mich nicht
gebildet, rastlos muss ich ein flüchtig Ziel verfolgen.
(schnappt sich den kleinen Willi) Dann erst geniess’ ich
meines Lebens recht, wenn ich mir’s jeden Tag aufs neu’
erbeute.
Hedwig:
Und an die Angst der Frau denkst du nicht? Ach, auch den
verwegenen Alpenjäger hascht der Tod in hundert
wechselnden Gestalten; das ist ein unglückseliges
Gewerb.
Tell:
Wer frisch umherspäht mit gesunden Sinnen, der ringt
sich leicht aus jeder Fahr und Not. Den schreckt der Berg
nicht. (Tell hat seine Arbeit vollendet)
Jetzt, mein ich, hält das Tor auf Jahr und Tag.
oldTell:
Die Axt im Haus erspart den Zimmermann
(Walter stösst das Tor um, Gelächter der Kinder, Schmunzeln von Hedwig)
Hedwig:
(ernst) Wo gehst du hin?
24.01.2014 – Seite 23 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Tell:
Nach Altdorf zum Vater.
Hedwig:
Sinnst du auch nichts Gefährliches? Es spinnt sich etwas
zusammen gegen die Vögte - Sie werden dich hinstellen
wo Gefahr ist, das Schwerste wird dein Anteil sein, wie
immer.
Tell:
Ein jeder wird besteuert nach Vermögen. (ergreift die
Armbrust)
Hedwig:
Was willst du mit der Armbrust? Lass sie hier.
Tell:
Mir fehlt der Arm, wenn mir die Waffe fehlt.
Walter:
Vater wo gehst du hin?
Tell:
Nach Altdorf, Knabe, zum Ehni – willst Du mit?
Walter:
Ja natürlich will ich.
Hedwig:
Der Landvogt ist jetzt dort. Bleib weg von Altdorf.
Tell:
Mich wird der Ritter wohl in Frieden lassen, mein’ ich.
Hedwig:
So weisst du das?
Tell:
Es ist nicht lange her, da ging ich jagen durch die wilden
Gründe des Schächentals auf menschenleerer Spur, und
da ich einsam einen Felsensteig verfolgte wo nicht
auszuweichen war kam der Landvogt gegen mich daher.
Neben uns der Abgrund. Als er mich erkannte, da
verblasst’ er, die Knie versagten ihm – Da jammerte mich
sein, ich trat zu ihm und sprach:
oldTell:
(auf dem Balkon) Ich bin’s Herr Landvogt! (lacht)
Tell:
(lacht – Kinder auch, Hedwig bleibt ernst) Er aber konnte
keinen armen Laut aus seinem Munde geben. – (lacht) Mit
der Hand nur winkt’ er mir schweigend, meines Wegs zu
gehn –
Hedwig:
Er hat vor dir gezittert – das du ihn schwach gesehn,
vergibt er nie -
Tell:
Drum meid ich ihn, und er wird mich nicht suchen –
Hedwig:
Bleib heute nur dort weg. Geh lieber jagen.
Tell:
Wie? Was fällt dir ein?
Hedwig:
Mich ängstigt’s - Tell bleibe!
24.01.2014 – Seite 24 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Tell:
Ich habe versprochen, liebes Weib, zu kommen.
Hedwig:
Musst du, so geh – nur lasse mir den Knaben!
Walter:
Nein Mütterchen. Ich gehe mit dem Vater.
Hedwig:
Wälti! -
Walter:
Ich bring dir auch was Hübsches mit vom Ehni. (geht mit
dem Vater ab)
Wilhelm:
Mutter ich bleibe bei dir!
Hedwig:
Ja, du bleibst mir noch allein!
2. AKT, DRITTE SZENE – Rütli
Mutige und entschlossene Männer aus Uri, Schwyz und Unterwalden
schleichen aus drei Richtungen zusammen – bewaffnet und mit einem
Mantel bedeckt treffen sie sich heimlich den Bund zu beschliessen um
gegen die fremden Herrscher vorzugehen.
Melchtal:
(noch im Wald) Der Bergweg öffnet sich – mir nach!
(kommen aus dem Wald hervor) Wir sind am Ziel, hier ist
das Rütli.
Baumgarten:
Horch!
Meier:
Wir sind die ersten auf dem Platz, wir Unterwaldner.
Melchtal:
Wie weit ist’s in der Nacht?
Baumgarten:
Der Feuerwächter vom Selisberg hat eben zwei gerufen.
Melchtal:
(schaut zum See) Da ist der Stauffacher mit seinem Kahn
– wer ist da? Gebt das Wort!
Stauffacher:
Freunde des Landes. (Gehen aufeinander zu und
begrüssen sich)
Melchtal:
(Das Horn von Uri ertönt) Hört ihr? Sie kommen. Das
Horn von Uri – doch nicht den Tell erblick ich in der
Menge.
Alle drei Waldstätte kommen zusammen und begrüssen sich.
24.01.2014 – Seite 25 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Walter Fürst:
So müssen wir auf unserm eignen Erb und väterlichen
Boden uns verstohlen zusammenschleichen, wie die
Mörder tun.
Stauffacher:
Lasst’s gut sein. Was die dunkle Nacht gesponnen, soll
frei und fröhlich an das Licht der Sonne.
Rösselmann:
Hört, was mir Gott ins Herz gibt, Eidgenossen! Wir stehen
hier statt einer Landsgemeinde und können gelten für ein
ganzes Volk: So lasst uns tagen nach den alten Bräuchen
des Lands. Was ungesetzlich ist in der Versammlung,
entschuldige die Not der Zeit. Doch Gott ist überall, wo
man das Recht verwaltet, und unter seinem Himmel
stehen wir.
Stauffacher:
Lasst uns tagen nach der alten Sitte.
Rösselmann:
Wohlan, so sei der Ring gebildet, man pflanze auf die
Schwerter der Gewalt.
Sigrist:
Es sind der Völker dreie. Welchem nun gebührt’s, das
Haupt zu geben der Gemeinde?
Melchtal:
Wir stehen zurück, wir sind die Flehenden, die Hilfe
heischen von den mächt’gen Freunden.
Stauffacher:
So nehme Uri denn das Schwert, sein Banner zieht bei
den Römerzügen uns voran.
Walter Fürst:
Des Schwertes Ehre werde Schwyz zuteil, denn seines
Stammes rühmen wir uns alle.
Rösselmann:
Den edeln Wettstreit lasst mich freundlich schlichten:
Schwyz soll im Rat Uri im Felde führen.
Walter Fürst:
So nehmt –
Stauffacher:
Nicht mir, dem Alter sei die Ehre. Steht nicht Herr Reding
hier, der Landammann? Was suchen wir noch einen
Würdigern?
Walter Fürst:
Er sei der Ammann und des Tages Haupt! Wer dazu
stimmt erhebe seine Hand.
Reding:
(tritt in die Mitte) Ich kann die Hand nicht auf die Bücher
legen, so schwör ich droben bei den ew’gen Sternen, dass
ich mich nimmer will vom Recht entfernen. Was ist’s, das
die drei Völker des Gebirigs zusammenführte in der
Geisterstunde? Was soll der Inhalt sein des neuen Bunds,
den wir hier stiften?
24.01.2014 – Seite 26 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Stauffacher:
(tritt in den Ring) Wir stiften keinen neuen Bund, es ist
ein uralt Bündnis nur von Väter Zeit, das wir erneuern!
Wisset Eidgenossen! Ob uns der See, ob uns die Berge
scheiden und jedes Volk sich für sich selbst regiert, so
sind wir eines Stammes doch und Bluts.
Alle:
(durcheinander) Wir sind ein Volk – eines Bluts - eine
Heimat.
Rösselmann:
Und einig wollen wir handeln.
Stauffacher:
Die andern Völker tragen fremdes Joch, sie haben sich
dem Sieger unterworfen. Doch wir, der alten Schweizer
echter Stamm, wir haben stets die Freiheit uns bewahrt.
Freiwillig wählten wir den Schirm der Kaiser.
Rösselmann:
So steht’s bemerkt in Kaiser Friedrichs Brief
Melchtal:
Gewaltherrschaft ward nie bei uns geduldet.
Stauffacher:
Wir haben diesen Boden uns erschaffen durch unsrer
Hände Fleiss, den alten Wald, der sonst der Bären wilde
Wohnung war, zu einem Sitz für Menschen umgewandelt.
Die Brut des Drachen haben wir getötet, die Nebeldecke
haben wir zerrissen, die ewig grau um diese Wildnis hing.
Unser ist durch tausendjährigen Besitz der Boden – und
der fremde Herrenknecht soll kommen dürfen und uns
Ketten schmieden und Schmach antun auf unserer
eigenen Erde?
Melchtal:
Nein!
Baumgarten:
Eine Grenze hat Tyrannenmacht!
Alle:
Ja!
Stauffacher:
Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, wenn
unerträglich wird die Last – greift er hinauf getrosten
Mutes un in den Himmel und holt herunter seine ew’gen
Rechte. Zum letzten Mittel, wenn kein andres mehr
Verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben – Der Güter
höchstes dürfen wir verteid’gen gegen Gewalt – Wir
stehen vor unser Land, wir stehen vor unsre Weiber unsre
Kinder!
Alle:
Wir stehn vor unsre Weiber, unsre Kinder!
Rösselmann:
(tritt hervor) Eh’ ihr zum Schwerte greift, bedenkt es
wohl. Ihr könnt se es friedlich mit dem Kaiser schlichten.
24.01.2014 – Seite 27 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Es kostet euch ein Wort und die Tyrannen, die euch jetzt
schwer bedrängen, schmeicheln euch. –
Ergreift was man euch oft geboten hat, trennt euch vom
Reich, erkennet Östreichs Hoheit –
Baumgarten:
Was sagt der Pfarrer?
Melchtal:
Wir zu Österreich schwören?
Baumgarten:
Hört ihn nicht an! Das rät uns ein Verräter ein Feind des
Landes! (Aufruhr – Der Pfarrer wird bedrängt)
Reding:
Ruhig, Eidgenossen!
Konrad Hunn:
Der sei gestossen aus dem Recht der Schweizer, wer von
Ergebung spricht an Österreich! – Landammann, ich
bestehe darauf, dies sei das erste Landsgesetz, das wir
hier geben.
Melchtal:
So sei’s.
Alle:
(heben die rechte Hand) Wir wollen es, das sei Gesetz.
Reding:
Eidgenossen! Sind alle sanften Mittel auch versucht?
Vielleicht weiss es der König nicht, was wir erdulden. Auch
dieses letzte sollten wir versuchen, eh’ wir zum Schwerte
greifen.
Stauffacher:
(zu Walter Fürst) Nun ist’s an euch Bericht zu geben.
Redet.
Walter Fürst:
Ich war zu Rheinfeld, an des Kaisers Pfalz, der Vögte
harten Druck zu klagen, und den Brief zu holen unsrer
alten Freiheit, den jeder neue König sonst bestätigt – Mich
wies man an die Räte, und die entliessen mich mit leerem
Trost: Der Kaiser habe diesmal keine Zeit, er würde sonst
einmal wohl an uns denken. – Da sah ich den Herzog von
Schwaben, Johannes Parricida – in einem Erker weinend
stehn, um ihn die edlen Herrn von Wart und Tegerfeld.
Die riefen mir und sagten: „Helft euch selbst,
Gerechtigkeit erwartet nicht vom König. Beraubt er nicht
des eignen Bruders Kind und hinterhält ihm sein
gerechtes Erbe?“
Baumgarten:
Ihr habt’s gehört. Recht und Gerechtigkeit erwartet nicht
vom Kaiser! Helft euch selbst!
Reding:
Nun gebt Rat, wie wir es klug zum frohen Ende leiten.
24.01.2014 – Seite 28 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Walter Fürst:
Was sein muss, das geschehe, doch nicht darüber. Die
Vögte wollen wir verjagen und die festen Schlösser
brechen - Doch wenn es sein mag ohne Blut.
Reding:
Es hat der Feind die Waffen in der Hand, und nicht
fürwahr in Frieden wird er weichen.
Stauffacher:
Er wird’s, wenn er in Waffen uns erblickt, wir überraschen
ihn, eh er sich rüstet.
Meier:
Uns ragen in dem Land zwei feste Schlösser, die geben
Schirm dem Feind. Rossberg und Sarnen muss
bezwungen sein, Eh’ man ein Schwert erhebt in den drei
Landen,
Stauffacher:
Säumt man so lang’, so wird der Feind gewarnt, zu viele
sind’s, die das Geheimnis teilen.
Meier:
In den Waldstätten find sich kein Verräter.
Rösselmann:
Der Eifer auch, der gute, kann verraten.
Walter Fürst:
Schiebt man es auf, so wird der Twing vollendet in Altdorf
und der Vogt befestigt sich.
Meier:
Ihr denkt an euch.
Sigrist:
Und ihr seid ungerecht.
Meier:
(auffahrend) Wir ungerecht! Das darf uns Uri bieten!
Reding:
Bei eurem Eide! Ruh’!
Meier:
Ja, wenn sich Schwyz versteht mit Uri, müssen wir wohl
schweigen.
Reding:
Ihr stört mit heft’gem Sinn den Frieden! Stehn wir nicht
alle für dieselbe Sache.....
Melchtal:
Wenn wir’s verschieben bis zum Fest des Herrn, dann
bringt’s die Sitte mit, das alle Sassen dem Vogt
Geschenke bringen auf das Schloss; so können zehn
Männer oder zwölf sich unverdächtig in der Burg
versammeln. Zunächst im Wald hält dann der grosse
Haufe, und wenn die andern glücklich sich des Tors
ermächtiget, so wird ein Horn geblasen, und jene brechen
aus dem Hinterhalt. So wird das Schloss mit leichter
Arbeit unser.
24.01.2014 – Seite 29 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Reding:
Ist’s aller Wille, dass verschoben werde? (Die Mehrheit
erhebt die Hand)
Stauffacher:
(zählt Simmen –richtig!) Es ist ein Mehr von 20 gegen 12.
Walter Fürst:
Wenn am bestimmten Tag die Burgen fallen, so geben wir
von einem Berg zum andern das Zeichen mit dem Rauch,
der Landsturm wird aufgeboten, schnell, im Hauptort
jedes Landes; wenn dann die Vögte sehn der Waffen
Ernst, Glaubt glaubt mir, sie werden gern ergreifen
friedliches Geleit.
Stauffacher:
Nur mit dem Gessler fürcht ich schweren Stand.
Baumgarten:
Wo’s halsgefährlich ist, da stellt mich hin! Dem Tell
verdank ich mein gerettet Leben.
Reding:
Die Zeit bringt Rat. Erwartet’s in Geduld. Man muss dem
Augenblick auch was vertrauen.
Rösselmann:
Lasst uns den Eid des neuen Bundes schwören.
Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not
uns trennen und Gefahr.
Alle:
Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not
uns trennen und Gefahr.
Rösselmann:
Wir wollen frei sein wie die Väter waren. Eher den Tod als
in der Knechtschaft leben.
Alle:
Wir wollen frei sein wie die Väter waren. Eher den Tod als
in der Knechtschaft leben.
Rösselmann:
Wir wollen trauen auf den höchsten Gott und uns nicht
fürchten vor der Macht der Menschen.
Alle:
Wir wollen trauen auf den höchsten Gott und uns nicht
fürchten vor der Macht der Menschen.
Stauffacher:
Jetzt gehe jeder seines Weges still und werb’ im Stillen
Freunde für den Bund. (Landleute gehen in drei
Richtungen weg)
Melchtal:
Blinder alter Vater, du kannst den Tag der Freiheit nicht
mehr schauen, zu sollst ihn hören.
oldTell:
(vom Tellhaus aus) Lasst die Rechnung der Tyrannen
anwachsen, bis ein Tag die allgemeine und die besondre
Schuld auf einmal zahlt. Bezähme jeder die gerechte Wut
und spare für das Ganze seine Rache. (geht ab –
Tellhaus.)
24.01.2014 – Seite 30 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
PAUSE
3. AKT, ERSTE SZENE (I)– Hutaufrichtung
Hutaufrichtung in Altdorf. Trommeln sind zu vernehmen – der Lärm lässt
die Leute aus den Häusern kommen - von allen Seiten strömen sie herbei
– Friesshart und Leuthold kommen mit dem Hut – Begleitet von Johann
von Schwaben (Johannes Parricida) dem Neffen von König Albrecht I.
Unter dem Gelächter und Gespött der Kinder und Frauen wird der Hut auf
eine Stange in Mitten des Platzes gesetzt.
Hildegard:
Da hängt der Landvogt – habt Respekt ihr Kinder!
Friesshart:
Wollt ihr vom Platz! Verwünschtes Volk der Weiber! Wer
fragt nach euch? Schickt eure Männer her.
Die Männer kommen – Diese machen sich einen Spass daraus, Friesshart
und Leuthold auf den Arm zu nehmen. Blesy der Trinker kommt noch
einmal...er will an der Hutstange sein Geschäft erledigen.
Friesshart:
Aaaaah!!!
Langsamer Jadzug – Gessler führt sein Gefolge an zur Jagd
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
3. AKT, ZWEITE SZENE (II)– Berta& Rudenz
Heimlich treffen sich während der Jagd Berta und Rudenz. Diese fordert
ihren Verehrer auf für sein Land zu kämpfen.
Berta:
Er folgt mir (zu den Begleitdamen). Endlich kann ich mich
erklären.
Rudenz:
Jetzt endlich find ich euch allein!
Berta:
Seid ihr gewiss, dass uns die Jagd nicht folgt?
Rudenz:
Die Jagd ist dort hinaus – Jetzt oder nie! Nichts hab ich
als mein Herz voll Treu und Liebe –
Berta:
Dürft ihr von Liebe reden und von Treue, der treulos wird
an seinen nächsten Pflichten – der sich dem Fremdling
verkauft, dem Unterdrücker seines Volks?
Rudenz:
Von euch hör ich diesen Vorwurf? Wen such ich denn als
euch auf jener Seite?
Berta:
Die Seele blutet mir um euer Volk, ich leide mit ihm – ich
muss mein Herz bezwingen, dass ich euch nicht hasse.
Rudenz:
Will ich denn nicht das Beste meines Volks?
Berta:
Knechtschaft wollt ihr ihm bereiten! Die Freiheit wollt ihr
aus dem letzten Schloss, das ihr noch auf der Erde blieb
verjagen. – Euch haben sie das Netz ums Haupt
geworfen. –
Rudenz:
(verzweifelt) Berta! Ihr hasst mich, ihr verachtet mich!
Berta:
Tät’ ich’s, mir wäre besser –
Rudenz:
Berta! Berta! Ihr zeigt mir das höchste Himmelsglück und
stürzt mich tief in einem Augenblick.
Berta:
Das edle ist nicht ganz erstickt in euch! Es schlummert
nur – ich will es wecken!
Rudenz:
Ihr glaubt an mich! Wie kann ich euch erringen, wenn ich
der Macht des Kaisers widerstrebe?
Berta:
In den Waldstätten liegen meine Güter, und ist der
Schweizer frei so bin auch ich’s – Hofft nicht, durch
Österreichs Gunst mich zu erringen; Nach meinem Erbe
strecken sie die Hand – die Liebe nur – die Eure kann
mich retten!
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Rudenz:
Sven Allenbach
Ihr könntet euch entschliessen, hier zu leben Doch wie mich retten – wie die Schlinge lösen, die ich mir
töricht selbst ums Haupt gelegt?
Berta:
Zerreisse sie mit männlichem Entschluss! Was auch
daraus werde – steh zu deinem Volk!
Die Jagd kommt näher – wir müssen scheiden – Kämpfe
um dein Vaterland, du kämpfst für deine Liebe.
Schneller Jagdzug
3. AKT, DRITTE SZENE (III)– Hutwache
Frieshart und Leuthold bewachen Gesslers Hut in Altdorf.
Friesshart:
(liegend)Wir passen auf umsonst. (erhebt sich)Es will sich
niemand Heranbegeben und dem Hut sein’ Reverenz
Erzeigen – (steht auf) S’war doch sonst wie Jahrmarkt
hier, jetzt ist der ganze Anger wie verödet, seitdem der
Popanz auf der Stange hängt.
Leuthold:
Nur schlecht Gesindel lässt sich sehn. Was rechte Leute
sind, die machen lieber den langen Umweg um den
halben Flecken, eh’ sie den Rücken beugten vor dem Hut
– Es fängt mich an, zu deuchten, wir stehen hier am
Pranger vor dem Hut; s’ist doch ein Schimpf für einen
Reitersmann, Schildwach zu stehn vor einem leeren Hut.
Friesshart:
Warum nicht einen leeren, hohlen Hut? Bückst du dich
doch vor manchem hohlen Schädel.
Leuthold:
Und du bist auch so ein dienstfert’ger Schurke und
brächtest wackre Leute gern ins Unglück.
Mag wer da will am Hut vorübergehn, ich drück die Augen
zu und seh nicht hin.
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
3. AKT, VIERTE SZENE (I)– Apfelschuss, Auftritt Tell
Der alte Tell erscheint vor dem Tellhaus –Tell und Walter schreiten vom
Burghügel her herab – Friesshart und Leuthold nehmen davon Notiz und
warten gespannt ob die zwei den Hut grüssen.
oldTell:
(Singt) Es donnern die Höhen es zittert der Steg,
Nicht grauet dem Schützen auf schwindligtem Weg,
Er schreitet verwegen auf Feldern von Eis,
Tell:
(singt weiter) Da pranget kein Frühling, da grünet kein
Reis; und unter den Füssen ein nebligtes Meer, erkennt er
die Städte der Menschen nicht mehr –
Walter:
Vater, ist’s wahr, dass auf dem Berge dort die Bäume
bluten, wenn man einen Streich darauf führte mit der
Axt?
Tell:
Wer sagt das, Knabe?
Walter:
Der Meister Hirt erzählt’s – Die Bäume seien gebannt,
sagt er.
Tell:
Das ist die Wahrheit – siehst du di Firnen dort, die
weissen Hörner, die hoch bis in den Himmel sich
verlieren?
Walter:
Das sind die Gletscher, die des Nachts so donnern und
uns die Schlaglawinen niedersenden.
Tell:
So ist’s, und die Lawinen hätten längst den Flecken
Altdorf unter ihrer Last verschüttet , wenn nicht der Wald
dort oben sich dagegen stellte.
Walter:
(überlegt) Gibt’s Länder, Vater, wo nicht Berge sind?
oldTell:
Wenn man herunter steigt von unsern Höhen und immer
tiefer steigt, den Strömen nach, Gelangt man in ein
grosses ebenes Land, da sieht man frei nach allen
Himmelsräumen – Das Korn wächst dort in langen
schönen Auen, und wie ein Garten ist das Land zu
schauen.
Walter:
Ei, Vater warum steigen wir denn nicht hinab in dieses
schöne Land?
Tell:
Das Land ist schön und gütig, wie der Himmel, doch die’s
bebauen, sie geniessen nicht den Segen, den sie pflanzen.
Walter:
Da wohn ich lieber unter den Lawinen.
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Tell:
Wohl ist’s besser Knabe, die Gletscherberge im Rücken
haben als die bösen Menschen. (erscheinen bei der
Stange)
Walter:
Ei, Vater, sieh den Hut dort auf der Stange.
Tell:
Was kümmert uns der Hut? Komm lass uns gehen. (in
dem Moment als Tell den Hut passiert, tritt Friesshart
hervor mit seiner Lanze)
Friesshart:
In des Kaisers Namen! Haltet an und steht!
Tell:
(greift in die Pike) Was wollt ihr? Warum haltet ihr mich
auf?
Friesshart.
Ihr habt’s Mandat verletzt, ihr müsst uns folgen.
Leuthold:
Ihr habt dem Hut nicht Reverenz bewiesen.
Tell:
Freund, lass mich gehen.
Friesshart:
Fort, Fort ins Gefängnis!
Walter:
Den Vater ins Gefängnis! Hilfe! Hilfe! Gewalt, Gewalt, sie
führen ihn gefangen. (eilt in Richtung des Hauses vom
Ehni – das Volk strömt herbei)
Sigrist:
Was gibt’s?
Rösselmann:
Was legst du Hand an diesen Mann?
Friesshart:
Er ist ein Feind des Kaisers, ein Verräter!
Rösselmann:
Du irrst dich, Freund, das ist der Tell, ein Ehrenmann und
guter Bürger.
Walter:
(kommt mit Walter Fürst) Grossvater, hilf! Gewalt
geschieht dem Vater.
Friesshart:
Ins Gefängnis fort!
Walter Fürst:
Um Gottes willen, Tell, was ist geschehen?
Leuthold:
Er hat dem Hut nicht Reverenz bewiesen.
Walter Fürst:
Und darum soll er ins Gefängnis?
Friesshart:
Wir tun, was unsers Amtes – Fort mit ihm!
Melchtal:
(zu den Landleuten) Nein! Ertragen wir’s, dass man ihn
fortführt, frech vor unsern Augen?
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Sigrist:
Wir sind die Stärkern. Freunde, duldet’s nicht!
Friesshart:
Wer widersetzt sich dem Befehl des Vogts? (weitere
Landleute eilen herbei)
Ruodi:
Was gibt’s? Wir helfen euch –
Tell:
Ich helfe mir schon selbst. Geht gute Leute, geht.
Melchtal:
Wagt’s, ihn aus unsrer Mitte wegzuführen!
Friesshart:
(schreit) Aufruhr! Empörung! (man hört die Jagdhörner)
Melchtal:
Schlagt sie zu Boden!
Friesshart:
Meuterei! Empörung!
Melchtal:
Schrei bis du berstest, Schurke!
Friesshart:
(noch lauter) Zu Hilf’, zu Hilf’ den Dienern des Gesetzes!
3. AKT, FÜNFTE SZENE (II)– Apfelschuss
Gessler reitet mit seinem Gefolge herbei – Harras, Berta und Rudenz
begleiten ihn, sowie bewaffnete Reisige, welche mit Piken die Szene von
allen Seiten her einschliessen.
Harras:
Platz, Platz dem Landvogt!
Gessler:
Treibt sie auseinander! (allgemeine Stille) Wer ruft Hilfe?
(zu Friesshart) Du tritt vor! Was hälst du diesen Mann?
Friesshart:
(stotternd) Gestrenger Herr, diesen Mann ergriff ich über
frischer Tat wie er dem Hut den Ehrengruss versagte.
Verhaften wollt ich ihn wie du befahlst –
Gessler:
(Gibt Friesshart ein Handzeichen; unterbricht ihn)
Verachtest du so deinen Kaiser, Tell, und mich, der hier
an seiner Statt gebietet?
Tell:
Verzeiht mir - aus Unbedacht, nicht aus Verachtung eurer
ist’s geschehen. Wär ich besonnen, hiess ich nicht der Tell
- Ich bitt um Gnad’ es soll nicht mehr begegnen.
Gessler:
(schweigt und mustert ihn –geht mit seinem Pferd um ihn
herum) Du bist ein Meister auf der Armbrust, Tell. Man
sagt, du nehmst es auf mit jedem Schützen?
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Walter:
Und das muss wahr sein, Herr – Nen Apfel schiesst der
Vater dir vom Baum auf hundert Schritte. (reicht Gessler
den Apfel)
Gessler:
Ist das dein Knabe, Tell?
Tell:
Ja, Herr?
Gessler:
Hast Du der Kinder mehr?
Tell:
Zwei Knaben Herr
Gessler:
Und welcher ist’s, den du am meisten liebst?
Tell:
Herr, beide sind sie mir gleich liebe Kinder.
Gessler:
Nun Tell! Weil du den Apfel triffst vom Baume auf hundert
Schritte (zu Walter der nickt stolz) – so wirst du deine
Kunst vor mir bewähren müssen – Nimm die Armbrust –
und mach dich fertig – Einen Apfel, von des Knaben Kopf
zu schiessen!
Tell:
Herr – welches Ungeheure sinnet ihr mir an – ich soll vom
Haupte meines Kindes – (denkt es sei ein übler Scherz
von Gessler) Nein, das kömmt euch nicht zu Sinn –
Gessler:
Ziele gut, dass du den Apfel treffest auf den ersten
Schuss. Denn fehlst du ihn, so ist dein Kopf verloren.
(realisiert es ist ernst gemeint) Verhüt’s Gott – das könnt
ihr im Ernst von einem Vater nicht begehren!
Gessler:
Du wirst den Apfel schiessen von dem Kopf des Knaben –
ich begehr’s und will’s.
Tell:
Auf das liebe Haupt des eignen Kindes – Eher sterb ich!
Gessler:
Du schiessest oder stirbst mit deinem Knaben!
Tell:
Ich soll der Mörder werden meines Kinds! Herr, ihr habt
keine Kinder – wisset nicht, was sich bewegt in eines
Vaters Herzen.
Gessler:
(lacht) Ei Tell, du bist ja plötzlich so besonnen! Man sagte
mir, dass du ein Träumer seist. Du liebst das Seltsame Drum hab ich jetzt ein eigen Wagstück für dich
ausgesucht. (schmunzelnd)
Berta:
Scherzt nicht, o Herr! Mit diesen armen Leuten!
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Gessler:
Wer sagt euch, dass ich scherze? (Leuthold holt sich einen
Apfel) Man mache Raum - Achtzig Schritte geb ich ihm –
er rühmte sich, auf ihrer hundert seinen Mann zu treffen –
Jetzt, Schütze, triff und fehle nicht das Ziel!
Walter Fürst:
(zu Melchtal – versucht ihn zu beruhigen) Haltet an Euch,
ich fleh Euch drum, bleibt ruhig.
Berta:
Lasst es genug sein, Herr! Unmenschlich ist’s mit eines
Vaters Angst also zu spielen.
Gessler:
Öffnet die Gasse – Frisch! Was zauderst du? Dein Leben
ist verwirkt, und sieh, ich lege gnädig dein Geschick in
deine eigene kunstgeübte Hand. Der kann nicht klagen
über harten Spruch, den man zum Meister seines
Schicksals macht. Hier gilt Schütze deine Kunst zu zeigen.
Das Schwarze treffen in der Scheibe, das kann auch ein
anderer.
Walter Fürst:
(Wirft sich vor ihm nieder) Herr Landvogt, wir erkennen
eure Hoheit, doch lasset Gnad’ vor Recht ergehen. Nehmt
die Hälfte meiner Habe – nehmt sie ganz, nur dieses
Grässliche erlasset einem Vater.
Walter:
Grossvater, knie nicht vor dem falschen Mann! Der Vater
trifft den Vogel im Flug – Sagt wo ich hinstehn soll. Ich
fürcht mich nicht!
Stauffacher:
Herr Landvogt, rührt euch nicht des Kindes Unschuld?
oldTell:
Denket, dass ein Gott im Himmel ist.... Dem müsst ihr
Rede stehn für eure Taten.
Gessler:
Man bind’ ihn an die Linde dort!
Walter:
Mich binden! Nein, ich will nicht gebunden sein. Denket
ihr, ich fürchte den Pfeil von meines Vaters Hand? – (vor
der Linde) Frisch Vater zeig’s, dass du ein Schütze bist! Er
glaubt dir’s nicht!
Melchtal:
Was? Soll der Frevel sich vor unsern Augen vollenden?
Stauffacher:
Es ist umsonst. Wir haben keine Waffen.
Melchtal:
Oh hätten wir’s mit frischer Tat vollendet!
Gessler:
Ans Werk! Man führt die Waffen nicht vergebens.
Tell:
Öffnet die Gasse! Platz!
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Stauffacher:
Was, Tell? Ihr zittert –
Hildegard:
Gott im Himmel!
Tell:
(lässt die Armbrust sinken) Erlasset mir den Schuss. Hier
ist mein Herz! (reisst sich das Hemd auf) Ruft eure
Reisigen und stosst mich nieder.
Gessler:
Ich will dein Leben nicht. Ich will den Schuss – Du kannst
ja alles, Tell, an nichts verzagst du: Das Steuerruder
führst du wie den Bogen, dich schreckt kein Sturm, wenn
es zu retten gilt – Jetzt Retter, hilf dir selbst – du rettest
alle!
Walter:
Vater, schiess zu, ich fürcht mich nicht!
Tell:
Es muss!
Rudenz:
(tritt hervor) Herr Landvogt, weiter werdet ihr’s nicht
treiben, ihr werdet nicht –
Gessler:
Ihr schweigt, bis man euch aufruft.
Rudenz:
Das ist des Königs Wille nicht – Solche Grausamkeit
verdient mein Volk nicht, dazu habt ihr keine Vollmacht.
Gessler:
Ha, ihr erkühnt euch!
Rudenz:
Ich hab still geschwiegen, zu allen schweren Taten, die ich
sah; mein Auge hab ich zugeschlossen, alle Bande zerriss
ich, um an euch mich anzuschliessen – Schaudernd seh
ich an einen Abgrund mich geführt – Mein freies Urteil
habt ihr irregeleitet – Ich war daran mein Volk in bester
Meinung zu verderben.
Gessler:
Verwegener, diese Sprache deinem Herrn?
Rudenz:
Der Kaiser ist mein Herr nicht ihr – ja winkt nur euren
Reisigen ich stehe nicht wehrlos da, wie die (auf das Volk)
Ich habe ein Schwert, und wer mir naht –
Stauffacher:
Der Apfel ist gefallen! (das Volk jubelt)
Rösselmann:
Der Knabe lebt!
Viele Stimmen: Der Apfel ist getroffen!
Gessler:
Er hat geschossen? Wie? Der Rasende!
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Walter:
(kommt mit dem Apfel) Vater, wusst ich’s ja, du würdest
deinen Knaben nicht verletzen. (Tell sinkt kraftlos
zusammen und schliesst den Knaben in die Arme)
Stauffacher:
Das war ein Schuss! Davon wird man noch reden in den
spätesten Zeiten –
Gessler:
(Harras reicht dem Landvogt den Apfel) Es war ein
Meisterschuss ich muss ihn loben!
Melchtal:
Wehe dem, der ihn dazu getrieben –
Walter Fürst:
Kommt zu euch, Tell.
Gessler:
Tell, höre!
Tell:
Was befehlt ihr, Herr?
Gessler:
Du stecktest noch einen zweiten Pfeil zu dir – ja, ja ich
sah es wohl – was meintest du damit?
Tell:
Herr, das ist so bräuchlich bei den Schützen.
Gessler:
Nein, Tell, die Antwort lass ich dir nicht gelten – Sag mir
die Wahrheit Tell: Was es auch sei, dein Leben sichr’ ich
dir. Wozu der zweite Pfeil?
Tell:
Wohlan, o Herr. Weil ihr mich meines Lebens habt
gesichert – So will ich euch die Wahrheit gründlich sagen.
(zieht den zweiten Pfeil hervor) Mit diesem zweiten Pfeil
durchschoss ich – Euch, wenn ich mein liebes Kind
getroffen hätte, und eurer – wahrlich! Hätt’ ich nicht
gefehlt.
Gessler:
Wohl, Tell! Des Lebens hab ich dich gesichert, ich gab
mein Ritterwort, das will ich halten – Doch weil ich deinen
bösen Sinn erkannt, will ich dich führen lassen und
verwahren, wo weder Mond noch Sonne dich bescheint.
Damit ich sicher sei vor deinen Pfeilen. Ergreift ihn
Knechte! Bindet ihn!
Stauffacher:
So könnt ihr an einem Manne handeln, an dem sich
Gottes Hand sichtbar verkündet?
Gessler:
Lass sehn, ob sie ihn zweimal retten wird – Man bring’ ihn
auf mein Schiff – ich selbst will ihn nach Küssnacht
führen.
Rösselmann:
Ihr wollt ihn ausser Lands gefangen führen?
24.01.2014 – Seite 40 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Melchtal:
Das dürft ihr nicht
Rösselmann:
Das widerstreitet unsern Freiheitsbriefen!
Gessler:
Wo sind sie?! Hat der Kaiser sie bestätigt? Er hat sie nicht
bestätigt – Diese Gunst muss erst erworben werden durch
Gehorsam. Rebellen seit ihr alle – alle seid ihr teilhaft
seiner Schuld: Wer klug ist, lerne schweigen und
gehorchen. (reitet mit Gefolge ab – Richtung Kirchgasse)
Stauffacher:
Sag ich eurem Weibe nichts von euch?
Tell:
Der Knab’ ist unverletzt, mir wird Gott helfen (wird
abgeführt)
Walter:
Vater! Lieber Vater! (der Gefangenenzug setzt sich in
Bewegung, die Landleute schauen fassunglos –
Donnergrollen setzt ein – die Leute gehen ab)
Melchtal:
Raset ihr Winde, flammet herab ihr Blitze, Ihr Wolken
berstet, giesst herunter, Ströme des Himmels und ersäuft
das Land! Zerstört im Keim die ungeborenen
Geschlechter. (Stauffacher und Fürst bringen Melchtal
vom Platz)
4. AKT, ERSTE SZENE – Tells Rettung
Der alte Tell erinnert sich an seine wundersame Rettung auf dem See.
oldTell:
Ich Lag im Schiff, mit Stricken fest gebunden – Wehrlos,
ein aufgegebner Mann, und trostlos blickt’ ich in die
Wasserwüste. So fuhren wir dahin, der Vogt, Rudolf der
Harras und die Knechte. da verhängt’ es Gott, dass solch
ein grausam mördrisch Ungewitter herfürbrach aus des
Gotthards Schlünden, dass allen Ruderern das Herz
entsank, und meinten alle elend zu ertrinken. Da sprach
der Vogt: Tell, wenn du dir’s getrautest, uns zu helfen aus
dem Sturm, so möchte ich dich der Bande wohl
entled’gen. So war ich meiner Bande los und stand am
Steuerruder - und wie ich eines Felsenriffs gewahre, das
abgeplattet vorsprang in den See, schrie ich den Knechten
, handlich zuzugehn, bis dass wir vor die Felsenplatte
kämen. Jetzt, schnell mein Schiesszeug fassend, schwing
ich selbst auf die Platte mich hinauf, und mit gewalt’gem
Fussstoss schleudr’ ich das Schifflein in den Schlund der
Wasser. (Tell stürzt auf die Szene und fällt nieder.)
24.01.2014 – Seite 41 von 55
Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Jenni:
(kommt aus dem Fischerhaus, nimmt das Glockengeläut
wahr und sieht den Tell) Vater! Vater, komm – Sieh wer
der Mann ist der dort kniet!
Ruodi:
Gott im Himmel! Was! Der Tell?
Helen:
(Helen kommt herbei) Wart ihr nicht dort auf dem Schiff
gebunden?
Tell:
Ich bin befreit.
Ruodi:
Wo ist der Landvogt?
Tell:
Auf den Wellen treibt er.
Helen:
Ist’s möglich? Aber ihr? Wie seid ihr hier? Wie seid ihr den
Wellen und dem Sturm entkommen?
Tell:
Durch Gottes gnädige Fürsehung.
Ruodi:
Tell! Tell, ein sichtbar Wunder hat der Herr an euch getan,
kaum glaub ich’s meinen Sinnen
Helen:
So verbergt euch ohne Säumen, nicht zweimal hilft euch
Gott aus seiner Hand. (will ihn zu seiner Hütte mitnehmen
– Tell reisst sich los)
Tell:
Nennt mir den nächsten Weg nach Küssnacht.
Ruodi:
Die offene Strasse zieht sich über Steinen, doch einen
kürzern Weg und heimlichern kann euch mein Knabe über
Lowerz führen. (winkt Jenni)
Tell:
(Gibt den beiden die Hand) Lebet wohl. (Geht und kehrt
wieder um) Habt ihr nicht auch im Rütli mitgeschworen?
Ruodi:
Ich war dabei und hab den Eid des Bundes mit
beschworen.
Tell:
So eilt nach Bürgleln, mein Weib verzagt um mich,
verkündet ihr, dass ich gerettet sei und wohl geborgen.
Ruodi:
Doch wohin sag ich ihr, dass ihr geflohn?
Tell:
Bald werden sie ein weitres von mir hören.
Ruodi:
Was?
Tell:
Ist es getan, wird’s auch zur Rede kommen.
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
4. AKT, ZWEITE SZENE – Attinghausens Tod
Der Freiherr von Attinghausen liegt im Sterben. Walter Fürst, Stauffacher,
Melchtal und Baumgarten sind in seinem Haus, ebenso Walter Tell. Hedwig
Tell stürmt auf den Platz – sie will ihren Knaben sehen.
Walter Fürst:
Es ist vorbei mit ihm, er ist hinüber. (hämmern an der
Türe – Baumgarten geht hinein - )
Baumgarten:
Es ist Frau Hedwig, Eure Tochter –sie will den Knaben
sehn
Hedwig:
Wo ist mein Kind? (stürzt heraus) Lasst mich ich muss es
sehn-
Stauffacher:
Bedenkt dass ihr im Haus des Todes –
Hedwig:
Mein Wälti! Ist’s auch gewiss? Bist du mir unverletzt? Und
ist es möglich? Konnt er auf dich zielen? Wie konnt er’s?
Er konnte den Pfeil abdrücken auf sein eignes Kind! Oh er
hat kein Herz – Er konnte den Pfeil abdrücken auf sein
eignes Kind!
Walter Fürst:
Er tat’s mit Angst, mit schmerzzerrissener Seele –
Gezwungen tat er’s denn es galt das Leben!
Stauffacher:
Ihr solltet Gottes gnäd’ge Schickung preisen, die es so gut
gelenkt –
Hedwig:
Kann ich vergessen wie’s hätte kommen können – und
lebt ich achtzig Jahr – ich seh den Knaben ewig stehn,
den Knaben Vater auf ihn zielen, und ewig fliegt der Pfeil
mir in das Herz.
Baumgarten:
Ist eures Mannes Los nicht hart genug, dass ihr mit
schweren Tadel ihn noch kränkt?
Hedwig:
(kehrt sich nach ihm um) Hast du nur Tränen für des
Freundes Unglück? Wo warst du, da man den Trefflichen
in Bande schlug? Stand er auch bedauernd da, als hinter
dir die Reiter des Landvogts drangen? (Baumgarten
schämt sich) Wo war da eure Hilfe?
Walter Fürst:
Was konnten wir zu seiner Rettung wagen, die kleine
Zahl, die unbewaffnet war?
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Hedwig:
(wirft sich an seine Brust) O Vater! Auch du hast ihn
verloren! Das Land, wir alle haben ihn verloren –
Stauffacher:
Beruhigt euch. Wir alle wollen handeln, um seinen Kerker
aufzutun.
Hedwig:
Solang der Tell noch frei war, ja, da war noch Hoffnung.
Ihr alle zusammen könnt nicht seine Fesseln lösen! (der
Freiherr erwacht)
Baumgarten:
Er regt sich, still!
Attinghausen:
Wo ist er?
Walter Fürst:
Wer?
Stauffacher:
Er meint den Junker!
Walter Fürst:
Tröstet euch! Er hat sein Herz gefunden, er ist unser.
Attinghausen:
Hat er gesprochen für sein Vaterland?
Stauffacher:
Mit Heldenkühnheit.
Attinghausen:
Wer ist der Knabe?
Walter Fürst:
Segnet ihn, o Herr! Er ist mein Enkel und ist vaterlos.
Attinghausen:
Und vaterlos lass ich euch alle, alle zurück – Weh mir,
dass meine letzten Blicke den Untergang des Vaterlands
gesehn!
Stauffacher:
(zu Walter Fürst) Edler Freiherr! Erhebet euren Geist! Wir
sind nicht ganz verlassen, sind nicht rettungslos verloren.
Attinghausen:
Wer soll euch retten?
Walter Fürst:
Wir uns selbst. Es haben die drei Lande sich das Wort
gegeben, die Tyrannen zu verjagen.
Attinghausen:
Geschlossen ist der Bund?
Melchtal:
Am gleichen Tag werden alle drei Waldstätte sich
erheben. Alles ist bereit und das Geheimnis wohlbewahrt.
Attinghausen:
Die festen Burgen? –
Melchtal:
Sie fallen alle am gleichen Tag.
Attinghausen:
(halb zu sich) Getröstet können wir zu Grabe steigen. (Er
legt die Hand auf das Haupt des Kindes) Aus diesem
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Haupte wo der Apfel lag, wir euch die neue bessre Freiheit
grünen (steht auf mit letzter Kraft)
Die Fürsten seh ich und die alten Herrn in Harnischen
herangezogen kommen, ein harmlos Volk von Hirten zu
bekriegen. Auf Tod und Leben wird gekämpft – des Adels
Blüte fällt - es hebt die Freiheit siegend ihre Fahne.–
Drumm haltet fest zusammen – fest und ewig – seid einig
– einig – einig.
Rudenz:
Lebt er – kann er mich noch hören?
Walter Fürst:
Ihr seid jetzt unser Lehensherr und Schirmer und dieses
Haus hat einen andern Namen.
Rudenz:
Kommt meine Reu’ zu spät?? (geht vor dem Leichnam in
die Knie)
Stauffacher:
Er hörte sterbend noch, was ihr getan.
Rudenz:
Hier gelob ich dir’s in deine kalte Totenhand –
zurückgegeben bin ich meinem Volk, ein Schweizer bin
ich, und will es sein von ganzer Seele – Ehrwürd’ger Vater
gebt mir eure Hand! Gebt mir die eurige! – Melchtal auch
ihr! (Melchtal dreht sich weg)
Walter Fürst:
Sein wiederkehrend Herz verdient Vertraun.
Melchtal:
(zu Rudenz) Ihr habt den Landmann nichts geachtet.
Stauffacher:
Seid einig! War das letzte Wort des Vaters –
Melchtal:
(reicht Rudenz die Hand) Des Bauern Handschlag ist auch
ein Manneswort. Was ist der Ritter ohne uns. (Rudenz
winkt Baumgarten der ein zweites Pferd herbei
bringt/Leichnam wird weggetragen)
Rudenz:
Doch wozu reden, da das Vaterland ein Raub noch ist der
fremden Tyrannei? – Ihr habt getagt geschworen auf dem
Rütli – ich weiss –weiss alles was ihr dort verhandelt –
Doch übel tatet ihr es zu verschieben. Der Tell ward schon
ein Opfer eures Säumens –
Stauffacher:
Das Christfest abzuwarten schwuren wir –
Rudenz:
Ich hab nicht mitgeschworen. Wartet ihr ab, ich handle.
(geht Richtung Pferd)
Melchtal:
Was?
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Walter Fürst:
Was wollt ihr unternehmen?
Rudenz:
Weiss ich’s? Ach! Geraubt, entrissen worden ist mir die
Geliebte. Wer weiss wo sie der Wütende verbirigt – unter
den Trümmern der Tyrannenmacht allein kann sie
hervorgegraben werden.
Melchtal:
Kommt führt uns an. Wir folgen euch – es bringt die Zeit
ein anderes Gesetz – (geht zum Pferd)
Rudenz:
Indes bewaffnet und zum Werk bereit erwartet ihr der
Berge Feuerzeichen, und seht ihr leuchten die
willkommenen Flammen, dann auf die Feinde stürzt, wie
Wetters Strahl, und brecht den Bau der Tyrannei
zusammen. (Melchtal und Rudenz gehen ab – Fürst und
Stauffacher verschwinden links vom Haus, Baumgarten
rechts)
4. AKT, DRITTE SZENE – Der Tyrannenmord
Die Hohle Gasse bei Küssnacht – Tell mit seiner Armbrust macht sich
bereit der Herrschaft von Gessler mit dem entscheidenden Schuss ein
Ende zu setzen.
Tell:
Durch diese hohle Gasse muss er kommen, es führt kein
andrer Weg nach Küssnacht – Hier vollend ichs - Die
Gelegenheit ist günstig.
oldTell:
(Beim Tellhaus fällt das Licht auf den alten Tell) Mach
deine Rechnung mit dem Himmel, Vogt, Fort fort musst
du, deine Uhr ist abgelaufen - Ich lebte still und harmlos Das Geschoss war auf des Waldes Tiere nur gerichtet,
meine Gedanken waren rein von Mord.
Tell:
Du hast aus meinem Frieden mich heraus geschreckt, in
gärend Drachengift hast du die Milch der frommen
Denkart mir verwandelt, zum Ungeheuren hast du mich
gewöhnt - wer sich des Kindes Haupt zum Ziele setzte,
der kann auch treffen in das Herz des Feinds.
Da, als ich den Bogenstrang anzog - als mir die Hand
erzitterte - Als du mit grausam teuflischer Lust mich
zwangst, aufs Haupt des Kindes anzulegen - als ich
ohnmächtig flehend rang vor dir, damals gelobt ich mir
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
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dass meines nächsten Schusses erstes Ziel dein Herz sein
sollte.
oldTell:
Du bist mein Herr und meines Kaisers Vogt, doch nicht der
Kaiser hätte sich erlaubt, was du - Er sandte dich in diese
Lande, um Recht zu sprechen - Doch nicht, um mit der
mörderischen Lust dich jedes Greuels straflos zu
erfrechen.
Tell:
Es lebt ein Gott, zu strafen und zu rächen. (Wanderer
gehen über die Szene.) Auf diese Bank von Stein will ich
mich setzen, dem Wanderer zur kurzen Ruh bereitet denn hier ist keine Heimat –
oldTell:
Jeder treibt sich an dem andern rasch und fremd vorüber,
und fraget nicht nach seinem Schmerz.
Tell:
Sie alle ziehen ihres Weges fort an ihr Geschäft - und
meines ist der Mord!
Sonst wenn der Vater auszog, liebe Kinder, da war ein
Freuen, wenn er wiederkam, er bracht euch etwas, wars
eine schöne Alpenblume, wars ein seltner Vogel oder
Ammonshorn –
Jetzt geht er einem andern Weidwerk nach, am wilden
Weg sitzt er mit Mordgedanken, des Feindes Leben ist’s,
worauf er lauert. –
Und doch an euch nur denkt er, liebe Kinder, auch jetzt euch zu verteid’gen, eure Unschuld zu schützen vor der
Rache des Tyrannen - will er zum Morde jetzt den Bogen
spannen!
(steht auf – ein Hochzeitszug geht vorüber währenddem
Hildegard ihn anspricht.)
Hildegard:
Das ist der Klostermei’r von Mörlischachen, der hier den
Brautlauf hält – Und diese Nacht wird hoch geschwelgt zu
Küssnacht. Kommt mit!
Tell:
Ein ernster Gast stimmt nicht zum Hochzeitshaus.
Hildegard:
Drückt euch Kummer, werft ihn frisch vom Herzen – ihr
wartet hier auf jemand?
Tell:
Das tu ich!
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Hildegard:
Frohe Heimkehr zu den Euren.
Friesshart:
Man fahre aus dem Weg, mein gnäd’ger Herr der
Landvogt kommt dicht hinter mir geritten.
oldTell:
(Llicht auf den alten Tell) Es kann der Frömmste nicht im
Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbar nicht
gefällt.
Friesshart:
Man fahre aus dem Weg, mein gnäd’ger Herr der
Landvogt kommt dicht hinter mir geritten.
Armgard:
Der Landvogt kommt (zu den Kindern). Jetzt ist der
Augenblick!
Gessler:
Ich bin des Kaisers Diener. Er hat mich nicht ins Land
geschickt, dem Volk zu schmeicheln. Gehorsam erwartet
er; der Streit ist, ob der Bauer soll Herr sein in dem Lande
oder der Kaiser.
Harras:
Das Volk hat aber doch gewisse Rechte –
Gessler:
Die abzuwägen, ist jetzt keine Zeit! Das Kaiserhaus will
wachsen; Dies kleine Volk ist uns ein Stein im Weg –
Armgard:
Barmherzigkeit, Herr Landvogt! Gnade! Gnade!
Gessler:
Was drängt ihr euch auf offener Strasse mir in den Weg.
Zurück!
Armgard:
Gerechtigkeit Herr Landvogt. Mein Mann liegt im
Gefängnis, die armen Waisen schrein nach Brot – habt
Mitleid.
Harras:
Wer seid ihr? Wer ist euer Mann?
Armgard:
Ein Wildheuer, guter Herr, vom Rigiberge.
Gessler:
Ein Elend und erbärmlich Leben!
Armgard:
Ich weiche nicht von diesem Platz, bis der Vogt mir den
Mann zurückgegeben!
Gessler:
Fort, schafft das freche Volk mir aus den Augen!
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Armgard:
(Greift in die Zügel) Nein, ich habe nichts mehr zu
verlieren. – Du kommst mir nicht von der Stelle, Vogt bis
du mir Recht gesprochen.
Gessler:
Weib, mach Platz, oder mein Ross geht über dich hinweg.
Armgard:
Lass es über mich dahingehn – da (sie reisst ihre Kinder
zu Boden – diesen weinen – und wirft sich so ihm in den
Weg) Hier lieg ich mit meinen Kindern – lass die armen
Waisen von deines Pferdes Huf zertreten werden, es ist
das Ärgste nicht was du getan –
Harras:
Weib, seid ihr rasend?
Armgard:
Oh, ich bin nur ein Weib! Wär ich ein Mann, ich wüsste
wohl was Besseres, als hier im Staub zu liegen –
Gessler:
Man reisse sie von hinnen, oder ich vergesse mich! Wo
sind meine Knechte.
Harras:
Die Knechte können nicht hindurch, der Hohlweg ist
gesperrt durch eine Hochzeit.
Gessler:
Ein allzu milder Herrscher bin ich noch gegen dies Volk –
Doch es soll anders werden, ich gelob es, ich will ihn
brechen, diesen starren Sinn, den kecken Geist der
Freiheit will ich beugen – ich will -
Harras:
Herr Landvogt!
Armgard:
Mord! Mord!
Harras:
Ruft die Erbarmung Gottes an – ihr seid ein Mann des
Todes!
Gessler:
Das ist Tells Geschoss
Tell:
(erscheint aus seinem Versteck) Du kennst den Schützen,
suche keinen andern!
oldTell:
Frei sind die Hütten, sicher ist die Unschuld vor dir, du
wirst dem Lande nicht mehr schaden
Harras:
Fort, schafft Hilfe! Setzt dem Mörder nach!
Hildegard:
Bei Gott! Da liegt er bleich und ohne Leben.
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
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Harras:
Herr Landvogt, redet, wenn ihr könnt – ich versteh euch
nicht –
Armgard:
Seht, Kinder, wie ein Wüterich verscheidet!
Harras:
Wahnsinn’ge Weiber habt ihr kein Gefühl. Helft – Legt
Hand an – (keine Reaktion) Fluch treff euch und
Verdammnis!
Armgard:
Wagt es, Herr! Eu’r Walten hat ein Ende. Der Tyrann des
Landes ist gefallen. Wir sind freie Menschen. Das Land ist
frei.
(Leute auf dem Platz feiern – verschwinden dann Richtung
See//Friesshart, Leuthold, Reisige schaffen den Leichnam
von Gessler weg. Friesshart, Leuthold, 2 Reisige packen
danach ihre Lanzen und flüchten Richtung See.)
oldTell:
(wenn Gessler weggetragen wird) Rasch tritt der Tod den
Menschen an, es ist ihm keine Frist gegeben; Es stürzt ihn
mitten in der Bahn, es reisst ihn fort vom vollen Leben.
Bereitet oder nicht, zu gehen, er muss vor seinen Richter
stehen!
5. AKT, ERSTE SZENE – Aufruhr
Die Nachricht verbreitet sich – Gesslers Anhänger ergreifen die Flucht.
Gleichzeitig stürmt eine Gruppe von Eidgenossen die Burg.
Ruodi:
Seht ihr die Feuersignale auf dem Berg –
(Landleute bleiben andächtig stehen)
Walter Fürst:
Haltet Freunde! Haltet! Noch fehlt uns die Kunde, was in
Unterwalden und Schwyz geschehen –
Melchtal:
(Melchtal eilt herbei) Vater - Blinder alter Vater!
Heinrich von der Halden:
Sag! Sind die Lande alle rein vom Feind?
Melchtal:
Freut euch! In diesem Augenblicke, da wir reden, ist kein
Tyrann mehr in der Schweizer Land.
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Rösselmann:
(eilt herbei – ebenfalls Stauffacher der von der anderen
Seite auf den Platz kommt) Der Kaiser, Der Kaiser, Der
Kaiser ist ermordet!
Waltetr Fürst:
Ermordet! Was! Der Kaiser! Wer wagte solche grauenvolle
Tat?
Stauffacher:
Es ist gewiss, und wird noch grauenvoller durch den
Täter. Es war sein Neffe, seines Bruders Kind – Johannes
Parricida – Ein ungeheures Schrecken ist im Land umher –
gesperrt sind alle Pässe des Gebirgs –
Melchtal:
Weiss man, wo sich der Mörder hingeflüchtet?
Stauffacher:
Herzog Johann soll irren im Gebirge -
Walter Fürst:
Rache trägt keine Furcht - Geht hinein! Geht! (Die
Landleute flüchten in ihre Häuser – Der Mönch ‚Parricida’
huscht über den Platz und setzt sich underhalb des
Tellhügels erschöpft auf einen Stein
5. AKT, ZWEITE SZENE – Tells Heimkehr/ Parricida
Vor dem Haus von Wilhelm Tell: Willi und Walter spielen vor dem Haus.
Hedwig bringt einen Krug mit Wasser und Brot. Die Familie erwartet die
Heimkehr des Vaters.
Hedwig:
Heut kommt der Vater Kinder, Liebe Kinder! Er lebt ist frei
– und euer Vater ist’s der’s Land gerettet.
Walter:
Und ich bin auch dabei gewesen, Mutter! Mich muss man
auch mit nennen.
Hedwig:
(umarmt ihn) Ja du bist mir wieder gegeben. Zweimal hab
ich dich geboren. Zweimal litt ich den Mutterschmerz um
dich. Es ist vorbei - ich hab euch beide, beide!
Wilhelm:
Sieh, Mutter – dort sitzt ein frommer Bruder, gewiss wird
er um eine Gabe flehn.
(ein Mönch sitzt am Wegrand – in sich gekehrt)
Hedwig:
Walter, Für für ihn zu uns!
Walter:
Kommt guter Mann, ruht euch aus bei uns und geht
gestärkt von dannen.
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
(Der Mönch wandelt zum Tisch vor dem Haus. Hedwig
reicht im einen Brodleib. Der Mönch zerreisst diesen
gierg, – und trinkt vom Krug)
Parricida (Mönch):
(scheu umherblickend mit zerstörten Zügen).
Wo bin ich? Saget an, in welchem Lande?
Walter:
Ihr seid zu Bürglen, Herr, im Lande Uri, wo man
hineingeht in das Schächental.
Parricida :
Seid ihr allein? Ist euer Herr zu Hause?
Hedwig:
Ich erwarte ihn eben – doch was...Ihr seht nicht aus, als
ob ihr Gutes brächtet. Tretet mir nicht nah, bleibt ferne
stehn, wenn ich euch hören soll- was sinnet ihr? Zurück
von meinen Kindern - ihr seid kein Mönch!
Parricida
Ich bin der unglückseligste der Menschen.
(Tell betritt die Szene, begibt sich zu seinem Haus.)
Walter:
Mutter, der Vater.
Hedwig:
Oh mein Gott!
Wilhelm:
Vater!
Walter:
Da bist du wieder!
Wilhelm:
Vater, lieber Vater!
Tell:
Da bin ich wieder
(schliesst beide Kinder in die Arme – geht dann auf
Hedwig zu)
Hedwig:
Oh Tell! Tell! Welche Angst litt ich um dich!
(Mönch wird aufmerksam)
Tell:
O Hedwig! Vergiss sie jetzt und lebe nur der Freude. Uns
trennt kein Tyrann mehr!
Wilhelm:
Wo aber hast Du deine Armbrust, Vater? Ich seh sie nicht.
Tell:
Du wirst sie nie mehr sehn. An heil’ger Stätte ist sie
aufbewahrt, sie wird hinfort zu keiner Jagd mehr dienen Wer ist der Bruder hier?
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
Hedwig:
Ach ich vergass ihn! Sprich du mit ihm, mir graut in
seiner Nähe.
Parricida:
Seid ihr der Tell durch den der Landvogt fiel?
Tell:
Der bin ich. Ich verberg es keinem Menschen.
Parricida:
Ihr seid der Tell – Der Tell! Ach es ist Gottes Hand, die
unter euer Dach mich hat geführt.
Tell:
Ihr seid kein Mönch. Wer seid ihr?
Parricida:
Ihr erschlugt den Landvogt der Euch böses tat – Auch ich
hab einen Feind erschlagen, der mit mir Recht versagte –
Er war euer Feind wie meiner – Ich hab das Land von ihm
befreit.
Tell:
(zurückfahrend) Ihr seid – (schaudernd) Kinder! Kinder,
geht hinein. Geh liebes Weib Geh! Geh!
Hedwig:
Gott wer ist es?
Tell:
Frage nicht! Fort! Fort! Die Kinder dürfen es nicht hören.
(Hedwig geht mit den Kindern hinein)
Tell:
(zum Mönch) Ihr seid der Herzog von Österreich –
Johannes Parricida – Ihr seid’s. Ihr habt den Kaiser
erschlagen, Euren Ohm und Herrn.
Parricida:
Er war der Räuber meines Erbes.
Tell:
Euer Ohm erschlagen, euren Kaiser! Und euch trägt die
Erde noch?
Parricida:
Tell, hört mich, eh’ ihr –
Tell:
(fällt ihm ins Wort) Von dem Blute triefend des
Vatermordes und des Kaisermords, wagst du zu treten in
mein reines Haus, und dein Antlitz einem guten Menschen
zu zeigen!
Parricida:
Bei euch hofft’ ich Barmherzigkeit zu finden, Auch ihr
nahmt Rach’ an Eurem Feind.
Tell:
Unglücklicher! Darfst du der Ehrsucht blut’ge Schuld
vermengen, mit der gerechten Notwehr eines Vaters?
Hast du der Kinder liebes Haupt verteidigt? Das
Schrecklichste, das letzte von den Deinen abgewehrt? –
Zum Himmel heb ich meine reinen Hände, verfluche dich
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Sven Allenbach
und deine Tat – Gerächt hab ich die heilige Natur, die du
geschändet – Nichts teile ich mit dir – Gemordet hast du
ich hab mein Teuerstes verteidigt.– Mich fasst ein
Grausen, da ich mit dir rede. Fort! Wandle deine
fürchterliche Strasse.
Parricida:
Der Neid zernagte mir das Herz – Ich sah die Jugend
meines Vetters Leopold gekrönt mit Ehre und mit Land
belohnt, und mich, der gleiches Alters mit ihm war, in
sklavischer Unmündigkeit gehalten.
Tell:
(abgewendet) Steht auf. (dreht sich zu Parricida) Steht
auf!
Parricida:
Nicht bis ihr mir die Hand gereicht zur Hilfe.
Tell:
Kann ich euch helfen? Kann’s ein Mensch der Sünde? Was
ihr auch Grässliches verübt. Ihr seid ein Mensch - was ich
vermag, das will ich tun.
Parricida:
Tell! Ihr rettet meine Seele von Verzweiflung
Tell:
Lasst meine Hand los – Hört, was mir Gott ins Herz gibt –
Ihr müsst fort ins Land Italien, nach Sankt Peters Stadt.
Dort werft Ihr euch dem Papst zu Füssen, beichtet ihm
Eure Schuld und löset Eure Seele.
Parricida:
Wird er mich nicht dem Rächer überliefern?
Tell:
Was er tut, das nehmet an von Gott. Ich höre Stimmen.
Fort! (Parricida senkt sein Haupt – macht sich hastig auf
den Weg)
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Wilhelm Tell – Textfassung 2014
Sven Allenbach
5. AKT, DRITTE SZENE – Schluss
Die Kirchenglocken verkünden die Eroberung der Burgen. Der Platz füllt
sich immer mehr – festliches Treiben.
Hedwig:
Wer ist es? (erblickt ihn, kommt aus dem Haus und steigt
die Treppe hinab)
oldTell:
Forsche nicht – er wandelt weiter.
Hedwig:
Wie – wie kommst du mir wieder? – Diese Hand
Tell:
Hat euch verteidigt und das Land gerettet. (Tell und
Hedwig umarmen sich)
oldTell:
Ich darf sie frei hinauf zum Himmel heben - Gefallen ist
der Freiheit grösster Feind.
Die Schlussmusik erklingt und die Kirchenglocken ertönen...
Baumgarten:
Die Burgen sind erobert!
(Die Nachricht geht wie ein Lauffeuer von Haus zu Haus)
Melchtal:
Es Lebe lebe Tell der Schütz und der Erretter!
Baumgarten:
Es Lebe Tell,
Melchtal:
Der Stifter unserer Freiheit!
(Tell und seine Familie werden stürmisch begrüsst und
hinab begleitet zum Volk)
ENDE
SCHLUSSAPPLAUS
Rossini, Finale - William Tell Overture
© copyright svenallenbach 2014
24.01.2014 – Seite 55 von 55
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Seele and Geist
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