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Kirschessigfliege

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Welche Bekämpfungsmöglichkeiten gibt es gegen die Kirschessigfliege?
Karl Bleyer und Manuel Becker
Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg
Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) hat bereits im Juli 2014 innerhalb kürzester Zeit sehr
starke Schäden im Obstbau, besonders bei Süß- und Sauerkirschen hervorgerufen. Demzufolge
war die Verunsicherung bei den Weingärtnern und Kellermeistern in Württemberg und in den anderen Weinanbaugebieten sehr groß. In Württemberg war die Angst aufgrund der Schäden, die
Drosophila suzukii im Jahr 2011 in Südtirol bei der Rebsorte Vernatsch (Trollinger) angerichtet hat,
besonders hoch. Mittlerweile sind auch große Schäden im Weinbau zu verzeichnen und es ist klar,
dass Sie nicht nur den Vernatsch unter der Pergola, sondern auch alle anderen Rotweinsorten in
Spalieranlagen befällt.
Über die Biologie und Lebensweise der Drosophila suzukii, deren Schadbilder und die Ergebnisse
des Monitorings der Jahre 2012 und 2013 in Württemberg wurde in den Ausgaben Rebe & Wein 5/2013 und 4/2014 berichtet.
Bisher gibt es im Weinbau in Deutschland keinerlei Erfahrungen über Bekämpfungsmaßnahmen
der Kirschessigfliege. Generell steht die Bestandshygiene im Vordergrund. Für die Bekämpfung
stehen neben mechanischen und Management-Maßnahmen derzeit nur zwei zugelassene Pflanzenschutzmittel zur Verfügung. SpinTor (Wirkstoff Spinosad) hat seit dem 04. April 2014 eine Zulassung nach Artikel 51 Abs. 1. Das Mittel wurde als B1- Mittel eingestuft wurde, gilt also als bienengefährlich. Dieses Präparat kann auch in Kombination mit dem Köderkonzentrat "combi protec"
in reduzierter Menge und verkürzter Wartezeit angewandt werden. Als weitere Mittel wurde Anfang
September Piretro Verde kurzfristig nach Artikel 53 für Notfallsituationen zugelassen. Das Mittel
enthält den Wirkstoff Pyrethrum und ist sowohl als bienengefährlich wie auch nützlingsschädigend
eingestuft.
Nach der Bienenschutzverordnung vom 22. Juli 1992 (BGBl. I. S.1410) dürfen B1- Mittel weder an
blühenden Pflanzen noch an von Bienen beflogenen nicht blühenden Pflanzen, z. B. wegen der
Ausscheidungen der Blattläuse (Honigtau), angewandt werden. Auf die Beachtung des Bienenschutzes wird deshalb hingewiesen. Die Ausbringung hat aus diesem Grund nur morgens oder
abends zu erfolgen und der Unterwuchs ist zu Mulchen.
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Aktuelle Situation, Mittel und Bekämpfungsstrategien
Zugelassene Mittel gegen Kirschessigfliege (KEF):
SpinTor (max. 160 ml/ha) – Zulassung nach Artikel 51 seit 04.04.2014
Anwendungsempfehlung: Applikation auf die gesamte Rebzeile zur Reduktion der KEFPopulation und Schutzwirkung durch SpinTor-Belag auf den Trauben
Maximale Anzahl Behandlungen gegen KEF: 2
Zeitlicher Abstand der Behandlungen: 7 Tage
Anwendungstechnik: sprühen; Trauben-/Laubzone
Wartezeit: 14 Tage
combi-protect + SpinTor (zugelassen in BW seit 14.08.2014; seit 04.09.2014 mit verkürzter Wartezeit)
Maximale Anzahl Behandlungen gegen KEF: max. 6
Zeitlicher Abstand der Behandlungen: ca. 4 Tage
Anwendungstechnik: sprühen; Trauben-/Laubzone; für die geringe Wassermenge
sind spezielle Düsen erforderlich.
Wartezeit: 7 Tage
Genehmigte Aufwandmengen
SpinTor-Aufwand
combi-protec
l/ha
l/ha
0,005 (5 ml)
1l
0,0075 (7,5 ml)
1,5 l
0,01 (10 ml)
2l
Wasseraufwand
l/ha
20 l
30 l
40 l
Piretro Verde (zugelassen nach Artikel 53 für Notfallsituationen seit 05.09.2014 bis 31.12.2014)
Aufwandmengen: 2,4 l/ha bei voller Laubwandhöhe; 1,2 l/ha bei Behandlung der Trauben
zone
Anwendungsempfehlung: Applikation auf die gesamte Rebzeile zur Reduktion der KEFPopulation und Schutzwirkung durch SpinTor-Belag auf den Trauben; nur einmalige Anwendung sollte nach zwei Spintor-Anwendungen nochmals eine Notwendigkeit bestehen
Maximale Anzahl Behandlungen gegen KEF: 3
Zeitlicher Abstand der Behandlungen: 2-4 Tage
Anwendungstechnik: sprühen; Trauben-/Laubzone
Wartezeit: 1 Tage
Das erstmalige Auftreten der KEF in höherem Umfang in Württemberg ermöglicht es an der Staatl.
Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg verschiedene Mittel und Kombinationen hinsichtlich Wirkung auf die KEF durchzuführen.
Monitoring Kirschessigfliege in Württemberg.docx, 29.01.2015
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Aktuelle Beobachtungen in Württemberg (22.08.2012)
Einflug von KEF aus Brombeerhecken, Wald- und Obstflächen
Derzeit ist ein Befall bei folgenden frühen roten Rebsorten zu beobachten: Cabernet Dorsa,
Acolon, Dornfelder, Portugieser und Regent
Beginnender Befall bei Schwarzriesling
Ein Befall von Trollinger, Lemberger und Burgunder-Sorten kann nicht ausgeschlossen
werden.
Weiße Rebsorten sind derzeit nur in Ausnahmefällen betroffen
Sehr starke regionale Unterschiede
Bekämpfungsstrategien:
Gute Bestandshygiene wirkt der Essigfliege entgegen.
Keine Ausdünnungsmaßnahmen durchführen, es sei denn die Trauben werden aus der Anlage entfernt.
Beobachtung der KEF-Population in Rebflächen durch Fang mit Essigfallen. Eine Aussage
über die Anzahl der gefangen KEF in der Falle sagt zunächst nur, dass sie sich in der Fläche aufhält. Bei dem Aufstellen der Falle in der Nähe von Brombeerhecken und/oder Obstbäumen kann es innerhalb kurzer Zeit zu sehr hohen Fangzahlen kommen (>30 Fliegen)
Behandlungsempfehlung bei beginnender Eiablage. Diese ist sichtbar in Form von kleinen
Safttropfen auf den Beeren (Bild 1) über der Stecknadelkopf-großen Einstichstelle. Nach
einigen Tagen verschwindet dieser Safttropfen und das Einstichloch darunter wird sichtbar
(Bild 2). Die Region um das Loch dellt in die Beere ein. Genauere Angaben über den Behandlungsbeginn können derzeit nicht gemacht werden, hier müssen erst noch Daten und
Erfahrungen gesammelt werden.
Netz- und Haftmittel können die Wirksamkeit des Insektizids erhöhen bzw. verlängern. Die
Mischbarkeit sollte jedoch zwingend geprüft werden.
Zusammenfassende Beobachtung an der LVWO Weinsberg nach der Lese 2014
Starker KEF-Befall wurde bei folgenden frühreifen rotgefärbten Rebsorten beobachtet:
o Cabernet Dorsa, Acolon, Dornfelder, Portugieser und Regent
Vereinzelter KEF-Befall bei folgenden rötlich-gefärbten Rebsorten:
o Schwarzriesling, Lemberger, Burgunder-Sorten, Syrah, Merlot, Pinotage und Traminer
Örtlich wurde bei Trollinger verstärkter Befall festgestellt.
KEF-Befall von weißen Rebsorten wurde nicht beobachtet.
Hohe Niederschläge und moderate Temperaturen förderten das Abquetschen und Aufplatzen von Beeren und dadurch die Botrytisbildung. Diese Vorschädigung erhöhte die Attraktivität der Trauben auf die Essigfliege und Kirschessigfliege.
Bekämpfungsstrategien für 2015:
Die bisherigen Beobachtungen und Versuchsergebnisse durchgeführter Projekte werden derzeit
diskutiert und sollen die Grundlage für die Bekämpfungsstrategien für das Jahr 2015 bilden.
Monitoring Kirschessigfliege in Württemberg.docx, 29.01.2015
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Aktuelle Entwicklungen der Drosophila suzukii-Population und Bekämpfungsstrategien erscheinen
zukünftig auf der Homepage der LVWO Weinsberg. Beachten Sie hierfür weitere Aktualisierungen
der Homepage.
Bild 1: Safttropfen über Einstichloch
Bild 2: Einstichloch, einige Tage nach Eiablage
Bild 3: Atmungsfäden des Eis unter dem Safttropfen
Bild 4: Puppe der Kirschessigfliege
Monitoring Kirschessigfliege in Württemberg.docx, 29.01.2015
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