close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Leseprobe zum Titel: Süddeutsche Zeitung (27.01.2015)

EinbettenHerunterladen
Bahn frei: Die A 9 wird zur Teststrecke für fahrerlose Autos
Wirtschaft
NEUESTE NACHRICHTEN AUS POLITIK, KULTUR, WIRTSCHAFT UND SPORT
HF1
Die Seite Drei
Alles ist verdächtig: Viele
Belgier fürchten einen
islamistischen Anschlag
3
Meinung
Warum die
Holocaust-Leugnung
strafbar bleiben muss
4
Feuilleton
Rudolf Borchardts großartige
Liebesbriefe liegen in einer
neuen Edition vor
11
Wissen
Der späte Preis fürs Rauchen:
Immer mehr Frauen sterben an
Lungentumoren
14
Kämpfer vertreiben IS-Terrormiliz
aus nordsyrischer Stadt
Kobanê – Nach monatelangen Kämpfen
haben kurdische Einheiten die nordsyrische Stadt Kobanê von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) befreit. Die Kurden seien
nun dabei, im Osten der Stadt Häuser auf
der Suche nach Sprengladungen zu durchkämmen, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag. „Dies ist ein Sieg für alle Kurden“, sagte Kurden-Sprecher Idriss Nassan. Kämpfer des Islamischen Staats hatten im vergangenen September ihren Vormarsch auf
Kobanê begonnen und Zehntausende Menschen in die Flucht getrieben. Die Stadt,
die zum Symbol für den Kampf gegen den
Islamischen Staat geworden ist, liegt an
der Grenze zur Türkei in einer von Kurden
bewohnten Enklave. Mithilfe von Luftangriffen der USA und ihrer arabischen Verbündeten gelang es ihnen jedoch, die Extremisten zurückzudrängen. Sie erhielten dafür auch Unterstützung von Kurden aus
dem Irak, die schwere Waffen nach Kobanê brachten. Der IS beherrscht jedoch weiterhin das Umland. sz Seiten 4 und 7
Gewerkschaft droht mit
neuem Bahn-Streik
Das ging schnell: Drei Tage hätte der linke Wahlsieger Alexis Tsipras (rechts) Zeit gehabt, eine Koalition zu formen. Doch ohne Zögern entschied er sich ausgerechnet
für die Rechtspopulisten als Partner. Am Montag wurde er von Staatspräsident Karolos Papoulias (links) vereidigt.
FOTO: YANNIS BEHRAKIS/REUTERS
Tsipras schließt Bündnis mit den Rechten
So eine Koalition hat Europa noch nicht gesehen: Der linke Syriza-Chef wird mit den Rechtspopulisten
regieren, die den Sparkurs ablehnen. Nun stehen die Pläne der EU für Griechenlands Rettung infrage
von c. hulverscheidt,
c. gammelin und c. schlötzer
Berlin/Athen – In Athen ist am Montag
der Sieger der Parlamentswahl, der 40-jährige Linkspolitiker Alexis Tsipras, als neuer Regierungschef vereidigt worden. Er
wird künftig mit einer in Europa bisher einmaligen Koalition regieren. Seine Linksallianz Syriza hat sich überraschend schnell
mit den griechischen Rechtspopulisten
von Panos Kammenos, 49, auf ein Bündnis
verständigt. Die nationalistische Kleinpartei hilft der Linken, die mit 149 Sitzen die
absolute Mehrheit in dem 300-köpfigen
Parlament verfehlte, mit ihren 13 Abgeordneten an die Macht.
Beide Parteien verbindet die entschiedene Gegnerschaft zu den Sparbeschlüssen
des abgelösten konservativen Premiers Antonis Samaras. Ansonsten klaffen zwischen Syriza und den „Unabhängigen Griechen“ (Anel) von Kammenos, der früher
zur Samaras-Partei gehörte, tiefe ideologische Gräben. Im Wahlkampf forderte Anel,
Migranten auszuweisen, die sich illegal im
Land aufhalten. Syriza ist dagegen für Integration. Im Streit mit der Türkei um Hoheitsrechte in der Ägäis ist Anel ebenfalls
für eine harte Linie. Parteigründer Kammenos hat zudem angeregt, Griechenland könne sich Kredite in Russland besorgen,
wenn die EU dem Land nicht helfe.
Tsipras sagte vor seinen Anhängern am
Sonntagabend in Athen, Griechenland werde nun die Sparpolitik hinter sich lassen.
„Es wird weder einen katastrophalen Zusammenbruch geben, noch wird ein fortwährendes Katzbuckeln akzeptiert werden“, sagte Tsipras. „Wir sind uns völlig bewusst, dass uns das griechische Volk keine
Blankovollmacht gegeben hat, sondern ein
Mandat für eine nationale Wiedergeburt.“
Schon an diesem Dienstag soll das neue Kabinett vereidigt werden.
Die Pläne der Euro-Staaten für eine weitere wirtschaftliche Stabilisierung Griechenlands könnten nach dem Wahlsieg
von Syriza nun scheitern. Aus Kreisen der
EU-Mitgliedsländer verlautete, der bisher
vorgesehene Stufenplan für einen Ausstieg des Landes aus der Abhängigkeit von
seinen Nachbarn sei kaum noch realistisch. Wenn die Griechen auch unter Tsipras Mitglied der Euro-Zone bleiben wollten, bleibe ihnen kaum eine andere Wahl,
als ein weiteres volles Hilfsprogramm zu
beantragen. Es wäre nach den beiden bisherigen Paketen im Gesamtumfang von 240
Milliarden Euro bereits das dritte.
Eine solche Entscheidung hätte nicht
nur für Tsipras unangenehme Folgen, sondern auch für seine künftigen Kollegen, unter ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU). Der neue Athener Regierungschef
hatte im Wahlkampf versprochen, die Reformauflagen von EU und Internationalem Währungsfonds zu beseitigen. Benötigte er nun zusätzliche Kredite, kämen stattdessen wohl sogar neue Auflagen hinzu.
Merkel und einige weitere Regierungschefs müssten ein drittes Programm ihrerseits ihren nationalen Parlamenten zur Abstimmung vorlegen. Nach Tsipras’ Wahlsieg ist die Bereitschaft, weiteren Darlehen
zuzustimmen, jedoch insbesondere in Merkels Unionsfraktion gering.
Nach den bisherigen Plänen der EuroStaaten sollte die griechische Regierung ihren Kapitalbedarf von diesem Jahr an wieder über die privaten Finanzmärkte decken. Um den Übergang abzufedern, hatten sich die Partnerländer bereit erklärt,
zusätzlich eine sogenannte vorbeugende
Kreditlinie, also eine Art Dispo-Kredit, zur
Verfügung zu stellen. Dieses Konzept wird
aber kaum aufgehen, weil die Zinsen, die
Griechenland privaten Geldgebern zahlen
müsste, bereits vor Tsipras’ Wahlsieg wieder in die Höhe geschossen waren.
Die Bundesregierung bot der neuen griechischen Regierung eine Zusammenarbeit
an, betonte aber auch, Tsipras müsse alle
Verpflichtungen erfüllen, die seine Amtsvorgänger eingegangen seien. Ähnlich äußerten sich auch mehrere EU-Finanzminister, die in Brüssel zu Beratungen zusammenkamen. Die Einhaltung der Regeln sei
Voraussetzung sowohl für neue Hilfen als
auch für Gespräche über eine Streckung
von Altschulden, sagte der Chef der EuroGruppe, Jeroen Dijsselbloem. Er dämpfte
jedoch die Erwartungen an große Zugeständnisse der Euro-Länder. „Wir haben
schon eine Menge getan, um die Schuldenlast erträglicher zu machen“, betonte er.
MACHTWECHSEL:
DIE NEUE REGIERUNG
IN GRIECHENLAND
Umbruch in Athen Ergebnis der Parlamentswahl
Unabhängige Griechen | 4,8 %
Stunde der Wahrheit: Der neue Premier
hat die Machtübernahme kühl vorbereitet. Von Christiane Schlötzer Seite 2
Rechtspopulisten
13
Nea Dimokratia | 27,8%
Syriza | 36,3%
Linke
Konservative
149
76
Sitze
NG
HEUTE
71. JAHRGANG / 5. WOCHE / NR. 21 / 2,40 EURO
Kurden erobern
Kobanê zurück
SK
OA
LITIO
Goldene Morgenröte | 6,3%
Faschisten
17
N
Der Fluss | 6,0 %
17
15
13
RU
(SZ) Als Nietzsche sagte, ohne Musik wäre
das Leben ein Irrtum, hat er nicht die Blockflöte gemeint. Die Blockflöte gilt gemeinhin als großer Irrtum, was damit zu tun
hat, dass Generationen von Kindern gezwungen wurden, sie zu spielen. Also mit
kleinen Fingerchen auf noch kleinere Löcher zu zielen und damit irgendwann in
der Schulturnhalle vor Publikum zu stehen. So wie die drei Jungs aus Dürrenmatts
Stück „Die Physiker“, die ihrem im Irrenhaus gelandeten Vater stets auf der Blockflöte vorspielen müssen, und die Mutter
feuert sie an: „Inniger, Buben, inniger.“
Aber die Innigkeit geht ja ohnehin mittlerweile zum Teufel und mit ihr ganz offensichtlich die Blockflöte. In Frankreich wurde sie aus dem staatlichen Lehrplan gestrichen, ach, ist die Blockflöte nicht inzwischen so etwas wie die FDP unter den Instrumenten? Lange war sie unentbehrlich,
und jetzt pfeifen alle darauf.
In Berlin hatte eine Bank soeben eine
pfiffige Idee, wie sie aus ihren Selbstbedienungsräumen die Leute fernhält, die dort
nichts verloren haben. Jene Menschen also, die nicht am Automaten Geld ziehen,
sondern dort übernachten wollen. Das
sind vor allem Betrunkene, Partygänger
und Touristen, denen es von einem gewissen Punkt an egal ist, wo das berühmte
Hauptstadt-Nachtleben stattfindet. Die
werden jetzt von abends um acht bis morgens um acht die Berliner Bankräume mit
lauter Musik versorgt, und zwar dergestalt, „dass man nicht sofort rückwärts
herausstolpert, aber der ungebetene, längere Aufenthalt nicht angenehm ist“, wie
ein Sprecher der Bank der Berliner Presse
kürzlich verriet.
Ohne jemanden verpfeifen zu wollen:
Die Idee ist nicht neu. In Essen wollen Hotels laute Musik aus Außenlautsprechern
laufen lassen, damit auf dem Platz vor dem
Hotel nicht zu viel Leben herrscht, das die
Gäste stören könnte. In Hamburg wird
schon seit Jahren im Hauptbahnhof klassische Musik gespielt, was nicht zuletzt der
Drogenszene dermaßen zusetzt, dass sie
den Bahnhofshallen freiwillig fernbleibt.
Bleibt die Frage, mit welcher Musik man
den Leuten am besten klar macht, dass sie
sich gerade am falschen Ort aufhalten. Die
Musik, die sich bei all diesen Konzepten als
beste Hinauskomplimentiererin erwiesen
hat, stammt von Antonio Vivaldi. Vivaldi
kennt man für seine Violinkonzerte „Die
vier Jahreszeiten“. Andererseits ist er ein
Komponist, der ziemlich viele Konzerte für
die Blockflöte geschrieben hat. Und was
könnte für Berlin besser klingen als Musik,
die mit hohen, etwas spitzen und pfeifenden Tönen eingeschlafene Partygänger erweckt. Nein, vom Berliner verlangen wir
nicht, dass er sich für irgendetwas den Daumen ausreißt; aber wenn kleine Berliner
Kinderfinger mal wieder das eine oder andere Blockflötenloch abdecken, könnte
das für die kulturelle Zukunft Berlins eine
sichere Bank sein.
MÜNCHEN, DIENSTAG, 27. JANUAR 2015
REGIE
WWW.SÜDDEUTSCHE.DE
300 Sitze
linksliberal
KKE | 5,5 %
Kommunisten
Pasok | 4,7 %
Sozialdemokraten
SZ-Grafik; Quelle: Griechisches Innenministerium; Ergebnis nach Auszählung von 99% der Stimmen
Halb so wild: Bereits die bisherige Regierung in Athen hat die Auflagen der EuroGruppe ignoriert.
Seite2
Armer Tropf: Tsipras bleibt wenig Zeit,
mit den Geldgebern neu zu verhandeln.
Von Cerstin Gammelin
Seite 2
Kompromiss für Europa: Brüssel darf
von Athen nichts Unerträgliches verlangen. Von Stefan Ulrich
Leitartikel
München – Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) erwägt, an diesem
Dienstag zu Warnstreiks bei der Bahn aufzurufen. Beide Seiten streiten derzeit über
eine Einmalzahlung, die die Beschäftigten
bis zum endgültigen Abschluss der Tarifrunde zufriedenstellen soll. Die Bahn bietet nach Darstellung der EVG dem Serviceund Sicherheitspersonal pro Monat zwei
Euro weniger als den übrigen Beschäftigten an. de.
Seite 5
Debatte um Gabriels
Pegida-Besuch
Berlin – In der SPD-Spitze gibt es Diskussionen über den Umgang mit Anhängern der
Pegida-Bewegung. Generalsekretärin Yasmin Fahimi lehnte Gespräche mit Sympathisanten des islamkritischen Bündnisses
auch nach einem Besuch ihres Parteichefs
Sigmar Gabriel bei einer Pegida-Diskussion ab. Auch CSU-Chef Horst Seehofer kritisierte Gabriel. In Dresden wollten am
Abend zahlreiche Künstler bei einem Konzert gegen Pegida auftreten. sz Seite 5
EU prüft Sanktionen
gegen Moskau
Berlin – Nach dem Raketenbeschuss der
ukrainischen Stadt Mariupol ist in der EU
eine Diskussion über schärfere Sanktionen gegen Russland entbrannt. Eine Offensive „in Richtung Mariupol und darüber
hinaus, das wäre eine qualitative Veränderung der Situation, die uns reagieren lassen muss“, sagte Außenminister FrankWalter Steinmeier. Die EU-Außenminister
beraten über das Thema am Donnerstag
bei einem Sondertreffen. sz
Seite 6
New York rüstet sich
gegen Schneesturm
New York – Die Millionenstadt New York
und die amerikanische Ostküste haben
sich in der Nacht auf Montag auf einen
schweren Schneesturm vorbereitet, der
den Meteorologen zufolge bis zu 90 Zentimeter Neuschnee bringen sollte. Bürgermeister Bill de Blasio warnte vor „einem
der schlimmsten Schneestürme der Geschichte“. Viele New Yorker deckten sich in
den Supermärkten mit Lebensmitteln
ein. sz
Panorama
Sport
Tempo 200: Die Amerikanerin
Madison Keys ist die Entdeckung
der Australian Open
25
Medien, TV-/ Radioprogramm
Das Politische Buch
München · Bayern
Rätsel
Familienanzeigen
27,28
13
26
27
12
Süddeutsche Zeitung GmbH,
Hultschiner Straße 8, 81677 München; Telefon 089/2183-0,
Telefax -9777; redaktion@sueddeutsche.de
Anzeigen: Telefon 089/2183-1010 (Immobilien- und
Mietmarkt), 089/2183-1020 (Motormarkt),
089/2183-1030 (Stellenmarkt, weitere Märkte).
Abo-Service: Telefon 089/21 83-80 80, www.sz.de/abo
A, B, E, F, GR, I, NL, SLO, SK: € 3,00;
Dkr. 23; £ 3,00; kn 27; sfr. 4,80; czk 85; Ft 780
21005
4 190655 802404
Im frühen 16. Jahrhundert blühte Odense
auf. Der Handel florierte, Klöster wurden
gegründet, Kirchen errichtet, die dänische Königin Christine residierte mit ihrem Hof in der Stadt, und die Männer
schlugen einander nach Leibeskräften
die Schädel ein. Sie droschen sich gegenseitig stumpfe Gegenstände auf den
Kopf, sie hieben mit Äxten oder Schwertern auf das Haupt ihrer Gegner und gönnten einander anscheinend nichts als
Schmerz und Tod. Darin unterschieden
sich die Rüpel von Odense nicht weiter
von den männlichen Bewohnern anderer
Gegenden: Egal ob Kopenhagen, Jütland,
sonstwo in Dänemark oder im Rest Europas, körperliche Gewalt war in vergangenen Jahrhunderten sehr viel alltäglicher,
als das heute der Fall ist.
Sie lagen auf dem Friedhof von Sortebrødre in Odense oder in Gräbern der
Gemeinden von Tirup und St. Mikkel,
und alle Toten teilten ein Merkmal: schwe-
DIZdigital: Alle
Alle Rechte
Rechte vorbehalten
vorbehalten –- Süddeutsche
Süddeutsche Zeitung
Zeitung GmbH,
GmbH, München
München
DIZdigital:
Jegliche Veröffentlichung
Veröffentlichungund
undnicht-private
nicht-privateNutzung
Nutzungexklusiv
exklusivüber
überwww.sz-content.de
www.sz-content.de
Jegliche
Die Raubeine von Odense
Funde zeigen: Bis zum 17. Jahrhundert prägte Gewalt den Alltag
re, aber verheilte Schädelverletzungen.
Insbesondere die Häufigkeit der Traumata verblüfft. 236 männliche Skelette haben Wissenschaftler um den Anthropologen Jesper Boldsen von der Universität
von Süddänemark aus Gräbern dieser
drei Stätten untersucht. Beinahe jeder
Zehnte dieser zwischen dem 12. und
17. Jahrhundert gestorbenen Dänen wies
an seinem Schädel Spuren heftiger Gewalteinwirkungen auf. Und dabei handelt
es sich nur um die Männer, die Tätlichkeiten und Angriffe gerade so überlebten –
in dieser Rechnung fehlten also die Toten,
die nach Schlägen gegen den Kopf oder andere Körperteile direkt starben.
Die Dellen an einigen der untersuchten
Schädeln reichen tief. Wer solche Verlet-
zungen überlebte, war für den Rest seines
Lebens beeinträchtigt. Sehr wahrscheinlich trugen viele der Opfer neurologische
Schäden davon, schreiben die Forscher.
Die geprügelten Männer lebten so zwar
lange genug, dass ihre Schädelfrakturen
verheilten, doch sie starben im Schnitt früher als die Männer, deren Skelette unversehrt in den dänischen Gräbern lagen.
Welches Schicksal sich hinter einzelnen Verletzungen verbirgt, lässt sich
kaum ermitteln. Die Spuren sprechen
meist für Gewalttaten. An einem Schädel
fanden sich gar verheilte Frakturen an
der Stirn und am Hinterkopf. Die Indizien
sind eindeutig: Viele der Männer wurden
Opfer von Überfällen. Doch was lässt sich
daraus über die Gewaltraten in histori-
schen Zeiten ableiten? Exakte Schlussfolgerungen über das Ausmaß blutiger Taten in der Vergangenheit lassen sich aus
den Befunden kaum ziehen. Sicher gingen die Menschen in vergangenen Jahrhunderten nicht tagtäglich mit Äxten,
Schwertern und Keulen auf einander los.
Doch der Befund aus Dänemark, den
die Fachzeitschrift PNAS veröffentlichen
wird, liefert ein weiteres Detail, das zu einem klaren Bild passt: Im Vergleich zu vergangenen Epochen ist die Gegenwart eine
Zeit beispielloser Friedfertigkeit. So argumentiert auch der Psychologe Steven
Pinker von der Uni Harvard. Zwar bleibt
das genaue Ausmaß historischer Gewalt
umstritten. Doch Anthropologen, Archäologen und andere Forscher, die prähistorische Massengräber untersuchen oder die
eingeschlagenen Schädel dänischer Männer analysieren, können eines sagen: Die
Vergangenheit war gewiss blutiger als die
Gegenwart.
sebastian herrmann
Dax ▲
Dow ▼
Euro ▲
Xetra 17 Uhr
10785 Punkte
N.Y. 17 Uhr
17651 Punkte
17 Uhr
1,1257 US-$
+ 1,28%
- 0,11%
+ 0,0051
DAS WETTER
▲
TAGS
7°/ -8°
▼
NACHTS
Am Erzgebirge, in Bayern und in einigen
Teilen in Baden-Württemberg schneit es.
Glättegefahr! Im Norden ist es bei einem
Wechsel von Sonne und Wolken oft freundlich und trocken. Minus ein bis plus sieben
Grad.
Seite 13
Die SZ gibt es als App für Tablet
und Smartphone: sz.de/app
Autor
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
8
Dateigröße
321 KB
Tags
1/--Seiten
melden