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Flüssigmist

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Aktuelles zu Sicherheit
und Gesundheitsschutz
Flüssigmist
Inhalt
Seite
2
1Einleitung
3
2Schadgase
4
3Güllelagerung
7
4Gasverschlüsse
14
5Lüftung
16
6
Gülleaufbereitung und Gülleentnahme
19
7
Gefahren beim Befüllen des Gülletankwagens
23
8Einsteigen
24
9Rettung
26
Einleitung
1
1Einleitung
Die Zeiten, in denen der Hahn auf
dem Mist krähte, sind vorbei. Den
Hahn gibt es zwar noch, aber der
Misthaufen ist seltener geworden.
Flüssigmist ist ein Wirtschaftsdün­
ger mit wertvollen Inhaltsstoffen.
Unsachgemäß gelagert, entnom­
men oder aufberei­tet, kann er je­
doch Ursache für schwe­
re oder
sogar tödliche Unfäl­le sein.
Gefahren gehen von im Flüssig­
mist gelösten Schadgasen aus.
So kam es beim Einsteigen in Be­
hälter oder Kanäle immer wieder
zu tragischen Unfällen, bei denen
durch vergebliche Rettungsver­
suche ganze Familien verstarben.
Diese Broschüre beschreibt ty­
pische Gefahren und gibt Hinweise
und Anregungen zu ihrer
Vermeidung entsprechend
der Unfallverhütungsvor­
schrift VSG 2.8 „Gülle­
lagerung, Gruben, Kanäle
und Brunnen“.
Regelungen, die den Um­
weltschutz betreffen, sind
nicht ange­sprochen.
Flüssigmist wird umgangs­
sprachlich als „Gülle“ be­
zeichnet. Im Folgenden
wird daher dieser Begriff
verwendet.
3
2
Schadgase
2Schadgase
In Gülle leben Mikroorganismen,
die in der Regel unter Ausschluss
von Sauerstoff (anaerob) die or­
ganischen Bestandteile in der
Gülle abbauen. Bei diesem Vor­
gang entstehen die Schadgase
Schwefelwasserstoff (H2S), Am­
moniak (NH3), Methan (CH4) und
Kohlendioxid (CO2).
Die Hauptgefahren im Umgang
mit den vier Schadgasen sind:
nVergiftungsgefahr
nErstickungsgefahr
nExplosionsgefahr
Schwefelwasserstoff (H2S) ist
ein farbloses, nach faulen Eiern
riechendes Gas. Es ist schwe­
rer als Luft. Bei dem Gas handelt
es sich um ein starkes Blut- und
Nervengift. In höheren und ge­
Konzentration
(H2S)
Ammoniak (NH3) ist ein farb­
loses, stechend riechendes Gas.
Es ist leichter als Luft. Schon in
geringen Konzentrationen bei 30
bis 40 ml/m3 findet eine Reizung
der Schleimhäute, der Atemwe­
ge und der Augen statt.
Methan (CH4) ist ein farb- und
geruchloses Gas. Es ist leichter
als Luft. Erstickungsgefahr be­
steht bei hohen Konzentratio­
nen, wenn der Luftsauerstoff
verdrängt wird.
Kohlendioxid (CO2) ist ein farb­
loses Gas und schwerer als Luft.
Kohlendioxid wirkt er­stickend.
Mit Luft bzw. Sauerstoff kön­
nen Methan und Schwefelwas­
Wirkung
starke Reizung der Augen und Atemwege
50-100 ml/m3
um 200 ml/m3
Geruchssinn gelähmt, Gas nicht mehr wahrnehmbar
500-700 ml/m
Schwindelgefühl, Übelkeit, Bewusstlosigkeit nach kurzer Zeit
um 700 ml/m
Bewusstlosigkeit, Atemstillstand innerhalb kurzer Zeit
> 700 ml/m3
unmittelbare Lebensgefahr
3
3
4
fährlichen Konzentrationen wird
der Geruchssinn und schnell
auch die Atmung gelähmt.
Schadgase
2
den sich aufsteigende Gasbläs­
chen.
An einigen Beispielen soll gezeigt
werden, in welchen Bereichen
mit den höchsten und damit ge­
fährlichsten Gaskonzentrationen
gerechnet werden muss:
n Bei Stau- und Wechselstau­
verfahren im Bereich der ge­
öffneten Schieber zur Vor­
grube, zum Hauptbehälter
oder zu Querkanälen.
serstoff ein hochexplosives Ge­
misch bilden.
Diese Gase entstehen in der
Gülle und werden kontinuierlich
freigesetzt. Ein Teil der Gase,
besonders H2S, ist in der Gülle
gelöst und wird in gefährlicher
Menge freigesetzt, wenn die
Gülle bewegt wird, z. B. durch
Rühren, Abfließen, Pumpen
oder Spülen.
n An Rühr- und Entnahme­
stellen, z. B. der Vorgrube
bei eingeschalteten Rühroder Pumpwerken.
Diesen Vorgang kann man mit
einem Glas Mineralwasser ver­
gleichen. Rührt man das Mine­
ralwasser in einem offenen Glas
um, wird das im Wasser gelöste
Kohlendioxid freigesetzt. Es bil­
5
2
Schadgase
n An Rührwerken mit hoher
Drehzahl.
n Am Auslauf von Spüllei­
tungen und an Umlenkstel­
len am Kanalsystem sowie in
den schlecht belüftbaren Be­
reichen – den toten Winkeln
des Stalls.
n Bei Tankwagen im Behälter
– auch wenn dieser bis auf
eine kleine Restmenge ge­
leert ist, an Befüllöffnungen
und in der Nähe der Abblas­
einrichtung.
6
In diesen Bereichen sind Zünd­
quellen zu vermeiden. Verboten
sind:
nLichtprobe
nRauchen
n offenes Feuer
nFunkenbildung
Güllelagerung
3Güllelagerung
Bei der Güllelagerung wird zwi­
schen Außen- und Innenlage­
rung un­terschie­den.
Die Außenlagerung ist der In­
nenlagerung vorzuziehen, um
das Freiwerden von Schad­gasen
im Stall zu vermeiden.
Bei der Lagerung der Gülle ist
Folgendes zu beachten:
3
n Sind verschiedene Lagerbe­
reiche/Kanäle der Gülle mit­
einander verbun­den, ist ein
Gasrückfluss wirksam zu
verhindern (siehe Kapitel 4
Gas­ver­schlüsse).
n Schieber, Rühr- und Spülein­
richtungen sollten außerhalb
des Stalles bedienbar sein.
Geschlossene Räume, in de­
nen sich Bedienstände befin­
den, dürfen keine Öffnungen
zu Behältern und Kanälen
haben.
7
3
Güllelagerung
Die heute üblichen Außenlager
sind:
n Offene Erdbehälter
n Erdbecken (Lagune)
nHochbehälter
n Erdbehälter (geschlossene
Gru­ben) mit befahrbarer
Decke
Bei offenen Erdbehältern, Erd­
becken (Lagunen) und Hoch­
behältern ist eine nicht durch­
steigbare Umwehrung von min­
destens 1,80 m Höhe zur Siche­
rung erforder­
lich. Bei Lagunen
sollte der Abstand zwischen Um­
wehrung und Beckenrand min­
destens 0,80 m be­
tra­
gen. Im
8
Abstand von nicht mehr als 20 m
müssen Ausstiegsstufen ange­
bracht sein (siehe auch Bauord­
nungen der Länder).
Güllelagerung
An den Entnahme- und Rührstel­
len von Erdbehältern und Lagu­
nen muss ein 30 cm hoher An­
fahrsockel vorhanden sein. Ferner
muss auch während des Aufrüh­
rens oder der Entnahme ein Hi­
neinstürzen von Personen in den
Erdbehälter bzw. die Lagune ver­
hindert werden (dieses kann z. B.
ein Schieberelement oder eine
Klappe in der Umwehrung sein).
gebaut bzw. ältere offene Behäl­
ter werden nachträglich durch
Foliendächer verschlossen.
Hochbehälter werden heute als
offene oder abgedeckte Behälter
Muss zu Hochbehältern betriebs­
mäßig aufgestiegen werden,
sind geeignete Arbeits­
bühnen
mit entsprechenden Aufstiegen
(z. B. Leitern oder Treppen) an­
zubringen.
3
Die Folienabdeckung vermindert
zwar ein Entweichen der entste­
henden Schadgase, wird aber
die Kontrollabdeckung geöffnet,
entweichen die Schadgase kon­
zentriert und können die Bedien­
person gefährden.
Insbesondere bei Behältern mit
Folienabdeckungen muss die Ge­
länderhöhe der Ar­beitsbühne min­
9
3
Güllelagerung
Einstiegsöffnung
mind. 0,8 m breit
Nicht maßstabsgerecht
unverschließbare Entlüftungsöffnung
an den gegenüberliegenden Seiten
mind. 0,04 m2; z. B. 0,2 m x 0,2 m
Entnahmeöffnung
destens 1,30 m über der Standflä­
che der Bedienperson betragen.
Dadurch wird bei eventuellem
Unwohlsein bzw. eventueller Be­
wusstlosigkeit durch austretende
Gase ein Hineinstürzen in den
Behälter bzw. ein Abstürzen von
der Arbeitsbühne verhindert.
Ist ein Rührwerk vorhanden,
sollte dieses nur vom Boden aus
10
bedienbar sein. Vor Betreten der
Arbeitsbühne ist das Rührwerk
abzuschalten.
Muss in geschlossene Gruben
eingestiegen werden, sollte eine
Öffnung mit einer lichten Weite
von mindestens 0,80 m vorhan­
den sein.
An den gegenüberliegenden Sei­
ten geschlossener Güllelager
Güllelagerung
3
sind Entlüftungsöff­
nungen mit
jeweils min­destens 0,04 m² wirk­
samer Lüftungsfläche vorzuse­
hen, damit durch freiwerdende
Schad­gase keine gefährliche, ex­
plosionsfähige Atmosphäre oder
Überdruck ent­stehen kann.
Entnahme- und Entlüftungs- bzw.
Kontrollöffnungen von Güllekanä­
len, Erdbecken und Güllebehältern
sind so einzurichten, dass sie auch
im geöffneten Zustand (z. B. zum
Einbringen von Rühr- und Entnah­
meeinrichtungen und Güllearbeiten)
gegen Hineinstürzen von Personen
gesichert sind.
11
3
Güllelagerung
Die Entlüftungsöffnungen dürfen
nicht durch Abdecken oder Ähn­
liches in ihrer Funk­
tion beein­
trächtigt werden.
Als Abdeckungen können auch
unverschiebbare Roste mit einem
Stababstand von maximal 5 cm
eingebaut werden. Wird die Öff­
nung wegen Geruchsbelästigung
ab­ge­deckt, so sollte der Rost un­
ter der zusätzlichen Abdeckung
verbleiben.
12
Bei der Anordnung dieser Öff­
nungen ist es erforderlich, dass
ein ausreichender Ab­
stand zu
Türen und Fenstern eingehal­
ten wird. Bei Erdbehältern bzw.
Gruben mit befahrbaren Decken
müssen auch die Abdeckungen
von Öffnungen befahrbar sein.
Güllelagerung
Bei den geschlossenen, innen­
liegenden Gruben kann die Ent­
lüftungsöffnung z. B. durch ent­
sprechende Abluftrohre, die über
Dach münden, realisiert werden.
3
Generell müssen die Gase aus
geschlossenen Gruben ins Freie
abgeführt werden.
13
4
VSG 2.8
§ 5 Abs. 1
Gasverschlüsse
4Gasverschlüsse
Um Menschen und Tiere vor den
Güllegasen zu schützen, müssen
Güllegru­ben/-kanäle durch wirk­
same Gasverschlüsse von Ställen
und übrigen Räu­
men getrennt
werden.
Beispiele wirksamer
schlüsse sind:
Gasver­
Hart-Polyäthylen-Rohr
V2A-Cr.Ni.St.
14
Gasverschlüsse
Im Rinderstall ist am häufigsten
das Treibmistverfahren anzutref­
fen. In diesem Verfahren wird
von einer Staunase eine Flüs­
sigkeitsschicht zurückgehalten.
Gülle fließt kontinuierlich ab. Als
Gasverschluss hat sich bei die­
sem Verfahren eine Tauchzun­
ge, die ständig in die Gülle ein­
taucht, bewährt.
In der Schweinehaltung kön­
nen sich in der Gülle Sink- und
Schwimmschichten bilden. Im
Stau- bzw. Wechselstauverfah­
ren werden diese Schichten beim
Ablassen der Gülle – wegen der
höheren Fließgeschwindig­keiten
– besser mitgerissen. Auch bei
die­
sem Verfahren verhindert
der Gasverschluss in Form ei­
ner Tauch­zunge das Zurückströ­
men von Schadgasen in den Stall
zu­ver­läs­sig. Speziell bei Rohrent­
mistungen bietet sich ein Rohr­
siphon als Geruchsver­
schluss
an. Ein Kontrollrohr mit Spülmög­
lichkeit und ein großzügiger Rohr­
durchmesser gewährleisten si­
cheren, verstopfungsfreien Be­
trieb.
4
30 cm über den Behälterbo­
den herunterge­führt, wirkt dies
ebenfalls wie ein Gasverschluss.
Diese Bauvariante funktio­
niert
bei allen Gülleverfahren – ein
zusätzlicher Gasver­schluss kann
hierbei entfallen.
In älteren Ställen wurden oft
handbetätigte
Schieber
als
Geruchsver­schluss
ein­gebaut.
Auch der Schieber muss so ein­
gestellt sein, dass er ständig min­
destens 6 cm in die Gülle ein­
taucht. Beim Aufrühren muss der
Schieber vollständig geschlossen
werden – höherer Arbeitsauf­
wand ist hier nötig. Schieber sind
außerhalb des Liegebereichs der
Tiere anzuordnen.
Zur Nachrüstung eignet sich die
Anbringung einer Gummischür­
ze. Diese muss ausreichend sta­
bil und so lang sein, dass sie
ständig in der Gülle eingetaucht
ist.
Übrigens: Wird die Gülle am
Güllebehälter unten eingeleitet
bzw. das Einleitungsrohr bis ca.
15
5
Lüftung
5Lüftung
Lüftungssysteme
Die Lüftung ist in erster Linie für
ein optimales Stallklima verant­
wortlich. Daneben muss sie da­
für Sorge tragen, dass gefähr­
liche Schadgaskonzentrationen
vermieden und freiwerdende
Gase sicher abgeführt werden.
Man unterscheidet grundsätzlich
zwischen mechanischen und na­
türlichen Lüf­tungsverfahren.
Bei den natürlichen Lüftungsver­
fahren handelt es sich in der Re­
gel um Schwer­kraftlüftungen, bei
denen die Zu- und Abluft über
dafür vorgesehene Gebäudeöff­
nungen geführt wird.
Diese Lüftungseinrichtungen fin­
den vor allem in der Rindviehhal­
tung Anwendung.
Schweineställe werden in der
Regel mechanisch belüftet. Die
Luftaustauschrate kann somit
unabhängig von anderen Fak­
toren gesteuert werden. Die Zu­
luft kann bei mechanischen Lüf­
tungen über Düsen, Wandele­
mente oder auch Rieselkanä­
le und Porendecken in den Stall
geführt werden.
Bei der Unterflurab­
saugung wird die Luft
nicht unterhalb der
Stalldecke,
sondern
unter dem Spalten­
boden abgesaugt und
über Kanäle ins Freie
befördert.
Dadurch
können die Schadgase
aus der Gülle erst gar
nicht in den Stall ge­
langen. Der Schad­
gasgehalt der Stallluft
wird somit deutlich re­
duziert.
16
Lüftung
5
Die Unterflurabsaugung ist bei
Lagerung der Gülle unterhalb
des Spaltenbodens den anderen
Verfahren aufgrund der besse­
ren Luftqualität vorzu­ziehen.
Die Überflurabsaugung ist die üb­
liche Art der Abluftführung. Die
Ventilatoren befin­den sich nor­
malerweise im Bereich der Stall­
decke und saugen die Raumluft
ins Freie.
Da hierdurch - insbesondere bei
Güllearbeiten im Stall - Schad­
gase ins Rauminnere gesogen
werden, sollte die Lüftung von
Unter- auf Überdruck schaltbar
sein.
Für alle mechanischen Lüftungs­
verfahren gilt:
n Wird die Gülle durch Rühren,
Ablassen usw. bewegt, muss
die Lüftung auf volle Leistung
gestellt werden.
Bei Stallsystemen mit natürlicher
Lüftung gilt:
n Alle Lüftungsmöglichkeiten
nutzen.
n Tore, Türen und Fenster öff­
nen.
n Bei Windstille keine Güllear­
beiten durchführen.
n Aufenthalt im Gebäude ver­
meiden.
17
5
Lüftung
Bereiche, die unter Flur liegen –
hierzu kann auch der Melkstand
gehören – sollten besonders be­
18
lüftet werden, da sich hier schwe­
re Gase besonders leicht ansam­
meln können.
Gülleaufbereitung und Gülleentnahme
6
6Gülleaufbereitung
und Gülleentnahme
Besondere Gefahren bestehen
bei der Gülleaufbereitung und
-entnahme. Da die Gülle in Be­
wegung ist, werden die Gülle­
gase schlagartig freigesetzt und
aufgewirbelt.
In dieser Situation kommt es im­
mer wieder zu schweren Unfäl­
len aufgrund von Verpuffungen,
Explosionen und Vergiftungen.
Deshalb darf in unmittelbarer
Nähe von Entnahmeöffnungen
beim Aufrühren und bei der Ent­
nahme von Fäkalien nicht ge­
raucht und nicht mit offenem
Licht und Feuer umgegangen
werden. Schweiß- und Trenn­
schneidarbeiten dürfen aufgrund
von Funkenflug nicht durchge­
führt werden.
In Gebäuden, in denen offene
Behälter und Kanäle liegen, z. B.
Teilspaltenboden, darf man sich
beim Aufrühren und während
der Entnahme von Gülle nicht
aufhalten. Ist ein Aufenthalt im
Gebäude nicht zu vermeiden, ist
dies nur bei ausreichender Lüf­
tung zulässig.
Ausreichende Belüftung bedeutet
in Ställen ohne technische Lüf­
tung, dass alle Türen und Tore
geöffnet werden. Hierbei ist auf
ausreichende Luftbewegung zu
achten. An Tagen ohne Luftbewe­
gung darf ohne zusätzliche tech­
nische Lüftung keine Gülle aufbe­
reitet oder entnommen werden.
19
6
Gülleaufbereitung und Gülleentnahme
In geschlossenen Stallanlagen
ist eine zwangsweise Abführung
der Güllegase ins Freie immer
erforderlich. Ausreichende Lüf­
tung bedeutet hier die Stallbeund -entlüftung auf Volllast zu
bringen.
!
Beim Aufrühren im Boxenlauf­
stall sollten die Tiere im Fress­
gitter festgesetzt werden.
Grundsätzlich gilt
n Zündquellen vermeiden.
n Heiz- und Gasstrahler kom­
plett ausschalten, auch die
Zündflamme. Mit Güllear­
beiten erst beginnen, wenn
diese erkaltet sind.
n Gas- und Zündfunken aus­
stellen!
20
Heiz- und Gasstrahler erst nach
Beendigung der Arbeiten wieder
einschalten, wenn ausreichender
Luftwechsel gewährleistet ist.
Gefährliche Bereiche
Auch bei Einhaltung vorgenann­
ter Empfehlungen können bei
der Aufbereitung und Lagerung
von Gülle, je nach Art der vor­
handen baulichen Gegeben­
heiten, Gefährdungen nicht aus­
geschlossen werden.
An Stellen, an denen die Gase
nicht unmittelbar am Entste­
hungsort abgesaugt werden
oder sich nicht sofort in die Au­
ßenluft verflüchtigen, muss mit
Gülleaufbereitung und Gülleentnahme
hohen Gaskonzentrationen ge­
rechnet werden.
Sind Gruben während des Rüh­
rens geschlossen, steigt die Gas­
konzentration unweigerlich an.
Die Gase können durch kleinste
Öffnungen in Ställe oder andere
Räume strömen.
Hohe Gaskonzentrationen sind
in folgenden Situationen zu er­
warten:
n Beim Rühren oder Umspü­
len von Kanälen unter Spal­
tenböden steigen die Gase
durch die Spalten in den
6
Stallraum. Besonders ge­
fährlich ist es in Ecken, an
Umlenkungen, am Auslauf
von Spülleitungen oder in
tiefer­gelegenen Räumen.
n Im Bereich von Absperr­
schiebern sind beim Ablas­
sen von Kanälen kritische
Konzentrationen zu erwar­
ten.
n Im Bereich von Rührwer­
ken, Entnahmestellen und
Pumpschächten ist aufgrund
von Turbulenzen mit der
höchsten Gasfreisetzung zu
rechnen.
21
6
Gülleaufbereitung und Gülleentnahme
Deshalb müssen Bereiche um
Rührwerke, Entnahmeschächte
und Pumpschächte gut belüftet
sein.
Eine Möglichkeit, diese Bereiche
zu sichern und eine gute Belüf­
tung sicherzustellen, sind Abde­
ckungen mit Gitterrosten.
Es darf lediglich eine Entnahme­
öffnung für den Saugschlauch
vorhanden sein, besser ist ein
fest installierter Entnahmestut­
zen. Die feste Abdeckung durch
einen Gitterrost dient gleichzei­
tig der Be- und Entlüftung.
22
Gefahren beim Befüllen des Gülletankwagens
7
Gefahren beim
Befüllen des
Gülletankwagens
Genauso wie bei der Güllelage­
rung bestehen auch bei der Be­
füllung und beim Ar­
beiten an
Gülletankwagen Gefahren durch
Güllegase. Durch die Bewegung
der Gülle werden die Gase aus
der Gülle freigesetzt und entwei­
chen durch die Behälteröffnung
bzw. die Abblaseeinrichtung bei
Vakuumtankwagen in die Umge­
bungsluft. Ein Auf­enthalt in den
Ausströmbereichen muss ver­
mieden werden. Insbesonde­
re sind Kon­trollarbeiten nur von
einem sicheren Stand auszufüh­
ren.
7
zeugunterbauten es erlauben.
Dieses führt in vielen Fällen zur
Überladung.
Gefährdungen können auftre­
ten, wenn befüllte Tankwagen
eine längere Zeit der Sonnenein­
strahlung ausgesetzt sind und
dadurch eine Druckerhöhung im
Inneren des Tankwagens ent­
steht.
Arbeiten im Tankwagen dür­
fen erst nach ausreichender Be­
lüftung und Spülung des Tanks
durchgeführt werden.
Beim Befüllen des Gülletankwa­
gens muss ein besonderes Au­
genmerk auf die maximale Füll­
menge gelegt werden. Häufig
sind die Fässer der Gülletankwa­
gen von ihrem Fassungsvermö­
gen größer ausgelegt, als das
zulässige Gesamtgewicht oder
die zulässige Stützlast der Fahr­
23
8
Einsteigen
8Einsteigen
n Durch Zwangsbelüftung,
Das Einsteigen in Güllelager ist
gefährlich und war in der Ver­
gangenheit Ursache für viele tra­
gische Unfälle. Vor dem Einstei­
gen ist daher Folgendes zu be­
achten:
n Ausreichende Atemluft ist
n Vor dem Einsteigen ist die
Grube zu entleeren. Alle Zuund Abgänge an den Gru­
ben, aus denen oder in die
Schadgase in gefährlicher
Konzentration und Menge in
die Grube gelangen können,
sind wirksam zu unterbre­
chen.
24
Lüftung mit Gebläse, ist si­
cherzustellen, dass keine
Schadgase in gesundheits­
gefährlicher Konzentration
auftreten können.
durch ausreichenden Luft­
wechsel sicherzustellen. Der
Vorlauf des Gebläses ist ab­
hängig von der Förderleis­
tung des Gebläses. Die
Zwangsbelüftung ist wäh­
rend des Auf­enthalts in der
Grube aufrecht zu erhalten.
Einsteigen
8
Keinesfalls darf eine Lichtprobe
durchgeführt werden, da Explo­
sionsgefahr bestehen kann!
Kann das Auftreten von Schad­
gasen nicht sicher verhindert
werden – z. B. ist keine vollstän­
dige Trennung der Grube mög­
lich – sind von der Umgebungs­
atmo­sphäre unabhängig wirkende
Atemschutzgeräte zu tragen. Ge­
gebenenfalls ist pro­fessionelle Hil­
fe – Service-Unternehmen, Feu­
erwehr – in Anspruch zu nehmen.
Der Einsteigende ist mit einem
Rettungsgurt durch zwei Per­
sonen zu sichern. Das Seil ist
an einem Dreibock oder einer
gleichwertigen als Anschlagein­
richtung geeig­neten Einrichtung
anzuschlagen.
Das Seil darf erst nach Verlassen
der Grube vom Gurt gelöst und
ab­gelegt werden.
25
9
Rettung
9Rettung
Es sind sehr wenig Fälle bekannt,
bei denen selbst durchgeführte
Rettungsaktionen bei Schad­
gasunfällen erfolgreich verlau­
fen sind. Sehr viel häufiger kom­
men die Retter selbst zu Scha­
den, weil in Panik falsch vorge­
gangen wird.
Wichtig ist deshalb, dass alle im
Betrieb beschäftigten Personen
um die Gasgefahren beim Um­
gang mit Gülle wissen und im
Notfall richtig reagieren können.
Hierzu ist es notwendig, sich
selbst, alle Mitarbeiter und alle
im Betrieb lebenden Personen
regelmäßig zu schulen. Die Mit­
26
arbeiter der landwirtschaftlichen
Berufsgenossenschaften stehen
hierfür gerne zur Verfügung.
Ist es zu einem Schadgasunfall
gekommen, muss folgenderma­
ßen vorgegangen werden:
n Feuerwehr und Notarzt ver­
ständigen
n Pump-, Rühr- und Spülein­
richtungen abschalten
n für Frischluft sorgen (Tore,
Türen, Fenster öffnen, Lüf­
tung an)
n erst jetzt von mindestens
zwei weiteren Personen ge­
sichert, selbst Rettungsver­
suche unternehmen
Literatur
Weitere Broschüren aus der Reihe Aktuelles zu Sicherheit und
Gesundheitsschutz stehen Ihnen auf unserer Homepage unter
ww.svlfg.de zur Verfügung.
Die Fotos in der Broschüre wurden vom BUL sowie den Tech­
nischen Aufsichtsdiensten der landwirtschaftlichen Berufsgenos­
senschaften zur Verfügung gestellt.
27
Unterweisung
Die Beschäftigten werden regelmäßig über organisatorische Maßnahmen und Inhalte der Betriebsanweisung
unterwiesen. Weitere Hinweise siehe z. B. Broschüren Aktuelles zu Sicherheit und Gesundheitsschutz „Staub“
und „Elektrische Anlagen“.
Name des Betriebs:
Betriebsanweisung
Stand: 08/2011
Gemäß § 14 GefStoffV
Arbeitsbereich:
Tätigkeit:
Gülle- und Biogas
(Schwefelwasserstoff, Methan, Kohlendioxid, Ammoniak)
Gefahren für Mensch und Umwelt
▪ Lebensgefahr durch Vergiftung mit Schwefelwasserstoff (H2S)!
▪ Erstickungsgefahr durch Kohlendioxid (CO2)!
▪ Explosionsgefahr durch Methan (CH4)!
▪ Gesundheitsgefahren durch Ammoniak (NH3)!
▪ Erstickungs- bzw. Vergiftungsgefahr in Güllegruben bzw. Güllebehältern!
Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln
Atemschutz:
Sicherung:
Raumluftunabhängiger Atemschutz beim Betreten von Güllebehältern !
Nur mit Sicherungsleine und Sicherung durch 2 Personen einsteigen!
Verhaltensregeln:
Beim Freisetzten von Güllegasen durch Rühren oder Bewegen von Gülle:
▪ Stall bzw. Raum gut be- und entlüften (Fenster und Türen öffnen, Ventilatoren auf Höchstleistung
stellen, evtl. Zusatzventilator aufstellen)!
▪ Zündquellen vermeiden (kein Rauchen oder offnes Feuer, Gasstrahlgeräte ausschalten, keine
Schweiß- oder Schneidearbeiten durchführen, keine Lichtprobe)!
▪ Während Rühr- bzw. Spülvorgang Stall nicht betreten!
Einsteigen in Gruben oder Behälter:
▪ Niemals ohne Schutzausrüstung (raumluftunabhängigem Atemschutz, Sicherungsseil, Sicherung
durch 2 Personen in Grube einsteigen)!
Verhalten im Gefahrfall
Bergung Verletzter:
▪ Nur mit raumluftunabhängigem Atemschutz Gebäude oder Gruben zur
Rettung Verletzter betreten!
▪ Bei Einsteigen in Gruben mit Sicherungsseil von 2 Personen sichern lassen!
▪ Zum Retten von Tieren für ausreichend Frischluft sorgen!
Verhalten bei Unfällen, Erste Hilfe
Einatmen:
Frischluftzufuhr, wenn nötig Herz-Lungen Wiederbelebung!
Sofort Arzt hinzuziehen!
Arzt auf mögliche Vergiftung durch Schwefelwasserstoff hinweisen!
Ersthelfer: Herr/Frau .........................................................
Notruf: 112
Sachgerechte Entsorgung
▪ Gülle nur nach gesetzlichen Vorschriften ausbringen!
Es wird bestätigt, dass die Inhalte dieser Betriebanweisung mit den betrieblichen Verhältnissen und Erkenntnissen der Gefährdungsbeurteilung
übereinstimmen.
_________
Datum
___________________
Unterschrift des Unternehmers
Notizen
31
Herausgeber:
Sozialversicherung für Landwirtschaft,
Forsten und Gartenbau
Weißensteinstraße 70 - 72
34131 Kassel
www.svlfg.de
Stand: 9 / 2013
Autor
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Kunst und Fotos
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