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"OPTIMAL OPTIMIERT"

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Abstracts zu den Vorträgen auf dem 10. Forum für Persönlichkeitsstörungen
am 08.11.2014 in Berlin
Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Klaus Schmeck & Dr. Susanne Schlüter-Müller
"Entstehungsbedingungen, Früherkennung und Frühintervention von Persönlichkeitsstörungen im
Jugendalter"
Eine der zentralen Herausforderungen der Adoleszenz besteht in der Entwicklung einer stabilen Identität, die
für die erfolgreiche Auseinandersetzung mit den im Erwachsenenalter zu bewältigenden Aufgaben eine herausragende Bedeutung hat. Während dies den meisten Jugendlichen erfolgreich gelingt, auch wenn immer
wieder Identitätskrisen im Verlauf ihrer Entwicklung auftreten können, gibt es eine Gruppe von Jugendlichen,
die schon zu einem frühen Zeitpunkt ausgeprägte Merkmale einer gestörten Persönlichkeitsentwicklung
aufweisen. Während die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung im Erwachsenenalter zu den häufigen psychiatrischen Störungsbildern zählt, wird diese Diagnose im Jugendalter nach wie vor nur sehr zurückhaltend
gestellt. Um Störungen der Identität zu einem frühen Zeitpunkt er- fassen zu können, haben wir mit dem
Selbstbeurteilungsinstrument AIDA (Assessment of Identity Development in Adolescents) ein Screeningverfahren entwickelt, das sehr gute testtheoretische Kennwerte aufweist und inzwischen in 25 Ländern weltweit
eingesetzt wird. Zur Behandlung von Jugendlichen mit Persönlichkeitsstörungen dient das von uns gemeinsam mit KollegInnen aus den USA und Chile erarbeitete methodenintegrative Therapieverfahren „Adolescent
Identity Treatment AIT“, dessen Manual 2013 publiziert wurde. In unserem Beitrag werden wir Entstehungsbedingungen von Persönlichkeitsstörungen im Jugendalter aufzeigen und Möglichkeiten der Früherkennung
und Frühintervention anhand von konkreten Fallbeispielen ausführlich darstellen.
Prof. Dr. med. Annette Streeck-Fischer
Borderlinestörungen im Jugendalter und Ihre Behandlung
Die Diagnose der Borderlinestörung ist im Jugendalter umstritten. Die biologisch ausgelösten Umstrukturierungen der Persönlichkeit gehen mit eingeschränkten Fähigkeiten der Selbstregulation und des Triebaufschubs einher, die Borderline-ähnliches Verhalten zur Folge haben. Insofern ist die Zurückhaltung bei der Diagnose nachvollziehbar. Diese Vorsicht bedeutet aber zugleich, dass es bisher wenige Therapiestudien von
jugendlichen Borderlinepatienten gibt – ins- besondere aus der psychodynamischen Perspektive. Die Gefahr
ist, dass behandlungsbedürftige Jugendliche an die Jugendhilfe weitergeleitet, Chronifizierungen hingenommen oder mangelhaft evaluierte Therapieversuche angeboten werden. Ergebnisse einer Therapiestudie und
darin verwendete therapeutische Vorgehensweisen mit Berücksichtigung adoleszenzspezifischer Risiken
( z.B. des Reenactments, maligne Regressionen) werden dargestellt und diskutiert.
Prof. Dr. med. Claas-Hinrich Lammers
Müssen wir (Älteren) uns auf eine Epidemie des Narzissmus (der Jüngeren) gefasst machen?
Der Vorwurf der älteren Generation,dass die jüngere Generation verantwortungslos, selbstherrlich, eitel, erfolgsverliebt usw. ist, besteht seit Menschengedenken. Bereits bei Sokrates lassen sich entsprechende
Textstellen finden. Doch in der Gegenwart wird dieser Vorwurf von wissenschaftlicher Seite aus dahingehend
präzisiert, dass sich angeblich eine narzisstische Epidemie breit machen würde. Längsschnittuntersuchungen
mithilfe des NPIs, des narzisstischen Persönlichkeitsinventar, werden für diese These ins Feld geführt und
insbesondere in der populärwissenschaftlichen Literatur regelrecht vermarktet. Andere Studien wiederum
scheinen dieser These deutlich zu widersprechen. In diesem Vortrag soll die Problematik einer solchen These
nicht nur vor dem Hintergrund der verfügbaren wissenschaftlichen Studien, sondern auch der Verwendung
des Begriffes des Narzissmus verdeutlicht werden. Dabei wird die Schnittfläche zwischen Psychopathologie,
Psychologie, Soziologie, Journalismus und Motivation von Wissenschaftlern thematisiert. Zusammen- fassend
muss die These zurückgewiesen werden, dass die Gesellschaft immer narzisstischer wird. Insbesondere wird
auf den Reiz und die Gefahr der Verwendung von psychiatrischen Krankheitsbegriffen zur Charakterisierung
einer ganzen Gesellschaftsschicht bzw. -entwicklung kritisch eingegangen.
Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Zetzsche
Persönlichkeitsstörungen im Alter
Ein wichtiges Thema in den entwickelten Ländern ist der zunehmend grössere Anteil von Menschen im hohen
Lebensalter. Aktuell befinden sich die geschichtlich geburtenstärksten Jahrgänge in den Industriegesellschaften an der Schwelle zum höheren Lebensalter. Untersuchungen zur Lebensqualität im Alter weisen
auf einen wichtigen Zusammenhang mit Persönlichkeitseigenschaften und Coping Strategien hin. Die Stabilität von Persönlichkeitseigenschaften scheint mit höherem Lebensalter zuzunehmen. Bedeutsame Änderungen der Persönlichkeitseigenschaften im höheren Alter müssen im Einzelfall auf einen möglichen Zusammenhang mit Erkrankungen überprüft werden. Die Datenlage zum Verlauf von Persönlichkeitsstörungen
über die verschiedenen Lebensabschnitte ist sehr begrenzt. Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen
Neurotizismus und einem erhöhten Mortalitätsrisiko. Die Prävalenz von Cluster B Persönlichkeitsstörungen
scheint im Alter abzunehmen. Langzeitstudien bei Patientinnen mit Borderline Persönlichkeitsstörung haben
in den letzten Jahren Hinweise darauf erbracht, dass sich einige charakteristische Symptome nach längerem
Krankheitsverlauf bessern, z.B. Impulsivität und selbstverletzendes Verhalten. Das soziale Funktionsniveau
zeigt jedoch keine eindeutige Tendenz zur Besserung. Ein therapeutischer Nihilismus in Hinblick auf die Psychotherapie von Persönlichkeitsstörungen im höheren Lebensalter erscheint heute im Gegensatz zu
früheren Einschätzungen nicht angemessen zu sein.
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