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Abenteuer Diagnose vom 27.01.2015

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Abenteuer Diagnose vom 27.01.2015
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Unklarer Immundefekt
Der einjährige Haktan ist seit seiner Geburt ständig krank. Er hat Husten und hohes Fieber und
liegt wegen einer Lungenentzündung sogar dreimal im Krankenhaus. Bei einer Untersuchung
fällt den Ärzten neben dem Husten noch etwas anderes auf: blaue Flecken. Mit Haktans Blut
stimmt etwas nicht. Er hat zu wenig Thrombozyten. Eine Ärztin vermutet Blutkrebs, doch
Haktans Lymphdrüsen sind in Ordnung und sein Blut zeigt keine Anzeichen von Leukämie –
also ist es kein Krebs. Aber die blauen Flecken bleiben und die Thrombozyten im Blut nehmen
weiter ab. Auch die Leberwerte sind beunruhigend. Haktan wird in der Medizinischen
Hochschule Hannover untersucht: Die erste Vermutung dort: Es könnte sich um ITP
(Immunthrombozytopenie) handeln – eine Autoimmunkrankheit, die sich gegen die
Blutplättchen richtet. Bei Kindern ist sie nicht ungewöhnlich – und gut behandelbar. Doch die
schlechten Leberwerte passen nicht zu dieser Verdachtsdiagnose. Und eine Leberbiopsie
bestätigt diese Diagnose nicht. Ein neuer Verdacht: Im Knochenmark könnte irgendetwas die
Blutbildung stören. Doch eine Knochenmarkpunktion bringt wieder kein Ergebnis. In der
Kinderklinik der MHH arbeiten die verschiedenen Fachrichtungen eng zusammen. Neben den
Spezialisten für die Leber sind jetzt die Blutexperten gefragt. Denn nicht nur Haktans
Blutplättchen, sondern auch andere Blutzellen sind vermindert. Weitere Laboruntersuchungen
bringen besorgniserregende Ergebnisse: Haktans Zustand ist ernst und die Zeit drängt. Kinder,
die keine funktionierende Blutbildung und kein funktionierendes Immunsystem haben,
können nicht lange überleben. In immer kürzeren Abständen wird Haktan nun untersucht.
Gefahndet wird nach Krankheiten, wie Hepatitis, Aids, Tuberkulose und Anämien. Doch es wird
keine Ursache für seine Symptome gefunden. Mittlerweile liegt Haktan auf der
Kinderonkologie-Station und bekommt Bluttransfusionen. Zwischendurch darf er nach Hause.
Plötzlich blutet Haktan aus der Nase – immer häufiger und so schlimm, dass er sofort wieder
ins Krankenhaus muss. Weitere Transfusionen und Medikamente können die Verschlechterung
seines Zustands etwas bremsen. Eine Diagnose gibt es immer noch nicht. Als seine
Temperatur dramatisch ansteigt, kommt der Kleine wieder auf die Kinderonkologie.
Inzwischen blutet er auch aus Mund und Ohren. Sein Immunsystem wird immer schwächer.
Weitere Untersuchungen können keine bekannten genetisch bedingten Immundefekte
nachweisen. Die Ärzte vernetzen sich weltweit mit Experten, diskutieren die Werte und
untersuchen Haktan immer wieder. Sie haben noch keinen Namen für die Krankheit – doch
langsam entsteht ein Bild: Im Knochenmark werden die Blutplättchen, die Thrombozyten,
produziert. Bei Haktan geht die Produktion auf null, Blutplättchen werden zerstört. Doch ohne
diese Thrombozyten kann der Körper Blutungen nicht stillen, Wunden nicht verschließen. So
entstehen die Hautblutungen, sichtbar als blaue Flecken. Doch was genau Haktans Blut
attackiert, wissen die Ärzte nicht. Es ist, als hätte sich der Angreifer unter einer Tarnkappe
versteckt. Sicher ist nur: Dieser Feind hat keinen Namen und greift auch Haktans Leber an. Die
Krankheit scheint neu und einmalig zu sein. Haktans Immunsystem muss neu gestartet
werden. Ein Stammzellenspender muss her, ein genetischer Zwilling. Aus der Familie kommt
niemand in Frage. Die Angehörigen starten eine Typisierungsaktion. Türkische Zeitungen und
deutsche Medien berichten – Haktans Fall wird bekannt. Bei der Suche in der
Knochenspenderdatei werden die Ärzte nach wenigen Tagen fündig: Sie haben einen Spender
für Haktan. Er muss auf die Isolierstation. Sein krankes Immunsystem wird mit einer
Chemotherapie zerstört, um so Platz zu schaffen für ein neues Immunsystem. Die
Knochenmarktransplantation ist mit einer Bluttransfusion vergleichbar. Haktan übersteht alles
bestens. Schon nach einer Woche sind die ersten weißen Blutkörperchen zu sehen. Das neue
Knochenmark wächst schnell an. Die Leberwerte werden besser. Die Ärzte konnten Haktans
Leben retten. Zwar hat der gefährliche und seltene Immundefekt immer noch keinen eigenen
Namen – aber inzwischen ist der Zweieinhalbjährige völlig gesund.
Abenteuer Diagnose vom 27.01.2015
Interviewpartner im Beitrag:
Dr. Evelin Raeder, Kinderärztin
Eichsfelder Straße 99, 30419 Hannover
Prof. Dr. Karl-Walter Sykora, Oberarzt
Prof. Dr. Dirk Reinhardt, Oberarzt
Dr. Rita Beier, Funktionsoberärztin
Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie
Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
Internet: www.mh-hannover.de/kinderonkologie.html
Dr. Isa Rudolf, Kinderärztin
Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin
Medizinische Hochschule Hannover
Adresse s.o.
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Gesundheitswesen
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