close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Kasuistik: Einsatz von Hyaluronidase in der Lidkanten

EinbettenHerunterladen
SO
08. 2014
ND
Zeitung für Die Augenheilkunde
ER
DR
UC
K
Kasuistik: Einsatz von Hyaluronidase in der Lidkanten-Tumorchirurgie
Spreading-Effekt unterstützt Anästhesie
Hyaluronidase ist ein bereits seit
Der Diffusionspromotor Hyaluro­
Jahrzehnten in der ­Augenheilkunde
nidase steht in Deutschland aus­
bewährtes Adjuvans zur Unter-
schließlich als Hylase® „Dessau“ zur
stützung der Lokalanästhesie. Die
Verfügung. In unserer Klinik ist die
Ko-Applikation des Enzyms kann
Kombination aus Lokalanästhetikum
die Diffusion eines Lokalanästheti-
und Hylase® „Dessau“ Standard bei
kums verstärken und dessen Wirk-
ambulanten Eingriffen im Rahmen der
eintritt beschleunigen. Auch bei
Therapie von Tumoren in der Lid­
region.
kleinen chirurgischen Eingriffen im
­Rahmen der Therapie von Haut­
Abb. 1: Patientin bei Erstvorstellung.
siologisch komplexen Strukturen
Epidemiologie und Therapie des
Basalioms
wie dem Lidbereich kann die Kom-
Nicht melanozytärer Hautkrebs wie
bination zum Einsatz kommen.
zum Beispiel das Basalzellkarzinom
tumoren in anatomisch wie phy-
(Basaliom) ist die häufigste Krebs­
Anwendung von Hyaluronidase in
erkrankung beim Menschen.4 Für das
der Lokalanästhesie: Das Enzym
Jahr 2010 verzeichnete das Robert-
Hyaluronidase spaltet Hyaluron­
Koch-Institut 77.800 Basaliom-Neu­
säure und Mucopolysaccha­
ride,
erkrankungen bei Männern und 73.800
beschleunigt die Hydro­lyse komple­
bei Frauen in einem mittleren Erkran­
xer Kohlenhydrate in der extrazellu­
kungsalter von 71 Jahren.5 Das Basa­
lären Matrix und vermindert dadurch
Abb. 2: Infiltrationsanästhesie unter Zugabe von
liom tritt bevorzugt im Kopf- und Hals­
ihre Viskosität. Diese gewebeauf­
Hyaluronidase.
bereich auf und ist mit 90 % der
lockernden Eigenschaften werden
häufigste maligne Lidtumor.6,7 Basa­
in der Ophthalmologie und Derma­
liome sind in aller Regel nicht lebens­
tologie therapeutisch genutzt, um
bedrohlich, können allerdings bei
die Gewebeverfügbarkeit anderer
ungünstiger Lokalisation die Lebens­
­aktiver Substanzen zu erhöhen. Mit
qualität erheblich beeinträch­tigen. Die
Hyaluronidase als Diffusionspromo­
komplette Exzision bei simultaner
tor gelangen sie tiefer und schneller
Sicherung der vollstän­digen Resektion
in das Gewebe, verteilen sich bes­
gilt als effektivste Methode der
ser und werden leichter absorbiert.1
Behandlung, wobei die abschließende
Diesen sogenannten SpreadingEffekt macht man sich zum Beispiel
in
der
funk­tionelle und ästhetische Therapie
Abb. 3: Eröffnung der rekonstruierten Lidspalte.
Infiltrationsanästhesie
eine Herausforderung für den Opera­
teur ist.8
­zunutze: So konnte gezeigt werden,
cain mit Hyaluronidase die Fläche
Fallbeispiel: Chirurgische ­Therapie
eines Basalioms
des schmerzunempfind­lichen Berei­
Eine 69-jährige Patientin stellte sich
ches vergrößert und den Wirkeintritt
wegen
in Bezug auf eine maximal zu anäs­
änderung an der Unterlidkante des
thesierende Hautfläche beschleu­
rechten Auges vor (Abb. 1). Die knoti­
nigt ohne die Wundheilung zu
ge Geschwulst war vor etwa vier Jah­
dass die K
­ o-Applikation von Lido­
beeinflussen.
2,3
Abb. 4: Patientin vier Wochen nach der Eröffnung.
einer
wulstigen
Hautver­
ren als Gerstenkorn diagnostiziert und
Sonderdruck
seitdem lokal mit verschiedenen Salben behandelt worden –
Die Kombination aus 2 % Xylocain® (Lidocain) + 0,0005 %
ohne Besserung. Zur Abklärung erfolgte zunächst eine exzisio­
Epinephrin­
hydrochlorid unter Zugabe von 15 I. E. Hylase®
nale Biopsie zur histo­logischen Unter­suchung.
­„Dessau“/ml wird in unserer Klinik als Standard in der Infiltra­
I. Gewebeexzision und Tumor­resektion: Nach Desinfektion
tionsanästhesie bei Eingriffen im Lidbereich eingesetzt. Der täg­
und steriler Abdeckung erfolgte die Infil­trationsanästhesie. Der
liche Einsatz bestätigt, dass durch zusätzliche Gabe von
Injektions­lösung lag folgendes Mischverhältnis ­zugrunde: 2 %
Hyaluronidase die erforderliche Menge des Lokalanästhetikums
Xylocain (Lidocain) + 0,0005 % Epinephrinhydrochlorid unter
verringert und die anästhesierte Fläche vergrößert werden kann.
Zugabe von 15 I. E. Hylase® „Dessau“/ml. Die vasokonstriktori­
Im abschließenden Schritt der Hughes-Deckung, das heißt der
sche Wirkung der epinephrinhaltigen Lösung setzte nach etwa
Eröffnung der rekonstruierten Lidspalte, kann der elastische
fünf Minuten ein. Danach erfolgte zunächst eine ambulante exzi­
Rückzug des Gewebes die Kauterisierung erschweren und auch
sionale Biopsie unter Beachtung der Lidkantenkontinuität und
zu einer erhöhten Schmerzempfindung führen. Der Spreading-
Blutstillung durch Elektrokauterisation. Anschließend wurde die
Effekt durch Ko-Applikation von Hyaluronidase kann in dieser
Wunde mit Floxal®-Augensalbe und einem Verband aus
Situation von Vorteil sein und die Anästhesie erleichtern – vor
Fucidine -Gaze versorgt.
allem, wenn postoperativ verhärtete oder vernarbte Gewebe­
®
®
Das eingebettete Resektat (0,6 x 0,3 x 0,2 cm) wurde zur Unter­
regionen die Diffusion des Lokal­anästhetikums beeinträchtigen.
suchung an die Pathologie versendet. Die Untersuchung bestä­
tigte das Vorliegen eines soliden Basalioms, das mehrfach bis
Vorteile auf einen Blick
zum Präparatrand reichte. Am sechsten Tag nach der exzisionalen
Ko-Applikation von Hyaluronidase zu einem Lokalanästhetikum:
Biopsie erfolgte eine erste Nachresektion des Tumors. Nach Infilt­
• Vergrößerung des schmerzunempfindlichen Bezirks
rationsanästhesie mit hyaluroni­
dasehaltiger Injektionslösung
• schnellerer Wirkeintritt des Lokal­anästhetikums
wurde zuerst die äußere Lamelle durchgreifend entlang einem
• weniger intra- und postoperative Schmerzen
Drittel der Lidkanten­länge (1,5 cm) entfernt. Die Wunde wurde
• höhere Patientenzufriedenheit.
erneut mit Floxal -Augensalbe und einem Verband aus Fucidine ®
®
Gaze versorgt und das fadenmarkierte Resektat an die Patho­logie
Autor: Tip Dr. Ägäis Univ. Hüseyin Aral
weitergegeben. Aufgrund der Tumorinfiltration bis an den nasalen
Praxisklinik „LidMed“ – Zentrum für
Hautabsetzungsrand war am F
­ olgetag die Resektion eines weite­
­Augenlider
ren Lidteilstückes (0,7 x 0,6 x 0,4 cm) erforderlich.
Kunibertskloster 11-13,
II a. Defektdeckung durch Opera­tion nach Hughes: Zur
50668 Köln
Tel.: 0221-168755-25, Fax: -26
net sich die Methode nach Hughes, deren Grundidee aus den
E-Mail: info@lidmed.de
Aral (5)
Wiederherstellung von marginalen Defekten des Unterlides eig­
1930er-Jahren stammt und seitdem fortlaufend modifiziert wor­
www.lidmed.de
den ist.9–13 In diesem Verfahren wird der obere Teil des Tarsus
superior mit der anhaftenden Bindehaut freipräpariert und ein
Literatur
tarsokonjunktivaler Schwenklappen (unter einer etwa 4 mm
1. Wohlrab J et al. Skin Pharmacol Physiol 2014;27:276–282.
hohen Oberlid­brücke) in den Defekt des Unterlides eingefügt und
2. Wohlrab J et al. Dermatol Surg 2012;38:91–96.
verankert. Anschließend wird ein freies, autologes Hauttrans­
3. Wohlrab J et al. Plast Reconstr Surg 2012;129:771e–772e.
plantat auf den neuen Unterlidtarsus gesetzt. Die Tarsus­platten
4. Camp WL et al. Semin Cutan Med Surg 2011;30:6–13.
und Konjunktiven beider Lider werden durch Abpräparation der
5. Robert-Koch-Institut und Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister
Haut dargestellt und der Tarsus des Oberlides mit dem des
in Deutschland e. V., Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bun-
Unterlides über dem Bulbus vernäht. Nach etwa sechs Wochen
des. Krebs in Deutschland 2009/2010. Ausgabe 9.
wird diese Deckung transversal durchtrennt. Die Operation der
6. Biro L et al. J Am Acad Dermatol 1982;6:1042–1047.
Patientin erfolgte in Intubationsnarkose. Für die Nachbehand­
7. Holbach L et al. Der Ophthalmologe 2002;99:394–413.
lung wurde der Patientin die Applikation von Salbe und Verband
8. Esser P et al. Dtsch Ärztebl 2000;97:35–38.
empfohlen.
9. Hughes WL. Arch Ophthalmol 1937;17:1008–1017.
II b. Lidspalteneröffnung: Nach sechs Wochen wurde das
10. Cies WA et al. Ann Ophthalmol 1975;7:1497–1502.
Transplantat unter Lokalanästhesie eröffnet. Bei der Patientin trat
11. Hewes E et al. Am J Ophthalmol 1976;81:512–514.
eine Unterlidspannung auf, die durch eine Lidkantenverschie­
12. Reeh MJ et al. Philadelphia: Lea and ­Feibiger 1976;43–58.
bung mit Kanthotomie entlastet werden konnte. Entsprechend
13. Emesz M et al. Der Ophthalmologe 2014;111:448–453.
wurden auch das Unterlid nach medial verschoben und der late­
rale Lidwinkel rekonstruiert (Abb. 2 u. 3). Die Patientin befindet
sich seit dem Eingriff in der Nachsorge. Vier Wochen nach der
Eröffnung ist die Patientin mit dem funktionellen und kosmeti­
schen Ergebnis der Operation sehr zufrieden (Abb. 4).
–2–
i m p r e s s u m
Biermann Verlag GmbH
Mit freundlicher Unterstützung der
RIEMSER Pharma GmbH
Autor
Document
Kategorie
Gesundheitswesen
Seitenansichten
12
Dateigröße
1 373 KB
Tags
1/--Seiten
melden