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Broschüre für Patienten und Angehörige: Depression

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Depressionen verstehen – bei der Bewältigung helfen.
www.denkepositi .com
Ein praktischer Ratgeber
für Patienten mit depressiven
Erkrankungen und Angehörige
Vorwort
Wie „normal“ sind Depressionen heute?
Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
in der Regel leidet nicht nur der an einer Depression erkrankte Mensch
– auch seine Angehörigen leiden mehr oder weniger direkt oder indirekt unter der Erkrankung. Sie werden in Mitleidenschaft gezogen
und befinden sich daher in einer schwierigen Situation. Sie haben
keine Erfahrung mit dieser für sie zumindest am Anfang unbegreifbaren Erkrankung und verwechseln die Depression mit einer Verlustoder Trauerreaktion. Dadurch wird die Behandlung der Krankheit
hinausgezögert, und erst nach einiger Zeit, wenn sich neben der
Traurigkeit auch andere Anzeichen der Erkrankung bemerkbar machen, wenn z. B. anhaltende Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und
Schlafstörungen auftreten, wird erwogen, einen Arzt aufzusuchen.
Besonders kompliziert wird diese Situation dann, wenn der – nicht
erkannte – depressiv Kranke auf die liebevolle Zuwendung seiner
Angehörigen nicht reagiert. Die Angehörigen sind irritiert, weil sie
das in sich zurückgezogene Verhalten des Depressiven als Missach4
tung ihrer Bemühungen interpretieren. So entsteht eine Verärgerung,
die den Depressiven noch tiefer in den Rückzug treibt. Die Eskalation
der allgemeinen Situation und der Krankheit sind zwangsläufig miteinander verbunden.
Die Angehörigen müssen, um sich dem Depressiven gegenüber richtig
verhalten zu können, wissen, dass der Kranke unter seiner Unfähigkeit, Gefühle auszudrücken, selbst am meisten leidet. Es geht hier
nicht um eine absichtliche Verweigerung, um Lieblosigkeit oder gar
Bösartigkeit, sondern um eine Störung, die Bestandteil und Ausdruck
der Depression ist. Dieser Zustand wird sich aber im Laufe der Therapie wieder zum Besseren verändern. Auch den Angehörigen wird es
dann – erst in ihrer Beziehung zu
dem an einer Depression Erkrankten und dann in ihrer persönlichen
Situation – wieder besser gehen.
Es ist zu erkennen, dass die Depression eine Erkrankung ist, die
nicht nur den Einzelnen, sondern das ganze mit ihm in Verbindung stehende soziale Umfeld betrifft. Dabei können Wechselwirkungen sowohl vom Erkrankten auf das soziale System, aber
auch vom sozialen System auf den Erkrankten beobachtet werden.
Das gilt nicht nur für das kleine System einer Familie oder Lebensgemeinschaft, sondern auch für das große, übergeordnete System
„Gesellschaft“: In den Industrienationen erkrankt heute etwa
jeder Vierte einmal im Leben an einer Depression. Dabei beträgt
das Risiko, einmal im Leben depressiv zu werden, für Frauen zwischen zwanzig und dreißig, für Männer dagegen nur zwischen
zehn und fünfzehn Prozent*.
* Markus Treichler: Ratgeber Psychotherapie, Weyarn 2000
5
Ein anderes zum Verständnis der Depression beitragendes Zeugnis
wird durch den Gebrauch des Wortes „normal“ gegeben: Depressive
Erkrankungen sind heute so weit verbreitet, dass sie in der wissenschaftlichen Literatur als eine „völlig normale“ Reaktion bezeichnet
werden – vorausgesetzt natürlich, dass sie „uns nicht an unseren
Alltagsaufgaben behindern“*.
* Leonard Cammer: Up from Depressions, New York 1969
Ganz abgesehen davon, dass Depressionen auch als Begleiterkrankung oder Folge verschiedener körperlicher Zustände (z. B. in Zusammenhang mit einer Schilddrüsenunterfunktion, nach einer
Infektionserkrankung oder durch die hormonelle Umstellung nach
einer Geburt, siehe S. 25) auftreten können, ist dies ein Zynismus.
Denn selbst wenn Depressionen im statistischen Sinn „normal“
sind, kann man sie nicht als normalen oder gesunden Zustand betrachten. Nach der statistischen Definition von Normalität wären
6
dann nämlich auch die meisten Zivilisationskrankheiten, egal ob
es sich um Rückenbeschwerden oder Übergewicht handelt, als
„normal“ zu akzeptieren.
Depressionen sind ein Symptom unserer Zeit, und in Zusammenhang mit ihrer zunehmenden Häufigkeit stellt sich für viele Ärzte,
aber auch für den Patienten, die berechtigte Frage, ob unsere Gesellschaft selbst krank ist.
Großfirmen, multinationale Konzerne, anonyme Behörden und eine den Einzelnen
überwältigende Massen- und Medienkultur erzeugen bei vielen ein immer stärkeres
Gefühl von Ohnmacht, von Orientierungsund Hilflosigkeit, und die Depression erscheint als durchaus angemessene Reaktion
auf eine Welt, in der es kaum noch andere
Möglichkeiten als den inneren Rückzug gibt.
Trotzdem ist es weder richtig noch hilfreich,
hier allein „der Gesellschaft“, „den Umständen“ und „den Anderen“ die Verantwortung zuzuschieben, denn der Rückzug
in die Depression wird erst dann unumgänglich, wenn die eigenen Werte verloren
gegangen sind und eine innere Orientierung am Selbstwert nicht mehr möglich ist.
Je schneller und unüberschaubarer die Welt
sich verändert, desto unmöglicher wird eine
Orientierung an äußeren und fremden Werten, desto notwendiger wird die Abgrenzung nach außen und eine innere Orientierung anhand der persönlichen Werte und
Bedürfnisse.
7
„Der Rückzug in die Depression“ kann so gesehen als eine innere
Suche nach der eigenen Orientierung verstanden werden: Der Betroffene kann und wird sich seiner Umgebung erst wieder öffnen,
nachdem er für sich und sein Leben einen persönlichen Sinn und
eine eigene Richtung gefunden hat.
Der an einer Depression Erkrankte braucht viel Zeit für seine innere
Arbeit. Eingriffe von außen, selbst gut gemeinte Ratschläge, werden
seiner persönlichen Suche kaum gerecht.
Diese innere Suche will durch Partner, Verwandte, Freunde, Ärzte
und Psychotherapeuten verstanden und durch geduldige Zuwendung unterstützt werden. Dieser Ratgeber will Ihnen als Partner,
Verwandte und Freunde durch die Vermittlung des nötigen Hintergrundwissens, vor allem aber auch mit einer Vielzahl von praktischen Hinweisen bei der Bewältigung dieser gewiss nicht einfachen
Aufgabe zur Seite stehen.
8
Inhalt
I.
Unterschiedliche Sichtweisen
der Depression
• Wie äußert sich eine Depression?
• Die Psychologie der Depression
• Die innere Wahrnehmung der Depression
– das subjektive Krankheitserleben
• Die äußere Wahrnehmung und Akzeptanz
der Depression
11
13
13
20
II. Wissenschaftliche Beschreibung
der Depression
• Somatogene Depressionen – Depressionen, die
durch körperliche Krankheiten ausgelöst werden
• Die Biologie der nicht somatogenen Depression
• Die Unterscheidung verschiedener depressiver
Erkrankungen
24
26
31
III. Erklärungsansätze zu den Ursachen und
der Funktion einer depressiven Störung
• Depression als Zeitkrankheit
• Depression wächst aus dem Unbewussten
• Welchen Wert hat Depression?
35
39
42
9
IV. Die Therapie der Depression
•
•
•
•
Wie werden Depressionen heute behandelt?
Die medikamentöse Therapie von Depressionen
Die Psychotherapie von Depressionen
Übersicht über unterstützende
Therapieformen bei Depressionen
44
46
56
66
V. Partnerschaft in der Depression
• Ein soziales und kommunikatives Bild:
Die Beziehung in der Depression
• Was Partner und Angehörige von Depressiven
sonst noch tun können und was sie lassen sollten
• Wie können Partner und Angehörige eine
Suizidgefährdung (Selbsttötungsgefahr) erkennen?
• Was können Partner und Angehörige zur
Suizidverhütung tun?
VI. Adressen und Bücher, die weiterhelfen
10
73
82
90
92
97
Wie äußert sich eine Depression?
Niemand wird, wenn er realistisch ist, erwarten, dass alle Menschen
immer fröhlich sind. Selbst Kinder, die diesem Naturell meist noch
sehr nahe stehen, sind nicht ständig fröhlich. Trotzdem hat der im
Allgemeinen etwas gedrückte Zustand eines „ernsthaften Erwachsenen“ nichts mit einer Depression zu tun. Der Gesunde fühlt sich
bei dem, was er tut, im Gegensatz zum Kranken „wohl“. Gelegentlich kann sich dieses „Wohlfühlen“ zur Freude steigern, manchmal
empfindet man aber auch Unlust, Traurigkeit und Enttäuschung.
Das ist normal.
Um den Unterschied zwischen diesem Normalzustand und einer
Depression klarzumachen, kann man den Menschen mit einem
Musikinstrument, z. B. mit einer Geige, vergleichen. Wenn die
Saiten richtig gestimmt sind, vibrieren sie und klingen. Man kann
dann unterschiedliche Lieder darauf spielen, frohe und traurige
Lieder. Wenn die Saiten nicht richtig gespannt sind, kommen
schräge, nicht melodische Töne, und wenn die Saiten überhaupt
nicht mehr gespannt sind, kommt gar kein Klang mehr zustande.
Das Instrument ist dann „stumm“, es kann nicht mehr reagieren.
11
Das ist auch der Zustand eines schwer an einer Depression erkrankten Menschen. Er kann nicht mehr froh und nicht mehr
traurig sein.
Der Zustand der Depression unterscheidet sich von allen anderen
Gemütszuständen durch die Unfähigkeit, vor allem positive Gefühle
zu empfinden und darauf zu reagieren. Ein Entmutigter fasst wieder Mut, wenn sich die Situation ändert, die ihn bedrückt hat. Das
Gesicht eines düster Gestimmten hellt sich auf, wenn eine Aussicht auf Vergnügen besteht. Aber dem Depressiven entlockt nichts
eine positive Reaktion; oft dient eine Freude sogar dazu, seine
Depression noch zu vertiefen. Bei Menschen, die an einer schweren
Depression erkrankt sind, ist das Fehlen der Fähigkeit, auf die Welt
zu reagieren, deutlich zu erkennen. Sie können stundenlang vor
sich „hinbrüten“ und ins Nichts starren. Sie verbringen oft den
größeren Teil des Tages im Bett und finden nicht den Mut, sich
dem Strom des Lebens anzuvertrauen. Glücklicherweise sind die
meisten Fälle nicht so extrem. Meist sind die Erkrankten in der
Lage, ihre Alltagsroutine fortzuführen. Sie tun, was notwendig ist,
und erscheinen dem flüchtigen Betrachter als normal. Aber die
Menschen, die mit ihnen zusammenleben und die sie gut kennen, wissen, wie es um sie steht.
12
Die Psychologie der Depression
Die innere Wahrnehmung der Depression
– das subjektive Krankheitserleben
Die Situation des Depressiven ist, vor allem, wenn die Krankheit
länger andauert, sehr schwierig. Der Erkrankte kann nicht mehr
auf eine durch Partner, Verwandte und Freunde hergestellte freundliche Umgebung emotional reagieren, freundliche Zuwendung und
selbst positive Zukunftsaussichten vermögen den Depressiven nicht
aus seiner Niedergestimmtheit zu befreien.
• Der Kranke fühlt sich häufig in einer Situation gefangen, die durch
Schwäche, Interessen- und Energieverlust, totale Erschöpfung und
verminderte Konzentrationsfähigkeit gekennzeichnet ist. Er hat
das quälende Gefühl, unzulänglich und nutzlos zu sein, und leidet
dabei häufig unter Schuldempfinden und einem herabgesetzten
Selbstwertgefühl.
• Er grübelt über den Tod und darüber, dass das Leben nicht länger
lebenswert ist. Ein innerer Zustand nicht erklärbarer Spannung,
Angst oder Hilflosigkeit äußert sich als Unruhe, Rastlosigkeit – oder
häufig auch als auffallende Bewegungslosigkeit und Ausdruckslähmung.
13
• Schlafstörungen wie z.B. Probleme beim Einschlafen oder zu frühes Erwachen, Durchschlafstörungen, manchmal aber auch ein
übermäßig starkes Schlafbedürfnis sind häufig.
• Körperliche Beschwerden, z. B. Kopf-,
Bauch- oder Rückenschmerzen, Herzbeschwerden, eine allgemeine Kraftlosigkeit, eine Abnahme der sexuellen
Bedürfnisse – all das sind Anzeichen
für eine depressive Erkrankung. Sie
können von Fall zu Fall verschieden
sein und treten nur selten gleichzeitig
und gehäuft auf.
• Besonders morgens erscheint das Leben besonders sinnlos, schwer und
nicht zu bewältigen.
• Im Gegensatz zu körperlich Kranken stoßen psychisch Kranke
weniger auf Verständnis. So haben sie im Berufsleben, besonders in wirtschaftlich schweren Zeiten, häufiger Schwierigkeiten
als diejenigen, die durch offensichtliche körperliche Symptome
den allgemeinen Vorstellungen von Krankheit besser entsprechen.
• Diese Schwierigkeiten werden oft noch zusätzlich durch eine für
depressiv kranke Menschen typische Einstellung verstärkt. Sie
glauben, dass die mit der Depression einhergehende Leistungsunfähigkeit ihr Fehler sei. Sie suchen die „Schuld“ bei sich, weil
sie nicht in der Lage sind, die Ursache ihrer verminderten Leistungsfähigkeit in ihrer Erkrankung zu sehen und als Teil der
Krankheit zu akzeptieren.
14
• Sogar wiederholt an einer Depression erkrankte Menschen erleben sich, wenn sie einen Rückfall erleiden, immer wieder als
„Versager“. Sie können nur schwer akzeptieren, dass sie krank
sind. Aber ihnen könnte besser geholfen werden, wenn sie verstehen würden, dass sie in ihrer Depression hilfs- und behandlungsbedürftig sind.
• Fast alle, die zum ersten Mal an einer Depression erkranken,
können die Veränderungen, die in ihnen vorgehen, nicht verstehen. Sie können sie nicht einordnen und fühlen sich stark
verunsichert, wenn sie feststellen müssen, dass sie nicht mehr
wie früher wahrnehmen und denken können:
Sie fühlen sich innerlich leer,
und trotzdem rast ihnen ein
Chaos von Gedanken durch den
Kopf.
Sie fühlen sich müde und trotzdem unruhig.
Sie stellen plötzlich fest, dass sie
Mühe haben, nur einem einfachen Gedanken nachzugehen
(Konzentrationsstörungen), oder
dass sie kaum noch etwas im
Gedächtnis behalten können.
• Schwer Depressive fürchten deshalb häufig, „den Verstand zu verlieren“, so stark sind sie durch diese Veränderung irritiert. Sie leiden
unter dem Zwang, denken zu müssen, ohne denken zu können.
Dabei denken sie vor allem über ihre Vergangenheit nach.
15
• Ohne die vergangenen Probleme lösen zu können, verstricken sie
sich in Grübeleien, die sie völlig blockieren. Grübelzwang und
Denkhemmung verbinden sich zu einem unglücklichen Kreislauf, in dem sie letztlich auf der Stelle tretend niemals zur Ruhe
kommen. Diese Ausweglosigkeit löst häufig eine große Angst aus,
der ein depressiv Erkrankter umso schonungsloser ausgeliefert
ist, je wacher und klarer er seinen Zustand beobachtet.
• Der unter einer Depression leidende Mensch empfindet sich häufig von unerklärlichen Kräften beherrscht und an seinen bisher
als normal erlebten Fähigkeiten gehindert. Während in ihm die
Gedanken um immer ein und dasselbe kreisen, ist er blockiert.
Er erlebt sich in einer „rasenden Blockiertheit“ und fühlt
sich dabei von der Welt um ihn
herum wie abgeschnitten. Dieses Erlebnis stürzt ihn mitunter in eine ohnmächtige Angst,
die auch noch zunimmt, je angestrengter er einen Ausweg aus
diesem für ihn absolut realen
Alptraum sucht.
• So erlebt er den Raum um sich herum zunehmend eingeengt
und fühlt sich in seinem immer enger werdenden Lebensraum
im wörtlichen Sinne so bedrückt, dass es auch zu einem veränderten Erlebnis des eigenen Körpers kommt. An einer schweren
Depression erkrankte Menschen fühlen sich starr. In Extremfällen
scheint der Körper zu bloßer Materie zu werden.*
* Daniel Hell: Welchen Sinn macht Depression,
Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1992
16
Ein afrikanischer Stamm
beschreibt das körperliche
und seelische Erlebnis der
Depression sehr bildhaft
und eindringlich: „... mein
Herz ist in einer hölzernen Schachtel...“**
** Hinchliffe, zitiert bei Daniel Hell, s.o.
Meistens wird das durch die Depression veränderte Körpergefühl
auch als „bleierne Müdigkeit in Armen und Beinen“ oder als eine
„Zentnerlast auf den Schultern“ beschrieben.
Depressive können sich mit diesem veränderten Körpererleben und
der damit verbundenen Einschränkung ihrer Möglichkeiten nicht
abfinden. Sie können ihre Situation meist nicht als Signal für einen
tiefgreifenden, Seele und Körper umfassenden Erschöpfungszustand
akzeptieren. Ganz im Gegenteil: Je pflichtbewusster sie sind, desto
mehr kämpfen sie gegen diesen Zustand und damit auch gegen
sich selbst an. Besonders Menschen, die es gewohnt sind, sich und
alles um sie herum immer „unter Kontrolle“ zu haben, kämpfen
bis zum Zusammenbruch und können dann immer noch nicht
aufgeben. Das Gefühl, versagt zu haben und durch den eigenen,
erstarrten Körper am Ausüben der Pflichten und Aufgaben gehindert zu werden, wird dann zu einem ausweglosen Problem und
schlägt in einen unendlichen, depressiven Schmerz um.
Verbunden mit dem veränderten Erleben des eigenen Körpers und
des Raumes erleben an einer Depression erkrankte Menschen auch
den Fluss der Zeit anders. Die persönliche Zeit verlangsamt sich
immer mehr und stockt mitunter ganz. Die eigene innere Uhr scheint
17
stillzustehen, während die Uhren der anderen weiterlaufen:
„Ich komme nicht voran.“ „Ich bin wie gelähmt und bleibe hinter meinen Pflichten zurück.“, „Ich stehle Zeit.“ Depressive sind
dann wie von der Zukunft abgeschnitten. Während die Zeit stockt,
holt die Vergangenheit sie ein. Zurückliegende kleine Fehler häufen sich zu bedrohlichen Bergen, durch die sich die Wahrnehmung
der Gegenwart völlig verändern kann.
Positive Erlebnisse und Sonnenschein hellen dann die Stimmung
des Depressiven nicht etwa auf, sondern werfen dunkle Schatten.
Sie machen ihm die Situation seiner Krankheit besonders deutlich
und – konfrontiert mit der Schönheit und Lebendigkeit um ihn
herum – fühlt er sich dann besonders tot, arm und leer. Geselligkeit führt ihm seine Einsamkeit vor Augen. Alles um ihn herum
nimmt er als Maßstab für seine Andersartigkeit wahr. Er fühlt sich
den Blicken Anderer hilflos ausgesetzt. Während sein Selbstwertgefühl sich verschlechtert, glaubt er sich von außen beurteilt, abgewertet und angestarrt.
Es ist für Depressive kaum möglich zu erkennen, dass sie sich durch
die eigene Selbstkritik immer stärker entwerten, und in schweren
Fällen der Depression ist es durchaus möglich, dass wahnhaft gesteigerte Selbstvorwürfe einen letzten Versuch darstellen, wenigstens die Selbstbeurteilung nicht aus der Hand zu geben.
Aber selbst in weniger extremen Fällen ist das Anderen unterstellte
Urteil so bedrohlich, dass sich viele Depressive durch eine selbst
auferlegte Isolation schützen müssen. Dabei wird dann auch die
Entfernung zu Verwandten und Freunden immer größer. Das ist
umso schmerzlicher, weil sich depressive Menschen in ihrem
Innersten geradezu nach Kontakt und liebevoller Zuwendung sehnen, sich die Erfüllung dieses Bedürfnisses aber aufgrund ihres
Selbstwertverlustes nicht zugestehen können.
18
Partner und Angehörige depressiv kranker Menschen sind oft in
einer schwierigen Situation. Sie können es nicht verstehen, wenn
der Kranke auf liebevolle Zuwendung kaum oder gar nicht reagiert.
Sie wissen nicht, dass er kaum emotional reagieren kann, weil
ihm vielleicht die Verbindung zu seinen eigenen Gefühlen fehlt.
Vielleicht können Sie es jetzt als Angehöriger verstehen, dass es
sich bei einer fehlenden Reaktion auf Ihre Zuwendung nicht um
einen absichtlichen emotionalen Rückzug, sondern um eine Störung
durch die Depression handelt. Wenn Sie akzeptieren, dass das Nichtkönnen oder besser das „Nichtwollenkönnen“* zu den wesentlichen und typischen Anzeichen der Depression gehört, dann werden
Sie sich auch nicht – wie es sonst schnell passieren kann – von
einem „undankbaren Kranken“ zurückziehen, sondern ihn immer
wieder einbeziehen und so eine, die Heilung erschwerende, zusätzliche Isolation erst gar nicht entstehen lassen.
* Für viele Angehörige ist dieser Zustand einfach nicht vorstellbar. Vielleicht ist es hilfreich für Sie, sich dieses „Nichtwollenkönnen“ wie eine Lähmung des Willens vorzustellen.
19
Dabei ist es für Sie als Angehörige sehr wichtig, sich nicht von der
Hoffnungslosigkeit, die vor allem von sehr schwer depressiv Kranken
ausstrahlt, anstecken zu lassen. Ganz im Gegenteil, Sie sollten immer
wieder versuchen, den Kranken durch kleinere Anforderungen in die
täglichen Abläufe einzubeziehen und zu aktivieren. Dabei sollten
Sie aber – vor allem, wenn es sich um eine schwere Form der Depression handelt, bei welcher der Kranke kaum noch über einen
eigenen Antrieb verfügt – nicht zuviel Eigeninitiative erwarten.
Die äußere Wahrnehmung
und Akzeptanz der Depression
Die meisten Menschen gehen erst dann zum Arzt, wenn eine Störung
– meist eine körperliche – ein gewisses Maß an Beeinträchtigung
überschritten hat. Häufig sind dann sowohl die Ärzte als auch die
Patienten in ihrer Wahrnehmung darauf eingerichtet, einen körperlichen Grund als Ursache der Beschwerden festzustellen. Obwohl
nur für ein Drittel aller durch Allgemeinärzte behandelten Krank20
heiten eine konkrete körperliche Ursache gefunden werden kann,
führt diese Einstellung immer noch dazu, dass seelisch bedingte
Störungen verschleppt werden. Die Erfahrung zeigt, dass es bis zu
acht Jahren dauern kann, bis eine psychische Erkrankung erkannt
und richtig behandelt wird.
Noch immer wird eine körperliche Erkrankung in unserer Gesellschaft eher akzeptiert als eine seelische. Es gibt deshalb ein wesentlich breiteres Behandlungsangebot für körperliche als seelische
Erkrankungen. Trotzdem wächst überall das Wissen über seelische
Erkrankungen und deren Behandlungsmöglichkeiten, und so wird
heute kaum noch abfällig über Patienten gesprochen, die „es mit
den Nerven haben“. Mittlerweile gibt es keine Diskussion mehr
darüber, dass psychische Erkrankungen ernst genommen werden
müssen. Bereits leichtere Depressionen werden als Signale eines
Alarmsystems verstanden, das z.B. vor zu starker Stressbelastung,
21
allgemeiner Überlastung und Überarbeitung warnt. Obwohl psychische Erkrankungen wie Depressionen zunehmend größere Beachtung finden, gibt es bei den Patienten selbst immer noch Vorbehalte
und Hindernisse gegen eine wirklich umfassende medizinische
und psychologische Behandlung.
Einige Patienten haben vor dem Hintergrund negativer Erfahrungen
mit älteren Antidepressiva, die auf moderne Antidepressiva allerdings nicht mehr zutreffen, immer noch Vorbehalte gegen eine
medizinisch-medikamentöse Therapie. Aber das Bewusstsein für
eine umfassende Behandlung der Depression wächst mehr und
mehr, und im Vergleich zu anderen Ländern ist das pharmakotherapeutische Behandlungsangebot in Deutschland sehr gut.
Andere Patienten vermeiden aus Berührungsängsten eine zusätzliche Psychotherapie. Studien belegen jedoch, dass eine Kombina22
tionsbehandlung aus medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlung
langfristig den besten Erfolg
bringt*.
* Gerd Laux, Otto Dietmaier:
Praktische Psychopharmakotherapie, München 2006
Patienten können sich dazu von ihrem Arzt, Beratungsstellen wie
auch von der kassenärztlichen Vereinigung, der Psychotherapeutenkammer oder direkt von einem Psychotherapeuten beraten lassen.
Die Krankenkasse übernimmt ohne Antragsverfahren fünf sogenannte probatorische Sitzungen bei einem Psychotherapeuten. Kommen
Patient und Psychotherapeut zu der gemeinsamen Entscheidung,
dass eine Psychotherapie sinnvoll und Erfolg versprechend sein
könnte, muss der Psychotherapeut einen Antrag auf Psychotherapie bei der Krankenkasse stellen (siehe auch: Die Finanzierung
einer psychotherapeutischen Therapie durch die Krankenkassen).
23
Somatogene Depressionen – Depressionen, die
durch körperliche Krankheit ausgelöst werden
Somatogene Depresssionen entstehen im Zusammenhang mit organischen Erkrankungen, sind also körperlich begründbar. Dabei
können verschiedene Ursachen zugrunde liegen, einige Beispiele
werden im Folgenden erläutert:
Häufig sind Infektionskrankheiten die Ursache für eine somatogene
Depression. Die Infektion schwächt den Körper und verbraucht so
viel Energie, dass wir uns noch über die eigentliche Krankheit
hinaus erschöpft, niedergeschlagen und traurig – also deprimiert
fühlen. Fast jeder kennt die Situation nach einer schweren Grippe,
nach deren Abklingen man sich noch über Tage hinaus niedergeschlagen fühlen kann.
Ein anderes Beispiel ist die Depression in Zusammenhang mit
einer Unterfunktion der Schilddrüse. Wird bei Unterfunktion der
Schilddrüse nicht genügend Schilddrüsenhormon (Thyroxin) gebildet, so verlangsamt sich der gesamte Stoffwechsel und der oder
die Betroffene fühlt sich abgeschlagen, müde und schwunglos.
24
Wird die Schilddrüsenunterfunktion über längere Zeit nicht erkannt und behandelt, sind die Symptome dieser „hormonellen
Depression“ von denen einer seelischen Depression kaum zu unterscheiden. Allerdings kann durch einen Bluttest schnell festgestellt werden, dass hier ein zu niedriger Thyroxinspiegel – also
eine Unterfunktion der Schilddrüse – der Grund für die Depression ist.
Ein weiteres Beispiel: Rund ein Drittel aller Mütter kennt das meist
nur zwei oder drei Tage dauernde körperliche und seelische Tief
nach der Geburt. Auch dieser depressive Zustand ist auf eine hormonelle Umstellung und auf die psychische und körperliche Erschöpfung durch die Geburt zurückzuführen.
Allerdings sind diese „Heultage“
nicht mit der sogenannten Wochenbettdepression, die wesentlich länger und schwerer verläuft, gleichzusetzen. Bei der Wochenbettdepression leiden die betroffenen Frauen
unter starken Schuld- und Minderwertigkeitsgefühlen und der Angst,
das Kind nicht versorgen zu können.
Auch bei dieser Erkrankung, die ein
halbes Jahr und länger andauern
kann, ist eine Stoffwechselstörung
und nicht die neue psychologische
Situation nach der Geburt des Kindes
der Auslöser; dass die neue, alle Kräfte
der Mutter fordernde Situation diesen Zustand verstärkt, darf allerdings
nicht übersehen werden.
25
Zu den körperlichen Auslösern und Ursachen einer somatogenen
Depression gehören aber auch Erkrankungen des Gehirns. Altersund krankheitsbedingte Durchblutungsstörungen, Infektionen,
die eine Hirnhaut- oder Hirnentzündung verursachen, Tumore,
Hirnverletzungen und ein Schlaganfall können zu depressiven
Zuständen ohne psychologischen Zusammenhang führen.
Die Biologie der nicht somatogenen Depression
Abgesehen von somatogenen Depressionen, bei denen es definitionsgemäß immer eine körperliche Ursache gibt, erscheinen die
biologischen Ursachen der nicht körperlich bedingten Depression
heute nach immer neuen Ergebnissen naturwissenschaftlicher Forschung zunehmend vielfältiger und komplexer. Die relativ einfachen Depressions-Modelle der 50er- und 60er-Jahre Jahre sind
durch die Fortschritte vor allem auf den Gebieten der Biochemie
und der Neurophysiologie heute nicht mehr zu halten.
26
Auf der rein körperlichen Ebene ist man sich heute allerdings vor
allem über drei Aspekte der Depression einig. Diese Anzeichen
spiegeln die Depression auf körperlicher Ebene, und sie können
als äußere Zugangsweise z. B. Auskunft über eine Verbesserung
oder Verstärkung der Erkrankung geben:
• Die Depression hat ein bestimmtes psychomotorisches
Erscheinungsbild: Die durch
die willkürliche Muskulatur
verursachte Mimik, Gestik
und Haltung ist durch Einschränkungen und Starrheit
geprägt. Depressive bewegen sich langsamer als gewöhnlich.
• Die durch das vegetative Nervensystem beeinflusste Hautdurchblutung ist herabgesetzt. Die Haut erscheint blass, schlaff und
kalt.
• Durch eine verminderte Aktivität des Dickdarms kommt es zu regelmäßigen Verstopfungen. Häufig werden auch Appetitstörungen festgestellt.
Als Ursache dieser drei Gruppen von Erscheinungen ist ein Mangel
der für die Informationsübertragung im Nervensystem verantwortlichen Botenstoffe (Neurotransmitter) Serotonin und Noradrenalin
zu sehen. Zahlreiche Untersuchungen haben diesen Mangel immer
wieder nachgewiesen, und so zielt auch die Behandlung mit modernen, antidepressiv wirksamen Medikamenten darauf ab, diesem
Mangel entgegenzuwirken. Unser zentrales Nervensystem besteht
27
Unser Nervensystem:
ein hochkompliziertes
Geflecht einzelner,
vielfach vernetzter
Nervenzellen
aus mehreren Milliarden Nervenzellen, die in ihrer Gesamtheit durch
hochkomplizierte Schaltpläne untereinander vernetzt sind. Sie steuern unsere Körperfunktionen, unsere Bewegungen, unsere Wahrnehmungen sowie unser Denken und Fühlen.
Die einzelnen Nervenzellen stehen durch elektrische Impulse und
durch bestimmte Botenstoffe, Neurotransmitter, untereinander in
Verbindung. Eine Nervenzelle erzeugt einen elektrischen Impuls
und schickt ihn über ihre Fortsätze wie durch ein Kabel an eine
andere Nervenzelle. Am Ende des Fortsatzes, oder besser gesagt,
der Nervenendigung, wird die elektrische Information in eine chemische Information in Form eines Botenstoffes (z. B. Serotonin
und/oder Noradrenalin) umgewandelt. Diese Botenstoffe übertra28
gen die Botschaft auf den Fortsatz einer anderen Nervenzelle und
werden dort zunächst in einen elektrischen Impuls umgewandelt
und dann weitergeleitet. Die Botenstoffe sind sozusagen die Briefträger zwischen den Zellen; fallen sie aus, werden zu wenig Nachrichten weitertransportiert.
Bei der Depression findet man eine Störung der speziellen Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin. Starke oder langandauernde psychische Belastungen, aber auch bestimmte körperliche Erkrankungen
können die Balance dieser Botenstoffe durcheinanderbringen. Ein
Mangel an Serotonin und Noradrenalin zwischen den Nervenendigungen bewirkt Kommunikationsstörungen im Netzwerk des Nervensystems, die sich nach außen fortsetzen, und zeigt sich in den als Depression bekannten körperlichen und psychischen Veränderungen.
Der beschriebene Mangel an Botenstoffen (Neurotransmittern) steht
in enger Beziehung zu den oben genannten Anzeichen:
• Einschränkung des Ausdrucks (Mimik, Gestik)
• Einschränkung der Hautdurchblutung
• Einschränkung von Appetit und Verdauung
Darüber hinaus ist so gut wie immer eine Störung der normalen,
über den Tag hinweg zu beobachtenden Aktivitätsrhythmen festzustellen: Die innere Uhr depressiver Patienten geht anders, so dass
sie nicht im Einklang mit den Rhythmen der umgebenden Natur
sind. Schwer Depressive wachen meist schon sehr früh nach einem
gestörten und oft kurzen Schlaf auf. Sie fühlen sich dann zerschlagen
und leiden unter einem sogenannten Morgentief.
Die Kommunikationsstörung der Nervenzellen untereinander hat
sowohl eine Auswirkung auf das körperlich-seelische Befinden des
29
depressiv Kranken, als auch auf seine zwischenmenschliche Kommunikation. Der Mikrokosmos des Nervensystems ist mit dem Makrokosmos des sozialen, zwischenmenschlichen Systems vernetzt. Die
Kommunikationsstörung setzt sich von innen nach außen, vom Kleinen ins Große fort. Es besteht hier eine Störung, die sich zwischen
den Systemen fortpflanzt. In der erfolgreichen Behandlung der Depression sollte ihr am besten von zwei Seiten her begegnet werden:
Antidepressiva
wirken
von innen
nach
außen
30
Psychotherapie
wirkt
von außen
nach
innen
Die Unterscheidung verschiedener
depressiver Erkrankungen
Die zur Unterscheidung verschiedener depressiver Erkrankungen
benutzten Begriffe stiften eine wahrhaft babylonische Sprachverwirrung. Je nach medizinisch-psychiatrischer oder psychologischer
Schule gibt es hier die verschiedensten Bezeichnungen. Geht man
vom Krankheitserleben der Betroffenen aus, so kann man vor allem
zwischen zwei Gruppen von Patienten unterscheiden:
• Die einen fühlen sich „grundlos, aber von Grund auf verändert“.* Sie erleben ihre
Krankheit als etwas, das ihnen auferlegt wurde. Diese
Formen der Depression bezeichnet man als Melancholie, Schwermut oder auch als
endogene Depression.
• Die anderen an einer Situation erkrankten Menschen erkennen einen Grund, ein Motiv für ihr Leiden. „Sie erkranken an einer Situation
oder an sich selbst.“* Diese
Form der Depression wird als
reaktive oder psychogene
Depression bezeichnet.
* Daniel Hell: Welchen Sinn macht Depression,
Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1992
31
Diese Unterscheidung ist insofern fruchtbar, als sie darauf hinweist, dass sich der Kranke mit einer reaktiven Depression noch in
einem Zusammenhang mit seiner Umwelt erlebt, während der endogen depressive, der Melancholiker, sich von der Gemeinschaft oder
eigenen inneren Bezügen abgetrennt fühlt. Eine reaktive Depression
entsteht meist, wenn innere und äußere Konstellationen zusammenwirken. Eine belastende Vorgeschichte, die oft bis in die frühe Kindheit zurückreicht, bildet den inneren Kern. Ein äußerer Anlass, der
bewusst oder unbewusst mit diesem inneren Kern in Verbindung
gebracht wird, löst dann die Depression aus. Der Verlust eines
geliebten Menschen, eine gravierende Veränderung der Lebensumstände, das Herausgerissen-Werden aus einer vertrauten Umgebung,
all das kann zu einem derartigen Anlass werden. Wenn der Verlust
oder die Veränderung nicht verarbeitet wird, kann es zu einer depressiven Reaktion kommen.
32
Kritische Lebensphasen wie die Pubertät, die Zeit nach der Geburt
eines Kindes, ein neuer Berufsanfang, die Wechseljahre bei der Frau,
die sogenannte Lebensmitte beim Mann oder die Pensionierung
und Berentung können die äußeren Auslöser für eine reaktive Depression sein.
Endogene Depressionen beginnen häufig schleichend. Stressfaktoren
und belastende Krankheiten können am Anfang einer endogenen
Depression stehen. Die Ursachen sind nicht eindeutig geklärt. Der
Zusammenhang einer Stoffwechselstörung (der Botenstoffe, die für
die Kommunikation der Nerven untereinander notwendig sind, s.o.)
mit einem komplexen System psychosozialer Faktoren in der Geschichte des Betroffenen ist aber wahrscheinlich.
Die Symptome der endogenen Depression stimmen mit denen
der reaktiven Form weitgehend überein. Dadurch, dass sich der
Kranke aber von der Gemeinschaft oder den eigenen inneren
Bezügen abgetrennt erlebt, ist es für
andere Menschen besonders schwierig,
mit ihm umzugehen und zu helfen. Unter der Niedergeschlagenheit und Hilflosigkeit der Depression kommt oft eine
versteckte und nicht ausgelebte Aggression zum Vorschein. Der Kranke spürt
dabei Wut und Ärger aber kaum. Er
leugnet und versteckt sie auch vor sich
selbst, weil er Angst hat, seine Mitmenschen durch seinen Zorn zu verschrecken oder zu verlieren. So kommen
die Aggressionen nur unbewusst und
indirekt durch Klagen und versteckte
Vorwürfe zum Ausdruck.
33
Dadurch, dass der Kranke sich in seiner Angst, die anderen zu verlieren, in ein kompliziertes Labyrinth unbewusster Schutzmechanismen verstrickt, wird er besonders hilflos. Und gerade diese Hilflosigkeit überträgt sich dann auf seine Umgebung.
Immer wieder die Klagen eines Depressiven über sich ergehen lassen
zu müssen, sich immer wieder durch seine Hilflosigkeit genötigt zu
fühlen, ist enorm belastend für jeden Angehörigen. Diese Belastung
führt zwangsläufig zur Verärgerung. Man muss immer wieder erleben,
dass der depressiv Kranke nicht in der Lage ist, die Fähigkeiten, die
ihm zur Verfügung stehen, zu erkennen, und statt sie zu nutzen, sich
fast wahnhaft daran klammert, sie nicht zu haben.
In derart zermürbenden Situationen erfahren Sie als Partner des
Depressiven durch das Erlebnis Ihrer eigenen Hilflosigkeit das, was
der Kranke an inneren Qualen mit sich selbst auszuhalten hat. Wenn
es Ihnen in solchen Situationen gelingt, dieses auf Sie übertragene
Mit-Gefühl der Hilflosigkeit zu akzeptieren, haben Sie vielleicht einen
Schlüssel gefunden, mit dem Sie Ihren Partner aus der Isolation befreien können. Das Eingeständnis Ihrer Hilflosigkeit kann einen Kontakt zwischen zwei Betroffenen herstellen.
34
Depression als „Zeitkrankheit“
Die Depression ist eine psychische Krankheit. Sie ist keine Geisteskrankheit. Ein Mensch, der an einer Depression erkrankt, wird
nicht „irre“ oder „verrückt“. Er leidet an einer Gemütskrankheit.
Man weiß heute, dass die Depression sogar als Fähigkeit gewertet
werden muss. Sie stellt eine Möglichkeit dar, auf belastende Situationen zu reagieren, und kann als eine elementare menschliche
Schutzreaktion verstanden werden, die eine Bremswirkung ausübt
und zur Sicherung beiträgt, wenn äußerer Schutz verloren geht.
Der Depressive nimmt schon die kleinste Lebensanforderung als
Bedrohung wahr. Er ist mit seinen Kräften so am Ende, dass er
sich nur noch abschotten kann. So gesehen ist die Depression
35
eine Schutzreaktion gegen alles, was bedrohlich ist oder als
bedrohlich empfunden wird.
Der Schweizer Psychiater Raymond Battegay sieht in Angst, Panik
und Depression drei abgestuft wirksame Reaktionen, um auf existenzielle Bedrohung zu reagieren (siehe Grafik).
Angst, Panik, Depression als abgestufte Reaktion
auf existenzielle Bedrohungen (nach Battegay)
Angst
Panik
Depression
Reaktion auf
36
entfernte
Gefahr
direkte
Gefahr
bereits eingetretene Verletzungen mit
weiter anhaltender Bedrohung
Abwehr
möglich
Abwehr
in Frage
gestellt
Abwehr
scheint
unmöglich
Nach seiner Einschätzung wird
eine Depression erst dann
ausgelöst, wenn Angst- und
Panikreaktionen nicht mehr
ausreichen.
Diese Erklärung der Depression als Abwehrmechanismus in hoffnungsloser Situation wird durch die Erfahrung des amerikanischen
Arztes und Psychotherapeuten Alexander Lowen sehr gut ergänzt.
Er stellte fest, dass seine depressiven Patienten die Tendenz hatten,
in ihren Gedanken immer wieder in die Vergangenheit zu gehen.
Er beschreibt Patienten, die z. B. in ihrer Kindheit von einem Elternteil Ablehnung erfahren hatten und das Erlebnis der Ablehnung dadurch lebendig erhielten, dass sie sich selbst ständig ablehnten.
Nach Lowen wurde die Verletzung der Vergangenheit fortgesetzt. Die Bedrohung hielt weiter an und konnte auch nicht
abgewehrt werden, weil die Patienten die Verletzung der Vergangenheit in der Gegenwart immer wieder durchspielten. Diese
Menschen hatten kein Bewusstsein für das innere Drama, in das
sie verstrickt waren. Sie merkten
nicht, dass sie in der Vergangenheit lebten, denn sie lebten, wie
Lowen feststellte, gleichzeitig in
einer Zukunft, die in Bezug auf
ihre tatsächliche Gegenwart völlig
unrealistisch war.
37
Alexander Lowen analysiert diesen
Zustand folgendermaßen: Wenn ein
Mensch in der Vergangenheit eine
Verletzung erlebt hat, die sein Gefühl der Selbstsicherheit untergräbt,
projiziert er in seine Vorstellung von
der Zukunft die Forderung hinein,
sie solle das Erleben seiner Vergangenheit umkehren. So stellt sich ein
Mensch, der als Kind Ablehnung erlebt hat, die Zukunft als etwas vor,
das Angenommenwerden und Billigung verspricht. Wenn er als Kind
mit einem Gefühl der Hilflosigkeit und der Ohnmacht kämpfen
musste, gleicht sein Geist diese Kränkung durch eine Vorstellung
von der Zukunft aus, in der er mächtig und beherrschend ist. In
seinen Phantasien und Tagträumen
versucht er, seine ungünstige und
unannehmbare Vergangenheit dadurch umzukehren, dass er sich eine
Zukunft schafft, die ihn erhebt und
aufwertet. Diese Träume können aber
vor allem deshalb nicht in Erfüllung
gehen, weil er die Vergangenheit, in
der er diese Verletzung erlitten hat,
fortsetzt, indem er sich selbst ablehnt und sich als unwert erachtet.
Alexander Lowen beschreibt seine
depressiven Patienten als Menschen,
die in einer Falle aus Vergangenheit
und Zukunft sitzen und einen Weg
in die Wirklichkeit finden müssen.
38
Die Depression erscheint hier als Zeitkrankheit im wörtlichen Sinne.
Der Depressive krankt an einer Wahrnehmung, in der es nur noch
Vergangenheit und Zukunft gibt. Seine Depression äußert sich als
erstarrtes Verweilen zwischen der Zeit, das ihn zu einer inneren Suche
nach seinem Wert und nach seiner persönlichen Lebensorientierung
zwingt. Er kann sich seiner Umgebung erst wieder öffnen, nachdem
er für sich und sein Leben einen eigenen Wert und Sinn hat und so
seine Verletzung und die mit ihr noch immer verbundene Bedrohung
in der Gegenwart wirklich überwinden kann.
Depression wächst aus dem Unbewussten
Tiefenpsychologische und psychoanalytische Erklärungsansätze sehen
die Ursache der Depression im Unbewussten. „Die Depression ist
gleich einer Dame in Schwarz. Tritt sie auf, so weise sie nicht weg,
sondern bitte sie als Gast zu Tisch und höre, was sie zu sagen hat.“
Dieser C.G. Jung zugeschriebene Ausspruch macht durchaus Sinn,
wenn man die Depression als einen Schutzmechanismus akzeptieren kann, der aus dem Unterbewussten heraus in ein Leben eingreift, in dem der Betroffene über seine eigenen Bedürfnisse hinweggeht und so seine Gesundheit und seine Integrität aufs Spiel
setzt. Das Unbewusste duldet es nicht, dass wir fern von der Wirklichkeit Dingen nachlaufen, die durch ihre Unerreichbarkeit unsere
ganze Energie absorbieren und so unsere Gesundheit gefährden.
39
Wir leben mehr für Illusionen, als wir uns eingestehen wollen.
Dabei liegt die Illusion meist nicht in den Zielen, die wir uns setzen,
sondern in der Belohnung, die wir uns für die Erreichung unserer
Ziele erhoffen. Zu den am häufigsten und hartnäckigsten verfolgten
Zielen gehören Reichtum, Erfolg und Ruhm. Unsere Kultur wird
geradezu durch den Mythos vom Reichsein bestimmt. Wir unterscheiden zwischen „Besitzenden“ und „Besitzlosen“. Wir glauben,
die Reichen seien glücklich, weil sie das Geld besitzen, um sich durch
die Erfüllung ihrer Wünsche zu verwirklichen.
Doch auch Reiche können ebenso wie Arme depressiv werden.
Viel zu häufig lenkt uns der Drang
nach Reichtum von Tätigkeiten ab,
die schöpferischer sind und mehr
zur Selbstverwirklichung beitragen können, als Geld zu verdienen. Auch hinter dem Drang nach
Erfolg und Ruhm steht eine Illusion. Wir glauben, wir könnten
unsere Selbstachtung und natürlich auch die Achtung Anderer vor
uns durch äußere Erfolge steigern.
Erfolg verschafft uns die Geltung
und Billigung, die wir zu brauchen
meinen und die wir für unverzichtbar halten. Geld, Ruhm und
Erfolg werden in den Medien der
Massengesellschaft glorifiziert,
aber das wirkliche Leben wird
immer noch auf eine ganz persönliche Weise gelebt.
40
So kann man die Depression als den Weg ansehen, den das Unbewusste wählt, um einer sinnlosen Vergeudung von Lebenskraft und
-zeit ein Ende zu setzen.
41
Welchen Wert hat Depression?
Die Frage nach dem Warum – nach den Auslösern depressiver Erkrankungen – ist hinlänglich beantwortet. Es kann viele Auslöser für Depressionen geben: Depressionen können z. B. durch ständige Überforderungen oder schwerwiegende Verluste oder psychologisch und
sozial schädliche Kindheitsverhältnisse begründet sein. Biologisch
kann man sie sich auch als eine Stoffwechselstörung des Nervensystems erklären; Botenstoffe (Neurotransmitter), die für die Kommunikation der einzelnen Nervenzellen untereinander benötigt werden,
sind nicht in ausreichender Menge vorhanden oder werden zu schnell
in unwirksame Substanzen umgewandelt.
Die Frage nach dem Wozu – nach dem Ziel der Depression – ist
schwerer zu beantworten, doch nicht weniger interessant. Welche
Botschaft enthält eine Depression? Welchen Sinn, welchen Wert hat
sie? Diese Fragen finden eine Antwort, wenn Sie sich vorzustellen
versuchen, wie dieser unter einer Depression leidende Mensch in
seiner mit dieser Störung verbundenen persönlichen Situation ohne
Depression zurechtkommen könnte.
Hat die Depression
möglicherweise eine Schutzfunktion,
die vor Schlimmerem bewahrt?
Ist es in diesem Zusammenhang nicht
sogar wichtig, Mut
zur Depression zu
machen?
42
Da Depressionen mit Schmerzen und Leiden verbunden sind, fällt
es schwer, diese Fragen überhaupt richtig zu verstehen. Aber es
liegt kein Zynismus darin, die Depression, mit der Sie sich jetzt als
Angehöriger auseinandersetzen, auch unter positiven Aspekten zu
betrachten. Die Depression ist mehr als ein Defekt, der vom
Funktionieren im Alltag abhält – in ihr will auch die persönliche,
tief innere Auseinandersetzung eines Menschen mit einer in
beängstigender Veränderung begriffenen Welt gewürdigt werden.
Menschen, die eine schwere Depression überstanden haben, sind
nicht mehr verbittert oder resigniert. Sie zeichnen sich oft nicht nur
durch eine tiefe Ernsthaftigkeit, sondern auch durch einen ebenso
tiefen Humor aus. Sie nehmen eine wartend offene Haltung dem
Leben gegenüber ein und sind kaum der Gefahr ausgesetzt, sich etwas vorzumachen. Sie nehmen tief wahr, was andere oberflächlich
ausblenden. Sie sind an der Bewältigung ihres Leidens gereift und
gewachsen.
43
Wie werden Depressionen heute behandelt?
Nur die Hälfte an einer Depression erkrankten, behandlungsbedürftigen Menschen sucht heute eine medizinisch-psychiatrische Therapie
auf. Dies ist zum einen erstaunlich und zum anderen beunruhigend:
Erstaunlich, weil die Behandlung depressiver Erkrankungen in den
letzten 30 Jahren wesentliche Fortschritte gemacht hat und das Image
der medizinisch-psychiatrischen Therapie heute kaum noch von der
Hilflosigkeit und Gewaltsamkeit früherer, heute nicht mehr angewandter Behandlungskonzepte belastet ist.
Beunruhigend, weil die Suizidgefahr, also die Gefahr der Selbsttötung, bei schwer depressiven Kranken mit fast 15 % immer noch
sehr groß ist.
Die Krankheitseinsicht und die Behandlungsquoten bei Frauen sind
wesentlich höher als bei Männern. Diesen fällt es häufig sehr schwer
zu akzeptieren, dass sie auch ohne offensichtliche körperliche Symptome ernsthaft krank sind.
Eine Behandlungsnotwendigkeit durch einen Arzt oder Facharzt
ist immer dann gegeben, wenn die depressive Stimmung durch
44
den Betroffenen selbst oder durch die näheren Familienmitglieder
und Freunde nicht mehr bewältigt werden kann. Je schneller und
gezielter dann eine Behandlung beginnt, umso besser für den
erkrankten Menschen und seine Umgebung.
Wie bereits angesprochen, sind in der Behandlung von Depressionen
in den letzten Jahrzehnten so deutliche Fortschritte gemacht worden,
dass aus früheren Zeiten übernommene Ängste und Vorurteile gegenüber Psychiatern bzw. psychiatrischen Fachkrankenhäusern keine
Gültigkeit mehr besitzen. Dabei sind aber nicht nur durch die Entdeckung und Weiterentwicklung antidepressiv wirksamer Medikamente, sondern auch durch die Entwicklung geeigneter psychotherapeutischer Verfahren gute Möglichkeiten für eine erfolgreiche Behandlung eröffnet worden. Ein anderer, sehr wesentlicher Fortschritt
liegt jedoch auch darin, dass sich die Behandlung von Depressionen
heute immer stärker an der Familie und am Umfeld des Patienten
orientiert. So ist die Therapie von Depressionen zwar komplizierter,
aber auch umfassender geworden. Im Gegensatz zu früheren Zeiten
schafft ein sehr spezifisches und individuelles Eingehen auf die Person,
die Geschichte und die Situation des Patienten heute die Voraussetzungen für immer weiter zunehmende Behandlungserfolge.
45
Manfred Wolfersdorf, der Ärztliche Direktor des Nervenkrankenhauses des Bezirks Oberfranken in Bayreuth, zieht in seinem Buch
„Depressionen – Verstehen und bewältigen“* auf die Frage „Sind
Depressionen behandelbar?“ das folgende Fazit: „Depressive Erkrankungen können schwere, manchmal schwierig und langwierig
behandelbare Krankheitsbilder sein; grundsätzlich sind Hilfe, Besserung, Heilung in über 80 % der an einer Depression erkrankten Menschen erreichbar, und die verbliebenen 15 bis 20 % müssen nicht
mehr befürchten, ihr Leben in einem psychiatrischen Großkrankenhaus verbringen zu müssen. Die allermeisten depressiv Kranken leben, auch wenn die Depression nicht völlig symptomfrei
gebessert werden kann, in ihren Familien, die meisten sind arbeitsfähig.“
* Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, 1995
Die medikamentöse Therapie von Depressionen
Vor mittlerweile fast fünfzig Jahren begannen erste psychisch wirksame Arzneimittel – sogenannte Psychopharmaka – die bis dahin
durch Rat- und Hilflosigkeit geprägten Schocktherapien abzulösen.
Die damals noch in den meisten psychiatrischen Krankenhäusern
vertretene Auffassung, dass schockartige Reize, die einen „normalen“
46
Menschen in Verwirrung und Panik versetzen, im „verwirrten Geist“
eines psychisch Kranken Ordnung zu schaffen im Stande sind, wurde
innerhalb weniger Jahre aufgegeben. Kaltwasserbäder, Zwangsjacke
und Drehkörbe verschwanden. Die Psychopharmaka veränderten die
Psychiatrie von Grund auf.
Eine humane Psychiatrie schien sich abzuzeichnen, bis man mit den
dann schnell als „chemische Zwangsjacken“ verteufelten Psychopharmaka negative Erfahrungen machte. Weil anfänglich die Nebenwirkungen dieser Substanzen nicht bekannt waren, viele Ärzte ihnen
mit falschen Erwartungen gegenüberstanden, wurden sie meist zu
hoch dosiert und über viel zu lange Zeiträume eingesetzt.
So sind die 70er-Jahre vor allem durch eine heftige Auseinandersetzung der Verfechter und Kritiker der neuen Medikamente geprägt.
Die Psychopharmaka – vor allem die Tranquilizer – gerieten als „chemische Keule“, als „rosarote Brille für die Seele“ und als „Entlastungsmittel für das medizinische Personal“ in einen Ruf, der auch
den neuen, verbesserten Medikamenten – durchaus zum Nachteil
der Patienten – immer noch anhängt. Um zu einem differenzierteren
Urteil zu kommen, ist es wichtig, die Psychopharmaka nicht als eine
47
große homogene Gruppe zu sehen. Abhängig von ihren Indikationen, den Einsatzbereichen bei verschiedenen psychischen Erkrankungen und von ihren Wirkprofilen unterscheidet man drei Gruppen:
• Tranquilizer lösen Spannungen und Ängste. Sie haben eine beruhigende Wirkung.
• Neuroleptika dämpfen die übersteigerte Hirntätigkeit. Sie werden
bei Halluzinationen (Sinnestäuschungen wie z. B. Stimmenhören),
Wahnerscheinungen, Ängsten und aggressiver Unruhe eingesetzt.
• Antidepressiva wirken stimmungsaufhellend. Sie haben eine angstlösende und zum Teil auch eine antriebssteigernde Wirkung.
Antidepressiva sind eine Untergruppe der Psychopharmaka, die über
die letzten 40 bis 50 Jahre eine ganz eigene Entwicklung genommen
haben. Antidepressiva machen nicht abhängig. Sie wirken in den
meisten Fällen nicht sofort nach der Einnahme, sondern erst nach
einiger Zeit. Auf diese Weise kam es hier kaum zu einem durch euphorische Erwartungen geprägten Einsatz. Antidepressiva wurden
von Anfang an unter strenger Beachtung der Nebenwirkungen eingesetzt. Dieser bewusste, von einer starken medizinischen Verant48
wortung geprägte Einsatz hat auch dazu geführt, dass auf der Suche
nach neuen antidepressiv wirksamen Substanzen immer wieder andere und bessere Medikamente entwickelt worden sind.
1949 stand den Ärzten Lithium
als erstes Medikament mit antidepressiver Wirkung zur Verfügung. Allerdings war dieses
Medikament nur bei einer kleinen Gruppe von Patienten, bei
manisch-depressiv Erkrankten, wirksam.
1952 wurde das Prinzip der MAO-Hemmer nutzbar. Diese Substanzen
hemmen ein Enzym (die sogenannte Monoaminooxidase), das für
den Abbau von Serotonin und Noradrenalin verantwortlich ist. Die
für die Übertragung von Nervenimpulsen wichtigen Botenstoffe
Serotonin und Noradrenalin können so länger im Hirnstoffwechsel
verbleiben und die depressiven Symptome fallen ab (siehe: die Biologie der Depression). Die sogenannten irreversiblen MAO-Hemmer
sind allerdings durch recht erhebliche Nebenwirkungen belastet. Durch Wechselwirkungen
mit anderen Medikamenten, aber
auch mit bestimmten Nahrungsmitteln (wie z. B. Käse) können
starke Störungen im Herz-Kreislauf-System ausgelöst werden.
Inzwischen gibt es jedoch die
Generation der sogenannten
reversiblen MOA-Hemmer, für
die dies nicht mehr gilt.
49
1957 wurde das Imipramin, eine Substanz mit trizyklischer chemischer Grundstruktur, entwickelt. Das Imipramin und
weitere in der Folgezeit entwickelte trizyklische Antidepressiva (TZA) hemmen
die Wiederaufnahme der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin recht wirksam.
Dadurch verbleiben das Serotonin und
das Noradrenalin ebenfalls länger im
Hirnstoffwechsel und die Symptome der
Depression fallen ebenfalls ab. Ihr Einsatz wird jedoch häufig von lästigen und
zum Teil auch schwerwiegenden Nebenwirkungen begleitet, wie z.B. Mundtrockenheit, Verstopfungen, Blutdruckabfall, Schwindel und Kopfschmerzen.
Diese Nebenwirkungen treten vor allem
zu Beginn der Behandlung auf und klingen bei längerer Einnahme in der Regel
wieder ab. Diese Nebenwirkungen müssen aber nicht zwingend auftreten. In
Deutschland ist es Vorschrift, alle möglichen bekannten Nebenwirkungen im
Beipackzettel des Medikaments zu erwähnen. Treten Nebenwirkungen auf,
muss der Nutzen gegen die Nebenwirkungen mit dem Arzt zusammen abgewogen werden. Betroffene sollten mit
ihrem Arzt unbedingt darüber sprechen,
denn nur eine gewissenhafte Einnahme
kann die Wirkung der Medikamente gewährleisten.
50
1987, fast 30 Jahre nach der Entdeckung des Imipramins, stand
eine Substanz zur medikamentösen Therapie der Depression zur Verfügung, die eine selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmung
bewirkt, ohne dabei wesentliche Nebenwirkungen zu verursachen.
Leider wirkt diese Substanz durch die alleinige WiederaufnahmeHemmung von Serotonin nicht bei allen depressiven Krankheitsbildern. Der Fortschritt lag hier nicht so sehr in der Verbesserung
der Wirkung, sondern in der wesentlichen Verringerung der Nebenwirkungen.
1994 wurde dann eine Substanz in
die Therapie eingeführt, die die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin hemmt, ohne dabei durch
schwere Nebenwirkungen belastet zu
sein. Diese Substanz vereint die Vorteile der trizyklischen Antidepressiva
mit denen der selektiven SerotoninWiederaufnahme-Hemmer und ist
so der vorläufig letzte Meilenstein
auf dem Weg zu einer wirksamen,
nicht durch Nebenwirkungen belasteten medikamentösen Therapie
aller Formen der Depression.
51
Grundsätzlich sollen Antidepressiva die Stimmung stabilisieren und
heben. Sie sollen entweder Getriebenheit und Unruhe dämpfen
oder Hemmung und Antriebslosigkeit normalisieren. Dabei sollen
sie auch Angst lösen, Schlaf-, Appetitstörungen und andere körperliche Symptome bessern und vor allen Dingen die Einengung des
Denkens „lockern“ helfen. Gerade in diesem Zusammenhang kann
die Einnahme eines Antidepressivums nicht allein unter somatischen,
also körperlichen Gesichtspunkten betrachtet werden.
Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass die Depression eine der
Erkrankungen ist, die von vielen Betroffenen erst einmal nicht als
Krankheit akzeptiert wird, weil sie sich nicht in vordergründig
körperlichen Symptomen äußert. So bedeutet die Einnahme eines
Medikaments gleichzeitig Krankheitseinsicht, also die Selbsterkenntnis, wirklich krank zu sein und an einer „Krankheit des Gemüts“ zu
leiden. Das Eingeständnis „Ich habe eine Depression, und diese
wird behandelt“ bedeutet Therapiebereitschaft. Die Bereitschaft,
sich mit der Krankheit einem Arzt anzuvertrauen und sich auf eine
Behandlung einzulassen, in der die Einnahme eines Antidepressivums
möglicherweise der erste Schritt, die Basis für eine umfassende The52
rapie, ist. Der nächste Schritt dieser
umfassenden Therapie gründet sich
dann meist in Zusammenhang mit
der Wirkung des Antidepressivums auf
dem subjektiven Erleben des Patienten. Durch das Antidepressivum kommt
es zu einem Erlebnis von Krankheitsbewältigung, das dem Erkrankten eine
weitere Einsicht in seine Krankheit ermöglicht. Es ist etwas geschehen: Das Befinden des Kranken hat
sich durch das Medikament verbessert. Diagnose und Therapie des
Arztes waren also richtig. Der Kranke ist nun viel eher bereit für die
nächste tiefere Einsicht: „Ich bin depressiv aus Gründen, die in
meiner Lebensgeschichte und in dem daraus gewachsenen Denken
und Verhalten liegen.“
Innerhalb eines subtilen Prozesses von
Krankheitserleben, Krankheitseinsicht und
Krankheitsbewältigung öffnet sich der
erst einmal in sich verschlossene Patient
durch das subjektive Erlebnis der Wirkung des Antidepressivums einer weiterführenden psychotherapeutischen Behandlung, die ihn persönlich stärkt und
ihn dabei unterstützt, sein eigenes Leben wieder eigenverantwortlich zu gestalten. Beide Konzepte, das Sich-behandeln-Lassen durch ein Medikament
und das aktive Nachdenken über die
eigenverantwortliche Gestaltung des
Lebens, sollen sich in der Behandlung
der Depression ergänzen.
53
Durch antidepressiv wirksame Medikamente kommt es zuerst relativ
rasch zu einer Beruhigung und vor allem zu einer Besserung der
Schlafstörungen des Patienten. Die stimmungsaufhellende Wirkung
ist jedoch meist erst nach zwei Wochen zu erwarten. Eine Ausnahme
bilden hier allerdings die modernen, die Serotonin- und Noradrenalinwiederaufnahme hemmenden Antidepressiva. Hier kann bereits
nach einigen Tagen eine stimmungsaufhellende Wirkung beobachtet werden.
Bei einer nicht durch zusätzliche Probleme, wie z. B. körperliche Erkrankungen oder eine aktuell schwierige Lebenssituation, belasteten Depression ist bei
mehr als 60 % der Patienten nach sechs
bis acht Wochen eine gute Besserung der
Symptome zu erwarten; trotzdem sollte
sich die medikamentöse Akutbehandlung über vier bis sechs Monate erstrecken. Eine reduzierte, sogenannte Erhaltungstherapie mit niedrigeren Dosen kann
erst begonnen werden, nachdem eine
deutliche, über acht Wochen anhaltende
Verbesserung eingetreten ist. Auf jeden
Fall sollte der depressiv Kranke immer
die vom Arzt verordnete Dosierung einhalten, damit das Medikament sicher
wirken kann. Es wäre falsch und möglicherweise auch gefährlich, aus Angst vor
der chemischen Substanz des Antidepressivums oder aus Angst vor einer Abhängigkeit eigenmächtig eine niedrigere
Dosierung zu wählen.
54
In diesem Zusammenhang an dieser Stelle auch noch einige Worte
zu den Hinweisen auf dem Beipackzettel, der aufgrund gesetzlicher Verordnungen in allen Arzneimittelpackungen liegen muss:
Um Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit sicherzustellen,
müssen Arzneimittel eine Vielzahl pharmakologischer und klinischer
Prüfungen ablegen, bevor sie vom Arzt verordnet werden können.
So zählen sie zu dem am strengsten und genauesten geprüften Produkten überhaupt und sind eine Ware ganz besonderer Art. Die
Ergebnisse aller Prüfungen werden weltweit gesammelt und so registriert und systematisiert, dass sie für jeden Arzt jederzeit abrufbar sind.
Alle Nebenwirkungen, die jemals bei der Einnahme eines Arzneimittels beobachtet worden sind, müssen auf dem Beipackzettel aufgelistet werden, auch dann, wenn sie nur äußerst selten auftreten.
Das verlangt das Arzneimittelgesetz; nicht damit die Patienten verunsichert werden, sondern weil es so möglich wird, dass Patienten
schon bei einem Verdacht auf Nebenwirkungen den Arzt befragen
bzw. informieren können. Wie bei allen anderen Medikamenten
können auch bei einem Antidepressivum Nebenwirkungen auftreten.
Erscheinungen wie z. B. Übelkeit, Mundtrockenheit oder Schwindel
sind meist leichterer Natur und schwächen sich unter Fortsetzung
der Einnahme nach einiger Zeit ab.
55
Die Psychotherapie von Depressionen
Die Psychotherapie der Depression fängt eigentlich nicht erst beim
Psychotherapeuten an. Sie beginnt schon viel früher im täglichen
Umgang mit den Patienten. Die Zuwendung eines nahestehenden
Menschen hat – auch wenn sie anscheinend gleichgültig oder ablehnend angenommen wird – eine sehr wichtige unterstützende
Funktion. In diesem Sinne können Sie als Partner eines depressiven Patienten vielleicht auch die in der folgenden Aufzählung
enthaltenden „Grundsätze zum psychotherapeutischen Basisverhalten“ verstehen.
• Beachtung der eigenen Gefühle gegenüber dem Patienten
(Leere, Ärger, Angst)
• anteilnehmende Beobachtung (Mitgefühl und innere Distanz)
• dem Patienten Zeit lassen, sich selbst Zeit nehmen
• emotionale Wärme, akzeptierende Wertschätzung
• bedingungsfreies aktives Zuhören und Anhören
56
Das bedeutet: Der Patient darf depressiv sein, er darf klagen, es
darf ihm schlecht gehen, er darf weinen, verzweifelt sein, hoffnungslos. Er muss sich nicht zusammenreißen. Er soll durch das
Zuhören Zuwendung und Verständnis für sein innerseelisches
Erleben erfahren.
• beruhigende Versicherung, Stützung
• Vermittlung von realistischer Hoffnung
• gezielte Entlastung
• Anregung zu Aktivität
und Eigenverantwortung
Wenn sich der depressive Patient zum einen durch eine medikamentöse Behandlung, zum anderen durch Unterstützung und Entlastung
im Alltag und durch Zuwendung aus seiner nächsten Umgebung
stabilisiert hat, ist es Zeit, seine Heilung durch eine professionelle
Psychotherapie weiter zu fördern. Zunächst wird das therapeutische
Gespräch die Lebensumstände klären, durch die die Depression ausgelöst, gefördert und unterhalten wird. Dabei ist es auch wichtig,
die Faktoren herauszuarbeiten, die im Leben des Depressiven Stress
oder soziale Isolation verursachen. Erst nachdem der Boden, auf dem
die Depression gewachsen ist, sowohl für den Therapeuten als auch
für den Depressiven selbst erkundet ist, wird man darangehen können,
einzelne Umstände gezielt zu bearbeiten und zu verändern.
Manche Menschen wünschen sich verständlicherweise zunächst nur,
dass ihre Krankheit verschwindet, vor der Anstrengung einer intensiven Bearbeitung scheuen sie zurück. Bleiben die Ursachen jedoch
weiterhin im Dunkeln, besteht die Gefahr, dass die Depression nur
ihre Symptome ändert und sich bald in anderer Gestalt wieder zeigt.
57
Damit die Kranken den Hintergrund ihrer Depression verstehen, arbeiten sie im tiefenpsychologisch-analytischen Therapiegespräch
heraus, welche Bedingungen zur Entstehung der Störung beigetragen haben. Aber auch aktuelle Einstellungen, die Hilflosigkeit
und Depression fördern, sollen abgebaut werden. Dazu werden
verhaltenstherapeutische Methoden, vor allem das „Lernen am
Erfolg“, eingesetzt.
Wenn die Familie motiviert ist, kann auch eine Familientherapie sehr
hilfreich sein. Auf jeden Fall sollten sich die Familien Depressiver
in beratenden Gesprächen darüber informieren, wie die einzelnen
Mitglieder angemessener miteinander umgehen können.
Eine psychotherapeutische Behandlung bessert die Lage deutlich,
dauert aber meistens einige Jahre, da sich die gewonnenen Erkenntnisse für den Patienten (und seine Familie) nicht von heute auf morgen dauerhaft in den Alltag umsetzen lassen.
58
Die tiefenpsychologisch-analytische Therapie
Der wichtigste Ansatzpunkt der tiefenpsychologisch-analytischen Therapie ist das starke Bedürfnis, das der
depressive Patient nach Zuwendung
und Bestätigung hat. Im Zusammenhang mit diesem unerfüllten Bedürfnis steht eine erhöhte Verletzbarkeit,
ein herabgesetztes Selbstwertgefühl
und eine ständige Selbstentwertung
und -verurteilung. Daraus folgt nicht
nur ein Gefühl von Schwäche und
Hilflosigkeit, sondern auch eine starke
Abhängigkeit vom Partner einer Beziehung und letztendlich die Unmöglichkeit, sich gegen andere Menschen
abzugrenzen oder sich in Verlustsituationen von etwas oder von jemandem zu trennen.
Das Bedürfnis nach Zuwendung und Bestätigung kann erst erfüllt
werden, wenn der depressive Patient aufhört, sich ständig selbst zu
entwerten und zu verurteilen, und so die Anerkennung und Zuwendung, die ihm durch seine Umgebung zuteil wird, wahrnehmen und
akzeptieren kann. Dazu beleuchtet die tiefenpsychologische Therapie
den Zusammenhang zwischen der alten Depression und der Lebensgeschichte des Patienten. Der Therapeut geht mit dem Patienten in
Gesprächen bis in die Jugend und die frühe Kindheit zurück und hilft
ihm so, seine Probleme zu erkennen und zu bearbeiten. Außerdem
werden auch aktuell erlebte Kränkungen, Belastungen in bestehenden
Beziehungen oder im Arbeitsalltag besprochen und bearbeitet.
59
Im Verlauf der Therapie erkennt der Patient seine Persönlichkeitsstruktur und gewinnt die Möglichkeit, die Verhaltensweisen, die ihm
bewusst geworden sind, zu verändern. Immer wieder zu bearbeitende Themen sind bei depressiven Patienten:
•
•
•
•
die tief verankerte Selbstentwertung
die Neigung zum Perfektionismus
eine zwanghafte Überordentlichkeit
der überstarke Wunsch nach Zuwendung,
Bindung und Versorgung auf der einen Seite
• die Vermeidung von Aggressivität, Aktivität,
Eigenverantwortung und Verwirklichung der
eigenen Wünsche auf der anderen Seite
Es ist notwendig, dass in der Therapie die Gefühle, die bisher verdrängt und eingesperrt wurden, bewusst gemacht und aktuell wahrgenommen werden. Dadurch, dass der Therapeut gleichzeitig als
Spiegel, Deuter und positive Bezugsperson fungiert, kann er die Heilung der frühen Verletzungen seines Patienten unterstützen.
60
Die Verhaltenstherapie
In der Verhaltenstherapie geht es primär
um die Bewältigung der aktuellen Situation. Die Analyse und Bearbeitung vergangener psychischer Verletzungen in Kindheit und Jugend des Patienten steht hier
nicht im Vordergrund, dient jedoch zum
Aufbau eines Störungsverständnisses, auf
dessen Hintergrund eine positive Lebensentfaltung ermöglicht werden soll. Der Patient bekommt zur Unterstützung seiner Therapie häufig Hausaufgaben. Er soll aufschreiben,
in welchen konkreten Situationen welche Gedanken, Gefühle und
Stimmungen auftreten, und es wird nach stimmungsaufhellenden
Interpretationen der jeweiligen Situationen gesucht. Ein weiterer
Schwerpunkt liegt auf dem Aufbau angenehmer Erfahrungen. Dabei
geht es darum, die Häufigkeit von angenehmen Situationen zu erhöhen und so das Befinden des Patienten zu verbessern. Durch die
Verhaltenstherapie erlernt der Depressive so ein Verhalten, das eine
positive Verstärkung und die Bestätigung seiner Person durch die
Umwelt induziert. So wird er sozial kompetenter, kommunikationsund nicht zuletzt auch beziehungsfähiger.
61
Familientherapie
Die Familientherapie stellt die Situation der Familie als Gruppe in
den Mittelpunkt und hilft bei der aktiven und gemeinsamen Lösung
der Probleme. Wenn sich alle Mitglieder einer Familie gemeinsam
an die Lösung der Schwierigkeiten machen, ist oft eine fruchtbringendere Arbeit möglich, als wenn ein
Einzelner die ganze „Arbeit“ auf sich
nimmt. Die Familientherapie geht
von der grundlegenden Annahme
aus, dass das Verhalten der einzelnen Mitglieder das Beziehungsgeflecht der Familie bestimmt. Manchmal wird die Wirklichkeit verzerrt
durch festgefahrene Meinungen, die
ein Familienmitglied vom anderen hat. Kränkung und Verletzung
sind dann vorprogrammiert. Die Behandlung versucht, das Selbstwertgefühl jedes einzelnen Familienmitglieds und den Zusammenhalt aller untereinander zu stärken, die Kommunikation und den
Austausch untereinander zu verbessern und die schädigenden Beziehungsmuster zu verändern. Bei einigen Formen der Familientherapie nehmen alle Familienmitglieder
gleichzeitig an den Therapiesitzungen teil,
bei anderen widmen sich die Therapeuten nacheinander einzelnen Untergruppen
oder Mitgliedern der Familie. Häufig arbeitet ein Therapeutenpaar zusammen,
um die Interessen beider Geschlechter zu
repräsentieren. Egal, welche Art von Familientherapie ausgesucht wird – jedes
Familienmitglied erhält unparteiische Unterstützung.
62
All diese Formen der Psychotherapie – die
tiefenpsychologisch orientierte Einzeltherapie, die Verhaltenstherapie und die Familientherapie – sind bei allen Altersgruppen, bei depressiven Männern und
Frauen in gleicher Weise anwendbar
und können parallel zur medikamentösen Behandlung eingesetzt werden. Sie
erfordern allerdings eine gewisse Bereitschaft des Patienten und gegebenenfalls
auch seiner Familie, über sich selbst,
die Lebensgeschichte, immer wiederkehrende Gefühle, Gedanken und Verhaltensmuster nachzudenken und dann,
soweit möglich, Veränderungen einzuleiten – oder auch zu akzeptieren, was
gegeben ist, um eine Möglichkeit zu finden, damit zu leben.
Abgesehen davon, dass heute die meisten Ärzte bzw. Psychiater bei
Depressionen zusätzlich zur medikamentösen Therapie auch eine
Psychotherapie empfehlen und verordnen, ist es wichtig, dass der
Patient sich selbst zu seiner Psychotherapie entschließt, folglich
auch mit dem Psychotherapeuten aktiv zusammenarbeitet.
Oft fällt die Entscheidung zu einer psychotherapeutischen Behandlung erst, wenn der Leidensdruck unerträglich wird und die Aussichten schwinden, sich auf einem anderen Weg zu entlasten. Doch
für fundierte Hilfe ist es nie zu spät. Dann ist allerdings wichtig,
sich genau über die „Regeln“ einer Therapie und darüber, wo das
beste, den individuellen Bedürfnissen entsprechende Angebot zu
finden ist, zu informieren.
63
Das Verhältnis zum Psychotherapeuten
Ein professioneller Psychotherapeut steht seinen Patienten – besser
Klienten – neutral gegenüber und verhält sich in allen Situationen
dementsprechend neutral. Er hat gegenüber seinen Klienten keine
Ansprüche und Erwartungen, außer denen, dass die ihn für seine
Arbeit bezahlen und die vorab vereinbarten Regeln einhalten. Die
Beziehung zwischen Therapeuten und Klienten ist eine Arbeitsbeziehung. Dabei gründet die Therapie ausgesprochen oder unausgesprochen auf einem Arbeitsvertrag, der mit Beendigung der Therapie
ebenfalls endet.
• Therapeuten unterstützen den Klienten dabei,
über sich und seine Probleme nachzudenken.
Dabei drängen sie ihn nicht in eine bestimmte
Richtung. Der Klient entscheidet also selbst,
welche Problemlösung für ihn die richtige ist.
• Therapeuten verhalten sich gegenüber ihren
Klienten neutral – sie erwarten nicht, dass
sich aus der Therapie eine Freundschaft entwickelt.
• Das Ziel der Therapie ist die Selbstständigkeit
und Unabhängigkeit des Klienten. Der Therapeut muss sich in diesem Sinne durch seine
Arbeit nach und nach überflüssig machen.
• Genauso wie Ärzte stehen auch Psychotherapeuten unter Schweigepflicht und dürfen
nichts von dem, was sie von ihren Klienten
erfahren, an Dritte weitergeben.
64
Darstellung einer umfassenden Depressionstherapie
Medikamentöse
Therapie mit
Antidepressiva
Unterstützung
der Therapie durch:
Psychotherapie
Tiefenpsychologische
Therapie
Entspannung
Gestaltungstherapie
Musiktherapie
Ergotherapie
Bewegungstherapie
Sport, Gymnastik
Massagen
Verhaltenstherapie
Familientherapie
Unterstützung
der Therapie durch:
Angehörigenarbeit
Sozialarbeiterische
Maßnahmen
65
Übersicht über unterstützende
Therapieformen bei Depressionen
Entspannung
Bei Depressionen haben sich vor allem drei Entspannungsmethoden bewährt. Der Patient sollte mit seinem Arzt abstimmen, welche Methode für ihn die beste ist.
• Die progressive Muskelrelaxation – ein
Muskelentspannungstraining – nach Jacobson
• Das autogene Training nach Schulz
• Die Tiefenentspannung nach Milton H. Erickson
66
Kreative Therapie
Bei den kreativen Therapien geht es immer um einen nicht durch
Worte bzw. Sprache eingeschränkten Zugang zum Patienten. In der
Maltherapie kann das aktuelle Befinden und Empfinden des Kranken
ausgedrückt werden. Es können Entwicklungen, Veränderungen und
Probleme sichtbar gemacht werden, über die nicht oder noch nicht
gesprochen werden kann.
Die Musiktherapie benutzt Töne und Geräusche, die durch Instrumente oder die eigene Stimme erzeugt werden, um die eigene Befindlichkeit hörbar zu machen. Dabei können Aggressionen ausgedrückt werden, oder der depressiv Kranke kann Anderen im Klangbild
begegnen und sich austauschen.
67
Bewegungstherapie und körperorientierte Maßnahmen
Bei der Bewegungstherapie geht es
um die Wiederentdeckung des Gefühls
für den eigenen Körper und für Bewegungsabläufe. Die Wahrnehmung
der eigenen Person wird gefördert und
intensiviert. Schwimmen, Laufen und
Radfahren haben sich hier bewährt.
Sauna und Kneipp-Kuren sind hilfreich
bei depressionsbedingter Kreislaufschwäche und niedrigem Blutdruck.
Massagen helfen bei Verspannungen. Die Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens, die Intensivierung
der körperlichen Selbstwahrnehmung
und – bei Gruppenaktivitäten – auch
das Gefühl der Gemeinsamkeit wirken einzeln oder zusammen depressionslösend.
Ergotherapie
Ergotherapie vereinigt Elemente der kreativen Therapie mit körperorientierten Maßnahmen. Ziel ist, positive, lebensbejahende Tendenzen zu stärken und den Patienten wieder in den Alltag zu
integrieren. Es entsteht ein positives Selbstwertgefühl und ein Selbstbewusstsein, das sich darin äußert, dass der Patient stolz auf die
Ergebnisse seiner innerhalb der Therapie angefertigten Arbeiten
ist und z. B. sagt: ,,Das habe ich gemacht, darüber freue ich mich!“
68
Neuere biologische Therapieformen
Lichttherapie und Schlafentzug dienen einer Wiederherstellung der gestörten inneren Rhythmen und
Zeitabläufe. Beide Methoden werden vor allem in
Kliniken angewandt.
Die Finanzierung einer psychotherapeutischen
Therapie durch die Krankenkassen
Etwa 5 % der deutschen Bevölkerung braucht fachlich
fundierte psychotherapeutische Hilfe bei der Bewältigung
ihrer depressiven Störung.
Acht Prozent würden in psychotherapeutische Behandlung gehen, wenn sie durch
die Krankenkasse finanziert
werden würde. Tatsächlich
wird bei seelischen Leiden nur
wenig mehr als ein Prozent
der Bevölkerung auf Kosten
der Kassen behandelt und die
Kassen investieren nur 0,5 %
ihres Gesamtbudgets in die
psychotherapeutische
Behandlung der Versicherten.
69
Die Finanzierung einer Psychotherapie
gegenüber den Kassen durchzusetzen,
erscheint so als ein Hindernislauf über
eine lange und steinige Strecke – und
das, obwohl es auch für die Kassen längst
klar ist, dass eine rechtzeitig durchgeführte Psychotherapie langfristig Kosten
sparen hilft.
Einerseits ist diese Situation nicht akzeptabel, andererseits aber
wieder durchaus verständlich: Dadurch, dass es in der Psychotherapie noch weniger Erfolgskontrollen gibt als in der Medizin, müssen
sich die Kassen im einzelnen Fall genau darüber informieren, ob eine
Psychotherapie auch wirklich einen den Kosten entsprechenden Erfolg
verspricht. Sie verlangen also ein langwieriges und aufwendiges Antragsverfahren, durch das die Patienten und ihre Angehörigen stark
gefordert werden. Das Antragsverfahren kann von Kasse zu Kasse und
abhängig von der Art der Therapie verschieden sein. Der im Folgenden aufgezeigte Ablauf zeigt aber das grundsätzliche Prinzip.
70
Grundsätzlich finanzieren die Krankenkassen eine Psychotherapie
bei einem Arzt mit psychotherapeutischer Zusatzqualifikation oder
bei einem Diplom-Psychologen mit psychotherapeutischer Zusatzqualifikation, die eine Kassenzulassung für ein Richtlinienbehandlungsverfahren haben. Als Richtlinienbehandlungsverfahren sind
solche Verfahren anerkannt, deren Wirksamkeit durch wissenschaftliche Studien belegt ist. Zurzeit zählen dazu Psychoanalyse, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Verhaltenstherapie.
• Zunächst kann der Patient fünf probatorische Sitzungen ohne Antrag bei der Krankenkasse wahrnehmen. Kommen Therapeut und
Patient zu der Einschätzung, dass eine weitere Behandlung sinnvoll und erfolgversprechend sein könnte, stellt der behandelnde
Ärztliche oder der Psychologische Psychotherapeut einen schriftlichen Antrag an die Krankenkasse auf Kostenübernahme, dem
der separate Antrag des Patienten hinzugefügt wird.
• Der Krankenkassengutachter, in der Regel ein erfahrener Therapeut, prüft diesen Antrag und empfiehlt der Krankenkasse die
Kostenübernahme der Behandlung. Die Krankenkasse bezahlt dann
eine festgelegte Anzahl von meist erst einmal 25 Therapiestunden.
71
• Aufgrund eines Berichtes des Therapeuten über den Behandlungsfortschritt und nach Prüfung dieses Berichtes durch den Gutachter
kann die Behandlung verlängert werden.
• Ist die Therapie nach der bisher bewilligten Anzahl von Stunden
noch nicht abgeschlossen, kann eine weitere Verlängerung beantragt werden.
Einige Krankenkassen bieten ihren Mitgliedern eine Aufnahme in
ein sogenanntes „Integrierte Versorgungsnetz Depression“ an, in
dem die Leistungserbringer Krankenhäuser, niedergelassene Psychiater und Allgemeinärzte ein aufeinander abgestimmtes therapeutisches Vorgehen anbieten.
72
Ein soziales und kommunikatives Bild:
Die Beziehung in der Depression
Jede Krankheit hat eine Auswirkung auf die Beziehung des Erkrankten zu seiner Umgebung. Dies trifft in besonderem Maße auf die
Depression zu. Kaum ein anderes Krankheitsbild greift so tief in das
Zwischenmenschliche ein wie eine länger andauernde Depression.
Durch den Kontakt mit dem depressiv Kranken wird so gut wie jeder
Mensch verunsichert, weil die Kommunikation, welche durch die
Depression blockiert wird, nicht in gewohnter Weise stattfinden kann.
Partner und Angehörige, aber auch Ärzte von depressiven Patienten,
bemerken, dass sie mit dem Depressiven nicht klarkommen, weil
sie ihn nicht erreichen können.
Er reagiert nicht auf ihre Ansprache, und sie bekommen nicht die
gewohnte, sonst als selbstverständlich zu erwartende Reaktion.
Verwandte und Freunde von depressiv Kranken berichten davon, dass
sie den Depressiven aus seiner „Ohnmacht“ aufrütteln möchten,
um ihn wieder zurück in die Welt zu holen. Sie wählen dieses Verhalten, weil sie glauben, der Passivität des Depressiven aktiv be73
gegnen zu müssen, und sie sich nicht vorstellen können, wie es
im Inneren des Kranken aussieht. Durch die häufig unerschütterlich
stereotypen Reaktionen des unter der Depression Leidenden werden
sie dann vielleicht erst einmal ärgerlich und fühlen sich möglicherweise auch dafür schuldig. So kommt es für Menschen in der näheren Umgebung des Kranken zu komplizierten inneren Verwicklungen,
die zwar nicht so schwerwiegend sind, aber durchaus eine Ähnlichkeit mit den inneren Zuständen des Depressiven haben.
Vielleicht entlasten sie Ergebnisse
verschiedener wissenschaftlicher
Studien, in denen die Kommunikation von depressiven Menschen
untersucht worden ist:
Der amerikanische Psychologe James C. Coyne ließ 45 Studentinnen
mit je 15 depressiven und 15 nicht depressiven psychiatrischen Patienten sowie 15 gesunden Personen 20 Minuten lang telefonieren.
Anschließend wurden die 45 Studentinnen getestet. Die Studentinnen, die mit Depressiven telefoniert hatten, waren depressiver, aber
auch ängstlicher und ärgerlicher gestimmt als diejenigen, die mit
den nicht depressiven psychiatrischen Patienten oder den gesunden
Personen gesprochen hatten. Die Übertragung von depressiven Stimmungen, aber auch das Auslösen von Ärger scheint ein normaler, so
gut wie alle Menschen betreffender Mechanismus zu sein.
74
Eine andere Studie untersucht das Verhältnis von Ärzten und depressiven Patienten.
Dabei wurden Videoaufnahmen gemacht, anhand derer man die Körperhaltungen von
Ärzten und Patienten verglich. Es konnte gezeigt werden, dass die Ärzte ihre Bewegungen
stärker einschränkten, als dies ihre depressiven Patienten taten. Sie hielten bei den
Gesprächen mit ihren Patienten die Köpfe
im Allgemeinen tiefer gesenkt als ihre Patienten. In dieser unbewussten Überanpassung
an ein starres und gebeugtes Bewegungsmuster sah Frey vor allem eine Abwehr gegen
die im Kontakt mit den depressiven Patienten
drohende Leere und Gefühlsverunsicherung.
Bei der Besserung des Zustands der Patienten
beobachtete Frey eine schnelle Auflockerung
der auf die Ärzte übertragenen Bewegungsund Haltungsmuster.
Diese in zwei verschiedenen Studien unabhängig voneinander
gewonnenen Ergebnisse zeigen, dass depressive Stimmung und
Haltung durch bewusst, meist nicht wahrzunehmende und somit
kaum zu steuernde Mechanismen und Signale übertragen werden.
Und dass damit zu rechnen ist, dass die Depression eines Partners
oder eines nahestehenden Verwandten jeden – vielleicht mehr
oder weniger – in Mitleidenschaft ziehen und in ein Labyrinth
unbekannter und unerklärlicher Gefühle verstricken kann. Irgendwann fühlen sie sich vielleicht nach jedem Kontakt und Gespräch
mit dem Kranken ähnlich erschöpft, leer und verwirrt wie dieser
selbst. Es scheint so, als ob es hier zu einer „Gefühlsansteckung“
kommt.
75
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit dieser Übertragung der
Depression umzugehen:
Die normale Reaktion ist eine Schutzreaktion, die bei allen Menschen,
die häufig mit dem Kranken in Kontakt sind, beobachtet werden
kann. Verwandte oder Partner schützen sich durch Kritik und Kontrolle des Depressiven. Sie schaffen sich so eine Position, in der sie
sich erst einmal sicher fühlen, weil sie den Kranken und auch ihre
Gefühle auf diese Weise gut beherrschen können (Ärzte oder das
Pflegepersonal in Kliniken schützen sich oft unbewusst in einer ähnlichen Weise, indem sie sich in rein medizinische oder pflegerische
Tätigkeiten zurückziehen). Allerdings führt diese durchaus verständliche Schutzreaktion fast immer zu einer Blockade der Kommunikation. Das Problem, gegen das man sich zu schützen versucht, besteht
weiterhin. Es löst sich nicht von allein und es kommt so zu einem
Verdrängen sich anhäufender Spannungen. Wie eine Zeitbombe
tickt sie unter der Oberfläche weiter und führt, wenn schon nicht zu
einer Explosion, so zumindest zu einer Verstärkung der gegenseitigen Verunsicherung. Dieser „Teufelskreis“ lässt sich sehr einfach
darstellen. Sie sollten sich vor Augen führen, dass die normalen, oben
kurz beschriebenen Schutzreaktionen bei einem längeren Andauern
einer depressiven Erkrankung keine ausreichende Lösung sind.
76
Gaetano Benedetti sagt, dass erst aus dem Prozess der Identifikation
mit dem Patienten bis in die Entleerung hinein ein gestaltendes
Eingreifen, also ein heilender Einfluss möglich wird. Erst wenn der
Partner sich vorstellen kann, welche Leere der Patient in sich empfindet, erst wenn er dieses Gefühl nachvollziehen kann, wird er ihn
verstehen können.
Identifikation bedeutet hier also nicht Mit-Leid und mit-leiden, sondern Mitgefühl. Der Partner des depressiven Menschen findet in der
Übertragung der Gefühle einen Schlüssel und einen Zugang zum
Verständnis des Kranken. Dadurch, dass er jetzt selbst erfährt und
spürt, wie sich der Andere fühlt, kann er nun mitfühlend helfen und
so den oben aufgezeigten Kreislauf depressiver Kommunikation unterbrechen.
Daniel Hell, der hier bereits mehrfach zitierte Ärztliche Direktor der
Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, schreibt: „Wenn die Partner
von Depressiven zuerst in ausgeprägter Weise angstvoll und gereizt
reagieren, so unterscheiden sie sich in dieser gefühlsstarken Reaktion
von den depressiven Patienten, die ihre eigenen Gefühle nicht mehr
so stark erleben können. Ihre heftige emotionale Reaktionsweise
spiegelt ein Vermögen wider, das Depressiven während der Erkrankung gerade abgeht. Sie reagieren auf die erlebte Gefährdung mit
77
Angst und Wut, Trauer oder Hoffnung und haben in aller Verunsicherung eine mehr oder weniger ausgeprägte Emotionalität zur
Verfügung, die ihnen auch hilft, mit der Bedrohung fertig zu werden.
[...] Ein stark gefühlvolles Antworten des Partners muss für den
depressiven Patienten nicht von Nachteil sein [...], eine gefühlsstarke Reaktion gibt dem Patienten auch die Chance, an dieser Reaktion teilzunehmen. [...] Eine solche positive Verarbeitung setzt (beim
Depressiven) aber das Wissen voraus, vom Partner als Person akzeptiert zu sein.“
Das Akzeptieren und das Äußern der wirklichen Gefühle gibt sowohl
dem Depressiven als auch seinem Partner die Möglichkeit, aus dem
Teufelskreis der depressiven Kommunikation auszusteigen.
Vielleicht wird das, was hier als Möglichkeit eines heilsamen Einflusses des Partners auf den Kranken beschrieben ist, für den Einen
oder Anderen durch die nachfolgende Darstellung und den Vorschlag
zur Verbesserung der Kommunikation mit einem depressiven Partner
konkret und praktisch nachvollziehbar.
78
Depressive
Kommunikation
Antidepressive
Kommunikation
Gemeinsam die
Depression vertiefen
Gemeinsam aus der
Depression aufsteigen
Überlagerung depressiver
Stimmungen und Gefühle vom
Depressiven auf den Partner
Überlagerung depressiver
Stimmungen und Gefühle vom
Depressiven auf den Partner
Durch unbewusstes Erfahren der
übertragenen Gefühle entsteht
beim Partner „Mit-Leid”.
Durch bewusste Wahrnehmung der
übertragenen Gefühle entsteht
beim Partner „Mit-Gefühl”.
Der Partner schützt sich durch
Kritik und Kontrolle gegen
das „Mit-Leid”.
Der Partner erfühlt die innere
Situation des Depressiven und
akzeptiert ihn in diesem Zustand.
Der Depressive fühlt sich
abgelehnt und wehrt sich gegen
die Ablehnung, indem er sich
weiter in die Isolation
zurückzieht.
Der Partner lässt seine durch den
Zustand des Depressiven ausgelösten eigenen Gefühle zu, er
versteckt oder unterdrückt sie
nicht, sondern zeigt sie offen.
Der Depressive
und sein
Partner
versinken
gemeinsam in
der Depression.
Der Depressive fühlt sich
emotional angenommen. Ein
Dialog, in dem auch Gefühle
ausgedrückt werden, findet statt.
Eine gemeinsame Verarbeitung
und Verbesserung wird möglich.
79
Was Sie zur Verbesserung der Kommunikation
mit Ihrem depressiven Partner tun können:
Indem Sie Ihr Verhalten gegenüber Ihrem Partner bewusster gestalten, lernen Sie seine Krankheit besser zu akzeptieren und werden
auch fähig, Ihr Mitgefühl auszudrücken.
Damit Sie für sich einen eigenen Zugang finden und die Kommunikation vom Monolog zum Dialog entwickeln können, möchten wir
Ihnen Folgendes vorschlagen:
• Setzen Sie ein- oder zweimal pro Woche einen speziellen Gesprächstermin von etwa zwei Stunden an, um in dieser Zeit miteinander in Austausch zu kommen.
• Erzählen Sie Ihrem Partner, welche Gedanken, Gefühle, Sorgen
und Pläne Sie mit Ihrer Beziehung zu ihm haben.
• Nach 30 Minuten tauschen Sie. Ihr Partner erzählt nun, und Sie
hören ohne zu unterbrechen zu.
• Sie können dieses Gespräch zusätzlich durch die Fragen des folgenden 7-Schritte-Konzeptes steuern und stützen.
80
Sieben Schritte zum Dialog
Fragen zur Steuerung des Gespräches
1.
•
•
•
Problemanalyse, Situationsanalyse, Erörterung von allen Seiten
Worin besteht das Problem?
Wie lässt es sich beschreiben?
Was sind meine und deine persönlichen Interessen?
2. Zieldefinition
• Wie können wir unsere Situation zusammen verbessern?
• Welche gemeinsamen Ziele haben wir?
3. Suche von zielgerechten Problemlösungen
• Welche Ideen, Lösungsansätze haben wir?
• Welche Alternativen gibt es dazu?
4. Bewertung und Auswahl der entwickelten Vorschläge
• Wie wollen wir die Lösungen bewerten?
• Wie können wir die Lösungen umsetzen?
• Welche Vor- und Nachteile haben die vorgeschlagenen Lösungen?
81
5. Entscheidungsfindung, Finden der besten Lösung
• Auswählen der für uns besten Lösungen!
6. Erstellen eines Aktionsplanes, Umsetzung in Handlung
• Wer macht was?
• Wie soll es gemacht werden?
• Wann wird es gemacht?
7.
•
•
•
Kontrollphase, Realisierung
Wie läuft die Umsetzung?
Wo gibt es Abweichungen?
Was können wir verbessern?
Was Partner oder Angehörige von
Depressiven sonst noch tun können
und was sie lassen sollten
In der Regel befinden sich die Angehörigen eines depressiv kranken Menschen
in einer schwierigen Situation. Sie haben
keine Erfahrung mit dieser Erkrankung
und verwechseln die Depression dann mit
einer Verlust- oder Trauerreaktion. Auf
diese Weise wird die Behandlung der
Krankheit hinausgezögert. Erst nach einiger Zeit, wenn sich neben der Traurigkeit
auch andere Anzeichen der Erkrankung
bemerkbar machen, wenn z. B. anhaltende Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und
Schlafstörungen auftreten, wird erwogen
werden, einen Arzt aufzusuchen.
82
Besonders kompliziert wird diese Situation dann, wenn der – nicht
erkannte – depressiv Kranke auf die liebevolle Zuwendung seiner
Angehörigen nicht regiert. Die Angehörigen sind irritiert, weil sie das
in sich zurückgezogene Verhalten des Depressiven als Missachtung
ihrer Bemühungen interpretieren. So entsteht eine Verärgerung, die
den Depressiven zwangsläufig noch tiefer in den Rückzug treibt.
Die Eskalation der allgemeinen Situation und der Krankheit sind so
zwangsläufig miteinander verbunden. Die Angehörigen müssen, um
sich dem Depressiven gegenüber richtig verhalten zu können, wissen,
dass der Kranke unter seiner Unfähigkeit, Gefühle auszudrücken,
selbst am meisten leidet. Es geht hier nicht um eine absichtliche
Verweigerung, um Lieblosigkeit oder gar Bösartigkeit, sondern um
eine Störung, die Bestandteil und Ausdruck der Depression ist. Dieser
Zustand wird sich aber im Laufe der Therapie wieder zum Besseren
verändern. Er wird nicht ewig anhalten.
Die mit der Depression einhergehende emotionale Blockade ist
zusätzlich verbunden mit der Unfähigkeit, etwas wie gewohnt zu
tun, der Klage über diese Unfähigkeit und einer schnellen Er83
schöpfbarkeit insgesamt. All das wirkt
besonders in der ersten Zeit sehr verwirrend auf alle im Umfeld des
Depressiven befindlichen Personen.
Das Nichtkönnen wird dann gerade von
den Arbeitskollegen als Nichtwollen verkannt. Es ist wichtig, sich
immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, dass es beim Depressiven
nicht um das Nichtwollen, sondern um das Nichtkönnen geht.
Aber ähnlich wie die durch das Nichtwissen bedingte Verständnislosigkeit und ein Mangel an Fürsorge kann auch eine Überfürsorglichkeit der Gesundung des Kranken im Wege stehen, wenn sie die
Entwicklung von Eigeninitiative und Selbstverantwortlichkeit behindert. So kommt es z. B. einer Entmündigung gleich, wenn Angehörige mit dem Arzt oder mit dem Therapeuten über den Kranken
reden, wenn dieser nicht dabei ist, oder noch schlimmer, als ob
dieser nicht dabei wäre. Die Depression ist keine Geisteskrankheit,
sondern eine Gemütskrankheit, und der depressiv Kranke ist, auch
wenn er schweigt, nicht entmündigt.
Er ist kein hilfloser und grundsätzlich
lebensunfähiger Mensch. Er braucht Unterstützung im Sinne von Aktivierung
und Bestätigung und darf durch überbeschützende Maßnahmen nicht zusätzlich behindert werden. In diesem
Sinne sollten Angehörige auch keinen
Einfluss auf medizinische oder psychotherapeutische Maßnahmen ausüben.
Patient, Angehöriger und Arzt bzw. Therapeut sollten sich in einem
gemeinsamen Ziel unterstützen.
84
Wolfersdorf schreibt in seinem Buch „Depression verstehen und
bewältigen“*: „Genauso wie der Arzt die Erfahrung des Angehörigen mit seinem depressiven Partner respektieren und einbeziehen muss, sollte der Angehörige die Therapieentscheidung des
Arztes respektieren. Sinnvoll kann es dabei sein, wenn die
Angehörigen unauffällig auf die Einhaltung der Therapie achten
und für eine regelmäßige Einnahme der Medikamente und die
Durchführung der Tagesaktivitäten sorgen.
* Manfred Wolfersdorf: Depressionen verstehen und bewältigen,
Berlin 2002
Wenn die Notwendigkeit zu stationärer Behandlung besteht, sollten
Angehörige sich nicht sträuben. Es ist kein Abschieben in die Psychiatrie, sondern eine befristete, hilfreiche Maßnahme auf Zeit.
Es ist gut verständlich, dass Partner oder Angehörige von depressiven Partnern gerade dann, wenn es mit der Genesung des Kranken einmal über längere Zeit nicht vorangeht, Ratlosigkeit und
Ärger empfinden...“ Dann sind Informationen, wie sie hier und
in den am Ende dieser Broschüre empfohlenen Büchern gegeben
werden, wichtig. Eine große Hilfe kann aber auch der Austausch
mit anderen Angehörigen von Depressiven sein; hierzu werden
von verschiedenen psychiatrischen Kliniken und Angehörigen
Selbsthilfegruppen angeboten.
85
Verhaltensempfehlungen für Partner von Depressiven
Die negativen Empfindungen des Depressiven (z. B. Klagen über
Unlust, körperliche Beschwerden, Schlaflosigkeit) nicht bagatellisieren, wegdeuten oder ausreden. Kein platter Trost oder triviale
Aufmunterungen. Keine weiteren Aufheiterungsmanöver, wenn erste
Versuche nicht fruchten.
• Die momentane Hoffnungslosigkeit des Depressiven als ein Zeichen
des depressiven Zustandes nehmen, realistisch Hoffnung auf ein
Ende der Depression geben.
• Nicht an den Willen appellieren. Nicht sagen, der Depressive solle
sich zusammennehmen; er könne schon, wenn er nur wolle. Ihn
hingegen spüren lassen, dass er kein Versager ist, dass er nicht an
seiner gegenwärtigen Befindlichkeit Schuld hat.
86
• Nicht an Tugenden wie Glaube oder Verantwortung appellieren.
• Dem schwer Depressiven Entscheidungen abnehmen, wenn sie
ihm qualvoll sind. Ruhige, bestimmte, sichere Führung. Nötigenfalls selber Arztbesuch organisieren und ihn dorthin begleiten.
• Keinesfalls lebenswichtige Entscheidungen während der depressiven Episode treffen lassen, wie z.B. Berufswechsel, Scheidung,
Kinder bekommen etc.
• Nur angemessene Entlastung im Beziehungs- und Berufsbereich
(außer bei schweren Depressionen). Keine einschneidende Veränderung der bisherigen Lebensgewohnheiten.
• Einfühlendes Verständnis zeigen, wenn der Depressive Schwierigkeiten hat, etwas zu tun, ihn jedoch darin unterstützen, dass
er eigene und realistisch angesetzte Aufgaben durchführt. Den Depressiven auf alles, was ihm gelungen ist, aufmerksam machen
– ohne triumphierenden Ton.
• Auf eine regelmäßige, rhythmische Gliederung des Tagesablaufs
achten (aufstehen, arbeiten, essen, zu Bett gehen), die auch an
Fest- und Feiertagen beibehalten werden sollte.
• Den Depressiven unterstützen, dass er am Morgen nicht regelmäßig im Bett liegen bleibt, sich am Abend nicht zu früh ins Bett
zurückzieht und sich während des Tages nicht völlig isoliert.
• Den Depressiven unterstützen, sich regelmäßig, etwa 1 x täglich 15-30 Minuten an frischer Luft zu bewegen. Begleiten Sie
ihren Angehörigen dabei. Bewegung ist für jeden gesundheitsfördernd.
87
• Selbstständige
Körperpflege
unterstützen.
• Bei nicht zu schweren Depressionen evtl. die Atmung anregen
(Atemtherapie, Schwimmen). Eventuell spezifische Massage, z. B.
Nacken, Bauch.
• Verständnis dafür zeigen, dass sexuelle Gefühle während der Depression schwinden oder verloren gehen.
• Sich im Umgang mit Depressiven nicht entmutigen lassen, z. B.
wenn man spürt, dass der Depressive auf alles nur negativ reagiert
und alles abwertet. Beziehung nicht verdünnen oder gar abbrechen, wenn die verbale Verständigung stockt.
• Vorgespielte Fröhlichkeit, Umtriebigkeit, dralle Aktivität im Zusammensein mit dem Depressiven vermeiden.
• Äußerungen vermeiden, die den Depressiven lächerlich machen
könnten, die bei ihm Schuldgefühle wecken oder ihn bloßstellen.
Keine Vorwürfe oder Vorhaltungen. Daran denken, dass er sehr
empfindlich und verletzbar ist und leicht heraushört, er sei nichtswürdig und unwert.
• Vorsicht mit Ironie, Sarkasmus und sogenannten harmlosen Scherzen.
Der Sinn für Humor geht in der Depression oft verloren.
• Nicht auf das Grübeln über vergangene Ereignisse eingehen. Während einer schweren depressiven Phase nicht nach Anlässen und
Gründen für die Verstimmung forschen. Möglichst in der Gegenwart, beim aktuellen Empfinden bleiben.
88
• Wenn der Depressive weinen kann (was viele Depressive nicht
können), fördern, dass er sich ausweint. Die Tendenz, dass er
immer Selbstbeherrschung von sich verlangt, nicht unterstützen.
• Kreativen Selbstausdruck (Malen, Musik, Tanz) erst dann und nur
dann fördern, wenn der Depressive selbst danach Verlangen hat.
Diese Liste von Empfehlungen wird nicht in allen Punkten auf jeden
Fall zutreffen. Es handelt sich vielmehr um Empfehlungen, die individuell auf eine spezielle Situation angepasst werden können.
89
Wie können Partner oder Angehörige eine
Suizidgefährdung (Selbsttötungsgefahr)
erkennen?
Die Depression ist eine mittlerweile gut zu behandelnde Krankheit,
trotzdem ist sie durchaus lebensgefährlich. Untersuchungen belegen, dass 40 bis 60 % der Menschen, die sich jährlich in Deutschland
das Leben nehmen, zum Zeitpunkt ihres Suizids an einer Depression
leiden. Von den an einer Depression schwer erkrankten Patienten –
die dann auch in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden müssen – sterben heute noch bis zu 15 % durch Suizid. Todeswünsche
und Selbsttötungsideen findet man bei etwa 60 % aller stationär
behandelten depressiven Patienten*. Ärzte und Angehörige depressiver Patienten müssen deshalb die Äußerung von Todeswünschen
oder Selbsttötungsabsichten sehr ernst nehmen, mit dem Kranken
auch darüber reden und dann entsprechende Vorkehrungen treffen.
* Hans Wedler et al.: Therapie bei Suizidgefährdung, Regensburg 1992
Wichtige Anzeichen sind direkte oder indirekte Ankündigungen:
Äußerungen über Hoffnungslosigkeit, nicht mehr leben wollen, keine
Freude mehr am Leben haben. Typische Äußerungen sind dann z. B.:
90
• „Wenn ich nicht mehr arbeiten kann,
tauge ich nichts mehr, und es ist das
Beste, ich tu mich weg.“
• „Jetzt hat er mich verlassen, ich bin
ihm nichts mehr wert. Mich mag sowieso keiner, ich bin ja keinem etwas
wert, ich bin nichts wert. Das Beste
ist, ich bringe mich um.“
• „Einschlafen ja, nicht mehr aufwachen. Selber was tun, das würde ich
nicht, das kann ich nicht. Ja, ich habe schon daran gedacht, mich umzubringen, wenn das nicht besser
wird.“
• „Es ist das Beste für meine Familie,
wenn es mich nicht mehr gibt. Ich
bin doch nur eine Last, und es wird
nicht besser. Dann kann mein Mann
eine neue Frau nehmen, und für
die Kinder ist gesorgt.“
Geht eine Depression mit Wahnvorstellungen einher, z.B. mit dem
Gefühl von Straferwartung, von elendigem Zugrundegehen, von selbstverschuldeter Verarmung und Katastrophe der Familie, oder liegt
Hoffnungslosigkeit vor, dass einem nicht mehr geholfen werden
könne, ist von einem erhöhten Risiko auszugehen. Auch Vorbereitungen, bisher Versäumtes in Ordnung zu bringen, das Schreiben von
Testamenten, die Klärung von Versicherungsangelegenheiten usw.
können direkte Hinweise auf Suizidgefahr sein.
91
Was können Partner und Angehörige
zur Suizidverhütung tun?
Viele Menschen haben Hemmungen, direkt nach Selbstmordgedanken zu fragen. Dabei ist das direkte, offene und ernsthafte Nachfragen
die einzige Möglichkeit, Klarheit über die aktuelle Situation zu bekommen. Nur ernsthafte Gespräche und Hilfsangebote können das
Vertrauen schaffen, das notwendig für den Depressiven ist, um das
Wagnis einzugehen, wieder Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen. Jedes bagatellisierende Verhalten, eine Verkleinerung oder Verharmlosung des Leids fördert die Grundstimmung der Hoffnungslosigkeit.
Fehler im Umgang mit suizidgefährdeten Depressiven
• Vermeiden von direkter Nachfrage
• Vergessen zu fragen, Nichtbeachten von Zeichen
• Mangelnde Untersuchung der Umstände,
die zur Suizidgefährdung führen
• Verharmlosung von Not und Krise, Unterstützen
der Verharmlosungstendenzen des Patienten
• Ablehnung des Patienten als nicht krank
• Einstufung des Suizidgefährdeten als Versager
oder Erpresser
92
Das Gespräch muss sehr konkret, direkt und einfühlsam geführt
werden; ähnlich, wie es in den folgenden Beispielen geschieht:
„Ich nehme wahr, dass es dir sehr schlecht geht, und du machst auf
mich einen hoffnungslosen Eindruck. Hast du schon einmal überlegt, deinem Leben ein Ende zu setzen und dir das Leben zu nehmen? Wie ist es jetzt? Gibt es etwas oder außer mir noch jemanden,
der dir in dieser Krise hilfreich zur Seite stehen könnte?“
Oder:
„Du erscheinst mir hoffnungslos. Hast du schon einmal daran gedacht, dir das Leben zu nehmen? Wie ist es jetzt? Ich mache mir
Sorgen, und ich überlege, wie ich dich unterstützen kann, wieder
neuen Lebensmut zu fassen. Hast du eine Idee, wie ich das tun
könnte?“
Es ist eine konkrete Erfahrung, dass Patienten froh darüber sind, auf
ihre Suizidgedanken angesprochen zu werden. Sie sagen dann im
Nachhinein häufig:
„Gut, dass ich darauf angesprochen worden bin – ich hätte es von
mir aus nicht sagen können.“
93
Manchmal versuchen die Kranken, ihre Suizidgedanken zu verharmlosen: „Ach, nimm das nicht so ernst, das tue ich schon nicht, das
geht mir nur jetzt gerade durch den Kopf.“ Dabei besteht die Gefahr,
dass sich Patient, Therapeut und Angehörige über das Ausmaß der
Gefährdung täuschen und notwendige Maßnahmen unterbleiben.
Besteht eine Selbsttötungsgefahr, müssen sofort Hilfsmaßnahmen
eingeleitet werden:
Es muss eine Gesprächsmöglichkeit
geschaffen werden. Die Suizidabsicht
muss als Notsignal offen und direkt,
aber einfühlsam ausgesprochen werden. Betonen Sie die Bindung im Leben des Suizidgefährdeten und vor
allem auch die Hoffnung auf eine zu
erwartende Besserung. Versuchen Sie
im Gespräch herauszustellen, was den
Kranken noch hält und bindet. Sind
es Bindungen nach außen – z.B. die
Kinder, Verwandte oder die berufliche
Situation? Gibt es auch eine innere
eigene Hoffnung? Kann es wieder besser werden? Hat der Kranke das schon einmal erlebt und überlebt?
Gibt es noch irgendwelche Wünsche, für deren Erfüllung es sich zu
leben lohnt? Wenn Sie im Gespräch erst einmal so weit gekommen
sind, dann stehen Fragen nach den Veränderungen in der jetzigen
Situation an: Was soll sich ändern? Wie soll es sich ändern? Wie
viel Zeit gibt der Kranke sich? Wie viel Hoffnung hat er? Hierher
gehören auch die Fragen nach den Zukunftsperspektiven: Wie soll es
in einem Jahr in seinem Leben aussehen? Versuchen Sie möglichst
genau über die Zukunftsvorstellungen des Depressiven zu sprechen. Stellen Sie Fragen, und hören Sie aufmerksam zu.
94
Außerdem müssen Sie, falls es noch nicht geschehen ist, den Kranken zum Aufsuchen eines Arztes bewegen bzw. den behandelnden
Arzt so schnell wie möglich von der Suizidgefährdung informieren,
um mit ihm zusammen eine Entscheidung über eine mögliche Einweisung herbeizuführen.
Das einfühlsame und ausführliche Gespräch mit
dem depressiv Kranken ist die Grundlage für alle
weiteren Schritte. Sie können in diesem Gespräch vieles tun, um über die akute Gefahr
der Selbsttötung hinwegzukommen und den
suizidgefährdeten Depressiven in kompetente
Fürsorge zu bringen. Manchmal ist dabei auch
die Einweisung in die psychiatrische Klinik gegen den Willen des Kranken nötig. Im Sinne
der Lebensrettung sollte dies rasch geschehen.
Ohne Schuldgefühle und ohne dieses falsche
Verständnis von menschlicher Freiheit, das lebensgefährlich wird, wenn Sie in einer derartigen Krisensituation meinen: Jeder könne
tun, was er wolle, auch wenn er für sich selbst
nicht mehr die Verantwortung tragen kann und
sich dann in seiner Depression umbringt.
95
Verhalten bei akuter Selbsttötungsgefahr
• Selbsttötungsdrohungen, besonders konkret formulierte, müssen
immer ernst genommen werden.
• Sie müssen nicht selbst Problemlösungen finden; wichtiger ist
das aufmerksame Zuhören und das einfühlsame und ernsthafte
Nachfragen. Gut gemeinte Ratschläge, „Moralpredigten“ und Aufmunterungsversuche drängen den Selbstmordgefährdeten nur
immer tiefer in seine Ausweglosigkeit zurück.
• Teilen Sie Ihre eigenen Gefühle angesichts der Selbstmorddrohung
ehrlich mit, auch wenn Sie damit in Widerspruch zu den Äußerungen des Verzweifelten geraten.
• Nach einem glücklicherweise fehlgeschlagenen Selbstmordversuch
braucht der Depressive Ehrlichkeit, Offenheit und Respekt. Es wäre
völlig falsch, ihm bei der Vertuschung seiner verzweifelten Situation zu unterstützen und vielleicht so zu tun, als ob der Selbsttötungsversuch nur ein Versehen oder ein Unfall gewesen wäre.
Fragen Sie offen nach den Gründen und Problemen, die die Lebenssituation scheinbar aussichtslos gemacht haben. Verbergen
Sie dabei auf keinen Fall Ihre eigenen Gefühle von Wut, Hilflosigkeit, Angst, Schuld und Liebe.
• Wenn Sie sich durch den Selbstmordgefährdeten überfordert oder
sogar erpresst fühlen, sollten Sie nicht zögern, sich weitere Hilfe
durch Außenstehende zu holen.
• Zu Ihrer eigenen, notwendigen seelischen Entlastung ist es wichtig,
mit vertrauten Personen über den Selbstmordversuch zu sprechen
und ihn nicht als „Schande“ zu verheimlichen.
96
Die Therapie der Depression ist heute so vielschichtig und umfassend wie die Erkenntnisse über ihre Ursachen. Die Kombination verschiedener Methoden trägt dem Rechnung und ergänzt sich häufig
so, dass es zu einer schnelleren, umfassenderen und tiefgreifenderen
Besserung kommt. Im Zusammenhang mit dieser Erfahrung wird
heute neben der eigentlichen Behandlung das Management der Behandlung immer wichtiger. Der erste und wichtigste Schritt dabei
ist die Motivation und Aktivierung des Betroffenen und seiner Angehörigen. Ohne ihre Einbeziehung und ihr aktives Einverständnis hat
auch das beste Therapiekonzept kaum eine Perspektive.
In diesem Sinne verstehen sich
dann auch die folgenden Hinweise auf Adressen und Bücher.
Sie sind eine Unterstützung bei
der Suche nach einem eigenen
Weg, der dann zusammen mit
dem die Therapie koordinierenden und überwachenden
medizinischen Spezialisten beschritten werden kann.
97
Adressen
Allgemeine Informationen
und Nachbetreuung
Krisenintervention
Dachverband Psychosozialer
Hilfsvereinigungen e.V.,
Bundesverband Psychiatrieerfahrener e.V. und
Bundesverband der Angehörigen
psychisch Kranker e.V.
gemeinsame Adresse:
Thomas-Mann-Straße 49 a
53111 Bonn
Tel.: 0228/63 26 46
Fax: 0228/65 80 63
E-Mail: dachverband@psychiatrie.de
Homepage:
www.dachverband@psychiatrie.de
Telefonnummern der städtischen
Notdienste für Krisenintervention
und Selbstmordverhütung über die
Auskunft oder die DGS
Deutsche Gesellschaft für
Suizidprävention (DGS)
– Hilfe für suizidgefährdete
Kinder und Jugendliche e.V.
z.H. Herrn Michael Witte
(Geschäftsführer)
Nikolsburger Platz 6
10717 Berlin
Tel.: 030/8730 111
(Mo - Fr, 9.00 - 18.00 Uhr)
Fax: 030/8734 215
Homepage: www.neuhland.de
Telefonseelsorge Berlin
– Konfliktberatung und
Selbstmordverhütung e.V.
Nansenstr. 27
12047 Berlin
Büro-Tel.: 030/613 50 23
(Mo - Fr, 9.00 - 15.00 Uhr)
Fax: 030/624 97 41
Telefonseelsorge: 0800/111 0 111 freecall
Homepage:
www.telefonseelsorge-berlin.de
Notruf und
Telefonseelsorge
Notrufdienste sind rund um die
Uhr besetzt. In den meisten
Großstädten Deutschlands gelten
die einheitlichen Rufnummern
0 800 - 111 0 111 und 0 800 - 111 0 222
gebührenfrei.
98
Selbsthilfegruppen
NAKOS
Nationale Kontakt- und
Informationsstelle zur Anregung
und Unterstützung von
Selbsthilfegruppen
Wilmersdorfer Str. 39
D – 10627 Berlin
Tel.: 030 / 31 01 89 60
Fax: 030 / 31 01 89 70
Dienstag, Mittwoch und Freitag
von 9 bis 13 Uhr;
Donnerstag von 13 bis 17 Uhr
E-Mail: selbsthilfe@nakos.de
Homepage: www.nakos.de
Psychotherapeutische
Anlaufstellen
(Therapievereine, Selbsthilfegruppen,
Institutionen und Therapeuten)
Psychotherapie – Informationsdienst
(PID)
Heilsbachstraße 22
53123 Bonn
Tel.: 0228/74 66 99
Fax: 0228/64 10 23
E-Mail: pid@psychotherapiesuche.de
Homepage:
www.psychotherapiesuche.de
Psychoanalytische
Verfahren
Deutsche Gesellschaft für
Psychoanalyse, Psychotherapie,
Psychosomatik und
Tiefenpsychologie e.V. (DGPT)
Johannisbollwerk 20/III
20459 Hamburg
Tel.: 040/319 26 19
Fax: 040/319 43 00
Homepage: www.dgpt.de
Deutsche Psychoanalytische
Gesellschaft e.V.,
gegründet 1910 (DPG)
z.H. Prof. Dr. Jürgen Körner
Arnimallee 11
14195 Berlin
DPG-Sekretariat: Frau Erika Lück
Tel.: 030/838 52 77
(Mo - Do, 8.00 - 12.00 Uhr)
Fax: 030/838 75 481
E-Mail: koerner@zedat.fu-berlin.de
Homepage: www.dpg-psa.de
Tiefenpsychologische
Gruppentherapie
Deutscher Arbeitskreis für
Gruppenpsychotherapie und
Gruppendynamik (DAGG)
Landaustraße 18
34121 Kassel
Tel.: 0561/28 45 67
Fax: 0561/28 44 18
E-Mail: dagg.ks@t-online.de
Homepage: www.dagg.de
Gesellschaft für analytische
Gruppendynamik e.V.(GaG)
Rankestraße 4
80796 München
Tel.: 089/30 53 05
Fax: 089/30 53 05
E-Mail: gag-muenchen@t-online.de
Homepage: www.gag-muenchen.de
Tiefenpsychologische
Verfahren nach Jung
Deutsche Gesellschaft für
Analytische Psychologie,
C.G. Jung-Gesellschaft (DGAP)
Alexanderstraße 92
70182 Stuttgart
Tel.: 0711/24 28 29
Fax: 0711/24 13 60
E-Mail: dgap@cgjung.de
Homepage: www.cgjung.de
99
Verhaltenstherapie
und kognitive Verhaltenstherapie
Deutscher Fachverband
für Verhaltenstherapie e.V.
Salzstraße 52
48143 Münster
Tel.: 0251/44 075
Fax: 0251/44 074
E-Mail: DVT@verhaltenstherapie.de
Homepage: www.verhaltenstherapie.de
Deutsche Gesellschaft für
Verhaltenstherapie e.V. (DGVT)
Neckarhalde 55
72070 Tübingen
Tel.: 07071/943 40
Fax: 07071/943 435
E-Mail: dgvt@dgvt.de
Homepage: www.dgvt.de
AVM
Arbeitsgemeinschaft für
Verhaltensmodifikation e. V.
Dr.-Haas-Straße 4
96047 Bamberg
Telefon: 0951/208 52 11
Telefax: 0951/208 52 15
E-Mail: info@avm-d.de
info@avm-d.de
Internet: www.avm-d.de
Deutsches Institut für
Rational-Emotive und Kognitive
Verhaltenstherapie
(DIREKT e.V.)
Müllersweg 14
97249 Eisingen
Tel.: 09306/32 98
Fax: 09306/32 98
E-Mail: revt.direkt@t-online.de
Homepage: www.ret-revt.de
100
Gesprächspsychotherapie
nach Rogers
Gesellschaft für wissenschaftliche
Gesprächspsychotherapie e.V. (GwG)
Melatengürtel 125a
50825 Köln
Tel.: 0221/92 59 08-0
Fax: 0221/25 12 76
E-Mail: gwg@gwg-ev.org
Homepage: www.gwg-ev.org
Gestalttherapie
Europäische Akademie
für psychosoziale Gesundheit (EAG) /
Fritz Perls Institut (FPI)
Wefelsen 5
42499 Hückeswagen
Tel.: 02192/85 80
Fax: 02192/858 22
E-Mail: EAG.FPI@t-online.de
Homepage:
www.intergrative-therapie.de
Deutsche Vereinigung
für Gestalttherapie (DVG)
Geschäftsstelle
Grünberger Str. 14
10243 Berlin
Tel.: 030/740 78 284
Fax: 030/740 78 285
E-Mail: info@dvg-gestalt.de
Homepage: www.dvg-gestalt.de
Gesellschaft für Gestalttheorie
und ihre Anwendungen e.V. (GTA)
Lindenhofweg 19
88131 Lindau
Tel.: 08382/259 76
Fax: 08382/259 76
E-Mail: gestalttheorie.gta@t-online.de,
Kaestl.dagp@t-online.de
Feministische Therapie
Feministisches
Frauengesundheitszentrum e.V. (FFGZ)
Bamberger Straße 51
10777 Berlin
Tel.: 030/213 95 97
Fax: 030/214 19 27
E-Mail: ffgzberlin@snafo.de
Homepage: www.ffgz.de
Verhaltenstherapeutische
Ehe- und Paartherapie
Deutsche Gesellschaft
für Verhaltenstherapie e.V. (DGVT)
Neckarhalde 55
72070 Tübingen
Postfach 1343
Tel.: 07071/943 40
Fax: 07071/94 34 35
E-mail: dgvt@dgvt.de
Homepage: www.dgvt.de
Hypnose und suggestive
Verfahren: Hypnotherapie
Deutsche Gesellschaft für
Hypnose und Hypnotherapie e.V. (DGH)
Druffelsweg 3
48653 Coesfeld
Tel.: 02541/880760
Fax: 02541/70 008
E-Mail:
DGH-Geschaeftsstelle@t-online.de
Homepage: www.hypnose-dgh.de
Milton Erickson Gesellschaft
für Klinische Hypnose (M.E.G.)
Waisenhausstraße 55
80637 München
Tel.: 089/34 02 97 20
(Mo, Mi, 9.30 – 11.00)
Fax: 089/34 02 97 19
E-mail:
monika-kohl@meg-hypnose.de
Homepage:
www.milton-erickson-gesellschaft.de,
www.meg-hypnose.de
Körper- und
Bewegungsverfahren:
Feldenkrais-Methode
Feldenkrais-Gilde
Jägerwirtstraße 3
81373 München
Tel.: 089/523 101 71
Fax: 089/523 101 72
E-Mail: info@feldenkrais.de
Homepage: www.feldenkrais.de
Körper- und
Bewegungsverfahren:
Bioenergetik
Deutscher Verband für Bioenergetische
Analyse e. V. (DVBA)
Herr Sollmann
Höfestr. 87
44801 Bochum
Tel.: 0234/383828
Fax: 0234/384704
E-Mail: sollmann@dvba.de
Internet: www.dvba.de
101
Musiktherapie,
Integrative Musiktherapie
Deutsche Gesellschaft
für Musiktherapie e.V. (DGMT)
Bundesgeschäftsstelle
z.H. Frau Hannelore Allers
Libauer Straße 17
10245 Berlin
Tel.: 030/294 924 93
(Mo - Do, 9.00 - 12.00 Uhr;
Fr, 12.00 - 18.00 Uhr)
Fax.: 030/294 924 94
E-Mail: info@musiktherapie.de
Homepage: www.musiktherapie.de
BVM-Geschäftsstelle Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten
in Deutschland e.V. (BMV)
Postfach 1146
86956 Schongau
Tel.: 08861/240725
Fax: 08661/240726
E-Mail:
bvm-geschaeftsstelle@t-online.de
Homepage:
www.musiktherapie-bvm.de
Tanztherapie
Deutsche Gesellschaft
für Tanztherapie (DGT)
Königsberger Straße 60
50259 Pulheim
Tel.: 02234/83 008
(Mo, Mi, 10.00 - 13.00 Uhr)
E-Mail: office@dgt-tanztherapie.de
Homepage: www.dgt-tanztherapie.de
102
Bücher
Literarisches
Bachmann, Ingeborg
Der Fall Franza.
Ein Requiem für Fanny Goldmann
Piper Verlag, München, 2004
Weiterführende Literatur
Bareiter, Katharina
Depression, Rückzug aus dem Leben.
Aufzeichnungen.
(Die Frau in der Gesellschaft).
Fischer-Taschenbuch Verlag,
Frankfurt/M., 1992
Bachmann, Ingeborg
Malina
Suhrkamp Verlag KG,
Frankfurt/M., 2004
Beck, A.T.
Liebe ist nie genug. Mißverständnisse
überwinden. Konflikte lösen.
Beziehungsprobleme entschärfen.
Dtv, München, 1994
Cardinal, Marie
Schattenmund
Rowohlt Taschenbuch Verlag,
Hamburg, 1999
Beck, D.
Die Kurzpsychotherapie.
Hans Huber, Bern, Stuttgart,
Wien, 1993
Gontscharow, Iwan
Green Oblomow
Dtv, München, 1998
Bilden, H.
Das Frauentherapie-Handbuch.
Frauenoffensive, München, 2002
Kafka, Franz
Die Verwandlung
Anaconda, 2005
Dtv, München 1997
Mentor Verlag,
München, 1996
Suhrkamp Verlag KG,
Frankfurt/M., 1999
Billig, N.
Depressionen im Alter.
Früherkennung und Behandlung.
Fischer, Frankfurt/M., 1994
Mann, Thomas
Die Betrogene
Fischer Taschenbuch Verlag,
Frankfurt, 1991
Molière
Der eingebildete Kranke
Insel Verlag, Frankfurt/M., 1987
Strauß, Botho
Die Widmung
dtv Taschenbuch Verlag,
München, 1984
Blum, Dorothea
Und wo bleibe ich? Leben mit
depressiven Menschen.
Ein Leitfaden für Angehörige.
Deutscher Verein für
Gesundheitspflege, 2004
Brenner, H.
Progressives Entspannungstraining
Pabst Science Publishers, 2002
Camenzind, E.; von den Steinen, U.
Frauen verlassen die Couch.
Feministische Psychotherapie.
Kreuz, Zürich, 1989
103
Cleve, Jay
Licht am Ende des Tunnels.
Wie Depressive und ihre Angehörigen
sich selbst helfen können.
H. Huber, Bern, 2000
Dowling, Colette
Befreite Gefühle. Neue Wege aus
Depression, Angst und Abhängigkeit.
Fischer-Taschenbuch Verlag,
Frankfurt/M., 1994
Frenzel, P.; Schmidt,
P. F.; Winkler, M. (Hrsg.)
Handbuch der personenzentrierten
Psychotherapie.
Edition Humanistische Psychologie,
Eschweiler, 1992
Geisel, Elisabeth
Tränen nach der Geburt.
Wie depressive Stimmungen
bewältigt werden können.
Kösel, München, 1997
Dunnewold, Ann
„Ich würde mich so gerne freuen.“
Verstimmungen und Depressionen
nach der Geburt.
TRIAS, Stuttgart, 1996
Gilbert, Paul
Depressionen verstehen
und bewältigen.
Hogrefe Verlag, Göttingen, 1999
Elhardt, S.
Tiefenpsychologie. Eine Einführung.
Kohlhammer, Stuttgart, 2005
Goldmann-Posch, Ursula
Tagebuch einer Depression
Droemer Knaur, 2001
Faust, Volker
Schwermut.
Hirzel, Stuttgart, 1999
Haak, Anke
Nimm meine Hände.
Leben mit Angst und Depression.
Books on Demand GmbH,
Norderstedt, 2001
Faust, Volker
Blickpunkt Angststörungen,
Depressionen, Somatisierungsstörungen, Schlafstörungen.
Aesopus, 2000
Feldenkrais, M.
Das starke Selbst.
Anleitung zur Spontaneität.
Suhrkamp, Frankfurt/M., 1992
Flach, Frederic F.
Depression als Lebenschance.
Seelische Krisen und wie man
sie nutzt.
Rowohlt-Taschenbuch Verlag,
Reinbek, 2000
104
Hahnfeld, Ingrid
Höllenfahrt. Tagebuch einer
Depression.
Fischer-Taschenbuch Verlag,
Frankfurt/M., 1998
Hegi, F.
Improvisation und Musiktherapie.
Wirkungen von freier Musik.
Junfermann Verlag, Paderborn, 1997
Hell, Daniel
Welchen Sinn macht Depression?
Ein integrativer Ansatz.
Rowohlt-Taschenbuch Verlag,
Reinbek, 1994
Herzog, Dagmar
Die Kraft der Emotionen.
Gräfe u. Unzer, München, 2001
Hesse, Andrea M.
Schatten auf der Seele.
Herder, Freiburg, 2002
Hömmen, C.
Mal sehen, ob ihr mich vermißt.
Rowohlt, Reinbek, 1989
Horie, Michiaki
Depression, Wege aus dem Dunkel.
R. Brockhaus, Haan, 1997
Huang, A.
Lebensschwung durch Tai-Chi.
O. W. Barth Bei Scherz,
München, 1979
Huber, Winfried
Probleme, Ängste, Depressionen.
Beratung und Therapie bei
psychischen Störungen.
H. Huber, Bern, 1992
Jacodi, J.
Die Psychologie von C. G. Jung.
Eine Einführung in das Gesamtwerk.
Fischer, Frankfurt/M., 1977
Jamison, Kay Redfield
Meine ruhelose Seele.
Die Geschichte einer Depression.
Bertelsmann Verlag, München, 2002
Jansen, Peter
Mein Weg aus der Depression.
R.G. Fischer Verlag, 1999
Kast, V.
Die Dynamik der Symbole. Grundlagen
der Jungschen Psychotherapie.
Walter Verlag, Olten, 2001
Kaufmann, Heinrich
Depressionen, was tun? Ein kleiner
Leitfaden für Angehörige.
Brunnen-Verlag, Gießen, 1997
Kaufmann-Mall, Klaus
Wege aus der Depression.
Hilfe zur Selbsthilfe.
Beltz, 2003
Köster, Rudolf
Das seelische Tief überwinden.
Ein Leben – frei von Depression.
Herder, Freiburg, 2000
Krohne, Heinz W.
Angst und Angstbewältigung.
Kohlhammer, Stuttgart, 1996
Kuiper, Piet C.
Seelenfinsternis.
Die Depression eines Psychiaters.
Fischer-Taschenbuch Verlag,
Frankfurt/M., 1995
Kulitza, Karl
Ich hatte Depressionen.
Ullstein-Taschenbuch Verlag,
Berlin, 1997
Federspiel, Krista;
Lackinger Karger, Ingeborg
Kursbuch Seele.
Was tun bei psychischen Problemen?
Kiepenheuer & Witsch, Köln, 1996
Josuran, Ruedi
Mittendrin und nicht dabei.
Mit Depression leben lernen.
Econ Tb, 2003
105
Lange-Ernst, Maria-E.
Depressionen und Angsterkrankungen
wirksam behandeln.
Medizinische Grundlagen verständlich
erklärt.
Midena Verlag, München, 2002
Lehmann, Andreas
Depressionen und was man dagegen
tun kann.
Ein Ratgeber für Betroffene und
Angehörige.
Lambertus, Freiburg, 1993
Lowen, A.
Bioenergetik für jeden.
Das vollständige Übungshandbuch.
102 Übungen
Kirchheim, München, 2006
Moser, T.
Kompaß der Seele. Ein Leitfaden für
Psychotherapie-Patienten.
Suhrkamp, Frankfurt/M., 1986
Niklewski, Günter
Depressionen überwinden.
Ein Ratgeber für Betroffene,
Angehörige und Helfer.
Stiftung Warentest, Düsseldorf, 2005
Nissen, Gerhardt
Depressionen.
Ursachen – Erkennung – Behandlung.
Kohlhammer, Stuttgart, 1999
Noy, Gisela
Grauzeit.
Mein Weg aus der Depression.
Psychiatrie-Verlag, Bonn, 2000
Lowen, A.
Depression. Unsere Zeitkrankheit.
Ursachen und Wege der Heilung.
Kösel, München, 1987
Nuber, Ursula
Depression. Die verkannte Krankheit.
Dtv, München, 2006
Mays, John Bentley
Mein Leben mit der Depression.
Piper, München, 2001
Perls, F. S.
Gestalt, Wachstum, Integration.
Junfermann, Paderborn, 1992
Mays, John Bentley
In den Fängen der schwarzen Hunde.
Mein Leben mit der Depression.
Piper, München, 2002
Peseschkian, Nossrat
Angst und Depression im Alltag.
Fischer-Taschenbuch Verlag,
Frankfurt/M., 1998
Mertens, W.
Schlüsselbegriffe der Psychoanalyse.
Klett-Cotta, Stuttgart, 1997
Petzold, H.
Integrative Therapie 3 Bände
Junfermann, Paderborn, 2004
Miketta, G.
Netzwerk Mensch. Den Verbindungen
von Körper und Seele auf der Spur.
Rowohlt, Reinbek, 1994
Petzold, H.
Psychodrama Therapie.
Junfermann, Paderborn, 1985
106
Popp, Georg
Die Macht der kleinen Schritte.
Hilfen zur Bewältigung von
Ängsten und Problemen.
Gütersloher Verlagshaus,
Gütersloh, 2000
Quinnet, P.
Mit dem Leben Schluß machen?
Herder, Freiburg, 1990
Real, Terrence
Mir geht’s doch gut.
Scherz, München, 1999
Richter, Thomas
Leben mit einem psychisch Kranken.
Formen des Umgangs und der
Bewältigung.
Verlag für Angewandte Psychologie,
Göttingen, 1997
Schäfer, Ulrike
Depressionen in Erwachsenenalter.
Ein kurzer Ratgeber für Angehörige
und Betroffene.
H. Huber, Bern, 2001
Schindler, L.; Hahlweg, K.;
Revenstorf, D.
Partnerschaftsprobleme.
Möglichkeiten zur Bewältigung.
Ein verhaltenstherapeutisches
Programm für Paare.
Springer, Berlin, 2007
Schlippe, A. v.
Familientherapie im Überblick.
Basiskonzepte, Formen,
Anwendungsmöglichkeiten.
Junfermann, Paderborn, 1995
Rogers, C.
Therapeut und Klient.
Fischer, Frankfurt/M., 2004
Seemann, Enja-Christiane
Ins Leben zurück. Wege aus der
depressiven Verstimmung.
SKV-Edition,
Lahr, 1997
Rohde, Anke
Die vielen Gesichter der Depression.
Erkennen und behandeln.
UNI-MED Verlag, Bremen, 2001
Shaw, Fiona
Zeit der Dunkelheit.
Weg aus einer Depression.
Fischer, Frankfurt, 2001
Rohde-Dachser, Ch.
Expedition in den dunklen Kontinent.
Weiblichkeit im Diskurs der
Psychoanalyse.
Psychosozial-Verlag,
Gießen, 2002
Skynner, R.; Cleese, J.
...Familie sein dagegen sehr.
Junfermann, Paderborn, 1988
Rosen, Laura Epstein
Wenn der Mensch, den du liebst,
depressiv ist.
Rowohlt, Reinbek, 2002
Stange, Karl-Heinz
Lebensfinsternis Depression.
Ein Ratgeber.
Sachs Verlag, Rossdorf, 1999
Stark, Michael; Sandmeyer, Peter
Wenn die Seele SOS funkt.
Fitnesskur gegen Streß und
Überlastung.
rororo Taschenbuch, 2003
107
Stiemerling, Dietmar
Zehn Wege aus der Depression.
Klett-Cotta, 1995
Treichler, Markus
Wenn die Seele Trauer trägt.
Gesundheitspflege, Esslingen, 1998
Treppner, Peter
Depressionen erkennen und
überwinden.
TRIAS, Stuttgart, 1996
Vetter, Gabriela
Seele unter Eis.
Oesch Verlag AG, 1995
Walk, Angelika
Ich sah in den Spiegel und
erkannte mich nicht.
Lübbe, Bergisch Gladbach, 2002
Watzlawick, Paul
Münchhausens Zopf oder
Psychotherapie und „Wirklichkeit“.
Kapitel 2 und 3.
Serie Piper, München, 2005
Woggon, Brigitte
Ich kann nicht wollen!
Berichte depressiver Patienten.
H. Huber, Göttingen, 2002
Wolfersdorf, Manfred G.
Depression. Verstehen und
bewältigen.
Springer Verlag, 2002
Wolfersdorf, Manfred G.
Krankheit Depression erkennen,
verstehen, behandeln.
Psychiatrie-Verlag, Bonn, 2001
108
Wolfersdorf, Manfred G.
Hilfreicher Umgang mit Depressiven.
Verlag für Angewandte Psychologie,
Göttingen, 1992
Wolf, Doris; Merkle, Rolf
Gefühle verstehen, Probleme
bewältigen.
PAL Verlag, Mannheim, 2000
Wunderli, J.
Und innen die große Leere.
Die narzistische Depression
und ihre Therapie.
Kreuz Verlag, Zürich, 1989
Yalom, Irvin D.
Gruppenpsychotherapie.
Grundlagen und Methoden.
Ein Handbuch.
Kindler Verlag, München, 1985
Persönliche Notizen
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Persönliche Notizen
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Persönliche Notizen
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Persönliche Notizen
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Persönliche Notizen
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Fotonachweise: (alle Fotos von www.photocase.de)
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kipfal
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madochab
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C-PROMO.de
c-mone
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promifotos.de
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