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NLGA AKTUELL
Niedersächsisches
Landesgesundheitsamt
3/2014
Ebolafieber-Ausbruch in West-Afrika: Aktuelle Situation
und Abklärung von Verdachtsfällen in Niedersachsen
Hintergrund
I
n dem aktuell in Westafrika stattfindenden Ebolafieber-Ausbruch wurden bis Ende Oktober 2014 laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 10 000 wahrscheinliche und bestätigte Fälle und davon knapp 4 900 Todesfälle registriert. Es ist
aber davon auszugehen, dass die tatsächliche Fallzahl weit höher liegt. Die bislang vor Ort ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung des Ausbruchs scheinen nicht ausreichend zu sein,
sodass mit einer weiteren Zunahme der Fallzahl in den nächsten
Wochen zu rechnen sein wird. Bei den betroffenen Ländern
handelt es sich mit Stand vom 24.10.2014 um Guinea, Liberia
und Sierra Leone. Die Ausbrüche in Nigeria und im Senegal wurden durch die WHO am 20.10.2014 für beendet erklärt, nachem dort keine weiteren Erkrankungsfälle in einem Zeitraum von
42 Tagen (doppelte Inkubationszeit) registriert worden sind.
Die Liste der Risikogebiete wird fortlaufend durch das Robert
Koch-Institut (RKI) anhand von WHO-Informationen aktualisiert
(www.rki.de/ebola).
Bisher gab es keine bestätigten Fälle unter Reiserückkehrern
nach Deutschland. In den vergangenen Wochen wurde jedoch
bundesweit wiederholt über Fälle von fieberhaften Erkrankungen bei Reiserückkehrern aus Afrika berichtet, bei denen
aus verschiedenen Gründen ein Verdacht auf Ebola-Infektion
geäußert wurde. Bei all diesen Fällen handelte es sich bei eingehender Überprüfung aber nicht um begründete Verdachtsfälle.
Ein davon unabhängiger Ebola-Ausbruch findet derzeit auch
in der Demokratischen Republik Kongo (Provinz Équateur im
Landesinneren) statt.
Das Risiko, dass Reisende die Krankheit nach Deutschland oder
Europa einschleppen, ist weiterhin als gering einzuschätzen.
Ebola-Virus Partikel (rot) unter dem Rasterelektronenmikroskop.
(Quelle: National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID);
Centers for Disease Control and Prevention (CDC))
Ebolafieber: der „begründete Verdachtsfall“
Das RKI hat eine Hilfestellung herausgegeben, die Kriterien vorgibt, wann es sich bei einer erkrankten Person um einen „begründeten Verdachtsfall“ handelt. Ein entsprechendes Flussdiagramm zum Vorgehen bei einem Erstverdacht auf Ebola-Fieber
kann auf der Internetseite des RKI abgerufen werden (Link
s. o.).
Anzahl der wahrscheinlichen und bestätigten Ebolafieber-Fälle
je Kalenderwoche in den betroffenen Ländern in Westafrika und
Trendlinie (gleitender Mittelwert über fünf Wochen), 2014. (Quelle:
ECDC - Outbreak of Ebola virus disease in West Africa - Update 24.
Oktober 2014)
www.nlga.niedersachsen.de
Dabei ist neben der wegweisenden Symptomatik (Fieber
> 38,5°C oder erhöhte Temperatur mit Ebolafieber-typischen
Begleitsymptomen wie Durchfall, Übelkeit, Erbrechen,
Hämorrhagien), insbesondere der Aufenthalt in von Ebola­
fieber betroffenen Gebieten in Afrika in den 21 Tagen vor Erkrankungsbeginn ausschlaggebend. Zusätzlich spielen auch
risikobehaftete Expositionen in diesen Gebieten eine Rolle, wie
Kontakt zu Ebolafieber-Erkrankten oder -Verdachtsfällen, bzw.
zu an Ebolafieber Verstorbenen sowie Kontakt zu toten oder
lebenden Flughunden, Fledermäusen oder Affen. Außerhalb
der aktuell betroffenen Ebolagebiete kann eine Exposition aber
auch durch beruflichen Kontakt mit Ebolaviren (z. B. Umgang
mit erregerhaltigem Material oder infizierten Tieren) oder durch
den Import von sog. „Bushmeat“ (Fleisch von wildlebenden
Tieren) aus diesen Regionen entstehen.
Nur bei „begründeten Verdachtsfällen“ ist zwingend die Labordiagnostik auf Ebola und / oder die Verlegung in ein Behandlungszentrum erforderlich. Da die Symptomatik der Ebolafie1
NLGA AKTUELL
ber-Erkrankung in der Anfangsphase sehr unspezifisch ist, sind
die o. g. epidemiologischen Kriterien, insbesondere der Aufenthalt in den Risiko-Regionen in Kombination mit bestimmten
Expositionen wegweisend. Jeder mögliche Verdachtsfall sollte
strikt nach diesen Kriterien beurteilt und bei Nicht-Zutreffen
als „normaler“ Krankheitsfall eingestuft werden. Dies ist auch
deshalb von Bedeutung, damit sich medizinisch notwendige
Behandlungen nicht durch unbegründete Ebola-Verdachtsäußerungen verzögern.
Bei der Bewertung einer möglichen Ansteckungsgefahr, die
von Reiserückkehrern für Kontaktpersonen und Ersthelfer ausgeht, sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:
„„
Das
Ebola-Virus wird von Mensch zu Mensch durch engen
und direkten Körperkontakt mit infizierten Körperflüssigkeiten übertragen. Das größte Infektionsrisiko besteht durch
Blut, Stuhl, Erbrochenes und Urin.
„„
Eine Übertragung erfolgt erst bei Auftreten von Krankheitssymptomen, die im Mittel nach etwa 8 - 10 Tagen und maximal 21 Tagen nach Ansteckung auftreten. Dabei ist die
Ansteckungsgefahr zu Beginn deutlich geringer als im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung.
„„
Das Virus wird nicht über die Luft übertragen. Bei einem Abstand von mehr als ein Meter von einem Erkrankten ist eine
Übertragung der Ebola-Viren sehr unwahrscheinlich.
3/2014
Ebola-Verdachtsfälle müssen den kommunalen Gesundheitsämtern umgehend gemeldet werden, damit der Fall gemeinsam bewertet und die weiteren Schritte eingeleitet werden
können. Die Gesundheitsämter in Niedersachsen werden
durch die 24-stündige Rufbereitschaft des Zentrums für Gesundheits- und Infektionsschutz (ZGI) am Niedersächsischen
Landesgesundheitsamt unterstützt. Falls in Deutschland ein
begründeter Ebola-Verdachtsfall auftreten sollte, stehen spezialisierte Behandlungs- und Kompetenzzentren zur Behandlung
und Diagnostik zur Verfügung. Für Niedersachsen ist dies das
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg.
Besteht in Einzelfällen eine Restunsicherheit bei der Bewertung
eines Ebolafieber-Verdachtsfalles, die zunächst nicht ausgeräumt werden kann, sollte die Patientenversorgung vor Ort
unter strikter Einhaltung von Schutzmaßnahmen und unter
Isolierbedingungen weitergeführt sowie ggf. eine EbolavirusAusschlussdiagnostik in Absprache mit dem Gesundheitsamt
veranlasst werden. Die Verlegung eines in Abklärung befindlichen Verdachtsfalls in ein Behandlungszentrum ist nicht zwingend erforderlich.
www.nlga.niedersachsen.de > Infektionen & Hygiene >
Krankheitserreger/Krankheiten > Ebola-Ausbruch in
Westafrika
Grippeschutzimpfung für die Saison 2014/15
D
ie Grippesaison des letzten Winters 2013/14 war im
Gegensatz zur vorhergehenden Saison ungewöhnlich
schwach ausgeprägt. Im Rahmen der ARE-Surveillance am
NLGA trat der erste Influenzanachweis in der 45. KW 2013 auf,
nach der 14. KW 2014 konnten nur noch sporadische Fälle beobachtet werden.
Insgesamt wurden in der vergangenen Saison 148-mal Influenzaviren in Rachenabstrichen nachgewiesen. Der Anteil der
Nachweise für Influenza A(H1N1)pdm09 lag dabei bei 33 %,
für A(H3N2) bei 57% und für Influenza B bei 10 %. Bundesweit wurde im Nationalen Referenzzentrum für Influenza (NRZ)
eine ähnliche Verteilung der Influenza-(Sub-)Typen (30 % Influenza A(H1N1)pdm09, 61 % Influenza A(H3N2), 9 % Influenza
B) gefunden. Genotypische und phänotypische Analysen am
RKI zeigten keine Resistenzen gegen die antiviralen Arzneimittel Oseltamivir und Zanamivir bei Influenzaviren.
Insgesamt wurden 780 000 zusätzliche Arztbesuche (Vorjahr
7,7 Millionen), 430 000 Arbeitsunfähigkeiten (Vorjahr 4,3 Millionen) und 3 100 (Vorjahr 32 000) zusätzliche Krankenhauseinweisungen geschätzt (bundesweite Zahlen des RKI, AGI). Alle
drei Schätzwerte spiegeln die im Vergleich mit den Vorjahren
deutlich schwächere Grippewelle wider.
Die jährliche Impfung gegen saisonale Influenza wird von der
Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen für alle Personen ab 60 Jahre, für Personen jeden Alters mit erhöhter
gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens (wie
z. B. chronische Krankheiten der Atmungsorgane, Herz- oder
Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes
mellitus oder
www.nlga.niedersachsen.de
andere Stoffwechselkrankheiten,
chronische
neurologische
Grundkrankheiten wie z. B.
Multiple Sklerose mit durch Infektionen getriggerten Schüben,
angeborene oder
erworbene
Immundefizienz oder
HIV-Infektion) sowie
für Bewohner von
Alters- oder Pflegeheimen.
Die saisonale Influenzaimpfung wird auch allen gesunden
Schwangeren ab dem 2. Trimenon und Schwangeren mit einer
chronischen Grundkrankheit ab dem 1. Trimenon empfohlen.
Außerdem sollten Personen mit erhöhter beruflicher Gefährdung (z. B. medizinisches Personal), Personen in Einrichtungen
mit umfangreichem Publikumsverkehr und Personen, die als
mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute Risikopersonen fungieren können, gegen saisonale Influenza geimpft
werden. Um ggf. eine Doppelinfektion mit aviärer Influenza zu
vermeiden, sollten ferner Personen mit direktem Kontakt zu
Geflügel und Wildvögeln eine Influenzaimpfung erhalten.
2
NLGA AKTUELL
Der Influenzaimpfstoff für die Saison 2014/15 setzt sich gemäß
der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und
der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) für die kommende Grippesaison aus den Antigenen weltweit zirkulierender
Virusvarianten zusammen. Die Impfstoffe der Nördlichen Hemisphäre enthalten folgende Virusstämme:
1. ein A/California/07/2009 (H1N1) pdm09 – like Stamm,
2. ein A/Texas/50/2012 (H3N2) – like Stamm,
3. ein B/Massachusetts/2/2012 – like Stamm (Yamagata-Linie)
4. ein B/Brisbane/60/2008 – like Stamm (Victoria-Linie) für quadrivalente Impfstoffe
Neben den etablierten trivalenten inaktivierten Impfstoffen
(TIV) wird in Deutschland seit der Saison 2012/13 auch ein
trivalenter attenuierter Lebendimpfstoff (LAIV) angeboten. Der
Impfstoff wird in die Nase gesprüht und ist für Kinder und Jugendliche von 2 bis 18 Jahren zugelassen. In klinischen Studien
zeigte LAIV bei Kindern bis 6 Jahre eine mindestens gleichwertige, tendenziell bessere Effektivität als TIV. Bei älteren Menschen ist LAIV weniger effektiv.
Der beste Zeitpunkt für eine Impfung ist der Herbst vor der
nächsten Grippewelle. Seit 2004 ist in Niedersachsen die Influenza-Impfung – wie auch in mehreren anderen Bundesländern – ab dem sechsten Lebensmonat öffentlich empfohlen.
Dadurch wird die Entschädigung im Falle eines Impfschadens
durch die Influenza-Impfung generell jenseit dieses Lebensalters gewährleistet. Die fachliche Einschätzung der STIKO wird
hierdurch aber nicht berührt.
Insbesondere sollte sich auch das medizinische und pflegerische Personal nicht nur zu seinem eigenen Schutz, sondern
auch zum Schutz der betreuten Personen jedes Jahr im Herbst
gegen Influenza impfen lassen. Die Durchimpfung ist in dieser
Berufsgruppe mit 20 bis 30 % immer noch viel zu niedrig.
Um hier einen Beitrag zur Motivation für die Influenza-Impfung
zu leisten, hat das NLGA auch in diesem Jahr wieder eine eigene, landesweite Kampagne unter dem Slogan „Die Grippewelle rollt – Fallen Sie nicht um!“ initiiert. In diesem Rahmen
werden den betriebsmedizinischen Diensten der Niedersächsischen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen Poster zur
Verfügung gestellt, um das Personal als wichtige Impfzielgruppe zur Impfung zu motivieren.
3/2014
Wechsel in der Leitung des
Standortes Aurich
D
er langjährige Leiter des Standortes Aurich des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Dr. Ernst-August Heinemeyer, wurde am 30. Juli im Rahmen einer Feierstunde im Gebäude der Ostfriesischen Landschaft Aurich in den Ruhestand
verabschiedet. Seine Amtsnachfolge hat Dr. Katrin Luden übernommen, die in den vergangenen Jahren als stellvertretende
Leiterin des Standortes tätig war.
Dr. Heinemeyer hat seinen Dienst in der Landesverwaltung
1978 als wissenschaftlicher Angestellter beim Medizinaluntersuchungsamt Stade begonnen. Neun Jahre später übernahm
der promovierte Biologe die Leitung des damaligen Medizinaluntersuchungsamtes Aurich. Nach der Auflösung der Medizinaluntersuchungsämter 1995 und der Gründung des Landesgesundheitsamtes blieb der Standort Aurich mit seinem
Wasserlabor erhalten und wurde weiterhin von Dr. Heinemeyer
geleitet.
Während seiner Zeit im Landesgesundheitsamt hat Dr. Heinemeyer zahlreiche Aufgaben wahrgenommen und Projekte
betreut. Hierzu gehörten in den vergangenen Jahren insbesondere die Umsetzung der neuen EU-Badegewässerrichtlinie
2006/7/EG, die mit der Einführung einer neuen Qualitätseinstufung und eines neuen Berichtswesens verbunden war, sowie die Durchführung wissenschaftlicher Untersuchungen
beispielsweise zum Vorkommen von Vibrionen in der Nordsee.
Außerdem war Dr. Heinemeyer maßgeblich für den Aufbau
der Trinkwasserringversuche verantwortlich, an denen heute
im Rahmen der Qualitätssicherung mehr als 700 Labore aus
Deutschland, Österreich, der Schweiz und anderen europäischen Ländern teilnehmen. Der Standort Aurich des Landesgesundheitsamtes ist derzeit der einzige Anbieter für mikrobiologische Trinkwasserringversuche in Deutschland.
Göttinger Forum 2014
Krankenhaus- und Kommunalhygiene für
den öffentlichen Gesundheitsdienst
A
m 27. und 28. November findet in den Räumen des Max
Planck Instituts das 13. Göttinger Forum statt. Das Programm umfasst auch in diesem Jahr aktuelle und für den Öffentlichen Gesundheitsdienst bedeutsame Themen aus den
Bereichen Infektionen, Hygiene und Umweltmedizin.
Die Vorträge befassen sich u. a. mit dem Legionellenausbruch in
Warstein 2013, Aspekten einer rationalen Antibiotikatherapie,
sexuelll übertragbaren Erkrankungen sowie Modellierungen/
Ausbreitungswegen von Infektionskrankheiten.
Eine Anmeldung ist noch bis zum 10. November möglich.
Weitere Informationen unter:
www.fortbildung.nlga.niedersachsen.de
www.nlga.niedersachsen.de
Der ehemalige Leiter des NLGA-Standortes in Aurich Dr. ErnstAugust Heinemeyer und seine Nachfolgerin Dr. Kartin Luden.
Impressum
Herausgeber:
Niedersächsisches Landesgesundheitsamt
Roesebeckstr. 4-6, 30449 Hannover
Fon: 0511/4505-0, Fax: 0511/4505-140
Redaktion:
Katja Claußen, Michael Hoopmann, Masyar Monazahian,
Holger Scharlach (v.i.S.d.P.), Christel Zühlke
Oktober 2014
3
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Seele and Geist
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