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vintage ibanez_vintage ibanez 10.10.11 12:09 Seite 250
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VINTAGE
IBANEZ TALMAN
ATC-825, BJ. 1997
Zwei Schritte vor – einen zurück! So, oder
so ähnlich, mutet in der Retrospektive
manchmal die Modellpolitik des größten
japanischen Herstellers in der Vergangenheit an. Man agierte mutig und im großen
Stil, um dann bei sich abzeichnendem Misserfolg schnell zurückzurudern. Doch nur,
um kurz darauf wieder einen Versuch in die
eben noch gescheiterte Richtung zu unternehmen. So geschehen bei der spektakulären Talman-Serie, die 1994 auf den Markt
geworfen wurde – mit durchaus markigen
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Worten wie „Wenn du hüh sagst und
andere hott sagen; wenn ,Smells Like Teen
Spirit‘, ,Buddy Holly‘ und ,Everything Zen‘
wild aus deinen Speakern und durch deine
Venen strömt; oder wenn dir einfach nur die
klassischen Gitarren von Leo oder Danelectro aus den 50ern und 60ern sympathisch
sind, dann werden dir die Talman-Gitarren
sehr zu Herzen gehen.“
Dieses Zitat stammt aus dem Ibanez-Katalog von 1996, und dies darf schon als ein
Aufbäumen verstanden werden, denn so
richtig gezündet hatten die Talmans bei ihrer
Vorstellung leider nicht. Dabei hatte man
gerade 1995 erst die Starfield-Serie zu Grabe
getragen, die nach der Kopierphase der
erste Versuch von Ibanez war, auch im
Vintage-Fender-Lager Pfründe abzutragen.
Denn eins war den Ibanez-Verantwortlichen
damals nicht entgangen: Mit ihren an Gibson angelehnten eigenen Gitarren-Designs
waren sie sehr erfolgreich, doch an das
Schraubhals-/Singlecoil-Klientel kamen sie
einfach nicht heran. Auch weil das sich mittlerweile von japanischen und koreanischen
Fender-Instrumenten sehr gut bedient
fühlte. Die Starfield-Produktion ging dann
sozusagen fließend in die Talman-Produktion über, wurde sie doch von den selben
amerikanischen Designern entwickelt. Doch
statt mit den eher bieder wirkenden Starfields mit ihrem Hauch-von-Vintage-Touch
wollte man mit den Talmans nun die jungen
Wilden ansprechen, die Mitte der 90er
vor allem auf klassische Fender-Gitarren
11.11 gitarre & bass
vintage ibanez_vintage ibanez 10.10.11 12:09 Seite 251
STORY: HEINZ REBELLIUS FOTOS: PETIA CHTARKOVA, ARCHIV
Sonderbroschüre zur Markeinführung der Talman-Serien aus dem Jahr 1994. (Quelle: vintaxe.com)
standen. Hauptsache, es war keine Tele oder
Strat, die sie von ihren Vätern her kannten!
Die schräge Jazzmaster/Jaguar-Abteilung
also.
Doch mit einer solch „modernen“ Formgebung alleine gab Ibanez sich nicht zufrieden, sondern kombinierte diese mit allen
möglichen Pickup-Typen – Humbucker,
P90s, Lipsticks, Singlecoils –, diversen Vibratosystemen – Bigsby, Vintage Trem – und
stellte sogar anfangs ein neues KorpusMaterial vor. Resoncast war eine Mischung
aus Holzspänen und Fiberglas und hatte
durchaus klangliche Eigenschaften wie
Holz. Die Talman-Reihe war in zwei Familien
aufgeteilt – die TC- und TV-Serien. Die TCInstrumente sahen wie ein verrundeter Jazzmaster/Tele-Hybrid aus, während die
schnittigeren
TV-Modelle
an
eine
Tele/Explorer-Mischung erinnerten. Insgesamt waren beide Designs in sich stimmig
und durch clevere Details wie die Controlplate, die gleichermaßen Tele- wie Strat-Elemente aufwies, auch auf den zweiten Blick
interessant.
Dennoch, die jungen Gitarristen waren
mehr als zögerlich ... und das, obwohl Ibanez schon bald Talmans aus richtigem Holz
baute. Man hatte wohl vermutet, dass das
neuartige Material der Grund für die
Zurückhaltung des Marktes gewesen sein
könnte. Doch auch das half kaum, sodass
die Talman-Serien nach fünf langen, zähen
Jahren aus dem Programm genommen
wurden.
Die hier gezeigte Flaked-Silver-Version war
einer der letzten produzierten Talmans, ihre
Seriennummer F9807035 besagt, dass sie
Mit einer bunten Modellvielfalt wollte man 1996 den Talman-Verkauf ankurbeln.
(Quelle: vintaxe.com)
11.11 gitarre & bass
vom japanischen Hersteller Fujigen 1998
gebaut wurde. Man hatte an nichts gespart:
Gute Gotoh-Mechaniken, selbstschmierender
Grafit-Sattel, Original-Bigsby, GibraltarBridge, Super-58-Humbucker – da konnte
man angesichts des Verkaufspreises von
damals ca. DM 1600 nicht meckern. Eine
schöne Schaltung bekam diese Talman
zudem auch noch mit auf den Weg: Neben
den üblichen Positionen gab es in Stellung
2 des Fünfwegschalters die Hals-Spule des
Hals-Humbuckers solo, und in Stellung 4 die
Hals-Spulen beider Pickups phasenverdreht,
für einen dünnen „Funky“-Sound.
Zu dem Zeitpunkt waren die so schwungvoll gestarteten Talman-Serien bereits auf
zwei Modelle geschrumpft, eins davon
sogar ein Signature-Modell für Paul Gilbert.
Die ATC-825 erschien nun als limitiertes
Sondermodell 1998 auf dem Plan – vielleicht hatte man zu Hause in Japan noch
Restbestände von Talman-Parts, die man
sinnvoll verarbeiten wollte? Wie auch immer
– viel genutzt hat es nicht, denn die ATC825 riss auch keine Bäume aus und verschwand schnell wie die komplette TalmanSerie aus dem großen Ibanez-Katalog. Auch
später, nachdem Noodles, der Gitarrist von
Offspring, zwei Signature-Talmans gebaut
bekam, stieg das Interesse an diesen eigentlich tollen Gitarren kaum an. Das lässt sich
am besten auf dem 2nd-Hand-Markt kontrollieren. Dort werden Talmans nach wie
vor für kaum mehr als € 300 bis € 350
gehandelt. Was dem einen sein Leid, ist
dem anderen sein Freud. Denn für das Geld
bekommt der Käufer eine gute Gitarre mit
viel Stil, kaum Stilbruch, sehr guter Verarbeitung und richtig guten Sounds – ob mit
Resoncast- oder Holz-Body. Und kann dazu
noch eine Geschichte erzählen – vom Aufstieg und Fall der Ibanez-Talman-Serien. n
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