close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Evangelischer Gottesdienst am 25. Januar 2015

EinbettenHerunterladen
Radiogottesdienst am 25. Januar 2015
Thoamskirche in Oldenburg-Ofenerdiek
Predigt von Pstor Jens Teubner
Mensch Petrus!
Du hast es mal wieder nicht so richtig mitbekommen, du Dösbaddel, was? Du kleiner
Dummbatz, würde mein kleiner Sohn sagen. Du kannst das nicht festhalten, das war doch ein
einmaliger Moment in deinem Leben, den du da erleben durftest! Und ich beneide dich darum!
Überhaupt: diese Nähe zu Jesus. Die Kraft, die von ihm ausging: du konntest sie leibhaftig
spüren. Die Nähe zu Gott im fernen Himmel: Du konntest sie fühlen. Die Weisheit, die aus ihm
sprach: Du konntest sie in dich aufnehmen! Dabei warst du doch eigentlich ein ganz einfacher entschuldige bitte, dass ich das sage - ein dahergelaufener Mann.
Kein Weiser, kein Gelehrter, kein Künstler oder Theologe. Ein Handwerker, ein Naturbursche,
ein bodenständiger Typ. Und du versuchst das, was dir widerfährt, zu verstehen. Einzuordnen
in das, was dir bereits bekannt ist. So würde ich das auch machen.
Und dann begegnet dir das, was einfach nicht zu fassen ist: Jesus schnappt dich und die zwei
anderen und ihr müsst auf den Berg kraxeln. Und dann begegnet ihr mitten im Leben dem
Leben. Mitten im Alltag dem wahren, dem erfüllten und sogar dem jenseitigen Leben. Ihr seht
die Sonne in Jesu Antlitz, ja sogar seine Kleider werden wie Licht. Auferstehung mitten im
Leben.
Auferstehung mitten im Leben ist, wenn ein Kind, das nach einer langen Fluchtgeschichte
wochenlang nicht gesprochen hat, plötzlich bei einem Kinderlied, das ihm vorgesungen wird,
mitzusummen anfängt.
Auferstehung mitten im Leben ist, wenn Menschen, die sich jahrelang nichts zu sagen hatten,
plötzlich wieder miteinander reden. Auferstehung mitten im Leben ist, wenn du dich nach einer
Zeit der Dürre wieder frisch fühlst, weil du endlich Ruhe findest oder endlich wieder was um die
Ohren hast.
Das ist schon ein klein wenig ein Blick in eine andere Welt. Petrus: Ich kann verstehen, dass du
das fest halten möchtest, diesen Blick in eine andere Welt. Durch Jesus Gott schauen - das
wahre, das echte und eigentliche Leben. Ich hätte genauso reagiert, lieber Petrus. Ich hätte
auch festhalten wollen.
Es gibt wenig Momente im Leben, in denen man das aufrichtig sagt: Hier ist gut sein. Wir haben
eben Beispiele aus unserem Alltag gehört. Mal im Urlaub, mal in der Freizeit, mal bei
Spaziergang oder bei der Arbeit auch. Hier ist gut sein!
Diesen Moment festhalten! So soll es bleiben, wenigstens eine Zeit lang.
Ich hatte dieses Gefühl oft als mein Sohn noch ganz klein war - wir eine Einheit mit ihm aneinandergekuschelt. Nichts und niemand kann uns trennen, nichts und niemand den Frieden
stören. Festhalten. Andre haben andere Glücksmomente. Festhalten. Ein Zelt aufschlagen und
nicht weitergehen. Aber das heißt auch: Das Kind bleibt klein, entwickelt sich nicht. Bleibt
stehen. Kann ich das wollen, Petrus?
Evangelische Kirche im NDR – www.ndr.de/kirche
2
Ihr seid auf dem hohen Berg Mose begegnet, der den Weg in die Freiheit kannte. Ihr seid Elia
begegnet, der für Gottes Recht stritt und ihn zur Sprache brachte. Und der am Ende der Zeiten
wieder erscheinen wird.
Ihr seid noch vor seinem Tod dem Auferstandenen begegnet. Das ist noch mehr als ein
zufriedenes Räkeln auf dem Sofa oder ein Gang am Strand. Das ist auch mehr als ein
geglückter Moment mit dem Sohn, einer Freundin, dem Vater oder der Schwester.
Das ist das Ende der Weltgeschichte. Du, Petrus, durftest einen Blick in eine andere Welt tun.
Eine erlöste Welt. Jesus als Sonne, Licht und Wahrheit. Verbunden mit der Geschichte der
Freiheit und der Nähe Gottes. Das ist Erlösung.
Und wie wäre es weiter gegangen? Mit dir, mit Jesus, mit den Brüdern? Und wenn ihr dort
geblieben wärt? Was wäre dann mit uns geworden? Mit uns in Oldenburg, in Hamburg und Kiel
und Hannover? In Westoverledingen und Güstrow?
Was wäre aus mir geworden? Ihr da selig auf dem Berg, und wir hier ohne die Geschichte der
Befreiung, der Nähe Gottes und dem Aufstand gegen den Tod?
Hier ist gut sein. Das ist schön, wenn man das sagen kann: Dem Alltag entzogen, oder gerade
in ihm glücklich. Dem Kampf entronnen - ein Moment der Glückseligkeit.
Aber dann muss es doch weitergehen. Stillstand ist Tod. Diesen Moment mitnehmen in das
weitere Leben: Ihn hinüberretten in dürre, in schwere oder unerträgliche Zeiten. Das gibt Kraft!
Petrus: Ich danke dir, dass du mit auf die Erde, in die Niederungen des Alltags zurückgekehrt
bist. Sicher warst du frustriert. Aber für uns war es gut: Denn so konntest du später davon
erzählen: Der Blick in eine andere Welt ist möglich! Nur kurz, nur flüchtig, nur ungeplant. Aber
er gab den Christinnen und Christen Kraft durchzuhalten.
Wahrhaftig: Nicht jeden Moment möchte man festhalten. Bei vielen wünscht man sich, er möge
schnell vorbeigehen. Aber diese Momente zu durchstehen gelingt, wenn wir die andren
genießen können. Hier ist gut sein! Es muss nicht gleich ein hoher Berg, Elia und Mose sein.
Es geht auch eine Nummer kleiner: Auferstehung mitten im Leben gibt es auch bei und unter
uns. Und dann leuchtet etwas auf von Gottes Liebe und Jesus - der Sonne: Das ist der
Aufstand gegen den Tod. Neues Leben ist immer möglich!
Und noch etwas: Petrus, du bist kein Dummbatz - oder wenigstens nicht mehr als ich und so
mancher von uns. Mensch Petrus!
Amen.
Evangelische Kirche im NDR – www.ndr.de/kirche
Autor
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
1
Dateigröße
158 KB
Tags
1/--Seiten
melden