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Liebe Leserin, lieber Leser,
wer kommt eigentlich zu uns? Was bedeutet Bildung für unsere Zielgruppen? In welchem
Verhältnis stehen die Lebenswelten unserer Zielgruppen zu unseren Bildungsangeboten?
Welchen Entwicklungsbedarf sehen wir für unsere Angebote, damit sie auch weiterhin den
Bedarfen von Gesellschaft und Kirche entsprechen bzw. von diesen verstanden und angenommen werden können?
Diese Fragen beschäftigen das pädagogische Team der Evangelischen Landjugendakademie
(LJA) unter immer neuen Vorzeichen seit Jahren. Stand 2011 der Aspekt des Sozialraums im
Vordergrund unserer Berichterstattung, so ist es dieses Mal die explizite Auseinandersetzung
mit den Lebenswelten der Menschen, denen wir mit unseren Angeboten in der Akademie
oder auswärts begegnen.
Lebenslagen – Lebenswelten – Sozialraum: Was ist gemeint?
„Als Lebenslage gelten die sozialen, ökologischen und organismischen Lebensbedingungen
eines Menschen. Als Lebenswelt gilt die subjektive Wirklichkeitskonstruktion eines Menschen (welche dieser unter den Bedingungen seiner Lebenslage bildet).“ 1
„So ist meine Lebenswelt nicht von Anfang an meine Privatwelt, sondern intersubjektiv; die
Grundstruktur ihrer Wirklichkeit ist uns gemeinsam“. Diese intersubjektiv geteilte Wirklichkeit ist die Basis der alltäglichen Lebensführung von Menschen in einem Sozialraum“2.
Wir suchen dabei vorrangig die Auseinandersetzung mit den Lebenswelten der Menschen,
die im Mittelpunkt unseres Auftrages stehen (sollen):
-
-
Kinder und Jugendliche
Hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Jugendbildung und Jugendarbeit
Menschen, die in ländlichen Räumen leben (und arbeiten)
Menschen, die Interesse haben, in einer Einrichtung der Evangelischen Kirche gesellschaftlich relevante Fragen zu bearbeiten oder sich (beruflich) weiterzuentwickeln/weiterzubilden
Ehrenamtlich Mitarbeitende in Jugendarbeit, Kirche und Gesellschaft
Wir stellen fest: die Lebenswelten der unterschiedlichen Zielgruppen differenzieren sich immer weiter nach innen, gleichzeitig gibt es deutlich Hinweise darauf, dass lebensweltliche Werte und Verhaltensweisen des Jugendalters auch für einen erheblichen
Teil der Erwachsenengeneration relevant bleiben. Durch
die Medialisierung und Digitalisierung der Gesellschaft ist
andererseits ein deutliches Generationengefälle zwischen medialen „Muttersprachlern“ (unter 30) und „Zugewanderten“ zu konstatieren, das sich im Nutzungsverhalten ebenso widerspiegelt wie in den damit verbundenen Überzeugungen und Ängsten.
Und selbstverständlich überschneiden sich die Zugehörigkeiten bei einigen, die zu uns kommen, z.B. junge Menschen vom Land, die sich in der Kirche ehrenamtlich engagieren.
1
Kraus. S. 153.
2 Noack, zitiert hier Grimm, S. 71 und Schütz/Luckmann S. 30
1
Der diesjährige Jahressachbericht nimmt Stimmen aus der aktuellen Debatte auf und
verortet Maßnahmen aus den Referaten als Angebote, den lebensweltlichen Bedarfen der
jeweiligen Zielgruppe und den damit verbundenen pädagogischen Herausforderungen zu
entsprechen. Zudem macht ein abschließendes Kapitel deutlich, wie die Referentinnen und
Referenten der Evangelischen Landjugendakademie durch aktive Suche nach Kooperationspartnern und strukturelle sowie projektbezogene Vernetzungen ihren Beitrag dazu leisten,
als evangelische Stimme im Konzert der vielen Stimmen in den Lebenswelten der Zielgruppen hörbar zu sein.
Der „Grüne Gockel“ ist eine für kirchliche
Organisationen entwickelte Form des Umweltmanagements auf der Grundlage der "EMAS" (EUVerordnung). Durch stetige Verminderung von
Umweltbelastungen, Verbesserung der Umweltleistung
und
Verbesserung
der
Kommunikation soll eine
nachhaltige, zukunftsfähige
Entwicklung erreicht werden,
d.h. das Umweltmanagement
beinhaltet die Bilanzierung
und Bewertung der Organisation. Sie erstellt ihre Schöpfungsleitlinien – ihre
Vision bzw. Umwelt-politik – und errichtet ein
Umweltmanagement-system. Dazu gehören in der
LJA: Biozertifizierung und bewusster Umgang mit
Fleisch durch regelmäßige vegetarische Angebote
sowie einen Veggie-Tag pro Woche. Sie nutzt
Arbeitsmaterialien, die ökologisch produziert und
fair gehandelt wurden. Müll wird möglichst vermieden und anfallende Abfälle können auch von
den Gästen getrennt entsorgt werden. Konzepte
zum Umgang mit Energie zeigen den bewussten
und sparsamen Umgang mit Ressourcen.
Wir möchten damit deutlich machen, dass
wir als Anbieter von Weiterbildungen und
Tagungen in der Evangelischen Kirche nicht
nur Stimmungen und Herausforderungen
aufnehmen, sondern uns auch beteiligen
an gesellschaftlichen Veränderungen
durch Themen, Maßnahmen und Engagements, die wir initiieren. Dafür wurde uns
2014 für unser Engagement zur nachhaltigen Entwicklung in doppelter Weise
Anerkennung zuteil: unser Umweltmanagement wurde mit dem Grünen Gockel
(Umweltzertifikat der Evangelischen Kirche
der Pfalz) ausgezeichnet und das Pädagogikkonzept „Lebendiges Lernen vom Land
– Wenn die Scheune zum Lernort wird“
machte uns zu einem ausgezeichneten Ort
im Land der Ideen.
Im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter danke ich für Ihr Interesse und wünsche
Ihnen eine anregende Stunde beim Blättern und Lesen des Berichtes.
Anke Kreutz
Direktorin
2
Inhalt
1. Lebenswelten in ländlichen Räumen ............................................................................. 4
1.1. Menschen in der Landwirtschaft .................................................................................................. 4
1.2. Menschen in der Umweltbildung/Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ........................... 5
1.3. Kritische Verbraucherinnen und Verbraucher ............................................................................. 7
1.4. Dementiell Erkrankte und ihre Familien ...................................................................................... 8
2. Jugendliche Lebenswelten ........................................................................................... 10
2.1. Jugendliche zwischen Schule, Elternhaus und außerschulischen Räumen ................................ 11
2.2. Jugendliche Ausdrucksweisen .................................................................................................... 11
2.3. Bildungsbenachteiligte Jugendliche ........................................................................................... 15
2.4. Mobile Jugendliche in der globalisierten Welt ........................................................................... 17
2.5. Jugendliche mit Migrationserfahrungen .................................................................................... 18
2.6. Jugendliche im Zwiespalt zwischen Natur und Wachstum ........................................................ 19
2.7. Jugendliche zwischen Ehrenamt, Freiwilligendienst und Berufseinstieg ................................... 19
3. Lebenswelten von Mitarbeitenden in Kirche und Diakonie .......................................... 21
3.1. „Jeder und jedem alles zu werden“: Inklusion ........................................................................... 21
3.2. Nichts ist so beständig wie der Wandel: Der Arbeitsplatz als Dauerbaustelle .......................... 22
3.3. Mal wieder was für mich tun: Sinnfindungsprozesse im Ehrenamt........................................... 23
4. Vernetzte Welt und Kooperationen in der Arbeitswelt ................................................ 24
5. Ausblick ...................................................................................................................... 27
6. Literaturverzeichnis..................................................................................................... 28
7. Überblick über die Arbeitsbereiche der Referentinnen und Referenten ....................... 29
8. Referentinnen und Referenten .................................................................................... 30
Impressum:
Verantwortlich für diesen Bericht ist Anke Kreutz, Direktorin der Evangelischen
Landjugendakademie, Dieperzbergweg 13-17, 57610 Altenkirchen Tel.: 02681-9516-21
email: kreutz@lja.de
Mitarbeit: Meike-Mirjam Drey, Elena Lange, Claudia Leibrock, Wiebke Möller, Philipp Schlicht und
Helga Seelbach
Fotonachweis: Die Bilder auf den Seiten 5, 11, 14, 18, 23 stammen von Fotolia.com. Alle anderen Fotos stammen aus der Akademiearbeit. Bei den Grafiken ist die Quelle angegeben.
3
1. Lebenswelten in ländlichen Räumen
1.1. Menschen in der Landwirtschaft
Freitagnachmittag im Frühsommer auf einem Bauernhof irgendwo in der Bundesrepublik Deutschland. Junge Erwachsene kommen mit alten Autos, beladen mit Moderationswänden, Plakaten und
Bannern und richten eine Scheune auf dem Hof her für ein Wochenendseminar. Auf einer Wiese
werden Zelte zum Übernachten aufgebaut. Die ersten fangen an, Gemüse und Obst für das
Abendessen zu schnipseln. Aus dem Lehmofen gibt es selbstgemachte Pizza am Abend.
Diskutiert wird über die Vision einer bäuerlichen Zukunft, die neue Ausrichtung der Agrarpolitik,
Kreisläufe, Vielfalt und selbstbestimmte Landwirtschaft.
Dabei werden Vorstellungen von Landwirtschaft entwickelt, die Bäuerinnen und Bauern erlauben,
selbstbestimmt zu handeln. Dazu gehören neben fairen Handelsbeziehungen weltweit angemessene Preise für nachhaltig erzeugte landwirtschaftliche Produkte. Gemeinsinn sowie ein respektvoller Umgang mit Mensch, Tier und Pflanze soll das wirtschaftliche Handeln in der Natur leiten.
Für die Herausforderungen der Zukunft gibt es keine industriellen Antworten, sondern klein strukturierte, regional angepasste Wirtschaftsbetriebe.
Ungefähr die Hälfte der Teilnehmenden hat einen eigenen Hof in der Familie, viele sind auf der
Suche nach einer Möglichkeit sich einen eigenen Betrieb aufbauen zu können. Dabei setzen sie auf
Kooperationen und suchen meistens in Gruppen von Landwirten und Landwirtinnen, Handwerkenden, Gärtnerinnen und Gärtnern nach geeigneten Objekten. Die Klagen aus der Landwirtschaft
über die hohe Arbeitsbelastung sind dabei nicht abschreckend vor dem Hintergrund eine Möglichkeit zu haben, im Einklang mit natürlichen Kreisläufen selbstständig arbeiten zu können. Die Landwirtschaft bietet einen verantwortungsvollen, abwechslungsreichen Arbeitsplatz. Viele haben
Landwirtschaft studiert oder eine Ausbildung in der Landwirtschaft gemacht.
4
Bei der Grassilagewerbung in einer Mittelgebirgsregion in Deutschland:
Traktoren mit 280 PS, maximale Geschwindigkeit 60 km/h und
hohem Fahrkomfort sind der Traum vieler junger Bauern. Sie
brauchen große Schläge, um effizient eingesetzt zu werden und
ermöglichen schon mal über Nacht durchzufahren, wenn Regen
droht. Moderne, hochtechnisierte und effiziente Landwirtschaft
wird durch die Schlagkraft eines Lohnunternehmens demonstriert.
Der Bund der Deutschen Landjugend stellt in seiner Zukunftsvision 2030 fest, dass das Misstrauen der Verbraucherinnen und
Verbraucher insbesondere durch die tendenziöse Berichterstattung der Medien und die
Skandale der Lebensmittelindustrie entsteht, die fälschlicherweise der Landwirtschaft angelastet werden. Denn aus Sicht des BDL ist in Zukunft „der Weltmarkt frei von wettbewerbsverzerrenden Maßnahmen“ und „Produkte, die am Weltmarkt gehandelt werden, entsprechen einer internationalen Norm“.3 So hat der Nachwuchs nicht nur den globalen Markt
und Handel in den Blick genommen, sondern auch die Ressourcen bzw. deren Schutz, die
Forschung und Entwicklung, die Nahrungsmittelproduktion und Produktionsausrichtung
sowie das Image der Landwirtschaft.
Die jungen Landwirtinnen und Landwirte aus dem BDL wollen, wie auch die Diskussionsrunde auf dem Hof aus dem ersten Kasten, im Jahr 2030 ihre Landwirtschaft der
Zukunft gesellschaftsverträglich und nachhaltig gestalten. Der Weg dahin geht allerdings in
diesem Fall über eine gut durchorganisierte, rationelle Produktionsweise und ist nicht an
lokalen Gegebenheiten des Marktes ausgerichtet.
Sowohl der auf Wachstum setzende Betrieb, der für den Weltmarkt produzieren will, als
auch der diversifizierende Betrieb, der sich in die regionale Wirtschaft einbringt, sind aktuell
landwirtschaftliche Zukunftsbilder. Menschen aus beiden Gruppen kommen in die
Landjugendakademie, entweder im Rahmen der Meisterausbildung, bei Fortbildungen zur
Bauernhofpädagogik oder zu Tagungen wie „Bäuerliche Landwirtschaft ist Zukunftslandwirtschaft“. Fortbildungen und Tagungen folgen dem Leitbild der Ernährungssouveränität.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fragen, wie Landwirtschaft den natürlichen Prozessen
und realistischen Grenzen des Wachstums gerecht werden kann und suchen Alternativen
zum Dogma der Produktivitätssteigerung, um im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung auch
zukünftigen Generationen zu ermöglichen, sich eine landwirtschaftliche Existenz aufzubauen.
1.2. Menschen in der Umweltbildung/Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
Das Seminar „Das Ende der UN-Dekade - (k)ein Ende einer Bildung für nachhaltige Entwicklung?!“ hat besonders Angestellte und Selbstständige aus der Umweltbildung und der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) angesprochen. Diese Teilnehmenden sind Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die die Erfahrungen und Ergebnisse der Veranstaltung in ihr
eigenes Bildungsangebot hineintragen können.
3
vgl. Bund der Deutschen Landjugend
5
In der beruflichen Lebenswelt der Teilnehmenden lässt sich immer noch eine Überforderung
durch den scheinbar komplexen Ansatz BNE feststellen. Es wird deutlich, dass sich die
Teilnehmenden mehr Klarheit über den Bildungsansatz wünschen und es ihnen schwer fällt,
die Offenheit des sich immer noch in Entwicklung befindenden Bildungsansatzes
anzunehmen, kreativ zu füllen und nach außen (gegenüber ihren eigenen Zielgruppen)
selbstsicher zu vertreten. Hier decken sich die Erfahrungen der LJA im Referat „Nachhaltige
Entwicklung ländlicher Räume“ mit denen aus der der Studie „Bildung für Nachhaltige
Entwicklung (BNE) bei außerschulischen Anbietern“. In der Studie wurden insgesamt 2024
Anbieter von außerschulischen Bildungseinrichtungen befragt. Die Ergebnisse der Studie sind
ernüchternd: nur 10 % der Befragten lassen „ein auf BNE gerichtetes Profil erkennen, das
sich vor allem in technischen und organisatorischen Abläufen, aber weniger in der Struktur
von Inhalten, Methoden und personeller Qualifizierung zeigt“4.
Auch wenn die UN-Dekade BNE (2005 – 2014) einen Beitrag zur Stabilisierung von BNE geleistet hat, ist die Ausbreitungsgeschwindigkeit von BNE in der außerschulischen Bildung
nicht sehr hoch. Zwar sind „erste Ansätze, vielversprechende Potentiale und zum Teil auch
guter Wille vorhanden“, aber man ist von einer „flächendeckenden Implementation“ noch
weit entfernt. 5
So lässt sich die Frustration darüber erklären, dass auch in der Lebenswelt der Teilnehmenden nur wenige Menschen mit dem Bildungsansatz BNE überhaupt vertraut sind. Das führt
zu dem Gefühl, wenig Unterstützung bei BNE Bildungsangeboten zu haben, von einer
kompletten Implementierung des Bildungsansatzes in den eigenen Institutionen einmal
abgesehen. Vielleicht ist gerade deshalb bei den Teilnehmenden ein großer Vernetzungswille
festzustellen. Die bereits etablierten Vernetzungsportale (z.B. über die Arbeitsgemeinschaft
Natur- und Umweltbildung [ANU] oder die Website der UN-Dekade) sind bisher immer noch
nicht breitflächig bekannt.
Das wiederum ist eine Chance für die LJA, die diesen Menschen durch regelmäßige
Veranstaltungen einen Raum für Austausch und Vernetzung bieten kann. Die
Veranstaltungen können inhaltlich in regelmäßigen Abständen Grundlagen einer BNE
aufgreifen und die Teilnehmenden in Erweiterungskursen vertiefende Aspekte von BNE
erfahren und erarbeiten lassen.
Um dabei glaubwürdig zu sein,
braucht es in der Lebenswelt der
Teilnehmenden ein Angebot,
das nicht BNE „vermitteln“ will,
sondern getreu des eigentlichen
BNE Ansatzes BNE erfahrbar
macht und den Teilnehmenden
mit einer Grundhaltung, die sich
an den Zielen einer nachhaltigen
Entwicklung orientiert, Raum für
eigene Erarbeitung von Inhalten
und Methoden ermöglicht. Dazu
gehört auch, dass die Teilnehmenden eingeladen sind, das
4
5
Rode et al. 2011, S. 20
vgl. Rode et al. 2013, S. 36
6
Programm selbst mitzugestalten. Viel Raum für Erfahrungsaustausch und gegenseitige
Unterstützung bei dem Vorhaben, BNE in die eigene Bildungseinrichtung oder ins eigene
Programm zu tragen, sind ein zusätzlicher wichtiger Bestandteil.
Aufgrund der auch in dieser Lebenswelt vorherrschenden zunehmenden Zeitknappheit und
einem großen Leistungsdruck ist es im Sinne der Teilnehmenden, wenn während der
Seminare praxisorientiert gearbeitet wird, d.h. dass die Methoden und Konzepte, die im
Seminar erarbeitet werden, später auch für die eigene Arbeit verwendet werden können.
1.3. Kritische Verbraucherinnen und Verbraucher
Im Januar 2014 zogen, angeführt von hunderten Bäuerinnen und Bauern und 70 Traktoren
zogen 30.000 Menschen vor das Kanzleramt in Berlin. Die Demonstrantinnen und Demonstranten forderten von Bundeskanzlerin Merkel und Vizekanzler Gabriel einen Kurswechsel in
der Agrarpolitik. Statt weiterhin „Klientelpolitik für die Agrarindustrie“ zu betreiben, solle
sich die Bundesregierung für eine soziale, tiergerechte und ökologische Agrarwende einsetzen.
Aufgerufen zur Demonstration hatte das „Wir haben es satt!“-Bündnis aus über 100 Organisationen, darunter Bäuerinnen und Bauern, Imkerinnen, Natur-, Tier- und Verbraucherschützer, Entwicklungsorganisationen und Erwerbsloseninitiativen.
Hier solidarisieren sich Konsumentinnen und Konsumenten mit den Produzenten und
Produzentinnen von Lebensmitteln. Angesichts von unter zwei Prozent Landwirtinnen und
Landwirten in unserer Gesellschaft, können landwirtschaftliche Themen nur in Kooperationen und Vernetzungen von landwirtschaftlichen Initiativen mit Verbraucherinnen und
Verbrauchern mediale Aufmerksamkeit und Bedeutung erzielen. Seit 2011 versammeln sich
immer mehr Menschen bei Wind und Wetter
anlässlich der Internationalen Grünen Woche in
Berlin zu einer Demonstration für eine nachhaltige,
faire und tiergerechte Landwirtschaft.
Im Bildungsangebot der Evangelischen Landjugendakademie wird diese Intention in den Fortbildungen
zur Bauernhofpädagogik und den Angeboten für
Jugendgruppen
zur
Schöpfungsverantwortung
aufgenommen. Verbraucherinnen und Verbraucher
erleben Lebensmittel meistens nur noch über den
Einkauf. In die Produktion haben sie keinen Einblick
mehr. Das wird immer wieder in Diskussionen und
Hofbesuchen deutlich. Viele Teilnehmende sehen
zum ersten Mal einen Bauernhof von innen.
Entsprechend wenig Gedanken haben sie sich im
Vorfeld z.B. über folgende biologische Zusammenhänge gemacht:

Eine Kuh muss jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen, wenn sie Milch geben soll. Das bedeutet,
es kommen ca. 50 % männliche Kälber zur Welt, wenn sie nicht schon im Samen, der zur
Befruchtung der Kühe zum Einsatz kommt, aussortiert werden. Männliche Kälber können nur
über Kalb- oder Rindfleisch vermarktet werden. Zu Milchprodukten gehört
Rindfleischproduktion also unabdingbar dazu.
7

Hähnchen werden in 5 Wochen aus einem wenigen Gramm schweren Küken zu einem 1,8 kg
schweren Masthähnchen. Diese Entwicklung war nur durch eine hochselektive Züchtung
möglich.
Zur Vernetzung der landwirtschaftlichen Lebenswelt mit
anderen Lebenswelten der Gesellschaft trägt auch das
Eckpunktepapier „Nachhaltige Landwirtschaft“ bei, das im
Januar 2014 in die Landessynode der Evangelischen Kirche
im Rheinland eingebracht wurde. Auch in der Diskussion um
dieses Papier im Vorfeld der Synode 2014 wurde deutlich,
wie verschieden Landwirte und Landwirtinnen gegenüber
Verbraucherinnen und Verbrauchern die landwirtschaftliche
Produktion empfinden. Während die einen das Papier als
negativ und in der Darstellung zu einseitig empfinden, geht
es den anderen nicht kritisch genug mit der Materie
Landwirtschaft um.
1.4. Dementiell Erkrankte und ihre Familien
Da die Lebenserwartung der Menschen immer höher wird, steigt auch die Zahl der alten
Menschen mit dementiellen Erkrankungen, häufig vom Typ Alzheimer (ca. 60%). Gestört sind
z.B. das Gedächtnis, der Orientierungssinn und die emotionale Kontrolle. Dennoch wollen
auch die Erkrankten und oft auch ihre Familien, dass sie, solange wie möglich, zuhause wohnen. Das bedeutet enorme Veränderungen für das ganze Familiensystem.
Der Erkrankte Herr W. aus dem Dorf B.
Herr W. wird in wenigen Tagen seinen 80. Geburtstag im Bürgerhaus seines Dorfes feiern. Im
Unterschied zu allen Gästen weiß er selbst nicht warum gefeiert wird. Vor fünf Jahren wurde
bei ihm Demenz von Typ Alzheimer diagnostiziert.
Herr W. war aus dem Nachbarort in das Dorf eingeheiratet. Seine Frau bewirtschaftete mit
ihren Eltern eine Landwirtschaft im Nebenerwerb. Er war im Straßenbau beschäftigt und
arbeitete selbstverständlich in seiner Freizeit auf dem Betrieb mit. Freundschaften und Freizeitvergnügen hat das junge Paar, haben die jungen Eltern nach festen Regeln in beiden Dörfern gepflegt. Er war seit seiner Jugend im Gesangverein seines Dorfes. Sie war bei den Landfrauen in ihrem Dorf. Familienfeste und Jahresfeste unterbrachen die arbeitsreichen Alltage.
Die um zehn Jahre jüngere Schwester von Herrn W. hatte ihren Ehemann auch im Dorf B.
gefunden. Diese Familie lebte mit ihrer Tochter und den Eltern des Mannes im Haupterwerb
von ihrem Bauernhof im Dorf B. Ende der 1980er Jahre wurde in beiden Höfen die Landwirtschaft eingestellt.
Herr W. mit Frau und Sohn haben auf eigenem Bauland ein Haus für zwei Familien neu gebaut. Die Hofstelle wurde vermietet und das neue Eigenheim bezogen. Herr W. mit seiner
Frau bewohnt die obere Etage und der Sohn zog, noch unverheiratet, in die untere Etage.
Die Schwester von Herrn W. hatte nach der Aufgabe der Landwirtschaft viele Jahre mit der
Pflege der Schwiegermutter zu tun. Die Tochter hatte zur Ausbildung das Elternhaus verlassen und kommt nur noch zu Besuch. Der Schwager von Herrn W. suchte nach der landwirtschaftlichen Arbeit Kontakte außerhalb des Dorfes und begann mit seiner Frau die Welt zu
bereisen.
8
Die Familie von Herrn W.
Als Herr W. erkrankte, konnte niemand aus der Familie die Ehefrau bei der Pflege entlasten.
Erst der Schritt über die Erkrankung mit Vertrauten aus der Landfrauengruppe und dem Chor
zu sprechen, öffnete einen Weg aus der Isolation. Es fanden sich Personen, die für Herrn W.
die Teilnahme an den Gesangsstunden noch für Jahre ermöglichten. Aktuell kommt ein Sangesbruder jede Woche ins Haus und die beiden Männer singen zusammen. Im Dorf achteten
die Frauen darauf, dass Herr W. Spaziergänge im Ort auch allein unternehmen konnte.
Als Inkontinenz und Versteifungen die Grundpflege für die Ehefrau erschweren, wird erstmals Hilfe von ganz fremden Personen eines ambulanten Pflegedienstes in der Wohnung
zugelassen. Die pflegebedingten Belastungen nehmen trotz der regelmäßigen Unterstützung
des Fachpersonals zu. In der vertrauten Zweisamkeit des Ehepaares entwickelt Herr W. eine
ausgeprägte Teilnahmslosigkeit und spricht nicht mehr. Auch die Enkel entlocken ihm keine
Reaktion mehr. Nur das Singen belebt das ausdruckslose Gesicht.
Auf Anraten des Fachdienstes meldet die Ehefrau ihren Mann in der Tagespflege an. Voll
Zweifel, denn was machen die mit so einer in sich versunkenen Person. Es ist zunächst jenseits ihrer Vorstellungskraft, dass ihr Mann an den zwei Tagen pro Woche in der Gruppe von
dementiell veränderten Personen seine Teilnahmslosigkeit durchbrechen kann. Er spricht
auch dort nicht. Nonverbal zeigt er eine Präsens und Zugewandtheit, die ihm im heimischen
Umfeld nicht möglich ist.
In diesem Jahr hat die Familie den Mut gehabt zu testen, wie der Erkrankte bei zwei Feiern
reagierte.
Seine Frau, die Hauptpflegeperson, hat mit Familie, Nachbarschaft, Freundinnen und Freunden ihren 75. Geburtstag in einem Lokal gefeiert. Herr W. hat teilgenommen. Der Trubel, die
vielen Leute, der unbekannte Raum brachten ihn nicht aus der Ruhe. Sein Sohn wurde 50
Jahre und wagte, wie vor der Erkrankung des Vaters üblich, im Außengelände und dem Keller
des gemeinsamen Hauses ab mittags bis in die frühen Morgenstunden zu feiern. Herr W.,
der Vater, hat auch diese Ausnahmesituation ohne Aufregung miterlebt. Für die Familie des
Sohnes war es ein wichtiger Schritt auch in ihrem Bekanntenkreis offen mit der Demenzerkrankung des Vaters umzugehen. Ein bis dahin vertrautes Muster, Schwierigkeiten nur innerhalb der Familie zu bearbeiten, hatte sich dem gegenüber als untauglich erwiesen. Die
Enkelsöhne, Zwillinge, haben in diesem Jahr erleben können, dass auch mit ihrem Opa, der
nicht mehr spricht, Feste zu feiern sind. Alle können zusammen feiern und für diese begrenzte Zeit hat die Demenz ihren Schrecken verloren.
In dem Angebot „Kräfte tanken“ wurden nicht
nur Betreuungskräfte im Umgang mit Demenzerkrankten geschult, sondern auch für die Demenzkranken und ihre Angehörigen war der
Urlaub ein besonderes Erlebnis. Mit Musik
konnten die Urlauber auf einer sehr individuellen und emotionalen Ebene angesprochen werden.
9
Das Singen erinnert an frühere Situationen, an Feste und fröhliche Gemeinschaft. Die Musik
bringt Rhythmus in die für Demenzerkrankte typische Unruhe und animiert die Kranken, sich
anders zu bewegen als sonst. Unterstützt wurde dies durch Übungen mit dem Schwungtuch.
Auch der Spaß beim Spielen kam nicht zu kurz. Spiele für Senioren mit Demenz trainieren
nicht nur Gedächtnis und Gehirn, sondern können auch zu einem sozialen Miteinander beitragen. Die pflegenden Angehörigen nutzen die Entlastung durch die Betreuungsgruppe zu
einem intensiven Austausch über die Bewältigung des Alltags und ihre Erfahrungen mit den
öffentlichen Hilfesystemen.
2. Jugendliche Lebenswelten
In allen Handlungsfeldern unserer Arbeit begegnen uns Jugendliche, mal persönlich, mal
indirekt durch die Sicht von hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Jugendbildung und Jugendarbeit sowie engagierten Menschen im Ehrenamt. Sie spiegeln gesellschaftliche Trends oft am deutlichsten – weil sie in ihrer Wahrnehmung der Erwachsenenwelt und dem Entwickeln eigener Lebenswelten in Übernahme, Auseinandersetzung und
Abgrenzung öffentlich demonstrieren, was gesellschaftlich gerade anerkannt bzw. tabuisiert
ist, wo und worin gesellschaftliche Brennpunkte bestehen und wohin sich gesellschaftliche
Wirklichkeit verändern muss bzw. wird, wenn auch die nachwachsende Generation ihren
Platz einnimmt. Insofern erfolgt in diesem Bericht die Beschreibung ihrer Lebenswelten besonders ausführlich. Ein Überblick über die Selbstbilder der unterschiedlichen Generationen
hilft zu verstehen, wie die Entwicklung der vergangenen Jahre einzuordnen ist:
Es wird deutlich: Die Lebenswelten haben sich gerade auch in den
Bildern, die die Generationen selber von sich haben, verändert.
Dass man sich viel erarbeiten
muss, dass Leistung zählt und klare Wertvorstellungen, dass man
Autoritäten achtet, bestimmt das
Bild der Älteren ab 60 Jahre und
wenn auch abgeschwächt, das der
mittleren Generation. Diese entwickelt sozusagen als Eigenes die
Werte, die jetzt in der jungen Generation ganz oben stehen: Kommunikation, Freiheit, Genuss, das
sind unsere Ziele und Werte, die
die jungen Generationen weiterentwickeln auf ihre Weise.
10
2.1. Jugendliche zwischen Schule, Elternhaus und außerschulischen Räumen
Ob in Ballungsräumen oder im ländlichen Raum, die Lebenswelten von Jugendlichen sind oft
geprägt von familiären und sozialen Spaltungen. Sie wachsen in unterschiedlichen ökonomischen Verhältnissen auf und haben daraus resultierend unterschiedliche Möglichkeiten der
politischen und sozialen Partizipation. Schule und Ausbildung fordern von den Heranwachsenden hohe Leistungsbereitschaft und Anpassung.
Dabei wollen Jugendliche heute vieles – und gerne alles miteinander vereinbar und gleichzeitig: Erfolg im Beruf, eine ansehnliche Kariere, Spaß mit Freunden, viele Reisen und natürlich
eine eigene Familie. Ein Großteil der Jugend geht mit diesen Wünschen und Herausforderungen in Alltag, Beruf und Gesellschaft optimistisch und pragmatisch um. Bildungs- und
Leistungsorientierung sowie ein ausgebildeter Sinn für soziale Beziehungen sind laut ShellJugendstudie prägende Kennzeichen dieser Generation.6
Als Standortbestimmung für Mitarbeitende in der Jugendarbeit wird im Januar 2015 erstmalig die Langzeitfortbildung „Jugendwelten“ in drei Modulen starten. Folgende Inhalte werden
u.a. thematisiert: Lebenswelt in der „Clique“; Lebenswelt „öffentliche Plätze“ / Sozialraumanalyse; Lebenswelt „Schöne neue Welt“; Lebenswelt „Risikogesellschaft“ – Einsteigen oder
Aussteigen.
2.2. Jugendliche Ausdrucksweisen
Jugendliche drücken sich über Musik, Kunst, Sport, Mode,
politischem Engagement und vielen anderen Dingen selbst
aus. Sie zeigen damit ihre Sichtweise vom Leben, ihrer Lebenswelt öffentlich und werden genau damit als Teil einer
Gruppe sichtbar: Freunde, Schule, Musik, Medien etc. – die
Lebensumwelt der Jugendlichen – wirken auf die Jugendlichen ein und beeinflussen ihren Ausdruck7. Die kulturellen
Praxen der Milieus sind als ästhetische in dem Sinne zu begreifen, dass Subjekte und Gruppierungen ihren Lebenswelten eine sichtbare Gestaltung geben, in dem auch politisches
(Bildungs-)potential steckt. Denn man präsentiert sich anderen auf ästhetische Weise und nimmt damit aktiv Bezug auf eine, mit anderen geteilten Gemeinschaft. Er oder sie macht also zumindest eine minimale politische Geste, indem sie sich
darstellen und zeigen, wie sie soziale Umwelt wahrnehmen. 8
Medien
Die Lebenswelten der Jugendlichen sind von Medien geprägt und „modelliert“. Die Jugend
von heute ist online. Da wird gebloggt, gechattet und getwittert, bei YouTube werden Filme
geschaut und veröffentlicht, in einem Social Network wird ein Profil gepflegt und für den
dauernden Kontakt zu den Freunden sorgt der Instant Messenger. Das Social Web ist für das
6
vgl. 16. Shell Jugendstudie
Kusber, S. 47 ff.
8
vgl. Sturzenhecker, S. 157-158
7
11
Beziehungsmanagement von heutigen Jugendlichen unverzichtbar geworden. Der Internetalltag hat auch Auswirkungen auf die Sprache und das Verhalten von jungen Menschen.
Wenn sich nun die Jugendkommunikation mehr und mehr in die sozialen Netzwerke verlagert, entstehen auch für Pädagoginnen und Pädagogen neue Herausforderungen im Umgang
mit Jugendlichen. Diese zu erkennen und zu nutzen war Inhalt der Seminares „Sprichst Du
Jugend? - Ein etwas anderer Kommunikationsworkshop“. Hauptberufliche aus der Jugendarbeit konnten hier neue Kommunikationsmöglichkeiten entdecken und „neue Interaktionsmöglichkeiten“ in der virtuellen Welt von Jugendlichen erlernen. So formulierten die Teilnehmenden des Seminars facebook-Texte und bekamen Gestaltungshilfe für ihre Homepage.
Wer sich intensiver mit diesen Fragen auseinandersetzen wollte, besuchte die zertifizierte
Fortbildung „Sozialkompetenztraining oder wie fördere Jugendliche in Zeiten von WhatsApp
und Facebook“. Während der drei Module diskutierten Pädagogen und Pädagoginnen aus
der außerschulischen Jugendarbeit die Fragen: Wie sehen die Lebenswelten von Jugendlichen aus und in welchen „sozialen Räumen“ agieren sie miteinander? Welche sozialen Fertigkeiten brauchen Jugendliche heute, um in einer zunehmend mediatisierten Welt gut und
sicher aufzuwachsen? Welche Rolle
spielen dabei die neuen Medien und
wie können diese in die Jugendarbeit
positiv einwirken? Neben der theoretischen Auseinandersetzung mit diesen
Fragen praktische Methoden erarbeitet,
die das Training sozialer Kompetenzen
mit Hilfe verschiedener Medien unterstützen. Die Teilnehmenden probierten
neue Methoden, wie u.a. kreative Medienarbeit mit Fotographie, Video und
Audio sowie den Umgang mit social
media und web. 2.0. Darüber hinaus
erlernten sie den vielfältigen Einsatz des
Handys als medienpädagogisches Werkzeug.
Kommunikation
Jugendliche benötigen auf der Suche nach ihrer Identität und Selbstwirksamkeit eine Vielzahl
von Sozialkompetenzen. Sie erwerben diese im Elternhaus, in der Schule und auch in außerschulischen Angeboten und Räumen. Soziale Kompetenzen von Jugendlichen beziehen sich
heutzutage auf ein großes Feld von verschiedenen Fähigkeiten. Zu den wichtigsten Kompetenzen gehören die Fähigkeit zur Bildung positiver Beziehungen zu Gleichaltrigen, die Fähigkeit sich kooperativ in Gruppen zu verhalten, Durchsetzungsvermögen, Selbstvertrauen sowie das Erkennen der eigenen Selbstwirksamkeit. Grundlage all dieser Kompetenzen ist immer die Kontaktaufnahme zu anderen. Jugendliche tun dies zunehmend im Web, in sozialen
Netzwerken oder über Messangerdienste, wie WhatsApp. Hier kommunizieren sie mit
Freunden direkt und schnell, jedoch oft unverbindlich. Geschriebenes dient zumeist zum
Informationsaustausch. Im Zeitalter digitaler Medien zeigt sich: Jugendliche kommunizieren
heute anders als die Generationen vor ihnen. Faktoren wie Unabhängigkeit, Offenheit, Toleranz, Meinungsfreiheit und Unmittelbarkeit kennzeichnen ihre Lebenskultur. Trendforscher
Horst W. Opaschowski: "Die globale Kommunikation ist vorurteilsfrei. Unterschiede wie
12
jung/alt, arm/reich oder gesund/behindert verlieren an Bedeutung und werden in ihrer Andersartigkeit akzeptiert. Die junge mobile Generation legt großen Wert auf den unzensierten
Zugang zur Internetkultur und sie sieht die Möglichkeit, eigene Ansichten auszudrücken, geradezu als Grundrecht an. Im Computerzeitalter erfolgen die persönlichen Reaktionen, zum
Beispiel beim Chatten, unmittelbar. Die Generation@ lebt in einer Live-Welt, in der alles sofort erledigt wird“9. Soziale Kompetenzen
können auf diesem Wege nur schwer erworben oder/und erweitert werden. Umso
mehr brauchen sie Räume, auch außerhalb
von Schule, in denen sie sich persönlich
begegnen, miteinander agieren, sich ausprobieren und soziale Fähigkeiten ungezwungen erlernen. Angebote einer lebensweltorientierten außerschulischen Jugendarbeit sollte immer auch so gestaltet sein,
dass sie zu den aktuellen Lebenswelten von
Jugendlichen passt. Diese müssen nicht nur regional erreichbar, sondern auch zugänglich im
Alltag der Jugendlichen sein.
Ästhetik
Verbindend zwischen den Jugendlichen ist, dass sie mehrheitlich regelmäßig musikalisch
oder künstlerisch aktiv sind. Sie spielen ein Instrument (36 Prozent), singen (19 Prozent),
malen oder zeichnen (42 Prozent), tanzen (17 Prozent) oder spielen Theater (9 Prozent). Eine
wichtige Bedeutung haben auch medienunterstützte kreative Aktivitäten: 24 Prozent der 13bis 17-Jährigen erstellen nach eigenen Aussagen regelmäßig Bilder am Computer, 19 Prozent
fotografieren, 16 Prozent drehen Videos, 14 Prozent schreiben regelmäßig Blogs im Internet
und 6 Prozent machen elektronische Musik. Jugendliche mit Migrationshintergrund und Jugendliche mit niedrigem sozialen Status besuchen zwar seltener Theater, Konzerte oder Museen. Sie sind aber im selben Ausmaß kulturell aktiv – mit der Ausnahme, dass sie seltener
ein Instrument oder Theater spielen. Knapp ein Drittel der Jugendlichen lebt seine musikalischen oder künstlerischen Interessen ausschließlich selbstorganisiert aus – alleine, mit
Freunden oder der Familie. Dies trifft auf männliche Jugendliche und jene mit niedrigem sozioökonomischen Status noch häufiger zu.10
Politik
Die heutigen Jugendlichen sind in Zeiten des Friedens aufgewachsen. Wie selbstverständlich
leben Jugendliche Interkulturalität und Multikulturalität in ihrem Alltag. In der Schulklasse,
dem Jugendtreff, der Kirchengemeinde oder im Sportverein treffen Jugendliche mit unterschiedlich kultureller Herkunft aufeinander. Bei der Ausübung ihres Alltags tauschen sie sich
über ihre unterschiedliche Geschichte und Kultur aus und werden sich hierbei ihrer Unterschiede und Gemeinsamkeiten spielerisch bewusst. Trotz des alltäglichen und automatischen Auseinandersetzens mit der Multikulturalität und interkulturellen Integration in unserer Gesellschaft besteht die Gefahr, dass die heutige junge Generation aufgrund der europäischen Krise und der hohen Jugendarbeitslosigkeit die Idee der Europäischen Integration aus
den Augen verliert.
9
Opaschowski, S. 20 ff.
Grgic, S.19
10
13
Neben den Themen der Stärkung des jugendlichen Bewusstseins und Verständnisses für Europa ist auch die Förderung der interkulturellen Kompetenz, d.h. ein Austausch der unterschiedlichen kulturellen Lebenswelten ein Ziel der LJA. Durch eine deutsch-polnische Jugendbegegnung sollen die Jugendlichen Begeisterung für andere Sprachen und Kulturen
entwickeln. Sie können sich zudem durch das gemeinsame Erinnern der deutsch-polnischen
Vergangenheit, der heute als selbstverständlich empfundenen Vielfalt eines gemeinsamen
europäischen Raums bewusst werden. Anhand einer internationalen Jugendbegegnung zu
bestimmten thematischen Fragestellungen, wie Klima, Energie oder Migration, nehmen sie
Unterschiede, Gemeinsamkeiten und gegenseitige Abhängigkeit für ein verantwortliches
europäisches Handeln bewusst wahr. So besteht die Chance, die Jugendlichen neu für Europa zu begeistern und ein neues gemeinsames Narrativ für Europa zu entwickeln11. Wenn sich
die Kooperation mit dem polnischen Weiterbildungsträger als positiv herausstellt, wäre eine
Intensivierung von internationalen Jugendbegegnungen erstrebenswert, um so diese Zielgruppe dauerhaft an die LJA zu binden.
Ein weiteres Ziel ist es, im Rahmen der Veranstaltung „Yourope“ das politische Verständnis
der Jugendlichen für die EU, deren agierende Akteure sowie deren politisches Handeln zu
schärfen. In einem Planspiel zur Klima- und
Flüchtlingspolitik soll, neben der Wissensvermittlung über wichtige europapolitische Fragen und
deren Verbindung zur Jugendwelt vor Ort, ein
Anreiz zur eigenen gesellschaftspolitischen Partizipation erzeugt werden. Ein wesentlicher Vorteil
eines Planspiels zu einer konkreten politischen
Problematik ist es, die Jugendlichen direkt über
die Komplexität der thematischen Arbeit zu einem Nachdenken über Europa zu bewegen.
Religion
Die 2014 erschienene V. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der EKD macht deutlich, dass
seit einigen Jahrzehnten die soziale Relevanz von Religion mit Erreichen der Lebensphase
„junge Erwachsene“ (Postadoleszenz) sinkt. Zwar bestehen individualistische Wertvorstellungen und pluralistische Haltungen gegenüber Religion, diese werden aber zunehmend weniger in Bezug zu den Kirchen gesetzt. Das äußert sich in einer stärkeren Distanzhaltung Jugendlicher und junger Erwachsener zu den christlichen Kirchen sowie in einer sinkenden
Konfessionsmitgliedschaft von Personen unter 29 Jahren. Entsprechend wird die Gruppe der
jungen Erwachsenen als diejenige ausgemacht, welche im Generationenvergleich in
Deutschland (und im weiteren Westeuropa) am wenigsten in die christlichen Kirchen integriert ist.12
11
12
vgl Esterl, S. 5 ff.
vgl. EKD, V. KMU S. 60 ff.
14
Die Jugend entwickelt aber nicht nur Distanz zur
Institution Kirche, vielmehr handelt es sich für sie
um einen sozialen Bedeutungsverlust von christlicher Religiosität überhaupt. Selbst die gerne für
die Deutung einer Rückkehr des Religiösen herangezogene öffentliche Relevanz von Religion findet
im Alltag der Menschen kaum einen Niederschlag:
Es wird nur selten über Religion geredet, praktiziert wird sie noch weniger. Das hat Rückwirkungen bis hin in die evangelische Jugendarbeit. So
wurde bei einem Seminar „Spiritualität mit Jugendlichen erlebbar machen“ mit Mitarbeitenden der
Evangelischen Jugendarbeit deutlich, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kaum gewohnt waren, von ihrem eigenen Glauben oder ihren eigenen Glaubensfragen zu erzählen. Ihnen fehlte nicht
methodisches oder kognitives Knowhow, sondern
die eigene, weitergebbare Erfahrung, wie man
christlichen Glauben teilt. Die Erforschung der eigenen religiösen Schätze in einer Gruppe
und die gemeinsame Überlegung, welche Teile des Evangeliums jede und jeder aufgrund
dieser Schätze besonders gut in ihre Arbeit integrieren könnten, erwies sich als Weg, Möglichkeiten für Spiritualität am eigenen Arbeitsplatz gemeinsam mit den Jugendlichen zu entwickeln.
2.3. Bildungsbenachteiligte Jugendliche
Bereits deutlich wurde, dass nicht alle Jugendlichen den gesellschaftlichen Anforderungen
gewachsen sind und ihre Lebensentwürfe verwirklichen können. Vielmehr zeichnet sich ab,
dass die Lebenswelten der Jugend auseinanderdriften und sich eine soziale Kluft (wie in der
gesamten Gesellschaft) festigt. Jugendliche aus sozial schwachen Verhältnissen teilen seltener den Bewältigungsoptimismus der gut situierten Gleichaltrigen und zeigen sich zunehmend resigniert, was die eigenen Aussichten angeht. Sie werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Denn trotz sinkender Geburtenraten hat die junge Generation immer noch
Probleme, einen reibungslosen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu finden (siehe Grafik nächste
Seite). Darüber hinaus haben 1/3 der jungen Menschen in Deutschland weder Vollzeit- noch
Halbtagsbeschäftigungen. Brüche gehören für viele dazu, aber diese reduzieren dauerhaft
die Zufriedenheit mit der Arbeitssituation. Besonders davon betroffen sind Hauptschulabsolventen. Sie haben überdurchschnittlich häufig Probleme, überhaupt einen Ausbildungsplatz
zu finden (49 %) oder einen, der ihren Neigungen entspricht (58 %). Sie sind fast doppelt so
oft von Arbeitslosigkeit nach der abgeschlossenen Ausbildung betroffen wie Abiturienten (42
% zu 24 %).13
13
vgl. IG Metall Studie Junge Generation
15
Bildungsbenachteiligte Jugendliche benötigen Stärkung ihres Selbstvertrauens und Ideen,
um sich Perspektiven für einen selbstbestimmten Lebensweg zu erarbeiten. Angebote wie
„Druck ablassen“ oder „Audio meets Street Art“ geben
ihnen die Chance, sich zu öffnen und ihre eigene Lebenswelt nach außen zu kommunizieren und darzustellen. Die Jugendlichen nehmen die Formate der kulturellen Bildung, bei denen sie selber künstlerisch tätig sein
können, sehr gut an. Deshalb soll auch im Jahr 2015 an
den Seminaren und Workshops der jugendpolitischen
Bildung mit künstlerischen Methoden festgehalten
werden. So können auch Jugendliche aus verschiedenen Lebenswelten Kontakt zueinander aufbauen.
Veranstaltungen im Rahmen des Projektes „Kultur macht stark“ werden weiter angeboten.
Hier stellen wir mit den Kooperationspartnern fest, dass selbst dann, wenn Kosten durch den
Fördergeber übernommen werden und so eigentlich keine Rolle mehr spielen müssen, Probleme bestehen, die Zielgruppe wirklich zu erreichen. Zum Teil liegt es an der Unerfahrenheit,
wie wir solche Kinder und Jugendlichen erreichen, zum Teil aber auch an den notwendigen
(und nicht refinanzierten) persönlichen zeitaufwendigen Vorbereitungen der Einzelnen (und
ihrer Familien) auf die Maßnahme. Verbindliche Zusagen erfolgen oft nicht oder zu spät.
Verständigung und Ermutigung erfordern Einzelansprache und zeitaufwendige Begleitung.
Der Gewinn für diese Zusatzarbeit wird weder materiell honoriert noch zunächst von der
Zielgruppe anerkannt. Zumindest ist der Effekt: „Wenn es ihnen einmal Spaß gemacht hat,
kommen sie wieder“ deutlich geringer, als bei den Kindern und Jugendlichen, die zur „klassischen Klientel“ evangelischer Jugendarbeit gehören. Denn auch bei einem grundsätzlichen
„interessiert sein“ sind die realen Probleme (Finanzierung der Zusatzkosten wie Taschengeld,
Regenkleidung, Taschenlampe; Ausstattung, Selbstunsicherheit, Überlastung der Bezugspersonen mit der Organisation des Alltags, fehlende Mobilität) immer wieder neu zu bewäl16
tigen. Gleichzeitig nehmen die Jugendlichen wahr, dass sie sich von anderen
unterscheiden. Sie wollen nur dann dabei sein, wenn sie auch wirklich dazugehören, d.h. das Fehlen von angemessener Kleidung, Utensilien o.Ä. wird von
den Kindern und Jugendlichen als beschämend und isolierend erlebt. So waren bei der Ferienmaßnahme „Natur
Pur“ in der Woche vor dem Start trotz
großen Interesses nur 12 Teilnehmende
angemeldet, nach erneuter Ansprache
durch die Jugendmitarbeiterin am Freitag dann 30 – die auch am Montag alle
kamen.
Enorm wichtig werden Regeln, die gleichzeitig orientieren und verlässliche Grenzen setzen.
Dazu sehen sich die Bezugspersonen oft nicht hinreichend in der Lage. Sie sind aber erforderlich, damit der Einzelne und die Gruppe sich sichern kann und Varianten des bisherigen
Verhaltens und (nicht-erfolgreichen) Lernens erproben kann. Dazu gehört auch, wenn irgend
möglich, Bezugspersonen (Eltern, Pädagogen, Assistenzen) ggf. durch eigene Begleitprogramme regelhaft einzubeziehen. Wir erfahren, dass diese Personen dann die Leistung ihrer
Kinder, Angehörigen, Betreuten anders würdigen als ihnen das vorher möglich war. Wir
vermuten, dass auch dieser Gruppe Aufmerksamkeit für sich selber (mit den dazu gehörenden Verstehensangeboten, eigenen Erfahrungsmöglichkeiten und Austausch mit ähnlich Betroffenen) diesen Blickwechsel ermöglicht. Erfolgreich waren die ehrenamtliche Mitarbeit
durch Eltern oder Betreuer und die Präsentation der „Wochenergebnisse“ in einer Ausstellung oder Fotoshow für Eltern.
2.4. Mobile Jugendliche in der globalisierten Welt
Eine weitere jugendliche Zielgruppe der Akademie sind die Auszubildenden, die in der Region bleiben. Viele Jugendliche leben wie selbstverständlich Europa und haben durch einen
Schüleraustausch nach Frankreich, Großbritannien oder Spanien erste Anreize zur europäischen Mobilität kennen- und schätzen gelernt. Zudem verbringen sie ihre Ferien gerne im
europäischen und außereuropäischen Ausland und haben auch in ihrer Lebenswelt im Alltag
europäische Kulturen aufgenommen. Sie essen gerne Pizza oder Döner, hören die neuste
Musik aus England und fiebern den europäischen Stars im Fußball nach. Auch das Internet
setzt den Jugendlichen keine geographischen Grenzen zum globalen, kulturellen Austausch.
Obwohl Europa bei vielen Jugendlichen längst gelebte Realität ist und die Zahl der Jugendlichen, die während ihrer (universitären) Ausbildung an einem Austauschprogramm teilnehmen steigt, brauchen Jugendliche, die sich in einer Ausbildung befinden, noch Stärkung dafür, dass sich ihnen trotz der festen Strukturen innerhalb ihrer Berufsausbildung die Chance
zu mehr europäischer Mobilität bietet.14 So können sie z.B. durch Förderprogramme wie
Erasmus+ einen Teil ihrer Ausbildung im europäischen Ausland absolvieren und neben neuen Eindrücken für die Berufswelt und indem sie neue Kulturen kennenlernen, auch neue
Impulse für ihre Persönlichkeitsentwicklung hinzugewinnen. Neben der Sensibilisierung der
14
Friedrich/ Körbel, S. 10 ff.
17
Auszubildenden für die Mobilität und die Gedanken der Europäischen Integration erhalten
die Auszubildenden zudem wichtiges Handwerkszeug (Soft Skills), die ihnen bei der erfolgreichen Durchführung ihrer Ausbildung von Hilfe sein können. Wichtig hierbei ist, dass neben
den Jugendlichen, auch die regionalen Ausbildungsbetriebe über die Chancen und sich bietenden Vorteile durch die europäische Mobilität informiert und nachhaltig überzeugt werden. Es ist Ziel der LJA, den Ausbildungsbetrieben deutlich zu machen, dass sie durch die
Ermutigung ihrer Auszubildenden zur europäischen Mobilität positive Synergieeffekte
gewinnen.15 Jugendliche, die einen Teil ihrer schulischen oder beruflichen Ausbildung im Ausland absolviert haben, bringen wichtige neue Impulse sowie eine Stärkung ihrer Persönlichkeit mit. Hiervon
profitieren automatisch auch die Ausbildungsbetriebe, zu denen die Jugendlichen zurückkehren
sowie langfristig die gesamte ländliche Region. Die
für die Auszubildenden konzipierten Veranstaltungen sollen die mit regionalen und lokalen Ausbildungsbetrieben bestehenden Kooperationen festigen und neue Kooperationen zur Landjugendakademie Altenkirchen ermöglichen.
2.5. Jugendliche mit Migrationserfahrungen
Internationale und europäische Vielfalt (Toleranz und Verständnis für andere Kulturen) aktiv
zu leben beginnt direkt vor Ort, denn auch im ländlichen Raum leben Jugendliche mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Zum Teil sind sie Kinder von Aussiedlerfamilien oder
Arbeitsmigranten, zum Teil bringen sie eigene Fluchterfahrungen mit. Die LJA fördert die
interkulturelle Begegnung vor Ort. So ist eine Kooperation mit einem lokalen Sozialträger,
der jugendliche Flüchtlinge betreut, entstanden. Junge Flüchtlinge begegnen anderen Jugendlichen, um ihnen die Integration einfacher zu gestalten. Dabei werden Methoden der
kulturellen Jugendbildung eingesetzt.
Zudem soll im kommenden Jahr ein Gesprächskreis initiiert werden, bei dem sich lokale und
regionale Akteurinnen und Akteure zur aktuellen Situation von Flüchtlingen in Deutschland und im speziellen der Situation vor Ort in der Region - austauschen können. Neben dem Informationsaustausch soll auch gemeinsam an der Formulierung von Handlungsempfehlungen gearbeitet werden, was konkret vor Ort für eine Verbesserung der Lebenswelten der
Flüchtlinge unternommen und wie in der Bevölkerung vor Ort gegen Vorurteile und Ressentiments agiert werden kann.
15
Clement/ Koch S. 98
18
2.6. Jugendliche im Zwiespalt zwischen Natur und Wachstum
Jugendlichen bieten sich heute wahrscheinlich so
viele Möglichkeiten zur Gestaltung ihrer Lebenswelt
wie keiner Generation zuvor. Sie spielen und kommunizieren dank des technischen Fortschritts über
Computer, Handys oder Tabletts. Dazu bietet sich
ihnen die Möglichkeit – auch mit geringem Budget –
immer die neuesten Güter konsumieren zu können.
Zusammen mit den älteren Generationen leben die
Jugendlichen in einer Welt des Überflusses und
schöpfen dies aus, was nicht ohne bemerkbare Folgen für die Natur und Umwelt bleibt. Jugendliche
bewegen sich in einem Zwiespalt zwischen Lust und
Frust. Das heißt, Jugendliche wollen mobil und erreichbar sein aber dennoch durch ihr nachhaltiges Handeln die Umwelt schützen und zu
mehr Umwelt-, Klima- und Nachhaltigkeitsbewusstsein beitragen.16 Im zweiten Halbjahr
2015 wird die Akademie mehrere Veranstaltungen zum Thema „Natur“ mit künstlerischen
Methoden anbieten. Ziel ist es, sich dem Thema Natur und ihrer Vergänglichkeit anzunähern,
um so die Debatte zur Nachhaltigkeit und mehr Umweltbewusstsein unter den Jugendlichen
anzustoßen.
2.7. Jugendliche zwischen Ehrenamt, Freiwilligendienst und Berufseinstieg
Jugendliche bewältigen eigene körperliche, psychische und geistige Reifungsprozesse, auch
indem sie sich in verschiedenen Rollen und Handlungsfeldern ausprobieren und ihre Fähigkeiten in die Gesellschaft einbringen. Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und Berufseinstieg stehen
oft in einem Zusammenhang. Erfahrungen aus dem Freizeitbereich werden für die Berufswahl fruchtbar gemacht, berufliches Wissen in die Arbeit im Ehrenamt zurücktransportiert.
Jugendliche engagieren sich, trotz zunehmender zeitlicher Beanspruchung durch die Schule,
zahlreich für die gesellschaftliche Veränderung und die Gestaltung der eigenen Lebenswelt:
50% von ihnen sind freiwillig engagiert. Die Möglichkeiten für ihr Engagement sind vielfältig
– und sie werden von vielen Gruppen und Vereinen umworben. Jugendarbeit wird gesellschaftlich und kirchlich zum allergrößten Teil ehrenamtlich von Jugendleiterinnen und Jugendleitern durchgeführt, meist mit Unterstützung durch berufliche Koordinatorinnen und
Koordinatoren oder Mitarbeitende in der Jugendarbeit. Das Engagement für andere Jugendliche in der Kirche ist nur eine Möglichkeit des Ehrenamtes (in der Wertigkeit steht es nach
Engagement im Sport (12%) an zweiter Stelle (7%), noch vor dem Engagement in der Schule
(6%). Nach den guten Erfahrungen der Weiterbildungsreihe für Erwachsene der EAD, die für
Rheinland - Pfalz in der LJA durchgeführt wurde („Ich beteilige mich, 2014“) bietet die LJA
generationenübergreifend 2015 „Handwerkszeug fürs Ehrenamt - Was tun bei Bauchschmerzen wegen Heimweh und wer wird mein Nachfolger?“. Folgende Fragestellungen
werden bearbeitet: Wie motiviere ich Jugendliche in Zeiten von WhatsApp und Facebook?
16
vgl. Kleinhückelkotten, S. 86
19
Wie kann sich meine ehrenamtliche Arbeit interkulturell öffnen? Wie gewinne ich neue
Menschen für die Arbeit im Ehrenamt? Wie kann ich meine Erfahrungen für neue Konzepte
nutzen?
Studierende haben meist wenig außeruniversitäre institutionelle Anbindung aufgrund von
Wohnortwechseln und inneren Veränderungen. Sie haben gleichzeitig viel ehrenamtliches
Potential. Als neue Zielgruppe konnten einige von ihnen mit dem Seminar „So-nein? So-ja!
Aktionsworkshop zum Thema Soja-Anbau – global bis regional“ als engagierte junge
Akademikerinnen und Akademiker angesprochen werden, die als Multiplikatoren und
Multiplikatorinnen im universitären Kontext wirken können.
Ein Problem hierbei ist sicherlich, dass in der Lebenswelt der jungen Erwachsenen sich
zunehmend eine immer größer werdende Belastung durch ein hohes Pensum an
Vorlesungen und Seminaren im Rahmen des Studiums feststellen lässt. Das dritte
Freiwilligensurvey des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nennt
hierfür unter anderem die Umstellung des Systems auf Bachelor / Master Studiengänge.17
Zeit für Engagement muss daher mühsam erkämpft werden. Ganze Wochenenden für
Seminare außerhalb der Universität zu besuchen, ist für die Teilnehmenden ein großer
zeitlicher Aufwand. Hier sollte für die Zukunft über Alternativen nachgedacht werden.
Denkbar ist z.B. eine Kooperation mit einer Universität, so dass ein Seminar an der LJA im
Rahmen eines Kurses des Lehrplans integriert sein kann.
Da diese Zielgruppe grundsätzlich viel Wissen, jedoch nur wenig Zeit hat Gelerntes oder
Erkanntes in der Praxis mit anderen zu teilen, müssen für diese Veranstaltungen gute
Formate wie z.B. Aktionsworkshops gefunden werden, die ein sofortiges Teilen bzw. die
Vorbereitung einer später folgenden Aktion nach Außen ermöglichen.
Während der Veranstaltungen für diese
Zielgruppe können Räume für einen
interdisziplinären Wissensaustausch geöffnet werden, was den Teilnehmenden häufig
aus ihren interdisziplinären Studiengängen
bekannt ist und daher gut angenommen
wird. Methodisch sollten sich auch diese
Veranstaltungen an den Grundlagen einer
BNE ausrichten, also neben neuen Inhalten
auch dazu anregen, mit dem Wissen
gesellschaftliche Prozesse mitzugestalten.
Um eigene Erfahrungen zu vertiefen, interkulturelle Kenntnisse zu erwerben oder auch um
Übergänge zu verlangsamen oder zu überbrücken, wählen seit Jahren immer mehr junge
Erwachsene die Möglichkeit eines Freiwilligenjahres (ca. 7-8% eines Jahrgangs aktuell). Das
Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) ist ein Angebot an alle, die über Natur- und Umweltschutz
nicht nur reden und lesen, sondern ihn aus Überzeugung, Interesse und Spaß an der Sache
praktisch realisieren möchten. Nicht jeder weiß nach der Schule sofort, wie es weitergehen
soll, ob er mit seinem Berufs- oder Studienwunsch richtig liegt.
17
vgl. BERTELSMANN STIFTUNG
20
Die praktische Arbeit in den Einsatzstellen bietet hier einen spannenden Einblick in die
unterschiedlichen Arbeitsgebiete des Umweltschutzes. Während des FÖJ haben die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, ihre Vorstellungen und Wünsche für die
persönliche und berufliche Zukunft in der Realität zu überprüfen. Sie machen neue,
spannende Erfahrungen und knüpfen Kontakte zu Gleichgesinnten. Dabei entdecken sie ihre
eigenen Interessen und Stärken.
Das Alles und noch Mehr… Chancen im FÖJ
Das FÖJ bietet mir zudem noch Seminare mit anderen Freiwilligen aus Rheinland Pfalz. Dort
trifft man viele neue spannende Leute und kann sich über verschiedene Themen intensiv
austauschen. Das Sprechersystem des FÖJs indem ich zur Beisitzerin gewählt wurde bietet
zudem einen umfangreichen
Einblick in die Welt der Politik.
Des Weiteren können wir als
FÖJler auch noch selber eigene
Projekte durchführen. Im
Oktober habe ich an dem
Projekt „Keltischer Ofenbau
mit
Überdachung“
teilgenommen. Da haben wir
FÖJler
einen
Lehmofen
restauriert
und
die
Überdachung dafür erneuert.
Diese praktische Arbeit hat
viel Spaß gemacht und vor
allem unsere Kreativität und Gruppendynamik gefördert. Zurzeit beteilige ich mich an dem
Projekt „Naturschutz gegen Rechtsextremismus“, dort planen wir eine Freizeit mit der
Möglichkeit sich über Zusammenhänge über Naturschutz und Rechtsextremismus zu
informieren und dabei viele Diskussionen zu führen. Nicht zuletzt bietet es die Möglichkeit ein
politisches Signal zu setzten. Ich bin gespannt, was mich noch in meinem freiwilligen Jahr
erwarten wird.
Bericht von Wiebke Möller, FÖJlerin in der LJA
3. Lebenswelten von Mitarbeitenden in Kirche und Diakonie
3.1. „Jeder und jedem alles zu werden“: Inklusion
Mit dem Stichwort der Inklusion stoßen in der Praxis Menschen mit sehr
unterschiedlichen Lebenswelten und
Erwartungen aufeinander. Menschen
mit körperlichen und geistigen Behinderungen trennt z.B. je nach Vorhaben
viel mehr voneinander als der Rollstuhl
eines Diskussionsteilnehmers ihn von
einem Menschen ohne Behinderung
trennt. Leichte oder einfache Sprache
benötigen Menschen mit geringen
Deutschkenntnissen ebenso wie Menschen, die Schwierigkeiten haben, den
Sinn vieler Worte zu erfassen. So mischen sich gerade im Kontext der Inklusion die lebensweltlich geprägten Erwartungen, was Inklusion leisten soll. Kommunikation darüber bietet
21
eine Bühne für Missverständnisse ebenso wie für überraschend gelingende Begegnungen
und Projekte. Die, die kommen, spiegeln uns oft, wie sehr sie sich trotz aller Verschiedenheit
bei uns „richtig“ fühlen. Für Menschen mit Beeinträchtigungen aller Art (Sprache, körperliche oder geistige Behinderung, Lernbenachteiligte, demenziell Erkrankte, Migrantinnen und
Migranten) ist dennoch die Organisationsschwelle für sie, und falls erforderlich, ihre Betreuer oder Assistenzen hoch. Am ehesten gelingt das gemeinsame Miteinander, wenn wir Themen finden, für die sie Fachleute sind – und somit nicht in die klassische Rollenverteilung
gedrängt werden. Beispiele sind z.B. ein Schriftsteller mit Trisomie 21, der im Rahmen eines
Workshops erzählt, wie er Worte findet für ein Literaturprojekt (Ohrenkuss), eine Journalistin im Rollstuhl, die beschreibt, wie gute journalistische Arbeit bei dpa und epd gemacht
wird, Migrantinnen, deren Lebenserfahrung durch künstlerische Aufarbeitung wertvoll für
die Kommunikation mit Nachbarinnen wird. Auch hier gilt: Wer mit den eigenen Erfahrungen
Gehör und Ansehen findet, wird in seiner Selbsteinschätzung gestärkt und wird auch von
anderen anders angeblickt und beachtet. Förderung der Inklusion erfordert von den Mitarbeitenden in Kirche und Diakonie gleichzeitig ein hohes Maß an innerer Bereitschaft die eigenen Erfahrungen und Grenzen durch andere irritieren zu lassen, wenn sie diese Begegnungen aktiv suchen. Dazu gehört in der Folge dann oft auch, dass sie mit Zuschussgebern
darum ringen, Fördergrenzen neu zu definieren, um erneute Benachteiligungen zu verhindern und tatsächlich eine Veränderung der gesellschaftlichen Wahrnehmung (uns fehlt etwas Wesentliches, wenn wir Menschen von unserem Alltag ausschließen) zu fördern. Das gilt
für die Mitarbeitenden, die mit uns lernen ebenso wie für uns selber.
3.2. Nichts ist so beständig wie der Wandel: Der Arbeitsplatz als Dauerbaustelle
Mitarbeitende aus Kirche und Diakonie sind in allen zu uns kommenden Berufsgruppen (v.A. Jugendmitarbeiterinnen,
Sozialarbeiter,
Gemeindepädagoginnen, Sozialpädagogen, Pfarrerinnen, Erzieher)
von seit Jahren sich verändernden
Anforderungen in ihren Berufsfeldern betroffen. Sie erleben steigende zeitliche und inhaltliche Beanspruchungen, mit oft zunächst
berufsfremden Aufgabenerweiterungen, für die sie zusätzliche Qualifikationen benötigen – und neue
Handlungsmuster erlernen müssen.
Ihre ursprüngliche Motivation zum
jeweils gewählten Beruf wird aufgrund der erlebten Andersartigkeit
des Feldes und z.T. auch des Trägers fraglich und muss neu gefunden bzw. unter veränderten Bedingungen aktualisiert werden. Das
22
betrifft auch die Mitarbeitenden der Evangelischen Landjugendakademie. Zielgruppen und
ihre Ansprüche an ein Tagungshaus verändern sich ebenso wie die zur Verfügung stehenden
Zeitdeputate und Anforderungen an eine aktuelle Tagungs- bzw. Weiterbildungsgestaltung.
Immer wichtiger werden zertifizierte Kurse, die einen beruflichen Mehrgewinn versprechen.
Einen Schwerpunkt unseres Angebotes bilden daher mehrmodulige Kurse, die Leitungsqualifikationen vermitteln (Leiten und Führen, Management, Leitungskurs IBEK) oder befähigen,
durch verbesserte Selbst- und Fremdwahrnehmung andere zu fördern (Coaching von Ehrenamtlichen, KSA-Kurs). Immer wieder geht es darum, die eigenen und gemeinsamen Potentiale zu entdecken, zu benennen und Wege zu finden, wie damit eine gelingende Zusammenarbeit möglich ist.
Darüber hinaus bleibt dann aber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weniger Zeit für
thematische Weiterbildungsangebote – der Bedarf nach Tagesveranstaltungen oder komprimierten Kursblöcken steigt. Gemeinsame Weiterbildungen oder Tagungen mit Ehrenamtlichen werden zwar grundsätzlich bejaht – zusätzliches Engagement an den Wochenenden
ist aber aufgrund eigener beruflicher und privater Verpflichtungen nur eingeschränkt möglich. Wir werden 2015 darum versuchen, Wochenend-Tagungen und Studientage zu kombinieren, um den unterschiedlichen Bedarfen noch besser entsprechen zu können.
3.3. Mal wieder was für mich tun: Sinnfindungsprozesse im Ehrenamt
Viele ehrenamtlich Engagierte sind aktuell zwischen 60 und 75 Jahre. 2009 stammten laut 3.
Freiwilligensurvey – bei insgesamt gewachsener Zahl – 40 % aller in der evangelischen Kirche Engagierten aus dieser Altersgruppe (21 %
46 bis 59 Jahre; 19 % 31 bis 45 Jahre; 20 % 14
bis 30 Jahre). Noch 1999 waren es nur 26 %. 18
Außerdem sind viele Ehrenamtliche in ländlichen Regionen engagiert. In den entlegenen
ländlichen Räumen stieg das Engagement besonders deutlich an (von 34% auf 38%, im Umfeld von Ballungsräumen von 37% auf 38%, in
Ballungsräumen 31%). Der Spitzenwert wird in den peripheren Gebieten der alten Bundesländer erreicht (42%). Das Engagement ist vor allem im Rahmen und Umfeld von Institutionen gestiegen, von Kindergärten und Schulen, Kirchen und sozialen Einrichtungen. Bei den
Vereinen, die für die ländlichen Räume besonders wichtig sind, gab es ein stabiles Engagement.19
Uns begegnen diese Ehrenamtlichen vor allem als Engagierte in den Gemeinden (Presbyterinnen/Kirchenvorstände), als pflegende Angehörige (von demenziell Erkrankten) oder bei
thematischen Tagungen.
Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich häufig von einem Angebot bei uns Orientierung, Stärkung, Impulse für sich und ihr Ehrenamt, z.T. aber auch für Ihren (nach-) beruflichen Alltag
18
19
vgl.Seidelmann, S. 22
vgl. TNS-infratest S. 150 - 151
23
erhoffen. Gleichzeitig begegnen uns Ehrenamtliche, die sich in Kirche und Diakonie engagieren, in den vergangenen beiden Jahren oft erschöpft, überfordert und enttäuscht von den
vielen Verwaltungsanforderungen, die sie als belastend und einengend für ihr Engagement
erleben (bei freien Vereinen ist das weniger der Fall, kommt aber auch vor). Kurz kann man
sagen: sie suchen Gemeinschaft, Anerkennung, Spaß und sind bereit Neues zu lernen, stoßen
aber auf unerwartet viele und oft schwer auszuhaltende oder zu klärende Konflikte. So werden im Rahmen unserer Angebote Austausch und das Erleben von ganzheitlichem Lernen
immer wichtiger. Hier kommt es nicht nur auf die inhaltliche Qualität an, sondern auch auf
den Geist, der in dieser Veranstaltung spürbar wird. Auch wenn das Thema oft nur am Rande
benannt wird: häufig geht es Ehrenamtlichen und Beruflichen aus der kirchlichen Arbeit, die
zu uns kommen, auch um ihren Glauben, um die Spiritualität des gemeinsamen Lernens, um
eine Vergewisserung für den Grund ihres Engagement und eine Erweiterung ihrer persönlichen Frustrationstoleranz.
4. Vernetzte Welt und Kooperationen in der Arbeitswelt
Vernetzung verbessert die Kommunikation
zwischen den handelnden Akteuren und ist der
Schlüssel für eine erfolgreiche Arbeit in der
Zukunft. Dabei ist es wichtig, durch Fähigkeit und
Bereitschaft berufliche Kontakte und kooperative
Beziehungen aufzubauen und diese für die Bewältigung der alltäglichen Arbeit zu nutzen. Neue
Medien unterstützen dies zunehmend. Viele
dieser Vernetzungen und Kooperationen wurden
durch die Referate der Evangelischen Landjugendakademie initiiert und werden für die Zukunft
ausgebaut:
Nachhaltig vernetzten – Referat für nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume
2014 konnte in Kooperation mit der EKD Servicestelle EU-Förderpolitik eingegangen werden,
ein Seminar zum Thema „EU-Förderfonds für Kirche in ländlichen Räumen“ stattfinden
konnte.
Durch das soziale Netzwerk „Facebook“ werden seit Beginn des Jahres 2014 regelmäßig
spannende Links, Fotos aus dem Haus, kleine Berichte und Veranstaltungshinweise auf der
Plattform „gepostet“. Anhang der Klickzahlen lässt sich nachvollziehen, dass diese Form der
Kommunikation angenommen wird und die LJA hierdurch am Puls der Lebenswelt vieler
Teilnehmender oder Sympathisanten unserer Bildungsarbeit ist.
Demokratiebildung - Kooperationen und Vernetzung im Referat jugendpolitische Bildung
Das CJD Wissen wurde als Kooperationspartner gewonnen. Zunächst findet eine Veranstaltung im Rahmen der Woche gegen Rassismus im März 2015 statt. Außerdem sind weitere
gemeinsame Projekte mit Jugendlichen geplant.
Zum Thema Europa arbeitet die AG Europa an einer besseren Vernetzung zwischen den Referentinnen und Referenten der jugendpolitischen Bildung der verschiedenen Akademien
(Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung) und zum Thema Euro24
pa gemeinsam Veranstaltungen konzipiert und durchgeführt werden können. Das Referat
jugendpolitische Bildung der LJA ist involviert.
Eine deutsch-polnische Jugendbegegnung mit dem Instytut Regionalny w Katowicach (Regionalinstitut aus Katowice) ist initiiert. Ziel ist, dass sich die LJA mit dem Themenbereich der
europäischen Begegnung/ europäischen Integration international vernetzt. Zudem ist angestrebt, sich im Netzwerk Palästina-Israel-Rheinland der EKiR um weitere Partner zu bemühen.
Kooperationen mit regionalen Künstlern wie Katharina Otte-Varolgil, Kai Semor Niederhausen oder Arne Witt in den verschiedensten Seminaren und Workshops wurden im Jahr 2014
kontinuierlich aufgebaut und sollen im Jahr 2015 weiter gefestigt werden.
Vernetzte Zukunft - Referat für vernetzte Jugendbildung
Die im Jahre 2013 begonnene Kooperation des Referates vernetzte Jugendbildung mit der
BAKD (Bundesakademie Kirche und Diakonie) konnte 2014 weiter verfestigt werden und für
die Ausrichtung der Themenschwerpunkte genutzt werden.
Im Sommer 2014 begann erfolgreich eine Kooperation mit der Kreisjugendamt Koblenz und
dem Kreisjugendamt Neuwied mit Veranstaltungen in Valendar/Kreis Koblenz und in der
Evangelischen Landjugendakademie Altenkirchen.
In Kooperation mit der Kirchengemeinde Kusel, dem „Wissenschaftliches Büro Leipzig“ und
der Evangelischen Landjugendakademie Altenkirchen fand im November 2014 eine Fachtagung in Lauterecken zum Thema „Rechtsextremismus in ländlichen Räumen“ statt. Mit diesen Kooperationspartnern und dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung,
Weinbau und Forsten RLP sind für 2015 zwei Fachtagungen zum Thema „Naturschutz gegen
Rechtsextremismus“ und „Rechtsextreme Erlebniswelten“ geplant.
Alle sind dabei - Vernetzung und Kooperation in der Erwachsenenbildung
Die erfolgreiche Vernetzung des Landkreises Altenkirchen mit dem Netzwerk Demenz wurde
auch im Jahre 2014 fortgesetzt mit dem Konzept „Schulung und Betreuung“.
Im vergangenen Jahr ist die Kooperation mit der
Agrarsozialen Gesellschaft (ASG) in einer
Veranstaltung zum Thema „Gut leben mitten im
Dorf! Was wir für unsere Dorfkerne tun können“
zum Tragen gekommen.
Staatssekretärin Margit Gottstein, Ministerium für
Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen in
Rheinland-Pfalz eröffnete die Ausstellung „Das
Russlands-Deutsche Haus“ in das Online-Migrationsmuseum des Landes Rheinland-Pfalz in der Evangelischen Landjugendakademie. Grund
für diese Ortswahl war die langjährige Zusammenarbeit mit verschiedensten kirchlichen und
regionalen Einrichtungen in der Aussiedlerarbeit. In Kooperation mit der EKiR und der Aussiedlerarbeit der EKvW fand die Fachtagung mit dem Thema „Gemeindearbeit mit Russlanddeutschen“ statt.
25
Durch die Zusammenarbeit mit der Hochschule der Diakonie, Bethel konnten
die Grundlagen des Leitungskures für Erzieherinnen (IBEK) durch die Verantwortlichen unter Federführung von Susanne Koschmider zu einem Buch
„Kita-Management, Haltungen – Methoden – Perspektiven“ zusammengefasst werden.
Vernetzung fürs Land - Referat für Agrarpolitik und Landsoziologie
Durch die Mitgliedschaft in der Steuerungsgruppe Lernort Bauernhof des
Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten in RheinlandPfalz und der Arbeitsgruppe Lernort Bauernhof der Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof (BAGLoB) in Nordrhein-Westfalen, die Fortbildungsangebote für landwirtschaftliche
Betriebe und Unterstützung der Lobbyarbeit für Einkommensalternativen für landwirtschaftliche Betriebe werden Akteure in der Landwirtschaft vernetzt.
Als stellvertretendes Mitglied im Prüfungsausschuss für die Abnahme der Meisterprüfung im
Beruf Pferdewirt - Zucht und Haltung - für Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland wird durch
die Referentin die Vernetzung und Kooperation mit Blick auf die Lehrgänge zur Berufsausbildung und Mitarbeiterführung im Fachbereich Landvolkshochschule gefördert.
Eine intensive inhaltliche Zusammenarbeit in Bezug auf die Agrarpolitik besteht mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL e.V.) sowohl auf Bundesebene wie auch
mit dem Vorstand in Rheinland-Pfalz.
Durch die Mitgliedschaft in der Steuerungsgruppe Lernort Bauernhof des Ministeriums für
Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten in Rheinland-Pfalz werden Fortbildungsangebote für landwirtschaftliche Betriebe entwickelt und angeboten sowie Lobbyarbeit für den Lernort Bauernhof geleistet.
Im kirchlichen Bereich bringt die Referentin die landwirtschaftlichen Themen in den Sozialethischen Ausschuss der Evangelischen Kirche im Rheinland ein und vertritt die Kirchen im
Begleitausschuss zum Programm „Nationales Netzwerk für den ländlichen Raum Deutschland“ (NLR).
Vernetzungen für eine Kirche in ländlichen Räumen
Im Auftrag des Evangelischen
Dienstes auf dem Land (EDL)
wurde das Printmagazin Kirche im
ländlichen Raum (kilr) um eine
Internetpräsenz www.kilr.de erweitert. Mit diesen, dem Medienverhalten der Zielgruppen angepassten Kommunikationsmitteln,
sollen Informationen und Meinungen zu Themen, die für kirchliche Arbeit in ländlichen Räumen
relevant sind, weitergegeben
werden. Außerdem ist die Direktorin Mitglied der AG Landkirchenkonferenz.
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Die Evangelische Landjugendakademie ist organisatorisch in den Dachverbänden Evangelische Akademien in Deutschland (EAD), Verband ländlicher Bildungszentren (VBLR), Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej), der Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Erwachsenenbildung (DEAE/ELAG) vertreten und partizipiert an den Konferenzen der Ämter
und Werke in der EKD sowie der EKiR, an Arbeitsgruppen des Kreises und des Kirchenkreises
Altenkirchen.
Für Beratung und Weiterentwicklung der Evangelischen Landjugendakademie ist für Januar
2015 die Gründung eines Beirates mit Personen aus Politik, Kirche, Gesellschaft und Wissenschaft geplant.
5. Ausblick
„In welchem Verhältnis stehen die Lebenswelten unserer (potentiellen) Zielgruppen und
unsere Bildungsangebote? Welchen Entwicklungsbedarf sehen wir für unsere Angebote,
damit sie auch weiterhin den Bedarfen von Gesellschaft und Kirche entsprechen bzw. von
diesen verstanden werden und angenommen werden können?“ haben wir uns gefragt und
Rechenschaft unter diesem Aspekt über unsere Arbeit gegeben. Schließen möchten wir mit
einem Gedanken, der die Frage nach unserem evangelischen Profil mit den Lebenswelten
unserer Zielgruppen verknüpft:
“Weil die reformatorische Botschaft so eng mit existenziellen Erfahrungen und Anliegen der
Menschen verbunden ist, hat sich Bildung in reformatorischer Tradition natürlich nie darin
erschöpft, dass junge Menschen lediglich mit biblischen Texten und ihrer reformatorischen
Auslegung vertraut gemacht werden. Vielmehr wurde und wird in solchen Zusammenhängen
Reformation auf die Gegenwart hin interpretiert. Dabei entstanden die neuen Einsichten, die
die »Lerngeschichte« der Reformation seit dem sechzehnten Jahrhundert ausmachen, und
entstehen auch weiterhin neue Einsichten. Das bedeutet aber, dass in einer reformatorisch
geprägten Kirche Bildung immer einen besonderen Stellenwert haben wird, ohne dass deshalb kirchliche Veranstaltungen als universitäre Seminare angelegt werden müssen. Außerdem werden sich reformatorische Kirchen immer für Bildung in der Gesellschaft, in der sie
leben, einsetzen. Bildung und ein dadurch beförderter »denkender Glaube« (Carl Heinz
Ratschow) war und bleibt ein reformatorisches Anliegen; Fundamentalismus jedweder Prägung ist diesem Sachanliegen zutiefst fremd. Der in der Königsberger Aufklärung des achtzehnten Jahrhunderts wiederholte Imperativ des antiken Dichters Horaz, Sapere aude, »wage zu denken«, beschreibt ein genuin protestantisches Anliegen: Die Reformation will zu
gebildetem Glauben führen. Sie intendiert einen Glauben, der verstehen möchte und nachfragen darf. Das betrifft auch die Urkunde des christlichen Glaubens, die Bibel. Die Reformation hat deshalb dazu beigetragen, die neuzeitliche Tendenz, die Rechte des Individuums zu
stärken, auch in der Kirche zu beheimaten. Damit ist sie ein Teil der neuzeitlichen Freiheitsgeschichte.“20
20
EKD, Rechtfertigung und Freiheit, S. 35-37
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6. Literaturverzeichnis
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7. Überblick über die Arbeitsbereiche der Referentinnen und Referenten
Drey: Seiten 11-13, 19-21, 25
Kreutz: Seiten 10-11, 13-17, 21-24, 26
Lange: Seiten 5-7, 20, 24
Leibrock: Seiten 4-5, 7-8, 26
Schlicht: Seiten 13-14, 16-19, 24-25
Seelbach Seiten 8-10, 25
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8. Referentinnen und Referenten
Meike-Mirjam Drey (46)
Dozentin für vernetzte Jugendbildung, Politikwissenschaftlerin M.A.
Obwohl digitale Immigrantin sind Medien ihre Welt. Mit großem Herz für Jugend und ihre
Affinität für social media twittert, blockt und skypt die Referentin nicht nur in der Akademie. Zuviel gewordene Kalorien, durch das leckere hauseigene Essen, werden mit großer
(Planungs)disziplin in der Freizeit abtrainiert.
Anke Kreutz (52)
Direktorin und Theologin
lebt in „Zwischenwelten“ und voller Widersprüche: doppelter Wohnsitz, beruflich
viel unterwegs, wenn zeitlich verantwortbar mit der Bahn. Reist auch privat gern
und viel. Der ökologische Fußabdruck passt deshalb zur Schuhgröße. Dass Stricken
wieder in ist, freut sie, manchmal muss man nur warten, bis Altmodisches modern ist.
Elena Lange (29)
Referentin für nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume
Ist akademisch ausgebildet, hoch sensibilisiert für die Notwendigkeit einer Umkehr hin zu
einer nachhaltige Entwicklung, in der Lage, schnell und viel zu Themen zu recherchieren
und motiviert, dieses Wissen in Seminaren zu teilen. Trotzdem konnte sie diesen Sommer
nicht widerstehen und habe eine Flugreise nach Sizilien gemacht. Dort hat sie dann zwei
Wochen ohne fließend Wasser und ohne Strom gelebt. Immerhin.
Claudia Leibrock (50)
Referentin für Agrarpolitik und Landsoziologie, Dipl.- Agrarbiologin
Nicht aus der Landwirtschaft kommend hat sie die Agrarbiologie im letzten Schuljahr als eine Vernetzung aller Naturwissenschaften entdeckt und ist bis heute von dieser
Berufswahl überzeugt. Der Landwirtschaft zu dem ihr zustehenden Wert in der Gesellschaft
zu verhelfen ist ihr Geschäft.
Philipp Schlicht (29)
Referent für jugendpolitische Bildung, Politikwissenschaftler M.A.
International, klug und adrett und dabei auch noch nett. Nach Altenkirchen holt er Europa
verbindet Menschen ganz ohne Mofa.
Helga Seelbach (60)
Referentin für Erwachsenenbildung und LandFrauenarbeit, Dipl.-Pädagogin
Eine Künstlerin, dabei so frei bringt den Leuten das Malen bei, holt Farbe in die Akademie,
keine ist so bunt wie sie.
Frauen aus aller Welt und jeden Alters finden in ihr Unterstützung auf dem Weg zu selbstbestimmten Leben.
Stephan Politt,
Referent für
Ländliche Räume
Susanne Koschmider,
Referentin für
IBEK Leitungskurse
30
Wiebke Möller
FÖJlerin
31
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Seele and Geist
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