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RETURN Tagung
Deutsch-Österreichischer Rechts- und
Praxisvergleich im Insolvenzrecht
23.01.2015
Steuern in der Insolvenz
RA/StB Dr. Günter Kahlert
Hamburg
WP/StB DDr. Kurt Bernegger
Wien
Gliederung
Allgemeines
 Überblick über die Insolvenzverfahren und Zuständigkeiten der Zivilgerichte ./.
Finanzgerichte
Umsatzsteuerrecht und Ertragsteuerrecht
 Abgrenzung Insolvenzforderung ./. Masseverbindlichkeit
Ertragsteuerrecht
 Insolvenzrechtliche Einordnung von Steuern aus der Aufdeckung stiller Reserven
 Behandlung von Steuern auf Sanierungsgewinne
Fazit
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Gliederung
Allgemeines
 Überblick über die Insolvenzverfahren und Zuständigkeiten der Zivilgerichte ./.
Finanzgerichte
2
Überblick über die Insolvenzverfahren und Zuständigkeiten der
Finanzgerichte ./. Zivilgerichte
- Sanierungsverf. mit EV (Mindestquote 30%)
- Sanierungsverf. ohne EV (Mindestquote 20%)
- Konkursverfahren
Insolvenzverfahren:
- auf Abgabenermittlungsverf. keinen Einfluss
- im Abgabeneinhebungsverf. zu berücksichtigen
Steueransprüche
Zuständigkeit bei Unternehmensinsolvenz:
entweder
oder
- Gerichtshof 1. Instanz, auch für Feststellung
von IF u. MF, Anfechtung und Aufrechnung Insolvenzforderungen (IF)§51 IO Masseforderungen (MF)§46 IO
- Entstehung nach IE
- Entstehung bis zur IE
Bei Antrag auf Abrechnungsbescheid
- Volle Befriedigung
- Quotenmäßige
gem. § 216 BAO: Verfahren
- §46 Z.2 IO:… Abgaben,
Befriedigung
Finanzamt – BFG – VwGH
wenn u. soweit der
- Anmeldung bei IG
Insolvenzeröffnung
Sachverhalt während des
Österreich
Ins.Verf. verwirklicht wurde
1.1.01
Vorläufiges Insolvenzverfahren
Insolvenzverfahren
Vorläufiger schwacher IV
 IV
Deutschland
 SW
Insolvenzantrag Vorläufiger starker IV
Insolvenzeröffnung
Vorläufiger SW
Steueransprüche
entweder
oder
Masseverbindlichkeiten, § 55 InsO
Insolvenzforderungen, § 38 InsO
BFG = Bundesfinanzgericht
- Vorrangige Berichtigung
- Anmeldung zur Tabelle
BAO = Bundesabgabenordnung
- Auf Grundlage
- Quotenmäßige Befriedigung
EV
= Eigenverwaltung
- Auf Grundlage
IE
= Insolvenzeröffnung
Steuerbescheid
IG
= Insolvenzgericht
= Fachsenat BFH
IV
= Insolvenzverwalter
- Steuerbescheid
K
= Konkurs
SW = Sachwalter
VwGH = Verwaltungsgerichtshof
- Steuerberechnungen
= Fachsenat BFH
Insolvenzanfechtung
= IX. Senat BGH
Aufrechnung
= VII. Senat BFH
3
Gliederung
 Umsatzsteuerrecht und Ertragsteuerrecht
 Abgrenzung Insolvenzforderung ./. Masseverbindlichkeit
4
Umsatzsteuer: Abgrenzung Insolvenzforderung ./. Masseverbindlichkeit
Sachverhaltsverwirklichung
Leistungserbringung
bis zur IE
USt = Ins.forderung (IF)
VorSt = verringert IF
Kein Unterschied, ob Besteuerung nach
vereinbarten oder vereinnahmten Entgelten
(UStR Rz 2416)
nach IE
USt = Masseforderung (MF)
VorSt = verringert MF
Beispiel nächste Seite
Insolvenzeröffnung
Österreich
1.1.01
Deutschland





Vorläufiges Insolvenzverfahren
Insolvenzantrag
BFH, Urt. v. 29.1.2009 – V R 64/07
BFH, Urt. v. 9.12.2010 – V R 22/10
BFH, Beschl. v. 11.7.2013 – XI B 41/13
BFH, Urt. v. 9.2.2011 – XI R 35/09
BFH, Urt. v. 24.9.2014 – V R 48/13
Leitgedanke: Umstellung auf
Ist-Besteuerung im
(vorläufigen) Insolvenzverfahren
Gilt bei Besteuerung nach
vereinbarten und nach
vereinnahmten Entgelten
Insolvenzverfahren
Insolvenzeröffnung
Vollständige Verwirklichung Umsatzsteuertatbestand
vor Insolvenzeröffnung
USt und VorSt (einschließlich
Berichtigungen wg - vorläufiger Insolvenz) nach
Zwangsverrechnung
= Insolvenzforderung
nach Insolvenzeröffnung
USt und VorSt (nach
Zwangsverrechnung)
= Masseverbindlichkeit
5
Beispiel: Insolvenzrechtliche Zuordnung der USt
Sachverhalt:
Insolvenzschuldner erbringt Leistungen vor IE (1000 nebst 20% bzw. 19% USt) und führt
USt nicht ab
Keine Vereinnahmung der Forderung vor Insolvenzeröffnung
Leistungserbringung
Zeit
1.1.
Insolvenzantrag
Insolvenzeröffnung
- Rechnungstellung
- Vereinnahmung
Österreich
Leistungserbringung vor Insolvenzeröffnung = USt 200 = Insolvenzforderung
Deutschland
1.Berichtigung USt 19 mit Insolvenzantrag = USt 19 = Insolvenzforderung
2.Berichtigung USt 19 mit Vereinnahmung nach Insolvenzeröffnung = Masseverbindlichkeit
Dieses Ergebnis ergibt sich (grundsätzlich) auch dann, wenn
 der Insolvenzschuldner die Leistungen im vorläufigen Insolvenzverfahren erbringt oder
 die Vereinnahmung im vorläufigen Insolvenzverfahren erfolgt
6
Ertragsteuer: Abgrenzung Insolvenzforderung ./. Masseverbindlichkeit
Im Jahr der IE unabhängige Beurteilung von:
ESt/KSt Jahressteuer
ESt/KSt-VZ
im Verhältnis Bemessungsgrundlage (BMG) bis
zur IE (IF) zu BMG danach (MF)
OGH 24.8.2011, 3 Ob 103/11k; andere
Aufteilungs-Methoden möglich
VwGH 23.11.1994, 91/13/0259: ESt/KSt
Jahresschuld im Jahr der IE = MF
Sachverhaltsverwirklichung = Tatbestandsverwirklichung (Ausnahme)
Entstehung des Steueranspruchs mit Beginn des
Quartals, für das VZ vorgeschrieben wird;
VZ des IE-Quartals = IF
alle weiteren VZ = MF
Insolvenzeröffnung
Österreich
1.1.01
Deutschland


Vorläufiges Insolvenzverfahren
Insolvenzantrag
BFH, Urt. v. 16.5.2013 - IV R 23/11
FG Thüringen, Urt. v. 30. 11. 2011 –
3 K 581/09, Az. BFH X R 12/12
Insolvenzverfahren
Insolvenzeröffnung
Vollständige Verwirklichung Einkunftstatbestand
vor Insolvenzeröffnung
ESt/KSt (nach Aufteilung der
Steuerschuld)
= Insolvenzforderung
Sonderfall: § 55 Abs. 4 InsO
nach Insolvenzeröffnung
ESt/KSt (nach Aufteilung der
Steuerschuld)
= Masseverbindlichkeit
7
Gliederung
 Ertragsteuerrecht
 Insolvenzrechtliche Einordnung von Steuern aus der Aufdeckung stiller Reserven
 Behandlung von Steuern auf Sanierungsgewinne
8
Insolvenzrechtliche Einordnung von Steuern aus der Aufdeckung stiller
Reserven
Ab 01.04.2012:
Grundstücksveräußerung
bis zur IE:
Immo EST = IF
Grundstücksveräußerung 25% Immobilienertragsteuer (ImmoESt) bei
privaten u. betrieblichen Grundstücksnach IE:
veräußerungen natürlicher Personen;
1)
Immo EST = MF , aber
Selbstberechnung und Abfuhr von Parteienvertreter
nicht Sonder-MF (OGH
28.5.2013, 8 Ob 141/12m)
Insolvenzeröffnung
1)
ABER: ESt = nur dann MF, wenn sie auf das für die
Konkursmasse nach Konkurseröffnung erzielte Einkommen
entfällt. Wenn nicht: ESt = Forderung gegen das
konkursfreie Vermögen des Ins.Schuldners
(OGH 28.11.2002, 8 Ob 92/02; 23.2.2006, 8 Ob 7/06x)
Österreich
1.1.01
Deutschland
Vorläufiges Insolvenzverfahren
Insolvenzantrag
Insolvenzverfahren
Insolvenzeröffnung
Abgrenzung
Insolvenzforderung: Vergleich mit Begründetheit
und Schuldigwerden von
Steuererstattungsansprüchen i.S.d. § 38 InsO
und § 96 Abs. 1 Nr. 1 InsO
BGH, Urt. v. 18.4.2013 – IX ZR 90/10
BFH, Beschl. v. 26.11.2013 – VII B 243/12
Masseverbindlichkeit: Vollständige
Verwirklichung Einkunftstatbestand
BFH, Urt. v. 16.5.2013 - IV R 23/11
BFH v. 26.2.2014 – I R 59/12, Vorlage an
BVerfG wegen Mindestbesteuerung
9
Behandlung von Steuern auf Sanierungsgewinne
Bis zur IE:
- Nur Einzelantrag auf
Abstandnahme
gem. § 206 Abs. 1 BAO
i.S.d. §§ 36 EStG bzw.
23a KStG
Nach IE:
- Besteuerung des Schulderlasses
gem. § 36 EStG
Keine Betriebsfortführung erforderlich
- Besteuerung des Sanierungsgewinns
gem. § 23a KStG
Betriebsfortführung erforderlich
Voraussetzung:
Außergerichtlicher Schuldnachlass
(wie Sanierungsgewinn, aber ohne
Betriebsfortführung)
Insolvenzeröffnung
Österreich
1.1.01
Deutschland
Vorläufiges Insolvenzverfahren
Insolvenzantrag
Zur Rechtmäßigkeit Sanierungserlass
 BFH, Urt. v. 14.07.2010 – X R 34/08
 BFH, Urt. v. 28.2.2012 – VIII R 2/08
 BFH, Urt. v. 12.12.2013 – X R 39/10
 BGH, Urt. v. 13.3.2014 – IX ZR 23/10
 BFH, Verfahren X R 23/13
Insolvenzverfahren
Insolvenzeröffnung
Bericht Bundesrechnungshof v. 9.12.2013
und Beschluss Haushaltsausschuss des
Deutschen Bundestages v. 14.2.2014, BTDrs. 18/111 Nr. 72, S. 321 ff.
Entwurf Konzerninsolvenzrecht
vom 30.1.2014 (BT-Drs.
18/407) und Anhörung am
Abgrenzung 2.4.2014
Zur Gewerbesteuer
Keine Insolvenzforderung, weil
 BFH, Urt. v. 25.4.2012 – I R 24/11
 Änderung § 184 Abs. 2 Satz 1 AO Forderungsverzicht nach Insolvenzeröffnung
erfolgt, obwohl die zugrunde liegenden
Vgl. zu Ganzen Seer, FR 2014, 721 und Forderungen vor Insolvenzeröffnung
begründet worden sind
DStR-Beihefter 2014, 117
Masseverbindlichkeit
Sanierungserlass
BMF, BStBl I 2003, 240
Rechtmäßigkeit?
 Beihilfeverbot (Art. 107 Abs. 1 AEUV) ?
 Gesetzmäßigkeit der Verwaltung?
Gewerbesteuer?
Schenkungsteuer?
10
Gliederung
 Fazit
11
Fazit
 Zentrale Zuständigkeit für die Abgrenzung Insolvenzforderung ./.
Masseverbindlichkeit für sämtliche Ansprüche in Österreich als Vorbild für
Deutschland?
 Abgrenzung Insolvenzforderung ./. Masseverbindlichkeit im Umsatzsteuerrecht nach
der vollständigen Verwirklichung des Steuertatbestandes in Deutschland statt nach
der Ausführung der Leistung in Österreich: Rechtslage in Deutschland Folge des
dortigen Insolvenzeröffnungsverfahrens?
 Verfahrensrechtliche Unterschiede bei der Feststellung bzw. der Festsetzung von als
Insolvenzforderungen bzw. Masseverbindlichkeiten zu beurteilenden
Steuerforderungen, insbesondere in Österreich anders als in Deutschland keine
gesonderten Berechnungen bzw. Bescheide und keine getrennte Steuerkonten
 Besteuerung von stillen Reserven im Insolvenzverfahren in Österreich und
Deutschland problematisch, insbesondere bei grundpfandrechtsbelasteten
Grundstücken
 Gesetzliche Regelung der Besteuerung von Sanierungsgewinnen in Österreich als
Vorbild für Deutschland?
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Herzlichen Dank
für Ihre Aufmerksamkeit
Rechtsanwalt/Steuerberater
Dr. Günter Kahlert
White & Case
Valentinskamp 70
20355 Hamburg
guenter.kahlert@whitecase.com
Wirtschaftsprüfer/Steuerberater
DDr. Kurt Bernegger
Jacquingasse 21
1030 Wien
kanzlei@bernegger-wt.com
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