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Liebe Kolleginnen und Kollegen, vor über zehn Jahren

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politik
1/2015
Teilnehmer der Weiterbildung Praxisanleitung am Klinikum Ludwigshafen am Rhein
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
vor über zehn Jahren wurde die Praxisanleitung
als pflegeberufliches Aufgabengebiet mit Weiterbildungsverpflichtung gesetzlich verankert.
Seitdem hat es durchaus positive Entwicklungen in einigen Bereichen der praktischen Ausbildung gegeben. Gleichzeitig wurden jedoch
gravierende strukturelle Mängel in der Weiterbildung sichtbar. Auch die Arbeitsbedingungen, unter denen Praxisanleitung täglich stattfindet, sind mehrfach untersucht und
vielfach kritisiert worden.
Aktuell erwarten wir den Referentenentwurf des Pflegeberufegesetzes, in dem die Modalitäten der Ausbildung neu geregelt werden. In diesem Zusammenhang müssen auch die Rahmenbedingungen der Praxisanleitung auf den Prüfstand. Es gilt,
Heilberufe / Das Pflegemagazin
2015; 67 (1)
sowohl praktische Erfahrungen als auch aktuelle pflegedidaktische Erkenntnisse aufzugreifen und in die laufende Debatte
einzubringen.
Der Bundesverband Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe
(BLGS) vertritt nicht nur Lehrkräfte am Lernort Schule. Er setzt sich
auch für Praxisanleiter/-innen ein, die einen bedeutenden Beitrag
für die pflegeberufliche Bildung leisten. Grund genug, sich den
drängenden Problemen der Praxisanleitung zu widmen! Hierzu
starten wir in dieser Ausgabe mit dem ersten Teil einer dreiteiligen
Serie: Weiterbildung zwischen Wunsch und Wirklichkeit.
Herzlichst Ihre
Angelika Unger
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Praxisanleitung (Teil 1)
Weiterbildung zwischen
Wunsch und Wirklichkeit
Angelika Unger
2012 wurden die Eckpunkte zum neuen Pflegeberufegesetz veröffentlicht. Darin ist von einer Aufwertung der
Praxisanleitung die Rede, die durch eine 200-stündige
berufspädagogische Zusatzqualifikation erfolgen soll.
Für die Gesundheits- und Kinder-/Krankenpflege ist die Weiterbildungspflicht längst verbindlich verankert und auch in der Altenpflege orientiert man sich daran. Damit wird also keine Aufwertung erreicht, sondern lediglich der Status Quo festgeschrieben.
Maßnahmen für eine substanzielle Verbesserung enthält das Eckpunktepapier nicht. Will man sich hier nicht mit bloßen Worthülsen abspeisen lassen, dann müssen konkrete Forderungen gestellt
und begründet werden.
Bedeutung der Praxisanleitung für die Ausbildung
In den Berufsgesetzen beziehungsweise Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen ist die Zuständigkeit von Praxisanleiter/-innen
wie folgt beschrieben: Ihnen obliegt es, Schüler/-innen an die
eigenständige Wahrnehmung beruflicher Aufgaben heranzuführen. Dazu vermitteln sie Kenntnisse und Fertigkeiten, die für
das Erreichen des Ausbildungsziels notwendig sind. Im Rahmen
von praktischen Prüfungen nehmen sie beratende oder entscheidende Funktionen wahr. Weiterhin haben sie die Kooperation mit der ausbildenden Institution (Pflegeschule, Hochschule)
sicherzustellen.
Praxisanleiter tragen also ausdrücklich Mitverantwortung für
das Erreichen des gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildungsziels.
Die Berufsbildungsforschung zeigt, dass die Pflegepraxis für die
berufliche Entwicklung eine zentrale Rolle spielt. Damit sind
Praxisanleiter als berufliche Rollenvorbilder und als Lehrende
genauso bedeutsam wie schulische Lehrkräfte!
Qualifikationen und Kompetenzen
Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das
Saarland haben die genannten Zuständigkeiten konkretisiert.
Exemplarisch sei hier die bayerische Verordnung zur Ausführung
des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes (AVPfleWoqG) einschließlich ihrer Begründung skizziert: Demnach kennen Praxisanleiter die
relevanten Theorien und Modelle der Pflegedidaktik, Pädagogik,
Psychologie und Pflegewissenschaft und können dieses Wissen
situationsgerecht in praktisches Handeln transformieren. Sie können den individuellen Lernstand der Auszubildenden erfassen
und methodisch angepasste, teilnehmerorientierte Lernsituationen gestalten. Sie sind in der Lage, lernförderliche Rahmenbedingungen für die Praxisanleitung zu entwickeln, wobei sie gesellschaftliche und politische Einflussfaktoren kritisch beleuchten.
Sie können ihr professionelles Selbstverständnis reflektieren und
ihren Verantwortungsbereich adäquat gestalten. Dazu gehört die
Fähigkeit zu ziel- und konsensorientierter Kommunikation und
konstruktivem Konfliktmanagement.
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Weitere Regelungen existieren mit der Sächsischen Weiterbildungsverordnung Gesundheitsfachberufe (SächsGfbWBVO)
und der Thüringer Pflegefachberufe-Weiterbildungsverordnung.
Hier werden allerdings keine Aussagen zu Kompetenzbereichen
gemacht, sondern lediglich schlagwortartig Themenbereiche
und Stundenzahlen genannt.
Mängel in der Weiterbildung
In der Gesamtbetrachtung wird deutlich, dass die Kompetenzerwartungen an Praxisanleiter auf sehr hohem Niveau liegen. Der
Weiterbildungsumfang von 200 Stunden wird aber, mit Ausnahme von Hessen, in keiner der bestehenden Länderverordnungen
nennenswert überschritten. Nimmt man die vorgegebenen Qualifikationsanforderungen ernst, dann offenbaren sich hier eklatante Mängel.
Zum Vergleich: Die an Praxisanleiter gestellten Qualifikationsanforderungen entsprechen im Wesentlichen dem pädagogischen Kompetenzprofil schulischer Lehrkräfte. Hierfür hat
die Kultusministerkonferenz 80 bis 100 Studienleistungspunkte
verbindlich festgelegt. Dies entspricht einer Ausbildungszeit
von 2.400 bis 3.000 Stunden nur für den pädagogisch-didaktischen Bereich. Dazu kommt das Referendariat. Wie aber sollen
Praxisanleiter/-innen in weniger als 10 Prozent der Lernzeit von
schulischen Lehrkräften ein vergleichbares pädagogisches Kompetenzniveau erreichen? Ein weiteres Beispiel: 2009 wurde in
der rheinland-pfälzischen Verordnung der bis dato festgelegte
Umfang der Weiterbildung von 460 auf 200 Stunden gekürzt.
Gleichzeitig hat man das alte, sehr anspruchsvolle Aufgabenprofil wörtlich in die neue Verordnung übernommen. Wie ist es
möglich, dieses hohe Kompetenzniveau plötzlich in weniger als
der Hälfte der ursprünglichen Zeit zu erreichen?
Ein Blick auf andere pflegerische Fachweiterbildungen offenbart ebenfalls Widersprüche. So regelt die bayerische Verordnung auch leitungsbezogene und gerontopsychiatrische Weiterbildungen. Für diese sind durchschnittlich 732 Unterrichtsstunden sowie 40 Praktikumsstunden vorgesehen, also fast die
vierfache Lernzeit von Praxisanleitern. Ein ähnliches Bild geben
die Regularien aus den anderen Bundesländern ab. Vergleicht
man die Kompetenzprofile beispielsweise der genannten Weiterbildungen mit dem der Praxisanleitung, findet man zwar ein
inhaltlich andersartiges, aber annähernd gleichwertiges Niveau.
Wie sollen Praxisanleiter/-innen in so kurzer Zeit hier mithalten
können?
Fazit: Das erforderliche Qualifikationsniveau kann in dieser kurzen
Zeit gar nicht erreicht werden. Die derzeitige Weiterbildung für
Praxisanleiter/-innen ist eine bildungspolitische Mogelpackung.
Der BLGS fordert daher eine angemessene Verlängerung der Weiterbildungszeit, die verbindlich in das neue Pflegeberufegesetz
aufzunehmen ist.
Heilberufe / Das Pflegemagazin
2015; 67 (1)
Aus den Ländern
LAG Berlin wird BLGS – LV Berlin
Am 21.10.2014 haben die Berliner Schulen in einem historischen
Schritt die Umwandlung der LAG Berlin in den BLGS – LV Berlin
beschlossen. Seit einem Jahr sind die Vorbereitungen, Diskussionen und Sitzungen zur möglichen Umwandlung in den Schulen
und unter den Mitgliedern erfolgt. Im Rahmen der Mitgliederversammlung sind nochmals die Pro- und Kontrapositionen gegeneinander abgewogen worden. Gerade die historische Bedeutung
der LAG für das Land Berlin, die gemeinsame Arbeit im Prüfungswesen und in den Schulleiterrunden, die etablierte Stellung der
LAG als Ansprechpartner für die Behörden wurde nochmals deutlich hervorgehoben und gewürdigt. Dieses gilt es auch in der
Zukunft als Landesverband des BLGS unbedingt weiterzuführen
und zu erhalten. Die Möglichkeit der Selbstständigkeit der Landesverbände und gleichzeitige Mitarbeit auf Bundesebene haben
am Ende den Ausschlag dazu gegeben, dass die Mitgliederversammlung mit deutlicher Dreiviertel-Mehrheit für die Umwandlung in den BLGS stimmte.
Nun gilt es, die nächsten Schritte zu tun: Beitritt der Schulen
zum BLGS, Aufstellung der Kandidaten für den Vorstand des künftigen LV-Berlin und die Vorbereitung der konstituierenden Sitzung
im Februar 2015. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit
– nun bald mit Berlin als vollwertigem Partner des BLGS!
Christine Vogler
Schleswig-Holstein: Die Pflegekammer kommt!
Es war ein langer Kampf der Berufsverbände, die sich im Pflegerat Schleswig-Holstein zusammengeschlossen haben. Aber
auch in unserem Beruf ist die Verkammerung die logische Konsequenz der Professionalisierung. Einige Kolleginnen und Kollegen
pflegen noch eine distanzierte oder skeptische Haltung zu ihrer
zukünftigen Kammer. Häufig fehlt es an Information und Hintergrundwissen gegenüber der Arbeit der Pflegekammer. Immer
wieder verstehen es die Kammergegner, den materiellen Aspekt
in den Vordergrund der Diskussion zu stellen. Sie unterschlagen
die Bedeutung und Chancen einer von Pflegenden geleiteten
Selbstverwaltung auf Augenhöhe mit den im Gesundheitswesen
beteiligten Playern wie Ministerien, Behörden, Sozialversicherungen oder Interessenverbänden. Es war ein langer Weg mit vielen
Meilensteinen für eine Pflegekammer Schleswig-Holstein:
• 2012: Die Pflegekammer wird in den Koalitionsvertrag der Landesregierung aufgenommen
• 14.12.2012: Landtag beschließt die Gründung der Pflegekammer
in Schleswig-Holstein
• 2013: In der repräsentativen Umfrage sprechen sich 51% der
Pflegenden für die Pflegekammer aus
• 02.09.2014: Erste Kabinettsbefassung zum Errichtungsgesetz für
die Heilberufe in der Pflege
• Oktober 2014: Abschluss des Anhörungsverfahrens zum
Errichtungsgesetz
• Voraussichtlich im Januar 2015: Erste Lesung im Landtag
In der Pflegekammer – als Körperschaft des öffentlichen Rechts
und von ihren Mitgliedern in einem demokratischen Wahlverfahren bestimmt – werden die Pflegenden ihren Beruf zukünftig
selbst vertreten.
Iris Gebh
Perspektiven und Chancen einer Pflegekammer in NRW
Der BLGS Landesverband NRW hatte am 23.10.2014 zur Landesversammlung und Fachtagung nach Mühlheim an der Ruhr eingeladen. Das diesjährige Schwerpunktthema war „Pflegekammer
NRW“.
Rund 80 Teilnehmer folgten den Beiträgen von Prof. Robert
Roßbruch, Institut für Gesundheits- und Pflegerecht, Koblenz, und
Ministerialrat Helmut Watzlawik (MGEPA, Düsseldorf). Roßbruch
berichtete über den Entstehungsprozess der ersten Landespflegekammer in Deutschland. Mit großem Detailwissen und Sachverstand erläuterte er die Hintergründe, räumte mit Missverständnissen auf und konnte die Argumente der Kammergegner sachlich
und juristisch formal komplett entkräften. Er zeigte auf, wie dies
auch in NRW möglich wäre. Herr Watzlawik berichtete in seinem
Vortrag über die Entwicklungen im Pflegesektor und dass es von
der derzeitigen Landesregierung zurzeit keine Bestrebungen zur
Kammergründung gebe. Er gehe aber davon aus, dass die anderen
Bundesländer und somit auch NRW dem rheinland-pfälzischen
Modell folgen würden, wenn die Kammer erst gegründet sei.
In der anschließenden Landesversammlung berichtete Landesvorsitzender Thomas Kutschke über die Aktivitäten im laufenden
Heilberufe / Das Pflegemagazin
2015; 67 (1)
Jahr. Der Landesvorstand bekam von den anwesenden Mitgliedern weiterhin das Vertrauen ausgesprochen.
Thomas Kutschke
Referent bei der Fachtagung in NRW: Prof. Robert Roßbruch, Honorarprofessor für Gesundheits- und Pflegerecht an der Hochschule für
Technik und Wirtschaft des Saarlandes in Saarbrücken
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Erfolgreiche Fachkonferenz des Referats Schulentwicklung und Schulleitung
Das Referat Schulentwicklung und Schulleitung im BLGS e.V. lud
am 10.11.2014 zur traditionellen Fachkonferenz für Schulleitungen
in Gesundheits- und Sozialberufen nach Mainz ein. In der Bildungsakademie Erbacher Hof erhielten die Teilnehmer vom Vorstand
des BLGS e.V. die neuesten Informationen und Entwicklungen auf
Bundes- und Länderebene zu Ausbildung und Lehre. Schwerpunkt
der Tagung war jedoch die „Schemapädagogik“. Unterstützt und
begleitet durch den Schemapädagogen Daniel Nordmann wurde
im Rahmen der Einführung und des videogestützten Workshops
den folgenden Fragen nachgegangen:
• Was sind Schemata und wie können sie identifiziert werden?
• Wie können hohe Fehlzeiten mit Hilfe der Schemapädagogik
reduziert werden?
• Wie kann negativem Stress, Beziehungsfallen, Burn out und Ausbildungsabbruch mit den Instrumenten der Schemapädagogik
vorgebeugt werden?
des Referats Schulentwicklung und Schulleitung im BLGS e.V. in
Mainz stattfinden.
Eine lebhafte Diskussion beendete die gelungene Veranstaltung.
Voraussichtlich im November 2015 wird die nächste Fachkonferenz
Reger Austausch in Mainz: Teilnehmer der Fachkonferenz
Schulentwicklung
Michaela Picker
Veranstaltungen und Termine
20.01.2015 Pflegepädagogisches Seminar 2015
„Praktische Prüfungen“
Ort: Klinikum Leverkusen, Bildungszentrum
Paracelsusstr.15, Leverkusen
www.faburi.de
12.–14.03.2015 2. Deutscher Pflegetag 2015
Ort: Berlin, Flughafen Berlin Tempelhof
www.deutscher-pflegetag.de
24.–26.03.2015 Altenpflege 2015
Messe und Kongress
Ort: Nürnberg, Messezentrum
www.altenpflege-messe.de
30.–31.01.2015 Kongress Pflege
Ort: Berlin, Maritim proArte Hotel
www.gesundheitskongresse.de
30.01.2015 Mitgliederversammlung des BLGS e.V.
14.04.2015 Pflegepädagogisches Seminar 2015
„Lernbegleitung in der Pflegeausbildung umsetzen“
Ort: Berlin, Maritim proArte Hotel
www.blgs-ev.de
Ort: Daun, Pflegeschulen Maria Hilf
www.faburi.de
06.03.2015 5. Fachtagung
„Pflegepädagogik im Diskurs 2015“
Werden Sie Mitglied
Aufnahmeanträge sowohl für Bildungseinrichtungen als
auch für Einzelpersonen finden Sie auf unserer Homepage
(Rubrik „Über uns“):
www.blgs-ev.de
Ort: Düsseldorf, Universitätsklinik
www.dbfk.de
IMPRESSUM
Herausgeber: Bundesverband Lehrende
Gesundheits- und Sozialberufe e.V. (BLGS)
Carsten Drude, Vorsitzender (verantwortlich)
Alt Moabit 91, 10559 Berlin
Tel.: 030 39 40 53 80, Fax: 030 39 40 53 85
redaktion@blgs-ev.de; www.blgs-ev.de
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Der offizielle Newsletter der BLGS erscheint
in Kooperation mit HEILBERUFE – Das Pflegemagazin.
Abbildungen: © BLGS
Verlag: Springer Medizin | Urban & Vogel GmbH
Aschauer Str. 30, 81549 München
Tel.: 089 20 30 43 1300, Fax: 089 20 30 43 1370
Geschäftsführer: Joachim Krieger, Fabian Kaufmann
Leitung Zeitschriften Redaktion: Markus Seidl
Chefredakteurin: Katja Kupfer-Geißler
Heidelberger Platz 3; 14197 Berlin
Tel.: 030 82787 5500, Fax: 030 82787 5505
heilberufe@springer.com
www.springerfachmedien-medizin.de
Layout: Arnulf Illing, Heidelberg
Druck: Stürtz GmbH, Würzburg
Heilberufe / Das Pflegemagazin
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