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Anwendungsorientierte Fortbildungsreihe für Beschäftigte aus der

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medica mondiale Fortbildungsprogramm 2015
Anwendungsorientierte Fortbildungsreihe für Beschäftigte aus der
Entwicklungspolitik
Sie besuchen drei Module à 2,5 Tagen im Mai, September und November 2015. Diese Struktur
verstärkt wesentlich die Tiefe und Nachhaltigkeit des Lernprozesses, da Sie das Gelernte in ihrer
Arbeitswirklichkeit über einen ausreichend langen Zeitraum erproben und Ihre Rückfragen sowie
Erfahrungsberichte in das folgende Modul einbringen können. Um den Transfer in die Praxis
zusätzlich zu fördern, haben Sie die Möglichkeit, Praxistage zu besuchen, an denen Sie konkrete
Unterstützung für ihre individuelle Arbeitsrealität erfahren und eventuelle
Anwendungsschwierigkeiten reflektieren.
Jedes Modul zeichnet sich durch einen starken Praxisbezug aus, der durch Fallbeispiele aus den
Auslandsprojekten von medica mondiale sowie eine intensive Beschäftigung mit den
individuellen Umsetzungsmöglichkeiten der TeilnehmerInnen erreicht wird. Ebenso
charakteristisch sind abwechslungsreiche Methoden wie z.B. Körperübungen, Rollenspiele,
Zeichnungen, Storytelling und Fallvignetten, die variabel in Dyaden, Kleingruppen oder im Plenum
umgesetzt werden.
Um Praxisbeispiele aus verschiedenen Regionen des globalen Südens nutzen zu können,
kommen mit Simone Lindorfer und Maria Zemp zwei Referentinnen zum Einsatz, die für medica
mondiale seit 10 Jahren als freie Mitarbeiterinnen in verschiedenen Projekten weltweit tätig sind.
Durch die enge, langjährige Anbindung an medica mondiale sind sie zentrale Mitträgerinnen der
Expertise unserer Organisation.
Modul 1: Stress, Trauma und Traumadynamiken in unterschiedlichen Arbeitsfeldern verstehen
lernen
08.-10.05.2015 am Gustav-Stresemann-Institut, Bonn.
Die Referentin erläutert den Unterschied zwischen Stress- und Traumareaktionen sowie ihren
möglichen Verlauf. Sie zeigt, welche Ereignisse eng mit Traumasymptomen verknüpft sind. Da
Vergewaltigungen besonders häufig Traumafolgen auslösen, werden an dieser Stelle zentrale
Begrifflichkeiten zu geschlechtsspezifischer und sexualisierter Gewalt eingeführt. Es folgt eine
Einheit zu posttraumatischem Wachstum, d.h. positive psychologische Veränderungen, die
Betroffene als Ergebnis des Bewältigungsprozesses einer Krise erleben. Dieses Thema führt die
Referentin durch eine Erzählgeschichte aus Ruanda ein. Anschließend erarbeiten die
TeilnehmerInnen in Kleingruppen, welche Beispiele posttraumatischen Wachstums sie kennen,
und stellen ihre Erkenntnisse in der Großgruppe visuell dar. TeilnehmerInnen, die am
Veranstaltungsort übernachten, wird abends ein Film zu der psychosozialen Arbeit mit
Genozidüberlebenden der ruandischen Partnerorganisation SEVOTA gezeigt.
Der zweite Tag steht im Zeichen der Reflexion von Erfahrungen mit Traumafolgen in den eigenen
professionellen Handlungsfeldern. In Kleingruppen werden folgende Fragen bearbeitet: Welche
Beobachtungen habe ich bezüglich Trauma und Traumadynamiken in Projekten/Organisationen
gemacht, die ich begleitet habe, und zwar (1) auf der Ebene der Zielgruppen, (2) auf der Ebene
der Projektteams bzw. Partnerorganisationen, (3) auf der Ebene der Interaktion zwischen
Partnern aus dem globalen Süden und Norden, sowie (4) bei mir als Projektverantwortliche/r und
unter KollegInnen? Nach der selbständigen Exploration des Themas stellt die Referentin
theoretische Modelle zur weiteren Diskussion vor. Danach präsentiert die Referentin ein Modell
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des Umgangs mit Macht und Ohnmacht in Organisationen sowie das Täter-Opfer-Dreieck,
Prozesse von Projektion und Sündenbockmechanismen in Projektteams und Erklärungsansätze
zu den Besonderheiten von Teambuilding in Gewaltkontexten. Um die Modelle unmittelbar
erfahrbar zu machen, werden sie anschließend in Rollenspielen nachvollzogen.
Am dritten Tag geht es darum, Handlungskompetenzen zu erweitern. Die TeilnehmerInnen
beschäftigen sich damit, wie sie durch Stress- und Traumasensibilität in ihrem eigenen
professionellen Umfeld unterstützend wirksam werden können. Sie reflektieren zunächst in
Kleingruppen, welche hilfreichen Maßnahmen sie in ihrer eigenen entwicklungspolitischen Arbeit
bereits erfahren haben. Die Referentin ergänzt und systematisiert diesen Input. Um den Transfer
des Gelernten in den Arbeitsalltag zu unterstützen, steht der Nachmittag des letzten Tages im
Zeichen der Erstellung eines Umsetzungsplans. Die TeilnehmerInnen erarbeiten in Zweiergruppen
individuelle Handlungsschritte, wie sie ihre Stress- und Traumsensibilität erweitern können.
Anschließend präsentieren sie diese im Plenum. Es wird diskutiert, welche Schwierigkeiten
bestehen könnten und welche Formen der Unterstützung für die Umsetzung hilfreich wären.
Modul 2: Praktische Handlungskompetenz I - Grundlagen für Stress- und Traumasensibilität in
verschiedenen Arbeitsfeldern
10.-12.09.2015 am Gustav-Stresemann-Institut, Bonn.
Im zweiten Modul arbeiten die TeilnehmerInnen daran, Grundlagen für Stress- und
Traumasensibilität in ihrem Arbeitsalltag zu schaffen, systemische Traumafolgen zu verstehen
und ihre innere Widerstandskraft zu stärken. Maria Zemp gestaltet diese Themen seit fünf Jahren
in unseren Fortbildungen und hat in Afghanistan lokale Aktivistinnen von Partnerorganisationen
hierzu ausgebildet.
Der Nachmittag des ersten Tages widmet sich einer Überprüfung der eigenen Lebensrealität in
Bezug auf Trauma und Gewalt unter den Leitfragen: Was ist mein individueller Bezug zu den
Themen? Welche wirksamen Strategien habe ich im Umgang mit belastenden Ereignissen im
privaten und im Arbeitskontext bereits gefunden? Was kann in welcher schwierigen Situation
hilfreich sein? Welche zusätzlichen Strategien möchte ich mir aneignen?
Am zweiten Tag geht es um systemische Traumafolgen in sozialen Gefügen (Familie,
Gemeinschaft, Organisation) und ihre Bewältigung. Die Referentin gibt zunächst einen Input über
Powerpoint-Präsentation zu folgenden Fragen: Was können Traumafolgen für Kinder,
Familiensysteme und soziale Gefüge wie die Gemeinde und die Organisation sein? Welche Rolle
spielt dabei geschlechtsspezifische Gewalt? Welche Rolle spielt Kultur im Besonderen für
Bindung und Bindungsstörungen? Die Referentin unterbricht die Präsentation regelmäßig für
kurze Buzzing-Übungen im Plenum und Filmbeispiele aus den medica mondiale
Auslandsprojekten. Anschließend wird das Thema im Plenum auf den deutschen
Nachkriegskontext übertragen. Anschließend wird die Frage nach Bewältigungsstrategien auf
soziale Gefüge angewandt. Die Referentin stellt hierzu psychosoziale Ansätze aus Liberia vor, die
gesamtgesellschaftliche Traumafolgen berücksichtigen. Die Gruppe diskutiert im Plenum
darüber, inwieweit auch Bewältigung kultur- und geschlechtsspezifisch sein kann.
Am Nachmittag geht es um den direkten Umgang mit Menschen, die Trauma- und
Stresssymptome zeigen. Zunächst wird dabei die Rolle von Emotionen für Stress- und
Traumasensibilität durch einen kurzen Input der Referentin beleuchtet. Anschließend reflektieren
die TeilnehmerInnen ihre individuellen emotionalen Reaktionsstile im Umgang mit von Traumaund Stresssymptomen Betroffenen.
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Der letzte Themenblock des Tages behandelt Instrumente zur Entlastung von Stressreaktionen im
professionellen Kontext. Zunächst gibt die Referentin einen Überblick über verschiedene
Maßnahmen und systematisiert, welche Maßnahmen sich in welcher Situation besonders eignen.
Anschließend werden vier ausgewählte Instrumente intensiv besprochen und in Zweiergruppen
eingeübt (Innerer sicherer Ort, Tresor, Dissoziationsstopp und Reorientierung). Im Plenum
reflektieren die TeilnehmerInnen darüber, wann sie welches Instrument zur Stressentlastung in
ihrem Arbeitsalltag zur Anwendung bringen können.
Der dritte Tag des zweiten Moduls widmet sich der Stärkung innerer Widerstandskraft (Resilienz)
auf den Ebenen von Individuum, Projekt und Organisation. Hierzu führt die Referentin zunächst
das Resilienzkonzept ein und stellt Maßnahmen zur Resilienzförderung vor. Anschließend wird
Resilienzförderung durch praktische Übungen erfahrbar gemacht. Dabei entstehen Ideen, wie
Resilienzförderung im professionellen Kontext möglich ist. Diese Anregungen können die
TeilnehmerInnen für einen individuellen Plan zur Resilienzförderung nutzen, den sie in
Einzelarbeit auf einem strukturierten Arbeitsblatt erstellen.
Zum Abschluss des zweiten Moduls führt die Referentin die einzelnen Inhalte auf die Entwicklung
einer stress- und trauma-sensiblen Haltung im Arbeitsalltag zurück und ordnet sie in das
Gesamtkonzept der Qualifizierungsmaßnahme ein.
Modul 3: Praktische Handlungskompetenz II - Praxis der Stress- und Traumasensibilität in
verschiedenen Arbeitsfeldern
20.-22.11.2015 am Gustav-Stresemann-Institut, Bonn.
Das Abschlussmodul leitet wiederum Simone Lindorfer, die hier ganz besonders ihre Erfahrungen
in der Evaluierung von Projekten und in der Supervision von Teams in der
Entwicklungszusammenarbeit einfließen lassen kann.
Der erste Tag des Moduls widmet sich den Prinzipien stress- und trauma-sensibler
Kommunikation. Die Referentin führt zunächst über Powerpoint-Präsentation die Grundprinzipien
dieser besonders achtsamen Kommunikationsform ein und erläutert die negativen Folgen einer
nicht stress- und traum-sensiblen Kommunikation sowie die zugrundeliegenden psychologischen
Mechanismen. Sie stellt dann zur Diskussion, welche Rolle der Variable Gender in
Kommunikationsbeziehungen zukommt. Anschließend bearbeiten die TeilnehmerInnen in
Kleingruppen einzelne Fallbeispiele aus der Projektarbeit von medica mondiale.
Kommunikationssituationen werden unter folgenden Leitfragen beschrieben: Wo wurden die
Prinzipien trauma-sensibler Kommunikation (nicht) umgesetzt? Welche
Verbesserungsmöglichkeiten bestehen? Nachdem Erkenntnisse im Plenum gesammelt und
Verbesserungsvorschläge auf Stellwänden visualisiert wurden, systematisiert die Referentin die
verschiedenen Handlungsfelder für trauma-sensible Kommunikation.
Schwerpunktthema des zweiten Tages sind Traumafolgen und geschlechtsspezifische Gewalt in
Projekten und Programmen sowie bei der Projektdurchführung. Auch hier erfolgt zunächst eine
theoretische Einführung. Die Referentin unterbricht ihren Input regelmäßig für
Plenumsdiskussionen der Fragen: Wie kann man trauma-sensible von trauma-unsensiblen
Projekten unterscheiden? Wie berücksichtige ich sexualisierte Gewalt und
Geschlechterdynamiken? Wie unterscheiden sich Arbeitsfelder in ihren Anforderungen an den
Umgang mit Traumafolgen? Wie lassen sich Stress- und Traumasensibilität in unterschiedlichen
Arbeitsfeldern von Projekten fördern? Anschließend vertiefen die TeilnehmerInnen das Gelernte
in Zweiergruppen unter den Leitfragen: Welche Erfahrungen habe ich bereits mit Traumafolgen
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medica mondiale Fortbildungsprogramm 2015
und geschlechtsspezifischer Gewalt in Projekten und Programmen gemacht? Wie hätte Stressund Traumsensibilität in dem betreffenden Fall gefördert werden können?
Am Nachmittag erweitern die TeilnehmerInnen ihr Wissen zu internationalen Richtlinien für den
Umgang mit traumatisierten Menschen, im Besonderen nach geschlechtsspezifischer Gewalt
(SPHERE Project, IASC Guidelines, WHO Clinical Management of Rape, UN Women Guidelines,
Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland im laufenden Asylverfahren). Nach einem theoretischen
Input simulieren sie die Anwendung der Richtlinien anhand einzelner Fallvignetten in
Kleingruppen. Anschließend reflektieren die TeilnehmerInnen in der Kleingruppe, welche
Anwendungsmöglichkeiten oder -Notwendigkeiten sie in ihrem eigenen professionellen Kontext
sehen. Abends ist ein gemeinsames Essen in der Bonner Altstadt mit anschließendem
Konzertbesuch geplant.
Im Kompaktseminar am 20.-23.07.2015 in der Malteser Kommende in Engelskirchen
werden die Inhalte der Fortbildungsreihe in komprimierter Form behandelt, d.h. mit
weniger Anwendungsbeispielen, praxisorientierten Vertiefungen und Diskussionszeit im
Plenum.
Praxistage
12.06.2015, 13.06.2015, 02.10.2015, 06.11.2015 bei inscape international, Köln.
Praxistage dienen dazu, die Umsetzung des Gelernten im Arbeitsalltag zu unterstützen. Die
Anwesenheit ist nicht verpflichtend, es wird aber empfohlen, idealer Weise an zwei Terminen
teilzunehmen, da unserer Erfahrungen nach insbesondere aus der Reflexion von TransferSchwierigkeiten in der Gruppe kreative Ideen zur Erleichterung der Umsetzung erwachsen.
Die Schwerpunktthemen richten sich nach den Wünschen der TeilnehmerInnen. Zunächst ist eine
Sharing-Runde im Plenum vorgesehen mit drei Leitfragen: Was hat sich für mich persönlich
verändert durch die letzte medica mondiale Fortbildung? Was hat sich in meiner beruflichen
Praxis verändert und was konnte ich nutzen? Was brauche ich vom heutigen Tag, um noch besser
das gewonnene Wissen, die Sensibilität und die Fähigkeiten in meinem beruflichen Alltag
umzusetzen?
Die TeilnehmerInnen benennen anschließend ihre Wünsche, welche praktischen Übungen,
theoretischen Inhalte und Fallbeispiele besprochen werden sollen. Die Referentin regt dazu an,
Erfolge und Schwierigkeiten zu reflektieren. Für die Besprechung von Fallbeispielen werden
Zweiergruppen gebildet oder kollegiale Supervision in Triaden genutzt. Unseren Erfahrungen nach
ist es sehr bereichernd für die TeilnehmerInnen, durch Methoden gegenseitiger Unterstützung
von den KollegInnen zu lernen und sich dabei besser kennenzulernen bzw. zu vernetzen. In
Vorbereitung hierzu führt die Referentin die Grundprinzipien kollegialer Supervision ein. Die
Dyaden oder Triaden besprechen die Inhalte und den Prozess ihrer Arbeit anschließend im
Plenum, wo die Referentin ergänzenden Input gibt. Auch leitet die Referentin über den Tag verteilt
zu geeigneten Zeitpunkten praktische Übungen zur Ressourcenaktivierung und Achtsamkeit an,
die der Stärkung innerer Widerstandskraft dienen.
Weitere Informationen: http://www.medicamondiale.org/ aktiv-werden-spenden/fortbildungen.html
Ihre Ansprechpartnerin für Ihre Fragen ist Rebecca Schulz unter seminare@medicamondiale.org
oder +49 (0)221-931898-61.
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