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Ulrike Quast
Leichter lernen
mit Musik
Theoretische Prämissen und
Anwendungsbeispiele
für Lehrende und Lernende
Aus dem Programm Huber
Psychologie Sachbuch
Wissenschaftlicher Beirat:
Prof. Dr. Dieter Frey, München
Prof. Dr. Kurt Pawlik, Hamburg
Prof. Dr. Meinrad Perrez, Freiburg (Schweiz)
Prof. Dr. Hans Spada, Freiburg i. Br.
© 2005 by Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern
Dieses Dokument ist nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt und darf in keiner Form vervielfältigt
und an Dritte weitergegeben werden. Aus: Ulrike Quast; Leichter lernen mit Musik. 1. Auflage.
Weiterer Bücher zum Thema Lernen und Erziehen
im Verlag Hans Huber:
Jürg Frick
Die Droge Verwöhnung
Beispiele, Folgen, Alternativen
3., überarbeitete und ergänzte Auflage
Etwa 170 Seiten (ISBN 3-456-84171-X)
Jürg Frick
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Geschwister und ihre Bedeutung für das Leben
2., überarbeitete und ergänzte Auflage
349 Seiten (ISBN 3-456-84032-2)
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Motivationsförderung in Elternhaus und Schule
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Etwa 200 Seiten (ISBN 3-456-84210-4)
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V. Waters, D. Schwartz, R. Gravemeier, M. Grünke
Fritzchen Flunder und Nora Nachtigall
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J.T. Webb, E.A. Meckstroth, S.S. Tolan
Hochbegabte Kinder, ihre Eltern, ihre Lehrer
Ein Ratgeber
4., aktualisierte Aufl. 2004
256 Seiten (ISBN 3-456-84118-3)
Weitere Informationen über unsere Neuerscheinungen finden Sie im Internet unter:
http://verlag.hanshuber.com oder per E-Mail an: verlag@hanshuber.com
© 2005 by Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern
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Ulrike Quast
Leichter lernen
mit Musik
Verlag Hans Huber
Bern · Göttingen · Toronto · Seattle
© 2005 by Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern
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Adresse der Autorin:
Dr. Ulrike Quast
Rothenburger Straße 11a
D-01099 Dresden
www.ulrike-quast.de
Lektorat: Monika Eginger
Herstellung: Peter E. Wüthrich
Umschlagbild: J. Stankowski, Dresden
Umschlag: Atelier Mühlberg, Basel
Druckvorstufe: sos-buch, Mainz
Druck und buchbinderische Verarbeitung: Druckhaus Beltz, Hemsbach
Printed in Germany
Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen
Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet
über http://dnd.ddb.de abrufbar.
Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt.
Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtes ist
ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere
für Vervielfältigungen,Übersetzungen, Mikroverfilmungen sowie die
Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Anregungen und Zuschriften bitte an:
Verlag Hans Huber
Hogrefe AG, Bern
Länggass-Strasse 76
CH-3000 Bern 9
Tel: 0041 (0)31 300 4500
Fax: 0041 (0)31 300 4593
E-Mail: verlag@hanshuber.com
Internet: http://verlag.hanshuber.com
1. Auflage 2005
© 2005 für die deutschsprachige Ausgabe by Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern
ISBN 3-456-84209-0
© 2005 by Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern
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Inhaltsverzeichnis
Ein kurzes Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
9
Teil 1: Theoretische Prämissen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
11
Über das Lernen und das Gedächtnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
13
Zu den Begriffen «Lernen« und «Gedächtnis» . . . . . . . . . . . . . . . .
16
Was geschieht hirnbiologisch beim Lernen? . . . . . . . . . . . . . . . . . .
18
Ganzheitliches Lernen aus lernpsychologischer Sicht . . . . . . . . . .
Kognitives und emotionales/motivationales Lernen . . . . . . . . . . . . .
Verbales und non-verbales Lernen (mit allen Sinnen) . . . . . . . . . . .
Bewusstes und unbewusstes Lernen oder Lernen in zwei
Bewusstseinszuständen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
22
23
24
Musik und ihre Wahrnehmung und Verarbeitung . . . . . . . . . . . . .
29
Was ist Musik? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
31
Musikepochen und ausgewählte Musikrichtungen . . . . . . . . . . . .
Blues, Jazz, Rock ’n’ Roll . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Popmusik. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
New Age. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
34
35
37
38
Musikhören – Klänge auf dem Weg von der Außenwelt
in unser Gehirn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
39
Hirnaktivitäten bei der Musikverarbeitung . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Hemisphärenspezialisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Die Rolle subkortikaler Strukturen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Gibt es ein neuronales Musikzentrum? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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41
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Über das Potential von Musik in Lernprozessen . . . . . . . . . . . . . .
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Inhaltsverzeichnis
Musik und ganzheitliches Lernen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Hirnbiologische Betrachtungsweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Lernpsychologisches Herangehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Zur differenzierten Wirkungsweise von Musik und deren
Bedeutung für das Lernen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Einige einleitende Überlegungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Zur Wirkung von Musik auf Physis und Psyche
(ergotrope und trophotrope Musik) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Musik und ihr Potential unsere geistigen Kräfte zu mobilisieren . .
Musik – Mittel zur Entwicklung sozialer und emotionaler
Fähigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Musik und ihr Zusammenhang mit motorischen Prozessen. . . . . .
49
49
50
53
53
55
61
67
71
Musik und Sprache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
75
Über den Zusammenhang von Musik und Sprache . . . . . . . . . . .
76
Eine Untersuchung zur Wirkung von Musik auf verbale
Leistungen und die Befindlichkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
79
Ausgewählte pädagogische und therapeutische Methoden mit
Musik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
87
Pädagogische Konzeptionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Die Suggestopädie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Die Kodály-Methode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Das Orff-Schulwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
89
90
94
96
Die Musiktherapie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Die Orff-Musiktherapie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Die Sozialmusiktherapie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
99
101
102
Teil 2: Anwendungsbeispiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
107
Einige allgemeine Hinweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
109
Musikrezeption . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Vorder- und Hintergrundmusik. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
111
111
Musik zur Veränderung der psychophysischen Befindlichkeit . .
Übungen mit Musik zur psychophysischen Entspannung und
zur Förderung der Konzentration . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Übungen mit Musik zur psychophysischen Aktivierung . . . . . . . .
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Inhaltsverzeichnis
7
Musikrezeption in Übungen zur Sensibilisierung der Wahrnehmung und zur Förderung von Selbstausdruck und Kreativität . .
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Musik als unterstützendes Element beim Stoff-Erwerb und in
Aktivierungs- und Anwendungsübungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Spielerisch lernen mit Musik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Die Fantasiereise (Guided Imagery) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Freies Assoziieren während einer Fantasiereise oder nach Musik
(Semi-Guided oder Unguided Imagery) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Das Lernkonzert (Séance) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Körperlernen mit Musik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Musik zur Entwicklung emotionaler und sozialer Prozesse . . . . .
Der musikalische Runde Tisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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138
141
145
145
150
151
151
Musikreproduktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 153
Didaktische Lieder und musikalische Verszeilen . . . . . . . . . . . . . . . 153
Faktenlernen leicht gemacht – Lernen im Sprechgesang . . . . . . . . . 154
Sprechrhythmus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156
Lieder, Songs und Rockmusik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157
Musikproduktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Lieder kreieren zu Lerninhalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Spiele und spielerische Übungen zur Instrumentalimprovisation. .
Spiele zur Entwicklung der Wahrnehmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Spiele zur Entwicklung der Gruppendynamik. . . . . . . . . . . . . . . . . .
Spiele zur Entwicklung von Selbstausdruck und Kreativität . . . . . .
Spiele zur Entwicklung der Motorik und zum Abbau von
Bewegungsstau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Fächerübergreifende Übungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
161
161
161
162
163
164
Zusammenfassende Übersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
167
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
169
Begriffserläuterungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
175
Geschichten
Wie der kleine Drache sein Gedächtnis wiederfand . . . . . . . . . . . . .
Die göttliche Kunst – ein Märchen über die Entstehung der Musik
Das Lied der Drossel oder wie der Riese Ungestüm bekehrt wurde
Musik, bei deinem Zauberklang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Sarahs Traum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Ein kurzes Vorwort
An Pädagogen, Trainer, Psychologen und alle,
die dieses Buch lesen
Musik – ob zu Hause, im Konzert, im Café oder auf der Straße – überall
klingen ihre Melodien und begeistern ihre Zuhörer.
Musik hat Wirkung. Sie berührt uns, versetzt uns in Träume, sie bringt
Menschen einander näher und lässt uns entrücken in ihre Welt der Töne
und Rhythmen. Die heilende Kraft von Musik wird in der Medizin und
in der Psychotherapie schon lange genutzt. Aber Musik vermag noch
mehr. Unter ihrem Klangteppich wird es uns möglich, mit mehr Freude,
mehr Gelassenheit und Ausdauer, mit größerem Interesse und besserem
Merkvermögen zu lernen. Eine Herausforderung an die moderne Pädagogik und an diejenigen, die in die Aus-, Fort- und Weiterbildung von
Menschen involviert sind!
Mit meinem Buch möchte ich Sie anregen, dass Sie sich selbst beziehungsweise die Teilnehmer an Ihren Seminaren und Unterrichtsstunden
durch die Klänge von Musik verzaubern und inspirieren lassen. Sie werden erleben und erfahren, dass das Lernen mit Musik zur Bereicherung
Ihrer (Lebens-), Lerngeschichte führt.
Ulrike Quast
© 2005 by Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern
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Teil 1
Theoretische Prämissen
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Über das Lernen und das
Gedächtnis
Wie der kleine Drache sein Gedächtnis wiederfand
Es war einmal ein kleiner Drache, der saß mitten in einem Blumenbeet.
Und obwohl die Blumen herrlich dufteten und die Bienen gar lieblich
summten, war der kleine Drache schrecklich traurig. Warum er so traurig
war? Das hat sich damals auch so manch einer gefragt, und er ist auf
den kleinen Drachen zugegangen und wollte von ihm wissen: «Sag mal
kleiner Drache: Wie heißt du denn?» «Woher kommst du?» «Wo wohnen
deine Eltern?»
Und wisst ihr, was der kleine Drache dann jedes Mal geantwortet hat?
«Weiß ich nicht.» «Das weiß ich auch nicht.» «Das habe ich ganz vergessen.» Und unglücklich blickte er zur Seite und wackelte mit den
Ohren. Drachen wackeln meistens mit den Ohren, wenn sie unglücklich
sind. Jetzt versteht ihr sicher auch, warum der kleine Drache so traurig
war: Er konnte sich nämlich an niemanden und nichts erinnern.
Vor mehreren langen Drachenminuten, so müsst ihr wissen, war er bei
seinem Landeflug auf eben dieses Blumenbeet, auf dem er nun saß,
plötzlich in einen mächtigen Sturm geraten. Der Sturm zerrte und zauste
den Drachen nur so herum. Der kleine Drache stemmte sich mit ganzer
Kraft gegen den Blaseprotz. Doch dessen Wucht war so stark, dass es den
Drachen auf den Boden schleuderte. Bums, schlug er auf die Erde auf.
Bums, so machte es auch in seinem Kopf. Nicht, weil er auf den Kopf
gefallen war, nein, weil er vor lauter Blumenduft laut niesen musste.
«Ptschi» und gleich noch einmal «Ptschitschi». Dann bekam er Ohrensausen und es wurde ihm ein wenig schwindelig dabei. Außerdem war
er auffällig grün kariert im Gesicht.
Als der kleine Drache dann nach einer Weile ganz vorsichtig an sich
hinabschaute und sich noch vorsichtiger in seiner Umgebung umblickte,
bemerkte er zu seinem Entsetzen, dass er durch den Aufprall auf dem
Boden alles vergessen hatte: Wo er war, was er da wollte, wohin es ihn
gezogen hatte. Doch viel schlimmer noch: Er konnte sich einfach nicht
erinnern, wie er hieß und wo er eigentlich zu Hause war.
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Teil 1: Theoretische Prämissen
Inzwischen stand schon eine Ansammlung schaulustiger Bewohner der
Umgebung um ihn herum: ein Purzelfink, eine Schnildechse, ein Mäusehorst und eine winzige Hupfschnepfe. «Da hilft nichts. Kein Jammern
und kein Klagen», meinten die vier schließlich. «Lasst uns loswandern
und dein Gedächtnis wiederfinden.»
Gesagt, getan. Die vier nahmen den kleinen Drachen in ihre Mitte und
zogen los. Auf ihrer Wanderung kamen sie zuerst an einer alten Hütte
vorbei. Ein Fenster war weit geöffnet und drinnen krakeelten mehrere
Bewohner auf einmal. «Bist du hier vielleicht zu Hause?» fragten der
Purzelfink, die Schnildechse, der Mäusehorst und die winzige Hupfschnepfe den kleinen Drachen. «Nein, ich kenne diese Stimmen nicht und
das Haus habe ich auch noch nie gesehen», antwortete der kleine Drache
leise und wackelte unaufhörlich mit den Ohren.
«Dann lasst uns weiterziehen», sprachen seine vier Begleiter und wieder machten sie sich auf die Suche. Der kleine Trupp war schon eine ganze Weile gewandert, immer weiter bergan und bergab, bis sie sich an
einer dunklen Höhle niederließen, um zu rasten. Aus dem Innern der
Höhle dröhnte ein lautes Schnarchen, dass der Boden bebte. «Ist das vielleicht dein Vater?» fragten der Purzelfink, die Schnildechse, der Mäusehorst und die winzige Hupfschnepfe den kleinen Drachen. «Nein, ich
kenne dieses Geräusch nicht und solch eine Höhle habe ich auch noch
nie, nie in meinem Leben gesehen», so antwortete der kleine Drache und
wackelte mit den Ohren. Plötzlich erschienen in der Höhle zwei riesige
Glubschaugen, so groß wie Untertassen.
«Lass uns lieber Reißaus nehmen», riefen die vier Begleiter dem kleinen
Drachen zu. Und als sich zu den riesigen Glubschaugen auch noch ein
nicht weniger riesiges Maul gesellte, traten die fünf eine wilde Flucht an.
Sie rannten weiter und weiter, über Berge und durch Täler, an Flüssen
und Seen entlang. Es wurde schon ein wenig dunkel, als sie sich erschöpft
an einen alten knorrigen Baum lehnten. Von seinen Ästen herab baumelten hübsche Schaukeln. «Kommt, ihr vier. Lasst uns schaukeln», sprach
der kleine Drache. Er schwang sich als erster in die Lüfte und war nicht
mehr ganz so traurig wie zuvor. Auch die anderen kletterten jeder in
eine Schaukel und schoben sich immer wieder an, bis sie in den Lüften
schwebten.
Und als sie so bis zu den Wipfeln des Baumes schaukelten, begegneten
sie ganz oben dem Singsang. «Wer bist du denn?», fragte ihn der kleine
Drache. «Ich bin der Singsang», antwortete dieser. «Wenn du meine Melodie einfängst, wirst du finden, wonach du suchst», sprach der Singsang
und trällerte seine Melodie. Da schwang sich der kleine Drache noch
höher und höher in die Luft und fing die Melodie des Singsangs ein. Und
was soll ich euch sagen, in dem Moment, als die Melodie des Singsangs
in den Ohren des kleinen Drachens widerhallte, hörten diese plötzlich
auf zu wackeln und ein Strahlen breitete sich im Gesicht des Drachens
aus. Freudig rief er: «Die Melodie. Ich kenne sie ganz genau. Es ist meine
Drachen-sonntags-freu-dich-heute-Melodie. Ich singe sie jeden Tag, weil
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Über das Lernen und das Gedächtnis
15
bei uns Drachen nämlich jeden Tag Sonntag ist. Jetzt weiß ich, wer ich bin
und wo mein Zuhause ist.»
Sofort sprangen die fünf wie auf Kommando von ihren Schaukeln und
setzten sich in Bewegung. Angeführt wurde der Zug vom kleinen Drachen, der vergnügt sein Lied trällerte:
Ich bin der Drache Balduin
Und komm aus dem Drachenland
Vater, Mutter, mein Bruder Plumps und ich
Sind im Drachenland bekannt.
Jeh, jeh, jupso. Jeh, jeh, jupso.
Beim letzten Jupso waren die fünf am Drachenhaus angelangt, wo sie
von Vater Drache, Mutter Drache und Bruder Plumps mit lautem «Hallo»
begrüßt wurden. Alle feierten eine lustige Party und waren vergnügt
und froh.
Am glücklichsten war natürlich der kleine Drache Balduin. Heimlich
schwor er sich, nie wieder in einem Blumenbeet zu landen. Vor den anderen jedoch lobte und pries er den Singsang wieder und wieder.
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